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Der Piketty-Schock für die USA

Markus Diem Meier am Mittwoch den 7. Mai 2014
Never Mind The Markets

Ist in Amerika derzeit das dominierende Thema: Das Buch des französischen Ökonomen Thomas Piketty, hier in seinem Pariser Büro. Foto: Reuters

Ausländische Ökonomen werden in den USA selten beachtet. Das Buch des Franzosen Thomas Piketty jedoch hat dort eingeschlagen wie eine Bombe. Es stellt das Grundverständnis der amerikanischen Gesellschaft in Frage.

Kurz nach der Veröffentlichung der englischsprachigen Ausgabe von «Capital in the Twenty-First Century» des französischen Ökonomen Thomas Piketty war das Buch zweimal Thema auf diesem Blog (hier und hier) und hat grosses Interesse geweckt. Gemeinsam mit Rita Flubacher konnten wir mit dem Ökonomen auch schon ein Interview führen.

Mittlerweile schreibt die halbe Welt über die von ihm nachgezeichnete Entwicklung der Vermögens- und Einkommensverteilung und über seine Schlüsse daraus. Selbst die jüngste Ausgabe des Magazins «Spiegel» widmet dem Thema die Titelgeschichte. Der britische «Economist» geht in mittlerweile drei Artikeln auf das Buch ein , einer ist ebenfalls «Leader» der jüngsten Ausgabe und landauf landab berichten Zeitungen, Magazine, Radio- und Fernsehstationen über Thomas Piketty und sein Buch. Der Mann ist zum Rockstar der Ökonomie avanciert.

Aber die Reaktionen in Europa sind nichts im Vergleich zu dem, wie das Buch in den USA eingeschlagen hat. Nicht nur in Ökonomenkreisen ist es das dominierende Thema, das Buch selbst hat sich bei Amazon.com zum absoluten Bestseller gemausert, so dass es dort zwischenzeitlich ausverkauft war. Das kommt bei einem Buch eines Ökonomen nur selten vor; in den USA schon gar nicht, wenn er aus dem Ausland stammt.

Das Interesse, dass das Buch auslöst, lässt sich am besten mit dem so genannten «Tunnel-Effekt» beschreiben – einem Vergleich, der auf den grossen Entwicklungs-Ökonomen Albert O. Hirschmann zurückgeht: Warten Menschen im Tunnel im Auto in einem Stau und beginnt die Kolonne neben ihnen langsam wieder anzurollen, weckt das anfänglich vor allem die freudige Erwartung, bald ebenfalls aus dem Tunnel fahren zu können. Stellt sich dann nach einiger Zeit allerdings heraus, dass nur die Kolonne nebenan rollt und der Stau auf der eigenen Spur bestehen bleibt, schlägt die Vorfreude in Enttäuschung um und zunehmend in ein Gefühl, betrogen worden zu sein und damit auch in Wut.

Die Akzeptanz grosser Ungleichheiten lässt sich mit der Hoffnung im Stau vergleichen, bald ebenfalls von den besseren Bedingungen zu profitieren. Das hat für die USA eine noch viel grössere Bedeutung als für Europa. Die Ablehnung der Amerikaner gegen jede Art Gleichmacherei beruht vor allem darauf, dass die Ungleichheit dort als Ausdruck für die Aufstiegschancen gesehen wird, die grundsätzlich allen offenstehen. Wer entsprechende Leistungen erbringt, Glück hat oder innovativ ist, der kann es ebenfalls an die Spitze der Einkommenshierarchie schaffen, so die Überzeugung

Diese optimistische Einschätzung stellt nun Thomas Piketty anhand der folgenden  Beobachtungen und Überlegungen in Frage:

  • Der Anteil der Bestverdienenden an den Gesamteinkommen ist in den USA seit den 1980er Jahren dramatisch angestiegen. Die Grafik unten zeigt den prozentualen Anteil an den Gesamteinkommen, den die 10 Prozent Bestverdienenden in jedem Jahr eingeheimst haben. In den 2000er Jahren kletterte dieser Anteil auf beinahe 50 Prozent und damit auf das Fünffache der Durchschnittseinkommen. Auch in Europa ist der Anteil der 10-Prozent Bestverdienenden gestiegen, aber nicht in einem vergleichbaren Ausmass wie in den USA:

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  • Der oben gezeigte Anstieg des Einkommensanteils des reichsten Zehntels in den USA verdankt sich genau besehen vor allem der Zunahme beim reichsten Hundertstel, was Piketty mit der folgenden Grafik tut. Sie verdeutlicht gemessen an den schwarzen Dreiecken den Einkommensanteil des bestverdienendsten Prozents pro Jahr. 2010 lag hier der Anteil an den gesamten Einkommen bei rund 20 Prozent, womit er dem 20-fachen des Durchschnittseinkommens entsprach. Noch in den 1970er Jahren lag dessen Anteil bei unter 10 Prozent. In diesen Einkommen sind Kapitalgewinne und -verluste mit eingerechnet. Daraus resultieren die deutlichen Ausschläge beim reichsten Prozent.

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  • Gemäss ökonomischer Theorie sollte die Arbeit in funktionierenden Märkten entsprechend ihrer Grenzproduktivität entlöhnt werden, also entsprechend dem zusätzlichen Wert den sie schafft. Wie Piketty festhält, geht der sehr starke Anstieg des Anteils der Topeinkommen zum grössten Teil auf die Löhne für Topmanager in den USA zurück. Doch spricht nichts dafür , dass die Leistungsfähigkeit dieser Manager in den letzten dreissig Jahren im gleichen Ausmass zugenommen hat, wie diese Lohnsummen. Ansonsten müsste sich das in einer entsprechend höheren Leistung der US-Wirtschaft niederschlagen oder in einer parallelen Entwicklung in anderen Ländern, da dort grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten gegeben sein müssten. Die Erklärung von Piketty für den Lohnanstieg ist so simpel wie nachvollziehbar. In aller Kürze: Die Topmanager zahlen sich die höheren Löhne aus, weil sie die Macht dazu haben.
  • Das Hauptthema von Pikettys Buch sind nicht die Einkommen, sondern die Vermögen. Der Anteil der Vermögen in den Händen der Reichsten ist mittlerweile in den USA grösser als in Europa. Die reichsten 10 Prozent Amerikaner besitzen 70 Prozent aller Vermögen, das reichste Prozent 35 Prozent aller Vermögen. In Europa besitzen die reichsten 10 Prozent 60 Prozent aller Vermögen und das reichste Prozent 25 Prozent. Vermögen zementieren die ökonomischen und indirekt politischen Machtverhältnisse besonders stark, da sie noch weit weniger als die Einkommen an die Leistungsfähigkeit der Personen gebunden sind und vererbt werden.
  • Die Bedeutung der Vermögen zeigt sich auch in den USA daran, dass die allerhöchsten Einkommen  hauptsächlich aus Vermögen resultieren und nicht aus Arbeit. Die untenstehende Grafik zeigt die Anteile von Kapital- und Arbeitseinkommen der bestverdienenden 10 Prozent, wobei das bestverdienende Prozent bis auf den bestverdienenden Zehntausendstel (99.99 -100) der Bevölkerung aufgeschlüsselt wird. Dieser bezieht rund 70 Prozent seines Einkommens aus Vermögen.

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  • Wie Piketty schreibt, tendiert der sehr viel höhere Einkommensanteil der Bestverdienenden dazu, sich in einer noch grösseren Vermögenskonzentration niederzuschlagen. Die heutigen Topeinkommen werden nicht vollständig ausgegeben und werden als Ersparnisse zu Vermögen.
  • Wie die Untersuchung des Ökonomen weiter zeigt, ist die soziale Mobilität in der US-Gesellschaft gering. Das heisst, dass es nicht immer wieder andere sind, die es zu hohen Einkommen und hohen Vermögen schaffen.
  • Ein Weg zu solcher Mobilität zumindest bei den Einkommen wäre der Zugang zu höherer Bildung. Piketty verweist in diesem Zusammenhang auf die Arbeit der Ökonomen Claudia Goldin und Lawrence Katz, die einerseits die Bedeutung der höheren Bildung für die Einkommen gezeigt haben, gleichzeitig aber auch, dass sich Abkömmlinge mittlerer und tiefer Einkommen den Zugang an die Topuniversitäten nicht mehr leisten können. Piketty verweist allerdings darauf, dass die höhere Bildung zwar für den Aufstieg in die bestverdienenden 10 Prozent von Bedeutung sei, nicht aber für den Aufstieg in die allerhöchsten Einkommens- und Vermögensklassen.
  • Wie schon im ersten Beitrag zu Pikettys Buch beschrieben, ist für den Ökonomen der Umstand von grösster Bedeutung, dass die Renditen auf den Vermögen (wie schon im 19. Jahrhundert und früher) künftig wohl höher liegen werden als das Wirtschaftswachstum. Das hat zur Folge, dass die Konzentration des Vermögensbesitzes sich laufend verschärft. Wie Piketty zeigt, lassen sich zudem mit besonders hohen Vermögen deutlich höhere Renditen (in Prozent des Vermögens) erzielen, als mit kleineren. Das verschärft die Vermögenskonzentration weiter.

Thomas Piketty hat mit seinem Buch und den Daten, die er und seine Kollegen in einem noch nie dagewesenen Ausmass aus Steuerdaten in der so genannten World Top Income Database zusammengetragen und ausgewertet haben, das Selbstverständnis der amerikanischen Gesellschaft erschüttert. Dieses baut darauf auf, dass bei aller Ungleichheit in den Ergebnissen die Grundbedingungen allen den Aufstieg ermöglichen und dass es keine kleine Klasse geben kann und darf, die sich ökonomisch (und in der Konsequenz auch politisch) von der übrigen Bevölkerung vollkommen und nachhaltig distanzieren kann.

Das Schreckensbeispiel einer solchen Gesellschaft war für die USA das alte kontinentale Europa, wie es sich noch bis vor dem ersten Weltkrieg weitgehend präsentiert hat. Wie Piketty eindrücklich beschreibt, war das dann der Grund weshalb die USA – heute kaum mehr vorstellbar – exorbitant hohe Einkommenssteuern eingeführt hat; mit Grenzsteuersätzen von mehr als 90 Prozent. Die erste der folgenden Grafiken zeigt die maximalen Einkommenssteuersätze, die zweite die Maximalsätze für die Erbschaftssteuer in den USA, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich:

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Bei solch hohen Sätzen ging es nicht um höhere Steuereinnahmen. Ziel war die Verhinderung exorbitant hoher Unterschiede. Es bestand die Sorge, wie Europa zu werden. Die Ironie der Geschichte besteht darin, dass die USA heute in dieser Beziehung bereits mehr dem alten Europa gleichen als es die Europäer selber tun. Kein Wunder schlägt Pikettys Buch in den USA ein wie eine Bombe.

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137 Kommentare zu “Der Piketty-Schock für die USA”

  1. Ben Zibble sagt:

    Auf der Seite Real-World Economics Review Blog unter der URL http://rwer.wordpress.com/ ist heute ein Artikel mit folgender Kopfzeile zu finden;
    .
    Where to stash the cash? How tax havens distort incentives, economic statistics and Eurozone policies ;

    Hier der erste Paragraph;

    “… In 1602 Johan van Oldenbarnevelt brokered and chartered the Dutch ‘United East India Company’ (VOC), the first listed multinational which in the next two centuries would change the course of history. It was not by deliberate intention that this company survived for centuries. The original idea was to liquidate it after about two decades, to retrieve the invested money. The very fact that the shares were listed, however, meant that the original investors were able to get their money back without liquidating the company. This possibility may, however, not suffice anymore for present day investors who use recent legislation in combination with financial wizardry to suck existing companies dry with, as argued by Ernst Labruyere on this blog, detrimental effects to society….”
    .
    Steueroasen und Shareholdervalue in Frage stellen? Welche wunder bare Frage und so kann man als Standardbürger mit eiern allenfalls guten Nase für Oekonomie doch noch hoffen das ein paar reale Krümel vom Tisch fallen anstatt nur trockene Versprechungen.

    Unabhänig von diesem Thema immer ein lesenswerter Blog…

  2. Josef Anton sagt:

    Eine alternative Analyse

    It is a sign of the times that a 700-page book by an obscure French economist turns out to be a surprise best-seller. Thomas Piketty has been feted by heavyweight Nobel prize-winning economists, such as Paul Krugman, Robert Stiglitz and Robert Solow. These names give us a clue to his thesis, that capitalism is responsible for inequality and this must be corrected by governments through 80% marginal income tax on high earners and a global tax on wealth.

    http://www.goldmoney.com/research/analysis/inequality-and-piketty#

  3. Wenn die Ökonomie eine empirische Wissenschaft wäre, statt einer rein halb-logisch deduktiven Theologie, wäre die Sachlage eindeutig: grosse und wachsende Ungleichheit ist schädlich für die Wirtschaft. Dass sie sozialen Sprengstoff liefert, ist darin noch nicht einmal eingeschlossen. Ich frage immer: Wozu haben wir einen Sozialstaat? Antwort: Für die Reichen! Der Sozialstaat verhindert nämlich, dass Ungleichheit jenes Niveau erreicht, dass das Volk die Eliten hinter ihren Mahagony-Schreibtischen hervorzerrt und sie an Laternenpfählen aufknüpft.

