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Wann kommen die Kapitalverkehrskontrollen?

Tobias Straumann am Mittwoch den 18. Februar 2015
NMTM

Die Ersparnisse in Sicherheit bringen: Kundinnen vor einem Bankautomaten in Athen. Foto: Keystone

Die Verhandlungen zwischen Griechenland und den anderen Euroländern sind am Montag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Am Freitag will man sich wieder treffen.

Was wird als Nächstes passieren? Das Wahrscheinlichste ist, dass Griechenland bald Kapitalverkehrskontrollen einführen und den Bezug von Sparguthaben beschränken wird. Seit Wochen holen die Griechen ihr Geld bei den Banken ab, um es in Sicherheit zu bringen. Das griechische Bankensystem wird dadurch immer instabiler.

Wie die Einführung von Kontrollen vor sich geht, konnte man in Zypern vor zwei Jahren beobachten. Übers Wochenende entschieden die Behörden, dass der zypriotische Euro von nun an nicht mehr mit in den normalen Euro umgetauscht werden konnte. Zypern trat dadurch temporär aus der Währungsunion aus. Auf dem Schwarzmarkt notierte der zypriotische Euro bisweilen unter dem offiziellen Kurs.

Das Beispiel Zyperns verdeutlicht auch, dass die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen nicht zu einem permanenten Austritt führen muss. Denn mittlerweile hat Zypern diese Kontrollen wieder stark lockern können, ohne dass es zu einer neuerlichen Kapitalflucht gekommen wäre.

Kapitalverkehrskontrollen erleichtern es aber durchaus, eine neue Währung einzuführen. Griechenland bräuchte jetzt nämlich nur noch die vorhandenen Euronoten zu stempeln und zur neuen griechischen Währung zu erklären. Dieses Vorgehen wurde in der Geschichte immer wieder gewählt, etwa in den Nachfolgestaaten von Österreich-Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg. In einem zweiten Schritt wurden dann die abgestempelten Noten durch neue Banknoten ersetzt.

Wann werden die Kapitalverkehrskontrollen kommen? Das ist unmöglich vorauszusehen. Die US-Bank J.P. Morgan erklärt in einer neuen Studie, dass die griechischen Banken noch 14 Wochen durchhalten können, wenn sich der Rhythmus der Abzüge nicht beschleunigt. Die Rechnung lautet: Im Moment verliert das griechische Bankensystem etwa zwei Milliarden Euro pro Woche, verkraften kann es den Verlust von 28 Milliarden Euro (Quelle).

Das Tempo der Abzüge kann sich allerdings beschleunigen, wenn die Bevölkerung das Vertrauen verliert. Bisher haben die stockenden Verhandlungen keinen grossen Einfluss gehabt. Wie lange noch?

 

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60 Kommentare zu “Wann kommen die Kapitalverkehrskontrollen?”

  1. Roland K. Moser sagt:

    Je mehr der Ballon aufgeblasen wird, umso lauter wird er beim Platzen knallen. Ganz einfach.
    Das Kriegsprojekt EU wird Erfolg haben, wenn nicht bald irgendeiner putscht, die Macht ergreift, die Sauerei aufräumt und anschliessend endlich Demokratie einführt.

  2. Linus Huber sagt:

    @ seebueb, maiko

    Dieser Artikel, welcher das Gedankengut von Yanis Varoufakis aufzeigt, mag Sie evtl. interessieren.

    http://www.theguardian.com/news/2015/feb/18/yanis-varoufakis-how-i-became-an-erratic-marxist

    • Anh Toan sagt:

      Im besten Fall zeigt Robin Hood das Gedankengut von Varoufakis auf, im Schlechtesten Pirates of the Mediterrean

  3. Manfred Grieshaber sagt:

    Herr Schäuble hat schon Nein gesagt zum neuen griechischen Vorschlag. Auch Spanien, Portugal und Italien wollen hart bleiben denn sie könnten den Wählern nicht erklären warum bei ihnen gespart werden muss und den Griechen würden gleichzeitig Sonderkonditionen gewährt. Wenn die neue Athener Regierung nicht von A bis Z zu den vereinbarten Reformen steht gehen am 01. März in Griechenland die Lichter aus. Ab dann fließt kein einziger EURO mehr an Krediten ins Land. Innert eines Monats müsste Athen den Staatsbankrott erklären, auch mit Kapitalverkehrskontrollen. Es bliebe dann nur noch der EU-Austritt. Denn ohne Austritt aus der EU gibt es keinen Austritt aus der EURO-Zone. Mit einer eigenen Währung wäre zwar wieder Geld in Umlauf aber das nützt nichts. Denn der EU-Austritt schließt für Griechenland automatisch die EU-Grenzen und gleichzeitig gibt es keine Subventionen aus Brüssel mehr. Der EU-Markt wäre erst dann wieder für Griechenland teilweise offen nach dem Abschluss eines Freihandelsabkommens. Bis dahin ist das Land in Anarchie versunken.

