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Die Euro-Lehre für die Schotten

Markus Diem Meier am Mittwoch den 17. September 2014
Never Mind The Markets

Wahrscheinlich bleibt das Pfund die schottische Währung. Doch ist das klug? Foto: Keystone

Verblüffenderweise wird die Kernfrage einer potenziellen schottischen Unabhängigkeit eher am Rande diskutiert: Wie geht es mit der Währung weiter? Dabei müsste die Entwicklung in der Eurozone eine Warnung sein.

Wenn man so etwas angeht wie den Plan einer Unabhängigkeit Schottlands, sollte man sich darüber Gedanken machen, wie das funktionieren soll. Die Frage der Währung ist dabei zentral. Wie es aussieht, soll bei der Unabhängigkeit das britische Pfund weiter die Währung der Schotten bleiben – in einer Währungsunion mit England oder indem die Schotten das Pfund von sich aus als Währung weiter behalten. Nicht Thema dieses Beitrags  dagegen ist die Frage, was es bedeuten würde, wenn die Schotten eine neue Währung einführen wollten, ebenfalls nicht, welche Konsequenzen die Abspaltung für England hätte und auch nicht, was von der Sezessionsidee an sich zu halten ist.

Offensichtlich haben die Schotten bei ihren Pfund-Währungsplänen die Geschichte der Eurozone zu wenig beherzigt – insbesondere die folgenden fünf Zutaten für das Giftgemisch, das die Eurokrise möglich gemacht hat:

  1. Man schaffe eine Währungsunion vor allem aus politischen Gründen, einfach weil man sich davon einen grösseren Zusammenhalt verspricht. Dabei missachte man die wesentlichen Voraussetzungen, damit eine solche Währungsunion funktionieren kann.
  2. Man schaffe einfach einmal eine Zentralbank, die für die ganze Währungsunion – wie unterschiedlich die strukturellen und konjunkturellen Bedingungen in den Regionen auch immer sein mögen – nur einen Leitzins setzen kann.
  3. Man schere sich um das Erfordernis einer Fiskalpolitik (einer staatlichen Finanzpolitik) für das gesamte Gebilde, das angesichts der zwingenden Beschränktheit der einheitlichen Geldpolitik für einen Ausgleich sorgen könnte.
  4. Auch die Notwendigkeit eines Lender of Last Resort schlage man in den Wind. Damit ist die Notwendigkeit gemeint, dass die Notenbank bei Finanzkrisen in einem Teil des Währungsraums mit Liquiditätsspritzen Banken oder auch Länder stützt, um sie vor einem Bankrott zu bewahren, der den ganzen Währungsraum bedroht.
  5. Und man vermeide es schliesslich auch noch, die Risiken dieser Mängel angesichts des vorhandenen Bankensystems zu berücksichtigen.

Gehen wir nun  die obigen fünf Punkte für den Schottland-Fall durch, beginnen allerdings mit den letzten Punkten und enden mit dem ersten.

Zum vierten und fünften Punkt: Risiken des Bankensystems und Erfordernis eines Lender of Last Resort

Die folgenden zwei Grafiken aus einer aktuellen und ausgezeichneten Kurzstudie der Credit Suisse zeigen das Grundproblem für Schottland:

Schottland I

Die obige Grafik zeigt den Umfang der Bankanlagen im Verhältnis zum jährlichen Wirtschaftsausstoss (Bruttoinlandprodukt, BIP) für Länder (im Vergleich zu Schottland) die bekanntermassen wegen der Bedeutung ihres Finanzsystems und dessen Fehlentwicklung besonders schlimme Krisen durchgemacht haben. Schottland ist – wie die Grafik zeigt – gegenüber seinem Bankensektor noch sehr viel stärker exponiert: Dessen Anlagen entsprechen mehr als der Leistung, die Schottlands Wirtschaft in 12 Jahren erbringt.

Schottland II

Wie die zweite Grafik zeigt, sind ausserdem die Verpflichtungen Schottlands durch die Garantien für Bankeinlangen (ebenfalls im Verhältnis zum BIP) deutlich grösser als in Grossbritannien insgesamt und damit natürlich auch als in Grossbritannien ohne Schottland (UKLS). Diese Verpflichtungen übertreffen das BIP Schottlands deutlich.

Ein Land mit einer unabhängigen, eigenen Zentralbank hat in einer schweren Finanzkrise immerhin die Möglichkeit, dass diese die Banken mit (frisch gedruckter) Liquidität stützt, um den Zusammenbruch seines Finanzsystems und damit auch eine äusserst schwere Finanzkrise zu verhindern. Das Wissen um diese Möglichkeit allein sorgt für eine gewisse Stabilität (es erfordert aber auch eine effiziente Regulierung und hohe Eigenkapitalquoten, damit Banken wegen des Sicherheitsnetzes nicht zu hohe Risiken eingehen).

Die folgende Grafik aus der Studie der Credit Suisse zeigt den Teufelskreis, der einem Land ohne Absicherung durch eine eigene Notenbank droht:

Schottland III

Starten wir mit dem obersten Kreis: Fehlt eine Liquiditätsabsicherung, wird das Finanzsystem auf den Märkten als viel gefährdeter wahrgenommen, auch weil klar ist, dass dem Staat die Mittel zu seiner Rettung fehlen würden. Die Folge sind höhere Zinsen für die Banken und den Staat. Das erhöht die Kosten für den Staat und mindert die finanzielle Kapazität weiter (Kreis links). Ein entsprechender Teufelskreis war bis zum Sommer 2012 in der Eurozone zu beobachten, als die Anleihenrenditen (und damit die künftigen Zinskosten) für Länder der Peripherie wegen des gleichen Mechanismus praktisch explodiert sind. Erst das Bekenntnis der Europäischen Zentralbank (das sogenannte Outright Monetary Transactions Programm) notfalls und unter Bedingungen unbeschränkt die Anleihen zu stützen, hat dem ein Ende gesetzt.

Es ist allerdings alles andere als sicher, dass die Bank of England als Notenbank der Engländer Schottland in gleicher Weise stützen würde. Immerhin ist man dort ja gegen eine Abspaltung des Nordens. Sollte Schottland das Pfund ohne formelle Währungsunion übernehmen, ist das Risiko für das Land noch sehr viel grösser. Liquiditätstützen für das Finanzsystem und eine Abwertung der Währung für die Realwirtschaft sind dann ausgeschlossen (mittlerer Kreis).

Kein Wunder hat der Chef der Bank of England, Mark Carney, den Schotten schon mitgeteilt, dass sie sehr hohe Währungsreserven brauchen würden, wenn sie das Pfund zur Landeswährung machen wollen. Eigenes Geld drucken können sie in diesem Fall ja nicht. Und angesichts der bekannten Schwächen besteht die Gefahr, dass von Anfang an Geld aus Schottland abfliesst, so wie das in der Eurokrise in den Peripherieländern geschehen ist. Nicht nur das Geld, auch die Banken selbst könnten wegen der erhöhten Zinskosten ins Rest-Grossbritannien abwandern (Kreis rechts). Die Folge wäre damit auch ein stärkerer Einbruch der Wirtschaft (Kreis unten).

Zum zweiten und dritten Punkt: Keine angepasste Konjunkturpolitik

Eine Wirtschaftskrise lässt sich in normalen Zeiten durch die Geldpolitik bekämpfen, in dem diese den Leitzins senkt. Doch dieser Leitzins gilt dann für alle Regionen gleich, egal wie die tatsächliche Konjunkturlage dort gerade ist. In der Eurozone war sie daher immer wieder für einzelne Länder dramatisch falsch. So in den 2000er-Jahren, als die Leitzinsen für die Peripherieländer angesichts des dortigen schuldengetriebenen Wachstums viel zu tief waren.

Wie hier auch schon Thema war, hat ein optimaler Währungsraum daher drei Voraussetzungen: Die strukturellen Unterschiede zwischen den Regionen sollten nicht zu gross sein, die Beschäftigten bewegen sich zwischen den Regionen sehr mobil und wandern in einer Rezession in einer Region dahin, wo gerade Hochkonjunktur vorherrscht und es braucht einen fiskalischen Ausgleich, der den Besonderheiten der Regionen entgegenkommt.

