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Der Mythos von Bretton Woods

Markus Diem Meier am Mittwoch den 20. August 2014

Der Sieger und Spion Harry Dexter White (links) und der ausgetrickste John Maynard Keynes: Sie haben die Vorarbeiten für IWF und Weltbank geleistet.

Der Internationale Währungsfonds IWF und die Weltbank – sie stehen für das letzte grosse gelungene Projekt internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Leider falsch.

Ferienzeit ist immer auch Lesezeit. Meine Literatur war das Werk «The Battle of Bretton Woods» von Benn Steil, der als Direktor für internationale Wirtschaft beim renommierten unabhängigen Think Tank «Council of Foreign Relations» arbeitet. Das Werk über die Gründungsversammlung der beiden erwähnten Organisationen ist so sexy geschrieben wie eine trockene Doktorarbeit. Zuweilen war das Lesen eine Qual. Aber die Schwäche des Buches aus Sicht des Lesevergnügens ist seine Stärke aus Sicht der Detailgenauigkeit.

Was aber gibt Anlass dazu, sich mit der Gründung von IWF und Weltbank zu befassen?

Zum einen jährt sich die Konferenz von Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire zum 70. Mal. Wirklich Bedeutung hat aber der Umstand, dass gut funktionierende und akzeptierte Koordinations-Organisationen für die internationale Wirtschaft heute besonders schmerzlich fehlen und solche Projekte nicht mehr zustande gebracht werden können. Da stellt sich die Frage, wie es damals gelang.

Auf den ersten Blick ist die Leistung aus dem Jahr 1944 beachtlich: Führende Vertreter von 44 Nationen und damit ein Gewusel von 700 Beamten und Politikern haben sich im Mount Washington Hotel – noch während der Zweite Weltkrieg in vollem Gange war – auf eine wirtschaftliche Nachkriegsordnung geeinigt, welche die ganze Welt einbezog und sie haben Organisationen geschaffen, die bis heute Bestand haben.

Zu schön um wahr zu sein! In Tat und Wahrheit hatte die 44 Delegationsleiter nichts zum Ergebnis von Bretton Woods beigetragen. Dieses war praktisch das alleinige Werk eines leitenden Beamten im US-Finanzministeriums, der zusätzlich für die Sowjetunion als Spion gearbeitet hat: Harry Dexter White.

Der Reihe nach:

Die entscheidende Vorgeschichte

Neben White gilt auch John Maynard Keynes als zentrale Figur bei der Gründung des IWF und der Weltbank in Bretton Woods. Tatsächlich haben die beiden die wichtigsten Vorarbeiten geleistet. Keynes arbeitete lose für das britische Finanzministerium, White hatte vor allem als ökonomischer Berater des US-Finanzministers Henry Morgenthau viel Einfluss.

Das grundsätzliche Ziel

Beide haben schon zwei Jahre vor der Konferenz unabhängig voneinander Pläne für die Nachkriegsordnung entwickelt, die das Ziel hatten, ein Fixkurs-System zwischen den Währungen  zu etablieren, ohne aber die Rigidität des Goldstandards zu erben, die sich in der Zwischenkriegszeit als verheerend für die wirtschaftliche Entwicklung und die internationalen Beziehungen erwiesen hat.

Eine Organisation sollte ähnlich wie eine Bank für Unternehmen auf nationaler Ebene auf internationaler Ebene Ländern bei Zahlungsbilanzproblemen mit Krediten zur Verfügung stehen. Diese Aufgabe sollte letztlich der Internationale Währungsfonds erhalten. Weiter – und von geringerer Bedeutung – sollte eine Organisation geschaffen werden, die Gelder für langfristige Entwicklungshilfen ausleiht. Diese Aufgabe übernahm letztlich die Weltbank.

Der wesentliche Unterschied zwischen Keynes und White

Der wichtigste Unterschied zwischen den Plänen von Keynes und von White bestand im Mechanismus, durch den das (anpassungsfähige) Fixwährungssystem funktionieren sollte: Keynes wollte eine gegenseitige Verrechnungsstelle von Guthaben und Schulden zwischen den Ländern schaffen – eine so genannte Clearing Union. Als zentrale Verrechnungs- und Kreditwährung für das System sollte mit dem Bancor neues Buchgeld geschaffen werden. Der Plan von White sah dagegen vor, gleich den Dollar als Weltreservewährung zu etablieren, der allerdings durch Gold gedeckt sein sollte. Von einer Clearing-Union wollte White nichts wissen. Das Geld für Zahlungsbilanzhilfen durch den Fonds wollte White durch Einzahlungen der Mitgliedsländer beschaffen, die auch die Mitbestimmungsrechte festlegen sollten.

Die neue und die alte Weltmacht

Das Ziel Whites, den Dollar zur Weltreservewährung machen zu wollen und die Regelung, dass die Macht in den Institutionen an die Beitragszahlungen geknüpft sein sollte, hatten nicht zufällig die Folge, dass damit den USA die absolute Dominanz über das wirtschaftliche Nachkriegssystem zugesichert wurde.

