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Der 1937-Effekt

Mark Dittli am Freitag den 19. Oktober 2012
Tatendrang: Präsident Roosevelt bei seiner Arbeit im July 1932.

Tatendrang: Franklin Roosevelt bei seiner Arbeit im Juli 1932. (Bild: Keystone)

Geschichte hat eine ungemütliche Eigenschaft: Sie kennt rückblickend nur einen Pfad, alternative Geschichtsverläufe lassen sich nie beweisen.

Wie sähe die Welt heute aus, wenn Wien 1529 oder 1683 gefallen wäre?

Was, wenn Adolf Hilter wie seine drei älteren Geschwister schon als Baby gestorben wäre?

Was, wenn am 26. Oktober 1962 Valentin Savitsky, der in Panik geratene Kapitän des sowjetischen U-Bootes B-59, vor Kuba seinen Nukleartorpedo auf die USS Beale abgefeuert hätte?

Die gleichen Gedanken lassen sich auf die Wirtschaftsgeschichte anwenden: Was wäre mit der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten geschehen, wenn die USA, China und Japan im Winter 2008/2009 kein mit fast 2000 Milliarden Dollar dotiertes Stimulusprogramm beschlossen hätten? Die Ökonomen Barry Eichengreen und Kevin O’Rourke haben damals anhand verschiedener Indikatoren dargelegt, dass die Weltwirtschaft Ende 2008 auf dem gleichen, steil abwärts gerichteten Pfad war wie in den frühen Dreissigerjahren. Haben die Stimulusprogramme sowie die enorm expansive Geldpolitik diverser Notenbanken eine zweite Grosse Depression verhindert?

Beweisen lässt es sich nicht.

Diese Frage ist auch heute wieder aktuell, in der Debatte, ob der harte Austeritätskurs, der südeuropäischen Ländern wie Spanien auferlegt wird, sinnvoll ist.

Der Internationale Währungsfonds hat diese Debatte in seinem World Economic Outlook neu lanciert. Kollege Diem Meier hat in diesem Blogbeitrag bereits intensiv über den Report berichtet. Die Schlüsselstelle im Report (hier abrufbar) ist auf den Seiten 41 bis 43 zu finden, wo IWF-Chefökonom Olivier Blanchard darlegt, dass der bislang angenommene Fiskal-Multiplikator deutlich zu niedrig gewesen sei.

Was bedeutet das? Vereinfacht gesagt hatte der IWF bislang einen Multiplikator von 0,5 angenommen, das heisst, wenn der Staat seine Ausgaben um 2 Prozent zurückfährt, schrumpft das BIP des betreffenden Landes um 1 Prozent. Eine empirische Untersuchung des IWF habe jedoch gezeigt, dass der Multiplikator eher zwischen 0,9 und 1,7 liege, schreibt Blanchard. Das heisst im Extremfall, dass eine Kürzung der staatlichen Ausgaben um 2% einen BIP-Rückgang von 3,4% zur Folge hat.

Im Kern geht es also um die Frage, ob die harte Sparpolitik überhaupt zum Ziel führt, das heisst, ob die Kürzungen im Staatshaushalt auch tatsächlich zu einer Verringerung des Budgetdefizits und letztlich der Staatsschulden führen.

Blanchard bezweifelt es. Der IWF mahnt daher, den Spardruck nicht zu übertreiben.

Doch wie ist es überhaupt möglich, dass Kürzungen in den Staatsausgaben nicht zu einer Verkleinerung des Budgetdefizits und der Staatsschulen führen? Intuitiv wäre doch klar, dass weniger Ausgaben auch weniger Schulden bedeuten.

Leider ist es nicht so einfach. Zunächst muss nämlich festgestellt werden, in welcher Art Rezession sich ein Land überhaupt befindet.

Handelt es sich um eine normale Rezession, wie sie in der westlichen Welt in der Nachkriegszeit üblich waren, sollte der Staat tatsächlich einfach abseits stehen und nichts unternehmen. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn das Land in einer Bilanzrezession steht (ein von Richard Koo, Vorsitzender des Nomura Research Institute in Tokio, geprägter Begriff). In diesem Kommentar und in diesem Blogbeitrag haben wir das Thema bereits ausführlich beschrieben, daher hier nur kurz: In einer Bilanzrezession baut der Privatsektor eines Landes – Unternehmen oder private Haushalte oder beide – seine Schulden ab und saniert seine Bilanz. Konsum und Investitionen sinken als Folge davon kräftig.

