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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tobias Straumann am Montag den 5. Mai 2014
Griechenland kann die EU-Schulden nicht nach wie vor nicht zurückzahlen: Wandbild in Athen (27. September 2013). (AFP/ Louisa Gouliamaki)

Risikoreiche Währungsunion: Ein Wandbild in Athen zu Griechenlands Finanzkrise (27. September 2013). (AFP/Louisa Gouliamaki)

Vor vier Jahren – Anfang Mai 2010 – begann die Eurokrise in Griechenland. Seither ist viel passiert, vor allem Unerfreuliches. Zwar brennt es nicht mehr an den Finanzmärkten, aber die Krise hat sich tief in die Realwirtschaft eingefressen. Die Währungsunion bleibt nach wie vor ein höchst riskantes Unternehmen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit hängt davon ab, dass die Krisenländer (inklusive Frankreich) trotz Massenarbeitslosigkeit politisch stabil bleiben.

Darauf verlassen kann man sich nicht. Der letzte Eurobarometer (hier) zeigt, dass das Vertrauen in die EU in Frankreich und Italien deutlich unter die 50-Prozent-Grenze gerutscht ist. Beide Länder haben die europäische Einigung seit den 1950er-Jahren mit grosser Energie vorangetrieben. Vor allem in Italien ist die Zustimmung zu diesem Projekt immer überwältigend gross gewesen. Das hat sich durch die Eurokrise dramatisch geändert.

Dasselbe gilt für Griechenland. Auch dort ist die europäische Einigung stets positiv beurteilt worden. Heute sind zwei Drittel pessimistisch eingestellt. Wer die Schuld daran trägt, ist schon oft verhandelt worden, spielt aber letzten Endes keine Rolle. Fakt ist, dass die Unterstützung für das europäische Einigungsprojekt am Erodieren ist. Und es ist nach wie vor unklar, wie die verschuldeten Staaten zum Wachstum zurückfinden sollen.

Derweil versucht die EU-Kommission weiterhin gute Stimmung zu verbreiten. Als Griechenland vor vier Jahren erstmals Finanzhilfen benötigte, gab sie bekannt, dass Griechenland alle Schulden zurückzahlen werde. Sie stützte sich dabei auf folgende Prognosen (hier):

Die Sache kam dann etwas anders heraus, wie schon im Mai 2010 von unabhängiger Seite prognostiziert worden war. Ein Teil der Schulden wurde gestrichen, dennoch stieg der Schuldenanteil bis auf 180 Prozent des BIP. Das hält die EU-Kommission jedoch nicht davon ab, im jüngsten Bericht von April 2014 wiederum eine baldige Reduktion der griechischen Staatsverschuldung vorauszusagen (hier). Die entsprechende Grafik sieht verblüffend ähnlich aus und dürfte wiederum bald zu revidieren sein:

Vielleicht funktioniert die Strategie ja am Ende doch noch. Man versucht, Zeit zu gewinnen, bis eine prosperierende Weltwirtschaft die europäische Konjunktur aus der Talsohle reisst, und hofft auf die Kraft der Reformen in Frankreich und Italien. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ebenso denkbar ist aber ein Szenario, wie es Max Frisch im Theaterstück «Biedermann und die Brandstifter» entworfen hat. Es erzählt die Geschichte von Herrn Biedermann, der zwei Brandstifter in sein Haus aufnimmt, obwohl klar ist, dass sie es anzünden werden. Bis zum Schluss will er nicht wahrhaben, was sich vor seinen Augen abspielt, und verpasst daher den richtigen Moment, den Brand zu verhindern.

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49 Kommentare zu “Die Hoffnung stirbt zuletzt”

  1. AEgg sagt:

    “Die Überlebenswahrscheinlichkeit hängt davon ab, dass die Krisenländer (inklusive Frankreich) trotz Massenarbeitslosigkeit politisch stabil bleiben.”

    Die Überlebenswahrscheinlichkeit hängt zudem davon ab, ob es zu keinem weiteren Aufflackern der Eurokrise kommt.
    Hier ist eine lange Liste von Hausaufgaben nicht erledigt, beginnend bei dem nach wie nicht behobenen Problemen der Konstruktion des Währungsraumes. Damit ist der Weg zur Spread-Ausweitung der einzelnen Schuldenländer mit direkter Auswirkung auf die Bankbilanzen nach wie vor offen. Die EU-Banken stehen immer noch auf schwachen Füssen, worunter die Kreditvergabe leidet.

    In der Summe sehr viel Hoffnung und sehr viel Brandherde.

  2. andersen sagt:

    Moser

    Der EU wurde durch die Volkabstimmungen erschafft.
    Dieser Errungenschaft hat dazu geführt, dass die 28 Länder sich versöhnt haben und seit dem ist in Westeuropa kein Krieg.
    Und in 2012 hat der EU den Friedennobelpreis erhalten.
    Weil sie das Völkerrecht erfüllt hat und somit nicht in der Kategorie von ein Drittland ist.

    Es steht die Schweiz frei in allem Fragen abzustimmen, es steht die Schweiz frei, nicht der Völkerrecht anzuschliessen, wie es auch der EU es frei steht, nicht sich die Schweiz anzuschliessen.
    Die Probleme, die die Schweiz sind nicht auf Ausländer zurückzuführen, sondern die Probleme, die die Schweiz haben, ist Hausgemacht.
    Reisen Sie in die Länder von der EU durch, dann werde Sie erfahren, dass sie nicht, wie Zucker im The aufgelöst ist.
    Das ist die Werbespot von der Rechtspopulismus um so zu Sagen, dass sie die Europäer geholfen haben, Europa auf eine andere Dimension zu bringen, ist für mich reine Demagoge.
    Der Nationalismus wird der Europa nicht diktieren.
    Was die Schweiz aus dem macht, werde kaum jemand in der Zukunft interessieren.

