Exodus statt Exit

Supporters of the No vote wave Greek flags after the referendum's exit polls at Syntagma square in Athens, Sunday, July 5, 2015. Greece faced an uncharted future as officials counted the results of a referendum Sunday on whether to accept creditors' demands for more austerity in exchange for rescue loans, with three opinion polls showing a tight race with a narrow victory likely for the "no" side. (AP Photo/Petros Giannakouris)

Damals gab es noch Hoffnung: Griechen nach dem Oxi-Referendum am 5. Juli 2015. Foto: Keystone

Vor einem Jahr stand Griechenland kurz vor dem Austritt aus der Währungsunion. Im letzten Moment aber schreckte Premierminister Tsipras zurück. Das wichtigste Argument gegen den Austritt war, dass alles nur noch schlimmer werden würde.

Ich fand das Argument immer schwach. Wieso soll bei Griechenland nicht funktionieren, was bei Dutzenden von Schwellenländern funktioniert hat? Finanzkrisen lassen sich nur durch Schuldenschnitt und Abwertung überwinden. Je schneller, desto besser.

Des Weiteren ist mir nie klar geworden, warum man nach dem Scheitern der bisherigen Krisenpolitik immer noch das Gefühl hat, dieselben Fehler weiter begehen zu müssen. Griechenland hat in den letzten Jahren eine Kontraktion erlebt, die an die 1930er-Jahre erinnert. Ich bin immer davon ausgegangen, dass eine solch verfehlte Wirtschaftspolitik in Europa im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich sei. Eine Fehlannahme.

Die Grafik zeigt das Ausmass der Wirtschaftskrise. Das reale BIP ging zwischen dem dritten Quartal 2009 und dem vierten Quartal 2013 um etwa ein Viertel zurück. Griechenland ist 2015 immer noch auf dem Niveau des Jahres 2000.

fredgraph

Das Resultat des Festhaltens am Bisherigen: Die griechische Wirtschaft kommt nicht vom Fleck, die Arbeitslosigkeit bleibt unverändert hoch, die Mittelschicht ist verarmt, viele haben keinen Zugang mehr zum Gesundheitssystem, die Innenpolitik ist blockiert.

Die logische Folge wird sein, dass die gut ausgebildeten Jungen auswandern und Griechenland noch strukturschwächer wird. Erste Anzeichen gibt es bereits. Seit 2010 sind fast eine halbe Million Menschen ausgewandert, wie die griechische Zentralbank unlängst ausgerechnet hat (Quelle). Griechenland hat rund 11 Millionen Einwohner. Gemäss Zentralbank befinden sich unter den Emigranten überdurchschnittlich viele Gutausgebildete, z. B. Ärzte und Ingenieure.

Dies unterscheidet die heutige Auswanderungswelle von derjenigen der 1960er- und 1970er-Jahre. Damals sind etwa eine Million Griechen nach Belgien und Deutschland ausgewandert, um in der Industrie zu arbeiten.

Griechenland mag ein Extrembeispiel sein, aber es ist keine Ausnahme. Überall in Südeuropa beobachten wir einen Exodus der Gutausgebildeten. Es war abzusehen: Eine Währungsunion, die keine fiskalischen Ausgleichsmechanismen kennt, führt zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen den starken und den schwachen Ländern.

Wie daraus ein «gemeinsames europäisches Haus» entstehen soll, ist unklarer denn je.

45 Kommentare zu «Exodus statt Exit»

  • Marcel Zufferey sagt:

    Im letzten Absatz wird die allergrösste Schwäche des Euro-Raumes heraus gestrichen: Geld- und Fiskalpolitik müssen einander ergänzend eingesetzt werden können. Doch das ist z. Z. für niemanden möglich- mit allen sozialen und volkswirtschaftlichen Konsequenzen vor allem für die südeuropäischen Mitgliedsstaaten!

  • Eduard Ender sagt:

    Jetzt sind die Griechen doppelt bestraft. Auf Generationen hinaus verarmt und ruiniert und die besten jungen Leute laufen Griechenland davon.Tsipras und Varoufakis sind eine Enttäuschung. Ich habe gehofft, dass sie ihre Versprechen durchziehen und Griechenland mit Grexit aus dem 7-jährigen Siechtum befreien würden. Das zeigt einfach wieder, dass sich nichts geändert hat. Es sind immer noch die selben korrupten Seilschaften am Werk in Griechenland so wie in der EU.