Kürzt in dieser Situation nun auch noch der Staat seine Ausgaben, schraubt sich die Volkswirtschaft immer tiefer in die Rezession. Als Folge davon sinken die Steuereinnahmen des Staates, während die Ausgaben für automatische Stabilisatoren wie die Arbeitslosenversicherung weiter steigen. Folge davon ist ein weiterhin hartnäckig hohes Budgetdefizit – und das, obwohl der Staat eigentlich zu sparen versucht.

Leider ist es auch hier schwierig, den Beweis zu erbringen, welcher Weg – harte Austerität oder eine fiskalpolitisch gedämpfte Übergangsphase, mit glaubwürdigen mittelfristigen Plänen zur Haushaltskonsolidierung – die besseren Resultate liefert.

Was aber ins Feld geführt werden kann, ist die historische Erfahrung. Und die spricht gegen einen zu harten, kurzfristig ausgerichteten Austeritätskurs.

Beweisstück 1: In den Jahren 1935, 1936 und 1937 hatte sich die US-Wirtschaft sukzessive vom Einbruch der Grossen Depression erholt. Anfang 1937 hatten der industrielle Output und die Unternehmensgewinne wieder das Vorkrisenniveau von 1929 erreicht. Die Arbeitslosenrate war vom Höchststand von 25% im Jahr 1933 auf 14,3% gesunken. Der Aktienmarkt hatte sich seit Mitte 1932 vervierfacht und wieder den Stand von 1928 erreicht.

Dann beschloss die Regierung von Franklin D. Roosevelt, die Staatsausgaben zu drosseln und das Budget zu konsolidieren. Doch wie sich herausstellen sollte, war der immer noch in einer Bilanzrezession steckende Privatsektor noch nicht bereit dazu: Mitte 1937 sackte die Wirtschaft wieder in die Depression zurück, die Arbeitslosenrate schoss auf 19% und der industrielle Output brach um 37% ein. Die Kurse an der New Yorker Börse halbierten sich bis 1938 wieder.

Der verfrühte Versuch Roosevelts, das Staatsbudget auszugleichen, könnte die Depression um mehr als zwei Jahre verlängert haben.

Beweisstück 2 liefert Japan: Nach dem Platzen der dortigen Immobilien- und Aktienblase Anfang 1990 fiel das Land in eine hartnäckige Bilanzrezession. Der Staat hielt mit Fiskalstimuli dagegen, die Staatsschulden stiegen Jahr für Jahr. 1997 beschloss die Regierung von Premier Ryutaro Hashimoto einen Sparkurs und versuchte, das Staatsbudget auszugleichen.

Auch in diesem Fall war die Realwirtschaft noch nicht in der Lage, die Rolle des Wachstumsmotors zu übernehmen, wie folgende Grafik von Richard Koo eindrücklich zeigt:

In den Jahren nach den Hashimoto-Reformen sackte Japans Wirtschaft in die Rezession zurück, als Folge sanken die Steuereinnahmen (weisse Balken), und das Budgetdefizit (dunkle Balken) stieg sprunghaft an. Vier Jahre später versuchte Premier Junichiro Koizumi das gleiche Experiment, mit exakt dem gleichen Resultat.

Diese beiden Episoden aus der Geschichte, gekoppelt mit der Untersuchung von IWF-Chefökonom Blanchard, zeigen die Gefahren eines zu frühen staatlichen Sparkurses in einer von einer Bilanzrezession geplagten Wirtschaft.

Leider wird diese enorm wichtige Frage, welcher Weg eher zum Ziel führt, gegenwärtig durch eine ideologisch verzerrte Optik betrachtet: Auf der einen Seite die Anhänger der "österreichischen" Schule, die jede Art staatlicher Schuldenwirtschaft ablehnen, auf der anderen Seite die Pseudo-"Keynesianer" (Keynes würde sich übrigens im Grab umdrehen, aber das ist eine andere Geschichte), die das Heil in weiteren Staatsausgaben sehen.