Schon vor der Konferenz hatte White dafür gesorgt, dass nur sein Plan Chancen auf eine Durchsetzung hatte. Das war  schlicht eine Folge der realen Machtverhältnisse. Keynes vertrat Grossbritannien, dessen Einfluss auf der Weltbühne immer stärker am Schwinden war, wogegen sich die USA mit diesem Krieg endgültig als grösste wirtschaftliche und militärische Weltmacht etabliert haben. Die Briten hatten schon daher nichts in die Waagschale zu werfen, als sie während dem Krieg dringend auch auf wirtschaftliche US-Unterstüzung angewiesen waren, wofür die Amerikaner harsche Bedingungen diktiert haben, die vor allem ein Ziel hatten: auch den Rest des verbliebenen britischen imperialen Einfluss auf der Welt noch zu brechen.

Delegierte als Statisten

An der Konferenz (die offiziell von Finanzminister Henry Morgenthau geleitet wurde) hat White, wie Benn Steil beschreibt, dafür gesorgt, dass die Delegationen gar nicht erst über die wichtigsten Punkte informiert wurden und die Delegierten vor allem über Nebensächlichkeiten debattiert haben. Vor allem hat er sich die Kontrolle über die Beschlussprotokolle gesichert. So ist es ihm sogar gelungen, die wichtigste Regel des neuen Systems überhaupt – die geplante zentrale Rolle des Dollars als internationale Leitwährung – verborgen zu halten. Keynes, der sich stets entschieden gegen diese Lösung war, hat das erst nach der Konferenz im nachgereichten Beschluss gelesen. Daher konnte an der Konferenz über diesen Punkt gar nicht erst gestritten werden.

Der Sowjetspion und Patriot

Erst Jahre später wurde bekannt, dass der eigentliche Vater der Bretton Woods-Organisationen Harry Dexter White die ganze Zeit über die Sowjetunion mit vertraulichen Informationen beliefert hat. Wie Steil schreibt, war das Motiv von White schlicht Bewunderung für das kommunistische System. Der scheinbare Widerspruch, dass White auch sehr radikal die Interessen der USA verfolgt hat, löst sich dadurch auf, als dass er davon überzeugt war, sein eigenes Land und die Sowjetunion würden sich ohnehin nach dem Krieg annähern. Das System der staatlichen Lenkung war für White das Modell der Zukunft, auch für die USA. Verurteilt wurde White für seine Spionagetätigkeit nie, da ihm am 16. August 1948 ein Herzinfarkt aus dem Leben riss.

Die Europäer als Profiteure

Der Tatsache, dass die Behörden bereits erste Beweise gegen White in der Hand hatten, hatte zur Folge, dass man ihm den Posten als erster Chef des neu geschaffenen Währungsfonds verweigerte. Dafür war er ursprünglich vorgesehen. Öffentlich begründet hat man diese überraschende Entscheidung, dass man die Spitze des Fonds den Europäern belassen wolle und die Amerikaner nur die weniger bedeutsame Weltbank führen. Eine Regelung, die bis heute bestand hat. Christine Lagarde kann sich bei White bedanken.

Von Anfang an zum Scheitern verurteilt

Im Sinne des Zwecks, für den er geschaffen wurde, war der Währungsfonds eine Totgeburt. Erst 15 Jahre nach seiner Begründung, im Jahr 1961, unterwarfen sich die ersten neun westeuropäischen Länder den vorgesehenen Währungsmechanismen. Zehn Jahre später brach das System bereits zusammen. Als erster begründete der belgisch-amerikanische Ökonom Robert Triffin im Jahr 1959 den grundlegenden Konstruktionsfehler des Systems von White: Damit der Dollar als Reservewährung funktionieren konnte, musste die USA Importüberschüsse verzeichnen, denn nur dadurch gelangen die Notenbanken der übrigen Länder an die  Dollarreserven. Doch gleichzeitig hatte der Dollar durch Gold gedeckt zu sein, dass sich aber nicht entsprechend vermehr liess. So war diese Deckung tatsächlich immer weniger gegeben, bis im Jahr 1971 der damalige US-Präsident Richard Nixon die Golddeckung des Dollars aufhob. Damit war das System von Bretton Woods im Sinne seines Erfinders endgültig gescheitert. Der Fonds beschränkt sich seither auf die Aufgabe als Aushilfsfinanzierer in Notlagen unter Bedingungen.

Fazit:

Die Geschichte von Bretton Woods hat einige interessante Lektionen bereit, die sich verallgemeinern lassen. Hier die wichtigsten:

  1. Es sind nie viele, die fundamentale Pläne gemeinsam beschliessen, das Wesentliche leisten immer nur einzelne oder sehr wenige, auch wenn ein Beschluss dadurch geadelt wird, dass er durch eine grosse Anzahl Delegierter gefällt worden sei. Die Theorie dazu hat Mancur Olson geliefert. Mehr dazu ein andermal.
  2. Damit internationale funktionierende Organisationen sich durchsetzen können, müssen sie durch eine dominierende Macht getragen werden. Whites Plan hat sich nicht durchgesetzt, weil er so gut war, sondern weil die USA hinter ihm gestanden ist. Es ist daher falsch zu sagen, ohne US-Zentriertheit hätten die Bretton Woods-Beschlüsse besser funktioniert. Ohne diese US-Zentriertheit hätte es gar kein Bretton-Woods-System gegeben.

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41 Kommentare zu “Der Mythos von Bretton Woods”

  1. Linus Huber sagt:

    “Eine Währung hat den wirtschaftlichen Aktivitäten zu dienen.”

