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Die Gefahr des Grossbankensystems in zwei Charts

Mark Dittli am Freitag den 6. September 2013
Der Bankrott von Lehman Brothers wird am New Yorker Times Square vermeldet. 15. September 2008. (AP/ Mary Altaffer)

Der Beginn einer globalen Bankenkrise: Der Bankrott von Lehman Brothers wird am New Yorker Times Square vermeldet. 15. September 2008. (AP/ Mary Altaffer)

Am 15. September jährt sich der Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers zum fünften Mal. Es war die gefährlichste Nahtod-Erfahrung für das globale Finanzsystem seit der Grossen Depression in den Dreissigerjahren.

Der Begriff «too big to fail» dürfte nirgends mehr fremd sein, in zahlreichen Ländern wurde in den letzten fünf Jahren eine Unmenge an neuen Regeln erlassen, um Aufsicht und Sicherheit im Finanzsystem zu erhöhen.

Bloss: Hat es auch etwas gebracht? Wir bleiben skeptisch; in diesem Blog haben wir schon mehrmals die Kritik aufgeworfen, dass die beschlossenen Schritte viel zu wenig weit gehen, um die Robustheit des globalen Finanzsystems effektiv zu erhöhen (wen es interessiert: hier, hier, hier und hier einige der wichtigsten Beiträge).

Ein Unfall wie Lehman könne wieder geschehen, vielleicht sogar bald, sagt William White, der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, in diesem sehr lesenswerten Interview, das mein Kollege Alexander Trentin mit ihm geführt hat.

Ohne das Thema an dieser Stelle nochmals komplett aufzurollen, nachfolgend zwei Grafiken, die aufhorchen lassen sollten. Sie stammen beide vom amerikanischen Ökonomen Alan M. Taylor (den wir bereits in diesem Beitrag vorgestellt hatten).

Die erste Grafik zeigt, zu welch historisch abnormaler Grösse das Bankensystem in den vergangenen dreissig Jahren angewachsen ist:

NMTM_Taylor_1_Sep13

Einige Erklärungen dazu: Die Daten in der Grafik wurden aus 14 bedeutenden Industrieländern für den Zeitraum von 1870 bis 2009 erhoben. Die grünen Punkte zeigen die breite Geldmenge (M2) in Relation zum Bruttoinlandprodukt (als Durchschnitt der 14 untersuchten Länder). Die blauen Punkte zeigen das ausstehende Kreditvolumen der Banken, ebenfalls in Relation zum BIP. Die roten Punkte schliesslich zeigen die gesamte Bilanzsumme der Banken in Relation zum BIP.

Die Grafik zeigt eindrücklich, wie das Wachstum der Geldmenge (grün), des Kreditvolumens (blau) und die Bankbilanzen (rot) bis in die 1970er-Jahre in etwa gleichläufig war. Auch in Relation zum BIP veränderten sie sich über die Zyklen nur unwesentlich, das heisst, sie alle expandierten ungefähr mit der gleichen Wachstumsrate wie das BIP.

Ab etwa 1980 entkoppeln sich Kreditvolumen und Bankbilanzsummen aber von der Geldmenge und vom BIP. Das Kreditvolumen verdoppelt sich von rund 50 auf 100 Prozent des BIP, die Grösse der Bankbilanzen schiesst auf das Zweifache des BIP in die Höhe. Die Bankbilanzen expandieren deutlich stärker als das Kreditvolumen, was ein Indiz dafür ist, dass die Banken mit ihrer Bilanz allerlei andere Aktivitäten aufnehmen als bloss Kredite zu vergeben.

Nie in der modernen Wirtschaftsgeschichte war das internationale Bankensystem derart aufgebläht, und nie zuvor war die Wirtschaft auf derart viel Kredit gebaut (in diesem Blogbeitrag mehr zum präzedenzlosen Kreditaufbau in den letzten dreissig Jahren).

Und das wiederum bedeutet auch, dass die Kosten enorm hoch sind, wenn in diesem elefantesken Bankensystem etwas katastrophal schief läuft.

In den Jahren seit dem Untergang von Lehman wurde immer mal wieder der Ruf nach einer Wiedereinführung des Trennbankensystems laut, also eine Abspaltung vom Retail- und Geschäftsbanking von den riskanteren Aktivitäten in der Investmentbank. Wirklich umgesetzt wurde es jedoch nirgends, auch in der Schweiz nicht. Es wäre ein zu grosser Eingriff in die unternehmerischen Freiheiten der Banken gewesen, argumentierte etwa Jean-Pierre Danthine, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank, vor einem Jahr in diesem Interview in der FuW.

Die folgende Grafik von Alan M. Taylor zeigt, weshalb das ein Fehler gewesen sein dürfte:

NMTM_Taylor_2_Sep13

Sie zeigt die Häufigkeit von systemischen Bankenkrisen über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren. Die blaue Kurve zeigt, in wie vielen Industrieländern (prozentualer Anteil aller Länder) in einem gegebenen Jahr systemische Finanzkrisen auftraten. Die rote Kurve zeigt das Gleiche für Entwicklungsländer.

So ist beispielsweise eindrücklich zu sehen, dass in den frühen 1930er-Jahren in fast 70 Prozent aller Industrieländer gleichzeitig systemische Bankenkrisen auftraten. Ebenfalls deutlich zeigen sich die zahlreichen systemischen Finanzkrisen in den Schwellenländern in den Achtziger- und Neunzigerjahren, als zeitweise 30 Prozent all dieser Staaten darunter litten (Lateinamerika- und Asienkrise).

Die Kernaussage der Grafik liegt aber in der Zeit zwischen den späten Dreissigerjahren und Ende der Siebzigerjahre. Während rund vierzig Jahren kam es in den Industriestaaten zu keiner einzigen systemischen Bankenkrise. Null.

Und das war – surprise! – genau die Zeit, als mit dem Glass-Steagall-Act in den USA das Trennbankensystem in Kraft war. Banker war der langweiligste Beruf, das Banking funktionierte nach dem 3-6-3-Prinzip: Man nimmt Spargelder zu 3 Prozent Zins, vergibt Kredite zu 6 Prozent und ist ab 3 Uhr nachmittags auf dem Golfplatz.

Ab den frühen Achtzigern wurde Glass-Steagall stufenweise gelockert, bis das Gesetz 1999 ganz fiel. Parallel dazu nahm auch die Häufigkeit von Finanzkrisen wieder zu.

Denkt jemand, dass das ein Zufall ist?

Hier noch zwei Links zu einem Thema in eigener Sache: Am heutigen 6. September jährt sich die Einführung der Franken-Wechselkursgrenze durch die Schweizerische Nationalbank zum zweiten Mal. Hier der Leitartikel meines Redaktionskollegen Andreas Neinhaus zu diesem historischen Ereignis. Und in diesem Beitrag gibt Neinhaus einen Überblick in fünf Grafiken zum Franken.

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86 Kommentare zu “Die Gefahr des Grossbankensystems in zwei Charts”

  1. Baer sagt:

    @ Oliver: Habe deine Email nicht erhalten. Wenn du den Titel googelst, findest du dort meine @.

  2. Roman Günter sagt:

    Wurde eigentlich für die Bank Assets der Fair-Value Effekt berücksichtigt?

    • Linus Huber sagt:

      @ Roman

      Sie machen einen guten Punkt hier. Baer, Oliver etc. basieren ihre Ansichten auf Theorien, in welchen massive Abschreibungen aufgrund von fehlendem Kollateral nicht wirklich von Bedeutung sein duerfen, ansonsten die Agreggation ihrer Gleichgewichte gestoert wuerden und das, aufgrund der zeitlichen Verschiebung von wirklichen Problemloesungen unverantwortliche Verhalten der Akteure sich offen zeigen wuerde. Eine normale Vorgehensweise von indoktrinierten Oekonomen.

  3. Linus Huber sagt:

    Everyone here thinks you’re a jackass!

    Wenn sich die Kuenstler der Manipulation, welche sich einzig auf persoenlichen Machtgewinn fokusieren, schon oeffentlich liebkosen, duerfte die Sache langsam interessant werden.

    • Baer sagt:

      Vielleicht ist es eine Frage der Konsistenz. Wenn man eine Sorte von Staatsintervention als illegitime “Manipulation” abtut (Geldpolitik), andere Formen jedoch als unproblematisch und natürlich darstellt (unbeschränkte Eigentumssicherung durch staatliches Gewaltmonopol), dann ist man unglaubwürdig. Das ist ja auch das Problem der rechtslibertären Doktrin im Allgemeinen.

      • Linus Huber sagt:

        Ich denke, dass es weniger eine Frage der Konsistenz als eine Frage des Ausmasses ist. Wenn grundsaetzlich die Entwicklung immer in die gleiche Richtung geht (z.B. Richtung Zentralisierung), entsteht an einem Punkt in der Zukunft ein solch starker Gegendruck, dass es entweder zum Stillstand oder zu einer desintegrierenden Gegenreaktion fuehren duerfte, welche sehr wohl auch unkontrollierbarer oder mit unabschaetzbarem Leiden verbundener Natur sein mag. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie wissen, wer diesen Satz wem gegenueber aussprach. Es handelt sich um die Aussage des Amerikanischen an den Russischen Praesidenten und dies vor wenigen Tagen.