Dabei müsste die Frage ideologiefrei und mechanisch betrachtet werden. Zwei starke historische Beispiele - die USA 1937 und Japan 1997 - sprechen dafür, dass eine zu frühe Kürzung der Staatsausgaben in einer Bilanzrezession kontraproduktiv wirkt. Wie sieht es mit Gegenargumenten aus?

Enden wir also mit einem Aufruf an Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs: Melden Sie uns historische Beispiele von Ländern, die es mit einem harten staatlichen Austeritätskurs geschafft haben, sich aus einer hartnäckigen Bilanzrezession/Depression zu befreien, ohne - und diese Einschränkung ist zentral, denn schliesslich geht es aktuell um Spanien - ihre eigene Währung abwerten zu können. Zweite Einschränkung, um zu verhindern, dass sie hundertfach genannt werden: Bitte Estland und Lettland nicht nennen. Zu diesen beiden Ländern gerne bald mehr in diesem Blog.

Noch eine Meldung in eigener Sache: In den kommenden Wochen ist unser Blog-Team ferienbedingt etwas ausgedünnt. Die obengenannte Fragestellung werden wir daher frühestens Mitte November behandeln können.


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Keine Kommentare zu „Der 1937-Effekt“

  1. Sepp sagt:

    Wenn man gleichviel Aufwand wie in die globale Wettervorhersage stecken würde, sollte sich doch die weltweite Wirtschaft ein Stück weit nachbilden lassen. Natürlich müssten die Highspeedtrading-Rechenzentren, die man dazu verwenden könnte, einen anderen Wert optimieren als den eigenen Gewinn.

    • H.Trickler sagt:

      Auch die Wettervorhersage ist aus physikalischen Gründen über mehr als paar Tage derart unzuverlässig dass sich der Rechenaufwand nicht lohnt!

      In der Wirtschaft meinen einige Gutmenschen z.B. im IWF dass sie mehr könnten, aber wie der IWF-Bericht zeigt müssen auch sie mit Wasser kochen.

  2. Hans Graber sagt:

    Wenn der Staat seine Defizite verringert, dann verringert sich automatisch auch der Privatsektor. Staatsausgaben verschwinden ja nicht in einem schwarzen Loch. Staatsausgaben entstehen, wenn der Staat auf dem Markt Dienstleistungen und Güter einkauft. Staatsschulden sind ergo die Guthaben im Privatsektor.

    Nun kann ein Land mit Aussenhandelsüberschuss bis zu einem gewissen Grad (nämlich genau bis zum Überschuss) sowohl Privatsektor als auch Staatshaushalt mit diesem Überschuss finanzieren. Der Preis sind jedoch Güter, die man herstellen und exportieren muss und die dann nicht mehr im Land zur Verfügung stehen.

    Ein Staat hat zu viele Schulden, macht zu viele Ausgaben, wenn in einer überhitzten Wirtschaft der Staat die ohnehin raren Ressourcen (Arbeitskräfte, Güter, Dienstleistungen) in zu hohem Ausmass einkauft. Damit treibt er die Preise mit seinen Ausgaben noch mehr in die Höhe. In dieser Situation soll der Staat zurückfahren und muss evtl. auch die Steuern erhöhen.

    Ein Staat hat zu wenig Schulden, macht zu wenig Ausgaben, wenn das Land in einer Rezession steckt. In diesem Fall ist der Staat der einzige, der via Nationalbank endlos Geld drucken und damit Dienstleistungen und Güter kaufen kann. Das ist in einer Rezession keine Sünde, sondern dringend notwendig: Jede Staatsausgabe ist in diesem Fall ein Guthaben im Privatsektor. Spart der Staat in dieser Situation auch noch, würgt er auch noch diese Nachfrage ab. Das wird zum Teufelskreis. Auch das Gerede um Inflation ist in diesem Fall nur Angstmache: Wenn zu viele Güter und Dienstleistungen keinen Abnehmer finden, so sinken die Preise. Eine Frage von Angebot und Nachfrage.

