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Das Dollarproblem

Mark Dittli am Freitag den 20. März 2015
Never Mind The Markets

Zu hohe Dollarschulden waren der Auslöser für Krisen in der Vergangenheit: Ein Händler an der Wallstreet verfolgt aufmerksam die Pressekonferenz der Präsidentin des Fed, Janet Yellen. (Keystone)

Der Wert des US-Dollars steigt. Gemessen an einem handelsgewichteten Währungskorb hat der Dollar seit Mitte letzten Jahres 25 Prozent gewonnen.

Auch zum Schweizer Franken hat der «Greenback» deutlich zugelegt; nach dem vorübergehenden Absturz vom 15. Januar, als die Schweizerische Nationalbank die Euro-Untergrenze aufhob, kostet ein Dollar heute beinahe wieder einen Franken.

Das klingt aus schweizerischer und europäischer Warte zunächst zwar gut: die hiesigen Exporteure profitieren. Für das globale Finanzsystem ist ein steigender Dollar jedoch alles andere als gut, im Gegenteil: Je stärker die US-Währung wird, desto grösser wird die Gefahr einer Schuldenkrise in einigen Schwellenländern, inklusive in China.

(An dieser Stelle ein kurzer Exkurs: Am Mittwoch gab der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Fed) weitere Anhaltspunkte zu seiner wirtschafts- und geldpolitischen Lagebeurteilung. Die Details dazu hier. Die Marktteilnehmer interpretierten das Communiqué so, dass das Fed möglicherweise etwas später mit der ersten Zinserhöhung beginnen könnte als ursprünglich angenommen. In einer ersten Reaktion büsste der Dollar an Wert ein. Es ist unmöglich, Wechselkursbewegungen zu prognostizieren; für die Zwecke dieses Blogbeitrags gehen wir jedoch von der These aus, dass der Dollar in den kommenden Monaten weiter erstarken wird.)

Hier zunächst die eindrückliche Wertsteigerung, die der Dollarkurs in den vergangenen neun Monaten vollbracht hat (Quelle: FuW):

Die Grafik zeigt den Dollarindex, den handelsgewichteten Aussenwert der US-Währung (hier die Details zum Dollarindex), im Zeitraum von 1980 bis heute. Aktuell verzeichnet der Dollar den höchsten Aussenwert seit 2003. Zum letzten Mal in einer vergleichbar kräftigen Aufwärtsbewegung stand die US-Währung Ende der Neunzigerjahre, als der Technologieboom Unmengen an Investitionskapital in die USA zog.

Jetzt aber zur Frage: Wieso ist das ein Problem?

Die Antwort liegt, wie so oft, im Kreditsektor. Zahlreiche Unternehmen und Staaten aus der Welt der Emerging Markets haben sich in den letzten sechs Jahren einem Kreditexzess hingegeben. Sie haben sich in enormem Ausmass verschuldet, und das zu einem beträchtlichen Teil in Dollar.

Die folgende Grafik aus einer Präsentation von Hyun Song Shin, Ökonom bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, veranschaulicht die Entwicklung:

Die Grafik zeigt die Entwicklung der ausstehenden Dollarkredite ausserhalb der USA (Kredite an Banken sind ausgenommen) seit 1998. Die orange Fläche (rechte Skala) zeigt das Gesamtvolumen in Billionen Dollar. Die einzelnen Kurven (linke Skala) zeigen die Aufteilung des Gesamtvolumens auf einzelne geografische Regionen.

Für unsere Betrachtung relevant ist die Entwicklung der violetten Kurve in der Zeit nach 2008: Sie zeigt das Volumen der ausstehenden Dollarkredite in Emerging Markets. Das Volumen hat sich in dieser Zeit verdoppelt, von 2 Billionen auf 4 Billionen (4000 Milliarden) Dollar. Kredite in Höhe von 2000 Milliarden Dollar wurden in den Schwellenländern seit 2009 neu ausgegeben.

Hier eine etwas andere Darstellung des Dollarkreditwachstums in den Emerging Markets seit 2009 (die Grafik stammt aus dem aktuellen Quartalsbericht der BIZ):

Die Balken zeigen die pro Quartal neu ausgegebenen Dollarobligationen in Emerging Markets (Bankkredite sind darin nicht enthalten), in Milliarden Dollar. Die hellblauen Balken zeigen die Neuverschuldung der Banken, die violetten Banken stehen für die Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors, und die orangen Balken zeigen die Neuverschuldung der Staaten. In den letzten drei Jahren wurden in den Schwellenländern jedes Quartal neue Dollarobligationen in kumulierter Höhe zwischen 80 und 100 Milliarden Dollar ausgegeben.

Und hier eine etwas nähere Betrachtung des Dollarkreditvolumens in Brasilien, China und Indien (Quelle: BIZ):

Die Grafiken zeigen die Entwicklung der Dollarkredite (wiederum unter Ausklammerung der Banken) in Milliarden Dollar. Den weitaus kräftigsten Anstieg verzeichnete China: Dort haben die Unternehmen ihre Dollarschulden nach 2009 auf mehr als 1000 Milliarden verfünffacht.

Fassen wir also kurz zusammen: Nimmt man Unternehmen, Finanzinstitute und staatliche Institutionen zusammen, wurden in Emerging Markets im Verlauf der letzten sechs Jahre in Dollar denominierte Schulden im Volumen von mehreren Tausend Milliarden Dollar aufgenommen.

Dabei handelt es sich um höchst unterschiedliche Schuldner: Ölförderer in Brasilien, Banken in der Türkei, Eisenbahngesellschaften in Russland, halbstaatliche regionale Immobilienentwickler in China, ein Palmöl-Verarbeiter in Indonesien und so weiter. Gemeinsam haben sie bloss eines: Auf der Passivseite ihrer Bilanz stehen Schulden in Dollar, während sie einen grossen Teil ihrer Einnahmen in ihrer Lokalwährung – Real, Rubel, Lira, Renminbi, Rupiah – erwirtschaften.

Und nun steigt der Wert des Dollar.

Das bedeutet für all diese Kreditnehmer, dass der Wert ihrer Schulden steigt und es für sie teurer wird, die Zinsen zu bezahlen und dereinst den gesamten Kredit zurückzuzahlen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Zahlungsschwierigkeiten häufen. In China, wo die wohl grösste Kreditblase aller Zeiten entstanden ist (hier mehr dazu), knirscht es bereits bedrohlich im Gebälk des Finanzsektors.