  3. Josef Marti sagt:

    Interessant ist, dass ausgerechnet der IWF den Spaniern die Einführung der Planwirtschaft empfohlen hat. Das indem den Unternehmen zu befehlen sei, im Ausmass der Lohnsenkungen Zwangsneueinstellungen vorzunehmen sodass die Lohnsumme wieder auf dem vorigen Stand gebracht würde. Man erhofft sich dadurch offenbar Produktionssteigerungen, jedoch ist kaum anzunehmen dass solche eintreffen ohne vorhandene Nachfrage; aber man geht ja immer davon aus, dass das Angebot sich automatisch seine eigene Nachfrage schafft.
    Auf diese Weise hat man früher im Ostblock die Arbeitslosigkeit so lange umverteilt bis sie statistisch nicht mehr sichtbar war; Effizienz und Produktionssteigerung ergibt das jedoch nicht.
    Die Wettbewerbsfähigkeit kann auch nicht erhöht werden, da die Arbeitskosten unverändert bleiben und mangels Nachfrage auch nicht mehr produziert wird. Die Lohnstückkosten bleiben also unverändert und die Produktivität sinkt wegen der Zwangseinstellungen gleichzeitig. Es sinken also nur die Lohnkosten pro Kopf.
    Früher hätten nicht mal die Gewerkschaften solche sozialistischen Eingriffe gewagt zu fordern, und die Unternehmen würden zu Recht auf die Barrikaden gehen.

  4. Peter Richter sagt:

    Ich habe den Eindruck viele Forenteilnehmer, welche die Politik der Linken nicht als Zukunftsmodell betrachten, haben sich hier mit ihrer Meinung längst verabschiedet. Sind es die neuen Onlinegebühren? Begreiflicherweise möchte niemand täglich Rot-Grün-Propaganda mitbezahlen, wenn er von dieser Politik nicht angetan ist.
    Sind es die einseitigen Zensuren, wenn z.B. Antworten auf Beleidigungen zensuriert werden?
    Ich empfinde es als peinlich, wenn auf die Kriese in den südlichen EU-Ländern und Frankreich nicht ein einziges Mal auf die riesigen und unbezahlbaren Beamtenapparate in diesen Ländern hingewiesen wird, weiter werden Frührenten, zu kurze Arbeitszeiten, sturer Kündigungsschutz, zu hohe Steuern, usw. usw nie angesprochen.
    Was glaubt Ihr wohin die Milliardenbeträgen immer wieder hingehen? In überbezahlte Staatsstellen mit unfähigen und faulen Beamten weiter in die Arbeitslosenkassen, Frührenten usw. für die niemand genug einbezahlt hat.
    Der Euro-Sozialismus ist kollabiert und ihr habt es noch nicht einmal kapiert!

    • Josef Marti sagt:

      Euro Sozialismus von bis vor Kurzem durchgehend bürgerlichen Regierungen, wirklich zum Lachen. Damit bestätigen Sie die komplette Inkompetenz der Bürgerlichen, danke; an Unfähigkeit nicht zu überbieten.
      Abgesehen davon, die teuersten und unfähigsten Beamten sind wegen dem staatlichen Geldmonopol nach wie vor die Banken. Das sind die am höchsten bezahlten Staatsangestellten mit Bonus- und Defizitgarantie zulasten Steuerzahler oder dann zulasten der Währung, wenn die Notenbank eingreifen muss.
      Bereits die Österreicherfraktion unter Hayek hatte deshalb die Entnationalisierung des Geldes gefordert, weil sie erkannt haben, dass diese planwirtschaftlich organisierte Finanzwirtschaft keinem echten Wettbewerb ausgesetzt ist und ein über der Realwirtschaft wucherndes Geschwür darstellt.

      • ast sagt:

        Die Politik in den letzten Jahren vor der krise wurde bis heute Bürgerlich dominiert -und zwar fast alles Politiker die in kapitalen transatlantischen Denkfabriken unter US-Aufsicht einsitzen. Nach Rechts bewegten sich auch einige sozialistischen Politiker, man denke an Tony Blairs Freundschaft mit Bush, Gerhard Schröder mit Hartz IV, Steinbrück im Verwaltungsrat mehrer Banken und Konzerne wie Krupp. Selbst der Grüne Joschka Fischer hat seine Turnschuhe irgendwann in einer russischen Gas- Pipeline vergessen. Sozialisten sind heute einsame Leute und betätigen sich vielleicht noch als Blog Schreiberlinge -etwa auf den Nachdenkseiten.de

        Noch zurück zu diesem Blog -Artikel, mit einem absoluten bankrott -Rekordbruttostaatsschuldenstand von 221 Mrd. Euro wird wieder ein Euroland auf die Investoren losgelassen. Vermutlich ist der Termin kein Zufall -dass er mit der nächsten EZB-Sitzung zusammen fällt -Draghi (sicher auch kein Sozialist) wird bestimmt schon was einfallen damit die Anleihen wie warme Semmeln weggehen. Alles eine Glaubensfrage, so lange die EU Garantien ausspricht. Ob sie diese bei Glaubensverlust einhalten könnte steht auf einem anderen Blatt.

  5. H. Hanson sagt:

    @Josef Marti – Ich möchte Ihnen mit Fakten antworten:

    Deutschland war bereits 1986/87/88 und 1990 Exportweltmeister und 1960 auf dem 2. Platz – also lange vor der Einführung des Euro (1999 Buchgeld, 2002 Bargeld).

    Es war Gerhard Schröder, der “Agenda 2010” mit ihren Hartz-IV-Reformen durchgesetzt hat, nicht Frau Merkel/Herr Schäuble. Frau Merkel, erst mit P. Steinbrück und dann W. Schäuble als Finanzminister, mussten sich dann später mit einer globalen Finanzkrise auseinandersetzen. Und ich betone nochmals: global!

    Die PIIGS-Staaten habe ich nicht als “Sündenböcke” angeprangert, sondern Fakten genannt, die man nachlesen kann, wenn man sich dafür interessiert – sie sind unbestritten. Persönlich habe ich Irland hautnah erlebt, da ich auf der anderen Seite der “Irish Sea” lebte und Irland (Nord und Süd) sehr oft geschäftlich besuchte. Die Wirtschaft in Eire (Südirland) war völlig aus den Fugen geraten und überhitzt. Auch eine Tatsache, keine Fantasie.

