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Eine neue Sicht auf Ungleichheit und Umverteilung

Markus Diem Meier am Mittwoch den 5. März 2014
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Das Logo des IWF am Weltbanktreffen in Tokio, Oktober 2013. (Keystone)

Ungleichheit ist wirtschaftlich kein Problem, Umverteilungsmassnahmen sind sogar schädlich – so eine verbreitete Überzeugung unter Ökonomen. Beim Internationalen Währungsfonds sieht man das anders.

In der klassischen Sicht der Ökonomen kann Ungleichheit positiv sein: Wenn sie das Ergebnis besonderer Leistungen, Ideen oder eingegangener persönlicher Risiken ist, die am Ende auf den Märkten zu Erfolg führen und den Nutzen für die gesamte Gesellschaft erhöhen, dann ist sie sogar willkommen. Die Aussicht auf überdurchschnittliche Belohnungen auf den Märkten setzt dann die richtigen Anreize.

Umverteilungsmassnahmen galten deshalb aus ökonomischer Warte als schädlich, gerade weil sie die Anreize verzerren: Jene, die Besonderes leisten, haben danach weniger Grund dazu, wenn ihnen ein Teil ihrer Prämie dafür entnommen wird. Ein beliebter Vergleich dazu, ist der der vom Kuchen (das wirtschaftliche Gesamtprodukt), der durch die Umverteilung schrumpft.

Verschiedene Ökonomen haben bereits Hinweise dafür geliefert, weshalb eine hohe und steigende Ungleichheit doch nicht als positives Zeichen gewertet werden kann und dass sie selbst für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung eines Landes schädlich ist:

Folgende Gründe dafür wurden angeführt:

  • Eine grosse Ungleichheit kann dazu führen, dass einem Teil der Bevölkerung der Zugang zu Gesundheitsdiensten und Bildungsmöglichkeiten fehlt, wodurch hier produktives Potenzial brachliegt, dass bei einer gleichmässigeren Verteilung genutzt werden könnte.
  • Ungleichheit kann zu politischer Instabilität führen, weil ein Teil der Bevölkerung das politische System nicht mehr akzeptiert. Eine grössere politische Instabilität führt dazu, dass Unternehmen angesichts einer grösseren Unsicherheit über die Zukunft weniger investieren.
  • Bei grosser und wachsender Ungleichheit wird es zunehmend schwierig, einen breiten Konsens für und das Vertrauen in eine Wirtschaftspolitik zu finden, die zwar das Land weiterbringt, aber zumindest vorübergehend die Opfer asymmetrisch verteilt: Etwa wenn es darum geht, ineffiziente Bereiche der Wirtschaft aufzugeben.
  • Ungleichheit kann dazu führen, dass viele sich stark verschulden und mit dem geliehenen Geld Fehlentwicklungen auf den Kapital- bzw. Immobilienmärkten anheizen, um ihren Rückstand Wett zu machen. Macht die Politik hier mit – etwa in dem sie keine korrigierenden Regulierungen einführt oder durch zu tiefe Leitzinsen der Notenbank, droht eine Destabilisierung der Finanzmärkte wie 2008. Dieses Argument wurde besonders prominent vom heutigen indischen Notenbankchef Raghuram Rajan in diesem lesenswerten Buch vertreten.
  • Schliesslich wird eine grosse und wachsende Ungleichheit von vielen gerade deshalb als wirtschaftliche Gefahr betrachtet, weil damit der Druck zu Umverteilungsmassnahmen steigt, die wie erwähnt als besondere Gefahr für den Motor der wirtschaftlichen Entwickung gehalten werden.
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IWF-Ökonom Jonathan Ostry. (Foto: IWF)

Wie steht es nun wirklich um die Wirkung von Ungleichheit und Umverteilung auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes? Wie eine neue Studie von Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) unter der Leitung von Jonathan Ostry – dem Stellvertreter von Chefökonom Olivier Blanchard (Bild links) – festhält, kann diese Frage nur durch empirische Tests beantwortet werden. Diese haben die IWF-Ökonomen dann durchgeführt.

Dabei haben sie erstmals auf neue Daten zurückgegriffen, die es ihnen erlauben, in vielen Ländern nach einheitlicher Art zwischen der Ungleichheit vor der staatlichen Umverteilung und nach einer solchen Umverteilung zu unterscheiden.

Hier die wichtigten und mit Blick auf die erwähnten hergebrachten Ansichten verblüffenden Ergebnisse der Studie:

  • Ungleichheit ist tatsächlich schädlich für das Wirtschaftswachstum. Länder mit einer geringeren Ungleichheit (nach Umverteilung) weisen im Durchschnitt ein höheres Wirtschaftswachstum aus.
  • Umverteilungsmassnahmen bremsen das Wachstum einer Wirtschaft für sich genommen nur unwesentlich.
  • Weil die Umverteilung zu einer weniger ungleichen Verteilung führt, ist der Gesamteffekt für das Wachstum positiv.
  • Länder mit grösserer Ungleichheit verteilen stärker um.

Die Studie hat untersucht, ob die Aussagen zur positiven Nettoeffekt von Umverteilungen auch gültig bleiben, wenn andere positive Einflussfaktoren auf das Wachstum mit berücksichtigt werden, wie ein Zuwachs an physischem und Human-Kaptital, die Qualität von Institutionen oder die Offenheit gegenüber dem Handel. Diese Einflussfaktoren führen nicht zu einem anderen Ergebnis in Bezug auf die Wirkung grösserer Gleichheit und von Umverteilung.

In der folgenden Grafik verdeutlichen die Autoren der IWF-Studie an einem Beispiel die Effekte:

WachstumseffektDie Grafik zeigt anhand einer vergleichbar gemachten Veränderung die Wirkung der Ungleichheit und der Umverteilung auf das durchschnittliche jährliche Wachstum in einer Fünfjahresperiode (vertikale Achse). (Für Freunde der Statistik: die hier betrachtete Veränderung ist eine Verschiebung vom 50. zum 60. Percentil in den betrachteten Verteilungen. Mehr dazu in der Studie Seite 17 und 18). Der Balken links zeigt, dass das Wachstum bei der genormten Erhöhung der Ungleichheit um 0,5 Prozent abnimmt. Zum mittleren Balken: Wird die Wirkung nur der Umverteilung auf das Wachstum betrachtet, zeigt sich kaum ein Einfluss, der zudem auch nicht statistisch signifikant ist (deshalb hellrot dargestellt). Der rechte Balken zeigt schliesslich den Gesamteffekt der durch die Umverteilung im Beispiel reduzierten Ungleichheit. Weil die Umverteilung selbst keinen Effekt hat, führt sie in diesem Beispiel durch die geringere Ungleichheit zu einem um 0,5 Prozent erhöhten durchschnittlichen Wachstum pro Kopf.

Die IWF-Ökonomen haben auch untersucht, wie Ungleichheit und Umverteilung die Dauer einer Wachstumsperiode beeinflussen. Die Ergebnisse:

  • Je höher die Ungleichheit (nach Umverteilung), je kürzer die Wachstumperioden und umgekehrt.
  • Die Umverteilung hat auch hier in den meisten Fällen keinen Einfluss auf das Wachstum, aber…
  • …wenn die Umverteilung extrem ist, dann zeigt sich ein negativer Effekt auf die Wachstumsdauer. Dieser Effekt ist sogar grösser als der positive Wachstumseffekt der resultierenden höheren Gleichheit. Allerdings sind auch hier die statistischen Resultate zum Umverteilungseffekt nicht statistisch signifikant.

Die Ergebnisse der Studie bedürfen ein paar Ergänzungen, auf die auch die Autoren selbst hinweisen:

  • Die Ergebnisse zeigen eine hoch aggregierte Makrosicht und sagen wenig über die konkreten Prozesse zum Beispiel der Art der Umverteilung: Eine Umverteilung kann je nach Ausgestaltung Fehlanreize fördern oder verhindern und damit unterschiedlich auf das langfristige Wachstum wirken. So sind positive Effekte leichter nachvollziehbar, wenn ein Verhalten höher belastet wird, das zu Risiken für die Gesamtgesellschaft führt (etwa im Finanzsektor). Im gleichen Sinn sind positive Steueranreize am ehesten sinnvoll, wenn sie wachstumsfördernde Tätigkeiten begünstigen. Ein Beispiel könnten sinnvoll ausgestaltete Steuerabzüge oder Zuschüsse etwa für die Elementarbildung für weniger Bemittelte sein.
  • Die Ergebnisse der Studie liefern kein abschliessendes Urteil zum Thema. Einerseits weil die betrachteten Daten (wie immer) nur ein beschränktes Datenset abdecken und weil auch die Geschichte lehrt, dass ab einer gewissen Schwelle eine extreme Umverteilung und Gleichmacherei keine positive Wirkung auf die Wirtschaftsentwicklung mehr haben wird.
  • In der Studie wurden nur direkte Umverteilungsmassnahmen wie Steuern und Subventionen betrachtet. Bezieht man auch Ausgaben mit einem Umverteilungseffekt wie staatliche Gelder für die Gesundheitsversorgung oder die Schulbildung mit ein, dürften die positiven Effekte noch grösser sein.

