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Du sollst nicht stehlen

Mark Dittli am Freitag den 7. September 2012
Andrew Haldane. (Foto: Bank of England)

Einer der luzidesten Denker unter den Notenbankern der heutigen Zeit: Andrew Haldane, Exekutivdirektor der Bank of England. (Foto: Bank of England)

Alles spricht über Notenbanker.

Gestern Donnerstag hingen die Weltfinanzmärkte an jedem Wort, das aus dem Mund von EZB-Präsident Mario Draghi kam (wir stürzen uns hier im Blog ja in der Regel nicht in die Tagesaktualität – aber wen es interessiert, findet hier die Analyse meiner Redaktionskollegen Andreas Neinhaus und Tommaso Manzin zum EZB-Entscheid).

Und eine knappe Woche ist es her, da richteten sich alle Blicke nach Jackson Hole, Wyoming, wo die Federal Reserve Bank of Kansas City zum jährlichen Notenbankersymposium gerufen hatte. Fed-Chef Ben Bernanke lobte in seiner Rede (hier die Originalversion) seine eigene Krisenpolitik der vergangenen vier Jahre. Kollege Diem Meier hat sich in diesem sehr lesenswerten Blogbeitrag mit Michael Woodford und dessen Kritik an Bernanke befasst.

Die brillanteste Rede in Jackson Hole kam aber von einem Briten: Andrew Haldane, Exekutivdirektor und verantwortlich für die Abteilung Finanzmarktstabilität der Bank of England.

Ich halte Haldane für einen der luzidesten Denker unter den Notenbankern der heutigen Zeit. Vor drei Jahren beispielsweise hat er mit dem Biologen Robert May eine faszinierende Studie über die Gemeinsamkeiten – etwa die enorme Fragilität – zwischen dem Weltfinanzsystem und hochkomplexen Ökosystemen wie dem Regenwald verfasst (hier eine Rede Haldanes aus dem Jahr 2009 dazu).

In seiner Jackson-Hole-Rede mit dem Titel «The dog and the frisbee» – hier in der Originalversion – geht es ebenfalls um Komplexität.

Haldane beginnt mit einer extrem wichtigen – in der modernen Finanztheorie und in der modernen Ökonomie leider nahezu in Vergessenheit geratenen – Feststellung: Menschen sind in ihrem Alltag und in ihrem wirtschaftlichen Handeln stets mit echter Ungewissheit konfrontiert.

Das ist gar nicht so banal, wie es klingt. Die Volkswirtschaftslehre der Nachkriegszeit basiert zu einem beträchtlichen Teil auf dem Gleichgewichtsprinzip (General Equilibrium Framework) der Ökonomen Kenneth Arrow und Gerard Debreu. Darin wird angenommen, dass jedes handelnde Individuum alle möglichen Zukunftsszenarien erkennen, ihnen eine Wahrscheinlichkeit zuordnen und sie so berechenbar machen kann.

Die moderne Finanztheorie, zu deren wichtigsten ideologischen Väter Harry Markowitz und Robert Merton zählten, nahm diesen Gedanken auf und stellte die Grundannahme auf, dass alle möglichen Zukunftsszenarien an den Finanzmärkten erkannt, mit einer Wahrscheinlichkeit quantifiziert und berechenbar gemacht werden können. In der Modern Finance hat sich dafür der Begriff «Risiko» etabliert.

Wie so oft in der praktischen Anwendung der Ökonomie und der modernen Finanztheorie wurde eine Annahme im Verlauf der Zeit zu einer allgemeingültigen Wahrheit.

Haldane ruft den amerikanischen Ökonomen Frank Knight in Erinnerung, der 1921 in seinem Buch «Risk, Uncertainty and Profit» die wichtige Unterscheidung zwischen quantifizierbaren Risiken und echter – eben unberechenbarer – Ungewissheit aufstellte. (In den Arbeiten von John Maynard Keynes spielt der Einfluss echter Ungewissheit auf das Verhalten der Wirtschaftsindividuen übrigens ebenfalls eine zentrale Rolle – bloss haben das die «Neokeynesianer» der Nachkriegszeit vergessen.)

Haldane stellt fest, dass der Begriff echter Ungewissheit in der modernen Finanztheorie weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Mit fatalen Folgen im Finanzsystem.

Der Irrglaube, alle Risiken an den Finanzmärkten seien jederzeit quantifizier- und damit absicherbar, hat in den Banken und Aufsichtsbehörden in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Scheinpräzision und zu einem falschen Gefühl von Sicherheit geführt. Die bank-internen Risikomanagementsysteme, ja das gesamte «Basel»-Regelwerk, das in den Neunzigerjahren aufgezogen wurde, basierte auf der Grundannahme, dass Marktrisiken jederzeit identifiziert, quantifiziert und abgesichert werden können.

Andrew Haldane zeigt in seiner Rede auf, wie für die Gewichtung der Risiken in der Bilanz einer Grossbank Millionen von Parametern geschätzt werden müssen, für die die historischen Datenreihen viel zu kurz sind, um überhaupt brauchbare Resultate zu erhalten.

Eigentlich absurd, dass in einem derart komplexen System wie der Finanzwelt angenommen wird, alle möglichen Zukunftsszenarien seien berechenbar: Sogar in einem vergleichsweise simplen System wie dem Schachspiel sind Grossmeister nicht in der Lage, mehr als fünf künftige Züge zu evaluieren, sagt Haldane. Sogar die besten Schachcomputer schaffen es nicht, mehr als zehn künftige Zug-Abfolgen zu evaluieren.

Haldanes Rezept: Komplexe Systeme dürfen nicht mit komplexen Regeln kontrolliert werden. Komplexe Systeme verlangen nach klaren, simplen Regeln.

Demnach hält es der Brite für völlig falsch, wenn die Banken, Regulierungsbehörden respektive Gremien wie der Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem Versuch, das Problem der «Too big to fail»-Banken in den Griff zu bekommen, immer ausgeklügeltere Methoden ersinnen, wie die Risiken in einer Bankbilanz gewichtet und das Eigenkapital berechnet werden kann.

Haldane plädiert für einfache, klare und für jedermann nachvollziehbare Regeln. Sie sind viel effektiver, wenn es darum geht, ein komplexes System zu zügeln. Im Fall der Grossbanken heisst das: Das harte Eigenkapital der Bank darf einen gewissen Prozentsatz der rohen, ungewichteten Bilanzsumme nicht unterschreiten. Punkt. Diese These vertritt übrigens auch Martin Hellwig vom Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter in Bonn – leider als einer der ganz wenigen im deutschsprachigen Raum (hier ein Blogbeitrag vom März, der sich mit Hellwig befasst hat). Haldane erwähnt, dass eine Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) von 7 Prozent den hundert weltgrössten Banken gereicht hätte, um die Finanzkrise ohne Rettung zu überstehen. Basel-III sehe jedoch nur eine Leverage Ratio von 3 Prozent vor. Das heisst, 97 Euro Fremdkapital fussen in der Bankbilanz auf drei Euro Eigenkapital. Keine sehr solide Sache in einer von Ungewissheit geprägten Welt (genau deshalb fordert u. a. Hellwig, man müsse über eine harte Eigenkapitalquote von 20 Prozent sprechen).

Die Untermauerung seiner These liefert Haldane gleich mit. Von den hundert global grössten Banken mussten im Verlauf der Finanzkrise von 2007 bis 2009 deren 37 gerettet oder abgewickelt werden. Wer die Solidität der Banken vor ihrem Untergang anhand der risikogewichteten Kapitalkennzahlen des «Basel II»-Regelwerks abgeschätzt hatte, konnte die Gewinner nicht von den Verlierern unterscheiden. Auch zahlreiche Banken mit vermeintlich soliden Kapitaldecken kollabierten.

Diese Grafik verdeutlicht das (Quelle: Bank of England):

Die vertikale Achse zeigt die Dicke des Kapitalpolsters in Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme nach Basel II, die roten Linien stehen für Banken, die gerettet werden mussten. Es ist eindeutig zu sehen, dass sich die roten Fälle – also Banken, die gerettet werden mussten – überall zeigen. Auch in recht grosser Zahl unter den vermeintlich solide kapitalisierten Banken.

Wer die krude Formel für die Bilanzsolidität – hartes Eigenkapital zu ungewichteter Bilanzsumme – anwandte, konnte die 37 Verlierer schon viel besser von den Gewinnern unterscheiden, wie diese Grafik zeigt (Quelle: Bank of England):

Selbstverständlich gab es auch hier Fälle von besser kapitalisierten Banken, die trotzdem kollabierten. Aber die roten Fälle massieren sich klar – statistisch signifikant – im linken Bereich der Grafik, also unter den schwach kapitalisierten Finanzhäusern.

Der Grundsatz «simple Regeln für komplexe Systeme» ist übrigens gar nicht so neu. Die zehn Gebote sollen auf zwei Steintafeln Platz gefunden haben, und sie haben das komplexe Zusammenspiel der menschlichen Gesellschaft gar nicht schlecht geregelt. «Du sollst nicht töten» ist eine simple Regel für ein komplexes System.

Weitere Beispiele?

Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika fand auf sechs Seiten Platz.

Der Glass Steagall Act, der 1933 das Trennbankensystem in den USA einführte, umfasste 37 Seiten.