    Serialisiert wegen idiotischen Blogsystems.

    • Wieso schädlich?

      1. Die Akkumulation der Einkommen und Vermögen bei den Eliten entzieht der Volkswirtschaft Kaufkraft, da diese jene Gelder nicht verkonsumieren, sondern horten. Eine Anlage in Aktien ist keine Investition, da dadurch weder Investitionsgüter noch Produkte finanziert werden. Beim Aktienkauf fliesst kein einziger Rappen zur Firma. Wenn also ein Ökonom sagt, S = I, Savings = Investments, dann lügt er auch hier. Tatsächlich ist S = I + H, H = Hoardings.

      • Anh Toan sagt:

        Also wenn ich einen Coiffeurladen als Einzelfirma erölffne, ist es eine Investition

        Mache ich das als AG, ist es keine?

        Wenn ich in Rente gehe, und ein Nachfolger kauft meinen Salon, ist es eine Investition, wenn er es als Einzelfirma macht, nicht aber wenn er meine AG kauft?

        Aktien sind nur ein standardisierter Gesellschaftsvertrag, nicht der Inmbegriff von Hoarding

        • Ich sagte “kaufen”.

        • Hmmm….

          Sie meinen also, wenn ich 10t Sand kaufe, um ihn einzulagern (horten) statt ihn zu verbauen (investieren), ist es dennoch eine Investition solange irgendwann, irgendwer ihn verbaut, dann muss ich ihnen recht geben. Irgendwie beteilige ich mich transitiv (sehr sehr sehr sehr viele Schritte) beim Kauf einer Nestle-Aktie an der Gründung der Firma Nestle. Dann ist natürlich alles irgendwie eine Investition, auch wenn ich morgends etwas esse oder meine Schuhe zubinde. Wenn allerdings ein Wort alles umfasst, beschreibt es irgendwie gar nichts. Daher versteht der Volksmund und, ich glaube zu wissen, auch die Ökonomie unter einer Investition den Einsatz von Kapital zur Steigerung der Produktivität. Daher wird wohl auch sprachlich zwischen IPO und Börsenhandel unterschieden.

          In diesem Sinne ist ein Aktienkauf keine Investition, da die Gebühr der Firma kein Kapital zuführt, das sie produktivitätssteigernd verwenden könnte, und auch der Kauf oder Übernahme einer Firma jedwelcher Rechtsform ist dann keine Investition.

          • urs lehmann sagt:

            BIP = Konsum + Investitionen
            BIP = Konsum + Sparen

            Konfi und Turnschuhe dürften zum Konsum zählen. Ich mag mich täuschen, aber so wie ich die VWL verstehe, ist der Sandproduzent derjenige, der die Investition in den Sand getätigt hat, sein Aufwand/Kosten. Sie (und allfällige weitere Käufer in der Kette) “tauschen” den Sand gegen Ersparnisse. Analog ist es mit dem AK, Sie “tauschen” Ihre Ersparnisse gegen Aktien, nicht Sie sind der Investierer sondern das Unternehmen. Ebenso, was umgangssprachlich als investieren bezeichnet wird (“ich investiere in Aktien”) müsste volkswirtschaftlich gesehen bloss ein Tausch von Aktiven sein.

            IPO (Initial Public Offering) sagt bloss, dass die Aktien erstmalig dem breiten Publikum angeboten werden, mit (de facto) gleichzeitiger Börsenkotierung dieser angebotenen Aktien (die übrigen können ebenfalls kotiert werden, muss aber nicht). Oft stammt ein Teil der neu kotierten (an der Börse XY für den Handel registrierten) Aktien aus einer Kapitalerhöhung, aber nicht immer und somit nicht zwingend (Teil-Korrelation ja, Kausalität nein).

            Viele Unternehmen führen im Laufe ihrer Entwicklung AK-Erhöhungen durch, wie auch AK-Rückkäufe bspw zwecks AK-Reduktion. Das AK ist alles andere als statisch, bspw werden für die Aufkapitalisierung der Banken teilweise AK-Erhöhungen benutzt.

            Anmerkung:
            AK meint hier umfassend Aktienkapital, Dotationskapital, Partizipationskapital, etc

      • Josef Marti sagt:

        Das ist aus gesamtwirtschaftlicher Sicht etwas spitzfindig. Die Investition findet ja vorher statt bevor ein Handwechsel von Sachwerten oder Titeln stattfinden kann. Die Werte sind bereits vorhanden und beim Handwechsel findet einfach ein Wechsel in der Gläubigerstellung im Finanzsystem statt.

        • Anh Toan sagt:

          Der Verkäufer devestiert, der Käufer investiert.

          Aus Gesamtwirtschaftlicher Sicht aber war die Investition schon vorher, Investition und Ersparnisse sind eine Identität:

          Erhalte ich Lohn auf mein Bankkonto, “investiere” ich in Bankguthaben, kaufe ich Aktien, devestiere ich Bankguthaben und investiere in eine Firma, der Verkäufer devestiert aus Firma und investiert in Bankguthaben.

          Ich weiss nicht, ob das so stimmt, habe Mühe mit den gesamtwirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen Ersparnis, bzw. Investitionsbegriff, aber so verstehe ich zumindest @Baer.

      • Sie liegen mit Ihrer Gleichung fast richtig. Nur handelt es sich bei dieser Identität immer um eine ex post Identität. Erst erfolgt die Investition und als Folge gibt es bei erfolgreicher Investition auch eine Ersparnis. Da die Summe aller Geldvermögen immer Null ist, bildet sich der Ersparnis auf der Aktivseite im Anlagevermögen und im ungeplanten Lageraufbau. Auf der Passivseite verändert sich das Eigenkapital. Somit gilt: Aus I => S und S enthält einen Teil des ungeplanten Lageraufbaus, dessen Ursache in einer zunehmenden Geldvermögenskonzentration liegt. Es ist Ihr H, das für den Lageraufbau verantwortlich ist. Gibt es davon zu viel, beginnt die deflationäre Schrumpfungskur und aus der schönen Wachstumsspirale wirkt eine destruktive Degenerationsspirale. Darauf warten die Geldhorter; denn sind die Preise ganz weit unten (when there is blood in the streets), dann werden sie ein zweites Mal belohnt und der Vermögenskonzentrationsprozess nähert sich dem revolutionären Finale.

        • Sie haben da einen ausgezeichneten Blog. Ihre Bemerkung, wonach “viele Ökonomen nicht so recht wissen, was Geld eigentlich ist” lese/höre ich nun zum zweiten Mal (das erste mal in einem Video der positive money Bewegung). Unglaublich, dass wir unsere Wirtschaft, von der immerhin unser aller Wohlergehen abhängt, aufgrund einer Wissenschaft umgebaut und reformiert haben, die so etwas Grundlegendes wie Geld nicht versteht….

    • 2. Die Akkumulation durch Eliten geschieht nicht aufgrund eigener Leistung, speziell im Falle von CEOs, sondern aufgrund eines Kartells, bzw — steuerbefreiter — Erträge aus Kapitalien. Wer hat (auch connections), dem wird gegeben. Diese Akkumulation widerspricht daher dem Leistungsprinzip, aufgrund dessen doch Gott (Markt) jedem einzelnen die ihm zustehenden Erträge zuteilt. Nicht Leistung wird belohnt, sondern Position und Vermögen. Der Anreiz, zu leisten, fällt daher dahin.

    • 3. “Keine Umverteilung” gibt es nicht. Entweder wird nach oben, oder nach unten umverteilt. Bildlich gesprochen gibt es auf der Skala von unendlichen Möglichkeiten nur einen einzigen Punkt, an dem nicht umverteilt wird. Ein Nanometer rechts und links davon wird umverteilt, und da die Umverteilung nach oben System-immanent ist, da die Waagschale dort schwerer ist, muss aktiv gegengesteuert, d.h. aktiv nach unten umverteilt werden.

    • (Den hier gelöschten Paragraphen bringe ich nicht durch das Blogsystem)

      Es muss doch einen Grund geben, weshalb die Wirtschaft im Markt-Liberalismus von Krise zu Krise torkelt und nie auch nur vergleichbare Wachstumsraten erzielt hat, wie unter der Zeit der Sozialen Marktwirtschaft davor. Es gibt gute empirische Indizien, dass der Grund dafür ist, dass der Markt-Liberalismus eine auf falscher Ökonomie basierende falsche Wirtschaftspolitik ist.

      Beenden wir den Unsinn!

    • Josef Anton sagt:

      “dass das Volk die Eliten hinter ihren Mahagony-Schreibtischen hervorzerrt und sie an Laternenpfählen aufknüpft”

      Der Unterschied zwischen einer Einzelfirma und z.B. einer Aktiengesellschaft liegt darin, dass im Falle der Einzelfirma der Besitzer persönlich haftet und seine persönliche Zukunft aufs Spiel setzt, wenn er sich verzockt. Im Falle einer Aktiengesellschaft, welche übrigens vor dem Gesetz gleich einer Person betrachtet wird, liegt der Unterschied darin, dass man diese nicht verhaften kann, dass die Entscheidungsträger persönlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden können (ausser in Extremfällen), dass z.B. mögliche Bussen sogar schon in der Kostenkalkulation berücksichtigt werden etc. Diese Umstände resultieren in einem risikofreudigerem Verhalten der de facto immunen Entscheidungsträger. Job-Verlust ist höchstens ein Gesichtsverlust gegenüber etwelchen Leuten, welche eh nicht zu ihrem Freundeskreis zählen; also nicht wirklich eine angemessene Konsequenz angesichts der oft massiven Schäden.

      • Josef Marti sagt:

        Darum heisst sie wahrscheinlich auch “société anonyme”, damit man das Risiko und den schwarzen Peter incognito den Gesellschaftsgläubigern überwälzen kann. Man muss nicht mal unbedingt selbst Geld in die Hand nehmen (das man beim Konkurs verlieren könnte) um die AG zu gründen; man kauft besser billig einen Aktienmantel; und kann dann später noch jammern über die Doppelbsteuerung von Gesellschaftsgewinn und Ausschüttung beim Aktionär.

        • Anh Toan sagt:

          Wenn man einen Mantel kauft, kostet der nur nichts, bzw CHF 1.00, weil das Aktienkapital nicht auf dem Bankkonto der Gesellschaft liegt, sondern als Darlehen an den Gesellschafter verbucht ist. Spätestens im Konkursfall wird dieses Darlehen vom Konkursverwalter einverlangt. Sollte das Kapital durch frühere Verluste aufgebraucht sein, hilft ein Darlehen an die Gesellschaft im Umfang der Bilanzunterdeckung, sofern der Gesellschafter mit diesem Darlehen gegenüber allen anderen Gläubigern im Rang zurück tritt, für den Konkursfall.

          Ausserdem ist dies nur legal, solange der Gesellschafter zahlungsfähig und zahlungswillig ist, und das Darlehen angemessen verzinst wird. (Vgl Merkblat der Eidg. Steuerverwaltung zu Zinssätzen für Nahestehende, Revisionshandbuch usw usw.)

          Und eigentlich gibts schon länger keine “anonymen” Gesellschaften mehr, auch wenn diese so heissen, da der wirtschaftlich Berechtigte gegenüber der Bank offengelegt werden muss, und ohne Bankkonto kaum Geschäfte gemacht werden können. (Manche, nicht ich, würden sagen, wegen der pösen Bürokraten)

          • Josef Marti sagt:

            Solche Konkurse werden immer mangels Aktiven eingestellt und die Gesellschaft im HR gelöscht (Einforderung beim über alle Berge verschwundenen Aktionär ist Theorie). Konkurs ist aber lange nicht immer zwingend; eine ausgehöhlte und in liquide Form gebrachte AG hat meistens praktisch keine Verbindlichkeiten mehr und auf der anderen Seite nur noch kumulierte Verluste und nicht zwingend ein Aktionärsdarlehen. Niemand kann ein Sanierung erzwingen, Sie wissen ja, wo kein Kläger da kein Richter, und wenn keine Drittgläubiger vorhanden sind gibts keine Kläger.
            Solche inaktiven Mäntel können jahrelang existieren und herumgeboten werden; irgendwann wenn nicht schnell genug reagiert wird, erfolgt die Löschung im HR weil die Gesellschaft wie es im Bürokratenjargon heisst “das Domizil eingebüsst” hat.

          • Anh Toan sagt:

            @Josef Marti:

            Solche Konkurse wegen mangels Aktiven eingestellt, wenn der Gesellschafter nicht zahlungsfähig ist, oder die Gläubiger zu dumm sind, dies zu merken. Das ist selten der Fall.

