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Wer kauft eigentlich noch Staatsanleihen?

Andreas Neinhaus am Montag den 14. März 2016
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Die EZB in Frankfurt erwirbt Staatsanleihen – aber nur am Sekundärmarkt. Foto: Kai Pfaffenbach (Reuters)

Am Markt für Staatsanleihen herrscht Anlagenotstand. Weltweit sind Papiere für 6600 Milliarden Dollar negativ verzinst. Das entspricht fast einem Drittel des ausstehenden Gesamtvolumens. In Deutschland gilt das beispielsweise für Bundesanleihen bis sieben Jahre Laufzeit, in Italien für Buoni del tesoro (BTP) bis drei Jahre.

Anders ausgedrückt: Die Papiere sind viel zu teuer. Kein Wunder, raten Anlageexperten seit längerem davon ab, Staatsanleihen ins Portefeuille zu nehmen. Wer noch in grossem Stil investiert, stellte die Europäische Zentralbank (EZB) letzte Woche klar: Sie stockte das monatliche Anleihenkaufvolumen um 20 Milliarden Euro auf.

Aber was machen die Emittenten? Die Staaten der Eurozone werden dieses Jahr circa 860 Milliarden Euro an neuen Schuldtiteln auflegen, um ihre defizitären öffentlichen Haushalte zu finanzieren. Allein Italien muss BTP für 224 Milliarden Euro verkaufen.

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Quelle: Barclays Research

Wer kauft all die überteuerten Papiere, die zu unattraktiven Zinsen angeboten werden und häufig sogar kosten, statt zu rentieren? Die EZB nicht, denn sie erwirbt sie nur am Sekundärmarkt, d. h. von Gläubigern, die diese Papiere zuvor vom Staat erworben haben.

Und das sind in erster Linie Banken. Gäbe es sie als Abnehmer für die neu lancierten Staatsanleihen nicht, hätten die Regierungen der Eurostaaten grosse Probleme. Italienische und spanische Banken halten heimische Staatsanleihen im Gegenwert von jeweils rund einem Viertel des nationalen Bruttoinlandprodukts in ihren Bilanzen.

Seit langem versuchen Wissenschaftler Belege dafür zu finden, dass die Banken nicht aus freien Stücken so spendabel sind, sondern von den Regierungen dazu gezwungen werden, ihnen die Ladenhüter abzunehmen, die am Primärmarkt sonst keiner will. Dieses Vorgehen wäre zwar nicht verboten, aber es wäre politisch verwerflich und ökonomisch kontraproduktiv.

Drei Ökonomen der Universität Zürich, der Europäischen Zentralbank und der Niederländischen Notenbank ist dieser Nachweis nun gelungen. Sie untersuchten die Daten von 60 Banken in der Eurozone während der Eurokrise und kommen zum Schluss: Regierungen beeinflussten Banken aktiv und erfolgreich, ihnen Staatsanleihen abzukaufen. Die Ergebnisse sind in dem vom britischen Think Tank CEPR herausgegebenen Diskussionspapier Nr. 11153 nachzulesen, aus dem auch der folgende Chart stammt.

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Quelle: Van Horen/Ongena/Popov, The Invisible Hand of the Government, CEPR 2016

Inländische Banken griffen in Phasen, in denen es für den Staat schwierig wurde, Schuldtitel am Markt zu verkaufen, besonders bereitwillig zu. Das zeigt sich am deutlichsten im Höhepunkt der Eurokrise zwischen Sommer 2011, als Italiens Verbleib in der Eurozone in Gefahr geriet, und Sommer 2012, als EZB-Chef Mario Draghi versprach, alles zu unternehmen, um die Union zu retten. Damals stiessen ausländische Banken ihre Euro-Staatsschuldpapiere ab, während inländische Institute die entsprechenden Aktiven grosszügig aufstockten.

Staatliche Banken und solche, die von der Regierung finanzielle Unterstützung erhalten hatten, kaufen nachweislich vor allem in jenen Monaten, in denen der Staat viele Anleihen emittiert und am Markt wenig Kaufinteresse besteht (die Autoren sprechen von «high need months»), dramatisch mehr Staatsschulden, schreiben die Autoren. Sie belegen, dass hier ein klassischer Tatbestand von «moral suasion» am Werk ist: ein sanfter Druck auf die Institute, sich kooperativ zu zeigen.

Wie er ausgeübt wird, ist schwer nachzuweisen. Die Autoren erklären, warum:

Moral suasion (…) operates (…) in the shadows, in the phone calls made by those responsible for placing government debt, in «the winks and nods» of a a long‐standing mutual and implicit understanding between the sovereign and «its» banks.

Dafür, dass Staatsanleihen nicht zum Ladenhüter werden, sorgen also die Regierungen selbst.

Gegenwärtig ist die Konstellation für die Schuldner besonders lohnend: Dank der rekordtiefen Zinsen kann die öffentliche Hand so günstig Schulden machen wie nie zuvor, über die Platzierung der Schuldtitel braucht sie sich keine Sorgen zu machen, existiert doch de facto eine Abnahmegarantie. Das sind Anreize für eine staatliche Verschuldungspolitik und für eine Entwicklung, bei der das Gewicht öffentlicher Schuldtitel in den Bankbilanzen wächst.

Die Regierungen hatten sich in der Eurokrise zum Ziel gesetzt, genau diesen Doom Loop – dass Bankenkollapse Staatskonkurse zur Folge haben können, die wiederum das Bankensystem gefährden und so weiter – zu stoppen. Aber das ist eine andere Geschichte…

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73 Kommentare zu “Wer kauft eigentlich noch Staatsanleihen?”

  1. Linus Huber sagt:

    Kollektivisten wollen immer mehr und stärkere Umverteilungssysteme und zugleich offene Grenzen, als Ausdruck ihrer sozialen Ader. Sind sich diese Menschen bewusst, dass wenn wir anhand der graduellen Abschaffung des Nationalstaates die Weltbevölkerung auf den gleichen Standard heben wollen, an welchen wir uns gewohnt haben, sie auf ihre staatlichen Leistungen verzichten müssten und mit erhöhten Abgaben zu rechnen hätten? Die Freunde der Umverteilungssysteme sollten in ihrem Gedankengut folgende Inhalt verankern: Welche Ihrer Ausgaben wollen Sie von andern Leuten bezahlt kriegen (endlos viele?) und welche Ausgaben anderer Menschen wollen Sie bezahlen (am liebsten nichts?).