  4. Linus Huber sagt:

    “Ab den frühen Achtzigern wurde Glass-Steagall stufenweise gelockert, bis das Gesetz 1999 ganz fiel.”

    Dies und zugleich die vorgaengige Verabschiedung des Goldstandards, welche diese Entwicklung Richtung zunehmender Manipulation des Geldwertes (dauernde schleichende Preissteigerungen in ausgesuchtem Warenkorb und entsprechender Geldentwertung) erlaubte, duerften mitunter fuer die gegenwaertige Situation verantwortlich sein.

    Die Frage fuer manch einen Kapitalismusgegner muesste nun lauten, ob das Verlassen des Goldstandards zugunsten einer planwirtschaftlichen Funktion der Zentralbanken dem kapitalistischen System zuzuschreiben ist, oder ob die zunehmende planwirtschaftliche Funktion und Machtkonzentration (das Gegenteil von Freiem Markt und Kapitalismus) und damit die Verletzung des Gedankens des Freien Marktes, das heutige Problem produzierte.

  5. Marcel Senn sagt:

    Hallo NMTM Team

    Bin ich da bei Euch irgendwie auf der Zensurliste gelandet – kommt nix mehr durch – könnt Ihr mich bitte wieder von derselben nehmen.

    Besten Dank und Gruss
    Marcel Senn

    • Marcel Senn sagt:

      Hallo nochmals – mir wäre eigentlich lieber gewesen, Ihr hättet meinen anderen Kommentar veröffentlicht als diesen — irgendwas scheint heute bei Euch schiefzulaufen ….ich scheine ja nicht der einzige zu sein, der nicht veröffentlicht wird…

      • Thomas Ernst sagt:

        Seit ich ständig auf der “Dein Kommentar wartet auf Freischaltung” Liste lande, habe ich aufgehört mitzudiskutieren und lese die Beiträge nur noch selten.
        Schade, war mal eine sehr lebendige Runde.

        • Mark Dittli sagt:

          Sorry, es gab irgend ein Problem mit der Kommentarfunktion. Sollte jetzt wieder ok sein. Best, MD

      • Mark Dittli sagt:

        Sorry, es gab irgend ein Problem in der Kommentarfunktion. Sollte jetzt wieder ok sein. Best, MD

  6. H.Trickler sagt:

    Ein Trennbankensystem wo der Begriff Bank nicht für spekulative Geschäfte gebraucht werden kann und die jonglierenden Institute Casino heissen wäre ein grosser Fortschritt, weil sich kaum je politische Mehrheiten finden lassen, welche Casinos mit Staatsgeldern vor dem Konkurs retten.

    Jetzt macht die Politik zaghafte Versuche, sog. Schattenbanken zu regulieren. Das wird niemals gelingen weil die Erfindungsgabe von Bankstern und Gangstern gleichermassen virulent ist.

  7. Zlatko Jukic sagt:

    Würde ein Trennbankensystem etwas bringen?
    Die Finanzkrise wurde nicht durch Investmentbanken – wie Lehman Brothers – verursacht, sondern durch
    1) die US-Geschäftsbanken mit ihrer Kreditvergabe an zweifelhafteste Schuldner,
    2) die US-Zentralbank mit dem Aufblasen der Vermögenspreise durch ihre Niedrigzinsen, und
    3) die Ratingagenturen, die jedes noch so miese Kreditprodukt mit AAA veredelt haben.
    Ausserdem durch die US-Regierung, die mit ihrer “A house for everyone”-Politik jeden Bürger zum Hausbesitzer machen wollte. Die Investmentbanken sind nur auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Die Ursache waren sie nicht.
    Übrigens führt Deutschland zum 1.1.2014 ein Trennbankensystem ein (Tennbankengesetz vom August 2013).

  8. Für alle jene, die den Economiesuisse-Lügenbolden glauben, dass Banken-Regulierungen dem Finanzplatz und der Wirtschaft schaden würden, empfehle ich den Artikel “Why Canada Can Avoid Banking Crises and U.S. Can’t” ( http://blogs.wsj.com/economics/2013/04/09/why-canada-can-avoid-banking-crises-and-u-s-cant/ ) und das folgende kurze Daily Show Video ( http://www.youtube.com/watch?v=gC1-wj4bgLo ). Man achte im Video speziell auf die Aussagen des kanadischen Bankers, und am Ende die Kommentare von Kanadischen bzw US-Passanten zum Thema “Banker”…

    • Linus Huber sagt:

      @ Ralph

      Warten wir noch ein paar Jahre ab im Falle von Kanada. Da waere ich mir nicht so sicher, ob jener Kreditboom so verschieden sein soll.

      Es wird die Zeit kommen, in welcher der Bankkunde sich wieder umsieht, wie hoch die Eigenkapitalquote einer Bank ist, wenn ich die Entwicklung richtig deute. Wie wir sehen, duerften schrittweise die Kunden selber zur Kasse gebeten werden; vorerst im Bereiche Obligationen und natuerlich Aktienkapital, aber es geht bereits Richtung Spareinlagen, obwohl hier momentan noch eine Grenze von z.B. chf100k gezogen wurde. Es gibt noch andere Einschraenkungen, wie z.B. taegliche oder monatliche Hoechstbezugsgroessen, welches sich ebenfalls negativ auswirken duerfte.

      Aber wie angedeutet, ich gehe mit Ihnen einig, dass einer hoeheren Eigenkapitalquote bald mehr Bedeutung zugemessen wird, speziell wenn die Zentralbanken nicht mehr einfach wieder einspringen werden, sondern die Aufloesung einer solchen Institution ins Auge fassen. Diese Entwicklung wird von den Banken noch zuwenig erkannt oder vielleicht gilt das Motto, noch schnell kassieren bevor es wirklich zu spaet ist.

    • ast sagt:

      @Ralph “Im letzten Jahr kamen nur 4,7% der Expertenaussagen in dem Massenmedien von Ökonomen, die nicht dem neoklassischen und neoliberalen Mainstream angehören.” …dies als Reaktion auf eine Untersuchung der FAZ, wer in den Medien im letzten Jahr am meisten zitiert wurde (in Deutschland).

      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/f-a-z-oekonomenranking-auf-diese-wirtschaftsforscher-hoert-das-land-12559556.html

      In der Schweiz dürfte das ähnlich sein, Economiesuisse sitzt noch immer fest im Sattel der Meistzitierten. So lange dies andauert gibt es wohl kaum Wandel zur Besserung.

  9. Manfred Grieshaber sagt:

    Die aktuelle Krise vergleicht man am besten mit der “Langen Depression” von 1873 – 1878. Damals lief exakt das gleiche ab wie heute. Nachdem die Eisenbahn ihr miltärisches Potential gezeigt hatte war man der Meinung der Bau einer neuen Trasse generiert automatisch Wirtschaftswachstum. Alles war verrückt nach Eisenbahn-Aktien, vor allem solche aus den USA. In Oesterreich-Ungarn investrierte man zusätzlich in die Landwirtschaft Ungarns die bis dahin Europa mit Weizen versorgt hatte. Der Staat förderte die Gründung von Hypothekarbanken die bald sogar Häuser im Rohbau oder sogar erst geplante Bauprojekte als Sicherheiten akzeptierten. So erzeugte Wien die erste Subprime-Krise. Dann flutete die wieder erstarkte und neu mechanisierte Landwirtschaft der USA den europäischen Markt mit Billig-Getreide. Dadurch gingen die Investitionen in Ungarn verloren und die Hypotheken-Sicherheiten zeigten ihr wahres Gesicht: sie waren nichts wert. Gleichzeitig erfuhr die Welt das die US-Eisenbahn-Aktien die von igrendwelchen Investment-Gesellschaften nach Europa verkauft wurden sich ebenfalls als wertlos erwiesen. Der grosse “CREDIT-Mobiliar-Scandel” in den USA deckte die krummen Machenschaften der Eisenbahn-Barone und ihrer Bankiers auf (Oft war der Eisenbahn-Baron sein eigener Bankier). So spielten die US-Aktien damals die gleiche Rolle wie 2007 die Lehmann-Anleihen. Als Folge davon wandten sich viele europäische Staaten vom freien Welthandel ab und erhoben gegen fast alle Importe Schutzzölle.

  10. markus müller sagt:

    solange die völker sich noch von den globalen wirtschaftsterroristen knechten lassen, solange wird sich gar nichts ändern – im gegenteil, solange niemand aufbegehrt, solange werden wir alle weiter ausgeblutet. zu hoffen wäre auf einen neuen weltkrieg, der uns für die nächsten 70 jahre die augen wieder mal ein wenig öffnet. so wie der letzte.

  11. Johnny Smith sagt:

    Guter Artikel!

    Natürlich spielen nebst dem Trennbankensystem andere Faktoren ebenfalls eine prominente Rolle. Risk Management wurde angesprochen.

    Ich bin allerdings nicht gleicher Meinung, dass die Finanzmärkte bzw. hier die Banken generell “stärker” reguliert werden müssen. Die Regulierungen wurden in den letzten Jahrzehnten massiv verkompliziert und ausgedehnt (sowohl was die Regulierungsdichte als auch was den daraus resultierenden Aufwand angeht). Stattdessen sollte es weniger hunderttausend Vorschriften, dafür aber glasklare Regeln mit Sicherheitsmarge geben. Also weniger im Machbarkeitswahn detaillierte vorgespurte Geleise, als vielmehr breite, klare Leitplanken.