            Wer wirklich ohne Kapital eine juristische Person in der Schweiz verwenden will, gründet eine UK Ltd auf den Kanalinseln und trägt in der Schweiz eine Zweigniederlassung ein: Würde ich für solche Kunden arbeiten (ich wäre schön blöd, die zahlen mich eines Tages auch nicht), würde ich diesen Weg “empfehlen”.

      • Dies war der Grund, weshalb in der Steinzeit der modernen Wirtschaft ausdrücklich verboten war, mit fremdem Geld zu geschäften. Das Verbot wurde im Zuge einer jener Krisen ausgesprochen, die nach der reinen Lehre gar nicht passieren können. Die Idee war, dass die Gschäftlimacher das Risiko persönlich zu tragen hatten, statt es auf Aktionäre und Steuerzahler abzuwälzen.

        Es gibt auch jetzt wieder Debatten darüber, ob man CEOs wieder vermehrt persönlich haftbar machen sollte für die jene kriminellen Machenschaften, die sie bei ihren Goofen mit einer Tracht Prügel bestrafen würden, die sie aber bedenkenlos begehen, sobald sie die Teppichetagen ihrer Geheimgesellschaften (société anonyme) betreten.

        Der im letzten Blogbeitrag zu Adam Smith verlinkte William Ex-BIZ White hatte ja im FuW-Interview auch davon gesprochen. Wieso nicht?

        • Anh Toan sagt:

          Die Organe sind haftbar für kriminelle Machenschaften, gegnüber der Gesellschaft und gegenüber Dritten.

        • Anh Toan sagt:

          Was Sie ansprechen, ist eine Haftung der Organe für die Schulden der Gesellschaft, und dies widerspricht dem Arbeitsvertragsrecht, welches verbietet, das Unternehmensrisiko auf den Mitarbeiter abzuwälzen.

          • Josef Marti sagt:

            Eine zivilrechtliche Organhaftung gibt es trotzdem. Nur ist es in der Praxis so (siehe Swissair) dass ohne strafrechtliche Verurteilung die Chancen für eine zivilrechtliche Haftungsübernahme verschwindend klein sind.

        • Josef Anton sagt:

          Die meisten Situationen, in welchen der Begriff “Moral Hazard” Anwendung findet, ist nichts weiter als die durch ausgeklügelte Beeinflussung der Legislative und daher gesetzeskonforme Umsetzung legalisierten Diebstahls.

  4. ast sagt:

    Thja, und wenn diese (gar nicht neue) Erkenntnis des Franzosen wieder mal nach ganz Unten ankommt, dann haben wir wie auch schon die Vorlage zu einer höchst explosiven Entwicklung. Das letzte mal wo die Menschen das realisierten kam der Faschismus über Europa…

    Je später die Erkenntnis sozialer Ungleichgewichte unten erkannt wird, desto grösser die Dynamik die hierbei ausgelöst werden könnte. Ungemütlich wird es diesmal wohl auch im Schweizer Glashaus, die Steueraffären könnten der Strohhalm für US-Politiker werden um von den eigenen Versäumnissen abzulenken.

    • Josef Anton sagt:

      Sie erkennen einen Aspekt gut, nämlich das sich verändernde Bewusstsein der Gesellschaft. Das Modell der künstlichen Förderung des Konsums (Keynes) hat wohl ausgedient (nachdem sich die dadurch erzeugten Ungleichgewichte derart hoch angestiegen sind) und es Bedarf einer neuen Rechtfertigung sich nun um diese daraus resultierenden Fehlentwicklungen zu kümmern. Ein interessanter Umstand liegt darin, dass beide Ideen den weiteren Ausbau der Bürokratie mehr als rechtfertigen, sondern sozusagen als notwendig betrachten. Handelt es sich hierbei wirklich um einen Zufall?

      • Das aktuell vorherrschende ökonomische Modell heisst auf deutsch Angebotspolitik. Darin steht das Wort Angebot. Es wird eben nicht der Konsum (Nachfrage) künstlich gefördert, sondern die Angebotsseite, also Unternehmen und Kapital. Sorry, aber welchen Teil von Unternehmenssteuerreform, Steuersenkungen für Unternehmen usw verstehen Sie nicht?

        Der Keynesianismus und allenfalls demand-side economics (Soziale Marktwirtschaft) wurde in den 1980er und 90er überall von den Hochschulen und der Wirtschaftspolitik verbannt. Heute gelten Neoklassik und Markt-Liberalismus. Diese haben, und ab hier stimmt Ihre Analyse, “wohl ausgedient, nachdem sich die dadurch erzeugten Ungleichgewichte derart hoch angestiegen sind” usw. Das Verbrechen haben Sie korrekt erkannt, aber den falschen Verdächtigen verhaftet.

        • Josef Anton sagt:

          @ Ralph

          Sie unterliegen einem wichtigen aber entscheidenden Überlegungsfehler. Das Gedankengut von Keynes, dass der Staat sich mit manipulativen Eingriffen (Geld-, Finanzpolitik) in die grundlegenden Belange der wirtschaftlichen Entwicklung einmischt, wurde nicht ersetzt, sondern gewisse liberale Ideen, welche hauptsächlich dem Modell der risikolosen, ungerechtfertigten Selbstbereicherung (Moral Hazard) Hand bot, diesem bestehenden System aufgepfropft. Ausserhalb dieses spezifischen Bereiches wurde die Regulierungsdichte weiter zugunsten der Grossfirmen (Regulierung trifft den Kleinen ungleich stärker, da die administrativen Kosten einen verhältnismässig höheren Anteil am Umsatz einnehmen und der Kleine den Inhalt der Regeln nicht beeinflussen kann) massiv erhöht. Parallel dazu, wurde die Anzahl und Volumen der neugeschaffenen Regeln/Gesetze zur Bevormundung der Bevölkerung, leicht nachprüfbar, weltweit weiter vehement vorangetrieben.

          • Haben Sie Keynes gelesen?

          • Josef Anton sagt:

            Offensichtlich haben Sie sich mit seinen Theorien und deren Auswirkungen zuwenig befasst, wodurch Sie nicht in der Lage zu sein scheinen, sachbezogen zu diskutieren. ;-(

          • Ich weiss nur, dass sogar Wirtschafts-Nobel-Erinnerungspreisträger frei zugeben, Keynes nie gelesen und schon gar nicht verstanden zu haben. Mein Zweifel war also durchaus berechtigt, aber ich ziehe die Frage gerne zurück… 😉

  5. Zitat Artikel: Gemäss ökonomischer Theorie sollte die Arbeit in funktionierenden Märkten entsprechend ihrer Grenzproduktivität entlöhnt werden, also entsprechend dem zusätzlichen Wert den sie schafft.

    Die ökonomische Theorie ist falsch., denn wenn sie stimmen würde, dann müsste auf einer Baustelle der Kranführer 100% des total ausbezahlten Lohnes bekommen, da ohne den Kranführer die Arbeitsproduktivität aller übrigen Bauarbeiter gegen 0 geht. Oder will jemand behaupten, dass die andern Arbeiter eine 2t Stahlträger in den 10 Stock buckeln? Don’t think so. Die Theorie ist vollkommener Unsinn, weshalb Moshe Adler in seinem “Economics for the Rest of Us” schreibt, dass jeder Professor seine eigene Metapher erfinden muss, um den Grenzproduktivitäts-Theorie zu erläutern, da es in der realen Welt keine Beispiele dafür gibt.

    Arbeit ist Teamarbeit, und wenn man einen Büezer wegnimmt sinkt die Gesamtproduktivität mehr als der rechnerische Anteil jenes Arbeiters, weshalb beim Zusammenzählen immer eine Zahl grösser als 100% herauskommt. Beispiel gefällig? Was ist jeweilige korrekte Anteil an der Gesamtproduktivität eines Ein-Mann-Taxibetriebs von Kapital (Taxi) und Arbeit (Fahrer) ? Rechnen wir nach: Was ist die Produktivität eines Fahrers ohne Taxi? Null! Was ist die Produktivität eines Taxis ohne Fahrer? Null! Zusammen sind es 100%, also 0+0=100% ? Unsinn!

    Der klassischen Ökonomie (Ricardo, Smith) war dieser Umstand bereits bekannt, und sie haben geschrieben, dass die relative Verhandlungsmacht Lohnbestimmend ist, und nicht die Produktivität, die ohnehin nicht ermittelt werden kann, siehe Taxibeispiel. Aber würde man diesen Sachverhalt akzeptieren, müsste man in der Folge die positive Wirkung von Gewerkschaften und deren Verhandlungsmacht anerkennen, und ausserdem würde Gott (Markt) die Befehlsgewalt über den Lohn verlieren. Das darf natürlich nicht sein! Also erfindet man aus dünner Luft eine Theorie, für die es in der realen Welt keine Beispiele gibt, und ersetzt damit eine klassische und durch empirische Daten gut gestützte Alternative.

    Wir sollten aufhören, solchen Unsinn zu glauben.

    • Josef Anton sagt:

      @ Ralph

      “die relative Verhandlungsmacht Lohnbestimmend ist”

      Ich tendiere dazu Ihnen beizupflichten, dass kurzfristig betrachtet, die Verhandlungsmacht mit einen Einfluss auf den Lohn haben dürfte. Andererseits dürfte ein hoher Preis (hoher Lohn) das Angebot an entsprechenden Fachkräften erhöhen, was tendenziell den Preis (Lohn) wieder reduziert und das gleiche Prinzip läuft im umgekehrten Falle. Es wird of von “stickiness” (Preisrigidität) im Bereiche der Löhne gesprochen, womit man erklären will, dass es sehr schwierig sei, die Löhne nominal zu reduzieren und dies nur sehr harzig und verzögert vorgenommen werden kann. Mitunter wird dies als Grund offeriert, dass man die Kosten nicht durch nominale Lohnkürzungen reduzieren kann, sondern die Geldpolitik in der Form der Geldentwertung vorzugsweise angewendet wird, wodurch zwar die Löhne nominal nicht sinken, jedoch die Kaufkraft sich reduziert. Es handelt sich natürlich um einen Etikettenschwindel, welche das Leben derjenigen auf höherer Ebene der gesellschaftlichen Hierarchie angenehmer macht, denn wirklich entscheidend ist die Kaufkraft des Lohns.

      “rechnerischer Anteil eines Arbeiters an der Produktivität”

      Dies kann man schwerlich berechnen, da gebe ich Ihnen recht. Theoretisch sollte das Ausmass des offerierten Angebots an entsprechenden Fachkräften mit preisbestimmend wirken, was zu einem gewissen Grade langfristig sicherlich der Fall sein dürfte. In Grossunternehmen und wohl auch in staatlichen Organisationen werden heute allerdings verstärkt sogenannte Lohnskalen verwendet, welche ebenfalls das Leben der Vorgesetzten unter Anwendung der Idee von Gerechtigkeit zu erleichtern versucht, wobei es in erster Linie entscheidungsschwachem Führungspersonal hilft, während führungsstarke Personen sich dadurch behindert fühlen. In solchen Lohnskalen spielen Ausbildungsjahre meist eine grössere Rolle als zum Beispiel Erfahrung, denn diese Richtlinien werden selbstverständlich von “hochgebildeten” Leuten abgenickt. Der Einfluss des “Marktes” (Preisfindung aufgrund von Angebot und Nachfrage) auf einen angemessenen Preis (Lohn) wird dadurch sowie durch den Einfluss der von Ihnen geliebten Gewerkschaften stark reduziert, wodurch sich systemrelevante Verzerrungen entwickeln. Langfristig betrachtet ist dabei ein Resultat wie der Bankrott von Detroit oder Griechenland keinesfalls ein Zufall, sondern das Resultat solcher Verzerrungen, wobei diese 2 Beispiele wohl eher als die Spitze des Eisbergs als eine Ausnahme zu betrachten sind.

      Und jetzt noch ein kleines Lob (wer weiss warum; vielleicht um sie friedlich zu stimmen): Trotz entgegengesetzter Standpunkte, ist es sehr angenehm mit Ihnen zu diskutieren, da Sie nie auf den Mann spielen, sondern sich sachbezogen äußern. 😉

      • Re “auf den Mann spielen” … ich sage nur “der von Ihnen geliebten Gewerkschaften” … 😉

        Im übrigen ist das von Ökonomen wie von allen Priestern egal welcher Sekten und Religionen geliebte Wort “langfristig” das ultimative cop out. “Langfristig” ist Code für “nie”.

        Wenn Gott (Markt) wirklich die behaupteten und pseudo-logisch argumentierten Dinge bewirken könnte, etwa das Allwissen und die Effizienz von Finanzmärkten, dann müsste man diese Dinge beobachten können, oder nicht? Finanzkrisen könnte es dann nicht geben, genausowenig wie Fehl-Allokation von Resourcen (Kapital) in wertlose Schrottpapiern oder jahrzehntelang leerstehende Immobilien.

        Jede Allmachtsbehauptung ist in sich widersprüchlich, und dasselbe gilt angewendet auf Märkte. Oder kann Gott sterben?

