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Die ungelenkte Rakete der Eurozone

Markus Diem Meier am Mittwoch den 27. März 2013
Jeroen Dijsselbloem während einer Sitzung des Europa-Parlaments in Brüssel, 21. März 2013. (AP/Virginia Mayo)

Agiert ungeschickt: Der niederländische Finanzminister und Vorsitzender der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, während einer Sitzung des Europa-Parlaments in Brüssel, 21. März 2013. (AP/Virginia Mayo)

Erst seit kurzem im Amt, tritt Jeroen Dijsselbloem – der Nachfolger Jean-Claude Junckers an der Spitze der Eurogruppe – in ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Das ist leider alles andere als spassig.

Am Montagmorgen schien in der Eurozone wieder einmal die Sonne zu scheinen. Die nächste Krise der Eurokrise schien fürs Erste gelöst zu sein. Für Zypern wird zwar nun alles vorerst viel schlimmer, doch das lässt sich angesichts eines Bankensektors nicht verhindern, der alles andere als nachhaltig aufgebaut war und jetzt weitgehend bankrott ist (hier ein ernst zu nehmender Tipp für das Land von Paul Krugman). Kollege Tobias Straumann hat im letzten NMTM-Beitrag berichtet, in welch bedenklichem Zustand das Land bereits in die Eurozone Eingang gefunden hat.

Die Freude über die Lösung hat aber auch in der übrigen Welt nicht lange angehalten. Am Montagnachmittag hat wieder die Angst dominiert. Ein gutes Barometer für die Stimmungsschwankungen waren die Aktienkurse der europäischen Banken. Unten der Chart des Stoxx-Bankenindexes. Am Morgen des Montags (25.3.) gehen die Kurse noch hoch, später fallen sie aber drastisch.

Der Grund für die neuen Ängste hat einen Namen: Jeroen Dijsselbloem. Die Kursreaktion war eine unmittelbare Folge eines Interviews, das der neue Chef der Eurogruppe der Nachrichtenagentur Reuters und der «Financial Times» (hier mehr dazu via «FT Alphaville») gegeben hat. Die Eurogruppe ist das politische Organ der EU für die Eurozone. Hier einige der Sätze, die für Unruhe gesorgt haben:

«If there is a risk in a bank, our first question should be: ‹Ok, what are you the bank going to do about that? What can you do to recapitalise yourself?› If the bank can’t do it, then we’ll talk to the shareholders and the bondholders. We’ll ask them to contribute in recapitalising the bank. And if necessary the uninsured deposit holders: ‹What can you do in order to save your own banks?›... It will force all financial institutions as well as investors to think about the risk they are taking on. They will have to realise it may also hurt them, the risks might come towards them instead of pushing them away.»

Tönt doch gut: Wenn Banken zu grosse Risiken eingehen, dann sollen im Notfall diejenigen dafür bluten, die ihnen das Geld geben: die Aktionäre, die Anleiheninvestoren, die reichen Depositäre und wieso eigentlich nicht auch noch die Kleinsparer – deren Einlagen man bisher versichert hat. Ja, ich weiss, diese letzte Idee stamme von den Zyprern selbst, heisst es. Die Euroländer hätten sich davon distanziert. Das ist aber nicht die ganze Geschichte. Denn sie hatte einen prominenten Anhänger, der sie gleich auch für die ganze Eurozone für tauglich befand. Erraten: Das war ebenfalls unser Jeroen Dijsselbloem. Warum die Idee mit dem Beizug der Kleinsparer gefährlich ist, war Thema dieses Beitrags. Dijsselbloem hat die Aussagen beide im Nachhinein relativiert.

Was aber ist das Problem mit den Aussagen des Eurogruppenchefs und niederländischen Finanzministers? Zuerst einmal das Timing und die Art der Kommunikation.

Dijsselbloem verkündet eine neue Strategie der Euroländer im Umgang mit den Banken der gesamten Eurozone, bevor klar ist, wie die die beschlossenen Massnahmen im Fall von Zypern sich überhaupt auswirken: Noch weiss niemand, welche Konsequenzen sie für das kleine Land selbst, aber auch für andere und weit grössere Euroländer haben, vor allem dann, wenn diese dereinst wieder in den Panik-Modus verfallen. Felix Salmon von Reuters bringt es auf den Punkt:

Dijsselbloem’s interview today was undoubtedly a prime piece of political incompetence: there’s no reason at all for anybody in the Eurogroup to be drawing broader lessons from Cyprus at this point. The market can speculate about the Cypriot precedent all it likes; it behooves no politician to be clear about what they think it means, least of all the Eurogroup president. ...if you’re making policy on the fly in Cyprus, the last thing you want to do is turn that cobbled-together precedent into something semi-binding on the rest of the continent — whatever the policy might be.

Wie zur Bestätigung der von Salmon konstatierten politischen Inkompetenz widerruft Dijsselbloem noch am selben Montag den Kern des Interviews in einem kurzen «Statement». Von einer Verallgemeinerung des Fall Zyperns will er jetzt nichts mehr wissen:

«Cyprus is a specific case with exceptional challenges which required the bail-in measures we have agreed upon yesterday. Macro-economic adjustment programmes are tailor-made to the situation of the country concerned and no models or templates are used.»

Aber das ist noch nicht die ganze Geschichte. Es ist unbestritten, dass Banken und ihre Besitzer bzw. Anleihengläubiger für die eingegangenen Risiken zuallererst selbst geradestehen sollten und nicht die Steuerzahler. Aber das ist einfacher gesagt als realisiert. Der neue Eurogruppenchef scheint sich wenig mit Bankenkrisen befasst zu haben.

  • Tatsächlich «bluten» im Falle eines Zusammenbruchs einer unterkapitalisierten systemrelevanten Bank (wobei die Abgrenzung im Voraus schwer ist) Unbeteiligte weit mehr als nur die Kapitalgeber dieser Bank. Einerseits werden dadurch neben den Depositären auch Einlagen anderer Banken und Unternehmen betroffen, was diese ebenfalls in Schwierigkeit bringt. Banken müssen dann womöglich Notverkäufe von Anlagen vornehmen, was den Wert aller Vermögen senkt und die Bilanzen aller weiter schwächt. Der Sturm auf die Banken wird dadurch erst recht angeheizt. Weil Liquidität knapp wird, werden Kredite nicht mehr oder nur noch zu sehr teuren Sätzen vergeben. So zeigt die Geschichte: Der Zusammenbruch von wichtigen Banken hat über alle diese und weitere Transmissionsmechanismen zum Zusammenbruch weiterer – auch gesunder Institute – und zu schweren ökonomischen Krisen geführt.
  • Die Risiko-Anreize für Banken sind daher sehr asymmetrisch. Bei hohen eingegangenen Risiken sind ihre Verluste auf das eingesetzte Kapital (anders als für die Allgemeinheit) beschränkt, während die Gewinne im Erfolgsfall ihnen allein zukommen und potenziell unbeschränkt sind. Sie sind für Aktionäre in Prozent des eingesetzten Kapitals umso höher, je grösser der Anteil des Fremdkapitals ist. Das ist der sogenannte Hebeleffekt oder Leverage.
  • Ein Staat kann sich gar nicht leisten, wichtige Banken im Krisenfall untergehen zu lassen. Der Schaden für die Gesamtwirtschaft wäre zu gross. Implizit garantiert der Staat daher den Erhalt einer für systemrelevant gehaltenen Bank. Und das wissen die Banken und ihre Kapitalgeber. Wegen dieses geringeren Risikos für sie zahlen die Banken auch geringere Kapitalmarktzinsen, als sie es ohne diese implizite Garantie tun müssten.
  • Damit die Risiken für die Steuerzahler tatsächlich geringer werden, sind Transparenz, eine gute Regulierung und dicke Eigenkapitalpuffer für Banken notwendig, die solche Systemkrisen weniger wahrscheinlich machen. Angesichts der gleichen Währung und des offenen Kapitalverkehrs innerhalb der Eurozone braucht diese auch eine gemeinsame Bankenaufsicht mit Zähnen, das heisst mit der Möglichkeit, Banken geordnet abzuwickeln. Doch bei diesen Voraussetzungen dafür, dass der Schaden eines Bankenzusammenbruchs möglichst beschränkt werden kann, machen die Europolitiker kaum Fortschritte.
  • Ausserdem sind Absicherungsmechanismen vonnöten, die eine Krise nicht gleich explodieren lassen, wenn eine wichtige Bank – zu Recht oder zu Unrecht – als gefährdet gilt. Zu diesen Absicherungsmechanismen gehört eine Einlagenversicherung. Wenn eine Krise ausbricht, muss verhindert werden, dass alle um ihr Geld auf den Banken fürchten und es sogleich abziehen wollen. Denn sonst erfüllt sich die negative Prophezeiung: Die Banken sind dann tatsächlich existenziell bedroht und damit ganze Volkswirtschaften.

