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Der IWF-Chefökonom sorgt für Aufregung

Markus Diem Meier am Donnerstag den 1. November 2012
Olivier Blanchard in Tokyo, Japan, 09 October 2012.

Wie wirken sich Staatsaufgaben auf das Wirtschaftswachstum aus? Die Antworten von IWF-Chefökonom Olivier Blanchard (zu sehen in Tokyo am 9. Oktober 2012) gefallen nicht allen. (Foto: Keystone)

Viele hundert Seiten in insgesamt drei Studien hat der IWF Ende September präsentiert. Bis heute sorgt eine nur drei Seiten umfassende Box für Aufregung.

Der Titel von Box 1.1 auf Seite 41 im ersten Kapitel des «World Economic Outlook» des Internationalen Währungsfonds (IWF) trägt den technischen Namen: «Are We Underestimating Short Term Fiscal Multipliers?». Verfasst wurde sie – und das ist aussergewöhnlich – gleich vom Chefökonomen des Fonds, Olivier Blanchard, und einem weiteren Ökonomen selbst, was auch explizit erwähnt wird. Der Inhalt der Box hat schon am Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs beim IWF in Washington anfangs Oktober für gehörig Aufregung und Gehässigkeit gesorgt und auch weit darüber hinaus für heiss geführte Debatten. Für den Nobelpreisträger Paul Krugman liefert sie sogar den Beleg, dass die Republikaner mit ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung komplett danebenliegen. Europäer, die auf einen strikten Sparkurs auch mitten in der Krise pochen, reagierten empört, wie der Think Tank Eurointelligence schreibt.

Konkret geht es um ein auf den ersten Blick kompliziertes Konstrukt: Fiskalmultiplikatoren.

Diese Multiplikatoren zeigen, wie stark eine Veränderung der staatlichen Ausgaben oder Einnahmen (durch Steuersenkungen oder -erhöhungen) das Wirtschaftswachstum gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) beeinflussen. Sie gehen auf den Ökonomen John Maynard Keynes zurück. Wenn ein Multiplikator zum Beispiel grösser als 1 ist, dann wirkt sich eine Erhöhung der Staatsausgaben in einer überproportionalen Zunahme des BIP aus. Eine Sparmassnahme wirkt sich entsprechend überproportional in einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung aus. Wie ist das möglich? Ausgaben des Staates (oder Steuersenkungen) erhöhen die Einkommen, was zu Zweitrundeneffekten führen kann. Wer die Mittel erhält, gibt sie weiter aus und erhöht damit wieder die Einkommen von anderen usw. Genau so geht es aber auch in die andere Richtung. Wenn der Staat spart, schrumpft das Gesamteinkommen, so lange der Multiplikator grösser als null ist – ist er grösser als 1, schrumpft das Gesamteinkommen (bzw. das BIP) sogar überproportional. Je höher also der Multiplikator ist, desto schlechter lassen sich Austeritätsmassnahmen – harte sofortige Sparmassnahmen – rechtfertigen. Und solche Massnahmen sind überall ein Politikum ersten Ranges.

Nun zum Inhalt der IWF-Box: Sie besagt, dass der IWF die Mulitplikatoren in seinen früheren Prognosen deutlich unterschätzt habe. Während die bisherigen Schätzungen von einem Multiplikator von rund 0,5 ausgegangen sind, schätzt der Fonds diese laut der Box neu auf Werte zwischen 0,9 und 1,7.

Das hat Zündstoff für all jene Länder, die sich einem sofortigen scharfen Sparkurs verschrieben haben und das mit positiven wirtschaftlichen Wirkungen verteidigen. Wie Modellrechnungen der Ökonomen Larry Summers und Bradford DeLong in einer Studie zeigen, die hier auch schon Thema war, kann schon ein Multiplikator von 1 verbunden mit einem so genannten Hysterese-Effekt und tiefen Zinssätzen in den USA in der aktuellen Wirtschaftslage (und nur in dieser) dafür sorgen, dass Mehrausgaben sich sogar selbst bezahlen (ein Hysterese-Effekt bezeichnet die Folgen der aktuellen Krise auf das langfristige Wachstum, etwa wenn Arbeitslose den Anschluss verlieren, so dass ihr Fähigkeitskapital auch für die Zukunft ganz oder teilweise verloren ist). Umgekehrt können unter diesen Umständen harte, rasche Sparmassnahmen sogar dazu führen, dass sich die Lage der Staatsfinanzen weiter verschlechtert.

Wie ist der IWF auf seine höheren Zahlen gekommen? Im Kern haben die Ökonomen den Zusammenhang zwischen den Fehlern in den Wachstumsprognosen und den geplanten (strukturellen, also nicht konjunkturbedingten) Sparmassnahmen von 28 Ländern von Anfang 2010 berechnet (anders gesagt haben sie eine Regression dieser beiden Datenreihen durchgeführt) . Wäre der ursprünglich geschätzte Multiplikator (von Rund 0,5)  korrekt gewesen, der in die Wachstumsprognosen eingeflossen ist, hätte die Prognose sich als korrekt herausstellen müssen. Tatsächlich lagen aber die eingetretenen Wachstumsraten deutlich unter den Prognosen, was sich mit den höheren berechneten Multiplikatoren erklären lässt. Die IWF-Ökonomen haben zur Kontrolle eine Reihe weiterer Einflussfaktoren untersucht, die sowohl auf die staatlichen Budgets, wie auch auf das Wirtschaftswachstum wirken könnten und damit beide Entwicklungen erklären würden – wie zum Beispiel die Höhe der absoluten Staatsverschuldung oder die Lage der Finanzbranche in den Ländern. Aber diese Einflüsse boten keine alternative Erklärung für den festgestellten Zusammenhang. Die höheren Multiplikatoren behielten damit ihre Erklärungskraft für das tiefere Wachstum im Vergleich zu den Prognosen. Unten die Ergebisse der IWF-Box in drei Grafiken, die der Box entnommen sind.

Die erste Grafik zeigt die negative Korrelation (die durchgezogene Linie), die sich durch die Daten der beobachteten Länder ergibt. GRC steht zum Beispiel für Griechenland, DEU für Deutschland. Der negative Zusammenhang bedeutet, dass höhere strukturelle Sparmassnahmen mit einem tieferen Wachstum als pronostiziert korreliert sind. Auf der waagrechten Achse sind die strukturellen Sparmassnahmen eingetragen (also jene, die sich nicht durch die Konjunkturlage ergeben) und auf der senkrechten der Fehler in der Prognose des Wirtschaftswachstums des Jahres 2010. Die zweite Grafik zerlegt den Prognosefehler noch in die Wirkungen auf die Investitionen, den Konsum, den Nettoexport und die Arbeitslosigkeit. Die dritte Grafik schliesslich zeigt die Prognosefehler, die sich bei den Schätzungen nicht nur des IWF, sondern auch bei jenen der EU, des Think Tanks des Economist EIU und der OECD durch einen zu geringen Multiplikator ergeben haben.

Heisst das nun aber, dass der IWF wasserdichte Multiplikatorzahlen für alle Länder und Zeiten geliefert hat? Nein. Mitte Oktober hat Chris Giles von der «Financial Times» nachgerechnet, dass schon eine andere Zeitperiode und eine andere Länderauswahl zu deutlich anderen Resultaten geführt hätte.

Doch genau hier liegt der entscheidende Punkt: Die Höhe von Multiplikatoren und damit Sinn und Unsinn von harten, sofortigen Sparmassnahmen hängt von der Lage einer Volkswirtschaft ab.

Der Grund weshalb in gewöhnlichen Zeiten Fiskal-Multiplikatoren für unbedeutend gehalten und mit einem Wert von nahe null angenommen werden, liegt im Wirkungsmechanismus von staatlichen Finanzspritzen oder Sparmassnahmen. Ist die Wirtschaft voll ausgelastet, führen tiefere Staatsausgaben zu geringeren Zinsen, weil die Zentralbank bei einer dadurch möglichen Abschwächung der Konjunktur mit tieferen Leitzinsen Gegensteuer geben würde oder weil der Staat weniger Geld an den Kapitalmärkten beansprucht – letzteres nennt man ein «Crowding in». Weitere Erklärungen sind mittelfristig tiefere Preise und ein höheres erwartetes verfügbares Einkommen der Konsumenten, da sie mit geringeren künftigen Steuern rechnen. Dies und die tieferen Zinsen befeuern private Investitionen und Konsumausgaben. Was der Staat also einspart, wird durch Mehrausgaben der Privaten kompensiert. Das umgekehrt geschieht bei staatlichen Finanzspritzen, die Wirkung der Fiskalpolitik ist dann gering oder inexistent.

Ganz anders sieht das Bild allerdings in einer schweren Rezession mit Liquiditätsfalle aus, bzw. wenn sich Leitzinsen der Zentralbanken bereits auf null belaufen (wie in den USA) oder wenn die Zentralbank (wie in der Eurozone) mit ihrer Geldpolitik (dem Leitzins) keine Rücksicht auf die Lage einzelner Länder nimmt: Wenn der Staat in dieser Lage auf die Sparbremse drückt, kann der Leitzins nicht sinken. Ansteigende Investitionen oder Konsumausgaben der Privaten erfolgen dann auch keine. Angesichts trüber Aussichten investieren die Unternehmen nicht ensprechend mehr und der Konsum zieht deshalb ebenfalls nicht an.

So erklärt sich, dass Schätzungen von Multiplikatoren in den Jahren vor der Krise als weitgehend irrelevant abgetan werden konnten. An der Debatte um die Multiplikatoren zeigt sich damit nur einmal mehr, wie die Zeit und die Dogmen von vor der Krise das Denken auch in der Krise mitbestimmen und den Blick für die (geänderten) Zusammenhänge trüben. Wirft man den Blick weiter zurück in die Geschichte auf eine Wirtschaftslage, die der heutigen ähnelt, zeigt sich tatsächlich auch bei den Schätzungen zu den Multiplikatoren ein ähnliches Bild: bei der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Bezogen auf diese Krise hat übrigens der oben erwähnte John Maynard Keynes seine Multiplikator-Theorie entwickelt. Die Ökonomen Miguel Alumnia,  Agustin Bénétrix, Barry Eichengreen, Kevin O'Rourke und Gisela Rua haben in einer Studie für diese Krise Multiplikatoren von bis zu 2,5 errechnet. Auf der Grundlage ihrer Berechnungen folgern diese Ökonomen daher, dass die höheren Multiplikatoren, von denen der IWF jetzt ausgeht, noch immer einer konservativen Schätzung entsprechen würden.

Nein, das alles spricht nicht gegen Sparmassnahmen. Bei hoch verschuldeten Ländern gibt es keine Alternative. Doch die Resultate des IWF sprechen für ein vernünftigeres Timing, wo immer das möglich ist. Ansonsten führen die Versuche, die Staatsfinanzen rasch in Ordnung zu bringen, nicht zum gewünschten Resultat – das deutlichste Ergebnis ist dann eine weiter verschärfte Wirtschaftskrise. Genau das spielt sich vor unseren Augen in einer Reihe von Ländern ab.