Der Dodd-Frank Act, der 2010, im Nachgang der jüngsten Finanzkrise, in Washington verabschiedet wurde, dürfte in seiner Endfassung wohl gegen 30’000 Seiten umfassen.

Welches der vier obengenannten Gesetze ist wohl das ineffektivste?

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Keine Kommentare zu “Du sollst nicht stehlen”

  1. Oliver sagt:

    Guter Beitrag, ganz nach meinem Gusto. Besten Dank!

  2. Martin sagt:

    Chart 3 zeigt immerhin, dass eine Bank mit einer Capital Ratio von > 10% zwar nicht absolut sicher war, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs aber doch sehr reduziert war. Für einen Aktienanleger würde das bedeuten: den für Investitionen in den Finanzsektor reserevierten Betrag bei Banken mit >10% diversifiziert anlegen.

  3. Linus Huber sagt:

    Wussten Sie, dass CS der 2. groesste Campaign Contributer fuer Mitt Romney ist?

    Goldman Sachs führt die Rangliste an und UBS ist auf dem 15. Platz.

    “Schoen ist es eine Bank zu sein tra tralala lala laaa …..”

    • C. Heinrich sagt:

      Obama wird gewinnen. Er wird als das geringere Übel eingeschätzt werden. Die Wirtschafts-Politik nachher unterscheidet sich minimal, der Sachzwang regiert, die Lobby steuert. Vielleicht willl die CS sich einfach mit der Lobby gut stellen. Es wird nicht viel helfen, man wird sie trotzdem grillen. Low Profile wäre eine denkbare Alternativestrategie. Frage: Wird hier noch aus der Schweiz geführt?

  4. Linus Huber sagt:

    Der letzte Absatz Doug Noland’s heutigen Kommentars:

    From my perspective, the key issue is not whether the ECB finally has a plan that will resolve Europe’s debt crisis – its coveted big bazooka. Monetary policy won’t solve Europe’s deep structural problems anymore than QE will resolve U.S. economic maladjustment and global imbalances. Indeed, there is little doubt that the Draghi and Bernanke Plans are only exacerbating global systemic fragilities. They’ve bought some more time, but at rapidly inflating costs. We desperately needed global policymakers working assiduously to extricate themselves from market interventions and manipulations. They’ve again done the very opposite.

    Seinen vollständigen Kommentar finden Sie hier:

    http://www.prudentbear.com/index.php/creditbubblebulletinview?art_id=10705

    • Thomas ernst sagt:

      Ja. Aber solange der Absturz nochmals hinausgeschoben ist und niemand sich vorstellen kann, wie stark er persönlich die jetzige Blase noch bezahlen muss (Rente ade), haelt die Öffentlichkeit diese Drogen für eine Lösung und bewundert die Draghis dieser Welt.

  5. Linus Huber sagt:

    “Mehr Inflation wird ein Teil der Lösung des Europroblems sein müssen. Meine Botschaft ist, dass etwas weniger geldpolitischer Dogmatismus in so schwierigen Umbruchzeiten die nötige Flexibilität bringt, um auch andere Faktoren der Geldpolitik wie Beschäftigung und Wachstum stärker zu gewichten.” (Professor Tob.ias Strau.mann im Interview mit dem TA.

    Die Idee, dass man durch inflationäre Geldpolitik Beschäftigung und Wachstum wirklich fördern kann, basiert auf Erfahrung der letzten 30 Jahre und ist eine fragwürdige Theorie. Nur weil manipulative Eingriff Erfolg hatten in der Kreditboom-Phase, heisst dies noch lange nicht, dass dies der Fall sein wird in diesen Krisenjahren.

    Der Verlust von Kaufkraft dürfte einen massiv negativen Einfluss auf das Konsumverhalten ausüben und nicht zum erwünschten Aufschwung führen, sondern einfach zu einem noch höheren Kreditvolumen im System, zu neuen Blasenbildungen, zu verstärkter Umverteilung des BIP von der Mittelklasse an die 1% und zu erhöhter Instabilität des Finanzsystems.

    Es ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass Herr Strau.mann von der gängigen Lehre so indoktriniert wurde, dass er die Fähigkeit verloren hat, logisch zu denken, ansonsten er wohl nicht eine Professur erhalten hätte. Sowenig die Bedeutung des Kreditvolumens scheint auch die ebenfalls mitwirkende demographische Veränderung wohl ebenfalls ein Nicht-Thema zu sein.

  6. Linus Huber sagt:

    “Mehr Inflation wird ein Teil der Lösung des Europroblems sein müssen. Meine Botschaft ist, dass etwas weniger geldpolitischer Dogmatismus in so schwierigen Umbruchzeiten die nötige Flexibilität bringt, um auch andere Faktoren der Geldpolitik wie Beschäftigung und Wachstum stärker zu gewichten.” (Professor Tobias Straumann im Interview mit dem TA.

    Die Idee, dass man durch inflationäre Geldpolitik Beschäftigung und Wachstum wirklich fördern kann, basiert auf Erfahrung der letzten 30 Jahre und ist eine fragwürdige Theorie. Nur weil manipulative Eingriff Erfolg hatten in der Kreditboom-Phase, heisst dies noch lange nicht, dass dies der Fall sein wird in diesen Krisenjahren.

    Der Verlust von Kaufkraft dürfte einen massiv negativen Einfluss auf das Konsumverhalten ausüben und nicht zum erwünschten Aufschwung führen, sondern einfach zu einem noch höheren Kreditvolumen im System, zu neuen Blasenbildungen, zu verstärkter Umverteilung des BIP von der Mittelklasse an die 1% und zu erhöhter Instabilität des Finanzsystems.

    Es ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass Herr Straumann von der gängigen Lehre so indoktriniert wurde, dass er die Fähigkeit verloren hat, logisch zu denken, ansonsten er wohl nicht eine Professur erhalten hätte. Sowenig die Bedeutung des Kreditvolumens scheint auch die ebenfalls mitwirkende demographische Veränderung wohl ebenfalls ein Nicht-Thema zu sein.

    • Michael Schwarz sagt:

      Ich kritisiert seit langem die expansive Geldpolitik, und deren negative Auswirkung danach. Der gloablisierte Kapitalmarkt erlabut dem Kapital von einer Nation auf andere in Sekunden zu übertragen. Die Inflation und Repression bewirken in einer offenen Wirtschaft eher negativ auf die Investion, weil die Investoren andere Alternativ im Ausland suchen. Die Dynamik des Kapitalmarktes hat sich grundlegend verändert. Die Investoren lassen sich nicht mehr von Zentralbanken erpressen, wenn die Investition sich nicht auszahlt, gehen sie. Das ist der Grund warum höhe Inflation nicht zur vermehrten Investition führen wird, bzw. die monetaristische Theorie widerspricht.

      Die Inflation in EU wird in nächster Zeit mit grösserer Wahrscheinlichkeit schnell ansteigen, als man erwartet. Die Inflation könnte für die Europäer in Zukunft ein Problem darstellen.

  7. Linus Huber sagt:

    Ich möchte hier nur kurz auf die Idee der “Einfachen und klaren Regeln” eintreten.

    Man sollte sich auch einmal die Frage stellen, warum erlassen wir heute so viele Regeln und Gesetze, welche immer ausführlicher und detaillierter alle möglichen Varianten berücksichtigen wollen. Um diese Frage zu beantworten, muss man sich bewusst werden, wer von diesen komplizierten Regelwerken profitiert.

    Ein 10-Mann Betrieb, welche sich an all die Vorschriften zu halten hat, muss den gleichen Aufwand aufwenden wie eine Firma mit 20000 Angestellten, um Regeln zu prüfen, Gesetze zu analysieren und sich konform zu verhalten zu können. Je komplizierter die Regeln sind, desto höher wird der personelle Aufwand um diese Regelwerke zu studieren. Aufgrund des verhaeltnismaessig höheren Aufwandes (Aufwand pro Angestellter) für den Kleinbetrieb, wirken solche komplexen Regelwerke verzerrend auf den Wettbewerb, da sie die Grossfirma offensichtlich bevorteilen.

    Es gibt jedoch noch zusätzliche Aspekte zu berücksichtigen. Die Grossfirma kann sich eine Rechtsabteilung leisten, welche die Regeln auf Schlupflöcher untersucht, deren Ausnützung zu zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteilen für die Grossfirma führen. Zusätzlich kann sich die Grossfirma einen Lobbying-Apparat leisten, welche die entsprechenden Regulatoren und Gesetzgeber so beeinflusst, dass für die Grossfirma vorteilhafte “Schlupflöcher” bestehen.

    Im Endeffekt wirken demzufolge komplexe Regelwerke und Gesetze wettbewerbsverzerrend und reduzieren aufgrund des zusätzlichen Aufwandes in der Wirtschaft sowie bei den Ueberwachungsbehoerden die wirtschaftliche Effizienz.

    Das ganze hängt auch damit zusammen, dass es zu viele sogenannte “Administratoren” gibt, welche unter verschiedenen Titeln fungieren, aber mit mehr oder weniger dem gleichen Ziel, nämlich, ihre Position zu rechtfertigen. Jeder Verwaltungsapparat versucht seinen Einfluss zu erhöhen und man kann kaum je einen Fall finden, wo sich ein solches Gebilde selbst abschafft.