    Als Beispiel die risikoadjustierten Eigenkapitalvorschriften. In der Theorie macht das Sinn, in der Praxis hat sich gezeigt, dass es nicht funktioniert. Kein Wunder, wenn Staatsanleihen (aus politischen Gründen) als risikolos eingestuft werden. GR und Zypern haben gezeigt, was die Auswirkungen von risikolosen Staatsanleihen sein können… Wie kann man irgendetwas (auch Staatsanleihen sic!) als risikolos einstufen? So müssen risikoadjustierte Modelle ja kollabieren. GIGO, garbage in garbage out. Dies nicht als Verteidigung von macht- und geldgeilen Bankern, sondern als Beispiel für die Probleme der immer mehr ausufernden Regulierungen.

    • Johnny Smith sagt:

      “glasklare Regeln mit Sicherheitsmarge”

      Habe ich wohl etwas unglücklich formuliert. Ich meine glasklare Regeln, welche auch in einer Krise eine gewisse Stabilität aufweisen. Also zB. Eigenkapitalvorschriften, welche auch höher liegen dürfen, als die Bankenbranche uns als sinnvoll erscheinen lassen möchte.

      • Rolf Zach sagt:

        Geehrter Johnny Smith. Durchaus mit Ihnen einverstanden betreffend die Regeln zu entkomplizieren. Sie sprechen von den
        risikoadjustierten Vorschriften, “Hair Cuts” und andere ausdividierte Feinheiten. Nur ist es eine Tatsache, dass einfachere
        Eigenkapital-Vorschriften von den Banken nicht gewünscht sind, weil sie dann mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen müssten.

        • Linus Huber sagt:

          Natuerlich versuchen die Banken dagegen vorzugehen. Wozu haben wir die Zentralbanken? Einzig um den Banken zu dienen oder um die Systemsicherheit als erste Prioritaet anzustreben? Wenn sie diese Funktion nicht wirklich angehen, koennen sie den Laden gleich ganz schliessen und der Markt entscheidet ueber das Risiko einer Bank. Dies waere bedeutend besser als wenn die Zentralbanken einzig die Funktion uebernehmen, durch ihre Liquiditaetssicherung fuer die Banken und unkonventionelle Massnahmen die Kosten des Risikos via Waehrung auf die Allgemeinheit umzuverteilen.

        • Frank Baum sagt:

          @Zach: Sie haben leider Recht, dass die Banken sich gegen die EIgenkapitalvorschriften wehren. Witzigerweise sind es ja die Logbbyisten der Banken, die sich gleichzeitig gegen kpomplizierte als auch gegen einfache Regeln wehren. Das Traurige an den Ereignissen von 2007 und danach ist ja, dass man die Bankenvertreter nicht für eine Lösungsfindung einbinden kann. Sie sind einfach nicht bereit, zu kooperieren. das erstaunt eigentlich, weil man davon ausgehen sollte, dass auch die Bankenvertreter an einer stabilen Lösung interessiert sein sollten. Es scheint aber eben so zu sein, dass sich die Bankenvertreter gegen jede Regelung wehren, die deren Möglichkeiten auf schnellen Gewinn einschränken. Was in dem Artikel obven nicht erwähnt wurde, war die Tatsache, dass das Bankgeschäft bis in die 80er hinein nicht nur langweilig sondern auch gar nicht sonderlich lukrativ war. Millionenboni sind mit Kreditvergabe nicht zu holen.

          Nachdem sich die BAnken nicht konstruktiv an einer Lösungsfindung beteiligen, muss eine Lösungsfindung ohne die BAnken statt finden. Man muss auch Lösungen in Kauf nehmen, die den Bankenvertretern nicht gefallen.

          • Zlatko Jukic sagt:

            Die wirksamsten Lösungen sind genau die, die den Bankenvertretern nicht gefallen. Denn nur diese Lösungen bändigen die Banken und schränken sie ein. Nur eine gefesselte Bank ist eine gute Bank. Am besten sollte man jedem Banken-Geschäftsleitungsmitglied einen Finma-Aufpasser an den Tisch setzen. Aber einen, der sich nicht mit schicken Powerpoint-Präsentationen einlullen lässt.

      • Frank Baum sagt:

        Smith, zu behaupten, in den letzten 10 Jahren hätten sich die Regularien massiv verschärft ist schlicht gelogen. Es ist nicht nur faktisch völlig falsch sondern eben die Mantra von FOX News und ähnlichen Figuren. Wie in diesem Artikel gut herausgearbeitet sitzen wir in dem Dillemma, weil die Regulariern für Banken aufgeweicht und reduziert worden sind. INsbesondere unter George W Bush wurden ja die Finanzmarktregularien abgeschafft. Was seit der Präsidentschaft Obama’s an neuen Regularien hinzu kam ging eben nicht weit genug. Es ist leider nur ein Bruchteil dessen, was unter Bush (und zum Teil auch Clinton, muss man ganz klar sagen) verloren ging. Wären wir heute in Sachen Bankenregularien dort, wo wir vor 10 JAhren waren, liesse sich viel ruhiger schlafen.

        • Johnny Smith sagt:

          @ Frank Baum

          Sie können sicher sein, dass ich nicht FOX News Konsument bin. Aber wie ich aus unseren vergangenen Diskussionen weiss, sind Sie leider das Gegenteil, sprich US-Demokrat durch und durch. Ich sage leider, nicht weil ich etwas gegen die Demokraten habe, sondern weil Sie statt sich an der Realität zu orientieren, Sie immer wieder politische Positionsbezüge als erforderlich erachten…

          Inhaltlich merkt man, dass Sie keine Ahnung haben von den Regulierugnsvorschriften von Banken, bzw. deren Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Ich habe oben ein Beispiel gebracht, wo die Regulierungen massiv zugenommen haben. Nicht die Schärfe, aber die Dichte. Und das ist genau falsch herum.

          • Baer sagt:

            @ Smith: Sie fragten Oliver nach dieser “revolutionären” Geldtheorie, die er vertritt. Hier ist ein Link. Die Theorie wird bereits an Schweizer Unis Unterrichtet.

            http://books.google.ch/books/about/Macroeconomic_Foundations_of_Macroeconom.html?id=ph_zgkP8XJsC&redir_esc=y

          • Johnny Smith sagt:

            Danke, Baer. Bin gerade an seinem StandardPoors-Paper.

            Sehr interessant und Schritt für Schritt, aber so “revolutionär” wie Olivers Schlussfolgerungen ist es aber zG. doch nicht. Haben Sie’s auch schon gelesen? Es geht v.a. um die “Kuh und Wasser”-Problematik. Sprich, man kann die Kühe zum Wasser führen, saufen müssen sie aber selber. Übertragen, Banken en bloque können nicht Reserves abbauen, wenn Public nicht mehr Cash möchte. Was nicht neu ist, aber stimmt.

            Das erste Fragezeichen liegt in der Prämisse “wenn Public nicht mehr Cash möchte”. Wenn es das nämlich irgendwann mal möchte (delta BK ist eine Variable), können die Banken die Reserves abbauen. Die Basis des Gelddruckens ist gelegt. Olivers Aussage, es werde kein Geld gedruckt beim FED, ist (nicht nur mMn) somit falsch.

            Das zweite grosse Fragezeichen: der Bilanzaufbau ist idR relativ einfach, die grossen Probleme und schmerzhaften Schritte kommen bei der Bilanzreduktion und das ist bei einer Zentralbank auch so. Die Aussage, es gebe keine höheren Risiken, ist falsch und v.a. gefährlich. Mir ist keine Ausweitung einer Bilanz (bei einer Zentralbank komplett via Fremdkapital und damit Leverage) bekannt, welche nicht auch höhere Risiken beinhaltet. So kommt auch das Paper zum Schluss “None of this is to say that the unwinding of QE… will be smooth and will not cause volatility.” So weit hat Oliver wohl nicht gelesen. Aber wir sollten diese Diskussion wohl am anderen, richtigen Ort führen.

          • Baer sagt:

            @ Smith: Die Frage geht noch ein wenig tiefer. Die Fed kann vielleicht Banknoten drucken, aber kann sie GELD drucken? Wieviele Ökonomen in der Vergangenheit, seit James Steuart, Walras, Pigou und Mitchell, haben bereits festgestellt, dass Geld keine physikalische Dimension hat? Wie kann man dann Geld “drucken”? Man kann sehr wohl Banknoten drucken, Geld sicher nicht. Eine Banknote gibt seinem Besitzer das Eigentumsrecht an einem Bankdepot auf der Passivseite der ZB (Notenumlauf). Was ist nun Geld? Die Notenbankgeldmenge, sprich die Depots auf der Passivseite der ZB, UND die Banknote? In diesem Fall hätten wir es mit einer magischen Verdoppelung von Geld zu tun. Das ist natürlich absurd. Banknoten sind Anrechtsscheine auf ein Bankkonto bei der SNB. Die Frage des Emissionsmechanismus von Banknoten ist tatsächlich vielleicht interessant, aber ändert nichts an der fundamentalen Struktur einer reinen Kreditwirtschaft, in welcher Transaktionen durch Bucheinträge festgehalten und deren Resultat (Bankdepots) rein skriptural existieren. Ich bin also nicht einverstanden mit dem Papier, welches ich gelesen habe, aber es weist in die richtige RIchtung: Endogene Geldtheorie. Immer mehr Ökonomen gehen in diese Richtung, und das gibt mir Hoffnung, dass es bald zu einem neuen Paradigma kommt: der theory of money emissions, von Bernard Schmitt.