    • Anh Toàn sagt:

      “Sind sich diese Menschen bewusst, dass wenn wir anhand der graduellen Abschaffung des Nationalstaates die Weltbevölkerung auf den gleichen Standard heben wollen, an welchen wir uns gewohnt haben, sie auf ihre staatlichen Leistungen verzichten müssten und mit erhöhten Abgaben zu rechnen hätten? ”

      Nein um Gottes Willen, der Status Quo muss erhalten bleiben, “wir” sind oben und die “unten”, “wir zahlen doch nicht für “die”, da zahlen wir lieber für unsere Soldaten und Mauernbauer und Stacheldrahtverleger und Wasserwerfer und Tränengassprüher: Das sind nämlich unsere gegen die. Und unsere sind besser als die, und darum sind wir oben und die unten.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Anhänger der schrittweisen Abschaffung der Sklaverei (oder der Standesgesellschaft) haben den gleichen Fehler gemacht: Sie haben nicht bedacht, dass sie nachher nicht einmal nur für Arbeitskraft bezahlen müssen, sondern auch nutzlose ehemalige Sklaven, die alt oder krank wurden, durchfüttern müssen.

        Nichts bezahlen will ich für überhebliche, reaktionäre alte Säcke, aber wenn die aus dem gleichen Nationalstaat kommen wie ich, muss ich, auch wenn die komplett nutzlos sind, deren sofortiges Abtreten unsere Renten- und Krankensysteme entlasten würden, und deren Beiträge an die Gesellschaft sich auf motzen beschränken.

      • Linus Huber sagt:

        Der Status Quo konstituiert heute die gleichförmige und lineare Entwicklung Richtung verantwortungslosem Zentralismus mit unzähligen immunen Bürokraten, welche einerseits jede demokratische Selbstbestimmung als störend empfinden und mit unzähligen Mitteln zu unterminieren versuchen und uns andererseits in eine von den weltweit Einfluss nehmenden Oligarchen gesteuerten Matrix einzuordnen und zu versklaven versuchen.

        • Anh Toàn sagt:

          Der Status Quo ist: Der Westen ist oben, die anderen schuften und zahlen Zinsen. Darum sind wir fett und alt und reich, und die sind arm und schlank und jung.

          Wir sind die Bastille, welche die stürmen, rufend: “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”

          Wenn Sie Freiheit rufen, meinen Sie Ihre Freiheit, als Schlauer, Guter, Reicher, Schweizer, Mann oder was weiss ich, die andern zu effen. Ihr Post offenbart so sehr Ihre Denke: Wir müssen unseren Reichtum vor denen verteidigen, weil es ist unser berechtigter Reichtum, weil wir sind die Guten. Nun, die sehen dies anders, und die sind mehr als wir, viel mehr. Jeder von uns gehört zur ausbeutenden Minderheit, ob er will oder nicht.

          • Anh Toàn sagt:

            Der Nationalstaat ist unsere Mauer, unsere Bastille, unsere Burg und unser Lustschloss, mit der wir die anderen aussperren, hinter der wir unsere Schätze, unsere Vorrechte (“Schweizervorrang” hat die Abstimmung gewonnen) zu schützen suchen. Weil dies ist Gottgewollt (Im Namen Gottes des Allmächtigen). Und jetzt stürmen die Massen diese Mauer, und die Rechtsnationalen sagen, baut die Mauern höher, weil wir Müssen die Mauern retten, wir sind die Mauer, der Nationalstaat, das Volk.

            Das Mittelmeer war nicht tief genug, was glaubt ihr, was Mauern helfen? Es geht nicht um Gutmenschentum, es geht darum zu akzeptieren, dass Mauern noch nie etwas brachten, ausser mehr Probleme.

          • Linus Huber sagt:

            Sie glauben, dass meine Argumentation darauf beruht, inwiefern ich daraus persönliche Vorteile zu erhaschen glaube. Es dürfte sich hierbei eher um die Reflexion der eigenen Argumentation handeln, als um meine Position. Wenn ich z.B. die mangelnde Nachhaltigkeit etwelcher staatlicher Programme erläutere, werde ich persönlich genauso wie jeder andere davon betroffen, wenn man diese ändert, respektive redimensioniert; jedoch dürfte uns die nachfolgende Generation dankbar sein. Wenn ich darauf hinweise, dass ein Wohlfahrtsstaat nicht in einer Welt ohne Grenzen existieren kann und manch einer dies nicht zu erkennen scheint, handelt es sich um eine Feststellung ohne Bewertung.

          • Anh Toàn sagt:

            Das Leben ist in Vietnam freier von staatlicher Bevormundung, wie es der Huber nennt, dafür insgesamt viel unfreier, dank wirtschaftlicher und familiärer Zwänge: Ich zahle lieber Steuern und Sozialversicherungsbeiträge inkl. Kopfsteuer Krankenkasse, als entscheiden zu müssen, ob ich meine Pflicht erfülle und mein Vater eine Darmoperation bekommt oder meine Pflicht nicht erfülle und zwei Nieren behalte und meine Frau oder meine Tochter nicht verpimpe. Und bringe lieber mein Auto zur MFK, als dass die anderen ohne Bremsen rumfahren. Ich werde lieber von Polizisten angehalten, wegen ungenügend gesicherter Ladung, als mein Kind von solcher erschlagen zu lassen.

            Freiheit, Baby Yeah!

          • Anh Toàn sagt:

            “… dass ein Wohlfahrtsstaat nicht in einer Welt ohne Grenzen existieren kann”

            Ich weiss, dass können Sie sich nicht vorstellen, weil das gab es noch nie, oder bestenfallls können Sie es sich vorstellen, als die Freiheit schändende, den Bürger infantilisierende und konditionierende Bürokratur.

            Aber das macht nichts, Sie stehen nicht mehr so lange im Weg.

