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Der fragwürdige Treiber des Aktienbooms

Mark Dittli am Freitag den 29. Mai 2015
NMTM

Ein Allzeithoch folgt auf das andere: Händler an der New Yorker Börse. Foto: Brendan McDermid (Reuters)

Beginnen wir mit zwei Charts.

Hier ist der amerikanische Aktienmarkt über die letzten fünf Jahre, gemessen am S&P-500-Index (Quelle: Bloomberg):

Er befindet sich gegenwärtig nahe an einem Allzeithoch, mehr als 200 Prozent höher als zum Tiefpunkt vor sechs Jahren. Die Party an den Börsen ist in vollem Gang.

Hier ein zweiter Chart (Quelle: CLSA Asia-Pacific Markets):

Dazu einige Erklärungen: Die gelben Balken zeigen das Volumen an Aktienrückkäufen, die die 500 grössten US-Konzerne getätigt haben (pro Quartal, annualisiert in Milliarden Dollar). Die blauen Balken zeigen das Volumen an Dividendenausschüttungen (ebenfalls pro Quartal, annualisiert in Milliarden Dollar). Zusammen ergeben die beiden Balken die Summe an Kapital, die die Unternehmen via Aktienrückkäufe und Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet haben.

Im laufenden Jahr dürfte sich das Volumen auf gegen 1000 Milliarden Dollar belaufen. Der bisherige Rekordwert, der im Jahr 2007 erreicht wurde, ist längst egalisiert.

Was ist die Verbindung zwischen den beiden abgebildeten Charts?

Ohne eine direkte Kausalität herzustellen, ist doch der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass Aktienrückkäufe – nebst der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken – eine grosse Rolle bei den Kursgewinnen an den Börsen in den letzten Jahren gespielt haben.

Wie funktioniert das?

Im Grunde ist die Mechanik simpel: Ein Unternehmen erwirtschaftet aus seiner operativen Tätigkeit Mittel, einen Cashflow. Einen Teil dieser Mittel benötigt das Unternehmen, um seine bestehende Produktionskapazität aufrechtzuerhalten, und nach Abzug dieser Ausgaben verbleibt der freie Cashflow. Für diesen freien Cashflow gibt es nur vier Verwendungszwecke:

  1. Das Unternehmen hortet die Mittel, baut also einen Cashbestand in seiner Bilanz auf.
  2. Es nutzt die Mittel, um Schulden abzuzahlen.
  3. Es investiert in neues Produktionskapital, baut also neue Fabriken, Forschungszentren oder übernimmt andere Unternehmen.
  4. Es schüttet die Mittel an seine Aktionäre aus. Diese Ausschüttung wiederum kann über zwei Wege erfolgen: Dividenden oder Aktienrückkäufe.

Angesichts der rekordniedrigen Zinsen wählen die wenigsten Unternehmen heute den zweiten Weg, den Abbau von Schulden. Die Kapitalinvestitionen, der dritte Weg, verharren ebenfalls auf historisch tiefem Niveau.

Am beliebtesten scheint derzeit unter zahlreichen Konzernen das Horten von Geld respektive die Ausschüttung an die Aktionäre zu sein.

Wieso aber sind Aktienrückkäufe so beliebt, deutlich beliebter offenbar als Dividenden? (Achtung, die vorliegende Betrachtung bezieht sich auf die USA; in der Schweiz sind Aktienrückkäufe zwar ebenfalls stärker in Mode, aber längst nicht im Ausmass der USA.)

Eine Antwort dafür dürfte in den Anreizsystemen der Manager liegen.

Zunächst eine kurze Betrachtung, was eigentlich genau geschieht, wenn ein Unternehmen Aktien vom Markt zurückkauft: Die Cashreserven auf der Aktivseite der Bilanz schrumpfen, und im gleichen Ausmass sinkt das Eigenkapital auf der Passivseite (selbst gehaltene Aktien müssen buchhalterisch vom in der Bilanz ausgewiesenen Aktienkapital abgezogen werden). Sodann werden die Aktien vernichtet, und die Bilanz des Unternehmens ist permanent geschrumpft.