Nach all diesen Ausführungen sollte klar sein, was das Problem mit Dijsselbloems Aussagen ist. «FT Alphaville» bringt das folgendermassen auf den Punkt:

«It’s a direct call to depositors across the eurozone - retail and corporate alike - to move cash now and spread it across a portfolio of the largest available banks. It’s direct advice to dump bank debt. And it’s a direct invitation to speculate that the EFSF, the ESM, and the rest of the alphabetic bailout soup is going to be discarded in favour of calling on depositors’ money across the Continent.»

Sollten die Krisenängste wieder zunehmen, werden alle Bankeinleger wissen, dass ihr Geld dann besonders gefährdet ist, und es abzuziehen versuchen. Das kann eine kleine Krise wie beschrieben zu einem Flächenbrand werden lassen.

Auch die Idee, dass der Rettungsschirm ESM aller Eurostaaten gefährdeten Banken beispringen soll, wird durch Dijsselbloems Aussagen in Frage gestellt. Ihr liegt die Überlegung zugrunde, dass Eurostaaten mit eigenen dramatischen Finanzierungsproblemen zu wenig Vertrauen als Garanten von Banken geniessen. Niemand glaubt, dass sie die Sicherheit von Einlagen wirklich gewährleisten könnten. Je glaubwürdiger eine solche Sicherheit (wie durch einen Rettungsschirm oder eine Zentralbank in ihrer Funktion des Lender of Last Resort) im Krisenfall bereitsteht, desto weniger kostet sie, weil dann kaum Gründe für eine Kapitalflucht bestehen. Die Aussagen von Jeroen Dijsselbloem könnten die Kosten zur Wiederherstellung des Vertrauens im Fall einer nächsten akuten Bankenkrise in einem Euroland massiv erhöht haben.

Der Eurogruppenchef erinnert mit seinem Verhalten an eine «Unguided Missile» - eine ungelenkte Rakete. Man weiss nie, wo sie einschlägt und welchen Schaden sie anrichtet, während eine durchdachte Strategie nicht erkennbar ist.

Hinweis:

Zur Krise in der Eurozone hier als Empfehlung ein Interview meiner Kollegen Philippe Béguelin und Alexander Trentin mit einem Ökonomen aus Deutschland, der mit seinen Aussagen dort bestimmt nicht in der Mehrheit ist: Heiner Flassbeck.


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74 Kommentare zu „Die ungelenkte Rakete der Eurozone“

  1. Martin Holzherr sagt:

    Der Artikel zeigt exemplarisch wie wenig weit fortgeschritten die europäische Integration ist, wenn man liest “Ein Staat kann sich gar nicht leisten, wichtige Banken im Krisenfall untergehen zu lassen”, denn es sollte ein Prozederefür das Abwickeln von Banken in der ganzen Eurozone geben und diese Abwicklung sollte nur sekundär durch nationale Kriterien bestimmt sein. Richtig müsste es wenn schon heissen: Die EU- Zone kann es sich gar nicht leisten, wichtige Banken untergehen zu lassen ohne ein Auffangsystem bereitzustellen.
    Länder außerhalb der Eurozone wie Island haben aber gezeigt, dass es auch besser sein kann die eigenen Baken Bankrott gehen zu lassen, dann nämlich wenn das Bankensystem ohnehin redimensioniert werden muss. In Island ist der Bankensektor seit der Krise auf einen Fünftel geschrumpft und das ist auch gut so für das Land.
    Mich wundert nur, dass der Autor dieses Beitrags wieder vom richtigen Vorgehen für einzelne Länder spricht, so als gäbe es die Eurozone gar nicht.

  2. Hans U. Schoch sagt:

    Dass einzelne Leute – wiez.B. dieser Dijsselbloem mit seiner Arroganz und Respektlosigkeit – derart fahrlässig agieren können, sehe ich als existenzbedrohende Gefahr für alle Bürger im europäschen Raum. Wir sollten uns warm anziehen !!

    • Linus Huber sagt:

      Dijsselbloem ist nicht existenzbedrohend fuer die EU, sondern die EU ist eine Bedrohung fuer die demokratischen und Rechtsstaatlichen Werte in Europa mit dem einhergehenden Verlust der Selbststaendigkeit und Freiheit der Bevoelkerung. Ich ziehe Dijsselbloem einem Junker 10x vor, da er wenigsten manchmal die Wahrheit sagt, waehrend Junker so schluepfrig und unverbindlich wie ein Fisch ist und Lug und Betrug der Sinn seines Lebens darzustellen scheint.

      • Johnny Smith sagt:

        Nun, ich bin (noch?) nicht Fan geworden von Dijsselbloem, aber im Grunde hat er in er seiner hier zitierten Aussage nicht mehr als das im Konkursrecht vorgesehene Vorgehen beschrieben. Er hat also hier einfach mal die Wahrheit gesagt, was weder tolpatschig noch “fettnäpfig” ist.

        Dass diese Regeln natürlich bei all den vorhandenen TooBigToFail-Banken mit zu hohem Leverage problematisch ist, stimmt durchaus. Das Prolem liegt aber nicht an den Regeln oder deren Zitieren, sondern bei solchen Banken…

      • Hans U. Schoch sagt:

        Linus bezieht sich zwar nicht direkt auf obigen Kommentar…aber ich kann seine Meinung verstehen und auch teilen. Ganz besonders, was Juncker betrifft.

    • Stefan Wiesendanger sagt:

      Jeroen Dijsselbloem ist ein Segen für die Eurozone. Er hat als Finanzminister von NL die Bank SNS Reaal verstaatlicht mit einem vollen Bail-in der Kapitalgeber. Wenn er es schafft, das Prinzip “Haftung” wieder einzuführen, ist viel erreicht. Solange das nicht passiert, dauert die Krise an.
      Arrogant und respektlos war allenfalls, den Irischen Staat seinerzeit zu zwingen, für alle Bankverbindlichkeiten geradezustehen. Man nehme die Gläubiger der irischen Banken einmal unter die Lupe, dann zeigt sich, wo die Arroganz zu hause ist…

    • Thomas sagt:

      @ Schoch

      Ihre Tirade gegen Dijsselbloem ist uninformiert. Eben hat Klaas Knot, Exekutivmitglied der EZB und Notenbankchef von Holland die Aussagen von Dijsselbloem bestätigt:

      Die Enteignung von privaten Bank-Guthaben wird künftig Teil der „europäischen Liquidierungs-Politik sein“. Die EZB will, dass die Banken ihre Bilanzen in Ordnung bringen. Der einfache Sparer sollte sich nun gut überlegen, wie viel Geld er auf welcher Bank belassen will.

      Reuters hat von Klots Sprecherin die Bestätigung, dass die Aussage dieses Niederländers definitiv kein Missverständnis ist. Klot trägt damit die neue Doktrin der EZB offiziell vor: Zypern ist die Blaupause geworden. Dies gilt in Bankenkreisen mittlerweile als neue Lage: Die vielbeschworene Einlagen-Sicherung ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist.

      Oder kurzgefasst: Die EZB bestätigt, dass die Bank-Guthaben in Europa nicht mehr sicher sind.

