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Die stille Revolution

Mark Dittli am Freitag den 21. Dezember 2012
Erdölförderanlage in Colorado, USA. (Keystone)

Dank neuen Verfahren kann in den USA mehr Erdgas und Erdöl gefördert werden: Erdölpumpe in Colorado. (Keystone)

Diese Meldung ging Anfang Dezember um die Welt: Apple will wieder einen Teil seiner Produkte in den USA herstellen. Bis zu 100 Millionen Dollar will der IT-Konzern in neue Fertigungsanlagen investieren, um bestimmte Modelle seiner Mac-Computerpalette künftig auf heimischem Boden zu produzieren.

Mein Kollege Tobias Straumann nahm die Meldung zum Anlass, um in diesem Blogbeitrag darüber zu sinnieren, was die Aussage bedeutet, ein Produkt sei «Made in» irgend einem Land – zumal sich die Wertschöpfungsketten für viele Produkte über diverse Länder spannen. Grundsätzlich teile ich Straumanns Meinung. Die heute existierende globale Verflechtung der Produktionsstandorte ist historisch ohne Beispiel.

Und doch findet in den USA gegenwärtig eine Entwicklung statt, die es verdient, genauer betrachtet zu werden. Beginnen wir daher mit einigen weiteren Unternehmensmeldungen, die – weil es sich nicht um Apple handelt –, in den Medien kaum beachtet wurden:

  • Seit Februar dieses Jahres stellt General Electric wieder Wasserboiler in einer Fabrik in den USA her. Seit März produziert der Industriekonzern zudem wieder Kühlschränke in Kentucky, und Anfang 2013 wird GE eine neue Fertigungslinie für Waschmaschinen «Made in USA» eröffnen. Alle diese Güter hatte das Unternehmen zuvor während Jahren nur noch in China oder Mexiko hergestellt. GE hat für die neuen Anlagen 800 Millionen Dollar investiert und direkt mehr als 1700 neue Arbeitsplätze geschaffen.
  • Der Lifthersteller Otis hat kürzlich ein Fertigungswerk von Mexiko nach South Carolina verlegt.
  • Der Haushaltgerätehersteller Whirlpool hat angekündigt, die Produktion von Mixern aus China ins heimische Ohio zu «insourcen».
  • Der Chemieriese Dow Chemical hat ein neues Chemiewerk in Texas eröffnet.
  • Und Wham-O (allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs sicher ein Begriff) wird wieder Frisbees in Kalifornien herstellen, statt sie in China fertigen zu lassen.

Was steckt hinter diesem Industrialisierungsboom? Sind es bloss plumpe patriotische Gesten? Das US-Monatsmagazin «The Atlantic» ist der Frage in einer tollen Titelstory (hier) auf den Grund gegangen und kommt zu einem auf den ersten Blick überraschenden Schluss: Das Insourcing macht schlichtweg betriebswirtschaftlich Sinn. Am Beispiel des Wasserboilers von General Electric wird vorgerechnet, wie die Produktionskosten in den USA heute alles in allem um 20 Prozent niedriger sind als in China. Der Anteil der manuellen Arbeit – das Hauptargument für Produktionsauslagerungen nach Asien – ist an den Gesamtkosten genügend klein geworden, dass sich Outsourcing nicht mehr lohnt.

Der wichtigste Faktor für die neue Wettbewerbsfähigkeit der USA als Produktionsstandort liegt in den Energiepreisen. Zum einen hat sich der Ölpreis seit dem Jahr 2001, als der Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation WTO den Outsourcing-Boom so richtig anfachte, verdreifacht. Gerade für schwere, voluminöse Güter wie Kühlschränke fallen die Transportkosten ins Gewicht. Noch wichtiger ist jedoch die Entwicklung der Energiepreise in den USA selbst: Das ist das Feld, in dem von einer eigentlichen stillen Revolution gesprochen werden kann. Die Energiepreise in Amerika sind nämlich massiv gesunken.

Diese Grafik zeigt den Preis für Erdgas (in Dollar je Million BTU; British Thermal Unit). Die orange Kurve steht für die USA, die Schwarze für Grossbritannien, die Dunkelgraue für Kontinentaleuropa und die Gestrichelte für Japan (Quelle: FuW):

Bis und mit 2009 lagen die Erdgaspreise weltweit eng beieinander, doch seither ist er in den USA immer weiter gesunken, während die anderen Länder wieder steigende Preise verzeichneten. In Japan ist der für die Industrie wichtige Energieträger Erdgas heute rund acht mal teurer als in den USA.

Seit zwei Jahren ist in den USA auch Erdöl deutlich (wenn auch nicht im Ausmass wie das Erdgas) günstiger als im Rest der Welt. Der Preis für die Sorte West Texas Intermediate scheint dauerhaft rund 20 Dollar (je Fass) tiefer zu liegen als der Preis für das in Europa gehandelte Brent – und das, nachdem sich die beiden Preise in den Jahren zuvor jeweils gleichauf bewegt hatten. Hier die Grafik dazu (Quelle: FuW):

Was ist geschehen? Die Antwort auf diese Frage heisst «Fracking» oder Hydraulic Fracturing, eine neue Fördermethode, mit deren Hilfe Öl und Gas aus Schiefergestein gepresst wird und die USA einen neuen Gas- und Ölboom erleben. Mein Redaktionskollege Christoph Gisiger hat eine schöne Reportage über das neue Ölfieber in Texas (hier zu finden) geschrieben, in der er auch die technischen Details des Fracking erklärt. Für die Zwecke dieses Blogs nur drei Grafiken aus Gisigers Arbeit:

Die erste zeigt, wie sich das Volumen in der Erdgasförderung seit 2007, als der technische Durchbruch im Fracking gelang, massiv ausgeweitet hat (diese Angebotsausweitung ist der Grund für den Preiszerfall im US-Erdgasmarkt):

Die zweite Grafik zeigt die Ölförderung im Land, die im Jahr 2008 ihren Tiefpunkt verzeichnete und seither wieder kräftig steigt:

Und die dritte schliesslich zeigt die prognostizierten Produktionsausweitungen in der amerikanischen Erdölförderung über die kommenden Jahre:

Gemäss Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA sind die Schiefervorkommen derart ergiebig, dass die USA bis 2020 Saudi-Arabien als weltgrössten Ölproduzenten überholen könnten. Die Vereinigten Staaten werden dann nicht mehr auf Energieimporte aus dem Mittleren Osten oder aus Venezuela angewiesen sein, sondern im Gegenteil selbst zu einem Exporteur werden. Was das wohl aus geopolitischer Sicht für den Mittleren Osten bedeuten wird?

Die amerikanische Wirtschaft jedenfalls darf sich dauerhaft auf günstigere Energiekosten einstellen. Es ist also durchaus möglich, dass wir über die kommenden Jahre eine Re-Industrialisierung der USA erleben werden.

Nachtrag: Vergangene Woche haben wir in diesem Blogbeitrag über Japan geschrieben. Die Wahlen sind mittlerweile vorüber, und die Liberaldemokratische Partei unter Shinzo Abe hat einen Erdrutschsieg errungen. Bereits beginnt Abe, politischen Druck auf die Bank of Japan auszuüben; die Zentralbank hat am Donnerstag weitere Massnahmen zur Stützung der Wirtschaft und zur Schwächung des Yen bekannt gegeben (hier die Details). Mein Redaktionskollege Gregor Mast hat sich in dieser Analyse mit dem Titel «Japanisches Endspiel in vier Akten» Gedanken darüber gemacht, wie Japan in den kommenden Jahren die Weltfinanzmärkte bewegen wird. Nur so viel: Es wird heftig.

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90 Kommentare zu „Die stille Revolution“

  1. Beatus Gubler sagt:

    Spannend, mal sehen was sich da entwickelt.

  2. Ueli Hoch sagt:

    Tja, und in der Schweiz und in Europa ist man gerade daran die Energie mittels Steuern zu erhöhen

    • Frank Maezenas sagt:

      Absolut! Uns aus der VWL-Theorie wissen wir, dass um wettbewerbsfähig zu bleiben, dann ein anderer Produktionsfaktor billiger sein muss. Tja, und da bleibt angesichts negativzinsen im US$ eigentlich nur die Arbeit. Teure Energie werden wir daher vermutlich mit tieferen Löhnen bezahlen müssen.

    • Stadelman Reto sagt:

      Ich denke, die Schweiz und Europa haben kaum Erdgas oder Öl, wir müssen daher auf andere Energielieferanten ausweichen. Stichwort dabei Green Energy. Diese kombiniert mit Gas aus Russland könnte uns auch energietechnisch gesehen wieder Konkurrenzfähig machen.
      Wie auch immer, ich stehe dem Boom in den USA sehr skeptisch gegenüber. Das ist mittelfristig zwar eine schöne Sache, aber das grösste Problem, die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe, wird damit nicht angegangen… Der Crash kommt. Die Welt braucht Energie und die fossilen Brennstoffe reichen nicht ewig. Spätestens dann wird Europa dankbar sein, wenn es mehr Green Energy hat als die USA und autark überleben kann. So gesehen ist die US Strategie des Fracking eine kurzfristige unüberlegte Handlung die das Land noch viel kosten wird… Von den Umweltproblemen habe ich jetzt noch gar nicht gesprochen. Mal sehen wie viele externe Kosten da noch anfallen…

      • B.Ohrer sagt:

        Lieber Herr Stadelmann
        Endlich mal jemand der strategisch und langfristig denkt. Da Sie Fracking als kurzfristige Massnahme bezeichnen und die Ölreserven, die für diese Methode zugänglich sind etwa 200 Jahre reichen werden, heisst das, dass Sie bereits mehrere Jahrhunderte vorausdenken. Wunderbar, aber völlig irrelevant!
        Vielleicht finden Sie über die Festtage ja die Gelegenheit, kurz aus Ihren paradiesischen Träumen aufzuwachen.
        Ich werde kontrollieren lassen, ob Du Dir etwas Mühe gibst! Samichlaus

        • Anna sagt:

          Fracking ist eine Umwelttechnische Sauerei, die Böden und Grundwasser verseucht und so die Menschen in der Umgebung um Ihre Gesundheit bringt.
          Sehr Nachhaltig ist das nicht Herr Ohrer. Irgendwann in ein paar Jahren spätestens (und nicht erst in 200) wird das auch die USA sehen, weil es riesengrosse Proteste geben wird deswegen.