    • Linus Huber sagt:

      Vielleicht geht es der neuen griechischen Regierung nicht darum, den EU-Austritt zu verhindern, sondern darum, wer in diesem Zusammenhang den “moral high ground” für sich beanspruchen kann (Deutsche oder griechische Regierung). – Nur ein Gedanke.

    • Linus Huber sagt:

      “Wenn die neue Athener Regierung nicht von A bis Z zu den vereinbarten Reformen steht gehen am 01. März in Griechenland die Lichter aus.”

      Wirklich? Scheint nicht der Fall zu sein, weil offensichtlich die EU (Deutschland) vorerst einmal weiche Knie zeigte. Wenn sich diese Entwicklung extrapoliert liesse, zeigt sich, dass die Bedeutung an demokratischen Entscheiden sehr wohl wieder an Gewicht gewinnen mögen, da selbst die Künstler der Manipulation ihre eigene Unzulänglichkeit erkennen müssen.

      “Die Eurogruppe verlängert die Schuldenfrist für Griechenland um vier Monate.”

      • Anh Toan sagt:

        “Fakt ist: Die Griechen hatten bei diesem dritten Krisentreffen innerhalb von nicht einmal zwei Wochen offenbar schwere Kost zu schlucken.”

        “Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem legte schliesslich den Griechen ein Papier mit den klaren Vorstellungen der Geldgeber auf den Tisch, telefonierte mit Tsipras und stellte dem Vernehmen nach klar: Dieses Papier oder keines.”

        Quelle Newsnetz (Übrigens erster Satz: Ist kein Fakt, aber wohl dennoch gut beschrieben)

        Djsselbloom hat Varoufakis links liegen gelassen, Tsipras angerufen und ihm die Kapitulationsbedingungen vorgelegt.

        Auch müssen die Griechen bis Montag mehr liefern, sonst stimmt wohl der Bundestag nicht zu.

        Dass die EU bereit ist, Griechenland weiter zu finanzieren, war ne bestritten, aber zu den Bedingungen der EU.

    • Linus Huber sagt:

      Eine andere Analyse der Situation mag Sie evtl. ebenfalls interessieren:

      http://www.beppegrillo.it/en/2015/02/the_euros_up_in_smoke.html

      • seebueb sagt:

        Wenn jemand, zudem ein Politiker, im Zusammenhang mit den letzten 150 Jahren Absolutismen wie “immer” verwendet, sollte jeder zutiefst misstrausch werden. Grillo kriegt noch nicht mal die Jahrzehnte vor dem WK1 korrekt hin, mindestens von 1880-1910 verzeichnete DE durchwegs einen negativen Handelssaldo (“It has always had…”).

        Damit entlarvt sich Grillo gleich selbst als Schaumschläger.

    • Linus Huber sagt:

      @ Manfred

      Vielleicht könnte Sie diese Analyse interessieren. Wahrlich interessante Zeiten.

      http://blogs.channel4.com/paul-mason-blog/greece-deal-details-wrong-were-finished/3395

    • Linus Huber sagt:

      Überschuldet – Ja / Schuldig – Nein

      Die klare Verneinung der neuen griechischen Regierung, sich schuldig für die Überschuldung zu fühlen geht dem Konzept schlechthin heute unter dem Namen Neoliberalismus bekannt gegen den Strich und löst eine gewaltige Reaktion aus. Ein interessanter Artikel eines Philosophen.

      http://potemkinreview.com/note-syriza/

  4. Anh Toan sagt:

    Führt GR Kapitalverkehrskontrollen ein, ist klar dass sie aus dem Euro raus gehen und der Staatsbankrott unabwendbar ist, vermutlich zögern die Griechen darum damit.

    • seebueb sagt:

      Warum?
      Zypern ist heute noch dabei obwohl mehr als 1 Jahr lang Kapitalverkehrskontrollen in Kraft waren.