Bei allen Ergänzungen und verbleibenden Fragezeichen widerlegt die Studie  radikal die tief liegende klassische ökonomische Überzeugung, nach der eine Umverteilung dem wirtschaftlichen Wachstum schaden, selbst wenn sie aus politischen oder Gerechtigkeitsgründen erwünscht ist. In den Worten der Autoren:

«…for non-extreme redistributions, there is no evidence of any adverse direct effect. The average redistribution, and the associated reduction in inequality, is thus associated with higher and more durable growth.»

Kurz: Zwischen Umverteilung und Wachstum besteht kein zwingender Gegensatz. Extremfälle ausgenommen, fördert Umverteilung das Wachstum.

 

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94 Kommentare zu “Eine neue Sicht auf Ungleichheit und Umverteilung”

  1. Taric Trent sagt:

    Die kapitalistische Umverteilung erfolgt folgendermassen: Die Arbeiter schaffen Wert und werden mit einem Lohn bezahlt. Der Lohn entspricht dem Wert ihrer Arbeitskraft und nicht dem Wert, den sie schaffen. Die Differenz endet schlussendlich als Profit in den Taschen der Kapitalisten. Das ist die Initial-Umverteilung aus der Arbeitskraft der Arbeiter in die Profittaschen der Kapitalisten, über die kein Marktwirtschaftler ein Wort verlieren will.

  2. peter münger sagt:

    Frei zugängliche Bildung sorgt für effiziente Nutzung des Humankapitals, gleichzheitig sind gute öffentliche Gratisschulen idR einer der grösseren Posten in der Umverteilung. Dass dies in der Studie ignoriert wurde, ist für mich nicht nachvollziehbar.

  3. Mir wird übel, wenn ich die Kommentare oben lese und daran denke, welchen Schaden die Liberalen an unserem Land, unserer Wirtschaft und unserem Volk angerichtet haben. Unser Erfolgsmodell Schweiz basiert auf hohen Löhnen, angemessen hohen Steuern, starken Staatsbetrieben und starken Regulierungen. Wer es nicht glaubt, sollte “Fordism” auf Wikipedia nachschlagen, bevor er blutdruckschnaubend in die Tasten haut. Er wird darin die Grundlage unserer Sozialen Marktwirtschaft erkennen, die immerhin jenen Mittelstand hervorgebracht hatte, dem wohl alle obige Kommentarschreiber-ohne-Nachnamen angehören, den sie aber offenbar in einer Art ökonomischer Todessehnsucht zugunsten einer neuen aristokratischen Elite zerstört sehen wollen.

    Denn offenbar konnte man eine Wirtschaft, die allen dient, nicht in Ruhe weiterbrummen lassen, sondern musste — ohne Grund! — Steuern für Reiche senken, musste — ohne Grund! — aus der Post einen Schleckstengel-Krämerladen machen, musste — ohne Grund! — einen Strommarkt einrichten, der uns einen Tarifsprung von 20% beschert hat, musste — ohne Grund! — das Finanzwesen deregulieren und damit die grösste Krise seit der Grossen Depression hervorrufen, bei der die Reichen profitieren, während der Mittelstand bezahlen darf. Und all dies hat nicht einmal zu höherem Wachstum geführt, im Gegenteil! Die steigende Flut, die angeblich alle Boote hebt, war eben keine Flut. Die Zahl der Decks auf den Yachten der Reichen hat einfach zugenommen. Und wenn man sich jetzt erfrecht, den offensichtlichen Fehler rückgängig machen zu wollen und die Steuern für Reiche und Unternehmen moderat wieder zu erhöhen, schreien die Liberalen Zeter und Mordio, und Unternehmen drohen mit Abwanderung. Nun hat sich also dank der Liberalen die Anspruchshaltung auf tiefe Steuern bereits so sehr in die Hirne der reichen Eliten hineingefressen, dass vom Untergang des Westens und Kommunismus geschwafelt wird, wenn man die suizidale Wirtschaft vor sich selber schützen will und ein Modell, von dem wir wissen, dass es nicht funktioniert, weil es auf diesem Planeten noch nie funtioniert hat, durch eines ersetzen wollen, von dem wir wissen, dass es funktioniert, weil wir alle Beweis dafür sind.

    Sorry für den Rant, aber ich kann es nicht mehr hören, wenn liberale Ignoranten direkt oder indirekt behaupten, dass wir vor dem alternativlosen Tiefsteuer- und Strommarkt-Neoliberalismus DDR-Zustände in der Schweiz hatten, und wieder haben werden, wenn wir es wagen sollten, die Umverteilung von unten nach oben zu stoppen.

  4. Fahrlässig, wie hier Wissenschafter aus Korrelationen Kausalitäten machen. Das ist etwa so seriös wie die Aussage “Je mehr Lärm im Haus, desto dümmer die Kinder”. Oder vielleicht doch eher “Je dümmer die Kinder, desto mehr Lärm im Haus”?

    In wirtschaftlich erfolgreichen Ländern (wie etwa der Schweiz) fällt es leichter, Unterstützung für Bedürftige zu bieten (sprich Umverteilung), als in erfolglosen Ländern. Die Kausalität könnte also sehr gut auch umgekehrt sein.

    Womit dann überdies auch dynamische Effekte zu berücksichtigen wären: Es ist durchaus denkbar, dass Umverteilungsmassnahmen einem wirtschaftlichen Aufschwung mit einem längeren Abstand folgen (Trägheit von Politik, Trägheit bei der Anpassung des Handelns der Individuen) – und deren negative Auswirkungen auch erst langfristig sichtbar werden (ich kann ja meine Weiterbildung von vor 30 Jahren, die mir heute noch etwas bringt, nicht einfach rückgängig machen, wenn sie mir aufgrund von Umverteilungsmassnahmen plötzlich nichts mehr bringt). Wir sprechen hier, gerade wenn es um Humankapital geht, von sehr langen Zyklen (eine bis mehrere Generationen). Diese zeitlichen Verzögerungen könnten zu zwei gegenläufigen Wellenbewegungen führen (quasi zwei phasenverschobene Sinuskurven). Dies würde zu obigem Befund, aber umgekehrten Ursachen führen. Wir würden quasi immer zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig an Umverteilung hin- und herpendeln, bzw. die Umverteilung nimmt so lange zu, wie man es sich leisten kann, dann folgt der unvermeidliche Einbruch (Zusammenbruch des Ostblocks?) mit einer darauf folgenden Phase minimaler Umverteilung, bis das Spiel wieder von vorne beginnt. Dies würde für eine möglichst langfristig (verfassungsmässig?) kontrollierte Umverteilung auf mittlerem Niveau sprechen. Neuen Umverteilungsbegehrlichkeiten müssten dabei zwingend zu einem Abbau von Umverteilung an anderen Orten begegnet werden.

    Im unternehmerischen Umfeld sind solche “Moden” übrigens durchaus auch festzustellen, wie das ständige Hin und Her zwischen zu viel und zu wenig Outsourcing (also zu fragmentierten oder zu stark integrierten Wertschöpfungsketten) immer wieder schön zeigt – wer hat das nicht schon am eigenen Leib erlebt…

    • Josef Anton sagt:

      Sie erkennen den dynamischen Aspekt verbunden mit entsprechenden Zyklen gut. Es dürfte sich um mehrere verschiedene Zyklen handeln, welche mit im Spiel sind, z.B. Demographie, das Vertrauen in die Regierung, das Vertrauen in Währung, das Vertrauen in Wirtschaftsführer, das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit, das Vertrauen in die Systemstabilität, das Vertrauen in die sozialen Netze etc. etc.

      All diese Aspekte bilden einen Teil eines dynamischen Prozesses, welcher dauernd marginaler Veränderungen unterworfen ist.

