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Das Monster lebt

Mark Dittli am Freitag den 3. Oktober 2014
Never Mind the Markets

Fallen die Vermögenspreise, können viele Private ihre Schulden nicht mehr begleichen: Zum Verkauf ausgeschriebenes Haus in Alexandria, Virginia (13. August 2009). Foto: Michael Reynolds (EPA, Keystone)

Hohe Staatsschulden sind ein Übel. Sie sind die Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/09 sowie der seit bald fünf Jahren mehr oder minder heftig schwelenden Eurokrise. Sie sind auch der Grund, weshalb sich die Wirtschaft in vielen Ländern, vor allem in Europa, nur schleppend erholt.

So oder ähnlich lautet die weitverbreitete Meinung.

Es klingt einleuchtend, dass hohe Staatsschulden die Wurzel des Übels sein sollen. Nur ist diese Aussage leider komplett falsch.

Wann immer von einem «Schuldenberg» die Rede ist, rücken die Staatsschulden in den Fokus der Diskussion. Die Schulden im privaten Sektor einer Volkswirtschaft werden kaum beachtet. Dabei ist es dort, wo sich in Boomphasen die gefährlichsten Ungleichgewichte aufbauen und die Saat für die nächste Krise gelegt wird.

Der 16. «Geneva Report on the World Economy», der von den Autoren Luigi Buttiglione, Philip Lane, Lucrezia Reichlin und Vincent Reinhart verfasst und vom Centre for Economic Policy Reserach (CEPR) vor wenigen Tagen publiziert wurde, räumt mit diesem Missverständnis auf. Das deprimierende Fazit des Reports: Auf der Weltwirtschaft lastet nach wie vor eine giftige Mischung aus hohen privaten (und staatlichen) Schulden, gekoppelt mit einer nachlassenden Wachstumsdynamik. Das erhöhe die Gefahr neuer Finanzkrisen.

Doch der Reihe nach.

In der Zeit seit den frühen Achtzigerjahren haben die meisten Volkswirtschaften der industrialisierten Welt eine markante, historisch beispiellose Entwicklung durchlaufen: Das gesamte Volumen an privaten und staatlichen Schulden ist – relativ zur Wirtschaftsleistung – während mehr als 25 Jahren enorm gestiegen.

Die folgende Grafik aus dem «Geneva Report» zeigt den Sachverhalt am Beispiel der USA:

Die Gesamtfläche zeigt das kumulierte Schuldenvolumen in Prozenten des Bruttoinlandproduktes (BIP) seit 1916. Die grüne Fläche (Public) zeigt das Ausmass der Schulden der öffentlichen Hand. Rot steht für die privaten Haushalte, Blau für die privaten Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors, grau sind die privaten Unternehmen des Finanzsektors. Violett (GSE; Government Sponsored Enterprises) sind hauptsächlich die parastaatlichen Finanzinstitute Fannie Mae und Freddie Mac.

Die Grafik zeigt eine eindrückliche Entwicklung: Während der Nachkriegszeit, von 1950 bis 1980, verhielt sich der kumulierte Schuldenstand weitgehend stabil um 140 bis 150 Prozent des BIP.

Ab etwa 1982, ab dem Zeitpunkt, als unter Präsident Ronald Reagan das Bankensystem in mehreren Wellen dereguliert wurde, beginnen die Schulden deutlich zu steigen. Wichtig hier ist die Feststellung, dass es nicht primär die Staatsschulden (grün) waren, die massiv gestiegen sind, sondern die Schulden im privaten Sektor: der Haushalte, Unternehmen und Banken.

Im Jahr 2007, vor Ausbruch der Finanzkrise, lasteten auf der amerikanischen Wirtschaft Schulden von rund 375 Prozent des BIP. Das war deutlich mehr als zu Beginn der Grossen Depression der Dreissigerjahre.

Ähnlich, wenngleich zeitlich leicht versetzt, sieht das Bild in etlichen anderen Volkswirtschaften wie Japan, Grossbritannien, Spanien oder Irland aus.

Was war geschehen?

Die Welt hatte ein wundersames Wachstumselixier gefunden. Die Banken fanden immer neue Wege, noch mehr Kredit zu schöpfen, und diese Kredite wiederum erlaubten es den Haushalten und Unternehmen, allerlei Investitionsprojekte auf Pump zu finanzieren. Diese Kreditschöpfung trieb das Wirtschaftswachstum an; die Achtziger-, Neunziger- und frühen Nullerjahre waren in den USA und anderen westlichen Volkswirtschaften geprägt von robusten Wachstumsraten und kurzen, schmerzlosen Rezessionen.

Doch das Wunder war eine über Schulden finanzierte Illusion (mehr dazu in diesem Blogbeitrag).

Wichtig ist hier nochmals die Feststellung: Die Aufblähung der Schulden fand primär im privaten Sektor der Haushalte und Unternehmen statt, nicht beim Staat.

Beleuchten wir das Wesen der Kreditschöpfung etwas genauer:

Die Wurzel des Wortes Kredit stammt aus dem lateinischen «credere», was so viel wie «glauben» oder «vertrauen» bedeutet. Eine Bank gibt einem Schuldner Kredit, weil sie darauf vertraut, das Geld samt Zinsen wieder zurückzuerhalten. Als Garant für die Kreditwürdigkeit des Schuldners dienen Sachwerte (im Fall einer privaten Hypothek eine Immobilie) oder laufende Einnahmen des Schuldners.

In wirtschaftlichen Boomzeiten ist die Tragfähigkeit von Schuldnern fast nie ein Problem. Die Vermögenspreise steigen, die laufenden Einnahmen ebenfalls. Die Banken werden daher immer freimütiger und sorgloser in der Kreditvergabe.

Diese gefühlte Stabilität treibt den Markt immer weiter an; das ausstehende Kreditvolumen steigt und steigt. Alle sind glücklich.

Doch irgendwann stösst die Schuldentragfähigkeit der Wirtschaftssubjekte an ihre Grenzen. Aus irgendeinem Grund kippt die Stimmung, und das Pendel schwingt um. Wir gehen aus Platzgründen hier nicht weiter in die Details dieses Schuldenzyklus; wer mehr darüber erfahren will, sollte die Arbeiten des US-Ökonomen Hyman Minsky lesen – hier eine Einführung dazu.

Plötzlich beginnen jetzt die Vermögenspreise – von Immobilien oder Aktien – zu fallen, die Einnahmenströme der Haushalte und Unternehmen werden dünner, und die Schuldner können ihre Schulden nicht mehr bedienen. Eine Finanzkrise bricht aus: genau wie es in der zweiten Jahreshälfte 2007 in den USA geschehen ist.

Jetzt kommt der zentrale Punkt: In einer Finanzkrise bleiben die Banken auf unbedienten Schulden sitzen, sie geraten selbst in Solvenznot. Ist die Krise systemisch – wie 2007 bis 2009 geschehen –, muss der Staat einspringen und die Banken retten, um eine Kernschmelze des Finanzsystems zu verhindern. Und mit diesem Akt wandern die Verbindlichkeiten der Banken auf die Bilanz des Staates: die Staatsschulden explodieren, zusätzlich angetrieben von der Tatsache, dass die Finanzkrise von einer schweren Rezession begleitet wird, die die Steuereinnahmen des Staates wegbrechen lässt.

Die hohen Staatsschulden sind also nicht Ursache, sondern Folge der Krise. Beispielhaft zu sehen war dieses Phänomen in den USA, Irland, Spanien und Grossbritannien, jenen vier Volkswirtschaften, die vor 2007 den grössten schuldenfinanzierten Boom erlebt hatten. In Irland zum Beispiel sprangen die Staatsschulden quasi über Nacht von 30 auf 100 Prozent des BIP.

Hier nochmals die vorhin bereits präsentierte Grafik zum Schuldenberg der USA:

Die grüne Fläche der Staatsschulden wird ab 2008, mit dem Ausbruch der Finanzkrise, sprunghaft grösser.

So viel zur Vergangenheit.

Wir rekapitulieren kurz: Ursache der Finanzkrise war ein exzessiver Schuldenaufbau im Privatsektor, der für die Wirtschaft plötzlich nicht mehr tragbar war.

Das Muster ist übrigens gut bekannt: Die Grosse Depression der Dreissigerjahre, die Lateinamerika-Krisen von 1982, der Japan-Crash von 1990 oder die Asienkrise von 1997/98 waren zuvor alle von einem exzessiven Schuldenaufbau im Privatsektor begleitet.

Nun wäre der Weg zur Gesundung eigentlich logisch. Wenn der kumulierte Schuldenberg für eine Volkswirtschaft untragbar gross ist, dann gibt es nur eine Lösung: die Schulden müssen weg. Ein «Deleveraging» muss stattfinden, ein Abbau der Schulden.

Aber wie bloss?

Machen wir einen kleinen Exkurs: Bestimmen wir den Buchstaben D für das gesamte Volumen aller ausstehenden Schulden, und den Buchstaben Y für die nominelle Wirtschaftsleistung (BIP) eines Landes. Das Verhältnis Schulden zu BIP ist daher: D/Y. Im Fall der USA waren es wie oben erwähnt im Jahr 2007 rund 375 Prozent.

Dieses Verhältnis kann nur sinken, wenn entweder D kleiner oder Y grösser wird. Und es gibt nur sehr wenige Möglichkeiten, wie das geschehen kann.

Konkret existieren nur vier Wege:

  1. die Kreditnehmer stottern ihre Schulden langsam ab (D wird kleiner).
  2. die Kreditnehmer erklären sich in grosser Zahl für zahlungsunfähig (default), die Bank muss ihr Guthaben abschreiben (D wird kleiner).
  3. die Regierung versucht, mittels Strukturreformen das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen (Y wird grösser).
  4. die Regierung/Notenbank versucht, eine höhere Inflationsrate herbeizuführen, wodurch sich das nominelle Wirtschaftswachstum (nominell = real plus Inflation) ebenfalls beschleunigt (Y wird grösser).

Es ist simpel. Es gibt nur diese vier Wege, um einen übermässig hohen Schuldenstand abzubauen.

Und hier eröffnet sich nun das nächste Problem: Jeder dieser vier Wege hat unbeabsichtigte Konsequenzen.

Angenommen, der erste Weg wird gewählt und die überschuldeten Haushalte und/oder Unternehmen stottern ihre Schulden ab: Das Resultat, wenn dies alle gleichzeitig tun, ist das sogenannte Sparparadoxon oder eine Bilanzrezession: weil die Haushalte und Unternehmen einen grösseren Teil ihrer Mittel für die Rückzahlung von Schulden verwenden, können sie weniger konsumieren. Als Folge davon wird die Wirtschaft geschwächt. Im Versuch, die Schulden (D) zu verkleinern, wird daher auch das BIP (Y) immer kleiner. Ein klassisches Beispiel für diese Falle ist Japan seit den frühen Neunzigerjahren.

Angenommen, der zweite Weg wird gewählt und die Banken müssen massenhaft Kreditguthaben abschreiben: Sofort wäre das Bankensystem insolvent, und um einen Kollaps zu verhindern, müsste der Staat rettend einspringen – wodurch sich aber die Schuldenlast der Staates erhöhte.