    • ast sagt:

      Herr Hanson, wir sprechen doch eher über die Entwicklung unter dem gemeinsamen Binnenmarkt, der Einführung des Euro.
      Bereits zum Ende 1995 zeigte sich der Sachverständigenrat Deutschlands enttäuscht über die wirtschaftliche Entwicklung.
      (Jahresgutachten 95/96). Als Ursache wurde die Globalisierung angegeben sowie eine verringerte Standortqualität. Alleine die Reaktion sowohl in den USA als auch in Deutschland war aber falsch. Die Auslagerung der Arbeitsplätze beschleunigte sich infolge der Hinnahme eines beschleunigten Handels mit China ohne den Aspekt der sozialen Globalisierung zu berücksichtigen. Die westlichen Regierungen beugten sich den Forderungen der Eliten, die entgegen der Bevölkerung zunehmend von der (relativ zum Westen gesehenen) Sklavenarbeit in Asien profitierten. Die Reaktion der Deutschen war (und da war tatsächlich nicht nur Schröder dahinter) die Lohnstückkosten zu senken. Man begann also mit Arbeitskräften zu konkurrieren die noch kaum Sozialversicherung kannten -was man eben in Frankreich mit Recht so nicht wollte. Das Ergebnis war eine beispielslose Deindustrialisierung in den USA mit der Folge einer sich aufbauenden Subprime Krise. Anstelle die Globalisierung sozial verträglich zu gestalten haben uns die Eliten verraten und an den Meistbietenden sowie Heuschrecken verkauft -das ist die nackte Tatsache -und die Wähler haben es ihnen auch noch geglaubt.

  6. Mario M. Montecarlo sagt:

    Kein Wunder,dass die Zustimmung zum Euro in manchen Ländern der Ernüchterung gewichen ist.Hatten sich doch viele eingebildet,die Party könne ewig weitergehen und das grosse und reiche Deutschland bezahlt die Rechnung.Deutschland bezahlt immer noch den grössten Teil,hat doch klargemacht,dass nun auch andere Staaten ihre Hausaufgaben machen müssen.Wenn man da etwa in einem Schweizer Blatt lesen kann,dass in Gstaad (und anderswo im Lande) griechische Milliardäre im Durchschnitt gerade mal eine fünfstellige Frankensumme an jährlichen Pauschalsteuern ans Steueramt abführen,während ihre Landsleute zuhause sparen müssen ( falls sie nicht zum auf Mykonos feiernden Millionärsnachwuchs gehören),denkt man sich seinen Teil.Apropos reiche Griechen:Die Verhandlungen zwischen GR und der CH über ein neues Steuerabkommen ziehen sich nun schon ewig hin wie Kaugummi.Man hat den Eindruck,dass sowohl reiche GR-Steuerflüchtlinge als auch auch die CH wenig Interesse daran haben,dass sich etwas ändert.Sonntagsreden sind ja auch billiger!

  7. H. Hanson sagt:

    Ich hätte mir von Herrn Straumann eine differenziertere Meinung gewünscht. So ist es sehr wohl wichtig, was die Ursachen der Eurokrise sind. In jedem Land hat diese andere Gründe. In Griechenland war, und ist es auch noch heute, eine oft korrupte, bzw. nicht existierende Regierungsadministration, und dessen Reiche ihre Milliarden ins Ausland (Steueroasen) verschoben haben – man kann einen Kranken nicht ewig ausbluten, ohne dass er massiv leidet. In Italien ist es eine jahrelange Misswirtschaft unter Berlusconi, die nur langsam korrigiert werden kann. Frankreich hat lange Zeit über seine Verhältnisse gelebt und Monsieur Hollande ist es noch immer nicht gelungen, das Land den Realitäten anzupassen. In Spanien und Irland war der Grund der Krise eine Überhitzung der Wirtschaft, in der man mit riesigen Krediten, bereitwillig von Großbanken verschiedener Länder zur Verfügung gestellt, Immobilien geschaffen hat, die sich dann keiner mehr leisten konnte oder wollte. Die Finanzwelt hat viel dazu beigetragen, dass die Welt, und nicht nur Europa und die EU, eine enorme Krise zu bewältigen hat, und sie scheint noch immer nicht viel davon gelernt zu haben. Die Einheitswährung Euro ist für diese Bewältigung ein Hindernis, denn man kann nicht einfach die Landeswährung abwerten; aber auch bei einer Abwertung müssten die Bürger leiden. Es ist fatal zu glauben, dass nur der Euro oder die EU für diese Krise verantwortlich sind. Es sind die Krisenländer selbst, die den grössten Teil zu ihrer Verschuldung beigetragen haben. Es ist jedoch menschlich und verständlich, Fehler nicht bei sich selbst, sondern Anderen zu suchen und in diesem Fall müssen eben die EU und Deutschland als Sündenböcke herhalten.

    Und Herrn Moser möchte ich antworten: Dass Mrs. Thatcher und Helmut Kohl Sozialisten waren, ist mir neu. Nur Herrn Mitterrand könnte man dieses Schild umhängen. Der Grund, den Euro einzuführen, war der Gedanke, dass man Deutschlands wachsende Macht so unter Kontrolle bringen könnte. Doch eigentlich pervers, dass es Deutschlands Macht nur gestärkt hat.