        • M. Meier sagt:

          @Ohrer, Was heisst da irrelevant? Die Abholzung der mediterranen Regionen durch die Römer vor ca. 2000 Jahren beeinflusste das Klima – und damit den ganzen Rattenschwanz der damit einhergeht bis heute. Trotzdem lebte der moderne Mensch bis zur industriellen Revolution mehr oder weniger im Einklang mit der Natur. Was wir seit ca. 200 Jahren machen ist eine unglaublich rasante Entwicklung, die nur durch die Ausbeutung fossiler Energien möglich ist. Und die werden irgendwann mal alle sein, und ob das in 200 oder in 500 Jahren sein wird, ist egal – in Korrelation mit ca. 30 000 Jahren Entwicklungsgeschichte des modernen Menschen ist das ein sehr kurzfristiger Zeitraum. Hoffen wir also, dass es uns gelingt unseren Lebensstil ohne fossile Energien aufrecht zu erhalten, ansonsten werden wir wieder so leben wie wir das die letzten paar 10 000 Jahre getan haben. Das hat nichts mit paradiesischen Träumen zu tun, Stadelmann hat einfach nur logisch gedacht. Die Rute kannst du dir also selbst geben, Samichlaus…

        • Stadelman Reto sagt:

          @Ohrer
          200 Jahre? Wohl eher 20… Wir werden es noch erleben, dass die fossilen Brennstoffe tatsächlich knapp werden. Davon bin ich überzeugt. Wer es bis dahin nicht geschaft hat auf Green Energy umzustellen hat dann das nachsehen. Sie sehen also, ich denke nicht mal ökologisch, sondern Machtpolitisch ;-)

          • Martin Jungen sagt:

            @ Stadelmann das mit den 200 Jahren stimm garantiert ! Glaben Sie es mir, denn ich arbeite damit.

          • Martin Jungen sagt:

            @ Stadelmann
            da irren sie sich leider gewaltig. Die Reserven sind wirklich vorhanden. Glauben sie es mir, denn ich arbeite in diesem Bereich.

  3. Reto Meier sagt:

    Ja Herr Hoch wie manche schon gesagt haben und manche noch brav tun werden: Die immer wiederkehrenden Jubelgesänge auf Amerika das alles so super und alles immer perfekt macht und ist und was wir in Europa ein Hort von Volltrotteln sind und unser Untergang steht kurz bevor und ist unabwendbar.
    Wieso kommen mir doch die Ölreserven von Brasilien in den Sinn die noch vor kurzem hochgejazzt wurden und dem Land eine baldige super-mega-giga-platinige Zukunft vorgeschwärmt wurde. Aber es ist klar, wir MÜSSEN immer schön positiv sein, das Öl wird bald nur noch wenige Cents kosten und für abertausende Jahre reichen. Um all die Prinzen und Günstlinge in Saudi-Arabien und die Förderung und Erneuerung der Infrastruktur in Russland (nur um zwei Beispiele zu nennen) zu finanzieren wird das wohl reichen ….

  4. Thomas ernst sagt:

    @ Ueli

    Sie meinen sicher die EnergiePREISE…

  5. Thomas ernst sagt:

    Noch als Ergänzung zu den Re-Industrialisierungs-Beispielen Markus Gärtner meldet in seinem Blog (Blog.markusgaertner.com) dass Firmen wie General Motors, General Electric oder Wal-Mart jetzt Hunderte von Informatikern einstellen und kleine Technologiefirmen im Silicon Valley aufkaufen, um ihre früher ausgelagerten Informati-Abteilungen wieder aufzubauen.

    Sie haben offenbar gemerkt, dass die Computertechnologie im Internetzeitalter eine Schlüsselkompetenz darstellt, die man nicht einfach von einem Unterlieferanten zukaufen kann, wenn man in seinem Geschäft Marktführer bleiben will.

    Es passt zur Bemerkung von Ueli Hoch, dass die einstmals führenden Schweizer Grossbanken immer noch mit der Reduktion und Auslagerung von Informatikbereichen beschäftigt sind, oder die inhouse-Informatik qualitativ derart ausgeblutet haben, dass ein oeffentlichkeitswirksamer Crash nur noch eine Frage der Zeit ist (CS)…

    • Stadelman Reto sagt:

      Das sehe ich auch so. “Plaperis” die sich z.B. Banker nennen werden jedes Jahr an den Unis tausende “produziert”. Ihre Wertschöpfung ist praktisch nicht messbar da ihre Leistungen mehr als unterschiedlich sind und die Ergebnisse jeder einzelnen Arbeit erst recht. Alles immer abhängig von persönlichem Empfinden, Tagesform etc. Aber die IT die mit Prozessautomatisierungen über SAP oder anderen Programme auftrumpfen kann, die Kernkompetenzen im Algorithmen o.Ä. gespeichert hat, die kennt solche Schwächen nicht. Sie arbeitet präziser, schneller, günstiger und ist einfacher zu handhaben. Das ist die Zukunft.
      Die Schweizer Banken machen wohl das Unüberlegteste überhaupt, die lagern ihre Kernkompetenzen oder schlimmer noch, ihre strategischen Marktvorteile aus! Daran erkennt man ein altes Management ohne Fantasie das die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat.

  6. lucius mayer sagt:

    Die wenigen neuen Fabriken in den VSvA sind auf Grund politischen Drucks als PR-Übungen für die dortige Galerie entstanden. Die Hauptherstellung wird nach wie vor in Billigstlohnländern stattfinden. Europa wird indes von China gekauft. Die kleine aber schöne, edle Helvetia kann die eher kleinen Chinesen genau so gut wie die übergroßen US-Amis bedienen. Vielleicht noch besser.

  7. Nick Schott sagt:

    Eines der grössten Probleme der Welt wird zur Seite geschoben für ein paar Prozent Wirtschaftwachstum. Der Junkie hängt an der Erdölspritze bis zum bitteren Erwachen – weil keine billige Energie mehr – weil riesige Kosten wegen Klimaerwärmung. Aber jetzt machen wir noch mächtig Kohle. Es stimmt mich traurig.

  8. Frank Maezenas sagt:

    Herzlichen Dank für diesen grossartigen, weitsichtigen und aufschlussreichen Artikel!
    Totgesagte leben nunmal länger! Das gilt mit Sicherheit die US-Wirtschaft (hoffentlich gilt das auch für das Klima!).

  9. Jean Elson sagt:

    @Lucius Mayer – Ich denke, dass Sie sich irren. Die Tatsache, dass viele Unternehmen, Teile von oder ganze Produktionen wieder in die USA holen, hat schon vor einigen Jahren begonnen und wird sich weiter verstärken. Die Verfügbarkeit von günstigem Gas ist nur einer der Gründe.

    Der Hauptgrund ist die sich rasant entwickelnde Technologie in der Fabrikation von Gütern. Die wahre Revolution im Manufacturing steht uns aber noch bevor. Ich beschäftige mich seit Jahren mit 3D-Drucken und diese Technik wird ein Re-Shoring von Industrien in vielen Zweigen richtig zum blühen bringen. Für die USA bin ich mehr als nur optimistisch (einer meiner Söhne wohnt und forscht seit Jahren dort).

    Wenn es der Schweiz gelingt, sich aus den Inner-EU-Querelen heraus zu halten, werden auch wir eine gute industrielle Zukunft haben, denn 3-D Drucken ist eine Technik, welche sehr gut zu den Industrieprodukten der Schweiz passt.

    Ich hoffe für uns alle, dass die nächste Politikergeneration nicht solche ‚Quartalsschnurri’ à la Wermut, Levrat, Darbelley oder auch Philipp Müller sind und es uns gelingt, Köpfe mit Visionen und Ideen wieder dafür zu begeistern, zu fragen, was sie für die Gemeinschaft tun können und nicht nur daran zu denken, wie sie ihre eigenen Säcke füllen.

    • Stadelman Reto sagt:

      @Elson
      Ich habe eine Frage zu den viel gerühmten 3D Druckern. Können diese Drucker auch Teile aus verschiedenen Stoffen herstellen? Bisher war ich der Meinung, ein 3D Drucker könne nur aus bestimmten Stoffen (meist Kunststoff) gewisse Teile fertigen. Aber Fertigprodukte wie ein Staubsauger etc. können doch so niemals hergestellt werden. Höchstens einige Ersatzteile. Wie sehen Sie das?

      • Jean Elson sagt:

        @Reto Stadelmann: Es gibt Drucker, welche verschiedene Materialien drucken können. Die Materialien, welche aufeinander oder in einander geschichtet werden, müssen eine Verbindung zueinander eingehen können, dann geht dies.

        Damit Sie einen Staubsauger drucken können und nicht nur Einzelteile davon, welche später dann zu einem ganzen Staubsauger zusammengesetzt werden, müsste der Staubsauger auf 3D-Druck konstruiert sein. Dann könnten Sie einen Staubsauger integral drucken.

        Kennen Sie den Tata Nano? Dieses kleine Auto, welches die indische Tata Motors vor einiger Zeit konstruiert hat, ist auf eine andere Art des Zusammenbaus ausgelegt und die Komponenten sind in vielen Teilen anders konstruiert, als bei einem Auto, wie wir es hier kennen. Genauso wie der Nano auf eine andere Art der Montagelinie konstruiert ist, müsste der Staubsauger auf die Möglichkeiten des 3D-Druckers konstruiert werden.

        Wir werden in Zukunft viel mehr Dinge sehen, welche auf 3D-Druck anstatt auf Zusammenbau von einzelnen Komponenten konstruiert sind.

        Wie ich mich mit dem Thema zu befassen begann, haben einfachere 3D-Drucker noch mehrere hundert-tausend Franken gekostet und wurden für das Rapid Prototyping von einzelnen kleineren Komponenten eingesetzt. Heute kosten die besten Profi-Drucker in der Grössenordnung von Fr. 30,000.00. Diese Preise werden weiter fallen mit der Verbreitung der Drucker. Uebrigens, gewisse der Druckermodelle werden heute schon teilweise in 3D-Druck hergestellt. Der Drucker druckt seinen Nachfolger, zumindesten zu einem Teil.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Reto

        Ein Artikel im Sew Scientist vom 15. Dezember 2012 befasst sich ausgiebig mit 3D-Druckern. Zur Zeit können Teile nur aus einem oder vielleicht zwei Materialien am gleichen Objekt gedruckt werden. Der Kunststoff kommt auf Rollen, Preis etwa 50-100 USD pro Kilo.

        Insgesamt kommt der Autor zum Schluss, dass es noch ein weiter Weg sein wird, bis 3D-Printing einen nennenswerten Beitrag zur Güterproduktion leisten wird.