  • Anh Toàn sagt:

    Und mit einer abwertenden Drachme, wären die Griechen alle in Griechenland geblieben, weil die keine teuren Autos, keine Smartphones, keine Ferien in Paris wollen, sondern nur Gyros und Tsasziki und Ouzo in der Kneipe um die Ecke: Dann wären die froh und würden bleiben.

    Ach nee, aber man könnte die einsperren, diese Menschen: Die dürften ja dann gar nicht mehr nach D oder CH zum arbeiten, die dürfen dann als freie Griechen hinter eigenen griechischen Mauern leben. Aber das Kapital wäre frei, nach Deutschland in Bundesoblis oder nach Malaysia in Palmölindustrie zu fliessen. Freiheit fürs Kapital, Mauern für die Menschen.

    • Josef Marti sagt:

      So ein Blödsinn, die können ja wieder als billige Saisonniers kommen, natürlich ohne den ganzen Familiennachzugsschwachsinn wie das von dekadenten westlichen Gutmenschen erfunden wurde.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Vietnamesen dürfen aber auch nicht als Saisonniers kommen, auch nicht ohne Familie, warum sollten dann die Griechen dürfen?

      • Maiko Laugun sagt:

        @Josef Marti: Auch ich bin von altem Schrott und Korn. Eine unbegrenzte Einwanderung – vor allem direkt in die Sozialwerke – gilt es zu vermeiden. Das kann ganz einfach – mit höheren Personalkosten durch einen Inländervorrang erreicht werden. Ein Familiennachwuchs hingegen hat wirklich nichts mit “Gutmenschen” zu tun. Bin (als Schweizer) selber mit einer Chinesin verheiratet und weiss von was ich rede. In meinem Falle waren 3 Länder mit unsäglichem Papierkram und teilweise rassistischen Beamten involviert, letzte ausschliesslich in der CH bzw. CH-Botschaften. Es gilt den Hebel an einem anderen Ort anzusetzen. Falls aber jemand das Recht hat zu kommen, dann bitte mit Familie.

      • Maiko Laugun sagt:

        Der Saisonnier-Status wurde zudem auf ausdrücklichen Wunsch der reichen CH-Wirtschaft eingeführt, welche nach mehr Profit durch billige Arbeitskräfte lechzte.

        Bei mir in China (früher in Saudi Arabien) gab/gibt es ebenfalls strenge Vorschriften für Ausländer. Ein Familiennachzug stand/steht aber nirgendwo zur Disposition.

      • Anh Toàn sagt:

        Der einfachste Weg, die Inländer auf dem Arbeitsmarkt zu schützen, gerade die Ü50 in der Schweiz, wäre z.B. ein für langjährige Mitarbeiter verbesserter Kündigungsschutz, pro Monat Anstellung gibt’s 1 Woche Kündigungsfrist. Dann wäre es billiger, langjährige Mitarbeiter zu behalten, als sie zu feuern.

        Auch mit geschickter Gestaltung der Ansprüche aus Sozialsystemen, könnte die Einwanderung in diese deutlich erschwert werden.

        Familiennachzug ist nicht im „Gesamtwirtschaftlichen Interesse“, besser man gibt 3 Monats-Bewilligungen für steuer- und Sozialversicherung zahlende Prostituierte.

        • Josef Marti sagt:

          Natürlich kommt dann immer das Argument, dass man jedem vor 50 noch schnell kündigt. Deshalb sind Zwangskontingente für Ü50 oder Ü60ff. für alle grösseren Unternehmen zu befehlen. Man könnte AHV und PK abschaffen und nur noch eine IV behalten; Arbeiten bis zur Invalidisierung oder tot umfallen. So schlimm wäre das gar nicht, praktisch jeder 90 jährige der vorher nicht schon gestorben ist wäre zumindest teilinvalid. Dieses Modell wäre auf der anderen Seite so abschreckend, dass die Flüchtlinge lieber freiwillig in ihren Bürgerkrieg ziehen würden als hierherkommen, da keine attraktive soziale Hängematte mehr.

