Logo

Europas Kriechgang

Tobias Straumann am Mittwoch den 2. März 2016
(Keystone/Mario Vedder)

Spekulationen ins Blaue: Die grosse Unsicherheit an Europas Finanzmärkten drückt auf die Kurse. (Keystone/Mario Vedder)

Seit Anfang Jahr herrscht an den Finanzmärkten grosse Unsicherheit. Niemand weiss, wohin die Reise gehen wird. Also versuchen viele, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen oder abzuwarten. Das drückt auf die Kurse.

Es sind allerdings nicht nur die Börsenkurse, sondern auch die neusten Wirtschaftsdaten, die Anlass zur Sorge geben. Vor allem in Europa sieht es weniger gut aus.

Die Industrieproduktion schrumpfte im November um 0,5 Prozent und im Dezember um 1,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der verhaltene Aufschwung, der 2014 einsetzte, scheint schon wieder vorbei zu sein. Besorgniserregend ist vor allem, dass die Abschwächung flächendeckend ist: Alle grossen europäischen Länder haben einen markanten Rückgang erlitten.

Bild1

Natürlich sind zwei Monate eine kurze Frist. Aber wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Ölpreis seit längerem tief ist und die Europäische Zentralbank (EZB) aus allen Rohren schiesst, muss man die Zahlen durchaus ernst nehmen.

Wo liegt das Problem?

Zuallererst liegt es an der Währungsunion selbst, das heisst an den oft beschriebenen strukturellen und politischen Widersprüchen (hier ein paar Artikel). Die oben abgebildete Grafik zeigt eindrücklich, dass die Industrieproduktion seit fünf Jahren (!) stagniert – Europa kommt nicht aus dem Loch. Eine solch enttäuschende Wachstumsphase lässt sich nicht allein auf konjunkturelle Sonderfaktoren zurückführen. Die Gründe liegen tiefer.

Bei der jüngsten Verlangsamung scheint aber noch etwas anderes mitzuspielen, wie ein Ökonomenteam vermutet (hier). Offenbar schwappt die lahmende US-Konjunktur auf die Eurozone über, nachdem die Finanzkrise und die Eurokrise zu einem Auseinanderdriften der beiden Wirtschaftsräume geführt haben.

Die folgende Grafik zeigt, wie der Abstand zwischen der US-Konjunktur und der Eurokonjunktur wieder kleiner geworden ist. In Zukunft, so die Behauptung, dürfte die Eurokonjunktur wieder der US-Konjunktur folgen – jeweils mit einer Verzögerung von ein paar Monaten. Die schraffierten Flächen markieren die Rezessionen (rot: USA, blau: Eurozone). Die durchgezogenen Linien sind die GDP-Prognosedaten.

 

Das mag eine banale Einsicht sein, ist aber vor dem Hintergrund der Diskussion der vergangenen fünf Jahre bemerkenswert. Als die US-Finanzkrise ausbrach, war vielerorts die Rede von einer Entkoppelung. Einige glaubten, die Schwellenländer stünden nun auf eigenen Beinen, andere prophezeiten einen geldpolitischen Alleingang Europas.

Das scheint nun immer unwahrscheinlicher zu sein. Es gelten offenbar immer noch die alten Abhängigkeiten, und die USA sind immer noch das Zentrum der Weltwirtschaft.

« Zur Übersicht

35 Kommentare zu “Europas Kriechgang”

  1. […] eine deutliche Ernüchterung breit gemacht. Mit Bezug auf die Industrieproduktion war das bereits Thema von Kollege Tobias Straumann. Das zeigt sich auch beim Wirtschaftswachstum. Während dieses gemessen am Bruttoinlandprodukt […]

  2. Marcel Senn sagt:

    Und wie sieht es denn aus mit dem “Swiss Kriechgang”?