Erhellend ist jedoch die genauere Betrachtung dieser Schrumpfung: Die Passivseite der Bilanz besteht aus Fremd- und Eigenkapital. Ein Aktienrückkauf mit anschliessender Vernichtung der Aktien lässt die Eigenkapitaldecke schrumpfen, während der Fremdkapitalanteil in absoluten Zahlen unverändert bleibt. Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital hat sich verändert, prozentual ist das Eigenkapital in Relation zur Bilanzsumme kleiner geworden. Oder anders gesagt: Der Grad der Fremdfinanzierung, der sogenannte Hebel oder Leverage, ist höher geworden.

Was hat das nun mit den Manager-Anreizen zu tun?

In den meisten Bonisystemen für Topmanager ist die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) die wichtigste Zielgrösse. Die Eigenkapitalrendite lässt sich errechnen, indem der erwirtschaftete Gewinn durch das Eigenkapital geteilt wird.

Schrumpft durch einen Aktienrückkauf demnach das Eigenkapital, steigt ceteris paribus die Eigenkapitalrendite – und das, ohne dass das Unternehmen auch nur einen Cent mehr Gewinn erwirtschaftet hat.

Doch damit nicht genug: Die in den meisten Bonisystemen zweitwichtigste Zielgrösse ist das Wachstum des Gewinns je Aktie. Diese wiederum wird ermittelt, indem der Gewinn durch die Anzahl ausstehender Aktien geteilt wird. Auch hier gilt: Sinkt dank eines Rückkaufprogramms die Anzahl ausstehender Aktien, steigt der Gewinn je Aktie – auch wenn der Gesamtgewinn des Unternehmens in Wahrheit überhaupt nicht gestiegen ist.

Aktienrückkäufe steigern also die Eigenkapitalrendite und den Gewinn je Aktie – und lassen damit die Bonikassen der Topmanager klingeln.

Dass es die Unternehmen dabei verpassen, in die eigene Zukunft zu investieren, braucht die Manager wenig zu kümmern. Bis sich die Effekte fehlender Investitionen in Forschung und Entwicklung zeigen, sind sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht mehr am Ruder.

Hier, für das Wochenende, noch eine Reihe von Links und Themen in eigener Sache:

  • John Forbes Nash, Mathematiker und Nobelpreisträger, ist letzte Woche zusammen mit seiner Frau bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Nash war auf dem Heimweg vom Flughafen Newark, New Jersey, nachdem er wenige Tage zuvor in Oslo mit dem Abel-Preis, einer der höchsten Auszeichnungen für Mathematiker, geehrt worden war. Er wurde 86 Jahre alt. Einem breiteren Publikum wurde Nash, der an Schizophrenie litt, durch den Film «A Beautiful Mind» bekannt. Nash hat in den Fünfzigerjahren grosse Errungenschaften in der Entwicklung der Spieltheorie erzielt. Hier für die interessierten Leserinnen und Leser des NMTM-Blogs die vier wichtigsten Research-Papiere von John F. Nash. Sie sind alle kurz und bisweilen kurzweilig verfasst; eine sehr erhellende Lektüre:
    – über Gleichgewichtspunkte in Spielen mit n Personen: «Equilibrium Points in n-Person Games» (1950)
    – über Verhandlungsprobleme: «The Bargaining Problem» (1950)
    – über Spielsituationen nicht kooperativer Teilnehmer: «Non-Cooperative Games» (1951)
    – über kooperative Spiele mit zwei Personen: «Two-Person Cooperative Games» (1953)
    – In den Neunziger- und Nullerjahren befasste sich John Nash übrigens intensiv mit der Theorie des idealen Geldes (Ideal Money). Er war ein Kritiker der Idee, wonach Zentralbanken eine Inflationsrate von gegen 2 Prozent anstreben sollten. Idealerweise sollte Geld überhaupt keiner Inflationsrate unterliegen, meinte er. Nash propagierte ein stabiles Weltwährungssystem, das an einen Korb von Rohstoffen gebunden sein soll. Gewissermassen kann er mit dieser Idee als Vorreiter von Kryptowährungen wie Bitcoin angesehen werden. Sein Aufsatz zur Ideal-Money-Theorie ist hier zu finden.
  • Hier ein sehr lesenswertes Interview, das mein Redaktionskollege Peter Rohner kürzlich mit dem Risikospezialisten und Philosophen Nassim Nicholas Taleb geführt hat. Taleb erklärt darin, weshalb das Finanzsystem heute fragiler als jemals zuvor ist und weshalb die Banken im Management ihrer Risiken nichts aus der Finanzkrise von 2008 gelernt haben.

