Der Rückfall in die Klassengesellschaft

Billionaire philanthropist and Microsoft's co-founder Bill Gates speaks to the media, in front of a chicken coop set up on the 68th floor of the 4 World Trade Center tower, in Manhattan, New York, U.S., June 8, 2016, while announcing that he is donating 100,000 chicks to developing countries with the goal of ending extreme poverty. REUTERS/Mike Segar - RTSGN0V

Der Reichste der Reichsten: Das Magazin «Forbes» schätzt das Vermögen von Bill Gates auf 75 Milliarden Dollar. Foto: Reuters

Seit der französische Wirtschaftsprofessor Thomas Piketty vor zwei Jahren mit seinem Buch «Das Kapital im 21. Jahrhundert» einen Weltbestseller lancierte, finden in der Makroökonomie Fragen zur Einkommensverteilung wieder mehr Gehör. Die soziale Seite – oder sollte man besser die unsoziale sagen? – des Kapitalismus und der Globalisierung wird inzwischen (wieder) in zahlreichen Büchern, Diskussionspapieren und wissenschaftlichen Arbeitspapieren durchleuchtet.

Einen der interessantesten Beiträge seit Pikettys Erstveröffentlichung hat nun der Wirtschaftswissenschaftler Branko Milanovic veröffentlicht. Das Buch ist bislang nur auf Englisch erhältlich und trägt den Titel «Global Inequality. A New Approach for the Age of Globalization».

Es beschäftigt sich mit der weltweiten Einkommensungleichheit. Anders als Piketty betrachtet sie Milanovic von einer globalen Sichtweise aus. Er präsentiert aggregierte Daten über den weltweiten Anteil der Mittelklasse, über die Topverdiener auf der Einkommensskala und die Ärmsten der Armen. Und bricht die Erkenntnisse dann, wo gewünscht, auf einzelne Länder herunter.

Die liegende S-Kurve

Sein wichtigster Chart, Ausgangspunkt für die weitere Analyse, ist der folgende. Milanovic spricht von der «liegenden S-Kurve».

NMTM
Quelle: Branko Milanovic, Global Inequality, 2016

Auf der horizontalen Achse ist die globale Einkommensverteilung aufgeführt – von den Ärmsten links bis zu den Reichsten rechts. Die vertikale Skala führt die Veränderungsrate des Pro-Kopf-Einkommens der Privathaushalte von 1988 bis 2008 in Prozent auf.

Entscheidend sind drei Punkte.

  1. In den zwanzig Jahren verzeichneten die mittleren Einkommensschichten mit rund 80 Prozent die höchsten realen Einkommenssteigerungen (im Chart: Punkt A). Es handelt sich um eine weltweite Betrachtung. Mittlere Einkommen sind vor allem die Privathaushalte in den aufstrebenden asiatischen Ländern wie China, Indien, Thailand, Vietnam, Indonesien.
  2. Fast ebenso stark stiegen die realen Einkommen der Superreichen ( C ). Das globale 1 Prozent an der Spitze. Die Hälfte der Personen, die dazu zählen, stammt übrigens aus den USA.
  3. Unsere westliche Mittelklasse, wie wir sie in Europa und den USA definieren, verzeichnete im betrachteten Zeitraum hingegen keine Verbesserung (B). Ihre Realeinkommen stagnierten seit dem Fall der Berliner Mauer und dem Beginn der modernen Globalisierungswelle.

Allein schon dieser Querschnitt legt offen, wer zu den Gewinnern der Globalisierung zählt und wer sich zu den Verlierern rechnen muss. Er liefert Hinweise darauf, weshalb in Europa und den USA der Unmut in weiten Kreisen der Bevölkerung so gross ist. Weshalb die Wachstumserfolge nicht «in der Mitte und unten ankommen». Warum Protestparteien am rechten und linken Rand des politischen Spektrums Zulauf erhalten; und weshalb die etablierten Parteien, die unverändert mit Behauptungen argumentieren, die sich seit den Erkenntnissen der Neunzigerjahre nicht geändert haben, immer mehr Wähler verlieren.

Milanovic plädiert dafür, die Globalisierung nicht zu verteufeln. Denn die Daten des Charts belegen letztlich auch, dass die Einkommensungleichgewichte weltweit kleiner geworden sind. Man müsse die Erkenntnisse allerdings ehrlich in die politische Debatte einbeziehen. Angemessene verteilungspolitische Strategien dürften künftig mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, sowohl innerhalb einzelner Staaten als auch auf internationaler Ebene.

Zurück ins 19. Jahrhundert

Ein Seitenaspekt des Buchs verdient es, gesondert erwähnt zu werden. Milanovic wendet sich gegen Pauschalurteile, dass beispielsweise die Armen der Welt immer ärmer werden oder dass alle Entwicklungs- und Schwellenländer von der Globalisierung profitieren. Das hänge von Land zu Land ab und müsse von Fall zu Fall untersucht werden.

Aber Milanovic sagt voraus, dass die Reichen immer reicher würden.

Bisher war vor allem der Umstand entscheidend, in welchem Land jemand geboren wird, um seine Einkommenschancen im weiteren Lebensverlauf abschätzen zu können. In den letzten zwei Jahrzehnten hat dieser Faktor etwas an Bedeutung verloren. Milanovic argumentiert, dass die soziale Zugehörigkeit hingegen wichtiger geworden sei.

Wir bewegen uns immer mehr hin zu einer Gesellschaft, in der es vor allem darauf ankommt, aus der richtigen Familie abzustammen, um Karrierechancen zu erhalten. Ähnlich wie im 19. Jahrhundert ist die soziale Klasse der Schlüssel zu hohem Einkommen und nicht allein der Ort.

Zahlreiche Entwicklungen deuten auf die Konzentration von Kapital in den Händen einer Minderheit hin, wie sie bereits Piketty in seinen Büchern beschreibt. Aber sie zeigen beispielsweise auch die Tatsache, dass in einer Gesellschaft, in der alle gut ausgebildet sind, Bildung selbst nicht mehr der ausschliessliche Faktor zum Erfolg ist. Das sei in den USA zu beobachten: «One sees the effect of family money and networks in the United States very clearly in the occupations where lots of power and money accrue.»

Für Milanovic verlieren die USA damit eines ihrer prägendsten Merkmale: die Chance, sozial aufzusteigen. Die Aussicht auf Chancengleichheit und die Möglichkeit, dank eigener Talente die Karriereleiter erklimmen zu können, hoben die Vereinigten Staaten vor allem im 19. und im 20. Jahrhundert von der übrigen Welt ab.

Wer im kommenden Jahrhundert diese Rolle der ökonomischen Talentschmiede übernehmen wird, wagt Milanovic allerdings nicht zu prophezeien.