    Ein souveräner Staat mit eigener Währung, wie die Schweiz, kann nie insolvent werden. Wenn es Güter und Dienstleistungen in dieser Währung zu kaufen gibt, dann kann so ein Staat das auch tun. Und sogar ohne Ende, wie Herr Jordan von der SNB 2011 in einem Vortrag in anderem Zusammenhang so schön dargestellt hat….

    • Manuel First sagt:

      Herr Graber, sie haben die wichtigen Dingen bezüglich des Gelddruckens und des Geldsystems unterschlagen:
      Jeder Franken, der gedruckt wird, ist eine Schuld: Entweder vom Staat an die NB, oder von anderen Banken an die NB. (Das heisst schon mal, dass ein Staat nie frei von Schulden sein kann, ein witziger Gedanke?). Dazu ist das Geld mit Zinsen geliehen.
      Auch muss man vielleicht erwähnen, dass das Geld, welches der Staat ausgibt, unser Geld ist, und nicht dem Staat. Und die Zinsen müssen wir zahlen und/oder unsere Kinder. Darum bin ich vielleicht sogar schon ein bisschen empört, wenn ich lese, dass “Jede Staatsausgabe in diesem Fall ein Guthaben im Privatsektor ist”. Wir schulden dem Privatsektor Geld, wegen irgendwelchen Wirschaftsaufbauschprogrammen, wir schulden der Bank Geld, damit wir den Privatsektor bezahlen können und wir zahlen der Bank die Zinsen.
      Ein Souveräner Staat mit eigener Währung, resp. mit eigener Gelddruckmaschine, kann zwar nie insolvent werden, aber wenn man sich die Nachkriegszeit der Weimarer Republik anschaut oder die Great Depression, beides Folge der exzessiven Ausweitung der Geldmenge, müsste man doch meinen, dass eine bancarotta der bessere Weg wäre.

    • Alois Krieger sagt:

      Hans Graber: Ein Staat mit eigener Notenbank (die Inflation nicht bekämpfen will) kann zwar technisch nie insolvent werden, übertreibt er es aber mit dem Gelddrucken, dann kann der Staat zwar seine Schulden bezahlen. Er kann jedoch mit dem gedruckten Geld im Ausland nichts mehr kaufen. So funktionierte das in Zimbabwe oder in Deutschland in den 20er Jahren.

      Dies würde auch mit Griechenlang passieren. Das sog. “Sparen” in Griechenland ist eigentlich immer noch kein Sparen. Griechenland importiert immer noch mehr vom Ausland als es exportiert. Die Deutschen schicken das Geld via Bundesbank und EZB nach Griechenland – ohne dass sie was dagegen tun können – so funktioniert das Euro-System (Target2 googeln).

      Die Griechen und Spanier machen weiter Schulden, nur gibt ihnen kein Privater mehr Geld. Jetzt druckt die EZB das Geld, nimmt die Staatsschulden an, als wären sie das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Das böse Erwachen kommt dann, wenn klar wird, dass Griechenland die Schulden nie mehr zurückzahlen wird. Treten Griechenland, Spanien, Portugal und Italien dann doch aus dem Euro aus, dann sitzt die EZB auf etwa 1200 Mrd. an Forderungen an diese Länder – welche diese dann wohl kaum je wieder zurückzahlen werden.

      Deutschland kann deshalb jetzt wählen, ob sie ihren Teil (wohl etwa 1000 Mrd.) abschreiben wollen oder ob sie den Euro lieber entwerten wollen. Das eine führt zu 50% mehr Staatsschulden, das andere führt dazu, dass die Deutschen Sparer und Rentner wahrscheinlich um etwa einen Drittel ihrer Erspanisse erleichtert werden. Raten Sie mal, wozu sich die Regierung in Berlin wohl entscheiden wird!

      • ast sagt:

        Herr Krieger, rein technisch betrachtet haben sie die Situation korrekt beschrieben. Was wir alle aber nicht wissen -und was in der Vergangenheit immer wieder geschah- das ist die Hinnahme weiterer irrationalen Glaubens durch die Märkte und die Politik.