        • Anh Toan sagt:

          @Ralph Sommerer für seppetoni

          Dass der Markt nicht funktioniert, liegt daran, dass die Bürokraten ihn beeinflussen.

          Dass es Kartelle gibt liegt daran, dass die Bürokraten dies möglich machen

          Dass Geld nicht wächst, wenn man es auf ein Feld schmeisst, liegt daran, dass es niemand liegen lässt.

        • Josef Anton sagt:

          “langfristig” das ultimative cop out. “Langfristig” ist Code für “nie”

          Keineswegs, die Folgen der seit Jahrzehnten angewandten geldentwertenden Politik zwecks kurzfristiger Stimulation von Konsum, welche uns die gegenwärtige Krise in der Form massiver Ungleichgewichte bereitet hat, ist nicht nie, sondern gerade heute und jetzt. Es ist richtig, dass die Folgen aufgrund der immer wieder ergriffenen Massnahmen oft lange auf sich warten lassen, jedoch werden die entsprechenden Konsequenzen für die Bevölkerung um so tragischer sein.

          Aus Ihren Worten ist eine gewisse Sympathie gegenüber den Gewerkschaften sicherlich zu erkennen und ich glaube nicht, dass diese Feststellung einem Angriff auf Ihre Person entspricht; jedenfalls war dies sicherlich nicht die Absicht.

    • Josef Marti sagt:

      Dass die Verhandlungsmacht ausschlaggebend ist dürfte einleuchtend sein. Wenn die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmerseite schwach ist, steigt dafür die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sind keine Synonyme. Frankreich war bisher gleich hoch in der Produktivität wie Deutschland, hatte aber die schlechtere Wettbewerbsfähigkeit wegen zu hohen Lohnstückkosten. Deshalb kann mit Lohndumping Merkantilismus betrieben werden, was jedoch in einer Währungsunion oder Festkurssystem zu eskalierenden Handelsungleichgewichten führt, welche die Volkswirtschaften und damit am Ende den Büezer teuer zu stehen kommen können.

  6. R.Stettler sagt:

    Ausgezeichneter Artikel, wie immer Her Diem. Vielen Dank und weiter so!

  7. Peter E. M. Schudel sagt:

    Eigentlich ist der Weg doch klar: Abschaffung der Erbschaft. Alle materiellen und immateriellen Güter fallen beim Tod an den Staat. Ist doch eigentlich eine einfache und effiziente Lösung.

    • Reto Stadelman sagt:

      Das will niemand. Ich auch nicht. Ich will das meine Nachkommen von dem was ich angespart habe profitieren können. Und schlimm ist das ja auch nicht. 99% der Menschen können ihr Erbe einfach so weitergeben und es beeinflusst die Schere kaum. Schlimm sind die Milliardenvermögen.
      Aber auch hier gilt: Wenn es zu einer Erbschaftssteuer kommt (so wie sie von den linken vorgeschlagen wird) trifft es primär den Mittelstand. Die wirklich reichen schaffen ihr Geld ins Ausland. Schachmatt!

      • Josef Marti sagt:

        Auch ohne nennenswerte Erbschaftssteuer verschenkt heutzutage ein Bill Gates seine Milliarden in irgendwelche Afrika Stiftungen und dürfte damit seine potentiellen Erben massiv ärgern. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Schon heute werden jedoch von Seuerpflichtigen nicht geklärte “verschwundene” Millionen und deren Erträge von den Steuerbehörden notfalls ermessensweise eingeschätzt. Und lange nicht alle offengelegten Trust Konstrukte werden geschluckt. Deshalb muss man am Schluss halt auswandern und allenfalls je nach Land eine Wegzugsbesteuerung hinnehmen.

        • Anh Toan sagt:

          @Reto Stadelmann: Noch lieber erbe ich etwas, als dass ich einmal was zu vererben habe.

          Vorteile einer Besteuerung von Erbschaften beim Erben statt beim Erblasser:

          1. Wer viel erbt zahlt hohe Steuern, statt wer viel zu vererben hat.

          2. Die Erben können meistens viel schwieriger ihren Wohnsitz an einen Ort verlegen, an welchem keine Erbschaftssteuern fällig werden. (Der demente Erbölasser merkt nicht einmal mehr, wenn seine Erben ihn und damit das Erbschaftssteuerdomizil umsiedeln, die Erben haben “ein Leben” da, wo sie sind.

          3. Der Anreiz, ein Vermögen an die Grosskinder statt an die “Kinder” (sind ja meistens schon Rentner) zu vererben steigt, denn sonst müssen zweimal Erbschaftssteuern bezahlt werden.

          4. Die Besteuerung erfolgt nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Erben, nicht nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Erblassers, welche eigentlich eine 100 Pro Besteurung rechtfertigt (er braucht nichts mehr)

          5. Vermögen werden aufgeteilt, um Steuern der Erben zu reduzieren.

          6. Lassen sich z.B Management Buyouts finanzieren, lassen sich auch die Erbschaftssteuern der Erben eines Unternehmens finanzieren.

          7. Wer ein hochverschuldetes Haus erbt, erbt netto kaum was und zahlt kaum Steuern, wer ein unverschuldetes Haus erbt, kann die Steuern problemlos finanzieren.

          Nachteile:

          ?

          • Josef Marti sagt:

            Im jetzigen System ist der Erbe subjektiv steuerpflichtig.

          • Anh Toan sagt:

            @Josef Marti:

            Im Prinzip ja, aber

            massgeblich ist der letzte Wohnsitz des Erblassers, nicht der Erben

            berücksichtigt werden frühere Zuflüsse (Schenkungen) des gleichen Erblassers, jedoch nicht von anderen Erblassern.

            Die Volksinitiative für eine (Bundes-)Erbschaftssteuer will aber klar den Nachlass besteuern, der Freibetrag orientiert sich am gesamten Nachlass usw. usw.

            (Auch in den Kantonen GR und SO ist die Erbschaftssteuer als Nachlasssteuer ausgestaltet, nicht als Anfallsssteuer: In der Schweiz ist wohl auch kantonal geregelt, woher die Kinder kommen)

          • Josef Anton sagt:

            Hauptsache, dass wir der Bürokratie der Regierungen möglichst viel Geld zukommen lassen, denn diese zeichnet sich durch eine dem Durchschnittsmenschen unbekannt hohen Weisheit im Umgang mit Geld aus.

          • Anh Toan sagt:

            JA

            Hauptsache Sie schreiben unter jeden Beitrag

            Bürokratie ist doof

  8. Johnny Smith sagt:

    “Bei solch hohen Sätzen ging es nicht um höhere Steuereinnahmen.”

    Das ist ja klar. Bei den Steuern geht es doch NIE um höhere Steuereinnahmen. Höhere Steuereinnahmen fürchten die Politiker wie das Weihwasser. Stellen Sie sich das mal vor, da müssten die Politiker ja noch mehr ausgeben.

    • Johnny Smith sagt:

      Aber abgesehen davon, nicht so ein schlechter Artikel. Die zunehmende Inequality ist effektiv ein Problem. Allerdings sollte man sich nicht nur die Thematik der Umverteilung anschauen, sondern mMn noch wichtiger auch die Frage, was als Ursachen dahinter stehen: Zentralbanken mit QEinfinity, Vetterliwirtschaft, uneingeschränkte Selbstbedienung der Manager, …

      • Josef Anton sagt:

        Oh, bei der Untersuchung der Ursachen, müssten die Bürokraten ja ihre eigene Existenzberechtigung in Frage stellen. Welch ein Ketzer Sie sind; die Bürokratie ist zum Wohle der Bevölkerung und je stärker sie wächst, desto besser geht es der Bevölkerung.

        • Johnny Smith sagt:

          🙂
          Ich bin manchmal gerne ein bisschen ‘Ketzer’ 😉

          Nein im Ernst… Umverteilung kann zwar manchmal auch zur Problemlösung beitragen, die Analyse geschweige denn die Bekämpfung der Ursachen fehlen aber gänzlich im Artikel vom MDM – was ja auch nicht wirklich überrascht (auch hier etwas ketzerisch).

          • Josef Anton sagt:

            Wenn die Medien dieses Buch derart hochjubeln und feiern, sollte die erste Frage eines kritischen Beobachters sein, wer die Themenauswahl wohl am stärksten zu beeinflussen mag (ein geldintensives Geschäft), denn dieser Bereich der Gesellschaft dürfte auch am meisten davon profitieren. Aus diesem Grunde, da sich die Presse wie oft genug bewiesen wie eine Nutte verhält, würde ich dem Verfasser schwerlich dazu gratulieren.

          • Josef Anton sagt:

            Die Theorien von Keynes erlaubte den Politikern/Bürokraten ihr Verlangen den zunehmenden Einfluss von Regierungen zu rechtfertigen und das damit verbundene krebsartige Wachstum der Bürokratie mit gleichzeitiger Infantilisierung der Gesellschaft. Pikettys Auslegungen erfüllen eine sehr ähnliche Funktion, indem sie den Bürokraten als Rechtfertigung des weiteren Ausbaus ihrer Bürokratie liefert, welche sich durch eine noch stärkere Regulierung, Kontrolle und Überwachung ausdrücken dürfte.

      • J. Kuehni sagt:

        Die Haltung von Libertären zu Steuerfragen kommt indes ziemlich fundamentalistisch ‘rüber: Alles was einen Steuersatz von Null übersteigt, ist “bürokratischer Raub am Bürger”.

        Nach meiner Meinung berücksichtigen Sie die zyklische Steuerlast, die sich in Pikettys Diagrammen schön nachvollziehen lässt, zu wenig. Es ist eben durchaus ein Unterschied, ob ein Vertreter der reichen Elite einen Steuersatz von 90% (1950) oder einen solchen von 20% (1990) bekämpft. Dass sich die niedrige Steuerbelastung von hohen Einkommen und Vermögen mit den wachsenden Belastungen des Mittelstandes (durch regressive Konsum-, & Kopfsteuern à la Krankenversicherung) reziprok verhält, wäre dabei wohl ein ebenso erhellender Gegenstand einer anderen Grafik.

        Solange Sie mir kein real existierendes Beispiel einer funktionierenden, komplexen Zivilisation OHNE zentrale Besteuerung zur Finanzierung von Aufgaben im öffentlichen Interesse nennen können, halte ich diese “Anti-Tax”-Haltung für äusserst beschränkt, oder eben für einen blossen Ausdruck von durchsichtigen Partikularinteressen einer feudalen Rentier-Klasse.

        • Josef Marti sagt:

          Man könnte dies vielleicht so lösen, dass die Anti Tax Anhänger befreit werden und dafür einen Eid ablegen, dass sie weder Rechts- noch Polizeischutz beanspruchen können und natürlich die Ausbilung der Kinder privat bezahlen sowie die Verkehrswege nicht benützen.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Josef Marti

            Typisches Schwarz-Weiss Denken zur Elimination der Diskussion. Es gibt nicht nur Anhänger von 0% Steuern und 100% Steuern. Warum darf differenziertes Hinterfragen und Argumentieren nicht sein?

        • Johnny Smith sagt:

          @ J. Kuehni

          Sie sollten Ihre Klassenrhethorik wieder einpacken, die führt zu nichts Gutem.

          Genauso falsch: Solange Sie mir kein real existierendes Beispiel einer funktionierenden, komplexen Zivilisation mit 100% Besteuerung (aka Enteignung), halte ich diese “Neid und Enteignungs”-Haltung für äusserst beschränkt, oder eben für einen blossen Ausdruck von durchsichtigen Partikularinteressen einer “Leben auf dem Buckel von anderen”-Klasse.

          • Josef Marti sagt:

            Von 100% Besteuerung war gar nie die Rede. Und was die Bürokratie anbelangt, so steigt diese gerade im Steuerveranlagunsbereich exponentiell mit jeder neuen bürgerlichen Steuerreform welche die Steuerbelastung gegen Null bringen soll. Nur ein Beispiel ist die Liquidationsbesteuerung bei Aufgabe der selbst. Erwerbstätigkeit, welche ein Formular- und Bürokratiemonstrum darstellt das seinesgleichen sucht, und alles nur um am Schluss über unzählige Berechnungformeln und -schlaufen wegen ein paar Fränkli Scheinsteuerbelastung eine Pseudolegitimation zu demonstrieren. Anstatt dass man gleich von Anfang an komplette Steuerbefreiung beschliesst. Von denselben Kreisen wird dann dem Bürger eine easy tax auf einem Bierdeckel versprochen und eine Antibürokratieinitiative lanciert; ich lach mich krumm.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Josef Marti

            “Von 100% Besteuerung war gar nie die Rede”

            Ja, genausowenig wie von 0% Besteuerung die Rede war. Dennoch legt mir J. Kuehni ein Verfechten von 0% Besteuerung (OHNE zentrale Besteuerung / Anti Tax Haltung) in den Mund und auch Sie sprechen von irgendwelchen Anti-Tax Anhängern, welche im Gegenzug für 0% Besteuerung keinerlei staatliche Leistungen beanspruchen dürften.