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Keine Kommentare zu „Der IWF-Chefökonom sorgt für Aufregung“

  1. Urs sagt:

    Solange irgendwelche Entitäten durch staatliche, also durch die Allgemeinheit, Massnahmen unterstützt werden ist es angebracht die besteuerung und Abgaben strikte nach der Oekonomischen Leistungsfähigkeit zu berechnen und einzuziehen. Dabei spielt es absolut keine Rolle ob ein Steuerzahler jemals etwas vom Staat erhalten hat oder nie…

    Mit den Begriffen wie Eigenverantwortung, Selbstregulierung und Kostenwahrheit haben wir ein gigantisches Mess- Kontroll- und Steuersystem aufgebaut welches alle anderen jemals vorher existierenden in den Schatten stellt…der Gerechtigkeit wegen. In die gleiche Richtung geht die Anmassung das der Staat nur durch Sicherheit sowie Einhaltung der Gesetze auftreten darf, alles andere aber privatisiert oder eliminiert werden muss. Nicht profitables ist in dieser Ideologie nichts Wert. Ebenso dumm sind die pervertierten Anmassungen von Gerechtigkeit bezüglich FlatRateTax versus Progressiver Tax Systeme. In die gleiche kleingeistige Richtung geht etwa das Thema Finanzausgleich und die lächerlichen Debatten über Gerechtigkeit der Geber und Empfänger und dem streben nach schwarzen Zahlen versus strengsten Sparmassnahmen für alle Beteiligten Kantone…

    Diese tyisch Neoliberalen Ansätze haben bereits grosse Teile Südamerikas und in neuester Zeit eigentlich alle ex. GUS Länder sowie ältere EU Länder Zivilgesellschaftlich Wirtschafltich in Grund und Boden gestampft. Dies im Allgemeinen noch, in dem man die Verursacher und Räuber die diese Länder die Jahre vorher geplündert haben allesamt hat laufen lassen… So wie das bis heute auch der Fall ist.

    Die Brandstifter sind bis heute die Ueberbringer der neuen Heilslehre, allfälliger Alternativen, wobei für den Schaden, die Begrenzung nach wie vor die Standardlohnempfänger aufkommen. Deren Fundamente werden aber konsequent zu Tode gespart anstatt das man die Reichen daran beteiligt. Die reichen Eliten die in ihren nach wie vor wachsenden Einkommen und Vermögen schwimmen, die fässt niemand an…

    • Karin Gut sagt:

      Mit der Etikettierung “typisch neoliberale Ansätze” kommt man den zu grunde liegenden Ursachen staatlicher Misswirtschaft nicht näher.

      Streben nach Macht ist eine grundlegende Charakterausprägung der menschlichen Natur. Sehr oft sind es (besonders nach Umbrüchen) die wohlhabenden Bevölkerungsschichten, welche die Geschicke des Staates lenken und welche dann schnell geneigt sind die Macht zum eigenen Machterhalt einzusetzen. Durch kollektives Leben auf Pump läuft alles ruhig und geschmiert – bis eines Tages das böse Erwachen im Schuldensumpf kommt. Darüber zu diskutieren wie das zu verhindern wäre, würde hier zu weit abseits führen, aber generell würde ich anstelle des wirtschaftstheoretischen Neoliberalismus dieser Misswirtschaft das Etikett menschliche Gier umhängen.

      Generell werden in Wirtschaftstheorien die Last und Folgen von unrechtmässigem Handeln oft ausgeblendet. In den USA sind 2.4% der Bevölkerung entweder im Strafvollzug oder auf Bewährung frei. Das setzt dem Staat zu. Auch in der Schweiz fragt man sich, wieso die SVP mit aller Kraft die Steuerhinterziehung weiterhin als Bagatelldelikt behandelt sehen will…

      • Sepp sagt:

        “Durch kollektives Leben auf Pump läuft alles ruhig und geschmiert – bis eines Tages das böse Erwachen im Schuldensumpf kommt.”
        Kann man diesen Satz vielleicht umkehren? Wenn alles ruhig und geschmiert läuft, solange wir kollektiv auf Pump leben, ist es vielleicht nicht die richtig Strategie, Schulden abschaffen zu wollen! Nach meinem Empfinden ist die Schuldendiskussion zu stark Kontostand fokussiert. Es wird kaum gefragt, wie die Bedürfnisse der Menschen gedeckt werden können. Mathematisch sind Schulden ein Integral von kleinen Ungleichgewichten über längere Zeit. Die Ungleichgewichte wären nicht mal so ein Problem, würden sie nicht mittels Geld so exakt gemessen – und dann eingefordert.

        • Martin Holzherr sagt:

          Gut formuliert: ” Mathematisch sind Schulden ein Integral von kleinen Ungleichgewichten über längere Zeit”. Vielleicht noch etwas einfacher: “Schulden sind die Akkumulation von Ungleichgewichten über längere Zeit”.
          Diese Akkumulation erzeugt aber zwei enge miteinander verwobene Probleme:
          1) Es muss ein Zins auf die Schulden gezahlt werden. Je höher die akkumulierten Schulden sind umso mehr
          2) Die Bereitschaft zur Kreditvergabe sinkt, sobald man daran zweifelt, dass die Schulden oder mindestens die Zinsen zurückgezahlt werden

          zu 1) Ein hoher Schuldenstand reduziert das Potenzialwachstum. Hoch verschuldete Länder wachsen kaum noch. Beispiele sind Japan und Italien. Hätten die keine Schulden und damit keine Zinsen zu zahlen, wäre das Wachstum höher, bezugsweise überhaupt erst vorhanden.
          zu 2) Man kann natürlich die Schuldentilgung aussetzen oder Bankrott anmelden. Doch dann hat man sich für Jahre den Ruf eines guten Schuldners verspielt. Vor diesem Hintergrund kann man plötzlich verstehen warum Inflationierung und finanzielle Repression für Staaten so attraktiv sind.

          • Thomas Ernst sagt:

            @Martin

            Sie bringen das richtig auf den Punkt: Am Schluss ist es eine Frage des Vertrauens, nicht des Geldes. Heute schwimmen wir im Geld, doch das Vertrauen ist völlig futsch. Oder hat eine der folgenden Organisationen noch Ihr (uneingeschränktes) Vertrauen:
            - EU-Kommission
            - Mario Draghi
            - die Schweizer Grossbanken
            Der Bundesrat
            - Angela Merkel
            - Die US-Regierung
            - Der IWF
            ???

            …eben!

          • Sepp sagt:

            @Martin und Thomas:
            Ich wollte auf etwas andere raus: Was ihr beschreibt ist die klassische Denke. Aber lösen wir uns doch mal davon und überlegen, wie Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden können, auch über längere Zeit und auch wenn sich Ungleichgewichte akkumulieren (das tun sie immer!).

          • thomas ernst sagt:

            @ Sepp

            Ja, man muss sich AUCH darum kümmern, wie die Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden. In der Regel bedeutet das, Geld/Wohlstand/Werte, die jemand erarbeitet hat zu verteilen.

            Leider belassen Sie und die meisten Politiker es beim Verteilen des Geldes anderer Leute (Steuern = Diebstahl bei denen, die haben).

            Mindestens so wichtig wäre aber die Frage, wie denn der “Reichtum” überhaupt erarbeitet wird. Diese mühsame Frage wird leider von Vielen, auch von Ihnen, grosszügig übersehen. Darum klappts dann nicht.

            PS: Ich bin überzeugter Vertreter des Bürgergeldes/bedingungsloses Grundeinkommen, aber nur, wenn man gleichzeitig die kostspielige Sozialbürokratie abschafft. Dann zahlt sich das fast von selbst.

          • Urs sagt:

            Sozialbürokratie ? Ich lach mich kugelig… meinen Sie die für die Menschen oder die für die Unternehmen und deren Interessen… welche soll abgeschafft werden?

          • Sepp sagt:

            @ Thomas
            Es mag spitzfindig sein, aber auch hier drehe ich die Reihenfolge. Das Geld kommt ganz sicher nicht am Anfang. Zuerst kommen die Werte, dann der Wohlstand und das Geld ist nur Mittel zum Zweck.
            Was wir doch brauchen sind Bäcker, die Brot backen, Bauern, die säen und ernten, Baumeister, die Häuser und Brücken bauen und so weiter. Geld brauchen wir nur, um die Aufgabenteilung unter diesen zu regeln. Geld muss in unserem Denken zu dem abgestuft werden, was es ist. Erst dann haben wir eine Chance, die richtigen Lösungen zu finden.

          • Thomas ernst sagt:

            @ Urs

            Die Sozialbürokraten sind die Leute, die Geld dafür nehmen, zu prüfen, ob und wieviel Geld ein Notleidender Mensch zugute hat.

      • Urs sagt:

        @Gut: Woher blos die Paranoia vor staatlicher Verschwendung kommt wo doch die grössten Verschwender Räuber und Schmarotzer heute nur in der Privat Industrie zu finden sind.

        Dies alles auch noch mit Hilfe des so verhassten Staates und dessen Vollstrecker, den Staatsangesteltlen ina ll ihren Varianten. Listig auch, das man beim einen beinahe alle Auskunfts und Informationsrechte hat und beim anderen eigentlich gar keine… Störend für auch, das beim einen noch mehr oder weniger Verbindliche Mitspracherechte das sagen haben, beim anderen diese schon gar nicht vorhanden sind obwohl dort über mehr Kapital und Menschen bestimmt wird als beim anderen…

        Dazu passt auch die permanente Schimpferei über die Staatsquoten die einfach nicht kleiner werden wollen wärend im gleichen Atemzug der Staat als Instrument und System der persönlichen Berreicherung angesehen und benutzt wird. Da sind Subventionen leider nur grad ein Baustein des ganzen…

        Womit man dann eben bei der von ihnen erwähnten Menschlichen Gier wäre… die sich möglichst leichte und lukrative Opfer sucht… die Staatlichen Strukturen bieten sich da besonders an.

    • Alois Krieger sagt:

      Urs: Was wollen Sie sagen? Sie reihen einen Haufen von Dingen aneinander, die sie nicht mögen und schreiben “böse neoliberale Ansätze”.

      Die Steuern werden in den meisten Staaten anhand der ökonomischen Leistungsfähigkeit eingezogen. Wer das Geld bekommt, entscheidet der Einfluss dieser Gruppen auf die Politik. Ob Beamte, die für etwas bezahlt werden wollen, was die Bürger gar nicht nachfragen oder Banken (oder besser Bankmanager), die das Geld anderer verspekulieren. Das ist alles nur möglich, wo die Politik solche Rahmenbedingungen setzt. Was sich wer an Geld vom Staat “erschleicht” hat wohl nicht viel mit ökonomischer Leistungsfähigkeit zu tun – eher mit guter Lobbyarbeit. Die Bauern sind ökonomisch nicht leistungsfähig aber einer der grössten Profiteure von Staatsgeldern. Sie kassieren jährlich mehr als jede andere Gruppe.

      Was ist an Eigenverantwortung und Kostenwahrheit schlecht? In vielen Bereichen ist das gerecht. Selbstregulierung funktioniert in einigen Gebieten – und – wie wir gesehen haben in anderen nicht.

      Und die GUS und Südamerikanischen Staaten haben ihre Misere zum Hauptteil ihren eigenen Politikern zu verdanken. Der IMF war nur nicht gerade gut im Management der Misere nach der Krise.

      Ebenso waren neoliberale Ideen nichts Schlechtes an sich, sie kamen in den 70er Jahren auf, als die stark staatlich gelenkten Wirtschaften z.B. in Grossbritannien in eine Krise gerieten und die Probleme nicht mehr mit Gelddrucken gelöst werden konnten. Privatisierungen haben uns günstigere Preise und mehr Wohlstand gebracht, aber in Länder wo Politiker korrupt sind, da werden vor allem staatliche Monopole privatisiert, was alles noch schlimmer macht.

