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Wirtschaftskrise und Revolution

Tobias Straumann am Montag den 28. Januar 2013
Laut und deutlich: Demo zum Jahrestag der bolschewistischen Revolution in Moskau. (Bild: Reuters)

Laut und deutlich: Demo zum Jahrestag der bolschewistischen Revolution in Moskau. (Bild: Reuters)

Wann ist die Wahrscheinlichkeit eines politischen Umschwungs grösser: während der Wirtschaftskrise oder während des Booms? Intuitiv würde man eher auf die Wirtschaftskrise tippen. Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, sind die Leute unzufrieden mit dem Regime und suchen nach radikalen Alternativen, weil sie nichts mehr zu verlieren haben.

So lässt sich der Zeitpunkt der Französischen Revolution unter anderem damit erklären, dass die Ernte 1789 besonders schlecht war, was die Lebensmittelpreise in die Höhe trieb.

Auch die Wahlerfolge der Nationalsozialisten lassen sich teilweise mit der Wirtschaftskrise von 1930 bis 1932 erklären. Noch 1928 war die NSDAP ein kleines Splittergrüppchen am äussersten rechten Rand, das bei den Reichtstagswahlen nur gerade 2,6 Prozent der Stimmen erhielt. 1930 waren es bereits 18,3 Prozent und im Juli 1932 sogar 37, 4 Prozent.

Ein oft zitiertes Beispiel ist ferner die russische Revolution von 1905, die zwar scheiterte, aber sozusagen das Vorspiel für die bolschewistische Revolution von 1917 darstellte. Zumindest habe ich es so in der Schule gelernt und gelehrt. Russland hatte zwar seit der Niederlage im Krimkrieg von 1856 mit der Industrialisierung begonnen, um in zukünftigen militärischen Auseinandersetzungen besser dazustehen. Aber weil gleichzeitig die Bevölkerung so stark wuchs, blieb das Pro-Kopf-Einkommen äusserst bescheiden.

Der Eindruck, dass das Moskauer Regime die elementarsten Bedürfnisse der Bevölkerung ignorierte, drängt sich auch beim Lesen des «Tagebuchs des letzten Zaren» auf. Es ist viel von Jagderlebnissen, Verwandtschaftstreffen und Ausflügen die Rede, aber kaum je etwas von den politischen Ereignissen. Wenn man nicht wüsste, dass das Tagebuch die Periode von 1890 bis 1917 abdeckt, würde man denken, es hätten in Russland keine Revolutionen stattgefunden.

Alles falsch, behauptet nun ein russischer Wirtschaftshistoriker in einem neuen Buch. Boris Mironow versucht nachzuweisen, dass es der russischen Bevölkerung vor der Revolution 1905 nicht schlechter, sondern besser ging. Denn im späten 19. Jahrhundert habe die Durchschnittsgrösse der Menschen signifikant zugenommen, was nicht anderes heisse, als dass sich der Speisezettel stark verbessert habe. Nicht ökonomische, sondern politische Gründe seien für das Ende der Zarenherrschaft verantwortlich gewesen.

Die skeptische Sicht lässt sich auch auf die Französische Revolution übertragen. Missernten hatte es immer wieder gegeben, aber warum genau diejenige von 1789 so entscheidend gewesen sein soll, lässt sich nicht ohne Rückgriff auf politische Ereignisse kaum erklären. Die NSDAP mag von der Weltwirtschaftskrise profitiert haben, aber hinter ihrem schnellen Aufstieg steckt viel mehr. Und aus der Streikforschung weiss man, dass nicht auf dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise, sondern kurz nach ihrer Überwindung die Streikaktivität sprunghaft zunimmt. Erst wenn es wieder etwas zu verteilen gibt, lohnt sich der Widerstand.

Was folgt daraus? Auf den ersten Blick scheint die Diskussion nur von akademischem Interesse zu sein. Ist sie aber nicht. In letzter Zeit konnte man wiederholt lesen, dass die chinesische Führung ein altes Buch mit besonderem Interesse zu studieren begonnen hat: «L'Ancien Régime et la Révolution» von Alexis de Tocqueville (1805-69).

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68 Kommentare zu „Wirtschaftskrise und Revolution“

  1. Michael Schwarz sagt:

    Es ist die Frage der Kosten. Ein Krieg zu führen, ist gigantische Kosten verbunden, dies bedeutet auch die Bevölkerung einen Rücklag in Lebensqualitäten und Einkommen. Deshalb bevor man einen Krieg führt, sollte man sich grundlegend Gedanken über die Kosten machen. Die USA hat sich darüber keine Gedanken gemacht, deshalb ist sie heute massiv überschuldet, die US-Bevölkerung geht finanziell schlechter als vor dem Krieg. Der reale Einkommen in den USA ist seit 2001 permanent zurückgegangen. Von diesem Aspekt betrachtet, ist die Krise von 2008 unvermeidlich, die war der Weckruf.

    Ob Wirtschaftskrise einen Krieg auslösten kann, ist bis heute nicht bewiesen. Wirtschaftskrise in der Geschichte hat immer wieder gegeben, auch schwerere Krise wie 2008. Sie haben aber keinen Krieg auslöst. Es gibt andere Faktoren, die den Krieg bestimmt, Bsp. politische Dummheit von Politikern, Religionskonflikt etc.

    • thomas ernst sagt:

      @ Michael

      “der US-Bevölkerung geht es finanziell schlechter als vor dem Krieg”

      Vor welchem Krieg? Vietnam? Irak? Afghanistan? Drohnenkrieg in Pakistan? oder 2.Weltkrieg?

      • Nicht ganz richtig. Das 15 jährige Vietnahm Engagement mit gigantischen Kosten hat der boomenden Wirtschaft der 60er und 70er Jahre nichts anhaben können, im Gegenteil, Kriegs- und Waffenwirtschaft ist in den USA immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Staatsverschuldung war 1980 absolut minim und begann erst mitte 80er mit der Reagan Aera zu explodieren, also mit der gezielten Politik der Ausblutung des Gemeinwesens zugunsten der Superreichen und des Militärs, va. auch nach dem Fall des eisernen Vorhangs.

        • Michael Schwarz sagt:

          in der Kreis der Ökonomen spricht man von Kanone oder Futter. Die Daten beweist es, dass diese These sich als richtig herausstellt. Der realen Einkommen in den USA hat sich seit 2001 massiv zurückgegangen, weil die US Regierung die Kosten der Kriege durch Inflation finanzieren wollte – das alte Spiel. Aber die Spielregel hat sich in 21. Jh verändert, weil die Globalisierung sich rasant ausgeweitert hat. Heutige Kriege findet man im Netz statt – ein Krieg der Information, Wettbewerbsfähigkeit und des Kapitals, die Zeit für die physische Konflikte ist vorbei.

          Wer seine Währung schwächt, schwächt auch seine Wirtschaft, verpasst die zukünftige Wachstumschance. Diese Lektion lernt man nicht im Wirtschaftstudium, man lernt aus empirie. Die Realität ist, dass die Politiker und Makroökonomen aus Erfahrungen nicht lernen, weil sie in Ihrer Vorstellung festgefahren sind, wie die Schweiz mit der Ausland- und Asylpolitik.

          • Linus Huber sagt:

            @ Michael

            Wer Waehrungen schwaecht, also manipuliert und zwar immer in die Richtung der Entwertung, verursacht nicht messbare aber deswegen nicht unwichtigere Veraenderungen im Verhalten der Bevoelkerung. Entwertung einer Waehrung tangiert das Eigentumsrecht der Waehrungsbesitzer und schaecht dadurch instinktiv die Rechtsstaatlichkeit und als Konsequenz viele fuer die Gesellschaft insgesamt betrachtet positive Werte, welche zwar quantitative nicht messbar sind, jedoch grosse Auswirkungen auf das Wohl der Gesellschaft abwerfen. Behandeln wir die Menschen, aufgrund manipulativer Geldpolitik wie Labor-Ratten, werden diese sich schrittweise auch wie Ratten verhalten.

        • Michael Schwarz sagt:

          @Albert Gfeller:

          So genannt Reaganomie, hat die Verschuldung der US-Regierung legitimiert. Reagan hat die Tür und Tor für die explodierte US-Verschuldung geöffnet. Das war auch der Grund für die steigende Inflation in 80er. Die US-Politiker haben aus Erfahrung nichts aber gar nichts gelernt, im Gegenteil, sie haben die Tricks der versteckte Staatverschuldung perfektioniert. Die Schwachköpfe haben einfach keine Ahnung von Staatsfinanz, obwohl sie die richtige Abschlüsse bei elitären Unis hatten, das sind überbezahlte Sesselfotze.