88 Kommentare zu «Der Rückfall in die Klassengesellschaft»

  • Sandra Müller sagt:

    Unsere Klassengesellschaften haben sich z.B von 1980 bis etwa 2000 etwas mehr vermischt. Heute gibt es in der Schweiz noch mehr Klassen, viele „begegnen sich nie“ Grob eingeteilt: Die Superreichen, die sehr, sehr, sehr Reichen, die Reichen, die etwas weniger Reichen. Die Millionäre, die weniger als CHF MIO 10 haben. Bilanz listet auch nur auf, wer mindestens etwa CHF MIO 100 hat. Danach die die oberste Mttelklasse, die mittlere Mittelklasse, die untere Mittelklasse, die unterste Mittelklasse. Dann diejenigen, die „haarscharf“ über der Armutsgrenze liegen. Dann die Armen: diejenigen knapp unter der Armutsgrenze, wenig darunter, mehr darunter, total darunter. Und beim Sozialamt, hier hängt alles von der „optimalen Nutzung der Möglichkeiten ab“ – sonst hat man Pech.

  • Linus Huber sagt:

    Interessant wäre das Verhalten dieser S-Kurve für die Periode März 2008 bis März 2009.

    • Linus Huber sagt:

      Wenn die Kurve Ende 2008 als Referenzwert verwendet, dürfte die Analyse höchst fragwürdig sein, denn dies war über viele Jahre genau der Tiefpunkt an den Börsen, welche das zu berechnende Einkommen der 1% stark beeinflussen dürfte.

  • Dave sagt:

    Mit Erstaunen lese ich immer wieder das vor allem der Kapitalismus, und insbesondere die Liberalisieurng der Maerkte an allem Schuld sind. Dabei hatte es der Kapitalismus seit der Jahrtausendwende recht schwer. Die Staatsquoten sind in praktisch allen OECD Staaten gestiegen, wir haben also mehr Staat, nciht wengier. Mit der Liberalisisrung ist es auch nicht weit her, welche Maerkte wurden denn in den letzten 20 Jahren liberalisiert dass es zu solch einem dramatischen Resultat kam? Soweit ich mitbekommen haben waren vor allem die letzten 10 Jahre gepraegt von einer enormen Regulierungswurt. Dodd-Frank in den USA umfasst 10’000 Seiten neue Gesetzte und Richtlininen fuer Banken.

    • Josef Marti sagt:

      Telecom Energie und Stromsektor wurden privatisiert oder teilprivatisiert. In GB hat Maggie schon viel früher weite Teile der Infrastruktur privatisiert. In D gab es Experimente mit Privatisierung der Wasserversorgung usw. Mir scheint Sie verwechseln Staatsquote mit BIP Schuldenquote, die Staatsquoten haben sich nur marginal verändert.

      • Stefan Wiesendanger sagt:

        Telecom und Post wurden teilprivatisiert. Strom wurde im Rahmen der Energiewende zureguliert. In der gleichen Zeit wurden viel gewichtigeren Teile des BIP zunehmend reguliert: das gesamte Gesundheitswesen, Finanzen, Löhne, Mieten. Global sieht es ähnlich aus. Im Fall der USA, wo ja diese Schere vor allem zu beobachten ist, sind die Privilegien eine Folge staatlicher Privilegien. Wo Konkurrenz spielt, gibt es keine solchen Exzesse.

    • Markus Meier sagt:

      Der Grund ist vor allem die Globalisierung. Wenn jemand heute ein Produkt auf der ganzen Welt verkaufen kann (Microsoft, Apple, Google, IKEA, Novartis, etc.) dann wirft das viel mehr Gewinn ab als früher, wo die Möbel im Dorf oder vielleicht noch im Kanton verkauft wurden. Entsprechend ist natürlich der IKEA Besitzer Multimilliardär.
      Man müsste in der Tat eine (extrem) Reichen-Steuer einführen, die diese Veränderung entsprechend korrigiert. So etwas würde natürlich nur mit weltweiten Absprachen funktionieren. Schon in der Schweiz scheitern wir damit aber kläglich. Die Reichen ziehen einfach in die Steueroasen …

  • Peter Müller sagt:

    Herr Milanovic hat recht dass wir es mit der liberalen Wirtschaftspolitik übertrieben haben und es braucht Korrekturen, leider sieht dies Frau Merkel mit dem Establishment in Berlin nicht so. Also bleibt uns nichts anderes übrig als abzuwarten bis Frau Le Pen in Frankreich an die Macht kommt, es zeichnet sich schon heute ab dass Frankreich mit dem Frexit folgen wird. Danach wird es zu Reformen in der EU kommen.

  • Hanspeter Zoll sagt:

    Wir sollten in der Schweiz eine Flat Tax nochmals ernsthaft diskutieren: Ein Teil (z.B. 15%) jeglichen Einkommens wird ohne Wenn und Aber abgeschöpft, egal ob es sich dabei um Lohneinkommen, Naturalleistungen, Dividenden, Kapitalgewinn, Lottogewinn oder Erbschaft usw. handelt. Dazu gäbe es vielleicht einen bestimmten Freibetrag, unter Umständen kategorienabhängig. Man könnte sich dabei sogar die Abschaffung der Besteuerung juristischer Personen überlegen und damit Arbeitsplätze anziehen.
    Das heutige System führt durch seine zahlreichen Ausnahmen und Schlupflöchern dazu, dass durch die immense Komplexität des Regelwerks die mit den besten Steuerberatern grotesk bevorteilt sind.

    • Josef Marti sagt:

      Zuerst müssen Sie aber die von der OECD propagierten Patent und Lizenzboxen mit denen der Löwenanteil der Wertschöpfung, die sog. Intellectual property in steuerfreie Oasen verlegt werden darf abschaffen, sonst bleibt nur eine Besteuerung von Brotkrümeln. Aber es wird ja lieber gebetsmühlenartig behauptet, Gewinnsteuern praktisch auf Null bringen ergäbe Mehrsteuereinnahmen. Dahinter liegt die Strategie, direkte Steuern gänzlich abzuschaffen ausser für den Lohnausweis, und komplett auf indirekte Steuern Gebühren und Konsumabgaben umzulagern, darin ist va. die Familienpartei CVP Weltspitze.

      • Hanspeter Zoll sagt:

        Sage ich ja, Steuern auf jeglicher Art von Einkommen, ohne juristische Personen. So wäre der Anreiz gross, hierzulande hohe Löhne auszuzahlen und das Steuersubstrat fiele entsprechend hoch aus. Dass so ein Modell politisch null Chancen hätte, ist mit bewusst, nicht zuletzt die Gewerkschaften würden darob aufschreien. Aber auch die ganzen Politiker und Verbände von Links bis Rechts, welche heute mit den Ausnahmen bevorzugt sind.

        • Josef Marti sagt:

          Das geht nur in einem zentralisierten harmonisierten Modell ohne Kantönligeist und sog. Steuerwettbewerb der ja wegen NFA gar keiner ist. Die Steuerhoheit der Kantone ist hier wegen der Firmenstandorte viel mehr der Hinderungsgrund als die Verbände.

