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Never Mind the Markets

Artikel-Schlagworte: „Ratingagenturen“

Ein frustrierendes Jubiläum

Mark Dittli am Freitag den 18. Januar 2013
Andrew Haldane. (Foto: Bank of England)

Banken erhalten dank einer impliziten Staatsgarantie ein höheres Rating: Andrew Haldane, Exekutivdirektor für Finanzmarktstabilität der Bank of England. (Foto: Bank of England)

Noch wenige Wochen, und wir feiern ein nettes kleines Jubiläum. Vor knapp sechs Jahren, Anfang Februar 2007, warnte die britische Grossbank HSBC, sie müsse auf ihrem Portfolio mit amerikanischen Subprime-Hypotheken eine milliardenschwere Abschreibung vornehmen. Zu diesem Zeitpunkt wusste in der breiten Öffentlichkeit noch kaum jemand, was Subprime-Hypotheken überhaupt sind.

Neunzehn Monate später stand die Finanzwelt und mit ihr die gesamte Weltwirtschaft am Abgrund.

Wenn es einen Begriff gibt, der diese Episode prägte, dann dieser: Too big to fail. Reihenweise mussten Staaten damals Finanzinstitute retten, weil sie zu gross und zu komplex waren und ihr unkontrollierter Absturz das gesamte Finanzsystem in die Tiefe gerissen hätte. AIG, Citigroup, Royal Bank of Scotland und UBS zählten zu den unrühmlichsten Beispielen. Man hätte denken können, diese grösste internationale Bankenkrise seit den frühen Dreissigerjahren sei ein Weckruf, um das «Too big to fail»-Problem ein für alle Mal zu lösen.

Es kam nicht dazu. Ohne die gesamte Geschichte aufzurollen: Der Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich machte sich an die Arbeit und gebar das Basel-III-Regelwerk, das den Banken unter anderem ein etwas höheres Eigenkapitalpolster vorschreibt – und ihnen Zeit bis 2019 einräumt, um dies zu bewerkstelligen. In einzelnen Ländern wurden zusätzliche, zum Teil über Basel III hinausgehende Massnahmen beschlossen oder angedacht, etwa in der Schweiz, in Grossbritannien mit dem «Vickers Report», in den USA mit der Volcker-Regel, und auch in der EU hat die Liikanen-Kommission ihre Empfehlungen abgegeben. Derzeit ist allerdings vor allem eines zu beobachten: Die USA sowie grössere europäische Länder wie Deutschland wollen die Einführung von Basel III verzögern, respektive die Regeln bereits wieder verwässern.

Doch von den politischen Mühlen mal abgesehen: Wenn es einen Ort gibt, an dem festzustellen wäre, ob das «Too big to fail»-Problem gelöst ist, dann ist es der Finanzmarkt. Wenn Investoren tatsächlich glaubten, dass gescheiterte Banken künftig nicht mehr von ihren Heimatstaaten gerettet werden, dann müsste das in ihren Kreditratings respektive in ihren Kapitalkosten ersichtlich sein. Und hier ist das Fazit leider mehr als niederschmetternd.

Gemäss einer Untersuchung von Andrew Haldane, Exekutivdirektor für Finanzmarktstabilität der Bank of England (in diesem Blogbeitrag haben wir ihn bereits vorgestellt), hat sogar das Gegenteil stattgefunden: Vor der Finanzkrise erhielten die 29 weltweit grössten, systemrelevanten Banken von den Ratingagenturen im Schnitt ein um gut eine Stufe («notch») erhöhtes Kreditrating, weil diese in ihrer Bonitätsprüfung eine implizite Staatsgarantie mit einberechneten. Dieser Rating-Unterschied lässt sich feststellen, weil die Agenturen für grosse Banken in der Regel zwei Ratings aussprechen: eines auf Basis «standalone», also ohne angenommene Staatshilfe, und eines auf Basis «support».