          • Michael Schwarz sagt:

            @ Linus

            Die Menschen, nach der Auffassung der Makroökonomen, sind Labor-Ratten. Das ist, was die Sozialwissenschaftler tun – Erforschung des menschlich ökonomischen Verhaltens. Die Überzeugung, dass die Inflation das Wachstum anschieben würde, ist eine Verhaltensmanipulation.

            Ich versuche der Bevölkerung in diesem Punkt aufzuklären, nämlich lässt Ihr nicht von Politikern und Ökonomen eures Verhalten manipulieren, damit zwingt man den Politikern und Ökonomen eine nachhaltige und langfristige ökonomischen Ziele zu setzen. Die Inflation zu erhöhen um den Kaufkraft zu schwächen, ist keine nachhaltige Wirtschaftspolitik; es hilft weder die Wirtschaft noch die Gesellschaft. Das führt zum vermehrten Ungleichgewicht der Vermögensverteilung und Machtverschiebung, was danach kommen wird, kann man jede vorstellen, die Abschaffung der Demokratie und des Rechtstaats. Die Krise von 2008 ist ein Warnschuss.

  2. lucius mayer sagt:

    Umverteilt wird heutzutage in bisher noch nie gekanntem Ausmaß – vor allem vom Mittelstand an den Geldadel. Früher waren Blut- und Geldadel weitgehend identisch. Ideologien und religiöse Massengefühlswallungen – im Hintergrund oft sogenannte «okkulte» Gruppen, z. B. die Thule-Gesellschaft und der Thule-Ordner beim Aufstieg des deutschen Nationalsozialismus – spielten bei Umstürzen häufig eine wesentliche Rolle, die aber meist fleißig von «seriösen» Wissenschaftlern ausgeblendet wird.

  3. Anh Toan sagt:

    Hungrige haben keine Zeit für Revolution, sie müssen Nahrung beschaffen.

    • Anh Toan sagt:

      ich bin überzeugt, entscheidend ist nicht die tatsächliche Situation der Bevölkerung, sondern deren Erwartungen an die Zukunft. Es geht um Emotionen, nicht um Fakten.

      • thomas ernst sagt:

        @ Anh

        “Es geht um Emotionen, nicht um Fakten.” Genau, völlig einverstanden.

        Die Gefühle werden manipuliert mit dramatischen Geschichten, multipliziert durch die Medien. Hitler hatte das als einer der ersten begriffen, heute weiss das schon jeder mittelmässige Politiker.

        Es sind die Märchen, Mythen und Geschichten, mit denen die Emotionen geweckt und manipuliert werden. Damit wird die Bevölkerung insgesamt manipulierbar. Leider sind heute die Systemmedien fest in der Hand der 1%er, und nur ein relativ geringer Teil der Bevölkerung weiss sich im Internet alternativ zu informieren. Und das Internet soll auch noch zensuriert werden…

        Seit die US-Unterhaltungskonzerne massiv in privaten Gefängnissen investiert sind, haben Gangsta-Rap und andere agressivitätsfördernde Musik und Filme erheblich mehr Anteil an der Produktion. Honi soit qui mal y pense….

        • Stadelman Reto sagt:

          Eine gesunde Skepsis den Informationen gegenüber die die Medien verlauten lassen ist angebracht. Aber so weit wie Sie gehen ist es schon eher wieder ungesund. Um zu erkennen das Sie das viel zu extrem sehen, reicht es schon vollkommen aus, sich mal philosophisch mit der Frage nach “der Wahrheit” zu befassen und schon relativiert sich das von ihnen gezeichnete Bild wieder. Soooo böse sind die Medien nun doch wieder nicht ;-)

          • Thomas ernst sagt:

            …und woher genau wollen SIE das wissen? Haben Sie Insider-Informationen? Sonst ist es blosser Glaube…

          • Stadelman Reto sagt:

            Logik, einfache unbestechliche Logik ;-)
            Wir sind 7Mrd. Menschen und unser Verhalten lässt sich nicht wirklich vorhersagen geschweige den Koordinieren. Genau so wenig die Zusammenarbeit. Aber natürlich Sie haben recht, wie ich schon weiter unten geschrieben habe, mit letzter Sicherheit kann ich das nicht schreiben weil mir dazu Insiderinformationen fehlen.

          • Anh Toan sagt:

            @Thomas ernst: Ich meine Sie, wie viele andere auch, überschätzen die Möglichkeiten der Mächtigen, zu manimulieren, zu “machen”. Die Realität ist viel zu komplex, die Kausalitäten viel zu unbestimmt (wie hier, wann gibt es Revolution?) um das Schicksal zu lenken (Es gibt keinen Gott, (ausser Allah)). Auch die Mächtigen werden von den Ereignissen getrieben und versuchen aus ihrer relativen Sicht nur, nicht unterzugehen. Und hängen dabei wie wir alle von Glück und Pech viel mehr ab, als gemeinhin angenommen wird.

            Auch die Mächtigen reagieren viel mehr als dass sie regieren.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            “Auch die Mächtigen reagieren viel mehr als dass sie regieren.”

            Dies mag zutreffen, wobei natuerlich ein kleiner Unterschied zum normalen Buerger besteht. Der Maechtige kann was bewegen, er kann die Einfluss auf die Auswahl der zu diskutierenden Themen stark beeinflussen und dadurch eine inhaltliche Lenkung erwirken. Es gibt Studien in diesem Zusammenhang, welche aufzeigen, wie in den USA dadurch bewusst und nicht rein zufaellig, die passenden legislativen Sachthemen vorangetrieben werden.

            Selbst im Bereiche der Bildung werden oft Lehrstuehle von der finanziellen Elite finanziert, womit indirekt oft eine indoktrinative Wirkung z.B. im Bereiche der Wirtschaftswissenschaften erreicht werden kann. Alles nur dem Zufall zuzuschreiben greift definitiv zu kurz.

            Dass im Bereiche der Medien sich dies anders verhalten soll, wo die Auswirkungen eines z.B. extremistisch denkenen Chef-Redaktors sehr wohl eingeschaetzt werden kann, wuerde ich in Anbetracht der heutigen Situation eher bezweifeln.

      • Martin Holzherr sagt:

        Es geht um Emotionen+Fakten – um Sie zu zitieren. Allerdings ist auch aus andern Bereichen bekannt, dass gewaltsame Austände und Terrorismus nicht von den Ärmsten angezettelt werden, sondern von Bessergestellten, die mit ihren Ideen bei den Benachteiligten hausieren gehen.
        Letztlich ist es menschlich logisch, dass an einem Tiefpunkt, wo es einen schlecht geht, zuerst eine defensive Reaktion vorherrscht. Verbessert sich die Situation ist die Erinnerung aber noch frisch, beginnt man aufzubegehren. Dieser Ablauf lässt sich fast überall beobachten. In der Psychiatrie beispielsweise begehen Depressive meist Suizidversuhe, wenn es ihnen schon wieder besser geht.

        • Anh Toan sagt:

          Fakten sind relevant, wenn sie wahrgenommen werden, was bei massiv steigenden Lebensmittelpreisen keiner Medien bedarf.

          Um Ihren Vergleich zur Psychiatrie bringt mich auf folögenden Gedanken: In Krisen suchen Menschen Halt, Zuversicht und Führung. Versagt die Macht diesen Halt zu liefern, suchen sich die Menschen einen neue Macht, welche die alte für die Krise verantwortlich macht, das ist dann Revolution. Das Zentrum der neuen Macht ist nie bei den Armen.

      • Stadelman Reto sagt:

        Auf den Punkt gebracht. Ich schliesse mich ihrer Meinung an. Gründe für eine Revolution können sowohl Armut als auch Reichtum sein. Ob der Funke überspringt (oder sich überhaupt ein Funke entzündet) hat mit den Erwartungen der Menschen zu tun.

  4. Karin Gut sagt:

    Man muss wohl wirtschaftliche und politische Faktoren zu einem gesamten Wohlbefinden der Bevölkerung zusammenfassen. Wenn das durchschnittliche Wohlbefinden in der Bevölkerung steigt, dann ist die Wahrscheinlichkeit für Umstürze sehr gering. Sinkt hingegen das Wohlbefinden relativ zu früher, dann wird die Stimmung explosiver.