  8. ast sagt:

    Simple Regeln haben den Nachteil dass sie auch von Bürgern verstanden werden die nicht unmittelbar mit der Materie zu tun haben 😉

    Es ist Unerwünscht, wenn es zu Gleichgewichtszuständen im Finanzsystem kommt, die Eliten beharren auf Ungleichverteilung der ökonomischen Subastanz und auf dem Prinzip des Markt -Sozialdarwnismus. Wer sich im Finanzsystem auskennt und über genügend Voraussetzungen materieller Art verfügt, der benötigt Volatilität die auf vor dem Fussvolk verborgenen Regeln beruht -so können Gewinne maximiert werden.

    Geheime Zeichen und nur durch Spezialisten einsehbare Regeln sind die Grundlage auf denen die Fiat Money- Systeme beruhen. Die Systeme noch komplexer zu machen war zu Beginn der 80er Jahre notwendig, um gegen die Informationsverbreitung im Internet anzugehen. Damals wurden etwa die Grundlagen gebündelter Derivate und der komplexen CDS- *Ausfallverisicherungen” eingeführt, sowie aus dem oben erwähnten Galss Steagal Act ausgetreten. Was in Banken genau betrieben wird um Gewinne zu optimieren, das wurde den Laienschauspielern an den Börsen entzogen. Private haben sich inzwischen weitgehend aus dem Börsenhandel zurückgezogen -obwohl sie in Form der riskanten Alterssparerei noch immer als Anleger fungieren.

    Eben habe ich eine Information erhalten, dass gleichzeitig 50 Spitzenmanager aus der Banke Morgan Stanley zurückgetreten sind, solche Ereignisse deuten indirekt auf die enormen Verwerfungen hin die sich hinter den Kulissen der Öffentlichkeit entladen.

    Für Andrew Haldane mag die Finanzwelt chaotisch erscheinen, eine Anderer längst vestorbener Ökonome erkannte darin ziemlich präzise Regeln, ich spreche von Karl Marx. Diese Ökonom war kein Wetterfrosch, und wenn man es genau nimmt ist das was an den Finanzmärkten abläuft durchaus kalkulierbar -zumindest für die Programme der Hochfreqenzhändler. Unkalkulierbar wird es lediglich wenn sich die Politik in die Märkte einmischt -eben mit solchen einfachen Regeln natürlich -daher bekämpft.

  9. Michael Schwarz sagt:

    Ohne Stehlen können die Banken das Geld nicht mehr verdienen, das ist auch der Grund warum die Gewinne der Banken in letzten Jahren zusammengebruchen sind. Die Manipulation des Marktpreises und fehlende richtige Regulierung des Finanzmarktes waren die Ursache des Zusammenbruches. Deshalb wird die Hoffnung, die Regulatoren auf den Banken sitzen, wirkungslos bleiben. Das Konzept des Bankgeschäftes ist das Problem, es endet immer mit Kreditexpansion. Die Zentralbanken müssen die Privatbanken viel stärker regulieren, als bis heute getan haben. Der Gier muss aus dem Bänker ausgetrieben werden, somit das Finanzsystem sich wieder stabilisiert wird. Vor allem das Derivatgeschäft muss viel stärker reguliert und überwacht werden.

    • Thomas ernst sagt:

      “Die Gier muss den Bankern ausgetrieben werden.”

      Grundsätzlich bin ich damit einverstanden, auch wenn eine gewisse Gier in jedem Menschen latent vorhanden ist und nicht eliminiert werden kann.

      Es würde aber genügen, die Investmentbanken von den Kredit-/Transaktions- und Vermoegensverwaltungsbanken zu trennen (analog Glass-Steagal). Damit würde das Bankgeschäft wieder wohltuend langweilig, und die gierigen testosterongesteuerten Investmentbanker würden aus den normalen Banken verschwinden. Dann kriegt der CEO der UBS oder CS wieder wie früher so 1-2 Mio Salär wie früher, und wir Normalos hätten unsere Ruhe.

      • Michael Schwarz sagt:

        @ Thoams Ernst:

        Die “Gier” der Banker auszutreiben, ist eine unterhaltsame und zugleich zutreffende Schreibung, wie in Köpfen der Banker vorgeht. Es ist durchaus vergleichbar mit ideologieschem Irrglaube, wie der Erde sei flach. Obwohl die Wissenschaf in 21 Jh vorherrschende Role in der Gesellschaft angenommen hat, glauben die Menschen weiterhin an Wunderheilern und Mythen.

        • Michael Schwarz sagt:

          Der Wunderheiler = Notenbanker
          Die Mythen = Makroökonomische Theorie, die ideologisiert wurden sind, den Praxisbezug längste verloren haben.

  10. J.A. VonBerg sagt:

    Bei Arrow/Debreu ging es um den Nachweis der Existenz eines allgemeinen Gleichgewicht bzw. um die Bedingungen unter welchen ein solches zwingend existiert. Hahn 1973 zeigt, dass diese Bedingungen gelockert werden können. Die vollständige Informationsannahme ist nicht zwingend, wie hier ausgeführt wird (Lucas, 1973).
    Es geht um eine grobe Berechenbarkeit, wie Keynes: General Theory S. 162/3 “long term expectation is often steady, our rational selves choosing between the alternatives as best as we are able, calculating where we can, but often falling back for our motive on whim or sentiment or chance”. Die Empirie zeigt nur zu deutlich, dass die Verteilung von wirtschaftlichen Grössen, bsp. Rendite realtiv hohe Stabilität aufweisen (R. Shiller), diese Einsicht hatte auch schon Keynes (Anmerk: die Statistiken, welche hier präsentiert werden, hätten bei Unsicherheit keinen Informationswert) .
    Der Schluss, dass Regulierungsbehörden die Stabilität des Finanzsystems sichern können, ist seit der Neuen Politischen Ökonomie zumindest anzuzweifeln und die Erfahrungen mit den Basel Committee Regulierungen lassen die Hypothese kaum mehr aufrechterhalten (Regulierungsversagen: durch unvollständige Regulierungen und prozyklischer Eigenkapitalvorgaben usw.). Der IMF führt in seinen Studien zur Finanzsystemstabilität aus, dass Krisen ca. 2 Jahre dauern. Bei Unsicherheit könnte eine Wirtschaft sich nie in solch kurzen Zeiträumen erholen.
    Wirtschaftssysteme, insbesondere marktwirtschaftliche, sind stabiler als man denkt, damit sind einfache Regeln (wenn überhaupt) hinreichend. Darum ist die Diskussion um Unsicherheit spannend, aber nutzlos, weil alle zu treffenden Entscheidungen die Zukunft betreffen aber die Welt sich nicht alle Tage neu erfindet, was bei Unsicherheit der Fall wäre.

    • Linus Huber sagt:

      Wenn wir geplagt sind von der Unsicherheit der Zukunft, sollte man sich vielleicht einmal überlegen, wodurch wir diese Unsicherheit reduzieren können. In diesem Zusammenhang kommt mir die Funktion des Werterhaltes einer Währung in den Sinn. Wenn wir davon auszugehen haben, dass das angesparte Kapital (die zeitliche Aufbewahrung geleisteter Arbeitsleistung) an Wert verlieren wird über Zeit, dann werden wir automatisch zu Spekulanten verdammt.

      Die Manipulationen der Zentralbanken mit Hilfe der Zinsenmanipulation, welche den wichtigsten Preis in der Wirtschaft (den Preis für zeitlich festgelegte Verwendung von Geld) zentralplanerisch festlegt, produziert aufgrund der damit verbundenen Willkürlichkeit enorme Unsicherheit. Die aufgrund der inflationären Geldpolitik resultierende Enteignung der Bevölkerung kommt dem groessten Diebstahl der Geschichte gleich.

      Die System-Sicherheit bedingt, dass man den Massstab (Wert des Geldes) nicht dauernd verändert und dass man nicht mit Geldpolitik versucht, natürliche Prozesse zu verhindern. Wenn ich ein Haus baue und jeder Tag wird 1 Meter um 1 cm kürzer, stellt dies ein höchst fragwürdiges Unterfangen dar. Jedoch in Fragen der Geldpolitik, wird von grundlegenden Prinzipien abgewichen, mit der Idee, dass man dadurch die Wirtschaft beeinflussen kann. Es entstehen jedoch genau durch diese Manipulationen enorme Ungleichgewichte, womit schlussendlich das Haus in sich zusammenbricht.

      Ich gehe mit Ihnen einig, dass Regeln (wo erforderlich) möglichst einfach sein sollten.

  11. Peti Don Kleti sagt:

    Einfache Regeln sind auch wirtschaftlich. Ich schätze, dass alleine in der Finanzindustrie mehr als 10% der HR auf Kosten der Umsetzung irgendwelcher komplexer Regeln à la SOX usw. verbraten werden. Reine Reibungsverluste und wertschöpfungsloses Anhängsel. Arbeitsplätze ohne Output oder einfach Arbeitstherapie.

    • Linus Huber sagt:

      @ Petti

      Einfache Regeln sind auch wirtschaftlich.

      Ich stimme Ihnen zu.