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25 Kommentare zu “Der fragwürdige Treiber des Aktienbooms”

  1. Linus Huber sagt:

    Ein guter Artikel, welcher unbedingt die Lektüre des Links “Deflation – das unverstandene Wesen” mit einbeziehen sollte.

    Die meisten Kommentare spiegeln die Erkenntnis, dass es sich um eine kurzfristig und in erster Linie auf das Wohl der Manager ausgelegte Strategie handelt, wenn Eigenkapital durch Fremdkapital ersetzt wird. Das Eigenkapital hat die Funktion des Risikokapitals, welches dadurch reduziert wird, womit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Unternehmen bedeutend schneller an die Grenze des Bankrotts und Totalverlustes des bestehenden Risikokapitals gelangt. Die nicht zugelassene gutartige Deflation und die Garantie der Zentralbanken auf leichte Inflation der letzten 30 Jahre musste folgerichtig zu solchem Verhalten führen, indem in sämtlichen Bereichen ein immer höherer Hebel (Verhältnis EK/FK, Verhältnis Kreditvolumen/Wirtschaftsleistung) verwendet werden kann. Dass dadurch das System instabiler wird, haben diese Künstler der Manipulation und Zentralplanung anscheinend noch nicht wirklich geschnallt und wenn, reagieren sie auch in diesem Falle mit höherer Regulierung und Kontrolle anstatt ihre eigene Doktrin zu hinterfragen. Aber natürlich nur, so dass es keinem dieser Manager/Banker, welche ihre persönliche Karriere massgeblich zu beeinflussen vermag, auf persönlicher Ebene je an den Kragen geht.

  2. Ist das Anreizsystem der Manager Ihr “fragwürdiger Treiber” aus dem Titel?

    Dann liegen Sie insofern falsch als das Dividendenausschüttungen das Eigenkapital genau gleich reduzieren wie die von Ihnen präsentierten Aktienrückkäufe. Der ROE hängt nicht von der Ausschüttungsform ab. Dem gereizten Manager wäre es somit egal ob Dividende oder Buyback.

    Sie schreiben es ja implizit selbst:
    “Zusammen ergeben die beiden Balken die Summe an Kapital, die die Unternehmen via Aktienrückkäufe und Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet haben.”

    Welches Buchhaltungssystem würde einen Unterschied zwischen den beiden Formen machen, wenn sie doch eine “Summe an Kapital” sind?

    • Mark Dittli sagt:

      Ihr Hinweis ist richtig, dass Dividendenausschüttungen ebenfalls das Eigenkapital reduzieren. Allerdings schmälern Rückkäufe überdies die Anzahl ausstehender Aktien und erhöhen damit den Gewinn je Aktie. Auf den Gewinn je Aktie haben Dividendenausschüttungen keinen Einfluss.

  3. Ueli sagt:

    Diese ganze Geschichte mit den Aktienrückkäufen als Treiber der Kurse – ist doch wieder mal ein schönes Beispiel dafür wie der ganze Zähl- und Messwahn unserer Gesellschaft eben nicht zu mehr “Rationalität”, Sinnvolligkeit führt. Ganz im Gegenteil – der ursprüngliche “Erfolgsausweis” wird ad absurdum geführt wird.

  4. seebueb sagt:

    Der Artikel lässt unerwähnt, dass durch die Rückkäufe der Float (die Anzahl Aktien, die sich nicht in festen Händen befinden und deshalb als grundsätzlich verfügbar betrachtet werden) reduziert und damit die verfügbaren Aktien überproportional stark reduziert werden. Was ebenfalls kurstreibend wirkt.

    Ebenfalls unerwähnt bleibt, dass Rückkäufe viel flexibler gehandhabt werden als Dividenden, das zeigt die zweite Grafik in aller Deutlichkeit. Es gibt also durchaus auch un-egoistische Gründe für die aktuelle Praxis.

  5. Ueli sagt:

    @Rolf Rothacher
    Der durchschnittliche Aktionär will doch auch, dass die Party weitergeht. Die Vorstellung, dass “die Eigentümer” (ob nun kurz oder langfristige Investoren) schon wissen wie der Hase läuft und dem Management jederzeit in den Rücken fallen würden – obwohl die Kurse steigen – ist hingegen ziemlich naiv Ihrerseits Herr Rothacher.

