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«Die Büchse der Pandora wurde geöffnet»

Markus Diem Meier am Mittwoch den 20. März 2013

Kleinsparer zur Kasse zu bitten ist eine Eskalation der Eurokrise mit unabsehbaren Folgen: Demonstration in Zypern, 18. März 2013. (AP/Petros Karadjias)

Die Idee, auch Depositäre und damit Kleinsparer zur Kasse zu bitten, stellt eine gefährliche neue Eskalationsstufe dar – unabhängig davon, wie die Lösung in Zypern am Ende aussieht.

«Für mich war es eine völlige Überraschung, dass man die Einlagensicherung in Frage stellt. Das war ziemlich schockierend. Wenn die Regierung nun Einlagen bis 100 000 € ausnimmt, wäre das eine völlige Kehrtwende. Es ist wirklich amateurhaft: Erst wird angekündigt, dass die Einlagensicherung dahin ist, und nach den Reaktionen wird das nun zurückgedreht. Es ist unglaublich… Die erste Entscheidung war wirklich eine schlechte Idee, selbst wenn man davon nun Abstand nimmt. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet.»

Die obigen Sätze stammen aus einem lesenswerten Interview, das mein Kollege Alexander Trentin mit dem Ökonomen Paul De Grauwe geführt hat.

Am vergangenen Wochenende haben die Euroländer mit Zypern ausgehandelt, dass dort auch Depositäre mit Einlagen von weniger als 100’000 Euro zur Kasse gebeten werden sollen – mit 6,75 Prozent gemessen an diese Einlagen. Einlegern mit 100’000 wollte man 9,9 Prozent abnehmen. Damit sollten die 5,8 Milliarden Euro zustande kommen, die Zypern selbst an die Rettung des Finanzsystems beisteuern sollte, 10 Milliarden hätte der Euro-Rettungsfonds ESM und der Internationale Währungsfonds beigesteuert. Am Dienstagabend hat das zyprische Parlament den ganzen Rettungsplan abgelehnt und es ist im Moment nicht klar, wer dem Land, bzw. dessen marodem Finanzsystem wie hilft. Das ist aber nicht Thema dieses Beitrags. Auch wenn die Pläne vom Sonntag vom Tisch sind, so haben sie doch eine gefährliche nachhaltige Wirkung.

Die Idee, dass «kleine» Depositäre, die ihre Einlagen bisher durch einen Einlegerschutz von bis 100’000 Euro geschützt sahen, im Zuge eines Rettungspakets teilweise hätten enteignet werden sollen, stellt eine gefährliche Eskalationsstufe in der Eurokrise dar, wie das Paul De Grauwe im obigen Zitat auch klar macht. Warum?

  • Zuerst einmal ist wichtig zu verstehen, was genau der Zweck einer Einlageversicherung ist: Wenn Unsicherheit über die Stabilität des Finanzsystems aufkommt, kann das ohne Einlageschutz schnell zu einer Spirale nach unten führen. Die Leute haben Angst um ihr Geld und wollen es daher rasch von den Banken abziehen. Die betroffenen Institute werden illiquid, ziehen ihre Mittel nach Möglichkeit von Kreditnehmern und anderen Banken ab und Verkaufen aus Geldnot ihre Anlagen. Die Preise dieser Anlagen (Aktien, Immobilien, Anleihen) brechen dadurch ein, was die finanzielle Lage der Bevölkerung und der Banken weiter verschlechtert. Kredite sind kaum mehr zu haben, was die Gesamtwirtschaft einbrechen lässt und wiederum die finanzielle Lage verschlechtert. Eine Einlagesicherung gibt den Leuten die Sicherheit, dass ihr Geld auch in angespannten Lagen gesichert bleibt, was sie vor einem «Run» auf die Banken abhält.
  • Die Beschlüsse vom Wochenende – selbst wenn sie rückgängig gemacht werden – haben nun genau den gegenteiligen Effekt. Selbst wenn jetzt nicht überall Geld abgezogen wird, das heisst ein «Run» auf die Banken vorerst ausbleibt, wissen nun alle: Wenn eine Krise sich wieder deutlich verschärft, bleiben meine Einlagen nicht unantastbar. Die Euroländer behalten sich vor, in diesem Fall darauf zuzugreifen. Der ganze Zweck der Einlagensicherung geht damit flöten. Jetzt haben alle einen guten Grund bei neu aufkommenden Unsicherheiten in einem Euroland ihr Geld von den Banken abzuziehen. Das führt dann zur Bestätigung der Unsicherheiten und zur erwähnten Abwärtsspirale.
  • Die Botschaft, dass die Einlagesicherung gegenüber dem Staat letztlich nichts taugt, ist angekommen. Selbst in der deutschen Wirtschaftspresse wird ernsthaft debattiert und gefolgert, dass die Gewährleistung der Einlagen im Fall einer aussergewöhnlichen Steuer nicht gilt.

In einer Studie aus dem Jahr 1989 hat der Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen untersucht, unter welchen Umständen aussergewöhnliche Steuern auf Vermögen und Einkommen (im folgenden «Capital Levy» genannt)  ihren Zweck erreichen, aussergewöhliche finanzielle Notlagen zu meistern. Mein Kollege Philippe Béguelin hat am Dienstag ausserdem ein spannendes Interview mit Eichengreen geführt, in dem dieser konkret zum Vorstoss in Zypern Stellung nimmt.

Zurück zur Studie: Im Folgenden das «Abstract» aus der Studie von 1989:

«If the contingencies in response to which the levy is imposed are fully anticipated, independently verifiable and not under government control, then saving and investment should not fall following the imposition of the levy, nor should the government find it more difficult to raise revenue subsequently. In practice serious problems stand in the way of implementation. A capital levy has profound distribution consequences. Property owners are sure to resist its adoption. In a democratic society, their objections are guaranteed to cause delay. This provides an opportunity for capital flight, reducing the prospective yield and allows the special circumstances providing the justification fot the levy to recede in the past.»

Ok, tönt auch etwas abstrakt: Was heisst das?

  • Der Erfolg solcher aussergewöhnlichen Abgaben (eines «Capital Levy») misst sich daran, wie viele Mittel so erhoben werden können. Denn es besteht auch die Gefahr, dass der Staat damit sogar mehr verliert, als gewinnt: Wegen Kapitalflucht, geringeren Investitionen und künftig grösseren Schwierigkeiten, überhaupt Steuern zu erheben.
  • Theoretisch können unter sehr bestimmten Bedingungen solche Abgaben erfolgreich sein, nämlich wenn die Umstände für die Zwangsabgabe vollkommen erwartbar und unabhängig von der Regierung festgestellt werden können und auch nicht unter der Kontrolle der Regierung stehen. Dann stösst die Zwangsabgabe auf die grösste Akzeptanz und es ist am ehesten glaubwürdig, dass die Regierung die Abgabe nicht nach Belieben wiederholen wird, bzw. Umstände schafft oder deklariert, auf die sie sich für eine weitere Abgabe berufen könnte. Ein Beispiel für solche Umstände sind die Folgen eines Krieges für ein Land.
  • Eine solche Zwangsabgabe hat immer auch tiefgreifende Verteilungswirkungen: Das heisst, einige werden immer stärker als andere belastet. Das bedeutet in Demokratien, dass sich zumindest einige Gruppen – oft die einflussreichsten – gegen solche Massnahmen zu wehren versuchen. Die Folge ist zumindest eine verzögerte Einführung einer solchen Massnahme.
  • Eine solche Verzögerung hat mehrere negative Folgen: Einerseits ermöglicht sie Kapitalflucht, was vor allem jene nützen, die am heftigsten von der Massnahme betroffen wären und die am besten ihr Vermögen ausser Landes schaffen können. Andererseits kann der Zusammenhang zwischen der Ursache für die Notmassnahme und der Abgabe selbst durch den Zeitabstand verschwimmen, was der Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der Massnahme genauso schadet, wie der Überzeugung, dass sie wirklich einmalig ist.
  • Eine Regierung kann sich nicht ausreichendend, bzw. glaubwürdig für die Zukunft verpflichten. Sie hat zwar jeden Anreiz, im Moment zu versichern, eine solche Massnahme nie mehr durchzuführen. Doch wenn das gelingt, hat sie danach einen starken Anreiz, die Massnahme zu wiederholen. Die Ökonomen sprechen hier von Zeitinkosistenz. Der Anreizwechsel lässt sich mit einer Geisel vergleichen, die ihrem Entführer verspricht, ihn nach ihrer Freilassung nicht zu verraten. Ähnliche Überlegungen begründen, warum Notenbanken von der Politik unabhängig sein sollen. Mehr dazu hier.

Das Urteil Eichengreens zu den praktischen Erfolgsaussichten solcher Zwangsabgaben mit Blick auf die Geschichte ist schliesslich vernichtend:

«One finds virtually no examples of successful peacetime capital levies.»

Es gibt so gut wie kein Beispiel, wo die Massnahme Erfolg gehabt hätte. Eines aber doch: Japan unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Gründe für den Erfolg in diesem Fall sind vielsagend:

  • Japan war zu diesem Zeitpunkt nicht unter demokratischer Kontrolle, diese wurde faktisch von den US-Besatzern ausgeübt. Opposition gegen die Massnahme hätte daher eh nichts gefruchtet. Die Massnahme konnte daher schnell umgesetzt werden.
  • Die grossen Zerstörungen haben offensichtlich gemacht, dass zusätzliche Einnahmen zum Wiederaufbau notwendig sind. Die Befürchtung, dass sich solche Massnahmen nach Belieben wiederholen könnten, war daher deutlich geringer.
  • Betroffen von der Abgabe war nur eine kleine besonders privilegierte Schicht – nur die drei reichsten Prozent der Bevölkerung  – die vom Krieg besonders profitiert hat. Das wichtigste Argument für die Abgabe war daher, dass sich der Krieg gerade auch für diese vormals mächtige Schicht sich nicht gelohnt haben darf. Die Massnahme hat auch deshalb weniger Opposition hervorgerufen und auch weniger die Wahrnehmung, die Machthaber würden willkürlich die ganze Bevölkerung (teil-)enteignen.

Für die Eurozone hat die Einführung einer solchen Zwangsabgabe auf Depositäre noch ein paar negative Zusatzwirkungen. Hier ein Paar Gedanken dazu:

  • Die von Eichengreen genannten Bedingungen für den Erfolg solcher Zwangsmassnahmen sind in der Eurozone besonders schlecht gegeben: Die Umstände für die Zwangsabgabe sind alles andere als vorhersehbar, bzw. unabhängig von der Politik. Anders gesagt, geniessen die Europolitiker nach der bisherigen Entwicklung der Krise kein Vertrauen, wenn sie eine Massnahme als einmalig und ausserordentlich deklarieren. Das haben sie schon zu oft gesagt.
  • Die Negativwirkung solcher Abgaben potenziert sich in der Eurozone. Wenn die Massnahme auch nur für das kleine Zypern beschlossen wird, ist das Vertrauen auch in den grossen Ländern angekratzt. Die erwähnt wird selbst in Deutschland die Frage debattiert, wie sicher denn die Einlagen im Krisenfall wirklich sind. Es reicht, dass die Europolitiker eine solche Massnahme grundsätzlich ins Auge fassen.
  • Kapitalflucht ist für die Eurozone ein besonders grosses Problem, weil sie sich hier sehr einfach bewerkstelligen lässt und für die betroffenen Länder besonders schlimme Konsequenzen hat. Die Argumentation dazu – hauptsächlich basierend auf Überlegungen (ebenfalls) von Paul DeGrauwe – finden sich in diesem Beitrag. In aller Kürze: Das Geld verlässt das Land in gleicher Währung, wodurch keine hier hilfreiche Abwertung stattfindet. Die Banken und die Wirtschaft geraten so schneller in Not und es steht keine Notenbank als Lender of Last Resort für dieses Land bereit.