In der Eurozone fehlen gleich alle drei Bedingungen für einen optimalen Währungsraum. Grossbritannien erfüllt sie aktuell recht gut, weshalb der Umstand kein Problem darstellt, dass Schottland jetzt ebenfalls gemeinsam mit England über das Pfund verfügt. Wird Schottland aber ein eigener Staat, fehlt diesem (wie der Eurozone) ein fiskalischer Ausgleichsmechanismus für Konjunkturkrisen (und konjunkturelle Übertreibungen). Denn alle Verbindlichkeiten eines solchen Staates wären in einer fremden Währung (dem Pfund), die er im Notfall nicht selber drucken könnte.

Die Gefahr eines Staatsbankrotts ist daher viel grösser als in Ländern mit einer unabhängigen Notenbank. Wie oben ausgeführt, hat das nicht nur höhere Zinsen für die Staatsschulden zur Folge, es beschränkt den Ausgabenspielraum des Landes wesentlich. Das gilt ganz besonders in einer Krise. Da dann Geldabflüsse drohen, wäre Schottland sogar zum Sparen gezwungen, was die Lage noch verschlimmern würde. Auch davon können Länder der Europeripherie ein Lied singen, aber auch Schwellenländer, denen ihre Verschuldung in Dollar zum Verhängnis wurde.

Zum ersten Punkt: Politische Motive verdrängen die ökonomische Analyse

Der Vergleich zur Eurozone sollte in diesem Punkt nach allem oben ausgeführten eigentlich klar sein. Wie Ende der 80er-Jahre sind auch jetzt die Risiken der geplanten Währungslösungen bestens bekannt und sie werden von den meisten Ökonomen aller Richtungen ins Feld geführt. Aber im Fall von Schottland, wie damals in Europa, werden sie dem politischen Wunschdenken untergeordnet. Dabei hat gerade das Eurobeispiel gezeigt, dass das politisch Ziel als Folge der unausgereiften Planung letztlich gelitten hat. Eine grössere Einheit der Euroländer hat die neue Währung jedenfalls nicht gebracht.

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76 Kommentare zu “Die Euro-Lehre für die Schotten”

  1. Ueli sagt:

    @Anh Toan
    …..
    I hope I die before I get old

    This is my generation
    This is my generation, baby

    Why don`t you all f-fade away (Talkin` bout my generation)
    And don`t try to dig what we all s-s-say (Talkin`bout my generation)
    …..
    (The Who)

    • Anh Toan sagt:

      @Ueli: Ich mag auch:

      Come mothers and fathers
      Throughout the land
      And don’t criticize
      What you can’t understand
      Your sons and your daughters
      Are beyond your command
      Your old road is
      Rapidly agin’.
      Please get out of the new one
      If you can’t lend your hand
      For the times they are a-changin’.

      (Bob Dylan)

      • Anh Toan sagt:

        Aber frei von Revolutionsromantik beschreiben die Stones in Street fighting man, die seither verschärfte Realität für die Jugend viel treffender:

        Well, what can a poor boy do
        Except to sing for a rock ‘n’ roll band
        ‘Cause in sleepy London town
        There’s just no place for a street fighting man

  2. Rolf Zach sagt:

    Die Sache ist entschieden und es war interessant über die volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich nachzudenken. Als überzeugter Europäer und EU-Befürworter ist die Ablehnung der Abspaltung ihres Landes sicher besser für die EU, als Schweizer bin ich eher besorgt. Wir werden noch mehr Schwierigkeiten mit der EU kriegen als bisher. Warum? Dieses Votum wäre nie geschehen ohne die von vielen geliebten Mrs. Thatcher, die ich nie als
    eine Britin betrachtet habe, sondern mehr als eine Engländerin, die in guter englischer Tradition ein politisch zerstrittenes Europa wünschte und nur die Zusammenarbeit auf Basis einer Freihandelszone. Ihre Lieblinge waren die Banker und die Reduzierung des Sozialstaates zu einer Armenpflege. Die Nöte der daniederliegenden Industrien in Schottland und Nord-England waren ihr gleichgültig. Kann Cameron diese Politik als ihr Jünger fortsetzen? Resultat dieser Abstimmung ist ein Näher-Rücken von GB an die EU, sonst riskiert die Londoner Banker-Elite eine Wiederholung dieser Schottland-Abstimmung. London war auch unter den Konservativen ein Feind unseres Finanzplatzes. Durch dieses Schottland-Referendum werden aber die Konservativen einen EU-Austritt vergessen, den ein solcher bedeutet das Ende des Vereinigten Königreiches. Will Süd-England diesen Macht-Verlust.

    • Linus Huber sagt:

      “Die Sache ist entschieden”

      Ja, was allerdings nichts an der Entwicklung des zunehmenden Willens zu stärkerer demokratischer Selbstbestimmung ändert. Ebenfalls sollten Sie den sich langsam öffnenden Graben zwischen den Generationen in Ihre Überlegungen einbeziehen, indem die Boomer ihre Pfründe verteidigen, während die junge Generation die fehlende Nachhaltigkeit zunehmend erkennt und daher eine Veränderung anstrebt.

      • Anh Toan sagt:

        Gerade Sie selber sollten diesen Graben berücksichtigen:

        Sie beklagen doch immer die Bevorzugung der Schuldner (die Jungen) gegenüber den Sparern (die Alten). Gemäss Ihnen verteidigen die Alten hier nicht ihre Pfründen, nein sie erfüllen einen Auftrag das geld (der Sparer) wertvoll und in ewiger Nachhaltigkeit zum Wohle des Geldes: “Rettet unser Geld” lautet der Wahlspruch, keineswegs rettet die Zukunftschancen der Jungen: Die sollen ihre Gürtel änger schnallen, als Arbeitslose, oder da sie nie einen Job hatten, direkt als Sozialhilfeempfänger, nach Meinung der Alten zu einem Satz, der deutlich unter einer AHV Minimalrechte ohne Ergänzungsleistungen liegt, jedoch keinerelei Vergünstigung bei Billag oder beim Bahnfahren gibt: Werdet zuerst mal alt, ihr jungen Taugenichtse!

        Sie sind doch für Grenzenlose Demokratie, bei der auf Grund der Demographie und dem fehlenden Bürgerrechten der Ausläner in der Schweiz nahezu von Gerontokratie gesprochen werden kann:

        Es ist zwar kein sehr wichtiges Thema, aber ich halte es dennoch für sehr bezeichnend: Die Anforderungen an den erwerb eines Führerscheines werden für Junge immer mehr in die Höhe geschraubt, während dafür plädiert wird, dass Alte auch blind und taub weiterfahren können, mindestens wenn sie die Strecke kennen.

        Die Dominanz der Alten in der CH Demnokratie führt zu defensivem Denken (Die Jungen wollen verändern, die Alten wollen bewahren), zu Abwehr und Verklärung der Vergangenheit (Selbst die Sommer sindf nicht mehr wie früher, und das trotz Klimaerwärmung): Um die Demokratie zu retten, müsste das Stimm- und Wahlrecht ab einer gewissen Altersgrenze wie der Führerschein abgegeben werden: Demente im Pflegeheim haben Wahlrecht, Gymnasiasten nicht!

        • Josef Marti sagt:

          Doch mit 18. Dumm nur dass dies auch auf den 18 jährigen Lehrling zutrifft, der noch nie was von Bob Dylan gehört hat. Und sonst kann leicht auf demokratische Weise Abhilfe geschaffen werden: Unterschriften sammeln für Initiative. Sollte sie zustande kommen, dürfen Sie aber die Rednecks mit ihrem Ständemehr nicht vergessen.
          Falls einem diese Initiativenwut nicht gefällt sollte man halt vielleicht Unterschriften sammeln dafür, dass es mehr Unterschriften braucht für eine Initiative. Und wenn einem die Rednecks zu sehr auf den Wecker gehen, sollte man Unterschriften sammeln für die Abschaffung des Ständemehrs, wofür es aber natürlich bei Zustandekommen wiederum ein Ständemehr braucht.