          • J. Kuehni sagt:

            @Smith. Fundamentalistisch eben.

            “Leben auf dem Buckel von anderen”-Klasse”: Eine gute Umschreibung der 0,1 % 😉

          • Josef Marti sagt:

            J.Kühni: Das sind eben diejenigen 50% die in den USA keine Bundessteuern zahlen. Wahrscheinlich müsste man diese deportieren, oder vielleicht eher “repatriieren” wie jemand mal geschrieben hat.

          • Josef Anton sagt:

            Wer in diesem künstlichen Streit zwischen Links und Rechts wirklich Vorteile erarbeitet, ist die wuchernde Bürokratie. Warum nicht einmal eine Front zwischen der sich auf einen angenehmen persönlichen Lebensstil einrichtenden Bürokratie und dem Rest der Bevölkerung eröffnen? Sind Regierungen wirklich derart bekannt, mit Geld besser umgehen zu können als Privatpersonen, welche von den Folgen ihrer Entscheidungen auf persönlicher Ebene betroffen sind, während sich diese Bürokraten von den Konsequenzen ihrer Entscheidungen durch entsprechende Regeln zu trennen wissen? Sind wir schon derart konditioniert und infantilisiert, dass wir das gesamte Bild nicht mehr erkennen können?

          • Johnny Smith sagt:

            “künstlichen Streit zwischen Links und Rechts”

            Da kann ich nur beipflichten, dieser Streit wird von einigen ausgenutzt. Oft werden auch irgendwelche Leute in die eine oder andere Ecke gestellt, um deren Argumente nicht hören zu müssen. Die Diskussion soll damit abgewürgt und das eigene Meinungsbild geschützt werden. Leider hat das J. Kuehni noch nicht gemerkt. Sie/er kann aus ihrem eingefahrenen Denkschema anscheinend nicht ausbrechen. Wie anders kann man ihre Klassenrethorik sonst deuten?

          • Anh Toan sagt:

            @Sondereinheit für Propaganda und Agitation seiner Herrlichberglichkeit

            Selbst mir fehlen die Worte!

          • Johnny Smith sagt:

            @ Anh Toan

            “Selbst mir fehlen die Worte!”

            Das ist doch mal eine Leistung 😉

            PS: Auch Sie greifen zum Mittel, andere in die Ecke zu stellen: “Propaganda”, “Agitation”, “Herrlichberglichkeit”… Wollen auch Sie die Diskussion abwürgen oder inhaltliche Argumente beitragen? Ihr Beitrag zur Erbschaftsbesteuerung gefällt mir da wesentlich besser.

            PPS: Ich bin nicht in Herrliberg wohnhaft und habe meines Wissens (leider?) auch keine Verwandten dort 😉

          • Anh Toan sagt:

            @Johnny Smith

            Ihr Vorwurf an J Kuehni und Josef Marti entbehrt jeder Grundlage.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Anh Toan

            Ich habe erklärt, auf welchen Grundlagen meine ‘Vorwürfe’ basieren. Auf welchen Grundlagen Ihre Unterstellungen der Herrliberglichkeit basieren, haben Sie mir allerdings nicht erklärt.

  9. urs lehmann sagt:

    Eine zur Publikation in “Perspectives on Politics” vorgesehene Studie von Martin Gilens (Princeton) und Benjamin I. Page (Northwestern University) kommt zum Schluss, dass die USA keine Demokratie sind (Meinung und Interessen der Mehrheit setzt sich durch), sondern eine Oligarchie (Meinung und Interessen einer kleinen reichen Gruppe bestimmt die politische Agenda).

    http://www.polisci.northwestern.edu/people/documents/TestingTheoriesOfAmericanPoliticsFINALforProduction6March2014.pdf

    Mit Legalisierung der Super-PACs durch den Supreme Court (Wahlspenden, Unterstützung von Kandidaten durch Aussenstehende, etc. sind neuerdings nicht mehr betragsmässig limitiert, auch Einflussnahme durch jedwede juristische Personen ist legal – d.h. Google oder Bank of America könnten im Endeffekt ganz offiziell ihren eigenen Kandidaten aufstellen) wird der Einfluss der Vermögenden in den USA in Zukunft noch zunehmen. Und da die Entwicklung aus den USA früher oder später über den grossen Teich schwappt, wird die Entwicklung wohl auch hierzulande verstärkt in diese Richtung gehen.

    Und damit ist auch klar, in welche Richtung die durch Piketty thematisierte Verteilung wahrscheinlich weitergehen wird.

    • Albert Baer sagt:

      …und der Witz ist ja, dass sich die “Kapitalisten” gerne ein liberales staatskritisches Mäntelchen umhängen. Dabei brauchen sie den Leviathan, also die staatliche Gewalt, der ganz legal ihre Interessen durchsetzt. Das ist doch viel zivilisierter (und vermutlich günstiger) als wenn die Kapitalisten private Schlägertrupps unterhalten müssten um z.B. säumige Schuldner aus ihren Häusern zu jagen.
      Die Kapitalisten wollen also unbedingt einen Staat, nämlich einen Knüppelstaat.

  10. felicitas balmer sagt:

    Wir hätten es ja in der Hand. Wir müssten einfach und endlich anfangen Leute in die Politik zu wählen, welche diese feudalsystemerhaltende Politik ändern wollen. Nur, wir wählen ebengerade immer wieder die Vertreter einer solchen Politik. Die bürgerlichen Parteien werden an diesem System sicher gar nichts ändern. Statt uns von diesen ständig in Angst versetzen zu lassen, Standard: Arbeitsplätze gehen verloren, und dann aus dieser Angst heraus zu agieren, sollten wir ein bischen mehr Vertrauen in uns selber haben und die Systemvertreter einfach nicht mehr wählen. Die Reichen sind nur reich, weil wir sie zu Reichen machen. Ohne unsere Mithilfe würde das heutige System nie und nimmer funktionieren.Nur wir können es auch wieder ändern.

  11. ilrettev sagt:

    Die Reichen sind nur durch eine zu tiefe Steuererhebung in der Vergangenheit zu diesen Vermögen gelangt. Bei ausreichender Besteuerung seiner Bürger würden die Staaten sich nicht in einer derart hohen Verschuldung befinden. Progressive Steuersätze auf Einkommen sowie Erträge und Gewinne auf Vermögen, welche den Staatshaushalt im Einklang hält, wird den weiteren überproportionalen Anstieg der Vermögen der Reichen reduzieren. Die Altlasten des Staates (Staatsverschuldung) sind durch eine zu tiefe Steuererhebung entstanden. Diese “Kredite” an die Bürger liegen nun in deren Vermögen und überproportional in denjenigen der Reichen. Durch die Einziehung dieser alten Steuerschulden durch den Staat, werden die Vermögen der Reichen wieder angepasst.
    Die Vermögen der Bürger müssen jeweils mit den Steuerschulden (Staatsschulden) zusammen betrachtet werden. Dank progressiven Steuersätzen reduziert dies vor allem die Vermögen der Reichen.
    Die Vermögen der Bürger sind nur durch die Ausklammerung der (Steuer)-Schulden derart hoch.

    • ast sagt:

      “Die Reichen sind nur durch eine zu tiefe Steuererhebung in der Vergangenheit zu diesen Vermögen gelangt.”

      Jein, die Steuern die oben niedrig gehalten wurden nutzte zuerst auch der Mitttelschicht. Aus diesem Grund wählte diese Schicht auch immer weiter Rechts und Wallstreet. Die unterste Schicht wählte ebenfalls immer weiter Rechts, weil auch sie sich durch Bürokratie und hohen Steuern bedroht fühlten. Das dauerte so lange bis die USA praktisch deindustrialisiert war, die billige Arbeit Chinas senkte über Jahre die Produktkosten. Aber für Obama war es zu spät als die Bürger (halbwegs) zu realisieren begannen was geschieht, seine Wahl erzeugte nur ein ätzendes Patt zwischen den Parteien.

      Da sich nun aber die soziale Sicherheit der Asiaten wie den Chinesen und des Westens angleichen, kehren sich alle früheren Vorteile in Nachteile um. So ist das eben wenn man nur immer auf das Schiffchen im eigenen Wasserglas schaut und keinerlei Relativitäten wahr nimmt.

      • ilrettev sagt:

        Dies mag für die USA in dieser Art zutreffen.
        Aber um die weltweite weitere Feudalisierung der Reichen zu begrenzen scheint mir die Einziehung der Steuerschulden ein einfaches Mittel. Eigentlich schlicht eine Verrechnung von Staatschulden mit den Vermögen.
        Wichtig scheint mir auch eine gelegentliche Kommunizierung dieses Sachverhalts an die Bürger. Nur die Wenigsten sind sich ihrer Schuldenlast an den Staat bewusst.

        Da die Hauptlast der Staatsschulden auf die Reichen und weniger Reichen fällt, kann man dies auch als eine (hoffentlich nur temporäre) Umverteilung von Reichen (Vermögenden) zu Lasten der Armen (Nicht-Vermögenden) betrachten.
        Die Kredite des Staates an die Reichen Bürger können diese in Staatsanleihen zur Finanzierung ihrer eigenen Schulden anlegen. Für die Vermögenden mindestens ein Null-Summen-Spiel. Ihr Anteil an der Zinslast der Staatsschulden erhalten diese in Form eines Zinscoupons wieder zurück.
        Die Nicht-Vermögenden tragen schlussendlich die Finanzierungskosten des Staates.

      • ilrettev sagt:

        Zusätzlicher, ergänzender Eintrag:

        Zusatz zum Eintrag von 9.20 Uhr.

        Der Vermögende kann seinen vom Staat erhaltenen Kredit (Steuerschuld) natürlich auch in höher rentierende Anlagen als Staatsobligationen einsetzen. Für den Vermögenden kann dieses Spiel durchaus lukrativ sein. Die Zinslast des Staates (sein Anteil an den Finanzierungskosten) kann er so mehr als ausgleichen.
        Diese Möglichkeit steht dem Nicht-Vermögenden nicht zur Verfügung. Er kann nicht auf einen staatlichen Billigkredit (Zinslast = Rendite Eidg.Obl.) zugreifen.
        Diese Möglichkeit haben nur die Vermögenden welche auf relativ einfache Art ihren Reichtum mittels staatlichen Tiefzinskrediten vermehren können.
        Diesem Spiel zu Lasten der Nicht-Vermögenden kann durch eine Nachzahlung der alten Steuerschulden mittels Vermögenssteuer ein Ende gesetzt werden.
        Oder einfach eine Verrechnung der Staatsschulden mit den Vermögen seiner Bürger.

        • Anh Toan sagt:

          Steuern sind im Rechtsstaat geschuldet, soweit das Gesetz diese bestimmt.

          Sie machen nun rückwirkend, rein willkürlich aus dem, was der Staat nicht weggenommen hat, eine Steuerschuld. Also jedes Vermögen ist eine Steuerschuld, alles Vermögen gehört dem Staat, jeder Franken im Portemonnai ist somit eine Steuerschuld.

          • ilrettev sagt:

            Der Bürger bürgt für die Schulden seines Staates.
            Diese Bürgschaft muss gelegentlich eingefordert werden.
            Die überhöhten Vermögenszuwächse in der Vergangenheit konnten nur durch eine ungenügende Steuererhebung erfolgen. Diese nun überhöhten Vermögen müssen gelegentlich angepasst werden.
            Nicht jeder Franken im Portemonnaie ist eine Steuerschuld. Aber anteilsmässg natürlich schon. Die Vermögens-Bilanz des Bürgers muss durch die aufkumulierten Steuerschulden ergänzt werden.
            Die Auslagen des Staates in der Vergangenheit wurden, zumindest in CH, vom Bürger abgesegnet. Somit hat der Bürger diese Schulden auch akzeptiert. Keine Spur von Willkür.

          • J. Kuehni sagt:

            Ich finde ihren Beitrag ziemlich interessant, ilrettev (?), vor allem auch deswegen, weil er eine unangenehme Realität verdeutlicht: In irgendeiner Form WIRD ein Ausgleich einer destabilisierten Schuldensituation erfolgen, ob es uns gefällt oder nicht. Der Ausgleich kann historisch gesehen in verschiedenen Währungen getätigt werden, als Beispiele seien hier bloss “Wachstum”, “Inflation”, “Enteignung” oder “Mord&Totschlag” genannt; da sollte man doch immerhin proaktiv versuchen, die Sache so friedlich wie möglich zu lösen: Alle verlieren etwas, aber niemand alles.

            Ebenso haben Sie bezüglich der Verantwortung der Bürger in einer direkten Demokratie recht. Das Gegenstück zu einer Schuldenbremse wäre ja z.B. zumindest die Auflage, dass Steuersenkungs-Initiativen zwingend aufzeigen müssen, wie und wo die Steuerausfälle eingespart werden sollen. Die verursachten Einsparungen einfach an die Exekutive (an die böse Bürokratie!) und nach hinten zu delegieren ist schon ziemlich hanebüchen: So mancher würde sich wohl sein Ja zweimal überlegen.