  10. Martin Holzherr sagt:

    Die Bedeutung manueller Arbeit in der Fertigung geht zurück und selbst Billiglohnarbeit lohnt sich nur noch in wenigen Bereichen wie der Textilindustrie. Foxconn, die Firma, die für einige Apple-Produkte made-in-China verantwortlich zeichnet, aber auch viele andere Elektronik/Computer-Firmen als Kunden hat, kündigte kürzlich an, künftig vermehrt auf Roboter zu setzen, und in den nächsten 3 Jahren 1 Million Industrieroboter zuzukaufen. In den USA baut Rethink Robotics neu einen Roboter, der nicht mehr programmiert sondern instruiert werden kann.
    Eine immer grössere Rolle spielt auch 3D-Printing, nicht mehr nur für das Prototyping, sondern auch für die individualisiserte Fertigung:. Zitat: “3D Printing was initially a solution looking for a problem. With any world changing technology, it only matters once it actually does change the world”.
    Die Erdgasschwemme und die sich daraus ergebenden tiefen Erdgaspreise in den USA spielen natürlich auch eine Rolle, schaffen sie doch nur schon für die Förderung und allem was dazugehört neue Arbeitsplätze und ermöglichen sie energieintensiven Firmen in den USA zu produzieren.
    Betreffend Erdöl gilt: Die USA fördern jetzt schon gleich viel Erdöl wie Saudiarabien.. Saudi-Arabien wird sein Öl künftig nach Asien – vor allem China – absetzen. Dass es zuviel Erdöl geben wird ist nicht anzunehmen beim Autoboom in China und Indien. In China werden heute mehr Neuwagen verkauft als in den USA und das ist erst der Anfang.

  11. Thomas sagt:

    Goldene Aussichten für die Schweiz und Nestle. Nachdem Fracking die Grundwasserreserven vergiften wird, können wir unser Wasser teurer als Öl in die USA exportieren.

  12. Hardy sagt:

    Der Preis der Energie mag wichtig sein – bei den angesprochenen Beispielen ist er es bis auf das Chemiewerk schlicht nicht. Der Anteil der Energie an den Gesamtkosten wird wohl jeweils unter 5% liegen; selbst eine Viertelung dieser Kosten hätte kaum Einfluss auf eine Standortfindung. Etwas anderes jedoch wurde vom Autor offensichtlich weder beachtet, noch erwähnt: Die sinkenden Arbeitskosten in Amerika.
    VW suchte für sein neues Werk in Amerika Mitarbeiter für die Montage, Lohnvorgabe: 15 $/h. Es kamen 10x mehr Bewerbungen als Plätze zu vergeben waren. Der Durchschnittssatz in den eingesessenen Fabriken von Chrysler, Ford und GM liegt hingegen IIRC bei knapp 60 $/h, womit der Anteil der Arbeitskosten an den dargestellten Produkten sehr viel höher ist als der der Energie. In China hingegen steigen die Arbeitskosten bei erheblich (!) geringerer Qualifikation und höherer Fluktuation jährlich nahezu zweistellig. Es war klar, dass es irgendwann eine Gegenbewegung geben würde. Sprich: Sinkende Energiepreise wirken sich auf private Haushalte und die evtl. noch vorhandenen “energieintensiven Industrien” sicherlich aus, die Arbeitskosten sind bei den betrachteten Beispielen jedoch der maßgebliche Verlagerungsgrund.

    • Frank Maezenas sagt:

      @ Ein starkes Argument. Allerdings darf man nicht vergessen, dass man in den USA mit einem Lohn von 15 US$/h dank einem intelligenten Steuersystem einigermassen gut leben kann (Stichwort Steuergutschriften). Bei uns sind trotz höherer Lebenshaltungskosten Stundenlöhne von 17 Fr./h auch keine Seltenheit und mit ein bisschen Glück erhält man am Ende des Jahres sogar noch eine Steuerrechnung.

    • Martin Holzherr sagt:

      Für energieintensive Firmen spielt der Preis von Energie eine entscheidende Rolle. BMW baut wegen den tiefen Strompreisen seine Carbon Factory (für den i3 und i8) in Moses, USA, wo der Strompreis 3 Cents pro kWh beträgt.
      In Deutschland sind energieintensive Betriebe von der EEG-Umlage (derzeit 5 Eurocent, gleich viel wie der Strom ab Werk in Frankreich) weitgehend ausgenommen. Der Stromhandelspreis ohne EEG-Umlage sinkt dagegen in Deutschland gerade wegen den EEG mit ihren Stromüberschüssen in Starkwindphasen. Aluminiumwerke haben deshalb in Deutschland den Betrieb wiederaufgenommen. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden, muss aber nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom die EEG-Umlage zahlen. Sie profitiert von den sinkenden Strompreisen auf dem Markt. Energieintensive Firmen gibt es in Deutschland einige, was auch mit der Exportorientierung und der starken Stellung der Industrie in Deutschland zusammenhängt. Die Kunden der industrieintensiven Betriebe sind andere deutsche Betriebe.
      Was die privaten Haushalte angeht. In Deutschland zahlt ein Haushalt mit 4 Personen etwa 300 Euro pro Jahr an EEG-Umlage. Das spürt eine Mittelstandsfamilie kaum, diejenigen die von Harz 4 leben allerdings schon, denn sie brauchen kaum weniger Strom als Bessergestellte.
      Die hohen Arbeitskosten für Automobilarbeiter in den USA sind – wie sie selber schreiben – rein historisch bedingt und das Resultat von den mit den Gewerkschaften ausgehandelten Verträgen. In der Fertigung spielen die Lohnkosten in Zukunft eine tendenziell kleinere Rolle wegen zunehmender Automatisierung. Die Energiekosten gewinnen also wieder an Bedeutung.

  13. Anh Toan sagt:

    “Der Anteil der manuellen Arbeit – das Hauptargument für Produktionsauslagerungen nach Asien – ist an den Gesamtkosten genügend klein geworden, dass sich Outsourcing nicht mehr lohnt.”

    Oder anders: Es gibt kaum mehr manuelle Arbeit in der Produktion, Maschinen produzieren. Und die produzieren da am billigsten, wo die Energie am billigsten ist.

    • Hardy sagt:

      “Es gibt kaum mehr manuelle Arbeit in der Produktion, Maschinen produzieren. Und die produzieren da am billigsten, wo die Energie am billigsten ist.”

      Bei Frisbee-Scheiben (maßgeblicher Anteil des BIP!) oder der chemischen Industrie: Ja. Nicht jedoch bei Haushaltsgeräten. Zudem gibt es Bereiche außerhalb der reinen Produktion – Verwaltung, Versand, AVO – die arbeits- und nicht energieintensiv sind und bleiben werden.

    • Martin Holzherr sagt:

      Volle Zustimmung. Die eigentlche Fertigung wird immer mehr automatisisert und die Arbeitskosten sinken nur schon darum, weil es nur noch wenig manuell zu verrichtende Arbeit gibt. Der neue Kostenfaktor ist die Energie, sind Entwicklung und Design, Vertrieb und der übrige Overhead.
      In Zukunft wird der Anteil an Entwicklung und Design an Produkten noch mehr an Bedeutung gewinnen und es wird viel mehr individualisierte Produkte geben. Das erfordert aber eine höhere Qualifikation der Arbeiter.

      • Anh Toan sagt:

        In Zukunft werden jedoch nicht nur manuelle Arbeiten, sondern vermehrt intellektuelle Arbeiten nach Asien ausgelagert: Das Bildungsniveau steigt rasant in den Schwellenländern, die chinesische Einkindfamilie investiert die gesamten Ressourcen in die Ausbildung ihres einzigen Kindes.

        • Stadelman Reto sagt:

          Ich möchte dabei noch anfügen das auch Verwaltungsarbeiten ein hohes Automatisierunhspotential haben. Sobald eine Arbeit repetiv ist und sich in logische Teilschritte aufteilen lässt, ist eine digitalisierung möglich undd oft lohnend. Letztlich sind also vor allem Jobs in der Entwicklung gefragt. Gute Bildung ist ein absolutes MUSS! Da sehe ich schon jetzt grosse soziale Probleme auf uns zukommen…

      • Hardy sagt:

        “Die eigentlche Fertigung wird immer mehr automatisisert…”

        Nein – bei den Beispielen Autoindustrie/Haushaltsware ist man hier schon fast “an der Wand”. Gleichbauteile etc. – typische Skaleneffekte also – spielen eine zunehmende Rolle. Und nochmal: Wenn ein großer Kostenblock – die Arbeit – innerhalb weniger Jahre auf 1/4 sinkt, kann man nicht einem anderen, jedoch kleineren, Kostenblock (Energie) bei gleicher Verringerung die maßgebliche Rolle für Investitionsentscheidungen zubilligen. Zudem speziell in Amerika ein – sagen wir es nett – großes Rationalisierungspotenzial in Sachen Energie brachliegt.

        “Der neue Kostenfaktor ist die Energie, sind Entwicklung und Design, Vertrieb und der übrige Overhead.”

        Entwicklung und Gestaltung: Arbeit
        Vertrieb: Arbeit
        “Overhead” = Verwaltung = Arbeit

        “Das erfordert aber eine höhere Qualifikation der Arbeiter.”

        Richtig, daher schrieb ich im Ursprungsbeitrag: “In China hingegen steigen die Arbeitskosten bei erheblich (!) geringerer Qualifikation und höherer Fluktuation jährlich nahezu zweistellig.” Vielleicht hätte ich erwähnen sollen, dass die Reallohnzunahmen in Amerika im nächsten Jahrzehnt eher Richtung null denn Richtung zweistellig gehen werden.

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      Gehe einig mit Ihnen in dieser Beziehung. Der folgende 6 minuetige Youtube Film illustriert z.B. eine moderneFleischverarbeitungsanlage, wo man kaum noch eine Seele sieht.

      http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=AoO1Yzq7cuk

  14. Peter Colberg sagt:

    Zitat: “Der Anteil der manuellen Arbeit – das Hauptargument für Produktionsauslagerungen nach Asien – ist an den Gesamtkosten genügend klein geworden, dass sich Outsourcing nicht mehr lohnt.”

    Das bedeutet logischerweise aber auch ein stark gefallener Lebensstandard durch wesentlich tiefere Gehälter und schlechtere Sozialbedingungen, vor allem mit Hinsicht auf die Altersversicherung. Ob diese Tendenz auch die schwindende Amerikanische Mittelklasse wieder beflügeln wird ist zweifelhaft, da die globale Wirtschaft eher in Richtung Hungerlöhne für die Massen und eine steigenden Konzentration des Reichtums in den Händen einer immer kleineren Elite tendiert. Die dank “Fracking” neue Energie Quellen werden den USA vieleicht 10 gute Jahre verschaffen bevor die nötigen Investionen zum erreichen der diversen Gas und Oel Vorkommen zu teuer werden, ganz zu schweigen von unkalkulierbaren Wirkungen auf die Umwelt. Im grossen uns ganzen, eine ziemlich Kurzsichtige Politik wo langfristiges Nachdenken dringend erforderlich wäre.