    Zu den Kosten eines möglichen Wegfalls der Bilateralen kommen von KOF, BAK, Economiesuisse, Ecoplan und einem Weltwoche Journi gleich mehrere Studien raus.
    .
    Wie schon klar ist hat der Weltwochejourni die besten Resultate für die Auswirkungen zw. 2018 und 2035 – sein Best Case Szenario sieht sogar einen möglichen Gewinn durch einen Wegfall der Bilateralen von ca. 175 Mrd Fr. – sein Worst Case liegt allerdings auch bei rund 340 Mrd, Economiesuisse sieht sogar 700 Mrd Kosten innert 18 Jahren.
    .
    Der WW Journi hat einfach die Basis der anderen Studien etwas schöngerechnet, dass rauskommt was Köppel will -könnte ein teurer Spass…

    • Stefan Wiesendanger sagt:

      Die Studien rechnen meist mit einem ersatzlosen Wegfall der Bilateralen. Ein kompromissloses Wachstumsprogramm “Swiss Excellence” sähe aber so aus:
      Kündigung der Bilateralen, freie Rekrutierung weltweit für alle Schweizer Firmen, Abschaffung aller flankierender Massnahmen, unilaterale Anerkenung der EU-Produktnormen in der Schweiz. Kein Stromabkommen mit der EU, dafür freier Einkauf durch CH-Stromverteiler im Überschussmarkt Europa bei Streichung aller Subventionen im Inland – das Netz müsste enorm ausgebaut werden, dafür sterben allen unrentablen Produktionsformen im Inland. Wetten, dass so die Schweiz jedes andere Land in Europa punkto Wachstum weit in den Schatten stellt?

      • Marcel Senn sagt:

        Schön wärs ja — Sie beschreiben hier den Idealfall — nur der tritt ganz selten ein!
        .
        Schauen Sie sich doch nochmals die Zahlen an zw. 1993 bis 2003 — schlappe 7.7% BIP pro Kopf Wachstum hatte die CH innert 10 Jahren! Und beim Exportwachstum in die EU waren wir auch ganz am Schluss.
        Auch damals wurde die EWR Abstimmung vor allem dank einer Lüge Blochers mit 50.3% gewonnen — genau wie 2014 bei der MEI ebenso 50.3% und wieder mit einer Lüge Blochers (Die Bilateralen sind nicht gefährdet)
        .
        Solche Parallelen lassen mich eher Ungemach erwarten, denn ungebremste “Swiss Excellence”

        https://www.vimentis.ch/d/dialog/readarticle/ewr-nein-fehlentscheid-mit-fatalen-folgen/

        • Linus Huber sagt:

          Kleine Randbemerkung:

          Ist dies die Zeit, während welcher sich aufgrund der einheitlichen Geldpolitik mitunter die hohen Ungleichgewichte innerhalb der EU aufzubauen begannen, deren grundlegende und noch ausstehende Lösung die Situation in einem neuen Licht erscheinen lassen mag?

        • Stefan Wiesendanger sagt:

          Die Zahlen sind mir bekannt. Ich ziehe aber andere Schlüsse daraus als Sie, ich bin mehr auf der Linie von Ulrich Kohli, Uni Genf und SNB (https://www.snb.ch/en/mmr/speeches/id/ref_20050304_koh/source/ref_20050304_koh.en.pdf). Der von Ihnen zitierte Vimentis-Artikel krankt daran, dass er Korrelationen mit Kausalitäten gleichsetzt. Die 90er waren aus meiner Sicht Folge einer Immo- und Schuldenkrise zeitgleich und teilweise vergleichbar mit Japan und Schweden. Der Boom der 00er war v.a. einem unterbewerteten CHF und begleitend Teil-Liberalisierungen in Diensten, Telco, Post, Strom und Agrar geschuldet. Den heutigen Acquis der Bilateralen sehe ich als in Grunde gleichwertig mit dem EWR und…

        • Stefan Wiesendanger sagt:

          … Und unnötig. Genauer: EWR und Bilaterale (kurz: EU) stehen über der Verfassung. Die direkte Demokratie wird ausgehebelt. Glauben Sie weder SVP noch ihren Gegnern, lesen Sie die Quellen und sprechen Sie mit Institutionen und Politikern in Europa. Die Gefahr für das Wachstum erwächst aus 2 Gründen. Kurzfristig wirkt EU liberalisierend. Langfristig nicht, denn 1/ ist die Schweiz ist No.1 punkto Rahmenbedingungen. Automatischer Import kann keine Nivellierung nach oben bewirken. Und 2/ “flankierende” Kompensationen im Innern senken das Potentialwachstum. EU ist also schädlich, aber auch unnötig. Die wesentlichen Vorteile der Bilateralen (Liberalisierungen à la PFZ) sind auch unilateral zu…