        Im Fall sich eine grössere Mehrheit zu irrationalem Verhalten bereit erklärt, dann könnte die EZB auch von mit “EZB Gummigold” beschriftete Gummibärchen als Gold verkaufen. Seinerzeit als Richard Nixon die Zahlungsunfähigkeit der USA zum eigenen Vorteil verwandelte, indem er den US$ in einer abendlichen Rede von der Goldbindung ablöste, geschah genau das -die Welt begann an bedruckte Gummibärchen zu glauben. Seither läuft die gesamte Weltwirtschaft eigentlich nur noch mit gezinkten Karten. Da die EU insgesamt eine ähnlich hohe Wirtschaftsrkaft wie die USA in sich bindet, könnte die EZB Taktik beim Aufkauf wertloser Staatsanleihen trotzdem aufgehen.

        Alleine dadurch dass die EZB mit dem Kauf ihr Vertrauen ausspricht, wird aus wertloser Substanz Gold (durch machtpolitische Verbreitung von Glauben). Mit dem Fiat Money Geldsystem ist es dem modernen staatlichen Alchemisten gelungen aus wertlosen Dingen Gold zu machen. Eines der Reagenzgläser über welche die EU diesen Glauben braut und verteilt heisst Target-2. Das bedeutet aber auch, dass weder GR noch ES aus dem Eurosystem wieder entlassen werden kann, sonst fliegt Target-2 auf . Nixon hatte die Goldlager in Fort Knox damals auch nicht zum nachzählen offen gelegt, das Vertrauen kam indem er davor Nuklearraketen aufstellte und Richtung Osten ausrichtete.
        Bei Simbawe hat Betrug und Täuschung nicht funktioniert, weil dieses Land viel zu klein ist um einen Glauben Weltweit durchzusetzen.

        Wir leben in einer Zeit wo die Grossmächte nur noch durch ihre Macht den Markt mit Liquidität versorgen können. Da es heute aber nur noch solche Mächte gibt die mit gezinkten Karten spielen können, hält man von Japan über China über die EU bis zur USA in diesem Glauben zusammen

        • Linus Huber sagt:

          @ ast

          Sie scheinen die Lage der USA als positiv zu erkennen und denken, dass wir eine aehnliche Gangart in Europa anwenden koennten.

          Die USA sind doch genau so schlecht dran wie Europa und Japan kann auch jederzeit in eine Disaster-Zone abgleiten, da saemtliche Massnahmen nicht nachhaltig sind. Die Idee, dass man mit der Geldpresse die Probleme langfristig loesen kann, ist mit so vielen Maengeln behaftet, dass ich hier gar nicht weiter darauf eingehen will. Kein Staat und keine Zentralbank ist faehig, die Maerkte langfristig zu beeinflussen. Jedoch der Glaube an die Potenz dieser Akteure ist heute sehr gross und die kommende Entaeuschung wird ein dementsprechend gefaehrliches Potential an Gewaltbereitschaft auf gesellschaftlicher Ebene beinhalten.

        • Alois Krieger sagt:

          Die EZB schafft sicherlich kein Vertrauen. Wenn sie einfach soviel Staatsanleihen kauft, damit die Zinsen der Südstaaten tiefe sind, ist das kein Zeichen von Vertrauen (allenfalls blindes Vertrauen der EZB in diese Staaten), sondern das sind manipulierte Zinssätze. Es sind nicht die Investoren, die sich irrational verhalten, sondern die EZB (zumindest aus der Sicht derjenigen Staaten, die für den Unsinn zahlen werden).

          Die Aktienkurse reagieren natürlich positiv, denn wenn der Staat über Inflation seine Schulden verringern kann, dann beschert er den Firmen, die Anleihen ausstehend haben natürlich Gewinne.

  3. Michael Schwarz sagt:

    Hr. Dittli

    Der Schuldabbau in der Krise ist zwar unpopulär, aber notwendig, um den Haushalt zu disziplinieren. Der Weg, der von US-Fed seit Jahren verfolgt wird, hat sich zum Schuldberg geführt, welcher zunehmend für der USA ein gigantisches Problem sein wird, deshalb wird Obama mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht wiedergewählt werden, und zu recht. Die Aufblähung der Staatsverschuldung ist kein eff. Lösungsansatz, solche Diskussion haben wir in den vergangenen drei Jahren ausführlich diskutiert.