          • Anh Toàn sagt:

            Die Frage ist nicht, ob eine Welt ohne Grenzen existieren kann, sondern wie eine solche zu gestalten ist, idealerweise und daraus ergeben sich vor allem, wie konkrete, wenn auch kleine Schritte in diese Richtung heute gemacht werden können. Denn für viele entsteht ohnehin eine Welt ohne Grenzen, die nützen dann die Grenzen zu ihrem Vorteil. Machen die Regeln einfach selber, errichten deren Bürokratur. Entweder gestalten oder verpassen der Zukunft. Die Zukunft ist ein neues “wir”: Nicht das der Nation, das ist schon Vergangenheit, daran hängen noch Nostalgiker, sondern der Menschen.

          • Anh Toàn sagt:

            @Linus Huber “jedoch dürfte uns die nachfolgende Generation dankbar sein. ”

            Die nachfolgende Generation wird Ihnen nie dankbar sein dafür, sie vor Übel bewahrt zu haben, bestenfalls dafür, ihr die Gestaltung derer Zukunft überlassen zu haben.

            Übrigens: Die Ihnen nachfolgende Generation ist auch schon alt.

          • Linus Huber sagt:

            “Aber das macht nichts, Sie stehen nicht mehr so lange im Weg.”

            🙂 Sie denken wohl, dass Sie mit einem AHV Rentner diskutieren.

          • Linus Huber sagt:

            In 1940 hat der Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz ebenfalls geglaubt, man müsse unter Vernachlässigung der schweizerischen Werte wie Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit sich dem damaligen Trend (schrittweise Integration ins Deutsche Reich) aufgrund von neuen Entwicklungen anzupassen und dies mit Worten wie “innere Erneuerung” und “Opferbereitschaft” demagogisch verblümt. Es handelte sich um eine ähnliche Situation wie heute, indem man sich einem internationalen Trend anschliessen wollte und auch damals wehrte sich die Bevölkerung, indem es der politischen Bewegung der “geistige Landesverteidigung” den Vorzug gab.

          • Anh Toàn sagt:

            Ich denke, mit einem “Komposchti” zu reden, Sie nannten mich mal junger Mann, der keinen Respekt vor dem Alter habe.

            Aber; Man ist nicht so alt wie man sich fühlt, sondern so alt, wier man von den anderen wahrgenommen wird: Sie sind eher ein Fossil.

  2. Linus Huber sagt:

    “All animals are equal on my farm,” Mr Tusk has reassured them, one recalled.

    Das vorherrschende Gedankengut der Bürokraten kommt hierbei gut zum Ausdruck. – “mäh!, bäh!, möh!” sind wohl die einzig erwünschten Aeusserungen. 🙂

  3. massimo leonardi sagt:

    zu Draghi will ich nur sagen,so schlecht hat er nicht reagiert,dadurch das er den Zins auf null % gesenkt hat sind nun Investoren gezwungen,wenn sie noch eine Rendite haben wollen,ihr Vermögen zu Investieren,z.B. in Aktien,oder in neue Produkte,somit kommt die Wirtschaft zu Geld.Kein Wunder steigen seither die Aktienkurse und die Börsen laufen gut.Es ist immer einfach zu kritisieren,aber man muss schon alle Punkte in Betracht ziehen.

    • lukas sagt:

      sachwerte können übrigens auch ansteigen als folge von tiefen zinsen und vermehrten aktienrückkaufprogrammen. wenn dabei firmen fast ausschliesslich in effizienzsteigerungen investieren, liegt sicher keine heile nachhaltige welt vor uns – auch wenn die börsen “gut” laufen.

      • Rolf Zach sagt:

        Vergeßt nicht, diese Schulden sind alle in Euro aufgenommen und der Euro ist eine weltweit anerkannte Reservewährung. Oder sollen wir in chinesische Staatsanleihen in Yuan investieren, ist dies die bessere Lösung oder nur noch Dollar kaufen oder eine noch schlechtere Verzinsung in Schweizerfranken halten, die vielleicht die einzige Währung der Welt ist, wo man besser in diese investiert als in Gold. Was ist mit Brasilien, Russland, Indien und Saudi-Arabien. Vergesst es, ihr könnt trotz höherer Verzinsung nur verlieren. Alle diese Untergangs-Propheten hinsichtlich Euro haben sich getäuscht und lagen falsch. Die Reservewährung Euro hat glänzend triumphiert.

  4. Marcel Senn sagt:

    Drahgi bleibt ja keine andere Möglichkeit mehr, denn als Grosseinkäufer noch mehr europ. Staatsanleihen zu kaufen (und neu auch Unternehmensanleihen), denn wer auf der Welt würde Italien noch Geld für von -0.3% bis 1.3% für 10 Jahre zu diesem Preis noch Geld leihen.

    http://www.investing.com/rates-bonds/world-government-bonds

    Würde die EZB aufhören, würden die Italobonds schnell wieder die 7%+ wie 2012 erreichen und dann wäre Bella Italia schnell mal am A….!
    .
    Frage mich was dann im März 2017 passieren wird, wenn das neue Programm ausläuft – dann sind wir wieder am selben Punkt. Juni 2015 hat ja nur eine Draghi Bemerkung gelangt um vorübergehend 600 Mrd € zu “vernichten”

    • Marcel Senn sagt:

      Die aktuelle Geldschwemme wird Draghi dann vermutlich nur noch mit dem berühmtberüchtigten Helikoptergeld toppen können.
      .
      Vermutlich demnächst mal in diesem Lichtspieltheater — dies als ultimative letzte Massnahme bevor die Lichter dann ganz ausgehen…

      http://www.welt.de/wirtschaft/article153234769/Mario-Draghi-liebaeugelt-mit-dem-naechsten-Tabu-Bruch.html

      • Josef Marti sagt:

        Besser wäre wahrscheinlich ein Helikoptergeld nur für die Flüchtlinge, diese würden sehr schnell das ersehnte westliche Konsumparadies stürmen und die Wirtschaft läuft wieder rund, das wäre doch sicher auch im Sinn von Mutti Merkel.