    “Was das wohl aus geopolitischer Sicht für den Mittleren Osten bedeuten wird?” Theoretisch müssten die internationalen Marktpreise für Erdöl und Gas auf Dauer etwas herunterkommen, was aber mit Hinsicht auf die exponentiel steigende Nachfrage vor allem der Chinesischen Konsumenten (alle wollen Autofahren) und der Industrie kaum geschehen sollte. Eine Stabilisation der Preise (Brent) ist am wahrscheinlichsten. Der Mittlere Osten ist inzwischen auch ein grosser Konsument der eigenen enormen Erdölförderung geworden, und muss sich wie der Rest der Welt die Grundliegende Frage der zukünftigen Energieversorgung stellen d.h. in den nächsten 30 Jahren.

    Vor allem Europa könnte auf dem internationalen Energie Schachbrett in den kommenden Jahren den kürzeren ziehen, wobei aber ein gemeinsames Europäisches Streben auf allen Ebenen für eneuerbare Energien vieleicht auf Dauer unserem Kontinent eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ermöglichen könnte. “Yes, we can”.

    • Martin Holzherr sagt:

      @Peter Colberg: Zustimmung: Weniger manuelle Arbeit und mehr Automatisierung bedeutet, dass höherqualifizierte Arbeit wie besipielsweise Design von neuen Produkten oder Einrichtung von ganzen Arbeitsabläufen an Bedeutung gewinnt.
      Für niedrigqualifizierte Arbeiter bedeutet das zunehmend das Aus. Schon heute sind Facharbeiter und höher qualifizierte Arbeiter überall gesucht auch in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit. Leute ohne Qualifikation oder Hochqualfizierte nur mit theoretischer Ausbildung ohne Arbeitserfahrung haben es dagegen zunehmend schwer.
      Die Zukunft sind vielleicht nicht einmal (Zitat)I”Hungerlöhne für die Massen” sondern Sozialhilfe für die Massen, Arbeit für Wenige.

  15. biketraveller sagt:

    Prognose IEA 1997: Durchschnittlicher Erdölpreis 2010: 28$ pro Fass, 2020: 32$ pro Fass, dass sind keine seriösen Studien, sondern Propaganda, heute wie früher

    • Linus Huber sagt:

      Solche Prognosen vernachlaessigen die Geldpolitik, welche massgebend auf die Preise wirken, mit zu beruecksichtigen. Wuerde man die Inflationsraten der Shadow-Statistiker verwenden, mag der Preis von 28$ inflationsbereinigt sogar in etwa stimmen (ich habe nicht nachgerechnet, sondern es handelt sich nur um eine gefuehlsmaessige Schaetzung).

  16. Armin Bühler sagt:

    Man muss allerdings auch berücksichtigen:
    – Die USA verbraucht nach wie vor fast drei mal so viel Öl wie es produziert.
    – Der Ölpreis in den USA ist immer noch vier mal höher als noch vor 10 Jahren.
    – Deutschland ist Exportweltmeister, obwohl es nicht einmal einen Drittel der Bevölkerung der USA hat und die Energie mehrheitlich teuer importieren muss.

  17. Werner Zoerner sagt:

    .Der Atomausstieg in der BRD wird, was den Industriestandort Deutschland in punkto Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten angeht, sich in naher Zukunft als großer Fehler herausstellen und wieder zurück korrigiert werden müssen, also die Wende der Wende so zu sagen. Welch ein Irrsinn und welche Kosten.

    • Armin Bühler sagt:

      Deutschland ist übrigens Exportweltmeister und steht wirtschaftlich wesentlich besser da als Frankreich, welches im Gegensatz zu Deutschland viel stärker auf eine Atomenergiesubventionspolitik gesetzt hat:
      http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/deutschlands-aussenhandelsueberschuss-bundesrepublik-ueberholt-exportweltmeister-china_aid_798784.html

      • Martin Holzherr sagt:

        Gerade meldet SPON Regierung befreit 1550 Firmen von Energiewende-Kosten. wo man im Kopfbereich liest:;
        “Die Ungerechtigkeiten bei der Energiewende nehmen zu: Nach SPIEGEL-Informationen befreit Merkels Regierung im kommenden Jahr rund 1550 Industriebetriebe weitgehend von den Kosten des Mammutprojekts. Grund sind großzügige Ausnahmeregeln – die selbst die Kanzlerin inzwischen kritisiert.”

    • Martin Holzherr sagt:

      Heute zahlen fast ausschliesslich die Privaten die Kosten der deutschen Energiewende und die Exportindustrie ist weitgehend ausgenommen von der EEG-Umlage. Die Deutschen – das heisst die breite Masse des Volkes – musste schon immer leiden, leiden für die Ideen derjenigen, die Deutschland in eine bessere Zukunft führen wollen.

    • Armin Bühler sagt:

      Hier noch ein NZZ Artikel – “Die Kosten von Frankreichs Atomstrom”:
      http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/die-kosten-von-frankreichs-atomstrom-1.11376035
      Und hier ein Beitrag bezüglich dem wirtschaftlichem Nutzen der erneuerbaren Energien in Deutschland:
      http://www.unendlich-viel-energie.de/uploads/media/DurchblickKostenNutzen.pdf

      • Martin Holzherr sagt:

        Erneuerbare Energien sind in Deutschland Zusatzenergien. Der maximale Strombedarf wird durch fossile Kraftwerke vor allem Braun- und Steinkohlekraftwerke vollständig abgedeckt. Je häufiger Wind und Sonne den nötigen Strom erzeugen, desto häufiger befinden sich die fossilen Kraftwerke in Wartestellung. Diese rentieren somit nicht mehr und müssen ebenfalls subventioniert werden.
        Deutschland kann sich dieses doppelte Energiesystem nur darum leisten, weil die Ausgaben für Strom nur einen kleinen Anteil am Gesamt-BIP haben. Bei vollem Ausbau der Erneuerbaren Energien, wenn sie also in Normalzeiten fast 100% Prozent des Stromes erzeugen braucht es weiterhin die fossilen Backupkraftwerke. Eine realistische Schätzung für den Endkundenstrompreis für diesen Vollausbau liegt bei etwa 35 Eurocents pro Kilowattstunde. Dies ist für den Haushalt eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000. Für die Industriekunden, die keine EEG-Umlage zahlen müssen, wird sich der Preis dagegen kaum verändern sondern eher noch sinken.

        Besser als eine Vollabdeckung des maximalen Strombedarfs mit fossilen Kraftwerken wäre übrigens ein grossräumiger Stromverbund der mindestens ganz Europa umfasst. Damit könnten Fluktuationen in der Stromerzeugung ausgeglichen weitgehend ausgeglichen werden und als Backup würden die Speicherseen und die grossen Dämme in Skandinavien und der Schweiz dienen. Dazu kömen noch einige Kraftwerke, die mit Biomasse betrieben wären. Die Stromerzeugung wäre so 100% nichtfossil. Beim vorherrschenden Autarkiedenken und einem nichtexistenten europäischen Denken ist so eine Lösung allerdings nicht realistisch.

        • Armin Bühler sagt:

          Mal abgesehen davon, dass z.B. die Schweiz bereits heute mehr Strom über ihre Landesgrenzen transportiert, als sie selbst verbraucht und das Europäische Netz ja auch ausgebaut wird.

          1. Erneuerbare Energien sind langfristig günstiger als ein weiter wie bisher: http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/studie-100-erneuerbare-energien-in-deutschland.pdf

          2. Zudem bleibt die Tatsache, dass erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen sehr viel lokale Wertschöpfung generieren und das Handelsbilanzdefizit reduzieren. Selbst wenn Sie belegen könnten, dass die importierten fossilen Brennstoffe langfristig günstiger werden (obwohl bis anhin das Gegenteil eingetroffen ist), ändert das nichts an der Tatsache, dass wir nicht allesamt konsumierende Rentner sein können, sondern auch Wertschöpfung generieren müssen.

          3. Die meisten fossilen Kraftwerke haben auch bei tiefer Auslastung verhältnismässig geringe Betriebskosten, weil sie bereits amortisiert sind.
          Selbst wenn Sie Weise davon ausgehen würden, dass der jetzige konventionelle Kraftwerkspark nicht existiert und Sie explizit neue Gaskraftwerke bauen und deren Amortisationskosten somit berücksichtigen müssten, erreichen Sie viel tiefere Stromerzeugungskosten:
          Ein Gaskombikraftwerk gibt’s für €800 /kW. Wenn Sie einen Ausnutzungsgrad von nur 10% annehmen (90% wird durch Erneuerbare gedeckt), dann fallen 12 cents/kWh für die Amortisierung an (und das bei nur 10 jähriger Amortisierung und 7% Verzinsung (!)).
          Auch wenn Sie noch 5 cents/kWh für die Betriebskosten annehmen sind Sie erst bei 17 cents/kWh.
          Jetzt kommt aber der wichtigste Punkt:
          Diese 17 cents/kWh Stromkosten fallen nur bei 10% an. Das heisst, wenn z.B. 90% des Stromes aus Wind und PV @ 11 cents/kWh generiert wird und 10% @ 17 cents/kWh bleiben Stromgestehungskosten von 11.6 cents/kWh.
          Wenn die Kraftwerksauslastung tief ist, sind eben auch dessen Stromerzeugungskosten kaum relevant.

          • Martin Holzherr sagt:

            Ich bin auch für einen Übergang zu nichtfossilen Energien – Und gegen Gaskraftwerke in der Schweiz. Das Konzept, das Deutschland und jetzt zunehmend auch die Schweiz verfolgt, mindestens so viele fossile Kraftwerkskapazität zu schaffen wie Erneuerbare vorhanden ist, überzeugt mich nicht. Ziel sollte sein, völlig auf fossile Kraftwerke verzichten zu können. In der Schweiz ist das mit Pumpspeichern in Kombination mit Stromimport und -export möglich. Stromimport – und -export nur in die Nachbarländer ist aber auch keine Lösung wenn in all diesen Nachbarländer gleichzeitig zuviel oder zuwenig Strom produziert wird. Deshalb braucht es ein europäisches Supergrid. Gemessen an den Kosten eines Gesamtenergiesystems sind die Kosten für die Transmissionsleitungen vernachlässigbar gering.