Heute kommen die 29 weltgrössten Banken dank der impliziten Staatsgarantie gemäss Haldane sogar auf ein um drei Stufen erhöhtes Kreditrating, wie die folgende Grafik zeigt (Quelle: Bank of England):

Die am Finanzmarkt erwartete Wahrscheinlichkeit, dass eine Grossbank im Notfall gerettet wird, hat sich so gesehen also verdreifacht. Ein höheres Kreditrating bedeutet für die Bank tiefere Kapitalkosten – die implizite Staatsgarantie ist daher nichts weiter als eine versteckte staatliche Subvention, die die Grossbanken erhalten. Nach Berechnungen Haldanes summierte sich diese Subvention vor der Finanzkrise für die 29 grössten Institute weltweit auf rund 70 Milliarden Dollar. Mit den seriellen Rettungsaktionen ab Herbst 2008 schoss diese implizite Subvention in die Höhe und liegt heute mit rund 500 Milliarden Dollar auf fast zehn Mal höheren Niveau als vor der Krise. Hier die Grafik (Quelle: Bank of England):

Das Verdikt der Finanzmärkte ist daher klar: Statt dass das «Too big to fail»-Problem gelöst wurde, wurde es in den vergangenen fünf Jahren erst recht zementiert.

Kürzlich bin ich auf ein Umfrageergebnis gestossen, das mir meine spärlichen Haare zu Berge stehen liess. Das angesehene CFA Institute hat auf seiner NewsBrief-Website eine nicht-repräsentative Erhebung gemacht und eine simple Frage gestellt: Was ist die wichtigste Lektion, die Sie als Investor in den vergangenen fünf Jahren gelernt haben?

Hier die Antworten:

Fast 60 Prozent der 999 Befragten antworteten: Central banks and governments will continue to bail out troubled creditors. Nicht repräsentativ, gewiss, aber trotzdem bedenklich.

Das Fazit nach sechs Jahren Finanzkrise: Die implizite staatliche Subvention, die die Grossbanken geniessen, hat sich fast verzehnfacht. Und die wichtigste Lektion, die Investoren gelernt haben, ist, dass in Bedrängnis geratene Finanzinstitute künftig wieder gerettet werden.

Frustrierend, nicht wahr?

An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis: Martin Hellwig, Ökonom am Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, (in diesem Blogbeitrag mehr zu ihm) hat zusammen mit seiner an der Stanford University forschenden Kollegin Anat Admati ein neues Buch zur Grossbankenthematik mit dem Titel «The Banker’s New Clothes: What’s Wrong with Banking and what to do about it» geschrieben. Es soll am 24. Februar erscheinen. Ich bin gespannt darauf.

Ideen und Interessen

Tobias Straumann am Dienstag den 31. Juli 2012
epa03316981 Vice-President of the EC in charge of Justice, Fundamental Rights and Citizenship Viviane Reding talks during a joint press conference with Member of the EC in charge of Internal Market and Services Michel Barnier (unseen), at the European Commission headquarters in Brussels, Belgium, 25 July 2012. European Commission proposes EU-wide action to fight rate-fixing on Libor Scandal.  EPA/JULIEN WARNAND

Meint, dass die Ratingagenturen bloss von den USA ablenken wollen: Viviane Reding, Vize-Präsidentin der EU-Kommission, 25. Juli 2012. (Foto: Keystone)

Jetzt sind wieder die Ratingagenturen an der Eurokrise schuld. Viviane Reding, die Vizepräsidentin der EU-Kommission, meinte letzte Woche: «Es ist doch interessant, dass immer dann, wenn sich die haushaltspolitische Lage in den USA verschlechtert, bestimmte Rating-Agenturen Europa ins Rampenlicht rücken.» Reding ist mit dieser Meinung keineswegs alleine. Dass die USA das Scheitern des Europrojekts wünschten, hört man immer wieder.

Auslöser der harschen Worte aus Brüssel war die Warnung der US-Ratingagentur Moody’s, Luxemburg, Deutschland und den Niederlanden das Top-Rating zu entziehen. Die Begründung lautete, dass die Verschärfung der Eurokrise zu einer grösseren Belastung der Haushalte dieser drei Länder führen werde. Finnland war von dieser Warnung ausgenommen, weil es grössere Sicherheiten für seine Kreditzusagen herausholen konnte.