    Dieser Artikel erklärt eigentlich, dass die Funktion der Reserve-Währung dazu benutzt wird, die Machtverhältnisse zu beeinflussen. Jede von den Marktteilnehmern akzeptierte Währung dient wirtschaftlichen Aktivitäten, selbst wenn sie nicht vom Staate gesetzlich als Zahlungsmittel verordnet wurde.

    “Eine niedrige Inflation ist da, um diese zu unterstützen und nicht um irgendwelche Privilegien zu bewahren.”

    Diese Aussage entspricht in den Grundzügen der gängigen Lehre, welche die durch Reflexivität erzeugten langfristigen negativen Konsequenzen der Geldentwertung und den damit verbundenen marktverzerrenden Umverteilungseffekten vernachlässigt, respektive unfähig oder unwillig ist zu erkennen.

    • Ueli sagt:

      @Linus Huber
      Sie sind doch geradezu besessen von Ihrer “Geldentwertungsstory” – man könnte meinen, dass das Kilo Brot nächsten Monat 1 Milliarde CHF kostet. Der “Markt” ist vor allem ein blinder Mechanismus – die Behauptung, dass dieser hinter unserem Rücken zu mehr Gerechtigkeit führt – glaubt doch nicht einmal der Osterhase.

      • Linus Huber sagt:

        @ Ueli

        In einem gewissen Sinn muss ich Ihnen bezüglich der Besessenheit recht geben, wobei der diesbezügliche Grund darin liegt, dass quasi alle heute angewendeten Modelle und Theorien (Dogmen) genau auf der Basis beruhen, durch geldentwertende Manipulationen kurz- bis mittelfristig das BIP (was nicht grundsätzlich dem Wohlbefinden der Bevölkerung dienen muss) zu erhöhen und den daraus resultierenden Einfluss auf die Gesellschaft vernachlässigen. Geld ist stark verbunden mit Vertrauen, und das Entwerten des Geldes entspricht eigentlich der Untergrabung des gegenseitigen Vertrauens, ein Wert, welcher aus meiner Sicht von essentieller Bedeutung für eine Gesellschaft ist. Nur weil dieser Prozess schleichend und nicht wahrnehmbar im täglichen Leben abläuft, ändert nichts daran. Nachdem dieses Spiel der Entscheidungsträger in 2008 einigermassen erkennbar aufflog (obwohl die Krise uns quasi als Naturereignis ohne spezifischen Grund verkauft wurde), zeigt sich wohl auch eine zunehmende Skepsis gegenüber diesen Bürokraten.

        Gerechtigkeit gibt es tatsächlich einzig im Himmel (nehme ich an). Allerdings widerspricht es meiner Überzeugung, dass es der Gesellschaft dient, wenn Machtstrukturen linear ausgebaut werden, denn dies erlaubt es gewissen Akteuren (wie z.B. die Banker), sich massiv zu übervorteilen und damit die politischen Prozesse zunehmend zu dominieren und demokratische Elemente zu eliminieren. Die Geldpolitik dient hierbei als essentiell wichtiger Facilitator. Ebenfalls bin ich der Überzeugung, dass diese Entscheidungsträger meist sicherlich versuchen, wenigstens aus ihrer Sicht, zum Wohle der Bevölkerung zu handeln, aber dabei zunehmend ein bevormundendes Verhalten aneignen, wodurch als Reaktion die Infantilisierung der Bevölkerung erzielt wird, was wiederum wie ein Turbo zur Aufblähung des Egos dieser Menschen wirkt.

        Man kann dies gut an der Ratlosigkeit erkennen, welche sich nach der MEI-Abstimmung bei diesen Leuten verbreitete und wie störend demokratische Elemente auf die Anstrengung erhöhter Machtkonzentration wirken. Das Gefühl für Gerechtigkeit ist nicht von Bildung und Gesetzen abhängig, sondern ist intuitiver Natur und in jedem Menschen vorhanden. Dass viele Gesetze durch Lobbying einzig einer Interessengruppe dienen (sie zulasten der Allgemeinheit bevorteilt) führt über Zeit zu einer erkennbaren Kluft zwischen geltenden Gesetzen und von der Gesellschaft empfundener Gerechtigkeit, was auch unter den Begriffen “Vetternwirtschaft” oder “moral hazard” verstanden wird.

        Vielleicht kann der Osterhase jetzt seine Überlegungen ein wenig erweitern.

        • Ueli sagt:

          @Linus Huber
          Freilich ist Geld eine Vertrauensangelegenheit, da das meiste Geld heute sowieso nur noch rein virtuell existiert und von genau gar nix “gedeckt” wird – ausser dem blinden Vertrauen ins Sysem. Die gelenkte Wirtschaft, welche Sie immer wieder als das “Böse” bezeichnen – ist bei der genauerer Betrachtung – schlicht die letzte Stufe des Monopolkapitalismus. Im nachliberalistischen Zeitalter wurde der Schein gewaltloser unmittelbarer Aneignung des Mehrprodukt durch die Kapitalisten zerstört. Die Konzentration und Zentralisation des Kapitals machte die Ideologie des freien Marktes und der freien Konkurrenz unhaltbar. Die Verfügung über das Mehrprodukt wurde zur Angelegenheit der offenen Kollaboration wirtschaftlicher, politischer und militärischer Grossorganisationen, die sich das Image gaben, am kompetentesten für die Reproduktion der Gesellschaft und die Erzeugung und Verwendung des Mehrprodukts sorgen zu können. Der Schauplatz des zensurierten Elends ist die politische und soziale Ohnmacht – sie macht alle Menschen zu blossen Verwaltungsobjekten der Monopole und ihrer Staaten.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            Ich nehme an, dass Sie mit nachliberalistischem Zeitalter die Periode betrachten, welche etwa vor 100 Jahren begann und Sie somit den Ursprung der Konzentration und Zentralisation des Kapitals zeitlich im 19. Jh. erkennen. Wenn dem so ist, dürften Ihre Überlegungen abgesehen von der Verwendung leicht anderer Begriffshülsen sich nicht gross von meinen unterscheiden oder sich zumindest nicht gegenseitig ausschliessen, wobei das Zulassen von Mechanismen des freien Marktes die fehlende Nachhaltigkeit des gegenwärtigen Systems klar zum Ausdruck bringen würde und damit eine zerstörerische Reaktion gegen die bestehenden Machtverhältnisse erzeugen dürfte.

            Die Frage liegt nun darin, in welche Richtung sich das gesellschaftliche System entwickeln soll, respektive was kurierend auf die Problematik wirken dürfte, wie z.B. Dezentralisation, transparente Verantwortlichkeiten und Stärkung demokratischer Werte, welche gesellschaftliche Reaktionen erlauben.

          • Ueli sagt:

            @Linus Huber
            Im Gegensatz zu Ihnen habe ich erkannt, dass es kein Zurück zum liberalistischen Zeitalter gibt und diese Periode eben auch nicht so wünschenswert ist – wie sie heute manchen Nostalgikern noch erscheinen mag. Schon im 19. Jahrhundert bröckelte die “bürgerliche Fassade” und war die Ideologie des Eigentums / der Familie / des freien Marktes (sprich der Freiheit über fremde Arbeitskraft zu verfügen und sich das Mehrprodukt anzueignen) nur für das mittlere und Grossbürgertum konzipiert. Im 20. Jahrhundert musste diese “Erfolgsgeschichte” auch für das mittlere und Kleinbürgertum notwendig zu Ende gehen. Heute leben wir in der paradoxen Situation, dass sich selbst die Arbeiterschaft verbürgerlicht hat – aber die reale Verfügungsgewalt übers Mehrprodukt und deswegen auch die reale politische Macht in den Händen weniger Monopolgewaltigen sich konzentriert hat. Des Rätsels Lösung kann daher nicht eine Flucht in die Vergangenheit oder eine Flucht nach vorne mit den gegebenen Mächten sein – sondern nur ein radikaler Bruch mit den Mächten des Status Quo – sprich der bürgerlichen Ideologie als solcher – die heute uns heute als Lüge mehr denn je beherrscht und zwar nur deswegen weil wir uns schlicht keine Alternative mehr vorstellen können.

  2. Rolf Zach sagt:

    Grundsätzlich braucht die Weltwirtschaft eine Ankerwährung als Gradmesser für Stabilität und Aufrechterhaltung einer internationalen Liquidität. Früher war dies Silber, im 19. Jahrhundert Gold und seit Bretton Woods der $ mit Golddeckung. Keynes sprach damals vom “barbarischen Relikt” und meinte Gold. Natürlich hat White durch seinen Plan die Macht der USA ausgeweitet, das wäre beim Bancor Plan von Keynes nicht der Fall gewesen. Es hätte eine Art gemeinsame Währung aller Siegermächte bedeutet (inkl. der Sowjetunion). Hier hat Keynes natürlich die britischen Interessen vertreten, weil Grossbritannien nicht nur gegenüber den Vereinigten Staaten, sondern auch gegenüber Kanada, Südafrika und Indien enorme Schulden hatte (vieles davon nicht in £ sondern $). Diese Schulden konnten nicht durch Steigerung britischer Exporte abgetragen werden und es war unmöglich das Defizit der UK-Ertragsbilanz in den Griff zu kriegen. Vielleicht wäre mit dem Bancor die Sowjetunion dem Bretton-Woods-System beigetreten, da sie ähnliche Probleme hatte wie Grossbritannien. Man sprach damals viel von der “$-Lücke”, was nicht verwunderlich war, da in Europa mit der Ausnahme der Schweiz und Schweden
    alle Staaten (inkl. UdSSR) ein Ertragsbilanz-Defizit hatten. Es war also unmöglich effizient Europa aufzubauen ohne US-Hilfe,
    die aber an die Bedingung europäischer wirtschaftlicher Zusammenarbeit geknüpft war und so einen Multiplikator-Effekt erzielte.
    So wurden die realen Bedenken von Keynes gegenüber dem Bretton-Woods-System ausgeräumt. Nach 1949 begann der
    Goldabfluss bei der FED von 25000 Tonnen auf 10000 Tonnen 1970. Seither wurde die Gold-Konvertibilität eingestellt und der
    reine $ Standard eingeführt. Und was war die Wirkung davon. Welche Währungen haben sich gegenüber dem $ aufgewertet?
    Ich kenne nur zwei, nämlich den Yen und den Schweizerfranken. Der Euro ist ein Zwitter. Fazit: Für eine Reserve-Währung braucht es ein Ertragsbilanz-Defizit des Landes der Reserve-Währung und natürlich Vertrauen. $ zog mehr an als Bancor. Eine
    Währung hat den wirtschaftlichen Aktivitäten zu dienen. Eine niedrige Inflation ist da, um diese zu unterstützen und nicht um irgendwelche Privilegien zu bewahren. Wie viel das “Bretton-Woods” System für die nach E. Hobsbawm “guten Jahre” 1945 bis 1973 ermöglichte oder absicherte, ist eine Frage, die von vielen Faktoren abhängt. Einige sind sicher sehr wichtig, andere sind eher zu vernachlässigen.