          • ast sagt:

            @ Johnny Smith, Sie schreiben “Mir ist keine Ausweitung einer Bilanz (bei einer Zentralbank komplett via Fremdkapital und damit Leverage) bekannt, welche nicht auch höhere Risiken beinhaltet. ”

            Bei der FED scheint es, als ob die Nichtausweitung ein noch grösseres Risiko darstellt, oder sehen Sie das anders?

          • Oliver sagt:

            @ Smith

            Bezüglich Volatilität beim Zurückfahren: 1. Warum überhaupt zurückfahren und nicht einfach ‘hold to maturity’? 2. Zinsen auf Reserven 3. Grundsätzlich besteht die Frage, was die ZB kauft. Ich rede nur vom Fall, in dem Papiere (zu Marktpreisen) gekauft werden, deren Garant sowieso schon die Allgemeinheit ist. Laut Statuten des FED sind dies Staatsanleihen und Anleihen von ‘government sponsored enterprises’ (Fannie & Freddie z.B.).

            @Baer

            Womit genau bist du nicht einverstanden?

          • Baer sagt:

            @ Oliver. Einverstanden bin ich damit, dass die Reserven nicht via Geldschöpfungsmultiplikator die Geldmenge determinieren. Die Kausalität und der Faktor sind falsch, das erkennt Sheard. Auch finde ich seine Kopplung der Reserven mit Banknoten gut. Wenn eine Bank eine Banknote von der ZB erhalten will, wird das Girokonto bei der ZB belastet. Sehr gut. Was er verpasst, ist die Bedeutung der Giroguthaben für den Zahlungsverkehr. Nur wenn eine Zahlung zwischen zwei Banken durch die Giroguthaben bei der ZB ausgeglichen (überbrückt) wird, ist eine Zahlung endgültig. Vorher ist die Zahlung in Theorie und Praxis unvollkommen (die Schuld wurde zwischen den Banken nicht beglichen, sondern lediglich bestätigt). Wenn zwei Kunden, A und B, von zwei unterschiedlichen Banken, Bank a und Bank b, einen Zahlungsauftrag aufgeben, dann folgt nach Belastung von A und Gutschrift für B eine Interbankenschuld zwischen Bank a und Bank b, welche nur via Belastung/Gutschrift der Giroguthaben bei der ZB bezahlt werden kann. Deshalb braucht es Giroguthaben an einer zentralen Settlement-Stelle. Die Begriffe “final payment” und “settlement” kommen bei Sheard nicht einmal vor, doch sie sind ein Schlüssel zum Verständnis der sogenannten Reserven. Ich empfehle dir das Buch “Money and Payments in Theory and Practice” von Sergio Rossi, oder “Monetary Theory: National and International”, von Alvaro Cencini. Beide befassen sich mit Transaktionen auf dem Interbankenmarkt.

          • Oliver sagt:

            Verstehe, er versucht zu erklären, was Reserven alles nicht sind anstatt zu beschreiben, was sie sind, bzw. welche Funktion sie erfüllen. Und dann fragt sich natürlich, warum?

          • Baer sagt:

            So könnte man es durchaus sagen.

          • @Baer

            “Nur wenn eine Zahlung zwischen zwei Banken durch die Giroguthaben bei der ZB ausgeglichen (überbrückt) wird, ist eine Zahlung endgültig.”

            Auch wenn das in heutigen Zeiten quasi selbstverständlich erscheint sollte man der Vollständigkeit halber(und wegen der Systematik) noch darauf hinweisen, daß auch Banken ihre Interbankverbindlichkeiten mit Banknoten begleichen können. Daß das heute abwicklungstechnisch gesehen zu teuer ist darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Übergabe von Banknoten auch im Bankenverkehr (wie bei Zahlungen von Privaten) eine schuldbefreiende Wirkung aufweist. Das verweist darauf, daß sowohl die Reserven (R) als auch der Banknotenumlauf (BK) zu derjenigen Geldmenge gehören, die schuldbefreiende Wirkung hat – weil diese nämlich von einem Nicht-Käufer emittiert worden ist!

            M.E. spielt Sheard mit einem Mißverständnis, indem er sagt: ‘banks do not lend out reserves’! Denn der Akt des ‘lending’ hat selbstverständlich noch nichts mit Zentralbankgeld zu tun, denn ein Kredit ist nichts weiter als ein gegenseitig abgegebenes Zahlungsversprechen. Daß man aber DANN, wenn dieses Versprechen einmal abgegeben ist tatsächlich auch (und sei es auch nur teilweise) ‘reserves’ haben muß, um sein Versprechen zu erfüllen, ist so selbstverständlich wie nur irgendwas. Das kann man abends am Biertisch mal ausprobieren.

          • Johnny Smith sagt:

            @ ast

            “Bei der FED scheint es, als ob die Nichtausweitung ein noch grösseres Risiko darstellt, oder sehen Sie das anders?”

            Ja. Die Ausweitung im Gefolge von Lehman als Massnahme gegen einen Systemkollaps (als so gefährlich sahen es zumindest viele an) war wohl sinnvoll im Sinne einer Krisenmassnahme. Das war allerdinsgs vor fünf Jahren. Die meisten sprechen seither schon lange nicht mehr von “unmittelbar drohendem Systemkollaps”, diese Begründung fällt für mich weg. Und dass QE infinity (praktisch) nichts für die Realwirtschaft bringt, sehen mittlwerweile ja viele so, selbst das San Francisco FED in seiner Studie.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Baer

            Danke für Ihre Erklärungen. ‘Theory of money emissions’ kenne ich leider nicht. Was sind Ihre Überlegungen zum “Risiko” des Bilanzerhöhung (bzw. bei der irgendwann einmal fälligen Bilanzreduktion)? Das S&P Paper erwähnt das Risiko immerhin, wenn auch nicht sehr prominent. Gibt es Leverage ohne Risikoerhöhung? Gibt es einen “Free Lunch”?

          • Johnny Smith sagt:

            @ Oliver

            “Warum überhaupt zurückfahren und nicht einfach ‘hold to maturity’?”

            Siehe auch meine Antwort bzw. Fragen oben an Baer. Gibt es Leverageerhöhung ohne Risikoerhöhung? Gibt es einen “Free Lunch”?

            Glauben Sie, dass Inflation ein besiegtes Gespenst aus der Vergangenheit ist und nie wieder ein Thema wird? Dass dieses mal alles anders ist? Wenn nein, was machen Sie als Zentralbanker, wenn Inflation sich irgendwann wieder ankündet?

            Ist auslaufen lassen und nicht mehr verlängern nicht auch eine Bilanzreduktion? Könnte auch diese passive Bilanzreduktion Risiken beinhalten? Was macht der US Haushalt, wenn die FED erstens keine neuen Treasuries in diesem Fall kauft und zweitens auch den Rollover nicht mehr macht? Was passiert dann möglicherweise mit den (langen) Zinsen?

            Aus meinen (teilweise) rhethorischen Fragen erkennen Sie meine Meinung. Ihre Frage, warum überhaupt zurückfahren, erinnert mich an Krugman und Konsorten: “nur immer Gas geben. Bremsen, was ist das? Wozu überhaupt?” Keynes interpretierte Antizyklik symmetrisch, d.h. in guten Zeiten auch wieder Schulden abbauen.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Oliver

            “Ich rede nur … deren Garant sowieso schon die Allgemeinheit ist. Laut Statuten des FED sind dies Staatsanleihen und Anleihen von ‘government sponsored enterprises’ (Fannie & Freddie z.B.).”

            MBS haben nicht per definition eine Staatsgarantie und die ‘Durchschleusung’ durch Fannie/Freddie erhöht das Risiko einfach auf Stufe Staat. Zudem gibt es auch bei Papieren mit Staatsgarantie selbst mit eigener Währung ein (zugegeben kleines) Ausfallrisiko. Solange der USD Weltwährungsstatus hat, dürfte das Risko noch etwas kleiner sein, aber nicht null.

          • Oliver sagt:

            @ Baer / Menendez

            Wärt ihr mit dieser Aussage einverstanden?

            So is bank lending constrained by the need for the government’s money, whether in the form of currency or deposit balances at the central bank? In one sense clearly, yes. Banks need that government money to fulfill the payment and withdrawal obligations that their lending and creation of deposit balances incurs. But for a given particular expansion of lending they might not need to acquire any additional reserves at all. And even if they do need more reserves, they don’t need to acquire the reserves first, before making the loan. They can make the loan and then acquire the reserves. Of course, the fact that they might not need to acquire additional reserves doesn’t mean that creating the deposit carries no cost. It does carry a cost because it is an additional claim against their existing assets, and they will therefore lose assets as they settle those claims.

            The truth in the endogenous money picture is that the processes by which the most widely accepted means of payment (bank deposits) are introduced into the economy are driven by the demand for that money. Banks seek to satisfy that demand by making loans, and the government then satisfies the increased demand for government issued money* that results. But the commercial banks don’t have their own printing presses.