          • Anh Toàn sagt:

            Ja wenn man einfach die Kündigungsfristen ab 50 massiv erhöht, komme auch ich mit dem Argument, dann muss man halt mit 49 künden.

            Aber wenn sich die Kündigungsfrist kontinuierlich über die Beschäftigungsdauer verlängert, wie es das OR bereits heute macht, aber halt nur im Ansatz, dann funktioniert es eher. Dann braucht es keine Zwangskontigente und Ü50 jährige die dennoch ihren Job verloren haben, würden vielleicht dann dank kurzer Kündigungsfrist neu angestellt.

            Ihr Ansatz mit der Erwerbsunfähigkeits(teil-)rente statt Altersrente, find ich sehr interessant.

  • Anh Toàn sagt:

    „Wieso soll bei Griechenland nicht funktionieren, was bei Dutzenden von Schwellenländern funktioniert hat? “

    Na weil die Griechen nicht glauben, dass sie ein Schwellenland haben.

  • Mueller Peter sagt:

    Grienchenland war in den letzten 200 Jahren schon sechs mal bankrott. Das müsste Herr Straumann eigentlich wissen. Zu behaupten, nur ein Schuldenschnitt würde das Problem lösen, ist einfach unsinnig. Was würden denn die Griechen nachher machen, waseliwas? Erraten: Neue Schulden, die sie dann auch nicht zurückzahlen würden. Nein, ein Schuldenschnitt ist das Falscheste, was man überhaupt nur tun kann. Waren und sind doch (zu viele) Schulden schlicht das Hauptproblem von Finanzblasen, Schuldenkrisen und Finanzkrisen der Vergangenheit. Die Leute müssen lernen, nicht mehr Geld auszugeben, als sie haben, auch wenn es weh tut.

    • Josef Marti sagt:

      Dann darf es aber auch keinen Schuldenschnitt resp. staatliche Sanierung für Grossbanken mehr geben.

    • Anh Toàn sagt:

      Solange GR in der EU oder zumindest im EUR ist, wären die doch dumm, die Schulden abzuschreiben, die Schulden sind der Hebel der EU, um die Reformen durch zu setzten in GR: Ob die EU und was sie erzwingen will, böse oder gut ist, die Schulden abzuschreiben wäre doof, auch wenn keiner dran glaubt, dass die Schulden bezahlt werden.

      • Josef Marti sagt:

        Das kann man so vertreten wenn man bereit ist ohne zu Murren immer wieder nachzulegen und das Land wie eine Pfandverwertungskolonie zu betreiben dh. komplette politische Entmachtung ohne wenn und aber.

    • Marcel Senn sagt:

      Müller „Die Leute müssen lernen, nicht mehr Geld auszugeben, als sie haben, auch wenn es weh tut.“
      .
      Mit den Ratschlägen einer schwäbischen Hausfrau scheinen Sie das Problem nicht wirklich erkannt zu haben. Die griechische Tragödie hat noch viele andere und gewichtigere Ursachen: Einerseits bürokratische Ineffizienz, Vetternwirtschaft und der grassierende Volkssport Steuerbetrug – laut Economist schon 2012 bis zu 30 Mrd € pro Jahr – bei akt. 360 € Mrd Schulden können Sie selber ausrechnen – steter Steuerbetrug höhlt den Stein! Diese griech. „Tradition“ entwickelte sich unter der jahrhundertelangen Türkenherrschaft – den verhassten Türken wollte man möglichst keine Steuern zahlen.

      • Josef Marti sagt:

        Gemäss Ratschlag schwäbische Hausfrau wären konsequent betrachtet jegliche Hypotheken Kredite und Anleihen für alle Akteure sofort zu verbieten.