      Die Erzeugung immer komplexerer gesetzlicher Regelwerke produziert einen weiteren und oft nicht erkannten, aber sehr negativen, Nebeneffekt.

      Der einzelne Bürger wird gegenüber dem staatlichen Vertreter massiv benachteiligt in einer Auseinandersetzung, da es einfach nicht möglich ist, dass man als einzelner Bürger sämtliche Regeln so gut kennen kann, wie ein Beamter, welcher sich Tag täglich damit befasst. Dies mag ja nicht weiter problematisch sein, wenn man von der Annahme ausgeht, dass der staatliche Vertreter unser aller Interesse im Herzen trägt. Diese Annahme ist allerdings sehr fragwürdig, da auch dieser Mensch tendiert, Angelegenheit in der Art zu lösen, welche ihm persönlich den höchsten Vorteil bringt.

      Wenn die Regeln einfach und klar wären, könnte der einzelne Bürger viel besser seine persönlichen Interessen vertreten und eine mögliche Willkür eines Beamten wäre sofort erkennbar. Es spricht auch den Aspekt der persönlichen Freiheit an, welche durch diffuse und komplexe Regelwerke untergraben werden kann, indem es Unsicherheit produzieren kann und damit kritisches Hinterfragen tabuisiert und Konformität basierend auf dieser bewussten Unterlegenheit erzeugen kann.

      Ich bin ein Verfechter der Idee, dass für jedes neue Gesetz 2 bestehende abzuschaffen sind.

      • Linus Huber sagt:

        Übrigens kommt mir in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel in den Sinn.

        Als ich vor bald einem Jahr eine Wohnsitzbestaetigung von meiner Botschaft beantragte, wurde mir die Notwendigkeit der Aufklaerung des Verwendungszwecks nahe gelegt. Ebenfalls verlangte die Botschaft die Kopie des entsprechenden Briefes (in diesem Falle einer Bank), worin dies verlangt wird.

        Ich habe aus natürlicher Skepsis dieses fragwürdige Vorgehen der Botschaftsbeamtin nicht akzeptiert, sondern zum Ausdruck gegeben, dass dies nicht das Problem der Botschaft ist, da ich einzig eine Bestätigung einer Tatsache beantragte.

        Nachdem ich meine Position bezogen hatte, wurde mein Antrag einfach abgelehnt, worauf ich um Bekanntgabe der entsprechenden Regeln und des Gesetzes, worauf diese Regeln erlassen wurden, bat. Die Reaktion war einfach, dass ich vollständig ignoriert wurde und keiner meiner emails mehr beantwortet wurden.

        Leider wohne ich in der Provinz, womit mir ein Besuch in der Botschaft nicht gelegen kam, ansonsten es wohl ein wenig laut geworden wäre in der Botschaft. Um die Sache zur Konklusion zu führen, lenkte ich dann ein und habe eine entsprechende Anfrage im EDA aus Bequemlichkeit unterlassen.

        Gleichzeitig benötigte ich Unterlagen von meiner Heimatgemeinde und erkundigte mich dort danach, ob für eine Ausstellung von Tatsachenbestaetigungen Regeln bestehen in Bezug auf deren Verwendung. Diese Beamtin erklärte mir dass der einzige Grund für solch eine Nachfrage darin bestehen kann, in der Sicherzustellung, dass das richtige Dokument auszustellt wird, aber dies nicht zwingend sondern als Dienst am Bürger vorgenommen wird.

        Es zeigt hier klar, dass der Staat und seine Vertreter sehr wohl willkürlich handeln können.

  12. Tom Baer sagt:

    “Die wachsende Konzentration von Wirtschaftsmacht in den Händen global agierender Grossunternehmen macht Staaten erpressbar und Politikgestaltung im Interesse der Mehrheit der Menschen unmöglich.” schreibt Sahra Wagenkneckt in ihrem Buch “Freiheit statt Kapitalismus.

    Alles andere als Grossunternehmen zu zerstückeln ist aus meiner Sicht eine Farce!

  13. Magdalena sagt:

    Sandra Navidi: “Europa ist auf der Intensivstation”

    http://goo.gl/Mdlj9

  14. Martin Holzherr sagt:

    Krisen und Trendbrüche gehören zum Finanzsystem und deshalb muss es so reguliert werden, dass die Auswirkungen solcher Krisen selbstlimiierend sind. Das spricht für Entkoppelung von Teilen des Finanzsystems wie z.B. des Investmentbankings von gewöhnlichen Geschäftsbankung und dem Versicherungswesen. Und es spricht gegen komplexe Risikoberechnungen und für konservative eher hohe Eigenkapitalanforderungen.

    Der sich mit Risikoforschung befassende ETH-Professor D. Sornette (kommend von der Physik) hat mehrmals darauf aumerksam gemacht, dass sich in jeder Finanzordnung eine Dynamik entwickeln kann, die ins Chaos führt und dass deshalb ein funktionierendes Finanzsystem in gegeneinander abgegrenzte Teilsysteme aufgeteilt werden muss. In Systemic risk in banking: It is complex but not that complicated schreibt er: “The ongoing financial crises since 2007 painfully reminded us that systems can develop socalled “emergent” dynamics that are fundamentally different to what can be expected by studying their parts. The assumption that the economy as a whole can be understood by solely
    focusing on the equilibria resulting from utility optimization of its economic agents
    constitutes one of the major shortcomings of economics. … Rather than putting our hope in tackling the
    super complexity with super high tech solutions, we should remember simple truths that demonstrated their value in the past but have been by and large forgotten. Academic and institutional memory loss includes the role of banks in credit creation, the benefits of certain (lost) forms of regulations, and the crucial role of central banks as fighters (rather than
    promoters) of bubbles.”

    Und zum Glass-Steagull Act schreibt er im gleichen Papier (von mir übersetzt und etwas gekürzt) ”
    Die 50 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg waren die stabilste ökonomische Periode in der Geschichte der USA und von Europa. Eine Schlüsselrolle dabei spielte der Glass-Steagall Act von 1932.

    • Thomas ernst sagt:

      Na klar, deshalb musste Glass-Steagal aus dem Weg geräumt werden. Die Abzocker profitieren von den Exzessen, nicht vom Courant Normal.

    • Linus Huber sagt:

      @ Martin

      “Krisen und Trendbrüche gehören zum Finanzsystem und deshalb muss es so reguliert werden, dass die Auswirkungen solcher Krisen selbstlimiierend sind.”

      Sie sprechen hier einen interessanten Aspekt an, welcher die folgenden Überlegungen tangiert.

      Der Versuch durch entsprechende Manipulationen Risiken zu eliminierten, indem man verhindert, dass Firmen oder Länder im Falle von Missmanagement einem natürlichen Insolvenzverfahren zugeführt werden, verlagert die Kosten des Risikos auf sämtliche wirtschaftliche Akteure und produziert Instabilität für das gesamte System. Es gibt dafür auch den Ausdruck: Kapitalismus ohne die Möglichkeit für Fehler bestraft zu werden, ist vergleichbar mit der Idee des Christentums ohne Hölle.

      Das gleiche Prinzip läuft auch im Bereich der Banken ab, indem die Zentralbanken bei jeder aufkommenden Schwierigkeit sofort mit monetärer Manipulation Retter spielten und dadurch die heute gut erkannte Problematik schuf, welche darin besteht, dass Banken sich viel zu risikoreich verhalten und aufgrund des hohen Kreditvolumens im System in der Lage sind, unter Androhung des Systemzusammenbruchs uns in Geiselhaft zu nehmen.

  15. Linus Huber sagt:

    Ich habe diesen Artikel nur kurz überflogen. Endlich einmal wieder ein auf Vernunft basierende Darstellung. Ich werde meinen Kommentar hierzu später platzieren. Trotzdem, schon jetzt gratuliere ich Mark Dittli für den guten Artikel.

    • Bruni sagt:

      Linus, bin ganz Ihrer Meinung, und ich freue mich auf Ihren Kommentar.
      Bei dieser Gelegenheit möchte ich, themenfremd, die Frage stellen, wie der Duden auf die Idee kommt, das Verb “plazieren” durch “platzieren” zu ersetzen. Mir kommt unweigerlich und immer wieder die Idee eines platzenden Ballons oder einer platzenden Blase(aktueller) in den Sinn. Sogar mein Lieblingsdichter Goethe würde diesbezüglich sogar vor Lachen platzen.
      Wie wäre es einmal, einen orthographischen Ungehorsam zu praktizieren, und das Wort bewusst falsch schreiben? Ganz nach dem Motto, wir führen nicht jeden Befehl aus, jedenfalls wenn sinnlos. Es sind halt immer wieder diese v…Details, welche beschäftigen.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Bruni

        Die ganze sog. Neue Deutsche Rechtschreibung ist eine reine Selbtbefriedigungsuebung weltfremder Philologen, wobei das Platzieren noch zu den harmloseren Dummheiten gehört. Ich empfehle allen, die Dinge so zu schreiben, dass sie verständlich, nicht unbedingt Duden-korrekt, sind.

      • Andreas Dombek sagt:

        @Bruni

        Die Frage ist berechtigt und zugleich doch etwas depla(t)ziert.

