Die Franken-Untergrenze wird zum Vorbild

Geld Strassenmusiker Prag

Das grosse Geld regnets im Hintergrund: Eine Passantin unterstützt einen Strassenmusiker in Prag. (Bild: David W. Cerny/Reuters)

Während in der Schweiz einmal mehr darüber diskutiert wird, wann die Franken-Untergrenze gegenüber dem Euro fallen soll, hat sich in einem anderen europäischen Land eine Wechselkurs-Untergrenze gerade erst etabliert. Am 7. November 2013 gab die tschechische Nationalbank (CNB) bekannt, dass sie die Krone (CZK) mit Deviseninterventionen schwächen werde. Als neue Untergrenze gab sie 27 CZK pro Euro an. Der genaue Wortlaut der Erklärung lautete:

The CNB will intervene on the foreign exchange market to weaken the koruna so that the exchange rate of the koruna against the euro is close to CZK 27.

Auf der nachstehenden Grafik ist deutlich sichtbar, wie die CNB mit ihrer Erklärung eine schnelle Abwertung der Krone erreicht hat. Am Mittwoch, 6. November, lag der Wechselkurs noch deutlich unter 26 CZK pro Euro. Am Tag darauf, als die Erklärung gemacht wurde, erreichte er die Grenze von 27 CZK pro Euro und stieg seither noch etwas an. Die Operation hat kurzfristig Erfolg gehabt.

http://www.fxexchangerate.com/charts/eur-czk-90-day-exchange-rates-history-chart.png

Vieles erinnert an die Ereignisse in der Schweiz im September 2011. In ihrer Erklärung macht die CNB klar, dass es sich hier um eine Untergrenze handelt, nicht um eine Wechselkursanbindung. Wie Teile der schweizerischen Bevölkerung haben offenbar auch viele tschechischen Beobachter die beiden Dinge vertauscht. So schreibt die CNB auf ihrer Webseite:

The decision to maintain the exchange rate close to CZK 27/EUR has generated a lively discussion among professionals and the general public. This public debate involves a number of myths to which the CNB must react.

Die Begründung ist fast exakt dieselbe, welche die Schweizerische Nationalbank vor zwei Jahren gab: Primär wird betont, dass die Wechselkursgrenze notwendig sei, um die Preisstabilität sicher zu stellen, wie es das Gesetz von der CNB verlangt. Auf der anderen Seite wird die Planungssicherheit betont.

Das Problem der tschechischen Nationalbank ist allerdings etwas anders geartet als dasjenige der SNB. Die tschechische Wirtschaft befindet sich seit 2012 in einer Rezession. Die CNB hat deshalb Angst davor, dass sich Deflationserwartungen dauerhaft einnisten. Die Zinsen hat sie längst auf Null gesenkt, aber die Inflationsrate sinkt immer wieder ins Negative. Über eine forcierte Abwertung versucht die CNB, das Wachstum anzukurbeln und Inflationserwartungen zu wecken.

Die folgende Grafik zeigt den Einbruch des Wachstums als Folge der Eurokrise (Quelle: Inflationsbericht der CNB, IV/2013). Während in der Schweiz die Binnenwirtschaft boomt, ist der private Konsum in der Tschechischen Republik seit längerem negativ.

grafik

Wird die Operation gelingen? Die CNB hat schon einmal vorsorglich angekündigt, dass sie die Untergrenze auf lange Zeit verteidigen werde. Lars Christensen, der die CNB seit längerem dazu ermuntert hat, die Wechselkurspolitik einzusetzen, ist skeptisch. Auf seinem Blog Market Monetarist empfiehlt er der CNB, notfalls die Untergrenze zu erhöhen, um die Inflationserwartungen zu beeinflussen.

Die Diskussion über die tschechische Geldpolitik ist für die Schweiz äusserst relevant. Es könnte durchaus das Szenario eintreten, dass sich das Wachstum abschwächt und die Inflation im Minus stecken bleibt. Zurzeit mögen die Konjunkturprognosen sehr optimistisch ausfallen. Aber es sind halt nur Prognosen.