  5. Stefan sagt:

    Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Deshalb könnte man ebenso behaupten:

    Wirtschaftswachstum reduziert die Ungleichheit. Länder mit höheren Wachstumsraten weisen im Durchschnitt ein höheres Mass an Gleichheit (nach Umverteilung) auf.

    Weil Wachstum zu einer weniger ungleichen Verteilung führt, ist der Gesamteffekt für des Wachstums bezüglich Gleichheit positiv.

    In Ländern, die mehr umverteilen, herrscht grössere Ungleichheit.

  6. Markus Hofstetter sagt:

    Man muss dazu jedoch sagen, dass die Schweiz statistisch gesehen eine geringe Ungleichverteilung aufweist. Dies aufgrund der progressiven Steuern. Äusserungen von linken Populisten, die das Gegenteil behaupten, ändern daran nichts.

  7. An alle Hyperventilierer ein paar kurze Gedanken:

    1. Der Artikel sagt, dass Ungleichheit, neben allen oben genannten, eher marginalen Nachteilen, vor allem der Wirtschaft selbst schadet! Denn die Frage ist ja nicht Umverteilung oder nicht, sondern welche Umverteilung. Entweder man hat Umverteilung von oben nach unten oder von unten nach oben. Aktuell wird via Steuerrecht, Privatisierungen, Marktöffnungen und Verweigerung der Gewinne aus der Zunahme der Arbeitsproduktivität vom Mittelstand nach oben umverteilt. Da der Mittelstand der Motor des Binnenkonsums ist, schadet diese Umverteilung von unten nach oben der Wirtschaft durch Entzug von Kaufkraft vom Mittelstand.

    2. Die Behauptung, dass bei Umverteilung von oben nach unten die Leistungsbereitschaft sinkt, ist ein Mythos und empirisch längst widerlegt. Ich weiss, die Ökonomie ist eine ahistorische Disziplin, und ungemütliche Erkenntnisse werden gerne auch mal vergessen. Allen nicht-Ökonomen empfehle ich auf Wikipedia “Golden Age of Capitalism” und “Income tax in the United States” anzusehen. Die beiden Seiten beweisen, dass während de Zeit, die Goldene Ära heisst, die top-Steuerrate über 90% war, und ab 1964 70%. Wenn es stimmen würde, dass Steuern und Umverteilung die Leistungsbereitschaft hemmen würde, dann hätte es die Goldene Ära niemals geben dürfen. Entweder oder.

    • will williamson sagt:

      Erinnert mich an ein Interview mit dem schon lange verstorbenen Regisseur Robert Siodmak. Er sagte, die USA hätten ihm 85% seines Verdienstes weggesteuert, aber mit dem Rest habe er immer noch sehr gut gelebt.

  8. bruno bänninger sagt:

    Gerechtigkeit ist unverzichtbar. Doch Gerechtigkeit in der Sicht des Einen, tendiert zur Ungerechtigkeit in den Augen des Anderen. Daher die skeptische These: Gerechtigkeit erzeugt Ungerechtigkeit. Was also soll denn der Massstab für Gerechtigkeit sein?
    Gleicheit unter Ungleichen?
    Umverteilen so lange bis alle vom Nichts gleichviel haben?
    Gehört alles Allen?
    Die meisten Unterschiede (Ungerechtigkeiten) unter den Menschen, ob arm oder reich, jung oder alt, schön oder hässlich, dumm oder intelligent, lassen sich nicht aus der Welt schaffen.
    Aber Eigentum ist ein Recht, das Recht auf Besitz und das unabhängig davon, ob der Eigentümer es selbst erarbeitet, geerbt oder geschenkt bekommen hat.

  9. ast sagt:

    Zwischen dem was der IWF schreibt und deren tatsächlichen Politik kann man eben in der Ukraine beobachten.

    Frei gemäss des Ökonomen Stieglitz geht die IWF-Hilfe bisher so:

    a) Zunächst Privatisierungen
    b) Liberalisierung der Kapitalmärkte
    c) Einführung von „marktgerechten Preisen“
    d) Die vierte und letzte Stufe schliesslich ist der Freihandel

    Fragt sich nur wie dies alles geschieht, dazu hat sich Stieglitz bereits mehrfach geäussert, man konsultiere dazu die Internet Ressourcen.

    Auf die Ukraine bezogen werden gerade Industrie und Rohstoffe an die Oligarchen zu billigst Preisen verscherbelt, die erste Stufe ist also bereits angelaufen. Die Liberalisierung erfolgt natürlich nachdem die Ausgangsposition für die transnationalen westlichen Konzerne so bereinigt sind, dass die Oligarchen mit deren Bevorzugung bereits festgebunden worden sind. Dazu strömen nun Milliardenhilfen in die Ukraine (auf Lasten der Bilanz der EZB zum Beispiel), was natürlich nicht umsonst geleistet wird. Als Sicherheiten werden die ukrainischen Ressourcen konfisziert, um sie danach an die internationalen transantlantischen Konzerne zur verteilen. Die USA sind der grösste Eigner des IWF und sie bestimmen den Kurs.

    Im Prinzip kann ich darin nur Plünderung erkennen, was der IWF betreibt. Die neuen Studien werden höchstens dazu führen die Umverteilung der Ukraine in den Besitz westlicher Grosskonzerne sozial etwas weniger grob als früher auszugestalten, vielleicht auch um die Russen fern halten zu können. Aber im Prinzip ist dem IWF Kollateralschäden bei verarmender Bevölkerung und bedrängter Mittelschicht völlig wurst.

    • Thomas Ernst sagt:

      Scharfe Betrachtung. Merci!

    • Josef Anton sagt:

      Ich gehe mit Ihnen einig. Bei der mit Bedingungen verknüpften Krediterteilung an marode Staaten von Hilfen zu sprechen ist lächerlich. Es handelt sich viel mehr um eine Verdingung oder Versklavung der Bevölkerung.

      Eines Tages wird ein Politiker erfolgreich sein, welcher diesen Humbug durchschaut, gut verständlich der Bevölkerung erklären kann und von der Bevölkerung gewählt wird. Die Aberkennung ausländischer Schulden (Staatsbankrott) wird während ein paar Jahren eine schwierige Situation für dieses Land erzeugen, wobei die daraus resultierenden notwendigen Strukturveränderungen einen Neuanfang auf freiheitlicher Basis erlauben. Dies ist einzig meine persönliche Überzeugung und ich mag sehr wohl falsch liegen.

  10. Meinrad Lacher sagt:

    Anscheinen wird alles unternommen, nun sogar mit wissenschaftlichem Anstrich, um zu rechtfertigen, was kommen wird:
    die Enteignung der Sparer! Freu di Herz und gump! Die Folgen wird die kommende Generation spüren.

    • Josef Anton sagt:

      Das Monster muss schliesslich gefüttert werden und dafür ist jede Rechtfertigung gut genug. Hauptsache den Entscheidungsträgern und Bürokraten geht es blendend.

  11. Ben sagt:

    Interessant wäre jetzt, das Thema mit konkreten Beispielen weiterzuführen. Ich beispielsweise stelle mir die Frage, wieviel Umverteilung es denn sein muss, damit der Kuchen am grössten wird (klammern wir mal aus dass ein permanentes grösser werden des Kuchens, was ja gleichbedeutend mit Wachstum ist, auch hinterfragt werden kann). Oder stellen wir die Frage bezogen auf die Schweiz, wo wir mit Subventionen (bspw. KK oder Wohnraum), Fördergeldern, progressiven Steuern ja bereits einiges umverteilen. Ist das jetzt genug umverteilt? Oder zu viel? Oder zu wenig?

  12. Frank Baum sagt:

    Der Schlüsselbegriff ist: “Extremfälle ausgenommen”. Die Gretchenfrage ist: wo fangen wir an, in ein “Extrem” abzurutschen? Es ist klar, dass der Sozialismus der 70er Jahre ein Schuss ins Knie waren. Die soziale Hängematte war bequemer als arbeiten zu gehen. Für Unternehmer haben sich weder Mühe noch Risiko gelohnt, um dann mit Grenzsteuersätzen von 90% geschröpft zu werden. Andererseits muss man den Menschen Sicherheiten bieten und Möglichkeiten eröffnen. Keiner zieht sich einfach so selbst am Schopf aus dem Sumpf. Das behauptet man lediglich in seinen Memoiren.

    Präsident Hollande war mit seinen 75% Steuersatz-Ideen ein Anachronismus. So etwas muss schief gehen und das hätte man wissen müssen. Man muss nicht jeden Fehler wiederholen.

