Warum es Griechenland ohne Euro besser gehen würde

Alexis Tsipras, leader of Greece's Syriza party gestures during a meeting in central Madrid

Wenn er die Wahlen gewinnt, will er den Schuldendienst neu verhandeln: Alexis Tsipras, Syriza-Vorsitzender. Foto: Reuters

In den letzten Tagen ist einmal mehr die währungspolitische Zukunft Griechenlands ins Rampenlicht gerückt. Möglicherweise wird die linke Partei Syriza bald die Regierung übernehmen. Ihr Vorsitzender Alexis Tsipras hat angekündigt, dass er den Schuldendienst neu verhandeln möchte. Kommt kein neues Abkommen zustande, würde er die Zahlungen Griechenlands ganz aussetzen. Wahrscheinlich müsste dann Griechenland den Euro verlassen.

Was würde ein Austritt bedeuten? Manche sagen, dass dies einer Katastrophe gleichkommen würde. Nach Griechenland würden bald andere südeuropäische Länder folgen, worauf das ganze europäische Finanzsystem zusammenbräche. Ein weiteres Argument lautet, dass es Griechenland nichts bringen würde, aus dem Euro auszutreten. Der Export besteht ja nur aus Oliven und Käse. Eine Abwertung würde nur die Importe unnötig verteuern.

Mir scheinen beide Argumente nicht ganz stichhaltig zu sein. Die Gefahr der Ansteckung mag real sein, aber wenn die Eurozone weiterhin stagniert, ist ein Zerfall ohnehin nicht aufzuhalten. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Es ist höchst gefährlich, ohne Rücksicht auf die sozialen und politischen Kosten an einem Währungssystem festzuhalten.

Auch die Vorstellung, dass eine Abwertung nichts bringt, ist zu hinterfragen. Natürlich löst sie nicht alle Probleme, aber sie würde Griechenland wieder zu einem günstigen Standort machen, wo es sich zu investieren lohnt. Das Beispiel der Türkei – ein mit Griechenland vergleichbares Land – zeigt, dass eine unabhängige Währung für ein Schwellenland enorme Vorteile bringt.

So erlebte die Türkei Anfang der 2000er-Jahre eine heftige Finanzkrise. Die Währung stürzte förmlich ab. Danach aber ging es stetig aufwärts, weil das vor der Finanzkrise aufgebaute Ungleichgewicht durch die Abwertung schnell verschwunden war. Es lohnte sich wieder zu investieren, ein neuer Wachstumsschub setzte ein. Auch die jüngste Krise überstand die Türkei dank der eigenen Geld- und Währungspolitik recht gut. In Griechenland hingegen implodierte die Wirtschaft, weil die Währung nicht abgewertet werden konnte.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des BIP der Türkei und Griechenlands seit 2000 (inflationsbereinigt; 2000 = Wert 1). Auf einen Blick wird deutlich, wie viel besser die Türkei aus der Krise herausfand.

http://research.stlouisfed.org/fredgraph.jpg?hires=1&type=image/jpeg&chart_type=line&recession_bars=off&log_scales=&bgcolor=%23e1e9f0&graph_bgcolor=%23ffffff&fo=verdana&ts=12&tts=12&txtcolor=%23444444&show_legend=yes&show_axis_titles=yes&drp=0&cosd=1998-06-14%2C1998-06-14&coed=2012-12-31%2C2012-12-31&width=670&height=445&stacking=&range=Custom&mode=fred&id=NAEXKP01TRA661S%2CNAEXKP01GRA661S&transformation=lin%2Clin&nd=%2C&ost=-99999%2C-99999&oet=99999%2C99999&scale=left%2Cleft&line_color=%234572a7%2C%23aa4643&line_style=solid%2Csolid&lw=2%2C2&mark_type=none%2C&mw=1%2C1&mma=0%2C0&fml=a%2Ca&fgst=lin%2Clin&fq=Annual%2CAnnual&fam=avg%2Cavg&vintage_date=%2C&revision_date=%2C

Der Vergleich des BIP pro Kopf zeigt ein ähnliches Bild. Die Türkei hat eine kontinuierliche Entwicklung gehabt, nur kurzzeitig unterbrochen im Jahr 2001, als das Land unter den Folgen einer Finanzkrise litt. Danach ging es stetig bergauf, wiederum nur temporär gestoppt durch die Finanzkrise von 2008. In Griechenland verlieft das Wachstum hingegen sehr unregelmässig. Ab 2000 wuchs das Land zu schnell, von 2009 bis 2013 ging es nur noch abwärts.

Präsentation1

Natürlich existieren nicht nur in Griechenland, sondern auch in der Türkei grosse Probleme. Die Auslandsverschuldung ist nach wie vor beträchtlich. Ein hohes Leistungsbilanzdefizit deutet auf Wettbewerbsprobleme hin. Innenpolitisch droht immer wieder Instabilität. Dennoch: Wo hätten Sie in den letzten fünfzehn Jahren lieber investiert, in der Türkei oder in Griechenland? Eben.