      GR will erklärtermassen im Euro bleiben, die Geldgeber haben wohl ebenso kein Interesse an einem Austritt. Aber auch wenn, da die meisten GR-Schulden bei EZB&Co liegen, würde wohl statt einem Staatsbankrott die Umschuldungskonditionen ausgehandelt. Das Ergebnis bez. Schulden dürfte weitgehend das selbe sein, nur dass ohne Bankrott die gesamte europäische Wirtschaft massiv weniger leiden würde. Während den Verhandlungen könnten bspw die Banken geschlossen werden, wie das auch bei Zypern während 1 oder 2 Wochen der Fall war.

      Übrigens, der Euro nähert sich stetig den progostizierten 1.10, soweit bekannt ohne SNB-Unterstützung. 8% Aufwertung oder so, falls es tatsächlich darauf hinauslaufen sollte, müsste ohne grössere Verwerfungen verkraftbar sein.

      • Anh Toan sagt:

        CHF/EUR: Wir reden 2018 wieder

        Nur soviel: Wer investiert jetzt in der Schweiz, wer schafft Arbeitsplätze, wer baut den Anteil der CH Produktion aus?

        Irgendwas vom Alten geht immer kaputt, kommt nichts Neues, geht’s abwärts, zuerst langsam, dann immer schneller.

        Zypern war ein sehr spezieller Fall, Gelder von Russen lagen da auf den Banken, wo hätten die hin sollen damit?

        • seebueb sagt:

          CHF/EUR: Vor weniger als zwei Wochen haben Sie “mit grosser Wahrscheinlichkeit” eine Rezession prognostiziert wegen der Freigabe. Unabhängig davon, ob Sie doch noch recht bekommen (aktuell kann das mMn niemand fundiert prognostizieren): Sie wechseln Ihre Meinung beinahe häufiger als meine Freundin ihr Outfit beim Anprobieren in der Boutique.

          Woraus schliessen Sie dass nichts Neues kommt? Damit meine ich Fakten oder zumindest fundierte Extrapolationen. “Nur” 7-10% Höherbewertung lasse ich nicht gelten, derartiges hatten wir bereits x-Mal, nicht zuletzt vor 5 Jahren mit 25% ohne sichtbare negative Auswirkungen – im Gegenteil ist danach bspw der Exportsaldo auf neue historische Höchst gestiegen, die Arbeitslosenquote trotz rekordhoher Nettozuwanderung auf langfristigen Tiefstwerten, und auch dem Tourismus (die Branche muss mit den Bauern verwandt sein dem Jammern nach zu urteilen) ging es durchaus gut.

          Vor den K-Kontrollen war auch das Russengeld durchaus frei, offensichtlich lautete bis dahin die Antwort “nach Zypern”, weshalb auch immer. Und danach war nichts mehr mit freier Wahl.

          Einerseits sagen Sie oben, vergessen Sie kurzfristige Bewegungen, und trotzdem der 5-Wochen-Vergleich. Najaaaaa…. Zudem ist es methodisch falsch, den Schlusskurs vom Tag der Aufhebung zu nehmen, korrekt wäre bspw derjenige vom Vortag mit 1.18 ggü 1.135 aktuell, ein Anstieg des USD von immerhin 4%.

          Falls der Euro tatsächlich wieder vor einer Zerreissprobe stehen sollte, so ist es auf jeden Fall besser, einen erneuten Aufwertungsschock zu erleben als wegen der Anbindung zusätzlich in die Turbulenzen gezogen zu werden – die Wahrscheinlichkeit, dass unser Finanzsystem weiterhin funktioniert, ist ohne Anbindung ganz klar höher als mit.

          Wo ich hingegen zustimme, ist, dass uns Draghi mit seinem QE noch einiges an Aufwertungsdruck bescheren wird. Shorten des EUR gegen USD, besser noch gegen CHF, sieht sehr vielversprechend aus.