        • Linus Huber sagt:

          @ Anh Toan

          Wie kommen Sie zur Idee, dass ich diese Entwicklung nicht berücksichtige in meinen Überlegungen?

          Sie versuchen hier bei entweder den Jungen oder den Alten die Schuld zu finden, anstatt zu überlegen, welche Umstände zu dieser Anspruchshaltung und den potentiellen Verteilungskämpfen führten. Sie scheinen Ursache und Wirkung nicht voneinander trennen zu können.

          Die verhältnismässige Dominanz der Alten (Baby Boomer) herrscht nicht einzig in der Schweiz, sondern in meisten westlichen Staaten vor. Sie denken allerdings wieder zu stark in statischer Manier, indem Sie die marginalen Veränderungen nicht erkennen; der Einfluss der jungen Generation dürfte schrittweise zunehmen und nicht einzig, weil sie anzahlmässig stärker werden, sondern weil die fehlende Nachhaltigkeit vieler Sozialprogramme immer offensichtlicher wird.

        • Josef Marti sagt:

          @L.Huber:
          Während der boomenden Nachkriegsmarktwirtschaft hatte man die Altersarmut weitgehend beseitigt. Diese wird jetzt bereits in 10 Jahren mit voller Wucht zurückschlagen. Zur Belohnung darf dann die junge Generation die explodierenden Sozialhilfe- und Pflegekosten mit rapid steigenden indirekten Steuern, Gebühren und anderen eingepreisten Lenkungsabgaben bezahlen während das Establishment praktisch steuerbefreit sich krumm lachen wird.
          In diesem Spiel werden die Rednecks noch die besten Karten haben, weil die staatliche Produktabnahmegarantie und Beschäftigungsgarantie auf der subventionierten Scholle auf Lebenszeit von links bis rechts fest zementiert ist. Da kann man der jungen Generation nur viel Spass wünschen; solange der einheimische Renditesklave kein Recht auf Arbeit, Wohnung und Existenz hat (Ausnahme der erwähnte Redneck), sondern nur ein Recht auf schickliches Begräbnis sowie eine verfassungsmässige Pflicht zur Durchfütterung von Asylanten, wird sich an dieser Misere so bald nichts ändern.

          • Linus Huber sagt:

            Ich gehe mit Ihnen sicherlich einig, nur verstehe ich den Ausdruck “Rednecks” nicht.

          • Josef Marti sagt:

            Das geht auf einen Disput mit AT zurück über einen Song von Randy Newman; wenn man den Begriff eingibt erscheinen auf Bilder ein paar “schöne” Shots.

  3. Walter Bernstein sagt:

    Gemeinsame Fiskalpolitik:
    Innerhalb der EU gibt es sehr wohl einen finanziellen Ausgleichsmechanismus.
    Er heisst “EU-Haushalt” und umfasst 2014 ca. 140 Milliarden (!) EUR.
    Viele bedürftige Länder sind Nettoempfänger (z. B. Griechenland mit Zuwendungen von rd. 4,5 Mrd. EUR und Spanien mit 3 Mrd. EUR), und viele reichere Länder sind Nettoeinzahler (z. B. Deutschland mit 9,0 Mrd. EUR im Jahr 2014).

    Damit wäre Punkt 3 auch abgehakt.

    • Walter Bernstein sagt:

      … eine gemeinsame Fiskalpolitik bedeutet nicht nur, ständig Geld zu transferieren.

      Sie bedeutet vor allem den Aufbau echter gemeinsamer Entscheidungsstrukturen.
      Allerdings sind Länder wie Frankreich nicht zur Abgabe von politischer Souveränität bereit. Sie beschränken sich darauf, die gemeinsamen Geldtöpfe anzapfen zu wollen.

  4. Linus Huber sagt:

    Der Verfasser des Artikels sucht und findet natürlich ein Argument, sein voreingenommenes Gedankengut zu untermauern. Unter dem Strich geht es darum, inwiefern man Zentralisierung und damit die schrittweise Aufgabe demokratischer Werte als positiv einstuft oder ob man sich für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit entscheiden will. Probleme wie die Wahl der Währung sind von untergeordneter Bedeutung. Die gegenwärtige weltweite Entwicklung deutet darauf hin, dass immer mehr Menschen verstärkt demokratische Rechte einfordern und dem weiteren Zentralisieren eher skeptisch gegenüber stehen. Wenigstens dürfen die Schotten darüber abstimmen, nicht z.B. wie in der Ukraine, wo die Regierung lieber unzählige Tote in Kauf nimmt, als Teil der Macht abzugeben.

    • Linus Huber sagt:

      Oder in anderen Worten, die Idee “Size matters” heisst nicht unbedingt, dass “Small is Beautiful” zu verneinen ist.

  5. Marcel Senn sagt:

    Ich vermute dieses Blogthema wird nicht Realität, da die Schotten vermutlich doch mit einer zwar knappen Mehrheit – zw. 51-55% gegen die Abspaltung stimmen werden, da auch für manchen Englandhasser die wirtschaftlichen Fragezeichen viel zu gross sind und soviel Oel ist da nun auch nicht mehr, dass es für x Jahrzehnte langen könnte.

    • Linus Huber sagt:

      @ Marcel

      Gemäss eines Berichtes durften bei dieser Wahl sämtliche Bewohner Schottlands wählen, also all jene, welche in Schottland wohnen, unabhängig von ihrer Herkunft. Knapp 10% jener, welche wählten, waren anscheinend nicht Schotten und die Schotten, welche ausserhalb Schottland in Großbritannien wohnen (knapp 20%), konnten nicht abstimmen. Sollte dies zustimmen, finde ich es äusserst bedenklich.

  6. Martin Müller sagt:

    Unabhängig von allen Betrachtungen dünkt es mich unnötig, dass wir von der unabhängigen Schweiz aus gegen die Schotten den Mahnfinger erheben. Sie werden sich wie auch immer entscheiden und dafür die Konsequenzen zu tragen haben. Einfach, nicht?

  7. Mark Angler sagt:

    Was mir im Artikel und der aktuellen Diskussion fehlt, ist die Betrachtung der Option, dass Schottland eine eigene Währung einführt und diese dann gleich fix an das Pfund anbindet. Das wäre aus meiner Sicht ein Mittelweg zwischen völliger Abhängigkeit und einer gewissen Autonomie, man behält die Hoheit in Fragen der Wirtschafts- und Fiskalpolitik (soweit eine einzelne Nation diese Hoheit heute überhaupt noch hat) und profitiert vermutlich nicht unerheblich von der Stabilität des Pfund in Bezug auf Vertrauen und Zinsniveau. Zudem kann der Übergang vom Pfund in das schottische Pfund über einen längeren Zeitraum erfolgen, was ebenfalls positiv für den Erhalt der Stabilität ist (keine grosse rush in/rush out). Für die heimische Wirtschaft bedeutet dies v.a. im Bereich des Exports und des Sparens/Anlegens eine wichtige Stütze, weil man nach wie vor im GB-Pfund wirtschaften kann und dabei kein Währungsrisiko hat.
    Möglicherweise kann und muss man ein solches System ein Jahrzehnt beibehalten, bis der Übergang fliessend abgeschlossen ist, aber das scheint mir auf diese Weise managebarer/fehlertoleranter als einen harten cut zu machen.

    • Josef Marti sagt:

      Das ist schon eine Option, aber dafür auch ein klassischer Fall von gefundenem Fressen für die Grosspekulanten, siehe GB und Schweden 1992.

