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Vorsicht vor Griechen mit Primärüberschüssen

Mark Dittli am Freitag den 13. Dezember 2013
Proteste in Athen gegen Sparmassnahmen im öffentlichen Sektor, 6. November 2013. (EPA/Alexandros Vlachos)

Die Lage in Griechenland hat sich nicht wesentlich geändert: Proteste in Athen gegen Sparmassnahmen im öffentlichen Sektor, 6. November 2013. (EPA/Alexandros Vlachos)

Die Meldung ging am Donnerstag um die Welt: Griechenland hat in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres im Staatshaushalt einen Primärüberschuss von 2,7 Milliarden Euro erzielt. Dies teilte der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras in Athen mit. Werden die (horrenden) Zinszahlungen ausgeklammert, hat der griechische Staat in den letzten elf Monaten also mehr eingenommen als ausgegeben und damit den seit mehreren Monaten vorherrschenden Trend bestätigt.

Na also, wer sagt's denn. Wird nun alles gut?

Die Funktionäre in Brüssel und Frankfurt tun wohl gut daran, die Korken noch nicht knallen zu lassen. Es lässt sich nämlich die These aufstellen, dass  ein Primärüberschuss im Fall Griechenlands die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls (Default) nicht senkt, sondern sogar noch erhöht.

Hier zunächst fünf Zahlen, die zeigen, dass Griechenland auch nach bald vier Jahren brutalster Austeritätspolitik immer tiefer im Morast versinkt:

  • Einbruch der realen Wirtschaftsleistung seit 2008: mehr als 20 Prozent
  • Aktuelle Arbeitslosenquote: 27,3 Prozent
  • Aktuelle Jugendarbeitslosenrate: 58 Prozent
  • Aktueller Stand der Staatsschulden, in Prozent des Bruttoinlandprodukts: 175 Prozent
  • Aktuelle jährliche Deflationsrate: 2,9 Prozent (das ist der höchste je verzeichnete Wert in den vergangenen 15 Jahren)

Ich habe grosse Mühe, mir vorzustellen, wie es Griechenland schaffen soll, aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu kommen und dabei brav seine Zinsen zu zahlen und Schulden abzustottern.

Und das bringt uns zurück zum Primärüberschuss. Dieser bedeutet nämlich nichts anderes, als dass der Staat fähig ist, seine laufenden Ausgaben durch laufende Einnahmen zu decken und somit nicht mehr auf das Wohlwollen des internationalen Bondmarktes angewiesen ist. Das stärkt die Verhandlungsposition Athens, wenn es darum geht, eine weitere (dritte) Schuldenrestrukturierung durchzuführen.

Wie der Ökonom Benn Steil vom New Yorker Think Tank Council on Foreign Relations darlegt, haben Staaten in der Vergangenheit sehr oft kurz nach Erreichen eines Primärüberschusses beschlossen, ihre ausstehenden Schulden nicht mehr zu bedienen.

Die folgende Grafik veranschaulicht dies (Quelle: CFR):

NMTM_Griech_Dec13

Der obere Teil der Grafik zeigt die Primärdefizite und -Überschüsse von elf Staaten, die seit 1998 einen Default auf ihren Schulden verhängten. Der gelbe Diamant zeigt den Durchschnitt des Primärsaldos der elf Länder. In den Jahren vor dem Default lag die Primärbilanz in der Regel im Defizit, und das Jahr des Defaults war in der Regel das erste mit einem Primärüberschuss. Die Staaten wählten also ganz bewusst den Zeitpunkt, an dem sie für ihre laufenden Ausgaben nicht mehr auf neue Kapitalzuflüsse von Bond-Investoren angewiesen waren, für ihren Zahlungsausfall.

Der untere Teil der Grafik zeigt, dass Griechenland soeben diesen Punkt durchschritten hat.

Wetten, dass Griechenland im Jahr 2014 eine weitere Schuldenrestrukturierung erhalten wird?