  6. Rolf Rothacher sagt:

    Aktienrückkäufe werden immer von den Aktionären bewilligt. Deshalb spielen die Hintergründe nicht wirklich eine Rolle, da die Eigentümer ja den Sinn erkennen und ihre Einwilligung geben. In Aktienrückkäufen einmal mehr bloss den “bösen Manager” zu sehen, ist ziemlich naiv, als wären als die Fonds, Versicherungen, Banken und Vermögensverwalter alles bloss Deppen.
    Aktienrückkäufe dienen nicht nur der Ausschüttung von Erträgen an Aktionäre ohne Einkommenssteuerbelastung (in den USA müssen auch Kursgewinne versteuert werden!) und ganz bestimmt nicht zur Verminderung des Eigenkapitals um unlauter Manager-Boni abzugreifen. Für den Aktionär geht es darum, zu viel Flüssige Mittel aus den Händen der Geschäftsleitung zu nehmen, damit diese nicht blödsinnig investieren. Oft werden eigene Aktien aber auch für spätere Übernahmen aufgekauft und eingesetzt. Da diese Aktienrückkäufe in den Grafiken aber nicht abgezogen sind, sind Schlussfolgerungen des Autors teilweise reine Vermutungen.

    • Stadelman Reto sagt:

      Natürlich finden das die Aktionäre gut. Diejenigen die ihre Aktien behalten erhalten ja dann mehr. Nur weil die Besitzer genau so unüberlegt ja zu einem Fehler ihres Managements sagen, sollte er noch lange nicht ignoriert werden. Zudem kann man davon ausgehen, dass die Aktionäre nicht ganz so gut informiert sind wie die Manager.
      Wie auch immer, es sind und bleiben “die bösen Manager” die das Problem verursachen, gekoppelt mit der Gier der Anleger. Die Leidtragenden sind (wie immer) die Kleinanleger (von denen ja i.d.R. zurückgekauft wird) und natürlich die Gesellschaft im allgemeinen. Denn das Geld dass bei der Entwicklung fehlt, spüren vor allem WIR…”Für den Aktionär geht es darum, zu viel Flüssige Mittel aus den Händen der Geschäftsleitung zu nehmen, damit diese nicht blödsinnig investieren.” Da Investitionen auf Rekordtief sind, fasse ich diese Aussage als blanker Hohn auf oder als Beleg dafür, dass sie den Artikel nicht fertig gelesen haben.
      Versuchen sie hier bitte nicht etwas reinzuwaschen was mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem Problem werden wird. Natürlich sind das nicht alles Deppen, aber eben: Gier hat schon so manches Hirn abgeschaltet…

      • Maiko Laugun sagt:

        Ich glaube, es ist eine Kombination zwischen den bösen abzockenden Managern, die das ja vorbildlich bei der Finanz-Industrie abgeguckt haben und den Gross-Aktionären. Zu letzteren gehören ja z.B. auch Pensionskassen. Diese beiden Kasten haben kein langfristiges Interesse. Zum Punkt 3: Warum sollen grosse Konzerne selbst in teure Forschungslabore investieren, wenn es doch viel billiger ist, für ein paar Milliönchen fix-fertige Start-Ups von jungen Entrepreneuren zu kaufen?

        • Ueli sagt:

          @Maiko Laugun
          “Warum sollen grosse Konzerne selbst in teure Forschungslabore investieren…?”
          Es gibt Forschung und Entwicklung – z.B. Pharma, Autoindustrie, Foodindustrie, – die so viel Kapitalaufwand verlangt, dass diese nicht einfach im Hinterhof von irgendwelchen kleinen Start-Ups “stattfinden kann” und man die dann einfach für n Appel und n Ei aufkauft.