Nun ist unbestritten, dass die Ratingagenturen ihre Einschätzungen verschärfen, weil sie sich prozyklisch verhalten. In der guten Zeit werfen sie mit Topbewertungen um sich, in der Krise tragen sie durch ihre periodischen Herabstufungen zum Teufelskreis bei. Das neuste Paper von Manfred Gärtner und Björn Griesbach bestätigt diesen Befund. Für die Zwischenkriegszeit haben Marc Flandreau und Norbert Gaillard dasselbe festgestellt.

Dennoch ist es die falsche Debatte. Die Anleger und Banken hätten auch ohne Ratingagenturen früher oder später herausgefunden, dass Griechenland und Spanien ohne fremde Hilfe nicht mehr aus ihrer Depression herausfinden. Die harschen Worte aus Brüssel lenken nur vom eigentlichen Problem ab, und sie wecken einmal mehr den Verdacht, dass viele Verantwortliche immer noch nicht begriffen haben, worum es bei der Eurokrise eigentlich geht. Es ist, was in der Forschung seit längerem unter dem Stichwort «twin crises» oder «triplet crises» diskutiert wird: die Kombination einer Banken-, Schulden- und Leistungsbilanzkrise. Es geht um fundamentale makroökonomische Ungleichgewichte, nicht um eine vorübergehende Störung der Wirtschaft.

Lange Zeit konnte man sich mit dem Gedanken trösten, dass die Eurokrise deshalb so schwierig zu lösen sei, weil es grosse institutionelle Hürden gebe und die Staatschefs viel Zeit brauchten, um ihre Interessen miteinander abzustimmen und einen Kompromiss zu finden. Man musste sich einfach in Geduld üben, es würde schon gut herauskommen. Aber diese Einschätzung war viel zu optimistisch. Es fehlt an den richtigen Ideen und Konzepten.

Das Ganze erinnert an die Debatte um die Abwertung des Schweizer Frankens von 1936. Es gibt immer noch Schweizer Historiker, die glauben, der Finanzplatz habe eine frühzeitige Abwertung zugunsten der Exportindustrie verhindert. Interessen, nicht Ideen hätten eine rasche Anpassung des Wechselkurses verhindert – ohne zu präzisieren, welche Interessen der Finanzplatz eigentlich genau hatte. Die Quellen sprechen eine völlig andere Sprache. Die Exportindustrie selber wollte lange Zeit keine Abwertung, weil sie eine grosse Inflation befürchtete, welche die Vorteile der Abwertung zunichte machen würde. Auch die Gewerkschaften waren aus Angst vor Kaufkraftverlust gegen eine Abwertung. Man verstand die makroökonomischen Zusammenhänge nicht. Es fehlte an den richtigen Ideen.

Weil viele Verantwortliche immer noch nicht begriffen haben, worum es in der Eurokrise eigentlich geht, fehlt weiterhin das Gefühl der Dringlichkeit. Als vergangene Woche eine Gruppe von renommierten Ökonomen mit guten Argumenten erklärte, dass der Euro ernsthaft gefährdet sei, hiess es in Berlin: «Die Einschätzung, dass Europa am Rande einer Katastrophe steht, wird von der Bundesregierung ausdrücklich nicht geteilt.»

Diese Worte erinnern an Ben Bernanke, der im März 2007 gegenüber dem US-Senat erklärte, die Immobilienkrise sei nicht gefährlich:  «The impact on the broader economy and financial markets of the problems in the subprime market seems likely to be contained.» Im August 2007 kollabierte der Markt, die grosse Finanzkrise nahm ihren verhängnisvollen Lauf. Der Rest ist Geschichte.

Die Ratingagentur S&P hat leider recht

Tobias Straumann am Dienstag den 17. Januar 2012
Protestierende vor dem Pariser Büro von Standard & Poor's, 13. Januar 2012.

Die Sparpolitik, die am letzten EU-Gipfel beschlossen wurde, führt nicht zum Ziel: Protestierende vor dem Pariser Büro von Standard & Poor's, 13. Januar 2012. (Bild: Keystone)

Der Ärger über die Herabstufung Frankreichs, Italiens und des Rettungsfonds (EFSF) ist verständlich. Seit Monaten jagt ein Sparprogramm das nächste, aber statt dafür belohnt zu werden, müssen die Staaten eine schlechtere Benotung entgegennehmen.

