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Und wieder droht der «Sudden Stop»

Markus Diem Meier am Mittwoch den 28. August 2013
Getreideernte in Indien. (Keystone)

Wieso wird aus den Schwellenländern plötzlich Geld abgezogen? Im Bild: Getreideernte in Indien, 1. Mai 2012. (Keystone/Altaf Qadri)

Die drohende Krise in zentralen Schwellenländern macht erneut klar, welche Gefahr von ungehemmten Kapitalströmen ausgehen kann.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Länder, die eben noch als die neuen Wachstumsstars gehandelt wurden, werden mit einem Mal als Problem erkannt. Kapital das zuvor noch in rauhen Mengen zu ihnen geflossen ist, wird jetzt rasch abgezogen. Das Muster haben wir in der Asienkrise im Jahr 1998 gesehen, in den Ländern der Euro-Peripherie und noch viele weitere Male in der Wirtschaftsgeschichte. Den Moment des «Stimmungswandels», des Übergangs von Kapitalzuflüssen zu starken Abflüssen wird nach einer Sprachschöpfung des argentinischen Ökonomen Guillermo Calvo als «Sudden Stop» bezeichnet. Schauen wir in diesem Blogbeitrag an, was geschehen ist, was dazu geführt hat, welche Lehren sich ziehen lassen und wie sinnvoll ein freier Kapitalverkehr ist.

Was ist passiert?

Die indische Landeswährung Rupie und der brasilianische Real haben seit Anfang Mai gegenüber dem US-Dollar rund 16 Prozent ihres Wertes verloren, die türkische Lira und die indonesische Rupiah fast 9 Prozent. Die folgende Grafik der Ökonomen von JP Morgan zeigt die Entwicklung der Währungen handelsgewichtet, aber ohne Einbezug der Preisniveauentwicklung (nominaler effektiver Wechselkurs):

JPMorgan EmMa-Curr

Auch die Aktienmärkten der Schwellenmärkte mussten deutliche Verluste verzeichnen: Der FTSE Emerging Market Index – der die Aktienmärkte aufstrebender Volkswirtschaften zusammenfasst – hat seit dem Mai ebenfalls um fast 12 Prozent nachgegeben.

Auslöser für diese Bewegungen ist ein massiver Kapitalabfluss aus diesen Ländern: Laut Berechnungen der Grossbank Morgan Stanley sind die Währungsreserven der Schwellenländer-Zentralbanken – ausgenommen jene von China – allein seit Mai um 81 Milliarden Dollar, bzw. 2 Prozent geschrumpft. Im Fall Indonesiens liegt dieser Anteil sogar bei 13,6 Prozent, im Fall der Türkei bei 12,7 Prozent und die indische Zentralbank hat 5,5 Prozent verloren.

Das alles sind deutliche Symptome eines Sudden Stops – auch wenn noch offen bleibt, wie die Geschichte diesmal weitergeht. Wie gewöhnlich bei Sudden Stops waren auch diesmal die betroffenen Länder die Lieblinge der Investoren in der Zeit davor.

Seit 2008 flossen laut dem Internationalen Währungsfonds IWF zusammengenommen netto 1,1 Billionen US-Dollar in die Schwellenländer – gemäss dem langfristigen Trend wäre mit 470 Milliarden Dollar zu rechnen gewesen. Die Immobilienpreise sind in einer Reihe der Länder deutlich angestiegen, ebenso die Verschuldung der Unternehmen – gerade auch in Fremdwährungen. Dasselbe gilt für die Kreditvergabe. Das alles wird mit zunehmender Schwächung erst der Währung, dann der Volkswirtschaft zum Problem. Die in der Boomzeit angehäufte Verschuldung wird immer schwerer zu bedienen.

Und nicht nur die Kapitalströme ändern die Richtung, auch die moralischen Urteile. Vor der Asienkrise galten die betroffenen südostasiatischen Länder als «Tiger», wie vor der Eurokrise auch Irland. Indien und Brasilien zählten zu den erfolgreichen BRIC-Staaten. Nach dem Sudden Stop geraten die strukturellen Schwächen dieser Länder genauso übertrieben in den Fokus, wie zuvor ihre Stärken. Der systematische Zusammenhang gerät leider oft in den Hintergrund, dazu gleich mehr.

Was war der Auslöser?

Jeder Sudden Stop hat einen Auslöser. Diesmal war es allein die Erwartung, dass die US-Notenbank die Geldpolitik demnächst etwas weniger locker gestalten könnte – nicht etwa eine echte Straffung mit höheren Leitinsen. Sie will – in den Worten von US-Notenbankchef Ben Bernanke – sogar den Fuss auf dem Gaspedal belassen, ihn aber etwas weniger stark durchdrücken. Doch die Angst vor einer normaleren Geldpolitik hat in den USA den Langfristzinsen gehörig Schub verliehen, auch wenn sie sich im Langfristvergleich noch auf sehr tiefen Niveaus befinden. Die der Fred-Datenbank entnommene Grafik zeigt das anhand der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen:

Fred Treasuries

Die Zinsen haben genau ab dem Mai zugelegt, gleichzeitig als die Währungen der Schwellenländer getaucht sind und deutlich wurde, dass die US-Notenbank demnächst etwas weniger Schub geben will. Im Juni hat sie dann bestätigt, dass sie ihre Käufe von momentan noch monatlich 85 Milliarden Dollar an Staatsanleihen und verbrieften Hypotheken drosseln und im nächsten Jahr beenden will, sollte sich die US-Wirtschaftslage weiter verbessern.

Welche Lehren lassen sich ziehen? 

Die Sorge vor einem neuen Sudden Stop in den Schwellenländern war eines der zentralen Themen am diesjährigen Zentralbankertreffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Doch weder Ben Bernanke von der US-Notenbank noch Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgten diesmal für Schlagzeilen (sie waren beide nicht anwesend), sondern die 39 Jahre junge Ökonomin Hélène Rey von der London School of Economics. Wer sie im vergangenen November in Zürich gehört hat, ist kaum überrascht, mehr von dieser Frau mehr zu vernehmen.

In ihrer in Jackson Hole präsentierten und sehr zum lesen empfohlenen Studie «Dilemma not Trilemma: The Global Financial Cycle and Monetary Policy Independence» kommt sie gestützt auf umfangreiche Daten und weitere Literatur zu spannenden Schlussfolgerungen zu unserem Thema:

  • Von aussen in Länder fliessende Kapitalströme (die potenziell zu Übertreibungen und Blasen führen), ebenso wie deren plötzliche und destabilisierende Abflüsse (Sudden Stop) haben sehr viel weniger mit den konkreten Bedingungen in den betroffenen Ländern zu tun, als mit globalen Kreditzyklen.
  • Diese Kapitalzyklen werden vor allem von der Risikobereitschaft in den Finanzzentren der reichen Welt bestimmt.
  • Diese Risikobereitschaft wiederum ist eng an die Zinsentwicklung in diesen Finanzzentren, allen voran der USA gekoppelt.
  • Anhaltende Tiefzinsphasen in den USA führen zu einer wachsenden Risikobereitschaft und unter anderem auch zu einer Zunahme potenziell destabilisierender kurzfristiger Kapitalströme in die Schwellenländer (mit plötzlichen und zuweilen unerwünschten Währungsaufwertungen und/oder spekulativen Blasen). Findet eine Zinswende in den Zentren statt, ziehen die Investoren ihr Geld aus diesen Ländern rasch ab, womit wir bei unserem Sudden Stop angekommen sind. Die Währungen fallen drastisch, eine hohe Aussenverschuldung bleibt zurück, Banken wanken – sowohl in den Schwellenländern, wie auch in den Finanzzentren (wenn sie sich mit ihren Spekulationen übernommen haben).
  • Wie schon im Titel von Hélène Reys Studie angetönt, wird deshalb das berühmte, so genannte Trilemma der Geldpolitik zum Dilemma (das Trilemma: fixe Wechselkurse, Kapitalverkehrsfreiheit und unabhängige Geldpolitik gehen nicht zusammen, mehr dazu hier). Das Dilemma bedeutet nun, dass eine eigenständige Geldpolitik in den betroffenen Ländern überhaupt nicht mit freiem Kapitalverkehr einhergeht, auch nicht bei flexiblen Wechselkursen:  Dies deshalb, weil für die internationalen spekulativen Kapitalströme die lokale Geldpolitik eines Schwellenlandes eine untergeordnete Rolle spielt. Wie Rey zeigt, sind für diese Ströme die  monetären Bedingungen in den Finanzzentren sehr viel wichtiger.
  • Doch die Geldpolitik allein reicht nicht zur Erklärung der Finanzströme und ihres Umfangs: Zentral ist auch das Risikoverhalten der Finanzbranche in den Zentren. So sind die Kapitalströme in die Schwellenländer oft mit einem hohen so genannten «Leverage» versehen. Das heisst die Finanzinstitutionen setzen bei ihren spekulativen Investitionen selbst nur auf einen kleinen Eigenkapitalanteil und hauptsächlich auf Fremdkapital, bzw. Schulden. Damit erhöhen sie im Fall von Gewinnen die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital.
  • Doch bei einem hohen Leverage braucht es nur verhältnismässig geringe Verluste, um das Eigenkapital aufzubrauchen, was nicht nur zur Insolvenz der betreffenden Finanzinstitution führt, sondern rasch auch zu einer eigentlichen Finanzkrise in den Zentren selbst. Ein Beispiel im Zusammenhang mit der Asienkrise war die Insolvenz des Hedge Fonds Long Term Capital Management (LTCM).