        • Linus Huber sagt:

          @ Josef

          Da liegen Sie aber falsch. Es geht nicht um Anleihen per se, sondern um Anleihen zwecks Konsum im Gegensatz zu Anleihen zwecks produktiver Investition. Mit der gesicherten Geldentwertung hat sich über die letzten Jahrzehnte allerdings Kredit auf Konsum derart eingebürgert, dass es heute als normal betrachtet wird. Das Belächeln der schwäbischen Hausfrau ist fehl am Platz, denn das Prinzip, dass längerfristig nicht mehr ausgegeben als eingenommen werden kann, ist zweifelsfrei korrekt; die Frage ist eher, wer unter der damit verknüpften erzwungenen Umverteilung leidet und wer davon profitiert. Die Umverteilung nach oben, dürfte hier teilweise die Antwort liefern.

      • Linus Huber sagt:

        Alles einfach „greed“ der Akteure, als ob niemand für das Anreizsystem zuständig wäre. Da kommt ein erfahrener Zahlenheld zu anderen Schlüssen als Sie. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Griechen zu belehren, jedoch die Ursache der massiven Ungleichgewichte zu erkennen.

        http://creditbubblebulletin.blogspot.com/2016/07/weekly-commentary-greenspan-on-bubbles.html

      • Mueller Peter sagt:

        @ Senn: Es ist mir sehr wohl bewusst, dass die Krise auch noch andere Aspekte hat. Ich habe einfach den meiner Meinung nach wichtigsten herausgegriffen. Wenn Sie mehr von mir dazu lesen wollen:
        Die Lüge von den effizienten Finanzmärkten:
        https://www.facebook.com/Wie-Sie-andere-und-sich-selbst-betrügen-528333160666880/timeline/?ref=hl

  • Kristina sagt:

    Bildung und soziale Aufstiegschancen haben gar nichts mit der Anbindung der einzelnen Länder an die Finanzindustrie zu tun. Und wo einmal Potenziale eingerechnet wurden, wie beispielsweise die nicht förderbaren Gasvorkommen in der Ägäis, wird ein Ausstieg praktisch unmoeglich ohne auf der anderen Seite des Globus ein kleines Börsenbeben auszulösen oder eben innerhalb Europas Volkswirtschaften zum Wanken zu bringen. Das ist das Risiko der Reichen. Alle anderen sollten sich in Solidarität üben also in shares im small business investieren.

  • alexandra weber sagt:

    Blocher hat diese Krise absolut zu 100% richtig vorausgesagt. Doch Mme DDR Merkel musste ihren Grind duresetze und das entsprechenden Gesetz in einer Nachtübung anpassen. Das D-Volk blutet und blutet und alle EU-Politiker beziehen für all die produzierten Lügen ein hohes Gehalt, auf dem Buckel der Bürger. Die Regierung muss bestraft werden für den gelieferten Unsinn.
    ewz

    • Monique Schweizer sagt:

      Weber: Bislang hat das deutsche Volk jetzt allwäg geblutet – im Gegenteil, die haben Hochkonjunktur, abnehmende Arbeitslosigkeit und einen Grossteil der deutschen Guthaben haben sie mit den Krediten an GR selber gerettet – gerade mal 7% dieser Gelder endete bei der gr. Bevölkerung, der Rest wurde gebraucht um deutsche, französische Guthaben in Griechenland zu retten.
      .
      Wenn jemand blutet, dann die einfache griechische Bevölkerung!!
      .
      Ihr Dr. Blocher hat Ihnen da wieder mal einen währschaften „Seich“ verzapft – aber das kennt man ja bei dem inzwischen!
      Frau Weber – wann beginnen Sie endlich mal selber zu denken & holen Ihr Hirn wieder mal in Herrliberg ab? Wirkt bewusstseinserweiternd!

      • Heinz Oberholzer sagt:

        Frau Schweizer sie sind FRECH und UNANSTÄNDIG gegenüber Menschen die nicht ihrer Meinung sind. Ihre Meinungen sind sicher auch nicht immer richtig Frau Schweizer! Eitelkeit kommt vor dem Fall!! Zum grossen glück denken nicht alle wie Sie und dass Sie Ch.Blocher in Herrliberg nicht mögen weiss nun bald die ganze Schweiz.