  • Hanspeter Zoll sagt:

    Das Problem zumindest in Europa besteht doch darin, dass wir als Wähler ständig und vermutlich unbeabsichtigt Regeln einführen, das Leben verteuern und damit Realeinkommen verringert.
    – Bau- und Zonenvorschriften erhöhen Mieten und verhindern, dass genügend Wohnraum entsteht.
    – Wir sind gegen jegliche sanfte Reform unseres unsäglich teuren Gesundheitswesens.
    – Vorschriften, Zollschranken und Subventionen in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion und –vertrieb verteuern diese Produkte.
    Jede dieser Regeln für sich genommen dient einem guten Zweck, nur merken wir nicht, dass sie eben den Mittelstand tendenziell schwächt. Da ist keine Verschwörung der Reichen gegen den Mittelstand am…

    • Josef Marti sagt:

      Für einen guten Zweck?? Regeln werden immer von den einflussreichsten Lobbyisten und Interessenvertretern durchgesetzt; zumindest in den USA gilt jetzt schon das Prinzip one dollar one vote. Das ist in der EU auch nicht viel besser.

      • Hanspeter Zoll sagt:

        Zumindest in der Schweiz durften wir in den vergangenen Jahren mehrfach über das Gesundheitswesen abstimmen. Und immer wurde es teurer, weil der Durchschnittsbürger sich panisch vor „Leistungsabbau“ fürchtet. Da haben sich bspw. Gewerkschaften und Konsumentenschutz ganz in den Dienst der Gesundheitsindustrie gestellt, auf unsere aller Kosten.

  • Stefan W. sagt:

    Es geht nicht darum, die Globalisierung zu verteufeln. Es geht aber darum, sie nicht mitsamt allen ihren Nebenerscheinungen als naturgegeben oder Gottgegeben hinzunehmen. Globalisierung kann moduliert werden, wenn man nicht nur die Interessen des superreichen globalen Adels betrachtet, sondern auch die der Binnenwirtschaft. Kapitalismus funktioniert besser, wenn der Kunde wirklich eine Wahl hat (und nicht nur die Auswahl, die ein multinationaler Konzern unter Produzenten in Billiglohnländern trifft, und dem Endkunden alternativlos vorlegt.)

  • Hannes Müller sagt:

    Zum einen ist es gut, für alle wenn die Reichen ihr Vermögen gut managen – sie investieren nämlich das Geld, weil man es nicht einfach stapeln kann. Zum anderen ist für mich fraglich, wie das mit dem stagnierenden Mittelstand wirklich ist. Heute kostet zB ein Auto oder eine Minute Telefon deutlich weniger als vor 50 Jahren, es gibt fürs gleiche Geld bessere Kleider, Gesundheit, Information, Häuser, undsoweiter.

    • Stefan W. sagt:

      Managen die Reichen denn ihr Vermögen gut? Wodurch kommt es immer wieder zu diesen grotesken Finanzblasen, deren Platzen regelmässig die halbe Weltwirtschaft mitreisst? Wodurch wird der Horizont von börsennotierten Unternehmen immer kürzer und konzentriert sich fast ausschliesslich auf den Aktienkurs per nächstem Quartalsabschluss?

    • Josef Marti sagt:

      Na das ist ja der Spruch des Tages; um nicht zu stapeln tun die investieren und das Vermögen ist dann mal wohl weg. Dumm nur dass dieses nicht gestapelte Geld in Form von Unternehmensbeteiligungen in der CH jedes Jahr der Vermögenssteuer unterstellt ist. Man sollte dies deshalb wegen wohltäterischer Aktivität befreien, und jedes Konsumentenschweinchen freut sich dann darüber.

    • P. Schmid sagt:

      1. Die Reichen investieren nicht, wenn sich der Mittelstand weniger leisten kann.
      Beispiel: Wenn der Mittelstand mehr Steuern und Abgaben bezahlen muss, dann geht er z.B. weniger ins Restaurant. Entsprechend wird der Reiche nicht in ein neues Restaurant investieren. Weil nicht in ein neues Restaurant investiert wird, werden entsprechend auch weniger Arbeitsplätze geschaffen usw.

      2. Das mit der besseren Gesundheit und den besseren Häusern für’s gleiche Geld würde ich bezweifeln.

      • Dave sagt:

        Nur dsas die Ausgaben eines Durchschnittsschweizer eben nicht aus 50% Telefon bestehen. Ein Auto kostet mit sicherheit nicht deutlich weniger als vor 50 Jahren. Ein VW Passat war bei Markteinfuehrung 9600DM, umgerechnet 5500fr zum heutigen Kurs. Kelider sind nicht besser (qualitaet is klar minderwertiger) und Nahrungsmittel sind um vielfaches teurer. Und wo um Himmelswillen kriegen sie heute ein besseres Haus zum Preis von 1966?????

  • Stadelman Reto sagt:

    „Aber sie zeigen beispielsweise auch die Tatsache, dass in einer Gesellschaft, in der alle gut ausgebildet sind, Bildung selbst nicht mehr der ausschliessliche Faktor zum Erfolg ist. Das sei in den USA zu beobachten: «One sees the effect of family money and networks in the United States very clearly in the occupations where lots of power and money accrue.»“
    Das ist der übelste Teil dieses Beitrages. Den muss man sich zuerst mal auf der Zunge zergehen lassen…
    Aber gut, Branko Milanovic bestätigt nur, was man schon lange annehmen konnte: Der Mittelstand im Westen verliert. WIR sind die Verlierer. Alle anderen holen auf. Wir müssen Federn lassen.

    • R.Maeder sagt:

      … was heisst da wir müssen Federn lassen? Vielleicht sind die A’s (China, Indien, Thailand, Vietnam, Indonesien) heute einfach diejenigen, welche sich den „A…“ aufreissen und die nötige „extra Meile gehen“…. Ich war >10 Jahre in Fernost Asien (Indien, Thailand, China) als Expat und Unternehmer und kann die aufstrebenden A’s nur bestätigen. Leider vermisse ich diesen Willen hier in der CH.
      Wer eine Topausbildung hat und dem die nötige familiäre Beziehung/Sozialstatus fehlt, kann in einem Land mehr links auf obiger S-Grafik seine „bessere“ Ausbildung zum Tragen bringen und somit wieder überproportional profitieren! Globalisierung sei Dank…

      • Stadelman Reto sagt:

        Sie meinen wohl eher oben Rechts oder?
        Und was ist mit denen, die eine Topausbildung haben, aber keine Chance bekommen? Davon gibt es so viele. Auch ältere Mitarbeiter. Das ist viel schlimmer.
        Und die „Extrameile“ ist auch so ein Witz. Den A reischen sich die Leute auch hier auf. Nur wollen sie auch etwas dafür. Letztlich ist es einfach der Geiz der unsere Gesellschaft kaputt macht. Und das lässt bei mir ein Gefühl des Ekels. Ein Ekel vor den eigenen Leuten.