    Bis vor 200 oder 300 Jahren hing das Wohlbefinden überwiegend vom (land-)wirtschaftlichen Erfolg ab. Eine erfolgreiche Politik war gleichbedeutend mit guter Versorgungslage. Folglich hatte meteorologische Klimaverschlechterung grosses Revolutionspotenzial, weil die Herrschenden die Situation irgendwann nicht mehr beherrschen konnten.

    In neuer Zeit hat das Wissen und der Austausch untereinander in der Bevölkerung stark zugenommen. Bei der Französischen Revolution waren wohl erstmals menschenrechtliche Aspekte ein erheblicher Co-Faktor für die Revolution.

    Gut möglich, dass es der letzte Zar Russlands ganz ohne belastende (Land-)Wirtschaftskrise ganz einfach selbst verkachelt hat. Gemäss Wikipedia muss man wohl annehmen, dass sein Führungsstil das Wohlbefinden der Bevölkerung drastisch vermindert hat: “Ein Merkmal der Innenpolitik war die ungeheure Verweigerung des Zaren zu politischen und sozialen Reformen, denen es um die Jahrhundertwende dringend bedurft hätte. Nikolaus stützte seine Macht auf Adel, Armee und Bauerntum. Im Zuge der Industrialisierung waren in Russland jedoch zwei neue Gesellschaftsschichten entstanden: Bürgertum und Arbeiterschaft, die nun vermehrt politische und soziale Reformen forderten. Finanzminister Sergej Witte hatte erkannt, dass es überall im Reich zu Spannungen kam und empfahl seinem Zaren schnelle Reformen, was dieser jedoch ablehnte. Nikolaus bekämpfte vielmehr die Modernisierung Russlands und hielt an den überkommenen, halbfeudalen Verhältnissen in seinem rückständigen Land fest, anstatt es auf den Weg der Entwicklung zu führen. Politische Opposition wurde von Nikolaus II. brutal unterdrückt.”

    • Linus Huber sagt:

      Das wirtschaftliche Wohlbefinden der Bevoelkerung kann schrittweise und schleichend vorgenommen werden, indem immer nur ein Teil der Gesellschaft von entsprechenden Massnahmen betroffen wird (selbst in einer direkten Demokratie indem sich eine Diktatur der Mehrheit breit macht). Zusaetzlich erweitert quasi jeder Staat die Ueberwachungsfaehigkeiten aufgrund der neuen elektronische Mitteln enorm, womit Querschlaeger sehr schnell erfasst werden koennen. Die Freiheit des einzelnen kann sehr leicht durch eine etwelche Verunsicherung erreicht werden, indem man einzig als Beispiel gemeint, gewisse Aktivitaeten mit z.B. Terrorismus verbindet (selbst Meinungsaeusserungen). Darum muessen wir wachsam und sensitiv sein, wenn solche Entwicklungen weiter fortschreiten.

  5. Swantje sagt:

    Ich habe diesen Blog gerade erst durch rp13 entdeckt und muss sagen, dass der Finanzblog Award 2013 hier gut positioniert ist. Endlich ein Blog, der sich auch mit klassischen wirtschaftspolitischen Themen auseinandersetzt. Großes Lob dafür.

    • Thomas Meier sagt:

      Es gibt ein Finanzblog Award?! Wie ich diese Selbstbeweihräucherung in der Medien- und Werbeszene liebe… Jeder verteilt sich gegenseitig irgendwie 10 Awards pro Jahr und alle versichern sich gegenseitig wie genial sie doch sind. Da erscheint selbst die Finanzbranche zurückhaltend was Ego anbelangt…

  6. Urs sagt:

    Meiner Meinung nach gibt es keine Armut noch Reichtum für sich als Alleinstellungsmerkmal weil dazu die Menschen viel zu viel am schuften sind und der auf diese Weise generierte Wohlstand bisher immer so ausreichend war das die Reichen immer reicher geworden sind oder zumindest ihre Besizttümer waren konnten… die Reichen und Eliten sind es auch die uns Demokratie verordnen oder wieder entziehen usw.

    Was es aber gibt ist eine als gerecht und/oder ungrecht wahrgenommene Verteilung dessen was als Reichtum gilt. Heute dürfte das am ehesten eld sein, es kann aber auch nur schon Nahrungsmittel, Landbesitz oder etwas anderes sein. Die einen fühlen sich unter Leibeigenschaft wohl, die anderen nie….

    Die als ungerecht wahrgenommene Verteilung löst Revolutionen aus… die kürzlich durchgeführten noch mit viel unterstützung von aussen und schwachen Repressionssystemen im innern. Soviel Freiheit zu Revolutionen dürften die modernen Industrienationen bereits nicht mehr haben… dazu sind die Informationskanäle Ideologisch viel zu einseitig bestückt und die Meinungs- Repressions- und Kontrollsysteme ebenfalls…

    Alternativen dürfen zwar hin und wieder debatiert werden, auf einer breiteren Ebene gefährlich und irgendetwas Systemrelevantes in Frage stellen werden diese aber nie… dazu steht hier für einige viel zu viel auf dem Spiel… es werden Proxykriege, etwa mit dem IMF, geführt…

    • Stadelman Reto sagt:

      Na dann starten Sie doch mal eine vernünftige Diskussion. Ich muss offen zugeben, ich nerve mich über Leute die “unsere von den Reichen unterwanderten Demokratien und unsere vom bösen gelenkten Medien” kritisieren ohne aber konkret plausible Beispiele zu nennen und ein besseres funktionierendes System für unser Zusammenleben zu propagieren.
      Es ist so einfach zu kritisieren, dabei aber so viel schwieriger Lösungen zu präsentieren nicht wahr? Ich habe auch kritisiert aber eben auch versucht Lösungen zu finden und wissen Sie was? Plötzlich habe ich Winston Churchills berühmtes Zitat “Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von denen, die wir schon vorher ausprobiert haben.” verstanden…

      • Urs sagt:

        Hr. Stadelmann, begreifen oder haben Sie begriffen was Macht und Reichtum bedeutet? Sie können hier noch lange vorschläge machen und haben dafür sogar ein paar hundert Zeichen Raum der noch dazu zensuriert werden kann…

        Was genau sind denn nun ihre Plattformen um alternative Vorschläge machen zu könnenund wer genau hört Ihnen zu? Wollen Sie sowas wie den “Speakers Corner” in London, für mich ein Vorläufer der heutigen sozialen Netzwerke oder Kommentarfunktionen in den Onlinemedien…. Jeder darf alles sagen, an den Fundamenten darf nicht gekratzt werden, und zuhören tut eigentlich niemand.

        Wissen Sie vieviel Macht die etablierten Medien heute nebst den Sozial Networks und dem Internet allgemein noch haben und in der Meinungsbildung nach wie vor führend sind? Da kommt kein Facebook usw. mit… In einer Zeit in der man die “Konsumenten (sind wir noch was anderes oder doch nicht?) glauben machen will das seine täglichen Konsumentscheidungen Milliardenschwere Konzerne zum Umdenken bewegen können und wir daraufhin unsere Demokratischen Mitspracherechte auf das schwerste vernachlässigen… keine gute Zeit, da dass Verhalten der Konzerne und deren Eigentümer durch Marketingabteilungen oer Public Relation Unternehmen anstatt durch gewählte Volksvertreter kommuniziert wird. Seltsam, nicht?

        Unverbindliche liberalisierte Märkte als Ersatz für verbindliche Demokratische Rechte… ? Es findet deshalb auch keine wirklich Oeffentliche Debatte über Ethik und Moral von gloablen Unternehmen statt…

        Finden Sie das erstrebenswert? Ich nicht… Unsere gewählten Volksvertreter haben dank den liberalisierten Märkten doch einen wirklich genügsamen Job… unverbindlich bis zum geht nicht mehr. Stets werden “die Märkte” als heiliger Götzen vorgeschoben um nichts tun zu müssen…

        Vernüftige Diskussion…. habe ich die nicht gestartet weil diese nicht ihrer Meinung entspricht oder weil ich ganz einfach Unsinn schreibe?

        Churchill mag ich nicht, der war mir zu konservativ :-)

        • Stadelman Reto sagt:

          Ich sehe ein was Sie anprangern und verstehe ihre Kritik, wüsste aber nicht wie man das ändern kann ohne gewisse Grundwerte unserer Gesellschaft wie das Konzept des Privatbesitzes nicht völlig über den Haufen zu werfen. (Abgesehen von geringen Änderungen wie der starken Regulierung von Lobbyismus etc.)