Ok. Die obigen Punkte sind natürlich nicht neu, sie wurden von Hélène Rey mit Daten aber anhand umfassender Daten deutlich bestätigt. Auch eine neue Studie des IWF stützt die Aussagen und macht deutlich, warum Schwellenländer besonders unter der Instabilität der Kapitalflüsse leiden – Kollege Alexander Trentin hat die Studie hier zusammengefasst.

Die Gefahren von destabilisierenden Fehlinvestitionen, vermittelt durch Überschwang und Fehlanreize im Finanzsektor, war – aufbauend auf John Maynard Keynes – auch das dominierende Thema von Hyman Minsky, aber auch zentral bei Friedrich August von Hayek. In der Analyse, wenn auch nicht in der Kur, gibt es hier klare Übereinstimmungen zwischen dem Postkeynesianer und der letzten Hauptfigur der Österreichischen Schule.

Im Mainstream der Ökonomen haben die Fehlanreize und Risiken durch den Finanzsektor bisher keine grosse Rolle gespielt. Darauf weist auch Altmeister Guillermo Calvo – der Schöpfer des Begriffs «Sudden Stop» – in einer weiteren neuen und spannenden Abhandlung hin. So ist es im Rahmen der gängigen Modelle auch nicht verwunderlich, dass Regulierungen des Finanzsektors bis zur Finanzkrise zunehmend nur als nachteilig empfunden wurden. Eine Behinderung des freien Kapitalkapitals konnte danach schon gar nicht als Vorteil gesehen werden. Damit zum letzten Thema: Den Lösungsideen zur Verhinderung eines Sudden Stop.

Wie sinnvoll ist ein ungehinderter Kapitalverkehr?

In ihrer Studie geht Hélène Rey auf die Vorteile eines freien Kapitalverkehrs ein, wie sie laut Theorie gegeben sein sollten. Der wichtigste müsste vor allem darin liegen, dass Kapital vermittelt über Renditen in freien Märkten (auch international) jener Verwendung zukommen sollte, wo die beste Verwendung dafür besteht; wo das Kapital also besonders produktiv eingesetzt werden kann. Laut Rey sind diese Vorteile für ein Produktivitätswachstum einer Volkswirtschaft schon nach der Theorie gering, in den Daten lasse sich dieser positive Einfluss nicht finden. Besser sieht es nur bei so genannten langfristigen Direktinvestitionen aus, davon ist hier aber nicht die Rede.

Noch zur Zeit der Asienkrise galt ein ungehinderter Kapitalverkehr als Mantra der Wirtschaftspolitik. Er wurde (neben anderen Prinzipien) unter dem Begriff des «Washington Consensus» propagiert. Damit hatte ein ungehinderter Kapitalverkehr auch eine zentrale Stellung in den Rezepten der internationalen Wirtschaftspolitiker, insbesondere beim IWF.

Genau genommen erwuchs diesem Rezept schon damals Opposition. Jagdish Bhagwati, der wohl entschiedenste Vertreter des Freihandel in der Ökonomenzunft, hat wiederholt deutlich gemacht, dass Freihandel und freier Kapitalverkehr zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Für Bhagwati ist der Mythos von den Vorteilen des freien Kapitalverkehrs eine Schöpfung der Wall-Street-Banken und des US-Finanzministerium («The myth … has been created by what one might christen the Wall Street-Treasury complex». Die Vermischung der beiden Freiheiten würde daher der Sache des Freihandels schaden. Hier sein Text «The Capital Myth» von 1998 in «Foreign Affairs».  Selbst John Williamson, der Autor des ursprünglichen «Washington Consensus», hat ausdrücklich festgehalten, dass er keinesfalls einem generellen freien Kapitalverkehr das Wort geredet habe.

Das grösste Problem von Kapitalverkehrskontrollen ist aber, dass sie nur schwer umsetzbar sind und die Umgehungsmöglichkeiten ebenfalls mit Risiken verbunden sind. Daher werden sie nur als Begleitmassnahmen vorgeschlagen – IWF-Chefin Christine Lagarde hat in Jackson Hole davon gesprochen, «Sand in den Antrieb der Exzesses zu streuen».

Auch Hélène Rey setzt nicht in erster Linie auf solche Kontrollen. Sie will das Problem an der Wurzel anpacken – bei der Finanzbranche – und fordert dort Regulierungen, die einem exzessives Kreditwachstum entgegenwirken. Die Möglichkeiten zu einem sehr hohen Leverage (einer sehr hohe Verschuldung der Finanzinstitute) müsse verhindert werden, etwa durch höhere Eigenkapitalanforderungen für die Banken und zusätzliche Puffer in gefährlichen Zeiten. Notenbanken sollen durch solche und weitere so genannte «makroprudentielle Massnahmen» Exzesse verhindern. Kapitalverkehrskontrollen sieht sie nur als Ersatz, wenn solche Massnahmen nicht oder zu wenig greifen.

Wie die schon laufende Debatte zu funktionstüchtigen Sicherheitspuffer im Finanzsektor zeigt, werden wohl  auch diese Vorschläge kaum viel Erfolg haben. Die Welt wird wohl vorerst weiter mit dem Risiko von Sudden Stops leben müssen.

 

 

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92 Kommentare zu “Und wieder droht der «Sudden Stop»”

  1. Anh Toan sagt:

    Um das Dauerthema dieses Blogs, die Unmöglichkeit des Euros, im Lichte dieses Beitrages zu betrachten:

    Hätte Spanien seine Peseten gehabt, hätte es halt einen Immobilienenboom auf Grund des zu billigen Geldes von der FED gemacht, statt auf Grund des zu billigen Geldes von der EZB.

  2. Linus Huber sagt:

    Stellen Sie sich vor, dass in einem grossen Lebensmittelmarkt, in welchem saemtliche Leute der Gesellschaft ihren Bedarf einzudecken haben, einer an der einzigen zur Verfuegung stehenden Waage, welche saemtliche Produkte wiegen muss, sitzt und diese Waage nach seiner persoenlichen Ueberzeugung beliebig manipuliert.

    Dies ist die Situation, welche wir seit 100 Jahren mit der Gruendung des FED erleben, indem dieser Typ an der Waage glaubt, er koenne die Marktverhaeltnisse so steuern, dass aufgrund seiner Manipulation der maximale Umsatz erzielt wird. Sind wir wirklich so naiv, zu glauben, dass dies keine Nebenwirkungen in der Form von Verhaltensveraenderung der Marktteilnehmer hervorrufen wird? Glauben wir wirklich, dass dadurch keine Anreize erzeugt werden, welche sich langfristig negativ auf das Verhalten der Bevoelkerung auswirken duerfte, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass diejenigen, welche am naechsten zur Waage sitzen, diesen Typen zu ihren Gunsten beeinflussen koennen? Einzig die Tatsache, dass wir seit den 30iger Jahren und der Phase der hohen Inflation in den 70iger Jahren keine negative Auswirkungen erkennen konnten, ist noch lange kein Beweis dafuer, dass diese sich nie melden werden. Handelt es sich nicht um eine Diktatur via Geldpolitik?

  3. Michael Schwarz sagt:

    Der massive Anstieg der Geldmenge und die QE bleiben nicht ohne Nachwirkung. Die negative Nachwirkung und Ungleichgewichte im System werden Wir bald sehen können. Die Leute, die Bernankes expansive Geldpolitik begrüsst hatte, werden ihm jetzt hassen. Haben die Ökonomen ernsthaft geglaubt, dass die expansive Geldpolitik Bernankes ohne negative Auswirkung? Wer das glaubt, ist nicht nur naiv, sondern die Ökonomie nicht richtig verstanden.

    • ast sagt:

      thja, die Inflation floss eben nach Asien und Südamerika – in die “Tigerstaaten” in Form von “Investitionen” (* offenbar vor allem solche wo man das Geld schnell wieder abziehen kann). Nun da man in den USA offenbar die Politik des leichten Geldes wieder drosseln (will) muss, fliesst der Zaster wieder in die reichen Finanzzentren zurück. Was das bewirken wird steht noch in den Startlöchern, ich vermute wenig Gutes. Da gibt es sehr viel Geld -immer schwieriger anzulegen ohne Verluste….

      • Michael Schwarz sagt:

        @ast:

        Ich warne dem investor seit fast 3 Jahren auf “Suden Stop” Effekte. Es destabilisiert die Weltwirtschaft und zerstört das Gleichgewicht der Investition zwischen den Ländern, dies wieder zu massiver Inflation in Schwellenländer bzw. Überinvestition führt. D.h. das Geld fliesst nicht dort wo dringend gebraucht wird, nämlich in den USA.

        Das Ergebnis ist ein globaler Abstieg der Wirtschaft, Ungleichgewicht und Destabilität des globalen Wirtschaftssystems. Was ich da wiederholt sage, sage ich seit fast 3 Jahren. Leute, die meine Kommentare regelmässig gesehen haben, kennen meine Aussagen und Meinung.