        • Josef Marti sagt:

          Letztlich geht es darum dass Kapitalbesitzer das Wirtschaftsgefälle maximal ausnutzen infolge fehlender Umwelt- Arbeitsschutz- und Sozialregelungen in Schwellenländern und zwar solange bis das Lohnniveau sich international gegenseitig nach unten ausnivelliert. Da China bereits zu viel aufgeholt hat müssen neue Ausbeutungsterritorien gefunden werden, nächste ist Indien.

          • Stadelman Reto sagt:

            Korrekt. Und bis es so weit ist, wird sich die S Kurve nicht ändern. Zuerst müssen wir alle „gleich arm“ werden. Für einige bedeutet das reich. Aber für den Mittelstand hier definitiv nicht…

        • R.Maeder sagt:

          Nein – weiter links in der Grafik
          –> wie wollen Sie in einer B-Einkommensgesellschaft (z.B. CH) weiter nach rechts kommen?
          Sie müssen etwas ausserordentliches leisten oder eben nach links gehen, wo es Einkommenswachstum gibt (bei tieferen Lebenshaltungskosten, etc…)
          … ich gebe Ihnen Recht, in der CH wird es in den nächsten 10 Jahren definitiv nicht einfacher. Aber denken Sie das wäre für den Asiaten ein Grund zum Jammern? Wenn Sie kein staatliches Sozialnetz haben (ALV, IV, AHV, …), wissen dass mit dem Alter die Arbeitsleistung abnehmen kann – sehen Sie automatisch wieder ganz andere Möglichkeiten….

        • R.Maeder sagt:

          Nicht der Geiz macht unsere Gesellschaft kaputt, sondern dass jeder denkt das Familiennetz braucht es dank einem B-Einkommen und Vater Staat nicht mehr…
          – und schon sind wir wieder beim Summary obigens Artikels: „… the effect of family money and networks…“ – wir haben dank Individualismus, Selbstverwirklichung, etc. den Power einer Familie vergessen!

          • Linus Huber sagt:

            Kurzum: Der auf Kollektivismus beruhende Wohlfahrtsstaat. Der Weg in den Ruin ist mit guten Absichten gepflastert.

      • Gian Kasper sagt:

        Es ist in der Tat erstaunlich, welchem Anspruchsdenken man hierzulande täglich begegnet. Bescheidene Mehrleistungen wie ausnahmsweise (!) mal am Wochenende ein Telefon abzunehmen, (überschaubare) Überzeit, selbst einmal einen späteren Zug nehmen zu müssen, wird regelmässig mit vernehmlichem Murren begegnet. Manche Leute – oft gerade „normale“ Angestellte – haben hingegen Forderungen an Gehalt und Arbeitsbedingungen, welche nur noch staunen lassen. Dabei wird auf sehr, sehr hohem Niveau gejammert, wenn ich den Wagenpark vor unserer Firma sehe, und höre, wo überall Ferien verbracht werden. Kein Wunder, wird oft einem fleissigen (EU-) Ausländer der Vorzug gegeben, wenn es um Aufstieg geht.

        • Reto Stadelman sagt:

          @Gian Kasper
          Leistung und Erfolg korrelieren in der modernen Gesellschaft nicht wirklich. Wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel. Ohne Kontakte und Glück, können sie leisten was sie wollen, sie werden nie weiter kommen. Selbstverständlich arbeitet man da nicht mehr. Das ist so wie im real existierenden Kommunismus. Wenn man für seine Arbeit nicht belohnt wird, dann hat man auch keinen Antrieb mehr zu arbeiten.

  • Felix Lambertini sagt:

    Die Rechnung ist relativ einfach. Der Mittelstand braucht sein Einkommen für Miete, Hypotheken, Nahrungsmittel, Kleider, Schulmaterial, Krankenkasse, Transportmittel – und wenn es dann noch reicht – für Freizeit und Ferien. Mittelständler verfügen kaum über genügend Kapital, um dieses gewinnbringend zu investieren, so dass sie wie die Superreichen immer reicher würden. Andererseits verdienen sie so viel, dass sie im Gegensatz zu den finanziell Ärmsten kaum von den Sozialleistungen des Staates profitieren. Sie stehen damit auf der Verliererseite unseres Systems. Die Geschichte zeigt jedoch, dass die politische Stabilität einer Gesellschaft zusammenbricht, wenn der Mittelstand verschwindet.

  • Jürgen sagt:

    Würden überall auf der Welt (reale) Kapital- oder Zinsssteuern mit etwa 25 % besteuert, wären die Probleme ungleich kleiner. Stoppt die Steueroasen !!!
    Der globalisierte Kapitalismus würde schon sehr gut funktionieren.

    • P. Schmid sagt:

      Schon merkwürdig: Es ist kein Problem Sanktionen gegen Russland einzuführen oder gar in ein Land wie Irak einmarschieren aber von Kleinstaaten wie Monaco oder den Bahamas kuscht man.

      Na ja andererseits wird ja inzwischen Einkommen aus Arbeit besteuert und Einkommen aus Erbschaften nicht und das Volk welches ausschliesslich Arbeitssteuern bezahlt, will es sogar so…

      • Cybot sagt:

        Nein, man kuscht nicht vor den Kleinstaaten, sondern vor der Grossmächten, deren Mächtige dort ihr Geld liegen haben.

      • Christoph Bögli sagt:

        Der Umgang mit Steueroasen basiert natürlich darauf, wer von den Niedrigzinsen wie auch Einnahmen profitiert, weshalb u.a. die USA oder Grossbritannien ganz vorne stehen, wenn es gegen nicht genehme (Konkurrenz-)Steueroasen geht, gleichzeitig aber so getan wird, als hätte man leider nicht den geringsten Einfluss auf riesige Steueroasen wie Delaware oder British Virgin Islands.
        Richtig ist aber auch, dass das „Volk“ sich oft an der eigenen Nase nehmen muss. Paradoxerweise ist ja gerade in den untersten Schichten der Aufschrei am grössten, wenn man Kapital wie z.B. Erbschaften besteuern will, während Einkommens- und Konsumsteuern oft relativ klaglos hingenommen werden.

        • Josef Marti sagt:

          Richtig. Die Bereitschaft unter dem eingeschüchterten Fussvolk freiwillig immer mehr Konsumsteuern Gebühren und Abgaben zu tragen und die permanent wachsende Privilegierung leistungsloser Besitzeinkünfte aus Angst brav abzunicken ist erstaunlich und masochistisch. Wäre ich ein vermögender Erbe würde ich auch sagen, dieses dumme Volk von Konsumentenschweinchen verdient es nicht anders als dass man es maximal ausbeutet.