    • Josef Marti sagt:

      Das kann man so nicht stehen lassen. Das positivste was für D spricht ist, dass sie den Exportanteil innerhalb Euroraum inzwischen auf unter 38% gesenkt haben, das ist mal schon nicht schlecht. Dass man vorher aber durch Missachtung der vereinbarten Inflationsziele und Lohndumping mit seinem Wettbewerbsvorteil die Wirtschaft der Handelspartner ruiniert weil kein Wechselkurs als Ausgleichsmechanismus fungieren kann geht wohl gar nicht.
      Jetzt sitzt die D Bundesbank auf Target Salden gegenüber EZB von über 700Mia, diese könnten nur abgebaut werden wenn künftig der Süden in einer Trendumkehr gegenüber dem Norden jahrelang Exportüberschüsse fahren würde; ob da die D Exportindustrie Freude hätte? Den Süden als Sündenbock hinstellen ist falsch; das Duo Infernale Merkel / Schäuble trägt mindestens soviel Verantwortung.

      • Friedrich sagt:

        Wir, die wir Nicht zur – Politiker-Kaste gehören, werden nie ganz hinter dieses verlogene System blicken.
        Wer Europa und die Hintergründe etwas besser verstehen möchte und dabei noch etwas erheitert werden möchte, dem empfehle ich (ohne Werbung treiben zu wollen) das Buch von Roland Baader das er schon 1993 geschrieben hat: “Die Euro-Katastrophe” empfehlen.

      • urs lehmann sagt:

        Sie schreiben, als ob DE/der Norden dem Süden mit gezückter Maschinenpistole die Güter aufgezwungen hätte. Dass ohne Nachfrage keine Verkauf stattfindet, blenden Sie geflissentlich aus.

        Meines Wissens gibt es keine Inflationsvereinbarung, sondern nur das Inflationsziel der EZB. Und zwar über den gesamten Euroraum, nicht für einzelne Länder, dazu fehlen Ihr die Instrumente. Was tatsächlich missachtet wurde, sind die Maastricht-Kriterien. Aber da sitzen auch vor 2008 praktisch alle EU-Staaten im Glaushaus, der Süden noch mehr als der Norden.

        Zumindest im Fall von GR ist das Problem weitgehend selbstverschuldet. Statt dass die 50% Realwachstum (110% nominal) 1997-2007 für schmerzarme Reformen und Sanierung des Staatshaushalts genutzt wurden. Sogar mit einem leicht negativen Haushaltsaldo wäre die Schuldenquote automatisch massiv gefallen. Stattdessen wurden Kreti und Pleti Zückerchen verteilt – das effektive Rentenalter von 61 Jahren ist dabei nur eines von sehr vielen Beispielen.

        • Josef Marti sagt:

          Eben, über den gesamten Euroraum, das ist ja der Witz dabei. Wie soll das funktionieren mit verschiedenen Inflationsraten innerhalb derselben Währung? Gerade das Inflationsziel ist das zentralste Element überhaupt in einer Währungsunion, und nicht etwa gleich viele Ferientage usw. Die in der Vergangenheit unterschiedlichen Inflationsraten im Euroraum verliefen nachweislich entsprechend der Entwicklung der Lohnstückkosten.

          Dass bei festen Wechselkursen das wettbewerbschwächere und inflationierende Land sofort leergefegt wird muss ich Ihnen sicher nicht erzählen; siehe auch Wiedervereinigung Ost mit DM Einführung 1 : 1. Deshalb hatten damals schon vor der Euro Einführung viele Ökonomen vor diesen Folgen (natürlich vergebens) gewarnt. Die Wiedervereinigung hat übrigens deswegen locker 20 BIP Prozentpunkte Verschuldungszunahme gekostet, als Politiker kann man das locker wegstecken wenn man dafür im Geschichtsbuch verewigt wird.

          Dem Süden allein den schwarzen Peter zuschieben geht definitiv nicht, auch wenn die von Ihnen genannten Fakten richtig sind. Andernfalls nimmt man diejenigen aus der Verantwortung die massgeblich für das Schlammassel mitverantwortlich sind

        • Maiko Laugun sagt:

          Es braucht keine gezückte Maschinenpistole. Es genügt, wenn man Kredite gewährt, damit die südlichen Länder die Produkte in Deutschland/Norden kauft. Die Gewinne gehen an die Bank und das Risiko trägt der Steuerzahler.

          • Margot sagt:

            @Laugun: Die Gewinne gehen an die Unternehmen, die Nationalbank bekommt Schuldscheine (Target 2 Konten) welche an den Steuerzahler weiter gegeben werden. Im Grund kann man die Waren gleich verschenken. Nur, dann würde der Bürger aus seinem Wachkoma aufwachen und auf die Barrikaden steigen.

  8. […] Never mind the Markets: Die Hoffnung stirbt zuletzt […]

  9. Margot sagt:

    EZB-Vize-Chef Vitor Constancio (Portugal) auf einer Presse-Konferenz am 28.04.2014 in Frankfurt: “Wenn man sich vor Augen hält, wo wir kaum zwei Jahre nach dem Beinahe-Zusammenbruch der Euro-Zone inzwischen stehen, ist das zwar ermutigend. Allerdings heißt das nicht, dass wir die Gefahrenzone gänzlich verlassen hätten”.
    Das Hauptrisiko für die Finanzstabilität in Europa sei derzeit “ein scharfer Anstieg der weltweiten Zinsen für Schuldtitel wegen einer abrupten Neueinschätzung von Risiken”, sagte der Portugiese. Außerdem gebe es Gefahren durch die Krise zwischen Russland und der Ukraine.
    Immer wieder witzign wie Verschwörungstheorien nun ganz offiziell und wie immer ex post als zutreffende Beschreibung der realen Zustände bestätigen.

    • Marcel Senn sagt:

      Von was für einer Verschwörungstheorie reden Sie denn hier, werte Margot — dass die Zinsen irgendwann wieder mal ansteigen könnten oder was??? Die Zentralbanken können sich auf jeden Fall in nächster Zeit infolge des hohen Verschuldung weltweit nicht unbedingt leisten die Zinsen anzuheben und Inflation hats auch keine, eher Deflation, gut Zinshüpferln infolge Bonitätkriterien könnte es allenfalls noch geben, aber solange die EZB ja praktisch aufsaugen kann, bleibt auch dieses Risiko limitiert.
      .
      Also das mit der Verschwörungstheorie müssen Sie mir bitte erklären.