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106 Kommentare zu “«Die Büchse der Pandora wurde geöffnet»”

  1. ast sagt:

    “Griechenland und Zypern haben sich wohl vorgestellt, dass die CLUB-Mitglieder ihre Betrügereien grosszügig ausbügeln.”

    Die Deutsche Bundesregierung konnte bis letzten Freitag keinen Beleg für unsaubere Geschäfte in Zypern finden. Vermutlich waren die genauso sauber oder unsauber wie die Geschäfte anderer europäischer (und Schweizer) Banken.

  2. Linus Huber sagt:

    Was immer ablaeuft, im Grundsatz geht es darum, dass die Banken immer wieder gerettet werden und dies zulasten der Allgemeinheit. Allen Massnahmen zielen einzig darauf hinaus und die Politiker sind einzig die “Enforcer” dieser Machenschaften. Weder die Banken noch die Bondholder wollen die Kosten der Risiken, welche sie beim Verleih von Geld eingehen, nicht tragen. Jegliche Form von Kapitalismus ist somit gestorben und es herrscht bestenfalls Planwirtschaft, aber in Wirklichkeit einzig noch Willkuer der Entscheidungstraeger zugunsten der Banken.

    • Martin Holzherr sagt:

      Letztlich dient das Bankenretten und das Länderretten (EU-Kredit für Zypern) auch und vor allem dem Erhalt der Eurozone. So mindestens wird es immer wieder dargestellt. Denn jeder grössere “Unfall” in der Eurozone könnte dieser den Garaus machen – so mindestens stellen es viele Wirtschaftsjournalisten dar.

      Interessanterweise gab es diemal aber ein paar Dissensmeinungen: Der SPON-Autor Wolfgang Münchau meinte, ein Staatsbankrott Zyperns wäre gar nicht so schlimm und Paul Krugman von der New York Times sieht ebenfalls nur Vorteile für Zypern wenn sie bankrott gehen und aus der Eurozone austreten. Insbesondere würde ein massiv abgewertete zyprische Währung dem Tourismus helfen. Krugman hält im Fall von Zypern nichts von der Bankenrettung weil die nötigen Rettungssummen zu gross seien und neue Kredite für Zypern die Staatsschuld übermässig erhöhen würden.

      Doch wieder einmal wird die Lösung in die Zukunft verlagert und Zypern erhält sehr wahrscheinlich die Kredite und zahlt den Rest über einen eigens eingerichteten nationalen Rettungsfonds. Um all die Schulden abzuzahlen werden viele Länder in der Eurozone wohl noch Jahrzehnte beschäftigt sein – ausser irgendwann in der Zukunft wird eine andere Lösung gefunden.

    • Rolf Zach sagt:

      Es geht bei der EURO-Rettung nicht nur darum, welche Geldverfassung innerhalb der EU zu benützen ist, oder ob die Banken gerettet werden sollen oder nicht. Das Problem ist das Vertrauensverhältnis, die die EURO-Staaten untereinander haben und dass die unterschiedlichen Pro-Kopf-Einkommen von jedem Mitglied für die nächsten Jahre akzeptiert werden. Griechenland und Zypern haben sich wohl vorgestellt, dass die CLUB-Mitglieder ihre Betrügereien grosszügig ausbügeln. Alle mit schwacher Währung wünschen den Eintritt in den EURO-Raum, siehe Kroatien. Schweden und Dänemark haben dagegen abgelehnt und die Briten wissen, dass sie nur mit einer Schwundwährung aus ihrer Misere kommen. Die Deutschen und andere Länder im Norden wollen keine Schwundwährung, aber auch keinen Schweizerfranken, der ihre Volkswirtschaft erdrosselt. Sie wollen berechenbare Verhältnisse und keine staatlichen Strukturen, die die Leistungen ihrer Staaten verschwendet à la Italien. Italien muss sich gut überlegen, ob es mit der Abschaffung des EURO ihr einziges eigenes Disziplinierungsmittel über Bord werfen soll und ihre Privatwirtschaft weiterhin mit Korruption bekriegen. Italien ist kein Netto-Schuldner gegenüber dem Ausland. Sie schaden sich wirklich zu 100 % selbst mit der Wiedereinführung der LIRA. Wegen diesen verschiedenen Weltanschauungen der EURO-Mitglieder kann die EZB nicht einfach die Geldschleusen öffnen, wie die US-Notenbank. Es sind nicht die unterschiedlichen konkreten Wirtschaftsverhältnisse, die den EURO gefährden. Es sind die verschiedenen Ideologien und dadurch bedingt die unterschiedlichen politischen Handlungsabläufe. Konkret sollen mal die EURO-Gegner, die volkwirtschaftlichen Ersparnisse berechnen, die der EURO als Gemeinschaftswährung ermöglicht hat. Sie werden erstaunt sein, wie gross er ist. Die konkreten wirtschaftlichen Verhältnisse sind heute in Europa ähnlicher als jemals in den letzten 100 Jahren.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Rolf

        Ihre Lobeshymne auf die segensreiche Wirkung des Euro in Ehren – aber per Saldo haben davon nur die Wirtschaftseliten und die Politiker profitiert, während das gewöhnliche Volk heute schon schrecklich leidet: GR – Schulkinder sind am Verhungern, Viele haben kein Geld für die Heizung, der Mittelstand wird mit Steuern auf fiktiven Autokosten geschröpft, während die fetten Reeder immer noch steuerfrei sind.

        In SP stürzen sich die aus ihren Wohnungen Vertriebenen aus Verzweiflung in den Tod.

        Das ist das wahre Gesicht Ihres Euro-Erfolges!

      • Johnny Smith sagt:

        Ich muss Herr Ernst recht geben. Für gewisse Länder und dort leider für viele Menschen bringt der Euro mehr Schaden und Verderben als Segen.

        Ich teile aber auch Ihre Meinung (so meine ich zumindest aus Ihren Äusserungen zu entnehmen), dass eine stabile Währung volkswirtschaftlich längerfristig sinnvoll ist. Ich finde deshalb auch die extremen Liquiditätsausweitungen verschiedener Zentralbanken weltweit kriminell.

        Was ich aber nicht verstehe, ist, weshalb die Euro-Fanatiker so fanatisch an der Unabänderlichkeit des Euro wie ein Mantra festhalten. Die angesprochenen Probleme haben u.a. damit zu tun, dass die verschiedenen Wirtschaftsräume zu unterschiedlich geblieben sind oder teilweise gar, was die Konkurrenzfähigkeit angeht, weiter auseinandergedriftet sind. Wenn dann stellvertretend die Deutschen nicht einfach Checks auststellen wollen, macht es Sinn, wenn einzelne Länder wie jetzt eben Zypern, oder GR, Sp, P, evt. It einen (vielleicht nur temporären) Austritt überlegen und vorbereiten. Wenn sich der Euro als Stabilitätswährung bewährt, können diese Länder dann später, wenn sie wieder festen Boden unter den Füssen haben, wieder dem Euro beitreten.

        • Anh Toan sagt:

          @Johnny Smith: Wie kommen die phobischen Europhoben (also das Gegenteil Ihrer fanatischen Eurofanatiker) auf die Idee, schwache Länder sollen austreten, um mit schwacher Währung eine Wirtschaft aufzubauen, die mit starker Währung leben kann, um dann wieder eintreten zu können?

          Aber noch mehr, an die Herren smith, ast, Ernst u Co.:

          Ein Austritt, verbunden mit Staatsbankrott, Ersparnis- Jobs- und Rentenanspruchsverlusten, lässt sich dem Volk nicht verkaufen, mit dem Versprechen, in 10 oder 20 Jahren geht es besser: Wollen Sie dies, müssen Sie dem Volk vorgaukeln, in sechs bis achtzehn Monaten sei alles besser: Sie müssen das Volk verarschen, und machen letztlich doch dann genau, was Sie immer den Eliten vorwerfen?

          • Johnny Smith sagt:

            @ Anh Toan: Mein Votum war eben für den Zwischenweg zwischen ‘fanatischen Eurofanatikern’ und ‘phobischen Europhoben’, den es eben durchaus gibt, aber beide Extremvertreter nicht sehen wollen.

            Mal physikalisch betrachtet: wenn ein Gegenstand unter sich verstärkender Spannung befindet, gibt es verschiedene Lösungsansätze ohne gleich den ganzen Gegenstand in 100 Einzelteile zu zerlegen: 1. Sollbruchstelle (sprich Euro-Austritt), 2. Verstärkung der Spannungsresistenz (sprich politische Union, institionalisierte Transfers, Gelddrucken, …) und Abbau der Spannungsgenerierer (divergierende Konkurrrenzfähigkeit)

            Die politische Elite hat sich für Ansatz 2 entschieden. Ich sehe leider je länger die Krise dauert umso mehr das Risiko, dass die Pflaster zwar immer grösser werden, aber die Spannung mindestens im gleichen Umfang zunimmt. Und je grösser die Spannung, umso grösser der Unfall, wenn es dann halt doch zum Bruch kommen sollte, was ja, wie Sie zu Recht schreiben, in kaum jemandes Sinne ist.

        • Thomas ernst sagt:

          @ Anh

          Was ist der Unterschied, ob das Volk von den Eurokraten belogen wird (“die Krise ist vorüber”, “es braucht nue eine einmalige Sanierung”) um die Lände in Diktatur und Abhängigkeit von Brüssel zu führen, oder ob man die Hoffnung auf neuen Aufschwung weckt?

          Der Mensch ist für (individuelle) Freiheit gemacht, auch wenn Sie dazu, wie die Asiatische Kultur, keine Affinität haben. Der Mensvh ist nur soweit Mensvh, als er frei ist!

          Es bleibt noch viel zu tun.

          Das politische Projekt Euro wurde leider nicht mit der Intention ” Freiheit für alle”, sondern mit der Intention “Alle Macht nach Brüssel” erfunden. Die Ergebnisse sehen wir täglich.

  3. will williamson sagt:

    Verschwinden die Kommentara nach 1 Uhr nachts im Nirwana?

    • ast sagt:

      ich stelle ebenfalls fest, das Blogsystem wird immer labiler, die letzten Benutzerkommentare -wo sind die nun zugänglich?

      • ast sagt:

        es war mir nicht möglich einen neuen Kommentar zu eröffnen, nach 5 Versuchen habe ich es aufgegeben einen Beitrag von 10 Zeilen zu publizieren. Falls der Tagi Hilfe benötigt, ich bin WordPress-Spezialist 😉

    • Thomas ernst sagt:

      @ will

      … nicht immer, aber immer öfter…

  4. Iten sagt:

    es ist so gewollt
    erschaffe die krise und biete die (geplante) lösung an.
    in diesem falle die EU diktatur!

    Schäuble hält es für möglich, daß die Banken überhaupt nie mehr aufsperren.

    Dann werden die Zyprioten eben Staatsgeld und eine Staatsbank machen müssen.

