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Die grösste Migrationswelle der Geschichte

Tobias Straumann am Montag den 3. Dezember 2012
Massenbewegung: Millionen Arbeiter kehren nach dem chinesischen Neujahrsfest bei ihren Familien zurück in die Grossstädte. Im Bild eine Bahnhofunterführung in Shanghai. (Bild: AFP)

Massenbewegung: Millionen Arbeiter kehren nach dem chinesischen Neujahrsfest bei ihren Familien zurück in die Grossstädte. Im Bild: eine Bahnhofunterführung in Shanghai. (Bild: AFP)

Die grosse Auswanderungswelle von Europa nach Nordamerika im 19. Jahrhundert gehört zu den wichtigsten Kapiteln der Wirtschaftsgeschichte. Sie bildete die Grundlage für den Aufstieg der USA zur grössten Volkswirtschaft der Welt. Noch Mitte der 1870er-Jahre befand sie sich ungefähr auf dem Niveau der grossen europäischen Länder, dann hängte sie alle anderen ab, wie die Grafik von Angus Maddison zeigt.

Doch so eindrücklich und wichtig die Migration über den Atlantik war, im Vergleich zu Chinas Binnenmigration verblasst sie. Die grösse Migrationswelle der Geschichte hat nicht im 19. Jahrhundert, sondern in den letzten Jahrzehnten stattgefunden. Schätzungen sprechen von 200 bis 300 Millionen Menschen, die von ländlichen Gebieten in die Städte an oder nahe der Küste gezogen sind. Letztes Jahr lebten 690 Millionen Menschen in Städten, gegenüber 460 Millionen Menschen auf dem Land. Zum ersten Mal in der Geschichte Chinas leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land.

Man kann den Einwand machen, dass die Auswanderung etwas fundamental anderes ist als die Binnenwanderung und dass die beiden Migrationsformen nicht miteinander verglichen werden können. Es gibt sicher relevante Unterschiede. Die Auswanderer im 19. Jahrhundert mussten weit reisen und konnten nicht über die Feiertage schnell ein paar Tage zu ihren Verwandten im Heimatland, während die chinesischen Migranten ihre Verbindungen zum Herkunftsdorf aufrecht erhalten können, wenn sie wollen. Ausserdem bleiben die Chinesinnen und Chinesen im gleichen Sprachraum und können ihre Essensgewohnheiten beibehalten, was in der Fremde wichtig ist.

Trotz dieser Einwände würde ich am Vergleich festhalten. Im 19. Jahrhundert lebten viele Emigranten in den USA in Quartieren, wo sie weiterhin die eigene Sprache sprechen und ihre Traditionen leben konnten. Der Bruch mit der Heimat war weniger gross, als er auf den ersten Blick scheint. Umgekehrt könnte der Kontrast zwischen dem Leben im chinesischen Hinterland und in einer industriellen Grossstadt nicht grösser sein, wie er im Buch «Factory Girls» eindrücklich beschrieben wird (hier ein Vortrag der Autorin Leslie T. Chang). Nur weil die Migration im selben Land stattfindet, muss sie nicht weniger schwierig sein.

Interessant, wenn auch hypothetisch ist die Frage, ob China zu einem Einwanderungsland werden wird, wenn die Binnenwanderung an ihr Ende gekommen ist. In den florierenden Küstenregionen herrscht bereits heute Arbeitskräfteknappheit. Aus politischen Gründen kommt aber eine Öffnung der Grenze für ausländische Arbeitskräfte vorerst nicht in Frage.

Oder wird eine Liberalisierung sowieso nie kommen, so wie in Japan? Der dicht bevölkerte Inselstaat versucht bis heute die Einwanderung auf ein Minimum zu begrenzen, obwohl er aus demographischen Gründen dringend darauf angewiesen wäre. Mit der Erfindung von neuen Robotern versucht man den Notstand in der Altenpflege zu lindern. Ob das gut kommt, wenn man immer unter sich bleiben will?