    • Markus Ackermann sagt:

      Das haben viele Volkswirtschaften in Südamerika gemacht, mit z.T. verheerenden Konsequenzen.
      1. Ein Problem wäre, dass man sich ja auch in dieser Fremdwährung (bzw. in einer Währung mit Anbindung an eine Fremdwährung) verschulden würde: bei einer Abwertung stiegen die Schulden in der eigenen, angebundenen Währung.
      2. Die Bilanzsumme aller Banken in Schottland summieren sich auf das 12-Fache des BIP (siehe oben). Schottland wäre also in einer viel schlimmeren Situation als damals Island. Zudem waren die Grossen dieser Banken erfolglos und mussten “gerettet” werden. Darum will ja z.B. die Royal Bank of Scotland nach London übersiedeln: Die Schotten könnten die RBS nicht “retten”, also sollen dies die englischen Bürger tun (obwohl wir in UK schon heute eine grassierende Armut haben in weiten Teilen der Bevölkerung)
      Ergo:
      a) Die Unabhängigkeit der Schotten würde de facto eine teilweise Liquidation der Schulden-Berge im £ bedeuten. Deshalb intervenierte die Finanzwirtschaft (Banken, Versicherungen) derart massiv: Sie haben Angst, dass die “bewerteten” assets in der Finanzwirtschaft in der Realwirtschaft “liquidiert” würden und sich zeigen würde, dass die Bewertungen zu einem schönen Teil “Luftnummern” sind: Deleveraging
      b) DIES steht den Bewertungen im €-Raum erst noch bevor. (Wir wissen nicht, wann dies sein wird). Bei vielen Banken sind die leverage ratios 20:1 und schlechter, diese Banken + Versicherungen könnten also gar keine Abschreibungen der “Luftnummern” überstehen.

      • Mark Angler sagt:

        Ich kann Ihrer Argumentation folgen, aber:

        Das Deleveraging ist faktisch ein systemimmanenter Mechanismus, der als Ausgleichsbewegung zur Kreditgeldschöpfung wirkt. Wie Sie selber sagen: es wird sowieso kommen, unabhängig von der Frage der schottischen Unabhängigkeit. Der Vorgang ist im Übrigen nicht neu (Bsp. Tulpenzwiebelnblase im 16ten Jahrhundert), nur seine Wirkung ist viel fataler als früher, da die Blase ungemein grösser ist und viel mehr Menschen direkt betroffen sind. Wenn es denn dann kommt, stellt sich die Frage, wie man diesem am besten begegnet. Gerade hier könnte sich für Schottland (ähnlich der Schweiz) eine strategische Chance eröffnen. Wer sich daraufhin vorbereitet und seine Blase im Vorfeld bereits Stück für Stück zu reduzieren beginnt (was man tun kann, wenn man die entsprechenden Hoheiten hat), wird zwar im Vorfeld Einbussen hinnehmen müssen, in der Summe dürften diese aber geringer sein, als beim Big Bang. Es könnte gut sein, dass durch das rechtzeitige Reduzieren der Blase eine relative Wettbewerbsposition gegenüber anderen Volkswirtschaften entsteht, so dass man trotz Platzen der Kreditgeldblase zumindest zu den relativen Gewinnern gehört!

        Rein finanztechnisch (d.h. ohne soziale Verantwortung) gedacht, wäre Schottland gut beraten, sein Kreditgeld vorerst in britischem Pfund zu belassen, und eine eigene Währung für den Zahlungsverkehr/Bargeld einzuführen. Wer beides hält, muss beides aus Risikogründen juristisch sauber von einander trennen (das kann der schottische Gesetzgeber bestimmen). Den Briten bleibt damit faktisch das Risiko der Abwertung des Kreditgeldes zu einem grossen Teil, die Schotten können, solange die Blase nicht geplatzt ist, Kreditgeld in Schottische Währung “umwandeln” (Assets rausziehen). Auf diese Weise könnte sich Schottland entkoppeln, ohne die Vorteile des Pfundes, solange es stabil ist, zu verlieren, den werthaltigen Teil seiner Assets Stück für Stück “in Sicherheit” bringen und das “ausgehöhlte Risiko” (analog einer “Bad Bank”) den Briten überlassen.

        Platzt die Kreditgeldblase dann, könnte Schottland für GB und die EU ein interessanter Finanzplatz werden, ähnlich der Schweiz, denn das Kapital wird sich beim Platzen möglichst stabile Häfen suchen.

        Klar ist, dass das für Schottland nicht gratis und risikolos zu haben ist, beim Platzen der Kreditgeldblasen werden ihre Kreditgeldbanken auch untergehen (was meiner Ansicht nach eine sehr wünschenswerte Bereinigung ist), aber das Risikoprofil von Schottland als Finanzplatz wird dennoch relativ besser sein, als das anderer Nationen. Und das könnte Schottland dann attraktiv erscheinen lassen. Wie eben auch die Schweiz.

        Wie gesagt – asozialer ginge es kaum, ist nur ein Gedankenspiel.

        • Markus Ackermann sagt:

          Danke, ich habe viel gelernt:
          “Rein finanztechnisch (d.h. ohne soziale Verantwortung) gedacht, wäre Schottland gut beraten, sein Kreditgeld vorerst in britischem Pfund zu belassen, und eine eigene Währung für den Zahlungsverkehr/Bargeld einzuführen.”
          Denken wir weiter
          1. Das wäre dann ja z.B. eine eigene Währung für den Zahlungsverkehr.
          2. Weil BR EWS das leverage ratio UNSERER Banken nicht reduziert hat (dafür gäbe es die gesetzlichen Grundlagen schon), haben wir mit unseren system-relevanten Banken das gleiche Problem.
          3. Wie wäre es nun, wenn die SNB € gegen Gold tauscht und zu 100% mit Gold gedeckte elektronische Banknote (als Krypto-Währung) in CHF begibt für den (anonymen) Zahlungsverkehr?
          a) Auf diese Weise würden automatisch die assets aus der Finanzwirtschaft abgezogen und die elektronische CHF-Banknote wäre so interessant wie ein Gold-ETF mit physischer Deckung aber mit dem gesetzlichen Schutz als Zahlungsmittel.
          b) Die SNB könnte dies machen ohne Gesetzesänderung und die Anliegen der Goldinitiative und der Vollgeldinitiative wären weitgehend erfüllt. Zudem kann die SNB ihre € in Gold tauschen.
          c) Wenn es jetzt die systemrelevanten Banken mit ihren 4% leverage verjagen sollte, könnte die Realwirtschaft ohne Probleme weiter arbeiten … und zwar als perfekter safe haven.

          • Mark Angler sagt:

            Ja, ich denke, das könnte ein Weg sein, vorausgesetzt, man kann die Risikoposition des Kreditgeldes rechtlich sauber von der Realwirtschaft entkoppeln: dann haben die “Finanzjongleure” quasi ihren eigenen Sandkasten, in dem sie toben können, wie sie wollen.

            Ihr Vorschlag der Gold hinterlegten Währung entspricht, wenn ich es richtig verstehe, im Kern einem Vollgeld, dürfte aber nicht zur Rückkehr in das System von Bretton-Woods führen, weil wir damit von einem Dilemma in ein anderes kämen. Das würde bedeuten, dass die SNB mit der Einführung des Goldstandards die Fixierung des Wechselkurses aufgeben müsste (siehe Trilemma des Bretton-Woods-Systems), was Sie, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, in einem Kommentar weiter oben ebenfalls bereits vorgeschlagen haben. Da wären wir auf der gleichen Seite.

            Wie wir Hypotheken und dergleichen aus der Kreditgeldblase bringen, ist mir klar (da haben wir einen realen Gegenwert – mehr oder weniger), aber wie wir die Anlagen in Wertpapiere der kleinen Anleger und der Pensionskassen rausbringen, ist mir noch nicht klar. Das ginge vermutlich nur über eine Umschichtung in Anlagen, die durch reale Güter gedeckt sind, als Hypotheken, Edelmetalle und vermutlich auch Staatsanleihen (allerdings nur bei guten Schuldnern).