      Originaltext von Klot: But Knot, who sits on the bank’s main decision-making body, said: “There is little wrong with Dijsselbloem’s remarks.

      “The content of his remarks comes down to an approach which has been on the table for a longer time in Europe. This approach will be part of the European liquidation policy.”

      Knot’s comments, reported by Dutch daily Het Financieele Dagblad, were accurate, a spokesman for the central banker said.

      Von wegen “unguided missile” (MDM) und “Respektlosigkeit” (Schoch).

  3. ulswiss sagt:

    Es war ja zu erwarten, dass man Jeroen Dijsselbloem bald zu demontieren versuchen wird. Er sagt, was Sache ist ! Von wem müsste er denn gelenkt werden ? Von der Euroturbos ?

  4. Matthias Vogelsanger sagt:

    Jeroen Dijsselbloem ist nicht meht tragbar.

    • Marcel Senn sagt:

      Sie stehen wohl eher auf Verharmloser und Verniedlicher – na gut man kann die Eurozone auch mit Kuschelkommunikation an die Wand fahren…das Resultat ist ziemlich ähnlich

  5. ulswiss sagt:

    Es war ja zu erwarten, dass man Jeroen Dijsselbloem bald zu demontieren versuchen wird. Er sagt, was Sache ist ! Von wem müsste er denn gelenkt werden ? Von der Euroturbos ?
    Bei jeder Bankenpleite oder Staatspleite trifft es Unschuldige. Falls dies in Zypern passieren wird, so wird der Unschuldigste welcher leiden wird, z.B. der deutsche Steuerzahler und Sparer sein. Aber auch die Schweiz wird verlieren, weil sie über den IWF auch drin hängt.

  6. Anh Toan sagt:

    “Die Risikoanreize für Banken sind daher sehr asymetrisch”

    Dies gilt für den Kapitalismus an sich:

    Wenn wir alle nackt geboren werden, resultieren alle unsere Ersparnisse aus Gewinnen, welche uns die Gesellschaft exklusiv überlassen hat. Machen wir nun Verluste, nimmt uns die Gesellschaft alles weg (Konkurs), die Gesellschaft kann jedoch nie mehr wegnemmen, als sie uns vorher gelassen hat, abzüglich was wir davon konsumiert haben. Den übrigen Verlust trägt die Allgemeinheit.

    Im Kapitalismus sind die Gewinne unbegrenzt, die Verluste, welche die vorher privatisierten Gewinne übersteigen, werden immer auf die Allgemeinheit abgewälzt.

    • Patrick sagt:

      In ihrem Beispiel habe ich Mühe zu verstehen, wie Verluste die vorher privatisierten Gewinn übersteigen können. Das ginge nur, wenn extern Schaden verursacht wurde.
      Sie haben insofern recht, als dass in der Tat das Verlustrisiko auf -100% begrenzt ist und die Gewinnchance prinzipiell unendlich ist.
      Das ist aber nicht wirklich ein Problem des Kapitalismus, sondern liegt in der Natur der Natur, dass wir selten weniger als nichts haben können (in der Praxis ist’s dann egal, ob 0 oder -5 Mia.).
      Und nein, nicht die Gesellschaft hat uns das gnädigerweise überlassen… wir haben der Gesellschaft etwas angeboten, das sie wollte, weshalb sie uns eine Gegenleistung erbringen musste.

      • Anh Toan sagt:

        Wenn es denn in der “Natur der Natur” liegt, dass wir nicht weniger als nichts haben können, letztlich also die Allgemeinheit die Verluste trägt, müsste dann nicht die Allgemeinheit den ganzen Gewinn erhalten?

        Mit Gewinne überlassen haben ich nicht “gnädigerweise” oder unberechtigterweise oder sonst eine Wertung gemacht, nur beschrieben, dass unsere Gesellschaftsordnung Teile von Gewinnen (Nach Steuern) Privaten exklusiv überlässt, obwohl deren Verlustanteil auf die vorher erhaltenen Gewinne begrenzt ist.

        • Anh Toan sagt:

          Und mit diesem Post versuchte ich klarzumachen, dass die Frage nur ist, wer von der Allgemeinheit die Verluste trägt, da der Konkursit (hier Banken oder Staaten) diese nun mal nicht tragen kann (weniger als nichts können sie nicht haben, gemäss der Bilanz haben sie aber weniger als nichts, und nicht nur einen Teil des Aktienkapitals verloren):

          In Frage kommen die untersten Schichten über Verstaatlichung der Schulden und Inflationierung der Währung: Die Sparer, Rentner (Bankanleihen) und die Reichen (AK und Bonds) zahlen zwar mit, jedoch werden am härtesten die Lohn- und Rentenempfänger durch Kaufkraftverluste getroffen. (Meinung: Das ist das beste am Euro, dass der Politik diese Möglichkeit nicht mehr offen steht)

          Das Ausland: Aus zypriotischer Sicht entweder die deutschen Steuerzahler oder die russischen Einleger.

          Der einheimische Steuerzahler.

          Die Reichen (Aus- und/oder Inländer) über grossangelegte Enteignungsprogramme.

          Wobei alle Massnahmen immer indirekte Auswirkungen auf übrige Teile der Bevölkerung haben (die enteigneten Russen konsumieren auch nichts mehr in Zypern usw.)

    • Linus Huber sagt:

      “Im Kapitalismus sind die Gewinne unbegrenzt, die Verluste, welche die vorher privatisierten Gewinne übersteigen, werden immer auf die Allgemeinheit abgewälzt.”

      Der Verlust muss beim Risikonehmer verbleiben, ansonsten es sich nicht um ein kapitalistisches System handelt.

  7. Christian Fleischer sagt:

    Motto des Peter-Prinzipes: “Jeder wird so lange befördert, bis er den Grad seiner Inkompetenz erreicht hat”

  8. Anh Toan sagt:

    @Mark Dittli: Sie haben eine 100 Pro Staatsgarantie auf Bankeinlagen und -anleihen impliziert, welche sich als nicht in vollem Umfang implizit erwiesen hat.

    Nun rufen sie “Foul”!

  9. Martin Holzherr sagt:

    Das zukünftige EU-Abwicklungssystem, wie es als Gesetzgebungsvorschlag seit dem letzten Sommer vorliegt, wird ein Bail-In, also eine Beteiligung der Bank und ihrer Gläuber beinhalten. Dijsselbloems Aussage, Zypern sei ein Modellfall ist sicher überzogen, denn Zypern mit seinem überdimensionierten Bankensystem ist ein Sonderfall. Doch der Grundgedanke, dass ein Bail-In zur Behebung von Bankenkrisen dazugehört, ist richtig und in Übereinstimmung mit der geplanten EU-Gesetzgebung. Nach diesen EU-Gesetzesvorschlägen würde im Sanierungs- oder Abwicklungsfall eine Rekapitlisierung mit Eigenkapital, eine Abschreibung von Fremdkapital oder eine Umwandlung in Aktien vorgenommen werden. Mit diesem geplanten EU-Gesetzeswerk soll ds Too-Bit-To-Fail-Problem angegangen werden und verhindert werden, dass die Rechnung stets beim Steuerzahler landet.
    Mir scheint auch wichtig, dass es damit einen Rahmen für ein Abwicklungsregime nach bekannten Regeln geben wird. Ad hoc-Vorgehen wie im Falle Zypern sind tatsächlich problematisch.

  10. markus roth sagt:

    weigstens ein euro-turbo der ehrlich gesprochen und seine meinung kund getan hat. nun wird er fertig gemacht.

  11. Josef Saner sagt:

    Köstlich, für einmal geht der Schwarze Peter nicht nach Deutschland. Dabei ist das einzige, was Deutschland und die Niederlande verbindet, die grenzenlose Liebe zur Sparsamkeit. Ich hoffe wirklich sehr, dass der Weltwirschaft eine weiche Landung gelingt, andernfalls es sehr ungemütlich werden könnte!