Hier noch einige Links zum Wochenende:

  • Mein Kollege in New York, Christoph Gisiger, schreibt hier anlässlich des hundertjährigen Bestehens der US-Notenbank vom grössten geldpolitischen Experiment aller Zeiten. (Und hier der Zuger Hedge-Fund-Manger Felix Zulauf über die Verzerrungen, die die aktuelle Geldpolitik an den Finanzmärkten verursacht. Er spricht von der grössten Finanzmarktmanipulation der Geschichte.)
  • Der frühere IMF-Chefökonom Simon Johnson räumt in diesem No-Nonsense-Kommentar mit dem Irrglauben auf, dass mehr Regulierung der Grossbanken das Schattenbankensystem fördere.
  • Und wer sich für unsere Serie über die Altmeister der Ökonomie interessiert: Hier der zehnte Teil, über Frank H. Knight, den vergessenen Erforscher der Ungewissheit.
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24 Kommentare zu „Vorsicht vor Griechen mit Primärüberschüssen“

  1. Christian Müller sagt:

    Egal, Hauptsache negativ. Griechenland versinkt eben nicht immer tiefer im Morast, sondern das Gegenteil ist der Fall. Die Wirtschaft wird 2014 wachsen, was schon im 3. Quartal 2013 sich abgezeichnet hat (im Vergleich zum 2. Quartal), die Exportwirtschaft und der Tourismus sind viel wettbewerbsfähiger geworden (deshalb Deflation), Arbeitslosigkeit wird fallen, Banken sind restruktuiert und werden bald wieder ein Kreditwachstum haben, etc. etc.

    Bei Jugendarbeitslosigkeit rechnet man übrigens diejenigen aus, die noch in Ausbildung, Universität, Training, Militär, etc. sind und deshalb erscheint sie noch höher als sie in Realität ist (es sind eben nicht 58% des Jugendlichen arbeitslos, sondern 58% der “erwerbstätigen und -suchenden” Jugendlichen, was dann um die 20-25% eines Jahrgangs ist. Ist natürlich immer noch zu hoch.

    Zur Schuldenrestruktuierung wird es kommen, falls EU es politisch will, da Schulden jetzt praktisch nur noch in der Hand der EU, EZB, IMF, etc. sind, wirtschaftlich ist es aber eben nicht nötig. Warum? 2/3 der Schulden sind erst in über 10 Jahren fällig, ein Grossteil sogar nach 2030. Die Zinsen für diese Schulden sollten die nächsten Jahre 2.6% nicht übersteigen und deshalb sind Vergleiche mit anderen Nationen wie Russland, Argentinien, etc. (die Schulden übrigens immer in Fremdwährungen hatten) völlig irreführend. Aber 2-3 Charts, auch wenn sie völlig nicht passen, sind einfacher als sich mal intensiv damit it beschäftigen.

    Das grösste Risiko ist sicherlich politisch, aber ansonsten wir es aufwärts gehen. Falls man Wirtschaftsgeschichte etwas kennt, liegen Journalisten und z.B. sogar Ökonomen meisten falsch, wenn die Kertwende eintritt, im positiven wie im negativen Sinn.

    • manuel sagt:

      bitte 2/3 der Schulden sind erst in über 10 Jahren fällig, immer noch 10% der Wirtschaftsleistung im Jahr, damit diese nicht mit neuen Krediten abgelöst werden müssen, ganz zu schweigen davon, dass dann die Zinsen wieder ganz anders aussehen könnten. Darum jetzt einen Schuldenschnitt, damit auch eine echte Chance entsteht. Wenn alles gut läuft die nächsten 15 Jahre (haha) würde es auch ohne gehen klar, leider ist noch zu viel in der Schwebe um nur schon davon auszugehen, dass wir die nächsten 2-3 Jahre ohne Schaden überstehen.

    • Martin Holzherr sagt:

      Sie haben insoweit recht als eine Trendumkehr – Wachstum anstatt Schrumpfung – wichtiger ist als die Schuldensituation. Nur ist diese Trendumkehr eben immer noch in der Zukunft liegend, im Jahr 2014. Inzwischen ist die Arbeitslosigkeit in Griechenland auf 27% gestiegen, womit nach ILO Griechenland zusammen mit Spanien zu den beiden Ländern mit der höchsten Arbeitslosigkeit in den OECD-Ländern gehört. In Griechenland stieg die Arbeitslosigkeit also von 10% durchschnittlich zwischen 1990 und 2008 auf den 2 1/2 fachen Wert. Die Arbeitslosenunterstützung endet in Griechenland nach 2 Jahren. Damit bedeutet sogar eine Stabilisierung oder ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit, dass die Zahl der Beschäftigten zurückgeht und die Zahl der Langzeitarbeitslosen und Sozialfälle steigt.
      Ich habe insgesamt den Eindruck, dass es damit vielen Griechen heute schlechter geht als vor dem Beitritt zur EU. Ähnliches – wenn auch nicht so schlimm – gilt für Spanien. Ich frage mich ob das nicht auch das Resultat schlechter Politik der EU ist. Sicher trifft die Hautschuld die alten Regierungen in Griechenland und Spanien, doch die EU trägt mit der fehlenden Langfristvision und dem Festhalten an einer Austeritätspolitik eine Mitschuld. Allerdings bin ich der Ansicht, dass der EU in einem solch lockeren Staatenbund wie es die Eurozone ist, auch nicht viel anderes übrigblieb als ein Verweis auf das eigenverantwortliche Handeln der betroffenen Länder , was automaisch in einer Austeritätspolitik mündet. Es hätte aber eine viel bessere Lösung gegeben: den vorübergehenden Austritt der Krisenländer aus der Eurozone mit automatischem Wiedereintritt sobald gewisse Kriterien erfüllt gewesen wären. Wäre diese Massnahmen 2008/2009 ergriffen worden, wäre die Arbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien nie derart angestiegen. Jetzt ist es wohl zu spät dafür. Eine solch lange Phase der wirtschaftlichen Depression wie jetzt in Griechenland und Spanien eingetreten, wird wohl auch im Jahre 2020 noch nicht normalisiert sein. Damit hat die EU schrecklich versagt. Auch als Idee versagt.

      • Rolf Zach sagt:

        Ein vorübergehender Austritt aus dem EURO ist nach meinem Dafürhalten ein völlig unpraktischer Vorschlag. Man muss sich mal vorstellen, was das für ein wirtschaftliches Chaos produzieren würde und der Gewinn danach wäre sehr dürftig. Vergessen wir nicht, der EURO ist eine Reserve-Währung und die alte Schwund-Währung Drachme war es nicht. Wir wissen alle, dass die Griechen den EURO so aufgenommen wie Drachme mit dem Wunder eines viel geringeren Zinsfusses. Die reichen Argentinier haben US$, was haben die reichen Griechen heute, nur £ und CHF. Natürlich kann die Verzinsung der Staatsschuld ein gewisses Mass beim Volkseinkommen nicht überschreiten. Die EZB wird die Schleusen der Inflation nicht öffnen, auch wenn sie die griechischen Staatsschuld aufkauft wie die FED den US-Subprime- Hypothekenschrott. Ohne diese Schrott-Aufkäufe wären weltweit viele Banken (inkl. SNB wegen UBS und auch diese Wunderknaben-Banker aus Düsseldorf) noch in viel grösseren Schwierigkeiten. Immerhin haben die Schrottkäufe der FED
        geholfen, dass der US-Mittelstand wieder atmen konnte. Strukturmässig ist der € die bessere Reservewährung als der $. Der Kommentar von Herr Christian Müller ist ausgezeichnet.

      • Urs Lehmann sagt:

        GR hat nach dem Beitritt trotz (der gerade wegen?) tiefen Zinsen frischfröhlich neue Schulden angehäuft. 2003-2007 haben sie etwa 3% Infaltion p.a. ausgewiesen bei realem Wirtschaftswachstum von etwa 4,3% p.a. Das wäre genau die Zeit gewesen, wenn schon nicht reduzieren dann wenigstens keine zusätzlichen Schulden zu machen, stattdessen wuchsen die Staatschulden um 50% von 160Mrd Euro auf 240Mrd (300Mrd 2009). Abgesehen von einem Rausschmiss (dazu siehe unten), was wäre Ihrer Meinung nach die “gute” Reaktion gewesen?

        Als GR die EU anrief, war die allgemeine Befürchtung, dass ein (schneller) Austritt das Ende des Euro bedeuten würde.

        Aber auch wenn, die GR-Schulden lauten auf Euro. Bei einem Austritt muss wohl von einer (sehr) schwachen Neu-Drachme ausgegangen werden, wodurch die relative Schuld (Schulden in BIP%) ansteigen und erst recht untragbar werden würde. Also wäre wahrscheinlich nach kurzer Zeit die Situation mindestens so schlimm gewesen wie heute.

        • Johnny Smith sagt:

          @ Urs Lehmann

          Da bin ich anderer Meinung. Ich denke, ein Ende mit Schrecken wäre für die Bevölkerung in GR besser gewesen als eine Schrecken ohne Ende. Sprich, ein (temporärer) EUR-Austritt und relativ radikaler Schuldenschnitt hätte wohl viel Schmerzen bereitet, wäre aber die Grundlage für stabilen Boden unter den Füssen, der jetzt selbst nach Jahren noch nicht richtig gesichert scheint. Dass dagegen die Gläubiger (Euro-Gremien, D und F Banken, …) dieser Variante keine Chance geben wollten, ist auch klar.