            Auch noch nicht klar ist mir, welchen Einfluss das auf die Staatseinnahmen hat. Ich denke da v.a. an Unternehmenssteuern von Banken, Versicherungen, etc. Da müsste man vermutlich damit rechnen, dass diese massiv einbrechen würden (mir ist allerdings nicht klar, ob die Branche tatsächlich einen relevanten Betrag Steuern zahlt oder nicht – ich denke da an die Verlustvorträge). Hier wird man vermutlich mit Rückgängen rechnen müssen, wobei der Rückgang der Einnahmen (Ertrag) mit einem Rückgang des volkswirtschaftlichen Risikos einhergeht, was ja sehr wohl dem kapitalistischen Modell entspräche (höheres Risiko, höherer Ertrag und umgekehrt).

            Müsste also nur noch jemand stark genug sein, das umzusetzen 🙂

          • Markus Ackermann sagt:

            Das ENTSCHEIDENDE und für mich Spannende ihres Vorschlags ist: “Währung für den Zahlungsverkehr” vs Währung zur Anlage. Das too-big-to-fail-Risiko wäre so für die Realwirtschaft minimiert (glaube ich).
            Was ich für die CH illustriere, gilt genauso für Schottland (so eine Nationalbank hätte, die eine Währung für den Zahlungsverkehr begeben könnte).
            Vielleicht ist es am Einfachsten, wenn man von der SNB-Bilanz ausgeht
            ad Abs. 1: “Sandkasten für Finanzjongleure”
            Der Notenumlauf der SNB ist ~66 Mia. CHF. Damit kann die Realwirtschaft funktionieren (glaube ich).
            Die Girokonten inländischer Banken machen ~317 Mia. CHF aus. Damit können die Banken “wirken”, wie sie wollen – ohne den Staat erpressen zu können.
            ad Abs. 2: “Goldstandard”
            Ich will KEINEN Goldstandard, sondern ein TEIL des Notenumlaufs wäre in “CHF-bitcoins” bzw. “CHF-bitbills” zu 100% mit Gold hinterlegt. Wieviel das ist, entscheiden Angebot und Nachfrage. Gold ist für mich keine Anlage, sondern eine Währung … die zum Tageskurs in CHF ausgedrückt wird. SOBALD sie begeben ist, hat der Inhaber der CHF-bitbills CHF auf seinem “elektronischen porte-monnaie”, aber er weiss, dass dafür 100% Gold hinterlegt sind und er seine CHF-bitbills jederzeit wieder zum Tageskurs in Gold tauschen kann. Das wird er nicht machen, sondern damit bezahlen. Je unsicherer die Welt ist, desto mehr kann die SNB “CHF-bitbills” begeben und umgekehrt.
            Ad 3: “Anlage in Wertpapiere”
            Die Kosten sind, was man bezahlt. Und der Wert ist, was (cash flow) man bekommt … egal in welcher Währung ausgedrückt.
            Ad 4: “Steuern”
            Ja

          • Linus Huber sagt:

            @ Markus & Mark

            Danke – Sie erkennen die Problematik und entwickeln spezifische Ideen. Aber eben – weit und breit kein Verantwortungsträger, welcher sich an dieses Thema heranwagt (Die Goldinitiative kommt den Ideen noch am nächsten, also JA). Ich denke nicht, dass ein Dr. Jordan sich dessen nicht zumindest teilweise bewusst ist, jedoch ist er wohl ein Gefangener einerseits seiner Indoktrination und andererseits des Systems. EWS ist eine Politikerin und damit bewiesenermassen einzig an Macht interessiert.

          • Linus Huber sagt:

            Einige Gedanken zur Systembereinigung.

            1. Sie muss durch Teilnahme der aufgeklärten Bevölkerung an der Lösungsfindung gesellschaftliche Akzeptanz finden.
            2. Sie muss den institutionalisierten “Moral Hazard” beenden.
            3. Sie muss das TBTF Problem eliminieren.
            4. Sie muss ein einmaliges und umfassendes Erreignis sein.
            5. Sie muss den Weg zurück Richtung Freiem Markt für die Finanzindustrie (keine indirekten Subventionen via “Lender of last resort”, Geldentwertung, staatliche Einlageversicherungen etc.) eröffnen, sodass das Kreditrisiko beim Kreditgeber verbleibt.
            6. Sie muss klare Regeln für die zukünftige Geldpolitik beinhalten, um eine Wiederholung zu vermeiden.
            7. Sie muss Regierungen im Bereiche der Kreditaufnahme einschränken.

          • Anh Toan sagt:

            “EWS ist eine Politikerin und damit bewiesenermassen einzig an Macht interessiert.”

            Und wenn sie nicjht gesteht, wird sie gefoltert, genau!

          • Anh Toan sagt:

            Ihrem Niveau entsprechend sagt eine Frau:

            Linus Huber ist ein Mann und damit ist bewiesen, dass er nur Frauen unterdrücken will

          • Anh Toan sagt:

            “Ich denke nicht, dass ein Dr. Jordan sich dessen nicht zumindest teilweise bewusst ist,”

            Lernen Sie mal Deutsch: Sie denken, Herr Jordan ist sich dessen zumindest teilweise bewusst.

            Sagen Sie beim heiraten: Nein, ich denke nicht, dass ich nicht will?

          • Anh Toan sagt:

            Poltiker verfolgen nur ihre persönlichen Interessen: Diese liegen in sozialer Anerkennung.

          • Josef Marti sagt:

            @AT
            Was sich hinter den hier im Blog firmierenden Schreiberlingen befindet, ob Mann oder Frau ist nich erwiesen, es könnte auch ein Zwitter sein oder die Transe Sasa; http://www.blick.ch/people-tv/international/prinzessin-entpuppte-sich-als-prinz-so-schwaermt-transe-sasa-von-kay-one-id3139254.html

  8. von Arx Rolf sagt:

    Die Schotten haben genug von den Engländer, die wollen für sich sein ist auch Ihr gutes Recht.
    Da wird viel Angst Verbreitet dabei ist es die einfachste Sache der Wellt, die Engländer wollen ja die Eurozone Verlassen die Schotten aber nicht.Die Schotten könnten mit den gleichen Bedingungen die eigentlich jetzt schon sind weiter machen in der Eurozone.Alles andere ist ein blödes Getue.

    • seebueb sagt:

      Für einen Vertrag müssen alle Parteien einverstanden sein. Die EU-Verlautbarungen sagen eigentlich alle, dass Schottland nicht Mitglied der EU wäre. Und auch falls die Schotten den Euro übernähmen, so wären sie dennoch nicht Mitglied der Eurozone.

      • Walter Bernstein sagt:

        seebueb, 13:29
        Wenn es soweit ist, werden sich pragmatischen Lösungen finden. Das ist ein Markenzeichen der EU.

  9. Markus Ackermann sagt:

    Markus Diem Meier hat einmal mehr die Lage vis-à-vis einer Optimum Currency Area (Mundell) perfekt beschrieben:
    1. Das Pfund wäre eine Fremd-Währung
    2. Der € genauso
    Es geht den Schotten um ihr Selbstbestimmungsrecht, also um die Souveränität. Die Währung ist “nur” eine Folge.
    Schottland kann sich diesen Entscheid leisten:
    a) Sollen die Schotten ihr Vermögen der Londoner City anvertrauen? Wer sich für sein Letztentscheidungsrecht (Souveränität) entscheidet, wird dies vernünftigerweise auch für seine Währung tun: also eine eigene Währung schaffen
    b) Sollen die Schotten ihr Vermögen in die Konkursmasse des € werfen? Dann wären sie dümmer als die Polizei erlaubt.
    Ergo:
    Bis die Unabhängigkeit wirksam wird, werden die Schotten weiter das £ haben, danach ihre eigene Währung.
    Wer weiss, ob es den € bis in 18 Monaten nicht bereits “verjagt” hat. Sollte es den € tatsächlich “verjagen”, wird es für alle Nachbarn des € sehr holprig werden. Da ist es besser, Abstand vom € zu halten.