      Und die Reichen pauschalisieren Sie auch gleich. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann werden Leute reicht, die der Gesellschaft etwas bringen. So funktionieren marktorientierte Gesellschaften.

      Und was für Fundamente werden zu Tode gespart? Die der Brandstifter? Sehr wirres Zeug, was Sie da von sich geben…

      • Urs sagt:

        Wirr ist hier gar nichts, nur zusammengefasst… 30 Jahre Umbau nach Neoliberalen Vorstellungen sind nun mal heute 30-40 jahre später die Ursachen für die Fehlentwicklungen die sich allerorten zeigen. Wie auch sollte es anders sein… das früher eine Korrektur u. U. nötig war mag sein, aber so ist dies heute eben auch…

        Hier stellt sich mir weniger die Frage was richtig ist sondern wer sich durchsetzt… vor Jahren war es die Neoliberale Ideologie…

        An Eigenverantwortung schlecht ist, das man um diese wahrnehmen zu können auch die Mittel dazu braucht. Diese Mittel werden gerade den ärmeren Schichten und den durchschnittlichen Lohnempfängern der Bevölkerung konsequent entzogen und der Mittelstand in vielen Ländern ist dabei in die gleiche Situation zu geraten. Viel Gerede von Eigenverantwortung und Kostenwahrheit, doch die Partizipation am erwirtschafteten Wohlstand wird immer schwächer. Grund dafür ist u.a. die miese Lohnentwicklung der letzten 20 Jahre. Des weiteren werden die Produktivitätsfortschritte nicht an die Menschen zurückgegeben sondern konsequent nach oben transferiert. Zurück an die Bevölkerung und Zivilgesellschaften kommt da seit Jahren nichts mehr. Schauen Sie mal hier wie wir sparen um dem standortwettebwerb gerecht zu werden.

        Das gleiche gilt übrigens für dem Trickle Down Effekt der den Reichen Emphatie und Gesellschaftliche Verantwortung andichtete. Dochw as machen die? Spekulieren was das Zeug hält.

        An Kostenwahrheit schlecht ist, das dies in immer detailierten Formen daherkommt. Um dies zu bewerkstelligen müssen die Mess- und Kontrolsysteme immer mehr ausgebaut werden und die Steuersysteme eben auch. In der Regel werden die vom Staat oder zumindst mit öffentlichen Geldern betrieben. Hier sind wir dann wieder bei der Staatsquote…und den Beschwerden und Verwunderung warum diese nicht sinkt. Heute sind viele Berufsleute zu immer grösseren Teilen der Arbeitszeit damit beschäftigt diesen Mess- und KOntrollsystemen mit Daten zu füttern…

        • Alois Krieger sagt:

          In der Schweiz kann jeder (neuerdings sogar EU-Bürger, aber wohl nicht mehr lange) praktisch gratis Top-Ausbildungen an führenden Unis machen. Es gibt wohl kein anderes Land, das solche Chancengleichheit bietet. Selbst mit Pizza-Verkaufen kann man hier mehrfacher Millionär werden. Das Startkapital können sich die meisten ersparen. Dazu gibt es neuerdings staatliche Programme für Jungunternehmer, die bis zu einigen Hunderttausend Franken a fonds perdu Geld gebe. Es gibt wohl kein Land auf der Welt, in dem es leichter ist, etwas auf die Beine zu stellen. Deshalb sind wir auch als Einwanderungsland so beliebt. Eigenverantwortung zu übernehmen ist in der Schweiz leicht, aber auch vom Staat zu leben.

          Aber viele Leute haben das Gefühl, mit 3000 oder 4000 Franken sei man am verhungern. Wer mit Schweizer Löhnen kein Startkapital auf die Seite bringt, der wird es als Unternehmer auch nicht weit bringen.

          Spekulation ist an sich auch nichts Schlechtes, aber was in letzter Zeit abgegangen ist, ist schlicht Korruption – auch wenn es rechtlich nicht als Korruption durchgeht. Die UBS kriegt Milliarden vom Staat und stellt einen alten Bundesrat ein, “um das Verhältnis zur Politik zu stärken”. Die Notenbanken auf der ganzen Welt sind gerade dabei, die Ersparnisse des Mittelstandes an verschuldete Immobilienspekulanten und Finanzinvestoren umzuverteilen. Aber das hat nichts mit Neoliberalismus zu tun, das ist Korruption in Politik und in öffentlichen Institutionen.

          Hildebrand hat der Schweiz Verluste von Dutzenden Milliarden Franken eingebracht mit dem verfrühten Schwächen des Schweizer Frankens – dafür kriegt er jetzt die Belohnung bei einem Hedge Fund. Die Tagi-Journis verteidigen den Gauner noch… (das ist keine Korruption, wohl nur Dummheit – wenn man Soziologen einstellt, um Wirtschaftsnachrichten zu schreiben).

          Welche Mess- und Kontrollsysteme meinen Sie? Kostenrechnung und Buchhaltung? Na, dann möchte ich mal sehen, welche Firma ohne diese sinnvoll produzieren kann.

          • Urs sagt:

            Hr. Krieger, das auch Ausländer sich hier Gratis weiterbilden können finden ich nicht schlimm. So können auch Schweizer das gleiche im Ausland tun… und die späteren Verbindungen von und zum AUsland sind sicher in den meisten Fällen eher positiv als negativ… also um beim moderen Sprachgebrauch zu bleiben, eine lohnende Investition…

            Mit Mess und Kontrollsystemen meine ich solch lustige Dinge wie die Bewertung von allen möglichen Entitäten wie Schulen, Universitäten, Qualitätskontrollsysteme wie ISO Normen, PISA und alle anderen Bewertungssysteme die sich in den letzten jahren eingeschlichen haben. Fragen Sie mal Lehrer oder SPitalpersonal oder auch anderen Berufsgruppen wieviel Zeit für das Füttern von Bewertungsformularen aufgewendet wird sofern der Input nicht schon elektronisch möglich ist. So wird gemessen und bewertet das Indivduum, die Institution, die Stadt, die Region, das Land… wichtig wenn jemand Milliarden zu investieren hat. Um diese Leute geht es… nicht um den Unternehmer um die Ecke.

            Wissen Sie was der Hauptgrund für diese Gleichmacherei ist? Das künftige Investoren besser vergleichen können wo die meisten Profite rausgeholt werden können… Nur Kapital ist wirklich Globalisiert und dem wird mit International gültigen Bewertungssystemen ein Weg bereitet… bei den UNI Rankings geht es nicht darum das Studenten ihre Uni besser vergleichen können, sie können es nicht. Dies sind Messsysteme um Investitionen schützen zu können… auch und gerade im Hinblick auf die von der WTO erwartete privatiserung von allem was heute noch gemeinschaftich-staatlich betrieben wird. Unsere Kantonalen und Regionalen Spitäler, Schulen, Wasser und Stromwerke gehören in diese Kategorie… aber eben auch die Universitäten.

            Hier muss man den Blickwinkel der Investoren einnehmen um den Sinn dahinter zu verstehen. Die investieren ihr Kapital global beliebig ungehindert in jedem Land. Eine Region ist nur eine von vielen die Infrage kommt.

          • Urs sagt:

            Noch vergessen… Kostenrechnung und Buchhaltung sind in der Tat auch solche Mess- und Kontrollsysteme… zur Steuerung benötigt man dann wieder andere wie etwa Arbeitsgesetze… die heute gültigen Buchhaltungsstandards favorisieren tatsächlich die Aktionäre sehr einseitig… die Arbeitnehmer, die Region, der Staat haben davon je länger je weniger… wie die Unternehmenssteurreform 1 und 2 gezeigt haben… die 3 ist bereits auf dem Weg und verspricht weitere Ersparnisse bzw. Kürzungen in Milliardenhöhe… wer da wohl wieder zum sparen aufgefordert wird?

            Für wen nun soll man eine Buchaltung führen? Für die GL, die finanzmärkte, die Kreditgeber, die Banken, die Aktionäre, internationale Investoren, die Arbeitnehmer, die Region, den Staat, für die Kunden oder Lieferanten.. das Steueramt… alles ist da möglich. Blos heute sind die ultimatven Anspruchshalter eben die in der Regel steuerbefreiten Investoren… für alle anderen bleibt immer weniger.

          • Alois Krieger sagt:

            Urs: Ich finde das auch nicht schlimm, aber es wird wohl nicht mehr lange funktionieren. Es sind in einigen Unis schon mehr Ausländer eingeschrieben als Schweizer. Wenn es zu teuer wird, dann ist wohl bald Schluss damit. In Kanada konnten US-Bürger auch eine Weile lang gratis an die Unis. Das dauerte etwa 3 Jahre, das Angebot war zu verlockend für die Amerikaner, die zuhause 20’000 Dollar pro Jahr für die Uni zahlen müssen.

            Die Formulare in den Spitälern dienen dazu, herauszufinden, ob die Kunden zufrieden sind. Die Spitäler sind übrigens meist öffentliche Institute. Ich finde es begrüssenswert, wenn sich staatlich finanzierte Spitäler bemühen, den Kunden zu bieten, was sie wollen. Das ist im öffentlichen Sektor eher die Ausnahme.

            Übrigens, die einzigen steuerbefreiten Investoren in der Schweiz sind die Pensionskassen, also Sie zum Beispie, wenn Sie Angestellter sind.

            Es gibt übrigens eine tolle Alternative zu den “Messsystemen”, das wären kleinere Unternehmen und der Markt. Wenn ich als Kunde die Auswahl habe, dann wähle ich den besten Anbieter. Aber das mit dem Markt gefällt Ihnen wohl nicht so…

            Uni Rankings sollen es den Studenten ermöglichen, eine gute Uni zu wählen. Sie kaufen bestimmt fairtrade Bananen und Bio-Knospen-Rüebli, würde ich mal annehmen. Das ist auch ein “Messsystem”, das gefällt Ihnen doch?

          • Urs sagt:

            Hr. Krieger, das mit den kleinen Unternehmen und der Auswahl und dem Markt etc…. das funktioniert so nicht…

            Ich bin grad dran ein neues Velo zu kaufen… eigentlich eine tolle Sache mit dutzenden von Herstellern, Komponenten, Varianten, Preisen… etc. die Auswahl ist aber so gross das eine Entscheidung nur “am Markt ” vorbei gehen kann… verstehen Sie? Die Informationen kann man nicht verarbeiten. Auf der anderen Seite, hätte ich nur 1 Velo zur Auswahl wäre ich bereits fertig und könnten Velo fahren… ohne mich um irgendwelche angeblich optimalen Varianten kümmern zu müssen. Kommt noch dazu das die Hersteller auch nicht blöd sind und ihre Schwächen gut verstecken… mit Markt hat das nicht viel zu tun da meine Entscheidung ja nichts beeinflusst.

            Die Kaffekette Starbucks bezahlt in GB und Deutschland seit Jahren keine Steuern. Dies mit den üblichen Lizenz- und Kostentransfer innerhalb des Konzerns… nicht illegal, aber eben, doch Steuerbefreit.

            Die UNI rankings sind leider eben nutzlos… darauf verlassen sollte man sich nicht. Auf der anderen Seite, wer lernt schon die Parameter die hinter den Rankings stecken? Viel Aufwand… für den einzelnen aber am Ende nutzlos oder treffen Sie

          • Alois Krieger sagt:

            Urs: Kaufen Sie sich ein Bike-Heft. Da sind Tests drin. Die sind nur wenig durch das Inseratevolumen beeinflusst, die meisten Biker sind recht gut informiert.