            * Gemeint ist ZB Geld (Reserven und Bargeld)

          • Der erste Abschnitt enthält bereits gesagtes und außerdem geht sowieso aus logischen Gründen das Schuldverhältnis dem Zahlungsvorgang voraus. Das ist nun nicht wirklich neu, verweist eher darauf, daß erst diese Voraussetzung (bestehendes Schuldverhältnis) die genuine Funktion von Zentralbankgeld, Schuldverhältnisse endgültig tilgen zu können, erforderlich macht.

            Wenn dann da aber steht: ” It does carry a cost because it is an additional claim against their existing assets…”
            kann das zweierlei bedeuten: die Autoren haben einen elementaren Anfängerfehler begangen, indem sie die Kategorie Bestandsveränderungen mit der Kategorie erfolgswirksame Vorgänge durcheinander gebracht haben.

            Es kann auch sein, daß die Autoren das Richtige meinen und ihnen lediglich die Schlampigkeit unterlaufen ist einen falschen Begriff zu verwenden. In 99% aller derartigen Fälle läßt sich allerdings anhand des Gesamttextes nicht feststellen, ob denn tatsächlich das Richtige gemeint war. Wenn es richtig sein soll hätte statt ‘cost’ da z.B. stehen müssen: “schwebende Auszahlungsverpflichtungen”.

            Da aber ‘cost’ verwendet wird wie “schwebende Auszahlungsverpflichtungen”, die jedoch dasselbe sind wie ‘demand deposits’ und diese wiederum (fälschlicherweise) Geld (aber kein Zentralbankgeld) darstellen sollen müßte man schließen: cost = money. Und schon ist die Verwirrung komplett!

          • Baer sagt:

            @ Oliver. Ich denke auch, dass sich Dan Kervick da ungenau äussert, obwohl er mit diesem horizontalistischen Ansatz sehr weit kommt. Ich füge noch zu Menéndez’ Kommentar hinzu, dass das Konzept “state money” der Neo-Chartalisten irreführend ist. Die Guthaben der Banken bei der ZB “government money” zu nennen ist schon ein starkes Stück. Zentralbanken sind theoretisch unabhängig von der Politik. In der Praxis gab es viele Jahrzehnte, in welchen gewisse Zentralbanken, z.B. die britische, völlig privat war. Die Zentralbank ist die Bank der Banken. Nur weil der Staat oft auf verschieden Arten Einfluss nimmt durch parlamentarisch gewählte Aufsichtsräte bedeutet noch lange nicht, dass wir Zentralbankgeld einfach “Staatsgeld” nennen dürfen. Ist ein Bankdepot bei der ZKB auch “Staatsgeld”, nur weil der Kanton seine Finger im Spiel hat? Für jeden Akteur, auch für den Staat, gilt das elemantare Prinzip: Niemand kann endgültig bezahlen, indem er sich verschuldet. Der Staat kreiert nicht seine eigenen Schuldscheine und bezahlt damit, unmöglich; früher oder später (!) braucht er dafür Einkommen (siehe Principles of Taxation von D. Ricardo). Ebenso kann die ZB nicht endgültig bezahlen, indem sie sich verschuldet. Bezahlen heisst, nach der Transaktion schuldbefreit zu sein. Wenn die SNB Devisen kauft von einer Geschäftsbank, und dabei eine Gutschrift des Giroguthabens kreiert für dieselbe Bank, dann hat sie nicht bezahlt, sondern ist ein Schuldverhältnis eingegangen.

          • Oliver sagt:

            @ Menendez

            Costs mag in diesem Fall das falsche Wort sein (weiss ich nicht), aber er qualifiziert es ja sofort mit ‘claims against existing assets’. Ich verstehe das als Ausdruck für erhöhtes leverage.

            @ Baer

            Ich habe bewusst nur diesen Ausschnitt zitiert, da ich erstens an Gemeinsamkeiten interessiert bin und zweitens selber mit dem Rest nicht 100% einverstanden bin. Eine staatliche Genesis des Geldes halte ich zumindest für ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Allerdings glaube ich, deutet deine Aussage mit der ZKB auf ein Missverständnis hin. Die Meinung ist nicht, dass irgendwelche Banken Staatsgeld kreieren. Aber die meisten Zentralbanken haben Aufträge des Gesetzgebers und sind diesem Rechenschaft schuldig. Eine komplett private Sicht des Geldes halte ich demnach für zu einseitig.

            Und, dass der Staat mit seinem eigenen Geld nicht bezahlen kann, im Sinne des sich endgültige einer Schuld befreien, sehe ich auch so. Für mich kann die Frage höchstens lauten, wie hoch kann sich das Volk bei sich selber verschulden? Das schliesst für mich auch Schulden gegenüber dem Ausland / anderen Währungsräumen aus.

          • Baer sagt:

            @ Oliver. Da bin ich froh, dass du so denkst. Die Chartalisten erklären ja dann eben die Kaufkraft des Geldes mit der Steuerhoheit des Staates. Das ist ihre Kernaussage. Ich denke eher, dass die Integration von Geld mit Output auf dem Arbeitsmarkt dem Geld Kaufkraft verleiht. Geld lädt sich durch die Assoziation mit Produkten mit Kaufkraft auf. Dadurch haben dann Leute auch Vertrauen in die Kaufkraft, weil sie aus Erfahrung wissen, dass sie mit ihren “reinen Zahlen” auf dem Konto was kaufen können.

            Man wird wohl niemals den Staat ganz aus der Gleichung reissen können, denn Geld bedingt Eigentumsrechte, welche wiederum Staaten bedingen (sehr grob gesagt). Und das Vertrauen in die Kaufkraft von Geld (welches aber ursprünglich eine ökonomisch objektive Ursache hat, keine rein psychologische) baut auch darauf auf, dass nicht zuviele Blüten im Umlauf sind, und da brauchts auch wieder einen Staat. Aber man kann die Mikro- sehr wohl von der Meso- und Makroökonomie trennen, auch wenn diese Trennung immer abstrakt und ein bisschen künstlich ist. Ich habe übrigens hierzu ein Papier publiziert: Language and Economics Education. Kann es dir schicken, falls es dich interessiert.

          • @Baer

            “Geld lädt sich durch die Assoziation mit Produkten mit Kaufkraft auf.”

            Ist das nicht die Diktion von Schmitt? Ist nicht falsch aber für meinen Geschmack etwas zu mystisch.

            Eher so: Geld kann deswegen für Käufe von Waren eingesetzt werden, weil diejenigen, die mit Geld ihre Produktion finanziert haben unter dem Druck stehen, dieses Geld durch den Verkauf von Waren und/ oder Dienstleistungen wieder erwirtschaften zu müssen (und möglichst noch ein bißchen mehr). Man braucht also kein Vertrauen ins Geld sondern nur Vertrauen in diejenigen, welche Geld verliehen haben, daß die auch darauf bestehen, daß sie ihr Geld auch tatsächlich wieder zurückerhalten (bzw. es dauerhaft profitabel eingesetzt wird).

            Hört sich doch irgendwie vertrauenerweckender an als “Aufladung mit Kaufkraft”?

          • Baer sagt:

            @ Menéndez. Ein wenig haarspalterisch, aber ich habe keine Mühe, dir da zuzustimmen. Der Satz ist von Schmitt, ja.

          • Josef Marti sagt:

            Zur Aussage vo Herr Baer betr. SNB und “Schuldverhältnis” muss noch etwas gesagt werden: Es wird dabei die rechtliche Situation nicht berücksichtigt. Die SNB untersteht nicht dem Zivilrecht bzw. Aktienrecht sondern dem SNB Spezialgesetz und kann gar nicht betrieben oder in Konkurs gehen wie eine normale AG (obwohl sie selbst eine kotierte AG ist); ein Schuldverhältnis im herkömmlichen Sinn kann sie gar nicht eingehen. Vielmehr schafft sie kraft Verfassungsauftrag quasi per Mausclick “Befehlsgeld” indem sie zB Staatsanleihen aufkauft.
            In den Zeitungen steht dann öfters, die Banken legen ihr Geld bei der SNB an statt dass es in die Wirtschaft gehe.

          • Baer sagt:

            @ Marti: “Befehlsgeld”? Natürlich ist die SNB speziell. Sie kann theoretisch ein negatives Eigenkapital haben, insofern greifen OR 725 I und II nicht. Was passiert, wenn die SNB Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt kauft (auf dem Primärmarkt darf sie dies nicht)? Auf der Aktivseite kommt + CHF x in Obligationen dazu, auf der Passivseite kommt + CHF x dazu in Form von Notenbankgeldmenge. Das ist eine Schuld der SNB gegenüber der Geschäftsbank, und die Transaktion unterliegt der Freiwilligkeit von beiden Seiten (“Befehlsgeld” ist deshalb evtl. deplaziert). Die Geschäftsbank kann diese Gutschrift nun nutzen, um ihrerseits Zahlungen auf dem Interbankenmarkt zu finalisieren. Nicht einverstanden?

          • Josef Marti sagt:

            Baer: Der Terminsus “Befehlsgeld” stammt natürlich nicht von mir, sondern von gescheiten Professoren und sogar Nobelpreisträgern.
            Der Rest Ihrer Aussage ist ja nicht bestritten. Die Banken können aber auch wie in Europa üblich andere besser verzinsliche Anleihen kaufen oder gar neue Staatsanleihen in GR, SP etc. direkt zeichnen, was ja der EZB und auch der SNB verboten ist wegen angeblicher Seignorage bzw. Gefahr der galoppierenden Inflation; nur haben wir nicht die gleiche Situation wie 1923.
            Jedenfalls wird Bankenmästung ohne hinterherige Schlachtung betrieben.