  3. Linus Huber sagt:

    Eine weitere Lehre dürfte das Fazit bereichern:

    Selbst wenn das Ziel, worauf die Gründung einer staatlich finanzierten Organisation basiert, als nicht erfüllbar oder überholt erkannt wird, wird deren Existenzberechtigung nicht in Frage gestellt, sondern sie stülpt sich einfach ein neues Aufgabengebiet über.

    • Walter Bernstein sagt:

      L. Huber:
      Der Staatsglaube steckt tief in uns drin, und in fast allen Völkern dieser Welt.
      Leider hat sich nicht die Demokratie des alten Griechenlands und der Römischen Republik durchgesetzt (wo aber auch schon bestimmte Gruppen das Sagen hatten), sondern die “Staatsunterwerfung” aus dem Insektenreich: Das Individuum hat die Klappe zu halten und nur dem Staat bzw. der/dem König/in zu dienen.
      Unterstützt wurde das zu allen Zeiten von korrupten Priestern, die das als den Willen der Götter darstellten.

  4. will williamson sagt:

    Heute scheint das Nirwana wieder aktiv zu sein. Mein erster Kommentar wurde richtiger Weise als doppelt entdeckt, wird aber nach wie vor nicht angezeigt.

    • Walter Bernstein sagt:

      Will Williamson:
      Ist mir neulich auch passiert.
      Hängt das damit zusammen, dass zur selben Zeit jemand anderes an derselben Stelle einen Kommentar schreibt?

      • will williamson sagt:

        Schwierig, zu sagen, wovon es abhängt. Ich hab auch schon den Fall gehabt, dass der Kommentar später eingestellt wurde. Dass ein doppelter erkannt wird, deutet eigentlich darauf hin, dass beide angekommen sind. Vielleicht haben die einen Filter drin, der gewisse Begriffe aussortiert. Allerdings habe ich in aller Regel keine problematischen Begriffe in den Kommentaren.

        • Walter Bernstein sagt:

          Will Williamson:
          Der Kommentar, den es bei mir betroffen hat, war harmlos. Dann war es doch eher eine technische Sache.
          Wir können uns ja nochmal besprechen, falls das wieder passiert. Vielleicht finden wir den Grund.

    • Linus Huber sagt:

      Angenehm, wenn man sich nicht sonderbehandelt fühlen muss.

  5. will williamson sagt:

    Edward G. Griffin weiter:

    Kommunistische Maulwürfe
    Harry Dexter White war Amerikas wichtigster Experte und die treibende Kraft auf der
    Konferenz. Später sollte er der erste amerikanische Direktor beim IWF werden. Eine
    interessante Fußnote zu dieser Geschichte ist die Tatsache, dass White gleichzeitig ein
    Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Beziehungen (CFR) und ein Mitglied eines
    kommunistischen Spionageringes in Washington war, während er als Ministerialdirektor
    im Finanzministerium diente. Noch interessanter ist folgende Tatsache: Das Weiße Haus
    wusste darüber Bescheid, als Präsident Truman ihn auf den neuen Posten berief. Das FBI
    hatte bis dahin dem Weißen Haus mindestens zweimal detaillierte Beweise über Whites
    Aktivitäten zukommen lassen.4 Zuständig für organisatorische Belange auf der Bretton-
    Woods-Konferenz war Virginius Frank Coe, Mitglied des Spionageringes, dem auch
    White angehörte. Später wurde Coe der erste Leiter des IWF.
    Dem Blick der Öffentlichkeit verbarg sich also ein kompliziertes Drama, bei dem in
    Bretton Woods die Fabier und die Kommunisten die intellektuellen Leuchtfeuer spielten.
    Obwohl uneins über die Methode, befanden sie sich in perfekter Harmonie in bezug auf
    das Ziel: den internationalen Sozialismus.

    • Ueli sagt:

      @will williamson
      White war – wenn überhaupt – ein Fan vom Massenmörder Stalin und kein Kommunist. Abgesehen davon – sowohl die russische Revolution, als auch Hitler wurden von der US-Hochfinanz (Warburg, Ford, Morgenthau) erst ermöglicht. Das Doppelspiel war höchst ertragreich…

    • Rolf Zach sagt:

      Harry Dexter White war ein Jude und als solcher anfällig für die Idee des Kommunismus und er hat die Sowjetunion wahrscheinlich als gutes Modell betrachtet um Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum zu garantieren. Dies war ja gerade ein Problem für Roosevelt “Think Tank”, sie hatten einen Präsidenten, der die Vereinigten Staaten als sein persönliches Landgut betrachtete. Er wollte das es blühte und gedeihte, aber im Kern war er eine sehr konservative Persönlichkeit. Die Lehren von Keynes waren ihm immer ein wenig unseriös. Nur der 2. Weltkrieg brachte endlich die Vollbeschäftigung, die guten Jahre für die USA. White war sicher, dass eine Zusammenarbeit dieser beiden Systeme (US/UdSSr) für den Wohlstand der Nationen eine gute Sache war. Er war beeindruckt über die Errichtung der gewaltigen Schwerindustrie in den 30er Jahren in der UdSSR. Nur wussten White und die seinesgleichen nicht, wie Stalin intellektuelle Kommunisten hasste. Er hatte nur Verwendung für Sklaven wie Ulbricht einer war. Ebenso hat er all jene Sowjet-Funktionäre umgebracht, die vor 1917 im Ausland waren. Die meisten davon waren Juden. Trotzdem begriffen viele Intellektuelle
      nicht (davon viele Juden), was ein abstruses System das war. Bei unserer SP hat ein Mann wie Grimm (Führer des Generalstreiks von 1918) als Gegner Lenins nie Illusionen über Stalin gehabt. Die heutigen Intellektuellen sollten sich an
      an dieser Geschichte ein Beispiel nehmen, bevor sie den Islam verherrlichen oder den Staatskapitalismus Chinas vergöttern.
      Auch der Neo-Liberalismus ist abzulehnen. Augenmass und ständige Hinterfragung ist ein gutes Leitbild. Abgesehen davon ist die westliche soziale Marktwirtschaft immer noch der stärkste Leuchtturm aller Zivilisationen.

      • Johnny Smith sagt:

        “Harry Dexter White war ein Jude und als solcher anfällig für die Idee des Kommunismus”

        Ich bin nicht Jude, aber ich glaube, Sie haben auch schon besser formuliert.

        • Rolf Zach sagt:

          Sie haben recht, ich hätte diesen Satz erklären müssen. Erstens die 30er Jahre waren ja bekanntlich keine gute Zeit für Juden, ob sie nun gläubig, agnostisch, christlich, liberal, kapitalistisch oder sozialistisch waren. Aus dieser Bedrohung war natürlich das sozialdemokratische und in der extreme das kommunistische Gedankengut populär. Für einen so hervorragenden Ökonomen wie White, war natürlich eine Sowjet-Planwirtschaft für die Erreichung der Vollbeschäftigung
          und des Wirtschaftswachstums ein anziehendes Modell. Roosevelt war ein gerissener Politiker und als solcher konnte und wollte er nicht immer den besten Rat seiner Ökonomen nachfolgen. Roosevelt war der geborene Aristokrat, auch manchmal mit Grobheiten, aber Demagogen wie Hitler waren für ihn abscheulich. Er war kein Antisemit, aber auch kein
          Freund der Zionisten, dies beweist das Gesprächsprotokoll über seine Unterredungen mit Ibn Saud 1945. Wenn mein
          Satz antisemitisch getönt hat, möchte mich davon distanzieren.

          • Ueli sagt:

            Roosevelt war nach Aussagen seines eigenen Sohnes ein Bewunderer von Stalin. Man hat das Scheusal sogar im internen Kreis “liebevoll” Uncle Joe genannt – dies wurde mal Stalin in einer feuchtfröhlichen Trinkrunde der Alliierten scherzhaft mitgeteilt. Stalin konnte mit Roosevelt auch besser als mit Churchill – trotzdem wusste Stalin freilich, dass er nach Hitler den “bösen Buben” spielen musste. In Teheran und Jalta wurde Roosevelt von Stalin geradezu vorgeführt – was Gerissenheit anbelangt war er dem russischen Diktator weit unterlegen.

          • Ueli sagt:

            @Rolf Zach
            Abgesehen davon ist es vollkommen daneben den Stalinismus per se als Kommunismus zu bezeichnen und der jüdischen Bevölkerung dieser Zeit eine “Anfälligkeit” für den Stalinismus zu unterstellen. Dies ist nicht nur potentiell antisemitisch – sondern schlicht und ergreifen antisemitsch. Die Juden wurden unter Stalin auch unterdrückt und systematisch fertig gemacht – die Propaganda eines Hitler, dass die Juden den Bollschewismus und Stalinismus zu verantworten haben ist übelste Nazipropaganda.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Rolf Zach

            Danke für Ihre erklärenden Ergänzungen.

    • Walter Bernstein sagt:

      Man muss sehen, dass die Sowjetunion 1944 ein wichtiger Verbündeter der USA war. Die US-Regierung brauchte sie dringend zur Niederringung von Deutschland und – so die Hoffnung der USA – von Japan.
      Der alliierte Vormarsch in Frankreich funktionierte nur wegen der zeitgleichen “Operation Bagration” der Roten Armee, die zur grössten militärischen Niederlage in der deutschen Geschichte führte und den Westalliierten den Weg zur Reichsgrenze ebnete.
      Sowjet-freundliches Personal wurde daher von der US-Regierung geduldet.

      Die CPUSA (Kommunistische Partei der USA) verhielt sich im Krieg regierungsfreundlich. Erst ab 1947 wurden amerikanische Kommunisten aus dem öffentlichen Dienst gedrängt und gesellschaftlich gebrandmarkt, denn der stärkere Gegensatz zur Sowjetunion machte sozialistisches Gedankengut verdächtig und “unamerikanisch”.

      Es erstaunt daher nicht, das man White gewähren liess.