          • Marcel Senn sagt:

            Wiesendanger: Schon im Okt 1989 gab es einen Bundesratsbeschluss gegen die Bodenspekulation, 1991 dann die Bankenpleiten und bis 1996 mussten dann 42 Mrd Hypotheken abgeschrieben werden – davon der Grossteil in den Jahren 1991-93 – also vor dem EWR. Dessen Auswirkungen kamen zeitversetzt nachdem die Immokrise einigermassen verdaut war – nämlich ab 1996/1997 gings mit der A L rauf um dann 1998 ua. dank Dotcom wieder stark sank.
            Diese Unterscheidung BIP/BNE weiss nicht auf was Kohli da rauswill – die CH mit einer aktuellen NIIP von 4.1 Bio vs -3.6 Bio CHF – da gibts halt viel Transfers aus Vermögenserträgen – aber die CH hat auch 1591 Mrd external Debts gem. SNB

          • Marcel Senn sagt:

            Nachtrag: Dass Prof. Kohli die SNB Geldpoltik so vehement verteidigt erstaunt eigenlich nicht. Meines Erachtens war sie zu knapp und hat die EWR Folgekrise ab 94/95 noch verschärt. Die SNB hat sich diesbezüglich zu stark auf die Immokrise focussiert um dort die Luft rauszulassen.
            Habe das damals alles live mitbekommen – Wertzerfall, Hochzinspolitik, Inflation aber ab 1994 hätte die SNB ruhig etwas offensiver sein können.

          • Stefan Wiesendanger sagt:

            @Senn: der Kern von Kohli ist nicht BIP/BNE – er sagt nur en passant, dass Vermögenserträge auch zum Wohlstand beitragen. Sein Kern ist, dass das BIP systematisch unterschätzt wird (ca. 1% p.a.). Am stärksten wegen eines Terms of Trade Effekts (0.4% p.a.). Die 90er waren nicht so schlecht. Mein Kern ist, dass die Bilateralen kaum einen Effekt gezeitigt haben, die Flankierenden aber langfristig dem Wachstum signifikant schaden. Und dass PFZ und Produktnormen auch unilateral zu haben sind.

          • Marcel Senn sagt:

            Wiesendanger: Habs mal schnell auf der BfS Seite nachgerechnet. BIP von 1995 bis 2015 11.03 Bio CHF, das BNE war 11.358 — also 2.9% des BIP Gesamtbetrages von 1995/2015 – sind 0.14% pa.
            .
            Und wo bitte soll denn diese ominösen 1%pa fehlen – das waren damals rund 4 Mrd pro Jahr
            http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/04/02/01/key/bip_gemaess_produktionsansatz.html
            http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/04/02/01/key/bip_nach_verwendungsarten.html
            http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/04/02/01/key/bip_nach_einkommensarten.html

            Im Produktionsansatz, im Verwendungsansatz od. nach EK-Arten.
            Dieses eine % pa müssen Sie mir konkret aufzeigen!

  3. Linus Huber sagt:

    Wie genau soll eine Entkoppelung stattfinden, wenn sämtliche Zentralbanker das Programm der John Law School of Economics anwenden? Es war noch nicht sehr lange her, dass die gegenwärtigen geldpolitischen Programme von Ökonomen als lächerlich bezeichnet worden wären, denn man kannte den Unterschied zwischen Geld und Wohlstand.

    • Linus Huber sagt:

      Aber bleiben wir schön ruhig und folgsam, denn die nächste Krise wird definitiv dazu genutzt werden, die Macht einer sich abzeichnenden Oligarchie mit all den immer mehr werdenden gut versorgten und vom gemeinen Volk finanzierten Bürokraten weiter auszubauen, natürlich zum Wohle der Gesellschaft.