          Z.B. die Macht der Medien. In einer Gesellschaft in der FB oder Tamedia Privaten gehört lässt es sich nicht vermeiden dass auch immer wieder ideologische Nachrichten in den Umlauf kommen. Man kann nicht unpolitisch kommentieren. Und eine Verstaatlichung bringt erwiesenermassen keine bessere Berichterstattung sondern nur andere Ideologien. Darum artet eine Diskussion darüber wie gut/falsch/mächtig die Medien sind schon bald in einem philosophischen Diskurs über “sein oder nicht sein” aus und ich meine das ernst!
          Auch das den vielen Meinung niemand zuhört ist kein Problem unserer Demokratie sondern schlicht Reizüberflutung die unempfindlich gegenüber Einzelmeinung macht.
          Oder die Macht der Konzerne die uns in vielen Bereichen lenken und manipulieren, auch dies lässt sich nicht einfach so ändern ohne nicht gewisse Konzepte unserer Gesellschaft völlig zu überdenken. Zudem muss auch hier erwähnt werden das die hierarchische Wirtschaftsstruktur durchaus auch wünschenswerte Elemente hat gegenüber der partizipativen aber ineffizienten Demokratie. (Demokratie scheitert übrigens oft am Desinteresse des Volkes…)

          Letztlich fehlt es mir natürlich an Insiderwissen um ihnen mit letzter Gewissheit zu garantieren das die Welt nicht so düster ist wie Sie es glauben, aber ich bin überzeugt davon das ihre Kritik an Grundfragen des Menschseins kratzt und damit keine beantwortbaren Fragen für einen Wirtschaftsblog aufwirft. Werden Sie sich klar darüber was für sie “die ideale Gesellschaft” wäre (Platons Philosophenkönige wäre hier ein guter Ansatz dafür was eine Idealgesellschaft sein könnte) dann können wir vernünftig weiter diskutieren. Sonst schreiben wir aneinander vorbei…

      • Tom sagt:

        Wenn Sie es nervt, dass immer wieder die gleichen Sprüche kommen, dann überlegen Sie doch mal weiter.

        Ist es z.B. ok, dass neuerdings die Afrikanischen Löwen zu den gefährdeten Arten gezählt werden müssen, nur weil sie halb verhungert und dadurch geschwächt die gut Betuchten in ihrer Rolle als “erfolgreiche” Grosswildjäger bestätigen müssen? Dies ist nur ein Beispiel von vielen neofeudalistischen Geschmacklosigkeiten, welche noch vermehrt auf uns zukommen werden. Man denke auch an den widerlichen Frauenhandel zum Gebrauch in diesen Kreisen. Gerade wurde ja so einer bei uns geschnappt und verurteilt, weil er schlicht die Besinnung verloren hatte (TA heute).

        Dass solche Leute ein vernünftiges auf Mass und Anstand basierendes Gesellschaftssystem mittragen ist wohl Wunschdenken. Die Elite verabschiedet sich gerade aus unserem Gemeinwohl und baut ihre eigene verschrobene Traumwelt auf Mini-Inseln und Resort-Schiffen im Meer, schwer bewacht… dort können sie sich dann richtig austoben, fernab jeder Gesetze… Schöne neue Welt!

        • Stadelman Reto sagt:

          Selbstverständlich finde ich das daneben. Ich sehe aber wenn ich durch einen Geschichtsband blättere das JEDE Kultur die die Vorherrschaft des Neoliberalismus oder Kapitalismus ersetzen könnte eben auch Schattenseiten hat. Nehmen wir das Christentum als Beispiel. Früher war es noch ein starker Taktgeber für unsere Gesellschaft. Unsere Grossväter haben wohl noch nach christlichen Grundwerten gelebt und gewirtschaftet mit dem Nachteil das Frauen kaum die gleichen Rechte hatten, einige Priester ihre Macht ausnutzten und viele dogmatische unwissenschaftliche Meinungen einfach so geglaubt wurden ohne sie zu hinterfragen.

          Daher frage ich sie: Was ist ein auf “vernünftiges auf Mass und Anstand basierendes Gesellschaftssystem”? Diese Frage konnte mir bisher noch keiner beantworten. Auch ich fühle die Fehler unserer Zivilisation deutlich und sie machen mich unglücklich. Aber was wäre den die Idealgesellschaft? Meiner Meinung nach sind wir in vielen Bereichen schon viel näher an der Idealgesellschaft als Sie das wahrhaben wollen. Schwarze Schafe gibt es leider immer, aber wenn es nicht so wäre, gäbe es ja gar nichts mehr wofür es sich zu kämpfen lohnt oder? :-)

          • Thomas ernst sagt:

            @ Reto

            Solange Sie eine bessere Gesellschaftsform in den Geschichtsbüchern suchen, werden Sie nicht fündig. Dort finden Sie nur die Vergangenheit.

            Wenn Sie etwas Neues wollen, müssen Sie es entwickeln: Was ist das Ziel? Friedliches Zusammenleben, wirtschaftliches Wohlergehen, individuelle Freiheiten und Harmonie mit der Umwelt – und zwar FÜR ALLE.

            Dazu müssen wir die vorherrschenden Glaubensartikel der mythischen Kultur, der Glaube an die Unvermeidlichkeit von Kriegen, der Glaube an Hierarchie, Zwang und Gleichmacherei, die Bewunderung für Macht, Manipulation und Heldentum hinter uns lassen. Eine vernünftige, rationale Gesellschaft wird sich ihrer mythischen Bedürfnisse bewusst sein, sich davon aber nicht dominieren lasse,

            Wenn Macht für die Organisation des Zusammenlebens notwendig ist, dann müssen wir die Machtpositionen (Regierung, Polizei etc.) schaffen, sie aber auch begrenzen. Föderalismus und direkte Demokratie sind ein gutes Mittel dazu. In den Gemeinden gibt es viel weniger korruptes Verhalten, als in Bundesrat und Bundesverwaltung.

            Wie wir aus Untersuchungen wissen, ist das Gefährlichste an Topjobs die unvermeidliche Überheblichkeit und Arroganz, die diese Leute sofort entwickeln. Daher wäre es mE ein guter Schritt, zB die Bundesräte nicht zu wählen, sondern nur eine Anzahl potentieller, d.h. aus Sicht des Parlamentes im Prinzip dazu fähiger Leute zu wählen, und dann die 7 BR per Los zu ermitteln. Jeder für eine Amtszeit von 7 Jahren, jährlich gestaffelt, d.h jedes Jahr wird ein Sitz gewechselt. Im letzten Amtsjahr wird man dann Bundespräsident.

            Das würde einiges an Machtspielchen der Parteien den Boden entziehen, und die Amtsträger zu etwas Bescheidenheit bringen. Schliesslich ist keiner von ihnen gewählt worden, sondern nur zufällig auf diesem Stuhl…

          • Stadelman Reto sagt:

            @Thomas
            Föderalismus und Demokratie sind das Zauberwort da bin ich zu 100% ihrer Meinung.
            “Dazu müssen wir die vorherrschenden Glaubensartikel der mythischen Kultur, der Glaube an die Unvermeidlichkeit von Kriegen, der Glaube an Hierarchie, Zwang und Gleichmacherei, die Bewunderung für Macht, Manipulation und Heldentum hinter uns lassen. Eine vernünftige, rationale Gesellschaft wird sich ihrer mythischen Bedürfnisse bewusst sein, sich davon aber nicht dominieren lasse,”
            Ebenfalls richtig, aber eine Utopie weil es letztlich bedeutet das wir uns entweder zum Teil vom Menschssein entfernen oder aber alle über eine philosophische und auch anderweitige hohe Bildung haben. (Lesen Sie trotzdem mal die Philosophenkönige von Platon, sie wären überrascht wie fortschrittlich dieser Mann GENAU dieses Problem über das wir diskutieren behandelt hat) Das ist aber unwahrscheinlich und wenn wir daher wieder in die Realität zurückkehren bleibt Demokratie und Föderalismus übrig und wir haben das in der Schweiz schon.

          • Urs sagt:

            …ich weiss jetzt nicht grad warum, aber meine Antwort verschwindet irgendwo…

          • Thomas ernst sagt:

            @ Urs

            Ich vermute in der Blogsoftware haust ein Dämon. Ich hatte am Wochenende 3X eine Antwort auf einen Eintrag an Anh Toan verfasst, und jedesmal verschwand er. Ev. gibts ne Filtersoftware.

            Ich hatte mal woanders einen Kommentar, da kam die Formulierung ” das war schon zuviel” drin vor. Wurde wegen unangemessener Sprache gelöscht. Als ich telegonisch beim Support reklamierte, erklärte man mir, dass in der Zeichenkette “war schon” das Wort “A…rsch” drin stecke und das sei auf der nogo-Liste….