          • Anh Toan sagt:

            @seebueb: Die Rezession kommt, dabei bleibe ich, Q2 2015 spätestens Q3 2015 hat negative Wachstumszahlen, zur Zeit werden die im letzten Jahr abgeschlossenen Aufträge abgearbeitet. Das geht nicht auf einen Schlag, dass die Steuereinnahmen kleiner werden merkt die Verwaltung erst 2016 (Ergebnisse 2015 werden 2016 deklariert), dann beginnt der Staat zu sparen, dann gibt’s mehr Rückgang

            Niemand kann Fakten liefern, dass etwas nicht stattfindet, darum frage ich: Wer schafft Jobs in der Schweiz, damit Sie mir Fakten liefern zu etwas, von dem Sie behaupten es finde statt, indem Sie meine Behauptung, es finde nicht statt, in Frage stellen:

          • Anh Toan sagt:

            Lustig finde ich, ass Sie sagen hurra 1.08, bald 1.10 dahin geht es, und jetzt empfehlen Long CHF Short EUR, und mir werfen Sie Widersprüche vor!

      • Anh Toan sagt:

        Wer hat eigentlich noch Einlagen auf griechischen Banken?

        Kautionen und so Zeugs, aber sonst?

      • Anh Toan sagt:

        Übrigens: Der Euro ist “flach” zum USD seit 15. Januar: Jordan hat unterschiedliche Entwicklungen erwartet, das finde ich Besorgnis erregend, so oder so: Entweder versteht Jordan nichts von Märkten (die sind nie vernünftig, immer zu euphorisch oder zu pessimistisch) oder er versteht etwas davon und der Euro wird deutlich sinken zum Dollar, erst dann kommt der Härtetest für CHF/EUR.

      • Anh Toan sagt:

        Lief grad über den Ticker: Straumann kürzt Löhne um 5%, Kader noch mehr, also weniger AHV/ALV Beiträge, Steuereinnahmen noch etwas mehr reduziert (Progression), MWST wohl auch etwas mehr, da die Ausgaben mit reduziertem Satz wohl nicht verändert werden, ausser bei Konsum im Ausland……

        Aber warum glaubt Straumann, mit tieferen Löhnen die guten Mitarbeiter halten zu können? Wohl nur, weil die denken, dass die anderen dies auch machen und ohnehin niemand Jobs anbietet in der Schweiz.

        Wir sollten jetzt noch feiern, yeah wir haben 1.08, lasst uns einen heben, bald ist es zu spät dafür.

        • seebueb sagt:

          Gekürzt werden nicht die Löhne sondern die Boni, was durchaus folgerichtig ist. Zudem steht Straumann seit der Krise unter Druck, die haben Angst dass es ihnen gleich ergeht wie Nobel Biocare.

          • Anh Toan sagt:

            Boni (an Arbeitnehmer) sind nicht nach Arbeitszeit berechnete Löhne.

          • Anh Toan sagt:

            Und klar wird nicht der Jahreslohn des einzelnen Mitarbeiters um 5 Prozent gekürzt, sondern vielleicht um ein halbes oder ganzes Prozent: Es werden aber wohl auch keine Abgänge ersetzt, die Lohnsumme von Straumann wird 2015 mindestens 5% unter 2014 liegen, und damit AHV/ALV Beiträge, Einkommens- und MW Steuern usw usw.

          • Anh Toan sagt:

            “Auf den Gesamtlohn gesehen beträgt die Einbusse 5 Prozent.”

            Quelle (Sie legen ja so sehr Wert darauf): newsnet

        • seebueb sagt:

          ROTFLMFAO mein Kommentar wartet auf Freischaltung

  5. Roger Klein sagt:

    Es ist für das Volk sicher besser, Euros abgehoben zu haben und diese nicht stempeln zu lassen. Falls Griechenlands Politiker einen Euro-Austritt erwarteten, wäre es gescheit, die Leute möglichst einen hohen Prozentsatz ihrer Guthaben abheben zu lassen. Dies erhöhte die Euro-Bargeldmenge im Land. Nach einem Austritt wären die Euros ja immer noch vorhanden und gültig. Ich habe auch noch nirgends gelesen, dass es einen Zwang für Länder gibt bei einem Austritt die Euro-Noten einzuziehen.

  6. Markus sagt:

    Ich frage mich, welcher Grieche die Noten zum Stempeln bringen würde?

    Die Griechen sollten aus dem Euro. Nur durch Reformen entstehen auch keine erfolgreichen Exportunternehmen, selbst wenn Griechenland 50% der Schulden entlassen werden, stehen sie in ein paar Jahren wieder da, wo sie waren.