      • Stefan Wiesendanger sagt:

        In der Schweiz dürfen wir noch auf funktionierende Korrekturmassnahmen bauen. Der Druck bei Sozialausgaben, Renten, Immigration wächst, dürfte aber kaum völlig aus dem Ruder laufen.

        • Linus Huber sagt:

          @ Stefan

          Richtig, die Schweiz ist eben aufgrund der direkten Demokratie doch eher als Sonderfall einzustufen.

    • Stefan Wiesendanger sagt:

      Well said.

  4. Martin sagt:

    Frei nach Konrad Adenauer: “Was geb´ ich auf mein Geschwätz von gestern”. Der gefühlt hundertste Beitrag über die Fehler der Währungsunion wird einmal mehr widergekäut, weil der sogenannte Wirtschaftsblog so gern über die Fehler der Währungsunion schreibt. Was ist denn mit dem katastrophalen Start der Börsen weltweit am Jahresanfang, gerade mal 60 Tage her? Der hatte seinen Grund in den erschreckend schwachen Daten und dem starken Wirtschaftsabschwung der Chinesen und hatte rein gar nichts mit der europäischen Währungsunion zu tun. Der Ölpreis ist in China genauso tief und die chinesische Zentralbank schießt auch aus allen Rohren. Der Rest sind Vermutungen und bunte Linien…

  5. Hofstetter Christian sagt:

    Europa wird noch weniger Wachstum haben, wenn die Grenzen dicht gemacht werden und Schengen endgültig fallen sollte. Dies wäre vielleicht in den Staaten, die Grenzzäune errichten, einen Gedanken wert. In Deutschland hat sich eine eigentliche Flüchtlingsindustrie gebildet. Unter anderem müssen in den nächsten Jahren 500000 neue Wohnungen gebaut werden. Flüchtlinge kosten nicht nur, sondern generieren auch eine Menge Arbeitsplätze. Interessant ist, dass die Oststaaten mit am meisten Subventionen von Brüssel erhalten und trotzdem nicht bereit sind, einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Und die Löhne sind in den Oststaaten zum Schreien. In der Slowakei verdient ein Professor 1100.00 Euro.

    • Josef Marti sagt:

      Das ist für den Flüchtling viel zu wenig weil EMRK widrig, deshalb geht er nach D oder S wo’s mehr gibt.

  6. will williamson sagt:

    Der biblische Joseph hat in Ägypten in den sieben fetten Jahren die Speicher gefüllt um in den sieben mageren Jahren davon zehren zu können. Keynes hat ja das mit etwas anderen Worten auch empfohlen. Nur hat sich niemand daran gehalten. Um davon abzulenken sagen sie jetzt, die Keyneschen Rezepte würden eben heute nicht mehr funktionieren. So kann man es auch machen, sollte sich dann aber über die Ergebnisse nicht wundern!

  7. Robert Schuman sagt:

    Europa’s Wachstum ist immernoch viel mehr als das anderer Wirtschaftsmächte exportgetrieben. Im Vergleich zu den Exporten von China oder den USA ist die EU ein wahrer Exportgigant. D.h. aber auch, dass globale Veränderungen eben Europa mehr betreffen. Ausserdem kann sich Europa nicht von allem entkoppeln. Die Schwellenländerkrise, die China-Krise und jetzt wachsen die USA bereits langsamer als Europa.

  8. Kristina sagt:

    Was so ein paar Verträge bewirken können, noch nicht mal öffentlich geschweige denn unterschrieben. Da überlege ich mir auch wie ich meine Analysentools anpassen soll. Überall wird konsolidiert. So lange das warme Wetter anhält und das Glück ohne Starkregen auskommt warte ich getrost die neuen Rahmenbedingungen ab und widme mich dem innovativen Nachdenken über die Optimierung.