    • Elisabeth Krail sagt:

      Chr. Müller:
      Freut mich, dass Sie die Entwicklung Griechenlands so positiv sehen. Diverse andere Medien sagen etwas ganz anderes:
      – FAZ: Halbwahrheiten über Griechenland
      – WiWo: Die griechische Sage vom ausgeglichenen Etat
      – Sinnloser Euro-Beitritt: Griechenland sinkt auf das Niveau von 1997
      – Griechenland bleibt unter massivem Reformdruck

  2. Thomas Wanner sagt:

    Ja genau, Herr Dittli. Wer jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat, sich mit betrügerischen Angaben Kredit der Partner erschlichen hat, der muss eine zeitlang unten durch, um nachhaltige Bilanzrelationen wiederherzustellen. Ist daran etwas Schlimmes ? Es ist doch kuul, wenn Betrüger entlarvt werden; wie beim Herrm Fehr Hans.

    • urs lehmann sagt:

      Die EU ist im Grunde genommen selbst Schuld, als GR 2001 der EU beitrat betrug die Staatsschuld bereits über 100 BIP-Prozente. Und das obwohl die Maastricht-Kriterien (maximal 60%) damals noch als gültig angesehen wurden.

      Mit marktgerechten Zinsen sind die Schulden nicht bezahlbar(bei 160% BIP und 6% Zinsen werden gegen 10% des BIP alleine für die Zinszahlungen benötigt). Das war bereits zum Zeitpunkt der Kreditgewährung klar, nur wollte man es da noch nicht öffentlich eingestehen weil dann die Hilfskredite von den diversen Völkern nie und nimmer akzeptiert worden wären.

      Das einzige was in der aktuellen Situation hilft ist ein Schuldenschnitt. Ein expliziter wird durch Merkel explizit ausgeschlossen, darum scheint mir ein “stiller” Schnitt mittels sehr tief angesetzten Zinsen die wahrscheinliche Variante. Z.B. durchschnittliche Laufzeit 20 Jahre bei wenig mehr als Null Prozent wobei die eingesparten Zinsen zur Amortisation benutzt werden müssen. Damit wahren alle ihr Gesicht und trotzdem kriegen die Griechen Luft zum atmen.

      • Rolf Zach sagt:

        Die Aufnahme Griechenlands in die €-Zone war ein politisches Geschäft, wo die Deutschen die USA und anderen erfreuten, die sich davon eine langfristige Entspannung zwischen Griechenland und der Türkei erhofften. Solche Gefälligkeiten werden die Regierungen der €-Zone niemals mehr machen. Es wird sogar keine Erweiterung der EU geben, auch nicht eine As­so­zi­ie­rung, wo der Partner der EU in erster Linie Geld erwartet, wie z.B. die Ukraine. Die Westeuropäer werden solches verhindern, auch wenn es Polen gefällt.

  3. Kaegi Peter sagt:

    Griechenland wird nach den EU-Parlamentswahlen die definitive Rechnung noch präsentiert bekommen. Denn die Nato-Rüstungsbestellungen sind noch nicht bezahlt und werden 2014 einkassiert mit den nicht mehr erfüllbaren neuen Sparvorgaben der neuen EU-Ratsmitglieder.

  4. Ahn Toan sagt:

    nur, aber immerhin

    die Darstellung des Rückgangs der Wirtschaftsleistung seit 2008 und nicht der Entwicklung seit 2008, ist schon nahezu bösartig, zumindest hat sich der Rückgang im BIP deutlich verlangsamt seit 2008, und darum wurde der Primärüberschuss möglich. Wäre das Defizit auf dem Niveau von 2011 oder gar 2009, gäbe es noch lange keinen Primärüberschuss.