            Die Kostenangaben, die sie oben machen sind im übrigen unrealistisch tief.Es gibt noch keine PV für 11 cents/kWh und wenn man die Kosten für die Zwischenspeicherung oder gar – falls die Leitungen fehlen – für den Verlust von Überschussstrom (Anlage wird vom Netz getrennt) oder für die Umwandlung zu Gas in einem Power-to-Gas Sysstem miteinbezieht werden sie sogar in Zukunft nicht auf 11 cents/kWh kommen.

            Für Sonnen- und Windenergie spielt zudem der Standort eine entscheidende Rolle. Winkraftwerke sollten dort gebaut werden wo es am meisten Wind hat, Solarparks sollten dort stehen wo es am meisten Sonne hat. Das Supergrid sorgt dann dafür, dass die Produktionsfluktuationen über Zeit und Raum ausgeglichen werden.

          • Armin Bühler sagt:

            Herr Holzherr, wir reden hier von Deutschland und nicht von der Schweiz. (Selbstverständlich hat die Schweiz genügend flexible Stromerzeungskapazität und ist überhaupt nicht auf Gaskraftwerke angewiesen.)

            11 cents /kWh ist selbstverständlich realistisch:
            Wind wird zwischen 4,87 und 8,93 cents /kWh vergütet.
            PV wird zwischen 11,78 cents/kWh und 17,02 cents /kWh vergütet (Tendenz sinkend).
            Wenn 30% mit PV @14 cents/kWh und 70% @ 8 cents/kWh mit Wind produziert, ergibt sich ein durchschnittlicher Stromerzeugungspreis von 9.8 cents/kWh.
            Dazu kommt, dass sämtliche erneuerbaren Kraftwerke nach 20 Jahren aus dem EEG fallen (d. h. amortisiert sind). Die erneuerbaren Kraftwerke, welche momentan eine Vergütung erhalten und 25% des Deutschen Strombedarfs decken sind 2043 allesamt draussen und wir reden hier von den Stromerzeugungskosten im Jahr 2050.
            Ein amortisiertes erneuerbares Kraftwerk ist bezüglich Stromerzeugungskosten jedem fossilen Kraftwerk überlegen, da keine Brennstoffkosten anfallen und die Kraftwerksbauteile nicht dauernd hohen Temperaturen und Drücken ausgesetzt sind und viel Kühlwasser verbrauchen.

            Solange der Warmwasser-, Prozesswärme- und Heizbedarf nicht mehrheitlich elektrifiziert ist (ist in Deutschland immerhin immer noch mehr als doppelt so hoch, wie der gesamte Stromverbrauch), gibt es keinen Grund für Power-to-Gas. Es ist viel günstiger und praktischer Strom statt Gas zu verbrauchen (und das Gas einfach gespeichert lassen), als Gas statt Strom zu verbrauchen und gleichzeitig mit Strom aufwändig und mit Verlust Gas zu produzieren.

            Solarstrom in Nordafrika ist teurer als in Deutschland, selbst wenn man die Stromtransportkosten als verlustfrei und gratis annimmt, weil das Zinsniveau bzw. Investitionsrisiko in Deutschland viel tiefer ist und sich kein Sand auf den Photovoltaikmodulen festbacken kann.
            Auch ist Offshore Windstrom teurer als Süddeutscher Wind- und Solarstrom (Annahme: Stromtransport ist gratis und verlustfrei.)

          • Martin Holzherr sagt:

            @Armin Bühler 21. Dezember 2012 um 17:55
            Die PV-Vergütung in Deutschland im Jahre 2012 kann dieser Website entnommen werden.
            Am 01.12.2012 betragen die Vergütungen für
            Dachanlagen bis 10 kWp: 17,45 EuroCents
            Dachanlagen bis 40 kWp: 16,56 EuroCents
            Dachanlage bis 1.000 kWp: 15,15 EuroCents
            Freiflächen- und Dachanlagen bis 10 MWp: 12,39 EuroCents

            Stimmt, tendenziell geht es Richtung 11 EuroCents.

          • Martin Holzherr sagt:

            @Armin Bühler 21. Dezember 2012 um 17:55
            Herr Bühler, sie ignorieren wie viele EE-Apologeten, dass der Energiepreis eine entscheidende Rolle spielt, weil an ihm ein Teil der Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft abhängt. Die heimische Wertschöpfung im Energiebereich spielt eine weniger wichtige Rolle als der Preis des Endprodukts, des erzeugten Stromes also.
            Wenn sie auf meinen Vorschlag Erneuerbare Energie dort zu produzieren wo sie am kostengünstigsten sind mit folgendem Antworten: “Solarstrom in Nordafrika ist teurer als in Deutschland, …
            Auch ist Offshore Windstrom teurer als Süddeutscher Wind- und Solarstrom”
            so konstruieren sie Negativbeispiele.
            Windenergie aus Kasachstan, Nordafrika und Aegypten dagegen kann zu 3 EuroCent pro Kilowattstunde erzeugt werden.
            Der Physiker Gregor Czisch hat eine kostenoptimierte EE-basierte Energieversorgung für ganz Europa mit Energiequellen (vor allem Wind) von Marokko bis Kasachstan durchgerechnet und kommt auf einen Gestehungspreis (inklusive Supergrid) von 4,65 Cent.
            Offshore-Wind kommt in seinem Szenario nicht vor und Solarenergie kaum. Inzwischen ist der Preis für Solarstrom aber in Spanien – nicht aber in Deutschland – so tief gesunken, dass er ohne Einspeisevergütung konkurrenzfähig wird.

            In Schwellenländern spielt der Eneriepreis eine entscheidende Rolle. Dort wird zunehmend auf Kohle gesetzt. Zwischen 1990 und 2010 hat sich der Anteil von Kohle an der Primärenergieproduktion von 25% auf 30% erhöht und im Jahr 2017 wird Kohle Öl als wichtigste Energiequelle ablösen

            Wenn Erneuerbare Energie eine ähnlich wichtige Rolle spielen sollen wie heute die fossilen muss man den kostengünstigsten Weg verfolgen

          • Armin Bühler sagt:

            Herr Holzherr, sollte z.B. Ägypten tatsächlich in Windenergie investieren, dann würde das in erster Linie einen Teil des Gasstroms in Ägypten durch Windstrom ersetzen. Das ist zwar gut so, führt aber leider nicht dazu, dass dadurch der erneuerbare Stromanteil in Europa erhöht wird.
            Der erneuerbare Energieanteil wird am schnellsten und meistens auch am günstigsten erhöht, wenn regional in erneuerbare Energien investiert wird. Natürlich ist es auch sinnvoll überregional Strom auszutauschen. Leider werden aber solche Desertec-Konzepte häufig von grossen Stromkonzernen als Alibi verwendet eben genau nichts zu tun (so können sie die nächsten 50 Jahre getrost ihre Braunkohle weiter verbrennen und können am Schluss einfach den Nordafrikanern die Schuld in die Schuhe schieben).
            Die PV-Vergütungen, welche ich angegeben habe, sind nicht nur weit unter den Endverbraucherstrompreisen sondern auch bereits vom 1. Januar. Dieses Datum wird bereits in 4 Tagen eintreffen. Die alten Vergütungen sind wie bereits gesagt zukünftig nicht mehr relevant.

            Auf den Kohleverbrauch von Entwicklungsländern mit enormen Kohleressourcen können wir leider kaum Einfluss nehmen. Es wäre allerdings erfreulich, wenn wenigstens die Schweizer Stromkonzerne nicht mehr fossilen Strom im Ausland produzieren würden, als die Schweiz überhaupt insgesamt an Strom verbraucht. Zumal die Schweiz im Gegensatz beispielsweise zu China keine fossilen Ressourcen ausweist.

  18. Sepp sagt:

    Bereits in 15 Jahren kann die Erdgas- und Erdölförderung in den USA wieder zurück gehen. Wer da von “dauerhaft” schreibt, denkt wohl in Wahlperioden und nicht in Generationen. Die Zahlen von der IEA:
    http://www.peak-oil.com/wp-content/uploads/2012/11/WEO2012-USA-Oil_and_gas.jpg

    • Dorina sagt:

      @Sepp
      Soso die Förderung geht also zurück und das laut Grafik einer Seite, die sich peak-oil nennt. Das ist etwa als würde man einen Tabakkonzern fragen, wie die Entwicklung beim rauchen aussieht. Sorry aber das ist Ideologie pur.

      • Sepp sagt:

        @Dorina
        Die Grafik bitte genau lesen. Die Daten sind von der OECD/IEA!
        Dass die Ressourcen endlich sind, hat doch nichts mit Ideologie zu tun. Wir könnten uns allenfalls über den Zeitraum streiten. Für mich spielt es aber keine Rolle, ob es noch 30 oder 300 Jahre reicht. Beides ist sowieso nur ein Augenblick in der Weltgeschichte. Das vergessen wir zu oft, da wir in Zeiträumen unseres eigenen Lebens denken.

      • George Aengenheister sagt:

        @Dorina : Nur so als Gedanke: Der moderne Mensch ist erst durch die Sesshaftigkeit zum Ressourcen-Verbraucher geworden, also seit dem Rückzug der Vergletscherung vor vielleicht zwölftausend Jahren. Geteilt durch 25 ergibt gerade mal 480 Generationen Ressourcenverbrauch. 472 davon sind ohne Oel-Verzehr ausgekommen. Die letzten 8 Generationen haben den Gutteil der einfach erreichbaren Oelvorräte aufgebraucht. Fracking birgt ungeahnte Risiken und keine Versicherung würde, wie beim Atomstrom, unbegrenzte Haftung verkaufen können. Versicherungsmathematik ist bestens geeignet, um ideologisches sowie ökonomisches Wunschdenken in unhaltbare Träumereien aufzuspalten. Es wäre klug, eine präzise Analyse der Stadt Siena in Bezug auf Ressourcen-Verbrauch über die letzten 800 Jahre zu erstellen. Die prächtige Stadt steht seit Jahrhunderten den Bewohnern zu Verfügung, kräftig gebaut und an die Moderne angepasst soweit erforderlich. 32 Generationen seit Reichtum erschaffendem Baubeginn. Wegwerfgesellschaft ist ein Fehlkonstrukt und wird zwangsläufig scheitern. Nichts ist verloren, aber wir sollten bald die Richtung ändern. Wenn wir jetzt primär in eine langfristig nutzbare Infrastruktur in den benachteiligten Regionen und einer nachhaltigen Versorgungsstrategie Zeit und Raum geben, wird es schon gut ausgehen mit einer stabilen 10 Milliarden-Menschheit. Und diese Zahl ist schon gebucht. 1.5 Generationen in der Zukunft. Übrigens: Einhundert Quadratmeter mal 10 Milliarden Einwohner ergibt eine Billion Quadratmeter gleich eine Million Quadratkilometer gleich Tausend mal Tausend Kilometer. Viertausend Kilometer Umfang. Mit einem Dreitausendfrankenauto in zwei Tagen umfahren. Alles locker innnerhalb Europa. Nochmals, alles ist möglich inklusive gutem Ende, denn die Sachlage ist neuartig in unserer Geschichte.