            Die Uni Rankings haben z.B. bewirkt, dass in Deutschland wieder in die Qualität der Unis investiert wird.

      • Urs sagt:

        @Krieger; Hier als Beispiel mit mehr Details und, von einer Person mit einem “Namen”geschrieben, Robert Reich ehm. Arbeitsminister der USvA, einer der Artikel mit denen ich mich beschäftige… Lesen Sie doch mal und sagen Sie mir was an einer solchen Entiwcklung irgendwie positiv für die 99% sein soll? Ich kann beim besten Willen nichts positives entdecken…

        http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/september/mitt-romney-und-das-neue-vergoldete-zeitalter

        oder hier ein anderer über die Firma Starbucks und deren Steuervermeidungspraktiken.

        http://steuergerechtigkeit.blogspot.de/2012/11/starbucks-deutschland-bezahlt-seit-zehn.html

        Ich bin kein Anhänger des Shareholdervalues der sich so absolut arrogant gibt wie der heutige…

  2. Sepp sagt:

    Bei den Multiplikatoren handelt es sich um nicht lineare Funktionen, welche von zahlreichen Faktoren abhängig sind. Der Streubereich dürfte entsprechend gross sein. Es ist nicht nur wichtig, ob ein Land bereits in der Rezession steckt oder nicht. Es kommt auch darauf an, ob es für den Grundbedarf eine Marktsättigung gibt wie in vielen westlichen Ländern oder ob noch viel Wachstumspotential vorhanden ist. Es kommt auch darauf an, ob es sich um eine erste Sparrunde oder Steuersenkung handelt oder ob die Zitrone schon mehrfach ausgepresst wurde. Und vieles mehr.
    Die bisherigen Ökonomenrezepte sind viel zu einfach gestrickt und werden dennoch zu Glaubensätzen empor stilisiert. Es wird höchste Zeit dies zu ändern. Würde man den Wetterbericht auf die gleiche weise Berechnen, oder den Verlauf eines Hurrikan, würde die Prognose keine zwei Stunden Gültigkeit haben.

    • H.Trickler sagt:

      Genau so sehe ich es auch. Was als noble Theorie von sog. Wirtschafts-Wissenschaftern daherkommt ist oft nicht das Papier wert und hätte in den exakten Wissenschaften den sofortigen Verlust der Reputation zur Folge.

      • Alois Krieger sagt:

        Ökonomie ist keinen exakte Wissenschaft. Man versucht dort – wie in den anderen Sozialwissenschaften – nur Modelle zu finden, die das Verständnis über die Vorgänge in der Gesellschaft verbessern.

        Nur in den mathematischen Modellen lassen sich genaue Voraussagen machen. Die stimmen auch immer – wenn die gemachten Voraussetzungen so stimmen. Leider ist das nie wirklich der Fall. Trotzdem bietet die Ökonomie Einsichten.

    • Alois Krieger sagt:

      Sepp: der Hurrikan ist einfacher vorauszuberechnen als ein Bienenschwarm. Die Ökonomie versucht eher die Bewegungen eines Bienenschwarms vorauszusehen.

  3. Thomas H. sagt:

    “a critical systemic problem in the IMF’s over-estimation of growth forecasts in a world of increasing fiscal consolidation – an asymmetric fiscal multiplier. [..] What this means – simply put – is that it appears there is momentum in fiscal multipliers or at the very least, there is a much more marked downside to fiscal consolidation than upside to fiscal expansion.” http://www.zerohedge.com/news/2012-10-08/imfs-lagarde-unaware-what-imfs-market-moving-report-contains

    • Linus Huber sagt:

      Natuerlich verhaelt sich der Multiplikator unterschiedlich in Zeiten natuerlicher deflationaerer Kraefte als in Zeiten der expansionaren Geldpolitik, welche wohl Ende 2007 zu Ende ging.

      • Linus Huber sagt:

        Bevor es jemand merkt, korrigiere ich besser selber. Natuerlich betreiben die Zentralbanken auch heute noch eine inflationaere oder expansionaere Geldpolitik mit dem kleinen Unterschied, dass der Privatbereich ihre Kreditvolumen schrittweise zu reduzieren versucht womit die fragwuerdigen Massnahmen der Zentralbanken zunehmend weniger Wirkung zeigen.

  4. Martin Holzherr sagt:

    Dem Artikel liegt die Annahme zugrunde, dass der Zweck von Austerität allein in der Reduktion der Staatsverschuldung und in der Rückführung des Budgetdefizits liege.
    Doch das scheint mir nur einer der Zwecke, die mit Anpassungsprozessen verfolgt werden, zu denen eben auch Austerität gehört.
    In Griechenland beispielsweise ist deutlcih sichtbar, dass der ganze Staatssektor unproduktiv ist und nichts zum Wrtschaftswachstum beiträgt. Massnahmen wie die Reduktion der Löhne im Staatssektor erscheinen zwar als Austeritätsmassnahmen mit dem Zweck das Budgetdefizit zurückzuführen, doch sie haben auch den positiven Effekt, dass der Staatsektor weniger attraktiv wird.
    Ich behaupte sogar, das Hauptproblem in der Eurozone liegt gar nicht in der exzessiven Verschuldung sondern in dem Auseinanderklaffen der Wettbewerbsfähigkeit.

    • Sepp sagt:

      “Auseinanderklaffen der Wettbewerbsfähigkeit”
      Ja, stimmt. Doch wird es nie funktionieren, den Ausgleich durch ein Angleichen der Wettbewerbsfähigkeit zu fordern. Auch ein Bündner Bauer und ein Stadtberner haben nicht die gleiche Wettbewerbsfähigkeit. Trotzdem braucht es beide.
      Selbstverständlich ist Ineffizienz zu bekämpfen. Aber Gleichstand wird nie erreicht und damit bleibt das Ungleichgewicht, welches mit anderen Massnahmen beseitigt werden muss.

      • Martin Holzherr sagt:

        “Andere Massnahmen um das Ungleichgewicht in der Wettbewerbsfähigkeit auszugleichen” , dass kann ja wohl nur Transferleistungen bedeuten. Daran fühlt wohl nichts vorbei, doch die maximale Höhe solcher Leistungen ist durch die Leistungsfähigkeit der wirtschaftlich stärkeren Länder begrenzt. Mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr wird Deutschland nicht beitragen können. Das wäre ungefähr die Hälfte des Ostsolis. Wenn aber Frankreich – wie zu erwarten – ebenfalls in den Krisensumpf gerät und unterstützungspflichtig wird, reichen Transferleistungen nicht mehr aus.

        • Sepp sagt:

          Das ist eine Behauptung. Da erlaube ich mir daher eine andere Behauptung: Die Transferleistungen werden in der Grössenordnung des Handelsdefizits notwendig. Diese müsste sich ein Staat leisten können.
          Den letztlich führt ja das Handelsdefizit zu dem Ungleichgewicht. Nehmen wir einfach mal an, jeder Staat führt seine Handelsüberschüsse über Transferleistungen in die defizitären Länder ab. Manche mögen das als unfair ansehen. Nüchtern betrachtet müsste es dann aber allen besser gehen. Die einen haben weniger Schulden und die anderen können weiter exportieren und prosperieren, da die armen Nachbarn ja wieder Geld zum konsumieren haben.
          Klar, “Geld”-Vermögen anhäufen kann man so natürlich nicht. Aber warum auch?

          • Alois Krieger sagt:

            Ja, so funktioniert es. Wenn man die Produkte verschenkt, dann stimmt der Absatz… Schöne neue Welt!

        • H.Ewerth sagt:

          wenn Deutschland seine “Export Überschüsse” alle an Brüssel abgeben müsste, könnte sich Deutschland Europa nichts mehr leisten? Der einzige Grund der Europäischen Union und der Einführung des Euros, waren doch nichts anderes, als alles nach der Einführung nieder zu konkurrieren. Oder glaubt denn einer wirklich, man wusste nicht, dass die kleinen Länder in einem gemeinsamen Europa eine Chance haben gegen die größten Volkswirtschaften in der EU sich zu behaupten? Wie sonst ist es möglich, dass in einer “Gemeinschaft” Defizite betraft, aber Überschüsse zu Lasten der kleinen Länder noch belohnt werden? Als Deutschland die Stabilität Kriterien verletzt hatte, wurden da Strafen gezahlt? Mitnichten es wurden einfach die Verträge geändert.

      • Alois Krieger sagt:

        Den Bündner Bauern braucht es in dieser Form bestimmt nicht. Aber weil wir nun mal eine Nation sind, tragen wir diese Lasten, weil es verkraftbar ist und die Politiker gerne unser Geld dafür aufwenden, sie sich damit Stimmen (oder Gelder vom Bauernverband) zu verschaffen.

        Dass jetzt aber Deutsche griechische Staatsangestellte bezahlen sollen, die oft gar keine Aufgabe haben, den Job von einem Politiker als Gefallen bekommen haben, das geht verständlicherweise den meisten Deutschen zuweit.

        Griechenland wird nicht von den Deutschen zum Sparen gezwungen. Im Gegenteil. Griechenland hat sich selbst ruiniert und bekommt jetzt weiter Geld.

        Die Wettbewerbsfähigkeit klafft auch nicht auseinander. Der Euro und die EU Gelder haben eine Weile lang bewirkt, dass wir die Illusion hatten, diese Länder wären wettbewerbsfähig. Das liegt in der Natur des Euro Währungssystems, das wohl eine der grössten Fehlkonstruktionen seit langem war. Jetzt wird das Konstrukt noch am leben erhalten, damit werden jetzt auch noch die Geberländer verarmen. Aber die deutschen Politiker würden sofort abgewählt, würden die Folgen der EU Einführung (die Vernichtung eines grossen Teils der deutschen Spargelder) nicht noch mit Geld ein paar Jahre vernebelt.

        Das Hauptproblem der Eurozone ist die Zusammensetzung der Eurozone. Aus Übereifer haben demokratisch nicht kontrollierbare Politiker und Bürokraten wieder mal die Bevölkerung ruiniert – dazu braucht es heute keine Kriege mehr. Der Schaden ist angerichtet, und wir Schweizer zahlen dank unserer Nationalbank freiwillig mit…

        • Rene Wetter sagt:

          Warum diskutieren Sie ständig die Wettbewerbsfähigkeit der Länder? Es ist dch völlig egal in welchem Land ein Betrieb ist, der Unternehmer hat für Konkurrenzfähigkeit zu sorgen und nicht zum Staat gehen und füür Abwertung zu weinen. Darum ist nicht der Euro Schuld sondern all die, die sich nicht anpassen. Griechenland ist im Schlamassel weil es mehr ausgibt als einnimmt, die Steuern werden nicht bezahlt und die Korruption ist gross. Wenn die Schweiz so wirtschaften würde wäre sie auch bankrott. Es nervt mich dass ständig Leute was hinschreiben, dass sie irgendwo aufgeschnappt haben, statt mal selbständig zu denken. Dann kommen die Reden von der EU Diktatur und Bürokratie und dem schlechte Euro. Dann kommt die Rede auf die südländische Mentalität: Innerhalb der Familie sin die genauso sorgsam mit dem Geld wie bei uns ansonsten wären sie schon alle auf der Strasse. Was in diversen Länder ganz schlecht ist ist, ist die Einstellung zum Staat: Man will nichts bezahlen aber Leistung erhalten. Das beginnt bei uns auch, aber eher im kleinen. Das beginnt beim Vandalen der öffentliches Eigentum beschädigt (zu Hause würde er das nicht tun)

          • Alois Krieger sagt:

            Na dann führen Sie mal ein Unternehmen und senken Sie die Löhne um 25%. Gerade die Gewerkschaften werden sich dagegen wehren. Es war Levrat, der in der Schweiz lieber eine Euro-Untergrenze von 1.40 oder 1.50 durchgesetzt hätte. Dass er damit die Löhne seiner Büezer senkt und ihre zukünftigen Renten den Leuten verteilt, die mit Kredit Firmen oder Immobilien gekauft haben, das erwähnt er nicht. Er will weniger Arbeitslose in den nächsten 12 Monaten und dafür gewählt werden. Soviel zur “Nachhaltigkeit” der SP-Politik…

  5. Linus Huber sagt:

    Wenn sich das Meer zurueck zieht waehrend der Ebbe, erkennt man wer keine Badehose traegt. Wenn sich das Kreditvolumen nicht mehr im gleichen Rahmen und nicht mehr ueber dem Wirtschaftswachstum ausdehnt, erkennen wir die nicht nachhaltigen Kredivolumen, welche im vorhergehenden Boom erteilt wurden. Jeder kurzfristige Einbruch des Booms wurde sofort mit einer weiteren Dosis von zusaetzlichem Kreditvolumen bekaempft ohne zu erkennen, in welche Sackgasse man sich damit begibt.