  4. Zlatko Jukic sagt:

    Diese Darstellung trifft den Nagel auf den Kopf. Absolut richtig, was Markus Diem Meier berichtet.
    Blasen und Übertreibungen gehören zu den Märkten wie der Katzenjammer danach.
    Auch die unrühmliche Rolle der Federal Reserve wiederholt sich: Wieder einmal haben Niedrigzinsen zu einer kompletten Fehlallokation geführt. Alle sind glücklich, bis der Wecker klingelt.

    • Linus Huber sagt:

      Blasen und Übertreibungen gehören zu den Märkten

      Ja, es geht hingegen nicht einzig darum, sondern um das Ausmass dieser Abweichungen.

      • Marcel Senn sagt:

        Blasen und schwere Uebertreibungen könnten durchaus verhindert werden, wenn wir mehr Politiker und Regulatoren mit Durchblick und Eiern hätten – aber da happert es leider massiv.
        Ein Paradebeispiel für mich ist William White – ehemaliger BIZ Chef – der 2003 am FED Meeting in Jackson Hole die Finanzkrise an seiner Präsentation akribisch genau vorausgesehen hat – nur der Jahrhundertversager Allan Greenspan hat ihn geflissentlich ignoriert und so ist es dann halt zur grossen Finanzkrise mit all seinen schmerzlichen Folgen gekommen…

        • Josef Marti sagt:

          So kommt’s raus wenn zu kopflastige Regulatoren mit zu kleinen Eiern am Werk sind.

      • Zlatko Jukic sagt:

        @L. Huber: Das ist völlig richtig.
        Trotzdem kann man Blasen bis heute nicht erkennen. Sind die Börsen überhitzt? Vielleicht schon, oder auch nicht. Sind die Hauspreise am Genfersee übertrieben? Offenbar, aber vieles spricht dagegen.
        Vor der Weltfinanzkrise sind nur die Wenigsten auf die Idee gekommen, dass eine Immobilienblase besteht. Wie so oft, hat man das erst hinterher erkannt und kann dann viele Gründe nennen, warum es eine Blase war.

        • Marcel Senn sagt:

          Jukic: Klar kann man Blasen auch heute schon erkennen – dazu braucht es erst mal gesunden Menschenverstand, dann einige Verhältnismässigkeiten z.B. Einkommen im Verhältnis zu Hypozinskosten beim Normalbürger.
          Wie schon beschrieben, hat William White das Sub-Prime Desaster schon 2003 aufgezeigt, im Dezember 2004 kam im Economist ein Leitartikel über die Housing Bubble, Roubini hat auch schon früh gewarnt….nur werden all diese Leute als Pessimisten abgetan und die breite Masse (inkl. Politiker) glaubt an die wunderbare Wertvermehrung ohne Arbeit – die sind alle im Rausch…bis dann der Kater kommt. Ist immer das gleiche…war schon 1637, 1929, 2001 und sonst noch ein paarmal so…

          • Linus Huber sagt:

            “Einkommen im Verhältnis zu Hypozinskosten beim Normalbürger”

            Da Zinsen manipuliert werden, sehe ich es als vorteilhaft an, wenn man die Ratio Einkommen zu Immobilienpreis/Hypotheke verwendet und den momentanen Zinslevel vernachlaessigt.

          • Linus Huber sagt:

            @ Marcel

            Ich gebe Ihnen recht, es wird jeweils damit begruendet, dass es zuweilen immer gut ging und die Warner als die gute Stimmung verderbende Minderheit darstellt werden. Wir sehen dies z.B. heute in Bezug auf Japan oder im weltweiten massiven “Geld drucken”, wo die meisten Oekonomen keynesianischer Ideologie genau so argumentieren und wenn dann die Krise kommt, konnte man dies nicht voraussehen. Der Glaube an die Planwirtschaft (unter Verwendung des Mediums “Geld”) dieser Kuenstler der Manipulation ist religioeser Fanatismus. Empfohlene Lektuere fuer Oekonomen: Der Zauberlehrling.

          • Zlatko Jukic sagt:

            @M. Senn, 29.8., 20:46:
            Zum Erkennen einer Blase gehören nicht nur Bedenken. Die hatten viele. Aber ist der Aktienmarkt jetzt genau im Moment konkret überhitzt? Da helfen bis heute nur Soft Indicators, denn Kennzahlen kann man zurechtbiegen und “interpretieren”.
            Gefährlich wird es, wenn in der Betriebskantine über “todsichere” Anlagetipps gesprochen wird. Oder wenn die Presse ausführlich erklärt, warum diesmal alles anders ist und es ausgerechnet dieses Mal keine Blase ist. Oder wenn sogar in Angler-Zeitschriften mit heissen Renditen geworben wird.

  5. Marcel Senn sagt:

    Ich als Auslandsschweizer im kleinen Schwellenland Uruguay bin eigentlich sehr froh um die aktuelle Entwicklung – denn das Leben ist sauteuer geworden hier. (mittlerweile teuerstes Land in Südamerika unter Berücksichtigung der Schwarzmarktkurse in Argentinien und Venezuela)
    Am 16.5.2003 war Uruguay default wegen der Abhängigkeiten von Argentinien, dass ja auch pleite ging. Nur haben die dann mit den Gläubigern verhandelt und die Schulden für eine Weile gestunden und seither fleissig abbezahlt und als Dank wurde das Land dann im Juli 2012 wieder Investmentgrad BBB- (während Argentinien nach wie vor am dümpeln ist mit B).
    Nur hat es 7-9% Inflation im Land, der Leitzins von akt. 9.25% (war auch schon über 13) und das hat letztes Jahr die Hedge Funds angezogen und die Währung wurde noch stärker – zum Glück hat die ZB jetzt Massnahmen getroffen gegen die nutzlosen Geierfonds mit Kapitalrestriktionen.
    2005 gab es 26 urug. Peso pro $ – 2012 ist der Peso auf 19 gestiegen – die Infaltion zw. 2005 und 2012 betrug fast 70% – in $ sind die Preise also rund 100% gestiegen in 8 Jahren – die Zentralbank ist voll von US$ (eine ähnliche Situation wie bei der SNB). Es gibt hier noch die UI (Unidades Indexadas) – ein an die Inflation gekoppeltes Kunstgeld, mit dem man sich vor der Infaltion schützen kann (allerdings wenden dies auch alle Aemter an und so steigen die Gebühren monatlich – diese UI provozieren eben auch Inflation)
    .
    Von dem her tut etwas Entspannung ganz gut…

    • Josef Marti sagt:

      Es sieht so aus dass sich diverse südamerikanische Länder in eine Art Stagflation bewegen.

      • Marcel Senn sagt:

        Marti: Nicht ganz zumindest für Uruguay: 2012 war das Wachstum 3.9%, für 2013 wird mit 4% gerechnet – da würde sich die EU noch die Finger lecken für solche Wachstumsraten.
        .
        Nur wieso das Land die Inflation nicht in den Griff bekommt ist mir ein Rätsel – die Verschuldung liegt zw. 50-60% des BIP, der Aussenhandel ist einigermassen ausgeglichen, auch der Staatshaushalt macht relativ geringe Verluste, es kommt immer noch viel Kapital ins Land (bisher – jetzt schaun mer mal) – vor allem aus Argentinien, da die Wohlhabenden dort ihr Geld vor Kristina in Sicherheit bringen wollen (gibt ja auch noch ein echtes Bankgeheimnis hier) – gut auf der anderen Seite herrscht hier eine Form von Sozialismus – so kostet das Benzin im ganzen Land gleichviel – egal ob bei Ancap, Esso, Petrobras etc.
        Auch Autos kosten im ganzen Land gleichviel (für die gleichen Modelle) — Wettbewerb mögen sie hier nicht so sehr…

  6. Marcel Senn sagt:

    Korrigenda zum Artikel: Die Asienkrise war doch 1998 und nicht 2008 wie im Artikel geschrieben – 2008 war die Sub-Prime-Bubble resp. die Bankenkrise.
    Aber man kann es den Autoren ja nicht verübeln – seit Maggie Thatche den totalen Casinoapitalismus freigelassen hat, haben sich die Krisen gehäuft und sind fast schon der Normalfall…

  7. DDD sagt:

    In der Klammer zum Trilemma müsste es “feste Wechsekurse” heißen, nicht “flexible”.

  8. Nicolas Baudet sagt:

    Der hemmungslose Kapitalismus muss gestoppt werden! Die Politik muss wieder Priorität vor der Wirtschaft haben. Staatlich gelenkte Wirtschaft gibt Sicherheit und stoppt schädliche Konkurrenz, die nur die Ausbäutung der Arbeiter fördert und die Preise hochtreibt. Wir brauchen nicht 100 verschiedene Waschmittel, eines genügt! Wir brauchen wieder staatlich regulierte und fixierte Wechselkurse, am besten wäre eine einheitliche Welt-Währung mit weltweit gleichen Preisen und Löhnen. Jeder Mensch hat Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weltweit gilt der gleiche Lebensstandard. Und jeder Mensch hat Recht auf ein gleich hohes garantiertes bedingungsloses Einkommen, ohne Unterschied ob jemand Arbeit hat oder nicht. Warum nur verstehen die kaptialistischen Reaktionäre das nicht? Mit einer staatlich gelenkten Planwirtschaft treten solche Probleme gar nicht erst auf! Staatliche Verschuldung ist notwendig, denn nur so kann ein funktionierender solidarischer und gerechter Staat funktionieren. Wenn die Zinsen oder Kredite nicht mehr bezahlt werden, so ist dies die Schuld der Banken, denn die müssen als kaptialistisches Geschwür einen solchen Akt der Solidarität nur schon aus moralischen Überlegungen verkraften.