        • George Aengenheister sagt:

          Übrigens zum zweiten: Bei Popkonzertdichte von 4 Personen pro Quadratmeter reichen 50 mal 50 Kilometer für die 10’000 000 000 Einwohner aus. Zwei Stunden mit dem Auto rundherum.

  19. Roman Meier sagt:

    Ja und irgendwann werden dann plötzlich auch die Kosten für die durch Fracking verursachten Umweltschäden (Verseuchung des Trinkwassers) durchschlagen und dann sieht die Rechnung vermutlich wieder ganz anders aus. Ausserdem ist es wohl ein Wahnsinn der besonderen Art, bei einer Klimaerwärmung immer noch mehr fossile Energien zu fördern.

    • Sepp sagt:

      Ein Wahnsinn, in der Tat!
      Solange die ökonomischen Kräfte deutlich grösser sind wie die politischen, wird sich an dem Wahnsinn leider auch nicht viel ändern.

  20. Hans Imeichen sagt:

    Ich mache mir ganz wenig Sorgen um die USA. Irgendwie sind sie halt – trotz allem – das lieberalisierteste Gebilde. Und man kann gerne in die Wirtschaftsgeschichte blicken: Wo immer Liberalismus eingeführt wurde, enstand Wohlstand. Nur die linkslastige EU (inkl. CH) – da sehe ich eher schwarz. Diese Wohlstandbesteuerungen etc. das führt nur zum Abbau der Konkurrenzfähigkeit. Aber irgendwie verstehen die Leute das nicht – und politisch ist man sowieso tot, wenn man liberal denkte. Das sind ganz unheilvolle Zukunfsaussichten für “Sozialsumpf-Europa”.

    Ich jedenfalls finde diesen Trend in den USA der sich hoffentlich weiterführt sehr schön. Ich würde gerne wieder in Amerika hergestellte Produkte kaufen. Ich habe irgendwie die Nase voll von “Made in China”.

    • Rene Wetter sagt:

      Wo beginnt bei Ihnen “linkslastig”? Links von der Tea Party oder hier SVP? Dem Durchschnittsamerikaner von heute geht es schlechter als seiner Vorgängergeneration, er verdient weniger und arbeitet härter. Nur eine kleine Schicht profitiert von diesen Ideen. Für Wohlstand braucht es einen stabilen Mittelstand der die Produkte kaufen vermag und nicht eine kleine Elite die im Überfluss lebt und eine Masse die sich geradeso über Wasser halten kann wenn sie sich mit billigen chinesischen Produkten eindeckt.
      Durch die Lohnsteigerung dürfte es zu einer gewissen Gegenbewegung kommen aber das könnte auch nur kurzfristig sein.

      • Linus Huber sagt:

        Die Nachhaltigkeit unserer sozialen “Errungenschaften” (in Europa) ist in meinen Augen zumindest fraglich.

        • ast sagt:

          Herr Huber, in Europa wurden seit 2008 1,61596 Billionen Euro an staatlichen Beihilfen den Banken verschenkt. Da ist es dann klar dass dieses massive Plündern der Staatskassen auch Folgen für unsere “sozialen Errungenschaften” hat.

  21. James Hardt sagt:

    Denkt mal an die Umwelt…

  22. Sepp sagt:

    Wie man aus dem Artikel und den Kommentaren schliessen kann ist der Zugang zu kostengünstiger Energie für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes entscheidend. Die Schweiz ist in diesem Punkt schlechter dran wie Japan. Über 80% der Energie importieren wir in Form von Erdöl, Erdgas und Kernbrennstoffen:
    http://www.energiestatistik.ch/Image/Energiestatistik%202011/20815_bruttoverbrauch_d.gif

    Berücksichtigt man dann noch, aus welchen Ländern diese Ressourcen stammen, ist die Abhängigkeit so beunruhigend, dass wir lieber nicht darüber diskutieren wollen.
    Auf lange Sicht (50 bis 200 Jahre) werden sich alle Länder auf die Sonnenenergie besinnen müssen. Es wäre daher klug für die Schweiz, diese Entwicklung vorweg zu nehmen.

    • Rene Wetter sagt:

      Das ist eine Momentaufnahme, das billige Energie für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sei, ist ein Trugschluss. Es verleitet zu Verschwendung und behindert die Innovation; es lohn sich nicht z.B. in effiziente Motoren und Gebäudetechnik zu investieren. Was geschehen kann, hat man bei der US Automobilindustrie gesehen, die beinahe kollabierte.

  23. Tom sagt:

    Ich verstehe aber immer noch nicht, weshalb die Energiepreise als Folge der Extraktion in den USA billiger sind als anderswo… Sind die Preise anderswo höher, wäre ein Export von Gas ja profitabler.

  24. Alex Ramseyer sagt:

    Energiepreise schwankten immer und sie werden immer schwanken. Der Aussage von Fank Maezenas kann ich nur zustimmen. Allen nicht VWL (sonst aber total) Sachverständigen wird irgendwann auch klar werden müssen, dass sich die Energiewende nicht durch den Steuerzahler, sondern nur durch Innovation und dadurch erhöhte Wettbewerbsfähigkeit umsetzen (nicht durchsetzen!) lässt. Die Gesetze der Ökonomie lassen sich nicht durch Politiker die Stimmen kaufen (subventionieren) aushebeln. Wie wär’s mit einem eigenständigen Technopark für nachhaltige Energiethemen, einer engeren Forschungs Zusammenarbeit der Hochschulen mit der Privatwirtschaft, Erleichterungen für Venture Kapitalisten und Jungunternehmen anstelle der ruinösen Giesskanne?

  25. Maria Baumann sagt:

    Auch die Schweiz wird um seine “natürlichen” Energiequellen Wasser und Atom nicht herum kommen. Sobald es klar ist, dass die neuen erneuerbaren Energien auf grund ihrer geringen Leistungsdichte=Landverbrauch teils nicht genehmigungsfähig hierzulande sein werden, wird man wieder auf vernünftige Lösungen zurück kommen. Dann muss man sich fragen importieren? (Auslandsabhängigkeit Atom, Kohle) oder selbst mit Gaskraftwerken ( 1,4 Mrd to CO2/y / 400MW-G&D-Block) Strom erzeugen. Da es keine vernünftigen Alternativen gibt, bleibt die CH-Atomkraft eine Alternative.

    • Armin Bühler sagt:

      Bayern ist bereits heute bei über 10% Dachstrom. Vier Deutsche Bundesländer sind bereits heute bei über 40% Windstrom.
      Die Schweiz kann alleine mit der Dachfläche mehr als doppelt so viel Strom produzieren wie mit den 5 Schweizer Reaktoren.
      Zudem wird in der Schweiz jedes Jahr 30 km^2 neu verbaut (jedes Jahr). Mit Photovoltaik bestückt entspricht das 150% der Stromproduktion des AKW Mühleberg bei Schweizer Wetter und nur 15% Modulwirkungsgrad.
      Deutschland hat im Dezember 2011 in nur einem einzigen Monat eine Fläche von 20 km^2 mit Photovoltaik-Modulen bestückt. Was Deutschland in einem Monat kann, kann die Schweiz in einem Jahr erst recht.
      Und abgesehen davon, dass die Schweiz über zahlreiche ungenutzte Wind-, Biomasse- und Kleinwasserkraftressourcen verfügt: Wenn die Schweiz bereits heute mehr Strom importieren und exportieren kann, als sie gesamthaft verbraucht und zudem bezüglich Uran, Öl und Gas bereits heute eine 100% Auslandsabhängigkeit ausweist, kann sie zukünftig auch etwas Windstrom importieren.
      Die Wind- und Solarenergie steht im Gegensatz zum ausländischen Uran nämlich unlimitiert zur Verfügung und Windkraft- und Photovoltaikanlagen haben keine Brennstoffkosten. Die weltweiten Uranminen produzieren dagegen nur 70% des Uranbedarfs, obwohl die Atomenergie nur 2% des Weltenergiebedarfs deckt: http://arxiv.org/abs/1106.3617

      • Maria Baumann sagt:

        Bühler: es geht schon lange nicht mehr um irgendwelche Zubauraten von Solarpanels oder Windräder. Es geht um die Stabilität der jeweiligen Stromerzeugungstechnik und deren Preis. Der Preis ist inzwischen exorbitant hoch und das schlägt nun in D mit voller Wucht zu und trifft alle kleinen Stromverbraucher. Hier wird der Schweiz ein gigantischer Umverteilungsprozess von unten nach oben vordemonstriert von Deutschland. Das geht nicht gut und sollte von uns hier äusserst ktritisch beobachtet werden, bevor wir die gleichen Fehler machen. Die deutschen Bürgerinnen und Bürger glauben nur noch bedingt an ihre Energiewende. Das Ganze läuft aus dem Kostenruder. Die Verschandelung der Landschaft mit Windrädern wird im Norden von D auch nicht mehr akzeptiert. Die Stabilität der Stromversorgung nimmt immer mehr ab. Zur Zeit schaffen es die Kohle- und Atomkraftwerke in D noch die Instabilitäten durch fast 15 % Sonne und Wind zu auszugleichen. Stromnetze sind nicht in Sicht. Man redet nur von den fehlenden 3’000 km Höchstspannungsnetz, nicht aber von den 100’000 km fehlenden Mittel- und Niedrigspannungsnetzanteilen, die es gilt nachzurüsten. Der deutsche Stromverbraucher ist heute bereits für die nächsten 15 Jahre effektiv mit mehr als 100 Mrd. E verschuldet. In D schätzt man die gesamte Energiewende mit etwa 400 Mrd Euro ab. Dagegen sind die Kosten für eine künftige radioaktive Tiefenlagerung sowie 2 neue Ersatz-AKW mit ihrem Landverbrauch ein Klacks! es wäre die beste Lösung für die Schweiz. Ihre Argumente sind fadenscheinig.