    Zypern muß dadurch weder regierungsunfähig werden, noch zahlungsunfähig bleiben.

    EInmal ein großer Schock, aber dafür danach frei sein, ist besser als die spanische Quälerei.

    • will williamson sagt:

      “es ist so gewollt
      erschaffe die krise und biete die (geplante) lösung an.
      in diesem falle die EU diktatur!”

      Endlich mal jemand, der gleicher Meinung ist. Ich behaupte das auch schon seit einer geraumen Weile!

  5. Iten sagt:

    Um einen Bankrun abzuwenden, bleiben die Finanzhäuser nun bis Dienstag
    kommender Woche geschlossen.
    Aber was passiert dann? Wie die Menschen in der Zwischenzeit an Geld kommen,
    bleibt ungeklärt.

    Wenn am Dienstag die Banken aufmachen sind sie sofort Pleite.
    Bankenrun läßt Grüßen

    Das Zyprionische Volk wird ausgehungert und erpresst.
    Bis diese nicht mehr können und alles was aus Brüssel
    gefordert wird zu akzeptieren.

    Würde solch eine Situation in Deutschland eintreten, würde folgendes passieren: NIX!

    Oder so : der Michel wacht kurzzeitig auf, verfällt sogleich in Schockstarre und dann ins Dauerkoma.

  6. Iten sagt:

    Wann wird endlich eine Steuer auf Dummheit eingeführt.

    Die Einnahmen würden alle Staatsausgaben der Welt decken.

    Wir haben sie schon längst, sie heisst nur nicht so weil
    die Einnahmen in bei Privaten landen und nicht den Staaten zukommen.

    • G. Nardone sagt:

      @Iten: Das ist lustig … Andererseits wäre eigentlich halb so wild, wenn diese Privaten mit diesen Einnahmen dasselbe machen würden was der Staat macht; alles ausgeben. Z.B. für Bentleys, Yachten und so … Damit hätten wir Dummen ja zumindest noch einen Arbeitsplatz.

  7. Marco sagt:

    Büchse??? Siehe hier http://de.wikipedia.org/wiki/Büchse. Deutsche Sprache – kommentarlose Sprache…

  8. Johnny Smith sagt:

    Interessanterweise wird immer von der Rekapitalisierung der zwei grössten zypriotischen Banken gesprochen. Mit anderen Worten ist der ‘Aufhänger’, dass diese beiden Banken insolvent seien. Meist wird gleich Griechenland als Begründung nachgeschoben. Nun, die griechischen Zinsen sind in den letzten Monaten ja eher gesunken sprich die Obligationen im Preis gestiegen. Weshalb sollen also ausgerechnet jetzt diese beiden Banken insolvent geworden sein? Hat jemand eine sinnvolle Begründung für den Zeitpunkt und die Insolvenz dieser Banken gelesen?

    Oder ist es evt. eher so, dass der zypriotische Staat vor der Insolvenz steht und man einfach dort noch Geld holen wollte, wo etwas vorhanden war, also bei den Banksparern?

    • Linus Huber sagt:

      Gute Frage und es zeigt wohl auf, wie desparat die Lage ist.

    • Linus Huber sagt:

      Soweit ich mich richtig erinnere, wurden die Glaeubiger Griechenlands zu einem Schuldenschnitt gezwungen, womit jene Tranchen nicht mehr dem Marktpreis unterworfen sind. Dies mag die Erklaerung sein.

      • Johnny Smith sagt:

        Auch dem Schuldenschnitt unterworfene Papiere können anschliessend gehandelt werden und haben dann einen Marktpreis. Und dieser stieg wie erwähnt seither tendenziell an. Wie diese Obligationen allerdings bei den Banken in den Büchern stehen, weiss ich nicht. Aber selbst wenn, würde ja dies keine Verschlechterung gegenüber dem Zeitpunkt vom Schuldenschnitt bedeuten.

        Weil kaum wo eine sinnvolle Begründung für die Überschuldung der beiden Banken genannt wird und weil auch die Banksparer von anderen Banken miteinbezogen werden sollen, habe ich wirklich eher die Vermutung, dass es primär um die Sanierung der Staatsschulden geht. Oder dann ist das GANZE zypriotische Bankensystem insolvent und vermutlich viele weitere europäische Banken damit.

        Beide Aussagen passen den Europolitikern natürlich nicht in den Kram. Lieber weiter behaupten, sie hätten alles im Griff und Kopf in den Sand vor den fabrizierten Problemen. Hauptsache, der Euro wird ‘gerettet’.

  9. Michael Schwarz sagt:

    Der Austritt aus EU wird bald zur Realität. Die Länder wie Griechenland, Zypern, Spanien oder Italien sind mögliche Kandidaten. Wir müssen uns keine Illusion machen, dass die Euro Zone am Ende ist. Es gibt keinen langfristigen Rettungsplan, deshalb wird die Euro Zone nächster Krise nicht mehr überleben.

    • Martin Holzherr sagt:

      Selbst wenn viele Länder den Eindruck haben, der Euro erschwere ihre eigene ökonomische Lage, ist es bis zu einem Euroaustritt ein gewagter Schritt. Krisenländer, die jetzt aus dem Euro austretten und damit indirekt auch bankrott gehen, verschlimmern zuerst einmal ihre eigene Krise. Der Austritt bringt erst nach einigen schwierigen Jahren einen Vorteil. Für die stärkeren Euroländer brächte ein Austritt eine massive Aufwertung der Währung.
      Deshalb wird uns der Euro wohl noch einige Zeit erhalten bleiben.

      • Linus Huber sagt:

        Ja, es ist aehnlich wie bei einer Frau, welche von ihrem Mann taeglich geschlagen wird und ihn trotzdem nicht verlassen will.

  10. will williamson sagt:

    Die Staatsschuldenquote Zyperns ist leicht höher als der EU-Durchschnitt. Belgien und insbesondere Griechenland, Irland, Italien und Portugal haben weit höhere Schuldenquoten aufzuweisen. 2011 war selbst D mit 80,5% des BIP höher verschuldet als Zypern mit 71,1%. In den Jahren 2012 – 2013 ist die Quote von Zypern dann relativ stark gestiegen auf geschätzte 89.7% bzw. 96.7%, während die Quote von Deutschland in etwa stabil geblieben ist. Wenn jetzt erklärt wird, Zypern sei kein Präzedenzfall für solche Aktionen in den anderen Schuldner-Staaten, dann werden die Zyprer sich fragen, wieso die Sparer nur bei ihnen geschoren werden sollen. Das müsste man ihnen schon plausibel erklären.

    • G. Nardone sagt:

      @will williamson: Die sog. Staatsschuldenquote ist völlig irrelevant & sagt nichts aus. Denn wo bitte ist der Referenzpunkt, das aussagt, ob zu hoch oder in Ordnung? Ist 0 % OK? Und ausserdem, was hat das BIP mit den Staatsschulden alleine was zu tun? Man vergisst immer wieder, dass es auch private Schulden gibt, Unternehmungen und natürliche Personen haben auch mehr oder weniger Bankschulden. Man beziehe diese in die Quote mit ein, dann wird diese in jedem Land ein Vielfaches von 100% betragen, was aber auch wieder nichts aussagt. Die Schulden z.B. der deutschen Unternehmen ist ca. das 2 – 3-fache der deutschen Staatschulden. Die Schulden der franz. Unternehmen das 5-fache der Staatsschulden.

      Relevant in dieser ewigen Schuldenfrage ist hingegen in jeder Haushalts-Bilanz das Verhältnis zwischen Schulden (Passiven) und Vermögen (Aktiven)! Sind die Passiven höher als Aktiven, spricht man Defizit bzw. Verlust, das es auszugleichen gilt. Im Euro-Raum haben diese Defizite allerdings wiederum hauptsächlich mit der Zahlungsbilanz mit dem Ausland was zu tun.
      Die Krisen-Euro-Länder GRE, POR, ITA, SPA & FRA haben hohe Import-Defizite gegenüber DEU, das deckungsgleich hohe Export-Überschüsse hat. Das Problem ist, dass es für die Krisen-Länder im Moment keine absehbare Möglichkeit gibt die Defizite den Deutschen zu begleichen, weil die deutsche Politik das selbst blockiert! Denn die Importe müssen am Schluss in jeder Wirtschaft mit Exporte beglichen werden, was bedeutet, dass Deutschland in gleicher Höhe Import-Defizite machen muss, dann sind die Schulden bezahlt gegenüber Deutschland. Unglaublicherweise werden diese einfachen Zusammenhänge nicht verstanden!

      • Linus Huber sagt:

        0% ist OK. Alles andere heisst, dass die Regierung sich weigert innerhalb des bewilligten finanziellen Rahmens seine Aufgabe zu erfuellen. 0% waere ein guter Grundsatz fuer jede Verfassung.

        • G. Nardone sagt:

          Aber nur 0% Schuldenquote bedeutet auch 0% Sparquote bzw. 0% Investionsquote! Man kann nicht den Fünfer und das Weggli zugleich haben, wie man so wunderbar sagt in diesem Land.

          • Linus Huber sagt:

            Ich muss wohl dies besser qualifizieren. Dies schliesst natuerlich Investitionen des Staates aus, welche jedoch entsprechend abgeschrieben werden muessen und die Abschreibung muss als Kosten ueber eine sinnvolle Periode budgetiert werden.

            Man kann trotzdem sparen, Geld ist im Umlauf, Kredite werden fuer profitable Projekte gesprochen, man kann ein Haus bauen etc. etc. Jedoch wird die staatliche Nachhaltigkeit dadurch sichergestellt. Sparen heisst, weniger zu Konsumieren als man produziert. Dies geht immer. Der eine spart, ein anderer startet ein Projekt der Produktion und alles wird ueber den Preis des Geldes marktwirtschaftlich geregelt. Wenn zuviel gespart wird, sinkt der Preis fuer Geld, wenn ueberinvestiert wird steigt er. Der Staat hat einzig den Werterhalt des Geldes zu sichern.

          • Anh Toan sagt:

            Geld ist im Umlauf

            Am Anfang war das Geld!

          • G. Nardone sagt:

            @Anh Toan: “Geld ist im Umlauf” … wenn es für eine Transaktion benutzt wird, nicht wenn es nutzlos auf einem Konto oder im Tresor liegt. Geld muss fliessen, heisst ja auch schön; liquide Mittel. Wenn Geld gespart wird, verrottet es.

            @Linus Huber: “Sparen heisst, weniger zu Konsumieren als man produziert. Dies geht immer” – Das geht nur, wenn jemand das, was Erstere weniger konsumiert als produziert, MEHR konsumiert als produziert, also nur über Schulden. Es können alle Kartoffeln oder so sparen, aber eben nicht Geld. Wenn alle weniger konsumieren als produzieren, bleiben produzierte Überschüsse auf dem Markt liegen & drücken so auf die Preise & damit auch auf die Erträge & Löhne des nächsten Reproduktionszyklus. Geld wurde primär zur Vereinfachung des direkten Leistungs-Tausch erfunden, also für Verkauf & Kauf. Geld sparen ist eher ein Missbrauch.