    • Ahn Toan sagt:

      Aber auch ich erwarte, dass die Griechen einen weiteren Schuldenschnitt erhalten, in Anerkennung, was sie gemacht haben, und im Wissen, das eine rasche Erholung auch den anderen Mitgliedern dient, und eine grosse Koalition kann dies in Deutschland verkaufen. Und wenn meine Wahrnehmung richtig ist, hat die EZB, als eine der grössten Gläubiger, dank Zukäufen weit unter dem Nominalwert nicht beim Schuldenschnitt mitgemacht. Diese müsste nur auf Gewinne (kein Default, kein Schuldenschnitt) verzichten, ich denke da ist ein grosser Verhandlungsspielraum, um Griechenland zu unterstützen. Sonst macht man was mit niedrigen Zinsen und langer Laufzeit, Nachbesserung falls es gut läuft, es werden weiterhin Lösungen gesucht werden.

  5. Peter Waldner sagt:

    Mag ja alles sein. Aber ein Primärüberschuss macht es immerhin sinnvoll(er), sich über Schuldenerlasse (und die damit verbundenen Zinsen) zu unterhalten. Diese machten keinen Sinn, wenn selbst ohne Schulden und Zinsen Geld aufgenommen werden müsste; und das war ja bisher der Fall. Die hohe Arbeitslosigkeit über saatliches Primärdefizit bekämpfen zu wollen, wäre der perfekteste Unsinn. Helfen kann da nur der Aufbau von freier, privater Wirtschaft; und das ist nicht nur mittels finanzieller Unterstützung durch den Staat möglich, sondern auch durch Abbau von administrativen Hindernissen und die Erhöhung der Produktivität der Arbeit. Viele Griechen wären “geborene Unternehmer” und “Selbständige”, wenn man sie denn machen liesse.

  6. Johnny Smith sagt:

    Primärüberschuss, nach jahrelangen Riesen-Primärdefiziten: das ist ein erfreuliches Zeichen. Hoffen wir, dass dies nachhaltig bleibt.

    Es ist aber noch nicht genug. Wer (zu) hohe Schulden hat, muss halt auch mit hohen Zinskosten leben. Die Zinsen (nicht Zinskosten) sind von der EZB gedrückt. Die Zinsen in % sind deshalb eigentlich zu moderat, aber die Zinskosten in EUR sind wegen den riesigen angehäuften Schuldenbergen dennoch riesig. Mit anderen Worten: das Problem ist noch nicht gelöst. Ich teile die Ansicht von MD, dass die Chance/Risiko für einen Schuldenschnitt deshalb eher gestiegen ist. Erst danach wäre das Problem, in welches GR sich manövriert hat, endlich von zwei Seiten an der Wurzel angegangen worden. Besser spät als nie.

    Guter Artikel, MD!

  7. Martin Holzherr sagt:

    Wenn Griechenland keinen Schuldenerlass erhält, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es seine Schulden nicht mehr bedient. Das ist sicher so. Der Unterschied zwischen Griechenland und anderen früher massiv überschuldeten Ländern wie Argentinien ist eben, dass es sich im Euroraum befindet, in einer Währungsunion. Ein Default wäre wohl gleichbedeutend mit einem Austritt aus dem Euroraum. Etwas was Griechenland, auch die griechische Bevölkerung, wohl nicht will.

    • Josef sagt:

      Bei den aktuellen Schulden der Griechischen Nationalbank bei der EZB (Stichwort: Target-2) ist es eher so, dass die grössten Gläubiger der Griechen (Deutschland z.B.) kein Interesse am Austritt aus dem Euro-Raum wollen, bzw. sich leisten können. Die Erkenntnis muss bitter sein, dass der Deutsche Export mit Deutschem Geld bezahlt wurde…

  8. Marcel Senn sagt:

    Ein jährliche Deflationsrate von 2.9% – das ist aber gar nicht gut für den Schuldenabbau. Da gehe ich mit dem Herrn Dittli einig, Griechenland wird sich nie selber aus dem Sumpf ziehen können, da braucht es nochmals einen Schuldenschnitt – Primärüberschuss hin oder her…

  9. Margot Helmers sagt:

    Griechenland wurde nur mit “Hilfe” von Goldmann Sachs EU tauglich gemacht. Dafür bekommen sie sich jährlich ! 400 Millionen € bis2027 von GR, dafür haben Sie den Public eye Award bekommen. Ich kann es schon lange nicht mehr hören wie von Hilfe für GR geplappert wird, bei den Griechen kommt gar nichts an. Von den 207 Milliarden „Griechenlandhilfe“ landeten 162 Milliarden direkt bei den europäischen Banken und großen Kapitalanlegern. Ein Drittel sahnten dabei d. Banken ab. Von den 47 Milliarden, die einen Umweg über den griechischen Staatshaushalt machten, hat GR 35 Milliarden für Zinszahlungen an die Besitzer von Staatsanleihen sofort zahlen müssen. Süddeutsche Zeitung 17.06.13
    GR sollte am besten sofort austreten, die Investoren müssten halt das Geld ans Bein streichen. Ja und, ist halt Investorrisiko. Es kann doch nicht sein das der eurpäische Steuerzahler hart arbeitet um Spekulanten auf ewig zu bedienen.