Angenommen, der dritte Weg wird gewählt: Strukturreformen zur Ankurbelung des Wachstums klingt zwar gut, aber dabei geht oft vergessen, dass meist mehrere Jahre vergehen, bis Strukturreformen überhaupt positive Impulse liefern. In der kurzen bis mittleren Frist wirken Strukturreformen meist schwächend für die Wirtschaft, weil unter anderem die Arbeitslosenraten steigen. Kurz- bis mittelfristig sinkt also das BIP (Y), sodass sich das Verhältnis D/Y noch weiter verschlechtert. Paradebeispiel für diese Falle sind die angeschlagenen Peripherieländer Europas.

Auf den ersten Blick am schmerzlosesten ist nur der vierte Weg, also der Versuch, das Verhältnis D/Y über höhere Inflationsraten zu verbessern. Dieser Weg allerdings geht auf Kosten aller Gläubiger – auch aller Sparer –, da der reale Wert ihres Guthabens wegen der höheren Inflation laufend abnimmt.

So viel zum Exkurs und zur Frage, wie überschüssige Schulden zum Verschwinden gebracht werden können.

Nun, zum Schluss, noch eine simple Frage: Hat sich die Situation in den mittlerweile sechs Jahren seit dem Höhepunkt der Finanzkrise wenigstens etwas verbessert? Hat wenigstens ein Teil des nötigen Schuldenabbaus (Deleveraging) stattgefunden?

Die kurze Antwort: Nein. Im Gegenteil.

In der oben bereits abgebildeten Grafik zu den USA ist unschwer zu sehen, dass das Gesamtvolumen, das auf der US-Wirtschaft lastet, seit 2008 nicht abgenommen hat. Es hat bloss eine Verschiebung von den privaten Unternehmen, Finanzinstituten und Haushalten hin zum Staat und den parastaatlichen Institutionen stattgefunden.

Genau gleich sieht die Situation in den meisten Ländern Europas aus, wie die folgende Grafik aus dem «Geneva Report» zeigt:

Das gesamte Volumen aller (privaten und staatlichen) Schulden liegt in den meisten dargestellten Ländern auf oder nahe dem Rekordniveau.

Paradoxerweise findet einzig in Deutschland (grüne Kurve), wo es in den Jahren vor der Krise gar nicht zu einem exzessiven Schuldenaufbau kam, ein Deleveraging statt – genau dort also, wo es gar nicht nötig wäre.

Für alle Länder der Eurozone zusammen sieht das Bild von Schulden zu BIP so aus (Quelle: CEPR):

Ein Deleveraging hat erst in minimalstem Ausmass stattgefunden. Mit über 380 Prozent des BIP ist das gesamte Volumen der Schulden in der Eurozone sogar noch höher als in den USA.

Richtig spannend wird es jedoch, wenn wir eine globale Optik einnehmen und das weltweite Schuldenvolumen betrachten. Genau das haben die Autoren des «Geneva Report» getan.

Das Resultat ist die folgende Grafik:

Die Kurve zeigt die kumulierten Schulden in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (wie China, Indien und Brasilien) im Verhältnis zum kumulierten BIP dieser Länder. Die Schulden der privaten Finanzinstitute wurden weggelassen, weil die Daten zu ungenau waren.

Die Grafik zeigt eindrücklich: Seit der Finanzkrise von 2008 ist das Schuldenvolumen stetig weiter gestiegen.

Wie die weiter oben abgebildeten Grafiken zeigten, blieb das Schuldenvolumen in den USA und Westeuropa zumindest konstant, wodurch nur eine Erklärung für den weiter gestiegenen globalen Schuldenberg möglich ist: In den Schwellenländern hat sich das ausstehende Schuldenvolumen in horrendem Ausmass vergrössert.

Genau das ist geschehen.

Auch hier: Wer bloss im Niveau der Staatsschulden nach Gefahrensignalen sucht, wird nicht fündig. Die Staatsschulden der meisten Emerging Markets sind seit 2008 nicht gestiegen. Es ist immer im Privatsektor, in dem sich die potenziell gefährlichen Schuldenexzesse bilden.

Das extremste und grösste Beispiel ist China:

Das Schuldenvolumen (ohne Finanzinstitute) ist innerhalb von nur fünf Jahren um nicht weniger als 72 Prozentpunkte auf 220 Prozent des BIP gestiegen. Ein derart grosser Schuldenaufbau in so kurzer Zeit ist historisch ohne Beispiel.

Wer sich näher mit der potenziell gefährlichen Schuldenblase Chinas beschäftigen will: In diesem, diesem und diesem Blogbeitrag sind wir bereits  darauf eingegangen.

Doch China ist bloss das grösste Beispiel eines möglicherweise exzessiven Schuldenaufbaus unter den Schwellenländern. Nicht jedoch das einzige. Die Autoren identifizieren die Gruppe der «Fragile Eight», deren privates Schuldenvolumen seit 2008 ebenfalls deutlich gestiegen ist und das zudem zu einem Grossteil von ausländischen Gläubigern finanziert wurde, was diese Staaten besonders anfällig auf eine Finanzkrise macht: Argentinien, Brasilien, Chile, Indien, Indonesien, Russland, Südafrika und die Türkei.

Der Befund des «Geneva Report» ist also ernüchternd. Exzessive Kreditschöpfung hat sich als Monster erwiesen: Es führte zunächst zu einem beispiellosen Boom in den USA und Europa und zwang das Weltfinanzsystem im Jahr 2008 beinahe in die Knie. Daran hat sich seither nichts geändert.

Das Schuldenvolumen ist nicht gesunken, sondern sogar noch weiter gestiegen.

Sei es in den USA, Europa, China oder anderen Schwellenländern: Das Monster lebt weiter.

Und es ist grösser als je zuvor.

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79 Kommentare zu “Das Monster lebt”

  1. Thomas Elbaum sagt:

    Bravo für diesen klar geschriebenen Artikel, der sehr Komplexes kurz und dennoch genau genug zusammenfasst. Ich habe keine Zeit, Bücher oder Studien zu lesen, die in der Konklusion auch zu keinem anderen Ergebnis führen. Weiter so, z.B. mit einem Blick auf die Schweizer Lage?

  2. Jean Ackermann sagt:

    Gefällt mir! Endlich jemand der ganz klar das Schuldenmachen als Hauptursache der Finanzkriese identifiziert. Die Hauptschuldigen sind aber trotzdem die Politiker ( Clinton und all die vielen Anderen) die als Keynes Zauberlehrlinge diese Schuldenblase zur Ankurbelung der Wirtschaft und Bauwirtschaft inszerniert hatten!

  3. Stulz sagt:

    Es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Die Steuersysteme verbessern:
    Länder mit Vermögenssteuern (Schweiz, Norwegen, Luxbg) haben geordnete Finanzsituationen.
    Eine kleine Vermögenssteuer, die ja vor allem Leute eben mit Vermögen betrifft, führt dazu, die Schulden zu verkleinern und die Schere zwischen Arm und Reich zu verkleinern.
    Und Schulden- und Ausgabenbremsen müssen die Ausgabepolitk der Politiker in den Demokratien zügeln.

  4. Walter Bernstein sagt:

    Schuldenkrisen sollte man nicht mit neuen Schulden bekämpfen – weder öffentlichen noch privaten.

    In manchen Ländern gibt es den Wunsch, Wachstum mit neuen Schulden zu schaffen. Auch die Privathaushalte sollen mehr konsumieren und neue Schulden aufnehmen.

    Kurzfristig mag das helfen. Am Ende füttert man nur das Monster.

  5. seebueb sagt:

    “Wichtig ist hier nochmals die Feststellung: Die Aufblähung der Schulden fand primär im privaten Sektor der Haushalte und Unternehmen statt, nicht beim Staat.” Das erste Mal spricht er explizit von 1982-2007, das zweite Mal meint er wohl eine spätere nicht näher spezifizierte Phase. Ich nehme willkürlich 2000-2007.

    Grafik 4.1 sagt in meinen Augen etwas völlig anderes. Darum hab ich mir die Zahlen runtergeladen (Schulden: federalreserve.gov, GDP: bea.gov). Angaben in BIP-Prozent, je für 1982, 2000, 2007, und 2013 (die Unterstriche sollen ledigliche die Lesbarkeit verbessern):

    Government: 41.7,_41.7,__55.0,__91.2 (federal+state+local)
    Households: 46.9,_67.7,__95.5,__78.6
    Corporate: 54.0,_63.9,__69.8,__67.4
    Finance: 30.2,_87.9,_125.7,_100.9 (domestic+foreign)

    Die Zahlen für 1982-2000 (erste zwei Spalten) entlarven die Behauptung von MD als schlicht haltlos, sowohl prozentual als auch absolut stellt die Steigerung der Verschuldung im Finanzsektor alles andere bei Weitem in den Schatten.

    Die GSE sind im Wesentlichen Hypothekargläubiger, also im Grunde ebenfalls Financials, aber dazu fehlen mir die Zahlen, sie fehlen in meinen Zahlen vollständig. Die Folge ist, dass die Aufblähung der Financials in der Realität noch grösser war als hier dargestellt, insbesondere ab etwa 2000 bis heute.

    Ab 2000 ist die corporate-Verschuldung offensichtlich weitgehend stabil geblieben. Die öffentliche Hand hat tatsächlich ihre Verschuldung erst nach Eintritt der Krise gesteigert – im Fall der USA allerdings weniger aufgrund von Rettungsmassnahmen als vielmehr als Folge des Deficit Spending.

    Hingegen sind die Privaten keineswegs, wie von MD behauptet, die Haupt-Schuldenmacher. Auch wenn sie durchaus ihr Scherflein beigertragen haben, so ist doch der Verschuldungsgrad der Financials bis 2007 mindestens so stark angestiegen (prozentual gesehen) bzw. stärker als die der Privaten (in Prozentpunkten ausgedrückt). Und seit 2007 ist der Verschuldungsgrad klar weniger stark gesunken als der der Privaten. Hinzu kommen, wie bereits erwähnt, die GSE.

    Deshalb ist die Behauptung, dass der Schuldenaufbau hauptsächlich durch die Privaten verursacht wurde, mMn klar falsch.

    • seebueb sagt:

      Schade, das mit der Darstellung hat nicht wirklich geklappt. Mal schauen ob die Schriftart übernommen wird:
      Government: 41.7,_41.7,__55.0,__91.2 (federal+state+local)
      Households: 46.9,_67.7,__95.5,__78.6
      Corporate_: 54.0,_63.9,__69.8,__67.4
      Finance___: 30.2,_87.9,_125.7,_100.9 (domestic+foreign)

    • Mark Dittli sagt:

      Auch die Financials zählen zum Privatsektor. Von 1982 bis 2007 wachsen die Schulden des Government gemäss Ihren eigenen Zahlen von 41,7 auf 55 Prozent des BIP. Private Haushalte: von 46,9 auf 95,5. Corporates: Von 54 auf 69,8. Financials: Von 30,2 auf 125,7 Prozent des BIP. Und was genau soll jetzt an meinen Ausführungen falsch sein? Wenn ich vom Privatsektor spreche, dann sind damit nicht nur die privaten Haushalte gemeint, sondern der gesamte Privatsektor, inklusive Corporates und Financials.