        Die Ableitung kommt vom „Platz“, welcher im Regelfall eine freie, ebene und benutzbare Fläche meint. Dieser Benennung „Platz“ hat eine latein. und griech. Herkunft. Über die franz. Benutzung kam es vor ca. 500 – 600 Jahren in die deut. Sprache. Da der Platz im franz. Gebiet place geschrieben wird, hat die deut. Verwendung bis vor ca. 15 Jahren placieren / plazieren geschrieben und die gemeinte Fläche in deut. als Platz geschrieben wird, also mit dem „t“ ist logischerweise das Aufstellen eines Dinges auf dem gemeinten Platz mit dem „t“ eigentlich richtig. Das platzen für bersten / zerreißen ist ca. 300 Jahre später aufgekommen und leitete sich vom schallnachahmenden platschen ab. Wie beim klatschen, platschen, klitschen oder dem schw.-dt. pflotschen, also dem System „tsch“ bei schallerzeugenden Vorgängen folgend. Das platschen verkürzte sich in platzen. Also hat die neu dt. Schreibweise somit doch eine gewisse logische Berechtigung!

        Um einen passend platzierten Ausgleich zum Goethe zu haben, hätte die folgende und berechtigt platzierte Erklärung den Schiller sicherlich auch erheitert, aber nicht platzen lassen:

        Definition bei den Brüdern Grimm:
        „platzhirsch: wenn aber der hirsch, der den andern abkämpfet, mithin den platz behauptet (daher er auch der plan- und der platzhirsch genennet wird) sich auf dem platze alleine sieht, so hebt er an ernstlich zu schreien“.

        Das ist sicherlich kein Jägerlatein.

  16. H. Trickler sagt:

    Wenn die gesetzlichen Vorschriften für Finanzmärkte rund 1000 Seiten benötigen so ist dies in der Tat zu unübersichtlich und kaum handhabbar. Wenn Haldane daraus den Schluss zieht, dass dies die Finanzwelt nicht wirklich sicherer macht, dann sollte man umgehend einfache und bewährte Regeln aufstellen:

    Geschäftsbanken unterliegen wieder der Glass-Steagall Regel, dürfen keinen Eigenhandel mehr betreiben und dürfen nur Fremdwährungen in sehr begrenztem Umfang halten. Eigenmittel und Fristenkongruenz sorgen für stabile Verhältnisse wie sie nach 1950 z.B. in der Schweizer Bankenwelt selbstverständlich waren. Einlagen sind bis zu einem Betrag von etwa 100’000.- versichert und der Staat garantiert für die Stabilität dieser Versicherung.

    Finanzkasinos sind nur soweit reguliert, dass sie nicht als Geschäftsbanken auftreten und allen klar ist, dass ausser der minimalen Haftung des Aktienkapitals keinerlei Sicherheiten bestehen.

  17. Martin sagt:

    Dem Beitrag ist im Prizip zuzustimmen. Aber auch hartes Eigenkapital garantiert noch nicht alles: Erst Frage, wie viel hartes Eigenkapital ist genug bzw. optimal (auch zuviel kann ungesund sein). Zweitens löst auch eine grosse Eigenkapitalquote noch nicht das (meis grössere) Liquiditätsproblem das ziemlich schnell zum Absturz bei Krisen führen kann.

    • Linus Huber sagt:

      @ Martin

      Das heutige Problem ist nicht eine Frage von Liquidität, sondern von Bonität, wobei im Grunde eben das Problem der Bonität mit Liquidität bekämpft wird. Aus diesem Grunde verstärken die gegenwärtigen Massnahmen das Problem mit dem kleinen “Vorteil”, dass es zugleich zeitlich hinausgeschoben werden kann.

      Eine höhere Eigenkapitalquote loest einige Probleme, da dadurch das Risikokapital verstärkt wird. Es fuehrt zu Nebenerscheinungen, welche den Bankern gar nicht gefallt, nämlich eine starke Reduktion des EPS (oder des Gewinns des eingesetzten Eigenkapitals) und der damit verbundenen Möglichkeit, sich risikolos und unberechtigterweise zu bereichern.

  18. Es ist sehr lobenswert, dass die Autoren dieses Blogs immer wieder auch auf die (milde gesagt) Grenzen ihrer Disziplin hinweisen. Die Tatsache, dass die ökonomische Lehre das Konzept Risiko (Kopf oder Zahl? Wahrscheinlichkeit 0.5!) mit Unsicherheit (Welche Technologie ist in 5 Jahren hip? Unwissbar!) “verwechselt”, ist nur ein Beispiel, aber es ist schwerwiegend genug. Es wird nämlich gerne unter den Teppich gekehrt, dass solche konzeptuellen Fehler Konsequenzen haben. Die ganze Finanzmarkt-“Theorie” mit ihrer (a) “efficient market hypothesis” basierend auf Akteuren, deren (b) “rational expectations” sich samt und sonders bewahrheiten (Blog: “jedes handelnde Individuum [kann] alle möglichen Zukunftsszenarien erkennen, ihnen eine Wahrscheinlichkeit zuordnen und sie so berechenbar machen”), sind damit hinfällig. Das gilt letztlich sogar für die Idee des “shareholder value” (Behauptung: Aktienkurse reflektieren wegen (a) und (b) immer den wahren Wert des Unternehmens, daher ist die Maximierung dieser Kurse die optimale Strategie).

    Die Tatsache, dass die ökonomische Lehre diese Fundamente der Wissenschaftlichkeit systematisch verletzt (zB. dass, wenn eine These fällt, automatisch und zwingend alle darauf basierenden Thesen ebenfalls fallen), ist der Grund, weshalb die Ökonomie keine Wissenschaft ist. Solange sie ihren Augiasstall nicht ausmistet, sollten wir nicht zulassen, dass die Pseudo-Lehre “Ökonomie” unsere Wirtschaft und die ganzer Nationen mit ihren Vorschlägen ruiniert.

  19. Karin Gut sagt:

    Ja, aber eine Immobilienkrise fällt nicht einfach vom Himmel. Ursache für die Immobilienkrise (und andere Schuldenkrisen) ist im wesentlichen übertriebene Geldschöpfung. Die Banken können fast unbegrenzt bei der Nationalbank (Giro-)Geld leihen, solange die Banken irgend jemanden finden, dem sie das Geld (mit entsprechend höherem Zins) weiter verleihen können.

    Im Bereich Immobilien und Staatsanleihen finden sich für die Banken relativ leicht Kreditnehmer in grossem Umfang. Sobald die Kredite durch die Banken erfolgreich platziert sind, hinterlegen die Banken bei der Nationalbank die entsprechenden Wertpapiere und können mit neu von der Nationalbank geliehenem Geld wieder auf Kreditnehmer-Suche gehen.

    Solange die Immobilienbesitzer bzw. Staaten (oder welche Kreditnehmer auch immer) die Zinsen fleissig bezahlen, läuft das Geschäft der Banken wie geschmiert.

    Aber irgendwann kommt die Krise, immer mehr Kredite werden zu faulen Krediten…

    • Walter Kuhn sagt:

      Die Geldmengenausdehnung oder quanitative easing zielt eigentlich auf die Ankurbelung der inländischen Nachfrage nach inländischen Produkten und Dienstleistungen, also der Binnenkonjunuktur. Dummerweise lässt sich das aber nicht steuern. So wird denn oft die Nachfrage nach Importgütern statt nach Inlandsgütern angestachelt. Noch häufiger geht das Geld in ganz andere Märkte als den beabsichtigten, wie Börse (-> Börsenblase), Immobilien (-> Immobilienblase), Kunst (-> Kunstmarktblase), Gold (-> Goldblase), Staatsanleihen (-> Staatsüberschuldungen), Banken (-> Bonusexzesse mit nachfolgendem Boom bei Ferrari, Yachten etc.) – alles, nur nicht in den inländischen Konsum, der hier Arbeitsplätze schafft.

      • Linus Huber sagt:

        @ Karin & Walter

        Sie sprechen hier den Kern des Problems an. Die Krise wurde durch die ankerlose Geldpolitik der Zentralbanken kreiert. Seit vielleicht etwa 20 Jahren wurde die Idee, die systemweite Kreditmenge (M3/M4) als wichtiger Massstab für die Geldpolitik zu berücksichtigen, verworfen. Man hört auch heute noch Ökonomen erklären, dass dies (die Kreditmenge im System) unwichtig wäre, da jedem Schuldner ein Gläubiger gegenüber stehe. Dabei wird vergessen, dass der Schuldner in der Lage sein muss, Zinsen und Amortisation zu leisten, ansonsten es zu Verwerfungen führen kann.

        Die Zentralbanken fokussierten sich hauptsächlich auf die errechnete Inflationsrate der Konsumentenpreise als Grundlage ihrer Geldpolitik, unfähig oder unwillig zu erkennen, dass dadurch eine massive Ponzi Scheme in Gang gesetzt wurde. Aufgrund der hohen Produktivitätssteigerungen seit vielleicht 30 Jahren, wäre es jedoch angebracht gewesen, eine leichte Deflation in diesem Bereich der Wirtschaft zuzulassen und somit der Bevölkerung die Früchte der zusätzlichen Wirtschaftsleistung auf diesem Wege zukommen zu lassen. Die Idee Deflation zu bekämpfen und eine leichte Inflation anzustreben (in Konsumentenpreisen) ruht auf einer schlechten Theorie, welche den Grund der Deflation nicht berücksichtigt. Leicht sinkende Preise als Resultat von Produktivitätssteigerungen sollten begruesst werden, da dies verhindert, dass wir die andere Art von Deflation erfahren, nämlich jene. in welcher eine systemweite Reduktion des Kreditvolumens ansteht. Dort sind wir heute angekommen.