Je mehr die Schwellenländer-Währungen zum Dollar verlieren, desto grösser wird die Last der Dollarkredite für die heimischen Schuldner. Hier eine kleine Übersicht, wie stark einzelne Währungen allein in den letzten drei Monaten bereits gesunken sind (Quelle: BIZ):

Die Kurven sind per 1. Dezember 2014 auf 100 indexiert. Die türkische Lira beispielsweise hat gut 13 Prozent verloren, der ungarische Forint fast 12 Prozent. Einigermassen stabil hat sich der chinesische Renminbi (rote Kurve) entwickelt; die chinesische Zentralbank hält ihre Währung nach wie vor eng an den Dollar gebunden. Immer mehr Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass die People’s Bank of China angesichts des schwächelnden Wirtschaftswachstums in China den Renminbi abwerten wird.

Das wird dann aber genau wieder zu einem Problem, weil dadurch die Last der riesigen Dollarschulden in der chinesischen Wirtschaft weiter steigen würde.

Die Mechanik ist übrigens bestens bekannt. Um das zu veranschaulichen, hier nochmals der Dollarindex:

Im gut dreissigjährigen Betrachtungszeitraum kam es in den frühen Achtzigerjahren zu einem heftigen Anstieg des Dollar. Ebenfalls ein kräftiger Anstieg war 1994 zu beobachten sowie Ende der Neunzigerjahre. In allen drei Episoden ereigneten sich auch Schwellenländerkrisen: Die Lateinamerikakrise von 1982, die Tequila-Krise um Mexiko von 1994 und die Asienkrise von 1997/98.

Und in allen drei Krisen spielten Dollarkredite, die von Schuldnern in den Emerging Markets nicht mehr beglichen werden konnten, eine wichtige Rolle.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, soll Mark Twain einst gesagt haben, aber sie reimt sich.

Hier noch ein Link in eigener Sache:

Wer sich für die Funktionsweise der Börse und der Finanzmärkte generell interessiert, dem/der empfehle ich die sehr lehrreichen Videos von Fintool. Fintool wurde vom Finanzprofessor Erwin Heri gegründet. Er produziert pro Woche zwei Videos, in denen er einfach und anschaulich Begriffe und Konzepte aus der Finanzwelt erklärt. Hier gehts zur Website von Fintool. Hier erklärt Heri am Beispiel von Nestlé, wie man eine Aktie bewertet. Und hier zeigt er, was mit dem Wert von Obligationen geschieht, wenn die Zinsen drehen. Hier ist eine Übersicht der zahlreichen Videos, die Heri bereits publiziert hat.

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57 Kommentare zu “Das Dollarproblem”

  1. Linus Huber sagt:

    Wie schon oft erklärt, befinden wir uns in einer weltweiten Kreditkrise, welche sich über Jahrzehnte aufgrund einer fehlerhaften Doktrin durch die Geldpolitik der Zentralbanken aufbaute, indem die Kreditvolumina dauerhaft stärker als die Wirtschaft wuchsen. Die gegenwärtige Geldpolitik, welche darauf abzielt, das Problem von zu viel Kredit mit noch mehr Kredit zu lösen, wird nicht funktionieren, sondern das Finanzsystem destabilisieren.

    Wie dieses Problem lösungsorientiert angegangen werden kann, erklärt hier Steve Keen.

    https://www.youtube.com/watch?v=dA_p0VqV2ck&t=3176

  2. Maiko Laugun sagt:

    Im Chinesischen Netz gibt es weniger Zensur als auf dieser Plattform hier. Danke für das Löschen der Kommentare. 操你媽

  3. h29 sagt:

    Finde den Fehler….

    dass im 21. Jahrhundert noch von Schwellenländern die Rede ist beschämt mich. Wie soll ich meinen Ur-Enkeln denn mal erklären, warum wir nach den Gräuel des 20. Jahrhunderts die Unterdrückung global weitergeführt haben. Wie kann es sein, dass Länder, die Olympische Spiele und Weltmeisterschaften austragen (China, Russland, Brasilien) oder als technologisiert einzustufen sind (Südkorea, Singapur) als Entwicklungsländer klassifiziert werden. Und das aufgrund eines Finanzmarkt-Paramenters, einer fachspezifischen Grösse, die lediglich die Anbindung an die moderne Finanzindustrie bewertet.

    Sand in die Augen gestreut…

    Wo braucht China Entwicklung? Herzog und deMeuron haben das Vogelnest bauen können. ABB entwickelt und liefert für Hochspannungsleitungen. Mit Alibaba haben sie nun auch genug Steuersubstrat, falls sie das wollen. Um’s können geht’s schon lange nicht mehr.

  4. Linus Huber sagt:

    Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.

    Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass Regierungen je höher ein Demokratiedefizit vorherrscht entsprechend stärker an tatsächlicher Korruption leiden. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass es sich bei den meisten sogenannten Demokratien um nichts weiter als Scheindemokratien handelt. Der Unterschied zwischen quasi allen Staaten und den USA liegt darin, dass die USA mehr oder weniger die Gewaltüberlegenheit ausser gegenüber Atomwaffen besitzenden Staaten ungehindert einsetzt um ihre Macht auf internationaler Ebene zu untermauern und dabei offensichtliche Lügen als Rechtfertigung verwenden. Die wirkliche Auseinandersetzung sollte sich zwischen den Bürgern und deren Regierungen abspielen, jedoch versuchen Regierungen von ihrer Inkompetenz abzulenken, indem das Verhalten anderer Nationen als Problem hochgespielt wird.

    • Anh Toan sagt:

      “absolte Macht korrumpiert absolut”

      Gibt es relative Korruption?

      Wie misst man Demokratie, bzw. das Demokratiedefizit? Kennnen Sie den Algorythmus für echte Demokratie?

    • seebueb sagt:

      “Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.”

      Tönt gut, und weil jeder den Spruch schon mal gehört hat wird er schon stimmen. Aber ist dem tatsächlich so?

      Könnte nicht vielleicht die Kausalität andersrum sein, dass nämlich in erster Linie diejenigen Machtpositionen anstreben, die sich von vornherein halblegalen bzw. illegalen Zusatznutzen versprechen? Dass also nicht oder nur schwer korrumpierbare Personen viel seltener nach Machtpositionen streben, eben weil der Machtgewinn als nicht besonders nutzvoll angesehen wird?

      Und was heisst das mit Bezug auf die direkte Demokratie? Wenn doch das Stimmvolk die oberste Instanz ist, hat doch das Volk absolute Macht. Dann müsste doch das Stimmvolk absolut korrupt sein. Mhhhh….

      Wie gesagt,tönt gut aber braucht deswegen noch lange nicht zu stimmen.

      • Linus Huber sagt:

        Eine Regierung existiert nicht als Selbstzweck sondern deren Existenzberechtigung beruht darauf, der eigenen Bevölkerung zu dienen.