    Und jetzt kommen die schlauen Oekonomen des IMF und berechnen, dass die Anzahl der Nacktschwimmer (nicht nachhaltige Kreditvolumina) im Meer anscheinend hoeher liegt als angenommen. Das Verhindern der Ebbe durch ankerlose Geldpolitik ueber die letzten 30 Jahre produzierte natuerlich viele dieser Nacktschwimmer, obwohl nackt baden an diesem Strand (nach nachhaltigen marktwirtschaftlichen Prinzipien) nicht erlaubt ist. Natuerlich werden die vergangenen Fehler weder eingestanden noch auch nur erkannt.

    Herrlich, wie diese Oekonomen im Dunkeln tappen und uns ihre fehlerhaften Theorien immer wieder verkaufen wollen.

    Das zufuegen von mehr Wasser aendert natuerlich nichts an der Anzahl der Nacktschwimmer (Kredite, welche abgeschrieben werden muessen, da nicht rueckzahlbar) sondern produziert nur noch mehr Nacktschwimmer, da es sich doch so gut anfuehlt, ohne Badehose zu schwimmen.

    • Sepp sagt:

      Es ist aber auch ein Dogma, dass man angeblich nicht nackt schwimmen dürfe.
      Warum meinen Gläubiger, sie hätten mehr Anrecht auf die Kredite, wie die Schuldner, Schulden zu machen! Obwohl beide einander bedingen.
      In den 5000 Jahren der Geldgeschichte hat man immer wieder feststellen müssen, dass die Ungleichgewichte sich irgendwann auf ein Niveau hochintegriert haben, dass nur noch ein Reset helfen konnte (Geldvermögen und Geldschulden ausgleichen). Die Methoden sind bekannt: Kriege, Inflation, Schuldenschnitt, Jubeljahr, usw.

      • Linus Huber sagt:

        @ Sepp

        Es geht nicht um das Recht der Glaeubiger oder Schuldner sondern um die manipulative Geldpolitik, welche einer Ponzi Scheme gleichkommt. Ich denke, dass wir sehr wohl jene zur Verantwortung ziehen sollten, welche massgebend das ganze Fiasko produzierten und die Angelegenheit nicht als Naturkatastrophe behandeln.

        Niemand scheint aus den von Ihnen angesprochenen Beispielen in der Geschichte die Lehre gezogen zu haben.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Sepp

        Ich schliesse daraus, dass Sie persönlich einen Reset Ihrer persoenlichen (und aller anderer) AHV-Beiträge auf Null Begrüssen würden, damit man unter anderem einigen zehntausend Einfamilienhausbesitzern die Schulden erlassen kann?

        • Sepp sagt:

          Das würde ich tatsächlich!!! Ich glaube nämlich, dass es keinen anderen Weg gibt. Man kann nicht von anderen erwarten, dass sie ihre Schulden abbauen, ohne dass der Gegenschritt auch getan wird. Das ist ganz einfache Mathe.
          Ausserdem fände ich das nicht weiter schlimm, denn auch nachher geht die Welt weiter. (Ich bin übrigens kein Sozialempfänger und hätte einiges zu “verlieren”.)
          (Und wenn schon geht es um die vermögensanhäufenden Pensionskassen und nicht um die umverteilende AHV!)

          • Alois Krieger sagt:

            Etwas naiv von Ihnen. Sie hätten wohl das Gefühl, das würde zu einer gleichmässigeren Verteilung der Vermögen führen. Leider ist das heute nicht mehr so einfach. Die meisten Reichen (die mit Unternehmen und Immobilien) nehmen Kredite auf. Das lohnt sich schon steuerlich, da man die Zinsen von den Steuern abziehen kann. Diese Leute würden auf einen Schlag viel Reicher. Ärmer würden Leute wie Sie, die ihr Geld auf Sparkonten und in Pensionskassen haben.

            Für die Armen wäre es wohl auch nicht so ideal, denn die Steuern trägt heute zu einem grossen Teil der Mittelstand. Dieser würde dann verschwinden, wie nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland.

      • Thomas Ernst sagt:

        Das ist eben der grosse Irrtum!

        Der Vermögende ist nicht auf einen Kreditnehmer angewiesen. Er kann sein Vermögen in geeigneter Form (Gold, Silber, Bilder, Rennpferde…) bei sich zuhause lagern.

        Das Dogma dass jedem Guthaben auch Schulden gegenüberstehen müssen, ist ein Artefakt der doppelten Buchhaltung und hat KEINE Entsprechung im echten Leben. (Umgekehrt schon. Schulden von A sind Guthaben von B.)

        • Sepp sagt:

          Ich habe ausdrücklich geschrieben “Geldschulden” zu “Geldguthaben”.
          Ausserdem müssen Schulden (fast immer) in Geld zurück bezahlt werden. Die Alternative ist nur noch, sein Tafelsilber zu verscherbeln oder auf Deutsch: Enteignung. Am Ende muss der Gläubiger ein Teil der Schulden dann doch abschreiben, aber dazwischen hat er die Enteignung zu seinen Gunsten durchgesetzt. Natürlich hier Gläubiger und Schuldner als Kollektiv. Der Einzelne ist sich die Dramatik des Vorgangs selten bewusst.

    • Sie haben mit der Bemerkung, dass “(…) Oekonomen im Dunkeln tappen und uns ihre fehlerhaften Theorien immer wieder verkaufen wollen” wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, ebenso wie “Sepp” oben mit den Hinweis, dass ein von Ökonomen berechneter Wetterbericht wohl keine 2 Stunden Gültigkeit haben würde (obwohl ich in diesem Fall widersprechen würde, da es sich um eine empirische Studie handelt, in der mathematische Berechnungen basierend auf realen Zahlen statt wilder ökonomischer Theorien gemacht wurden).

      Solange die Ökonomie ihren Sinn darin sieht, ihren Gott (Markt) um jeden Preis — einschliesslich des Verlusts von Realität, Rationalität, und Logik — vor Einflüssen durch den Staat zu schützen, werden wir weiter fehlerhafte, realitätsfremde oder schlicht unsinnige Theorien hören. Und wir alle, speziell der Mittelstand, wird dafür bezahlen müssen.

      Wenn andererseits die Ökonomie — wie im Artikel zitiert — tatsächlich einmal Wissenschaft betreibt (REPEAT: Beobachten, Hypothesen formen, Voraussagen herleiten, an der Realität überprüfen :REPEAT END), kommen kaum überraschend oft Resultate heraus, die den religiösen Dogmen widersprechen. Natürlich sorgt das unter der Priestergilde für Aufregung, aber jeder Priester des Freien Marktes könnte Groucho Marx zitieren: “Wem wollen Sie glauben, mir oder Ihren eigenen Augen…?”

      • Thomas Ernst sagt:

        @ Ralph

        Wer seinen eigenen Augen traut, wird von jedem Jahrmarktzauberer in die Irre geführt.

        Das Problem heute ist, dass die Leute ihren Augen (bzw. was diese aus der Glotze abgucken) trauen, statt das Gehirn einzuschalten.

      • Alois Krieger sagt:

        Welcher Ökonom macht dies? Die Ökonomen, die bei den Notenbanken an den Lenkhebeln stehen, sind nicht besonders Marktgläubig. Sonst würden sie mit ihren Massnahmen nicht seit Jahrzehnten den Markt verzerren.

        Ich habe Ökonomie studiert, und in den volkswirtschaftlichen Vorlesungen spricht man dauernd von “optimalen Steuersätzen”. Als ob die Steuern nichts kosten zum Eintreiben. Nein, Ökonomen sind längst nicht so “liberal” wie sie denken. Die 5-Jahrespläne im ehemaligen Ostblock waren auch die Idee von Ökonomen. Die meisten Stellen für Ökonomen (nicht Betriebswirtschafter) stellt die Verwaltung.

        Und die Prognosen von Ökonomen können nicht mit Naturwissenschaften verglichen werden. Es geht um das Verhalten von Leuten – und die verhalten sich nicht wie Maschinen. Viele Ökonomen gehen aber immer noch davon aus – weil die mathematischen Modelle davon ausgehen. Sonst lässt sich nichts berechnen – dafür werden sie aber bezahlt.

        • Selbstverständlich können Sie mit mathematischen Modellen die “Grossen Prozesse” der Wirtschaft beschreiben! Das Wetter ist ein chaotisches System, und auch wenn (oder besser gesagt: gerade weil) man die Position aller Luftmoleküle (N2, O2, …) nicht zu jedem Zeitpunkt kennt, kann man das Wetter bzw Klima mathematisch modellieren und überraschend gute Voraussagen machen.

          Meine Kritik war nie, dass die Ökonomie unsere Wirtschaft “im Grossen” mathematisch beschreibt, sondern dass sie Religion betreibt. Statt mit einer weissen Karte loszumarschieren, wohin auch immer ihr Weg führt, besteht ihr einziges Ziel darin, ihren Gott (Markt) vor Einflüssen “von aussen” zu schützen. Daher Behauptet sie, Gott sei im Gleichgewicht, sogar wenn ihre eigenen Thesen und logischen Argumentationen (geschweige denn die sichtbare Realität: FINANZKRISE!!!!!) diese Ansicht widerlegen (wenn ein Gleichgewicht besteht, können Einflüsse die Balance nur stören). Tatsächlich zeigt die Realität, dass Gott durchaus instabil ist und daher besser institutionalisiert (“reguliert”) bleiben sollte, aber was bedeutet schon Realität, wenn die Modelle ein mystisches Bild ewiger heiliger Gleichgewichte malen! Sogar Industrielle widersprechen den Thesen der Ökonomie bezüglich marginaler Kosten, aber was verstehen Industrielle schon von Wirtschaft! Die Weltwirtschtaft fliegt uns um die Ohren, gerade WEIL man auf die Ökonomen gehört und die Finanzmärkte liberalisiert hat, aber wieso soll man seine Thesen, in denen Krisen, Schulden und Geld gar nicht vorkommen, ändern, wenn man die Schuldenkrise Obama anhängen kann (kein Witz! Lesen Sie den Blog von Beat Kappeler!).

          Wenn den Ökonomen die Schlussfolgerung von Olivier “the state of macro is good” Blanchard (auch kein Heiliger) nicht glauben will, weil sie ausnahmsweise mit den schönen Thesen nicht vereinbar ist, sollte sie vielleicht tatsächlich die Verwendung von Mathematik in der Ökonomie verbieten.