  7. Kaegi sagt:

    Kapitalverkehrskontrollen wurden vom Parlament verunmöglicht. Denn das Parlament hat entschieden, dass Zahlungen in unbegrenzter Höhe in Bargeld erfolgen kann. Das freut den Schwarzmarkt, Drogenhandel, Frauenhandel, Organhandel, Kinderschänderhandel, Waffenhandel und nicht zuletzt, alle Organisationen, die die Allgemeinheit schädigen.

  8. Max Wartenberg sagt:

    Könnte Griechenland nicht den US$ als Währung einführen, so wie es Ecuador im Jahr 2000 gemacht hat? Dieser Schritt hatte damals wieder Stabilität in die total verfahrene Wirtschaft gebracht und selbst linksnationalistische Präsidenten wie der heutige Rafael Correa möchten nicht zum Sucre zurück. Vom Image her unterläge die griechische Regierung weniger der EU-Troika.

    • Rene Wetter sagt:

      Wenns mit dem Euro nicht funktioniert wirds mit dem Dollar auch nicht funktionieren

      • Max Wartenberg sagt:

        Beim Dollar ist die Abwertung höher als beim Euro. Das gäbe der Wirtschaft ein wenig Luft.

    • Stefan sagt:

      Meines Wissens hat Ecuador damals den Wechsel vorgenommen, um die Hyperinflation einzudämmen und die absaufende Währung zu stabilisieren, während Griechenland heute eine schwächere Währung braucht, um das heimische Schaffen international wieder konkurrenzfähig zu machen. Mit anstehenden Zinserhöhungen in USA und Draghi’s Bazooka wäre das wohl ein Schritt in die falsche Richtung. Weiter ware das Hauptproblem weiterhin ungelöst, nämlich dass jede Währungsunion Transferzahlungen in strukturschwache Gebiete braucht, um deren Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, was ja aufgrund der Gemeinschaftswährung nicht über Abwerten der eigenen Währung erfolgen kann. Die EU will diese nicht leisten, und die USA wohl noch viel weniger. Zudem braucht Griechenland zusätzliche Kredite (oder Schuldenerlass), was die USA auch nicht machen würden. So komisch es klingt (und nur als Gedankenspielerei): Den Rubel zu übernehmen ware wohl besser als den USD, da die Währung schwach ist und Putin aus aussenpolitischem Kalkül wohl auch noch zu Hilfsfinanzierungen bereit wäre.

      • Rolf Zach sagt:

        Die Russen sind notorisch unzuverlässig (nicht nur seit Putin) und geben keine Kopeke ohne unmittelbaren Gegenwert.

      • gerifro sagt:

        Sie schreiben:
        “……während Griechenland heute eine schwächere Währung braucht, um das heimische Schaffen international wieder konkurrenzfähig zu machen.” Zitatende
        Sind Sie sich da so sicher?
        Falls GR wieder eine schwächer Währung einführen würde, als den Euro, so müssten die jetzigen Schulden trotzdem in Euro bezahlt werden. Dh., wertet GR ab, wären deren Schulden in der Währung X ja noch höher.
        2.) GR hat von der EU mehr Importe, als Exporte. Die Importe würden sich für die Griechen verteuern, während die restlichen Eurostaaten sich ins Fäustchen lachen könnten, würden ja die griechischen Exporte für diese billiger.
        Kann also GR bei einem Euro-Austritt gewinnen?

        • Linus Huber sagt:

          “so müssten die jetzigen Schulden trotzdem in Euro bezahlt werden”

          In einem Konkursverfahren werden Schulden abgeschrieben und nicht mehr bezahlt.

  9. H.Trickler sagt:

    Wann kommen die Kapitalverkehrskontrollen?

    Ob dieses Wochenende oder später macht keinen grossen Unterschied. Die Griechen halten seit Jahren grosse Geldmengen auf ausländischen Konten und unter der Matratze.

    Das ist auch der Grund, weshalb dort direkt nach der Wahl kein besonders intensiver Bankenrun aufgetreten ist.

  10. Bernhard Piller sagt:

    Banken haben ihre Daseinsberechtigung verloren vom Moment an, wo sie (praktisch) keine Zinsen mehr bezahlen. Die Griechen sollten ihr Geld beziehen und zwar in Form von Deutschen Euros. Alles andere ist fahrlässig.

    • gerifro sagt:

      Haben Sie schon einmal etwas über Inflation und Deflation gehört? Nur eine Frage am Rande:-)

    • Linus Huber sagt:

      Danke für den Link.