        • Marcel Senn sagt:

          Marti: Die bekommen ja schon Helikoptergeld von Mutti — Deutschland spart ja dank den Tiefstzinsen um die 40-50 Mrd Zinskosten pa auf ihren 2.2 Bio Schulden — in dem Sinne finanziert Supermario die Flüchtlinge ja schon indirekt – aktuelle Kosten der Flüchtlinge um die 20 Mrd € pa — es könnten also nochmals rund eine Mio kommen 🙂
          .
          Immerhin sorgen Flüchtlinge noch für eine realwirtschaftliche Aktiviäten mit ihren Bedürfnissen – es braucht Kleider, Unterkünfte, med. Betreuung. Lehrer müssen eingestellt werden usw usw.
          Nur ob die Flüchtlinge auch die ersehnte Inflation erzeugen werden, da habe ich Zweifel…

          • Josef Marti sagt:

            Jaja Draghi ruiniert das Abendland, ich musste lachen über den Kommentar bei Flassbeck:
            “Bei aller Unwissenheit und all den geradezu lächerlichen Beschwörungsformeln, eines geht quer durch die deutsche Presselandschaft, immer unterstützt von Bankenlobbyisten und Politikern, die noch nie etwas von Makroökonomie gehört haben: Dass ausgerechnet der deutsche Sparer, das vollkommenste und beste aller Wesen, jetzt von einem Italiener enteignet wird, nein, das darf nicht sein, das ist der Untergang des Abendlandes.”

      • ast sagt:

        Herr Senn, es liegt doch alles in den Creditsuisse Statistiken zur Entwichlung der Vermögensverteilung klar auf der Hand:

        1. Die Banken kaufen Staatsanleihen
        2. Die Notenbanken kaufen diese Anleihen
        3. Mit dem Geld das die Banken für diese Mittlerdienste erhalten wird von den Banken an der Börse gezockt
        4. Damit es gelingt zocken inzwischen auch die Notenbanken massiv und kaufen Aktien

        Fazit: Es entstehen gigantische einseitig gelagerte Vermögens -Blasen und eine Defaltion (weil es das GEGENTEIL VON HELIKOPTERGELD ist.

        Die Politiker und die verantwortlichen Finanz-Manager unterstützen diesen grausamen Verlauf, denn dadurch werden ihre Kunden reich und reicher, Bürger sind ihnen…

        • Marcel Senn sagt:

          Ast: Soweit ich weiss betreiben aber die allermeisten Geschäftsbanken in Europa keinen Eigenhandel mehr an der Börse – das war früher mal vermehrt der Fall.
          Helikoptergeld wäre ja dann erst die nächste Stufe – Sie müssen mal den Welt Artikel lesen im Link.
          Und in der CH sind mittlerweile über 400 Mrd Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB deponiert – gut die müssen Negativzinsen erst ab ca 300 Mrd bezahlen (das 20fache des Mindestreservesatzes von 2%), während AHV, PK’s etc schon für viel geringere Beträge Negativzinsen bezhalen.

          • Rolf Zach sagt:

            Das zeigt, daß Herr Jordan dem verstorbenen Herr Leutwiler nicht das Wasser reichen kann. Leutwiler hat damals sehr effizient mit den Negativzinsen gehandelt und die Spekulanten richtiggehend zusammengeschlagen. Herr Jordan quält die Pensionskassen und die AHV, kann aber die wirklichen Schieber in Schweizerfranken weder im Inland noch im Ausland verängstigen. Lebt das Studium der Wirtschaftswissenschaften in der Logik frei nach Sokrates “Ich weiß, daß ich nicht weiß”
            und Herr Jordan ist davon überzeugt, daß man als Leiter einer Notenbank nichts machen als nur wie vor 1936, die Schweizer müssen kasteien und sich jeden Tag selbst verprügeln. Das beste für eine gesunde und starke Wirtschaft

    • massimo leonardi sagt:

      Herr Senn,machen sie sich um Italien keine sorgen,Italien hat schon schlimmere Krisen hinter sich,zudem sitzen sie auf die 3 grössten Ölvorkommen in der EU(googeln),gleich hinter Norwegen,die Industrie ist breit abgestüzt,von Autos,Motorräder über Helikopter,Zügen und vor allem Schiffsbau und Rüstung.Ich wage sogar zu sagen,sie würden einen ausstieg aus dem Euro gut vertragen,da die Produkte noch billiger werden würden.

      • Marcel Senn sagt:

        Herr Leonardi: Habe 8 Jahre für eine italienische Firma gearbeitet – es ist mir schon bewusst, dass v.a in Norditalien Potential vorhanden ist.
        Gut das mit dem Oel muss ich mal googlen — es haben schon einige gemeint sie hätten riesige Oelvorkommen und dann war es dann viel weniger oder technisch nicht möglich zu fördern — nicht alles Oel ist überhaupt förderbar.
        .
        Ein Euroausstieg Italiens würde vermutlich auch gleich das Ende des € bedeuten nehme ich mal an. Das gäbe dann gesamteurpäisch Währugsreformen… warten wir mal ab was Supermario noch alles bringt in den nächsten Jahren.

      • Marcel Senn sagt:

        PS Leonardi: “wage sogar zu sagen,sie würden einen ausstieg aus dem Euro gut vertragen”
        .
        Sie meinen also tatsächlich Italien könne einfach so einen billigen Abgang machen mit 2.2 Bio € Schulden und die Gläubiger würden widerstandslos dann irgendwelches Neolira-Kindergeld als Zins- und Rückzahlung akzeptieren???
        .
        Nein Herr Leonardi – ganz so billig wird sich Italien definitiv aus der €-Zone davonschleichen können, wie Sie sich das vorstellen!
        Dann wird Italien nämlich mal eine echte grosse Krise bekommen – die bisherigen seit 1945 waren ja eher irgendwelche Operettenkrisen!

        • Marcel Senn sagt:

          Leonardi: Na ja 544 Mio Fass proven Oil Reserves 2015 von Italien sind ja ganz nett, aber auch nicht wirklich die Quelle unendlichen Reichtums….das hat aktuell einen Wert von Rund 20 Mrd € oder nicht mal 1% der italienischen Schulden – und die Förderkosten etc. müssen Sie auch noch abziehen.
          .
          Proteste aus der Bevölkerung gibt es auch mehr als genug — und Sie wollen in Ihrem nächsten Feria de Agosto in Rimini oder sonstwo wahrscheinlich auch nicht gerne in einem Meer mit Oellachen baden wollen….