  9. Peter Vögeli sagt:

    Ein Aspekt davon : Aus entwicklungshistorischer Perspektive haben die Märkte einen Peak überschritten. Natürlich nicht in linearer Kurve und bei Weitem nicht abgeschlossen. – Ablesen lässt sich, dass »reiche Märkte gesättigt« sind, kommende Generationen der Massenmaterialität weniger bedürftig, weniger an einem Leben in Gegenständen interessiert. An dessen Stelle steht die virtuelle Materialität. Schon Heute beispielsweise wollen nicht mehr alle ultimativ ein Auto haben, Möbel werden flexibel, Bücher obsolet, ersetzt durch Bewegungsraum, Smartphones und gute Verbindungsnetze. Märkte zwar die durch Innovation weiterhin unendlich wachsen werden, doch nicht weiter in alter Materialität. Dort…

  10. Josef Marti sagt:

    Diese Situation kennen die Japaner bereits seit bald 25 Jahren. Eigentlich ist es ein Paradies für Rentner und Subventionsempfänger sowie für jene die nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen (was aber nicht allzu viele sein dürften). Die Kaufkraft des Konsumenten wäre nämlich höher als in Wachstums und Inflationszeiten, trotzdem bleibt die Nachfrage wegen ängstlicher Erwartungshaltung (Lohndruck, Existenzangst) zurückhaltend. Nach der chinesischen Ernüchterung stehen alle Anzeichen auf Postwachstumsgesellschaft wie von Piketty beschrieben, dh. steigende Gewinnquote und gesamtwirtschaftliche Profitrate.

  11. Roman Meier sagt:

    Jedem Mensch, der einigermassen logisch denken kann, leuchtet ein, dass es kein immerwährendes Wirtschaftswachstum geben kann. Davon ausgenommen sind selbstverständlich die Propheten unserer Wachstumsreligion. Zum Glück gibt es kein unaufhörlliches Wachstum! Man stelle sich im anderen Fall nur mal die ökologischen Folgen für unsere globale Umwelt vor!

    • Stadelman Reto sagt:

      Diese will ich nicht unkommentiert stehen lassen. Definieren sie Wachstum erst einmal. In dieser Diskussion gehen nämlich immaterielle Güter IMMER WIEDER vergessen! Wissen Forschung und Entwicklung haben ein enormens Potential. Und mit diesen Dingen ist auch das Wirtschaftswachstum nicht mit den Grenzen unserer natürlichen Ressourcen gleichzusetzen. Ich gebe ihnen Recht wenn sie sagen, dass beides stark miteinander korreliert. Aber gleichsetzen darf man das nicht.
      Im Grundsatz gebe ich ihnen natürlich recht. Ewiges Wachstum gibt es nicht. Aber genau so wenig können wir davon reden, dass das Wachstum zwangsläufig zum Stillstand kommen muss.

  12. Anh Toàn sagt:

    “Wo liegt das Problem – zuallerert liegt es an der Währungsunion selbst”

    Ja, darum läuft die Industrieproduktion heiss in der Schweiz.

    In der EU sinkt die Arbeitslosigkeit und wächst die Wirtschaft, in der Schweiz steigt die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaft stagniert bestenfalls, die Industrieproduktion ist bald aus in CH.

    • Stadelman Reto sagt:

      Die Probleme liegen nicht in der Währungsunion sondern in der Globalisierung. Durch die Effizienzsteigerung und den Lohndruck sind wir so produktiv wie noch nie. Die sozialen Folgen solcher Umwälzungen sind jedoch ausser Acht gelassen worden. Das unproduktivere System bot nämlich mehr Arbeit und hatte damit eine kaufkräftige Schicht von Menschen. Diese Schicht verschwand mit den Umwälzungen.
      Theoretisch könnte wieder so eine Schicht entstehen. Aber das hängt von unzähligen Faktoren ab. Es kann auch ganz anders kommen…

      • Josef Marti sagt:

        Wenn halt von den neoliberalen Schwachköpfen und Blindgängern ständig gepredigt wird, nur flexible Arbeitsverhältnisse dh. die Möglichkeit Renditesklaven stets so schnell wie möglich entsorgen zu können ins gelobte Land der Wohlfahrt für alle führe, dann kann ja nichts gescheites dabei rauskommen. Zwar hat zuviel Arbeitnehmerschutz auch seine Nachteile; wenn aber jeder nur für die nächsten paar Monate oder wie ein Tagelöhner von der Hand in den Mund Planungssicherheit hat wird’s auch nichts mit dem Absatz. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Sozialpartnerschaft und Arbeitsplatzsicherheit vor 1980.