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25 Kommentare zu „Die grösste Migrationswelle der Geschichte“

  1. Hanspeter Lechner sagt:

    ” … Interessant, wenn auch hypothetisch ist die Frage, ob China zu einem Einwanderungsland werden wird. …” (Zitat aus dem Beitrag von Tobias Straumann).
    Hoffentlich nicht! Denn als in China lebender Schweizer muss ich feststellen: China macht das viel besser als zB. die Schweiz! Auswandern nach China ist zwar (problemlos) möglich, aber die Bedingungen sind klar: solange ich selber für meinen Lebens-Unterhalt finanziell aufkommen kann – und ich mich an die Regeln und Gesetze halte, bin ich hier in China sehr willkommen … . Andernfalls hiesse es ganz einfach: “Tschüss!”.
    Mit durchschlagendem Erfolg: China hat all die Probleme mit unechten Flüchtlingen, importierten Sozialfällen, kriminellen Asyl-Bewerbern etc. ganz einfach nicht … – und die wenigen “Aliens” sind hier sogar sehr beliebt! Und der Ausländer-Anteil ist verschwindend klein: gut 600’000 Fremde auf total 1.34 Milliarden Einwohner.
    Die Schweiz könnte also von China durchaus noch viel lernen – zum Beispiel wie man es (viel!) besser machen könnte!
    Freundlicher Gruss aus NanNing, Provinz GuangXi,
    Hanspeter Lechner.

    • Anh Toan sagt:

      Die Einwanderungspolitik eines Landes, das beim Pro Kopf Einkommen etwa auf Platz 90 liegt und die Einkommen noch viel ungleichmässiger verteilt sind als in der Schweiz, kann wohl nicht die gleiche wie die der Schweiz sein.

      Freundlicher Gruss aus Thun mit Heimweh nach Saigon
      Anh Toan

    • David sagt:

      Ja, China ist auch kein Sozialstaat und interessiert sich nur an den Ausländern, welche dem Land einen Nettonutzen bringen. Asylpolitik ist hier (ich lebe selbst in China) ein Fremdwort. Viel besser heisst hier also viel egoistischer. Das sollte sich die Schweiz als Vorbild nehmen? Ich hoffe, das haben wir hinter uns.

  2. Gerhard Varga sagt:

    Mal schauen falls dann China trotzdem die Grenzen öffnet wieviel Deutsche nach China auswandern und sicher ein “NagelStudio” eröffnen werden und VOX mit der Sendung “goodbuy Deutschland” über den ach so grossen Erfolg berichten wird.

    • Robert Schuman sagt:

      Sie wissen schon, dass die sogenannten “scripted reality shows” die in Deutschland laufen zu 90% erfunden sind, richtig? Manchmal glaube ich die meisten Schweizer glauben Deutschland ist so wie Barbara Salesch oder Good Bye Deutschland. Das erklärt wenigstens manche Vorurteile.

  3. Michael Schwarz sagt:

    Die ländliche Bevölkerung ist entscheidend für die Ernährung der Stadtsbevölkerung. Wenn alle in die Städten arbeiten wollen, wird die Situation in Städten zunehmend verschlechtern. Dies zeigt sich verschlechtete Arbeitsbedingungen und Lohndumping. Das errinnert tatsächlich an die Entwicklung in 19 Jh. vom Kommunismus zum Turbo Kapitalismus. Wenn dieser Gedanken weiter verfolgen würde, dann wäre der nächste Schritt die demokratische Revolution und Aufklärung.

    • Michael Schwarz sagt:

      Die Entwicklung in China zeigt ein deutliches Ungleichgewicht in der Verteilung des Reichtums und Arbeitskraftes. Die ländliche Bevölkerung ist schlecht qualifizierte Arbeiter, die zu erbrämlichen Bedingungen arbeiten müssen für niedrige Bezahlung; es grenzt an Zweigsarbeit und Kinderarbeit. Wachstum zu jedem Preis, das ist die Kampfansage der Kommunisten.

  4. Anh Toan sagt:

    “Die grosse Auswanderungswelle von Europa nach Nordamerika im 19. Jahrhundert gehört zu den wichtigsten Kapiteln der Wirtschaftsgeschichte. Sie bildete die Grundlage für den Aufstieg der USA zur grössten Volkswirtschaft der Welt. ”

    Ich habe keine Zweifel, dass dies richtig ist. Was ich mich frage, ob dafür nur die Quantität der Einwanderung oder die Qualität der Einwanderung massgeblich waren. Als wesentliches Qualitätsmerkmal der Einwanderung in die USA sehe ich die Diversivität der Kulturen und deren Durchmischung (protestantische Deutsche und katholische Iren und Italiener und die als Sklaven eingeführten Schwarzen, die Chinesen, Juden. Manche blieben in ihren eigenen Ghettos versteckt, viele aber vermischten sich mit den anderen Kulturen. Dies alles führte zu einer immensen gegenseitigen Befruchtung.