          • Rolf Zach sagt:

            Die Italiener wären schön blöd, schon wegen den Zinskosten, aus dem Euro auszusteigen. Zinsausgaben des Staates sind prozentual zum Volkseinkommen markant niedriger und auch die private Hypothekar-Verschuldung ist um einiges erträglicher bei ihren Hauseigentümern, wobei ihr Anteil prozentual an der Gesamt-Bevölkerung einiges höher ist als in der Schweiz.
            Man wird bei diesen Zahlen grün vor Neid. Die italienische Krankheit ist wie immer der Staat und sein Umgang mit den öffentlichen Gelder vor allem für die Infrastruktur. Wenn man den Stand von Toyota am Genfer Autosalon mit dem von Fiat vergleicht, kommt man schon ins grübeln. Aber Italien ist noch lange nicht das deindustrialisierte…

          • Linus Huber sagt:

            “Die italienische Krankheit ist wie immer der Staat und sein Umgang mit den öffentlichen Gelder”

            Handelt es sich einzig um eine italienische Krankheit?

  5. Marcel Senn sagt:

    Governement Bonds gibt es aber gemäss doch einiges mehr als nur etwa plus minus 20 Bio $ wie im Artikel erwähnt (oder sind damit nur US$ Anleihen gemeint – kann aber auch nicht sein – den die negativ rentierenden sind ja in € und neu auch in Yen) – oder sind allenfalls nur Langläufer über 2 J gemeint?? Fragen über Fragen…

    http://www.bis.org/statistics/c1.pdf

    Leider hat es kein Total — aber komme hier auf etwa 37 Bio $ bei den Governement Bonds. Weltweit mit lokalen Währungen und teilweise auch Bundesstaaten und Gemeinden (wird in vielen Globalstatistiken leider unterschiedlich gehandhabt) ist die öffentliche Verschuldung aktuell mindestens 60 Bio $.

    • Marcel Senn sagt:

      Resp. Governement Debt Securities — Bills und Notes werden ja glaub nicht als Bonds klassifiziert – das könnte auch noch den Unterschied bedeuten.
      .
      Vielleicht kann der Autor das ja noch etwas genauer spezifizieren.

  6. oli s. sagt:

    @Neihaus: Der nächste (interessante) Artikel sollte über die Verluste sein, welche die EZB macht, wenn sie die teuer gekauften Staatsanleihen bis zum Schluss hält. Ergo Staatsanleihen über Nominalwert kaufen und Rückzahlung zum Nominalwert. Wenn ich das richtig sehe, gibt es hier nur einen Gewinner, die “schlechten” EU Länder wie Spanien, Italien etc. welche ihre Anleihen (vorher noch Ramsch) praktisch zu Null-Zinskosten plazieren können. Die Banken und Sparen machen mit den Minuszinsen nur Verluste und auch die EZB (siehe oben).

    • Marcel Senn sagt:

      Oli S. Die EZB hat in ihrer Bilanz auf der Passivseite Schwankungsreserven von akt. 346 Mrd € plus dann noch ein Eigenkpapital von 98 Mrd € — etwas spatzig hat es da schon noch.
      Zudem in den Aktiven noch Gold für 338 Mrd. und die Anleihenankäufe machen bisher “erst” 1.3 Bio aus plus noch LTRO’s für 0.5 Bio

      https://www.ecb.europa.eu/press/pr/wfs/2016/html/fs160308.en.html

      Gut wenn dann das neue Programm 2017 ausläuft, dann könnte es etwas schwieriger werden, allerding haben die neuen Bondemmissionen nicht mehr eine massiv höhere Marktwertbewertung vs. Nominal – das reduziert das Risiko auch wieder.

    • Staatswissenschaftler sagt:

      1. Falls die EZB einen Verlust einfahren sollte, ist dieses – zumindestens kurz- und mittelfristig – zu vernachlässigen. Zur Not kann die EZB auch mit negativem Eigenkapital arbeiten. Da aber die Verluste, soweit sie aus den momentanen Handlungen auftreten sollten, aus den aktuell vorhandenen Reserven gedeckt werden können, ist auch dieses kein akutes Problem.

      2. Und zur Not werden die Staatsanleihen mit einem 50-100-jährigen Rückzahlungszeitraum in die Bilanz aufgenommen.

      3. Last but Not least: solange innerhalb der EU keine fiskalische Hilfe zur Nachfrageerhöhung geschaffen wird, bleibt die EU in der Stagnation.

      • Marcel Senn sagt:

        Staatwissenschaftler: Ich weiss, dass eine ZB auch mit neg. EK weiterexistieren kann, auch auch da gibt es Limiten – das neg. EK dürfte nicht über die Menge der Banknoten in Zirkulation von akt. 1.065 Bio € (s. Bilanz oben) übersteigen, sonst bekommt sie Liquiditätsprobleme gegen über den anderen Gläubigern.
        .
        Oder sie müsste dann wirklich massig €-Scheine drucken – auch wenn ironischerweise alle vom Bargeld wegwollen.
        Denn wirklich Geld physisch drucken (was sie aktuell gar nicht macht, auch wenn alle von “Geld drucken” reden) ist das die einzige Möglichkeit wirklich neues quasi Vollgeld (also ohne Schulden drauf (ausser dem neg. Eigenkapital in dem Falle) ) rauszugeben..