            Neue Investitionen geht nur über NEUE Schulden. Wenn die Wirtschaft wachsen soll, brauchts neue Investition, neues Geld & damit neue Schulden. Die Überzeugung der Neo-Klassik sowie der meisten Menschen, die aus ihrer mikro-ökonomischen Perspektive fälschlicherweise die Makro-Ökonomische betrachten, glauben, man könnte neue Investitionen mit Sparen finanzieren. Also zuerst Sparen & dann Investieren. Ist aber ein Trugschluss, denn wenn man zuerst spart & dann investiert, bedeutet das; ich nehme an einem Ort was weg & füge es an einem anderen Ort hinzu. Das führt bestenfalls, aber eher unwahrscheinlich, dass der Kuchen gleich gross bleibt, nichts Neues entsteht damit logischerweise. Wahrscheinlicher aber aufgrund des zeitlichen Ablaufs, also zuerst sparen, werden bereits Erträge gekürzt & damit eine allg. relative, negative Erwartung in der Wirtschaft erzeugt. Und in einer allg. negativen Erwartung des wirtsch. Verlauf investiert kein Investor, er investiert nur in der Erwartung positiver Rendite & allg. positive wirtsch. Erwartung.

          • Anh Toan sagt:

            @G. Nardone: Geld ist eine Forderung und die sind weder flüssig noch verotten sie. (Forderungen sind abstrakt und werden uneinbringlich).

            Ich wollte aber nur Herr Huber fragen, woher das Geld kam, von dem er einzig sagt, es befinde sich im Umlauf.

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Alles eine Frage des Masses. Ich stimme Ihnen grundsaetzlich zu, jedoch kann sparen (erhoehte Effizienz) die Kapazitaet frei machen um neue Projekte zu starten. Kredite sollten zu einem grossen Teil durch Sparanstrengung erwirtschaftet werden. Das Wachstum des Kreditvolumens im System sollte in etwa dem Wirtschaftswachstum entsprechen, andernfalls wir eine nicht nachhaltige Situation kreieren. Ueber den Preis wird die Menge reguliert, wie Sie richtig erklaeren, jedoch auch das Kreditvolumen indem sich die Zinsen entsprechend der Situation anpassen. Das heutige Problem liegt jedoch genau darin, dass der Preis fuer Geld manipuliert wurde ueber viele Jahrzehnte, womit sich ein allgemeines Ungleichgewicht einstellte, indem aufgrund tiefer Zinsen ueberinvestiert wurde. Schrittweise werden sich die Fehlinvestitionen melden. Sie werden dies in den naechsten Jahren, wenn der Konsum einfach nicht mehr durch geldpolitische sowie finanzpolitische Manipulation angekurbelt werden kann.

          • G. Nardone sagt:

            @Anh Toan: Dann entschuldigen Sie mich, dass ich mich eingemischt habe bzw. mich wieder einmische, denn wenn Sie sagen:

            “Geld ist eine Forderung und die sind weder flüssig noch verotten sie (Forderungen sind abstrakt und werden uneinbringlich).”

            Muss ich fragen, wofür Geld denn eine Forderung ist? Eben, eine Forderung nach Leistung bzw. Güter & Dienstleistungen. Geld ist flüssig, wenn sie für Transaktionen benutzt werden. & Wenn eine Forderung besteht, muss auch eine Verpflichtung bzw. Schuld irgendwo in den Büchern stehen. Die Forderungen an sich sind abstrakt, nicht aber was sie “fordern”; das wären Leistungen! Forderungen werden dann uneinbringlich, weil das was sie fordern, am Markt angebotene Arbeitsleistungen, nicht mit den entsprechenden Forderungen eingelöst werden! Und wenn Forderungen nach Leistungen nicht eingelöst werden, können die logischerweise entsprechenden Verpflichtungen nicht erfüllt werden. Die Schulden können nicht bezahlt werden!

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Ich stimme mit Ihnen überein was Fehlinvestitionen betreffen. Aber, das alleine der Geldpolitik anzulasten, scheint mir zu einfach. Denn die allfälligen Fehlinvestitionen sind womöglich hauptsächlich im privaten Bereich angesiedelt. D. h. vielleicht haben wir alle Anteil an dieser Schuld. Ausserdem gibt es noch den historischen Zusammenhang den man vielleicht einbeziehen müsste; nämlich das im letzten Jahrhundert explosive Bevölkerungswachstum, vor allem nach dem Krieg, und damit eine kritische Zeit, in der man schnell handeln musste um nachhaltige Pläne zu schaffen & zusätzlich noch der Umstand, dass natürlich die vielen konkurrierenden Eigeninteressen in den Bevölkerungsgruppen noch das ihrige hinzutaten. Und unter diesen Umständen, kann man bei Weitem nicht Perfektion in der GesellschaftsPolitik erwarten.

            “Das Wachstum des Kreditvolumens im System sollte in etwa dem Wirtschaftswachstum entsprechen” – Ja, fände ich auch ideal. Das geht aber nur über Neuverschuldung, nicht durch vorherigem Sparen. Nochmals: Durch zuerst sparen & dann investieren, wird netto nicht ein Mehr geschaffen, gibt kein Wachstum, im Gegenteil, aufgrund der Konsequenzen des zeitlichen Ablaufs. Wachstum geht nur über Neuverschuldung, und ich frage mich was Sie dagegen haben, denn diese Schulden können auch wieder abgetragen werden, sofern die neuen Leistungen aus der neuen Investition konsumiert bzw. bezahlt werden & es keine sogenannte Fehlinvestition ist.

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Ich denke, dass wir hier diskutieren, was zuerst war, das Huhn oder das Ei. Sparen und Investitionen sind grundsaetzlich die beiden Seiten der gleichen Muenze. Was mich hauptsaechlich interessiert, ist die Nachhaltigkeit, das heisst symbolisch betrachtet die Groesse der Muenze. Wir haben heute in etwa ein Kreditvolumen im Rahmen von durchschnittlich 340% des gdp in den westlichen Staaten, aufgrund eines historisch betrachtet einmaligen Kreditbooms. Es sollte eigentlich offensichtlich sein, dass das Kreditvolumen im Verhaeltnis zum gdp auch nicht unendlich wachsen kann. Ich laste den Zentralbanken an, dass sie diese Entwicklung durch die Manipulation der Zinsen zumindest mitverantworteten. Ebenfalls sehe ich die Aufhebung des Goldstandards als eine Art Befreiungsschlag des System, welches diese nicht nachhaltige Entwicklung ermoeglichte. Unter meiner Sichtweise nimmt der Preis des Geldes einen dominanten Platz innerhalb der Finanzsystems ein und dessen Manipulation und damit Abweichung vom Prinzip der freien Marktwirtschaft musste laengerfristig Probleme kreieren. Vielleicht koennen Sie sich mit dieser Auslegung einverstanden erklaeren.

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Ankerlose Geldpolitik des billigen Geldes verfuehrt dazu, dass Fehlinvestitionen gemacht werden, weil bei der Kalkulation eines Projektes die Zinslast ein wichtiger Faktor darstellt. Ein anderer Aspekt, welchen ich hier nicht einmal ansprach, liegt im damit verbundenen Prinzip des Eigentumsrechtes, welches eine essentielle Stellung in unserer Gesellschaft einnimmt. Indem man quasi vom Sparer zum Schuldner umverteilt, wird dieses Prinzip verletzt.

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Der Mann sieht vor lauter Baeumen den Wald nicht. Er erkennt ebenfalls nicht, dass das massive Wachstum des Kreditvolumens eine wirtschaftliche Bedeutung hat und schlussendlich zu einem Problem wird.

            http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=INmqvibv4UU#!

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Natürlich ist “das massive Wachstum des Kreditvolumens” ein Problem. Doch da wir ein Kredit-Geld-System ja haben, keinen Goldstandard, sind was für den Einen Schulden, für den Anderen Geld-Spar-Vermögen. Bei einer Kreditvergabe entsteht automatisch auch ein Deposit, weil man das Geld doppelt buchen muss. Und Geschäftsbanken schaffen das meiste Kredit-Geld, auch genannt Buchgeld, schauen Sie sich doch die Statistiken oder Bilanzen mal an. Es ist zu einfach die Schulden zu beklagen bzw. die “Schuldner” zu beschuldigen, die ja hauptsächlich Investitionen getätigt haben, genauso könnte man die Sparvermögen beklagen, die andere Seite der Medaille, die nämlich das Geld nicht ausgeben. Ausserdem schauen wir doch die Lohnentwicklung z. B. in USA an, die seit den 70er der Produktivität hinterherhinken. Die Mittelschicht dort hat heute weniger als noch in den 70er trotz ständigem Wachstum. Zusätzlich wurden den Reichen Steuern zu Lasten der Mittelschicht entlastet, in der Hoffnung die Reichen würden dann mehr investieren, was sie nicht ganz getan haben, wofür es gute Gründe gibt. Und was sind die Konsequenzen solcher Entwicklungen, wenn die Mittelschicht weniger konsumieren kann als sie produziert: Absatz-/Nachfragerückgang & Krisensymptome. Und hier springt nun die Zentralbank ein, um mit neuem Geld positive Impulse in eine wirtsch. Entwicklung, mit relativ negativer Erwartung, zu setzen. Und natürlich nützen diese langfristig nicht viel, wie Sie beklagen. Doch Sie vermeiden die tieferen Ursachen solcher Entwicklungen zu betrachten & beklagen sich der Symptome.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Aber Sie haben recht, mit einem Kredit-Geld-System, nimmt Geld, oder besser gesagt Banken als 3. Agent, einen dominanten Platz in der gesamten Wirtschaft ein, was die Neo-Klassiker nicht in ihren Modellen berücksichtigen. Denn bei den Banken startet der produktive Kreislauf von: Kredit/Deposit (es entsteht neues Geld) – Investition – Produktion – Angebot – Nachfrage/Konsum – Tilgung Kredit/Deposit (Geld wird gelöscht) – Kreis geschlossen.
            Doch Banken sind privat, und unter Ihnen herrscht Konkurrenz. Also, das nenne ich weitaus eine freiere Marktwirtschaft, als würde nur eine staatliche Zentralbank diese Aufgabe der Banken heute übernehmen! Natürlich scheint das ein billiges Geld zu sein, ja geradezu kostenlos, was nicht ganz stimmt, Banken riskieren dennoch Zins-/Tilgungsausfälle, und mit den Zinsen finanzieren sie ihren Betrieb & Gewinn. Dass man so ein System ziemlich missbrauchen kann innerhalb der Banken, das ist klar & ist nicht nur Theorie, dafür haben wir aber auch eine Banken-Aufsicht. Also ich stimme überein, dass nicht alles perfekt ist heute im Geld-/Finanzsystem, aber zurück zu einem Gold-Standard ist ein Rückschritt & problematischer aus vielen bereits genannten Gründen. Geld als Transaktionsmittel, sollte eine Bewertung vornehmen, an sich eben keinen eigenständigen oder absoluten Wert besitzen, sondern nur relative Kaufkrauft & sollte nicht zum Sparen benützt werden. Gold als Ware & nicht als Geld, kann ja jeder zum Sparen jederzeit benützen.