      • seebueb sagt:

        Ich hab mich von den vier Sektoren in der Grafik irre leiten lassen. Aber einverstanden, Ihr Text ist eindeutig.

  6. Einar sagt:

    Mark Dittli schrieb:

    Die Grafik [ http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/wp-content/uploads/sites/11/2014/10/NMTM_Monster_Oct14_1.png ] zeigt eine eindrückliche Entwicklung: Während der Nachkriegszeit, von 1950 bis 1980, verhielt sich der kumulierte Schuldenstand weitgehend stabil um 140 bis 150 Prozent des BIP.

    Ich sehe in der Grafik von 1950 bis 2007 eine Exponentialkurve.

  7. Linus Huber sagt:

    Ein guter Artikel – Danke an den Verfasser.

    Die Zusammenhänge werden gut erklärt, trotzdem ….

    “Die Banken fanden immer neue Wege, noch mehr Kredit zu schöpfen, und diese Kredite wiederum erlaubten es den Haushalten und Unternehmen, allerlei Investitionsprojekte auf Pump zu finanzieren.”

    Um Kredit zu schöpfen, sind ebenfalls willige Kreditnehmer notwendig. Unter welchen Bedingungen wird es profitable, sich mit möglichst hohem Hebel zu verschulden um etwelche Sachanlagen zu finanzieren? Die Antwort ist banal, nämlich wenn Geld einem dauernden und garantierten Wertverlust unterliegt. Mit anderen Worten ausgedrückt, liegt es an den geschaffenen Anreizen, welche diese Entwicklung beflügelte.

    Die Doktrin, welche eine andauernde leichte Inflation (Geldentwertung) als Grundlage der Geldpolitik propagiert, setzt die wirklichen Anreize, wodurch das Kreditvolumen stärker wächst als die Wirtschaft. Diese planwirtschaftliche Funktion der Geldpolitik, welche nach der Aufgabe des Goldstandards auch formell keinerlei Begrenzung mehr unterlag, führte schlussendlich zu diesem Ausmass an Ungleichgewichten in der Form von hohen Kreditvolumen. Viele Laien verwechseln diesen Umstand mit dem Begriff Kapitalismus, obwohl es sich um das bare Gegenteil handelt. Die Bevölkerung wurde in dieser Hinsicht derart Konditioniert, dass sie diese Differenzierung kaum noch erkennt und den Zustand der andauernden Geldentwertung als normal empfindet.

    Es gab immer wieder Bildungen von Blasen, selbst unter einem Goldstandard, jedoch nicht in diesem Ausmass (zeitlich wie geographisch). Die Bereinigung wurde durch die nachfolgenden Abschreibungen, welche die Kreditgeber schlucken mussten, erreicht. Mit der Einmischung des Staates in den Bereich des Geldes (Geldmonopol) wurde jedoch schrittweise ein System aufgebaut, welches die Kosten des Kreditrisikos vom Kreditgeber entfernt und in Anwendung verschiedener Mechanismen auf die Allgemeinheit umverteilt (z.B. garantierte Geldentwertung, Funktion “Lender of last resort”, staatliche Einlagenversicherung etc.). Das daraus resultierende Operationsmodell der Banken basiert daher keinesfalls auf Zufall, sondern ist das Resultat dieser Anreize, wodurch es sich lohnte, die Regulierung, welche die Geldkreation behinderte, zu eliminieren, was als Deregulierung im Finanzsektor bekannt geworden ist.

    Dass die Politiker, die Doktrin, welche auf der dauernden Geldentwertung beruht, begrüssten, ist ebenfalls nicht sonderlich verwunderlich, denn es erlaubte etwelche Staatsschulden durch den Inflationseffekt zu reduzieren (versteckte Steuer), was die Macht der Regierung und deren Bürokratie erweiterte.

    Unter dem Strich handelt es sich jedoch um ein Nullsummen-Spiel, den des einen relativen Vorteil ist des andern relativen Nachteil. Die Nachteile bleiben bei der oft ahnungslosen und in der Meinungsbildung manipulierten Bevölkerung hängen.

    • Gregor Münster sagt:

      Hr. Huber
      Ihre Analyse ist richtig, da kurz gesagt es einen “freien Markt” nicht gibt. Das ist eine Fiktion, an welche vor allem die “Mächtigen” gerne glaubend machen wollen. Meineserachtens ist eben die Finanzindustrie zu vernetzt in der Politik und “nötigt” dem Volk seine Ideologie auf. Zu dumm, dass wir das Übel zu einem grossteil selber wählen. Bis es dann mal “chlepft” und man ungläubig zugeben muss, wie konnten wir doch nur so “blöde” sein.

      Von der Weltfinanzkrise zum Crack-up-Boom (Katastrophenhausse)

      Deutsche Bank hält bei einer Bilanzsumme von 2.280 Mrd $ ein Derivatevolumen von 75.420 Mrd $. Bei Goldman Sachs stehen einer Bilanz von 860 Mrd $ Derivate von 57.695 Mrd $ gegenüber. Bei anderen Investmentbanken sind die Verhältnisse ähnlich.

      Kommentar: Die Provisionen aus den Derivategeschäften landen als Gehälter und Bonuszahlungen auf Privatkonten. Die Gegenpositionen laufen für den Steuerzahler auf bzw. müssen von den Zentralbanken über neues Geld oder neue Kredite finanziert werden. Die so verschleppten Konkurse der Investmentbanken werden von Zeit zu Zeit auch

      “Finanzkrise” genannt.
      http://www.shareribs.com/rohstoffe/metalle-und-minen/kolumne/article/finanzielle_massenumschichtungswaffen_id103253.html

      “Plastikmüll: Irgendwann kommt alles zu uns zurück”
      http://www.badische-zeitung.de/bildung-wissen-1/plastikmuell-irgendwann-kommt-alles-zu-uns-zurueck–92011475.html

      Die Gefährdung der Ökosysteme
      http://www.oekosystem-erde.de/html/globale-aenderungen.html

      Was haben wohl so grosse Geldmengen mit dem Fussabdruck zu tun …

      Da haben Sie mit Ihrem Hinweis zu Fehlanreizen absolut recht. Es muss belohnt werden, wenn man vernünftig und nachhaltig lebt. Alles andere macht langfristig keinen Sinn. Erst wenn man heute keine Angst vor dem Morgen haben muss, wird man bereit sein, nicht das über das Maximum an Raubbau zu gehen. Das Grundeinkommen wäre ein Schritt in diese Richtung.

    • Linus Huber sagt:

      Um diese Ausführungen noch auf die letzten Jahre auszudehnen, ist es bedeutungsvoll, dass durch die als notwendig empfundenen Massnahmen der Zentralbanken, die Politiker in ihrer Pflicht einer soliden Finanzpolitik enthoben wurden. Dies hingegen heisst jedoch auch, dass die Zentralbanker sich immer mehr Macht aneigneten und damit die demokratische Entscheidungswege umgehen, denn über Zentralbanker und ihre Geldpolitik wird nicht abgestimmt (wenigsten bis anhin nicht). Natürlich verstecken sich diese Entscheidungsträger hinter dem von der Politik formulierten Auftrag, welcher je nach Staat die Förderung des Wirtschaftswachstums und die Reduktion der Arbeitslosigkeit beinhaltet und welche aufgrund ihrer fehlerhaften Doktrin darin besteht, eine leichte Inflation des Konsumentenpreisindexes zu erzielen, denn ansonsten mag sich die als Monster verteufelte Deflation melden.

      Es entwickelt sich daraus immer stärker die Unfähigkeit der Politik, sich wirklich den anstehenden Problemen zu widmen und das Mistrauen der Gesellschaft zwischen den verschiedenen Interessengruppen sowie der Bevölkerung gegenüber der Politik nimmt ständig zu, denn langsam wird die fehlende Nachhaltigkeit vieler staatlicher Programme intuitiv wahrgenommen. Die Geldschwemme der Zentralbanken zeitigt nicht den erwünschten Erfolg eines erneuten wirtschaftlichen Aufschwungs und die Flucht aus Geld (Währungen) in Sachanlagen (inkl. Aktien) und aufgrund der Jagd nach Rendite auch in Bonds jeglicher Bonität wurde dadurch massiv angefeuert. Die Menschen spüren zunehmend die Unstimmigkeit zwischen der Realwirtschaft und den brummenden Asset-Märkten, welche zunehmend zu reinen Kasinos verkommen sind und welche jederzeit von enormer Instabilität heimgesucht werden können. Es fehlt ein verlässlicher Anker, welcher die Entscheidungsträger dazu zwingt, die längerfristige Nachhaltigkeit selbst unter Inkaufnahme einer temporär schwierigen Phase je wieder zu erlangen und das System ist je stärker desto unstabiler und den willkürlichen Entscheiden einiger Gutmenschen unterworfen, welche derart überfordert sind, dass sie einzig die, obwohl bewiesenermassen fehlerhaften, Dogmen der Vergangenheit als Richtschnur zu verwenden verstehen.

    • Anh Toan sagt:

      @Linus Huber: “Unter welchen Bedingungen wird es profitable, sich mit möglichst hohem Hebel zu verschulden um etwelche Sachanlagen zu finanzieren? Die Antwort ist banal, nämlich wenn Geld einem dauernden und garantierten Wertverlust unterliegt. ”

      Seine Antwort ist so banal wie falsch: Die Zinsen sind dabei auch relevant.

      • Linus Huber sagt:

        Oh ja die lieben Zinsen, welche nach belieben manipuliert wurden/werden um eine etwelche Kreditkontraktion zu verhindern, bis sie eben bei null ankamen und man zu unkonventionellen Massnahmen greifen musste.

      • Linus Huber sagt:

        Der Aspekt der Zinsen verleitet manch einen, das Problem im Zins selber zu erkennen, weswegen ich hier kurz darauf eingehe.

        Zinsen sind wie z.B. die Pacht für ein Stück Land, der Preis für die Benutzung eines bestimmten Betrages an Geld (Kapital) für eine festgelegte Zeitperiode zwecks Verwirklichung einer oft auch innovativen Investitionsidee, welche einen entsprechenden Ertrag verspricht. In einem freien Markt muss zwischen Kreditgeber und -nehmer ein hohes Mass an Vertrauen bestehen, ansonsten das Geschäft nicht zustande kommt, denn die Gefahr des Totalverlustes ist hoch, was sich in der entsprechend hohen Risikoprämie, welche ein wichtiger Teil des Zinses darstellt, ausdrückt. Da die Banken aufgrund des Geldmonopols des Staates und den darin funktionierenden Zentralbanken, welche neben anderen gesetzlichen Bestimmungen (z.B. Eigenmietwert, Einlagengarantie etc.) die Banken ebenfalls direkt oder indirekt subventionieren, die Kosten des Risikos über verschiedene Mechanismen auf die Allgemeinheit umverteilen können, entstand ein entsprechendes Vertrauen der Bevölkerung gegenüber diesen Instituten der Finanz. Die Manipulation des Zinsen dient ebenfalls diesem Umverteilungsmechanismus, wobei die offizielle Version natürlich heisst, dass diese planwirtschaftliche Funktion der Wirtschaft des Landes (Reduktion von Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Wachstum, Verhinderung einer als gefährlich deklarierten deflationären Phase etc.) dient.