          • Baer sagt:

            @ Marti. Aha, wusste ich nicht. Wer hat das so gesagt, wissen Sie das noch? Würde mich wunder nehmen. Ich glaube, ich könnte langsam eine A4-Seite füllen mit Konzepten wie Befehlsgeld, Quasi-Geld, Buchgeld, Bargeld, Inside Money, Outside Money, Notenbankgeld, Bankgeld, Metallgeld, virtuelles Geld, Kreditgeld, skripturales Geld, Staatsgeld, Basisgeld, Termingeld, etc. etc.

          • Oliver sagt:

            @ Baer
            Ich würde dein Paper gerne lesen. Siehst du meine Email auf deinem Blog?

            @ Baer & Menendez
            Ich interpretiere die Chartalisten so, dass die Steuerhoheit des Staates die Funktion hat, den unit of account des Staates als Standard durchzusetzen. Dass der Wert des Geldes durch den damit erworbenen Outbput entsteht und, wie Hr. Menendez sagt, erst durch konsequente Wiedereintreibung durch die Gläubiger, diesen erhält, widerspricht dem nicht. Die Chartalisten sagen es einfach anders. Getreu iherer postulierten Hierarchie des Geldes, sind Preise eine Funktion der durch den Staat bezahlten Preise für Güter und Dienstleistungen. Ich kann mir insofern einen Reim daraus machen, als der Staat und staatsnahe Betriebe bei uns tatsächlich zusammen die grössten Arbeitgeber sind, halte diese Hierarchie allerdings nicht für logisch zwingend.

            Für mich sind folgende Aussagen interessant: dass nicht zu viele Blüten in Umlauf sind und dass sie ihr Geld auch tatsächlich wider zurückerhalten.

            Wie viel ist zu viel? Nch welchen Metren fällt werd diese(n) Entscheid(e)? Und wann ist tatsächlich?

            Eine Theorie aufzubauen nach dem Credo: nur ein System ohne Geldersparnis ist ein gutes System, ist zwar schön einfach, um closure im Modell zu erhalten, ziehlt jedoch meiner Ansicht nach an den durchaus realen, wenn auch manchmal widersprüchlichen, Bedürfnissen in der realen Welt vorbei. Diese müssten Anfangs- und Endpunkt einer fürvalablen Theorie sein und das sehe ich in euren Argumenten nicht.

          • Linus Huber sagt:

            Es ist ergoetzend zu verfolgen, wie die Birke, der Tannenbaum oder der Pilz in seinen Eigenschaften beschrieben wird und darob die Erkenntnis, dass es sich um einen Wald handelt irgendwo abhanden kommt.

            Worum geht es eigentlich in der gesamten Manipulation von Geld? Es geht um das Umverteilen der Kosten des Risikos von den urspruenglichen Risikotraegern an entweder den sich nachhaltig verhaltenden Menschen oder an die Allgemeinheit, was schlussendlich auch wieder diesen Menschen beeintraegen wird. Wenn wir als Gesellschaft dieses korrupte Verhalten als positives Beispiel fuer das Verhalten der Gesellschaft hochhalten, zerstoeren wir schrittweise jene Werte, welche fuer ein reibungsloses und gutes Zusammenleben der Gesellschaft essentiell wichtig sind.

  12. Brand Hilmar sagt:

    Zwar ein kritischer Artikel, der aber leider am Kern der Bankenproblematik vorbeizielt:
    Das bestehende Schuldgeld-Bankensystem weist mehrere System-inhärente Probleme auf, die nur durch vollständige Ablösung des bestehenden Systems durch ein wertgedecktes behoben werden können.
    1.) Geld wird heute durch die Banken aus dem Nichts per Kredit geschöpft, der zu bezahlende Zins wird dabei nicht mitproduziert. Dadurch entsteht eine verhängnisvolle Schuldgeldpyramide; zur Rückzahlung der bestehenden Kreditsumme ist immer zu wenig Geld vorhanden.
    2.) Mit dem Teilreserve-Banksystem (fractional reserve banking), welches seit Präsident Nixons Aufhebung der Goldanbindung 1971 nicht mehr Wert-gedeckt ist, wurde der Freibrief zur ungehemmten Geldvermehrung aus dem Nichts, der entsprechenden Entwertung bestehenden Geldes und damit Enteignung der Sparer (inkl. Pensionskassen, AHV) eingeläutet.
    3.) Das Wesen des exponentiellen Wachstums, welches beim Zinseszins-Effekt zum Tragen kommt, führt nach einer langen Zeit vermeintlich überschaubaren Geld- (bzw. Schuld)-Zuwachses zu einem nicht mehr kontrollierbaren Anstieg mit entsprechend negativen Folgen für die Schuldner (bankrotte Staaten, Firmen, Haushalte).

    Jeder, der sich mit dem tatsächlichen Mechanismus der aktuellen Gelderzeugung auseinandersetzt, wird feststellen, dass es sich dabei um sanktionierten, weil von den meisten unverstandener Betrug handelt; Opfer sind alle wertschöpfenden Bürger, Profiteure eine klandestine (Finanz)Elite

    • Rolf Zach sagt:

      Herr Hilmer, darf ich eine Frage stellen. Ist die Preisgestaltung heute wie damals vor 300 Jahren nur durch unzählige Nachfrager und unzählige Anbieter diktiert? Was wäre mit dem Goldstandard vor 1914 passiert, wenn in Südafrika nicht in riesigen Mengen Gold gefunden worden wäre?

      • Brand Hilmar sagt:

        Lieber Herr Zäch,
        es geht ja nicht um eine zwingende Wiedereinführung eines GOLD-Standards, sondern um eine notwendige WERT-Deckung der Papierfetzen und digitalen Ziffern, welche heute fälschlicherweise mit Geld verwechselt werden.
        Zur ersten Frage; heute scheinen viele Märkte verzerrt, so dass Angebot und Nachfrage nur zum Teil zum Tragen kommt. Schlagende Beispiele aus der Aktualität sind Rohstoffe, im speziellen Edelmetalle. Die Computeralgorithmen der relevanten Finanzhäuser arbeiten da so offensichtlich, dass man beim Betrachten (mehrere Tage übereinanderlegen) z.B. des Silberpreis-Kurses unschwer erkennt, was da abläuft. Ausserdem werden die Güter an den Terminmärkten in absurden Verhältnissen (1:100 Real-Gut zu “Papierwerten”) gehandelt, so dass kaum von einem Markt im Sinne von effektivem Nachfrage/Angebt-Gleichgewicht gesprochen werden kann (Stichwort: naked short selling). Wo zielen Ihre Fragen hin?

        • Roman Günter sagt:

          Herr Hilmar, der Nominalwert aller Kontrakte wird in einem funktionierendem Markt immer den Basiswert übertreffen. Das Papiergeld benötigt keine Wertdeckung sonder Transaktionsopportunitäten. Dabei wird die Dienstleistung logischerweise immer bedeutender. Das alles sollte eigentlich nicht so schwer zu verstehen sein.

          • Brand Hilmar sagt:

            Herr Günter, mit Ihrem erstgenannten Gemeinplatz differenzieren Sie nicht zwischen Markt und Manipulation; es ist die Dosis, die macht, ob etwas Gift ist oder nicht.
            Sie argumentieren aus der Warte des staats(Geld)gläubigen Systemlings, und Sie werden später sehen, wie weit Sie mit Ihrem Transaktionsopportunitäts-Medium kommen, wenn eine der zahlreichen FIAT-Geld-Blasen platzen wird.
            Beim Papiergeld fehlt eine wichtige Funktion: “store of value”. Das sollte eigentlich nicht so schwer zu verstehen sein…

          • Roman Günter sagt:

            Herr Hilmar, bevor ein System kritisiert wird, sollte es verstanden werden, das war mein eigentlicher Einwand. Dass derivative Kontrakte den Wert der gehandelten Basiswerte ohne Weiteres übersteigen können, ist systemimmanent und nicht weiter erstaunlich. Das ist in der ganzen Warenwirtschaft der Normalfall, aber eben nur im Derivatehandel werden die Kontrakte standardisiert handelbar dargestellt. Wie weit Manipulationen möglich sind, ist ein ganz anderes Thema und nicht so simpel ableitbar, wie Sie es versuchen. Beim Schweizer Franken ist es ja gerade das Problem, dass zuviel “store of value” Funktion verlangt wurde, was die SNB zu einer Intervention veranlasste. In erster Linie soll Geld aber eine intermediäre Funktion beinhalten und nicht als direktes Tauschmittel dienen, wenn die Märkte für Dienstleistungen und Warenhandel effektiv, inklusive Konjunkturschwankungen, funktionieren sollen.

    • Fabrizio sagt:

      Absolut korrekt, was Herr Hilmar shreibt.

      Ich würde sogar noch soweit gehen und behaupten, dass durch den Druck diesen perversen Systems die meisten tiefreichenden Probleme dieser Welt überhaupt entstanden sind.