        Man kann das Phänomen der leichten Deflation sehr gut beobachten im Bereiche der Computer Hardware Branche, welche ausgezeichnet funktioniert, da es sich um eine verhaeltnismaessig neue Technologie handelt und dadurch das Ausmass von wettbewerbsverzerrenden Massnahmen der Regierungen noch sehr schwach war.

        • Linus Huber sagt:

          In Bezug auf Bezug von der Bedeutung, dass ein Massstab nicht dauernd verändert wird ein kleiner Witz:

          Wissen Sie, warum Damen so schlecht sind im einparkieren? Weil sie seit Generationen von den Männern indoktriniert wurden , dass dies (hier zeigt man visuell per Daumen und Indexfinger eine Länge von ca. 15cm) ….. 20 cm sind.

          Oder dieser:

          Nach einem harten Arbeitstag des Gelddruckens fährt Ben Bernanke nach Hause und hält an einer Pizzabude, wo er eine Pizza zum nachhause nehmen bestellt, Als die Pizza bereit ist, fragt der Pizzaheini, ob Ben die Pizza in 6 oder 8 Stücke geschnitten haben will. Ben’s Antwort: Oh, heute bin ich besonders hungrig, machen Sie es 8.

        • Karin Gut sagt:

          Wenn man das gegenwärtige Wirtschaftssystem als gegeben annimmt, dann bin ich doch eher der Meinung eine moderate Inflation von etwa 2% ist eine gute Sache, denn Vermögen sollten ein Art “Halbwertszeit” haben (ebenso wie Ressourcen lediglich im Nutzungsrecht abgetreten werden sollten bzw. auf Lizenzbasis). Besitz sollte gegen Null tendieren, graduell oder mit Ende Nutzungsrecht.

          Sonst nimmt das Problem überhand, dass die Reichen immer reicher werden. Klar kann man besteuern, aber mit der globalen Mobilität wird es für Staaten immer schwieriger von den Reichen Staatangehörigen angemessen Steuern zu erheben, da sich diese dann oftmals in steuergünstige Gefilde verabschieden. Die Staatangehörigkeit sollte gleichzeitig zu einer gewissen Steuerpflicht im Heimatland verpflichten, auch wenn der Wohnsitz in einem anderen Land ist (siehe USA, in dieser Art sollten es eigentlich möglichst viele Länder einführen).

          • Linus Huber sagt:

            @ Karin

            Nehmen wir an, dass Sie chf 10,000 sparen und dies einem gegenwärtigen Arbeitsaufwand von 300 Stunden entspricht. Wenn Sie in 10 Jahren Ihre gesparte Arbeitsleistung wieder einlösen wollen, erhalten Sie nur noch einen Wert, welcher einer Arbeitszeit von 200 Stunden entspricht. Warum genau soll dies korrekt sein?

            Wo glauben Sie wohl, wer diese 100 Std. Ihnen abgenommen hat?

          • Linus Huber sagt:

            Die inflationäre Geldpolitik erlaubt es den Reichsten dieser Welt einen immer höher prozentualen Anteil des Volksverpmoegen zulasten der Mittelstandsklasse auf sich umzuverteilen. Dies ist der Hauptgrund, warum wir in den meisten westlichen Ländern eine schleichende Reduktion der Mittelstandsklasse zu verzeichnen haben.

            Über die Steuerpolitik, welche sicherlich auch einen Rolle im Gesamtkonzept spielt, will ich mich hier nicht weiter äußern, da dies den Rahmen dieser Diskussion sprengen würde.

          • Karin Gut sagt:

            @Linus Huber: Der risikolos erzielbare Zins auf den 10’000 Franken liegt normalerweise etwa in der Gegend (oder leicht über) der Inflation. Die 100 verlorenen Stunden gibt es nicht.

            Falls man z.B. 100’000 CHF angespart hat kann man z.B. eine kleine Wohnung kaufen, diese vermieten und mit etwas Fleiss das Vermögen noch erhöhen, Inflation hin oder her. Ich sehe jedenfalls kein Argument, weshalb Inflation den Mittelstand übermüssig belasten sollte.

            Der Mittelstand wird primär durch die Steuerbelastung geschädigt. Die unterste Einkommensschicht wird vom Staat weich gebettet. Die oberste Schicht lenkt den Staat so, dass proportional oftmals weniger Steuern zu zahlen sind als beim Mittelstand bzw. die Reichsten gehen ausser Landes, wenn ihnen die Steuern zu hoch werden (der Louis-Vitton-Besitzer und reichste Franzose ist gerade dran sich nach Belgien abzusetzen), weshalb es m.E. Steuerpflicht auch entsprechend Staatangehörigkeit geben sollte, siehe oben.

          • Linus Huber sagt:

            @ Karin

            Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie das Übel inflationärer Geldpolitik nicht erkennen und ich kann Ihnen versichern, dass dies hauptsächlich damit zu tun hat, dass Sie, wie wir fast alle, sich daran gewöhnt haben und die von den entsprechenden Organen produzierte Indoktrination gut angenommen haben.

            Ihr Beispiel zeigt übrigens gut, dass man um der Inflation zu entkommen dazu tendiert, in Sachwerte zu flüchten.

            Der Begriff “Inflation” wird heute hauptsächlich für die Preisveraenderungen des Konsumgueterpreisindexes verwendet, dessen Manipulation oft einige Fragen aufwirft. Ich rede hier vom US cpi, da hierbei um die Masterwaehrung handelt. Dieser Index wird unter anderem insofern angezweifelt, da die Gewichtung einzelner Komponenten des Warenkorbs zugunsten günstigerer Produkte vorgenommen wird. Es bestehen “Shadow” Statistiken, welche belegen, dass unter Verwendung der früheren Varianten der cpi-Berechnung von festgelegten Komponenten im Warenkorb, die Inflationsrate massiv höher liegt in z.B. den USA. Ich kenne die Situation in dieser Beziehung zu wenig in der Schweiz. Dies nur als Nebenbemerkung.

            Der Begriff Inflation wird jedoch nicht wirklich korrekt verwendet. Preisveraenderungen innerhalb des Systems sind das Resultat von Inflation (oder Deflation), welche die Veränderung der Geld- und Kreditmenge ist. Wenn Zentralbanken wirklich ehrlich funktionieren würden, müssten sie jedes Jahr erklären, wie stark sie den Wert der Währung aufgrund ihrer Zinspolitik das Kreditvolumen (plus Basisgeld) veränderten, Preisveraenderungen sind immer das Resultat monetärer Manipulation oder monetaerer Inflation resp. Deflation. Das Problem liegt jedoch darin, dass trotz grosser Bemühungen es nicht möglich ist den Einsatz des neu geschaffenen Geldvolumens zu steuern, was zu Verzerrungen führt oder eben zu massiven Blasen, wie wir dies seit gut 15 Jahren erleben.

          • Linus Huber sagt:

            Beim Platzen einer Blase, wird jedoch hauptsächlich der Mittelstand am meisten in Mitleidenschaft gezogen, da sich die Elite bereits entsprechend positionieren konnte.

            Ein anderer Aspekt liegt in der Tatsache, dass die neugeschaffene Geldmenge sich nicht zeitlich gleichmäßig auf sämtliche Akteure im System verteilt, sondern sich langsam und zähflüssig (wie z.B. Honig) in der finanziellen Hierarchie nach unten bewegt, womit die Preise im Allgemeinen schon stark gestiegen sind, bis die “Schwächeren” der Gesellschaft sich zu einer Investition entscheiden.

            In Bezug auf Ihre Anmerkung, dass man das Geld ja anlegen kann und einen Zins kassiert und damit nichts verliert. Zu einem gewissen Grad haben Sie in dieser Feststellung recht, jedoch schwebt bei jeder Verleihung des Geldes die Gefahr des Teil- oder Totalverlustes mit und dies besonders in der heutigen Zeit. Diese Gefahr wird mit der Risikopraemie kompensiert, womit heute der reale Zins sicherlich negativ sein dürfte in den meisten westlichen Staaten.

            Der Begriff “Inflation” ist eine sehr komplexe Angelegenheit und ich hoffe mit meinen Ausführungen das Verständnis dafür ein wenig erweitert zu haben.

          • Linus Huber sagt:

            Es gibt noch einen anderen Weg, die Problematik zu erklären.

            Nehmen wir an, dass aufgrund von Produktivitätssteigerungen sich eine Reduktion der Preise im Konsumentenpreisindex von sagen wir durchschnittlich 2% erreicht würde. Um dies zu Verhindern erhöht die Zentralbank durch die Manipulation der Zinsen (zu tiefe Zinsen) die Geldmenge, die dadurch sagen wir 7% wächst und damit 4% über dem angenommenen Wirtschaftswachstum von 3%.

            Damit wird eine positive Inflationsrate im Konsumentenpreisindex erzeugt.