    • massimo leonardi sagt:

      was heisst hier die “schlechten Länder” Spanien,Italien?sie haben nicht viel Ahnung in Sachen Finanzen. Mit Italien haben wir gutes Geld verdient,vor allem in Zeiten der Lira, sie konnten die 10-12% Zinsen immer bedienen, nicht wie z.B.Argentinien wo man mit einem Bankrott rechnen musste.Italien hat eine breit abgestützte Industrie,von Hightech,Luxus über Schiffsbau, Rüstung,Flugzeugbau(Alenia)usw.Man macht es sich sehr einfach wenn man nur die Staatsfinanzen beachtet.Die CH steht von den Staatsfinanzen gut da,dafür ist die Grossindustrie praktisch weg,nur noch die Chemiebranche lebt gut,wir im Exportbereich leiden sehr.Dazu steigen die Staatskosten stetig,schon nur um den CHF Kurs zu…

      • Marcel Senn sagt:

        Massimo: In Argentinien ist der Zinssatz letzte Woche sogar auf 37% gestiegen (in Pesos) – die können das auch bezahlen in Pesos (mit der entsprechenden Inflation).
        Italien hat nun mal keine Lira mehr, kann also auch nicht mehr abwerten – gut immerhin haben sie mit dem € jetzt eine Devise und keine Schwachwährung mehr – können also wegen Devisenknappheit wie 2001 Argentinien nicht bankrott gehen.
        Und mit über 132% Schulden, Budget Defiziten seit Jahren, stagnierendem bis abnehmendem BIP-Wachstum weiss der Italiener Draghi sehr wohl wie er der Heimat am besten helfen kann — eben mit Bondaufkäufen und massiven “Zinssubventionen” für Italien.

  7. will williamson sagt:

    “…über die Platzierung der Schuldtitel braucht sie sich keine Sorgen zu machen, existiert doch de facto eine Abnahmegarantie. Das sind Anreize für eine staatliche Verschuldungspolitik und für eine Entwicklung, bei der das Gewicht öffentlicher Schuldtitel in den Bankbilanzen wächst.”
    Wo liegt jetzt der Unterschied zur direkten Finanzierung durch die Notenbanken?

    • Josef Marti sagt:

      Gar kein Unterschied. Wirklich beklagen können sich die Banken nicht, schliesslich haben sie auf der anderen Seite nach dem Ausbruch der Eurokrise von umfangreichen Bankenmästungsprogrammen profitiert als es noch 7% und mehr gab für südeuropäische Anleihen. Diese konnten laufend bei der EZB entsorgt werden was deren Kursabfall und Zinsanstieg mittelfristig eindämmte, auf der anderen Seite lange Notenbankkredite ohne nennenswerte Sicherheiten praktisch zum Nulltarif; für eine schöne Zeit also de facto gratis Subventionen. Und da soll mir noch einer sagen dass es sich da nicht um einen überdimensionierten staatlichen Monopolbetrieb mit parasitär gemästeten Staatsbeamten handelt.

      • Linus Huber sagt:

        Kein Widerspruch von meiner Seite, sondern ein Lob für die markigen Worte, welche einen Bereich der Vetternwirtschaft ansprechen. – 🙂

  8. Kristina sagt:

    Ich frage mich ehrlich gesagt auch wann die EZB eine Vermisstenanzeige für den EU-Vorsitzenden emittiert.

  9. A. Koch sagt:

    Der Elefant im Porzellanladen sind doch die ca. 1 Billiarden (10^15) USD Derivatverträge (+ d. shadow banking systems i.A.), wovon ein grosser Teil durch die grössten 5 US Banken sowie Deutsche Bank gehalten werden. Mit diesen Derivaten wird u.a. das ganze System manipuliert, etwa die Hälfte davon sind selbst zinsabhängige Derivate. Da brauch es viel, SEHR VIEL, collateral, welcher eben meist auch wieder solche “sicheren” Staatsanleihen sind (wie pervers !). Stiege der Zins, so würde der Wert dieses “collaterals” drastisch Abnehmen und das ganze Kartenhaus in sich zusammenfallen. Die Negativzinsen sind auch “toll” für die Staaten Neuverschuldung mit nominal garantiertem Gewinn.

    • Markus Ackermann sagt:

      @Koch
      1. Richtig gesehen
      (Die 10^15 scheinen mir noch zu hoch. Aber auch ich finde die Brutto-Betrachtung richtiger als jede Netto-Betrachtung).
      – Darum Negativzinsen,
      – darum lower for longer.
      2. Wie kommen wir von den Derivaten runter?
      -> Sollen sie einfach auslaufen und nicht mehr erneuert werden?
      -> Würde dann aggregiert bzw.per Saldo wirklich “nichts” passieren?
      -> Dann hätten die Derivate ja auch heute kaum (volkswirtschftlich positive) Effekte: Ich glaube nicht an ein Null-Summen-Spiel.

      • A. Koch sagt:

        Die 1 B Zahl ist schon in der richtigen Grössenordung (ca. 16x das Weltwirtschaftsprodukt eines Jahres, Deutsche Bank alleine hat ca 70x 10^12). Fürher war es mal 1.4 B, dann wurde die “Berechnung” durch den IMF angepasst und schwupps waren es nur noch .7 B (HAHAHA). Wie auch immer, die Negativzinsen werden am Ende zum Zusammenbruch des Systems führen (-> Antwort auf 2. ? ) und ich erwarte dass dann BIZ und IMF einschreiten werden… Wird interessant sein, wie das unsere “Obrigkeit” “lösen” wird … More of the same für nochmals 10, 20 Jahre? Ich denke nicht – wir schrubben schon jetzt am Rande einer globalen Rezession/Depression und 1% besitzen schon jetzt weit mehr als die Hälfte.

        • A. Koch sagt:

          Laut usdebtclock.dot.org ist die Zahl der Währung- und Kreditderivate alleine in den USA 455 Billionen USD, momentane Tendenz: leicht fallend (aber immer noch 5x höher als im Jahre 2000).

      • Anh Toàn sagt:

        @Markus Ackermann “Aber auch ich finde die Brutto-Betrachtung richtiger als jede Netto-Betrachtung).”

        Ich finde, zumindest wenn eine Bank gleichzeitig Calls und Puts hält, z.B. selber ausgegebene, ist eine Netto Betrachtung doch angebracht? Ich kenne keine Bankbilanzen, aber da scheint es mir kein Risiko zu geben.

        • Stefan Wiesendanger sagt:

          Das Problem ist das Gegenparteienrisiko. Anschaulich am Beispiel einer Hypothek: Als Bauherr habe ich den Vertrag ist abgeschlossen, das Haus aber noch nicht gebaut. Wenn die Bank hopps geht, ist mein Kontoguthaben weg, die Schuld besteht aber in der Konkursmasse weiter. So kann es nicht nur mir als Kunden, sondern auch Banken untereinander ergehen. Wenn der Absicherungskontrakt nicht auszahlt, wird meine Netto-Exposure zu einer Brutto-Exposure.