      • Linus Huber sagt:

        @ seebueb

        Sie sehen dies richtig, der Wunsch nach Macht über andere Menschen dürfte in z.B. in weniger korrumpierbaren Menschen weniger latent sein. Vielleicht sollten Parlamentarier unter Berücksichtigung der Gesellschaftsstruktur per Zufallsgenerator für ein Jahr zu dieser Funktion eingezogen werden, wonach sie jeweils wieder ersetzt werden. Einerseits erlaubt das Wahlverfahren, dass Geld oft mit ein Faktor darstellt, und andererseits erhoeht sich die Gefahr der Vetternwirtschaft mit zunehmender Amtsdauer. Aber eben, auch diese Variante dürfte seine Nachtteile in sich tragen, sodass es eine Ermessensfrage zwischen den verschiedenen Vor- und Nachteilen darstellt.

        • Fred Ruegg sagt:

          @ Linus
          Ich wiederhole hier meinen Kommentar an Sie im Blog “Warum die USA ihren Bankensektor….”, der Sie vielleicht nicht mehr erreichte. Aber er gilt immer noch!
          Linus,
          Ich finde, Sie sind einer der wenigen kontemporären Menschen die mir bekannt geworden sind in meinem langen Leben, der sich intellektuell in der Richtung des fundamentalen Verstehens der Naturgesetzlichkeit des Werdens, Daseins und Vergehens bewegt (wenn vielleicht auch etwas mit Hilfe von Intuition aber wertvoll, und auf die sind wir ja auch angewiesen!), und dabei sind Sie vielleicht so nahe an deren Erfassen herankommt wie es der heutige Stand der Evolution überhaupt möglich machen kann. Es freut mich sehr Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, und dafür danke ich auch dem Tagi..

        • Anh Toàn sagt:

          Zuerst reden Sie von Regierung, dann von auszulosenden Parlamentariern, was denn jetzt? Alle? Sollten im Flugzeug die Piloten auch ausgelost werden? Auch das Auslosen des Entscheides selber, statt der Parlamentarier, verhindert Korruption. “Aber eben, auch diese Variante dürfte seine Nachtteile in sich tragen, sodass es eine Ermessensfrage zwischen den verschiedenen Vor- und Nachteilen darstellt.” Oder kurz, Ihr Vorschlag ist hirnrissig.

        • Anh Toàn sagt:

          Su
          ie stehen nicht mal selber zu Ihrem Vorschlag, haben kein vernünftiges Argument dafür, aber reden doch schon zum zweiten mal davon, nu abe immehin, haben Sie jetzt ein Groupie!

        • seebueb sagt:

          ‘Zufallsgenerator’

          Jetzt fehlt nur noch ‘Kinder an die Macht’, am besten solange sie noch in den Windeln sind.

        • Linus Huber sagt:

          @ seebueb

          Warum finden Sie es notwendig, meine Idee ins lächerliche zu ziehen?

          Manch ein z.B. einfacher Bauer dürfte aufgrund seiner Naturverbundenheit mehr von Nachhaltigkeit, von nicht vorhersehbaren Nebenwirkungen verstehen als ein indoktrinierter Studierter, wobei der zweite sich oft dadurch auszeichnet besser lügen zu können. Natürlich müsste die Möglichkeit bestehen, dass man sich dieser Pflicht verweigern kann und eine 2. oder 3. Alternative eingezogen wird. Der grosse Vorteil liegt darin, dass dadurch zu wenig Zeit bereit steht, sich vetternwirtschaftlich zu verbanden und dadurch diese Parlamentarier stärker das Gedankengut der Bevölkerung zum Tragen bringen dürften, denn sie wissen, dass sie nach einem Jahr wieder beim Pöbel sein werden.

          • Anh Toàn sagt:

            Ihre Idee ist lächerlich, selbst ein Zufallsgenerator für die Entscheidungen wäre besser, als Unwissende / Unerfahrene / Unvorbereitete an die wichtigen Stellen zu setzen, aber auf keinen Fall lange genug da lassen, bis sie etwas verstehen oder gar bewegen könnten.

            Die Macht wird so noch mehr von der Politik zu den Chefbeamten verschoben.

            Wer macht die Arbeit des einfachen Bauern auf dem Hof, wenn der Bauer seine Nachhaltigkeit im Parlament einbringt?

          • seebueb sagt:

            Weil sie genau das ist: lächerlich.

            Um tragfähige Lösungen zu entwickeln und Probleme möglichst zu vermeiden bevor sie tatsächlich auftreten, ist Sachwissen unerlässlich, und das fällt einem nun Mal nicht einfach so in den Schoss bloss weil man zu irgendwas gewählt wurde oder sich dazu berufen fühlt. Habe ich ein Problem mit meinem Auto, bringe ich es nicht zum Schreiner sondern in die Garage.

            Beauftragen Sie meinetwegen den Gemüsebauer von nebenan mit der Projektierung und Projektleitung Ihres Einfamilienhauses, schliesslich geht es in beiden Fällen ums ”hochziehen’. Das wird ganz bestimmt eine tolle Sache – im wahrsten Sinn des Worts.

    • Markus Ackermann sagt:

      @Linus Huber Ja
      1. Korruption ist immer der dunkle Spiegel von Regulationen:
      a) In einer effizienten Marktwirtschaft hat es keine Marge für Korruption, weil die Konkurrenz den Preis auf die Grenzkosten drückt.
      b) Ausgebeutet durch Korruption wird immer der ZAHLENDE: Er ist NACH der Korruptionszahlung ärmer als vorher. Also wird er Korruptionszahlungen NICHT FREIWILLIG leisten. Korruptionszahlungen sind Transaktionskosten (siehe R.H. Coase).
      Freiwillig wird der Zahlende nur dann Korruptionszahlungen leisten, wenn die Bürokratie ihn teurer käme (oder gar nicht möglich wäre). Die Entscheidung liegt beim MÄCHTIGEN, der Ja oder Nein entscheiden kann. In vielen Fällen schmiert man einen Bürokraten, damit er das macht, was die Regulationen vorsehen. Der Beamte agiert wie ein Zöllner in eigener Sache:
      – entweder Du zahlt, dann erhälst Du den Stempel, auf den Du ohnehin gesetzlich Anspruch hast
      – oder ich lege Dein Anliegen ZUUNTERST in die Beige der Pendenzen
      Bürokratiekosten und Schmiergeldkosten sind Transaktionskosten, welche als Gemeinkosten kalkulatorisch auf die Marktleistung geschlagen werden (müssen). Diese Transaktionskosten haben ihren Grund in Regulationen. Mächtiger als der Zahlende ist der Korrupte deshalb, weil die Regulationen ihm in die Hände spielen.
      c) Selbstverständlich gibt es Regulationen, die eine geschäftliche Transaktion total verbieten (z.B. Drogen, Enteignungen etc.). Aber
      – die Durchsetzung des Rechts ist hier nicht ein Problem der Korruption, sondern der Durchsetzung des Rechts: Das Recht soll den Drogenhandel als solchen, die Enteignung als solche verhindern. Und genau für die Durchsetzung dieses Rechts sind die Bürokraten zuständig.
      – Also sollte es bei der Korruptionsbekämpfung nicht um die Bekämpfung des Zahlenden, sondern um die Bekämpfung des korrupten Bürokraten gehen
      d) Die Fälle, in denen eine Transaktion total verboten wird, sind tendenziell geringer, weil das total verbotene Deliktsergebnis für alle manifest ist: der Landdiebstahl ist erfolgt, die Drogen sind auf der Strasse etc.
      Die Korrupten in vielen Ländern machen ihr Geschäft mit Ermessensentscheidungen (Zuteilung der Öllizenzen, Privatisierung der Staatsbetriebe, Bauvorschriften für ein Restaurant, Lebensmittelinspektor, Papierchen 1-n, etc.) also
      – wo der Bürokrat sie überlegen darf, ob eine Transaktion in Übereinstimmung mit der Regulation steht oder nicht
      – der Zahlende sich einen Konkurrenzvorteil erhofft, weil seine Marge steigt (aufgrund der geringeren Konkurrenz) und er deshalb zu höherem Preis verkaufen kann (im Vergleich zu voller Konkurrenz)
      – In DIESER Situation teilen sich Bürokraten und Zahlende die Marge
      2. Die beste Form der Korruptionsbekämpfung sind:
      – Demokratie (Lobbies können zwar PolitikerINNEN und Beamte bestechen) aber nicht das Volk (denn dann hätten die Zahlenden keine Marge mehr, weil die Marge von diesem Volk stammt)
      – ein FUNKTIONIERENDER Rechtsstaat
      DARUM stehen in den vielen korrupten Ländern immer die Mitglieder des Mittelstandes auf (vor allem ihre Kinder, siehe Mexiko, Griechenland, Türkei, you name it)

      • Linus Huber sagt:

        @ Markus

        Sie betrachten hier korruptes Verhalten im engen Sinn. Was glauben Sie, wie viele Gesetzesvorlagen von den lobbyierenden Grossfirmen mindestens im Grundsatz selbst entworfen werden und warum sich viele Parlamentarier für die Regulierung zugunsten der Grossfirmen und Banken einsetzen, respektive sich sehr schwer tun, etwelche fehlerhafte Entwicklungen, welche diese gleichen Firmen betreffen, durch griffige Regulierung zu korrigieren? Welche Wonne, wenn man zugleich auch noch Ökonomen heranziehen kann, welche anhand einer entsprechenden Doktrin ins gleiche Horn blasen, was ausgezeichnet als Feigenblatt dient. Dass die Doktrin fehlerhaft ist, wird einfach ignoriert.

      • Markus Ackermann sagt:

        Ja, Herr Huber
        DARUM ist die EU als Lobby-Club eine “Bonanza” für Konzerne (nicht nur für frz. und dt. Banken, wie bei GR-Krediten / -Bürgschaften):
        1. Die Regulationen treiben die Transaktionskosten nach oben und damit wird die Konkurrenzierung durch KMU verhindert, weil diese Transaktionskosten als Gemeinkosten auf die Stückkosten umgelegt werden müssen: Da die Genossenschafts-Molkerei weniger Menge produziert (zu [in absoluten Zahlen] gleich hohen Transaktionskosten wie der internationale Konzern) sind die Stückkosten der Genossenschafts-Molkerei höher als die Stückkosten des internationalen Konzerns. => Die Transaktionskosten bestimmen die Grösse der verbleibenden Firmen
        2. Weil der Konsument nicht mehr konsumieren darf, was er will [z.B. bestimmte Sorten von Äpfeln oder Maid] bestimmt der internationale Konzern kraft Regulationen, den ZWANGSKONSUM des Konsumenten => konkurrierende Angebote sind / werden verboten
        3. Die Rechtfertigungen für diese UNPRODUKTIVEN Regulationen sind beliebig definierbar durch spin-doctors der Lobbies: Für den gesamten EU-Raum muss man nur in Brüssel ein paar Beamte (“überzeugen”, vulgo einschüchtern, schmieren, mit Studien ersäufen oder was sonst gerade passt) und dann “geht alles wie von selbst”, denn die Richtlinien der EU sind für die nationalen Parlamente zwingend: die Souveränität (= LETZT-Entscheidungsrecht) der nationalen Parlamente oder gar der Rechtsunterworfenen (= Volk) ist schon längst in’s Nirwana delegiert.

        • Linus Huber sagt:

          Danke Markus, wir liegen in etwa auf der gleichen Linie.

          Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die so genannt linken Parteien mit ihrer Ideen der zunehmenden Verlagerung von Entscheidungen auf eine höhere Entscheidungsebene oft das “neoliberale” Gedankengut, welches immer mehr Macht auf die Teppichetage der Grossunternehmen zu verlagern versucht, viel stärker unterstützt ohne es zu merken.

  5. Flückiger sagt:

    Es ist beschämend, diese Kommentare von Schweizern zu lesen, welche Diktaturen wie China, Russland und andere in den Himmel loben! Was kommt zum Beispiel aus China: Nichts als Schrott, kopiert, billig, für Profis und Anspruchsvolle nicht brauchbar! Neue Erfindungen, Wissenschaftliche Errungenschaften, Erkenntnisse aus China, Indien, Russland und all den von den Naiven so Hochgelobten? Nichts, aber gar nichts!! Amerika ist nach wie vor, und weiterhin die führende Nation in Wissenschaft und Innovation, um Längen allen andern voraus!