    Andererseits beobachten wir aber eine sich stetig öffnende Einkommensschere. Ich denke, es ist in allen politischen Lagern unbetsritten, dass dies eine schlechte Entwicklung ist. Sie ist auch aus ökonomischer Sicht nicht wünschenswert oder egal, so wie man das noch vor 10..20 Jahren behauptet hätte.

    Was immer noch fehlt, ist ein schlüssiger Vorschlag, wie denn mit dieser Situation umgegangen werden soll. Wie soll diese Schere geschlossen werden?

    • Josef Anton sagt:

      Die Schere hätte sich zwar nicht geschlossen aber deren Öffnung reduziert, wenn man sich spätestens nach dem Platzen der ersten grossen Blase (2002) von der geldentwertenden Geldpolitik verabschiedet hätte.

      Heute dürfte solch ein Versuch aufgrund der seither weiter angewachsenen Ungleichgewichte nicht nur das Finanzsystem tangieren, sondern massive gesellschaftliche Verwerfung nach sich ziehen.

  13. René Hofstetter sagt:

    Die “klassische” Ökonomie brerücksichtigt auch nicht, dass es Leute gibt, die eine Tätigkeit, ein Risiko oder eine Anstrengung *nicht* wegen der “Belohnung” (sprich: Geld) tun kann, sondern einfach, weil man es gerne macht. Oder weil man anderen damit helfen kann. Ich könnte nicht jahrelang nur des Geldes wegen arbeiten, ohne in ein grosses Motivationstief zu kommen. Ohne Motivation kein Riskiko etc.

    Von “Kuchen” zu sprechen ist zu statisch – angebrachter wären wohl Geldflüsse. Entspricht der Abfluss nicht zu einem gewissen Mass dem Zufluss, so beginnt sich das Geld zu stauen (jemand wird reicher), aber der Geldfluss wird kleiner, der Wirtschaft gehts schlechter. Also muss man eingreifen, und zusätzlich Geld dorthin fliessen lassen, wo es ausgegeben wird: Zu jenen, welche (zu) wenig davon haben. Sprich: Wer viel verdient, hat auch die Verantwortung, einen guten Teil davon wieder auzugeben oder abzugeben.

  14. ralph kocher sagt:

    Wenn ich den Währungsmarkt von heute, dem 5. März, betrachte, steht die Welt Kopf! Aber nirgends wird darauf hingewiesen, wohl nur damit keine Panik entsteht: Sämtliche “nichtrelevanten” Kurse fallen teils über 20 Prozent. Nur die Wichtigsten ziehen sich zusammen an den Haaren aus dem Sumpf! Wo führt das hin?
    Hierhin: Die, die’s wissen, haben bereits im Vorfeld “abgezügelt”. Wohin? Das lässt sich spekulieren. Der Rest? Soll wohl schauen wie er mit den wertlosen Scheinen über die Runden kommt…

    • Ahn Toan sagt:

      nennen Sie bitte 3 “nichtrelevante” Währungen

    • Josef Anton sagt:

      @ Ralph

      Diese starken Kursausschläge resultieren aus den entsprechenden Kapitalströmen, welche sich aus veränderten Einschätzungen des Risikos ergeben. Wie Sie richtig erkennen, betrifft dies zur Zeit noch hauptsächlich die Peripherie. Inwiefern etwelche gut informierte Spekulanten in der Nähe der entsprechenden Machtzentren davon profitieren können, ist schwierig zu eruieren aber keinesfalls auszuschliessen.

  15. ralph kocher sagt:

    Wo ist denn da ein Unterschied, wenn 1 Prozent über die Hälfte des Bruttosozialproduktes verbratet – 99% im Verhältnis gleich Null beanspruchen / oder alle auf dieser Welt [jede/r] gleich viel für sich verfügen darf (also nicht mehr als 1 kleine Unterkunft, etwas Essen sowie die notwendigen Kleider – nur aber nicht mehr pro Kopf)?
    Ach so, das Lernen ums Masszuhalten macht den Unterschied…?!

  16. Sacha Meier sagt:

    Was der Artikel nicht sagt: Seit den WTO-1995-Beschlüssen haben wir im Westen den Neo-Feudalismus, im Osten den Putinistischen Neo-Zarismus und in China den «Dritten Weg» des seligen Herrn Deng Xiao Ping. Eigentlich alles oligopolistische Systeme, die per se von unten nach oben umverteilen. Diese Entwicklung sehen wir besonders drastisch in der Schweiz: Mit dem Umbau unserer Wirtschaft von technologisch innovativ-produktiv in das Landesgeschäftsmodells des zuwandernden Konsums profitieren letztendlich die Grossen, während das verfügbare Realeinkommen des Normalbürgers stetig sinkt – trotz asiatischer Billigprodukte. Ein weiteres Zeichen ist der alte, durch Fleiss wertschöpfende Mittelstand, der vom neuen Vasallenstand (z.B. Beamte, Politiker, Anwälte, Richter, Banker, etc.) abgelöst wird. Daraus resultiert eine Umverteilung von oben nach unten – und von der Mitte nach ganz unten. Dummerweise gibt es keine Lösung. Mindestens nicht für die nächsten Jahrhunderte. Solange dauert es für gewöhnlich, bis Feudalstrukturen wegen Überbordung eliminiert werden.

  17. Markus Schneider sagt:

    Ich habe auch nichts gegen Umverteilung, ganz und gar nicht. Solange ich derjenige bin, der umverteilt und für meine wertvollen Dienste sagen wir mal 5% der umverteilten Gelder selber einsacken kann.

    • Thomas Ernst sagt:

      @ Markus

      Genau das macht ja den Staat für die Linken Umverteiler und Besserwisser so attraktiv! Oder warum, glauben Sie, hockt die ganze linke Zürcher Politprominenz in den hochsubventionierten städtischen Luxuswohnungen?!

    • Josef Anton sagt:

      Dann müssen Sie sich eines Politikers oder Bürokraten bewerben. Beste Voraussetzungen dafür erarbeiten Sie sich mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften, wobei Sie danach selbst bei erfolgreicher Bewerbung nur einen Teil der 5% abkriegen.

  18. markushamster sagt:

    also manchmal hab ich echt das gefühl den wirtschaftlern auf ihren ‘märkten’ fehlt ein gen für das begreiffen sozialer zusammenhänge. braucht man wirklich eine studie die einem nachrechnet dass ungleichheit ab einer gewissen schwere schädlich wird??

    • Josef Anton sagt:

      Es ist interessant, etwelche Entwicklungen zu messen, jedoch sind die Auswertungen empirischer Daten nicht wirklich erfolgreich ökonomische Zusammenhänge zu erkennen. Der Grund liegt darin, dass zu viele nicht erfassbare Faktoren das Resultat einer Untersuchung beeinflussen mögen, dass meist keine definitive Konklusion erreicht wird. Die Logik der deduktiven Folgerung dürfte stärkere Aussagekraft bieten.

      • will williamson sagt:

        Das gilt auch für Modelle, die komplexe Vorgänge simulieren sollen, seien es wirtschaftliche, Klimamodelle o.a. Ich spotte da manchmal ein Bisschen und sage, das Einzige Definierte dabei sei das Rechenverfahren. Gearbeitet wird aber nach dem GiGo- (Garbage in, Garbage out) Prinzip. Wenn vorne Mist reingeht, geht hinten Mist raus.

  19. Cornelis Bockemühl sagt:

    Es wird hier (und auch sonst unter Ökonomen) vorausgesetzt, dass extrem hohe Bezüge das Resultat von extrem guten Leistungen und erfolgreich eingegangenen Risiken ist – was im Einzelfall allzu oft nicht stimmt!

    Denn Geld ist immer auch Macht, und wer Macht hat bestimmt die Spielregeln, nach denen wiederum das Geld verteilt wird – mit Vorliebe in die eigenen Taschen. Im weitesten Sinne kann man das “Korruption” nennen, auch wenn oft nicht direkt Bestechungsgelder von A nach B fliessen. Das Mantram von der “hohen Leistung” ist dann nur noch das Schulterklopfen der Vielverdiener untereinander – in der Hoffnung dass der Rest der Menschen es dann auch noch glaubt.

    Aber wenn dann zugleich den Menschen mit den niedrigsten Einkommen trotz maximaler Arbeitsanstrengung das Geld für Lebensnotwendiges fehlt (Wohnen, Essen, Gesundheit, Bildung…), dann verliert die Ungleichheit jegliche Anreiz-Funktion!