        Wirtschaftlicher Wachstum beruht grundsätzlich auf technologischem Fortschritt, welcher tendenziell auch zu sinkenden Preisen führt, denn die neuen Errungenschaften erlauben es generell ein Produkt meist besserer Qualität mit weniger Aufwand zu produzieren (beim Zulassen sinkender Preise würde sich der Gewinn aus Produktivitätssteigerungen auf die gesamte Bevölkerung verteilen). Wenn Zinsen nun durch entsprechenden Einfluss der Zentralbanken immer stärker nach unten manipuliert werden, erzeugt dies den Anreiz sehr marginal rentable Projekte, welche bei höheren Zinsen nicht realisierbar wären, zu realisieren. Wenn zugleich auch noch der Konsum durch die Vermarktung von Krediten für Konsumgüter angeheizt wird, entsteht ein künstlicher Boom, welcher zunehmend und immer stärker auf der Ausweitung der Kreditmenge und immer weniger auf technologischem Fortschritt beruht. Die Fixierung der Zentralbanken auf eine leichte Inflation des Konsumentenpreisindexes beruht auf ökonomischen Theorien und Modellen, welche die langfristige Verhaltensveränderung der Akteure (Reflexivität) nicht berücksichtigen und daher das Prinzip der Nachhaltigkeit (wie in einem Schneeballsystem) verletzen und die damit begründete Manipulation der Zinsen führt zwangsläufig langfristig aufgrund der Verzerrung der Preismechanismen zu Verwerfungen im System und wenn deren Auswirkungen durch entsprechend noch stärkere Eingriffe verhindert werden, zu systemgefährdenden Katastrophen und gesellschaftlichen Verwerfungen. Der Preis für Geld (Zinsen) hat nämlich die wichtige Funktion, die möglich beste Allokation von Kapital zu bewirken, was oft vergessen wird.

  8. P.Stein sagt:

    Im Grunde ein sehr guter Artikel. Leider scheinen Oekonomen bei der Loesung der aktuellen Probleme nie die Steuern zu betrachten. Die vier genannten Loesungen sind beileibe nicht die einzigen Moeglichkeiten. Wie mehrere Kommentatoren schon angemerkt haben stehen den Schulden ja auch Guthaben gegenueber. Nach der grossen Depression hat unter Anderem ein sehr hoher Spitzensteuersatz in den USA fuer einen Ausgleich gesorgt. Damit erlangt der Staat auch wieder Handlungsfreiheit, es kann wieder investiert werden, die Privathaushalte verdienen wieder Geld und koennen gemaess Punkt 1 Schulden abtragen, und die Lage entspannt sich. Aber Oekonomen wollen lieber ueber Inflation alle gleichmaessig belasten, damit die Reichen bloss nicht im Verhaeltnis mehr abgeben muessen. Langsam frage ich mich, ob viele Oekonomen grundsaetzlich Plutokratien oder schlimmeres als Gesellschaftsmodell wuenschen, bzw. den freien Markt auf gar keinen Fall hinterfragen wollen. Wirtschaftsliberal ueber alles, Menschen sind da nur Masse!

    • Linus Huber sagt:

      “Nach der grossen Depression hat unter Anderem ein sehr hoher Spitzensteuersatz in den USA”

      Nach einem Krieg ist der Zusammenhalt der Gesellschaft und das Gefühl einer Schicksalsgemeinschaft anzugehören ungemein stärker, was diese Möglichkeit eröffnete. Ebenfalls war die Beweglichkeit des Kapitals bedeutend beschränkter, sodass der Zugriff der Regierung einfacher zu gestalten war.

      • P.Stein sagt:

        Das mag ja sein, dass ein Krieg in einer Gesellschaft auch scheinbar extremere Reformen ermoeglicht. Das aendert aber nichts an der Tatsache, dass hohe Spitzensteuern wirksam waren und auch heute noch waeren. Ueber viele Jahre lief es mit so hoen Spitzensteuern in den USA gut, da alle sehr gleichmaessig vom erarbeitetem profitieten konnten. Erst als diese gesenkt wurden ging es bergab. Leider scheinen heute viele Oekonomen das auszublenden. Dabei sollen in meinen Augen Oekonomen politisch unvoreingenommen Fakten zusammentragen und sachlich auswerten und nicht an Dogmen festhalten, wie z.b. ein bekannter Freiburger Professor aus der neoliberalen Ecke. Solange sich Vermoegensverteilung und Einkommensverteilung nicht aendern, wird sich das Problem weiter verschaerfen, bis es kracht (in welcher Form auch immer). Inflation wird das nicht loesen und wird nur deshalb angestrebt, da sie als versteckte Steuer von vielen nicht als solche erkannt wird, warum auch immer. Solange Oekonomen sich aber kaum trauen, fuer Vermoegende unbequeme Loesungen zu analysieren, praesentieren und durchzudiskutieren, haben auch Politiker nichts solides in der Hand fuer laengst notwendige Reformen. Als reiner Beobachter ohne Wirtschaftshintergrund habe ich einfach nur den Eindruck, dass diese Oekonomen viel zu nah am Geld sitzen und ausgebildet werden, so dass sie auf dem Auge der Vermoegenden blind sind. Lieber werden einfache Menschen zur reinen Resource erklaert und mit Massnahmen wie Austeritaet weiter nach unten gedrueckt, und Geld dahin gepumpt wo ohnehin schon viel zu viel rumschwirrt. Alle bekannten Probleme wie ungleiche Vermoegensverteilung, Hochfrequenzhandel von Aktien (und letztendlich Firmen mit dazugehoerigen Arbeistplaetzen, also Kasinokapitalismus), Steuerkonstrukte und Steueroasen, kontinuierliche Exportueberschuesse aus den immer gleichen Laendern, globale Firmen die lokale Gesellschaften (Laender) gegeneinander ausspielen usw. werden ausgeblendet, oder schlimmer noch, zum Teil als positiv umgedeutet. Es entsteht der Eindruck, dass wenn z.B. im Vergleich und ueberspitzt gesagt Naturwissenschaftler so arbeiten wuerden, waeren wir heute noch technisch im Mittelalter.

        • Linus Huber sagt:

          “Inflation wird das nicht loesen”

          Ich gehe mit Ihnen größtenteils und speziell in diesem Punkt einig. Ein hoher Steuersatz wird allerdings heute sehr wahrscheinlich die Mittelklasse weiter zerstören und das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen. Wenn es auch schmerzt, erkenne ich im Abschreiben nicht rückzahlbarer Schulden die beste Variante, ein Umstand, welcher heute mit allen Mitteln verhindert wird.

          Das Problem mit etlichen staatlichen Programmen mag sein, dass sie aufgrund der aus dem durch den Ausbau des Kreditvolumens künstlich erzeugten Boom rührenden Steuern finanzierbar waren und sich schrittweise als nicht nachhaltig erweisen werden.

          Aber natürlich verfolgen und propagieren die Regierungen den Weg über die Jagd auf die Reichen (also hoher Spitzensteuersatz) und vereinigen sich zunehmend weltweit dafür, denn die Alternative würde sie zum Ziel des Volkszorns machen. Ob es wirklich das Problem löst, was ich sehr bezweifle, ist dabei von sekundärer Bedeutung, denn Regierungen sind unfähig sich selbst zu hinterfragen, da die Entscheidungsträger einzig solche wurden, weil Macht wohl der wichtigster Faktor in ihrem Leben darstellt. Wer die berauschende Wirkung von Macht kennt, kann dieses Verhalten gut nachvollziehen.

  9. Marcel Senn sagt:

    Wenn man die Financial Position der USA anschaut, dann sehen die Zahlen noch anders aus:
    The financial position of the United States includes assets of at least $269.6 trillion (1576% of GDP) and debts of $145.8 trillion (852% of GDP) to produce a net worth of at least $123.8 trillion (723% of GDP,) as of Q1 2014.

    Gut in den 146 Bio (Trl) Debt sind 77.6 Bio aus dem Financial Sector eingeschlossen – in den Assets 82 Bio auch aus dem Fin. Sektor, sowie 11 Schulden von Ausländern in den USA (denen 22 Bio Guthaben gegenüberstehen).
    Wenn man von den 146 Bio die 77.6 und 11 Bio abzieht, dann kommt man etwa auf 57.5 was in etwa den 375% Verschuldung des BIP entspricht. Nur in den 375% sind auch rund 80% Schulden aus dem Financial Sektor enthalten, wie die Grafik zeigt – irgendwelche Finanzgeschäfte werden da vorher noch rausgenommen – habe nur noch nicht rausgefunden welche genau. Vielleicht weiss daszufälligerweise ja irgendwer?

    • Marcel Senn sagt:

      Habs selber rausgefunden – es werden nur die Financial Sektor Bonds berücksichtigt mit 14 Bio oder rund 80% des US BIP — all die restlichen financial Sektor Mickey-Mouse-Money Guthaben und Schulden werden in der Grafik gar nicht berücksichtigt – und die machen ja fast nochmals 500% der US BIP aus…mit anderen Worten es hat auf den ganzen erwähnten Schulden noch eine Leverage drauf, dass sich je nach Situation eben auch ungünstig via Dominoeffekte auswirken kann…the invisible part of the Monster is growing further!!!

  10. Schlauri sagt:

    Ceterum censeo: auch die Schweiz ist hoch verschuldet! Unserer im weltweiten Vergleich sehr tiefen Staatsverschuldung steht eine der höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen der Privathaushalte gegenüber, v.a. durch Hypotheken. J.P. Roth sagte schon 2002 als Präsident der SNB: „Für die Geldgeber bedeutet dies (die exzessive private Verschuldung) ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko. Daraus lässt sich erahnen, wie wichtig das vergleichsweise tiefe Zinsniveau für die Schweiz ist.“ Das heisst im Klartext: Weil das Kartenhaus sonst zusammenbricht, unterstützt die SNB mit Billiggeld unser Schuldenbabylon. Das treibt die Inflation massiv an. Diese ist nicht tot, sie tobt sich heute aber statt bei den Konsumgütern bei den Vermögensgütern (Aktien, Immobilien…) aus. Diese Inflation wird bewusst nicht im Inflationsindex eingerechnet. Warum? Die Nationalbank (SNB) könnte plötzlich nicht mehr den Teufel Deflation als Vorwand für das Billiggeld an die Wand malen. Billiggeld führt aber über die inflationäre Aufwertung der schuldenfinanzierten Immobilien zu einer gigantischen Umverteilung in Milliardenhöhe. Diese Umverteilung geht von unten nach oben, weil die Reichen die grossen Schulden machen. Im Kanton St. Gallen machen die reichsten 10% zusammen 50% der Schulden. Je mehr Eigenkapital jemand hat, desto mehr Kredit bekommt er, desto höher kann er sich verschulden und durch Inflationierung gewinnen. Natürlich hätte man Immobilienblase und Umverteilung trotz Eurokursproblem schon vor Jahren gezielt und wirksam bekämpfen können, mit wohlbekannten Regeln bezüglich Eigenkapital, Amortisation und Schuldzinsabzug. Die SNB runzelt zwar ab und zu die Stirn, etwas Ernsthaftes hat sie aber kaum im Sinn. So einfach ist die Geldpolitik der SNB zu verstehen: Sie stützt mit Billiggeld das Schulden-Kartenhaus und betreibt Umverteilungspolitik mit falsch gemessener Inflation und Deflationsgejammer, kräftig unterstützt von den Banken und deren reichen Lobby in Wirtschaft und Politik. Reich durch Schulden statt durch Leistung, das ist ihr Trick. Darum bleibt die Schweiz so hoch verschuldet.