    • Rolf Zach sagt:

      Also, wer gegen den EURO setzt, wird meiner Meinung nach verlieren (Es ist aber auch nur eine Meinung!). Der Euro
      ist nun einmal das Zahlungsmittel der Linie Rotterdam-Mailand (Ausnahme CHF), die nach meinem Wissen nach wie zur LIga der stärksten Wirtschaftsregionen der Welt zählt. Bisher habe ich den geschätzten Kommentaren nichts gelesen über die
      Ertragsbilanz von Schottland, sie war ja auch nicht wichtig im einheitlichen britischen Währungsgebiet. Ich vermute stark, dass ein unabhängiges Schottland mit eigener Währung ein Plus in der Ertragsbilanz hätte, im Gegensatz zu England, deren Defizit sich nur noch vergrössern würde und die folgerichtig als Konjunktur-Spritze ihr Pfund weiter abwerten müssen und dieses würde dann endgültig den Reserve-Status verlieren. Verlässt dann noch England die EU, kann es durchaus sein, dass die Banker nach Dublin weiterziehen. Die Stadt ist nicht so spektakulär wie London, aber die Häuser sind sicher billiger.

      • Josef Marti sagt:

        Richtig; wurde auch so in der NZZ erwähnt. Nach Wegfall der schottischen Erdölexporte würde sich das jetzt schon hohe Leistungsbilanzdefizit drastisch erhöhen. Kein Wunder ist Cameron am Hyperventilieren.

  10. Hansjürg sagt:

    Oh-weh, schwer vorstellbar, aber es hat ganz den Anschein, dass es noch Menschen gibt, bei denen monetäre Überlegungen nicht im Vordergrund stehen. Das muss bei bestimmten Leuten seltsam anmuten.
    Wenn die Schotten clever sind, übernehmen Sie im Fall der Fälle den Schweizer Franken.

    • Walter Bernstein sagt:

      Hansjürg, 9:49
      Damit haben die Schotten dann faktisch den EUR übernommen, denn nichts anderes ist der Schweizer Franken.
      Nur die Noten sind bunter.

  11. Anh Toan sagt:

    “Eine grössere Einheit der Euroländer hat die neue Währung jedenfalls nicht gebracht.”

    Mal sehen, zumindest im Ukrainekonflikt ist die EU bisher so geschlossen aufgetreten, wie noch nie. Zum ersten mal sehen wir wirklich eine gemeinsame Aussenpolitik der EU.

    • Josef Marti sagt:

      Meines Wissens sind in der EU 10 weitere Länder Mitglied, die nichts mit dem Euro zu tun haben.

      • Anh Toan sagt:

        “Nichts mit dem Euro zu tun haben” will in meiner Interpretation der Fakten in der EU genau 1 Land, das einzige, das (noch) eine Weltreservewährung hat, nämlich UK. Die anderen 9 haben alle etwas mit dem Euro zu tun, unterschiedliches zwar, aber etwas haben selbst die Schweden mit dem Euro zu tun.

    • Christoph sagt:

      Die EU hat bisher nur Embargo-Massnahmen verhängt. Mehr kann sie auch nicht tun, denn sie ist nur ein Wirtschaftsdachverband. Von politischer Union spricht seit der Euro-Einführung keiner mehr. Man hat ja, was man wollte. Der Grund für dessen Einführung kann also unmöglich politische Motivationen gehabt haben, das hat man den Völkern nur erzählt, um sie für dieses Projekt zu gewinnen.
      Eine gemeinsame Aussenpolitik kann ich nach wie vor nichts sehen, von einer gemeinsamen EU-Politik noch weniger. Nein, diese Hundemeute liegt ganz wo anders begraben.

      • Anh Toan sagt:

        @Chrisoph

        Sie sagen “nur” und können dann das wenige nicht einmal mehr sehen (Sanktionen sind nun mal Aussenpolitik, nicht Wirtschaftspolitik), ich sage, immerhin.

    • Andi Brupacher sagt:

      @Anh Toan: Gegen aussen “geschlossen auftreten” schon, aber die Geräusche hinter der Bühne, wo jeder versucht sein Scherflein am lukrativen Russland-Geschäft von den in der angeblich “gemeinsamen Aussenpolitik” beschlossenen Sanktionen mehr oder weniger geschickt auszunehmen, lässt erahnen, dass dieser Papiertiger nicht halb so stark ist wie er sich gebärdet. Und Putin weiss das ganz genau. Und all die EU Mitläufer sind wie immer dabei solange sie nichts bezahlen müssen und keine Truppen schicken müssen. Im Westen nichts neues.

  12. Roger sagt:

    Wieso keine neue Währung machen? Ich als Laie habe diese Idee: Die Schotten führen eine neue Währung namens “Schottenrock” ein. Banken müssen alle Guthaben und Schulden der Kunden in Schottenrock ändern. Die Zentralbankenguthaben in Pfund der Banken werden einfach nicht beachtet. Allerdings müssen die Banken neues Schottenrock-Zentralbankengeld von der schottischen Zentralbank holen. Die Zentralbank könnte wie die ECB gegen ein Pfand verleihen. Das Pfand müsste gut sein und es würde ein Sicherheitsabschlag auf dem Wert des Pfands vorgenommen. Pfundbargeld wird vom schottischen Staat auf Wunsch in Schottenrock-Bargeld umgewandelt. Das erhaltene Pfund-Bargeld behält Schottland. Ich vermute, es gäbe im Pfundraum dann eine Inflation, weil das Pfund seine Funktion als Zahlungsmittel in Schottland verloren hätte.

    • Mark Angler sagt:

      Solange das “Pfund-Bargeld”, das die schottische Zentralbank gemäss Ihrer Überlegung hortet, nicht in den Markt fliesst, wird es keine Inflation im “Pfund-Raum” geben, das Geld wird ja nicht nachfragewirksam. Wenn, dann wäre es eher umgekehrt: die schottische Zentralbank nimmt ja Pfund aus dem Markt, verknappt das Pfund also, was zur Kaufkraftsteigerung führen würde. Nur wird die britische Nationalbank in diesem Falle wohl reagieren und die Geldmenge ihrerseits ausdehnen um das Pfund stabil zu halten, sofern sie das müsste, denn mit dem Wegfall von Schottland müsste ja auch die Geldmenge des britischen Pfundes reduziert werden, weil dieser Geldmenge nun nicht mehr die Wirtschaftsleistung des gesamten GB Wirtschaftsraums mehr gegenüber steht. Es braucht in diesem Fall also sowieso eine kleinere Geldmenge.

  13. Josef Marti sagt:

    Wenn die Schotten schlau sind gehen sie mit GB in eine Währungsunion, denn damit ist auch gleichzeitig die Transferunion besiegelt bzw. bleibt zum status quo unverändert und ganz England bleibt in Geiselhaft. Das lernt man aus dem Euroraum, wie man gesehen hat, wird das no-bail-out Prinzip und das Verbot der monetären Staatsfinanzierung im Ernstfall schlicht und einfach missachtet.

  14. Roland Steiner sagt:

    Die Schotten können doch ihre Währung frei wählen. Auf Grund des Warenaustauschs macht das Britische Pfund momentan am meisten Sinn. Wenn Schottland sich entscheidet auf eine eigene Währung zu verzichten und somit keine eigene Nationalbank hat, hat dies langfristig nur Vorteile. Der Staat kann dann nämlich nicht so einfach Staatsschulden aufbauen. Die Misere der Finanzkrise ist doch heute, dass alle Länder so stark verschuldet sind. Die Wirtschaft wird gehemmt, da diese Schulden sich negativ auf die Investitionstätigkeit der Wirtschaft auswirkt. Schlussendlich müssen diese Schulden ja früher oder später abgebaut werden.
    Schottland kann mit den gewinnen aus dem Öl seine Staatsschulden abbauen. Ein Staat ohne Staatsschulden ist langfristig sicher besser gestellt als alle Staaten die mit Hilfe einer eigenen Nationalbank komplett verschuldet haben.

    • Josef Marti sagt:

      Soso, wieso konnte dann Griechenland ohne eigene Währung so einfach riesige Staatsschulden aufbauen?