            Jedoch hat diese Manipulation noch andere Auswirkungen. Es werden dadurch Projekte in Angriff genommen, welche sich bei einem marktgerechten Zins (nicht manipulierter Geldmenge) nicht lohnen würden, da die Kosten fuer das notwendige Kapital zu hoch sind. Ebenfalls setzt es die Flucht aus dem Geld in Sachwerte in Gang, womit sich die bekannten Blasen bilden. Zusätzlich werden die Menschen, wie z.B. auch die Pensionskassen, aufgrund der zu tiefen Zinsen bewegt, sich ebenfalls immer spekulativer zu verhalten, ansonsten jegliche Renditeziele unerreichbar werden. Beim Platzen einer Blase entsteht jedoch enormer finanzieller Schaden, indem die damit verbundenen Kredite weiter bestehen, das Kollateral jedoch an Wert eingebuesst hat. Die Fehlinvestitionen erzeugen dadurch massive negative Auswirkungen längerfristig betrachtet.

            Eine scheinbar harmlose Inflationsrate des Konsumentenpreisindexes wird in einer Gesamtschau der damit erzeugten Wirkungen auf einmal nicht mehr so harmlos.

            Ich habe kein Problem mit Spekulation. Sie ist Bestandteil einer gut funktionierenden Marktwirtschaft. Jedoch ist es nicht nur aus ethischen und moralischen Gründen, sondern aufgrund faktischer Analyse, verwerflich, Menschen in die Situation zu drängen, in welcher sie sich hohem finanziellen Risiko aussetzen muessen.

          • Linus Huber sagt:

            In Bezug auf den Aspekt der Steuern nur ein kurzer Hinweis. Die Superreichen werden zur Zeit durch die Manipulation der Zentralbanken sowie der Regierungen unterstützt wie nie zuvor, indem direkt oder indirekt die Kosten vergangener Fehlinvestitionen der Bevölkerung untergejubelt werden.

            Sobald diese Ponzi Scheme (da nicht nachhaltig) ebenfalls blasenartig platzt, werden diese massiv höhere Verluste einfahren als Otto der Normalverbraucher. Es wird sich bald einmal herausstellen, dass die gegenwärtigen Massnahmen nicht den gewünschten Effekt produzieren und sich die Misere weiter ausbreitet. Eines Tages werden wir alle Griechen sein, jedoch möchte ich dann nicht zu der sich risikolos bereichernden Elite gehören, welche sehr wahrscheinlich als Sündenbock herhalten muss.

            In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass gerade die Schweiz von der Situation, in welcher sich die finanzielle Elite befindet enorm profitiert, womit es oft schwierig ist, die weltweite Entwicklung einem Schweizer zu erläutern.

  20. Walter Kuhn sagt:

    Mit vier einfachen Massnahmen kann bei den Banken die Sicherheit wiederhergestellt werden: —> 1. Komplexität reduzieren: Kein VR kann alle Banktypen gleichzeitig beaufsichtigen, also Trennbankensystem. —> 2. Eigenkapital ins Verhältnis zu bestimmten Risiken in Aktiven und Umsätzen setzen setzen, also zu Ausleihungen, Beständen im Eigenhandel, Assets under Management, Honorarsumme im Investment Banking, also differenzierte Begrenzung der Leverage. —> 3. Boni verbieten, die ohnehin organisierter Diebstahl am Aktionär sind. Wie früher, nur etwas von GV ausdrücklich genehmigteTantieme an VR ausschütten, nichts an CEO/Direktoren (“Du solltst nicht stehlen” anwenden – so steht’s schon im Titel des Blogs). —> 4. Begrenzung von Kreditversicherungen und Vorsicht mit deren Ratings, denn diese haben bei der US-Hypothekenkrise versagt.

  21. Michael Schwarz sagt:

    Es wird bis heute nicht über das Thema “das Versagen der Regulatoren” diskutiert. Es gibt eigentlich zwei Erklärung, warum die Regulatoren versagt haben. Erste, sie sind durch und durch korrupt, bzw. sie arbeiten für die Banken als Lobbyist. Zweite, sie verstehen Ihr Geschäft nicht mehr, weil die Märkte komplex geworden ist. bzw. sie haben den Übersicht über den Märkten bereits vor langer Zeit verloren. Die zweite Erklärung ist eher wahrscheinlicher, als die Erste. Dies bedeutet, dass die Regulatoren zwar gut ausgebildet sind, aber das Geschäft nicht versteht. Dieses Phämonen können wir wiederholt bei Banken beoabachten. Wie die Trading bei Banken Mrd. Verlust einfahren, das ist nur der Spitze des Eisbergs, die kleine Verluste werden nicht mal publiziert.
    Die Banken haben aus den Krisen überhaupt nicht gelernt mit Risiken umzugehen. In diesem Punkt ein Lob an Regulatoren, sie haben mehr oder wenige aus Krisen gelernt und Konzequenz daraus gezogen.

    • Alex Zatelli sagt:

      Welche Bankregulatoren kommen nicht aus dem Bankgewerbe?

      Aber klar: nur Bänker verstehen die Komplexität des Geschäftes, drum können nur Bänker die Banken regulieren. So die Ausrede. Und drum sind alle Gärtner Böcke in diesem Geschäft. Und man wundert sich. Mn ennt dsas auch “informelle Korruption.”

      • Michael Schwarz sagt:

        Es ist definitiv ausgeschlossen, etwas regulieren zu wollen, wenn man es nicht versteht. Die Finanzinnovation der Banken muss zuerst regulerit werden, das haben die Regulatoren bis heute noch nicht erkannt. Die Problme der Finanzinnovation ist der Zündstoff für die Finanzkrise. In 80 war Option- und Futurgeschäft, heute ist Derivate ohne Ende. Die Regulatoren müssen die Derivateprodukte einschränken und verstärkt regulieren, das wäre schon ein guter Anfang. Die Blasen wird durch den Explosion der Derivateprodukte generiert. bzw. die Derivateprodukte werden verkonsumiert, das muss gestoppt werden. Das Kapital muss wieder in realer Wirtschaft wieder investiert werden, anstatt in Produkten, die keinen Wirtschaftsnutzen zu genieren.

        • ast sagt:

          Herr Schwarz, hier gehe ich mit Ihnen Einig. Ohne eine solche Regulierung wird jedes weitere “Quantitative Easing” schnell in den Händen der Finanzeliten verschwinden, die sich praktisch im Minutentakt neue solcher Wertpapiere erschaffen.

          PS: Italiens Monti hat endlich herausgefunden wie man die lästige Demokratie beseitigen könnte. Auf dem “der Spiegel” las ich eben folgendes: “Kampf den Vorurteilen: Italiens Ministerpräsident Mario Monti fordert einen EU-Gipfel, auf dem Strategien gegen europafeindlichen Populismus erarbeitet werden sollen. EU-Ratspräsident Van Rompuy begrüßt den Vorschlag.”

          Nur wer weiss wer Monti und Rampuy ist und woher sie stammen, der kann die Bedeutung “europafeindlicher Populismus” entziffern, so wie das gemeint ist. Im Klartext heisst das -Monti, Rompuy und noch weitere Personen wollen die Demokratie weiter einschränken und eine totalitäre Europäische Zentralregierung schaffen welche nationale Demokratien zu overrulen vermag.

  22. Walter Kuhn sagt:

    Mit vier einfachen Punkten kann bei den Banken Sicherheit wiederhergestellt werden: —> 1. Komplexität reduzieren: Kein VR kann alle Banktypen gleichzeitig beaufsichtigen, also Trennbankensystem. —> 2. Eigenkapital ins Verhältnis zu bestimmten Risiken in Aktiven und Umsätzen setzen setzen, also zu Ausleihungen, Beständen im Eigenhandel, Assets under Management, Honorarsumme im Investment Banking. —> 3. Boni verbieten, die ohnehin organisierter Diebstahl (org. Kriminalität?) am Aktionär sind. Wie früher, nur etwas Tantieme an VR, nichts an CEO/Direktoren. —> 4. Begrenzung von Kreditversicherungen und Vorsicht mit deren Ratings, denn diese haben bei der US-Hypothekenkrise versagt.
    af df df f

    Keine Gewichtung mehr, diese beruht auf Ratings, die bekanntlich versagt haben.
    Keine verkappten Hedgefunds mehr, Eigenhandel verbieten.

    • Walter Kuhn sagt:

      (irgendwie ist der Beitrag verfrüht abgegangen, als die fünfte Massnahme noch nicht fertig formuliert war)
      —> 5. Eigenhandel allen Institutionen verbieten, die “Bank” im Namen führen. Eigenhandel ist Spekulation oder Arbitrage, und damit angestammtes Geschäft der Hedge-Funds. Banken, die Eigenhandel betreiben, SIND in dieser Hinsicht Hedge-Funds. Hedge-Funds, die auch keine Anlagefonds sind, sondern reine Spekulationsgesellschaften sollten frei und unbeaufsichtigt handeln dürfen, aber unter keinen Umständen je gerettet werden.