  9. Chile löste das Problem vor vielen Jahren wie folgt: Investoren, die in den 80er und 90er Jahren Geld nach Chile brachten mussten auf dem Kapitalzufluss ein paar Prozent Steuern zahlen (vielleicht 5% – ich weiss es nicht mehr).

    Mit diesem Geld baute Chile seine Infrastruktur aus: Neu Firmen benötigen neue Strassen, neue Kehrichtabfuhr, neue Spitäler. Sie geben Arbeit für gut ausgebildete Leute, also braucht es mehr Schulen, mehr Ausbildungsstätten. So konnte mit dem eingeführten Geld gleichzeitig die Bedingungen für die neu angesiedelten Firmen verbessert werden. Dazu gehören auch eine funktionierende Justiz und Rechtssicherheit.

    Jeder Investor denkt dann zweimal darüber nach, ob er sein Kapital wieder abziehen will, wenn er beim Investieren schon dafür hat zahlen müssen.

    • Marcel Senn sagt:

      Brechbühl: Nur damit einem Land das Kapital schon a priori Steuern auf die Kapitaleinfuhr bezahlt, müssen sie denen auch etwas bieten – die Kapitalgeber sind ja nicht blöd, die können schon rechnen. Ich vermute mal, dass grössere Kapitalflüsse nach Chile im Zusammenhang mit dem Bergbau z.B. Kupferminen etc. ging — da kann man schon dem Staat ein paar Brosamen geben – wenn man Firmen wie Glencore anschaut — denen geht es ja immer noch prächtig.
      .
      Haben die sicher clever gemacht die Chilenen – aber das funktioniert eben nicht überall so.

  10. Warum wird mein Kommentar nicht veröffentlicht?

    • Linus Huber sagt:

      Dafuer erscheint Ihre Kommentar jetzt doppelt. Und ein guter Kommentar ist es allefalls, da ich diesen Umstand nicht kannte.

  11. markus gerat sagt:

    man könnte heute den eindruck gewinnen, dass das meiste investitionskapital mehr schaden anrichtet statt wachstum und innovation zu bringen

  12. Da haben wir doch die sehr gut bezahlten Analysten die das blaue vom Himmel herunter reden und jetzt zum xten Mal die Ernüchterung! Da frage ich mich wirkliche wo der Unterschied zu Kaffeesatz lesen ist! Der Verdacht bleibt, dass die Analysen nur den Börsen dienen und somit die Analysten die Handlanger dazu!

    • Gianni Dal Pont sagt:

      Zürcher Hansueli Sie haben vollkommen Recht . Wie kann es sein , dass man ein Land wie die Türkei jahrelang als Wirtschaftswunderland bezeichnete , obschon gem. Forschungsinstitu Gallup seit jahren 40% der Stadtbevölkerung ! als notleidend gilt , geschweige den die Landbevölkerung 60 % . Ebenso wurde der grösste Teil des Wirtschaftswunder durch İmobilienfirmen hochgetrieben , wissend , dass eine gigantische Blase am entstehen ist ( Lehmann laesst grüssen ) Gestern gab die türk. National Bank bekannt , man brauche keine Sorgen um die Lira zu haben , ende Jahr sei der Dollar wieder auf 1.92 gesunken gegenüber der TL , ebenso werden die anderen Hartwaehrungen sinken…..seit 2008 ist der SFR um 120 % gegenüber der Lira gestiegen . Da alle İmporte in Dollar bezahlt werden müssen , wird dies die gestiegene İnflation , zurzeit 9% , weiter nach oben treiben . Benzin ist heute das teuerste der Welt , Gas und Strom zaehlen zu den teuersten der Welt . Aber auch hier haben die Medien , gezwungenermassen , in der Türkei alles für wahre Münzen der AKP , sprich Erdogan abgenommen und waren vollen lobes . Fitch getraute sich vor 6 Monaten die Bonitaet abzustufen , postwendet kam die Drohung von Erdogan saemtl. Büros zu schliessen….von da an , gab es nur noch gute Noten !

  13. Josef Marti sagt:

    Damit ist eindrücklich bewiesen dass die Chinesen alles richtig gemacht haben. Nach wie vor regulierte mehr oder weniger feste Wechselkurse mit USD, aber keine Zinsparität, da keine volle Kapitalmobilität besteht. Die Chinesen wissen genau, weshalb sie Kapitalverkehrskontrollen betreiben und lassen sich ihre Autonomie in der Geldpolitik nicht nehmen.
    Das war schon früher so dass in Schwellenländern freie Wechselkurse immer wieder Achterbahn fahren; und wenn man dann noch die Bürokraten vom IWF aus Washington am Hals hat, dann gute Nacht.

  14. Josef Marti sagt:

    Damit ist eindrücklich bewiesen dass die Chinesen nicht auf den Kopf gefallen sind und alles richtig machen. Nach wie vor regulierter mehr oder weniger fester Wechselkurs mit USD, aber keine Zinsparität, da nach wie vor keine volle Kapitalmobilität besteht. Die Chinesen wissen genau warum sie Kapitalverkehrskontrollen betreiben und sehen sich in ihrer Politik bestätigt, sie lassen sich auch ihre Autonomie in der Geldpolitik nicht nehmen.
    Das war schon früher so, dass in Schwellenländern freie Wechselkurse immer wieder Achterbahn fahren. Und wenn einem die Bürokraten vom IWF aus Washington noch ständig dreinreden, dann sowieso gute Nacht.

  15. Baer sagt:

    Immer wieder wird Hayek erwähnt, sein Name treibt scheinbar die Klicks in die Höhe. Ein Vorschlag: Hayek war ein Verteidiger von Augusto Pinochets Militärdiktatur. Hayek bekam 1977 einen Ehrentitel von einer Chilenischen Uni, welche Pinochet kurz davor vor kritischen Professoren säuberte. Die Mont Pèlerin Society tagte 1981 in Chile, als Ehrengäste von Pinochet, und alle Mitglieder standen offen hinter der Diktatur. Hayek sagte gegenüber dem Mercurio in Chile 1981 folgende Worte:

    “As long-term institutions, I am totally against dictatorships. But a dictatorship may be a necessary system for a transitional period. At times it is necessary for a country to have, for a time, some form or other of dictatorial power. As you will understand, it is possible for a dictator to govern in a liberal way. And it is also possible for a democracy to govern with a total lack of liberalism. Personally, I prefer a liberal dictator to democratic government lacking in liberalism. My personal impression…is that in Chile…we will witness a transition from a dictatorial government to a liberal government….during this transition it may be necessary to maintain certain dictatorial powers.”

    Diese Stelle sagt sehr viel aus über den Kern der Österreichischen Schule. Falls Demokratie Eigentum bedingungslos schützt, darf Demokratie limitiert existieren. Sobald Privateigentum eingeschränkt wird, ist eine Diktatur vorzuziehen. Klarer konnte sich Hayek nicht ausdrücken. Ist doch spannend.

    • Johnny Smith sagt:

      Ich glaube nicht, dass man die österreichische Schule en bloque einfach in die Diktatorschublade stecken kann/soll.

      Aus dem Zitat von Hayek lese ich heraus:
      – “… I am totally against dictatorships.” Dies dürfte wohl erstens eher ein persönliche Aussage (von Hayek und nicht von ‘der österreischen Schule’) sein und zweitens, zumindest im Grundsatz, GEGEN eine Diktatur.
      – “But a dictatorship may be a necessary system for a transitional period.” Schon heikler. Aber gerade die aktuellen Entwicklungen in Aegypten zeigen auf, dass möglicherweise polit-kulturelle Hintergründe (das fehlende oder mangelnde Einbinden oder gar Ausgrenzen von Minderheiten durch die Mehrheit Muslimbrüder) eine Demokratie in gewissen Phasen leider extrem erschweren.

      Ich bin dankbar für Ihren Hinweis auf die problematische Nähe von Hayek zu Pinochet. Als Kritik bzw. Denkverbot über die österreichische Schule ist es allerdings nicht sehr souverän.

      • Ueli der Hecht sagt:

        @Johnny Smith
        Das ganze “neoliberale Projekt” wurde in Chile gestartet – sozusagen als erstes “Versuchsfeld”. Und genau so wie Herr Baer gesagt hat – ist es doch kein Zufall, dass gerade so illustre Gestalten wie Hayek, Kissinger und company – bei dieser Schweinerei dabei waren. Diese Diktatur wurde installiert und war kein “Betriebsunfall” wie in Ägypten – es gab einen demokratisch gewählten Präsidenten namens Allende und dieser wurde mit Hilfe der CIA katblütig ermordet!

        • Johnny Smith sagt:

          @ Ueli

          Sie gehen fehl in der Annahme, dass ich die “Schweinereien” in Chile verteidigen würde.