    • Maiko Laugun sagt:

      @Flückiger: “…um Längen allen andern voraus!” …. Ja, Sie glauben wohl, dass dies auch immer so bleiben wird und dass Silicon Valley alleine 400M Amerikaner ernähren kann, oder? Deshalb sind ja schon 20% auf Food Stamps. In Europa sieht es nicht besser aus mit all den Arbeitslosen. Man hat bloss die Ausgesteuerten, 1-Euro-Jober etc. aus der Statistik genommen. …”…in den Himmel loben!” …. Genau dies haben Sie selbst soeben in Bezug auf die USA getan. Ich habe oben ein paar (naive ?) Fragen gestellt. Auf kluge Antworten warte ich noch.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Weltbank definiert Menschen als extrem arm, wenn sie weniger als 1,25 Dollar pro Tag zur Verfügung haben. Bei der Vorstellung des nationalen Armutsberichts vor ein paar Tagen gab der zuständige Kommissionsleiter der Zentralregierung Zheng Wenkai zu, dass diesem Maßstab zufolge die Zahl der Armen in der Volksrepublik sogar bei über 200 Millionen liegt. Das heißt: Mehr als jeder sechste in China gilt als bitterarm.

        aus: http://blog.zeit.de/china/2014/10/17/chinas-extreme-ungleichheit/

        In China gibt es keine Food Stamps, toll gell!

    • Josef Marti sagt:

      Mal abgesehen von der high tech Rüstungs- und Kriegsindustrie als grösster Arbeit- und Auftraggeber des Landes beschränkt sich die Innovation der USA auf tonnenweise Mikrowellen-Fastfoodschrott aus dem Silicon Valley und Hollywood für das wachsende Konsumheer der infantilisierten Hartz IV Generation. Deshalb auch die jahrzehntelangen hohen Handelsdefizite, weil schlichtweg keine langlebigen Konsumgüter produziert und entwickelt werden, das muss man sich alles aus Japan, D, Taiwan, Südkorea, Schweden, CH etc etc. importieren.

  6. Alexander sagt:

    Klasse, wunderbar aufbereitet. Von wegen Unabhängigkeit von der Weltmacht..

  7. Dieter Neth sagt:

    Erstaunlich die Ignoranz über die amerikanische Lebensweise. Und viel Propaganda der der lateinamerikanische Eliten ist auf fruchtbaren Boden bei den naiven Auslandschweizern gelangt. Böser Gringo und arme liebe Schwellenländer! Die meisten Amerikaner leben auf einem viel geringeren wirtschaftlichen Niveau als die Schweizer, und die allermeisten Ressourcen kommen ebenfalls aus Nordamerika. Im Gegensatz zu Europa, das seinen Hunger auf Billigfrass mit brasilianischer Soya und indonesischem Palmöl sättigt. Ich lebte lange genug an der US mexikanischen Grenze um darüber im Bilde zu sein. Vor allem über den billigen lateinamerikanische Nationalismus, um die Massen ruhig zu halten. Und dumm. Nur mit dem Absingen der Nationalhymne gehen tausende von Unterrichtsstunden verloren. Die lateinamerikanischen Regierungen sind durchs Band extrem korrupt, menschenverachtend und im Grunde überflüssig. Sie dienen nur 3 % der Bevölkerung – und den Expats aus USA und Europa. Die Bevölkerung käme gut ohne aus, leider fehlte der Mut vor Ort, Chihuahua unabhängig zu machen und das Gesindel aus Mexico D.F. zum Teufel zu jagen.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Neth: “Vor allem über den billigen lateinamerikanische Nationalismus….” … Können Sie bitte “latein” streichen und durch “U.S.” ersetzen? Dann stimmt’s. Dem Patriot Act mit seiner Lügenpropaganda haben die U.S.-Amerikaner zugestimmt und werden durch die eigene Regierung lückenlos ausspioniert und sitzen (u.a.) wegen den Kriegen auf kaum mehr rückzahlbaren Schulden. Wer ist denn nun hier wirklich dumm? …”Ich lebte lange genug an der US mexikanischen Grenze…” … Dann sind bzw. waren Sie selber als auch ein …”naiven Auslandschweizern”?

  8. Marcel Senn sagt:

    Mit grosser Begeisterung hat Cristina Fernandez de Kirchner neulich in einer Ansprache an die Nation die McKinsey Studie über Debt und Deleveraging zitiert, bei der Argentinien als einer der wenigen Länder weltweit die Schulden runterfahren konnte und das erst noch bei einem tiefen Verschuldungslevel von 46% (zumindest nach der offiziellen Ex-Change Rate – mit dem “Blue” dem Schwarzmarktkurs wären die Schulden etwa bei 65-70%, aber immer noch vergleichsweise tief.
    .
    Siehe Exhibit 2
    http://www.mckinsey.com/insights/economic_studies/debt_and_not_much_deleveraging

    Argentinien hatte halt das “Glück” dass sie schon 2002 pleite gingen und seither von den internationalen Kapitalmärkten gar kein Geld mehr bekamen (ausser neulich der China Swap – aber das war eine bilaterale Vereinbarung) und sich so gar nicht mehr weiter verschulden konnte.
    Dazu kam der wachsende Fleischhunger der Welt – und da Rinder auch Futter brauchen wuchs eine extreme Gentechsoyaiproduktion in Argentinien, die mittlerweile die Hälfte der Exporte ausmacht mit zw. 40-50 Mrd $ pa!
    Interessant in diesem Zusammenhang vielleicht der Film “Cowspiracy”, der auch aktuell beschrieben wird

    http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Die-Verschwoerung-der-Fleischesser-/story/12821568

    Die Fleischeslust der Welt hat Argentinien gerettet – ironischerweise hat Argentinien seinen eigenen Rinderbestand in den letzten Jahren um über 20% runtergefahren um dafür umso mehr Soya anzubauen, welches dann wieder in der Welt an Rinder verfüttert wird.
    .
    Aber vermutlich nur wenige Länder auf der Welt werden mit Krisen und Bankrotten so gut umgehen können wie Argentinien, welches eben auch breit diversifiziert ist – neben Landwirtschaft gibt es auch grosse Oel- und Gasvorkommen, Auto- und Elektronikproduktion etc. – dies ganz im Gegensatz zu Venezuela, die zu 96% auf Oel gesetzt haben und jetzt am A…. sind!

    • Rolf Zach sagt:

      Wie Sie gesagt haben, Herr Senn, ist Argentinien vom Lieben Gott bevorzugt, was seine natürlichen Ressourcen betrifft.
      Ebenfalls wissen wir alle, dass privat die Argentinier Gläubiger in USD sind und staatlich Schuldner in USD. Dieses Missverhältnis ist aber eindeutig der sozialen und politischen Lage des dortigen Staates und seiner Bürger zu verdanken. Ein Zustand, der als eines der reichsten Länder um 1920, es heute in einen hinteren Rang heruntergewirtschaftet hat. Der Dichter Naipaul hat dies sehr schön beschrieben. Interessant ist zu untersuchen wie weit die Wirtschaftsgeschichte Argentiniens sich für die heute Lage Brasiliens relevant ist.

