Die Hoffnung stirbt zuletzt

Griechenland kann die EU-Schulden nicht nach wie vor nicht zurückzahlen: Wandbild in Athen (27. September 2013). (AFP/ Louisa Gouliamaki)

Risikoreiche Währungsunion: Ein Wandbild in Athen zu Griechenlands Finanzkrise (27. September 2013). (AFP/Louisa Gouliamaki)

Vor vier Jahren – Anfang Mai 2010 – begann die Eurokrise in Griechenland. Seither ist viel passiert, vor allem Unerfreuliches. Zwar brennt es nicht mehr an den Finanzmärkten, aber die Krise hat sich tief in die Realwirtschaft eingefressen. Die Währungsunion bleibt nach wie vor ein höchst riskantes Unternehmen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit hängt davon ab, dass die Krisenländer (inklusive Frankreich) trotz Massenarbeitslosigkeit politisch stabil bleiben.

Darauf verlassen kann man sich nicht. Der letzte Eurobarometer (hier) zeigt, dass das Vertrauen in die EU in Frankreich und Italien deutlich unter die 50-Prozent-Grenze gerutscht ist. Beide Länder haben die europäische Einigung seit den 1950er-Jahren mit grosser Energie vorangetrieben. Vor allem in Italien ist die Zustimmung zu diesem Projekt immer überwältigend gross gewesen. Das hat sich durch die Eurokrise dramatisch geändert.

Dasselbe gilt für Griechenland. Auch dort ist die europäische Einigung stets positiv beurteilt worden. Heute sind zwei Drittel pessimistisch eingestellt. Wer die Schuld daran trägt, ist schon oft verhandelt worden, spielt aber letzten Endes keine Rolle. Fakt ist, dass die Unterstützung für das europäische Einigungsprojekt am Erodieren ist. Und es ist nach wie vor unklar, wie die verschuldeten Staaten zum Wachstum zurückfinden sollen.

Derweil versucht die EU-Kommission weiterhin gute Stimmung zu verbreiten. Als Griechenland vor vier Jahren erstmals Finanzhilfen benötigte, gab sie bekannt, dass Griechenland alle Schulden zurückzahlen werde. Sie stützte sich dabei auf folgende Prognosen (hier):

Die Sache kam dann etwas anders heraus, wie schon im Mai 2010 von unabhängiger Seite prognostiziert worden war. Ein Teil der Schulden wurde gestrichen, dennoch stieg der Schuldenanteil bis auf 180 Prozent des BIP. Das hält die EU-Kommission jedoch nicht davon ab, im jüngsten Bericht von April 2014 wiederum eine baldige Reduktion der griechischen Staatsverschuldung vorauszusagen (hier). Die entsprechende Grafik sieht verblüffend ähnlich aus und dürfte wiederum bald zu revidieren sein:

Vielleicht funktioniert die Strategie ja am Ende doch noch. Man versucht, Zeit zu gewinnen, bis eine prosperierende Weltwirtschaft die europäische Konjunktur aus der Talsohle reisst, und hofft auf die Kraft der Reformen in Frankreich und Italien. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ebenso denkbar ist aber ein Szenario, wie es Max Frisch im Theaterstück «Biedermann und die Brandstifter» entworfen hat. Es erzählt die Geschichte von Herrn Biedermann, der zwei Brandstifter in sein Haus aufnimmt, obwohl klar ist, dass sie es anzünden werden. Bis zum Schluss will er nicht wahrhaben, was sich vor seinen Augen abspielt, und verpasst daher den richtigen Moment, den Brand zu verhindern.