    Die wahre Lösung liegt zwischen den beiden Richtigung. Der Liquiditätstrap ist das Ergebnis des rücksichtlosen Wachstumszwangs der vergangenen Perioden. Es vergleichbar mit der Problematik der Umweltverschmutzung in der 70er und 80er, als Grün damals noch belächelt wurde. Der Abbau der Staatsverschuldung muss sein, ohne ausnahme. Die muss aber in einer Rahmbeindung geschehen, dass der Realoutput und Währungsstabilität nicht gefährt wird. Was Greenspan/Beranke seit 2001 getrieben haben, ist eine Woodoo-Ökonomie, sie haben die Chance verpasst, die US-Staatsverschuldung abzubauen.

    Von dieser Sichtweise würde ich sagen, die USA hat zwar den Schlacht gewonnen, aber den Krieg hat USA verloren. Binladen hat am Ende doch gewonnen, das ist der Niedergang der demokratischen Gesellschaft in den USA – die Demokratie kann nur mit der Bedingung der Unabhängigkeit funktionieren, muss sie auch finanziert werden. Die USA verliert immer mehr ihre eigne Unabhängigkeit bzw Demokratie durch die explodierte Staatsverschuldung – die Chinesen und Saudis(Diktatoren) kaufen das Land pratisch auf.

    • Alois Krieger sagt:

      Herr Schwarz, Herr Dittli (und die Tagi-Journis im allgemeinen) sind für Schuldenabbau – aber lieber über Inflation. Das ist heute so was wie eine Ideologie bei Ökonomen, die nicht als konservativ gelten wollen. Der Nobelpriesträger Paul Krugmann ist dafür und viele andere Ökonomen, die sich als “liberal” geben, auch. Deshalb wird das nicht hinterfragt.

      Dass die Folgen von erhöhter Inflation sehr schlecht für das soziale Gefüge sind, wird ausgeblendet. Der Mittelstand (und wohl auch der normale AHV-Bezüger) wird zahlen. Von der Inflation werden die Reichen in grössten Ausmass profitieren (sofern sie nicht allzu hoch wird – dann leiden alle). Ihre Unternehmen haben sie (schon wegen den Steuern) mit Krediten belastet, praktisch jeder Immobilienbesitzer hat die Hälfte des Geldes von der Bank aufgenommen. Die Mieten werden steigen, die Schulden bleiben. Was daran sozial ist, ist wirlich fraglich. Vielleicht, dass es kurzfristig ein paar Prozent weniger Arbeitslose gibt…

      Übrigens: Obama wurde schon wiedergewählt.

  4. Michael Krause sagt:

    “Ein souveräner Staat mit eigener Währung, wie die Schweiz, kann nie insolvent werden.”
    Eine kühne Behauptung. Zimbabwe hat auch eine eigene Währung. Selbstverständlich kann auch ein Staat mit eigener Währung insolvent werden, nämlich dann, wenn diese Währung niemand mehr haben möchte. Der Weg dahin führt immer über Gelddrucken und damit einhergehenden Vertrauensverlust.

    • K.A. Barett sagt:

      Sehe ich auch so. Was nützt es, wenn die Notenpresse pausenlos Geldscheine ausspuckt, die niemand mehr haben will, weil sie nichts mehr wert sind? Für mich als Laie liegt die Vermutung nahe, dass es irgendwo zwischen dem Verschuldungsgrad und dem Kollaps eine Art “point of no return” geben muss, wie es in der Fliegerei heisst. Wenn dieser Punkt überschritten ist, hilft die Notenpresse auch nichts mehr. Die Hyper-Inflation der Weimarer Republik ist der historische Beweis dafür.

      • Alois Krieger sagt:

        Der Staat kann dann die Leute noch zwingen, die Geldscheine zu halten. In der Schweiz z.B. über die Pensionskassen, die wohl kaum mehr als 50-60% Aktien halten dürfen.

  5. Martin Holzherr sagt:

    Der Autor vergleicht souveräne Länder mit eigener Währung wie die USA mit Ländern wie Spanien, die Teil einer Währungsunion sind. Am Schluss fordert er die Leser auf, ja nicht Spanien mit Ländern zu vergleichen, die eine eigene Währung haben und abwerten können. Der Leser darf also genau das nicht machen, was der Autor selber gemacht hat.