    • Josef Anton sagt:

      Wie der Artikel oben erklärt, steigt die Chance, dass Ihre Vorstellung eintreffen mag. Es handelt sich dabei allerdings um keine grosse neue Erkenntnis, denn es musste doch jedem klar sein, dass wenn eines Tages weniger an Geld Richtung GR fliessen wird, als von GR abfliesst, sich die Einstellung der Griechen abrupt ändern dürfte. Ich sage nicht, dass dies jetzt schon zutrifft, da erst von Primärüberschuss gesprochen wird. Es ist auch nicht erkennbar, wieviel Geld unter etwelchen EU-Programmen nach GR fliesst, welche zu diesem Primärüberschuss einen Beitrag leisten.

      Mal sehen, wie sich dies abspielen wird, wenn GR schrittweise das Zepter in dieser Frage übernimmt.

  10. Josef Marti sagt:

    Die Deflationstendenz muss unbedingt eingedämmt werden. Wenn es auch erfreulich ist, dass das Wachstum des Schuldenbergs verlangsamt wird, so wird dieser Effekt bei anhaltender Deflation und Reallohnverlusten von über 6% wieder wegkompensiert; ein nennenswertes BIP Wachstsum ist mit dauernder Deflation nicht möglich.

  11. Marcus sagt:

    Herr Dittli, da brauchen Sie nicht wetten das Griechenland einen weiteren Haircut erhalten wird, das geht garnicht anders. Angesichts einer Verschuldungsquote von fast 180 % des BIP ist es vollkommen illusorisch zu glauben das es mit ein bischen Austerität getan sein wird. Das will man aber insbesondere in Brüssel noch nicht akzeptieren, da bei einem zweiten Schuldenschnitt nämlich die öffentliche Hand ran muss, genauer gesagt die EZB welche der grösste Gläubiger Griechenlands ist, was auf die Staatsanleihekäufe zurückzuführen ist.

    Der Primärüberschuss ist wie richtigerweise festgestellt wurde irrelevant, da er nicht die Verpflichtungen für den Schuldendienst berücksichtigt.

  12. […] Vorsicht vor Griechen mit Primärüberschüssen Die Meldung ging am Donnerstag um die Welt: Griechenland hat in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres im Staatshaushalt einen Primärüberschuss von 2,7 Milliarden Euro erzielt. Dieser bedeutet nämlich nichts anderes, als dass der Staat fähig ist, seine laufenden Ausgaben durch laufende Einnahmen zu decken und somit nicht mehr auf das Wohlwollen des internationalen Bondmarktes angewiesen ist. Das stärkt die Verhandlungsposition Athens, wenn es darum geht, eine weitere (dritte) Schuldenrestrukturierung durchzuführen. Wie der Ökonom Benn Steil vom New Yorker Think Tank Council on Foreign Relations darlegt, haben Staaten in der Vergangenheit sehr oft kurz nach Erreichen eines Primärüberschusses beschlossen, ihre ausstehenden Schulden nicht mehr zu bedienen. Der obere Teil der Grafik zeigt die Primärdefizite und -Überschüsse von elf Staaten, die seit 1998 einen Default auf ihren Schulden verhängten. Der gelbe Diamant zeigt den Durchschnitt des Primärsaldos der elf Länder. In den Jahren vor dem Default lag die Primärbilanz in der Regel im Defizit, und das Jahr des Defaults war in der Regel das erste mit einem Primärüberschuss. Die Staaten wählten also ganz bewusst den Zeitpunkt, an dem sie für ihre laufenden Ausgaben nicht mehr auf neue Kapitalzuflüsse von Bond-Investoren angewiesen waren, für ihren Zahlungsausfall. Der untere Teil der Grafik zeigt, dass Griechenland soeben diesen Punkt durchschritten hat. – Wetten, dass Griechenland im Jahr 2014 eine weitere Schuldenrestrukturierung erhalten wird? Quelle: Never Mind the Markets […]

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