        • Monique Schweizer sagt:

          Oberholzer: Wenn Frau Weber meint, Sie müsse Ihre rechtspopulistischen Lügen und Dolchstosslegenden „von den ewig blutenden Deutschen“ auch in einem seriösen Wirtschaftsblog kundtun, dann ist es mein gutes Recht sie dafür anzugreifen und sie in den Senkel zu stellen! Habe schon mehr als genug der dämlichen und tw. bösartigen ewz Kommentare im „Blick“ gelesen – diese Frau ist für mich genauso ein „pain in the arse“ wie ich vermutlich für Sie Heinz Oberholzer!

          • Linus Huber sagt:

            Sie fallen durch Ihre oberflächlichen Kenntnisse gesellschaftlicher wie ökonomischer Zusammenhänge wohl gerne auf, Monique. Aus der gesamten Aussage, greifen Sie einen einzigen Satz heraus und stilisieren diesen hoch um die gesamte Aussage zu diffamieren. Wenn die Banken der entsprechenden Staaten TEMPORÄR durch prinzipienfreie Massnahmen über den Umweg Griechenland gerettet werden, kommt dies nicht den zunehmend BESORGTEN/BEUNRUHIGTEN Bürgern dieser Staaten zugute, denn diese sind sich bewusst, dass die Rechnung später umso höher ausfallen wird, denn jedem mit einigen Hirnzellen ausgestatteten Menschen ist es klar, dass die Griechen diese Anleihen nie und nimmer zurückzahlen werden.

          • Monique Schweizer sagt:

            @Linus Huber: Ich wehre mich einfach gegen diese prinzipienfreie Mythenbildung rechtsbürgerlicher Kräfte, dass der deutsche Steuerzahler wegen den Griechen schon blutet & blutet!
            Eher das Gegenteil ist der Fall, dank diesen Krisenländern bekommt Schäuble Geld nun gratis und kann trotz all den Flüchtlingen öffentlich von seiner schwarzen Null bis 2020 träumen. Die ganzen Rüstungsgüter die D nach Griechenland geliefert hat und fette Gewinne gemacht hat sind nur ein Bsp. dass D von den Griechen ganz gut gelebt hat, auch einen Grossteil der Risikokredite konnten die D-Banken retten.
            .
            Mag sein, dass D in Zukunft mal eine grosse Rechnung bekommt – aber das ist bislang noch pure Spekulation!

          • Monique Schweizer sagt:

            PS Linus Huber: Ich habe schon unzählige erzreaktionäre Agitprop – Kommentare von Frau Weber vor allem im Blick gelesen. Leider wird man dort bei einer Replik sehr oft zensiert, aber es haben sich schon andere über diese Dame ziemlich genervt! Darum vielleicht mein etwas schärferer Kommentar, diese Dame soll NMTM nicht auch noch versauen!

          • Linus Huber sagt:

            Mag sein, dass D in Zukunft mal eine grosse Rechnung bekommt – aber das ist bislang noch pure Spekulation!

            Nein, das ist keine Spekulation, sondern einfache Mathematik. Die Frage sollte allerdings anders lauten, nämlich wem das Problem aufgebürdet wird (normalerweise eben der Bevölkerung, wie wir aus Erfahrung wissen, weswegen schrittweise eine politische Reaktion eintritt) und inwiefern diejenigen, welche sich als verantwortlich zeichnen und aufgrund dieses Umstandes sich zulasten der Gesellschaft ein gutes Leben einrichten für ihr unverantwortliches eigennütziges Verhalten zur Verantwortung gezogen werden.

            Ich amüsiere mich auch beim Lesen Ihrer reflexartigen Kommentare.

  • Josef Marti sagt:

    Es gibt also insgesamt 3 Optionen für GR:
    -Austritt aus dem Euro, falls dies als erlaubt gelten sollte,
    -Innere Abwertung resp. Lohn- und Preisniveau mindestens 30% runter und ewige Schuldzinsknechtschaft
    -Aussterben durch Emigration der jüngeren Generation, damit würde eine Art neues Ostdeutschland kreiert.

    • Josef Marti sagt:

      Betr. Exodus und Ost-D nochmals Varoufakis:It is, for this reason, one of the few things economists tend to agree on, that freedom of goods and money to travel unimpeded cannot be combined with fixed exchange rates, unless a political surplus recycling mechanism is also part of the deal.
      A political surplus recycling mechanism steps in when the fair-weather recyclers, the banks, exit in a hurry, leaving behind them ruins and unpayable debts. A political mechanism of investing into these regions, during their Great Depression, is the only way the fixed exchange rate can be maintained without emptying the deficit country of people and turning it into a giant golf course for visiting bankers.