          • Thomas ernst sagt:

            @Urs

            Glauben Sie wirklich, Kriege gehörten zum Menschsein?

            Kriege wurden erst vor rund 8’000 Jahren erfunden. Sie sind eine Folge des Wechsels von der magischen Jäger/Sammlerkultur zur mythischen “Zivilisation”. Mit der Bildung von Städten wechselte die Zeitvorstellung von zirkulär zu linear. Damit gab es früher und später, damit die Geschicht(en)schreibung, und damit das Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens, und damit die Drohung mit dem Tod.

            Die Herrschenden begannen daher, andere Menschen zu töten, um selber unsterblich zu werden. Das war die Erfindung des Krieges. Im übertragenen Sinn hats funktioniert. Alexander wurde unsterblich (333 bei Issos grosse Keilerei… etc).

            Inzwischen wären wir eigentlich einen grossen Schritt weiter. Wir haben den wissenschaftlich einwandfreien Beweis für ein Weiterleben des BEWUSSTSEINS nach dem physischen Tod (Ende biolog. Neuralfunktionen). Googeln Sie mal nach Pim van Lommel, NDE, oder gehen sie auf die Webseite der Society for Scientific Exploration, das ist alles knallharte Wissenschaft, kein Eso oder Religionsgeschwafel.

            Damit ist es Zeit für ein neues Weltbild. Krieg und thevsurvival of the fittest sind Märchen. Werden Sie erwachsen und lösen Sie sich von den Überlieferten Heldensagen und den begrenzenden Glaubenssätzen! Amen.

  7. markus gerat sagt:

    zur französisschen revolution. ich meine irgendwo mal gelesen zu haben, dass die missernten auf einen vulkanausbruch in island zurückzuführen sind: über mehrere jahre waren auch sie sommer, trüb, kalt und dunkel.
    ebenso ist bei maya, atztheken etc neben den eingeshcleppten krankheiten der spanier auch der klimawandel ein faktor, der nicht unbedingt zur revolution dort (hierzu weiss ich nix), aber auf jedenfall zu gravierenden gesellschaftlichen folgen (untergang) einen grossen beitrag hatte

  8. Martin Holzherr sagt:

    Im Nachhinein werden Revolutionen um Umwälzungen meist an bestimmten Verhältnissen und Ereignissen festgemacht, die das Fass zum Überlaufen gebracht hätten. Eine schlechte Ernte mit starkem Anstieg der Lebensmittelpreise soll dann die französiche Revolution ausgelöst haben, die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und der Feudalismus die russische Revolution.

    Doch wenn man dem weiter nachgeht ist es praktisch immer ein Bündel von Ursachen zusammen mit Gruppen, die neue Ideen verbreiteten und Gruppen, die in diesen Ideen ihre Chancen erkannnten. Ein gutes Beispiel dafür auch die Reformation in Mitteldeutschland. Verbreitet ist immer noch die Meinung der desolate Zustand der damaligen Kirche mit Misständen wie dem Ablasshandel, dem Handel mit Pfarreistellen und dem weltlichen Leben der Pfaffen seien die entscheidenden Auslöser gewesen. Doch wie neuere Forschungen zeigen kann von einer Glaubenskrise dazumal keine Rede sein. Die Reformation fand inmitten eines blühenden Frömmigkeitswesens statt. Eine wichtige Rolle spielte dagegen die Konkurrenz zwsichen weltlicher Macht – ausgeübt durch die Landesfürsten – und der kirchlichen Macht. Luthers Lehren setzten auch ein gebildetes Bürgertum voraus, das es dann schon gab und sie wurden von den Landesfürsten begierig aufgenommen, wollte doch Luther die Beziehung zwischen Gläubigen und Gott “privatisieren” und nicht mehr von der Vermittlerrolle der Kirche abhängig machen – eine Chance für die Fürsten ihre Macht auszudehnen. Eine Chance, die sie dann auch ergriffen.
    Analoge in der Neuzeit: Die Unzufriedenheit der Leute, die die arabische Frühlingsreligion angezettelt haben, wurde von den Islamisten aufgegriffen und ausgenutzt. Auch in China könnte es ein Aufbegehren gegen die Parteienherrschaft geben, wenn sich eine Koalition von Interessen bildet.

    • Urs sagt:

      Trotz allem Schein, ich denke nicht das die Islamisten in den Islamischen Revolutionen an die Macht gekommen sind sondern Strategische Interessen und/oder der Ressourcenhunger westlicher Demokratien… nicht umsonst schickte man die eigenen Armeen als Friedensstifter, Sanitäter und Ausbilder in ferne Länder um gutes zu tun…

      …wobei das gute dann in den hiesigen Medien wirklich oft Weidergekäut wird so das auch noch die letzten Zweifler vom guten der Taten überzeugt sind… die etwas abgenutzten Begriffe wie freiheit und Demokratie ziehen nach wie vor in vielen Gesellschaften… so kann man dann trotz allem die Armee hinter sich organisieren oder Demokratische Rechte wie Versammlungsfreiheit, Demonstrationsfreiheit, Religionsfreiheit, Debatierfreiheit proklameiren und gleichzeitig die Armee gegen die eigene Bevölkerung einsetzen…

      …blind und taub für die Rufe der Unzufriedenen… unterdrückt die Rufe der Kritiker und Unzufriedenen… Aufständische, Revolutionäre, Freiheitskämpfer (gibt es nur in anderen Ländern aber nie vor der eigenen Haustüre), Realos, Fundis, Faschos, Träumer, Gutmenschen, Staatskinder…

      • Martin Holzherr sagt:

        Die arabische Revolution ist ja immer noch im Gange. In Syrien hat sich der Westen kaum eingemischt und in Lybien gibt es momentan kaum einen westlichen Einfluss. Auch Ägypten ist auf sich selbst gestellt. Ihr Kommentar bezieht. Sich wahrscheinlich auf das Eigreifen der französischen Armee in Mali.
        Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass die arabische Rebellion auch auf die arabische Halbinsel übergreifen könnte. Grund für die arabische Rebellion ist die Unzufriedenheit mit den Verhältnissen, politisch und wirtschaftlich. Werden die bestehenden Machthaber hinweggefegt haben Gruppen mit einer Ideologie, einem Programm die meisten Chancen. Macht entsteht nicht aus dem Nichts. In Lybien scheinen die bestehenden Stammesverbände regional die Macht übernommen zu haben – einfach darum weil es diese Macht schon vorher gab und keine starke Zentralmacht mehr existiert.

  9. Marcel Senn sagt:

    Im Zeitalter fast totalitärer Ueberwachungsmöglichkeiten werden traditionelle Revolutionen vermutlich immer seltener. Der Umschwung wird demokratisch vollzogen, vor allem durch den Umstand, dass die Einkommens- und Vermögensverteilung immer ungleicher wird. Dies erklärt, wieso Chavez, Kirchner, Morales u.a. in Lateinamerika mit einer Mehrheit gewählt wurden. Sie konnten einem Grossteil der ärmeren Bevölkerung Hoffnung auf ein besseres Leben vermitteln, dies gepaart mit dem Rohstoffreichtum ihrer Länder, mit dem all die Programme finanziert werden. Allerdings führt dies auch zu grosser Kapitalflucht und die Länderrisiken von Argentinien (rund akt 2000bp) und Venezuela (600bp) sind trotz relativ geringer Verschuldung von rund 45% sehr hoch, ebenso die Inflationsraten von 25-30%.
    Wenn es mit Griechenland weiter abwärts geht, wird die Syriza vermutlich die nächsten Wahlen dort gewinnen. Generell gilt vermutlich, dass eine grosse Einkommens- und Vermögensungleichheit der extremen Linken (oder in gewissen Fällen auch der extremen Rechten) mehr Stimmen zukommen lässt. Es sind die Parteien, von denen sich ein Grossteil der Bevölkerung die meisten Aenderungen verspricht.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Marcel

      In Lateinamerika, GR, aber zunehmend auch in DE und CH werden nicht ideologisch unterfütterte Strömungen stärker, sondern populistische. Wer dem Stimmvieh am meisten Hoffnungen macht, gewinnt. Ob die Heilsversprechungen realistisch sind, interessiert den Stimmengeber meist nicht. Mangels fundierter Ausbildung zu den elementaren wirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen die Leute auch nicht, die aufgetischten Lügen zu durchschauen. Genausowenig wie bei uns die Leute die CO2-Lüge oder Doris’ Energiewendeschwindel durchschauen.