    Solche Dinge scheinen aber leider viel zu konkret zu sein um in den rein Excel-basierten Überlegungen von Ökonomen eine Rolle zu spielen – wieso eigentlich?

    • Alois Eichenberger sagt:

      Schön und treffend formuliert.

    • Reto Stadelman sagt:

      Kann ihnen zu 100% zustimmen. Vor allem der zweite Absatz trifft es wunderbar. Leider ist das immer noch vielen gar nicht klar.

    • Josef Anton sagt:

      Sie sprechen einen wichtigen Aspekt an, nämlich die Frage, ob jemand seinen Wohlstand durch unternehmerische persönliche Leistung erwirtschaftete (redliches Unternehmertum, welches reale von der Gesellschaft gewünschte Produkte und Dienstleistungen schafft) oder in Anwendung spekulativer und teilweise korrupter Selbstbereicherung. Wenn eine wachsende Anzahl an “Verlierern” innerhalb eines System das Gefühl entwickelt, dass die überwiegende Anzahl der “Reichen” ihren Reichtum selbst in Einhaltung des geltenden Rechtes in “unredlicher” Art und Weise “erwirtschaftete”, erodiert dies den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirkt im Allgemeinen wohl eher demotivierend (Schwächung der Wirtschaftsleistung), da das Gerechtigkeitsgefühl verletzt wurde. Die Tendenz, sich in dieser Situation persönlich gehen zu lassen, nimmt zu und die Hemmschwelle, sich mit der insgeheim gepflegten Gerechtfertigung der herrschenden Ungerechtigkeit in das soziale Netz zu begeben, sinkt.

      • Reto Stadelman sagt:

        Auch dem kann ich nur beistimmen. Hat man das Gefühl (und das schleicht sich langsam bei immer grösseren Gesellschaftsschichten ein) dass sich harte Arbeit nicht lohnt, lässt man es lieber sein. Crony capitalism ist und wird immer mehr zu einem enormen Problem für die westliche Gesellschaft. Aber da “die Sieger” dieses Systems das Sagen haben, wird es schwer sein dagegen anzutreten…

  20. Johnny Smith sagt:

    Auch ohne grosse Studien scheint es mir naheliegend: es wird wohl auch bei der ‘Ungleichheit’ auf das Ausmass/Steilheit ankommen, ob deren positive oder negative Anreize überwiegen.

    Bei eher flacher Verteilung dürften die positiven Anreize überwiegen, entsprechend dürfte dann eine Umverteilung von oben nach unten eher negative Nettoeffekte haben. Umgekehrt bei sehr starker Ungleichheit dürfte eine Abflachung wohl eher positive Auswirkungen haben. Oder in den Worten aus dem Artikel/Studie: “Je höher die Ungleichheit (nach Umverteilung), je kürzer die Wachstumperioden und umgekehrt.” oder “Länder mit einer geringeren Ungleichheit (nach Umverteilung) weisen im Durchschnitt ein höheres Wirtschaftswachstum aus.”

    Ich halte diese Erkenntnisse nicht für ‘verblüffend’. Teilweise aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen (?) sogar für falsch “Ungleichheit ist tatsächlich schädlich für das Wirtschaftswachstum.”

    Interessant ist ja, dass in der aktuellen Phase u.a. wegen unseren masslosen Zentralbanken eine Umverteilung von unten nach oben stattfindet und die Ungleichheit immer grössere Ausmasse annimmt. Vermögende (Aktienbesitzer) werden immer vermögender, Vermögenslose bleiben vermögenslos und können kaum die Lebenshaltungskosten bestreiten und auch bei derzeit nur moderat steigenden Kosten mithalten. Dies ist für das Wirtschaftswachstum sicher nicht gut. Dies ist ein weiterer Grund, wieso die masslose Gelddruck-Politik der Zentralbanken nicht aufgeht, sogar kontraproduktiv ist.

    • Ahn Toan sagt:

      @Josef Anton: So finde ich das, was Sie bestenfalls meinen zu sagen, richtig gut.

      Nicht die grundsätzliche Negativität von etwas aussagend, sondern über dessen Nützlichkeit und Schädlichkeit unter welchen Voraussetzungen, nachdenken.

      So wie der Johnny Smith die gleichen Worte wie Sie verwendet, habe ich nichts dagegen, er sagt, in der aktuellen Phase sei die Geldpolitik “masslos”, benutzt ein starkes Wort, aber die Aussage ist dennoch differienzierend. Ihre Aussagen sind verallgemeindernd und darum frei von Erkenntnis.

      Danke Herr Smith

      • Johnny Smith sagt:

        @ Anh Toan

        Danke für Ihr Lob bez. Argumentaion aus (zu Recht) kritischem Mund.

  21. will williamson sagt:

    “Ein beliebter Vergleich dazu, ist der der vom Kuchen (das wirtschaftliche Gesamtprodukt), der durch die Umverteilung schrumpft.”
    Wie etwas durch reine Umverteilung schrumpfen soll, müsste mir mal noch jemand erklären. Wenn wir den Kuchen in ungleiche Stücke zerschneiden und dann das Grösste der Mutter statt dem Vater geben, dann schrumpft doch nichts, ausser vielleicht der Bauch des Vaters.

    • Adrian Humboldt sagt:

      “Ein beliebter Vergleich dazu, ist der der vom Kuchen (das wirtschaftliche Gesamtprodukt), der durch die Umverteilung schrumpft.”

      Wenn Umverteilt wird, wird dem “Erschaffer” die Motivation weggenommen etwas zu leisten, denn der Staat nimmt es Ihm ja wieder weg und Umverteilt es. Also: Erschafft er nicht mehr und der Kuchen wird kleiner und kleiner. Beisspiel: Sozialistische Systeme wie die UDSSR, DDR, Kuba, Venezuela, usw …

      • will williamson sagt:

        Wenn der Vater der Mutter das grössere Stück freiwillig überlässt, hat er nach wie vor die gleiche Motivation zur Leistung. Aber ausserhalb der Familie klappt es eben nicht mehr, weil es mit der angeblichen christlichen Nächstenliebe nicht weit her ist. Man gönnt jedem das Seine, sich selber aber ein Bisschen mehr!

        In der UDSSR und in der DDR gab es ja nichts umzuverteilen. Die haben ja nur den Mangel bewirtschaftet. Als Radio Eriwan angefragt wurde, ob man nicht mehr Betten fabrizieren könne, wurde geantwortet: “Wieso mehr Betten produzieren? Die Intelligenz ist auf Rosen gebettet, der Klassenfeind schläft nicht und der Rest sitzt.”

        Auf die Frage, worin der Unterschied zwischen dem Kapitalismus und dem Kommunismus bestehe, antwortete Radio Eriwan, der Kapitalismus sei die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und der Kommunismus das Umgekehrte.

        Letztlich stellt sich die Frage, was mehr zu einem sinkenden Sozialprodukt führt, die Umverteilung von Vielen nach oben oder die Umverteilung von Wenigen nach unten. Die Geringverdiener sind ja auch nicht unbedingt motiviert, für die Abkassierer mehr als unbedingt nötig zu schuften.

        • will williamson sagt:

          Stadelmann: Ihre Argumentation ist an sich richtig. Man kann sie aber auch so interpretieren, dass durch die Umverteilung von oben nach unten die Motivation der zahlreichen Empfänger steigt, so dass sie mehr leisten. Was für die Wenigen oben gilt muss für die Vielen unten auch funktionieren.

    • Cornelis Bockemühl sagt:

      Das ist doch einfach: dem Vergleich mit dem Kuchen fehlt die Zeitachse!

      Denn für einen einmal vorhandenen Kuchen stimmt natürlich die reine Verteilungslogik. Wenn aber jedes Jahr ein neuer Kuchen gebacken werden muss ist halt die Frage, wie gross der dann wird. Und in welchem Masse es “motivierend” für das nächste Jahr wirkt wenn man im aktuellen Jahr deutlich weniger als seinen “gerechten” Anteil erhält…

    • Reto Stadelman sagt:

      Wegen der Umverteilung sinkt der Anreiz zu arbeiten, dadurch wird der Kuchen kleiner. So die Meinung der Mainstream-Ökonomen in den letzten Jahren.

      • Simon Hottinger sagt:

        da gebe ich denen wieder recht, nur muss sich arbeit lohnen! aber der real-lohn dess durchschnittverdieners sinkt!

        • Josef Anton sagt:

          Nicht nur dies.