          Die Gleichsetzung “Pinochet = österreische Schule” und deshalb Denkverbot bzw. “Austrian Theory = politically incorrect” ist mir aber zu einfach. ‘Nur’ weil einer ein Diktator ist oder ein Supporter oder Kontakt hatte, heisst das nicht, dass dieser automatisch und zwingenderweise ausschliesslich ‘falsche’, idiotische Ideen und Konzepte aufstellt.

    • Anh Toan sagt:

      @Baer: Hayek: “At times it is necessary for a country to have, for a time, some form or other of dictatorial power. ”

      Ich halte dies nicht für falsch: Bricht der Staat zusammen, wird ein Kader benötigt. Dies kann eine Partei, die Armee, eine kirchliche Organisation sein, doch es braucht ein Kader um die grundlegende Basis für prosperierendes Leben zu schaffen: “Ruhe und Orndnung”, weil dies gibt den Menschen Vertrauen. Dies lässt sich nur mit einer funktionierenden Organisation durchsetzten. Ich meine, eine Militärdiktatur ist für Ägypten zur Zeit die beste aller schlechten Möglichkeiten, besser als eine Diktatur der Muslimbrüder, die Gesellschaft ist zu gespalten, um einen demokratischen Basiskonsens zu finden.

      Das Problem ist, dass sich jede Diktatur gerade mit deren angeblicher Notwendigkeit als kleinstes Übel rechtfertigt, und fast keine Diktatur darauf hinarbeitet, einen demokratischen Staat mit dem ihm zu dienenden Verwaltungsapparat auf zu bauen, sondern darauf, die Macht möglichst lange zu erhalten. Aber wenn die aktuelle Situation unzumutbar ist, keine Ordnung mehr herrscht, bleibt nur, mit einem bereits existierenden Kader diese wieder her zu stellen.

      • Anh Toan sagt:

        Schützt der Staat das Eigentum des Bürgers nicht, bleibt dieser zu Hause und schützt es selber, weil er ist überzeugt, es ist sein Eigentum. Dann kann er aber nicht mehr arbeiten gehen, er muss sein Eigentum beschützen.

        • Josef Marti sagt:

          Darum wollen wir ja alle einen schlanken Staat, dann müssen wir nicht mehr arbeiten.

      • Ueli der Hecht sagt:

        @Anh Toan
        “Bricht der Staat zusammen, wird ein Kader benötigt…” – schreiben Sie. Ihre Argumentation ist nur schon deswegen falsch, weil der Staat in Chile überhaupt nicht am “zusammenbrechen” war. Ganz im Gegenteil – es war ein von aussen (USA) gezielt unterstützter Militärcoup, der verhindern sollte, dass Demokratie / Sozialismus in Südamerika “Schule macht”.

        • Anh Toan sagt:

          @Ueli der Hecht:

          Da gebe ich Ihnen Recht betreffend Chile, soweit ich die Situation in Chile damals überhaupt beurteilen kann, mir ging es um die grundsätzliche Überlegung, welche sich, basierend auf meiner zugegebenermassen rudimentären Kenntnis auch in den Schriften des Karl Marx findet: Die Diktatur des Proletariats ist doch der Ersatz des bürgerlichen Staates mit einem Kader, um den Übergang zur klassenlosen Gesellschaft zu ermöglichen. Und genau bei der Beschreibung dieses Übergangs scheint mir auch der Marx ässerst dünn.

          • Ueli der Hecht sagt:

            @Anh Toan
            Moment – mit dem Marx sind wir jetzt wieder bei einem ganz anderen Thema. “Diktatur des Proletariats” bezeichnet bei Marx keine “Diktatur” im Sinne von Pinochet und Konsorten.
            Marx schreibt dazu in der Einleitung zu “Der Bürgerkrieg in Frankreich”: “Die Kommune musste gleich von vornherein anerkennen, dass die Arbeiterklasse, einmal zur Herrschaft gekommen, nicht fortwirtschaften könne mit der alten Staatsmaschine; dass diese Arbeiterklasse, um nicht ihrer eignen, erst eben eroberten Herrschaft wieder verlustig zu gehen, einerseits alle die alte, bisher gegen sie selbst ausgenutzte Unterdrückungsmaschinerie beseitigen, andererseits aber sich sichern müsse gegen ihre eigenen Abgeordneten und Beamten, indem sie diese, ohne alle Ausnahme, für jederzeit absetzbar erklärte. Gegen diese in allen bisherigen Staaten unumgängliche Verwandlung des Staats und der Staatsorgane aus Dienern der Gesellschaft in Herren der Gesellschaft wandte die Kommune zwei unfehlbare Mittel an. Erstens besetzte sie alle Stellen (verwaltende, richtende, lehrende), durch Wahl nach allgemeinem Stimmrecht der Beteiligten und zwar auf jederzeitigen Widerruf durch dieselben Beteiligten. Und zweitens zahlte sie für alle Dienste, hohe wie niedrige, nur den Lohn, den andere Arbeiter empfingen.

          • Anh Toan sagt:

            Ja, da beschreibt der Marx eine Diktatur der Mehrheit, frei von Gewaltentrennung (Alle Abgeordneten und Beamten, die Exekutive, können jederzeit abgesetzt werden, vom gleichem Gremium, welches Gesetze macht, die Legislative, damit erhält die Legislative Einfluss auf Einzelentscheide der Exekutive (Entweder Du entscheidest, der Müller wird gehängt, oder Du wirst entlassen und wir wählen einen neuen der den Müller hängt, keine Judikatioive (die Richter sind auch Beamte, die abgesetzt werden können, keine Menschenrechte:

            Eigentlich müsste die CH-SVP Anhämger von Marx werden: Das Volch, das Volch, das Volch!

          • Anh Toan sagt:

            Eine die Menschrechte achtende, auf Gewaltenteilung und Rechtsstaatöichkeit basierende konstitutionelle Monarchie würde ich zweifellos diesem vom Marx beschriebenen Modell vorziehen.

            Das Volch hat wiederholt bewiesen, dass es nur begrenzt geeignet ist, meine elementaren Menschenrechte zu schützen (Sollte meine ausländische Frau kriminell werden, will mir das Volch verbieten, zusammen mit meiner Frau in der Schweiz nachdem sie ihre Strafe verbüsst hat, zu leben: Sie soll zwingend ausgewiesen werden, mein Recht auf Familienleben meint das CHVolk, sei damit verwirkt).

            Meine elementaren Menschenrechte sind mir viel wichtiger, als Stimm- und auch Wahlrecht, ich bin ohnehin meistens in der Minderheit.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli: Um auf meinen Punkt mit dfem benötigten Kader zurück zu kommen:

            In Ihrem Zitat sagt der Onkel Karl zu Recht, dass die alte Staatsmaschinerie nicht mehr bennutzt werden kann, und beschreibt, wie der neue aufgebaut wird (er vermeidet dabei das Wort Staatsmaschinerie):

            Was macht der Onkel Karl, bis die neuen, jederzeit abwählbaren Beamten gewählt sind: Diese müssen sich doch bei den Wählern bewerben, damit diese urteilen können, worher brauchts eine Aufgabenbeschreibung, damit die Wähler urteilen können, ob der Beamte geignet ist für die Aufgabe, es braucht Wahllisten, Wahlformulare und Wahllokale.

            Wer organisiert dies alles, wer sorgt während dafür benötigten Zeit für Ruhe und Ordnung, damit die Wahlen überhaupt ordnungsgemäss stattfinden können? Werden Frauen auf der Strasse vergewaltuigt, gehen sie nicht zur Wahl. Bleiben die Männer zu Hause, um ihr Hab und Gut vor Banditen zu schützen, gehen sie nicht zur Wahl.

            Der Onkel Karl hat das kapitalistische Wirtschaftssystem mit bewundernswertem Scharfsinn beschrieben. Von Staatsrecht hatte er weniger Ahnung, als Einstein vom Segeln.

          • Ueli der Hecht sagt:

            @anh Toan
            “…von Staatsrecht hatte er weniger Ahnung als Einstein vom Segeln.”
            Der Brüller des Tages! Herr Toan – Karl Marx hat immerhin paar Jahre Jurisprudenz studiert – da nehme ich mal schwer an, dass er auch ein paar Brocken “Staatsrecht” sich aneignen durfte. Marx hat sich auch später intensiv mit Staatsrecht beschäftigt. Siehe die geniale Schrift: “Zur Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie”. –

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli

            Ich begründe, warum ich nichts von der staatsrechtlichen Kompetenz Karchens halte, Sie sagen, er sei kompetent, er hätte es doch studiert. (Sie halten doch auch nicht alle, die Oekonomie studiert haben, und ein Buch dazu geschrieben haben, für kompetent?)

            Materiell setzen Sie meinem Argument (es braucht ein Kader) aber nichts entgegen.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli: Einstein war Segler, er soll aber ziemlich schlecht darin gewesen sein.

          • Anh Toan sagt:

            Betreffend dem von Ihnen zitierten Werk des Onkels möchte ich noch anfügen, dass die Rechtsphilosophie vielmehr der Philiosophie als der Jurisprudenz zuzurodnen ist, die Methodik der Jurisprudenz dient der Interpretation von Texten, in der Rechtsphilosphie gibt es keine Texte auszulegen, sondern es geht um den Zweck der Gesetze.