      • Margot sagt:

        Es geht um den ersten Abschnitt, Herr Senn. Das hat der Vize EZB Chef auf einer Pressekonferenz zugegeben das der € vor zwei Jahren fast zusammen gebrochen ist und immer noch nicht aus der Gefahrenzone ist.

        • Marcel Senn sagt:

          Na gut – aber das ist ja nicht unbedingt eine Verschwörungstheorie, auch wenn der Zusammenbruch des Euro in unzähligen Verschwörungstheorien durchgespielt wurde. Ich habe mir auch genügend Verschwörungstheorien reingezogen, Teilwahrheiten enthalten sie fast alle, aber die Verschwörungstheorie entsteht ja meist, indem man diese Teilwahrheiten zu neuen angeblichen Gesamttheoriekonstrukten zusammensetzt. Vor allem mit selektiv ausgewählten Informationen kann man da ganz neue Weltbilder zusammenbasteln.
          .
          Aber eben man muss da sehr kritisch bleiben, auch wenn die Argumente einem in einer kohärenten Logik erscheinen.
          .
          Die Sicht der Dinge und die Dinge an sich…

  10. ast sagt:

    “Wer die Schuld daran trägt, ist schon oft verhandelt worden, spielt aber letzten Endes keine Rolle.”

    Dem muss ich widersprechen, es spielt sehr wohl eine Rolle wer oder was Schuld an der Finanzkrise trägt. Wir leben (noch) in einer Demokratie, und da ist es zur Orientierung im Wahlverhalten für die Bürger wichtig zu wissen warum ins Gras gebissen werden muss.

    Einen der Hauptschuldigen ist aus meiner Sicht der ehemalige Deutsche Kanzler Gerhard Schröder und Mitstreiter mit seiner Agenda 2010.
    Die Auswirkung dieser Neuausrichtung Deutschlands war nicht nur in Europa zu spüren, die Deutsche Agenda hatte globale Auswirkungen.

    • Josef Marti sagt:

      Ganz genau. Damit wurde das System Lohndumping und Hartz IV endgültig zementiert. Das einzige Land übrigens, das sich an die gemeinsam vereinbarte Inflationsrate von knapp 2% gehalten hat war Frankreich. Südeuropa war deutlich darüber und D deutlich drunter. Aufgrund der bekannten Daten ist auch bewiesen, dass F nicht eine tiefere Produktivität hatte als D, jedoch logischerweise die höheren Lohnstückkosten. Nicht gerade förderlich für die heiklen Beziehungen dieser beiden wichtigsten Länder im Verbund. Wieder einmal zeigt sich eindrücklich die eklatante ökonomische Inkompetenz von bürgerlichen Regierungen.

  11. Anh Toan sagt:

    “Fakt ist, dass die Unterstützung für das europäische Einigungsprojekt am Erodieren ist. ”

    Um dies zu belegen, müsste zumindest ein Vergleich des Eurobarometers mit früheren Erhebungen gemacht werden, und dann wäre, um präzis zu sein, der Rückgang der Eurobarometers ein Fakt und der Rückgang der “Unterstützung für das europäische Einigungsprojekt” wäre ein Schluss aus diesem Fakt.

    Aus einer Messung des Vertrauens (optimistic, pessimistic) eine “Erosion der Unterstützung” als Fakt zu erkennen, Bedarf übernatürlicher Fähigkeiten, hat aber nichts mit Wissenschaft zu tun.

    (Der Beitrag sagt zwar, in Griechenland, Frankreich und Italien sei das Eurobarometer früher höher gewesen, aber in Deutschland und Holland war es vielleicht früher tiefer.)

    Die Hioffnung mancher Schweizer, das “Problem” EU erledige sich von selbst, stirbt zuletzt.

    • Anh Toan sagt:

      http://www.journal21.ch/frankreich-misstrauen-und-pessimismus-allueberall

      In Frankreich herrscht zur Zeit eine genrell negative Haltung genüber allen politschen Institutionen

      In Frankreich ist das Vertrauen in europäische Institutionen höher, als das Vertrauen in die französischen:

      Zitat aus dem Link:

      «Die Franzosen versinken in einer kollektiven Depression».

      “Mit diesem Satz wurde jüngst das jährliche «Barometer über das Vertrauen der Franzosen in die Politik» kommentiert, das vom Forschungszentrum der Elitehochschule Science Po und dem Meinungsforschungsinstitut «Opinion Way» jetzt bereits zum fünften Mal erstellt wurde. Und es bringt ebenso verblüffende, wie beunruhigende Entwicklungen in der französischen Gesellschaft zum Vorschein.”

      Ganz generell erkennt man in der westlichen Welt ein stark schwindendes Vertrauen in die Politik, die Schweizer jammern, der Bundesrat mache nicht, was das Volk will. èberall erklinkt der Ruf nacxh einem starken Mann, der sogar eine Frau sein darf (Marie Le Pen). Der Ruf nach Abschottung gegen aussen, die Rückkehr zu völkischem Gedankengut, in der Schweiz hofft man, die Rechtsnationalen in Frankreich, in Deutschland (AfD) in UK (UKIP) bringen die EU zum Einsturz. Man hängt begeistert an den Aussagen des rechsnationalen, homophoben Vaclav Klaus, sieht in ihm einen Verteidiger der Demokratie.

      Ja, auch mein Vertrauen in Europa ist am schwinden, aber nicht meine Unterstützung für Europa. Die EU ist die wichtigste Institution welche verhindern kann, dass Europa in den verheerenden Nationalismus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zurückfällt.

    • urs lehmann sagt:

      Die Fragestellung:
      Please tell me wether you are for or against it:
      “A european economic and monetary union with one single currency, the Euro”

      Ihre Kritik ist insofern berechtigt, als im Artikel die Aussage nicht untermauert wird. Aber das EuroBarometer ist tatsächlich eindeutig, v.a. im langfristigen ist die sinkende Unterstützung offensichtlich:
      Seit dem Scheitelpunkt 2007 (EU-weit 31% dagegen, 63% dafür) hat die Unterstützung kontinuierlich nachgelassen auf zuletzt 41% dagegen vs 52% dafür (vergangenen Frühling waren’s sogar 42% dagegen, 51% dafür).