          Zugleich wird der Kleinsparer seiner vom Mund abgesparten Ersparnisse durch die schleichende Geldentwertung erleichtert. Anstelle sich anzustrengen fokussiert sich manch einer wohl besser gleich auf staatlichen Zusatzleistungen, sollten die Zahlungen aus der Altersvorsorge nicht ausreichen.

  22. Schlauri sagt:

    So läuft die Umverteilung bei uns: SNB und Banken unterstützen mit Billiggeld unser Hypotheken-Schuldenbabylon, schon Jahre vor dem Problem mit dem Eurokurs. Die Inflation ist aber nicht tot. Sie tobt sich heute statt bei den Konsumgütern bei den Vermögensgütern (Aktien, Immobilien…) aus. Die inflationäre Aufwertung der Immobilien um fast 50% in 10 Jahren führt zu einer gigantischen Umverteilung in Milliardenhöhe. Diese Umverteilung geht von unten nach oben, weil die Reichen die grossen Schulden machen. Im Kanton St. Gallen machen die reichsten 10% zusammen 50% der Schulden. Je mehr Eigenkapital jemand hat, desto mehr Kredit bekommt er, desto höher kann er sich verschulden und durch Inflationierung gewinnen. Die SNB runzelt zwar ab und zu die Stirn, etwas Ernsthaftes hat sie aber nicht im Sinn. Beleg: Die Banken müssen die Hypotheken neu mit 1% mehr Eigenkapital unterlegen. Dadurch steigt der Hypothekarzins um 0.04%. Das entspricht bei einem Immobilienwert von Fr. 500000 und einer Hypothek von Fr. 400000 dem Wert von 1 Zigarette pro Tag. 1 Zigarette gegen die Immobilienblase – das kann nicht ernst gemeint sein, auch wenn es ab Juni sogar 2 Zigaretten sind. Dahinter steckt knallharte Umverteilungspolitik im Interesse der Reichen.

    • Adrian Humboldt sagt:

      Reiche haben keinen Geheimbund um die “Weltverschwörung” zu planen, jeder versucht sich maximal zu Bereichern. Das System hat Fehler und die werden ausgenützt, es gibt kein “Die” und “Wir”. Nur Schlaue und Dumme. Inflation ist das Heilmittel, der Staat bezahlt Allen und Jedem alles was er will, die Staatsschulden werden weginflationiert und der dumme Rentner, der ein Leben lang geschuftet hat, ohne das Geld auszugeben, wird auch gleich weginflationiert. Also Fazit: Das System funktioniert für die Faulen und Schlauen, wie auch alle Systeme davor und danach. Aber wenigstens die zynische Empörung können Sie uns nicht wegnehmen …

      • Reto Stadelman sagt:

        “Reiche haben keinen Geheimbund um die “Weltverschwörung” zu planen, jeder versucht sich maximal zu Bereichern. Das System hat Fehler und die werden ausgenützt, es gibt kein “Die” und “Wir”.”
        Das ist war. Es gibt tatsächlich keine grosse Weltverschwörung. Nur: Haben sie mal daran gedacht, dass es Menschen gibt die noch Skrupel haben? Die sollen jetzt also hinten anstehen? Ist wirklich jeder der nicht reich ist automatisch dumm? Na herzlichen dank aber auch. Sie machen es sich viel zu einfach.

      • Josef Anton sagt:

        @ Adrian

        Warum schieben Sie Herrn Schauri die Aussage einer “Weltverschwörung” unter, was nicht seiner Aussage entspricht. Es gibt sehr wohl in einem gewissen Sinne “Die” und “Wir”, nämlich jene, welche friedlich und frei miteinander leben wollen, und jene, welche Macht über andere Menschen anstreben und sich dabei ergötzen.

        Aber im Grundsatz sieht Herr Schlauri es richtig, dass bevor wir all die staatlichen und mit hohem administrativen Aufwand verbundenen Rückverteilungssysteme von Oben nach Unten untersuchen, sollten wir zuerst das Umverteilungssystem von Unten nach Oben eliminieren, indem Währungen keiner langfristigen Entwertung unterliegen. Langfristig betrachtet verändern sich gesellschaftliche Parameter negativ, wenn eine Währung dauernd schleichend entwertet wird, bis hin zu gesellschaftlichen Verwerfungen. Es entsteht ein Klima, in welchem Vermögensbildung zu reiner Spekulation mit all den negativen gesellschaftlichen Nebenerscheinungen verkommt.

  23. Armin Bühler sagt:

    Eine hohe Ungleichheit führt allerdings auch zu mehr Kriminalität, so dass die Reichen verstärkt in Alarmanlagen, Waffen, privates Wachpersonal, Wachhunde und möglicherweise auch noch Psychologen investieren. Zudem gibt es bei mehr Kriminalität auch einen erhöhten Gefängnisbedarf, Gefängnispersonalbedarf, Anwaltsbedarf und die Spitäler erhalten auch eher mehr Arbeit.
    Immerhin, ein kleiner Teil des Wirtschaftsbereichs kann bei einer hohen Ungleichheit noch Wachstum erzielen.

    • Josef Marti sagt:

      Zeigt sich besonders in den USA wo die steigenden Kosten für Repression, Justiz, Strafvollzug und -verfolgung massgeblich zum BIP beitragen; wird im oben erwähnten Buch von Stiglitz schön beschrieben.

      • Simon Hottinger sagt:

        sind aber alles staatsausgaben, langfristig auch nicht so toll, ausser sie besteuern die reichen übermässig!

        • Josef Marti sagt:

          Da liegen Sie falsch, die Reichen können im Gegenteil für Ihre Vermögens- und Unternehmenseinkommen vollständig steuerbefreit werden (in USA praktisch verwirklicht); die Finanzierung des restlichen zusammengekürzten Service public, also Nachtwächter- bzw. Polizeistaat kann locker mit Konsumsteuern, Verbrauchsgebühren auf alles mögliche inkl. Rohstoffe etc. und Lohnarbeitbesteuerung der Renditesklaven erfolgen. Ein kleiner Rest muss dann halt für private Sicherheitsfirmen selbst berappt werden, weil man sich das Massenprekariat vom Leibe halten muss.

          • Simon Hottinger sagt:

            und dann jedes jahr die schulden grenze anheben? irgendwann platzt es! ok, die reichen bleiben reich, aber die haben andere möglichkeiten ihr geld zu parkieren wie wir!

    • Josef Anton sagt:

      @ Armin

      Sie unterliegen, wenn ich dies richtig einschätze, einem Denkfehler. Das Wohlergehen einer Gesellschaft beruht auf deren Fähigkeit die von den Menschen gewünschten Produkte und Dienstleistungen zu erstellen. Gefängnisse sind dabei eher ein notwendiges Übel als ein Teil der Wohlstandsförderung, genau so wie all die andern staatlichen Organisationen. Das heisst nicht, dass sie keine gesellschaftliche Funktion erfüllen, aber die Absicht, deren Wachstum aufgrund der daraus entstehenden Arbeitsplätze zu fördern, schwächt den Wohlstand der Gesellschaft insgesamt.

      • Armin Bühler sagt:

        Ich habe mich nur gefragt, weshalb gewisse Ökonomen ein Ungleichheitswachstum erstrebenswert finden könnten.
        Dass wohl kein Mensch bei Trost an einem Kriminalitätswachstum interessiert sein kann, ist ja klar.

        • Armin Bühler sagt:

          Vermutlich gibt es aber auch Ökonomen die es erstrebenswert fänden, wenn die gesamte Gesellschaft Gauloise Bleu kettenrauchen würde, weil neben dem Zigarettenverkauf vor allem die teuren Lungenkrebsbehandlungen das BIP erhöhen und die allgemeine Lebenszeitverkürzung gleich noch die AHV entlasten würde…

          • Josef Anton sagt:

            Ja, in dieser Beziehung stimme ich Ihnen bei. Manch einer würde wohl auch vorschlagen die Arbeitslosen nutzlos zu beschäftigen, eine Gruppe schaufelt Gräben und die nächste füllt sie wieder und das BIP wächst ebenfalls, wie die Staatsverschuldung ebenfalls. Der Fokus einzig auf das Bruttosozialprodukt ist zumindest fragwürdig. Viele Menschen, welche sich Ökonomen rufen, sind eigentlich “Ecometricians”, welche sich hauptsächlich mit der Erfindung neuer mathematischer Modelle in der Auswertung von Statistiken beschäftigen. Es scheint eine sehr befriedigende Beschäftigung zu sein, aber unterlässt oft das Studium des mit Reflexivität behafteten menschlichen Verhaltens, welche eine Massnahme aus solchen Erkenntnissen bewirkt.