      • Mario Monaro sagt:

        Hinzu kommt, dass die Schuldenwirtschaft weit vor die Finanzkrise zurückreicht. Die Krise hat das Problem für die Bevölkerung sichtbarer gemacht, es bestand aber schon vorher.

        • Walter Bernstein sagt:

          Mario Monaro, 12:25
          So sehe ich das auch. Der Euro macht Strukturschwächen und Überschuldungen überhaupt erst sichtbar. Verursacht hat er sie nicht. Das waren ganz bewusste Entscheide von Politiker und Konsumenten.

          Gefeiert hat man in manchen Ländern gerne. Aber die leeren Flaschen sollen jetzt andere wegräumen.

          • Josef Marti sagt:

            Ohne den Euro hätte Südeuropa weder die aktuellen BIP Schuldenquoten noch die innereuropäischen Handelsdefizite gegenüber dem Norden aufbauen können, das ist Fakt. Nimmt mich schon wunder wie Sie das aus der Welt schaffen wollen.

          • Ueli sagt:

            @Walter Bernstein
            Deutschland war exakt zu dem Zeitpunkt als der Euro eingeführt wurde “der kranke Mann Europas”. Durch die Währungsunion in Kombination mit der noch nicht geplatzten Finanzblase – mauserte sich Deutschland innerhalb einer Dekade vom “kranken Mann” zum angeblichen “Kraftprotz” und zwar vor allem wegen der Exportindustire, die wiederum durch die erzwungene Lohndrückerei der Schröder- und Märkelära (Einführung der flächendeckenden Kurzarbeit, kein Teuerungsausgleich, miese Anstellungsbedingungen, miese Löhne, Hartz 4 u.s.w.) auf dem Buckel der Arbeitnehmer und dem falschen Zinsanreiz für die Süd- / Ostlländer ihre “Erfolge” verzeichnen konnte. Die Handelsbilanzdefizite der Süd- und Ostländer spiegeln sich dementsprechend auch exakt in den Handelsbilanzüberschüssen der Nordländer (Deutschland und co.) wider. Wer das als “Zufall” verbucht – kann nicht einmal simple “Saldenmechanik” nachvollziehen und hat schlicht die Basics verpennt.

          • Walter Bernstein sagt:

            Ueli, 12:54
            Ich glaube eher, dass Sie es sind, der die einfachste Mechanik nicht nachvollziehen kann:

            Wer Schulden macht, muss auch dafür bezahlen.
            Interessanterweise haben die Südländer auch gegenüber der Schweiz enorme Handelsdefizite. Trotzdem ist die Schweiz nicht bereit, diesen Ländern ein paar Hundert Milliarden EUR zurückzuerstatten. Finden Sie das nicht extrem egoistisch von der Schweiz?

            Welche Lohnpolitik die deutschen Gewerkschaften betreiben, geht Sie rein gar nichts an. Wenn Sie in Deutschland mitreden wollen, dann lassen Sie sich dort einbürgern. Ansonsten halten Sie sich gefälligst raus.

          • Ueli sagt:

            @Walter Bernstein
            1. Bin ich Doppelbürger Schweiz-Deutschland – und habe deswegen sehr wohl ein Wörtchen in dieser Sache mitzureden.
            2. Waren es nicht die Gewerkschaften, die diese schändliche Lohndrücker-Politik initiiert haben – sondern die Sozialdemokraten (die seitdem einen massiven Mitgliederschwund verzeichnen dürfen) und die Christdemokraten in Kombi mit FDP (die heute nicht einmal mehr die 5% Hürde schaffen).
            3. Hat Deutschland als Volkswirtschaft (nicht als Bevölkerung i.a.) bis jetzt weit mehr profitiert von dieser Währungsunion, als draufgelegt (auch wenn gewisse Populisten auf der rechten Seite etwas anderes behaupten). “Beweise” haben diese Leute für Ihre Behauptung freilich nie nötig gehabt.
            4. Mässigen Sie sich im Ton – wir sind hier nicht am Stammtisch.

          • Linus Huber sagt:

            “auf dem Buckel der Arbeitnehmer”

            Na ja, bin mir nicht sicher, ob die Griechen, welche ihre Lohnpolitik nicht “auf dem Buckel der Arbeitnehmer” durchsetzten, heute glücklicher darüber sind und jetzt dadurch an zuwenig Arbeitskräften leiden, denn schliesslich haben hohe reale Löhne in der heutigen globalisierten Welt keinen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit mehr.

            “Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
            die stets man noch zum Hungern zwingt!”

            Die Schmerzgrenze, welche eine wirkliche Reaktion erzeugt, ist noch lange nicht erreicht!

          • Josef Marti sagt:

            @W.Bernstein
            Betr. “Schulden bezahlen”. Das trifft nur für den Schuldendienst, die Zinsen zu. Zitat von Prof. Sinn: “Staatsschulden müssen nicht wirklich zurückbezahlt werden”. Das ist logisch, in einem Schuldgeldsystem mit Wachstumszwang ist das Nettovermögen immer NULL.

  15. Walter Bernstein sagt:

    Die Frage nach der Währung wird die Schotten am Donnerstag kaum interessieren.

    Selbst bei einem “Ja” gibt es einen 18-monatigen Übergangszeitraum. Die Schotten würden gerne das Britische/Englische Pfund behalten.
    Wenn sich die Emotionen gelegt haben, werden die pragmatischen Engländer den Schotten die Weiterverwendung des Pfunds gestatten. Allein schon wegen des intensiven Handels: 40 % der englischen Exporte gehen nach Schottland. Warum sollte England diese Beziehungen aufs Spiel setzen?

    • Peter Jenzer sagt:

      Gegenfrage: Warum will Schottland diese Beziehung unbedingt aufs Spiel setzen ? Die Schotten wollen ja die Selbstständigkeit……dann sollen sie auch die volle Verantwortung für Ihren eigenen Staat übernehmen.

      • Johnny Smith sagt:

        “volle Verantwortung für Ihren eigenen Staat”

        Ja, das müssten die Schotten dann anpacken. Eine Möglichkeit wäre eine eigene Währung, eine andere Möglichkeit wäre das Mitmachen bei einer anderen Währung (Pfund).

        Walter Bernstein argumentiert aber aus Sicht von England: Falls die Schotten sich am Pfund anhängen wollten, wieso sollte England abelehnen? Für England wäre die Währungsfrage vermutlich weniger relevant als für Schottland, sie behalten die ‘Kontrolle’ über Währungs- und Zinspolitk des Pfund ja so oder so. Schottland wäre einfach ein Anhängsel, wenn auch ein recht grosses.

      • Walter Bernstein sagt:

        Peter Jenzer, 8:56
        Vielleicht, weil sie nach 300 Jahren einfach mal Lust auf was Neues haben?

        Da zählen sachliche Argumente wenig.

    • Rene Lorenz sagt:

      Die Schotten haben schon eine eigene Währung. Das Schottische Pfund !!! Nicht gewusst ? Bitte besser recherchiren.

      • H. Hanson sagt:

        @Rene Lorenz – Das Schottische Pfund gibt es nur als Noten, nicht aber als eine eigenständige Währung (siehe Bank of England Webseiten über “the Scottish Pound as legal tender”). Und wenn Sie damit in einem englischen Geschäft etwas bar bezahlen wollen, kann es passieren, dass diese Noten nicht angenommen werden, weil es keine Verpflichtung dazu gibt – kurioserweise auch nicht in Schottland, praktisch können Sie aber mit einer Schottischen Pfundnote überall in Schottland bezahlen.

  16. Walter Bernstein sagt:

    “Lender of last Resort”: Die EUR-Zone hat doch seit 3 Jahren einen Lender of Last Resort:

    Das ist die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sobald der EUR schwächelt, kauft die SNB unbegrenzt Anleihen, Obligationen usw. aus dem Euroraum auf. Sie macht also genau das, was ein guter “Lender of last Resort” macht.