          • Linus Huber sagt:

            Dies ist sicherlich mit ein Grund. Andererseits ist es ebenfalls profitabler, etwelche Konkurrenz durch entsprechende Gesetzgebung/Regulierung (Lobbyismus) zu zerstören, anstatt hohe Entwicklungskosten anfallen zu lassen.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ueli: Ich stimme zu, war nur ein Teil-Aspekt meinerseits und trifft natürlich nicht überall zu. Sofern die Infos stimmen, wonach Pharma-Konzerne im Verhältnis zueinander (Forschung/Marketing) nur noch 20-30% für die Forschung, jedoch 70-80% fürs Marketing ausgeben, dann bleiben schon ein paar Fragen offen. Dann eben noch die von @LH genannten Faktoren (zusätzlich Übernahmen) wie “..Gesetzgebung/Regulierung (Lobbyismus)..”. Das alles führt zu einer Machtkonzentration von wenigen Gross-Konzernen weltweit. Dem ganzen Rest (inkl. kleiner Start-Ups) verbleibt die Funktion des Zudieners.

      • Maiko Laugun sagt:

        Fast vergessen: Die angelsächsische Unsitte, mit 3-Monatszahlen auf Powerpoint-Folien herum zu wedeln. Wird sowohl intern für die Boni als auch für die Investoren gebraucht. Ich glaube, dies sagt schon vieles aus.

    • seebueb sagt:

      Der Artikel basiert auf US-Zahlen. Und in den USA werden die Aktionäre in der Praxis nicht gefragt bei allem, was das AK tangiert, weder bei Split, Rückkauf noch bei Emission.

      In manchen Aspekten gibt es eben fundamentale Unterschiede zwischen US- und CH-Aktienrecht.

    • Josef Marti sagt:

      Von wegen ohne Einkommenssteuerbelastung. In der CH ist bei Rückkäufen der Anteil über pari sowohl der Verrechnungssteuer wie auch der Einkommenssteuer unterstellt sobald die 10% Quote überzogen wird oder die Haltedauer nicht eingehalten wird. In der Praxis umgeht man das idR mit Nennwertrückzahlungen. Siehe Art. 4a VStG

  7. Roli sagt:

    Zwischen den Zeilen eine ganz klare Warnung, dass die Märkte luftige Höhen erklimmen. Nach einer Korrektur heisst es dann: “man hätte es sehen können”. Aber wer will bei einer Feier mit “Gratisbier” (lies Geld) nicht dabei sein?
    Was, wenn das Bier ausgeht? QE kann nicht ewig weiter gehen.
    Auch eine “gesunde Inflation” von 2% ist nicht gut, nach 36 Jahren haben sich die Preise verdoppelt, und die Wirtschaft kann leider nicht beständig mit 2% oder mehr wachsen, da sie endliche ist.
    Irgendwann streben die Kurven auseinander und dann gibt es einen Reset. Punkt.
    Wann und was ihn auslöst wissen wir nicht, aber das er kommen muss,” hätte man voraus sehen können”.
    Übrigens, wenn in einem Pub Gratisbier ausgegeben wird, dann kommen immer mehr Leute und diejenigen die hinten anstehen müssen werden kein Bier mehr bekommen, denn es wird vorher ausgehen und von den Gästen in der ersten Reihe an der Theke getrunken. Genau darum ist die das Gratisgeld für die Banken der falsche Ansatz, man würde besser allen Leuten direkt Geld überweisen, dann könnten sie es für ihre eigenen Bedürfnisse ausgeben, das würde vielleicht dem Konsum und der Wirtschaft mehr helfen?

  8. Roberto Gloor sagt:

    Zu kritisieren sind die verzerrten Zinsen. Aktienrückkäufe sind die richtige Antwort auf diese fragwürdige Situation.

    • J. Kuehni sagt:

      Aber sind die Zinsen wirklich verzerrt, Herr Gloor?

      Im Beitrag steht ja: Die Kohle sitzt nutzlos auf sterilen Geldbergen herum, oder wird via Aktienrückkauf innerhalb der “Investorenklasse” (Banken, Pensionskassen, etc.) rezykliert, was nichts anderes heisst, als dass einfach vom einen zum anderen inaktiven Berg transferiert wird. Bloss in der breiten Bevölkerung und “realen” Wirtschaft ist der Stutz überall zu knapp (was sich in privaten und öffentlichen Schuldenbergen ausdrückt).