        • Linus Huber sagt:

          @ Nardone

          Ich kenne die Idee, dass Geld einzig als Zahlungsmittel funktionieren soll. Aber genau dieser Gedankengang produzierte die heutige nicht nachhaltige Idee, da dadurch eine Politik der leichten Geldentwertung Einzug hielt, womit die Bevoelkerung konditioniert wurde, sich sofort des Geldes zu entledigen und in Sachanlagen anzulegen. Um noch einen groesseren Vorteil der Geldentwertung und damit der Umverteilung vom Sparer zum Schuldner zu generieren, wurde das Schuldenmachen sozusagen gefoerdert und damit die Aufblaehung des Kreditvolumens. Sie unterscheiden nicht zwischen Kredit als Investition fuer profitable Projekte (profitabel nicht aufgrund Preissteigerung) und Konsumkredit, was jedoch ebenfalls verschiedene Auswirkungen zeigen duerfte, da in einem Falle einzig die Preissteigerung die Kreditaufnahme rechtfertigt. Jedoch fuehrt diese jahrzehntelange Geldpolitik zu einer Veraenderung des Verhaltens der Bevoelkerung, was in den rein mathematischen Modellen nicht beruecksichtigt wird. Es fuehrt zu Entwicklungen, welche jede Nachhaltigkeit vernachlaessigen und beim Platzen von jeweiligen Blasen entsteht ein sehr zerstoererischer Schaden fuer die Gesellschaft. Wachstum basierend auf massiv hoeher wachsendem Kreditvolumen (hoeher als das Wirtschaftswachstum) ist nicht nachhaltig, da die Kapazitaet aufgrund manipuliert tiefer Zinsen ausgebaut wurde und sich somit die Anzahl fragwuerdiger Projekte mehren (Fehlinvestitionen). Die Qualitaet des Wachstums ist jedoch nicht wirklich messbar, sondern einzig das Wachstum des Kreditvolumens mag als Indikator funktionieren.

          Die Ausrede der Zentralbanken, dass sie die Kreditmenge nicht beeinflussen koennen, lasse ich nicht gelten. Sehr wohl stehen Regeln zur Eigenkapitalquote und Zinspolitik zur Verfuegung um eine langfristige Preisstabilitaet zu gewaehrleisten.

  11. Jakob vonGunten sagt:

    Was für eine scheinheilige Empörungsschreibe! Die staatliche Intervention Zyperns stellt klar einen tiefen Eingriff in die Eigentumsrechte dar und unterminiert damit die Fundamente der Demokratie. Grundpfeiler der Demokratie sind persönliche Freiheit und Recht auf und Schutz von Eigentum. Mit der staatlichen Konfiszierung, als Abgabe schöngeschnorrt, werden demokratische Prinzipien ausgehebelt. Dasselbe gilt für die verantwortungslose Verschuldungspolitik der Linksregierungen, die damit im Osten Europas ganze Volkswirtschaften in den Ruin trieben und ganze Generationen in Armut und Unfreiheit hielten. Die Resultate sollcher linksopportunistischen Verzerrungen werden im de-facto-Bankrott Griechenlands evident, welcher in der Folge die zypriotischen Banken in den Abgrund rissen. Die politisch Verantwortlichen für dieses europäische Wirtschafts- und Finanzdesaster aber kommen ungeschoren davon. Niemand klagt einen der Verschuldungs-Politiker an, die mit grosszügigen Geschenken wie unnötigen und ineffizienten neuen Staatsstellen, übertriebenen Arbeits-Schutzgesetzen und nichtfinanzierbaren Rentenansprüchen ihre Wähler geködert und gekauft haben. Genau diese Linkspolitiker bestehen und beziehen ihre lebenslangen und fetten Renten, sie drängen sich vor jedes Mikrofon und beschuldigen den kapitalistischen Erzfeind – die “Bankne” -, am Untergang schuld zu sein, den sie in ihrem vorgeblichen sozialistische “Gerechtigkeitswahn” verursachten. Es sind diese Politiker, die sich durch unethische Gesetzesgebung vor iuristischen und finanziellen Folgen ihrer Verschwendungspolitik als “Untouchables” erklären liessen, und die ihren Kapitalistenfeinden genau das vorwerfen, was sie selber im grossen Stil begingen: Betrug, mafiöse Verstrickungen, Günstlingswirtschaft und höchstmöglicher persönlicher Profit.

    • Linus Huber sagt:

      Ja und die Zentralbanken ermoeglichen mit ihrer inflationaeren und ankerlosen Geldpolitik solche Entwicklungen.

  12. Dass die Zwangsabgabe für die ersten 100K keine gute Idee war, wussten wir eigentlich alle. Dank des Beitrags wissen wir nun auch, weshalb wir es wussten… 🙂

    Ich habe nur ein kleines Problem mir der Einleitung, speziell des Abschnitts über den Zweck des Einlagenschutz. Ich dachte immer (jedenfalls, seit ich eine halbe Ahnung davon habe), dass das Problem eines bank runs die Tatsache ist, dass das von den Banken den Sparern geschuldete Geld gar nicht existiert. Buchgeld auf Banken ist eigentlich kein Geld, sondern lediglich ein Versprechen, es “jederzeit” gegen echtes Notenbankgeld einzutauschen, wenn man Geld abhebt. Durch die Geldschöpfungspraxis der Banken wird ein und dasselbe Geld-“Stück” mehreren Sparern versprochen. Dies ist möglich, weil normalerweise nicht alle gleichzeitig Anspruch auf ihr Geld erheben. Sobald aber in einer Krise alle Sparer ihr Geld abzuheben beginnen, stellen sie fest, dass das vorhandene Geld nicht ausreicht, um alle auszuzahlen, weil eben mehrere Sparer auf dasselbe Geld Anspruch erheben.

    Um ein vollkommenes Abschlittern in die Steinzeit zu verhindern, kann eine Nationalbank als lender of last resort Notenbankgeld erschaffen, um die Schuld der Banken an den Kunden (im Rahmen des Einlegerschutzes) zu begleichen und die Sparer auszuzahlen. In einem gewissen Sinn macht die Nationalbank das quasi “gefälschte” — da “erfundene” — Buchgeld der Banken nachträglich echt.

    Ein Banknoten-Fälscher kommt ins Zuchthaus, aber Banken “fälschen” (d.h. schöpfen aus dünner Luft) legal Geld und werden sogar schadlos gehalten, wenn der “Betrug” im Rahmen eines bank runs auffliegt.

    Ich sage nur: Voll-geld-reform!

    PS: Meine Beiträge verschwinden des öftern im Nirvana. Gibt es irgendwelche Zeichenfolgen, auf die das Blog-System allergisch reagiert??

    • Linus Huber sagt:

      @ Ralph

      Es gibt 2 Aspekte, welche dabei zu unterscheiden sind. Einerseits die Frage der Liquiditaet und andererseits die Solvency.

      Im Falle eines Liquiditaetsproblems springt grundsaetzlich die Zentralbank in die Luecke. Das Liquiditaetsproblem entsteht dadurch, dass durch die Bestimmungen ausgehandelt in den verschiedenen Basel-Abkommen, die Banken nur eine bestimmte Reserve auf die verschiedenen Einlagen zu halten haben. Es besteht jedoch ein “Missmatch” im Verfall-Datum der Einlagen einerseits und den ausgelehenen Geldern. Wenn Banken Geld nur solange weiterausleihen duerften, wie der Bankkunde sein Geld der Bank zur Verfuegung stellt, waere ein Bank-Run gar nicht moeglich.

      Der 2. Aspekt betrifft die Solvency. Das Problem hierbei liegt am Hebel, indem nur etwa 2-3% Eigenkapital zur Verfuegung steht etwelche Verluste abzudecken. Wenn aufgrund eines oben beschriebenen Liquiditaetsproblems eine Bank seine Guthaben von Schuldnern zurueckfordert, oder diese Forderungen weiterverkauft, mag sie unter zeitlichem Druck nicht den vermeintlichen Preis erhalten, wodurch sehr schnell die Solvency in Frage gestellt wird.

      Auf der System-Ebene operieren wir heute mit Kreditvolumen von zwischen 300-350% des gdp in den meisten westlichen Staaten. Dieses Volumen wurde verhaeltnismaessig stark ausgeweitet und manch eine Fehlinvestition findet sich auf den Bankbilanzen. Es wird jetzt vehement versucht, diese Abschreibungen nicht vorzunehmen, da ansonsten die Solvency der Institution betroffen sein mag. Dies ist einer der Gruende, warum die Zentralbanken vermehrt ihre Bilanzen ausweiten um eben dieser Situation ausweichen zu koennen.

      • Die Behauptung, “ein Bank-Run [wäre] gar nicht moeglich” “wenn Banken Geld nur solange weiterausleihen duerften, wie der Bankkunde sein Geld der Bank zur Verfuegung stellt” stimmt doch wohl aber nur unter der Voraussetzung, dass Banken selber kein Geld schöpfen dürften, etwa unter Vollgeld-Bedingungen. Natürlich sehe ich auch, dass als Kredite vergebenes Geld nicht “da” ist, um herausgegeben zu werden. Aber unter fractional reserve Bedingungen sind immer viel mehr Kredite ausstehend (und als Guthaben auf anderen Banken auf ihr Abheben wartend), als durch Sparer deponiert worden sind (wie Sie wissen sind je nach Land mehr als 85% der gesamten Geldmenge von den Banken als Kredite/Guthaben geschöpftes Buchgeld).

        Natürlich darf man in müssigen Gedankenspielen die Möglichkeit erwägen, dass theoretisch alle ausstehenden Bank-geschöpften Kredite zurückgezahlt und danach von den Banken wieder “vernichtet” werden können, sodass nur noch Notenbankgeld im Umlauf ist oder in Krediten festsitzt. Dann würde vielleicht kein bank run entstehen, da dann niemand Geld auf der Bank hat. Diese Vorstellung ist ja wohl aber genügend unrealistisch, um auf dieser Basis ein Finanz- und Wirtschaftssystem zu rechtfertigen, von dem unser aller Wohlergehen abhängt. Möchte man meinen…

        • will williamson sagt:

          Ein physischer Bankrun ist ja auch nur so lange sinnvoll als Notengeld abgeholt werden kann. Das mag u.a. ein Grund dafür sein, dass die Abschaffung des Bargelds gefordert wird. Um diesen physischen Run zu verhindern, machen dann die Banken wie jetzt in Zypern den Laden dicht. Ein Bankrun kann natürlich heute auch virtuell erfolgen, indem über Telebanking Gelder z.B. ins Ausland verschoben werden. Um dies im gegebenen Fall zu verhindern, macht die Bank gleichfalls den Laden dicht, eben auch virtuell, indem sie das Telebanking ausser Betrieb setzt. Mir scheint die virtuelle Variante die gefährlichere, weil mit weniger Aufwand auf breiter Basis realisierbar.

          • Möglein. Ich ziehe in jedem Fall die Idee des Vollgeldes vor. Mit der Abschaffung des Bargeldes würde letztlich nur ein Konstruktionsfehler des Finanzsystems verschleiert, da dann auf die dem System innewohnenden Krisen nicht mehr reagiert werden könnte. Für einen Ökonomen mag das ja ein Vorteil sein, da sich Denkfehler in seinen Theorien nicht mehr auswirken können (da das Instrument der Auswirkung fehlt). Die scheint mir allzu analog zur Neusprache in Orwells 1984, in der sich unorthodoxe Gedanken bekanntlich nicht ausdrücken lassen, womit dann bewiesen werden kann, dass das System in Ordnung ist: es beklagt sich ja niemand!