          • Ueli der Hecht sagt:

            @anh Toan
            Herr Toan – Eine Kapitalismusanalyse auf dem Niveau, wie sie sich Marx vorgenommen hat, bedingt auch, dass er die Staatsmaschinerie und das Recht des bürgerlichen Staates aus dem FF kannte. Der Staat befindet sich nicht ausserhalb des Kapitals, sondern ist heute mehr denn je – quasi das Herzstück der ganzen Komödie. Marx hat meiner Ansicht nach sogar den Staat als “Gesamtkapitalist” fast “*unterschätzt”.
            Er hätte sich wohl nie träumen lassen, dass die heutigen Staaten nahezu unendlich “fiktives” Kapital (Staatsschuld) anhäufen können und somit gewaltige Kapitalströme in sich aufnhemen. Der Staat ist fast überall auf der Welt der grösste Arbeitgeber, der grösste Schuldner, der grösste Kunde vieler Industriezweige (militärisch-industrieller-Komplex u.s.w.), der grösste lender of last resort, der Rechtsgarant, der Währungsgarant, der SYSTEMGARANT.
            Auf gut Deutsch: Kapital und Staat sind die selbe Münze und maximal verschmolzen.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli:

            Sämtliche Versuche, zu einem System nach Marx zu gelangen, haben in Diktaturen geendet. Ich bin nicht der Meinung, dass Lenin, Mao, Castro und vor allem Hoh Chi Minh grundsätzlich böse Absichten verfolgten. Ich halte es aber für zu billig, immer die äusseren Feinde (die Kapitalististen, die imperialistische USA) für dieses Ergebnis verantwortlich zu machen. Ich würde es sinnvoller finden, wenn die Anhänger von Marx über die Schwächen seiner Theorien nachdenken würden, die ich nun mal in der fehlenden Gewaltenteilung, damit auch Rechtsstaatlichkeit und der fehlenden Begrenzung der absoluten Macht durch Menschenrechte. Aber nein, die Anhänger von Marx lassen kein schlechtes Wort über ihr Idol zu.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli

            Ja, was hätte der Marx wohl gesagt, wenn er gesehen hätte, dass letztlich der Staat der grösste Arbeitgeber und damit der Inbegriff des Kapitalisten nach Marx ist, und die Arbeitnehmer daran glauben, sie bestimmen in diesem Staat. Dann geht seine Trennung von Kapitalisten und Arbeitnehmern nicht mehr, die Arbeitnehmer und Bürger sind die Kapitalisten.

          • Anh Toan sagt:

            Heute besteht “das Kapital” (ohne Hebel) weitgehend aus der Altersvorsorge der Arbeitnehmer und Rentner (ehemaliger Arbeitnehmer) und aus deren Immobilien (eine ganz Reihenhaussiedlung ist halt teurer als Schumachers Villa, die Einkommen der gesamten Reihenhaussiedlung sind höher als dasjenige Vasellas usw.usw.)

          • Ueli der Hecht sagt:

            @anh Toan
            Nach Ihrer Geschichtslogik, Herr Toan, könnten Sie auch Charles Darwin für den Holocaust verantwortlich machen, da durchgeknallte Naziideologen sich in ihren abstrusen Rassetheorien auf Darwin bezogen. Oder Sie könnten Jesus Christus für die stalinistischen Säuberungen verantwortlich machen, da Stalin ja immerhin von Jesuiten “ausgebildet” wurde. Oder sie könnten Budha für die japanische Aggression im 2. Weltkrieg verantwortlich machen, da der Zenbudhismus ein wesentlicher Bestandteil der Indoktrinierung von Soldaten war.

          • Ueli der Hecht sagt:

            @anh Toan
            Schon Marx sprach vom Staat als “Gesamtkapitalisten” (das ist also so ziemlich gar nichts neues) – auch den Staat als entscheidenden Agenten des “fiktiven Kapitals” geht auf seine Kappe (Kapital III, MEW 25, 482f.).
            All das ändert aber überhaupt nichts am Klassenunterschied, an der Verteilung des Kapitals, an den Charaktermasken, an der Entfremdung, an der Unterdrückung u.s.w.

          • Ueli der Hecht sagt:

            @anh Toan
            Bei Stalin meinte ich natürlich das orthodoxe Priesterseminar (nicht die “Jesuiten”), wo er sich übrigens auch zum ersten mal mit “marxistischer Literatur” beschäftigte.

    • Linus Huber sagt:

      Kern der Österreichischen Schule?

      Die Oesterreichische Schule nimmt grundsaetzlich keine Stellung zu Regierungsformen, sondern untersucht in erster Linie wirtschaftliche Zusammenhaenge unter starker Beruecksichtigung des menschlichen Verhaltens.

      Wenn Hayek solch eine Aussage macht, handelt es sich mehr um seine persoenliche Meinung, unter welchen Umstaenden eine “Freie Marktwirtschaft” wohl am ehesten funktionieren mag. Ein benevolenter Diktator mag sehr wohl ein Plus sein in schwierigen Zeiten, in welchem die demokratische Entscheidungsfaehigkeit durch polarisierte Positionen massiv behindert wird und dadurch ein politischer Stillstand Einzug haelt. Diese Einsicht hat aber rein gar nichts mit der Oesterreichischen Schule zu tun. Auch in den 30iger Jahren waren viele US-Kongressabgeordnete aehnlicher Ansicht.

      • Ueli der Hecht sagt:

        @Linus Huber
        Mir langt es, wenn die crème de la crème einer Wirtschaftsideologie, einen Mann wie Pinochet in seiner Praxis rechtfertigt und unterstützt. Da es mir doch so lang wie breit – ob sie in ihren theoretischen Schriften – Diktatur nicht als “ideal” betrachten.

        • Linus Huber sagt:

          Ja sicher reicht es Ihnen, denn Sie gehoeren wohl zum Kreise der Manipulierungskuenstler, welche Diktatur aufgrund der Verwendung eleganter Worthuelsen nicht erkennen wollen.

          Irgend jemand besitzt immer die Macht, die Frage ist nun eher, wie die Machthaber damit umgehen und aufgrund welchen Umstandes sie die Macht erarbeitet haben. Wollen wir lieber eine Anzahl von Dieben, Schoenrednern, Heimlichtuern, Vertuschern, Manipulateuren, Nichtsnutzen, Schmarotzern, Taugenichten, Luegnern an der Macht, oder solche, welche bewiesenermassen und aufgrund von menschlichen Staerken und Integritaet erfolgreich waren/sind?

      • Johnny Smith sagt:

        @ Linus Huber

        “Diese Einsicht hat aber rein gar nichts mit der Oesterreichischen Schule zu tun.”

        Absolut einverstanden, das war auch mein obiger Punkt. Statt inhaltliche Ideen zu hinterfragen, verfallen Menschen mit konträren Ansichten leider oft darauf, die dahinterstehenden Personen bzw. deren Umfeld zu hinterfragen und/oder dies gar als Ausrede zu missbrauchen, um ein Denk- und Argumentationsverbot zu postulieren.

        Als Zusatzinformation mag dies für den Gesamtkontext durchaus interessant und auch mehr oder weniger wichtig sein. Als alleiniges Killerkriterium allerdings seltenst sinnvoll.

        • Ueli der Hecht sagt:

          @Johnny Smith
          Schauen Sie sich doch bitte eine Doku auf youtube an: “Shock Doctrine: Von Hayeks Pinochet Takeover of Chile”.
          Es geht nicht um ein Denk- oder Argumentationsverbot – sondern um die Aufdeckung der “Wahrheit” des neoliberalen Projekts, welches unter anderem auch von Wissenschaftlern (mit vermeintlich “neutraler Agenda”) gepusht wurde.

          • Linus Huber sagt:

            Und was war die Ursache, welche solch eine Entwicklung ermoeglichte?

            Ein wenig erinnert mich die damalige Situtation Chiles (vor Pinochet) an die heutige Situation vieler westlicher Staaten heute. Anstelle die vergangenen Fehler zu erkennen, werden die kommenden Erreignisse jenen in die Schuhe geschoben, welche die Problematik zu bereinigen versuchen. Dies soll natuerlich keine Verteidigung von menschverachtenden Handlungen sein, sondern einzig auf das Verstaendnis zwischen Ursache und Wirkung hinweisen. Nur weil wir heute die Zentralplanung Neoliberalismus rufen, aendert dies den Umstand nicht, dass wir eine Zentralplanung haben.