          • Anh Toan sagt:

            @illretev “Der Bürger bürgt für die Schulden seines Staates.”

            Der citoyen auch? Der heisst doch gar nicht Bürge(r).

            Für welche Schulden haften in der Schweiz niergelassene ausländische Bürger? Für die Schulden des Landes, in dem sie Bürgen sind, onder für die Schulden des Landes, in welchem sie leben, ohne Bürger zu sein.

            “Diese nun überhöhten Vermögen müssen gelegentlich angepasst werden. Nicht jeder Franken im Portemonnaie ist eine Steuerschuld. Aber anteilsmässg natürlich schon.”

            Wer berechnet, weiviel der Vermögen überhöht sind, welcher Bürger haftet mit welchem Anteil?

            Kann ich argentische Staatsanleihen kaufen und die gegen jeden Argentinier geltend machen?

          • ilrettev sagt:

            an J.Kuehni
            Natürlich kann mit Inflation oder einer Finanziellen Repression die Staatsschulden reduziert werden.
            Nun sind die entstandenen Schulden aber auf den Schuldner zuteilbar. Die Einkommen und Erträge wurden in der Vergangenheit zu tief besteuert. Diese Einsparungen für den Bürger liegen nun in seinem Vermögen. Diese Vermögen sind zum Teil vererbt worden aber liegen nach wie vor im Land und können im Nachhinein besteuert werden. Dank progressiven Steuersätzen trifft dies vor allem die damaligen Hochverdiener. Auf diesem Weg kann zusätzlich die bis heute noch ausstehende Steuer auf Kapitalgewinnen (welche ja auch in den Vermögen liegen) zur Anwendung kommen.
            Generell bin ich der Meinung, dass die jährlichen Lasten eines Staates mit Steuern auf Einkommen, Erträgen und Gewinnen auf Vermögen, sowie etwas MWSt getragen werden sollten.
            Die Besteuerung von Vermögen soll nur für Altlasten wie Staatsschulden oder eine Ausfinanzierung der AHV, vorgenommen werden. Jeweils für die Begleichung von Schulden welche aus der Vergangenheit herrühren. Vermögenssteuer als Nachsteuer.

          • Josef Anton sagt:

            @ ilrettev

            Die Frage, welche Sie hier nicht ansprechen, betrifft den Grund, weshalb sich die staatliche Schuldenwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte in diesem Ausmasse durchsetzte. Welche ökonomischen Dogmen, welche auch das Bewusstsein der Bürger beeinträchtigten, verleiteten, respektive rechtfertigten, die Regierungen, sich derart zu verausgaben, dass am Schluss dieses massive Ausmass an Versprechungen und Schulden verbleiben? Die Erklärung, dass zu wenig Steuern erhoben wurden, greift definitiv zu kurz, denn es wäre den Regierungen ja möglich gewesen, die Steuern anzuheben.

          • ilrettev sagt:

            An Anh Toan
            Ok…jeder Steuerpflichtige, ob Staatsbürger oder Nichtstaatsbürger muss zahlen…
            Vermögenssteuern kennen Untergrenzen. Die müssen natürlich definiert werden.
            Das Vermögen eines Steuerpflichtigen setzt sich aus seinen Aktiven abzüglich Schulden zusammen. Vermögenssteuer muss nicht neu erfunden werden. Handhabung wie bisher.
            Aber das Problem der Steuerflucht besteht natürlich. Hier kann eine CH-Fatca auf Vermögen diese Problematik begrenzen.

          • ilrettev sagt:

            an Josef Anton
            Die Gründe welche zur Verschuldung führten spielt eigentlich keine Rolle mehr. Tatsache ist, dass diese Schulden heute bestehen und von den Staatsbürgern jeweils abgesegnet wurden.
            Die Regierungen sind die Repräsentanten der Staatsbürger. Die Bürger sind bezüglich überhöhter Staatsausgaben oder Mindererhebung von Steuern auch nie wirklich auf die Barrikaden gestiegen. Regierungen können ausgewechselt werden.

          • Josef Anton sagt:

            Wenn man die Ursache nicht kennt, ist es fragwürdig, ob die Bekämpfung der Symptome wirklich Heilung verspricht.

          • ilrettev sagt:

            An Josef Anton
            Da haben Sie Recht.
            Aber, zumindest CH, geht momentan keine weitere Verschuldung ein. Die heutigen Steuerzahler gleichen den Staatshaushalt jährlich aus. Das haben die Steuerzahler in der Vergangenheit nicht konsequent betrieben. Dies hat nun eine Ungleichbehandlung der früheren zu den heutigen Steuerzahlern ergeben. Die “alten” Steuerpflichtigen konnten ihre nicht bezahlten Steuern einsparen und ihre Vermögen vermehren. Die heutigen Steuerpflichtigen können ihre Vermögen nicht zu Lasten des Staates anheben.
            Um der Generationengerechtigkeit Genüge zu tun, haben die „alten“ Steuerpflichtigen eigentlich die Pflicht, ihre Staatsschulden nachzuzahlen.

          • Anh Toan sagt:

            @ilrettev

            OK, jetzt verstehe ich Ihre Posts besser:

            Ich stimme zu, dass der Staat sich die notwendigen Mittel nur da besorgen kann, wo sie vorhanden sind, einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen.

            Die Oekonomen vergleichen Schulden immer mit der wirtschaftlichen Leistungskraft, was nicht falsch ist, da die Zinsen bezhalt werden müssen, jedoch darf die “Bilanzdarstellung” nicht komplett ausgeblendet werden. Wenn Sie schreiben, “dass die jährlichen Lasten eines Staates mit Steuern auf Einkommen, Erträgen und Gewinnen auf Vermögen, sowie etwas MWSt getragen werden sollten” und von “Altlasten” sprechen, vergessen Sie, dass die Investitionen, welche mit diesen Schulden finanziert wurden (Tunnels, Schulhäuser, Spitäler usw.) und nach wie vor nützlich sind. Laufende Kosten solllten so finanziert werden wie Sie schreiben, aber für Investitionen ist die Schuldenaufnahme halt durchaus richtig. Also den “Altlasten” müsste der Nutzen entgegengestellt werden, den wir heute aus früheren Investitionen haben. (Da sich der Gotthardtunnel oder die Schulhäuser nicht verkaufen lassen, haben diese keinen Wert in den Staatsbilanzen, generieren jedoch dennoch auch heute Nutzen.) Die Tendenz besteht nun, genau diese “stillen Reserven” zu Gunsten des Staatshaushaltes bzw. der Steuerpflichtigen aufzulösen, indem Verwaltungsgebäude verkauft und zurückgemietet werden, und da erscheint mir durchaus nachdenkenswert, ob insbesondere in der Schweiz nicht frühere Generationen (bzw. die Alten heute) uns viel mehr Aktiven als Schulden hinterlassen haben.

            Ausserdem sind die von Ihnen erwähnten Steuern (Einkommen, Vermögen, MWST) gerade für die untere Mittelschicht heute ziemlich unwesentlich, verglichen mit den Krankenkassenkopfsteuern, welche zu einer Umverteilung von jung zu alt und damit in der Schweiz von arm zu reich, ganz sicher aus Vermögenssicht, häufig jedoch sogar aus Einkommenssicht führen. (Ich habe mit meiner Frau zur Zeit ein durchaus bescheidenens Einkommen und Vermögen, Steuern inkl. MWST zahlen wir kaum, aber mit unserer KK Prämie subventionieren wir deutlich wohlhabendere Alte)

          • ilrettev sagt:

            An Anh Toan

            Der Staat soll seine Einnahmen neben diversen Abgaben, Zöllen und etwas MWSt vor allem durch Steuern auf Einkommen sowie auf Erträgen und Gewinnen von Vermögen generieren. Dies mit progressiven Steuersätzen. Der nackte Mann hat wenig Einkommen und kaum Erträge und Gewinne auf Vermögen. Der gut gekleidet und genährte Mann (oder Frau) kann etwas von seinem Fett abgeben. Wird in den meisten westlichen Gesellschaften auch so gehandhabt und von einer deutlichen Mehrheit auch akzeptiert.

            Die Investitionen des Staates können aktiviert werden. Wurde aber nicht immer so gehandhabt. Heutzutage werden keine Schulden mehr generiert. Es ist eine Ungerechtigkeit zwischen den Generationen, wenn Investitionen nur während bestimmten Perioden aktiviert werden. Die Steuerzahler der Perioden ohne Schuldenanhäufung (keine Aktivierung von Investitionen) wie heute, können ihre Vermögen nicht durch Steuerersparnisse erhöhen. In der Vergangenheit konnten Steuerpflichtige durch staatliche Schuldenanhäufung (Aktivierung von Investitionen) ihre Vermögen anheben. Dies ist eine Unrechtbehandlung gegenüber den heute Steuerzahlenden. Um diese Gerechtigkeit wieder herzustellen müssen die alten Steuerschulden aus den Vermögen nachbezahlt werden.
            Im Uebrigen müssen die alten aktivierten Investitionen gelegentlich abgeschrieben werden. Auch dies muss mit einer Steuerrechnung einhergehen.

  12. Reto Stadelman sagt:

    Wenn Kapitalgewinne höher sind als das Wirtschaftswachstum stehen die Indikatoren doch automatisch auf Katastrophe. Denn dann funktioniert die Wirtschaft eher als Umverteilungsapparat denn als Herstellungsvehikel für Güter und Dienstleistungen. Bin zwar kein Marxfan, aber in dem Punkt hat er leider recht. Nur progressive Steuern etc. können dem Abhilfe schaffen. Aber ob dies in der Oligarchie USA noch möglich ist, dass bezweifle ich…

  13. Es ist doch schon lange klar, dass global ein neues Feudalsystem installiert wird. Die Politiker aller Herren Länder bringen immer die gleiche Leier: Steuerentlastungen für die Superreichen, Reichen und Unternehmen. Gut für alle, weil Arbeitsplätze geschaffen würden. Die Steuersysteme der einzelnen Länder konkurrenzieren sich global immer mehr. Das mit den Arbeitsplätzen ist eine Mähr. Denn die Milliarden werden nicht in den realen Wirtschaftskreislauf eingespiesen, sondern werden an den Börsen verzockt. Würden all die Milliarden wirklich sinnvoll investiert, entstünden Arbeitsplätze und die Arbeitslosigkeit würde weltweit sinken. Die Gilde der institutionellen und privaten Superreichen haben sich schon lange von der Realwirtschaft verabschiedet und veranstalten ihr eigenes Milliardenmonopoly. Übrigens gestern hat der bürgerlich dominierte Nationalrat beschlossen: Keine Abschaffung der Pauschalsteuer und Erhalt der Arbeitsplätze. Beruhigend, dass ein Helikopterpilot oder ein Butler oder ein Immobilienverwalter ihren Job behalten.

  14. markushamster sagt:

    das system welches wir leben werden wir nicht mit goodwill von innen ändern können. es muss erst kollabieren. das heisst krieg oder bürgerkrieg. leider gibt es keine andere lösung als eine mit gewalt. diejenigen die vom system profitieren werden es nie freiwillig ändern und sie sind die einzigen die die macht dazu hätten. es wird also noch schlimmer bevor ein reinigendes feuer einen neuanfang möglich macht. das ist durchaus so positiv wie negativ zu verstehen. auch ein neues system wird irgendwann wieder pervertieren und muss mit gewalt gebrochen werden. usw. das ist der kreislauf.

    • Josef Anton sagt:

      “das system welches wir leben werden wir nicht mit goodwill von innen ändern können”

      Diese Befürchtung teile ich.

    • J. Kuehni sagt:

      @markushamster & J.A.

      Aha. Die Katastrophe kommt bestimmt, und darum hocken wir doch am besten mit den Fingern in den Nasenlöchern herum und überlassen das Feld den ultranationalistischen Brandstiftern, die damit eine sowieso unvermeidliche Schlächterei ein bisschen früher anfachen dürfen?

      Geniessen Sie doch einfach ihre Rente (solange sie noch können) und verabschieden Sie sich aus der Diskussion. Nützt ja sowieso alles nichts.

      • markushamster sagt:

        sie dürfen sich gerne der illusion hingeben, dass ‘am ende alles gut wird’. nur dann haben sie meines erachtens das ticken dieser welt nicht verstanden. es ist ein ständiges hin und her zwischen krieg und frieden, auf und ab zwischen gerechtigkeit und ungerechtigkeit und es wird kaum je ein zustand etabliert wo ‘der aufgeklärte mensch mit seiner umwelt in nicht schädlichem miteinander lebt’. unsere hochkultur wird irgendwann auch wieder fallen. anderso wird dafür eine weitere entstehen.