      Chavez & Co sind genausowenig Ideologen, wie Berlusconi. Reine, egoistische, machtgeile Populisten.

      • Urs sagt:

        CO2 Lüge? Woher wissen Sie das?
        Chavez mögen Sie nicht? Warum ? Der wurde gewählt ! Was spricht gegen die venezolanische Demokratie im vergleich zu unserer?
        Stimmvieh sind wir alle, wir wollen das ja so… verteidigen unsere von oben herab verordneten Demokratien und wissen teils selber nicht genau warum wir das tun, machen dann aber die Faust im Sack vor lauter Unzufriedenheit und Frust…

        …beinahe 1/3 an Selbstbestimmung (Autonomie) geben die meisten von uns jeden Tag am Firmeneingang ab und betreten diktatorisches Gelände ohne jegliche Mitspracherechte…

        • Thomas ernst sagt:

          @ Urs

          CO2-Lüge: In einem natürlichen System, das Trillionen Tonnen CO2 umsetzt, ist es hochgradig unplausibel, dass die 0.000008% davon, die anthropogen sind, eine Rolle spielen. Im Gegensatz etwa zu Methan (CH4), das natürlich nur in minimalsten Spuren in der Atmosphäre vorkommt, aber von den Rinderherden des famosen Al Gore tonnenweise verfurzt werden.

          CO2 ist ein gigantisches Geschäft (Zertifikathandel), ist farb- und geruchlos, schwierig im Alltag zu messen, und jeder atmet es aus. Die ideale Basis für Lug und Betrug und Vorwand für jedes trübe Geschäft. Schauen Sie nur mal, mit welchen verbrecherischen Lügen BR Leuenberger und die EU die harmlose und Glühbirne im Interesse des Gewinns von Phillips und Osram verboten und durch hochgiftige Energiesparfunzeln ersetzt haben. Sondermüll schon beim Kauf, und wehe, Ihr Jüngster zerbricht so ein Teil und atmet das toxische Quecksilber ein.

          Der Mensch ist an vielen Schweinereien und Naturzerstörung schuld, aber CO2 ist gerade nicht der relevante Stoff, das ist ein durchsichtiges Abzock- und Ablenkungsmanöver. (PS: Der Klimawandel an sich ist eine Tatsache – schon seit 3.5 Mrd. Jahren.

          Chavez: Ich habe nirgends gesagt, ich möge Chavez nicht. Ich habe festgehalten, dass nicht Ideologie sondern Demagogie heute das zenrale Erfolgsinstrument sei. Chavez ist nicht Ideologe, sondern Demagoge. So wie Leuthard, oder Obama, und im Gegensatz zB zu Blocher, der ist primär ideologisch motiviert – und was hat es ihm genützt?

          • Urs sagt:

            …und trotzdem kann, je nach Qualität der Waage, ein Gewicht von 0.0000001 gr. diese zum kippen bringen, So unplausibel das auf den ersten Blick erscheint… wann dieser Effekt eintritt weiss niemand hier, so unplausibel das auch sein mag…

            … Nicht das ich ihnen nicht Glaube, ist mindestens so gut wie meine Erläuterungen, ich finde nur die Behauptung einer “CO2 Lüge” etwas gewagt…

            Zu Leuten wie Chavez oder allgemein in der Oeffentlichkeit agierende Personen, steltle doch mal ein alter Anarchist fest, es gibt Leute die verdienen ihr Geld mit den Händen, solche die verdienen ihr Geld mit dem Kopf und solche die verdienen es mit dem Mund…

            Am gefährlichsten und trügerischsten sind die, die ihr Geld mit dem Mund verdienen… die kontrollieren aber alle anderen, schaffen dabei in der Regel nichts was man gebrauchen könnte… im Gegenteil, hat man als Zuhörer in der Regel weniger in der Tasche als vorher….

        • Thomas ernst sagt:

          @ Urs

          Zu 1/3 freiwilliger Verzicht auf Freiheit: Schlimmer, eher 2/3. Darum freue ich mich, dass ich in meiner eigenen Firma zusammen mit 7 Partnern selbstbestimmt arbeiten kann.

          Die berühmte Madame Demeuron, die letzte Berner Patrizierin pflegte die Leute zu fragen ” Syt Dir öppert, oder näht Dir de Lohn?” [Seid Ihr jemand, oder nehmt Ihr Lohn?]
          Noch Fragen?

          • Urs sagt:

            …ergänzend zu meinen Erläuterungen in bischen weiter oben…

            …War nicht ihre Madame Demeuron eine , die ihr Geld mit dem Mund verdient hat…? Da muss so eine Frage gedeihen… ergänzend könnte auch die Frage gestellt werden “seit ihr jemand oder lasst ihr arbeiten..?” was dann aber im üblichen Gesellschaftlichen Kontext schon fast ketzerisch interpretiert werden könnte…

  10. Christoph sagt:

    Revolutionen finden in Städten statt. Dazu ist es natürlich hilfreich, wenn es den Städtern schlecht geht. Nahrungsmittelknappheit trifft sie auch am ersten, so wie in Paris, 1789. Die berühmte franz. Revolution fand auch nur in der Hauptstadt statt, der Rest vom Land war einigermassen versorgt. Ei weiterer, wichtiger Umstand ist die Kommunikation. Vor Gutenberg gab es keine Revolutionen, allenfalls kleine, lokale Aufstände. Das änderte sich mit Luther. Pamphlete, Flugblätter und Denkschriften sind das A und O einer Revolution. Heute kann man auch das Internet dazu zählen.
    In Syrien hingegen findet keine Revolution statt. Das sind nicht-staatliche Akteure, die in einen Staat eingedungen sind. Im Gegesatz zu Ägypten oder Teheran.
    Ob es bei uns zu einer Revolution kommt, darf man bezweifeln. Die westlichen Demokratien haben in der Konditionierung des Volkes gute Erfolge erzielt. Man lernt zu leiden ohne sich zu wehren. Wie in den Versuchen mit Hunden, die mit Elektroschocks behandelt werden. Mehr dazu hier: http://www.youtube.com/watch?v=n9-TTAtQK_4&feature=g-list&list=PLGjIfguO1dxNIMYAKGOD9OB0FeWqCZznl
    Das Fernsehen ist auch geeignet um die Leute zu Hause zu halten. Wie geagt, Kommunikation ist für eine Revolution wichtig. Die Menschen müssen sich treffen und konspirativ tätig sein können. Sitzen sie vor der Glotze, kommt es nicht dazu.
    Dennoch kann es zum Sturz der Zivilisation kommen. Unser Geldsystem nähert sich dem Ende, die Klimaveränderung wird sich stärker spürbar machen, das Erdöl könnte um 2020 knapp und rationiert werden. Da diese Faktoren ungefähr zur selben Zeit zuschlagen, wird sich das Volk dann wahrscheinlich auch erheben. Falls nicht der Eurokollaps vorher kommt, der würde uns von der Nahrungsversorgung kappen.
    (Ja, ich geb’s zu,ich bin da pessimistisch.)

  11. Auguste sagt:

    hmm…, in bezug auf china, müsste man vielleicht einmal untersuchen, ab welchem prokopfeinkommen es für regimes gefährlich wird. sowohl bottom-up als wohlstandswachstum vs. freiheit und top-down wohlstandsverlust trotz freiheit. natürlich liesse sich wohl kein punkt bestimmen, aber schon phasen einzugrenzen, wo es “heisser” wird, wären interessant. so paradox es klingen mag, aber möglicherweise wird weiter steigender und verbreiteter wohlstand der chinesischen erfolgsgeschichte noch die meisten steine in den weg legen. alles andere wäre einfach zu linear, um wahr zu sein.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Auguste

      Ich glaube nicht, dass absolute Grössen eine Rolle spielen. Relevant ist die Wahrnehmung.

      In Indien halten es viele Frauen für normal, dass der Mann die Frau schlägt, wenn sie sich “unangemessen” benimmt. Ich persönlich kann mir keine (zivile) Situation vorstellen, die es rechtfertigen würde, Gewalt gegen (m)eine Frau anzuwenden.

      Solange es die Leute für normal halten, was abgeht (Such is Life), werden sie keinerlei Revolutionen anzetteln oder unterstützen.