          • Josef Anton sagt:

            Sorry, der Begriff heisst Econometrician.

  24. Adrian Humboldt sagt:

    Ungleichheit ist eine objektivierte Subjektivierung und daher weder statistisch noch ökonomisch relevant. Wichtig ist, dass Basisgesundheit und gute Bildung stark gefördert werden, alles andere ist gefährlicher, polemischer Humbug der uns in die sozialistische Misere führt, dann haben wir dann alle zusammen gleichviel: Nichts!

    Erschaffen oder Umverteilen, Freiheit oder Sicherheit es geht nur entweder oder, nie Beides.

    Für ein Land ist es relevant wie es der arbeitenden Mittelschicht geht, wie reich die Superreichen sind ist Volkswirtschaftlich Sch****egal und generiert nur Neid.

    • Peter Ringger sagt:

      Quatsch. Wenn das Kapital, das eigentlich am sinnvollsten im Mittelstand zirkulieren sollte, sich in den Händen von ganz wenigen Superreichen befindet, die es nur in wenige Luxusgüter investieren oder bunkern, dann ist es eben volkswirtschaftlich überhaupt nicht sch****egal. Staatliche Umverteilung wäre ja gar nicht nötig, wenn das verfügbare Kapital schon an der Quelle gerechter aufgeteilt würde. Faire Löhne machen Sozialleistungen überflüssig und senken so Steuern.

    • Ahn Toan sagt:

      Sie haben “ein wenig davon und ein wenig davon” vergessen, da liegen meistens Lösungen.

    • Ahn Toan sagt:

      Ich meine, ein wenig erschaffen, ein wenig Freiheit und ein wenig Sicherheit, beides geht nicht, aber alternativ gibts nicht nur entweder oder, oder?

    • Reto Stadelman sagt:

      So wird es wohl sein. Es gibt nur Schwarz und Weiss… So was wie soziale Marktwirtschaft gibt es nicht…

    • Josef Marti sagt:

      Sie widersprechen sich. Gesundheit und Bildung sind bekanntlich mit Abstand die grössten und teuersten Brocken im öff. Haushalt; ohne ziemlich starke Umverteilung kriegen Sie diese “starke Förderung” nicht auf die Reihe.
      Wie reich die Superreichen sind ist mir auch egal; nicht egal ist, wenn die Verteilung des BIP und des Volkseinkommens seit Jahrzehnten systematisch auf die Gewinnquote (Unternehmens- u. Vermögenseinkommen) zulasten der Lohnquote verlagert wird. Gem. Stiglitz sind in den USA die Reallöhne der unteren Einkommen in den letzten 30 Jahren um 15% gesunken. Wenn also Umverteilung schädlich ist, dann gilt das wohl in beide Richtungen, oder nicht?

    • peter münger sagt:

      “Ungleichheit ist eine objektivierte Subjektivierung und daher weder statistisch noch ökonomisch relevant.”

      Mag sein dass ich Sie missverstehe – der erste Teil heisst für mich in Etwa soviel wie: Verallgemeinerung eines subjektiven Eindrucks. Unter dieser Voraussetzung: Genau um subjektive Eindrücke zu eliminieren, werden viele “Messpunkte” herangezogen und statistische Verfahren benutzt.

      Zudem:
      Auch völlig subjektive Eindrücke sind ökonomisch relevant soweit sie sich entsprechend auswirken. Ganz unabhängig davon, ob sie messbar sind, verallgemeinert werden können, oder eben nicht.

      Angenommen, ein Einzelner besässe 99% der Volkswirtschaft, Dagobert Duck hoch zehn gewissermassen. Denken Sie tatsächlich, eine Wirtschaft wie die unsere wäre unter derartigen Voraussetzungen möglich? Wer soll die ganze Produktion kaufen wenn das Einkommen fehlt?

  25. Jakob heiliger sagt:

    Lustiger Artikel oben fast reisserisches Bashing, dass jemand das Ding liest und unten folgt der Disclaimer, dass es doch nicht unbedingt so sei, damit man in der Gilde nicht allzu schlecht dasteht…

    Natuerlich ist Ungleichheit ab einem gewissen Masse schlecht. Dann gibt es soziale Spannungen etc., gerade in Demokratien auch Wachstumshemmende Massnahmen die eingeführt werden als Ventil um Wut abzulassen.

    Wir verteilen in absoluten Zahlen ja massiv um. Gleichzeitig heisst mehr Umverteilung oftmals auch mehr Staat und der geht zu oft suboptimal mit den Mitteln um und natürlich sinken die Anreize einen CHF mehr zu verdienen, wenn davon z.b. 75% beim Staat landet…

    Allerdings ist es gerade bei Managerlöhnen fraglich, ob diese in beliebiger Höhe sinnvoll sind…im Gegensatz zum Sport, was bringt dort ein Quentchen mehr Talent?sofern es nicht sowieso zum grossen Teil Zufall ist, wer es hoch schafft und wer nicht….Beim Unternehmer sieht die Situation anders aus…insbesondere dort müssen die Anreize stimmen.

    Von daher sehe ich nicht ganz, was daran neu sein soll…

    • Frank Baum sagt:

      Neu ist, dass die “klassische Öknomie” bnun einmal davon ausgegangen ist, dass Umverteilung in allen Szenarien schlecht für die Wirtschaft sein soll. Die “klassische Ökonomie” hat nicht zwischen Extrempositionen und einem Mittelwert unterschieden. Das Model hat die Situation immer gleich bewertet: jede Umverteilung ist ein EIngrif in das Handwerk dieser unsichtbaren Hand, die dann am effektivsten sei, wenn sie möglichst ungehindert schalten und walten kann.

      Die feststellung, dass dem eben nicht so ist, ist da schon etwas Neues. Die “Klassische Ökonomie” ist damit hinfällig geworden.

  26. Ralf Schrader sagt:

    Das aus diesen Kreisen mal etwas fast Vernünftiges kommt, erstaunt mich sehr. Es müsste aber deutlicher formuliert werden, dass es in Richtung Nur- Umverteilung und Rückbau von Wirtschaft und Wohlstand gehen muss, sonst ist der Planet ruiniert.

    • Adrian Humboldt sagt:

      Was hat Umverteilung mit dem Planeten zu tun? Idealerweise gibt es ganz wenige Superreiche und 99% arme, die sich kein Auto/Flug/Heizung/Platik usw. leisten können, das wär was für den Planeten. Alles Andere ist sozi-ökö-Schmarren. Gleichheit für alle! 7 Mrd Autos und Kühlschränke! Gerecht in den Untergang!

    • Adam Rechenberg sagt:

      Ein Rückbau der Wirtschaft ist nur mit Gewalt machbar. In Kambodscha wurde dieses Experiment (in guten Absichten) durchgeführt, aber die Resultate waren nicht zufriedenstellend. Wie weit wollen sie zurück?

      • Thomas Ernst sagt:

        @ Rechenberg
        Nur in der Höhle lebt der Mensch wirklich umweltkompatibel, wussten Sie das nicht?

  27. Josef Marti sagt:

    Ich würde ja den Klassikern noch zustimmen, wenn denn tatsächlich besondere Leistungen und persönliche Risiken im Spiel wären, was bewiesenermassen in den westlichen Rent Seeking Gesellschaften nicht stimmt. Die die grössten Pleiten und Verluste verursachen werden ja am höchsten belohnt. Die sog. freie Marktwirtschaft ist sowieso schon lange bestenfalls ein Witz.
    Wenn die Ungleichheit positive Effekte haben soll, dann müsste sowieso auch das Erbrecht abgeschafft werden (oder 100% Steuer) weil sonst möglichst gleiche Voraussetzungen für die Individuen Illusion sind.

    • Adrian Humboldt sagt:

      .. also doch wieder zum Kommunismus zurück! Oder besser zum Marti-isums, der sagt uns dann was gut und schlecht ist. Banker = Böse, Sozi = Engel. Danke!

      • Josef Marti sagt:

        Wir sind ja schon im Kommunismus, haben Sie das nicht gemerkt? Das Politbüro ist auch bekannt: SNB, Finma plus Bankdirektoren. Nein, zurück zur freien Marktwirtschaft; jede private Firma muss zwingend Konkurs gehen können/müssen mit allen Konsequenzen, wie das von der Österreicher Fraktion postuliert wird. Rettung von privaten Firmen durch die Allgemeinheit ist nichts anderes als Kommunismus.