  12. Eric Pudles sagt:

    Die EU hat praktisch nur solche mehr oder weniger inkompetente Leute an ihre Spitze, oder in wichtigen Funktionen.Man nehme als Beispiel Mrs. Ashton (Aussenpolitik), oder gar den Chef Mr. Rompoy. Wie soll denn so ein riesiger Apparat funktionieren, wenn die leitenden Personen von dem was sie tun sollten oder tun müssten praktisch keine Ahnung haben.J.C. Junker war da eine löbliche positive Ausnahme.

    • will williamson sagt:

      Brüssel ist die Abschiebezentrale für Politiker, die man zuhause nicht mehr ertragen mag. Wieso der Juncker aus Luxemburg die positive löblliche Ausnahme war, ist mir nicht klar. Als Chef der sogenannten Eurogruppe hat er es seit 2008 auch nicht fertig gebracht, die Krise zu meistern – sofern das überhaupt beabsichtigt ist.

  13. Nicolas Pidoula sagt:

    Seit wann ist die Wahrheit Tollpatischigkeit? Allein diese Qualifikation lässt tief in das System blicken.

  14. Rooney, Bauma sagt:

    Ein weiteres Beispiel, nach Juncker, Barroso, Van Rompuy u.v.a.m., von unfähigem Beamten, welcher sich als Kopf auf dem Hals der EU festgesetzt hat und sich mit ihren unbedachten Aeusserungen eine goldene Nase verdient. Meistens sind dies ernannte Beamte, welche von ihren Heimatländern nach Brüssel abgeschoben wurden, weil sie im eigenen Land zu nicht zu gebrauchen waren. Mit solchen verbalen “Böcken” kann sehr viel Unruhe angerichtet werden und ein vielfaches an Schaden angerichtet werden, als das, was die ganze Sanierung von Zypern gekostet hat. Wer macht endlich den Anfang, diesen EU/EURO Spuk zu beenden! (Würde die Kosten für die R.I.P. Plakette aus meinem Sack spendieren!)

  15. Linus Huber sagt:

    Was ist der wirkliche Unterschied zwischen Junker und Dijsselbloem? Der erstere ist der bessere Luegner. Ansonsten ist dies eigentlich unwichtig fuer die gesamte Situation, welche einzig auf dem Vertrauen der Bevoelkerung in die Banken beruht, welches jedoch jederzeit evaporieren mag.

    Das wirkliche Problem liegt darin, dass wir einzig auf dem Prinzip Vertrauen und Hoffnung einer nicht nachhaltigen Situation nicht ins Auge sehen wollen. Die Banken sind in Wirklichkeit in der Mehrzahl Konkursfaelle und existieren einzig aufgrund der staatlichen Garantie, was im Endeffekt bedeutet, dass die Allgemeinheit die Kosten der Risiken traegt und nicht jene, welche sich zu diesen risikoreichen Investitionen entschlossen. Eigentlich ist dies seit mindestens 5 Jahren ein offenes Geheimnis und trotzdem hat die Elite sich nicht durchringen koennen, die Eigenkapitalquote der Banken durch entsprechende Massnahmen massiv anzuheben. Dies ist der wirkliche Skandal.

    Die jetzige Gangart versucht, durch entsprechend noch niedrigere Zinsen und unkonventionelle Massnahmen der Zentralbanken (inflationaere Geldpolitik) den Banken die Zeit zu geben zu gesunden. Wenn wir dies auch nicht direkt erkennen koennen, handelt es sich dabei ebenfalls um eine Subvention an die Banken zulasten der Allgemeinheit. Dijsselbloem versucht wenigstens (wenn auch auf problematischem Wege) die Kosten des Risikos wieder zu den Risikonehmern zurueckzufuehren, was grundsaetzlich ein richtiger Ansatz ist.

    Wir muessen einen anderen Weg erkennen, indem die geldpolitische Unterstuetzung an die Bevoelkerung geht und normale Sparguthaben damit beguenstigt werden und nicht das System der Banken. Wie schon frueher x-mal erklaert, ist es besser die Bevoelkerung mit einem festzulegenden Betrag zu beguenstigen, womit das Kreditvolumen (durch erzwungene Reduktion der Schulden) zulasten der Basisgeldmenge reduziert werden kann und somit die Macht der Banken gestutzt wird.

    Wir sollten die Banken nicht fragen, sondern handeln.

    • ast sagt:

      “Der erstere ist der bessere Luegner”

      Genau Herr Huber, da hat es Einer nicht geschafft die Wahrheit zu verbergen.

      • will williamson sagt:

        Beide sind bis aufs Mark ehrlich.! Juncker hat ja gesagt, wenn die Situation ernst sei, müsse man lügen und sein Nachfolger hat mangels ausreichender Erfahrung auf dem politischen Parkett gleich die Wahrheit gesagt und wurde dafür gerügt. Das politische Parkett ist eben glitschig wie eine Eisbahn!

    • G. Nardone sagt:

      @Linus Huber: Das schlägt auch der australische Ökonom Steve Keen vor …

    • G. Nardone sagt:

      @Linus Huber: Was Ihre “geldpolitische Unterstuetzung an die Bevoelkerung” betrifft. Sehe ich da ein Problem, nämlich dass damit eher nicht die faulen Kredite reduziert werden. Banken werden damit desto mehr auf faulen Krediten sitzen bleiben & weniger Einkommen generieren, was auch einen Banken-Kollaps nach sich ziehen würde. Denn was die sogenannten Fehlinvestitionen betreffen, es sind eigentlich Investitionen ins “Nichts”, vor allem die der Investment Banken, sind ja hauptsächlich gehebelte Ansprüche auf bereits bestehende Ansprüche; Wetten auf irgendwelche Ereignisse, finanziert durch Fremdkapital. Nichts real-wirtschaftliches wurde damit geschaffen, keine Deckung bzw. Pfand ist vorhanden, & die auch kaum Rendite generieren.

      Andere Lösung wäre, um die riesigen Privat-Schulden bzw. Investitionen ins “Nichts” zu eliminieren, auf der anderen Seite, der Vermögensseite, zu “zwingen”, diese Gelder auszugeben. Auszugeben in Konsum oder nachhaltige Investitionen in die Real-Wirtschaft. Müsste aber kontrolliert, reguliert, um keine weiteren Blasen damit zu verursachen, & über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen, sowie müssten volkswirtschaftlich nachhaltige Pläne ausgearbeitet werden, in die man dann investieren könnte.

      • Linus Huber sagt:

        @ Nardone

        Es geht um den Grundsatz. Die Banken kurzfristig verstaatlichen und mit massiv hoeherem Eigenkapital und entsprechenden Eigenkapitalvorschriften wieder privatisieren, wobei jegliche staatliche Unterstuetzung verfassungsmaessig verboten wird und auch keine Einlagegarantien mehr bestehen, womit der Anleger selber die Risiken der Banken zu bewerten hat (keine Angst, es werden sich genug Leute darum bemuehen, diese zu bewerten).

        Es geht um eine einmalige Massnahme mit entsprechendem Verbot zukuenftiger Erhoehung von Staatsschulden.

        Wir muessen uns nicht um die Wirtschaft sorgen. Gute Projekte finden immer Geldgeber und Investoren.

  16. ast sagt:

    Es wird gegenwärtig auf vielen Wirtschaftsseiten empfohlen die Grenze von Euro 100’000 zu berücksichtigen. Dies wegen der Einlagesicherung, darüber liegende Konto könnten stark “besteuert” werden. Ausserdem wird Kunden nun empfohlen auf verschiedene Bankinstitute zu diversifizieren. Die Sache hat aber einen Haken, denn wenn dies nun Alle tun, dann werden die Einlagesicherungen überlastet, da sie dann zu viel Kapital schützen müssen. Nicht mehr möglich wird es dann auch, zwischen Kleinanleger und Grossinvestor zu unterscheiden. Mit anderen Worten, bereits jetzt ist abzusehen dass auch die bisher geschützten Einlagen nicht gedeckt werden könnten, im Fall des Zusammenbruchs grösserer Banken.