  12. Felix Gauch sagt:

    Herr Straumann, weht einmal der Wind des Zweifels über ein Land und streut seinen Samen in die Herzen der Menschen, dann ist ein Kollektiv auch dann nicht zu stoppen, wenn Silberstreifen am Horizont auszumachen sind; im Gegenteil, es verhält sich wie eine Menschenmasse in Panik, wenn der Ausgang greifbar nahe ist und man doch nicht mehr vorwärts kommt: Man schlägt erst recht um sich und vergisst, dass es mal sowas wie Anstand gab, und trampelt den Nächsten zu Tode, weil der Tod hinter einem her ist. Denn einmal die Richtung in eine hoffnungsvolle Zukunft gewendet und aus der sicheren Deckung gewagt, will der Mensch nicht mehr so schnell klein beigeben: Er hat alles, seine ganze Existenz in die Waagschale gelegt, maximal investiert. Kleine Zugeständnisse seitens der unter Druck gekommenen ist da nur ein Schuldgeständnis der Unterdrücker. Und wer glaubt, in solchen Zeiten gäbe es wenigstens so etwas wie eine Waagschale der Moral, wodurch das Gute endlich sein Gegengewicht bekäme, dem sei gesagt: Auf der anderen Seite wartet bloss der Mangel an Güte!

    • Thomas ernst sagt:

      Etwas sehr poetisch, für meinen Geschmack, aber die Botschaft ist klar und mE richtig: Wehe wenn die Menschenmasse sich in Bewegung setzt. In Amerika nennt sich das Stampede. Niemand möchte da im Wge stehen.

      Vielleicht sollten sich Draghi, Merkel und Herman der Schreckliche nochmals mit dm Thema befassen, bevor der entfesselte Volkszorn sie plättet….

  13. ast sagt:

    Nun, ich habe auch ein Buch gelesen, worin es um die Entstehung von Religionen geht. So wie es aussieht entstanden die grössten religiösen Bewegungen im Verlauf lang anhaltender Wirtschaftskrisen. Natürlich dauert die Verbreitung sowohl neuer religiöser Bewegungen als auch neue Ideologien -einiges an Zeit. Ich teile die Aussage von Thomas Ernst, relevant ist die Wahrnehmung -nicht die augenblickliche Realität. So gesehen dauerte es eine geraume Weile, bis sich in der Welt jene Marktideologie durchsetzte in welcher wir jetzt leben. Die Wirkung der Finanzkrise ist relativ neuen Datums, es dauert eine Weile bis die Verbrechen der Bankster ala Libor-Betrug und dergleichen in den Köpfen der Menschen setzen und daraus neue politische Bewegungen entstehen. Occupy Wallstreet konnte noch nicht in der breiten Masse Fuss fassen, aber das kann durchaus noch kommen. Für China wage ich keine Prognose abzugeben, dazu ist mir deren Kultur zu wenig bekannt (Obwohl ich über ein Jahr in Indonesien gelebt habe).

    • ast sagt:

      Eine Prognose möchte ich dennoch wagen, weil dies besonders interessant für Europa sein könnte. Ich sehe das Ende des Islamismus im Arabischen Raum voraus. Ich verfolge die ideologischen Bewegungen dort seit sehr langer Zeit, die Islamisten haben inzwischen ihre revolutionären Vorschusslorbeeren bald verloren. Die Umstürze durch Islamisten führten nirgends zu wirtschaftlichen Fortschritten und die Türkei weist nun einen gangbaren Weg vor um sich aus dem Islamismus hinaus zu bewegen. Die Türkei dürfte DER Aufsteiger der nächsten Jahre im Einflussbereich Europas werden.

      • Thomas ernst sagt:

        @ ast

        Wegen Islam(ismus)

        Objektiv gesehen ist der konservative Islam mit seinem umfassenden Anspruch auf Regelung aller Lebensbereiche von Glauben über Politik bis zur Wirtschaft ein minderwertiges Konstrukt, genauso übrigens wie der römische Katholizismus.

        Der Konservative Islam verbannt 50% der Menschen (alle Frauen) in den Haushalt und verhindert damit konstruktive Beiträge dieser 50% zu Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Weiterentwicklung der Gesellschaft. Zudem kommt noch, dass nicht nur die Frauen, sondern auch die weiblichen Anteile der Männer vom chauvinistischen Islam abgewürgt werden und damit nicht produktiv für die Gesellschaft genutzt werden können.

        Damit nutzt der konservative Islam aus rein ideologisch-mythischen Gründen höchstens 35% des intellektuellen und sozialen Potentials. Selbst wenn man die Verminderten Reibungsverluste durch die stromlinienförmige Gleichschaltung der Gehirne einrechnet, die eine totalitäre Ideologie erreichen kann (siehe Nazis und die Autobahnen), bleibt am Schluss ein erheblicher Rückstand der islamisch dominierten Volkswirtschaften gegenüber liberalen Gesellschaften.

        Dieser Rückstand ist heute in Arabien ebenso klar sichtbar, wie etwa in Indonesien. Sofern sich westlich orientierte Gesellschaften also nicht aus lauter linker multikulti Euphorie politisch oder militärisch vom Islam vereinnahmen lassen, werden sie den Islam schlicht aussitzen können. Wenn deren Ölquellen versiegen, werden sie wieder Kamele hüten, wie vor 100 Jahren, und politisch so bedeutsam sein wie Haiti oder Burkina-Faso.

        • ast sagt:

          Herr Ernst, streng genommen ist der Islamismus eine politische und weniger eine religiöse Bewegung. Sehr viele Islamisten sind sogar in Kenntnissen des Koran recht beschränkt.
          Das Frauenbild ist auch im islamischen Lebensraum im Wandel begriffen, so etwa arbeiten im Iran auch Frauen in “Männerberufen”. Es ist auch für die trägen Massen sichtbar geworden, dass mit Religion kaum gute Wirtschaftspolitik zu machen ist, deshalb begeben sich viele Islamisten derzeit in andere politische Experimente. Die Zeit der voranschreitenden Mullahs scheint vorbei zu sein. was denken Sie weshalb die Schweizer Minarett-Initative im islamischen Raum doch relativ wenig Resonanz genommen hat? -insgeheim herrschte vielerorts sogar Schadenfreude gegenüber Islamisten. In Ägypten hat man bereits nach kurzer Zeit genug von den Muslim-Brüdern, die Zeit arbeitet immer mehr gegen Islamisten -je mehr sie sich an der Macht beweisen müssen.

        • ast sagt:

          noch kurz zur Frauenarbeit im Westen. Dazu äusserte sich kürzlich der Ökonom Krugman zu Wort. Seiner Ansicht nach hat der Einstieg der Frauen in die Berufswelt die Männer nicht von Arbeit entlastet (Arbeitsteilung), dafür aber die Familienstrukturen zerrüttet. Der entstandene Zugewinn an Familieneinkommen sei zu gering gewesen, ausserdem sei heute eine Familie mit 4 Kindern in der Mittelschicht kaum noch finanzierbar.

    • Thomas ernst sagt:

      @ ast

      Wegen occupy: In den USA wurde Occupy Wallstreet – wie inzwischen von Civil Liberties Organizations in den USA publik gemacht, von einer illegalen Verschwörung ais FBI, Homeland Security, TASA und Uni-Sicherheitsdiensten gekillt. Diese ” Sicherheitsdienste haben selektiv Wortführer, meist Studenten, mithilfe der Uni-Bürokratie identifiziert und dann illegal verhaftet oder sonst aus dem Weg geräumt. Die Handlanger der 1% im Dienste des Kapitals.

      Die Sache wurde Anfang Jahr publik, auch auf HuffPo, aber im Januarlochnzwisvhen dem 2. und 8. Januar, wenn alles geistig out ist…

      Es dauert wohl vor allem deshalb alles so lange, weil die Mächtigen jede Kritik aktiv unterdrücken. Von wegen freier Meinungsäusserung…

  14. Linus Huber sagt:

    Ich erkenne immer wieder in den Blog Beitraegen, dass versucht wird, das gegenwaertige Dilemma zu erklaeren. Aus diesem Grunde erlaube ich mir, ein von mir wohl ueberlegtes Konzept zu unterbreiten.

    Oekonomische Theorien basieren auf mathematisch messbaren Groessen, welche normalerweise Ausdruck in der gewaehlten Waehrung findet (im Geld). Geld ist somit das Mass aller oekonomisch erfassbaren Aspekte der Gesellschaft. Somit nimmt Geld eine allesdurchdringende Bedeutung in einer Gesellschaft an und beeinflusst langfristig betrachtet das Verhalten der einzelnen Mitglieder in der Gesellschaft.