Dennoch muss man leider feststellen, dass die Ratingagentur Standard and Poor’s (S&P) vollkommen recht hat. Die Sparpolitik, die am letzten EU-Gipfel im Dezember 2011 beschlossen wurde, führt nicht zum Ziel. Es braucht Massnahmen, die das fundamentale Ungleichgewicht zwischen den Nord- und den Südländern mildern (hier die Begründung von S&P). In dieser Hinsicht ist immer noch kein einziger tauglicher Vorschlag gemacht worden. Alle hoffen darauf, dass Italien seine Löhne und Preise so weit senkt, dass die Exporte wieder brummen. Man nennt diesen Vorgang «interne Abwertung». Er wird nicht funktionieren.

Warum nicht? Es gibt drei Probleme, die sich stellen:

  1. Die lange Dauer: Bis Italien die Preise und Löhne auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt hat, werden Jahre vergehen. So viel Zeit hat die Eurozone nicht.
  2. Das Koordinationsproblem: Es ist unmöglich, alle Löhne und Preise gleichzeitig zu senken. Oft geht der Privatsektor mit den Löhnen voran, während die Politik verhindert, dass die staatlichen Preise gesenkt werden. Dadurch bleibt das Ziel der “internen Abwertung” für gewisse Sektoren unerreichbar.
  3. Der politische Widerstand: Eine «interne Abwertung» bedeutet nichts anderes, als dass das allgemeine Wohlfahrtsniveau gesenkt wird. Jede Regierung wird früher oder später weggewählt.

Wegen dieser drei Probleme gibt es  unzählige historische Fälle von gescheiterten «internen Abwertungen». Die Schweiz in den 30er-Jahren ist ein besonders treffendes Beispiel. 1931 wertete sich das britische Pfund ab und 1933 der US-Dollar, während der Schweizer Franken eine stabile Goldwährung blieb. Um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, begannen Wirtschaft und Staat die Löhne und Preise Schritt um Schritt zu senken. Der Erfolg war beschränkt: Der Konsumentenpreisindex reduzierte sich nur um 15 Prozent, während sich das Pfund und der Dollar um 40 Prozent abwerteten. Erst als die Schweiz den Franken im September 1936 um 30 Prozent abwertete, war die schweizerische Exportindustrie wieder wettbewerbsfähig (siehe Grafik).

Wenn es so viele historische Beispiele von gescheiterten «internen Abwertungen» gibt, müsste man eigentlich meinen, dass diese Option vom Tisch ist. Wie ich an einer Euro-Konferenz letzte Woche in Bayreuth erfahren musste, ist dies keineswegs der Fall. Ein Ökonom räumte zwar ein, dass es «psychologische Probleme» gäbe, die man erst nehmen müsse, aber im Prinzip sei alles nur eine Frage des Willens. Als ein Wirtschaftshistoriker auf die zahlreichen gescheiterten Beispiele in der Geschichte hinwies, meinte der Ökonom, man müsse es trotzdem tun.

So scheint eben doch wahr zu sein, was man immer vermutet, aber nie geglaubt hat: Die Diskussionen um die Zukunft des Euro finden auch im dritten Jahr der Krise in einem Paralleluniversum statt, das mit den tatsächlichen Gegebenheiten wenig zu tun hat. Dass die Ratingagentur S&P dies zum Anlass nimmt, einige Länder und den Rettungsfonds herabzustufen, ist nichts anderes als folgerichtig.

Ratingagenturen als Sündenböcke

Tobias Straumann am Freitag den 8. Juli 2011

Wehren sich gegen die Ratings von Nicht-Europäern: EZB-Chef Jean-Claude Trichet und der luxemburgische Finanzminister Jean-Claude Juncker am EU-Finanzministertreffen in Brüssel, Juni 2011. (Bild: Keystone)

Nach der Herabstufung von Portugals Schulden auf Ramschstatus ist der Streit um die Ratingagenturen voll entbrannt. Am Donnerstag holten die beiden Jean-Claudes zu einer Attacke aus: Jean-Claude Juncker regte am Donnerstag die Schaffung von europäischen Ratings an, Jean-Claude Trichet meinte, es sei nicht ideal, dass ein Oligopol von drei Firmen (Fitch, Moody’s, Standard & Poor’s) alle Ratings vornähmen.