      • Ueli sagt:

        @Walter Bernstein
        Ja – und vergessen Sie nicht den ungeheuren Blutzoll den die russische Seite zu verbuchen hatte (freilich auch deswegen weil Stalin quasi die ganze Führung des russischen Militärs liquidieren / einkasernieren liess bevor es so richtig gegen die Nazis losging) und die im Vergleich geradezu lächerliche Zahl von Toten und Verwundeten auf der amerikanischen Seite. Im Endeffekt wurde der 2. Weltkrieg durch die Russen für die Alliierten gewonnen – auch wenn die Amerikaner dies freilich durch ihre Materiallieferungen erst ermöglichten. Aber dies wiederum war freilich von langer Hand in Washington geplant – die Nazis hatten auf kurz oder lang gar KEINE CHANCE diesen Weltkrieg zu gewinnen…Hitler ging tasächlich davon aus, dass die Sowjetunion schon nach ein paar Monaten zusammenbrechen würde und war sich des industriellen Potentials der Alliierten überhaupt nicht bewusst. Dies passt freilich wiederum zu der ganzen provintiellen / idiotischen Ideologie der Nazis…

        • Walter Bernstein sagt:

          Ueli:
          Selbst Hitler hat den Krieg intern Ende 1941 verloren gegeben, als der Vorstoss vor Moskau zurückgeschlagen wurde.
          Noch Mitte 1941 haben aber selbst Amerikaner und Briten geglaubt, dass die Sowjetunion bald besiegt wäre, und dass sich ein Bündnis gar nicht mehr lohnen würde.
          Die Deutschen hatten den Fehler gemacht, die Erfahrungen aus dem I. Weltkrieg auf den II. zu übertragen. Allerdings waren die Russen 1941 schlauer und haben Transportmittel und Schienen zerstört, mit denen die Wehrmacht schon fest kalkuliert hatte.
          Die Deutschen hatten auch den Winterkrieg 1939-40 zwischen Finnland und Russland beobachtet, in dem die Sowjets ein sehr schlechtes Bild abgaben. Sie gingen davon aus, dass das beim deutschen Feldzug ähnlich sein würde.

          Über 80 % der deutschen Soldaten wurden durch sowjetische Truppen getötet. Bei entsprechend hohen russischen Opfern. Als das Kartenhaus schon fast eingestürzt war, haben die Westalliierten noch den Rest erledigt.
          Sie haben aber durch die Zerstörung der dt. Luftwaffe und der Hydrierwerke den Krieg um Monate verkürzt.

          An der “Säuberung” der Roten Armee durch Stalin waren übrigens die Deutschen Schuld. Diese hatten Stalin mit gefälschten Dokumenten eine Zusammenarbeit seiner Offiziere mit dem deutschen Geheimdienst vorgetäuscht.

          • will williamson sagt:

            Valentin Falin hat die Meinung vertreten, der WK2 hätte schon 1943 zu Ende sein können, wenn die Allierten 1942 eine zweite Front eröffnet hätten. Churchill sei aber dagegen gewesen, weil er wollte, dass die Russen durch den Kampf mit den Deutschen geschwächt wurden.

          • Walter Bernstein sagt:

            Will Williamson:
            Das würde ich Churchill zutrauen.
            Er sagte nach dem Kriegsende: “Wir haben das falsche Schwein geschlachtet.”

            Ich bin sicher, dass der Krieg Mitte 1943 entschieden war (Scheitern von “Unternehmen Zitadelle”).
            Realistisch betrachtet war es schon mit dem Kriegseintritt der USA Ende 1941 vorbei. Von da an war es nur eine Frage der Zeit, bis die US-Wirtschaft auf Kriegsproduktion umgerüstet war.
            1942 hatten die USA aber noch die Befürchtung, dass kriegserfahrene japanische Truppen die USA besetzen könnten, und deutsche U-Boote operierten sogar erfolgreich im Golf von Mexiko.
            Die US Army war zu dieser Zeit noch sehr klein und kaum trainiert.

          • seebueb sagt:

            @Bernstein
            “Realistisch betrachtet….”

            Im Nachhinein ist man immer klüger.

          • Ueli sagt:

            @Bernstein
            1940 bewilligt der Kongress einen Verteidigungsetat von “erst” 1498 Millionen Dollar – bei einem Gesamtbudget der Regierung von 9`055 Millionen Dollar sind dies immerhin 16.5%. Doch nun schiessen auch die Zahlen von Jahr zu Jahr immer höher, sodass 1945 der Verteidigungsetat 81`277 Millionen Dollar beträgt – bei einem Gesamtbudget der Regierung von 98`303 Millionen Dollar sind dies 82.7% (!).

  6. Dirk K. sagt:

    Nichtsdestotrotz war die Zeit solange Bretton Woods währte eine gute Zeit für den Kapitalismus. Es war die Zeit der Wirtschaftswunder und wesentlich frei von wirtschaftlichen Krisen. Was man von der Zeit danach mit frei floatenden Währungen nicht gerade behaupten kann. Den Mythos Bretton Woods darf man gerne etwas entzaubern, aber wenn sich Keynes mit seinen Bancor durchgesetzt hätte wäre die wahrscheinllich noch länger gut gegangen

    • Ueli sagt:

      Ja – ein “Wirtschaftswunder”, welches auf 60 Millionen Toten und einem zerstörten Kontinent basierte. Man wünscht sich eine Wiederholung – Zynismus off.