    Bei der Wanderungsbewegung vom Land in die Stadt, fehlt dieser Aspekt weitgehend, das Wachstum beruht darin, mehr Arbeitskraft in effizientere (im Sinne von Output pro Arbeit) Wirtschaftszweige zu stecken (industrielle Produktion statt Landwirtschaft), und nicht darin, dass die bestehenden Wirtschaftszweige an sich effizienter werden oder gar neue Geschäftsfelder entwickelt würden.

    Ich glaube nicht, dass es gut kommt, wenn man immer unter sich bleiben will, in extremis führt dies zu genetischer Deformation!

    • Roland Stricker sagt:

      Ich bin gleicher Meinung. Um damals in ein fernes Land auszuwandern, wurde ein grosses Risiko aufgenommen. Diese Bereitschaft produzierte auch neue Ideen, zum Teil aus Zwang, aber bestimmt mit langfristigen Verbesserungen in allen Bereichen des Lebens.Eine Binnenmigration ist sehr viel anders gestaltet, mit ungleichen Resultaten. Ausser dem positiven Wachstum in damals “leeren” Landschaften mussten aber die Ursprungslaender einen gewissen “Brain drain” erleiden. Bei der Binnenwanderung muss man sich viel eher in die bestehenden Umstaende einfuegen, was die Innovation nicht besonders foerdert. In Amerika musste damals alles neu erschaffen werden, in den heutigen Zentren muss nur erweitert, vergroessert, und teilweise auch eingeschreankt werden, vor allem im Zusammenhang mit Vorschriften und Gesetzen. Im Hinterland werden dadurch nicht genug neue Arbeitsplaetze geschaffen. Das Land stirbt in gewissem Masse ab, die Staetde ersticken sich selbst.

    • Markus Mühlemann sagt:

      Genetische Deformation? Wohl kaum, bei 1,3 Milliarden “Inzüchtler”.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Markus

        Die Zahl alleine sagt noch nicht viel aus über die genetische Diversivitaet. Die Frage ist, wie breit der Genpool ist. Aber abgesehen von der rein biologischen gibt es auch eine kulturelle Inzucht, die zu gesellschaftlicher Degeneration führt.

        Die Natur gibt sich grosse Mühe, die Variationsbreite gross zu erhalten, weil sich daraus flexiblere und robustere Lebewesen ergeben, die zudem besser mit Veränderungen ihres Habitats fertig werden.

        Das gibt schon mal einen deutlichen Hinweis, wo man ansetzen müsste. Eine Beimischung von 5-7% exotischer Gene (Langnasen, Afrikaner, Eskimos, Uiguren etc.) würde biologisch gesehen bereits reichen, um das Festlandchinesische Genom fit zu halten…

    • Hermann sagt:

      Gegenseitige immense Befruchtung? Wie waere es mit Landklau, Voelkermord und immensem ruecksichtslosem Kapitalismus?

  5. Polly Meyer sagt:

    Kunterbunt wäre die Welt viel schöner. Ich träume von einer Welt, in der das Wort Rasse gar nicht mehr existiert und sich die Menschen, unbeachtet ihrer Hautfarbe, auf der Welt verteilen können. Das Problem liegt nicht darin, dass ein Zusammenleben nicht möglich ist, sondern darin, dass die Schweiz für ihre Grösse zu attraktiv für die umliegenden Ländern ist. In den Usa besteht rein grössentechnisch kein Problem. Man würde aber Immigranten das Leben hier ermöglichen, wenn die Schweizer nicht so unzählbar viele Kinder zur Welt bringen würden. Jedem sollte eigentlich mittlerweile klar sein, dass der Planet mit 7 Milliarden Menschen überbevölkert ist. Trotzdem mehr als 2 Kinder auf die Welt zu setzen, ist einfach nur dumm und egoistisch.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Polly

      Ihr Lamento über die hohe Zahl von Kindern in der Schweiz kommt etwa 100 Jahre zu spät. Die Geburtenquote beträgt nur rund 1.5, müsste aber 2.1 sein, um eine stabile Bevölkerung zu sichern. Die Zahl der Schweizer schrumpft.