          • Linus Huber sagt:

            ¨¨Die Weltwirtschtaft fliegt uns um die Ohren, gerade WEIL man auf die Ökonomen gehört und die Finanzmärkte liberalisiert hat¨¨

            @ Ralph

            Ich gebe Ihnen recht, dass dieser Umstand mit Grund der gegenwaertigen Situation darstellt. Jedoch unterlassen Sie daei zu erwaehnen, dass das Problem grundsaetzlich auf zwei Ebenen abspielte. Die Banken wurden durch Massnahmen von Zentralbanken und Regierungen seit 30 Jahren darauf ausgerichtet, dass sie nicht den marktwirtschaftlichen Prinzipien unterstellt sind. Wohl hat wohl die Bankenlobby in dieser Beziehung eine Erfolgsstory zu schreiben, aber im Endeffekt waren es die dauernden Hilfeleistungen hauptsaechlich der Zentralbanken, welche es den Banken schrittweise immer mehr erlaubte, hoehere Risiken einzugehen. Wenn man einer Industrie hilft und zugleich dereguliert, entsteht ein Selbstbedienungsladen. Am Anfang stand also die scheichende Veraenderung des Gedankengutes in der Finanzindustrie, welche das Risiko zunehmend der Allgemeinheit unterjubeln konnte.

            Wenn jedoch Banken den normalen Risiken der Marktwirtschaft ausgesetzt geblieben waeren, haette auch die Deregulierung kein Problem dargestellt, da das Businessmodell (Gewinne in die Taschen der Spekulanten, Verluste an die Adresse der Allgemeinheit) keinen Erfolg gezeigt haette, da schlechte Akteure schon lange ausgeschaltet worden waeren.

          • Herr Huber, Sie haben wie immer recht! Das (eigentlich überhaupt nicht) überraschende an unserer Situation ist ja gerade, dass man den Feuerwehrmann, der das Feuer gelöscht hat, ins Gefängnis steckt, während man den Brandstifter um jeden Preis rettet! Tatsächlich hätte man nach den “Regeln” der Marktwirtschaft die Banken in den Konkurs schicken müssen, während der Staat (etwa Irland oder Spanien als Musterschüler nach Maastricht) hätte in Ruhe gelassen werden müssen, statt ihn mit Austerität zu vernichten. Aber es gelten eben nicht die “Regeln” sondern die Regeln der Marktwirtschaft, und da hat der Markt immer recht. Und wenn er nicht recht HAT, dann MACHT man ihn eben recht: man rettet, was nicht sterben KANN und tötet, was nicht überlegen sein DARF.

          • Alois Krieger sagt:

            Linus: auf welche Ökonomen hat man gehört? Sie finden für jedes Thema einen Ökonomen der die eine oder die andere Meinung vertritt.

            Tatsächlich haben die Notenbanken die Märkte manipuliert, um ihre Kollegen bei den Investmentbanken vor Verlusten zu schützen. Das ist ein Problem der Politik. Wenn Ex Goldman Sachs Leute die Hälfte der Notenbanker stellen, sollt die Politik reagieren. Aber Goldman Sachs war einer der grössten Spender sowohl für die Demokraten wie für die Republikaner. Die USA haben nur noch pro-forma eine Demokratie. Alle vier Jahre können sie zwischen zwei von Unternehmen und Interessengruppen gekauften Kandidaten auswählen.

            Die undemokratische EU hat dasselbe Problem. Wenn die Lobbyisten sich in Brüssel mal eingenistet haben, werden wir dasselbe erleben.

        • Alois Krieger sagt:

          Rolf Sommerer: Das sind nicht die Regeln der Marktwirtschaft sondern die Regeln der Macht. Diese Entscheide wurden von Politikern getroffen.

          • Urs sagt:

            Politiker haben Macht?… Wo doch Geld die Welt regiert… heute mehr denn je.

          • Alois Krieger sagt:

            Mit Geld kauft man Politiker. Egal ob links oder rechts, sie sind alle zu kaufen. Die UBS adoptiert einen FDP-Bundesrat, Implenia den SP-Bundesrat, der vorher die lohnenden Aufträge vergeben hat.

  6. Tim sagt:

    IWF und Statistik, naja. Di Ökonomen sollten mal einen Blick auf Island oder die baltischen Staaten werfen. Dort hat radikales Sparen sehr geholfen.

    Merke: Geld, das der Staat NICHT ausgibt,ist ja nicht weg. Es wird nur anderswo ausgegeben oder investiert. Und zwar von den Leuten, denen es gehört.

  7. Vinxi sagt:

    Bei Wirtschaftsprognose und Entwicklungstheroien ist es absolut wichtig, dass man nur vorwärts schaut. Eine Nachprüfung des Ökonoms findet besser nicht statt, sonst hätten wir gar keine Wirtschaftsgurus mehr. Aber echt, wer so Gugus glaubt, soll nachhinein nicht jammern, dass die Infos falsch waren.

  8. Peter Waldner sagt:

    “Sparen” tut meines Wissens kein einziger jener Staaten, welche ständig von “Sparmassnahmen” reden. Sparen beginnt nämlich erst, wenn alle Schulden beglichen sind. Grosszügig kann man auch den Standpunkt vertreten, dass man von “Sparen” auch dann schon reden darf, wenn Schulden zurückbezahlt werden. In ALLEN “Sparstaaten” aber wird noch immer weit mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Und das zumeist für Kosten, die überhaupt nichts “multiplizieren”, ausser Aufwand und Kosten bei Bürgern und Firmen (Formulare, Vorschriften, Bewilligungen, Verwaltungstralala etc.)

    • Thomas Ernst sagt:

      @ Peter

      Nicht einverstanden. Sparen beginnt, wenn man in einer Periode mehr einnimmt als ausgibt. Den Betrag kann man dann nutzen, um bestehende Schulden zurückzuzahlen oder ein eigenens Vermögen anzuhäufen.

      Ich stimme Ihnen aber zu, dass in der öffentlichen Diskussion heute nicht unterschieden wird, zwischen laufenden MEHR-ausgaben (gegenüber den Einnahmen), was unbedingt gestoppt werden muss, und dem Zurückzahlen von alten Schulden, worüber man ggf. diskutieren kann, wann und wieviel.

      Das deutet darauf hin, dass die ganze Diskussion nur dazu dient, uns 99%ern Sand in die Augen zu streuen.

      Völlig alternativlos, selbstverständldlich!

  9. hans nötig sagt:

    IWF/IMF – Wo das zerstören von Volkswirtschaften zugunsten einiger weniger Institutionen noch Tradition hat.

    Wir kann man eigentlich noch auf einen Verein hören der seine Unfähigkeiten in den letzten 30 Jahren auf jedem einzelnen Kontinent (falls man Australien zu Asien zählt) unter Beweis gestellt hat?

  10. Heidi Müller sagt:

    Noch eine kleine Nachhilfe in Statistik:
    Die Kurve in Figure 1.1.1 ist ein schönes Beispiel für eine Regressionskurve mit Angelpunkt dar:
    Eine Regressionskurve durch einen Zufallshaufen, dessen Verlauf allein durch die Lage von ein paar weit exponierter Punkte (in diesem Fall GRC, IRL und DEU) bestimmt wird. Wäre ein Angelpunkt wie GRC weggelassen oder geringfügig verschoben, würde die Kurve einen völlig anderen Verlauf nehmen.
    Der höchstwahrscheinlich ziemlich erbärmliche Korrelationskoeffizient dieser Regression wurde nicht mal angegeben.

    Wer solchen statistischen Pfusch veröffentlicht, hat keine Ahnung oder kein Gewissen.
    Wer Millionen von Menschen und ihr Schicksal nach solchem Pfusch richten will, betritt aber Pfade, welche Scharlatane wie Lenin, Stalin und Hitler bereits wirlich hartnäckig genug ausgetrampelt hatten.

    • Der Lenin und Hitler Vergleich ist zwar völlig neben der Spur (was soll das?), aber die Anmerkung mit dem Korrelationskoeffizienten wahrscheinlich sehr richtig.

    • H.Trickler sagt:

      Das Problem beginnt leider viel früher, indem überhaupt nicht verlässlich abgeklärt wird, ob eine solche in der Vergangenheit beobachtete Eigenschaft für die Zukunft irgend eine Bedeutung hat.

    • Martin Holzherr sagt:

      Sehr gut bemerkt. “Zufallshaufen” trifft es. Damit stellt sich auch die Frage, ob der Multiplikator überhaupt etwas aussagt, bezugsweise eine Grösse ist, die ohne weiteres eruiert werden kann. Man muss sich bewusst sein, dass ein Multiplikator, definiert als Faktor, der den Einfluss von Veränderung der staatlichen Ausgaben oder Einnahmen auf das Wirtschaftswachstum misst, ja nicht isoliert vorliegt. Es gibt viele Einflussfaktoren auf das wirtschaftliche Wachstum. Wie will man da den Einfluss der staatlichen Ausgaben/Einnahmen aus all den Faktoren herausfiltern. Wie das methodisch gemacht wird, stellt der Artikel nicht dar.

  11. Thomas Ernst sagt:

    Wie meistens in der Medizin und Ökonomie werden massiv vereinfachte Modell zur Vorhersage von Wirkungsbeziehungen verwendet. Das gilt auch für den Keynes’schen Multiplikator.

    John Mauldin (übrigens einer der scharfsinnigsten Ökonomen die Newsletters aufbereiten – ich empfehle, diese zu abonnieren) hat schon vor etwa 10 Tagen basierend auf der Blanchard-Analyse die “Multiplikator-Theorie” näher untersucht. Er ist zum Schluss gekommen, dass es keinen “generellen” Multiplikator gibt, da zuviele Faktoren Einfluss nehmen.

    Entgegen der allg. Annahmen ist der Mulitplikator noch nicht mal im Wachstum und im Schrumpfen gleich, unterscheidet sich zwiswchen Sektoren, zwischen Ländern, und Regionen.

    Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es einen Zusammenhang gibt. Fantastisch. Darauf wären wir ohne Keynes nie gekommen.

  12. Marcel Senn sagt:

    Der Fiscal Multiplier von amerikanischen Food-Stamps ist 1.73 – ein richtiger Top-Wert! Aber das erkennen leider nicht alle

  13. Marcel Senn sagt:

    Der Fiscal Mulitplicator für eine grosse hochmodern ausgerüstete griechische Steuerfandungstruppe dürfte sich um die 70-90 bewegen.

    • thomas ernst sagt:

      @ Marcel

      Sie haben offenbar das Konzept des Multiplikators nicht verstanden.

      Der Multiplikator sagt, um wieviel die Wirtschaftsleistung steigt, wenn der Staat 1 EUR ausgibt.
      Was Sie ansprechen, sind nur die Steuereinnahmen, die sich durch die Steuerfahndungstruppe erhöhen dürften. Die Frage ist, um wieviel die Wirtschaftsleistung in GR SINKT, wenn man die Steuern abkassiert.

      Ich würde davon ausgehen, dass der Multiplikator von Steuern bei Normalverbrauchern in GR über 1 liegt, d.h. jeder vom Staat abgegriffene EUR reduziert die Wirtschaftsleistung um MEHR als 1 EUR, da die Leute das Geld sonst in der Wirtschaft ausgeben würden und so neue produktive Arbeitsplätze schaffen.