          • Marcel Senn sagt:

            PS: Wenn ein kleinerer Meteorit z.B. ganz New York City vernichten würde, dann wären alle unsere Versicherungsgesellschaften inkl. der Rückversicherer auch subito pleite – soviele Rückstellungen kann keiner machen.

        • Stefan Wiesendanger sagt:

          Risiken können am Schluss nur mit Eigenkapital aufgefangen werden. Deswegen bauen Versicherungen über die Jahre riesige Risikovorsorge-Kapitalien auf, die sie richtigerweise als eine Art treuhänderisch zu verwaltendes Eigentum ihrer Kunden sehen. Oder es gibt eine externe Haftung wie bei den “Names” von Lloyds. Unter Derivate-Playern sehe ich nirgends einen ansatzweise genügenden Aufbau von Eigenkapital. Auch nicht bei den mitspielenden Versicherungen (zur Erinnerung ein Wort: AIG).

          • Marcel Senn sagt:

            Wiesendanger: Die AIG hatte sicher genügend Rückstellungen auf Ihren CDS Positionen für den Normalfall!
            .
            Nur kamen dann 2008 Ereignisse (ein schwarzer Schwan), die die AIG in deren Risikomodellen mit einer Wahrscheinlichkeit in der Grössenordnung “von einmal in einer Mio Jahre” bewerteten und dann langte es natürlich hinten und vorne nicht mehr.
            .
            Ueberhaupt fast alle Banken damals hatten einfach in ihrem Modellen solche Ereigisketten in einem solchen Ausmass damals nicht vorgesehen und darum konnten sie sich vor dem Untersuchungsausschuss auch noch rausreden wie kleine Schulbuben…

          • Linus Huber sagt:

            “ein schwarzer Schwan”

            Es handelte sich einzig um einen “schwarzen Schwan”, wenn man einer fehlerhaften Doktrin unterliegt. Der Punkt, welcher Stefan anspricht, hat definitiv seine Berechtigung. Aber eben, anstatt das Anreizsystem derart zu korrigieren, dass die Erhöhung des Risikokapitals (Eigenkapitals) sich als vorteilhaft erweist, wird genau das Gegenteil betrieben, wodurch nun fast jede Firma ihre Eigenkapitalquote zwecks Steigerung des EPS reduziert. Wenn es nicht den Fakten entspräche, wäre es schwierig, sich solch idiotisches Verhalten der Entscheidungsträger vorzustellen.

      • Josef Marti sagt:

        Spekulieren verbieten ist ja wohl nicht sehr sinnvoll. Natürlich ist es immer ein Nullsummenspiel, die Börse ist immer ausgeglichen, der eine gewinnt’s der andere verlierts, Wertschöpfung Null abgesehen von den Transaktionskosten, denn die Börse gewinnt immer im Casino. Fehlerhaft ist das Anreizsystem wonach die monopolistische Finanzwirtschaft stets ein garantiertes Sicherheitsnetz hat. Dies betrifft hauptsächlich Risiken aus ausserbörslichen OTC Geschäften mit Kredit- und anderen Derivaten wo das Kontrahentenrisiko nicht mit Sicherheitsleistungen auf die Börse abgewälzt wird. Die Risiken daraus können nach oben offen sein ohne dass sie in irgendeiner Bilanz zurückgestellt sind.

        • Markus Ackermann sagt:

          @Marti
          1. “Natürlich ist es immer ein Nullsummenspiel”. Ja, das ist die mathemat. Logik
          2. In der Theorie gibt es keinen Unterschied zw. Praxis und Theorie.
          In der Praxis schon!
          Denn die Theorie arbeitet mit Modellen, um die Komplexität zu vereinfachen. Und damit grenzen die Modelle die Realität aus.
          Wie befreit sich ein Mathematiker aus dem Gefängnis?
          Nicht durch eine Urteilsrevision oder eine gewalttätige Befreiung.
          Er macht dies viel “eleganter”: er definiert “innen” als “aussen”.
          Ich vermute, wir sollten genauer hinschauen bei den Zweit- und Drittrunden-Effekten.
          Ein Bsp dafür sind die von Ihnen genannten Risiken ausserhalb der Bankbilanzen, namentlich bei…

      • Marcel Senn sagt:

        Ackermann: Brutto Betrachtung bei Derivaten ist Schwachsinn – das bringt überhaupt nichts, verwirrt die Leute nur wie z.B. Herrn Koch, die dann tatsächlich meinen wir hätten ein mehrhundertfaches Billionenrisiko.

        Zudem sind eh alle Zahlen positiviert, das macht sie noch bigger — siehe Abhandlung unten der BIS wie man Derivatestatistiken richtig liest.

        Ich hatte das Vergnügen solche der FiNMA abliefern zu müssen und weiss wovon ich rede.
        Habe es hier in NMTM schon x mal erklärt – dese Werte kann man vom Risiko her alle eindampfen.
        Das Problem bei Derivaten sind Dominoeffekte durch starke Verstrickungen von grossen Playern.

    • Marcel Senn sagt:

      Ihr habt einfach allesamt keine Ahnung von Derivatestatistiken, weil ihr nie eine solche machen musstet.

      a) Bei der angeblichen Billiarde (gemäss BiS sind es “nur” 552 Bio OTC) handelt es sich um die Notional Werte, die alle positiviert sind, da heisst 100 Mio plus und 100 Mio Minus gibt dort 200 Mio und nicht Null.
      b) Der Gross Markte Value ist viel tiefer – nämlich um den Hebelfaktor von akt. 36 dividiert noch 15.5 Bio $
      c) Relevant ist aber fürs Risisko das Gross Credit Exposure und der beträgt akt. etwa 3 Bio $

      http://www.bis.org/statistics/d5_1.pdf

      • Marcel Senn sagt:

        Für die die es genau wissen wollen wie man eine Derivatestatistik liestt hier noch die Anleitung dazu.

        http://www.bis.org/publ/otc_hy1511.pdf

        Aus Seite 3 oben wird eben auch noch der Gross Credit Exposure von aktuell 2.9 Bio erwähnt, diese ist die systemrelevante Risikogrösse und nicht Billiarden und so Unsinn.