  6. Sydney Kappeler sagt:

    Genetische Deformation? Meine auch kaum, ausserdem ist dies nicht wirklich erwiesen. Wie fast überall gibt es verschiedene Thesen. Las vor kurzem einen Interessanten Artikel.
    Betroffen sind von dieser angeblichen Deformation nur enge Familienmitglieder (kommt sogar dort selten vor). Wobei diese ab der 2ten Generation bereits wieder Vorzüge aufweisen sollen. Wobei dies selten vorkommt. Ich liebe meinen Bruder eben wie einen Bruder

    Und sonst…Auf welchem Kontinent leben die meisten Menschen? Asien, ca. 4,15 Milliarden bis Ihr da durch seid dauert es noch ein paar Jahrtausende!

    Ich staune sowieso immer wieder warum Ihr Euch Migration antut. Wenn Ihr doch leidet.
    Angesprochen auf Ihren obigen Text: Freundlicher Gruss aus Thun mit Heimweh nach Saigon
    Anh Toan

    Wegen dem besseren Leben?..das verschiebt sich immer. Mal ist es dort besser mal da. Kein Grund seiner Herkunft den Rücken zu kehren. Schon gar nicht wenn man Heimweh hat.
    Ich würde auch nicht wegen Politischen Unruhen flüchten, auch das ändert sich ständig Schon gar nicht auf einen Kontinent der Gesellschaftlich zu sehr auseinander driftet.. Ich habe noch die UdSSR miterlebt, genauso deren Fall. Vietnam ist heute auch ganz anders. Auch sonst gibt es ständig neue Länder. Auch in Europa. Mal so mal so!
    Ich würde es gar nicht versuchen, schon gar nicht mit Saigon. Sollte es hier mal Unruhen geben, dann bleibe ich und starte von vorne, mit dem besseren Leben für unsere Kinder. Jemand muss es ja tun.
    Freundlicher Gruss von einer glücklichen Bodenständigen Bernerin

    • Anh Toan sagt:

      “Mueti, haets ächt ännet em Gurten ouh Lüht?”

      “Mir weih nit grüble!”

      Nicht weil es woanders besser ist, ging ich weg, schon ein paar und vermutlich auch nicht zum letzten Mal in meinem Leben, sondern weil es woanders anders ist.

      • George Aengenheister sagt:

        Lieber Anh Toan, bitte bleiben Sie hier ! Sie sind zweifellos eine Bereicherung für uns alle, Ihren Inputs zu folgen ist wie dem Hasen nachzujagen, Haken links, rechts und grosse Sprünge bunt gemischt und trotzdem immer in die richtige Richtung. Spannend, anregend, emotional und doch mit Durchblick für Zähler und Nenner. Herzlich willkommen und dankeschön!!

  7. ast sagt:

    Auf die Letzte Frage kann ich im Fall von China getrost sagen -ja das ist möglich, denn China hat eine Bevölkerungszahl welche die von Japan weit übersteigt. Eine Milliarde Menschen kann gut unter sich bleiben, wenn sich die Ökonomie (anders als Russland) über vorwiegend hevorragendem Grund und Boden erstreckt.

    Was die Völkerwanderung anbetrifft, so ist die Binnenwanderung in China ja nicht das Gleiche wie früher von Europa nach Amerika, denn damals konnte ein Auswanderer nicht noch schnell an Neujahr ” zu Besuch nach Hause” fahren. Es gab in China übrigens immer wieder interne Völkerwanderungen, das ist dort nichts Neues. Man kann diese Wanderung vielleicht mit der in den USA vergleichen, wo der Süden durch den Wirtschaftsboom viele Menschen aus dem Norden veranlasst hat umzuziehen, zum Beispiel nach Dallas, Fort Worth, Florida, Phoenix, Las Vegas, San Diego, New Mexico usw.