      • Marcel Senn sagt:

        Zach: Ja von 1900 kam der Ausdruck “rich comme un Argentin” aber das war nur eine sehr sehr kleine Oberschicht, die ihre Kids nach Paris zur Ausbildung schickten und franz. Architekten nach Buenos Aires lockten um Paris nachzuahmen! Also ein sehr verzerrtes hohes pro Kopf Einkommen!
        .
        Und so schlecht geht es Argentinien gar nicht – trotz relativ hoher Inflation (die dann einfach über Lohnzuwachs wieder ausgeglichen wird), selective Default etc. 2001-03 ging es wirklich schlecht, aber eben u.a. dank Gentechsoja und Mais, sowie auch vielseitiger industrieller Produktion und Handel mit China ist die Lebensqualität sicher besser als aktuell in Spanien, Portugal – die AL liegt bei etwa 7%, Universitäten sind gratis, das Gesundheitswesen funktioniert einigermassen, gut Armut gibt es sicher auch noch in den Villas in der Peripherie vor allem, aber in geringerem Ausmasse als Brasilien.
        Ich verkehre viel in der Mittelschicht dort und unter einem wirklich heruntergewirtschafteten Land verstehe ich einfach was anderes – nämlich wenn gar nichts mehr geht, viele Menschen nur noch perspektivlos depressiv und nutzlos auf der Strasse rumhängen (z.B. wie in Griechenland aktuell oder die Biler der grossen Depression der 30er) und Argentinien ist aller Unkenrufe zum trotz immer in Bewegung und es herrscht wirtschaftliche Aktivität und auch die Lebensqualität ist nicht wirklich schlecht!

  9. Maiko Laugun sagt:

    Ich hoffe und bin zuversichtlich es noch zu erleben, dass diese unsägliche amerikanische Diktatur durch den Dollar (inkl. Petro Dollar) bald zu einem Ende kommt. Aufstrebende Grossmächte wie Indien und vor allem China arbeiten mit Hochdruck daran. Leider muss dabei auch militärisch aufgerüstet werden, da sich durch den drohenden Niedergang der amerikanischen Kreuz- und Raubritter die Gefahr von weiteren und grösseren Kriegen erhöht. Vielleicht merken es sogar die dummen Europäer langsam, dass sie sich von ihrer an Selbstverleugnung grenzenden Unterwürfigkeit gegenüber den USA lösen müssen: http://www.chinadailyasia.com/business/2015-03/18/content_15240333.html …………….. http://asia.nikkei.com/Politics-Economy/International-Relations/Europeans-eager-to-join-China-led-bank

    • Christoph Bögli sagt:

      Natürlich ist es fraglich, ob die Währungsdominanz des US-Dollars sinnvoll oder noch zeitgemäss ist. Die andere Frage ist jedoch, was denn die bessere Alternative wäre. Der Euro hätte gewisses Potential gehabt, hat sich aber mittlerweile nachhaltig disqualifiziert. Sämtliche andere Währungen sind zur Zeit nicht etabliert genug und v.a. von Ländern kontrolliert, die wirtschaftlich wie politisch noch wesentlich instabiler sind. Gerade China oder Indien ins Spiel zu bringen ist ziemlich naiv angesichts deren massiver Probleme. Eine globale Leitwährung in deren Hände zu geben wäre wirtschaftspolitisch kaum nachvollziehbar – und politisch sowieso nicht. Wenn die “amerikanische Diktatur” den USD schon zu disqualifizieren scheint, was genau versprechen Sie sich dann von der chinesischen Diktatur mit noch wesentlich skrupelloserer Interessenspolitik oder dem korrupt-kriminellen Pulverfass Indien?

      • Maiko Laugun sagt:

        @Bögli: Umgekehrt! Naiv ist es, Indien und China nicht ins Spiel zu bringen. Beide haben andere politische Systeme was nicht gleichbedeutend mit einer Diktatur ist. Eine solche finden Sie z.B. in Nordkorea. Skrupellos sind einzig die USA mit kriminellen Kriegen. Europa wird nur ausgenützt, weshalb ich den alten Kontinent als dumm bezeichne. Russland wurde bereits in die Hände von China getrieben, mit Wirtschaftsabkommen ohne USD. Es werden noch viele folgen. ….”Eine globale Leitwährung in deren Hände zu geben wäre wirtschaftspolitisch kaum nachvollziehbar -” …. Können Sie mir das erklären? Warum tun es denn andere bereits? Was sind denn die Vorteile des USD und vor allem für wen? Was dieser anrichtete, sehen wir ja.

        • Christoph Bögli sagt:

          “Andere politische Systeme” ist ein netter Euphemismus für das totalitäre Parteien-Konstrukt in China. Ebenso ist es halt schon fast herzig eindimensional und kindisch, die USA mit ihren “kriminellen Kriegen” als einzig skrupellosen Akteur wahrzunehmen, jene von Russland etwa aber natürlich zu ignorieren, genau so wie das perfide Ressource-grabbing der Chinesen, das letztlich Wirtschaftsimperialismus in Reinkultur ist. Die Europäer sind hinter ihrer pseudohumanistischen Fassade im übrigen auch nicht viel besser. Die Frage wäre eher, welches Land punkto Geo- und Wirtschaftspolitik nicht eigensinnig und skrupellos ist – die Antwort dürfte lauten: keines.
          Vergessen geht auch, dass der USD durch seine Position ja längst ausserhalb der völligen Kontrolle der USA ist. Gerade China hat in der Währungsfrage heute schon einen grossen Einfluss, insofern ist es nicht ganz klar, wo genau Sie da ein US-Diktat sehen. Zumal sich China ja vorsätzlich passiv verhält in Währungsfragen und sich an den USD koppelt – wenn China das ändern will, dann ginge das jederzeit, aber dafür müssten sie die eigene Währung halt emanzipieren und dann als globale Kraft etablieren – mit allen Konsequenzen. Aber gerade diese scheuen die Chinesen offenbar..

          • Maiko Laugun sagt:

            Herzig ist es, wenn man folgende Fakten ausblendet, um nur mal die wichtigsten zu nennen: Irak, Afghanistan und das von der Landkarte bomben von Libyen, da die den Petro Dollar umgehen wollten ….(wo genau Sie da ein US-Diktat sehen”) … , die Ausdehnung der EU/NATO gen’Osten, anstatt wirtschaftliche Brücken zu bauen. Soll Russland zuschauen? http://rt.com/news/242257-uk-us-ukraine-training-mission/ … Die Aussage “Der USD ist unsere Währung, aber Euer Problem” stammt aus den USA. Die Oeffnung des RMB ist schon weit fortgeschritten und wird sich schon bald …”als globale Kraft etablieren” … . Dazu gehört auch das Thema meiner 2 links oben.