Auf einer abstrakten Ebene haben die beiden recht. Es ist grotesk, dass drei US-Firmen alle relevanten Wertpapiere der Welt bewerten. Mehr Wettbewerb würde der Branche gut tun. Ich verstehe auch nicht, warum man deren Geschäftsmodell nicht schon längst geändert hat. Es ist absurd, dass sie von ihren Auftraggebern bezahlt werden. Wo das hinführt, haben wir jetzt zweimal erlebt. Dotcom-Bubble und der Subprime-Bubble wären kaum möglich gewesen, wenn die Ratingagenturen nicht unprofitable Internetfirmen und undurchsichtigen strukturierte Produkte mit Höchstnoten geadelt hätten.

Auch historisch gesehen sind die Ratingagenturen skeptisch zu beurteilen. Bis vor hundert Jahren waren Geschäftsbanken dafür zuständig, zwischen guten und schlechten Risiken zu urteilen. Sie hatten die volkswirtschaftliche Aufgabe, die Spargelder einzusammeln und über Kredite und Anleihen Investitionen zu finanzieren. Sie waren auch dafür verantwortlich, die Verluste zu übernehmen, wenn sie sich in ihrem Urteil getäuscht haben. Seit wir Rating-Agenturen haben lagern die Geschäftsbanken ihre Verantwortung für die Risikobeurteilung der Wertpapiere aus. Wenn es schief geht, heisst es: Wertpapier XY hatte ein Triple-A, ist nicht unsere Schuld. Wofür haben wir denn überhaupt noch Banken? (Der Genfer Wirtschaftshistoriker Marc Flandreau und seine Mitarbeiter haben dazu einen interessanten wissenschaftlichen Artikel geschrieben.)

Im konkreten europäischen Fall aber teile ich die Kritik von Juncker und Trichet nicht. Was die drei Ratingagenturen in letzter Zeit entschieden haben, entspricht dem, womit die Märkte schon längst rechnen. Der letzte Entscheid – die Herabstufung von Portugals Schulden durch Moody’s – drückt sich seit einem Jahr in der steigenden Zinsdifferenz zwischen deutschen und portugiesischen Anleihen aus. Mittlerweile ist diese Zinsdifferenz bei zehn Prozent anbelangt. Man kann Moody’s nur vorwerfen, dass die Herabstufung nicht schon früher erfolgt ist.

Auch die Begründung von Moody’s ist gut nachvollziehbar. Sinngemäss hiess es, man habe wachsende Zweifel, ob die Euro-Länder in der Lage sein werden, die Schuldenkrise zu lösen. Wenn Jean-Claude Juncker nun die Rating-Agenturen dafür bestrafen will, dass sie schlechte Nachrichten überbringen, lenkt er nur vom eigentlichen Problem ab. Wachsende Zweifel am politischen Prozess haben mittlerweile alle Beobachter – egal, ob sie den Euro für wünschenswert oder eine Fehlkonstruktion halten.

Ich bin überzeugt, dass die Zinsdifferenzen schnell zurückgehen würden, wenn die Euro-Länder einen guten Plan zur Reduktion der Schulden in Griechenland, Irland und Portugal auf den Tisch legen würden. Diese Staaten sind faktisch zahlungsunfähig, also sollte man dieser Tatsache möglichst schnell gerecht werden, den Schnitt machen und Massnahmen zum Schutz der betroffenen Banken vorbereiten. Je länger man wartet, desto schlimmer wird es. Die Ansteckung greift immer mehr auf Italien und Spanien über.

Finanzkrisen finden oft im Herbst statt. Im September ist die nächste Tranche für Griechenland fällig. Wenn sich wieder dasselbe Drama abspielen sollte und die Euro-Länder immer noch keine Lösung präsentieren können, könnte es eng werden.