    Anstelle der Höhe der Konto sollte aus meiner Sicht nun besser der Steuerausweis mit dem Vermögen der Anleger genommen werden um zwischen Kleinanleger und Grosskunden zu unterscheiden. Diese 100’000 sind nun in Europa nicht mehr länger zu decken nach Zypern.

    • Martin Holzherr sagt:

      Versprochen ist versprochen. Die Einlagengarantie bis zu 100’000 Euro kann nicht einfach zurückgenommen werden. So unglaubwürdig darf sich die Eurozone nicht machen. Dies nur zur obigen Aussage: “Diese 100’000 sind nun in Europa nicht mehr länger zu decken nach Zypern.”

    • ast sagt:

      “Ein Staat kann sich gar nicht leisten, wichtige Banken im Krisenfall untergehen zu lassen. Der Schaden für die Gesamtwirtschaft wäre zu gross”

      Islands Antwort auf die Krise zeigte im Verlauf, dass “systemrelevante Banken” lediglich eine Hypothese sind, die auf der Angst vor der Reaktion mächtiger enttäuschter Gläubiger basiert.

    • Linus Huber sagt:

      Ein guter Punkt. Ich habe dieses Vorgehen schon lange gewaehlt. Der gute Punkt besteht in der Tatsache, dass die Einlageversicherung nur als Beispiel, in der Schweiz auf 6 Mia. chf begrenzt ist, sofern ich mich richtig erinnere, und diese Summe von den Banken zu stellen ist. Gegenwaertig muessen die Banken 3 Mia. chf in Bereitschaft halten. Wer besser informiert ist, mag mich korrigieren. (6 Mia. durch sagen wir 2 Mio. Haushalte ergibt gerade mal chf 3000 pro Haushalt, also eine laecherlich kleine Summe, wenn ich mich nicht verkalkulierte)

      • will williamson sagt:

        So ist es, Herr Huber! Die gehen halt – ob zu recht? – davon aus, dass es einzelne Banken trifft und kein Supergau eintritt.

        “Im Fall eines Bankenkonkurses überweisen alle Mitglieder der esisuisse (alle Banken mit Geschäftsstellen in der Schweiz) innerhalb von fünf Tagen die geforderten Beträge an die esisuisse, insgesamt bis zu 6 Milliarden Schweizer Franken. So erhalten die Kunden bis zu CHF 100 000 ihrer Ersparnisse ausbezahlt.” Mehr Infos unter
        http://www.einlagensicherung.ch/

  17. Linus Huber sagt:

    Bislang operieren wir unter dem Prinzip der Erpressung der Banken, indem diese den Systemzusammenbruch als Drohung einsetzen. Es ist vielleicht an der Zeit, dass die Bevoelkerung den Spiess umkehrt und sagt, wenn die Banken ihre Mode of Operation nicht bald aendern und eben massiv hoehere Eigenkapitalquoten zulegen, wir als Gesellschaft ebenfalls in der Lage sind, dieses System zu kappen. Die Banken verweigern sich einzig aus Selbstinteresse der Elite, welche durch den hohen Hebel profitiert und werden darin von den Zentralbanken bestaerkt. Es liegt am politischen Willen, dieses korrupte Verhalten endlich zu stoppen, welche uns diese Dauermisere beschert.

    Dauernd wird aufgefuehrt, dass eine hoehere Kapitalquote das fuer die Wirtschaft notwendige Kapital reduzieren mag und somit eine rezessive Folge ausweisen mag. Betrachten wir jedoch die Reserven der Banken, liegen diese heute bedeutend ueber den Erfordernissen und lagern ruhig bei den Zentralbanken. Der Transmissionsmechanismus ist schon jetzt gestoert und wir muessen diesen nicht als Grund zur Verhinderung notwendiger Massnahmen anerkennen. Die Verletzung des Geistes der Rechtsstaatlichkeit und der marktwirtschaftlichen Prinzipien wurden schon ueber viele Jahre vor 2008 ausgehoehlt und wichen dem System des sogenannten Moral Hazards, welche mit diesem schoenen Begriff relativiert und verniedlicht wird. Auf gut deutsch heisst dies nichts anderes als legalisierter Diebstahl, indem viele Banken sich zu einem Selbstbedienungsladen fuer das Top-Kader entwickelte, wobei eben die Kosten des Risikos auf die Allgemeinheit abgewaelzt wird.

    Die einzige Frage, welche sich mir stellt, ist, wann die Ponzi Scheme zusammenbrechen wird, nicht ob.

  18. Martin Holzherr sagt:

    Der Autor dieses Beitrags tendiert dazu, Eurowohl = Bankenwohl zu setzen. Seine Kritik an Dijsselbloem ist gerechtfertigt soweit sie dessen Vorschnellheit und Unbedachtsamkeit kritisiert. Doch die grundsätzliche Tendenz Dijsselbloems ist richtig: Banken sollen in möglichst vielen Fällen ohne Hilfestellung durch den ESM abgewickelt werden können, ganz anders als der Autor das sieht (Zitat):“Auch die Idee, dass der Rettungsschirm ESM aller Eurostaaten gefährdeten Banken beispringen soll, wird durch Dijsselbloems Aussagen in Frage gestellt.”
    Der euraktiv-Artikel Bankenabwicklung – “Schaffung eines Abwicklungs- und Sanierungsregimes ist unerlässlich” geht in meinen Augen in die richtige Richtung. Dort ist zu lesen:
    “Dass Sanierungs- und Abwicklungspläne den Rückgriff auf öffentliche Mittel zumindest nicht vorsehen dürfen, ist zentral. Denn es sensibilisiert die Institute dafür, dass allein sie für eingegangene Risiken haften. Auch Mittel des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), der Banken künftig direkt rekapitalisieren darf, sollten dabei nicht eingeplant werden dürfen.”

    Auch der zusammenfassenden Bewertung des euraktiv-Beitrags kann ich zustimmen:
    “Die Schaffung eines Abwicklungs- und Sanierungsregimes ist unerlässlich. Sanierungspläne tragen zur Krisenprävention bei. Abwicklungspläne und die Möglichkeit der Behörden, einem Institut weitreichende Maßnahmen zur Erlangung der Abwicklungsfähigkeit vorzuschreiben, sind zwingend. Sanierungs- und Abwicklungspläne sollten keine ESM-Mittel einplanen dürfen.”

    • ast sagt:

      Zitat Schäuble, in der Bild -Zeitung ;) Ende 2012 ) „Ich glaube, wir haben das Schlimmste hinter uns“ und die EU-Eliten erhielten gleich darauf auch noch den Friedensnobelpreis. Van Rompuy spendete dafür ein kleines Haiku Gedicht bei -”Kalt ist in der Nacht am Tage vorbei”, oder so ähnlich (Holländisch”De nacht is vallend. De kale takken zien er. Nog eenzamer uit.” ).

      Dijsselbloem hat mit dieser vorschnellen Idylle weitgehend aufgeträumt. Ob er selbst an der neuen “Ehrlichkeit” Schuld ist wage ich zu bezweifeln. Der Zypern Erlass spricht andere Worte als die angebliche Krisenüberwindung.

  19. Linus Huber sagt:

    Aber jetzt zum wirklichen Grund der Verwirrung. Merkel sieht ihre Wiederwahl bedroht. Alles ist damit gesagt.

  20. Martin Holzherr sagt:

    Wenn Bankengläubiger wieder für Verluste von Banken haften bedeutet das natürlich auch, dass es sehr wohl darauf ankommt, welche Bank man für seine Dienste in Anspruch nimmt. Das könnte dazu führen, dass Banken, die schon heute als unsicher oder fast illiquid gelten, noch schneller ihrem Ende entgegengehen. Doch vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Es gibt sicher nicht zuwenig Banken in der EU-Zone und ein System, das mit der Liquidation von Banken nicht zurecht kommt, ist schlicht falsch konstruiert.