          • Anh Toàn sagt:

            Sie sagen Angst der Grund, dass das Fussvolk die Reichen schütze.

            Ich sage, die wollen die Reichen schützen, weil sie davon träumen, einmal selber reich zu sein. Und wenn die Reichen geschleift werden, hat das Fussvolk nichts mehr, um davon zu träumen.

          • Josef Marti sagt:

            Genau, deshalb ist das trickle down wohl das beste System, der Gutsherr soll selbst entscheiden können wann und wie und wie viel er nach unten träufeln lässt. Alt BR Merz hat mal geschrieben, man müsse den Vermögenden wo immer möglich entlasten weil er sonst nicht in der Lage sei dem Habenichts zu helfen. Deshalb wählt man liberal und freiheitlich.

          • Stadelman Reto sagt:

            @Anh Toàn
            Bei mir verfängt das Angstargument und nicht das Argument der „dumme Mittelstand schaue hinauf“. Wer glaubt denn ernsthaft, er würde mal ganz reich rauskommen, nach dem er die Adoleszenz hintersich gelassen hat? Auch z.B. die Kampagne der Brexit Gegner (die wohl primär aus der aktuellen Elite bestand) baute auf die Angst und hoffte, die Leute würden das was sie kennen dem Unbekannten vorziehen. Dieses Mal hatten sie unrecht. Aber normalerweise funktioniert das ganz gut.

          • Anh Toàn sagt:

            Ach so, dann glauben die halt an die unsichtbare Hand, wenn sie gegen Erbschaftssteuern nach einem Freibetrag von 2.5 Mio sind.

            Ständig jammern, die Reichen würden immer reicher, und behaupten, daran seien die Armen schuld. (Die Armen nehmen es nämlich dem Mittelstand weg, während die Reichen dem Mittelstand dienen, für die sorgen, indem das Geld auch gut und nützlich investiert wird: Siehe @Hannes Müller: Man sollte dem Reichsten ganz alles geben, der investiert es am nützlichsten, darum ist er auch der Reichste)

          • Anh Toàn sagt:

            Die Brexit Befürworter sind ja nicht Elite, Rubert Murdoch, ist ein typischer Mittelständler:

            Bo Jo und Farage machen Management by helicopter: Von hoch oben herabkommen, viel Staub aufwirbeln und sich schnell davon machen, wenn es brenzlig wird.

          • Anh Toàn sagt:

            Niemand von den Brexit Befürwortern will das Unbekannte: Die wollen, es werde wieder, wie es früher war, als es noch gut war, die Sommer noch richtige Sommer waren: Der Slogan von Trump heisst nicht, „make America great“ dass wäre Aufbruch, vorwärts, passt hinter Obama’s, „Yes we can…make America great“, der Slogan heisst: „Make America great AGAIN“ (Das letzte Wort ist immer das wichtigste: Back to the future)

          • Stadelman Reto sagt:

            @Anh Toàn
            Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Elite ist geil auf globalisierung. Das lässt sich auch nicht anständiger schreiben.
            Richtig, niemand von den Brexit Befürwortern will das Unbekannte. Darum hat man ihnen damit ja auch versucht klar zu machen, wie unberechenbar und eben unbkannt die Folgen eines ja währen. Aber das hat nicht verfangen. Das ist selten. Die Angstkarte funktioniert sonst ganz gut. Aber diesesmal hat es nicht geklappt. Dafür bibbern die Berfürworter jetzt um so mehr.
            Aber zurück zum Thema: Der westliche Mittelstand leidet. Als Lösung will man ihn ärmer machen. Auch eine Möglichkeit. Aber sicherlich nicht dass was das Volk bevorzugt…

          • P. Schmid sagt:

            Rupert Murdoch ist ein Milliardär.

          • P. Schmid sagt:

            Der Grund weshalb gewisse Milliardäre den Brexit unterstützen, kann auch daran liegen, dass sich kleinere Einheiten/Länder besser unter Druck setzen oder übertölpeln lassen.
            Unter anderem auch aus diesem Grund sind jedenfalls die Republikaner in den USA bemüht den Staaten gegenüber der Föderation mehr Macht zu geben bzw. die Föderation zu entmachten.

          • Anh Toàn sagt:

            @Reto Stadelmann: „Man will den Mittelstand ärmer machen“. „Man“ ist doch der „Mittelstand“? Wen meinen Sie mit „man“.

            Woher werden denn die Reichen reicher? Den Armen können die nichts nehmen, die haben ja nichts.

            Ach so, weil die Reichen von der Mitte nehmen, darf die Mitte auf die Armen treten.

          • Stadelman Reto sagt:

            „Woher werden denn die Reichen reicher? Den Armen können die nichts nehmen, die haben ja nichts.
            Ach so, weil die Reichen von der Mitte nehmen, darf die Mitte auf die Armen treten.“
            Nein, das darf er nicht und das habe ich auch nie geschrieben. Aber er darf sich aber dagegen wehren, dass man ihm wegnimmt und den Armen gibt, wo man doch besser den Reichsten wegnehmen würde. Alles eine Frage der Perspektive.

          • Anh Toàn sagt:

            @Reto Stadelmann

            Ich sage, der Mittelstand wolle aber den Reichen nicht wegnehmen, darum ist er gegen Erbschaftssteuern, gegen Bargeldverbot etc. etc. Der Mittelstand schützt die Reichen und flucht über Flüchtlinge, PFZ Zuwanderung aus (Süd-)Osteuropa etc. etc.

            Wären nicht vor allem Erbschaftssteuern das beste Mittel, grosse Vermögen ein wenig zu reduzieren?

          • Josef Marti sagt:

            AT: Sehe ich auch so. Dass aber Flüchtlinge und PFZler ihren Kuchenanteil ausschliesslich nur von der Mitte abschneiden können kann man nicht ernsthaft bestreiten. Das Establishment sorgt nämlich mit seiner Finanz und Steuerpolitik dafür dass der Kuchen nicht grösser wird, aus dem einfachen Grund, weil dies die Kapital- und Bodenverwertungsrate steigert.

          • Stadelman Reto sagt:

            Das ist richtig. Der Mittelstand schützt die Reichen (oftmals), weil diese ihm Angst machen mit Drohungen wie Stellenabbau etc. Daher auch mein Verweis auf den Brexit, der aber mit dem Thema eigentlich nichts zu tun hat. Angst ist ein starker Treiber und wohl ein Haupttreiber, die Reichsten nicht stärker zu besteuern. Gegen eine Erbschaftssteuer hätte ich nichts einzuwenden. Sofern sie nicht wieder Ausnahmen kennt, die die Superreichen entlasten…
            Ich schliesse mich Josef Marti an. Genau so sehe ich das auch. Die PFZ verursacht Kosten die nur durch den Mittelstand bezahlt werden. Da wundert es Sie doch nicht wirklich, dass dieser sich dagegen immer stärker wehrt?