    • Josef Marti sagt:

      Das korreliert selbstverständlich mit der entsprechenden Steuerpolitik der Bürgerlichen mit immer mehr Entlastung für die leistungslosen Besitzeinkommen (Zins, Bodenrente, Profit) und zulasten der arbeitenden und konsumierenden Untertanen.

    • will williamson sagt:

      Wenn ich der Geschäftsbank meine Hypothek zurück zahle, wird in diesem Umfang Kredit bzw. Geld vernichtet. Damit fallen auch die Zinseinnahmen weg. Da aber die Zinseinnahmen einen relevanten Teil des Gewinns ausmachen, wird die Bank versuchen, anderswo einen Kredit zu gewähren. Dann sind wir wieder am gleichen Punkt. Rückzahlungen im grossen Stil ohne entsprechende Wiederanlagen könnten möglicherweise die Elimination von Geschäftsbanken durch Geschäftsaufgabe oder Konkurs zur Folge haben. Würden alle Kredite zurück bezahlt, bleibt noch das Notenbankgeld als gesetzliches Zahlungsmittel zurück, was bekanntlich noch etwa 10% des gesamten Geldes ausmacht.

      In diesem Zusammenhang ist auf die Vollgeld-Initiative zu verweisen, die den Geschäftsbanken die Geldschöpfung wegnehmen und sie an die Nationalbank übergeben will, wo sie ja eigentlich auch hingehört.

      • Carmen Heidelberger sagt:

        Und woher nehmen sie das Geld fuer den Zins? Das kriegt man ja nicht einfach zum Kredit geschenkt, oder? Das muss doch schlussendlich bei einem anderen geholt werden, dem diese Summe dann fehlt. Und der macht natuerlich dasselbe. Und so bleiben die Zinsen immer schoen im Umlauf, auf der einen Seite als Schuld, bei anderen als Guthaben. Und durch das Zinseszinssystem werden das immer mehr. Hat ja einen Grund, dass jene mit viel Kapital automatsch immer reicher werden und jene ohne immer weniger haben, also wird irgendwann ein Schuldenschnitt unumgaenglich sein. Fragt sich bloss wie blutig der wird. Und weil wir Deppen kein besseres System kennen, weil das ist ja alles alternativlos, faengt der Kreislauf wieder von vorne an und dasselbe wird irgendwann wieder passieren.

        • Linus Huber sagt:

          Bessere Systeme sind bekannt, allerdings behindern diese die Möglichkeit der zunehmenden Machtkonzentration, womit sie von den entsprechenden Entscheidungsträgern ignoriert werden und eine diesbezügliche öffentliche Diskussion durch die Schaffung allgemeiner Konfusion verhindert wird.

          • will williamson sagt:

            Frau Heidelberger, falls Sie mal einen Privat- Kredit aufgenommen haben, wissen Sie, woher das Geld für den Zins kommt. Von Ihrem Verdienst. Am besten arbeiten Sie bei der Bank, die Ihnen den Kredit gegeben hat. Die zahlt Ihnen für Ihre Arbeit den Lohn und Sie damit den Zins. Durch Dienstleistungen kann eben Geld generiert werden und Unternehmen finanzieren den Zins aus dem Gewinn.

            Der allgemein verbreitete Betrachtungsfehler besteht eben darin, dass man meint, die Banken würden das Geld schaffen. De facto aber schaffen es eben die arbeitenden Menschen und Unternehmen. Wenn wir beim Tauschhandel anknüpfen, brauchen wir ja nur Geld, wenn die Tauschrelationen nicht 1:1 aufgehen. Wenn eine Weberei eine Webmaschine postet, kann sie die Maschinenfabrik nicht mit Stoff bezahlen. Also braucht sie Geld und wenn sie keines hat einen Bankkredit um die Maschine zu bezahlen. Die Bank funktioniert gewissermassen als Clearingstelle und kassiert dafür Kommissionen und Zins. Diesen braucht sie auch um Kreditausfälle zu kompensieren. Damit ist nicht gesagt, dass es die Geschäftsbanken sein müssen, die das Geld schöpfen. Es kann ja auch von der Nationalbank kommen, was die Volksinitiative für VOLLGELD momentan in der Schweiz anstrebt. Unterschriften für die Initiative werden mit Freude entgegen genommen.

  11. Kai Schlesinger sagt:

    Die Rechnung D/Y ist bestechend einfach. Leider greift sie zu kurz. Entscheidend ist, woraus das das Y besteht. Was wird als Wirtschaftsleistung erbracht. In Deutschland wurde in der Vergangenheit eine Sozialindustrie aufgebläht. Die Infrastruktur wurde vernachläßigt. Die Sozialindustrie bedient nur die Lobby, die am lautesten kräht. Autobahnen, Brücken etc. sind marode. Das Gesundheitswesen entwickelt sich zu dem Standard eines Entwicklungslandes zurück. Die vereinfachte Betrachtung eines Y vergißt die Abschreibungen. Wir müssen einen erheblichen Teil der Wirtschaftsleistung erbringen, um Abnutzung und Zerfall auszugleichen und die Erbringung künftiger Wirtschaftsleistung zu ermöglichen. Die Industrieländer verhalten sich wie der Landwirt, der die Saat verfrühstückt. Wer aber ernten will, muß etwas zum säen haben.

    Die Aussage zum Schuldenstand ist schlichtweg falsch. Deutschland hat in den letzten Jahren in erheblichem Maße Schulden aufgebaut. Die Schulden wurden durch Tricks aus der Bilanz getilgt. Öffentliches Vermögen wurde privatisiert. Damit wurde ein Eimalertrag erzielt. Die langfristigen Leistungsverpflichgungen bleiben dennoch. Siehe sozialer Wohnungsbau. Der Bund hat seine Ausgaben den Ländern zugeschoben oder die Ausgaben in die Zukunft verlagert. Die Länder haben ihre Ausgaben an die Kreise, Städte und Gemeinde weiter geschoben. Die meisten Städte und Gemeinden sind handlungsunfähig. In den letzten Jahren wurde eine gewaltige Sozialindustrie geschaffen. Die Kindergärten und Kitas von heute erinnern an die Hallenbäder der 70er Jahre. Damals wurde im Glauben an ständiges Wachstum stark investiert. Die Hallenbäder wurden in den 90er Jahren geschlossen.

    • Linus Huber sagt:

      Das Verschiebung wirklicher Lösungen in die ferne Zukunft durch das Aufblähen des Kreditvolumens, welches durch die von falschen Theorien indoktrinierte Geldpolitik ermöglicht wurde, führt schlussendlich zur Erkenntnis der fehlenden Nachhaltigkeit vieler staatlicher Programme.

  12. Hampi sagt:

    Für mich persönlich sind „Schulden“, was das Weihwasser für den Teufel. Das Zinsverbot der Muslime ist insofern nachvollziehbar. Aber es ist unbestritten, dass die Eigenschaft des „Ausleihens“ zu den ureigentümlichsten Tätigkeiten des Menschen (schon im Kindesalter) gehört und für unsere Sozialisierung wahrscheinlich sogar unbedingt notwendig ist.
    Schulden wir es immer geben. Nur Privilegierte können darauf verzichten. Und wenn es immer Schulden geben wird, wird es auch immer einen Abgrund geben. Diesen Abgrund zu messen ist bisher nicht möglich (sonst wäre es ja kein Abgrund mehr). Es kann mir kein Ökonom sagen, warum die im Beitrag erwähnte Verschuldung von derzeit 385 % des BIP’s nicht auf 500 % steigen kann. Und vor allem kann kein Gelehrter sagen, wie ängstlich oder unbekümmert wir sein werden, wenn es dann soweit ist.

    Von den 4 Punkten im Beitrag funktioniert in der Gegenwart nur gerade der 4. Punkt: Inflation. Und deshalb ist es traurig und tragisch, zu sehen, dass Mario Draghi viel zu wenig oder wenigstens viel zu langsam reagiert. Seine mit Abstand allerwichtigste Aufgabe ist es, die Inflation auf 2 % zu erhöhen. Und zurzeit geht sie klar in die Gegenrichtung.

    • S. Rohrbach sagt:

      Draghi versucht ja die ganze Zeit mit aller Kraft, die Inflation auf 2% zu erhöhen. Aber es funktioniert nicht (Instrument der Zinssenkung erzielte keine Wirkung, etc.)!!!! Nun wird er es noch mit gemäss (Masstricht-)Verträgen unerlaubten Mitteln versuchen, indem Staatsanliehen etc. aufgekauft werden. Aber auch dies wird nichts bringen!!! Warum? Weil die Notenbanken heute die Geldmenge (und damit die Höhe der Inflation) gar nicht mehr richtig steuern können! Denn Geld drucken wie früher bringt nichts, da die Menschen heute die meisten Rechnungen nicht mehr mit Papiergeld bezahlen sondern elektronisch mit den von den Geschäftsbanken via Kredit geschaffenen Giralgeldern. Und tun die Banken es doch, so wird die Verschuldungsproblematik durch die Kreditvergabe (inkl. verehrendem Zinseszinseffekt!) weiter angeheizt werden. Die Katze beisst sich im heutigen Geldschöpfungssystem (beruhend auf einer Kreditvergabe durch die Banken verbunden mit immer höheren Zinsbelastungen) selber in den Schwanz. Fazit: Um Inflation für den Schuldenabbau zu erzielen muss die Geldmenge erhöht werden. Die Geldmenge wird durch Schaffung von Geld erhöht. Schaffung von Geld geschieht heute hauptsächlich durch die Geschäftsbanken gegen Kredit. Kredite und vor allem die damit verbundenen Zinsen erhöhen die Schulden zusätzlich. Das geht immer weiter so bis entweder das System implodiert oder wir eine schlaue Lösung (z.B. Vollgeldsystem, etc. ) erfunden haben. Und noch was: Die erhöhte Geldmenge erreicht im heutigen System nicht mal das Ziel von Inflation in der Realwirtschaft. Warum? Weil das Geld gar nie dort “landet” und Wirkung erzielt, sondern für die Bedienung von Blasen (Aktien, Immobilien, Derivate, Staatsschulden) verwendet wird. So kann es ja nicht weitergehen!

      • Hampi sagt:

        S. Rohrbach
        3. Oktober 2014 um 15:07

        Warum, meinen Sie denn, hat sowohl die USA und sogar Japan “bessere” Inflationszahlen, wenn nicht wegen den schon seit Jahren sich in Kraft befindenden QE’s ?

        • Samuel Rohrbach sagt:

          Japan kann ich zu wenig beurteilen. Aber die Amerikaner (sowohl die Konsumenten wie auch der Staat) leben auf Pump. Schauen sie sich doch mal an, wie viel Schulden der Amerikaner seit der Finanzkrise gemacht haben. Dies geht solange gut, bis auch die Amerikaner keine zusätzlichen Schulden mehr machen können. Dann ist auch dort das System am Ende bzw. der höchstmögliche Punkt auf der Exponentialkurve erreicht. Oder auch anders gesagt: Dieses “verkonsumierte” Geld wird den Amerikanern irgendwann fehlen und die Zinslast wird sie erdrücken.