      Gleichzeitig nehme ich aber an, dass bei Wohlhabenden und Reichen der Steuermultiplikator deutlich UNTER 1 liegt, da diese Leute das Geld sonst irgendwo horten würden und nicht die griechische Wirtschaft ankurbeln.

      • Sepp sagt:

        @Thomas, diese Überlegung finde ich nicht zu Ende gedacht. Das Problem liegt doch nicht am Steuern eintreiben, sondern daran, für was die Steuern verwendet werden. Selbst der ineffizientest Beamte gibt sein Salär auch aus und unterstützt so die Wirtschaft. Griechenland muss aber jeden zusätzlich eingetriebenen Euro für die Schuldenamortisation einsetzen. Dieser zusätzliche Euro verschwindet aus dem (griechischen) Wirtschaftskreislauf; und das ist das Kernproblem des zu raschen Sparens.

      • Marcel Senn sagt:

        @Ernst: In Griechenland gibt es je nach Schätzung Steuerhinterziehung zw. 20-30 Mrd € pro Jahr. Wenn der Staat jetzt zusätzlich Mittel von sagen wir mal 400 Mio in die Steuerfahndung investiert und damit von der Steuerhinterziehern sagen wir mal 15 Mrd zusätzliche Einnahmen kassiert, dann wäre das ein Bruttomultiplikator von 38. Ohne Steuerfahndung wäre von den 15 Mrd. vielleicht die Hälfte ins Ausland geflossen (z.B. in die CH), ein Viertel in GR als Spargeld geblieben und ein Viertel konsumiert/investiert worden. Den Bruttomuliplikator müsste man jetzt um die wirtschaftlichen Effekte dieses Viertels bereinigen (dürfte ja mehr als ein Viertel sein mit den positiven wirtschaftlichen Effekten).
        Gebe zu, dass ich mit 70-90 einiges zu hoch gegriffen habe, aber der Multiplikatoreffekt einer effizienten Steuerfahndung bei Steuerhinterziehung dürfte doch noch so um die 20 sein.

        PS: Wussten Sie, dass GR die dritthöchste Aerztedichte und fünftgrösste Anwaltsdichte der Welt hat – diese Berufsgruppen (nebst Ingenieuren und Journalisten) werden in grossem Masse verdächtigt massiven Steuerbetrug betrieben zu haben – es gibt Anwälte, die vor ihren Kollegen noch mit den Steuerrückvergütungen unverhohlen geprahlt haben. Im Tourismusbereich wird auch ziemlich viel schwarz gemacht. (daneben gibt es sonst noch viel Steuerbetrug bei Gewerblenr, Handwerkern und natürlich auch gewissen Industriellen)
        Also eine hochmoderne Steuerfahndungstruppe könnte noch einiges rausholen aus dem Volkssport Steuerbetrug!

        • Marcel Senn sagt:

          @Ernst: Einen Denkfehler habe ich schon gemacht, die zusätzlichen Steuereinnahmen werden ja vor allem zur Schuldentilgung gebraucht und kommen nicht durch z.B. zusätzliche Staatsangestellte wieder der Wirtschaftsleistung zugute. Vermutlich ist die Steuereintreiberei im ganzen Multiplikatorumfeld ein Sonderfall. Aber lohnen würde es sich sicher für Griechenland – wenn nur die Mentalität etwas anderst wäre….Jahrzehntelang Steuerbetrug und dann plötzlich ehrlich…das ist schwierig!

          • Thomas ernst sagt:

            @ Marcel

            Genau das ist der Punkt: Wenn der Staat Steuern abgarniert hat, ist das Geld zunächst für den Wirtschaftskreislauf verloren. Wenn damit ausländische Gläubiger bezahlt werden ist es futsch.

            Die Frage ist, wieviel % von den Steuereinnahmen gehen am Ende wieder in die Wirtschaft? Dies ist der im Blog diskutierte Multiplikator, und der ist eben unbekannt, aber sicher variabel, und sicher nicht so banal wie die Ökonomen landauf landab uns weismachen wollen.

            Die Steuerehrlichkeit – ein Problem für sich – hat nichts mit dem Multiplikator zu tun.

          • Thomas ernst sagt:

            PS

            Wenn die Griechen auf Pump leben, aber wegen Merkels alternativlosem Festhalten am EUR nicht aus der Währung geworfen werden können, bezahlen die Deutschen den Griechen die Schulden.

            Wenn man eine bissige Steuerbrigade einsetzt, zahlen die reichen Griechen mit ihren Steuern die Schulden.

            Weswegen genau sollte die griechische Regierung ihre reichen Staatsbürger schröpfen, wenn Mutti Merkel schon zugesagt hat, dass sie die deutschen Steuerzahler schröpfen wird?

            Also als Grieche wäre es mir auch lieber, die Deutschen zahlen meine Fruehpensionierung. Das Geld der reichen Griechen heben wir uns für später auf…

          • Alois Krieger sagt:

            Thomas Ernst: Merkel will die Griechen nicht aus dem Euro entlassen, weil dann auf einen Schlag klar wird, wieviel der Euro den deutschen Staat gekostet hat. Deutschland hat 10 Jahre lang gespart, das Geld liegt auf den Banken, diese haben jetzt 1000 Mrd. Guthaben bei der EZB. Griechenland, Spanien und ein paar andere Länder schulden der EZB diesen Betrag. Wenn Sie dem Euro austreten, dann hat Deutschland auf einen Schlag 50% mehr Schulden.

            Die Deutschen haben jetzt die Wahl das Geld langsam zu entwerten, möglichst so dass es der Bürger erst möglichst spät merkt oder die Verluste zu realisieren. Natürlich wählt dann niemand dieselben Politiker wieder, die das verantwortet haben. Das Volk wollte den Euro ja nicht, aber sie konnten nicht abstimmen.

            Die Ironie am ganzen ist, dass wir uns gegen einen Eurobeitritt wehren konnten, die Nationalbank hat ihn dann aber per Hintertür eingeführt. Bald wird ein Aufheben der Euro-Untergrenze zu teuer, dann können wir unsere Ersparnisse im Gleichzug mit den Deutschen vernichten.

  14. Ekkehard Wenger sagt:

    Was wird uns denn hier wieder durch Herrn Blanchard und Herrn Meier nahe ge legt? Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten über die Zeitachse zu schieben, bis sie weniger kontraktiv wirken? Selbst wenn die Zahlen und ihre Interpretation verlässlich wären – was alles andere als gesichert ist, aber zugunsten der beiden Herren einmal unterstellt sei -, dann wird das wahre Problem davon nur am Rande berührt. Es besteht darin, dass eine Reihe von Ländern über seine Verhältnisse gelebt hat und noch lebt und dass dies über Auslandsverschuldung finanziert worden ist. Die Aussicht, Sparmaßnahmen aufschieben zu können, impliziert dann die Verheißung, dass man noch ein wenig länger auf Kosten des Auslands leben und/oder eine vollwertige Rückführung der Schulden verweigern kann. Die Frage ist dann, ob es zu einem Schuldenschnitt kommt – womit das Ausland geprellt und das Leben über die eigenen Verhältnisse belohnt wird – oder ob der Lebensstandard der Bevölkerung so weit reduziert wird, dass die Auslandsschulden bedient werden können. Für die Gläubiger mag eine Streckung der Schuldentilgung besser sein als ein Zusammenbruch der Schuldnernationen; wenn die Gläubiger ein Mindestmaß an ökonomischer Vernunft walten lassen, kann aber eines nicht in ihrem Interesse sein: Dass die Schuldner die Anpassung des Lebensstandards an ihre Leistungsfähigkeit so weit hinauszögern, dass sie – womöglich bis zum Sankt Nimmerleinstag – weiterhin von den Gläubigern alimentiert werden müssen. Natürlich werden sich die Gläubiger dann, soweit sie Waren auf Kredit geliefert haben, nach neuen Absatzmärkten umsehen müssen, wo sie zu Recht erwarten dürfen, dass ihre Rechnungen am Ende bezahlt werden – oder sie werden den Teil des Bruttoinlandsprodukts selbst konsumieren müssen, der in der Vergangenheit in den Schuldnerländern verfrühstückt wurde. Zumindest in diesem Umfang kann es – Blanchard hin oder Meier her – keine Befreiung von sofortigem Sparzwang geben – es sei denn, in den Gläubigerländern ist die Bereitschaft vorhanden, sich von den Schuldnerländern weiterhin verarschen zu lassen. Leider wird Deutschland von Kräften regiert, die nicht frei von dieser Bereitschaft sind, wobei die parlamentarische Opposition diese Bereitschaft geradezu kultiviert hat. Also fließt vorläufig weiter ausländisches Geld in den griechischen Staatshaushalt, statt dass die Profiteure des griechischen Staatsausgabenunwesens den Gürtel so eng schnallen müssen, dass das Ausland nichts mehr zuschießen muss. Dass die nominelle Staatsverschuldung und staatliche Sparzwänge dabei nicht entscheidend sind, zeigt im Übrigen das Beispiel Spaniens. Dort hofft man, dass die ausländische Ressourcenzufuhr möglichst weitgehend innerhalb des Bankensystems verarbeitet wird, damit der Staat nicht einspringen muss, um die aus der Finanzierung von Bauruinen resultierenden Löcher in den Bilanzen der spanischen Banken zu stopfen. Ob die spanischen Sparer mangels Werthaltigkeit ihrer Bankguthaben oder statt dessen die ansonsten zum Ausgleich herangezogenen spanischen Steuerzahler den Gürtel enger schnallen müssen, kann den Ausländern egal sein; entscheidend ist, dass in Spanien insgesamt der Gürtel enger geschnallt wird, statt dass dort auf Kosten des Auslands gelebt wird. An dieser simplen Wahrheit würde auch ein Staatsausgaben-Multiplikator von zehn nichts ändern. Eine ganz andere Frage ist die, ob die Sparzwänge die jetzt erreichten Ausmaße hätten annehmen können, wenn sich die genannten Länder nicht in das Korsett der Euro-Zone hineingezwängt hätten. Auf dem Wege der Abwertung der eigenen Währung lässt sich eine Reduktion des Lebensstandards der Bevölkerung mit weitaus geringeren Friktionen bewältigen. Was uns Blanchard vorrechnet, wäre, wenn es zutrifft, vor allem ein Plädoyer dafür, die Euro-Zone zu zerlegen, damit der Abbau von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten nicht auf Maßnahmen mit kontraktiver Wirkung hinausläuft. Die nicht unbeträchtlichen Kosten, die heute mit einer Zerlegung der Euro-Zone angeblich verbunden wären, reflektieren nur den Umstand, dass in der Frage, ob und inwiefern die zwischen Schuldnern und Gläubigern aufgelaufenen Salden bedient oder gestrichen werden, in jedem Fall noch heftige Auseinandersetzungen bevorstehen.

  15. Thomas ernst sagt:

    @ Ekkehard

    Die Unterteilung des Gedankengangs in Abschnitte erleichtert das Lesen ungemein. Einfach gelegentlich zwei Zeilenvorschübe einfügen. Ist ganz einfach.

    Danke!

  16. Michael Schwarz sagt:

    Das Problem liegt nicht bei der Sparpolitik der EU. Die Sparpolitik aus langer Sicht die Überbewertung korrigiert. Der Rückgang des BIP ist auf die ängstliche Geldpolitik der EZB zurückzuführen. Die Geldpolitik der EZB ist so zurückhaltend, dass der Output in EU nicht stabilisiert wird können, weil die EZB seit drei Jahren sich verweigert den Zinssatz auf null zu senken.