      “Konkursverschleppung zu Lasten der Steuerzahler der Eurozone”

      Was immer diese Künstler der Manipulation anstrengen ist immer das gleiche, nämlich die Umverteilung der Kosten resultierend aus Risiken vom Risikoträger auf die Allgemeinheit umzuverteilen, was einer zunehmenden Institutionalisierung des “moral hazard” respektive des legalisierten Diebstahls darstellt. Um dies zu bewerkstelligen, werden die demokratischen Werte, wie z.B. Souveränität einzelner Staaten immer stärker untergraben.

      • Anh Toan sagt:

        Auch Nordkorea ist souverän, Souveränität ist kein demokratisches Ding, ein Wert ist es auch nicht.

      • Anh Toan sagt:

        Aber Varoufakis schreibt an die EU, was Sie sagen:

        “The Greek authorities recognize that the procedures agreed by the previous governments were interrupted by the recent ….elections and that, as a result, several of the technical Agreements have been invalidated.”

        Sie und die griechische Regierung erkennen dies, sonst niemand.

  11. Ronn Sommer sagt:

    Die Griechen haben schon immer das südliche Leben gelebt. Die Grichen sind durch die Regierung mit diesen korrupten Beamten und Steuerprivilegien für Superreiche verarmt. Denn anstelle Steuern zu zahlen wurden die Beamten und die Regierung mit Gesetzesänderungen zu deren gunsten bestochen. Die Bevölkerung hat wenigstens meist ein bezahltes Haus. Ich hoffe dass deren neue Regierung das Joch der EU abwirft.

    • Rolf Zach sagt:

      Das Joch der EU, respektive der EURO-Zone, da bin ich mir nicht so sicher. Die EURO-Zone kann durchaus auf eine Wirtschafts-Politik à la Keynes umschalten und bei der EZB geschieht dies bereits. Keine Macht der Welt kann den EURO aus dem Sattel heben, dass können nur die EURO-Länder selbst. Die volkswirtschaftlichen Zahlen im gesamten sind besser als die der USA, die ebenfalls trotz mieser Leistungsbilanz eine Wirtschaftspolitik à la Keynes gestalten können, ebenso China. Bei der Drachmen-Währung gibt es von den Banken bei defizitärer Leistungsbilanz und Staatshaushalt, sowie ungenügender Währungsreserven keinen Sou. Sie bekommen dann nur Geld durch Verkauf von Staatsvermögen, was ja Tsipras grossspurig als Verschleuderung verurteilt hat. Die Euro-Zone ist trotz Verlust glücklich, wenn es sie los hat. Kommt noch das politische hinzu mit ihrer Russen-Liebe, wo sie der Überzeugung sind, dass diese ihnen Gratis-Geschenke geben. Wie war das mit den Russen 1923 bei der grossen Vertreibung aus Kleinasien, wie 1941 bei Italien und Deutschland, wie 1945 beim Bürgerkrieg und wie beim Zypern-Konflikt 1974. Nach griechischer Lesung haben sich da die Russen uneigennützig für die Griechen aufgeopfert. Selten hat ein Land derart politische Dummheiten in ihrer Geschichte geschehen lassen wie Griechenland.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Rolf Zach: “Die EURO-Zone kann durchaus auf eine Wirtschafts-Politik à la Keynes umschalten……”. Nun gut, da gibt es (zwar amerikanische, aber trotzdem) Stimmen, die das etwas anders sehen: http://davidstockmanscontracorner.com/david-stockman-interview-the-clock-is-ticking-the-carnage-is-coming-soon/ …. http://davidstockmanscontracorner.com/memo-to-obama-butt-out-of-the-greek-crisis-youve-dispensed-enough-keynesian-poison-at-home/

        • Rolf Zach sagt:

          Herr Stockman ist für mich überhaupt ein Nationalökonom, den ich nicht ernst nehme. Auch einer von der Reagan-Gang, wie Laffer mit seiner berühmten Kurve und anderen traurigen Berühmtheiten wie Greenspan. Wenn man sein Memo durchliest, findet sich überhaupt keine logische Begründung für seine Ansichten und abgesehen davon wird man von Keynes noch in 200 Jahren reden, aber nicht von Stockman, der seinerzeit als Budgetdirektor gelogen hat, dass sich die Balken bogen. Ich lasse mich gerne belehren und meine Ansichten können sich durchaus ändern, wenn man mir durchdachte logische Gründe gibt, aber nicht von diesem Herrn.