          • Anh Toàn sagt:

            Ich wundere mich, dass der Mittelstand sich nicht wehrt, alleine zu zahlen. Sich eben gegen „die Armen“ wehrt, weil ihm die Reichen sagen, die seien schuld. Ich glaube auch nicht, dass der Mittelstand das glaubt, sondern eben, dass er davon träumt, selber mal reich zu werden: Die glauben, die verfolgen ihre Interessen, wenn sie die Reichen schützen: Die Erbschaftssteuer mit Freibetrag von 2.5 Mio haben die abgelehnt, weil die sich gesagt haben, vielleicht senkt man den Freibetrag noch, und dann muss ich vielleicht auch bezahlen, also sagt der Mittelstand nein dazu, und flucht, alleine zahlen zu müssen.

            Glauben Sie, „dem CH Arbeitnehmer“ ginge es besser ohne PFZ?

          • Stadelman Reto sagt:

            Der Grund, warum sich der Mittelstand nicht wehrt, ist dass er keine Lobby hat. Alle anderen Bevölkerungsgruppen haben eine Lobby. Aber die Leute die zwischen dem 0.25 und dem 0.9 Perzentil zu finden sind (einkommensmässig, vermögensmässig), erhalten keinerlei Unterstützung und haben keine Lobby. Wie wollen die sich gegen die Interessensvertreter im Bundeshaus wehren? Es gibt ja keinen organisierten Wiederstand.
            „Glauben Sie, “dem CH Arbeitnehmer” ginge es besser ohne PFZ?“
            Schwer zu sagen. Ich müsste Annahmen treffen. Aber ich behaupte, wenn man alles einrechnet, ginge es ihm sehr wahrscheinlich etwa gleich wie heute. Die gesellschaftliche Stabilität/Akzeptanz wäre aber viel höher.

          • Stadelman Reto sagt:

            Ganz einfach ausgedrückt: Den Menschen würde es finaziell vielleicht nicht besser gehen, aber sie würden sich definitiv besser fühlen. Und auf lange Sicht gesehen wäre das Wachstum der Schweiz viel nachhaltiger und stabiler.

          • Anh Toàn sagt:

            @Reto Stadelmann:

            Lobbies des Mittelstandes wären der Hauseigentümerverein, der Touringclub, der Alpenclub, der Gewerbeverband, die Konsumentenschützer, die Berufsverbände…

          • Reto Stadelman sagt:

            Diese Gruppen vertreten nicht den sehr heterogenen Mittelstand sondern höchstens Teile davon. Ihre politische Schlagkraft ist zudem eher gering. Der Touringclub hat seine grossen Tage hinter sich, so ähnlich wie die Autopartei (die es nicht mehr gibt). Der Alpenclub hatte noch nie wirklich viel Einfluss. Der Gewerbeverband steht im Schatten von Avenir Suisse. Gerade mal der Hauseigentümerverband hat in den letzten Jahren an Macht gewonnen und das auch nur, weil Eigentum immer wertvoller wird. Von den anderen hört man auf nationaler Ebene wenig.
            Es gibt keine echte Lobby für den Mittelstand. Das was es gibt wird geschickt gegeneinander oder eben die Ärmeren ausgespielt.

          • Reto Stadelman sagt:

            Ich nehme an, dass wir an der Schwele einer Veränderung stehen. Die Globalisierung wird durch Standortförderung teilweise ersetzt werden (müssen). Die Nationen werden zwar untereinander handeln, aber Arbeitsplätze werden durch die Firmen, noch viel öfters als früher eben genau im Rahmen von solchen Standortförderungen, in den Nationen geschaffen. Der Handel mit Gütern, ohne das im entsprechenden Land auch ein Teil der Wertschöpfung geschieht, wird zukünftig nicht vorbehaltlos durchgesetzt werden. Den man kann mit Sozialhilfe keine Arbeitsplätze ersetzen. Wir werden erleben, wie Wirtschaft und Politik nicht mehr getrennt behandelt werden. Das hoffe ich zumindest.

          • Reto Stadelman sagt:

            Das kann vielleicht auch alles ein Hirngespinst von mir sein. Aber ich nehme an, dass diese Entwicklung notwendig wird. (Teil)Protektionismus ist die einzige Möglichkeit, wie die enormen Handelsdefizite zwischen den Nationen ausgeglichen werden können. Auch für 3. Weltländer versteht sich. Es ist ein Witz, das Ländern in Afrika Nahrungsmittel importieren müssen, obwohl die Mehrheit der Menschen dort im primären Bereich und damit der Landwirtschaft arbeiten…
            Und wie kann so eine Veränderung erreicht werden? Wenn überhaupt? Naja, ein Brexit wäre schon mal ein netter Anfang. Man kann auch auf die soziale Kraft der SPD hoffen. Aber naja… Ich setze lieber auf den Egoismus der Menschen.

          • Linus Huber sagt:

            @ Reto

            „Den Menschen würde es finaziell vielleicht nicht besser gehen, aber sie würden sich definitiv besser fühlen.“

            Sie erkennen einen springenden Punkt. Manch einem Sklaven erging es materiell betrachtet oft bedeutend besser bevor er seine Freiheit errang. Aber es ist nicht einzig eine finanzielle Frage, sondern auch eine Frage des Selbstverständnisses, der Selbstachtung, der sich noch sehr schwer zu ortenden neu eröffnenden Zukunftschancen welche das Wohlbefinden des Menschen beeinflusst.

          • Stadelman Reto sagt:

            @Linus Huber
            Entschuldigen Sie bitte, ich hätte ihren Kommentar zuerst ein zweites Mal lesen sollen. Ein klassicher Fall von „in die Tastatur hauen, bevor das Hirn reagiert“.
            Soll bei den Besten vorkommen 😉

          • Anh Toàn sagt:

            @Reto Stadelmann „Diese Gruppen vertreten nicht den sehr heterogenen Mittelstand sondern höchstens Teile davon.“

            Das ist jetzt eine tolle Erkenntnis die Sie haben: Lobbys vertreten Partikularinteressen, per Definition.

            Gründen Sie doch einen Mittelstandsverband.

          • Stadelman Reto sagt:

            @Anh Toàn
            Nein das werde ich nicht. Ich setze mich für die Transaprenz beim Lobbying ein und höhere Strafen bei zuwiederhandlung. Auch über ein Verbot könnte diskutiert werden. Transparenz wäre das A und O für die Mehrheit der von politischen Entscheiden betroffenen Personen.
            Es ist kaum möglich eine „Mittelstandspartei“ zu gründen. Aber es ist möglich, Gesetzesänderungen die für die Mehrheit kaum einen Sinn machen zu verhindern.