    • Linus Huber sagt:

      Wenn Sie die wahren Zusammenhänge und Ursachen vertieft studieren, mögen Sie zur Überzeugung gelangen, dass die Idee der Inflation von gerade scheinbar harmlosen 2% oder besser gesagt die andauernde leichte als harmlos betrachtete Inflation (Geldentwertung) der letzten Jahrzehnte zum heutigen Dilemma führte.

  13. Peter Fischer sagt:

    Angenommen, es gäbe nur einen einzigen Menschen auf der Welt und eine Bank. Wenn dieser Mensch nun einen Kredit aufnimmt (aus welchen Gründen auch immer), kann er den zwar 1:1 wieder zurückzahlen, nicht aber den Zins. Denn dieses Geld existiert noch gar nicht in der Welt! Also muss er einen zweiten Kredit aufnehmen, um den Zins bezahlen zu können, usw. Bei mehreren Akteuren besteht auch die Möglichkeit, Geld z.B. durch Handel hin und her zu schieben, aber global betrachtet fehlt immer der Zinsanteil in der Rechnung. Das ist zwar extrem vereinfacht, zeigt aber den Kern des Problems: Durch die Notwendigkeit, Zinsen zu bezahlen, wächst das globale System exponentiell! Unausweichlich! Einzig noch die Geschwindigkeit kann beeinflusst werden.

    • Linus Huber sagt:

      Sie vernachlässigen die normalerweise stattfindende Bereinigung von Ungleichgewichten (Fehlinvestitionen) durch entsprechende Abschreibungen, welche heute zwar aufgrund der hohen Kadenz geldpolitischer Eingriffe verhindert werden, jedoch ein zwingendes Merkmal des Kapitalismus bilden. Dass die Geldmenge im gleichen Rahmen wie die Wirtschaft wächst, ist nicht ein Problem, sondern einzig wenn sie dauerhaft und langfristig stärker wächst.

    • seebueb sagt:

      In Ihrem Bsp muss der Kreditnehmer gleichzeitig Angestellter der Bank sein, es gibt ja nur ihn, plus noch ein bisschen Staatsangestellter und Handwerker. Ein grosser Teil der Zinskosten wird für die Personalkosten der Bank aufgewendet, fliesst also an ihn selbst zurück, ähnlich läuft es mit Dienstleistungen Dritter und den Steuern. Unter dem Strich bleibt ein nur kleiner Teil der Zinsen bei der Bank als Gewinn, der grosse Rest fliesst über verschiedene Kanäle an den Kreditnehmer zurück.

  14. Johnny Smith sagt:

    Interessanter, lehrreicher Artikel und guter Hinweis auf das immer noch fehlende Deleveraging.

    Die Kritik am übermässigen Schuldenaufbau der Privaten ist berechtigt. Leider versucht der Artikel die übermässigen Anstiege der Staatsschulden jedoch zu stark reinzuwaschen (“Es klingt einleuchtend, dass hohe Staatsschulden die Wurzel des Übels sein sollen. Nur ist diese Aussage leider komplett falsch…. Die hohen Staatsschulden sind also nicht Ursache, sondern Folge der Krise.”). Durchaus, hohe Staatsschulden sind durchaus oft eine Folge von Krisen, werden aber oft auch laufend/schleichend ohne Krise auf Niveaus angehoben, wo eine negativer Wachstumseffekt korreliert (ich sage jetzt nicht folgt, die Korrelation ist aber in diversen Studien gezeigt worden). Ich denke da an It, F, P, GR, Japan, …, in leicht abgeschwächter Form selbst auch D.

    Der Eindruck, dass nur überhöhte Privatschulden schlecht seien, überhöhte Staatsschulden aber unproblematisch, ist jedenfalls komplett falsch.

    • Gregor Münster sagt:

      Vermögen = Schulden

      Schuldenabbau = Vermögensabbau und das verträgt sich schlecht mit dem “Zinswachstumszwang” des Kapitalismus. Deshalb wird der “Kapitalismus” via “staatlichen” Bankenrettung -> nationalbanklichen Bad Banken – auch vergemeinschaftet oder plakativer ausgedrückt “sozialisiert”.

      Finanzkomunismus….

      Letztlich ist wichtig, wie wir zukünftig leben wollen, ohne 9 weitere Erden zu brauchen. Und dafür ist diese “Machtsystem des Geldes” nicht nötig, sondern hinderlich.

      • Marcel Senn sagt:

        Münster: Diese Vermögen = Schulden Gleichung stimmt nicht wirklich — denn es gibt genug Vermögen wo keine Schulden dahinter stehen: z.B. der Restwert von Real Estate, das über die Hypothekenverschuldung hinausgeht, dann Mobilien (z.B. abbezahlte Autos, Möbel, Kunst usw), Edelmetalle, die ganzen Aktien weltweit, da stehen keine Schulden dahinter usw. Auch gewisse Staaten (wenn auch immer weniger) die eine Infratruktur haben, die mehr wert ist als die Staatsschulden.
        Darum kann man den Schuldenberg übhaupt noch weiter auftürmen, da die Vermögenswerte global die Schulden noch übersteigen
        Siehe mein Kommentar weiter unter: USA total Assets 270 Bio (alle incl. Financial Corps) Schulden 146 Bio gibt unter dem Strich Netto 124 Bio (inkl. ausländische Vermögen in den USA) – das ist sozusagen das Eigenkapital der Amerikaner — nur ist es halt etwas sehr ungleich verteilt – der Staat und weite Teile der Bevölkerung verschuldet und die anderen habens im Uebermass…

  15. Eisenring Markus sagt:

    Ich hätte von den Experten gerne folgende Frage beantwortet: Den Schulden müssen doch gleich hohe Guthaben gegenüberstehen. Nun hören wir (seit Piketty bestens belegt), dass sich diese Guthaben bei immer weniger, dafür Superreichen und bei den grossen globalen Konzernen ansammeln. Wieso kommt niemand auf die meines Erachtens nahe liegende Idee, den Konsum mit höheren Löhnen statt mit Krediten anzukurbeln sowie mit einer höheren Besteuerung von Kapitalgewinnen und Höchsteinkommen die Staatsschulden über mehr Einnahmen abzubauen? Gleichzeitig könnten damit die grossen Ungleichheiten etwas geglättet werden. Wäre dies nicht ein 5. Weg? Tatsache ist allerdings, dass bisher das exakte Gegenteil dessen passiert, was ich für sinnvoll erachte, d.h. Austeritätspolitik!

    • will williamson sagt:

      Dass den Schulden gleich hohe Guthaben gegenüber stehen ist richtig. Ebenso, dass sich diese Guthaben bei wenigen Reichen und Konzernen ansammeln. Die höhere Besteuerung dieser Leute liegt natürlich nicht in deren Interesse und wird von ihnen daher hintertrieben. Das Gleiche gilt für die höheren Löhne, da diese ja die Verteilung teilweise wieder von oben nach unten umleiten würde. Letztlich handelt es sich hier um eine Frage der Machtverteilung nach dem Slogan “Geld regiert die Welt!” Der Schuldner ist hier in der Regel im Nachteil. Die Sklaverei wurde nicht generell abgeschafft, sondern nur die Leibeigenschaft. Die Sklaverei hat die Form gewechselt und existiert heute als Schuld-Sklaverei.

      • Takfor Herbert sagt:

        Ich gratuliere den Herren Eisenring Markus und Will Williamson zu den messerscharfen Schlussfolgerungen. Endlich mal jemand, der das kapitalistische (Zins-/Zinseszins-) System durchschaut. Wenn beispielsweise ein einzelner Hedgefondmanager die Macht hat, einen Staat wie Argentinien in die Zahlungsunfähigkeit zu zwingen, kann etwas mit dem gegenwärtigen System nicht stimmen.

        • Linus Huber sagt:

          Wenn eine Regierung sich derart verhält, dass sie von einem Hedgefondmanager zur Zahlungsunfähigkeit gezwungen werden kann, stimmt mit dem System tatsächlich etwas nicht. Wer genau definiert hier die Regeln?

  16. Das Problem ist, dass in Europa und den USA die Löhne breiter Schichten seit Jahren stagnieren oder gar sinken. Nur Oligarchen und Superreiche vermehren ungeniert und ungehindert ihren Reichtum. Das ist mit ein Grund, dass die Wirtschaft auf Pump floriert wie nie zuvor. Viele Leute leben über ihre Verhältnisse. Würden sie dies nicht tun, wäre die Nachfrage nach Immobilien und anderen Produkten viel weniger hoch. Der real existierende Kapitalismus hat dazu geführt, dass eine gigantische globale Blase (Schuldenwirtschaft) entstanden ist. Europa ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Rettung fast sämtlicher Banken die Verschuldung der Staaten befeuert hat. Und die Verschuldung der Staaten führt dazu, dass soziale Auffangbecken mehr und mehr weggespült werden und die Verschuldung von Privatpersonen in gravierendem Umfang zunimmt. Wenn man an die demographischen Probleme der westlichen Staaten denkt, graut einem davon, woher das Geld kommen soll, um die Kassen für einen einigermassen humanen Lebensabend zu füllen. Im Nischenland Schweiz wird so getan, als sei alles mehr oder minder im Lot. In den nächsten Jahren werden wir gezwungen sein, andere Wertediskussionen zu führen als heute.

    • Linus Huber sagt:

      “Der real existierende Kapitalismus”

      Vielleicht handelt es sich bei näherer Betrachtung um die real existierende Vetternwirtschaft (crony capitalism).

      • CB sagt:

        Im französischen Privatsender canal+ wurde kürzlich in Les guignols de l’info (eine satirische Tagesschau mit Marionetten) der “typische Kapitalist” interviewt: er kauft billiges Öl vom IS, verkauft es auf dem halblegalen Markt. Vom Profit kauft er Waffen, die er dem IS verkauft. Weil dadurch auch die Nachfrage bei den Gegnern des IS wächst, verkauft er denen ebenfalls Waffen. Abschliessender Kommentar des Präsentators: “Es gibt Schlimmeres als Krieg, Es gibt noch den Kapitalismus.” Das sagt eigentlich alles.

        • seebueb sagt:

          Das ist ziemlich genau das, was die CIA in Mittelamerika und im offiziell verfeindeten Iran während den frühen 80ern gemacht hat, nur ging es da in erster Linie um Rauschgifte (v.a. Kokain) und Waffen. Siehe Iran/Contra-Affäre.