    Die dauernde und manipulative Entwertung des Geldes (unehrliches Geld) verletzt natuerlich das Eigentumsrecht des Geldbesitzenden, indem seine Kaufkraft umverteilt wird. Dies fuehrt laengerfristig zu einer Veraenderung der Verhaltensweise der Bevoelkerung und zwar im negativen Sinne, weil solche Manipulationen sich negativ auf qualitative Werte wie nachhaltiges Denken (e.g. Wegwerfgesellschaft), Ehrlichkeit, Freiheit, Verantwortungsbewusstsein, Respekt gegenueber sich und andern, tatsaechliche (nicht formelle) Rechtsstaatlichkeit, Geduld (e.g. Konsumgesellschaft) etc. auswirken.

    Das oekonomische Denken der Manipulation wird natuerlich nicht nur im Bereiche des Geldes selber angewandt (wo es jedoch ihre groesste Wirkung zeigen duerfte), sondern auch in politischen Entscheiden, welche einzig das quantitative Wachstum anstrebt und es unterlaesst qualitative Werte (da nicht messbar) zu beruecksichtigen. Die Schweiz steht in dieser Beziehung wohl noch besser da als representative Demokratien, da das Volk oft auch aufgrund intuitiver und nicht rein auf formal-wirtschaftlicher Ebene Entscheidungen mit beeinflussen kann.

    Dadurch wird ein Gefuehl der Ohnmacht produziert, indem das System alles bestimmt und der Einzelne unfrei oder besser gesagt, manipuliert wird. Wenn man jemanden wie eine Labor-Ratte behandelt (manipuliert), nimmt er ueber Zeit die Attribute einer Ratte an.

    • Linus Huber sagt:

      Bitte gebt mir Feedback, damit ich mein Gedankenkonstrukt noch differenzierter belegen kann.

      • Rolf Zach sagt:

        Herr Linus Huber. Revolutionen lassen nicht allein aus einer Geldpolitik erklären, sie sind noch mehr ein soziales
        Phänomen, wo sich die soziale Struktur einer Gesellschaft mit den Wachstum-Möglichkeiten einer Volkswirtschaft
        trifft. Die Einführung des Geldes und des Kredites ist ein Meilenstein der kulturellen Evolution der Menschheit.
        Der Missbrauch ist aber auch gegeben. Wenn z.B. die Volkswirtschaftslehre die Einkommensverteilung nicht
        berücksichtigt wie bei Milton Friedmann. Wir haben eine Vermögen-Inflation, aber nicht unbedingt eine der
        alltäglichen Güter, wie das Dittli hervorragend in seinem Blog beleuchtet. Die untersten Klassen kamen nicht
        mehr mit und wie eine Seuche verbreite sich das Übel die Klassenleiter hinauf. Wenn die Mittel- und Oberschicht
        in den USA weiter spart und nicht investiert, kann sich die Seuche weiter ausbreiten und auch die noch sparenden
        Schichten treffen und das Elend wird grösser. Eine solche Entwicklung muss noch lange nicht zu einer Revolution
        führen!

    • ast sagt:

      “Geld ist somit das Mass aller oekonomisch erfassbaren Aspekte”
      Es wäre das Mass -wenn Geld noch zu irgendwas Realem korrespondieren würde. Dem Geld wurden die physische Grundlage entzogen -weder Gold noch Silber noch sonst eine messbare Grösse ist dem Geld noch zu Grunde gelegt. Aus diesem Grund halte ich Geld auch nicht für eine messbare Grösse -es besitzt lediglich eine Kombination staatlicher Autorität und diffusem Glauben als Grundlage seines Wertes. Dieser Wert kann jederzeit ändern, so dass wir bereits Morgen vielleicht 100 Franken für ein Brot bezahlen müssen. Die SNB hat noch 10% seiner Reserven in Form von Gold, ansonsten wurden die Tresore mit aus meiner Sicht wertlosen Euros vollgestopft. Was glauben sie warum der Franken nun plötzlich zu fallen begonnen hat. weil Europa angeblich die Krise überwunden hat? -vielleicht auch weil Gold im Anteil abgenommen hat und die Schweiz mit Risikopapieren vollgestopft worden ist.

      • Thomas sagt:

        @ ast

        “eine Kombination staatlicher Autorität und diffusem Glauben als Grundlage seines Wertes”

        Völlig einverstanden, wobei sogar die staatliche Autorität letztlich nur den Glauben stützt. Geld = Glaubensartikel.

        Interessant ist, (siehe die Ausführungen von Linus in früheren Beiträgen,) dass dieses rein Virtuelle (Geld) in der Lage ist, das höchst materielle Leben der Leute nachhaltigst zu beeinflussen. Nicht nur in Spanien haben sich schon Leute umgebracht, weil sie kein Geld = Glauben mehr hatten.

        Sehr interessant – und gleichzeitig absolut im Einklang mit der Quantenphysik und den jahrtausendealten Lehren früherer Lehrer (Buddha, Jesus, die Veden etc.).

        Lernen wir es mal noch?

  15. Rolf Zach sagt:

    Für eine Revolution müssen 3 Voraussetzungen vorhanden sein. Allgemeine Not breiter Volksschichten und das Gefühl
    dass sich niemand sich um sie kümmert und es vorher besser war, kann auch nach Gefühl sein. Ein Unwohlsein der
    herrschenden Eliten gepaart mit dem machtvollen Drängen neuer Klassen, die am Kuchen teilnehmen wollen. Das
    ausschlaggebende aber ist eine Regierung, die kein Prestige hat, von den Intellektuellen verachtet wird und die Mehrheit
    der Elite zum Teufel wünscht und eine gute Gelegenheit sieht Köpfe auszutauschen. Wenn einmal ein solcher Zustand
    erreicht ist, kann die ganze Gemengelage unkontrollierbar werden.
    Für die gebildeten Franzosen war das Königreich morsch und träge. Die Finanzen waren in der Hand der General
    Steuerpächter. Unerträglich, die meisten von ihnen wurden hingerichtet (inkl. Lavoisier). Entwicklung von Mirabeau zu
    Robbespierre.
    Die Revolution 1906 wurde mit Hilfe von starken Politiker wie Witte und Stolypin niedergeschlagen. Der Zar konnte solche
    Männer nicht ausstehen. Im Krieg katastrophale Ernennungen wie Stürmer und Protopopow. Eine verwirrte, aber ihm gegen-
    über starke Frau mit Rasputin. Er hatte im März 1917 in jeder Hinsicht abgewirtschaftet und die russische Elite schämte sich
    seiner. Auf den schwachen Kerenski folgte Lenin mit überlegter Brutalität und angeblich zukunftsweisenden Ideen. Das Volk
    wollte Frieden.
    Die massgebenden Kreise Deutschland vor 1914 waren auch 33 da, mit ihrem Hass auf die Weimarer Demokratie und
    Revanche-Gelüsten. Die Weltwirtschaftskrise diente zusätzlich das Volk zu verelenden (Deflationspolitik Brüning, Junker-
    Subventionen). Es waren ihnen gleichgültig. Niemand von dieser Macht-Elite wollten den Wirrkopf Wilhelm II, der glaubte
    wieder Kaiser zu werden. Hindenburg versuchte mit Papen, später Schleicher das System von 14 wieder ein-
    zuführen. Er als Chef, ging nicht. Sie konnten 1934 Hitler nicht mehr loswerden (schwieriges Jahr für das Reich).
    Neuwahlen wären die ewige SPD gewesen.Schrecklich!

    • Thomas sagt:

      @ Rolf

      Um der Lesbarkeit willen: bitte keine harten Zeilenumbrüche im Entwurf einfügen. Das Format des veröffentlichten Textes entspricht NICHT dem Format des Eingabefensters. Danke!

    • Thomas sagt:

      @ Rolf

      Welch prophetischen Worte: “Neuwahlen wären die ewige SPD gewesen.Schrecklich!”
      Das gilt auch heute noch: Die ewige SPD, egal ob mit Mutti Merkel oder mit Kavallerist Steinfück – ein Alptraum für Deutschland.

  16. massimo leonardi sagt:

    Da hängen noch mehr Faktoren zusammen als Geld,beim krieg wusste die normale Bevölkerung sie für den Verlust an Menschen gerade zu stehen hatte,während die Oberschicht meistens nicht eingezogen wurde,aber es gibt immer und in jedem Land wo Preise von Nahrungsmittel und ein nicht Handeln der Obrigkeit die Revolutionen auslösten

  17. Porgy sagt:

    Die Revolutionen wurden von den Khazaren (Nichtisraelitische Juden) vollzogen. Das sind die Nachfolger des gleichnamigen Reiches, welches man in der Schule überspringt. Revolultionäre sind Banditen, die schnell Macht an sich reissen wollen. Menschenleben sind ihnen egal.

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