          • Josef Marti sagt:

            Weshalb wohl wird die Offenlegung der Parteienfinanzierung mit Händen und Füssen verhindert? – eben. Deshalb verkommt auch die CH Demokratie immer mehr zu einem Feigenblatt. Genau deshalb bestehen Bestrebungen die Hürden für Referenden zu erhöhen; Ziel ist immer maximale Ausbeutung der Renditesklaven zugunsten leistungsloser Besitzeinkünfte. Das geht so lange bis wieder mal das Niveau von 1914 erreicht ist, und dann kommt erneut der Resetknopf.

          • Fred Mazinaux sagt:

            @Josef Marti
            Ihr 7. Juli 14:02
            As langjähriger Auslandschweizer habe ich mich schon gefragt: warum CH wohl noch nie eine Bürger Initiative re Offenlegen der Parteien Finanzierung aufgenommen hat?.

          • Taric Trent sagt:

            @AT: „Woher werden denn die Reichen reicher? Den Armen können die nichts nehmen, die haben ja nichts. “

            Doch, eben genau das. Reiche stellen Arbeiter an, bezahlen ihnen eine gewisse Summe für ihre Arbeit (-skraft wenn man es genau nimmt) und verkaufen die geleistete Arbeit für eine grössere Summe. Sie nehmen also Arbeit von den Arbeitern, die sie denen nicht bezahlen – das ist der Gewinn und so funktioniert die Ausbeutung.

          • Anh Toàn sagt:

            @Taric Trent

            Die welche Arbeit haben, sind die Mitte, die Armen haben keine Arbeit.

          • Taric Trent sagt:

            @AT völlig willkürliche Definition, arm ist keine substantielle Kategorie sondern nur das Gegenteil von reich – wir haben sogar Gesamtsarbeitsverträge über Lohnsummen von 3000 Franken Vollzeit. Und wo es keine gibt sieht es meistens noch weit schlimmer aus.

          • Anh Toàn sagt:

            @TT

            Also schlechte Nachrichten für die angebliche Mittelklasse, es gibt keine Mitte, man hat nur die Wahl, sich als reicher Ausbeuter oder armer Ausgebeuteter zu sehen.

          • Taric Trent sagt:

            @AT Als hätte ich irgendwas in der Art geschrieben, heul doch rum wegen der Info mit der Ausbeutung.. Irgendwo wird es schon eine Mitte geben in der Einkommensverteilung, mir doch egal… Und du meintest wohl Mittelschicht, die Mittelklasse sind die Autos von Ford und Klassen gibt es ja sowieso nicht mehr, höchstens im Zug.

        • Henry Kropf sagt:

          Erbschaftssteuern fallen auf Vermögen an, die irgendwann als Arbeits- oder Kapitaleinkommen bereits versteuert worden sind. Deshalb ist es richtig, dass diese nicht noch einmal versteuert werden. Dass nun gerade auch mit der Unternehmenssteuerreform III die Unternehmen wieder bessergestellt werden, während wir Privaten am Ende diese Steuerausfälle übernehmen werden müssen, empfinde ich aber genau gleich als störend. Interessant wäre eine Gesamt-Kosten/-Nutzen Studie dieser internationalen Holdings. Bringen Sie wirklich noch Vorteile, wenn man alles berücksichtigt, z.b. auch die Kosten für zusätzliche Infrastruktur, etc, welche bei der Ansiedelung solcher Firmen nötig werden?

          • Josef Marti sagt:

            Dann müssen Sie aber auch die Vermögenssteuer abschaffen, die wird auch jedes Jahr für das gleiche Vermögen erneut erhoben. Abgesehen davon ist die Erbschaftssteuer eine Objektsteuer, deshalb ist das Argument dass der Urgrossvater vor Urzeiten mal Steuern gezahlt hat und darum der Urenkel fürs Nichtstunmüssen zu belohnen sei wohl eher Vetterliwirtschaft.

          • P. Schmid sagt:

            Das stimmt nicht.
            Das Einkommen aus Erbschaft wurde tatsächlich noch nicht besteuert.

            Allerdings ist die Konsumsteuer (MWSt) eine doppelte Besteuerung, weil das Einkommen aus harter Arbeit mit dem man z.B. seine Nahrungsmittel kauft, bereits besteuert wurde.

            Wenn doppelte Besteuerung falsch sein soll, dann müssen also zuerst die Mehrwertsteuer, Lohnnebenkosten, AHV und Vermögenssteuer abgeschafft werden.

  • Rolf Zach sagt:

    Wie wird die entscheidende Frage des sozialen Aufstiegs beantwortet? Alle Herrschaften, auch die Demokratie, sind Elite-Herrschaften. Nur ist die Demokratie die Herrschaft, wo sich die Elite mit Transparenz kontrolliert und wo die Funktions-Elite mehr zu sagen hat als die Macht-Elite. Ebenso wird in diesem System nicht automatisch garantiert, daß sich die Funktions-Elite in eine ewig währende Macht-Elite verwandelt. All diejenigen Systeme, die offen für soziale Aufsteiger sind, die diesen Aufstieg mit Leistung erreichen, sind Systeme die Flexibilität und können sich den Herausforderungen stellen. Dies ist die Ideal-Beschreibung der westlichen Zivilisation. Wieviel ist %-Satz davon heute?

  • Marcel Senn sagt:

    Zwangsläufig dass die Vermögenskonzentrationen noch weiter zunehmen – wir befinden uns global in einem geleveradgeden Debt Zeitalter – mit einer globalen Verschuldung aller Akteure kommen bei über 300% Verschuldung schnell mal 7-9 Bio Zinszahlungen pro Jahr zustande oder 10-12% des WeltBIP – selbst im Tiefstzinsalter im Westen. Und die spühlt es erfahrungsgemäss zu einem wesentlichen Teil von den Habenichtsen zu den Habenden. Bei Unternehmen kontrollierten schon 2011 1318 Firmen rund 80% des Welt-BIP und auch deren Aktien sind nicht wirklich grossflächig im Streubesitz & so kumulieren sich auch die Dividenden dort mit der Zeit.
    .
    Zum Glück gibts noch reiche altruistische schwarze Schafe

    • Rolf Zach sagt:

      Man sollte sich vielleicht einmal die Frage stellen, warum die Zentralbanken der Reservewährungen (Vertrauenswährungen wäre wohl die bessere Beschreibung), die Zinsen derart gegen 0 drücken können. Natürlich hat die Vermögenskonzentration zugenommen, aber muß dies zwangsläufig mit einer Einkommenskonzentration zusammenfallen?
      Ein Vermögenserhalt mit Einkommen braucht immer Schuldner und ob die gewillt oder gezwungen sind auf die Vorstellungen des Vermögenden einzugehen. In diesem Zusammenhang müssen wir bei Vermögen unterscheiden, ist es eines für den eigenen Konsum, welches man unmittelbar nutzen kann (Eigenheim zählt am meisten) oder sind es die Zwangsabgaben Dritter (Zinsen/Dividenden).