          • Walter Boshalter sagt:

            Massgebend für die Fortdauer der US$-Dominanz dürfte schlicht und ergreifend die politische Stabilität und die Rechtssicherheit der USA sein. Ich spreche nicht vom Strafrecht sondern für das wirtschaftsrelevante Sachenrecht. In den USA kann eine Standard Oil gerichtlich zerschlagen werden, versuchen sie das mal mit einem marktdominierendem chinesischen Konglomerat das einem Pekinger Prinzling gehört. Zudem: Solange das Verhalten als Aussenmacht dem Geschäft dient wird manche europäisch-aufgeklärte Regierung wohlig mit dem Moralfinger auf die USA weisen, aber hinter vorgehaltener Hand froh sein dass jemand die Kastanien aus dem Feuer holt.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Boshalter: Warten Sie mal das Transantlantik-Abkommen ab (falls es denn kommt) dann werden Sie sehen, wie viel Rechtssicherheit die europäischen Konzerne dann vor U.S.-Gerichten haben werden. Amerika toleriert nur sich selber, sonst gar nichts. “…politische Stabilität….”. Wie lange noch bei diesen Schulden? Die Politik dort ist gekauft und wird dominiert von kriegstreibenden Oel- und Waffen-Prinzlingen. Welche “Kastanien”? Können Sie mir bitte erklären, weshalb die BRIC Staaten ihre eigene Development Bank gründeten und sich die asiatischen Staaten in ihren Vereinigungen immer mehr zusammen schliessen und dabei den USD umgehen? Meine Antwort würde lauten (Verzeihung für die Wortwahl!) weil die alle die Schnauze gestrichen voll haben von Amerika. Der Beitrag hat nicht umsonst den Titel “Dollarproblem”. Weshalb setzen die USA alles daran, den USD als Leitwährung (plus Dollar Clearing) und den Petro Dollar zu halten? Wie kommen die USA wieder aus diesen Schulden heraus?

          • Christoph Bögli sagt:

            @Laugun: Achja, die Mär vom stabilen, friedlichen Libyen, das ganz böse und nur wegen dem Ölgeschäft angegriffen wurde, natürlich auf Betreiben der USA und nicht etwa der Europäer!, darf natürlich nicht fehlen. Dass das Verhalten all der erwähnten Staaten eben gerade belegt, dass erstens durchaus von der USA unabhängige Politik möglich ist und zweitens alle anderen, insbesondere die korrupt-morschen BRICs, genau so nach Macht und Vorteilen streben – geschenkt. Alle ganz lieb und unschuldig und frei von Interessenspolitik, ausser die USA – wenn das die Prämisse und Schlussfolgerung gleichzeitig ist, dann ergibt sich die “Realität” natürlich wie von selbst. Und mit Gläubigen lohnt sich eine Diskussion bekanntlich nicht..

    • Marcel Senn sagt:

      Maiko: Der USD ist die stärkste Waffe der Amis und wer es wagt diesen anzugreifen wird es mit der am stärksten dotierten Armee der Welt zu tun bekommen!! Es hat einen Grund, dass die Amis jedes Jahr um die 600 Mrd $ in ihre Verteidigung investieren — es wird der allmächtige USD damit wenn notwendig auch militärisch verteidigt!
      .
      Die Amis wissen doch genau, dass ihre ganze Lebensweise, der Ressourcenverbrauch, die exorbitante Verschuldung und grosse Teile ihres Wohlstandes auf einer riesigen Lüge basieren – der amerikanische Traum ist vermutlich die grösste Lüge des 20. Jahrhunderts – nur geringe Teile der Weltbevölkerung können auf diesem verschwenderisch hohem Niveau leben!
      .
      Und wenn der USD mal attackiert werden sollte, dann gibt es den dritten Weltkrieg! Ihr wirtschaftskolonialistisches System lassen sich die Amis nicht einfach so wegnehmen!

      • Maiko Laugun sagt:

        Hoi Marcel, Danke, meine Worte! …. (“Leider muss dabei auch militärisch aufgerüstet werden…”) … Schreibe Dir gelegentlich mal wieder eine E-mail. Gruss aus China nach Südamerika! 🙂

    • Markus Ackermann sagt:

      Frage an Laugun + Bögli
      Nach meiner Erinnerung ist China (Staat) immer noch der grösste Gläubiger der USA (zumindest einer der grossen).
      Damit hat China ein Klumpenrisiko in der Anlage. Was wäre die beste Wahl für China?
      1. Kredite an die USA zurückführen? Wohin dann mit der Anlage? In’s Gold?
      2. Privat-Firmen verschulden sich in $ zur Finanzierung (hoffentlich: produktiver) Investitionen.
      “und nun steigt der Dollar” (NMTM-Beitrag) oder Privat-Firmen in China bekommen Probleme mit Zins- und Amortisationszahlungen in $ (z.B. weil die Wirtschaft in China abstürzt)
      Was würde der Staat China nun tun?
      Vielleicht: $-Schulden der Privat-Firmen in China übernehmen, diese verzinsen und amortisieren … und damit das $-Exposure von China (Staat + Private) reduzieren?
      Wäre dies positiv oder weniger negativ für den Staat China oder wirklich ein Grund zur Sorge, wie es der NMTM-Beitrag meint? Ich kenne die Realitäten (Staats-Kapitalismus) in China nicht: müssen wir uns in Europa Sorgen machen?

      • Rolf Zach sagt:

        Ich will in meinem Kommentar nicht die Ansichten wiederholen, die deutlich aufgezeigt haben, warum der USD eine Weltwährung ist und nicht der Yuan. Es sind die Chinesen selber, die ihrer eigenen Währung nicht trauen und damit auch nicht ihrem politischen System. Wer sind denn diese Gläubiger der USD Kredite an chinesische Unternehmen? Pensionskassen und Versicherer aus Europa und den USA? Sicher nicht! Es sind die Chinesen selber. China hat eine Art zweiter interner Währungskreislauf in USD neben ihrem einheimischen Yuan und dies bei einer starken Leistungsbilanz gegenüber dem Ausland und im besonderen gegenüber der USA. Wo liegt nun die wirkliche Gefahr für China und dem Gang der Weltwirtschaft, was zwei verschiedene Dinge sind. Diese einheimischen chinesischen USD Kredite können durchaus in der Art der Sub-Prime Krise in den USD explodieren. Werden dann die hauptsächlich chinesischen Gläubiger mit USD Treasury Bonds gehalten durch die chinesische Zentralbank entschädigt? Dieser Rückzug der Devisenguthaben der chinesischen Zentralbank ist die eigentliche Gefahr für den Gang der Weltwirtschaft, ähnlich wie der Rückzug der privaten USD Kredite in den 30er Jahren, nur handelt es sich hier um eine staatliche Institution. Viele Gelder in diesem zweiten chinesischen Währungskreislauf (USD neben Yuan) stammen aus Korruption der obersten Parteikaste, heimliche Liquiditätspolster chinesischer Unternehmer etc.. Man sollte in diesem Zusammenhang auch vorsichtige sein mit Wörtern “kriminelle Machenschaften” und “Verschwörung”. Die Akteure handeln nach ihren Interessen und ihren Stärken ihrer Situation, man kann auch sagen Schwächen. Öfters denken sie nicht über ihre Nasenspitze hinaus. Wir haben 2008 extrem Glück in Unglück gehabt.