      Alle haben dasselbe Problem: zuwenig rentable Investitionsmöglichkeiten. Wenn sich (überspitzt formuliert) 90% der Weltwirtschaft im Besitz von 1% der Bevölkerung befindet, ist das ja eigentlich auch kein Wunder. Die hauchdünne Schicht von “Finanzfunktionären”, die beim obigen Geldberg-Transfer kräftig abkassieren, können eben auch höchstens 5 Rolex-Uhren pro Handgelenk tragen. Wenn zuviel konzentriertes Geld zuwenig gute Anlagemöglichkeiten findet, wird das Geld eben billiger und billiger, bis man am Schluss die wenigen als “sicher” geltenden Abnehmer fürs Geldparkieren zahlen muss.

      Nein, die Zinsen sind nicht verzerrt. Sie sind vielmehr ein authentischer Ausdruck unseres dysfunktionalen Wirtschaftssystems.

      • Martin Mayer sagt:

        Der Stutz ist in der realen Wirtschaft nicht knapp. Unternehmen, die Geld brauchen, bekommen dies eigentlich auch (ausser vielleicht griechische Unternehmen). Sonst würden die Unternehmen schon längst jammern.
        Natürlich gibt es nicht genug Investitionsmöglichkeiten, wenn der unproduktive Sektor der Verwalter (Staatsangestelte, Sozialindustrie, usw.) immer grösser wird. Wir brauchen wieder mehr richtige Unternehmen, die Mehrwert schaffen.
        Verwalter konsumieren, aber Konsum alleine bringt die Welt bzw. die Menschheit nicht weiter.

        • J. Kuehni sagt:

          “Konsum alleine bringt die Welt bzw. die Menschheit nicht weiter”

          Ganz ehrlich: Nimmt mich SEHR wunder, in welchem “produktiven Sektor” Sie ihre Brötchen verdienen, der NICHT vom Konsum dritter abhängig ist.

          Finanzsektor?

        • Ueli sagt:

          @Martin Mayer
          Im Kapitalismus gibt es bekanntlich Überproduktionskrisen. Das Gezeter über den unproduktiven Sektor ist eine typisch neoliberale Nebelpetarde, die eine Pseudokonkurrenz zwischen Staat und Markt behauptet, die es so überhaupt nicht gibt. Man konnte ja z.B. in den erzliberalen USA für kurze Zeit mal beobachten was passiert wenn der Staat gewisse Basisservices nicht mehr anbietet – selbst die “Freiheitsstatue” in New York musste Ihre Pforten schliessen. Von der Gesundheitsversorgung, den dringend benötigten Investitionen in Infrastruktur, über Lehre und Forschung, die nicht von den Multis kontrolliert wird – will ich schon überhaupt nicht sprechen.

  9. Roland K. Moser sagt:

    Das Problem der falsch berechneten Eigenkapitalrendite 🙂
    GM hat die Eigenkapitalrendite seinerzeit ständig erhöht, indem immer mehr Fremdkapital aufgenommen wurde. Folgen: Immer höhere Eigenkapitalrendite und immer höhere Schulden mit immer höhere Fremdkapitalzins-Zahlungen. Folge: Konkurs.
    Die Eigenkapitalrendite wird seit Jahr und Tag falsch gerechnet – global.

    • Stadelman Reto sagt:

      Es ist bei mir lange her, dass ich Rechnungslegung durchgenommen habe. Ich meinte aber, das Zinsen auf Fremdkapital beglichen werden müssen, BEVOR an die Aktionäre Dividenen ausgeschütet werden. Und erst diese Dividenden geben dann die Boni frei. Somit rechnet man die Eigenkapitalrendite eben doch nicht falsch. Sie wird nur auf Kosten der Nachhaltigkeit erkauft. Aber das ist ja nichts Neues…
      Oder um es etwas vulgär auszudrücken, “you (der Manager) are not wrong, you are just an a****ole… Aber das wird ja heute auch belohnt…

      • Roland K. Moser sagt:

        Wie man es sieht 🙂
        GM hat es auf jeden Fall genau deswegen gebläht.

      • Roland K. Moser sagt:

        Erzählen Sie mal dem Eigentümer und Geschäftsführer einer KMU mit ca. 8 Angestellten, dass es ihm und seiner Firma besser geht, je mehr Fremdkapitalzins er zahlt 🙂
        Was hätten Sie lieber? Eine höhere Eigenkapitalrendite (bis zum unendlichen möglich wie bei GM) oder mehr Gewinn?

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