      • Robert Walpole sagt:

        Nicht wenige Faktoren, welche den Gang der Entwicklung beeinflussen, sind schwer zu verifizieren, bzw., zu prognostizieren. Wirtschaftlich relevante Schichten verschwinden, neue entstehen. Die Kernfrage lautet immer: wie kompetitiv ist die gesamte (nationale) Wirtschaft global gesehen.Das heisst, wie viel Basis-Wertschöpfung steckt in der Wirtschaftsleistung. Wenn die Bedürfnisse des Staates wachsen und die gesamte Sozialindustrie zulegt, wird das BIP umfangreicher, nicht wenige Leute verdienen in diesen System ihren Lebensunterhalt, konsumieren und bezahlen Steuern. Der Knackpunkt ist, dass am Anfang dieser Kette immer die Marktleistung der privaten Wirtschaft steht, wofür Geld bazahlt wird

        • Anh Toàn sagt:

          Wenn die Produktion und der Konsum global sind, wie relevant sind dann nationale Volkswirtschaften? Für die Jobs in der Schweiz ist es wichtig, dass die Chinesen konsumieren. Global gesehen wurde für vieles manches besser mir der Globalisierung, “wir” verlieren unsere Privilegien, und das ist Sch—e, aus “unserer” Sicht. Aber diese Privilegien lassen sich immer weniger durch nationale Grenzen verteidigen.

  13. Rolf Rothacher sagt:

    Gute Analyse. Die Börse lebt einzig noch vom neu gedruckten Geld, das die Zinsen künstlich tief hält. Doch Aufschwung bringt es keines mehr, weil die Schulden von Staat, Unternehmen, Privaten seit 2008 ja noch einmal um 30% gestiegen sind und damit das Ende der Fahnenstange erreicht.
    Entweder stehen uns einige Jahre weltweiter wirtschaftlicher Stagnation bevor (weniger als 3% Wachstum pro Jahr), in denen Schulden abgebaut werden oder es kommt irgendwann zum Big Bang, der auch die meisten Unternehmen und damit die Finanzmärkte durcheinander schütteln wird. Ich glaube an Letzteres, weil die Zentralbanken diesmal bis zum bitteren Ende gehen werden, obwohl ihre Rezepte versagen.

    • Marcel Senn sagt:

      Rothacher: Die Verschuldung dürfte seit 2008 sogar noch einiges höher sein – ich gehe global eher von 45-50+% aus – z.B. USA Staatschulden über 100%, China Gesamtverschuldung (alle Akteure) über 400%!
      .
      Und 3% Wachstum kriegen wir in den Industrieländern wohl kaum mehr hin. Siehe auch den Artikel unten.

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wirtschaft-oekonomen-halten-wachstum-fuer-begrenzt-a-1079310.html

      Schulden abbauen können Sie irgendwie einfach vergessen – es ist auf diesem Niveau selbst bei Tiefstzinsen kaum mehr möglich (von wenigen Einzelfällen mal abgesehen)

      • N. Schmid sagt:

        Solange die Reichsten immer stärker indirekt subventioniert werden, müssen die Schulden zwangsläufig ansteigen.
        Denn diese Schulden sind nichts anderes als Teil des Vermögens der Reichsten. Arithmetik für Anfänger halt.

      • Roli sagt:

        Schulden kann man abbauen, wenn alle es wollen. Aber es gibt nur eine Lösung: einen linearen Kapitalschnitt, ohne Ausnahmen. BCG hatte diesen Vorschlag schon vor Jahren gemacht, auch IMF hat diese Idee aufgenommen.
        Nur müsste dieser Schritt koordiniert durchgeführt werden, alle Vermögen müssten eine “Sondersteuer (Soli) zahlen, dazu müssten zwingend in allen Staaten Schuldenbremsen eingeführt werden, sonst hilft es nicht. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Unsere Kinder werden uns dankbar sein, für einen solchen mutigen Schritt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

Meistgelesen in der Rubrik Blogs

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Anzeigen

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-