        • Armin Bühler sagt:

          Tatsache ist, dass die erneuerbaren Energien günstiger und schneller gebaut sind als neue AKW. Das belegen nicht nur zahlreiche Studien, sondern auch China: Bereits 2010 hat China 44 GW erneuerbare Energien (davon 19 GW Wind) plus 17.5 GWth Solarkollektoren und 9 GWth Geothermie und dagegen nur 1.6 GW neue, teure AKWs installiert (siehe REN21).
          Tatsache ist, dass die erneuerbaren Energien stets günstiger werden und die konventionellen Energien stets teurer.
          Tatsache ist, dass seit 1970 der Atomstrom in Deutschland mit knapp €200 Mrd Steuergelder gefördert wurde, Strom aus Stein- und Braunkohle gar mit €250 Mrd – die Erneuerbaren jedoch nur mit €60 Mrd, aber nicht über Steuern, sondern über den allgemeinen Strompreis.
          Tatsache ist, dass Deutschland inzwischen fast dreimal so viel für Energieimporte ausgeben muss als noch 2004, obwohl der Verbrauch der importierten Energien zurückgegangen ist.
          Tatsache ist, dass Deutschland dank den erneuerbaren Energien jedes Jahr über €10 Mrd weniger für Energieimporte ausgeben muss.
          Tatsache ist, dass Deutschland tiefere Grosshandelsstrompreise als die Schweiz hat.
          Tatsache ist, dass insbesondere Photovoltaik das Netz entlastet. Nicht nur weil Photovoltaik dezentral erzeugt wird, sondern weil dieser Strom auch ausschliesslich am Tag generiert wird, wenn der Bedarf höher ist (Seite 26). Zudem ist die monatliche PV- und Windstromproduktion relativ konstant (Seite 27), während z.B. das AKW Leibstadt, welches immerhin 16% des Schweizer Strombedarfs deckt, erst kürzlich während ganzen 2 Monaten stillgestanden ist: http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf
          Tatsache ist, dass die Strombedarfsschwankungen wesentlich höher sind, als die Stromerzeugungsschwankungen der erneuerbaren Energien und sich AKW schlecht regeln lassen und selbstverständlich nicht zum Ausgleich von Strombedarfsschwankungen taugen – im Gegenteil.

          • Maria Baumann sagt:

            Dass in China alles schneller geht liegt an der Regierungsstruktur und an den enormen landreserven. Hier werden sich die verschiedenen EE sehr, sehr schwer tun, insbesondere mit unserer Verfassung, der hohen Gesetzesdichte und Einwohnerdichte. Da sind landschluckende und wenig energiedichte Stromerzeugungsmöglichkeiten im Nachteil. Die Börsen und Grosshandelsstrompreise wurden durch die Meritorder und den Einspeisevorrang der EE in D völlig verzerrt und das System schlägt bereits zurück: Man wird die EE in D so nicht weiter aufrecht erhalten können durch den Normalverbraucher. Das führt bereits heute zu einer grossen Krise. Und das bereits bei einem Fünftel an EE an der gesamten Stromproduktion. Die Situation wird bei weiterem EE-Zubau nicht besser, geschweige denn gelöst. D produziert als Folge der sog. Energiewende heute 8% mehr Kohlestrom ( rechne: CO2 -Äquivalente) als vorher. Das AKW Leibstadt produziert übrigens seit dem Herbst 1’275 MW el. Das ist bereits wieder eine Steigerung um 20 MW ( = ca. 170 GWh/a mehr). Und das stabil und konstant.Photovoltaik ist extrem unstabil und leistet derzeit fast keinen beitrag zu Stromproduktion in Europa. Das muss alles durch kohle und Atom gebackupt werden. Dass Sie davon profitieren können, nimmt man dem kleinen Mann einfach voel geld ab. Eine Umverteilung von unten nach oben. Das Gegenteil sind Atomkraftwerke. sie wirken hochdemokratisch: Vuiel strom für wenig Geld für alle.
            Ihre sog. Tatsachen sindPunkt für Punkt widerlegbar. Sie sind keine Tatsachen. Sondern nur Rechtfertigungen um das Geld von unten nach oben zu verteilen.

          • Armin Bühler sagt:

            1. Entlastet Photovoltaik erwiesenermassen das Netz und fällt im Gegensatz zu grossen AKW nicht plötzlich und unerwartet aus. Auch benötigt Photovoltaik kein ausländisches Uran, kein Kühlwasser, hat keine hohen Rückbaukosten, benötigt kein Endlager und hat keine Restrisiken.
            http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf

            2. Schafft Photovoltaik im Gegensatz zu neuen AKW viel regionale Wertschöpfung (Elektriker, Dachdecker, PV-Anlagen-Planer etc.). Zudem hat die Schweiz keine Firmen welche Reaktoren bauen, Uranminen betreiben oder Wiederaufbereitungsanlagen betreiben. Dafür hat die Schweiz Unternehmen, welche Photovoltaikproduktionsanlagen und Wechselrichter produzieren.

            3. Schaffen erneuerbare Energien eine alternative und sichere Investitionsmöglichkeit für Pensionskassen. Pensionskassengelder in Immobilienblasen schaden dagegen leider unserer Volkswirtschaft und vernichten unsere Pensionskassengelder.

            4. Hat Bayern bereits heute einen mehr als doppelt so hohen Dachstromanteil wie die Schweiz einen AKW-Mühlebergstromanteil ausweist. Und die Schweiz hat eine höhere mittlere Solareinstrahlung/m^2 als Bayern.

            5. Gemäss AGEB hat der CO2-Ausstoss in Deutschland selbst im Jahr 2011 um 3.9% abgenommen, obwohl Deutschland in diesem Jahr 8 AKW vom Netz genommen hatte.

            6. AKW sind seit Jahrzehnten zwingend auf flexible Kraftwerke angewiesen, weil sie sich miserabel regeln lassen.

            7. Seit 1970 wurde der Atomstrom in Deutschland mit knapp €200 Mrd Steuergelder gefördert, Strom aus Stein- und Braunkohle gar mit €250 Mrd – die Erneuerbaren jedoch nur mit €60 Mrd, aber nicht über Steuern, sondern über den allgemeinen Strompreis.

            8. Die erneuerbaren Energien haben nicht nur tausende Arbeitsplätze in D geschaffen und reduzieren die Energieträgerimporte um über €10 Mrd, sie zahlen auch mehr Steuern, als sie indirekt über die Einspeisevergütungen erhalten.

        • Armin Bühler sagt:

          Als die Schweizer Stromkonzerne noch 3 neue AKW bauen wollten, wurde übrigens von ihnen eine Verdoppelung des Strompreises angekündigt: http://www.swissinfo.ch/ger/Strompreise_werden_sich_verdoppeln.html?cid=6933038

          Den Ausbau der erneuerbaren Energien gibt’s erwiesenermassen für einen Bruchteil dieser Kosten und das zudem mit viel lokaler Wertschöpfung ohne Uranabhängigkeit ohne Kühlwasserbedarf ohne hohe Rückbaukosten ohne Endlager und ohne teure Restrisiken.

        • Roman Meier sagt:

          Sie irren Frau Bauman! Der hohe Strompreis hat nur zu einem kleinen Teil mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien zu tun, zum einem viel grösseren ist es einfach nur Abzocke durch die grossen Energiekonzerne, wie kürzlich in einer Fernsehsendung deutlich aufgezeigt wurde. Zu ständigen Preiserhöhungen kommt es nur dadurch, weil es in diesem Bereich keinen freien Markt gibt.

          • Linus Huber sagt:

            @ Roman

            Ich gehe mit Ihnen einig. Je staerker sich der Staat in einem Bereich einmischt, desto hoeher fallen schlussendlich die Preise aus. Man sieht dies ebenfalls im Bereich der Gesundheits- oder des Bildungswesens.

          • Sepp sagt:

            @ Linus
            Das hat doch nichts mit Staat zu tun, sondern mit Monopolstellungen.
            Inzwischen kann dank Wind, Sonne und Biomasse jeder Landwirt zum Energieversorger werden und daher fürchten die monopolisierten Unternehmen die Erneuerbaren. Entsprechend werden diese mit allen Mitteln bekämpft.

          • ast sagt:

            @Sepp, möglichweise haben Sie und Herr Huber beide Recht, denn Staat und Privatwirtschaft haben sich weitgehend fusioniert. Ich kenne mich bei den Energie-Kommissionen weniger gut aus als zum bei den Vorsorgekomissionen. Daher erbringe ich ein vielleicht analoges Beispiel für eine illustre Verflechtung von Staat und Privatwirtschaft anhand der BVG-Kommission des Bundes. In dieser Kommission sitzen etliche Vertreter der Privatwitschaft, und es gibt dort sogar ein Kommissionsmitglied dessen Interessenverbindungen nicht nur zur UBS verlinken, sogar zwei Schweizer Spielkasinos sind miteinbezogen. Mal Hand aufs Herz, wer würde einem Interessenvertreter mit Vorliebe zur “Spieltheorie” und im Aufsichtrsat von zwei Spielkasinos seine Altersersparnisse anvertrauen?

          • Linus Huber sagt:

            Monopolistische Gebilde erreichen diesen Status in den meisten Faellen, indem sie die staatlichen Entscheidungstraeger zu ihren Gunsten beeinflussen. Je weniger reguliert wird, desto schwieriger ist es, sich eine monopolitische Position zu erarbeiten.

    • Sepp sagt:

      @Maria Baumann
      Seit wann hat die Schweiz eigenes Uran?
      Langfristiges Ziel (50 Jahre) muss es sein, möglichst viele Energieverbraucher auf Elektrizität umzustellen und diesen Strom dann mittels Sonne und Wind selber zu erzeugen. Technisch ist das möglich. Dabei ist mir dann der Import von Windstrom aus der Nordsee immer noch lieber wie das Gas aus einer Pipeline aus Vorderasien.