    Was sicher Richtig ist, der Unterschied zwischen dem Leben auf dem Land und in einer Grossstadt, das ist in China eine Entwicklung die in diesem Ausmass und Geschwindigkeit noch nie vorgekommen ist. Was die humanen Ressourcen anbetrifft, so könnte ich mir vorstellen dass China in Zukunft bei Bedarf ein Auge auf Afrika wirft – möglicherweise sogar nach überbevölkerten Orten wie Gaza. Noch Wahrscheinlicher ist aber, dass die Regierung ihrer Bevölkerung “verordnet” wieder mehr Kinder zu zeugen.

  8. Michael Schwarz sagt:

    Die Einwander des 19 Jhs nach USA ist der entscheidende Entwicklung für die USA. Über 20% der Bevölkerung in den USA sind Nachkommen von Deutscher Enwandern. Viele Deutscher und Schweizer Einwander waren geschäftlich extrem erfolgreich. Man kann sagen, ohne die Deutscher Einwander hätte die USA nicht soweit entwickelt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die deutsche Sprache verboten, dies hat zur Entfremdung der Einwander und deren Nachkommen geführt. Heute spricht kaum noch die Nachkommen Deutsch, obwohl die deutsche Sprache deren Eltern und Grosseltern gesprochen hatten.

    Die Einwanderung bringt viele Positives mit, aber heutige Einwanderung kann nicht mit der Einwanderung in 19 Jh vergleichen. Die Länder wie die Schweiz sind in der Kultur so festgefahren, dass unterschiedliche Kulturen in der Gesellschaft nicht mehr toleriert werden. Der Intolerenz vernichtet den Vielfalt in der Kulur eines Landes. Das führt zum starren Struktur und statische Ansichte. Die Schweiz leidet nicht nur die Veralterung bei Menschen, sie leidet auch an der Starrheit der Meinungsbildung.

    • Manfred Grieshaber sagt:

      Man darf die Motivation zur Auswanderung nicht auser Acht lassen. Aus der Schweiz und Südeuropa verliessen die Menschen hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat, aus Deutschland, Polen und Russland dagegen aus politischen. Die Iren taten dies aus beiden Motiven. An Deutschland kann man die negativen politischen Folgen sehen. Nach der gscheiterten Revolution von 1848/49 verliess eine ganze Generation an Intellektuellen ihre Heimat: Journalisten, Anwälte, Kaufleute, Aerzte, fast alles Menschen mit höherer oder universitärer Ausbildung. Dadurch fehlte das liberale Gegengewicht zu den ultrakonservativen und reaktionären Kreisen.
      Heute habe wir mit der globalisierten Wirtschaft ein dynamisches System das sich selbst beschleunigt: Zur Erhöhung des Steuersubstrats werden gezielt Unternehmen mit hoher Wertschöpfung aus anspruchvollen oder profitablen Produktionsverfahren oder Dienstleistungen angelockt. Man gewährt ihnen Steuer- und Abgabenbefreiungen. Der Arbeitskräftebedarf dieser Unternehmen kann aber nicht lokal gedeckt werden. Also konzentrieren sich auswärtige Arbeitnehmer. Mit ihren überdurchschnittlichen Salären setzen die eine Kostenspirale in Gang unter der die alteingesessene Bevölkerung leidet. Das erhöht die Sozialkosten. Um die zu finanzieren werden noch mehr hoch profitable Unternehmen angelockt. Man sieht weltweit in fast allen Metropolregionen diese gleiche Entwicklung. Die früher gleichmässig über das Land verteilten Industrien und Dienstleister konzentrieren sich immer mehr in diesen Ballungsräumen. In den Städten bildet sich so eine sehr egozentrische Kultur: man lebt lange als Single und verbraucht persönlich überdurchschnittlich viele Ressourcen. Die gegenteilige Entwicklung geschieht auf dem Lande, Dörfer vergreisen und sterben langsam aus, in den kleinen Städten im Umkreis der Boomtowns leben die Globalisierungsverlierer. Niemand weiss wie lange eine Gesellschaft diese sozialen, kulturellen und demographischen Verwerfungen aushält.

  9. mario sagt:

    Oh Schreck, ich dachte bei dem Bild das es vom ZH HBF ist. Da sieht es ja zwischenzeitlich identisch aus wie in China.

  10. Könnte das schnelle Wachstum des BIP in den USA ab 1875 (auch) mit den eigene Ölvorkommen zusammenhängen?

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