          • Linus Huber sagt:

            @ Rolf

            Vielleicht überzeugt Sie die Meinung von Lacy Hunt, welcher unter anderem für die Federal Reserve von Dallas und als Chief Economist für HSBC arbeitete. “financial repression”, welche “moral hazard” (legalisierter Diebstahl) institutionalisiert, verbunden mit einem dementsprechenden Währungskrieg wird schwerlich zu guten Resultaten führen.

            https://www.youtube.com/watch?v=oTbLKIc3JA8

          • Linus Huber sagt:

            @ Rolf

            Wenn Sie es noch immer nicht kapieren, empfehle ich Ihnen, diesen Artikel, welcher natürlich nie, da der Obrigkeit nicht genehm, in den Massenmedien veröffentlicht wird, zu lesen. Anstelle des Begriffes “Künstler der Manipulation” verwendet Bill Boner den Ausdruck “control freaks”.

            http://www.acting-man.com/?p=35955

          • Maiko Laugun sagt:

            Albert Einstein wird auch in Tausend Jahren noch kein Zacken aus seiner Krone fallen, obwohl man heute schon weiss, dass auch seine Theorien noch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Ist Keynes besser oder gar unfehlbar in seiner Disziplin?

          • Maiko Laugun sagt:

            @LH: Als Randbemerkung zum Link *acting-man*, da dort spezifisch erwähnt: Die Regierung in China hat vor ca. 1-2 Jahren zur Eindämmung der Immobilien-Blase eine zusätzliche Gebühr in Höhe von ca. 200K RMB eingeführt, was den Kauf von Wohn-Eigentum um ca. 15% erhöhte. Ob dies tatsächlich einer – oder der – Grund für die sinkenden Preise ist, wage ich noch zu bezweifeln. Im Artikel wird “Guangzhou” zitiert. Falls dies zutrifft und keine Namensverwechslung vorliegt, dann handelt es sich dabei um die Metropole *Canton* und nicht um eine “lower-tier city in Fujian province”.

          • Maiko Laugun sagt:

            Nachtrag: Oder es ist die Stadt Quangzhou in der Provinz Fujian gemeint, mit Q und nicht mit G geschrieben. Differenz = ein paar Millionen Einwohner. Wohl nur ein Detail an den Gesamtzahlen gemessen.

      • Linus Huber sagt:

        Nicht nur Stockman erkennt das Problem der Politik a la Keynes, welche unter anderem ein starkes Wachstum des Finanzsektors erzeugt. Ein Working Paper des BIZ erklärt, warum das starke Wachstum der Finanzindustrie eine negative Wirkung auf das reale Wirtschaftswachstum ausübt.

        http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2564267

      • Linus Huber sagt:

        Der Missbrauch des Mediums Geld ist in der Geschichte gut bekannt. Dies bedarf einer bedeutend tieferen Analyse als dies ein Blog zulaesst, wie z.B. hier:

        http://www.acting-man.com/?p=35965

  12. Panos Ketikidis sagt:

    Das sind die 4 (theoretischen) Grundfreiheiten der EU:
    Freier Warenverkehr
    Personenfreizügigkeit
    Dienstleistungsfreiheit
    Freier Kapital- und Zahlungsverkehr
    Die Personenfreizügigkeit ist vielen bereits ein Dorn im Auge und der freie Kapital- und Zahlungsverkehr bereits makulatur.
    Das “U” im Begriff EU steht nicht für Union sondern für uneins.

    • Gerhard Engler sagt:

      Der freie Kapital- und Zahlungsverkehr findet aber bis heute jeden Tag im Milliardenumfang statt. Sie haben eine seltsame Auffassung von Makulatur.

      • Panos Ketikidis sagt:

        Das erzählen Sie doch bitte den Zyprioten oder am besten, Sie nehmen 10’000 Euro in die Hand und gehen ein Auto in Italien kaufen. Viel Spass

        • Rolf Zach sagt:

          Die Kapitalverkehrskontrollen werden in Griechenland nie funktionieren. Die Griechen mögen Deutschland als ein Nazi-Land verfluchen und die EU als ein ungerechter Tyrann betrachten, der ihr schönes Perpetuum Mobile Paradies
          zerstört hat, aber in einem sind sie sich einig. Ihr eigens Land verdient in ihren Augen kein Vertrauen und sie wissen genau, mit der Drachme gehen ihre Ersparnisse flöten.

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