Das Ende der Globalisierung?

NMTM

Normalisierung oder Krise des Welthandels? Containerschiff im Panamakanal. Foto: Tomas Munita (Keystone)

Seit der Finanzkrise wächst der Welthandel nur noch langsam, nachdem er sechzig Jahre lang stetig zugenommen hat. Da es immer schwieriger wird zu behaupten, die Verlangsamung sei nur zyklisch bedingt, hat eine breite Diskussion eingesetzt. Vor allem eine Frage ist drängend: Müssen wir uns Sorgen machen? Ist die Globalisierung zu Ende?

Die folgende Grafik zeigt, wovon die Rede ist. Seit 2009 ist eine Entkoppelung vom Trend festzustellen, trotz der starken Erholung im Jahr 2010.

An warnenden Stimmen fehlt es nicht. Es ist die Rede vom Superzyklus, der sich zu Ende neigt, von einer Krise des Wachstums oder vom Abstieg der USA und damit auch des Westens.

Schaut man sich die Daten etwas genauer an, ist das Ergebnis jedoch viel weniger spektakulär. Vor allem die langfristige Perspektive ermöglicht es, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. So zeigt eine neue Studie, dass es sich bei der Verlangsamung des Welthandelswachstums eher um eine Normalisierung als um eine Abweichung vom Trend handelt.

Der historische Rückblick zeigt ferner, dass wir uns keine grossen Sorgen machen sollten. Katastrophal war die Situation des Welthandels in den Kriegs- und Krisenjahren von 1914 bis 1948. Von einem solchen Szenario sind wir weit weg.

Figure 1. The growth of world trade, 1800–2014 (log scale)

Erklärt werden müssen also zwei Dinge:

  • Warum fand vor der Finanzkrise ein überdurchschnittliches Wachstum statt?
  • Warum setzte seit der Finanzkrise eine Normalisierung ein?

Eine Gruppe von Handelsökonomen betont in einer neueren Publikation, dass drei Entwicklungen beide Phänomene erklärten:

  • China startete in den 1980er-Jahren eine grosse Exportinitiative. Dies ist nun vorbei. Produktion und Innovation sind teurer geworden. Die hohen Wachstumsraten sind nicht mehr erreichbar.
  • Osteuropa hat sich in die Weltwirtschaft in schnellem Tempo reintegriert. Dieser Prozess ist abgeschlossen. Die alten Handelsverbindungen mit Westeuropa sind wiederhergestellt.
  • Die technologischen Durchbrüche (Transport, Kommunikation) haben ruckartig einen neuen Grad an internationaler Arbeitsteilung ermöglicht – man redet von Global Value Chains (GVC). Dieses Wachstum stösst nun aus Kostengründen an Grenzen.

Die Erklärungen sind also recht nüchtern und simpel. Ein Ende der Globalisierung scheint nicht in Sicht.

Müssen wir uns also keine Sorgen machen? Das wäre leichtsinnig, denn China tut sich ganz offensichtlich schwer mit der Verlangsamung des Exportwachstums. Es wird zwar oft behauptet, dass nun automatisch die Phase komme, in der das Wachstum des Binnenmarkts einsetze. Warum soll diese komplexe Umstellung so lautlos vor sich gehen?

Ebenso vorstellbar ist, dass China nochmals kräftig abwertet und den Weltmarkt mit seinen billigen Exporten überschwemmt. Das würde den USA und den europäischen Ländern stark zusetzen und möglicherweise Gegenmassnahmen hervorrufen.