  17. Joe Amberg sagt:

    …und die absolute Metaschlussfolgerung fehlt noch: all das – das exzessive Kreditwachstum und seine Konsequenzen, sowohl öffentlich wie privat – erfolgt nur weil die gesamte heute angewandte Öknomie auf dem langfristig absurden Ansatzes eines notwendigen ewigen Wachstums basiert! Dummerweise ist ewiges quantitatives Wachstum auf einem Planeten der partout nicht wachsen will… schlicht Schwachsinn. Was tat der homo sapiens deshalb in den letzten paar tausend Jahren wenn die Schulden langsam unerträglich wurden: ein De-leveraging via grosse Kriege. Viel Spass ist also angesagt wenn die Wirtschaftssysteme von der USA bis China unter der Schuldenlast einzuknicken beginnen…

  18. S. Rohrbach sagt:

    Sehr spannender Artikel von Herr Dittli! Eine wichtige Ergänzung, wie es zu diesen Verwerfungen kommen konnte: Da Bargeld immer mehr durch elektronisches Geld ersetzt wurde, findet heute die Geldschöpfung vor allem durch die Geschäftsbanken statt (obwohl diese Aufgabe eigentlich gemäss Bundesverfassung dem Bund resp. SNB vorbehalten ist). Die Geschäftsbanken machen diese Geldschöpfung via Kredit gegen Zins (an Private, Unternehmen und an Staaten). Durch dieses System entstehen schlussendlich Akiten-, Immobilien- und riesige Schuldenblasen (Zinseszinseffekt!) welche schlussendlich unser ganzes heutiges Wirtschafssystem bedrohen. Gegen solche tiefgreifenden und existenzbedrohenden Krisen, sind die Staaten wie auch die Notenbanken schlussendlich machtlos, weil sie heute die Kontrolle über die Geldschöpfung sowie das Schuldensystem grösstenteils verloren haben. Es gibt aber neben den vier erwähnten 4 Wegen noch eine fünfte Möglichkeit: Die am 3. Juni in der Schweiz gestartete Vollgeldinitative. Schlussendlich muss die Lösung vom Volk (und von unabhängigen Professoren) kommen, da die namhaften Leute in Regierungen und Banken vom heutigen System abhängig bzw. in ihm gefangen sind.

  19. Antoni M. Stankiewicz sagt:

    Zwei Bemerkungen: die Politik schaffte die Voraussetzungen für die Privatverschuldung; wie sie richtig sagten hat seit Reagan bis Clinton in den USA die Deregulierung das private und corporative Schuldenverhalten geprägt, Also doch die Politik am Ursprung! Und die private Sparquote hat sich seit Krisenbeginn zu verbessern begonnen. Zweitens die tiefen Zinsen: die Tragbarkeit der Schulden gemessen am Zinsbedarf hat sich trotz Schuldenwachstum verbessert, weshalb das tiefe Zinsniveau noch mindestens bis zur Erneuerung alter Schulden weiter bestehen muss. Das ist genau, was die Zentralbanken versuchen. Gleichzeitig versuchen sie, anstatt eine Deflation zu provozieren, eine neue Phase der Stagflation einzuleuten, die das kleinere Übel ist. Zwar wollen sie idealerweise mit der Geldmengenexpansion die Realwirtschaft ankurbeln, wissen aber sehr wohl, dass dies wenig wahrscheinlich ist und “begnügen” sich mit der Hoffnung auf eine Stagflation und lange anhaltende Tiefzinsen,um den Patienten durchzuseuchen. Gemessen an den langfristigen Verbindlichkeiten die noch zu Hochzinsen eingegangen wurden (bis 2008), dürfte dieser Prozess noch bis etwa 2030 andauern, d.h. eine Generation mit wenig Ausblick auf höhere Beschäftigung und ansteigenden Anforderungen an die Sozialwerke. Wenn das nur gut geht!!!

    • Walter K. Thut sagt:

      Guter Artikel, oft gute Bemerkungen. Ausser, dass am Anfang nicht die Politik steht ( Kommentar Stankiewicz), sondern jene, welche die Politik definieren. Also Wähler, die Auftraggeber der Lobbyisten oder Diktatoren. In den USA und Europa sind es in der Realität v.a. die Auftraggeber der Lobbyisten: “wir brauchen mehr Konsum, also höhere Verschuldung, um die Wirtschaft wachsen zu lassen” heisst “wir wollen mehr Gewinn”. Die zwei grössten systemischen Fehler sind 1. das Konzept des Wachstums auf einer begrenzten Erde, und 2. Die Dominanz von Wert-Abschöpfung (Kapitalismus) gegenüber echter Wertschöpfung. Es braucht auf jeden Fall Markt und Wettbewerb, welcher jedoch nicht durch reiche Investoren gelenkt wird, sondern durch alle, vor allem auch durch die Mittelschicht, KMU und … Menschlichkeit. Es darf nicht sein, dass Investoren am Roulette-Tisch entscheiden, ob ein Land bankrott geht, wie das Beispiel Argentinien zeigt, aber auch das Beispiel Europa, denn seit einer Weile ist für die Gross-Investoren Asien in, ein Hauptgrund für die Finanzierungsprobleme in Europa.

      • Linus Huber sagt:

        In einer Scheindemokratie wie den USA, welche mit der wichtigsten Zentralbank der Welt die Tonlage der weltweit angewandten Geldpolitik bestimmt, würde ich die Bedeutung des Wählers als sehr schwach bezeichnen, denn es ist eigentlich einerlei, welche der 2 grossen Parteien am Ruder ist. Einzig der mögliche Erfolg einer wirklichen Alternative würde hier helfen, wobei die Elite aufgrund der Kontrolle der Themen und Medien dies zu verhindern wissen. Investoren oder wirtschaftliche Akteure handeln entsprechend den von Regierungen offerierten Anreizen und sind nicht dafür verantwortlich, oder in anderen Worten, es sind Regierungen, welche ihre vom Volk anvertraute Verantwortung zwecks Machterweiterung missbrauchen.

  20. Bernie Graezer sagt:

    Wäre interessant zu hören, was MDM zu den Konsequenzen meint, falls – wie zu vermuten ist – die Schulden realiter weder bedient noch zurückgezahlt werden können. Im Falle der Weginflationierung hat es MDM gesagt: Sparer – genauer alle mit Nominalforderungen inkl. Rentenansprüchen sind die geprellten. Alle Szenarien jedoch erscheinen schweisstreibend.

  21. Alex Zatelli sagt:

    Danke, sehr informativ. Vermutlich sind unter denjenigen, die am meisten über öffentlche Schulden schimpfen, viele Leute, denen ihre Immobilie noch nicht mal zu 20% gehört.

    Interessant wäre noch zu wissen, wer eigentlich die Glübiger ser Staaten sind. Aber da die Hälfte aller Vermögen ja in den Händen von ca. 10% der Bevölkerung sind, ahnen wir es. Diese Leute können heutzutage sehr froh sein, dass sie ihr Geld irgendwohin tragen können. Und auch ein Schuldenschnitt wäre für die meisten kein wirkliches Problenm im Leben. Wer ehedem 100 Mio besass, ist auch mit 50 Mio noch nicht wirklich arm dran.

    • Margot sagt:

      Ich kann Ihnen ein Beispiel in 3 Minuten zeigen wie Spitzenpolitiker und reiche “Investoren” mit den Medien legal im grossen Stil abräumen: You Tube “Griechenland und die Profiteure – Die Kapitalflucht der Banken”
      Die gleichen Politiker die demselben Fussvolk Sparexesse aufbürden bis zur Selbzerfleischung!

      • Linus Huber sagt:

        Korruption ist weit verbreitet; Diebstahl, auch wenn durch Gesetze legalisiert, bleibt Diebstahl. Die Institutionalisierung von “moral hazard” und der formelle oder de facto Immunitätsschutz der entsprechenden Entscheidungsträger, welche zugunsten der bestehenden Machtelite handelt ist ätzend.

        • Anh Toan sagt:

          Gibt es keinen Immunitätsschutz, deckt man einen missliebiegenden Entscheidungsträger einfach so mit Klagen ein, dass er zu nichts mehr kommt.

          Bevor Sie etwas sogar noch penetrant und völlig einseitigen kritisieren, sollten Sie sich ein bisschen schlau machen zum Thema. Es reichjt eine Seite Wikipedia aufmerksam zu lesen, und dann wissen Sie warum es Immunität gibt “Sicherstellung des Parlamentsbetriebes”

          • Linus Huber sagt:

            Wirkliche Verantwortung ist nur gegeben, wenn die Konsequenzen der getroffenen Entscheide auf persönlicher Ebene des Entscheidungsträgers eine Wirkung erzeugen. Alles andere ist ein Ausleben persönlicher Machtgelüste mit entsprechender Übervorteilung zulasten der Allgemeinheit.

            Vielleicht sollten diese Entscheidungsträger, welche nicht bereit sind, wirkliche Verantwortung zu tragen, sondern sich in ihrer Position ein angenehmes Leben zulasten der Allgemeinheit einrichten, gar nicht existieren und der Gesellschaft insgesamt ginge es besser.

            Die Immunität besteht nicht in erster Linie zwecks “Sicherstellung des Parlamentbetriebes”, sondern in erster Linie weil sich die Politiker damit einen persönlichen Schutz überstülpen wollten und dabei eine für Ahn Toan leicht verständliche offizielle Begründung offerierten, welche er als Hüter des Status Quo gerne vehement vertritt. Der Kreis der de facto immunen Entscheidungsträger umfasst einen weit höheren Anteil als einzig die Politiker, sondern auch z.B. die angestellten Wirtschaftsführer, welche mit ihrem Heer an Lobbyisten die Legislative unter anderem zu Ihrem persönlichen Vorteil beeinflussen und sich ihrer persönliche Verantwortung elegant durch eine entsprechende Versicherung (natürlich von der Firma bezahlt) entziehen, sodass einzig schwer zu beweisende, persönlich begangene Gesetzesverletzungen als Risiko möglicher persönlicher Konsequenzen verbleiben.

          • Anh Toan sagt:

            Genaue und Er hat es gemerkt, weil Er so schlau ist,

            und das indoktrinierte oder doofe Volk ist auf den einfachen Taschenspielertrick reingefallen, und wählt die gleichen Säcke noch immer, die sich einfach aus der Verantwortung stehlen.

          • Anh Toan sagt:

            Wofür könnte man den Bundesrat und das Parlament verklagen wegen den Russlandsanktionen? Wegen Waffenexportbeschränkungen? Wegen, wegen, wegen, nicht letztlich Prozesse gewinnen, aber lahmlegen. Bei jedem politischen Entscheid gibts Verlierer, letztlich würden Richter die politischen Entscheide überprüfen in Schadenersatzprozessen, geht ganz einfach nicht ohne Immunität, die Frage ist wieviel, für was, wer darf aufheben usw.

            Er soll nicht kritisieren, was Er nicht versteht.

          • Linus Huber sagt:

            Sie liegen richtig in der Annahme, dass die Bevölkerung im Allgemeinen leicht zu konditionieren ist. Politische Veränderungen laufen immer sehr langsam ab und brauchen viele Jahre. Das Problem ist bedeutend höher in repräsentativen Scheindemokratien, in welchem der Wahlerfolg eng mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln verknüpft ist, als in z.B. der Direkten Demokratie Schweiz.