        • J. Kuehni sagt:

          Im Wettkampf der zynischen Realisten mache ich tatsächlich nicht gerne mit: Ganz sicher wird “am Ende” nicht alles gut. Nach diversen Klimaänderungen und Kollapsen von gesamten Bio-Systemen alle paar Jahrmillionen wird in ca. 4 Mia. Jahren die Sonne Kapeister gehen, und dabei unseren Schlammball verdampfen. Irgendwann in 1000 Mia. Jahren wird jegliche subatomare Oszillation im Universum zum Erliegen kommen. Die in weissen, braunen und schwarzen Zwergen komprimierte Materie wird von da an in alle Ewigkeit in kalter Stille und Zeitlosigkeit vor sich hin-… ja was? Tolle Aussichten. 😉

          Im Ernst: Innerhalb von menschlichen Massstäben bietet unsere Kulturgeschichte viel Grund zum Pessimismus, aber eben auch gelegentlich Anlass zur Hoffnung. Immerhin sind wir Zeugen eines grandiosen Spektakels (auf der Erde und anderswo). Nur eines scheint mir klar: Wenn wir das Spiel tatenlos den Dumpfköpfen überlassen, sind wir selber (mit)schuldig an den Konsequenzen. Nach der nächsten Katastrophe (falls überlebend) säuerlich seiner Genugtuung darüber Ausdruck zu geben, dass “man es schon immer hat kommen sehen” genügt eben nicht.

          • markushamster sagt:

            ich sag ja nicht man solle nichts tun und alles den andern überlassen. ich sage nur: das system wird man nicht mit goodwill sondern mit gewalt verändern müssen. das ist auch schon alles was ich sage.

          • J. Kuehni sagt:

            @Hamster

            Danke für die ungeschminkte Ansage.

            Und jetzt konkret: Gewalt gegen wen? (“Das System” ist mir zu vage). Wieviel Gewalt? Welche Form von Gewalt? Da es um eine grosse Katharsis zu gehen scheint: Sind SIE bereit, als “Blitzableiter” zu dienen? Gehen Sie voran und springen über die Klippe, Herr Hamster?

            Don’t think so. Sind ja sowieso alle anderen Schuld, nicht? Mich dünkt, Sie sind Teil des Problems und nicht der Lösung.

          • Josef Anton sagt:

            Das beste Mittel liegt in der Aufklärung der Zusammenhänge, womit sich das gesellschaftliche Bewusstsein dementsprechend ändert und dieser Sinneswandel evtl. die betroffenen Entscheidungsträger unter Druck setzt, sich neu zu orientieren. Da dies leider oft auch ihr persönliches Wohlergehen (Hinterfragen ihrer Existenzberechtigung) mit beeinträchtigen dürfte, fürchte ich, dass deren Köpfen eine Veränderung der Ansichten sehr harzig bis gar nicht ablaufen wird, was die Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Auseinandersetzungen erhöht. Wichtig ist dabei auch zu erkennen, dass Kriege oder Verteufeln einer bestimmten Gruppe (z.B. die Reichen) mitunter ein Mittel darstellt, die eigene Haut zu retten. Darum sollte die Aussage dieses Artikel Anlass zu hoher Skepsis sein.

          • markushamster sagt:

            @ kuehni
            gewalt hat viele gesichter. ich verstehe gewalt in erster linie als eine energieform. diese kann sich zb. in form von umwelteinflüssen manifestieren. wo eine äussere gewalt, ein äusserer druck auf ein system einwirkt und es so verändert. sprich zb. ressourcenknappheit. dann gibt es auch die gewalt die vom volk ausgeht. diese kann in einer demokratie in form einer volksinitiative stattfinden. auch das ist eine form von druck, von gewalt. gewalt heiss nicht nur ‘ich hau dir eins auf die nase’ herr kuehni, da denken sie wahrlich zu wenig weit. ‘das system’ ist ihnen zu vage. konkreter: das ausbeuterische, pervertiert kapitalistische, unökonomische, unökologische, menschenfeindliche system in dem wir leben das diesen planeten in kürze ausgesaugt haben wird.

  15. Luzius Meisser sagt:

    Ein oft unterschlagener Fakter (den Picketty aber im Buch erwähnt), ist die sinkende Anzahl Kinder. Mit vielen Kindern wird ein Vermögen beim weitervererben automatisch zerteilt. Wenn aber zwei Reiche heiraten und nur ein Einzelkind haben, konzentriert sich das Vermögen noch. Ev. müsste man eine Erbschaftssteuer einführen, die sich nach der Anzahl Erben richtet. Viele Erben: tiefe Steuer. Wenige Erben: hohe Steuern. Zum Beispiel könnte man so tun, wie wenn jeder noch ein zusätzliches Kind hätte, wessen Erbanteil an den Staat geht.

    • Fabian sagt:

      Naja. Und dann müsste eine arme Familie mit einem Kind plötzlich einen höheren Steuersatz bezahlen als ein Milliardär mit 3 Kindern?

    • Anh Toan sagt:

      Zuflüsse aus Erbschaft beim Erben wie Einkommen besteuern, allenfalls zum Rentensatz.

    • Marcel Senn sagt:

      Als gesellschaftlich fast am wertvollsten sind die “schwarzen Schafe” der Milliardärsfamilien, die die Riesenvermögen durch aufwändigen Lebensstil, philantropische Stiftungen, Mäzenatentum usw wieder grosszügig unters Volks bringen – sie widersprechen dem Leistungsprinzip zwar diametral, aber der Volkswirtschaft nützen sie mehr als die späreligen Milliardäre, die ihr Vermögen in einen Offshore Trust bringen und dann über Schattenbanken auch noch im globalen Casino mitwetten.

  16. Josef Marti sagt:

    Logische Folge ist auch, dass das Bankgeheimnis abgeschafft werden kann weil es nicht mehr benötigt wird; und der automatische Informationsaustausch stört niemand mehr wirklich. Sind nämlich alle arbeitsfreien Einkünfte – also Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie Erbschaften – bald steuerfrei kratzt der gläserne Bürger niemanden mehr wirklich, und niemand braucht sein Vermögen irgendwo zu verstecken.
    Ein geschrumpftes Gemeinwesen kann dann locker ausschliesslich mit Verkehrs- und Konsumsteuern und Verbrauchsabgaben sowie Lohnsteuer des Renditesklaven abgedeckt werden. Für die Unternehmer haben wir hiezu in der CH deshalb die Möglichkeit eingeführt, steuerprivilegierte und AHV freie Dividende statt Lohn zu beziehen. Trotzdem haben wir es immer noch nicht geschafft, diesen Betriebsunfall AHV aus dem Weg zu schaffen indem man zB die Beitragshöhe plafonieren könnte.

  17. P. Linder sagt:

    Der Beitrag bringt keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Die Schere öffnet sich weiter. Die grosse Frage wäre: Wie kommt die Weltbevölkerung aus dieser unguten Entwicklung heraus? Krieg, Terror, Bandenkriminalität oder Einsicht und Veränderungen? Wird die Politik handeln bevor es zu spät ist? Wenn man sich dauernd auf der Verliererseite befindet wird man schnell mal bereit sein, zu kriminellen MItteln zu greifen.

    • sepp z. sagt:

      Lindner, ist doch ganz klar: Steuern für die Reichen senken. Die geben dann Geld mit ihrem Konsum aus, und dieses Geld tröpfelt dann runter zum Rest der Bevölkerung. So hat die ganze Gesellschaft was vom Reichtum des einen Prozentes.

      • wachter sagt:

        Sepp Z
        absoluter Quark. Die Superreichen konsumieren wg Steuersenkungen nicht mehr sondern steigern ihr Vermoegen zu Lasten der sozial Schwaecheren

      • Mark B. sagt:

        Ich hoffe, Ihr Kommentar ist ironisch gemeint…

      • Marcos sagt:

        Ich hoffe sie machen einen Witz sepp.z, denn ihr Vorschlag ist genau das Gegenteil von dem was die logische Schlussfolgerung gemäss Artikel ist. Also entweder verstehe ich ihre Ironie nicht oder sie den Artikel nicht.

      • Erich Kaufmann sagt:

        Ironie, oder meinen sie das im Ernst? Dieses Vorgehen bewirkt das Gegenteil von dem, was sie hier schreiben und dazu nehmen die sozialen Unruhen zu (sehen wir ja zur Zeit). Siehe Bild 8.6 oben im Artikel, so sind die grössten Ausschläge in der Kurve vor dem 1 WK, das entstehen der NSDAP, 2. WK, 1. Irak K., 9/11, und…. So denke ich, hat Hr. Linder dies schon richtig erkannt, es wird leider eskalieren und wer verdient damit/danach das grosse Geld, die von ihnen erwähnten privilegierten die sie noch entlasten wollen! Opportune Ansicht von ihnen?

      • Joe sagt:

        @sepp: eben nicht. Es zeigt sich, dass Vermögen heute nicht verkonsumiert und auch nicht investiert, sondern zunehmend einfach angehäuft und in Cash gehalten wird. Würden die Reichen Ihr Geld wirklich ausgeben, wären wahrscheinlich alle zufrieden.

      • Reto Stadelman sagt:

        Keine Sorge Leute, dass war klar Ironie. Wer diese Meinung wirklich vertreten würde, täte dies mit religiösem Eifer und nicht so cool.

        • Fabian sagt:

          Die Ironie ist wohl eher, dass diese Meinung (Trickle-down blabla) vor 8-10 Jahren noch Mainstream war, und praktisch keiner sie hinterfragt geschweige denn kritisiert hat. Nur irgendwelche verquere ‘Kommunisten’ und ‘Linke’…

      • Alfred Frei sagt:

        Sepp, Sie haben vergessen, Ironie zu signalisieren. Tatsächlich hat die Konzentration angefangen, als man angefangen hat, die Steuern für die Reichen zu senken. Das nichts, aber auch gar nichts, zum Rest runtertröpfelt, haben die letzten 30 Jahre bewiesen. Hoffentlich trägt das Buch dazu bei, dass die grosse Masse realisiert, dass Steursenkungen nur die Reichen noch reicher und dden Rest ärmer macht.

    • Josef Anton sagt:

      Ende der geldpolitschen Manipulationen der Zentralbanken würde Wunder bewirken. Der Einbruch 2002/03 sowie 2008/09 der Einkommen der bestverdienenden 1% (Figure 8.6), als die Zentralbanken Zeit brauchten um zu reagieren, demonstriert diesen Umstand bestens. Der Einfluss der Zentralbanken ist der wohl wichtigste Faktor in der Umverteilung von Unten nach Oben. Da leider diese Mechanismen nicht leicht nachvollziehbar sind, werden sie von der Bevölkerung nicht wahrgenommen.

  18. Albert Baer sagt:

    Piketty spricht die wahren weil systemischen Probleme an. So auch dieser Artikel in der “Welt”: “Unser Geldsystem ist Sozialismus für Reiche”; http://www.welt.de/debatte/kommentare/article127643658/Unser-Geldsystem-ist-Sozialismus-fuer-Reiche.html
    ETH-Forscher James Glattfelder konnte zeigen, dass im Bereich der globalen Firmen, 1% der Player 40% des Vermögens dieser Firmen kontrollieren: http://www.ted.com/talks/james_b_glattfelder_who_controls_the_world

    Was brauchen wir noch für Daten, damit wir diese System-Verarschung begreifen? Während sich das Fussvolk zunehmend um die Krümel streitet, gibt es eine Kapitalistenschicht, die mit systemischer Hilfe alle anderen mehr und mehr ausblutet.

    • Jürg Stöckli sagt:

      Man könnte es nicht besser sagen…

      1 Like

      ..und Danke für die Links.

    • Margot sagt:

      Und bei der Verteilung der Krümmel gibt es auch noch solche “Ratgeber” mit “bildet Euch weiter; seid flexibel; seid 120% Leistungsfähig; usw.” Heute muss man eine ordentliche Portion Glück, Vitamin B, und ein Charakterschwein sein! Im Januar kam Montag abend um 23 Uhr !!! diese eindrückliche Dokumentation: http://www.ard.de/home/ard/23116/index.html?q=geld+regiert+die+welt+13.01.2014 Wenn da noch jemand von EU Friedensprojekt; überwindung von Nationalismus; Stärke durch Grösse; usw. spricht, hat einfach null Ahnung von der Realität. Das Genze hat nur den Zweck die Menschen auszurauben und dabei manipulieren. Und es funktioniert bestens!

      • J. Kuehni sagt:

        Die EU verlängert in ihrem unfertigen Zustand die Politik der Mehrheit ihrer (neokonservativ regierten) Mitgliedsländer. Die Kommission tanzt nach der Pfeife des EU-Rates der Regierungschefs (aka Merkel). Im direkt gewählten Parlament sieht es schon deutlich besser aus, und die wenigen halbwegs griffigen Regulierungen, (zB. im Datenschutzbereich) haben wir diesem Parlament zu verdanken. Die nationalen Behörden haben diesbezüglich schon längst total abgedankt.