    • Theo Nötzli sagt:

      Herr Hilmar, zu ihren interessanten ausführungen gibt es auf YouTube ein video “gib mir die welt plus 5%”, welches einen grossteil ihrer aussagen treffend abbildet. Die opfer der klandestinen elite sind am schlamassel leider mitschuldig, weil sie sich nicht informieren und zu einen gegenpol formieren, sondern lieber dem chillout fröhnen (nach mir die sintflut…).

    • will williamson sagt:

      Dass das Geld von den Geschäftsbanken aus dem Nichts geschöpft wird, ist eine verbreitete Behauptung. Wäre sie richtig, müssten die Banken aber auch das Eigenkapital aus dem Nichts schöpfen können und könnten keine Verluste erleiden, weil sie diese ja auch wieder aus dem Nichts decken könnten. Sie müssen aber das EK durch Ausgabe von Aktien auf dem Markt einsammeln und Verluste durch notleidend werdende Kredite erleiden sie auch. Kreditausfälle landen dann eben nicht mehr im Nichts, sondern reduzieren den Gewinn und/oder das EK. Das Nichts sollte daher besser in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt werden.

      Eine ebenfalls weit verbreitete Behauptung ist, dass die Zinsen nicht mitgeschöpft werden. Ich meine, auch das sei nicht oder zumindest nicht generell richtig.
      Beispiel:
      Maschinenbauer Meier produziert mit dem Kredit eine Anlage, wobei er im Sinne der Marktwirtschaft einen Gewinn erzielen will. Die Anlage verkauft er an den Grossbäcker Müller.

      Müller ist ebenfalls auf einen Kredit angewiesen, um die Anlage zu bezahlen. Der Betrag desselben lautet auf den Kaufpreis, der den Gewinn von Meier beinhaltet. Und Abakadabra, schon ist der Zins geschöpft.

      Keinem Zweifel dürfte unterliegen, dass eine wachsende Wirtschaft auf Kredit angewiesen ist. Nun kann man sich noch fragen, ob der Zins den Gewinn bedingt. Bei Kreditnehmern ist das auf lange Sicht sicher der Fall. Es gibt aber auch Konzerne mit Eigenfinanzierung, die ebenfalls Gewinn erwirtschaften ohne Kredit zu haben.

      • Fabrizio sagt:

        Herr WIlliamson

        Sie überspitzen das Ganze, ohne zu differenzieren, dass es zur sogenanten “Geldschöpfung aus dem Nichts” einen Buchungssatz benötigt, der, leider für die Geschäftsbanken, nur durch einen Kredit entsteht.

        Herr Müller, der Herrn Meiers Anlage kauft, hat sein Geld auch von einer Bank. Oder zumindest ist auch sein Geld in einer Bank “geboren” – mit Zins. Also kann ich so Ihre Theorie nicht bestätigen.

        • Baer sagt:

          @ Fabrizio Z.?

        • will williamson sagt:

          Müller muss natürlich auch wieder einen Gewinn machen, aus dem er den Zins bezahlen kann. Soll aber in der Marktwirtschaft so üblich sein. Wenn er Zahlungsschwierigkeiten hat und seine Lage nicht hoffnungslos ist, erhöht ihm die Bank den Kredit, damit er daraus die Zinsen bestreiten kann. Das läuft allenfalls so lange, bis er definitiv nicht mehr zalungsfähig ist. Dann belastet der nicht einbringliche Betrag inkl. ausstehende Zinsen die Erfolgsrechnung der Bank.

      • Brand Hilmar sagt:

        Sie finden auf Youtube u.a.ein genau zehnminütiges Video “Fractional Reserve Banking”, welches Ihnen den fragwürdigen, absurden Vorgang der Gelderzeugung erklärt. Es geht primär um die Geldschöpfung der Zentralbanken, die kommerziellen Banken kommen dann erst sekundär zur zusätzlichen “Falschgeld”-Erzeugung dazu. Würde der Zins mitgeschöpft, müsste er ja zusätzlich und zinslos in den Geldkreislauf gelangen. Das werden Sie nicht finden.
        Zitat “…Sie müssen aber das EK durch Ausgabe von Aktien auf dem Markt einsammeln…” Ja, zugegeben, noch finden sich Dumme, aber wie lange noch? Was ist die Wertdeckung dahinter? Selbe Thematik wie beim “Geld” selber…
        Das Video basiert übrigens auf dem Dokument “Modern Money Mechanics”, welches unverdächtiger Weise von der FED Chicago selber herausgegeben wurde.
        Man kann natürlich immer versuchen, die Thematik auf unwesentliche Nebengeleise zu leiten, dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass wir es hier mit einem Schneeball-System zu tun haben, welches den meisten Menschen zur Geldvernichtung gereicht. Das Gegenteil wäre erwünscht.

        • will williamson sagt:

          Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Videos zum Thema ich schon gesehen und wie viele Artikel dazu ich schon gelesen habe. Wenn wir vom aktuellen QE mal absehen, ist es eindeutig falsch, das Problem der Geldschöpfung bei den Notenbanken zu sehen. Um die 90% der Geldschöpfung passieren in den Geschäftsbanken. In der EU haben diese eine Mindestreserve von 1% zu hinterlegen. D. h., dass sie die Einlagen theoretisch verhundertfachen können. Allerdings hängt das tatsächliche Ausmass wie beim Bargeld von der Umlaufgeschwindigkeit ab. Mit einer Tausendernote, die täglich die Hand wechselt, kann theoretisch ein Jahresumsatz von Fr. 365,000 Franken erzeugt werden. Würde der Zins nicht mitgeschöpft, könnte Müller in meinem Beispiel die Rechnung von Meier nur ohne Gewinn bezahlen, sofern er nicht noch Mittel aus anderer Quelle zur Verfügujng hätte.

          Beim Tauschhandel ist Ware gegen Ware nicht immer möglich. Also gibt der Eine Ware und der Andere einen fungiblen Schuldschein in Form von Banknoten. Diese begründen einen Anspruch auf einen künftigen Anteil an der volkswirtschaftlichen Produktion. Diese – nicht Gold oder Silber – ist letztlich die Deckung für das umlaufende Geld.

        • will williamson sagt:

          Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Videos zum Thema ich schon gesehen und wie viele Artikel dazu ich schon gelesen habe. Wenn wir vom aktuellen QE mal absehen, ist es eindeutig falsch, das Problem der Geldschöpfung bei den Notenbanken zu sehen. Um die 90% der Geldschöpfung passieren in den Geschäftsbanken. In der EU haben diese eine Mindestreserve von 1% zu hinterlegen. D. h., dass sie die Einlagen theoretisch verhundertfachen können. Allerdings hängt das tatsächliche Ausmass wie beim Bargeld von der Umlaufgeschwindigkeit ab. Mit einer Tausendernote, die täglich die Hand wechselt, kann theoretisch ein Jahresumsatz von Fr. 365,000 Franken erzeugt werden. Würde der Zins nicht mitgeschöpft, könnte Müller in meinem Beispiel die Rechnung von Meier nur ohne Gewinn bezahlen, sofern er nicht noch Mittel aus anderer Quelle zur Verfügujng hätte.

          Beim Tauschhandel ist Ware gegen Ware nicht immer möglich. Also gibt der Eine Ware und der Andere einen fungiblen Schuldschein in Form von Banknoten. Diese begründen einen Anspruch auf einen künftigen Anteil an der volkswirtschaftlichen Produktion. Diese – nicht Gold oder Silber – ist letztlich die Deckung für das umlaufende Geld.

      • Josef Marti sagt:

        Ich glaube nicht, dass Sie damit die Behauptung von Minsky widerlegen. Die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken begründet kein EK sondern immer FK, dieses wechselt einfach den Gläubiger (eine andere Bank) sobald der Kreditnehmer seine Lieferanten damit bezahlt. Die Geschäftsbanken belasten und schreiben sich gegenseitig gut, es sind immer EK und ER-neutrale Umbuchungen, nur die Zinsbuchung ist erfolgswirksam (natülich auch die Abschreibung eines faulen Kredits). Deshalb werden idR im normalen Geschäfts- und Kreditverkehr nicht Reserven/Geldbasis der Notenbank “ausgeliehen”. Wird M2 zu hoch wird die Geldbasis bzw. Überschussreserven der Geschäftsbanken zB mit Repogeschäften (Banken kaufen Wertpapiere, Staatsanleihen von der Notenbank wieder zurück) wieder abgeschöpft.
        Wenn aber die Banken in der Krise aus Angst sich nichts mehr gegenseitig ausleihen, kommt logischerweise diese Kredit- und Geldmaschinerie ins stottern.

      • Es wird höchste Zeit, mit den Mythen über den angeblichen Fehler im Zinssystem aufzuräumen.

        Es ist schon erstaunlich, wie wenig gesichertes Wissen es in unserem modernen Kreditgeldkapitalismus gerade zu diesem Thema gibt. Das zeigen leider auch viele Beiträge in diesem Blog.

        Die einen argumentieren eher moralisch mit der Ungerechtigkeit eines arbeitsfreien Zinseinkommens (hierzu zählt auch die possierliche Geschichte über Fabian der Goldschmied), die anderen eher analytisch mit der Unmöglichkeit eines exponentiellen Zinseszinssystems (Stichwort Josephspfennig, der seinen Namen nur zufällig mit Mister 25 % ­ aka Josef Ackermann ­ teilt) und eine weitere Gruppe ist auf der Suche nach den Zinsen als fehlende Nachfrage bei kreislauftheoretischen Betrachtungen.