            Nein, das Volk ist nicht dumm, aber kann temporär hinters Licht geführt werden, wonach es allerdings entsprechend scharf reagiert. Ich kenne die weltweite Situation nicht, aber die Schuldenbremse wurde nicht zuletzt aufgrund der direkten Demokratie am 2. Dezember 2001 in einer Volksabstimmung mit hoher Zustimmung beschlossen, obwohl die Linken und sogar Altbundesrat Otto Stich dagegen argumentierten und die EU in die genau entgegengesetzte Richtung zu marschieren begann. Die Schweizer sind freiheitsliebend und wissen, dass man die Macht der Regierung beschränken muss. Wenn jedoch die Regierung glaubt, am Volk vorbei regieren zu können, kommt es zu solchen Überraschungsresultaten wie im Februar diesen Jahres, womit die hierarchische Struktur wirklicher Demokratie demonstrativ wieder hergestellt wird.

            Über die Immunität als Einzelthema wurde meines Wissen nie abgestimmt.

          • Anh Toan sagt:

            Die Armen können die Politiker nicht verklagen, erstens haben sie keinen Schaden, können ja nichts verlieren, und letztens können sie sich keinen Anwalt leisten. Nicht mal eine Rechtsschutzversicherung, die würde sowas ohnehin ausschliessen. Nur Reiche können es sich leisten, die Politiker zu verklagen. Also machen die Poltiker, was die Reichen wollen.

            Er ist der Superdemokrat

          • Anh Toan sagt:

            Linus Huber

            “Sie liegen richtig in der Annahme, dass die Bevölkerung im Allgemeinen leicht zu konditionieren ist.”
            “Nein, das Volk ist nicht dumm, aber kann temporär hinters Licht geführt werden, ”

            “Leicht zu konditionieren” versteht meine Frau nicht, in keiner Sprache, aber “dumm” scheint mir dabei zumindest sehr hilfreich zu sein.

            Er hält deutlich weniger von der Intelligenz des Volkes als ich, wenn Er glaubt, das Volk hätte in hundert Jahren sich noch nicht in irgendeiner Form (Gründung einer Partei, Teilnahme an Wahlen, Demonstrationen, Streik) auch in “parlamentarischen Scheindemokratien” dagegen gewehrt, wenn, wie Er schreibt, “Die Immunität besteht … in erster Linie weil sich die Politiker damit einen persönlichen Schutz überstülpen wollten”

            Die lassen sich so veräppeln, dass hätte ich nicht gedacht, so lange hats kein besoffener Jura Student oder so ein Eliteheini einem Callgirl weiter erzählt, aber jetzt kommt ER, und gibt Bescheid.: “immunitätsschutz ist ätzend”.

          • Anh Toan sagt:

            Man sollte die Richter für Ihre Entscheide verklagen können, wenn die falsch sind, und dann diesenn Richter

            mamuschka mamuschka und so

            Dann könnten alle Jura studieren und wir hätten Vollbeschäftigung

          • Anh Toan sagt:

            Meine Frau versteht “konditionieren” nicht weil ich es nicht verstehe, aber ich würde sagen, halt so, wie ein Kakerlak zum Licht laufen muss, sein Hirn sagt, da ist Licht, da muss ich hin, weil da bin ich oder so. (Jetzt hab ich nachgsehen auf Wiki: steht was von reiz reaktionsmuster und so), also es ist einfach, dem Volk Reiz Reaktionunsmuster an zu trainieren,

            Ich glaube dass Kakerlaken eine andere Intelligenz haben als wir, aber wann kann man dann noch das Wort dumm überhaupt gebrauchen, wenn man es nicht mal für Kakerlaken verwenden darf?

          • Linus Huber sagt:

            Na ja, Sie wurden bestens konditioniert und merken es offensichtlich nicht einmal, was ein nicht sonderlich bemerkenswerter Umstand darstellt; ich qualifiziere Sie deswegen nicht mit ordinären Begriffen wie “dumm”.

            Was träumen Sie von dauernden Klagen, als ob die Bevölkerung nichts anderes im Kopfe trägt. Eine Reduktion des Immunitätsschutzes kann sehr wohl gerade in einer direkten Demokratie über einen anderen Mechanismus als einzig über den Weg der rechtlichen Klage, was Ihnen zu behagen scheint, ablaufen.

          • Anh Toan sagt:

            Dass es der Konditionierte nicht bemerkt, dass er konditioniert ist, liegt in der Konditionierung an sich.

            Würden Sie einfach schreiben, ich sei dumm, würdcen Sie selber merken, dass es sich um eine strafbare Beleidigung handelt. Da Sie nicht verstehen, was Konditionierung bedeutet, fehlt Ihnen der Vorsatz:

            Sie verstehen die Worte nicht, die Sie verwenden.

      • CB sagt:

        Sehr interessanter Fernsehbericht. Wird wohl in diesem Stil weitergehen, da der EU-Griechenland-Banker-Filz nahtlos von Barroso zu Juncker übergeht.

  22. zweistein sagt:

    Nur das Kapital wird von den Bänklern ex nihilo erschaffen, aber nie das nötige Geld um die Zinsen zu zahlen. Logische Folge: am Schluss sind alle verschuldet – Staat, Private, Unternehmen. Ausser die Oberbänkler. Ihnen gehört im Jahre 2014 fast alles.

    • will williamson sagt:

      Falls Sie auch schon einen Kredit aufgenommen und diesen samt Zinsen zurück bezahlt haben, müssen Sie mir jetzt erklären, woher das Geld für die Zinsen gekommen ist, wenn es nicht geschöpft wurde! Ich bin gespannt.

      • Linus Huber sagt:

        Es mag durch den Ertrag aus der durch den Kredit ermöglichten Investition erzeugt worden sein, wobei nach Abschluss sämtlicher Transaktionen der verschiedenen Parteien am Ende wieder ein ausgeglichener, kreditfreier Zustand erreicht wird.

  23. Carlo Corno sagt:

    sooo einfach darf man es sich nicht machen. Mag sein, dass es am Umgang mit fremden Geld liegt, die Staaten geben aber mit ihrer Schuldenkultur ein falsches Vorbild, ja sie schaffen mit falscher oder fehlender Gesetzgebung die Voraussetzungen für Privatverschuldungen. Im Gegenteil, dies war/ist von den Staaten erwünscht, weil es die Steuereinnahmen aufbläht. So gesehen tragen die Staaten eine nicht unwesentlich Mitschuld, direkt durch Staatsverschuldung oder indirekt, das spielt eine untergeordnete Rolle.

    • Tom sagt:

      Sie scheinen es trotz dieses hervorragenden Artikels nicht begreifen zu wollen. Warum die Staatsschulden so hoch sind, steht doch glasklar da oben. Zudem, das ganze System, unser wirtschaftliches Wachstum, funktioniert nur über das Schuldenmachen. Und wenn das niemand mehr tut, dann wachsen wir nicht mehr. Wenn Ihnen das nicht gefällt, müssen sie Kommunist werden. Diese Situation jetzt, das ist das Ergebnis der Kräfte eines komplett freien Marktes. Wenn schon, dann müssen sie diesen in Frage stellen. Aber es ist halt unbequem und unpopulär etwas in Frage zu stellen, das in “guten Zeitrn” so rentabel ist, nicht wahr?

      • Hile Brand sagt:

        @Tom
        Als Alternative zum irrsinnigen Wachstum, welches durch exorbitante Kreditschöpfung befeuert wurde und als Nebeneffekt ebenso riesige Blasen von Kapitalfehlallokationen gefördert hat, steht nicht der Kommunismus (welcher dem bestehenden System mehr ähnelt als dem Kapitalismus in Reinform), sondern wirtschaften nach der Lehre der österreichischen Schule der Nationalökonomie.
        Dass Sie die Situation, welche wir momentan vorfinden, als Ergebnis der Kräfte eines komplett freien Marktes bezeichnen, zeigt mir, dass Sie von Ökonomie noch weniger verstehen als ich.
        Die gegenwärtige Situation ist das Ergebnis von grössenwahnsinnigem, keynesianischem Interventionismus, welcher eben gerade die natürlichen Markt-Gleichgewichte – verursacht durch Angebot und Nachfrage – aushebelt.

    • Gregor Münster sagt:

      So einfach wie Sie darf man nicht denken. Sie vergessen nur zu gerne, dass die “Geldschöpfung der Privaten” Banken (90%) geschützt werden, deren Eigentümer letztlich < 1% ausmacht.

      Diese aus dem "Nichts geschöpfte" Illusionen werden durch "to big to fail" noch angespornt sich zu vergrössern und auf Kosten der Allgemeinheit (Staaten) zu vergesellschaften, was die Allgemeinheit überlastet. Es folgt eine schleichende privatisierung der Öffentlichkeit, weil die Staaten durch das Grosskapital erpresst werden. Was hat dieser Prozess noch mit einer Demokratie zu tun, wenn das Volk über den für "Forderungen, Luftversprechungen und Wetten" über den Tisch gezogen werden und zu gunsten 1% enteignet – entmachtet wird?

      TTIP ist der nächste Schritt der Entdemokratisierung oder der Oligarchierung.

      Das Kapitalismus Dogma stirbt wohl nie: Leider glauben hier zu viele Eigennützige an den "trickle down effekt" und motzen gleichzeitig über die PFZ – der systembedingt die Gewinnausweitung Wachs(d)um) des Kapitals mit sich bringt. Das ist eine kurzsichtige Blasenwirtschaft – welche ja nur "Winner" erzeugt, die wie Lemminge das Ziel verfolgen und letztliche "abstürzen" …

      Wer mehr Kapital hat, erhält auch anteilsmässig mehr von den Zinsen, die in den Preisen stecken oder erwirtschaftet werden. Mit Leistung hat dies überhaupt nichts zu tun und wird mit einer entsolidarisierten Gesellschaft die auf Erbschaftssteuern verzichtet nur noch mehr für 1% konzentriert und Staaten (Volksmehrheiten) entmachtet.

      Auf der Strecke bleibt die Natur und unser Sozialgefüge, man hört förmlich die Kriegstrommelei aus dem Westen, damit man "Arbeit" hat.

      Vielleicht wäre es Zeit sich einzugestehen, dass Kapital nicht arbeitet und eine blosse "virtuelle Computerinformation" ist, um etwas zu steuern. Der Machtreiz dahinter treibt die Menschen an und beutet effizient und effektif aus was es "muss?". 99% sind zu konditioniert um zu erkennen, wer oder was dahinter steckt. Es gibt aber Alternativen.

      Wer will und kann denn noch Schulden machen, wenn die Zinsen sogar auf 0.05% geschrumpft sind? Wer kann die Zinsen langfristig bezahlen – bzw. sogar zurück bezahlen? Welche "virtuelle Scheinvermögen" schrumpfen dann zuerst? Derivate, Verbriefungen … Domino effekt der Banken (nicht Staaten!) Haben wir denn nun Volksvertreter oder Banken(kapital)vertreter in der Politik? – Dabei rechtfertigt sich der hohe Gewinn mit dem eingeganenen Risiko (geduldete? Zins-, Gold- .. Preismanipulationen), das aber durch Staaten übernommen wird …. Konsequenz = das Finanzsystem ist verstaatlicht, darf aber nicht am Gewinn teilhaben…

      Diese Verteilsystem hat ausgedient und intelligentere Lösungen müssen gefunden werden. Blase geplatzt?

      http://www.youtube.com/watch?v=WfGMYdalClU

      Ich glaube an Ausserirdische… 😉

      • Gregor Münster sagt:

        Ich möchte mich beim”Tagi” für den sachlichen Artikel bedanken, den es zu lesen wirklich lohnt.

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