    • Linus Huber sagt:

      Richtig, dies sollte das Prinzip sein. Das System ist insofern falsch konstruiert, dass die Zentralbanken seit Jahrzehnten eine inflationaere und geldentwertende Politik betreiben, was zu diesem massiven Kreditboom fuehrte. Das Kreditvolumen ist nicht mehr wirklich reduzierbar ohne einen massiven wirtschaftlichen Einbruch, da man bei jeder kleinen Delle gleich die Geldschleusen oeffnete und somit jeden reboot verhinderte. Je laenger mit der Liquidation von Fehlinvestitionen gehadert wird, desto groesser wird das Problem in seinen Auswirkungen fuer die Gesellschaft werden. Alle Massnahmen richten sich darauf aus, Fehlinvestitionen schrittweise vom Risikonehmer an die Allgemeinheit auszulagern. Es ist nicht eine Situation, welche seit 2008 besteht, sondern dort zeigte sich einzig das 2. mal (nach der Nasdaq Blase), dass die Nachhaltigkeit nicht gegeben ist und das etreme Wachstum des Kreditvolumens nicht ohne (vielleicht nicht von den Wissenschaftlern erkennbaren) negativen langzeitlichen Nebeneffekten begleitet wird.

      • Johnny Smith sagt:

        Kann dem nur beipflichten. Das Problem sind nicht die bekannten Regeln (Eigenkapitalgeber und danach eben auch Fremdkapitalgeber haften bei Überschuldung), sondern dass es (anscheinend/offenbar) TBTF Banken mit zu hohem Leverage gibt.

  21. Stefan Wiesendanger sagt:

    Herr Dijsselbloem hat ein wichtiges und richtiges Ziel, das er im erwähnten Interview klar ausspricht: dass Risiken wieder einen Preis erhalten. Dass sie es nicht mehr haben, ist die “root cause” der gesamten Finanzkrise. Ohne “risk-free assets” wäre die exzessive Leverage des Finanzsektors gar nicht denkbar.

    Auf dem Konstrukt des “risk-free assets” ruht ein ganzes Gebäude von ökonomischen Theorien, es entfaltet via Basel, Gesetze und Bewertungen Wirkung im Finanzsystem, es prägt und vernebelt das Denken der Handelnden.

    Risiko braucht seinen Preis, das gilt für Staatsanleihen, für Giroguthaben, für Anleihen, für so ziemlich alles. Kostenloses Risiko ist nur zum Preis von Paternalismus auf einer höheren Ebene zu haben. Auf einer fundamentaleren Ebene bedingen sich deshalb Freiheit und Risiko gegenseitig.

    Herr Dijsselbloem ist keineswegs so unbedarft, wie es im Artikel dargestellt wird; immerhin hat er sein Programm bei der Niederländischen Bank SNS Reaal durchgezogen. Wenn er es schafft, eine Umkehr zu bewerkstelligen, und dass Risiko wieder einen Preis erhält, dann gewinnt Europa!

    PS: Dieser Artikel könnte direkt der Feder eines Banken-Lobbyisten entstammen. Die Aussage “Die Risiko-Anreize für Banken sind daher sehr asymmetrisch.” sowie die sich darauf abstützende TBTF-Argumentation wird so axiomatisch in die Welt gestellt, dass es sprachlos macht. Weshalb soll TBTF auf Dauer hinzunehmen sein, da es doch immerhin für die Allgemeinheit sehr unwillkommene Konsequenzen nach sich zieht wie z.B. moral hazard, Sozialisierung von Verlusten etc. – und letztlich ein Spiel erlaubt, das zu einer Umlenkung des erwirtschafteten Mehrwerts in die Finanzbranche führt? Herr Dijsselbloem ist gerade einer, der diese Mechanismen durchschaut und danach handelt. Eine Umkehr ist dringend nötig.

    • Linus Huber sagt:

      @ Stefan

      Nichts ist risk-free, sondern die Kosten des Risikos werden einfach unbemerkt umverteilt. Ich stimme Ihren Aussagen zu.

  22. Linus Huber sagt:

    Krugman ist auch ein Kreditpusher und erkennt die unterschwellige Zerstoerung nachhaltiger marktwirtschaftlicher Mechanismen aufgrund andauernder Geldentwertung nicht einmal im Ansatz. Aber in diesem Punkt gebe ich ihm fuer einmal recht: “So here it is: yes, Cyprus should leave the euro. Now.”

  23. Linus Huber sagt:

    Kommentar von David Stockman:

    It is only a matter of time before these French and other European banks, which are stuffed
    with sovereign debt backed by no capital due to the zero risk weighting of the Basel lunacy,
    topple into the abyss of the shadow banking system where they have funded their
    elephantine balance sheets. And that includes Germany, too. The German banks are as bad
    or worse than the French. Did you know that Deutsche Bank is levered 60:1 on a
    TCE/assets basis, and that its Basel “risk-weighted” assets are only $450 billion, but actual
    balance sheet assets are $3 trillion? In other words, due to the Basel standards, which count
    sovereign and other AAA assets as risk free, DB has $2.5 trillion of assets with zero capital
    backing!
    This is all a product of the deformation of central banking and monetary policy over the
    last four decades and the destruction of honest capital markets by the monetary central
    planners who run the printing presses. Furthermore, this has fostered monumental fiscal
    profligacy among politicians who have been told for years now that the carry cost of public
    debt is negligible and that there would always be a central bank bid for government paper.
    Perhaps we are now hearing the sound of some chickens coming home to roost.

    Die erosive Geldpolitik der Zentralbanken wird langsam erkannt.

    • Martin Holzherr sagt:

      Die oben angesprochen gigantischen Anleihenpakete, die französische und deutsche Banken in ihren Büchern haben, sind wahrscheinlich ein sehr wichtiger Grund warum es für Politiker wie Merkel und Hollande kein Auseinaderbrechen der Eurozone mit Wiedereinführung von nationalen Währungen und Abwertung geben darf. Die Verluste, die deutsche unf französische Banken verkraften müssten wären ohne ihres Gleichen und würden sofort eine neue Finanzkriseaoslösen, dievergleichbar mit derjenigen von 2008 wäre .
      In den Medien dagegen hört man etwas ganz anderes. Dort wird die Meinung verbreitet, der Euro sei im Interesse der Krisenländer und wenn Zypern oder Griechenland den Euro verließen wäre das zu ihrem eigenen Schaden und würde zu jahrelanger wirtschaftlicher Misere in diesen Ländern führen, womit es ihnen noch schlechter als jetzt schon ginge.
      Ich bin überzeugt, dass viele Medienschaffenden und Meinungsmacher das sogar glauben. Doch wenn schon ist es nur ein Teil der Wahrheit.

  24. thomas ernst sagt:

    “Dein Geld ist nicht Dein Geld, wenn der Staat es braucht”

    Aus dem Gärtnerblog (blog.markusgaertner.com):
    “Over the past week, Europe, or rather the present EU leadership, has done damage to itself it will never be able to repair. It seems to escape everbody, but that doesn’t make it any less true: people from Portugal to Spain to Italy to Greece to Cyprus and Ireland are worse off today than they were when they first adopted the euro. Moreover, their economies are all getting worse as we speak and projected to plunge further. The once highly touted blessings of the common currency are by now lost on most of southern Europe; for them, the euro has been a shortcut to disaster.“

    Und da regen sich die Euroturbos theatralisch über Dijsselbloem auf…

    • Martin Holzherr sagt:

      Die Aussage im Gärnterblog trifft zu bis auf die angebliche Erkenntnis erst das vergangene Wochenende habe gezeigt, dass der Euro sich nun als Nachteil für die Krisenländer erweise.

      Der Euro bedeutet doch für die Krisenländer, dass ihnen nun eine ökonomische Steuerungsmöglichkeit fehlt (die Abwertung) und dass die Regeln wie Problemfälle gehandhabt werden nun nicht mehr von ihnen sondern von einer fernen EU-Kommission gefällt werden.

  25. thomas ernst sagt:

    …einen hab’ ich noch. Aus German.china.org.cn:

    “Der größte Raubzug der Geschichte hat bereits begonnen

    Er findet derzeit in Zypern statt! Und solange es den Euro gibt, können alle Europäer jederzeit zur Kasse gebeten werden. Der Euro sorgt nicht für Frieden und Wohlstand in Europa, sondern er zerstört selbige – und zwar schnell und nachhaltig!