    EUR-Krise: Es ist nunmal keine Währungs-, sondern eine Staatsschuldenkrise, die aus einer Bankenkrise entstand.
    In den USA existieren Staaten wie Alabama und Alaska in genau derselben Währungsunion. Fast ohne Ausgleichszahlungen. (abgesehen für ein paar Fernstrassen und Militäranlagen der Bundesregierung)

    • Josef Marti sagt:

      Natürlich ist es eine Währungskrise; die Explosion der Staatsschulden in Südeuropa wäre ohne durch den Euro bedingten Zinseffekt in diesem Ausmass niemals möglich.

      • Silvia Müller sagt:

        Ich glaube ziemlich offensichtlich ist es eine Überschuldungskrise… Die Schulden wachsen ins Unendliche und es wird am exponentiellen Wachstum scheitern, resp. knallen

      • Walter Bernstein sagt:

        Josef Marti, 9:32
        Ihre Antwort zeigt ja schon von selbst auf, dass es eine Schulden- und keine Währungskrise ist.

        Wie die Schulden zustande kamen, ist eine andere Frage. Vom Himmel gefallen sind sie jedenfalls nicht.

    • Mark Angler sagt:

      Ich würde einen Schritt weiter gehen und behaupten, es ist eine Systemkrise. Und zwar in zweierlei Hinsicht.

      Erstens ist es eine Systemkrise der EU, die ein Währungssystem geschaffen hat, das langfristig nicht funktionieren kann, weil und solange es von den restlichen ökonomischen, politischen und sozialen Systemen in der EU und den einzelnen Nationen derart abgeschnitten ist (z.B. fehlende Ausgleichsmechanismen, kaum Verknüpfung mit Fiskal-, Wirtschafts- und Strukturpolitik, fehlende föderative Elemente).

      Zweitens ist es eine Systemkrise des Kapitalismus, in welchem offenbar immer mehr Akteure völlig frei von Ethik und Moral handeln und ein Währungssystem, von dem einige hundert Millionen Menschen abhängen, und von dem sie wissen, dass es labil ist, bewusst angreifen, um durch seine Zerstörung persönliche Profite einzufahren. Ein ökonomisches System, das keine systemimminenten Mechanismen hat, solches Tun zu verhindern oder zumindest zu sanktionieren, offenbart selbst eklatante Schwächen.

      • Rolf Zach sagt:

        Der Kapitalismus ist geradezu ständig in irgendwelcher Krise. Aber wie eine Hydra, der man einen Kopf abschlägt, erschafft sie sich neue. Ferner ist der Kapitalismus ein Vorgang, der ohne Eschatologie auskommt und deshalb wenig Anziehungskraft hat. Diejenigen, wie die Neo-Liberalen, die ihm irgendwelche Erlösungen zusprechen, sind gewaltig auf dem Holzweg. Man muss den Kapitalismus als einen Roboter verstehen, den man ständig beaufsichtigen und korrigieren muss, damit er keinen Schaden anrichtet.
        Es gibt selten ein Währungsraum, der überall die gleichen Löhne und Preise hat. War die Krone der Donaumonarchie
        ein Objekt der Währungsspekulation vor 1914, weil es das reiche Nieder-Österreich und die Maus arme Slowakei umfasste?
        Schottland ist reicher als Nord-England. Schottland kann durchaus seine eigene Notenbank und seine eigene Währung einführen. Vergessen wir nicht, Irland hat den EURO nicht aufgegeben und Schottland kann durchaus als Alternative
        der EURO-Zone beitreten. Das Risiko für die EURO-Zone ist für diese sicher einiges geringer als im Fall von Portugal und Griechenland. Ich finde die Schotten sollten im Vereinigten Königreich verbleiben, denn ihr Austausch mit England ist grösser als ihr Austausch mit der gesamten übrigen EU. Sicher war es damals für Irland ein Fehler das Pfund für den Euro aufzugeben, wenn man das enge wirtschaftliche Verhältnis zu Grossbritannien betrachtet. Mit Schottland in der Euro-Zone
        entkräftet sich diese Logik bereits um einiges.
        Ist in der CS Statistik die Royal Bank of Scotland bei den schottischen oder englischen Bankeinlagen? Bekanntlich ist die RBS viel grösser in England als in Schottland.

    • Markus Ackermann sagt:

      1. Die SNB hat mit der €-Kursuntergrenze in CHF einen hervorragenden job gemacht.
      2. Als Ergebnis hat sich die SNB-Bilanz aufgebläht.
      3. Das kann so nicht auf ewig weiter gehen … und soll es auch nicht. Ergo muss es zu einer geregelten phase-out kommen. Dabei haben wir einen €, den es innert eines Jahres oder innert 10 Jahren “verjagen” kann … je nachdem, wie lange die EU-Versager die Bereinigung ihrer Probleme weiter verschleppen können. Dabei geht es vor allem darum, ob und wie lange die Deutschen bereit sind, Vermögen in die €-Konkursmasse zu werfen. Für die CH ist es wahrscheinlich besser, wenn der € sich noch einige Jahre als Untoter halten kann: heute haben wir schon viele Zombie-Banken im €-Raum, das wird sich weiter entwickeln zu einem Zombie-€, um im €-Raum die Liquidität aufrecht zu erhalten.
      4. Die beste phase-out für die SNB wäre eine sanfte LOCKERUNG der €-Bindung des CHF, z.B. anfangs 1-2% pro Jahr, danach mehr
      5. Die SNB kann die €-Verluste durch vermehrte Sachanlagen auffangen, also € in Sachwerte tauschen (siehe Prof. em. Bernholz, Uni Basel)

      • seebueb sagt:

        Sinkt die Euro-Untergrenze, und folgt der Eurokurs, so entstehen der SNB automatisch Währungsverluste. Diese entstehen weitgehend unabhängig von der Anlagewährung (€, $, £) und der Anlageklasse. Nach 2-3 Rappen Aufwertung wäre das gesamte Eigenkaptial der SNB aufgebraucht, danach befindet sie sich im Limbus.

        • seebueb sagt:

          Kleiner Rechenfehler, das EK wäre nach 10-12 Rappen aufgebraucht..

          • Rolf Zach sagt:

            Die Aufgabe der Untergrenze für den EURO von 1.20 bedeutet nicht nur wie dargestellt, die Vernichtung des Eigenkapitals der SNB und die bekannte Gefahr für unsere Industrie, sondern auch für unsere stark positive Ertragsbilanz. Unsere Ertragsbilanz ist ein Phänomen mit vielen Beteiligten und jeder kocht anders. Es ist keine Ertragsbilanz wie Saudi-Arabien, die durch die einseitige Exportstruktur dieses Landes staatlich kontrolliert ist. Unser
            Ertragsbilanz-Überschuss kann von allen Ertragsbilanzen aller OECD-Staaten von den Behörden am wenigsten
            beeinflusst werden (ausser die berühmten 1.20 und etwas Zins- und Reserve-Politik). Folglich hat unsere Ertragsbilanz die Gefahr einer hohen Volatilität und dies kann sehr gefährlich werden.

          • Markus Ackermann sagt:

            1. Richtig, da ist ein Risiko. Das sollte die CH sanft (phase-out) abbauen.
            2. SNB-Bilanz per 31.12.2013
            Total Aktiven ~490 Mia. CHF
            davon Gold ~35 Mia. CHF
            Devisenanlage ~443 Mia. CHF (€, $, £, Y, CAD)
            Eigenkapital der SNB ~57 Mia. CHF
            3. ~9 Mia. CHF Verlust entstanden 2013 v.a. aus dem Gold
            4. 1% der €-Kursuntergrenze wäre 1.2 €-cents pro Jahr. Das sollte die CH Exportwirtschaft prestieren können
            5. Die Anlagen können Erträge generieren: mehr Sachanlagen, höherer Ertrag (und höheres Risiko) … aber sind €-Staatsanleihen wirklich “AAA-risikofrei”? (Ich denke, der SNB muss man nicht das Anlegen beibringen.)
            6. Es bleibt für die SNB schwierig. Bis jetzt haben sie es ganz gut gemacht.

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