        • Reto Stadelman sagt:

          @Marti
          Wir sind also alle im Kommunismus? Wir leben wohl eher in der Vorstufe des Neofeudalismus. Und selbstverständlich lässt der Geldadel den Geldadel nicht im Stich!
          Orientieren sie sich an der Freiburger Schule und nicht an der österreichischen. Am besten lehnen sie überhaupt jedes politische Dogma ab. Das hilft enorm bei dem Verständnis komplexer Probleme.

          • Josef Anton sagt:

            Ich stimme Ihnen zu, dass die Verwendung von spezifischen Namen für das heute bestehende System problematisch ist, da viele eine sehr spezifische Einstellungen gegenüber diesen Begriffen besitzen, was ablenkend wirkt. Andere Beispiele sind z.B. Faschismus oder Crony Capitalism (Vetternwirtschaft).

            Andererseits gehe ich mit Herrn Marti einig, dass seit langer Zeit keine Freie Marktwirtschaft herrscht, ob man dies nun daran festmacht, dass der Finanzsektor sich risikofrei bereichern kann, dass die Grosskonzerne über die Beeinflussung der Regulierung via politischer Kanäle (Lobbying) sich eine monopolähnliche Position erarbeiten etc.

          • peter münger sagt:

            Die juristische Fixierung der Gesellschaftsstrukturen/-schichten fehlt heutzutage, ich würd’s eher als Tendenz zum Faschismus bezeichnen.

            Aber unabhängig davon – funktionierender Markt, freie Marktwirtschaft setzt voraus:
            Anbieter und Nachfrager sind ausgezeichnet informiert, handeln rational, und auf beiden Seiten sind “viele”.

            In der Realität jedoch gibt es in der Regel auf einer Seite eines Handels nur wenige potentielle Vertragspartner, was einerseits eine gewisse Preismacht verleiht und andererseits Kartellbildung vereinfacht und darum fördert – in der CH sind Kartelle sogar explizit legal. Zudem sind die Informationen meist ungleich verteilt(der Spezialist weiss naturgemäss mehr, erzählt aber aus durchaus gesundem Egoismus kaum je die ganze Wahrheit), und der Mensch handelt alles andere als rein rational, deshalb funktioniert bspw. das mit der Markenbildung – ein Monopol, juristisch geschützt durchs Markenrecht. Und falls alles nichts fruchtet, gibt’s da noch die gute alte Bestechung.

          • peter münger sagt:

            Auch Bereiche, in denen zu einem gewissen Zeitpunkt die Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt vorhanden sind, tendieren meist zur Bildung von Oligopolen. Da es keine Grössenbeschränkungen gibt, resultieren am Schluss Konstellationen wie z.B. die Grossbanken.

            Auf Arbeitnehmerseite im Grunde genauso (Gewerkschaften).

            Soll heissen:
            In der Realität gibt’s (falls überhaupt) verschwindend wenige Branchen/Bereiche/Gebiete, in denen die Voraussetzungen für einen funktionierenden “Freien Markt” erfüllt sind. Deshalb ist er (unter den heutigen Voraussetzungen) ein Wunschtraum, eine Illusion.

            Das soll nicht heissen, dass meinetwegen Sozialismus in einer arbeitsteiligen Gesellschaft funktionieren würde. Sondern nur, dass die ganzen marktwirtschaftlichen Theorien von unrealistischen Voraussetzungen ausgehen, auf Sand gebaut sind, und (hoffentlich) früher oder später wie der Homo Oeconomicus auf der Schrotthaufen der Wirtschaftstheorien landen werden.

  28. Simon Hottinger sagt:

    schon schlau diese okonomen und für das mussten die 5 jahre studieren? gebt mir 500.- mehr im monat und ich gebe sicher 400.- davon aus, davon profitieren alle! Gehe mehr essen, mehr kleider, besseres auto, das muss doch die wirtschaft ankurbeln!
    warum läuft es in europa nicht? die konzerne machen die gewinne, geben sie aber kaum weiter, das würgt die wirtschaft ab und immer nur auf kredit wie die usa geht auc nicht, irgend wann müssen die bezahlt werden!

  29. Aha sagt:

    und dafür brauchts teuere Studien von Akademikern….mit etwas Nachdenken kommt jeder Normalo schon lange zu den gleichen Schlüssen: Etwas Ungleichheit ist gut zur Motivation, zuviel Ungleichheit führt zu Frust (s. div. Abstimmungen) bist zur Verweigerung des Gesellschaftsmodells, sprich Revolution

  30. De Grecco sagt:

    Dass eine Erhöhung des statlichen Konsums das Wirtschaftswachstum kurzfristig erhöht, ist in Kongruenz mit der klassische Theorie. Langfristig nimmt aber der Wohlstand dabei ab. Deshalb wäre nicht das Wirtschaftswachstum, sondern vielmehr der Wohlstand einer Gesellschaft, natürlich berichtigt um private und öffentliche Schulden, interessant gewesen.

    • Frank Baum sagt:

      Der IWF wird zwischen Umverteilung und staatlichem Konsum unterscheiden können. ich gehe schon einmal davon aus, dass man hier Umverteilung gemeint hat, wenn man von Umverteilung gesprochen hat.

  31. Nicolas sagt:

    Wenn sie umverteilen und es bekommen leute leistungen die nichts dafür tun, wo ist dann der anreiz diese tatsache zu verändern?

    • Reto Stadelman sagt:

      Wenn sie solch einfältige Dinge schreiben, dann sind sie noch lange nicht bereit für eine ernsthafte Diskussion. Wahrscheinlich haben sie den Text noch nicht einmal gelesen. Schade, denn hier könnten sie eine Antwort bekommen. Aber ich bin mir zu schade ihnen zu schreiben wenn ich ganz genau weiss: Es interessiert sie nicht die Bohne. Sie wollten hier nur ein politisches Statement zum besten geben…

      • M. Jaeger sagt:

        Leute wie Herr Stadelmann würde ich gerne höflich anfragen, wieviel sie selber bei der Umverteilung zu verteilen gedenken. (nur ungefähr, auf Tausender gerundet)

        • Reto Stadelman sagt:

          @Jaeger
          So viel wie in der Progression vorgesehen ist. Reicht ihnen das als Antwort?
          @Ernst
          Weil Mr. Nicolas sonst glaubt, seine Aussage werde einfach so akzeptiert und er habe recht.

      • Thomas Ernst sagt:

        @ Oberlehrer Stadelmann
        Warum schreiben Sie dann hier überhaupt?

      • Josef Anton sagt:

        Es handelt sich nicht um ein politisches Statement, sondern um eine Überlegung in Bezug auf das menschliche Verhalten.

        • Reto Stadelman sagt:

          Im oberen Text wird das menschliche Verhalten nicht angesprochen. Es geht um das sogenannte “Trickle-Up”.
          Hier mit den uralt-totschlag Argument aufzukreuzen das jegliche Steuererhöhung, Umverteilung etc. die Motivation der Menschen zerstört ist ein rein politisches Statement dass jede Diskussion im Vornherein zerstört.

    • Dagmar Cunderlik sagt:

      Intrinsische Motivation wäre hier das Stichwort. Die meisten Errungenschaften der Menschheit sind nicht in Erwartung von Reichtümern entstanden, sondern weil Menschen ihren Interessen und Visionen nachgegangen sind. Und auch “normale” Arbeitnehmer folgen ihrem Gestaltungs- und Entfaltungstrieb. Nicht jeder kann weltbewegende Leistungen erbringen. Doch wie in einem Ameisenstaat, oder einem Uhrwerk: auch die einfachen Arbeiten wollen erledigt werden, und auch die kleinen Rädchen sind für das Funktionieren des Ganzen wichtig. Wir sind alle in einem System eingebunden. Die Entlöhnung soll nicht egalitär sein, sondern fair. Und der Gewinn soll zu einem Teil an die Gemeinschaft zurückfliessen, sei es via Steuern oder via Gemeinnützigkeit. Dann geht es allen besser, nicht nur wenigen.

  32. Cristian sagt:

    Weiteres Problem grosser Ungleichheit: Einem grossen Teil der Bevölkerung fehlt das Geld für Ausgaben im lokalen Umfeld, wie Restaurant- oder Coiffeur-Besuche und Einkäufe von nicht lebenswichtigen Dingen. Dadurch nehmen diese weniger ein, und es setzt eine Abwaertsspirale ein. Die lokalen Ausgaben von einigen wenigen sehr Reichen werden dies kaum kompensieren.

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