      • P. Schmid sagt:

        Prinzipiell hat Griechenland mehr als genügend Wind- und Solarressourcen.
        Anstatt in neue Pipelines durch den Kaukasus zu investieren, könnte Europa in erneuerbare Energien in Griechenland investieren und stattdessen saubere Energiequellen abzapfen und damit die dortige Wirtschaft ankurbeln.
        Aber dann würde die Abhängigkeit von kriegstreibenden Ölscheichen und Gasoligarchen als auch der CO2-Ausstoss und letztlich auch die Flüchtlingswellen reduziert. Offensichtlich wollen das die Entscheidungsträger in Europa inklusive der Schweiz nicht.

      • P. Schmid sagt:

        Um einen Anreiz für solche Investitionen zu schaffen, muss es europaweit garantierte Einspeisevergütungen auf gleichem Niveau geben. Dadurch profitieren die Mittelmeerregionen gegenüber Zentraleuropa (da mehr Sonne und mehr Wind).
        Pensionskassen haben damit ein sichereres Anlagevehikel (gegenüber Immobilien- und Börsenblasen) und die Mittelmeerregionen zwingend notwendige Investitionen.

    • Anh Toàn sagt:

      @Josef Marti „falls dies als erlaubt gelten sollte,“

      In meiner Wahrnehmung wollte Schäuble die Griechen sogar rausschmeissen. Und ich habe die Vermutung, dass Tsipras/Varoufakis den Griechen nicht die Frage eines Euro Austrittes stellten, weil sie die Abstimmung dann verloren hätten.

  • Rolf Zach sagt:

    Der Austritt aus dem Euro ist gleichzeitig die Aufgabe des Privilegs der Reservewährung und der Möglichkeit eine Konjunkturpolitik à la Keynes zu betreiben. Eine solche kann nur betrieben werden, wenn ein einheitlicher Binnenmarkt vorhanden ist, der nicht Rücksicht auf die Leistungsbilanz einer Nation nehmen muß. Was hatten wir vor der Einführung des Euro, nicht mehr das Bretton Woods System, sondern den reinen Dollar-Standard. Griechenland war ein Land, daß mit der Mehrheit aller Ländern zusammen noch mehr Inflation hatte, als der Dollar. Sogar Singapur wertete ständig seine Währung mehr ab als der US-Dollar. Die klassische Zeit der hohen Inflation in diesen Ländern und der hohen Zinsen.

    • Rolf Zach sagt:

      Die Weltliquidität wurde in Dollar gehalten mit wenigen Ausnahmen wie der DM und dem Schweizerfranken. Aber auch die DM inflationierte ab 1980 gleich wie der Dollar. Die Zusammenarbeit mit Frankreich bedeutete nur, daß dieses Land nicht mehr inflationierte als der Dollar. Heute haben wir den Dollar/Euro Standard, wobei der Euro durch das Gewicht von Deutschland die grundlegende Tendenz hat weniger zu inflationieren als der Dollar. Für die Länder wie Italien und Griechenland, die ständig mehr inflationieren wollen in ihrer Binnenwährung als in der aktuellen Reservewährung, ein schwer zu gewöhnender Zustand. Für Sinn gibt es hier nur ein Patentrezept, Austritt aus dem Euro und Abwertung.

      • Rolf Zach sagt:

        Mit dieser Wiedereinführung des Drachmen als Schwachwährung würde das Wirtschaftswachstum wieder angekurbelt und alle Probleme wären gelöst. Die Länder mit der Euro-Währung sind nicht bereit, einen solchen Staat zu subventionieren, den auf das käme es heraus. Es bleibt so nur die Freihandelszone wie bei der EFTA, mehr Integration ist von Übel. Wenn Griechenland die Drachme hat und alle Vorteile der europäischen Integration, ist dies wie die Bank die einem Spieler Kredit gibt und er es ständig im Casino verspielt. Würde so Griechenland den Weg von Argentinien gehen, daß auch nicht vom Fleck kommt.