  23. Beat Müller sagt:

    Wenn man’s völlig ungewichtet macht, wird’s auch nicht besser. Dann lohnt es sich für die Banken wieder, riskanten Eigenhandel zu machen.
    Die Finanzkrise ist eigentlich eine Immobilienkrise. Und zwar nicht eine Krise, dass zu viele Leute ihre Hypo nicht mehr zahlen konnten. Sondern eine Krise, weil zu viele Leute viel nachzahlen sollten, da ihr Haus weniger wert wurde und die Hypo nicht mehr deckte. Genau das ist eigentlich nicht nötig. Hier hätte der Staat einfach für die paar Jahre, wo die Hauspreise was tiefer sind, für den durch die Häuser nicht mehr gedeckten Teil der Hypos bürgen sollen. Nicht zahlen, sondern nur bürgen.
    Bezahlen müssen hätte der Staat das nur bei wenigen Hausbesitzern, nämlich denen, die die Hypo nicht mehr zahlen können. Auch das hätte man so gestalten können, dass es nicht missbraucht wird, nämlich indem der Staat die Rückzahlung vom ehemaligen Hausbeitzer auch Jahre später, wenn er wieder Geld hat, verlangen kann.
    Mit so einem System müssen nur wenige ihr Haus verkaufen, wenn die Preise deutlich fallen, die Immokrise wird viel weniger stark, weil weniger verkaufen müssen. Und nach einigen Jahren ( 5 bis 10 Jahre dürften immer reichen) sind die Preise wieder oben, der Staat kann sich als Bürge für die ungedeckten Teile zurückziehen.

    • Alex Zatelli sagt:

      Heute sind derart viele Daten über Immobilienpreise und Einkommensentwicklung bekannt, dass die Regulatoren ohen weiteres eine Belehnungsobergrenze für Hypotheken einführen könnten. Sobald Immobilienpreise von Mietrenditen und verfügbaren Einkommen strak auseinanderdriften muss auf die Bremse getreten weden.

      Der Trick der Nullerjahre war es, mithilfe bezahlter Ratingagenturen faule Kredite in erstklassige zu verwandeln und bei den Banken als “risikoarmes” Fremdkapital zu platzieren (die freudig mitmachten). Die Anforderung von “hartem” Eigenkapital (gibt es ein anderes?) hätte dieses katastrophale Spiel schwer eingebremst.

  24. Alex Zatelli sagt:

    Nur: solange Banker derart nahe an der Politik sind, wird sich nichts ändern.
    Kein Handwerksbetrieb kann zwischen “hartem” und “weichem” Eigenkapital unterscheiden, wenn er bilanziert. “Basel” ist eine Verschleierungsmaschinerie der staatsgeschützten Werkstätte.

    PS. Schachmeister sehen u.U. 50 Züge weit. Wenn sie z.B. mögliche Endspielstellungen und -dynamiken schon im Mittelspiel betrachten. Natürlich sind das nicht scharf berechnete Zugkombinationen, aber der Stellungs-Horizont ist nicht nur einfach durch eine Reihe von Zügen begrenzt wie bei Computern.

  25. John Peer sagt:

    Gemäss Rothbard und Mises impliziert der Grundsatz “Du sollst nicht stehlen”, dass Teilreservebanking verboten und alle Einlagen stets gedeckt sein müssen.

    • Anh Toan sagt:

      @John Peer: Bei der Gepäckaufbewahrung gibts keine Teilreserven. Bei Banken gibt es Teilreserven oder keine Reserven, wollen Sie 100 Prozent Reserven, legen Sie Bargeld in den Tresor .

      Alle Einlagen können nur dann sicher gedeckt sein, wenn sie nicht weiter investiert, sondern aufbewahrt werden.

      Diebstahl ist wegnehmen, Geld wird zur Bank gebracht, es wird anvertraut, also wenn Veruntreuung oder Betrug (Vermögensdelikt) und nicht Diebstahl (Eigentumsdelikt).

      Mieser Kommentar (ausser Sie bringen das Zitat von Mises) unter einem sehr guten Beitrag.

      Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Mises (Rothbard kenne ich gar nicht) sowas verzapft hat, aber Sie können mich ja überzeugen, indem Sie die Quelle präzise angeben.

      • John Peer sagt:

        Mein Fehler. Mises war ein Verfechter von Free Banking. Rothbard (sein Schüler) aber qualifizierte “fractional reserve banking” als Betrug. Rothbard vs. Mises on Fractional Reserve Banking: http://www.garynorth.com/public/9714.cfm Ich bin bei diesem Thema ein Agnostiker – es ist wirklich sehr komplex.

        • Linus Huber sagt:

          @ JohnIch habe mich schon viele Stunden mit diesem Problem beschäftigt und bin persönlich zum Schluss gekommen, dass das Problem nicht grundsätzlich im fractional reserve banking liegen dürfte sondern im zeitlichen Missmatch zwischen Geldeinlagen und den gesprochenen Krediten, womit theoretisch 2 Parteien das Recht auf die Verwendung des gleichen Kapitals während einer identischen Zeitperiode beanspruchen können. Ein Bankrun (oder Liquiditaetskrise) ist nur unter solch einem Szenario möglich. Der Betrug der Banken liegt darin, dass sie Gelder, welcher z.B. auf dem Sparkonto liegen und somit mehr oder weniger jederzeit abgezogen werden kann, langfristig ausleihen um ihre Profitmarge zu erhöhen.

          • Linus Huber sagt:

            Oder in anderen Worten, wenn ich dir mein Auto für 1 Monat ausleihe, solltest Du es in meinen Augen nicht fur ein Jahr untervermieten, da dies unweigerlich zu einem Konflikt führen kann, sollte ich entscheiden, dass ich das Auto nach dieser vereinbarten Zeitperiode von 1 Monat wieder selber benötige und damit keine Erneuerung der Autoverleihung in Betracht ziehe.

            Wenn die Banken das Prinzip der zeitlichen Übereinstimmung zwischen Aktiven und Passiven einhalten würden, wäre schon ein gutes Stück an System-Stabilität gewonnen.

          • Ueli der Knecht sagt:

            @Linus Huber
            1. Geld ist eben nicht einfach eine beliebige Ware (wie ein Auto). Tatsächlich hat in der modernen Gesellschaft das Geld die “Funktion des Kriteriums der Daseinsrealität aller Dinge”. Nur was sich gegen Geld kaufen oder verkaufen lässt, hat “objektiv gültige Realität”.
            2. “Wenn die Banken das Prinzip der zeitlichen Übereinstimmung zwischen Aktiven und Passiven einhalten würden”, wären sie keine Banken mehr, da diese “Forderung” die meisten Geldgeschäfte verunmöglichen würde.
            3. Der ganze Kapitalismus basiert auf Spekulation – da niemand weiss wie sich Angebot und Nachfrage in der Zukuft treffen werden.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            Wenn die Banken das Prinzip der zeitlichen Übereinstimmung zwischen Aktiven und Passiven einhalten würden”, wären sie keine Banken mehr.

            Es würde die Spekulation verhindern, jedoch problemlos normale Geschäfte erlauben. Natürlich wäre ein angemessener Preis (Zins) für jede Dauer damit gegeben, womit es sich vielleicht nicht mehr lohnen würde, gewisse marginal rentierende Projekte zu starten. Auch hier ist natürlich die Manipulation der Zentralbanken preisverzerrend, wodurch bei zu tiefen Zinsen marginal rentierende Projekte getätigt werden, welche sich später sehr wohl als Fehlinvestitionen entpuppen mögen.

            “Geld ist eben nicht einfach eine beliebige Ware”

            Ja, Geld ist nicht eine beliebige Ware im Falle einer Fiat Währung, wodurch diese Flucht in Sachwerte sich entwickelte, welche beim Platzen der entsprechenden Blase grosse Schäden hinterlässt. Eine nicht manipulierbare Währung hätte jedoch sicherlich eine ähnliche Verhaltensweise wie eine Ware, welche sich hauptsächlich dadurch unterscheiden würde, dass sie eben nicht beliebig vermehrt werden kann und nicht zerstört wird über Zeit. Eine Diskussion über Geld sprengt hier den Rahmen.

            Sie verwechseln Spekulation mit unternehmerischem Risiko.

  26. Bruni sagt:

    Nlamenkorrektur: Bruni, nicht Burni. Entschuldigung.

  27. Burni Giordano sagt:

    Hat die Simplizität Maximalniveau erreicht, ist der Weg zur Genialität nicht mehr ferne, doch praktisch dennoch unerreichbar.Theorien basieren auf berechenbaren Modellen, beziehen sich auf Vergangenheit und Präsens, sind daher extrem unzuverlässig, da die einfache Extrapolation daraus die Variante Psychologie in Normalzeiten nicht mit einbezieht. Von Notstandspsychologie ganz zu schweigen. Darum sind Berechnungen von volatilen Wirtschaftstendenzen entgegen dem gewünschten Ziel sehr ineffizient, vor allem in Extremsituationen, wie sie heute vorliegen. Realverhalten ist dem Intuitivverhalten immer unterlegen. Wenn man dies beachtet, ist man über verlorene Kriege oder fallite Wirtschaftsformen nicht überrascht.
    Es gibt Regionen auf der Welt (z.Bsp. in Asien), bei denen das Real- und auch das intellektuelle Verhalten den kleineren Stellenwert hat, zu Gunsten von Intuition und Spiritualität. Letztere werden auch stärker gefördet.

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