      Auffällig finde ich, dass Grosso Modo nördlich der CH die Zustimmung über-, südlich der CH unterdurchschnittlich ist – Nord gegen Süd.

      • Anh Toan sagt:

        @Urs Lehmann: “…zuletzt 41% dagegen vs 52% dafür (vergangenen Frühling waren’s sogar 42% dagegen, 51% dafür).”

        Naja, dann wäre der Fakt ja, dass das Vertrauen wieder langsam steigt.

        Nein, im Ernst, ich wundere mich nicht, dass die Zustimmung zum Euro in der Krise gelitten hat. Ich wundere mich nicht, dass die euphorischen Erwartungen der Griechen oder Italiener (jetzt werden wir so reich wie die Deutschen, endlich haben wir die Währung, mit der man Mercedes BMW und Porsche kauft) enttäuscht wurden.

        Und Eurpaweit ist immer noch eine Mehrheit dafür, sogar eine absolute Mehrheit. Aber der Beitrag animiert einen Herrn Roland K. Moser von “Zwangsweise “vereinten” Volkswirtschaften” zu schreiben. Der Beitrag ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsnationalen, und verkennt, für einen Historiker grobfahrlässig, wer die gefährlichsten Brandstifter in Europa sind.

        Der heutigen Artikel von Simon Schmid auf Newsnetz (Warum Portugal den Schirm zuklappt) ist deutlich besser, weil sachlich und unvoreingenommen, auch besser als der Beitrag hier über die griechische Sage vom Wunder oder so.

        • Josef Marti sagt:

          So enttäuscht sind die gar nicht. Ich glaube es gibt nirgends so viele deutsche Autos auf den Strassen wie in Italien. Deshalb glaube ich auch, dass man Entwarnung geben kann und die von Herrn R.K. Moser entwickelte und patentierte Theorie der “Repatriierungsmassnahmen” sich noch nicht definitiv aufdrängt.

  12. Ramon Lopez sagt:

    Es ist sonderbar zu sehen wie alle meinen die Schuld liegt im Bestreben das es ein vereinigtes Europa braucht oder im Süden Europas! Der Europäische Süden zahlt zurzeit nur die Rechnung der Banken im Norden die sich nicht darum kümmerten wie die Kredite vergeben wurden und nur auf Profit aus wahren. In der realen Wirtschaft hätte man sich den Verlust ans Bein streichen müssen. Im Euroraum muss jetzt die Bevölkerung des Südens die Schulden meistern, die Ihnen die Baukonzerne und Banken eingebrockt haben. Und jetzt müssen die Staatshaushalte für private gerade stehen. Da fragt niemand mehr ist das nicht ein komischer „Sozialismus“? Wer hat die UBS gerettet? Und wer muss vielleicht der Credit Suisse zu Hilfe eilen? Immer der Staat oder Europa und es wird immer darauf herum gehauen und geflucht, statt zu sehen was erreicht wurde.

  13. […] Die Hoffnung stirbt zuletzt (blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets, Tobias Straumann) Die Europäische Union versucht mit […]

  14. Johnny Smith sagt:

    “Derweil versucht die EU-Kommission weiterhin gute Stimmung zu verbreiten.”

    Mit anderen Worten: den Kopf in den Sand stecken… die Augen vor der Realität verschliessen… die eigene Machtposition verteidigen… die Bevölkerung anlügen… …. ….

    Begründung: Nicht dass deren Prognosen falsch waren, ist das Problem, sondern dass deren Prognosen bereits zur Zeit der Prognose fast mit Sicherheit nicht eintreffen konnten, macht die EU-Kommission zum ‘Schönwetter-Propheten’.

    “Das hält die EU-Kommission jedoch nicht davon ab, im jüngsten Bericht von April 2014 wiederum eine baldige Reduktion der griechischen Staatsverschuldung vorauszusagen (hier). Die entsprechende Grafik sieht verblüffend ähnlich aus und dürfte wiederum bald zu revidieren sein”

    Auch diesmal wird die Prognose der EU-Kommission nicht eintreffen, sondern ist (wie auch nicht) leider zu optimistisch. 120% vom GDP, ca 2021… viel Glück. (na ja, mit Schuldenschnitt etc. ist es sicher machbar)

    “Vielleicht funktioniert die Strategie ja am Ende doch noch. Man versucht, Zeit zu gewinnen, bis eine prosperierende Weltwirtschaft die europäische Konjunktur aus der Talsohle reisst, und hofft auf die Kraft der Reformen in Frankreich und Italien. Die Hoffnung stirbt zuletzt.”

    Trifft den Nagel auf den Kopf!

  15. Nicolas Pidoula sagt:

    Es war von Anbeginn an absehbar, dass dieses “Friedensprojekt” im Chaos oder in einer zentralistischen Diktatur enden würde. Die Volkswirtschaften und Mentalitäten funktionieren zu unterschiedlich. Jeder Tourist kennt das. Die Währungsunion war der Preis, den Deutschland zu bezahlen hatte für den Mauerfall. Dadurch wird Deutschland zum Nettozahler und ist an die Kandarre gelegt. Jetzt wo die Party im Süden vorbei ist, erwachen die Menschen erschrocken und erkennen, dass sich ausser dem damaligen billigen Geld nichts verändert hat. Warum sollte es auch? Jedes Land hat die Währung und Wirtschaftskraft, die es verdient. Und das ist – ganz neutral betrachtet – gut so.Brüssel hofft natürlich nach wie vor, dass mit “Notrecht” und politischen Winkelzügen die vereinigten Staaten von Europa geschmiedet werden können. Aber die realen Menschen erkennen, dass auf diese Weise eine neue sozialistische Zentraldiktatur entsteht, die sie entrechtet und alles ökonomisch nivelliert. Der Hass auf die “faulen Griechen” wächst genauso wie der Hass auf die “Nazi-Deutschen”. Und last but not least: Der Euro mit diesen unterschiedlichen Wirtschaften ist die geplante Sollbruchstelle, die verhindert, dass keine andere Währung den US-Petro-Dollar verdrängen kann. Einzig China und Russland könnten als Wirtschaftspartner diese Verschuldungshandschellen sprengen. Was ich im Moment zu beobachten meine. Aber das ist wie die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Mein Rat: Lieber ein Ende mit Schrecken – sprich: kontrollierter schmerzlicher Abbruch – als ein Schrecken ohne Ende. Bricht man dieses Projekt nicht bald ab, wird es Bürgerkriege geben. Aber vielleicht ist ja auch das gewollt. Schrecklich ist nur, dass die junge Generation einen hohen Preis für dieses Monopoly-Spiel bezahlen muss.