      • Maiko Laugun sagt:

        Der Chinesische Präsident Xi Jinping hat vor über einem Jahr öffentlich gesagt: “Die Tage des USD als Leitwährung sind gezählt”. Alles andere ist irrelevant. Mehr schreibe ich nicht, sonst wird es wieder gelöscht.

        • Anh Toàn sagt:

          Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei.

          • Maiko Laugun sagt:

            Confucius soll gesagt haben: “Respektiere Götter (USA?) und Geister (USD?), aber halte eine Distanz zu ihnen.”

      • Markus Ackermann sagt:

        Danke, Herr Zach.
        Sie bringen hier Elemente, die mir einleuchten:
        1. In jeder Diktatur (Souveränität [=letztinstanzliche Entscheidung] liegt NICHT bei den Rechtsunterworfenen [Volk]) gibt es keine persönliche oder wirtschaftliche Sicherheit für die Habenden. DIES ist ein seit Jahrhunderten wirkendes Motiv für Kapitalflucht und ein sich gegenseitig stützendes Mechano zwischen Unterentwicklung und Entrechtung: Was WIRKLICH gilt im Land wird NICHT in den offiziellen Institutionen bestimmt, sondern in einer gesellschaftlichen “cupola” (oft: familiär assoziiert). Und diese Clans beuten das Land aus.
        Solche Situationen wurden regelmässig durch bürgerliche Revolutionen beendet, weil die Bürger an die “Säulitröge” drängten und für sich Sicherheit organisieren wollten: Verfassung, Rechtsstaat, Demokratie etc. Z.B. die BRIC-Staaten sind nicht auf diesem Stand => Kapitalflucht
        2. Der Aufbau von Wirtschafts- und Kreditkreisläufen (Schwarzmarkt, Schwarzmarkt-Wirtschaft, Devisenkreisläufe im Land etc.) parallel zur offiziellen Wirtschaft ist ebenfalls typisch für Diktaturen und der EIGENTLICHE wirtschaftliche Motor, damit die Bürger den Diktatoren Widerstand entgegen bringen können (natürlich nutzen und profitieren die Diktatoren selber von Schwarzmarkt und Schwarzmarkt-Wirtschaft)
        3. Wenn diese Parallel-Wirtschaft in China tatsächlich so gross ist, wie Sie schreiben, dann würde ein Zusammenfallen dieser Schwarzmarkt-Wirtschaft die Wirtschaft in Europa schädigen, weil die Export-Nachfrage (Uhren, Konsumgüter etc.) zurück ginge, aber ein Schock wie der NMTM-Beitrag befürchtet, wäre dies nicht. Eher eine De-Stabilisierung von China (und damit vielleicht die Chance auf eine Demokratisierung).
        4. Spannend und gut überlegt finde ich Ihre Schlussfolgerung und das von Ihnen entworfene Szenario,
        – dass China als Staat die eigene Schwarzmarkt-Wirtschaft stützen könnte, um eine politische Revolution zu verhindern
        – dass China dafür seine Kredite an die USA zurückzieht
        Damit wäre meine Frage (Müssen wir uns in Europa Sorgen machen?) wie folgt beantwortet:
        Ja (aber mehr noch die USA), wenn die politische Stabilität der Diktatur in China in Frage stehen würde.
        -> Ui, ui, ui, politisch nicht korrekt, aber plausibel.

        • Maiko Laugun sagt:

          “…dass China als Staat die eigene Schwarzmarkt-Wirtschaft stützen könnte…”. Unsinn! Es werden aktuell im Rahmen der Anti-Korruptionskampagne Abkommen mit anderen Ländern geschlossen, zwecks Rechtshilfe/Rückführung von kriminellen Geldern. Gilt auch als Antwort an @Zach: “…China hat eine Art zweiter interner Währungskreislauf in USD…” Darf ich nun wieder schreiben hier? Oder wird es erst nachher gelöscht?

          • Maiko Laugun sagt:

            Chinesen und Ausländer können Fremdwährungen hierher überweisen so viel sie wollen, wird allerdings pro Jahr/Person auf den Gegenwert von USD 50K zum Wechseln eingeschränkt. Der Rest wird gutgeschrieben. Es gibt keinen nennenswerten Schwarzhandel. Zudem wird der RMB immer mehr geöffnet und ausländische Investoren/Firmengründungen sind willkommen.

        • Markus Ackermann sagt:

          @Laugun
          Dann müssen wir uns in Europa also keine Sorgen machen, wie der NMTM-Beitrag fürchtet? Ist mir auch recht.
          Wie ist es jetzt?
          – Wer sind die $-Schuldner und $-Gläubiger in China? Was sind ihre Optionen? Wie kam es soweit und wie wird es weiter gehen?
          – Was passiert bei deren Ausfall?
          – Wie gross ist das Problem?

  10. Max Wartenberg sagt:

    “Es ist unmöglich, Wechselkursbewegungen zu prognostizieren; für die Zwecke dieses Blogbeitrags gehen wir jedoch von der These aus, dass der Dollar in den kommenden Monaten weiter erstarken wird”. Bin kein Wirtschaftstheoretiker, aber eine These auf etwas aufbauen das unmöglich ist zu prognostizieren scheint mir äusserst unzuverlässig und wenig glaubhaft.

    • seebueb sagt:

      Weshalb? Im Grunde sagt er, er macht keine Kursprognose, aber falls der USD weiter steigen sollte, so drohen die im Artikel genannten Probleme. Macht doch durchaus Sinn.

  11. zweistein sagt:

    Ein steigender Dollar ist ein fiebriger Dollar. Hohes Fieber bei älteren Herren führt schnell in den Tod.

  12. Josef Marti sagt:

    Wäre auch interessant zu zeigen wie hoch sich die USA und ihre Wirtschaft in den letzten 10 Jahren in USD verschuldet haben, auch wenn man dann sagt, dass das für die wichtigste Leitwährung keine Rolle spielt.

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