    Zu glauben, dass dies “in einem Land wie Deutschland doch niemals passieren könnte”, würde nicht nur von einem Mangel an historischem Wissen (wieviele Währungsreformen hat Deutschland in seiner Geschichte noch gleich erlebt?), sondern schlichtweg von massiver Begriffsstutzigkeit und dümmlicher Arroganz zeugen.”

    Zu glauben, dass dies in einem Land wie der Schweiz nicht passieren könnte, würde vom blinden Glauben an die Tell-Sage und andere Märchen zeugen. Die SNB hat inwzischen derart viele EUR gebunkert, dass wir nach dem EUR-Absturz auch pleite sind.

    • Linus Huber sagt:

      @ thomas ernst

      Der Umstand, dass wir als Land sehr bankenlastig sind, macht es oft schwierig, die logischen Argumente zu fuehren, da diese gradlinig auf extrem negative Konsequenzen fuer uns Schweizer fuehren.

    • Linus Huber sagt:

      Respektive sehe ich nur einen mittelfristigen Weg, welcher uns als Finanzplatz retten mag, was jedoch die Eigenkapitalrendite der Banken massiv reduzieren wird, naemlich massiv hoehere Eigenkapitalquoten und mit massiv meine ich nicht sowas wie das Doppelte sondern eher sowas wie das 10fache (von 2,5% auf vielleicht 20-30%). Dies mag ein grosser Wettbewerbsvorteil werden in den kommenden Monaten und Jahren.

  26. thomas ernst sagt:

    Und noch was zu Djisselbloem, seinen Aussagen und dem Gekabbel über seine “Blaupause”…:

    “In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, dann kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war.”
    Franklin Delano Roosevelt – US-Präsident von 1933 bis 1945
    “Die Welt wird von ganz anderen Persönlichkeiten regiert, als gemeinhin von Personen, die keinen Blick hinter die Kulissen werfen können, angenommen wird.”

  27. Was mich an der Euro- und Schuldenkrise allenfalls noch interessieren würde, ist das bekannte Dummheit-oder-Bosheit-Klischee: Glauben die Verantwortlichen (Merkel, Schäuble und alle ihre Ökonomen) tatsächlich an den Unsinn, den sie predigen, oder ist es eine bewusste Lüge, um den Mittelstand in ihren und den anderen Euro-Ländern zu Gunsten der reichen Eliten auszurauben? Vgl hierzu den PlusMinus-Hinweis aus einem Kommentar von @ast zum “Wissen was sie tun”- Blog-Artikel: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=cZdjuih6mis den *jeder* anschauen sollte.

    Leider ist der interessanteste Punkt des Artikels im “Hinweis” verbunkert: Das Interview mit Heiner “Ökonom aus Deutschland, der mit seinen Aussagen dort bestimmt nicht in der Mehrheit ist” Flassbeck. Seine Aussagen und Therapien scheinen mir folgerichtig und sachlich überzeugend argumentiert zu sein, werden aber wohl so sicher wie die das sprichwörtliche Amen in der Kirche ignoriert werden.

    Wann war eigentlich das letzte Mal, dass wir alle sehenden Auges unser Fahrzeug in den Abgrund steuerten, während wir weiterhin auf den Rat derjenigen hören, die doch überhaupt erst für diesen irrigen Weg des Untergangs verantwortlich waren?

    • will williamson sagt:

      Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass die aktuelle Krise ein Unfall ist. Seit längerem habe ich da aber erhebliche Zweifel, insbesondere auch deshalb, weil sowohl Schäuble als auch Juncker offen ausgesprochen haben, es brauche eine Krise, um die Vereinigung Europas voran zu treiben. Wenn es eine braucht und sie kommt nicht von selber, dann entspricht es der Logik, dass man sie erzeugen muss. Wenn man von dieser Prämisse ausgeht, dann steuern die nicht ihr Fahrzeug in den Abgrund, sondern unseres. Im Zusammenhang interessant ist auch ein Memo der zyprischen Zentralbank an die Banken:

      http://theeconomiccollapseblog.com/wp-content/uploads/2013/03/Central-Bank-of-Cyprus-Memo.png

      Der “Absichtstheorie” scheint auf den ersten Blick zu widersprechen, dass man 5 Mrd Euro nach Zypern geschickt hat. Wenn es aber stimmt, dass die EZB im Falle des Staatsbankrotts zwischen 10 und 20 Mrd Euros verlieren würde, erscheint auch dies Unterstützung irgendwie plausibe. Ob mit dieser “Rettung” die Sache gelaufen oder nur aufgeschoben ist, wird sich noch heraus stellen. Eine allgemeinere Analyse zur Situation in verschiedenen Euroländern findet sich hier:

      http://www.nationalmemo.com/cyprus-sends-rumbles-through-shaky-banking-system/

    • Linus Huber sagt:

      @ Ralph

      Man kann aus dem fahrenden Zug nicht abspringen und die Zugfuehrer sind taub und wollen ihre wichtige Position der Fuehrung nicht abtreten, in der Hoffnung, dass sie wohl aufgrund des Informationsvorsprungs sich zur gegebenen Zeit doch noch irgendwie herausmanoevrieren koennen, wenigsten auf persoenlicher Ebene.

  28. Martin Holzherr sagt:

    Der gedruckte Spiegel 14/2013 nimmt im Artikel Bombe aus Brüssel deutlich Stellung gegen den auch vom Autor dieses Beitrags vertetenen (Zitat Harald Hau, Genf) “real existierenden Bankensozialismus”. Fünf Billionen Euro an Hilfen für den Finanzsektor genehmigte die EU-Kommission seit 2008, was 40% der europäischen Wirtschaftsleistung entspricht. Der private Sektor wurde bis jetzt geschont: In Irland steckte der Staat 4 Mal soviel Kapital in die Bankenrettung wie die Privaten, in Spanien sind die Verhältnisse ähnlich. Doch mehr liess sich bis jetzt bei den Bankgläubigern auch oft gar nicht holen, denn die Banken Europas besitzen viel zuwenig Eigenkaptial. Konkret bedeutet die Staats- und damit die Haftung der Steuerzahler, dass die Steuerzahler Europas faktisch zu Teilhabern der Banken werden, allerdings nur zu Teilhabern der Verulste, nicht zu Teilhabern der Gewinne. Deshalb ist der Vorschlag, den Finanzsektor stärker an den Kosten der Bankpleiten zu beteiligen, überfällig. Die “implizite Staatsgarantie für Banken” (Zitat Bundesbankvorstand Dombret) verhindert auch die nötige Schrumpfung der europäischen Banken. Diese implizite Staatsgarantie war und ist mit ein Grund, dass unverantwortlich grosse Risiken im Finanzsektor eingegangen wurden , weshalb sogar Landesbanken in Ramschpapaiere investierten und weshalb Bankbilanzen auf ein Vielfaches der Wirtschaftsleistung ihres Landes anschwollen (Zypern Bankbilanzen 7 Mal BIP, Irland ähnlich, Malta 8, Luxemburg 22 mal BIP).
    Das Bankenproblem ist und bleibt ein Problem der Eurozone. In den USA wurde schon kurz nach 2008 aufgeräumt. Die Eurzone verfügt (bis jetzt) nicht über die Instrumente, Institutionen und die politischen Strukturen um Probleme für die ganze Eurozone zu lösen. Auch die den Krisenstaaten aufgezwunge Austeriät ist eine logische Folge der fehlenden gemeinsamen Finanz- Wirtschafts- und Sozialpolitik. Nur sie zwingt zu Reformen, glaubt mindestens Merkel und Co. Genutzt hats bis jetzt wenig.

    • Linus Huber sagt:

      @ Martin

      “In den USA wurde schon kurz nach 2008 aufgeräumt.”