  16. Rene Wetter sagt:

    @Moser: Man sollte das Wort “sozialistisch” nicht ständig einsetzen, insbesondere dort wo es gar nicht verloren hat. Entweder verstehen Sie die Bedeutung des Wortes nicht, oder Sie verwenden es generell als Schimpfwort wie “verflucht” oder so. Und lassen Sie mal den Schwachsinn mit “Nachfolgerin der UdSSR”, diese entstand nicht durch einen freiwilligen Zusammenschluss von Ländern sondern durch Zwang und Eroberung.
    Vor der Installation des Bundesstaates hatte auch hier jeder Kanton eine eigene Währung. Dann kam dieser “sozialistische” Bundesstaat, was?
    Sie glauben wohl die ständige Abwertung der eigenen Währung sei der Königsweg. Mit der fortschreitenden Globalisierung und steigendem Handel wird das immer mehr zum Nachteil, den Güter werden in $,€ und Yen gehandelt, Drachmen und Lira und dergleichen will keiner. Abwertung ist nichts anderes als Enteignung von Rentner und Sparer und Belohnen von Schuldenmacher. Zudem die südeuropäischen Länder können gar nicht soviel abwaerten um mit China konkurrenzfähig zu werden

    • Josef Marti sagt:

      Das ist fundamental falsch. Gerade in der Globalisierung hat Brasilien erfolgreich das Gegenteil bewiesen. Abwertung ist eine Massnahme in der kurzen Frist, das sollte eigentlich nicht so schwer zu begreifen sein. China hat sogar sehr lange Zeit mit Interventionen und Kapitalverkehrskontrollen abgewertet bzw. genauer gesagt eine Aufwertung seiner Währung absichtlich verhindert um die USA in merkantilistischem Stil mit Exporten einzudecken.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Marti: Das scheint mir nur teilweise richtig zu sein. Es sind die USA, die mit ihrer Welt-Handelswährung (inkl. Petro-$) und der bodenlosen Notenpresse des FED die anderen Länder zu Anpassungs-Massnahmen zwingen. China tat und tut das einzig richtige, nämlich eine faktische Ankopplung des RMB an den US$. Das werden sie auch weiterhin tun – und zwar so lange, bis sie mit ihrer eigenen Währung den $ als Welt-Handelswährung ablösen können. Gruss aus China in die Schweiz.

        • Josef Marti sagt:

          Sehr richtig. China macht das einzig richtige, niemals die eigene Geldpolitik sich aus den Händen nehmen lassen. Wer sich in einem Ankerwährungssystem mit freiem Kapitalverkehr der Leitwährung unterordnet und nur noch deren Zinspolitik nachvollziehen darf landet im Fiasko wie man in den 90ern gesehen hat (Asienkrise, Argentinien, Mexico). So ist in der Asienkrise zB Malaysia gut über die Runden gekommen weil es Kapitalverkehrskontrollen praktizierte.

    • Roland K. Moser sagt:

      Die EU ist halt freiwillig durch Volksabstimmungen entstanden und nicht durch Zwang. (Das ist ironisch gemeint)

      • Anh Toan sagt:

        Genau, darum erhielt die AfD als einzige eurokritische Partei in Deutschland auch mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen.

  17. Roland K. Moser sagt:

    Die in der Währungsunion zwangsweise “vereinten” Volkswirtschaften sind zu unterschiedlich in deren Gesetzen, Qualität und Quantität, als dass eine Währungsunion Sinn machen und funktionieren kann. bsp. Rentenalter.
    Die Währungsunion ist eine sozialistische Zwängerei, vermutlich wurde sie deshalb falsch angegangen. Evt. wurde sie auch absichtlich gegen jede Vernunft eingeführt, um Europa zu destabillsieren um dem Sozialismus zum Durchbruch zu verhelfen. Schliesslich betrachtet sich die EU als legitime Nachfolgerin der UdSSR.

    • Josef Marti sagt:

      Bleiben Sie auf dem Teppich. Bis vor kurzem hatten wir EU weit bürgerliche Regierungen. Die Währungsunion ist im Gegenteil wie schon damals der EWS stets von neoliberalen Kräften vorangetrieben worden hauptsächlich zwecks Optimierung und Maximierung der Profite der multinationalen Unternehmen durch Zerschlagung der Staaten und Staatsgrenzen und der damit verbundenen Zoll und Steuerschranken sowie Einführung freier Personenverkehr.

      • Roland K. Moser sagt:

        “…erschlagung der Staaten und Staatsgrenzen und der damit verbundenen Zoll und Steuerschranken sowie Einführung freier Personenverkehr…”
        Zutiefst sozialistisch tönt das.
        Die Einheits-Währung passt da gut dazu.
        Und das Tüpfelchen auf dem i ist die für meine Masstäbe nicht vorhandene Demokratie, sowohl bei der EU als auch deren Mitgliedern.