      • Walter Bernstein sagt:

        Trotz allem Leid und Elend – erst die Aufbruchstimmung nach dem Krieg hat den Wirtschaftsaufschwung der 50er, 60er möglich gemacht.
        In Deutschland mussten z. B. viele Städte wieder aufgebaut und Wohnungen für die Ostvertriebenen erstellt werden, was die Bauwirtschaft extrem begünstigt hat.
        In diesem langanhaltenden Aufschwung wurden die Grundlagen für unseren heutigen Wohlstand gelegt.

    • Manfred Grieshaber sagt:

      Das Wirtschaftswunder ist eine schöne Geschichte für den Stammtisch.
      Bis einen Tag vor der Währungsreform 1948 gab es kaum etwas zu kaufen, am ersten Tag der neuen D-Mark waren die Geschäfte bumsvoll mit Waren.
      Sehr viele Industrielle hatten sich durch Rüstungsgeschäfte im III. Reich eine goldene Nase verdient und einen großen Teil der Gewinne in harte Devisen oder ausl. Immobilien investiert. Auch zahlten alliierte Firmen während des ganzen Krieges weiter Lizenzgebühren an D-Firmen, allerdings auf Sperrkonten die aber nach 1945 schnell wieder verfügbar waren.
      Sehr viele Unternehmen kauften während der NS-Zeit “arisierte” Firmen (ehemals jüdische Fabriken die durch die Nazis enteignet wurden) und das oft für weniger als 1/10 ihres realen Wertes.
      Gerade die USA stoppten noch vor 1947 Beschlagnahme / Enteignung von durch NS-Beziehungen erlangten Investitionsgüter oder Vermögenswerte. Ab 1950 standen viele Milliarden an Investitionskapital zur Verfügung.
      Selbst schwer belastete Industrielle wie Krupp erhielten bald ihr gesamtes Vermögen und ihre Industrien zurück.
      Das mit der “Stunde Null” ist von A bis Z ein Märchen.

      • Ueli sagt:

        @Manfred Grieshaber
        Dem ist nix hinzuzufügen. Eine beschämende, geradezu ekelhafte Klasse von Raubrittern und Kriegsgewinnlern verdiente sich auf beiden Seiten dumm und dämlich am grossen Abschlachten. Dieselben Kreise haben Hitler und Stalin an die Macht geputscht (Hitler kostete nach heutigen Schätzungen anscheinend 1.5 Milliarden Mark) – um dann später mit diesen Monstern so richtig Kasse zu machen. Die Bevölkerung hat es freilich bis heute nicht bemerkt – und glaubt weiterhin ans Märchen von “Gut gegen Böse”.

        • Linus Huber sagt:

          Darum traue den Regierungen und lasset sie Euch so wohlig angenehm infantilisieren, denn sie wurde ja von Ihnen gewählt und hegt einzig Ihr Wohl zu fördern, denn heute sind die Politiker und Bürokraten auf wunderbare Weise so ungemein unabhängig vom Einfluss der korrupten Elite.

      • Walter Bernstein sagt:

        Manfred Grieshaber:
        Nachdem der “Morgenthau-Plan” nicht umgesetzt wurde, taten Amerikaner und Briten alles, um Deutschland zu stärken und als Puffer zum entstehenden Ostblock auszubauen. 1948 machten auch die Franzosen mit.
        Nach Moral und Verantwortung fragte keiner mehr.

        Ich kannte selbst einen Unternehmer, der nach dem Krieg seinen Betrieb mit vergrabenen Goldmünzen wieder zum Laufen brachte. Die meisten Geschäftskontakte und Konzepte waren ja noch vorhanden, und das Wohlwollen der Besatzungsmacht war ihm sicher.

        Aber auch die meisten Beamten und NS-Juristen machten nach dem Krieg einfach weiter. Wie sagte Konrad Adenauer dazu? “Man schüttet kein schmutziges Wasser weg, solange man kein sauberes hat.”.

        Die Blöden waren wie immer die einfachen Menschen.

  7. Walter Bernstein sagt:

    Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei den anderen Forumsteilnehmern zu entschuldigen 🙂
    Manchmal geht es heiss her, und die Antworten sind zugespitzt. Das verleiht den Beiträgen auch eine gewisse Würze.
    Wir alle versuchen dabei, fair zu bleiben. Ich hoffe, dass mir das in den allermeisten Fällen gelingt.
    Alles andere ist nicht beabsichtigt!

  8. Walter Bernstein sagt:

    Evtl. gibt es noch zwei Lehren aus Bretton Woods:
    Ein System fester Wechselkurse funktioniert nur, wenn die Teilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen, und solange sich die Volkswirtschaften nicht zu stark auseinander entwickeln.
    Wenn dann die wichtigsten Spieler keinen Sinn mehr für sich erkennen, ist das Projekt gescheitert.
    Eine andere Lektion ist, dass auch ein starres Währungssystem problemlos wieder abgeschafft werden kann. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – alles eine Frage des politischen Willens.

  9. Würde Sie gern im Zusammenhang mit Bretton Woods auf ein Buch hinweisen, das demnächst erscheint:

    Ernst Wolff: “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs”

    Auf der Homepage des Tectum-Verlages gibt es eine Leseprobe.

    Beste Grüße

    S.F.

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