        • Rolf Zach sagt:

          Was kostet die griechische Volkswirtschaft mehr, eine hohe Inflation und mit hohen Zinsen oder ein Euro mit keiner Inflation und sehr niedrigen Zinsen? Reiche in solchen Ländern können der Inflation immer entgehen, sie zahlen keine Steuern und halten ihre Liquidität in einer Reservewährung. Die jungen Armen machen Rabatz, wenn sie nicht ernährt werden und der Mittelstand wird korrupt wie die Reichen bis ins Mark. Die Alten bleiben auf der Strecke und sterben weg. Rußland und Ukraine sind gegenwärtig klassische Beispiel dafür. Griechenland hatte von 2001 bis 2008 „Free Lunch“ mit dem Euro und hat es nicht genutzt, seine mafiösen Strukturen zu ändern.

          • Rolf Zach sagt:

            Die Mehrheit der Euro-Länder wollen nicht mehr so inflationieren wie unter dem Dollar-Standard und gleichzeitig eine Währung haben, die niemand will. Sie wollen alle Privilegien des Vertrauens in die Reservewährung Euro und das bedeutet eine mächtige Zentralbank, wo das Zinsniveau ohne Inflation gegen 0 treiben kann, wenn es der Ankurbelung der Wirtschaft dient. Wir werden sehen wie Grossbritannien mit dem Brexit den Status der Reservewährung des Pfundes verliert. Sie wird herumgeschubst wie die argentinische Zentralbank, die auch ständig chronisch ständig unter Devisenmangel leidet. Man reagiert indem man die Reichen nicht mehr besteuert wie im Frankreich vor 1789. Welches Desaster bitte?

          • Josef Marti sagt:

            Gerade die Reichen in diesen Ländern wollten unbedingt den Euro, so schreibt Varoufakis: Following the Nixon Shock, and the great inflationary bouts that followed in the 1970’s, the elites in place like Milan and Athens grew tired of currency devaluations. Their yachts, smart town houses, countryside mansions, shares in local businesses, as well as the contents of their domestic bank accounts, constantly lost value when accounted for in dollars and deutsche marks.Every time they visited London for the theater season or went skiing in Switzerland, they realized the net worth of their domestic fortune had diminished. Their recourse was to liquidate assets at home and find ways of violating…

          • Josef Marti sagt:

            …..their nation’s capital controls to export capital to Geneva, London, Wall Street or Frankfurt. If only there was a single currency and free capital movement; if only the hard deutsche mark were everyone’s currency, all these cares would disappear.

          • Monique Schweizer sagt:

            Marti: In diesem Sinne gesehen war ja der Brexit mit dem Schwundpfund in der Konsequenz fast schon eine Robin Hood Aktion! Nur mit dem Unterschied, dass die beiden Robin Hoods Nigel und Boris schon ab durch die Wälder entschwunden sind und sich die Armen mit ihrer neuen „Independence“ auch nichts kaufen können.
            Aber immerhin sind ein paar reiche Engländer etwas ärmer geworden…oder was war nochmal das Ziel dieser ganzen Uebung? Den Unzufriedenen den Sündenbock wegnehmen, damit sie in Zukunft die wahren Verursacher ihres Elends verfluchen können – nämlich ihre eigenen lokalen Politiker… kein Wunder sind Boris & Nigel abgehauen..
            .
            Irgendwie alles ziemlich bizarr…aber Reality-TV!

          • Linus Huber sagt:

            Die Mehrheit DER REGIERUNGEN der Euro-Länder wollen … eine mächtige Zentralbank …

            Allerdings kippt die Stimmung der Bevölkerung (bislang nicht der Regierungen) schrittweise und sie begrüsst immer weniger die mit dem EURO verbundene zentralplanerische Komponente anhand einer verantwortungsfreien Bürokratie, ein Umstand, welcher von einigen mental Handikapierten offensichtlich nicht begriffen werden kann.

          • Linus Huber sagt:

            Geschichte zum miterleben; warum will das blöde Pöbel einfach nicht einsehen, wie gut die EZB und die EU für sie sind.

            http://www.reuters.com/article/us-italy-politics-5star-idUSKCN0ZM130

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