      • Klara Klar sagt:

        Obwohl ich zur Zeit wenig SP-Sympatien habe:
        wie kann man darauf kommen, denen die Schuld am Debakel zuzuschreiben ?
        Die waren doch einfach zu Schäuble-Merkel gläubig. Manche mangels ökonomischer Einsichten, andere aus nicht eingestandemen purem, kurzsichtigem Oportunismus. Ja, SP hat Lohndrückerei favorisiert. Die Strippenzieher jedoch waren andere – und diese sind die aktuellen Inhaber ausschliesslicher Ausführungsmacht (per Volksabstimmung !).

        Der “barmherzige ‘Katholizismus’ ” ist halt nicht das, was wir brauchen – wir benötigen aufrichtige, ehrliche Achtung der Menschen, und damit eine faire Entlöhnung und nicht-erniedrigende Arbeitsbedingungen. Für beides stehen Schäulble und Merkel nicht – Sie sind der festen Überzeugung, einen untrüglichen Menschenverstand zu besitzen – halt die ungute Art des ‘echt deutsch’. Und die ‘ Gutgesinntes ‘ erwartenden Bürger erwachen (wieder) zu spät – auch – irregeführt – durch Presse, Rundfunk, TV – und Bildern, die uns sympatische Mächtige vorgaukeln. Dass diese lediglich noch Mächtigeren in die Hand spielen, ist schwer zu erkennen.

    • J. Kuehni sagt:

      @ Moser und Co.

      Gähn.

      Das Thema ist doch schon tausendfach – auch in diesem Blog – abgehandelt worden. Die EU ist in erster Linie weder “Friedensprojekt” noch “sozialistisch-neoliberale Elitenverschwörungszwängerei” sondern ganz einfach eine geopolitische Notwendigkeit und ein Ausdruck der relativen Schwäche der europäischen Nationalstaaten (auch der Grösseren) als direktes Ergebnis des zweiten Weltkrieges; Darum folgen die Entscheidungen der Clubmitglieder auch nicht immer vordergründig rationalen ökonomischen oder tagespolitischen Kriterien.

      Sie können ewig jammern über die “undemokratische” Regelflut aus Brüssel oder die mangelhafte Euro-Konstruktion. Die entscheidende Frage ist letztlich, ob ihnen die einseitige Übernahme von US-Normen (oder wahlweise chinesische Regulierungen oder gar ein Diktat von Zar Putin) lieber wäre. Zu denen haben europäische Nationalstaaten (jeder auf sich selbst gestellt) dann rein gar nichts mehr zu melden.

      • Josef Marti sagt:

        Das ist richtig, wenn man von einem permanenten Währungskrieg ausgeht. D war jedoch nach dem WK alles andere als schwach, zumindest wirtschaftlich betrachtet. Die einseitige Übernahme von US Normen fand schon 1944 statt mit Bretton Woods.
        Unter dem EWS Festkurssystem war man sodann ständigen Spekulationsattacken ausgesetzt was das System immer wieder grundlegend erschüttert hat. Die Währungsunion war der einzige Ausweg daraus.

        • Klara Klar sagt:

          Und jetzt finden keine Spekulationsattacken statt – oder nennt man das einfach nicht mehr so ?

          Wo leben Sie ?

          Gibt’s dort keine Börsennachrichten mehr ?

          • Josef Marti sagt:

            Dann schauen Sie sich mal um, wo die Attacken bisher so stattfanden, zB. Türkei, Island, Ukraine, Ungarn.
            Gegen den Euro zu spekulieren dürfte schwierig werden; wegen der Deflationstendenz in Südeuropa droht dem Euro eine reale Aufwertung, was dem Exportweltmeister D gar nicht schmeckt.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Kuehni: Der Kontinent Europa ist sich der geopolitischen Notwendigkeit bewusst, schafft es aber infolge seiner verschlafenen Dekadenz nicht mal mehr mit einer schleichenden Untergrabung der Demokratie und sinnlosen Ueberregulierungen diesem Umstand Rechnung zu tragen. Eine geplante geopolitische Militär-Allianz zwischen China und Russland kam schon in Verträgen von 2001 vor und steht auf der Prioritätenliste ziemlich weit oben. Europa hat dem in der Zukunft weder wirtschaftlich noch militärisch etwas entgegen zu setzen und wird auch nicht als heimlicher Sieger/Profiteur aus dem neuen Machtverhältnis China/Russland gegen die USA heraus gehen, nicht mal als dummer Bündnispartner der USA.
        Ihr Kommentar ist somit falsch. Aus den genannten Tatsachen, sofern man sie denn sehen will, wird weder ein Konstrukt wie die EU noch ein EURO etwas ändern. Oder mit anderen Worten: Es spielt keine Rolle, ob man als grosse und schwache Einheit oder als kleiner und starker Einzelgänger untergeht. Nochmals ein Gruss aus China.

        • J. Kuehni sagt:

          Ist Sinozentrismus irgendwie besser als Eurochauvinismus? Ist Europa tatsächlich dekandent und verschlafen, bloss weil die Amerikaner dies immer behauptet haben und die Chinesen auf den Zug aufgesprungen sind? Können Sie (oder ich) jemals Chinese werden? Welche Partizipationsmöglichkeit bietet das angekündigte, “chinesische Imperium” seinen Vasallen (Russland) und unterworfenen Gebieten (Europa, gemäss M.Laugun)? Inwiefern ist China universell anwendbar oder an eine Ethnie gebunden? Können 1’200 Mio. 500 Mio. “beherrschen”? Können 1’000 Nuklear-Sprengköpfe deren 500 “besiegen”? Welche politischen, technischen, wissenschaftlichen Innovationen, die NICHT auf westlich vorgespurten Konzepten basieren, bringt China nächstens heraus? Wie sieht die Zukunft aus?

          Ich bin gespannt und weiss es nicht. Ich weiss nur, dass Sie es auch nicht wissen, Herr Laugun, bloss weil Sie angeblich in China sitzen. Die Geschichte steckt voller Überraschungen.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Kuehni: Habe einen anständigen Kommentar als Antwort an Sie verfasst. Leider wird der nicht akzeptiert.

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