          • will williamson sagt:

            @Sommerer:
            1) Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich befürworte nicht die Abschaffung des Bargelds. Das sind andere.
            2) Eine wachsende Wirtschaft braucht auch ein wachsendes Kreditvolumen so weit die Unternehmen sich nicht selber finanzieren können.
            3) Die wundersame Geldvermehrung kommt in ihrem Ausmass durch die minimalen Reservevorschriften zustande. Die Kreditexpansion beträgt im Maximum 1/r (r = Reservesatz). Bei 2% Reserve kann aus Fr. 1000 ein Geldvolumen von Fr. 50,000 geschaffen werden. Soll das Schöpfungsvolumen reduziert werden, muss ein höherer Reservesatz vorgeschrieben werden. Da sind die Banken natürlich dagegen, weil höhere Reserven weniger Kredite und damit weniger Gewinn bedeuten. Aus dem gleichen Grund möchten sie das Bargeld abschaffen. Barabhebungen vermindern ebenfalls das Kreditvolumen. Daneben spielt natürlich auch die Umlaufgeschwindigkeit eine Rolle. Wenn eine Tausendernote jede Woche in einer anderen Tasche ist, kann damit ein Jahresumsatz von 52,000 Franken erzielt werden ohne dass sich das Geldvolumen vergrössert hat.

          • G. Nardone sagt:

            @Ralph Sommerer: Aber erklären Sie doch bitte wo der Konstruktionsfehler des heutigen Finanzsystems liegt?

            Was das Bank-Run Problem betriff, zumindest nicht der virtuelle Run; kann auch so gelöst werden; dass Zentralbankgeld in Papierform nicht mehr als Reserve für Buchgeld definiert ist, sondern als Substitut für elektronisches Buchgeld, als auswechselbare Zahlungsmittelform.

          • G. Nardone sagt:

            @will williamson: Ihr 3. Punkt ist glaub ich falsch. Die “wundersame Geldvermehrung”, auch genannt Buchhaltung, wird nicht von den Mindest-Reservevorschriften eingeschränkt, sondern von der Eigenkapitalquote, die ja mit Basel III erhöht sowie auch komplexer wurde. Über die Einhaltung der Mindest-Reservevorschriften von Zentralbankgeld, was eine andere Sache ist, kümmern sich die Geschäftsbanken sogar nachträglich einer Kredit-BuchGeld-Expansion, nachgewiesen von einem Ökonomen, dessen Name ich nicht mehr weiss. Ausserdem tragen Banken für ihr sogenanntes geschöpftes Geld als Kredit auch das Risiko mit, womit sie auch ihre möglichen Gewinne rechtfertigen. Wenn auch leider seit 2008, Stichwort “too big to fail”, das nicht mehr der Fall ist. Andererseits ist es zwar auch richtig, Institute wie Banken bzw. die Deposite der Bevölkerung zu retten, wenn die “Bank” ja nur missbraucht wurde …

          • Linus Huber sagt:

            @ Ralph

            Will erklaert es richtig. Die sogenannte Geldschoepfung besteht nicht darin, dass mehr Anleihen als Guthaben bestehen. Dies ist bilanztechnisch nicht moeglich. Es ist die Bilanzsumme, welche wichtig ist und diese kann je nach Eigenkapital- und Reservenvorschriften hochgepumpt werden (Hebel um eine hohe Eigenkapitalrendite zu erreichen).

            Ebenfalls muss ich darauf bestehen, dass das Problem des “Missmatch” zwischen Verfalldatum der Einlagen auf einer Seite der Bilanz nicht dem Verleih auf der andern Seite der Bilanz einzig einen Bankrun ermoechlichen, ansonsten die Bank einfach entsprechend dem Wunsch der Depositaere die andere Seite der Bilanz entsprechend reduzieren kann.

            Allerdings habe ich ein zusaetzliches Problem unterschlagen, dies ist die Bewertung nach Modell und nicht nach Markt. Es figurieren auch heute noch Positionen (nach 5 Jahren Krise!) auf den Bilanzen der Banken, welche nicht den Marktpreisen entsprechen, womit natuerlich die Frage der Solvency noch mehr an Gewicht gewinnt.

    • will williamson sagt:

      A propos Nirvana: Ist mir auch schon passiert, dass die Beiträge verschwunden sind. Beim nochmaligen Senden wurde dann reklamiert, der Beitrag sei schon einmal gesendet worden. Gestern Abend habe ich versucht einen Kommentar zu beantworten mit vier Zeilen. Aus meiner Sicht völlig unverfängliche Ausführungen. Verschwand. Bei Wiederholung wieder die Beanstandung wegen doppelt. Auch Wiederholungen mit gewissen Änderungen nicht erfolgreich. Es ist mir nicht gelungen, herauszufinden, woran das liegen kann. Irgend ein komischer Filter scheint da tatsächlich vorhanden zu sein.

      • Re: Nirvana. Ich glaube, es sind nicht so sehr zensierte Schlüsselwörter sondern gewisse Kombinationen von Klammern, Bindestrichen und Anführungszeichen, auf die das Blogsystem allergisch reagiert. Es versucht wohl, diese zu interpretieren, um smilies oder Formatieranweisungen zu generieren und stürzt dann ab (oder so).

        PS: Weiter “unten” hat jemand etwas von WordPress gesagt. “Versteht” dieser Blog solche Formatier-Anweisungen?

  13. Martin Holzherr sagt:

    In diesem Beitrag wird nur die Ansteckungsgefahr durch das EU-Vorgehen im Fall Zypern thematisiert. Wenn Bankkunden den (teilweisen) Verlust ihrer Guthaben befürchten müssen kann sich tatsächlich schnell ein Bankrun entwickeln und zwar ein Bankrun auf die schwächeren Banken – die Banken in den Krisenländern. Dies ist wiederum ein Beispiel dafür ist, wie das Eurosystem auseinanderdividiert wird anstatt das Probleme gemeinschaftlich gelöst werden.
    Ich sehe aber dieses Vorgehen der EU als Symptom eines noch weit grösseren Problem in der Eurozone: Es gibt keine Regeln mehr, an die sich die Finanzakteure und Euro-Bürger halten könnte: Alles ist möglich. Seit die Regeln von Maastrich (kein Bail-Out) gefallen sind, gibt es in der Eurozone für Krisenfälle keine Regeln mehr auf die man sich verlassen könnte. Die Eurozone schwankt von Krise zu Krise und bei jedem Krisenfall ist grundsätzlich alles möglich. Entschieden wird das von Fall zu Fall durch die Politiker, die gerade etwas zu sagen haben.

    • Linus Huber sagt:

      Lug und Betrug sind von der Ausnahme der Regel zur Regel mutiert. Dies trifft in den USA genauso zu.

    • Johnny Smith sagt:

      Ich teile Ihre Meinung, dass ein wichtiges Problem ist, dass sich die Finanzakteuer und Bürger nicht mehr an Regeln halten können. Alle Regeln wurden im Verlauf der Krise gebrochen und sind leider nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Es ist aber meiner Meinung nach noch schlimmer als Sie formulieren: es ist nicht so, dass es keine Regeln gibt, sondern es gibt Regeln, aber man kann sich nicht auf diese verlassen. Ein vorgegaukelter Rechtsraum, auf den man sich keinen Pfifferling verlassen kann, ist noch schlimmer als ein bekanntermassen rechtsfreier Raum. Es wird dann nämlich zusätzlich zum Recht des Stärkeren noch gelogen und betrogen (siehe Beitrag von Linus Huber).

      • G. Nardone sagt:

        @Johnny Smith: Eine Vereinbarung zwischen den EURO-Ländern, die sogar seit der EURO-Einführung systematisch gebrochen wurde von einigen Ländern, ist die Inflationsrate von 2% pro Jahr. Doch die Wenigsten reden davon. Griechenland, Italien, Portugal & Spanien haben nämlich im Schnitt etwa 2.8 – 3 % pro Jahr Inflation gemacht, also über ihre Verhältnisse gelebt, Frankreich hat sich daran gehalten mit ca. 2% und hat dennoch Probleme, weil Deutschland aber, und das ist der Knackepunkt, mit 0.9 % pro Jahr, unter ihren Verhältnissen. Und das geht auch nicht.

        Das ist die Ursache der Euro-Krise. Nicht Staatsschulden alleine, sondern private auch; Schulden ans Ausland aus Import-Defiziten gegenüber Deutschland, das Export-Überschüsse gegenüber den Defizit-Ländern hat. Durch ein Lohndumping hat DEU ein Preisdumping innerhalb EURO-Raum betrieben & somit die Euro-Länder in die Krise gestürzt. Und sich selbst damit eben auch. Denn man kann nicht seine Produkte systematisch zu 20 – 30 % unter ihrem eigentlichen Wert/Qualität verkaufen. Das ist gegen makro-ökonomischen Gesetze, die jetzt dem EURO-Raum die Rechnung präsentieren.

  14. Walter Boshalter sagt:

    Und alles nur, weil ein paar Schwachköpfe in der brüsseler Politzentrale das Unwort der Jahre 2008-2013 (“systemisch”) als Prädikat an jeder Hintertupfinger Dorfbank heften um ihren geliebten Euro zu retten. Es stimmt schon, was kolportiert wird: Entweder man hat Demokratie und Rechtssicherheit oder man hat den Euro…

    • G. Nardone sagt:

      @Walter Boshalter: EURO ist nicht das Problem, sondern die seit Einführung fehlende Koordinierung der Inflation zwischen den EURO-Ländern, aber klar, sich auf der Oberfläche aufzuhalten ist einfacher. Ausserdem, wenn gerade die sog. EURO-Krisenländer aus dem Euro aussteigen und dann natürlich ihre Währungen abwerten, dann knallts in Deutschland; ihre Export-Industrie würde 1000e Arbeitslose über Nacht produzieren. Das will man auch nicht … Andererseits sind die Massnahmen zur Rettung des Euro gerade extrem kontraproduktiv. Das Chaos ist köstlich perfekt …

  15. Johnny Smith sagt:

    Der ursprüngliche Plan, ob jetzt von zypriotischen oder europidiotischen Politikern ausgesponnen, war aus mehreren Gründen ein Bruch mit Regeln und damit staatlich sanktionierter Diebstahl:

    Skandal 1: Man kann selbstverständlich über Sinn und Zweck von Einlageversicherungen und deren Höhe diskutieren. Wenn die aber vom Staat dem Volk versprochen werden, sind diese vom Staat einzuhalten, so lange er nicht konkurs ist (was Zypern technisch gesehen noch nicht ist).

    Skandal 2: Im Fall der Überschuldung einer Bank (wie auch bei anderen Firmen) ist vorgesehen, dass zuerst das Eigenkapital blutet, sprich die Aktionäre müssen zuerst leer ausgehen. Danach folgt das Fremdkapital in einigen verschiedenen Schuldnerkategorien. Ich habe nirgends etwas zum Aktienkapital gelesen. Was ich aber gelesen habe, ist, dass die Senior-Bondholders nicht an der Sanierung beteiligt werden sollen. Angeblich nicht ein sehr grosser Betrag, dennoch ein Bruch mit den Regeln und eine willkürliche Verschiebung der Sanierungslasten von Obligationären zu den Banksparern.

    Skandal 3: Es war geplant, dass nicht nur die Sparer der zu sanierenden Banken zu beteiligen/schröpfen, sondern auch Sparer von allen anderen zypriotischen Banken, welche in keiner Weise illiquid geschweige denn sanierungsbedürftig sind. Wenn das kein Diebstahl ist, was ist denn dann Diebstahl?