    • Wow, das ist dicke Post! Ohne speziell auf die Österreichische Schule zielen zu wollen, deckt sich diese und die im verlinkten Blog zur Hayek-Pinnochet-Connection geäusserten Ansichten mit meiner eigenen Beobachtung: Die ökonomische Lehre ist eine fundamentalistische lebens- und menschenfeindliche, totalitäre und nihilistische Religion, eine Art Satanismus des Marktes, wobei der echte Luzifer immerhin der “Bringer des Lichts” ist, während dieser hier lediglich Dunkelheit, Elend und Zerstörung predigt. Und dies scheint ein bewusster und zielgerichteter Nihilismus zu sein und nicht, wie etwa Steve “Debunking Economics” Keen sagt, ein aufrichtiger Glaube, dadurch der Sozialen Wohlfahrt am besten zu nützen.
      Ich habe das Buch “Economics for the Rest of Us” von Moshe Adler gelesen, und er zeigt an mehreren Beispielen, dass die ökonomische Lehre wiederholt eine plausible, empirisch beobachtbare Theorie zugunsten einer anderen, weniger plausiblen und realitätsfremden abgesetzt hat, mal aus ästhetisches Gründen (weil sie Instabilität des Marktes impliziert), mal einfach, weil sie die einzig wahre Ordnung (Kapital “oben”, Arbeiterschaft “unten”) relativiert hatte, was der wahre Ökonom nicht dulden kann.
      Ich darf gar nicht daran denken, dass jedes Jahr Hunderte von Studenten aus den Talibanschulen der ökonomischen Fakultäten ausgekotzt werden, die diese Lügen am Leben erhalten und damit ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben. Wo sind die Drohnen, wenn man sie mal braucht?

      • Linus Huber sagt:

        @ Ralph

        Guter Kommentar!

        “Hunderte von Studenten aus den Talibanschulen der ökonomischen Fakultäten”

        Und alle wurden in der Kunst der Manipulation trainiert, ohne welche sie gar keinen Job haetten.

    • max sagt:

      Hä? Chile ist der einzige funktionierende demokratische Rechtsstaat in Südamerika. Investoren können sich auf die Rechtssicherheit verlassen.

      Niemand lebt in Chile in bitterer Armut wie in den umgebenden Ländern. Schulen und Gesundheitsversorgung funktionieren. Wie genau kommt Ihr von da zu Hayek und zu Pinochet? Wäre Euch ein post-kommunisitscher Chaotenstaat lieber?

      • Linus Huber sagt:

        Ich kenne die Geschichte Chiles zuwenig, um hier wirklich landesspezifische Aussagen machen zu koennen. Wenn dies, was Sie hier andeuten, tatsaechlich die heutige Situation ist, muss ich mich fragen, ob die Kommentatoren hier nicht in der Lage sind, die laengerfristigen Zusammenhaenge zu erkennen und sich einfach auf eine politische Figur, welche anscheinend ein brutaler Diktator war, fokusieren. Wenn heute in Brasilien taeglich eine hohe Zahl an Morden passieren, hat dies in deren Augen wohl keinen Zusammenhang zur gesellschaftlichen Ordnung, welche dort herrscht.

    • Oliver sagt:

      Spannend ist auch, wie dieser Beitrag die autortären Züge der Kommentatoren hervorbringt. Vielleicht sollten diese zuerst den gelinkten Artikel lesen, aus dem das Zitat stammt…

      Ich komme wieder auf meine Bibel des Neoliberlismus zurück (siehe Link):

      [1] THOU SHALT REVIVE AUTHORITY IN A NEW GUISE
      The starting point of neoliberalism is the admission, contrary to classical liberal doctrine, that their vision of the good society will triumph only if it becomes reconciled to the fact that the conditions for its existence must be constructed, and will not come about “naturally” in the absence of concerted political effort and organization.

      [4] THOU SHALT RETASK THE STATE TO THY NEEDS
      A primary ambition of the neoliberal project is to redefine the shape and functions of the state, not to destroy it…
      …they are inclined to explore new formats of techno-managerial governance that protect their ideal market from what they perceive as unwarranted political interference….

      [5] THOU SHALT REDEFINE DEMOCRACY
      …The neoliberals generally have to bend in pretzels to deny that in their ideal state, law is a system of power and command, and is, rather, a system of neutral general rules applicable equally to all, grounded in something other than the intentional goals of some (that is, their own) group’s political will…

      [7] THOU SHALT REDEFINE FREEDOM AND KNOWLEDGE
      for neoliberals, what you think a market really is seems to determine your view of what liberty means..

      • Ueli der Hecht sagt:

        @Oliver
        Amen Brother!

      • Baer sagt:

        Mirowski ist ein genialer Autor.

      • Linus Huber sagt:

        Oh, das wichtigste wird mal wieder schoen unterlassen:

        You shall trust the bankers

        Daran haengt naemlich alles, meine lieben Zentralbankerglaeubigen Apostel.

      • Linus Huber sagt:

        “Allende’s public spending which was financed mostly by printing money”

        Als ich diesen Hinweis las, ging mir das Licht auf. Es ist einfach eine geile Logik, dass man glaubt, mit Geld drucken Wohlstand erzeugen zu koennen. Wow, dann druckt mal schoen weiter.

      • Oliver sagt:

        [11] THOU SHALT TRUST THE BANKERS

        The market (suitably reengineered and promoted) can always provide solutions to problems seemingly caused by the market in the first place. This is the ultimate destination of the constructivist orientation within neoliberalism. Any problem, economic or otherwise, has a market solution, given sufficient ingenuity: pollution is abated by the trading of “emissions permits”; inadequate public education is rectified by “vouchers”; auctions can adequately structure exclusionary communication channels; poverty-stricken sick people lacking access to health care can be incentivized to serve as guinea pigs for privatized clinical drug trials; poverty in underdeveloped nations can be ameliorated by “microloans”; terrorism by disgruntled disenfranchised foreigners can be offset by a “futures market in terrorist acts.” Suitably engineered boutique markets were touted as a superior method to solve all sorts of problems previously thought to be better organized by governments: everything from scheduling space shots to regulating the flow through airports and national parks. Economists made money by selling their nominal expertise in setting up these new markets, rarely admitting up front that they were simply acting as middlemen introducing intermediate steps toward future full privatization of the entity in question…

      • Oliver sagt:

        Den Rest frisst mir der Filter nicht, aber wie oben gesagt, sollten Sie vielleicht vorher lesen was zitiert wird bevor Sie sinnentleerte Meinungsfragmente dazu ausscheiden.

        • Linus Huber sagt:

          Der Text bestaetigt meine Aussage. – Danke

          Jedes Problem, welches durch die Zentralplanung kreiert wird, ruft nach weiteren Regeln, weitere kuenstlich geschaffene Maerkte und weiteren Buerokraten, welche diese ueberwachen.

          • Oliver sagt:

            Dann sollten Sie vielleicht Leseunterricht nehmen. Sie lesen in jeden Text und jede Aussage einzig das hinein, was Sie bereits zu wissen meinen. Confirmation bias nennt man das: http://en.wikipedia.org/wiki/Confirmation_bias

            Es ist kein einziges Mal in dem Textabschnitt von Zinsmanipulationen durch Zentralbanker und den vermeinltlich korrumpierenden Auswirkungen auf das Verhalten der ahnungslosen Untertanen die Rede. Und das ist der einzige Argumentationsstrang, den ich in ihren eifrigen Missionsversuchen ausfindig machen kann. Eine ziemlich monokausale Verschwörungstheorie, wenn Sie mich fragen.

          • Linus Huber sagt:

            Ich stimme Ihnen zu, dass es sich um ein monokausales Argument handelt. Ich bin kein Anhaenger von Verschwoerungstheorien, obwohl man sich manchmal fragen koennte, ob manch ein Zentralplaner wirklich so beschraenkt sein kann.

            Jedoch sind die Auswirkungen keinesweg mono, sondern deren viele, denn das Medium Geld fliesst in jede Ritze der Gesellschaft, ist allgegenwertig und beeinflusst fast alles was wir tun. Oekonomische Lehre, welche sich nicht hauptsaechlich mit dem Verhalten der Gesellschaft befasst, ist nicht wirklich brauchbar. Es ist einfach laecherlich, von “Freiem Markt” zu labern, wenn der wichtigste Preis, welcher ueber Zeitpreferenzen der Menschen im Bereiche von Sparen, Investitionen und Konsum Auskunft geben soll, einer Dauermanipulation unterworfen wird, wodurch die Signale verfaelscht werden und dadurch vielen Fehlentwicklungen ermoeglichen oder gar foerdern und institutionalisieren.

            Ihr erster Kommentar Bestand in der Kritik an der Oesterreichischen Denkschule und ploetzlich werden hier die Neo-Liberalen Ideen eingefuehrt, als ob es sich um das gleiche handeln wuerde. Dies mag verwerflich sein, oder ganz einfach auf Ignoranz beruhen, denn das eine hat mit dem andern gar nichts zu tun. Neo-Liberalismus ist der Ausbau einer unerkannten und verdeckten Umverteilung von unten nach oben und dies in Anspruchnahme eines sich krebsartig ausweitenden Staatsapparates, welcher wirklichen Wettbewerb durch nie ausufernde Erhoehung der Anzahl von Bestimmungen untergraebt.