      • Michael Berger sagt:

        In einem kapitalistischen Wirtschaftssystem fallen Vermögenskonzentration und Einkommenskonzentration zwangsläufig zusammen. Denn mit Kapital kann man mehr Kapital generieren und dieses Wachstum ist eine Form von (Zusatz-)Einkommen. Das gilt nicht nur für Multimillionäre. Schon wenn man bloss ein Haus erbt, spart man durch die Miete Geld, welche Leute ohne solches Erbe zahlen müssen. Damit steigt bei gleichem Lohn das verfügbare Einkommen, was wiederum das Vermögen wachsen lässt usw.
        Ohne Gegenmassnahmen (Steuern und Abgaben) führt das Kapitalistische Wirtschaftssystem daher zu einer Vermögens- und Einkommensumverteilung nach oben.

    • Anh Toàn sagt:

      „Altruisten“ sind Diebe, welche die Hälfte der Beute an die Gesellschaft (früher die Kirche) spenden.

      Der Inbegriff des Altruisten heute ist doch Bill Gates: Ein Vermögen zusammengeklaut mit illegalen Marketingpraktiken: Da ist mir so ein kleiner Taschendieb dagegen geradezu sympathisch. Der behauptet immerhin nicht, der Menschheit gutes zu tun.

      • Marcel Senn sagt:

        Anh: Eigentlich meinte ich eher die Nachkommen der Superreichen, die nicht das machen was Papi will – nämlich die Vermögen noch mehr zu mehren, sondern entweder das Geld in vollen Zügen verprassen (und so auch wieder in den Kreislauf zurückbringen) oder sonst irgendwelche sozialen oder kulturellen Projekte unterstützen auf der Suche einer Sinnfindung angesichts einer Geburt mit dem Goldlöffel… da gibt es doch einige davon, die merken, dass das Streben nach Geld doch nicht alles ist…und andere merkens halt nie…

        • Anh Toàn sagt:

          @Marcel Senn: Ach so, die Nachkommen der Diebe, welche die Beute verprassen (bei einer Milliarde ist das fast unmöglich in einem Leben) oder damit Gutes tun. Oder Kunst kaufen. Oder Anker Bilder. Oder einen Fussballclub. Da können wir den Nachkommen der Diebe aber schön dankbar sein, dass die all das tun.

          • Rolf Zach sagt:

            Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich. Sie sprechen von einer Fabrik, wo der Gründer den technischen Leiter der Monowitz Fabrik anstellte. Monowitz war jene Fabrik, wo Hunderttausende von Auschwitz-Häftlingen umkamen. Später waren halt seine Nachkommen derart degeneriert, so daß halt ein Emporkömmling ihnen die Fabrik wegnehmen konnte mit Hilfe einer Bank, die die Negerlein in Südafrika derart ausplünderte, daß sie richtig fett wurde. Dieses Fett half der Bank ihre Krise in den USA zu überstehen, aber sie merkt noch heute, daß ihr Bauchfett eher mager ist. Es ist manchmal erstaunlich, wie das Schicksal zugreift.

    • P. Schmid sagt:

      Wenn man den Reichsten Steuergeschenke macht, so dass sie altruistisch tätig sein können, ist das nichts anderes als eine Abschaffung der Demokratie.

      Das heisst: Anstatt dass demokratisch bestimmt wird, wie dieses Geld verwendet wird, macht das ein Superreicher alleine.

      • Marcel Senn sagt:

        Schmid: Nur sind die Vermögen eines Zuckerbergs oder Gates ja allerhöchstens teilweise mit Steuergeschenken zu begründen — zuerst müssen Sie mal erfolgreich tätig sein, bevor Sie allenfalls Steuergeschenke bekommen oder diese mit wirren Konstrukten über die Karibik erwirken…

      • P. Schmid sagt:

        Ihre Reichtumsgrundlage ist sehr wohl vom Steuerzahler finanziert worden.

        Das ganze Silicon Valley wurde in erster Linie vom Steuerzahler finanziert, weil das Silicon Valley aus dem militärischen Bedarf aus dem zweiten Weltkrieg und dem kalten Krieg entstanden ist. Das Internet wurde am CERN entwickelt.

        Zudem: Ohne die vom Steuerzahler finanzierte Infrastruktur und die vom Steuerzahler finanzierte Bildung der Mitarbeiter, hätten sie ihren Reichtum ebenfalls nicht aufbauen können. Auch wird Ihr Reichtum und Eigentum von der Gesellschaft und somit dem Steuerzahler geschützt.

        Kurz: Ohne entwickelte Gesellschaft inklusive deren Steuerzahler, kann Niemand Milliardär werden.

        • Karl Bachmann sagt:

          Als Gäste des Planeten Erde ist uns allen alles geliehen, vor allem die Leistungen früherer Kulturen. Das Leben fordert uns alles Geliehene einzeln und gemeinsam den nachkommenden Generationen weiterzugeben. Unser persönliches und gemeinsames Pflegen, miteinander Teilen und Erleben schafft lebensgerechte Werte, Wachstumsperspektiven für ökologie- und sozialverträgliches Produzieren der Individual- und Gemeingüter. – Statt Sklave sein mehr Mensch werden. Das Wohlergehen der Armut betroffenen motiviert uns vom Überfluss befreien.

        • Josef Marti sagt:

          Die wertvollsten kritischen Assets im Kapitalstock sind Grund und Boden, möglichst erschlossen, Ausbeutungsrechte von Rohstoffen, sodann Immaterialgüter, also Werte aus Bildung und Wissen, und Unternehmensbeteiligungen. Die Inwertsetzung von all diesen Gütern erfolgt grossmehrheitlich stets durch die Allgemeinheit durch Aufbau der entsprechenden Infrastruktur wie Bildungswesen, Verkehr, Gesundheit etc. Der Nutzen daraus dagegen ist kraft Erbrecht privatisiert. In allen sog. freiheitlichen Gesellschaften herrscht das Prinzip der Rentenökonomie vor mit Markteintrittshürden gegen potentielle Wettbewerber.

          • Anh Toàn sagt:

            Josef Marti: „Die Inwertsetzung von all diesen Gütern erfolgt grossmehrheitlich stets durch die Allgemeinheit durch …“

            auch durch oder sogar erst entstehend durch staatlichen Rechtsschutz, Grundbuchämter, Handelsregister, Patentämter usw usw. Und deren mal ganz primären Schutz durch den Staat durch Polizei, Feuerwehr und Militär. Es kostet uns verdammt viel, die Vermögen der Reichen zu schützen, der Mittelstand zahlt das nicht nur, er wird sogar herangezogen, dafür zu sterben oder zu töten.

          • Josef Marti sagt:

            Sehr richtig, deshalb gilt in den USA one Dollar one vote.

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