    Natürlich ist mit der Ablehnung dieses Pakets überhaupt nichts gelöst. Wie wäre es mit der Sanierung nach den bekannten Regeln? Aktionäre gehen leer aus, nachrangige Anleihen wohl auch und erst danach folgen Senior-Bondholders und Bankeinlagen über der garantierten Schutzgrenze. Oder wenn das nicht reicht und Geldgeber (Russland?) nicht gefunden werden, resultiert der … Staatsbankrott.

    • Anh Toan sagt:

      Sie sagen es: Es resultiert Staatsbankrott, alle Bankeinleger verlieren mindestens die Hälfte der Vermögen und ihren Job und ihre Rentenansprüche.

      Es gibt nur einen Skandal, nämlich dass sich diejenigen, die Geld (auf der Bank) haben, weigern, einen Anteil zu zahlen.

      • Linus Huber sagt:

        Wer Bargeld auf der Bank haelt, bezahlt schon seit Jahrzehnten indirekt an die Risikonehmer in der Form von nicht ersichtlicher Umverteilung, welche aufgrund der dauernden Geldentwertung ablaeuft. Es handelt sich um eine langfristige Entwicklung. Der Unterschied liegt einzig darin, dass heute der Diebstahl offensichtlich gemacht wurde.

        • Anh Toan sagt:

          “Der Unterschied liegt einzig darin, dass heute der Diebstahl offensichtlich gemacht wurde.”

          Damit haben Sie recht, dazu kommt der Unterschied, dass er preogressiv gestaltet werden kann, während Inflation über Kaufkrafteinbussen der Löhne die Kleinen viel härter trifft, als eine Besteuerung der Bankeinlagen, welche primär den Mittelstand aber auch die Reichen trifft, letzteres vor allem, wenn Schwarzgeldbankeinlagen besteuert werden.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            In diesem Fall moegen Sie recht haben, dass es einige der 1% erwischt. Jedoch entwischen diese im Allgemeinen den rigorosen Massnahmen, da sie es vermoegen, das entsprechende Fachwissen einzukaufen.

            Aber die Retourkutsche aus Russland wird nicht lange auf sich warten lassen.

          • Anh Toan sagt:

            Es hat sicher auch viele griechische und englische Schwarzgelder auf Zypern, keine Angst Herr Huber. Und in Russland mag man die Steuerhinterzieher und Offshoregesellschaftsinvestoren auch immer weniger.

      • Johnny Smith sagt:

        Es ist durchaus möglich oder gar wahrscheinlich, dass ein Staatsbankrott ökonomisch teurer würde (was man u.U. aber angesichts des Beispiels Griechenland durchaus diskutieren kann, GR wäre ziemlich sicher jetzt schon besser dran, wenn vor 2-3 Jahren ein EUR-Austritt und starker Kapitalschnitt/Staatsbankrott erfolgt wäre). Der Skandal mit diesem Paket aber ist, dass die vorher abgemachte Regeln (eben auch für einen Sanierungsfall) missachtet und über den Haufen geworfen werden. (siehe Kommentar dazu unten von Herr Holzherr).

    • Linus Huber sagt:

      100% einverstanden.

    • Johnny Smith sagt:

      Der mir im Moment aktuelle Plan berücksichtigt obige kritischen Einwände und ist rechtsstaatlich weniger krass problematisch:

      1. Das Einlegerschutzversprechen scheint jetzt doch gehalten zu werden.
      2. Wie im Konkursverfahren vorgesehen, bluten zuerst die Eigenkapitalgeber, dann Junior und schliesslich Senior Bond Holders und Banksparer.
      3. Banksparer von nicht überschuldeten Banken müssen (zumindest derzeit) nicht mitzahlen.

      Nicht dass damit alle Ungerechtigkeiten gelöst wären, aber immerhin lernen die Europäischen Politiker etwas dazu. Leider viel zu langsam und leider immer nur nachdem ihre Raubzüge auf Widerstand gestossen sind. Weder Glaubwürdigkeit noch viel Kompetenz scheinen vorhanden zu sein. Aber immerhin…

  16. clarkthespark sagt:

    Bei der ganzen Diskussion wird leider vergessen, dass die Enteignung der Sparer ein zypriotischer Vorschlag war. Die einzige Vorgabe der EU war, dass sich die Anteilseigner der Banken an der Sanierung zu beteiligen haben. Davon wollte die zypriotische Regierung aber plötzlich selbst nichts mehr wissen……. (siehe auch Beitrag von Anh Toan). Da hatte wohl jemand selbst handfeste pekuniäre Interessen. Dass sich der Steuerzahler aus BRD, oder woher auch immer in der EU, gegen den jüngsten Vorschlag ausspricht ist klar. Wieso sollen sie die Lasten tragen, wenn sich die Anteilseigner der Banken selbst nicht an der Sanierung beteiligen? Zypern ist ohnehin nicht systemrelevant. Also “stangerlgrad” vor die Wand fahren lassen…

  17. Tinu sagt:

    @Anh Toan, haben Sie nichts besseres zu tun?

    • Anh Toan sagt:

      @Tinu: Anderes hätte ich zu tun, es fühlt sich aber nicht nach besser an.

      Wenn Sie besseres zu tun haben, als meine Ergüsse zu lesen, up2u.

      It’s only R’n’R, but I like it!

  18. Roger Möschler sagt:

    Ein hervorragender Blog von Herr Diem. Es erstaunt mich sehr, dass in Italien, Spanien und Frankreich der grosse Run auf die Banken bis jetzt ausblieb. Haben die Leute den Wink mit dem Zaunpfahl einfach nicht gesehen oder sind die Kleinsparer, wie immer, einfach zu dumm?

    • Anh Toan sagt:

      Nein Herr Möschler, die Leute sind schlauer als allgemein angenommen, sie verstehen, dass in Zypern mit den russischen Schwarzgeldern eine ganz andere Situation als in Italien, Spanien oder Frankreich ist, und ich glaube auch, dass sie sehen, dass es (aus Europa) immerhin zusätzliche Rettung für 93 bzw 90% ihrer Bankguthaben gibt.

      Ich glaube auch nicht, dass viele Bürger so dumm sind, die Versprechungen von Sicherheit unserer Gelder oder Renten der Politiker wirklich in vollem Umfang zu glauben. In diesem Sinne also business as usual, wtf is cyprus, sagen nach der ersten kurzen Erschütterung auch die Börsen.

  19. Xavier Grandjean sagt:

    Früher schaute man verächtlich auf Drittweltländer herunter und hielt solche Massnahmen nur in Bananenrepubliken mit Scheindemokratien für möglich. Na schau an: Die EU ist auf der gleichen Stufe angelangt! Igitt.

  20. Anh Toan sagt:

    Was ist der Unterschied zwischen einer “Zwangsabgabe” und gewöhlinchen Steuern? Letztere werden doch auch mittels Zwang eingezogen, wenn sie keine Akzeptanz finden?

    Warum braucht eine ZWANGSabgabe Akzeptanz? Ist dies nicht ein Widerspruch.

    Warum müssen sich die deutschen Bankeinleger mehr sorgen als die englischen und schweizer Bankeinleger machen? Sie schreiben in der Eurozone wäre dies besonders schlimm, unterlassen es aber, dies zu begründen: Zeigt nicht der Vorschlag zu Zypern, dass innerhalb der Eurozone, sogar wenn der einlagegarantierende Staat pleite ist, vielleicht gerettet wird und die Einlagegarantie doch noch zu 93 Prozent erfüllt wird aus Mitteln eines anderen Staates bzw. der EU, man sich also innerhalb der EU weniger Sorgen zu machen braucht als ausserhalb, weil man als Bankeinleger einen zweiten Garanten hat?

  21. Anh Toan sagt:

    Eine zypriotische Regierung handelt mit der EU ein Rettungspaket aus, um anschliessend diesem Paket in der Parlamentsabstimmung keine einzige Stimme der Regierungspartei (nicht keine Mehrheit zu finden) zukommen zu lassen:

    Das nenne ich “culpa in contrahendo”, Verhandlungsführung nicht nach Treu und Glauben, die Verhandlungen sind abzubrechen (da mit einem Verhandlungspartner, der sich so verhält, Verhandlungen nicht möglich sind), Zypern in den Statsbankrott entlassen.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Anh

      Endlich sind wir uns mal völlig einig: Zypern ist in den Staatsbankrott zu entlassen, wirft den Euro raus und beginnt mit einer eigenen Währung von vorne. Ende mit Schrecken und Neuanfang. In 10 Jahren werden die Zyprioten Gott danken, dass sie dem Joch der Sklavereiwährung entflohen sind.

      • Anh Toan sagt:

        Die Zyprioten werden angekrochen kommen und das (leicht verbesserte) Angebot der EU annehmen, wie könnten sie sich dazu entscheiden, bei einem Staatsbankrott mindestens 50% der Einlagen zu verlieren, wenn sie schon bei 7% heulen. Glauben sie im Ernst, mit der Aussicht auf eine Verbesserung in 10 Jahren jemanden dazu bringen zu können?

        • Linus Huber sagt:

          “Die Zyprioten werden angekrochen kommen”

          und? Finden Sie diese Entwicklung gut? Wohin fuehrt uns diese Entwicklung? Wer profitiert von solchen Arrangements? Wie mag die Reaktion einer demokratischen Gesellschaft aussehen? Wie veraendert sich das Verhalten der betroffenen Menschen und jener, welche dieses Schauermaerchen vorgespielt kriegen? Wo liegt der Ursprung, welche solch eine Krise ermoeglichte oder sogar foerderte? Wer traegt die Verantwortung? Wer traegt die Lasten? Wer genau hat das Interesse der Bevoelkerung im Auge und wer dient der Elite zu?

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Ihre Sorge um die deutschen Steuerzahler ehrt Sie!

          • Linus Huber sagt:

            Ich mache mir keine Sorgen um den deutschen Steuerzahler sondern um die Verletzung der grundlegenden Werte, welche unsere Gesellschaft ausmachen.

  22. will williamson sagt:

    Der US-Ökonom Zervos meint, eine derartige Massnahme erwarte man eher von einer afrikanischen Diktatur als von Europa.

    • Linus Huber sagt:

      @ Will

      Ich wohne in einer sogenannten Bananenrepublik. Verwunderlich ist heute der Umstand, dass diese Waehrung sich dauernd staerkt gegenueber dem EURO und $. Sorry es ist nicht wirklich verwunderlich fuer mich, sondern zeigt einzig, dass die Regierungen und Zentralbanken westlicher Staaten sich schlimmer verhalten als diejenigen der sogenannten Bananenrepubliken.

  23. Anh Toan sagt:

    Die Zyprioten und die Schweizer sind sich ähnlich: Sie sagen “NEIN” und glauben damit den Lauf der Welt stoppen zu können.

    Life’s a hell of a lot more fun, if you say yes, rather than no! (Richard Branson)

    • Tinu sagt:

      NEIN nicht stoppen, aber Steine in den Weg legen! Villeicht mal darüber nachdenken! Die Welt ist nun mal kein Selbstbedinungsladen, auch wenn das gewissen Bankster und Ähnliche glauben.