        • Herbert Schmucki sagt:

          Na ja, immer noch 3000 Milliarden oder etwa das Sechsfache des CH-BIP.

          • Marcel Senn sagt:

            Schmucki, Die CH ist ja bei dem Vergleich kein echter Masstab (es wären eh nur ca. das 4.6fache des CH BIP).
            Vom Welt-BIP von aktuell um die 80 Bio sinds in etwa 3.75%.
            .
            Ich behaupte nicht die seien völlig harmlos – in unglücklichen Verkettungen wenn mehrere Markteilnehmer pleite gehen, kanns durchaus kritisch werden.
            .
            Und was ebenfalls meist vergessen geht, sind die täglichen Margin Calls – entweder man muss Geld nachzahlen oder man bekommt Geld — so sind die Derivate immer à Jour und ein Blasenrisiko wird vermieden.
            Gut bei Extremereignissen kann es auch so noch für gewisse Marktteilnehmer kritisch werden, wenn der Margin Call die Portokasse sprengt.

        • Marcel Senn sagt:

          Nachtrag: Ich habe auf verschiedenen Seite (ua. Zero Hedge) auch schon die Zahl von 1000 bis 1500 Billionen total ausstehender Derivatenotionals gelesen, aber bisher noch nie eine vernünftige Statistik gefunden, wie sich diese Werte zusammensetzen sollten – ich habe daher das Gefühl, das sind eher irgendwelche Phantasiezahlen im Gegensatz zur BIS OTC Statistik.
          .
          Und wenn Citibank als einer der grössten Player 70 Bio Notionals hat, Deutsche Bank glaub 50 Bio $ etc scheinen mir die 552 Bio plausibel, denn soviele grosse Derivateplayers gibt es weltweit auch nicht.
          .
          Und eben es wird nichts so heiss gegessen wie es gekocht wird – mit Derivaten kann man auch Panik schüren 🙂

  10. Zopolan sagt:

    Ich weiß nicht, wie es mit dem zu Grunde liegenden Paper aussieht, aber dieser Artikel enthält keinen Beleg dafür, dass Druck, “moral suasion” oder was auch immer auf die Banken ausgeübt wird.

    • Anh Toàn sagt:

      Das zu Grunde liegende Papier sagt in der zusammenfassenden Einleitung, mehr habe ich nicht mehr gelesen: “Points to…”. Hier wird das dann dargestellt fast als Beweis, nur was eigentlich bewiesen ist, welche Tatsachen, individuell konkrete Ereignisse, ja, das weiss man nicht. Es ist bewiesen, da war was.

  11. Josef Marti sagt:

    Wo ist das Problem. Die Banken haben ja die selbe Abnahmegarantie bei den Notenbanken. Die Fed hält 50% der US Staatsschulden, in Japan sind es sogar 70%. Das ganze System kann nur auf unbestimmte Zeit gestützt werden wenn die Staatsschulden brav weiter monetisiert werden, das muss ja gemäss Lehrbuch irgendwann einmal endlich die gewünschte Hyperinflation bringen, nur wird es dann zu spät sein weil die Fiat Währungen kaputt gemacht werden und sich die PK Vermögen in Luft auflösen.

    • Marcel Senn sagt:

      Unsinn Marti: Die FED hält aktuell Staatspapiere (inkl Agency Papiere von Freddie Mac und Fanny May) von 4.4 Bio $ — das sind nicht mal 25% der aktuellen Staatsschulden von rund 19 Bio $.
      .
      Bei Japan mit einer Bilanzsumme von aktuell 3.5 Bio stimmt ihr Wert in etwa (in den Aktiven hat es ja nicht nur Staatspapiere)

      http://www.yardeni.com/pub/peacockfedecbassets.pdf

      Auch mit der Hyperinflation liegen Sie falsch — diese gab es nämlich historisch gesehen fast immer mit Papiergeld (z.B. 1921-23) also echtem Papier, das man notfalls auch zum heizen brauchen kann, wenn es günstiger ist als Brennholz.
      .
      Digitalgeldinflationen gibt es historisch betrachtet noch kaum

      • Marcel Senn sagt:

        Oder im alten Rom mit der Münzpanscherei mit einem abnehmenden Edelmetallgehalt in den Münzen, was ja des öfteren praktiziert wurde um all die Soldaten und sonstig Kosten zu begleichen.
        .
        Die erste Digitalgelinfaltion dürfte uns erst noch bevorstehen, aber Hyperinflation wird es keine geben.
        Sollte sich die Wirtschaft tatsächlich mal erholen, dann können EZB etc all die Bonds ja dann wieder auf den Markt werfen (der Kursverlust wird ja dann die EZB abbuchen) und so die Geldschwemme wieder partiell rückgängig machen – theoretisch zumindest.
        Es gibt übrigens keine wissentschaftlich erwiesenen Zusammenhänge zw. hoher Geldmenge M3 und Inflation im Gegensatz zu Geldmenge M0 und Inflation.

        • Marcel Senn sagt:

          Oder genauer ausgedrückt: Grosse M3 Geldmengen tendieren eher zu einer Asset-Inflation, während verhältnismässig grosse M0 Geldmengen des öfteren Consumer Price Inflations provozierten.

  12. Anh Toàn sagt:

    Wenn Staatsanleihen für inländische Banken als risikolos gelten, für die ausländischen Banken aber nicht, sind doch Staatsanleihen für inländische Banken attraktiver, und zwar je schwieriger die Vergabe für den Staat ist, umso mehr.

    Ich wüsste nicht, wozu da noch Druck von Regierungen auf inländische Banken notwendig wäre, um Staatsanleihen zu kaufen.

  13. Anh Toàn sagt:

    Also die Regierungen sagen den Banken: Kauft unsere Staatsanleihen, oder….

    Ja, oder was?

    Was machen die Regierungen, wenn sich die Banken nicht deren Druck beugen? Welchen Hebel benutzen Regierungen, um die inländischen Banken zu zwingen?

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