      Ich denke, dass Sie hier etwas verwechseln. Nichts wurde aufgeraeumt in den USA, sondern einzig massiv Geld gedruckt. Das Problem stellt sich weniger offensichtlich, da eine zentrale Regierung besteht. Die TBTF Banken sind noch groesser als zuvor. In einem Punkt haben Sie recht, die Eigenkapitalquote der US Banken ist ein wenig besser als in Europa, aber ansonsten ist auch dort nichts wirklich geaendert worden. Die Krise in Europa ist einzig ein Symptom eines Problems der gesamten westlichen Gesellschaft, welches aufgrund einiger Jahrzehnte von ankerloser und inflationaerer Geldpolitik entstanden ist. Wir sind im Moment im Zentrum der Aufmerksamkeit, jedoch kann dies jederzeit wieder in die USA oder nach Japan zurueckschwappen, um 2 Beispiele zu nennen.

      • …und ausserdem wurde der private Versicherer AIG in den USA vom Staat herausgehauen, um damit die Deutsche Bank, Goldman Sachs und andere privaten Banken auszahlen zu können, die sonst allenfalls Konkurs gegangen wären. Aufräumen im Kapitalismus sieht anders aus, aber eben: Kapitalismus gibt es nur für die unteren 99%, für die andern haben wir den Sozialismus.

      • Martin Holzherr sagt:

        @Linus Huber
        In der New York Times hat DAVID A. STOCKMAN im Artikel State-Wrecked: The Corruption of Capitalism in America fast genau ihre Meinung vertreten was die expansive Geldpolitik der letzten Jahrzehnte betrifft. Der Satz aus seinem Artikel, der die darin vertretene Meinung am besten zusammenfasst, ist: “THIS dyspeptic prospect [nächster Crash endet in Depression] results from the fact that we are now state-wrecked. With only brief interruptions, we’ve had eight decades of increasingly frenetic fiscal and monetary policy activism intended to counter the cyclical bumps and grinds of the free market and its purported tendency to underproduce jobs and economic output. The toll has been heavy.”
        Im Artikel ist auch eine Liste von fiskalischen “guten” neben fiskalisch “kriminell” agierenden Präsidenten, Notenbankern und Ökonomen, die mit A Gallery of Economic Villains and Heroes übertitelt ist. In dieser Liste ist die erste fiskalisch kriminell handelnde Person Franklin D. Roosevelt, der die Grundlage gelegt hat für fiskalische Manipulationen. Zu den “Schurken” gehören aber auch Nixon (Goldanbindung des Dollars gelockert), Milton Friedman, Summers, G.W. Bush, Paulson und Obama.

    • Martin Holzherr sagt:

      @Linus Huber
      Nebem dem Artikel von David A. Stockman über das FIAT-Money-Problem ist auch die Reaktion von Paul Krugman darauf lesenswert. In More Stockman verweist er auf den Verlauf der US-Schulden in Prozent des BIP zwischen 1940 und 2010 und kommt zum Schluss: “We didn’t have anything you could call a deficit problem until 1980. We then saw rising debt under Reagan-Bush; falling debt under Clinton; rising under Bush II; and a sharp rise in the aftermath of the financial crisis”

      • Linus Huber sagt:

        @ Martin

        Am Beginn einer nicht nachhaltigen Scheme sieht die Angelegenheit immer verhaeltnismaessig rosig aus. Genauso verhaelt es sich mit der inflationaeren Geldpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Jedoch schrittweise veraendert sich das Verhalten der Akteure, womit sich die negativen Aspekte des ankerlosen Geldes breit machen. Defizite waren kuenstlich klein, da aufgrund des massiven Wachstums des Kreditvolumens im System natuerlich auch die Steuereinnahmen unverhaeltnismaessig stark wachsen konnten, womit der Staat sich immer weitere finanziell nicht nachhaltige “Aufgaben” aneignete (Machterweiterung und Geschenke ans Elektorat).

        Sich einzig, unter Ausschluss anderer wichtiger gesamtwirtschaftlicher Komponenten, auf einen Teilbereich des System (in diesem Falle das Staatsdefizit im Verhaeltnis zum gdp) zu fokusieren, ist ein Fehlschluss, einer von vielen, welchen Krugman unterliegt.

      • Linus Huber sagt:

        Ein weiterer Punkt liegt in der Tatsache, dass es verhaeltnismaessig einfach ist, aus einem Buch einen kleinen Aspekt zu finden (aus dem Kontext gerissen) und ihn als falsch darzustellen. Stockman duerfte wohl als Nestbeschmutzer dastehen und die Elite wird versuchen, ihn zu diskreditieren mit verschiedenen Mitteln.

        Ich koennte hier eine Anzahl von Fehleinschaetzungen Krugmans auflisten, jedoch interessiert mich eher wenig, was dieser Mann zu erzaehlen hat, da er zum harten Kern der Verfechter des Status Quo und einer bestimmten wirtschaftswissenschaftlichen Doktrin gehoert.

      • Linus Huber sagt:

        Obwohl Stockman sicherlich fehlerhaft in manch einem Detail sein mag, beschreibt er den Wald (nicht immer die einzelnen Baeume) sehr gut, indem er die Korruption, Nepotismus, Crony-Capitalism etc. sehr gut und aufgrund seiner Inside-Kenntnisse auch sehr glaubwuerdig aufzeigt.

        http://www.nytimes.com/2013/03/31/opinion/sunday/sundown-in-america.html?pagewanted=all&_r=0

      • Linus Huber sagt:

        Ein kleines Beispiel, wie Krugman seine Meinung aendert wie eine Fahne im Wind.

        “One last assertion that may bother some readers is that wages automatically rise with productivity. Is this realistic? Yes. Economic history offers no example of a country that experienced long-term productivity growth without a roughly equal rise in real wages.”

        10 odd Jahre spaeter

        “Fears that low-wage competition is driving down US wages have a real basis in both theory and fact… So there is a dark side to globalization”

  29. ast sagt:

    “Auch die Idee, dass der Rettungsschirm ESM aller Eurostaaten gefährdeten Banken beispringen soll, wird durch Dijsselbloems Aussagen in Frage gestellt”.

    Vielleicht hat sich Dijsselbloem die Urteile des Deutschen Verfassungsgricht zusammen mit Schäuble etwas genauer durchgelesenen ;9

    „Ein Erwerb von Staatsanleihen am Sekundärmarkt durch die Europäische Zentralbank, der auf von den Kapitalmärkten unabhängige Finanzierung der Haushalte der Mitgliedstaaten zielte, ist als Umgehung des Verbotes monetärer Haushaltsfinanzierung untersagt“ (BVerfG, 2 BvR 1390/12 vom 12.09.12, Absatz Nr. 278).

    Zwar kann die EZB in Form seiner Europaweiten Währungspolitik Anleihen (im Multipack) kaufen, jedoch nicht um einzelne Staaten und deren Banken monetär zu retten. Das selbe gilt übrigens auch für Italien, wo man (noch) auf solche Stützungskäufe (wohl vergeblich) hofft.

  30. Linus Huber sagt:

    Wie waere es mit einem neuen Gesetz, welches jene, welche die Kosten von Risiko in Anwendung ihrer Authoritaet und Funktion vom Risikonehmer auf nicht involvierte Bevoelkerungsgruppen umverteilt, dessen Vermoegen wird konfisziert sowie wenn mehr als 1000 Leute dadurch in eine persoenliche Misere manoevriert werden, lebenslanges Gefaengnis.

  31. ast sagt:

    Nachdem die EU Gestern die Bausteine zur Bankenabwicklung nun doch als Blaupause Zyperns installiert, ist wohl eine Neuauflage dieser Diskussion angezeigt.

    Hier die sesentlichen Elemente:

    - Gesetz zur Bankenabwicklung ,wesentliche Bausteine verabschiedet
    - Einlagesicherung aber noch nicht in jedem EU Staat vorhanden
    - Reform der Einlagensicherung, steht noch aus, Deutsche wollen keine Europäische Einlagesicherung. Nach den Bandaufnahmen aus Irland, kaum verwunderlich.

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