Die wundersame Erholung Islands

Never Mind The Markets

Aufschwung im Land der Geysire: Islands Wirtschaft geht es prächtig. (Foto: Keystone)

Irland und die südeuropäischen Länder sind immer noch in einer schwierigen Situation. Es geht zwar nicht mehr abwärts, aber der Aufschwung verläuft sehr langsam. Es handelt sich bei der Eurokrise eben nicht um eine normale Rezession, die eines Tages zu Ende geht und dann von einem stürmischen Aufschwung abgelöst wird. Die neusten Zahlen bestätigen dies einmal mehr (Quelle: Eurostat, 15. Mai 2014).

Die Gründe für die schwache Erholung der Eurozone sind bekannt: hohe Staatsschulden, hohe private Verschuldung, beschädigtes Bankensystem und ein hoher realer Wechselkurs. Zudem ist die Inflation sehr niedrig, was den Schuldenabbau erschwert. Viele Beobachter erwarten deshalb, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni eine expansive Geldpolitik starten wird. Das mag sein. Eine andere Frage ist, ob ein Kurswechsel wirklich durchführbar ist und grosse Wirkungen hat.

Unbestreitbar ist, dass der Verlust einer eigenständigen Geld- und Währungspolitik in Irland und Südeuropa grossen Schaden angerichtet hat. Vielleicht wird man dereinst zum Schluss kommen, dass das übergeordnete Ziel der europäischen Einigung diesen temporären Schaden gerechtfertigt hat. Aber zum jetzigen Zeitpunkt sieht die Bilanz überwiegend negativ aus.

Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man Südeuropa mit Island vergleicht. Das Land hat eine grosse Finanzkrise zu verdauen – ähnlich wie Irland und Spanien. Doch seit drei Jahren geht es wieder stetig aufwärts. Von 2011 bis 2013 wuchs das reale Bruttoinlandprodukt jährlich zwischen 2 und 2,5 Prozent, wie die Grafik zeigt.

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Die Arbeitslosigkeit beträgt heute etwa 5 Prozent, in Spanien offiziell 20 Prozent, in Irland über 10 Prozent. Selbst die optimistische EU-Kommission geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit nur langsam zurückgehen wird.

Wie war das möglich? Ganz einfach: Die isländische Krone wertete um mehr als 30 Prozent ab, und die Zentralbank konnte die Banken schnell mit Liquidität versorgen.

Ein zweites Element waren die beiden Volksentscheide, die verhinderten, dass der isländische Staat die ausländischen Bankkunden vollständig entschädigen musste, während Irland von der EU dazu gezwungen wurde und seither mit einer hohe Staatsverschuldung beladen ist.

Was das ökonomische Lehrbuch voraussagt, hat sich voll bewahrheitet: Eine unabhängige Geld- und Währungspolitik ist in Krisenfällen Gold wert. Irland und Südeuropa würde es heute viel besser gehen, wenn sie dieses Instrument immer noch in den Händen hätten.