          • Oliver sagt:

            Making things up as you go along…

            http://en.wikipedia.org/wiki/Neoliberalism

            Unterkapitel:

            Mont Pelerin Society
            Chile
            Austrian School of Economics

          • Josef Marti sagt:

            Na ja, das mit dem krebsartigen Staatsapparat steht schon ein wenig quer in der Landschaft Herr Huber ; überall wird der schlanke Staat propagiert und im Rahmen der EU Spar- und Kürzungsprogramme, Schuldenbremse etc. brav zusammengestrichen. Man kann natürlich auch den ganzen Justiz- und Vollzugsapparat schleifen und am Schluss vielleicht sogar das Militär (das ansonsten immer unangetastet bleibt); dann ists aber vorbei mit dem Rechtsschutz usw. für den Normalbürger und es verbleibt vielleicht noch ein Rest-Nachtwächterstaat für die Besitzenden. Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass man die Ordonanzwaffe unglücklicherweise nicht bereits abgegeben hat und seine Goldbarren im Tresor mit den nackten Händen verteidigen muss. Die Japaner haben diese Gefahren schon früher erkannt und sind deshalb Weltmeister im Anschaffen von Tresoren; daneben sind sie geübt im Umgang mit dem Samuraischwert.

          • Linus Huber sagt:

            @ Josef

            Haben Sie die Entwicklung der Staatsquoten ueber die letzten 60 Jahre betrachtet?

          • Josef Marti sagt:

            Gutes Stichwort Staatsquote, va. zB USA, die haben ja eine moderate; da die hohen exponentiell ansteigenden Strafvollzugs- und Gefängniskosten aber ins BIP fliessen sieht die Statistik gar nicht schlecht aus, allerdings fehlt das Geld und es müssen bekanntlich immer wieder mal Staatsangestellte in unbezahlten Urlaub geschickt werden (war übrigens schon in den 90ern bei Clinton der Fall bzw. kein so neues Szenario). Die Amis sind jetzt dazu übergegangen Gefängnisse zu privatisieren und/oder überwiegend abgerichtete Hunde als Wächter einzustellen.
            Psychiatrische Anstalten werden sodann immer wieder mal mit einer “Amnestie” belegt, also Insassen $200 in die Hand gedrückt und in den nächsten Greyhound Bus gesetzt in Richtung eines anderen Bundesstaates.
            Also alles in allem eine wirklich effektive Krebs-Chemotherapie des Staatsgeschwürs.

            Ansonsten muss man ja sagen dass es auch andere gute Länder gibt zB Bulgarien mit ca. 34% Staatsquote oder noch besser Moldavien, nicht so schlecht, die stören sich sicher auch nicht an meiner Ordonanzwaffe.

          • Linus Huber sagt:

            @ Oliver

            Wir muessen 2 Themen voneinander halten. Auf der einen Seite haben wir den Namen Hayek und auf der anderen die Oestereichische Denkschule.

            Ich kann mich mit Ihnen einverstanden erklaeren, dass Hayek, gerade aus dem Grunde, dass er die Gedanken der Oesterreichischen Denkschule in einer organisierten Form forcierte, dadurch den eigentlichen Inhalt der Oesterreichischen Denkschule verletzte, denn dadurch machte er sich zum Kumpanen der Sozialisten, welche die Idee der Oesterreichischen Schule in einem Ihnen beliebigen Kontext anwenden wuerden. Wenn die Kuenstler der Manipulation eine Idee aufnehmen und lieben, muss man sehr schnell vorsichtig werden. Hayek hat dies nicht wirklich erkannt und ist in diese Falle getappt.

        • Linus Huber sagt:

          Wenn Sie obige Auflistung richtig analysieren wuerden, handelt es sich quasi in jedem Fall um eine Konstruktion eines Marktes, welche aufgrund staatlicher Verordnung entsteht. Wie schon ausgefuehrt, hat dies nichts mit der Idee einer “Freien Marktwirtschaft” zu tun, sondern die Idee des “Freien Marktes” wird fuer planerischen Aktivismus benutzt, um moeglichst alles zu kontrollieren. Einen “Freien Markt” muss man nicht kreieren, sondern er entwickelt sich aufgrund menschlicher Beduerfnisse automatisch. Es sind kuenstliche Gebilde, welche einzig dazu dienen, dass sich eine Gruppe von Leuten zulasten der Allgemeinheit bereichern kann.

    • ralph kocher sagt:

      Habgierige Privatwirtschaft bedingt anstelle einem Zurückschrauben (Masshalten) nur den Weg in die Diktatur, dort die Goldesel immerhin wichtige Funktionen innehalten werden (ohne dass sie Abstriche tätigen sollen)? Oder habe ich etwas übersehen…?

      • Ueli der Hecht sagt:

        @Ralph Kocher
        Im Kapitalismus ist die “offene” Diktatur / der “permanente Ausnahmezustand” eine Möglichkeit, die erst dann ins Auge gefasst wird – wenn die Massen tatsächlich nicht mehr das Spielchen mitspielen wollen. Vorher weiss man sich mit anderen “Mitteln” zu helfen. Trotzdem scheint mir die Sorge gewisser Zeitgenossen nicht übertrieben, welche den “neuen Faschismus” im “demokratischen Gewand” kommen sehen. Der “Krieg gegen den Terror” nach dem 11. September 2001 war die “Testphase” – genau so wie Chile unter Pinochet die “Testphase” für die Implementierung neoliberaler Politik war. Übrigens: Der demokratisch gewählte Präsident von Chile (Salvador Allende) wurde – an einem 11. September vor 40 Jahren ermordet.

        • Linus Huber sagt:

          welche den “neuen Faschismus” im “demokratischen Gewand” kommen sehen

          Den muss man nicht kommen sehen, dieser besteht seit Jahrzehnten.

    • Linus Huber sagt:

      Diktatur, wie Krieg, ist immer ein Uebel. Wie im Falle von Krieg, laesst sich eine Diktatur nur dann rechtfertigen, wenn dadurch eine viel umfassendere, striktere und permante Form von Diktatur verhindert werden kann.

      Ebenfalls kann Diktatur niemals gerechtigtfertigt werden, um marktwirtschaftliche Verhaeltnisse zu schaffen, da diese grundsaetzlich auf einer moeglichst grossen Freiheit der Bevoelkerung beruhen muessen.

      Man kann sich daher fragen, wer im allgemeinen staerkere diktatorische Verhaeltnisse anstrebt, derjenige welcher saemtliches zu regeln, manipulieren und steuern versucht, oder jener welcher sich nicht versklaven lassen will.

      • Linus Huber sagt:

        Wer will z.B. Syrien bombardieren? Es sind die Kuenstler der Manipulation und nicht die friedliebende Bevoelkerung, welche eine Politik der Nicht-Einmischung vorziehen wuerde…

        • Ueli der Hecht sagt:

          @Linus Huber
          “Wer will z.B. Syrien bombardieren?” Schauen Sie sich doch auf youtube die Rede von Salvador Allende vor der Uno (1972) an.

          • Linus Huber sagt:

            Ich muss nicht irgendwo schauen wer dies ist, sondern es sind immer jene, welche einzig Macht als ihr persoenliches Ziel erkennen und im Lager der Kuenstler der Manipulation zu suchen sind. Kriege ohne selber in Gefahr zu sein, hat nichts mit Selbstverteidigung zu tun, sondern ist einzig Politik unter Anwendung von Gewalt und hat nichts mit dem Gedankengut der Oesterreichischen Lehre zu tun.

  16. Chile hat das Problem vor vielen Jahren wie folgt gelöst: Wer immer in den 80er und 90er Jahren in Chile investieren wollte, musste einen bestimmten Prozentsatz des eingeführten Kapitals als Steuern an den Staat abliefern.

    Mit diesem Geld konnte Chile die staatliche Infrastruktur ausbauen. Denn neue Firmen bedingen mehr Strassen, mehr Spitäler. Sie bieten Gelegenheiten für gut ausgebildete Angestellte, was Schulen und Ausbildungsstätten erfordert. So konnte Chile für die Investoren ein gutes Umfeld schaffen. Eine funktionierende Justiz und Rechtssicherheit gehört dazu.

    Zudem überlegt sich jeder Investor dreimal, ob er sein Kapital wieder abziehen will, nachdem er davon schon 5% Steuern abzweigen musste.

  17. anton Schneider sagt:

    Es sind doch die Politiker, die mit mit Marktmanipulationen die Geldströme bestimmen und die eigene Bevölkerung enteignen!
    0 Zinsen für die hochverschuldete USA und Europa – das Geld muss rentieren (ja muss!!) also geht es in die Länder, welche noch etwas leisten wollen. Es geht aber zurück, wenn die Manipulationen aufhören, da die Wirkungslosigkeit eingesehen wird, und die Zinsen wieder erhöht werden. Die Märkte sind heute durch die Politik fehlgeleitet!

    • Ueli der Hecht sagt:

      @Anton Scheider
      Nix verstanden Herr Scheider! Die Wirtschaftspolitik / Zinspolitik von USA und EU ist nun mal für das global operierende Kapital wichtiger als die von Indien oder Brasilien – da liegt der Hund begraben. Hier geht es nicht um irgendwelche ominösen “Staatsmanipulationen”, welche aus “Unwissenheit” der politischen Akteure “in die Hose gehen” – sondern um Wirtschaftskrieg zwischen Nationen / Währungsräumen / Kontinenten!
      Bei der ganzen “Globalisierung” handelt es sich um nichts anderes als Krieg – ein einziges Schlachtfeld des Kapitals, welches expandieren muss. Im 19. Jahrhundert wurde diese Politik noch mit Kanonenbooten und Opium betrieben.

    • Josef Marti sagt:

      Staatsanleihen von zB USA, China oder Italien geben immerhin je nach dem 3 bis 5%.

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