  24. Anh Toan sagt:

    Bald können wir ohnehin nicht mehr auf Banken rennen und unser Geld holen, denn Barzahlungen werden bald verboten und wir bekommen das Bargeld nie mehr in das Bankensystem zurück:

    Bankgeld wurde zum einzigen richtigen Geld, Herr MDM sieht keinen Unterschied mehr in einer Forderung gegen eine zypriotische Bank mit einer zypriotischen Staatsgarantie zu einer Forderung gegen eine Deutsche Bank mit deutscher Staatsgarantie, er macht sich auch gar nicht die Mühe zu unterscheiden, stammelt einfach “Euro”

    Zypern müsste die Einlagegarantie eigentlich erfüllen, nur ist Zypern blank. Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen. Die deutschen Steuerzahler haben kein Interesse dies alleine zu finanzieren, die Zyprioten dürfen gerne darauf hoffen, von ihren russischen “Freunden” ein besseres Angebot zu bekommen oder bei einem Staatsbankrott weniger zu verlieren, nur erscheinen mir diese Hoffnungen ziemlich naiv.

    Zypern ist pleite, wenn die Zyprioten trämen wollen davon, dass sie dies nichts kostet, werden sie im Staatsbankrott oder als russische Provinz aufwachen. Da wären mir 7% auf meine Bankeinlagen lieber.

  25. Clemens Battaglia sagt:

    Den Ausdruck ‘Abgabe’ zu verwenden ist schon ein starkes Stück. Eine Abgabe ist für eine Gegenleistung zu entrichten, davon ist in diesem Fall gar nichts zu sehen. Raub durch eine nicht demokratisch legitimierte Institution wäre wohl zutreffender. Und für die Schweiz besonders interessant: es trifft immer die kleinen Staaten. Ob nun die Beraubung zypriotischer Kinder-Sparkonten oder die anhaltende Kritik an Ungarn, die grossen Staaten der EU nutzen ihre Stellung gnadenlos aus, um den Rest der Welt zu deckeln.

    • Anh Toan sagt:

      Abgaben sind ohne dirkete Gegenleistung, für Gebühren gibts eine Gegenleistung.

      • Anh Toan sagt:

        Und das nervt, weil es falsch ist:

        Abgaben ist der Oberbegriff für Steuern, für welche es keine direkte Gegenleistung gibt und Gebühren, für die es eine Gegenleistung gibt, und dann könnten vielleicht auch Zölle und Bussen als separate Abgabenkategorie betrachtet werden, auf alle Fälle setzt der Begriff Abgabe nicht zwingend eine direkte Gegenleistung des Staates voraus.

  26. lucius mayer sagt:

    Wie wäre es mit Entlassungen, Berufsverboten und Sondersteuern, z. B. 90 % aller Bezüge ab € 100.000 jährlich, für alle Verwaltungsräte und Direktionsmitglieder von Banken, denen wegen schlechter Arbeit die Pleite droht oder Staatshilfen schon erhalten haben? Die Verwandlung aller die Volkswirtschaften bedrohenden Banken von anonymen Gesellschaften in Genossenschaften ist auch erforderlich. Statt zur Rechenschaft gezogen zu werden leben die versagenden Bankster weiter in Saus und Braus. Die bisher allzu braven Völker dürfen das andauernde Zechen weiterhin bezahlen und «Dankeschön» sagen.

    • Tom Dubach sagt:

      Herr Mayer, natürlich haben Banken fehler gemacht – sich aber auch im zyprischen Rechtsrahmen bewegt. Die jetzige Miserie rührt daher, dass die zyprischen Banken zuviele griechischen Anleihen hielten. Ein Klumpenrisiko, welches dumm ist/war. Bekanntlich erlitten sie darauf einen Hair-cut von 70 %. Der zyprische (wie auch jeder andere) Staat verlangt von den Banken Staatsanleihen als Kapital zu halten. Dass die Griechen pleite sind, haben vor allem griechischen Politiker mit der tatkräftigen Unterstützung ihrer Wähler verursacht. Und nicht zyprische Banken bzw. deren Angestellten.

    • Katrin Gibler sagt:

      Und was soll das bringen? Mag ja sein, dass ein paar Banker zu gut bezahlt waren, aber das ist nun wirklich das kleinste Problem. Sie wollen einfach nur einen Schuldigen finden. Das ist nichts als Hexenjagd. All die südeuropäischen Länder sind Demokratien, welche sich entweder indirekt (z.B. durch Hypotheken) oder direkt verschuldet haben und jetzt die Rechnungen nicht mehr zahlen können und wollen. Natürlich kann man auch die Banken kritisieren, aber letztendlich wurden diese Länder nicht gezwungen all das Geld aufzunehmen und die Banken haben es gerne ausgeliehen. All die Spanier mit ihren übertriebenen Hypotheken und die Griechen mit den sinnlosen Staatsausgaben waren genau so gierig. Wer sich Geld ausleiht, muss es nunmal zurückzahlen, auch wenn das keine Spass macht. Jeder weiss das. Genau genommen, müssen sie sogar nicht mal zurückbezahlen. Die Ländern könnten sich auch dafür entscheiden aus dem Euro/EU auszusteigen, Pleite zu gehen und neu zu beginnen. Das würde einfach kurzfristig noch viel mehr Elend bedeuten, aber langfristig wäre es vielleicht gar nicht mal so schlecht. Wie auch immer, die Südeuropär müssen halt Verantwortung übernehmen für ihr Handeln. Banker Bashing hilft da gar nichts. Das ist wie ein Alkoholiker, der seine Eltern ins Gefängnis stecken will weil sie nie da waren, um von seine Sucht loszukommen. Das wird nicht funktionieren.

      • Linus Huber sagt:

        “die Banken haben es gerne ausgeliehen”

        Das Risiko bei Kreditvergabe liegt beim Glaeubiger und nicht bei der Allgemeinheit!

        “kurzfristig noch viel mehr Elend bedeuten, aber langfristig wäre es vielleicht gar nicht mal so schlecht”

        Richtig, langfristig waere es definitiv besser

        • Anh Toan sagt:

          “Das Risiko bei Kreditvergabe liegt beim Glaeubiger und nicht bei der Allgemeinheit!”

          Also doch bei den Zypriotischen und russischen Bankeinlegern und nicht beim deutschen Steuerzahler.

          Also müssten Sie sich beklagen, dass die zypriotischen Sparer gerettet werden, zu 93 bzw. 90%, und zwar auf Kosten der deutschen Allgemeinheit.

          Man nimmt den Zyprioten nichts weg, ihre Ersparbnisse haben sie bereits verloren: Ihre Forderung gegen die zypriotische Bank und den Staat als Garanten wurde uneinbringlich, da es der zypriotische Staat zugelassen hat, dass sich seine Banken bei Russen hochverzinslich verschulden und das Geld in noch hochverzinslichere griechische Bankanleihen stecken. Dies haben sie in gigantischem Umfang gemacht (Spekuliert auf Kosten der Allgemeinheit) weil sie eine Europäische Garantie auf griechische Banken implizierten, die sich letztlich aber nur zu einem kleinen Teil als implizit erwiesen hat. Als das klar war, war das Geld der Zyprioten, schon weg. Für diesen Fall haben sie eine europäische Garantie für Zypern impliziert, die war allenfalls zu 93 bzw. 90 Prozent implizit.

          Kurz, sie haben mit der (vermeintlichen) Allgemeinheitsgarantie im Rücken abgezockt, und heulen jetzt, wenn nur ein Teil des Schadens auf die Allgemeinheit abgewälzt wird.

          Und Sie Herr Huber, heulen mit, auch die Hälfte der Linken, obwohl sie doch derartiges immer verdammen, und dies verstehe ich einfach nicht.

        • Anh Toan sagt:

          Und kommen Sie bitte nicht mit Aktienkapital und preferred bonds: Wenn man damit die Einlagen retten könnte, und Merkel und Schäuble würden zahlen ohne dies zu merken, wären ein Kanzler Steinbrück das Resultat.

          Zum Glück sind Merkel und Schäublke nicht so dumm.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Ich erkenne in Ihren Aussagen einzig die Tatsache, dass Sie stolzer Besitzer von Aktien sind und daraus Ihre Argumente ableiten.

            Wenn ich sage, dass das Kreditrisiko beim Glaeubiger liegen muss, dann sind natuerlich die Banken gemeint, welche Zyprus Kredit gewaehrten. Es handelt sich um die Grundsaetze der westlichen Gesellschaft, welche durch Willkuer ersetzt wird. Natuerlich koennen die Einlagen “gerettet” werden, wenn die korrekte Reihenfolge gemaess den gegebenen Grundsaetzen eingehalten wird, wie ich Ihnen im letzten Blog-Beitrag schon erklaerte. Es geht nicht in erster Linie, wer zur Kasse gebeten wird, sondern darum, dass derjenige, welcher das Risiko einging, die Kosten dessen zu tragen hat, also eben um grundlegende Prinzipien.

            Wer sein Geld nicht in Aktien, Immobilien oder fragwuerdigen Anleihen investiert, sucht Sicherheit und nimmt in Kauf, dass er eine kleine oder unter Beruecksichtigung der Geldentwertung, negative Rendite erwirtschaftet. Sie rechtfertigen Gesetzlosigkeit und Willkuer. Was glauben Sie, wird diese Gangart auf das Investitionsklima in Europa zeitigen? Inwiefern erkennen Sie, dass diese Entwicklung im Chaos und/oder in der Versklavung der Bevoelkerung endet?

            Sie sprechen ebenfalls den Umstand an, welchen ich im letzten Blog-Beitrag schon erklaerte, naemlich den Umstand, dass diese willkuerliche Entscheidung durch die innenpolitische Situation in Deutschland mitbestimmt sein mag. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich das Potential entwickelt, in welchem die neue Partei (afd, sofern ich mich richtig erinnere), unerwartet viele Stimmen erhaelt, aehnlich wie Grilli in Italien.

            Wie ich schon oft erwaehnte, besteht kein schmerzloser Weg aus Krise, welche auf der ueber Jahrzehnte aufgebauten Kreditblase basiert.

          • Anh Toan sagt:

            Wenn ich stolz bin, dann auf etwas das ich gemacht habe, nicht auf etwas das ich besitze.

            Meine Ersparnisse versuche ich so anzulegen, dass mich (fast) nichts ruiniert, was zur Konsequenz hat, dass mich vieles (ein wenig) trifft.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Versteh ich Sie richtig? Das Geld, dass die Banken nicht mehr haben, soll man bei den Banken holen?

            Ja, das ist nun mal ein überzeugender Ansatz.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber

            Endlich habe ich Sie verstanden:

            Sie wollen die verlustbelasteten Bilanzen der Banken mit weiteren Verlusten belasten, damit endlich das ganze System zusammenbricht.

            I am the anti-christ
            I am the anarchist
            don’t know what I want
            but I know how to get it
            I wanna destroy the passer by
            I wanna be….Anarchy
            It’s the only way to be!

            (Matlock/Cook/Jones/Lydon)

          • Linus Huber sagt:

            Natuerlich bricht das System zusammen. Es ist einzig eine Frage der Zeit. Sie werden noch in Ihrer Lebenszeit erfahren, wie der Konsum, an welchem alles haengt, einbrechen wird und damit eine Welle der Insolvenz das gesamte System erfassen wird. Je laenger wir damit zuwarten, desto gefaehrlicher wird dies ablaufen.

          • Anh Toan sagt:

            Ach wissen Sie, ich halt mich da an James Bond:

            Die another day!

          • Peter Gut sagt:

            Anton, Du kapierst es immer noch nicht! Game Over. Geh Gold kaufen, weniger bloggen.

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