        Dabei ist die Chose eigentlich ziemlich einfach, wenn man sich mal vor Augen führt, welche Hauptfunktionen der Zins in einem Kreditgeldsystem hat. Hier die Kurzfassung für Eilige:

        1. Deckung der Kosten der Bank für ihre Dienstleistung (wird also wieder zu Nachfrage).
        2. Aufschlag hierauf für eine potentielle Insolvenz des Kreditnehmers (führt zu Elimination von Forderungen und Verbindlichkeiten und löst sich somit quasi in Luft auf).
        3. Kompensation für den Konsumverzicht der Sparer (hier gibt es eigentlich nichts zu kompensieren).

        Punkt 3. spielt nur in der Robinsonade eine Rolle, aber nicht in gesättigten Märkten in Verbindung mit einem modernen Kreditgeldsystem, bei dem Spareinlagen für Investitionen eigentlich ohne Bedeutung sind. Konsumverzicht wäre für manch adipösen Erdenbürger sogar gesundheitlich förderlich und asketischen Verzicht müssen die Großsparer in dieser Republik ja wohl eher nicht üben. Daher ist der risikofreie Sparzins für Konsum- und/oder Investitionsverweigerer (vulgo Geldparker) endlich dort, wo er auch hingehört. Dass es hierzu erst einer Krise bedurfte, ist eine andere Geschichte.

        Wen die längere Version interessiert, kann hier nachlesen: zinsfehler wordpress com

        • Ueli der Hecht sagt:

          @Michael Stöcker
          Diese ganze Zinseszinsdiskussion hatten wir hier schon zigmal. Lernerfolg null! Es ist unfassbar – die Herrschaften haben sich entschieden – es gibt ein gutes und ein böses Kapital – . Aber auch Sie – Herr Stöcker – liefern hier eher “Rechtfertigungsideologie” für die Abzweigung eines Teils des Mehrwerts und weniger profunde Analyse. Dieses Thema muss mal in seiner ganzen Tiefe besprochen werden – aber dafür brauchts Zeit und Interessenten.

          • Mein letzter Beitrag hängt nun schon seit über 6 Stunden in der Leitung.

          • Hier nun ein neuer Versuch.

            @ Ueli der Hecht

            Es war nicht meine Absicht, “Rechtfertigungsideologie” zu liefern und ehrlich gesagt sehe ich aufgrund meiner Argumentation auch hierfür keine Ansätze (zumindest dann nicht, wenn Sie sich auch die Langversion unter zinsfehler.wordpress.com durchgelesen haben sollten). Wenn Sie irgendwelche Fehler erkennen sollten, dann bin ich gerne für eine intensivere Diskussion bereit.

            Noch zum Thema gutes oder böses Kapital: Ich hoffe doch, Sie meinen damit die zwei Kategorien auf der Passivseite der Bilanz und nicht so etwas Verwirrendes wie “Geldkapital” oder “Sachkapital”, das ja das korrespondierende Geld- und Sachvermögen auf der Aktivseite ist. Zu dumm, dass sich viele Ökonomen niemals mit den Niederungen der Buchführung auseinander gesetzt haben (was nicht heißt, dass alle “Buchführungspäpste” – die erleuchteten Hörmänner dieser Welt wiederum etwas von Geld und Zinsen verstehen).

            Kapital ist von Natur aus weder gut noch schlecht. Es wird erst durch unser Verhalten sowie die steuerrechtliche Ungleichbehandlung in eine dieser Kategorien gedrängt. Ich empfehle Ihnen hierzu ausdrücklich die folgenden zwei Beiträge von Herrn Menéndez: „Schulden“ sowie „Zinsen – Individual- oder Gemeinschaftskonzept?“. Bei letzterem wäre dann auch eine vertiefende Diskussion – sofern Sie eine wünschen – der richtige Ort.

  13. Theo Nötzli sagt:

    Wenn dann noch ein sog. riskmanagement dazu kommt, welches fast nur vom (nach oben beschränkten) gewinn ausgeht, aber das schlimmstmögliche szenario eines totalverlustes verdrängt, dann haben wir – zusammen mit den beschriebenen problemen und den völlig falschen anreizen beim management – die giftbrühe für den nächsten crash beisammen.

  14. will williamson sagt:

    In letzter Zeit habe ich in deutschen Medien diverse Berichte gelesen, in denen die Deutsche Bank stark kritisiert wird. Sie sei erheblich unterkapitalisiert und habe eine ganz enorme Exposition im Billionenbereich bei Derivaten. Interssanter Weise wird darin der Joseph aus Mels mit keinem Wort erwähnt, obwohl diese Probleme – falls tatsächlich existent – in seiner Zeit angehäuft worden sein müssen. Könnte es sein, dass die Beziehungen zum Kanzleramt inklusive Geburtstagsfeier da eine gewisse Immunität gewährleisten?

    • Frank Baum sagt:

      Nein. Das Kanzleramt hat mit den von Ihnen beschriebenen Problemen nichts zu tun. Wenn die Deutsche Bank ein extremes Engagement in Derivaten ausweist, dann hat das Kanzleramt dazu nichts zu sagen. Das ist Aufgabe der Bank und deren Aufsichtsrat.

      Die Geburtstagsfeier im Kanzleramt bewirkt aber leider, dass sich die Regierung zu zögerlich um die Regulierung der Banken kümmert und dabei zu stark auf die Interessen der Bankenvertreter eingeht.

      • will williamson sagt:

        Sie interpretieren mich falsch. Meine Frage ist, ob die Nähe zum Kanzleramt dazu führt, dass der ExBoss der Bank in den Diskussionen nirgends erwähnt wird. Aber auch sonst ist es nicht so, dass das Kanzleramt bzw. die Regierung nichts damit zu tun hat. Die konnten ja die exorbitanten Risiken nur mangels einschlägiger Regulierung eingehen.

  15. Frank Baum sagt:

    Die Finanzmärkte gehören viel stärker reguliert, wenn man weitere Krisen verhindern will. Die Wiedereinführung von Glass-Steagall wäre da ein sehr wichtiger Schritt.

  16. Marcel Zufferey sagt:

    Das ist ein wirklich sehr guter Artikel, sehr informativ, sehr gut recherchiert! Mit dem Wegfall des Glass-Steagall-Acts unter Clinton, dem Frauenheld (vor Frauenhelden im Weissen Haus sollte man sich immer in acht nehmen, das sind zwar zumeist charmante aber rücksichtslos den Wirtschaftsinteressen folgende Präsidenten) wurde es den Banken nach der grossen US-Sparkassenkrise (aus der der Film “Wallstreet” hervorging) möglich, so richtig in die Vollen beim Investmentbanking zu gehen. Gleichzeitig hat der gute, alte Bill noch den Immobilienmarkt mit seinem Erlass, auch einkommensschwachen Haushalten den Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen, in ungesunde Bahnen gelenkt. Ja, und vor ihm wurde von Nixon mit dem Abgang der USA vom Goldstandard Bretton Woods begraben (und bei den Währungen das System der festen Wechselkurse aufgegeben), was dann so richtig einschlug und das gesamte, volkswirtschaftliche Gefüge in den westlichen Industrienationen bis ins Mark hinein erschütterte. Bei Bankenkrisen spielen immer verschiedene Faktoren eine Rolle.

    • Josef Marti sagt:

      Der Bogen von Clinton zu Nixon ist schon etwas weit gespannt. Die Deregulierungswelle begann 1982 mit Reagan. Davor war man hauptsächlich mit Inflationsbekämpfung beschäftigt, Leitzins bis 19%. Letzteres war allerdings wie Sie richtig erwähnten auf die Einführung freier Wechselkurse seit 1973 zurückzuführen, da die USA seitdem ihre chronische Inflation nicht mehr auf Europa abwälzen konnten.

      • Rolf Zach sagt:

        Was sagten die klugen Bankenchefs damals. Die gute Konjunktur ist nur dem himmlischen Greenspan zu verdanken, der Magier des Geldes, dass Clinton in seiner ersten Amtszeit die Steuern erhöht und damit viel zur Stabilisierung der damaligen Konjunktur beigetragen hat, kein Wort. Selten hatte ein Präsident ein derart bösartigen Kongress wie nach seiner Wiederwahl. Abgesehen war Tea-Party Senator Phil Gramm an der Abschaffung des Trennbank-Systems mehr beteiligt als jeder andere. Zum Dank wurde er UBS-Berater und die UBS hat wahrscheinlich wegen ihm gemeint, sie sei unantastbar wegen der Sache US-Steuerhinterziehung. Die Immobilienblase kam erst unter Bush junior so richtig in Schwung. Sein Rezept, weniger Sozialstaat, dafür mehr Immobilienkredite für die Armen. Ebenfalls unter seiner Präsidentschaft war die beste Regulierung, keine Regulierung. Wir haben diese Einstellung in der Schweiz noch heute mit der Kuschel-Behörde FINMA. Vorne zeigen sie angeblich ihre Zähne, von der Öffentlichkeit versteckt sind sie handzahm.

  17. Elisabeth Krail sagt:

    Ein grosses Bravo an den TagesAnzeiger für diese interessante Auseinandersetzung mit dem Thema “Too big to fail”.

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