    • Linus Huber sagt:

      @ Micheal

      Geil wie Sie den Wagen vor die Pferde spannen. Entsprechend Ihrer Theorie (sowie der Theorie von den meisten heutigen Oekonomen) wird Wohlstand durch Kreditmengenausweitung (resp. Geld drucken) erreicht. Warum also verzehnfachen wir nicht einfach die Bilanzen der Zentralbanken um das 10fache? Damit waere anscheinend das Problem geloest.

      Nominales Wachstum entspricht nicht unbedingt zunehmendem Wohlstand sondern wirkt langsam contraproduktiv, da es hauptsaechlich die Einkommensschere weiter oeffnet und den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft schrittweise gefaerdet. Kaufkraftverlust laesst sich auch mit Geld drucken nicht vermeiden und damit bricht der Konsum schrittweise ein. Dies wird ebenfalls die produktiven Bereiche der Wirtschaft langsam beeintraechtigen und mit entsprechender Reduktion der Gewinne ebenfalls die Aktienmaerkte sowie die Junkbonds negativ beeinflussen, womit natuerlich auch die 1% betroffen sein duerften.

      Ihre Idee beruht auf der genau falschen Geldpolitik der letzten 30 Jahre.

      • Michael Schwarz sagt:

        @Linus Huber:

        Wir haben eine trade-off Situation, die einerseits man sparen muss, andererseits benötigt man Wachstum zu gleicher Zeit. Der Rückgang des Outputs durch der Sparpolitik kann durch der monetäre Politik wieder ausgleichen. Somit kann man die trade-off Situation auflösen.

        Die Kontraproduktivität der expansiven Geldpolitik betrifft zur Zeit dem Fed, weil die US-Wirtschaft tief in Liquidity Trap steckt, deshalb wirkt die Geldpolitik des Gelddrucks nicht mehr – der Wirkungsgrad ist null. Die Ursache liegt in der vergangener Geldpolitik, nämlich der ZInssatz und die Steuer zu tief und zu lang gehalten. Dies hat zur höherer Verschuldung, grösseres Ungleichgewicht und die Spaltung der US-Gesellschaft geführt. Die Situation in der EU ist ein wenig anderes als in USA – der Spielraum in EU ist grösser als in den USA.

        Sie müssen von der Vorstellung (capital market = direct investment= gut für Wirtschaft und Wachstum) befreien. Diese Vorstellung ist das grösste Irrtum letzter 30 Jahren. Das ist auch die Hauptursache für das Ungleichgewicht bei der Eink. Verteilung und dem Zusammenbruch der demokratischen Gesellschaft.

        • Linus Huber sagt:

          @ Micheal

          Sie erkennen nicht, dass wenn die Blase (Kreditblase) einmal geplatzt ist, wie ich annehme dies heute der Fall ist, es keine eleganten und schmerzlosen Loesungen mehr gibt. Weder das Festhalten noch andere fragwuerdigen Strategien werden den Kaufkraftverlust verhindern. Es geht dabei nicht um dogmatische Theorien sondern rein um die Frage, ob wir dabei Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie schrittweise opfern oder ob wir jene zur Verantwortung ziehen, welche dafuer zustaendig waren, oder jene, welche in keiner Weise damit verbunden waren und auch nie davon profitierten in der Vergangenheit.

          Es verlbeibt einzig die Frage auf wessen Buckel die Hauptlast landet.

          • Roli sagt:

            Die Frage auf wessen Buckel die Schulkden landen ist doch ganz klar, auf den Bürgen des Staates.
            Die Bürger sind eben die Bürgen!
            Der grösste Denkfehler im ganzen Schlammassel sind die Formeln mit denen die Ökonomen die Wirtschaft steuern wollen. Es sind doch alles nur Annahmen und es ist nicht exakte Mathematik. Warum soll ein Defiziut von 3% gut sein und eine Inflation von 2%. Alle rechenen mit weiterm Wachstum, aber die Erde ist nicht unendlich, die Energie ist nicht unendlich billig. Bei steigender Nachfrage wird die Energie teurer, das Wachstum hängt vom Bevölkerungswachstum ab – in Japan und in Europa gibt es zu wenig Nachwuchs, die Bevölkerung wird schrumpfen. Die wachsenden Staatsschulden müssen später von weniger Erwerbstätigen zurück bezahlt werden. Wir leben auf Pump auf Kosten der nächsten Generation.
            Als Lösung vergrössern wir die Geldmenge, so ein Mist! Mit Geld drucken kann man keine Schulden bezaheln. Die Geldmenge wächst mit dem Zinseszins schneller wie die Wirtschaft, die kann nicht exponentiell wachsen. Die Diskrepanz wird immer grösser -man muss immer mehr Geld ins System stecken (exponentiell) um Wirtschaftswachstum (linear) zu erzielen.
            ES GIBT NUR EINE LÖSUNG:
            Man müsste alle Vermögen um 10% kürzen und gleichzeitig eine Schuldenbremse einführen, es dürfen ab sofort keine weiteren zusätzlichen Staatsschulden gemacht werden. Dann kämen wir aus dem Schlammassel heraus unddie Abwärtsspirale wäre gestoppt. Boston Consulting Group hat einen entsprechenden Vorschlag gemacht. (10% gelten für Deutschland, führt zu Verschuldungvon max 60%)
            Aber dazu haben unsere Politiker nicht das Rückgrat um den Leuten klaren Wein einzuschenken. Retten kan man sich nur wenn man Gold kauft und zwar physisch, solange es noch nicht verboten oder mit prohibitiven Mehrwertsteurn belegt wird.

          • Linus Huber sagt:

            @ Roli

            Es gbt verschiedene Akteure in diesem Bereiche, welche unterschiedlich mit dem Problem verknuepft sind. Einerseits haben wir die Investoren, welche nach meiner Meinung die Kosten von schlechten Entscheidungen in erster Linie zu tragen haben (natuerlich sind dabei auch viele Buerger etc. vertreten) und andererseits sitzt der einfache Sparer, welcher ein paar Sparfranken auf die Seite legte und sich dementsprechend immer vorsichtig und risikoscheu verhielt und demzufolge in keinen Zusammenhang gebracht werden kann mit diesen Investitionsentscheiden. (Natuerlich ueberschneiden sich diese Positionen auf verschiedenen Ebenen, da fast jeder sich auf beiden Ebenen bewegte)

            Sie liegen sicherlich richtig, wenn Sie die demgraphische Entwicklung mit beruecksichtigen und ebenfalls, wenn Sie die Geldpolitik kritisieren. Ebenfalls geht der Vorschlag der Abschreibung von bestehenden nicht rueckzahlbaren Schulden in die Richtung, welche ich als korrekt einstufe.

            Jedoch braucht es keine zentralplanerische Aktion, in welchem saemtliche Schulden um 10% reduziert werden, sondern ganz einfach die Akzeptance von Insolvenz, in welchem manch ein Staat steckt. Es ist mathematisch eine Unmoeglichkeit, dass Griechenland je seine Schulden begleichen wird und die Insolvenzverschleppung produziert jedoch massive Mehrkosten (vor 2 oder 3 Jahren waeren 40-50 Mia genug gewesen und heute wuerde es ueber 200 Mia kosten). Ebenfalls wird durch diese Insolvenzverschleppung sowie der fragwuerdigen Politik der Zentralbanken die Moeglichkeit geboten, dass sich die eigentlichen Investoren, welche sich fuer diese Investition entschieden, sich dessen entledigen koennen und die Kosten der Fehlentscheidung damit schlussendlich beim Staat und somit beim Buerger landet. Dies verschleiert den Marktmechanismus, was natuerlich zur allgemeinen Verunsicherung beitraegt, foerdert hingegen die spekulativen Akteure weiter in ihrem Bemuehen von Gewinne privatisieren, Verluste auf die Allgemeinheit abwaelzen.

  17. Linus Huber sagt:

    Was mir oft auffaellt, ist der Umstand, dass gleiche Begriffe verwendet werden fuer kurzfristige Phaenomene und langfristige Entwicklungen. Dies fuehrt oft zu Missverstaendnissen zwischen den Diskussionsteilnehmern.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Linus

      Ich habe das Gefühl, dass hier Missverständnisse entsteht. Wie ich zuvor bereits erklärt habe, die geldpolititschen Massnahme, die expansiv oder restriktiv sie auch sind, langfristig bleiben sie wirkungslos auf die Realwirtschaft, sie gehörten zu Flickwerkzeugen, die nur kurzfristig wirkungsvoll sind. Am Ende muss die Realwirtschaft sich selbst tragen können, ohne staatliche Unterstützung, geldpolitiksche Manipulation oder Verringung der Steuereinnahmen.

      Die Situation in der EU-Zone ist aussergewöhnlich kristisch, das wollte Draghi nicht sehen, Arbeitslosigkeit von 11.6% und steuert in der Richtung 15% zu. Das Ergebnis ist sozialer Unruhe, steigende Kriminalität und den Zusammenbruch der demokratischen Strukturen in EU-Zone, deshalb ist die Inflation in EU der kleinste Übel ist, als wenn man einen strukturellen Zusaemmenbruch in EU-Zone risikieren würde. Das haben weder Merkel noch Draghi bis heute verstanden – man muss den kleinsten Übel wählen, um das Überleben der EU-Zone zu sichern.

      • Michael Schwarz sagt:

        Was Ben Bernanke in letzten drei Jahren umsetzte, hat mit der Geldpolitik wenig zu tun. Weil das Ziel seiner Geldpolitik am Ende nicht mehr um die Realwirtschaft ging, sondern ging um die Aufrechterhaltung der Ideologie und monetären Theorie. Die EZB hat in letzten drei Jahren definitiv besseren Job gemacht als Fed. Aber die Arbeitslosigkeit in der EU steigt auf einen kritischen Niveau an und ohne Hoffnung auf Stabilisierung, deshalb muss die EZB den entscheidenden Betrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes leisten. Bis heute drückt Draghi sich von solcher schmerzhaften Entscheidung.

        • Alois Krieger sagt:

          Was meinen Sie mit einem besseren Job? Hat die EZB mehr Gelder von den Sparern an die Kreditnehmer verteilt? Ist das sinnvoll? Wem kommt das zugute?

  18. H.Ewerth sagt:

    Es fängt doch schon bei der Wortwahl an: „ Wir schwimmen heute im Geld“ wer bitte schön wir? Richtig eine Minderheit schwimmt im Geld, während andere trotz drei Jobs, nicht einmal mehr die Lebenshaltungskosten finanzieren können. Schulden im Übrigen sind nichts schlimmes, solange für Investitionen also Schulen, Bildung. Kein Unternehmen wird heute alles Bar bezahlen, schon alleine wegen der Steuer. Heute kommt es doch kaum noch darauf an, ob am Markt erfolgreich, solange man eine Politik der Steuervermeidung betreibt. Die Kosten sozialisieren aber die Gewinne privatisieren? Wenn nur ein Bruchteil der Gelder statt in die Finanzmärkte zur Spekulation verwendet worden wären, in die Realwirtschaft fließen würden, hätten wir wohl weit weniger Probleme mit den sog. Schulden! Aber wie sagte schon Roosevelt: „Vom organisiertem Geld regiert zu werden, ist genauso schlimm, wie vom organisiertem Verbrechen regiert zu werden.“ Und wie man hier in Teilen der Medien und Bloggern, ablesen kann, haben viele kein Problem vom organisiertem Verbrechen regiert zu werden, solange man dabei die Kosten sozialisieren und die Gewinne privatisieren und in die weltweiten Steueroasen verschieben kann.

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