Bewegung in der Schuldenkrise Griechenlands

Griechische Euromünzen.

70 Prozent der auslaufenden Schulden Griechenlands bei französischen Banken sollen entschärft werden: Griechische Euromünzen.

Endlich: Zum ersten Mal seit Ausbruch der griechischen Schuldenkrise vor gut einem Jahr scheint die EU einen Schritt vorwärts zu machen. Der Plan ist noch nicht fertig ausgearbeitet, und auch wenn er gelingt, bleibt noch viel zu tun. Dennoch ist der gestrige Tag denkwürdig.

Worum geht’s? In Rom trafen sich eine Reihe von Grossbanken, die griechische Staatsanleihen in ihren Büchern haben und an einer geordneten Lösung der griechischen Schuldenkrise interessiert sind. Die französischen Banken, die besonders exponiert sind, haben sich bereit erklärt, einen Grossteil ihrer griechischen Staatsanleihen, die 2011 bis 2014 auslaufen, zu verlängern. Dafür sind zwei Teile vorgesehen.

  1. 50 Prozent dieser auslaufenden Anleihen würden in neue Anleihen umgewandelt, die eine Laufzeit von 30 Jahren und einen Zins von ungefähr 5 Prozent haben. Diese Anleihen dürfen die Banken in eine spezielle Anlagegesellschaft verlegen, um ihre Bilanz zu entlasten.
  2. 20 Prozent würden in Anleihen umgewandelt, die keinen Zins abwerfen, aber mit einem AAA versehen sind, das vom European Financial Stability Facility (EFSF) garantiert werden soll. Die EFSF ist der von den Eurozone-Ländern geschaffene Rettungsschirm, der erst kürzlich aufgestockt worden ist.

Insgesamt werden also 70 Prozent der bald auslaufenden griechischen Schulden, die von französischen Banken gehalten werden, entschärft. Entscheidend sind aber die 20 Prozent, die von der EFSF garantiert werden soll. Es bedeutet nämlich nichts anderes, als die Verwandlung von griechischen Schulden in Eurobonds – was nach Ansicht der meisten Ökonomen eine unabdingbare Voraussetzung für eine funktionierende Währungsunion ist. Die deutschen Banken haben bereits Interesse an diesem Modell gezeigt. (Es ist nichts anderes als eine angepasste Variante der Brady-Bonds, die Ende der 1980er Jahre mithalfen, die lateinamerikanische Schuldenkrise zu beenden.)

Um die europäische Schuldenkrise ganz zu entschärfen, müsste man vermutlich auch einen Teil der spanischen und italienischen Schulden in die EFSF überführen. Denn die Marktzinsen für spanische und italienische Anleihen sind seit einem Jahr kontinuierlich am Steigen. Wenn man zu lange wartet, könnten diese Zinsen plötzlich zu hoch sein, so dass wieder eine neue Feuerwehrübung nötig wäre.

Klar, man ist noch längst nicht so weit, wie man sein sollte. Griechenland braucht bald einen Schuldenschnitt, und es bleibt nach wie vor unklar, wie Griechenland innerhalb der Eurozone ein befriedigendes Wachstum erzielen soll. Entsprechend haben die Märkte äusserst verhalten reagiert. Aber immerhin: Es geht vorwärts.