Welchen Namen geben wir der Krise?

Vor ziemlich genau sieben Jahren begann die Finanzkrise. Vielleicht erinnern Sie sich. Im Juli 2007 gingen alle einigermassen sorglos in die Ferien, ein paar Wochen später warnte die UBS plötzlich vor schwierigen Marktbedingungen. Im Oktober 2007 teilte die Grossbank schliesslich mit, dass sie wegen der US-Hypothekarkrise vier Milliarden Franken abschreiben müsse.

Obwohl der Ausbruch der Krise schon ziemlich weit zurückliegt, gibt es noch immer keinen passenden Namen. Es existieren ein paar Vorschläge, aber keiner will so recht einleuchten.

Hier eine kleine Liste:

  • Der IWF spricht von der Global Financial Crisis (GFC). Das mag passend sein, verwischt aber die Tatsache, dass der Ursprung der Krise in den USA war. Natürlich waren dabei auch ausländische Banken involviert, ebenso sollten die Ungleichgewichte der Zahlungsbilanzen nicht ausser Acht gelassen werden. Aber es gibt eine klare Verantwortung der US-Behörden, die unter dem Begriff GFC nicht mehr sichtbar ist.
  • Bei Wikipedia dominiert der Ausdruck «Great Recession» – in Anlehnung an die Krise der 1930er-Jahre, die als «Great Depression» in die Geschichtsbücher Eingang gefunden hat. Hier liegt die Betonung auf den verheerenden realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise. Ein Nachteil des Ausdrucks «Great Recession» ist jedoch, dass der Begriff bereits für die 1970er-Jahre verwendet wird und am Charakter der Krise vorbeizielt. Es ist eben gerade nicht eine Rezession, sondern eine Art Depression.
  • Einige Ökonomen haben deshalb vorgeschlagen, von der «Lesser Depression» zu sprechen. Dieser Begriff ist aber zu wenig elegant, er wird sich kaum durchsetzen.
  • In der ökonomischen Literatur liest man öfters den Begriff «The crisis of 2007–2009». Das klingt ausgewogen, verrät aber auch eine gewisse Ratlosigkeit. Weil es eben keinen gängigen Begriff gibt, weicht man auf einen neutralen Begriff aus. Für die wissenschaftliche Diskussion geht das in Ordnung, aber nicht für die Medien oder die Politik.

Wahrscheinlich ist es einfach zu früh für eine begriffliche Klärung. Wir befinden uns immer noch im Krisenmodus und wissen nicht recht, wie das Ganze ausgehen wird. Oder haben Sie vielleicht eine passende Bezeichnung für den Ausnahmezustand der letzten sieben Jahre?