  26. ast sagt:

    ja Herr Dittli, die Rückkehr der Produktion in die USA, am Beispiel von Apple, habe ich auf einem taiwanesischen Blog,(wo es um den Produktions-Konzern Foxcon ging) mit chinesischen Menschenrechtsaktivisten besprochen. Foxcon ist tatsächlich nicht nur bereit Anlagen in die USA zu bringen, die technischen Voraussetzungen dazu wurden in den letzten Jahren mit Hochdruck vorangetrieben. Es handelt sich bei dem Unternehmen um eine Strategie die man als autonome Fertigungsinseln bezeichnet, allerdings eine besondere technologisch erweiterte Form davon. Von dieser Technologie werden die US-Bevölkerung kaum Vorteile erhalten, weil es hier NICHT um Arbeitsplätze geht, vielmehr um extrem hoch automatisierte Roboterfertigung. Es profitieren davon praktisch ausschliesslich einige bereits jetzt gut bezahlte Engineure, sowie die Aktionäre der Firma Foxcon, Apple, Dell und einiger anderer Hersteller von Hightech Produkten. Wie ich aus Kommentaren auf dem Blog vernommen habe, ist das Ziel der Konzerne ein massiver Stellenabbau, da die chinesischen Arbeitskräfte immer teurer werden. Und noch ein kleines aber feines Detail dass Viele bei der Auslagerung nach den USA übersehen, für die Fertigung dieser Produkte werden eine grosse Menge “seltener Erden” benötigt. Solche Ressourcen wurden bis vor Kurzem fast ausschliesslich in China gefördert. Inzwischen ist die Umweltzerstörung durch den grossflächigen Abbau aber selbst den chinesischen Diktatoren nicht mehr geheuer, sie haben daher die Ausfuhr aus China limiiert. Nun gibt es auch in Europa und den USA solche Vorkommen, allerdings wie gesagt muss dafür ein hoher Preis bei der Umweltzerstörung in Kauf genommen werden. Genau das aber lässt sich gegenwärtig politisch durchsetzen, weil die Menschen Angst vor dem wirtschaflichen Abstieg haben. Man sieht sich übrigens in ähnlicher Lage wie die USA vor 30 Jahren, man erhofft sich Billigprodukte aus Amerika und Mexiko um den Asiatischen Bedarf zu decken.

  27. Dario Serbing sagt:

    Tja, schauen wir uns mal die möglichen politischen Konsequenzen an: Unabhängigkeit vom Öl im Nahen Osten gepaart mit schlechten Erfahrungen in Irak/Afghanistan sowie Misstrauen gegenüber internationalen Organisationen wird in den USA eine Neoisolationistische Bewegung aufgehen lassen (erste Anzeichen sind schon klar sichtbar, z. B. Ron Paul). Es ist gut möglich dass die heute taumelnden Republikaner nach dem Scheitern des Ultraliberalismus auf den Neoisolationismus setzen werden (Gepaart mit UNO- und NATO-Austritt, elektrischem Grenzzaun zu Mexiko, Protektionismus und “USA über alles!”-Parolen). Die USA können sich selbst ernähren und eigentlich mit allem selbstversorgen, somit ist Isolationismus ein gangbarer Weg. Die Konsequenzen wären sowohl positiv wie negativ: Israel wäre wohl auf sich alleine gestellt und sein langfristiges Überleben als Staat mehr als fraglich (Holocaust II wäre wahrscheinlich, oder Atomkrieg im Nahen Osten). Die Antiamerikaner in aller Welt und Europa insbesondere würden sich sicher freuen wenn die “primitiven Cowboys” abseits stünden, jedenfalls solange, bis Russland/China/arabische plötzlich wieder agressive Expansionsgelüste offen zur Schau stellen und man merkt, dass man alleine und schutzlos dasteht und sich selbst entwaffnet hat…

    • Linus Huber sagt:

      @ Dario

      “Neoisolationistische Bewegung”

      Es mag solch eine Bewegung geben, aber Ron Paul ist kein Isolationist sondern einzig gegen imperialistische Verhaltensweisen zugunsten gut nachbarschaftlicher Handelsbeziehung ohne politische Manipulation anderer Staaten.

      Natuerlich wuerde dies Folgen nach sich ziehen, wie wenn auf dem Pausenplatz ploetzlich der Ober-Bully fehlt.

  28. Martin Holzherr sagt:

    Ab circa 2015 wird die USA auch Erdgas nach Europa exportieren und zwar als LNG (Liquid Natural Gas). Heute sind die Erdgaspreise in Europa um ein Vielfaches höher als in den USA und der Hauptlieferant von Erdgas ist Russland.
    Auch wenn LNG-Gas doppelt so teuer sein wird wie US-Erdgas heute wird es dennoch viel billiger sein als das Gas, das jetzt aus Russland kommt. Der Artikel International Energy Agency: U.S. gas exports might reach a third of Russian exports in future zeigt auf, was auf uns zukommen wird.
    Trotz diesen US-Exporten wird Russland wahrscheinlich noch längere Zeit der Hauptlieferant Europas bleiben, das mindestens denkt man sich bei der Internationalen Energieagentur: “The IEA believes that Russia will remain the largest gas exporter to Europe and that Europe will remain the largest consumer, despite all of the talk about diversified supplies, he said.”

  29. Es gab/gibt auch hochspezialisierte Klein(st)unternehmer die überhaupt nie nach asien outsorcen wollten oder mussten.
    Mitlerweile scheint die Krise in den USA so gross zu sein dass man auch auf kleine Spezialisten hört beim Versuch neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.

    http://www.businessweek.com/articles/2012-12-14/portland-bike-maker-sees-made-in-usa-demand-from-overseas

    Es gibt bestimmt auch ganz viele ähnliche Beispiele in der Schweiz und in Europa. Wir sind ja im Normalfall genauso Stolz auf fähige Unternehmer wie die Amis.

  30. Sacha Meier sagt:

    Mit der neuartigen Gasgewinnungsmethode Fracking haben sich die USA in der Tat eine abbauwürdige Quelle fossiler Energie erschlossen. Die Chronik schweigt sich allerdings vornehm darüber aus, dass der Preis für dieses Energiewunder vergiftete Böden, Vieh und Menschen ist. Irgendwann wird soviel der neugewonnenen Energie wieder in die Wasseraufbereitung und Boden-Dekontamination fliessen, dass sich der Abbau nicht mehr lohnt.

    Auch mit dem «Insourcen» der Produktion hapert es. Marktschreierische Ankündigungen von Endmontage-Aktivitäten sind noch lange keine vollwertige Produktion – die auch nur ansatzweise einen signifikanten Teil der gesamten Wertschöpfungskette umfasst. Das
    Problem, besteht darin, dass mit der vergangenen Deindustrialisierung auch das Know-How untergegangen ist. Eine technisch-naturwissenschaftlich-industrielle Ausbildung und Berufserfahrung gehörten zu den Zeiten, als der Westen noch sozial-marktwirtschaftlich, statt neofeudalistisch orientert war, zu den teuersten Resourcen, die es überhaupt gibt. Diese Resourcen sind achtlos weggeworfen worden, indem einerseits Abermillionen von hochqualifizierten Industrie-Arbeitskräften und Ingenieure in die Arbeitslosigkeit abgeschoben wurden – andererseits haben die multinationalen Unternehmen Innovation mittels eines teuren und undurchdringlichen Dschungels an Patenten monopolisiert. Ein Zurück würde Billionen von Talern, Teuronen oder Fränkli nötig
    machen, um die industrielle Basis wieder aufzubauen. Dieses Geld hat keine westliche Nation und kein Wirtschaftsraum mehr zur Verfügung. Das ist auch in der Schweiz so. Eine Industriebuchhalterin sucht man heute vergebens.

    Das lässt nur einen einzigen Schluss zu: Die gesamte westliche Zivilisation ist gerade dabei, ihren Zivilisationszyklus zu beenden und in die Bedeutungslosigkeit einer neuen Drittwelt-Region auf diesem Planeten zu versinken. Wie das genau funktioniiert, haben uns die alten Mayas, Inkas, Ägypter, Griechen und Römer bereits vorgemacht.

    • Martin Jungen sagt:

      Aber aber Meier! Der Mensch wir immer eine Weg finden , gerade der , der in Regionen wie der Schweiz lebt wo solide infrastrukturen vorhanden sind.

  31. Michael Schwarz sagt:

    Die Politiker und Notenbanker in den USA haben bis heute nicht begriffen, dass sie frühe oder später sparen müssen. Die expansive Geldpolitik keine Probleme lösen wird, weil die wirtschaftliche Leistung in den USA mit anderen Industrieländern in Europa hinterher henkt. Die US-Politiker haben versucht die Probleme auf nationale Ebene zu lösen, mit veralteten Ansichten, eine Fehlereinschätzung. Der Kapitalmarkt ist global, das haben die US-Politiker immer noch nicht begriffen. Wenn die Amis Kapital wollen, müssen sie die Bedingungen für die Investition verbessern.

    Obama und Ben Bernanke sind ein Sozialist Paar, sie verschwenden die nationale Ressouce, produzieren fehlerhafte Kapitalallokation und ineffizienz. Weder Obama noch Bernanke haben die Wirtschaft und Geldpolitik im Griff. Die reale Wirtschaft durch der monetäre Politik zu ersetzen, ist der grösste Fehler eine Notenbank machen kann. Somit bleibt die stille Revolution ein Wunschdenken Obamas – die Rethorik löst kein konkretes Problem.

  32. ast sagt:

    “Diese Meldung ging Anfang Dezember um die Welt: Apple will wieder einen Teil seiner Produkte in den USA herstellen. Bis zu 100 Millionen Dollar will der IT-Konzern in neue Fertigungsanlagen investieren, um bestimmte Modelle seiner Mac-Computerpalette künftig auf heimischem Boden zu produzieren.”

    Nur der Vollständigkeit halber, dieselbe Meldung auf einer Aisatischen News-Seite (Übersetzt): Der taiwanesische Konzern Foxconn hat sich gegenüber Vertretern des Konzerns Apple, Dell und HP bereit erklärt, einige seiner neuen vollroboterisierten Produktionsanlagen in den USA zu errichten. Foxconn ist der grösste Produktion Foxconnsbetrieb für elektronische Bauteile, mit denen zum Beispiel das iPad und die Laptop von Dell und HP zusammengesetzt werden. Der Betrieb beschäftigt in Asien, vor allem in China über eine Million Angesstellte.
    Schwierigkeiten im Bereich der Energieversorgung und bei den Umweltschutzgesetzen in den USA, konnten zum grossen Teil ausgeräumt werden, unter Zugeständnissen der Regierung Obama -sowie der Zusage der Auftraggeber Dell, HP,Cisco,Amazon, Microsoft, Intel, AMD und Apple die Erstellungskosten der Anlagen sowie Werksgelände an Foxconn abzutreten. Foxconn rechnet damit, dass dadurch langfristig die Produktionskosten des Konzerns gesenkt werden können und die Absatzmärkte effizienter und direkter beliefert werden können. Im Moment arbeiten an einer Fertigungslinie bis zu 35 Menschen gleichzeitig und bauen die verschiedenen Einzelteile zusammen. Laut des CEO Terry Gou von Foxconn sollen nach der Automatisierung nur noch 5 Arbeiter notwendig sein, die für den Betrieb einer Fertigungsstrassearbeiten (35 Menschen bisher). Damit würden auch Fehlerquellen eliminiert, welche zum Beispiel bei der Produktion der iPad immer wieder zu Problemen geführt haben.

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