        Sie können sicher sein, Frau Helmers: Ohne EU-Parlament würden unsere Datenschutzgesetze schon jetzt komplett von Google, Facebook etc. geschrieben, ebenso wie sämtliche anderen Wirtschaftsregulierungen durch irgendwelche Multikonzerne. Wenn Sie meinen, dass ein Rückzug auf nationale Grenzen daran irgendetwas verbessern könnten, haben SIE “null Ahnung von Realität”.

        Die gegenwärtige, neoliberale Ausrichtung der EU ist tragisch und dumm, aber immerhin besteht die Chance, diese Politik zu ändern, eben weil mit der EU überhaupt ein politisches Gefäss zur Verfügung steht, das in Zukunft demokratisch besser legitimiert werden KANN. Das Glas ist immerhin ein Zehntel voll und man sollte versuchen, es wieder aufzufüllen, anstatt alles zusammen fortzuschmeissen.

        • Margot sagt:

          Herr Kuehni, ds ist ja alles ganz lieb was Sie da schreiben…gegenwärtige, neoliberale Ausrichtung der EU ist tragisch und dumm, aber immerhin besteht die Chance… besser legitimiert werden KANN…aber es wird leider nicht passieren! Sie glauben doch nicht im Ernst das die Elite freiwillig ihre Pfründe abgibt? In Deutschland gibt es über 100 Leihbeamte die von der Industrie bezahlt werden. Diese arbeiten fix fertige Gestze aus welche dem Parlament vorgelegt werden. Die Politiker sind von den Vorlagen in den verschiedensten Bereichen völlig überfordert und winken diese dann durch. Auch die meisten EU Bürger wollen nich das TTIP, dennoch sind die mit z.T. geheimen Inhalte kurz vor der Annahme. Schauen Sie bitte meinen Link an bevor Sie mit mir diskutieren, ernshaft!

    • Marcel Senn sagt:

      Baer: Spannend wäre noch die Entwicklung von Glattfelders Wirtschaftkonzentrationen zu sehen – ein Update so alle 2-3 Jahre fände ich ein gutes instrument auch für die Politik um eventuelle Regulierungen oder Zerschlagungen von all zu grossen Machtkonzentrationen zu bewirken.
      So in etwa wie die Zerschlagung von Rockefellers Standard Oil zu Beginn des 20. Jh in 7 Firmen — allerdings Rockefeller hat diese vermeintliche Niederlage noch viel viel reicher gemacht, da er an allen Firmen beteiligt war und Fords Autoboom für rasant steigende Nachfrage nach Benzin sorgte..
      .
      Dann hoffe ich, Glattfelder macht noch ein paar Fortsetzungen von dieser hervorragenden Wirtschaftsmachtanalyse – nur mit der notwendigen Transparenz kann man da noch korrigieren…

    • Josef Anton sagt:

      @ Albert

      “Unser Geldsystem ist Sozialismus für Reiche”

      Dies ist ein guter Ausdruck. Es handelt sich um eine Entwicklung der zunehmenden Machtkonzentration und dem Ausbau einer dieser Machtkonzentration dienenden Bürokratie. Die Bevölkerung glaubt noch immer, dass ihre Parlamentarier in erster Linie ihre Interessen vertreten; sicherlich mag es einige sich an Prinzipien orientierende Politiker geben, aber diese stellen wohl die berühmten Ausnahmen der Regel dar. Auch auf internationaler Ebene können immer stärker wachsende Organisationen, welche sich in die Angelegenheiten von Staaten einmischen und damit die demokratischen Werte untergraben, erkennen und den Bürokraten ein weiteres Betätigungsfeld eröffnen. Das Problem dabei ist die Tatsache, dass Bürokraten keinen wirklichen Beitrag zum Gesamtheit des Wohlstandes einer Gesellschaft offerieren, da sie einzig Substanz entziehen (Parasit), sondern dies einzig durch Menschen und Firmen, welche von den Menschen gewünschte Produkte und Dienstleistungen produzieren, erbracht wird. Ein weiterer ätzend Umstand liegt in der Tatsache, dass sich diese Bürokraten dabei (obwohl ein Parasit eines zunehmend geschwächten Gastgebers) ein bedeutend angenehmeres Leben als dies dem Durchschnittsbürger möglich ist einrichtet.

  19. Dani K sagt:

    Und das Volch ist tumb genug, um sich von den Mächtigen dieser Welt nach Strich und Faden ausnehmen zu lassen. Das mag gehen, solange es der Masse selbst auch ziemlich gut geht; jeder hat ein Dach über dem Kopf, ein Auto, einen Job, allen möglichen Schnickschnack zu Hause und kann sich Ferien leisten.
    Sobald das für einen grösseren Teil der Bevölkerung vorbei ist, rumpelts in der Kiste. Eine Frage der Zeit.

    • Jürg Stöckli sagt:

      Nicht nur das “Volch” ist tumb genug, es sind mittlerweile alle politischen Parteienmit im Boot beim freudigen Kohleschaufeln.
      Vieleicht tumb, vieleicht aber gerissen genug.
      Seit sich der Staat wie ein Unternehmer benimmt, hat er auch die polit. Kräfte hinter sich gescharrt, die früher einmal die Interessen der Kleinen im Kampf gegen “die Mächtigen” dieser Welt vertraten
      Mittlerweile haben auch ehemals soziale Parteien Spass am Wachstum gefunden, da es letztendlich ihre Macht zementiert.
      Ja richtig, wenn das Panem et Circenses Konzept zu Ende ist , rumpelst, da haben sie absolut recht.

      • J. Kuehni sagt:

        Es wäre wohl angebracht in diesem Zusammenhang das Wirtschaftssystem der “Pax Americana” (auch “Globalisierung” genannt) zu berücksichtigen. Dieses hat zwar eine – im globalen Durchschnitt – breitere Verteilung der Produktivitätsgewinne gebracht, aber dafür in den alten Industrieländern den demokratisch legitimierten Nachkriegs-Rechtsstaat mitsamt seinen Errungenschaften (Sozialpartnerschaft, Arbeiterrechte, Umweltschutz-Standards, soziales Auffangnetz, progressive Besteuerung) unterminiert und ausgehöhlt.

        Man erinnere sich: Der politische Grundgestus folgt auch in der Schweiz seit mindestens 30 Jahren einer stupiden Supplyside- und Trickle-Down-Ökonomie, bei der die Kapitaleigner im Wesentlichen die lokalen Gemeinschaften mit Abwanderungs-Drohungen erpressen und ihre wirtschaftlichen Partikularinteressen nahezu ohne Widerstand durchsetzen können. Den entsprechenden “Reagan-Thatcher-Knick” kann man in Piketty’s Diagrammen sehr schön lokalisieren. Dagegen können auch die Sozialdemokraten (in den wenigen Ländern, in denen Sie die Regierung stellen) nicht viel ausrichten, weil auch Sie eben bloss im nationalen Rahmen handeln können, während der Finanzkapitalismus global agiert.

        Das “Volch” reagiert darauf naturgemäss mit nationalistischen Abschottungstendenzen, was in der Verlängerung in die Katastrophe führen wird (alle gegen alle, hatten wir doch schon). Die aus europäischer Sicht einzige Alternative – eine Etablierung der obenerwähnten Errungenschaften auf mindestens gesamteuropäischer Ebene (EU!) – wird abgelehnt, weil verängstigte Leute sich instinktiv an dem festkrallen, was sie schon früher zu kennen glaubten.

        • Josef Marti sagt:

          Die Steuerdumpingpolitik und die Trickle Down Ökonomie wird insbes. in der CH fast von allen Seiten propagiert. Kommt dabei aber bei der allgemeinen Niederfräsung der öffentlichen Haushalte die Bildung unter die Räder wird das Land längerfristig nach hinten durchgereicht, denn ohne Erhalt und Aufbau des Humankapitals kann die Produktivität im internationalen Wettbewerb nicht mithalten. Den nomadisierenden Heuschrecken ists wurscht weil sie ja mobil sind.
          Scheinbar haben bisher nur die Skandinavier dieses Spiel nicht mitgemacht; weiss jemand wieso die sich trotz höchster Steuer- und Staatsquoten so gut halten können? vermutllich investieren die viel in die Bereiche Bildung und Gesundheit und verhindern ein Erodieren des für die Produktivität wichtigen hohen Kapitalstocks.
          Trotzdem bleibt die Frage, wieso funktioniert dort die Strategie mit Erpressung und Drohung von Auswanderung und der Auslagerung von Arbeitsplätzen nicht?

          • J. Kuehni sagt:

            Die Strategie mit Erpressung und Drohung funktioniert auch in skandinavischen Ländern, allerdings etwas langsamer als anderso. Auch in der Schweiz konnten ja verschiedene Deregulierungs- und Sozialstaats-Abbaugelüste durch Referenden zumindest abgebremst werden.

            Der Soziologe und Ökonom Emmanuel Todd (ein anderer Franzose) hat dazu die empirisch unterlegte These aufgestellt, dass traditionell überkommene Vorstellungen bezüglich Familienstrukturen – vor allem hinsichtlich Erbrecht und der (Gleich-)stellung der Frau in der Gesellschaft – eine wichtige Rolle spielen. Solche kulturell gewachsenen Faktoren beeinflussen die Politik auch noch im modernen, nationalen Rahmen allerdings zunehmend abnehmend (;-)

            Ein Trost: progressive gesellschafliche Ideen sind global auf dem Vormarsch, auch wenn es im alten Europa momentan nicht danach aussieht. Sogar die SVP bekennt sich ja heutzutage zu den Frauenrechten (zumindest wenn es um die Verteufelung des Islam geht), obwohl diese Partei sich sonst immer gegen die politische Gleichberechtigung der Frauen gewehrt hat.

          • Josef Anton sagt:

            @ Josef Marti

            Der scheinbare Erfolg der Skandinavier beherbergt nicht nur positive Seiten.

            http://www.theguardian.com/world/2014/jan/27/scandinavian-miracle-brutal-truth-denmark-norway-sweden

          • Josef Marti sagt:

            @Josef Anton: Guter Artikel, danke für den Link. Sicher gibt es nirgends eine perfekte Gesellschaft ohne Schattenseiten. Ich selbst könnte dort oben sowieso nicht leben; als Katholik und eher dem Alkohol zugetan wäre das in dieser protestantischen genussfeindlichen und männerfeindlichen Umgebung, wo keine Reben wachsen wahrscheinlich der Horror. Kommt hinzu dass es nur 3 Wochen im Jahr am Tag hell wird; also das mit den Antidepressiva als Alkoholersatz ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.
            Auf der anderen Seite sind die Skandinavier die einzigen die verstanden haben, dass wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft leben und alle vernünftig am Produktivitätsfortschritt teilhaben sollten. Diese sozial genossenschaftliche Mentalität wird deshalb kritisiert weil sie so medioker und durchschnittlich daherkommt und praktisch keine Heldenverehrung zelebriert wird wie sonst im Westen; man kümmert sich also auch um diejenigen, die nicht „die Besten“ sind, während bei uns nur Supertalente gefördert werden dürfen, weil es dem Volk sonst mies geht. Das Mantra von „The winner takes it all und trickle down“ ansonsten wir alle verarmen werden, wird uns seit Jahr und Tag heruntergebetet und wir glauben das.
            Dass eine Marktwirtschaft aber durchaus auch anders relativ erfolgreich funktionieren kann ist deshalb zum riesigen Verdruss der Neoliberalen ein grosses Ärgernis. Insbesondere für Helden, Stars und Narzissten muss Skandinavien sicher ein grauenhaftes Pflaster sein, weil man sie dort gar nicht richtig wahrnimmt und die armen Kerle sofort an akutem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leiden würden.

    • Tony Mueller sagt:

      ,,ja es ist bedenklich und regt zum Nachdenken an,es können nicht alle Antriebsmotoren sein, Nein es braucht auch das basis Chassis und die Räder,,und die werden auch in Zukunft helfen die Last zu tragen und transportieren,. das ist doch wie beim Wolf in Rom mit Remolus und Remus, die beiden waren Dankbar dass sie die Wolsmilch trinken durften denn er hatte das was die beiden nicht hatten.Es wird immer Personen geben die durch eigene grosse Arbeit ihren Lohn verdienen,anderen Arbeit geben zum überleben,, und eben ander die mit Geld nichts anfangen können bzw. nur wissen wie man dies möglichst schnell ausgeben kann. Als Beispiel Herr Spross Sen. er hatte mit grossem MINUS angefangen und durch viel Einsatz und Arbeit es zum Wohlsatnd gebracht,,aber auch seine Angsestellten provitierten sehr davon,,So braucht es immer starke Motoren die Antreiben und auch dafür was erhalten dürfen,,

  20. Mark sagt:

    Auch kann man mit hohen Vermögen die Steuern legal umgehen, zb.: Sam Walton, Gründer Walmart, hatte ein Vermögen von 50 Milliarden und seine 4 Kinder haben je 12.5 Milliarden geerbt. Fiskus 0 !

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