    Ein sinnvollerer Vergleich wäre Spanien bezüglich Schulden und möglichen Massnahmen mit Kalifornien zu vergleichen.
    Ein Teil der Austeriät, der Spanien auferlegt wird, könnte sinnvoll sein um die innere Abwertung zu erreichen, die nötig ist um Spanien wieder konkurrenzfähig zu machen.

    Die tiefere Frage, die sich für die Eurozone stellt ist tatsächlich ob die Eurokrise eine Schuldenkrise ist wie das Angela Merkel behauptet oder eben doch eine Eurokrise, also eine Krise, die durch den gemeinsamen Währungsraum mitverursacht wird. Inzwischen gibt es immer mehr Ökonomen und Kommentatoren, die die Ursache der Eurokrise im Euro selber sehen. Ein Unterschied in der Wettbewerbsfähigkeit von 20%, den selbst Frankreich gegenüber Deutschland hat, ist in einer Wärhungsunion sehr, sehr schwierig auszugleichen.
    Die Austeritätspolitik ist mit Sicherheit kontraproduktiv wenn es darum geht die Verschuldung abzubauen. Doch in Wirklichkeit geht es gar nicht um die Verschuldung, sondern darum, dass die schwachen Euroländer wieder kompetitiv werden. Um das zu erreichen müssen – unter anderem – die Lohnstückkosten gesenkt werden. Das wiederum erfordert tendenziell Lohnsenkungen. Austertiät erleichtert die Erhöhung der Kompetivität, Schulden kann sie nicht senken.
    Doch viel besser als Austerität wäre eine Abwertung um die Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen. Diese Erkenntnis wird sich immer mehr verbreiten, was letztlich der Eurozone den Garaus machen wird.

    • Maximilian Nimbus sagt:

      Ein Ausstieg aus dem €, verbunden mit einer Abwertung der Landeswährung, hätte diie fatale Folge dass die Schulden in der alten Währung (€) relativ aufgewertet und die Importpreise für technische Komponenten, Infrastruktur und Energie entsprechend ansteigen würden. Also durchaus ein Hindernis für die Erlangung von Wettbewerbsfähigkeit für Gr, Es & Co. Der inverse Effekt sorgt übrigens dafür das die Schweiz mit ihrem teuren Franken wettbewerbsfähig bleibt. Irland zeigt das Austerität in der aktuellen Lage erfolgreich sein kann.

      • Martin Holzherr sagt:

        Euro-Ausstieg und Abwertung würden Importe tatsächlich teuer machen. Damit hätten aber die inländischen Firmen, die heute teilweise nicht mehr konkurrenzfähig sind wieder einen Absatzmarkt, den Binnenmarkt nämlich. Dieser Binnenmarkt wäre allerdings zu klein, wenn er nur auf das eigene Land beschränkt wäre. Besser wäre also eine neue Wirtschaftsgemeinschaft, die sich unter einem Südeuro bilden könnte.
        Die Euro-Schulden der austretenden Länder könnten wohl nicht mehr zurückgezahlt werden. Das aber können sie im Falle Griechenlands schon jetzt nicht mehr. Der Euro-Austritt würde zwangsweise mit einem Schuldenschnitt einhergehen. Das wissen alle. Die Bertelsmann-Studie, die dieses Szenario untersucht hat, kommt übrigens zum Schluss, dass Frankreich von einem Euro-Austritt mehrere Südstaaten am stärksten betroffen wäre, weil Frankreichs Banken am meisten Ausstände in Griechenland, aber auch anderen Südländern haben.

      • Bei Irland ein hoher Preis wenn alle jungen Talente abwandern. Mit Sparen ist ein Schuldenabbau nie möglich, da bestenfalls irgendwann ausgeglichene Budgets erreicht werden können, gleichzeitig sind dringende Investitionen nicht möglich, oder nur durch Aufbau neuer Schulden; diese können letztlich nur durch Abwertung/Inflation und Währungsreform mit Verbot der Kapitalflucht sowie Schuldenschnitt weggebracht werden; das Land wird dann vom internat. Kapitalmarkt vorerst abgeschnitten wie Argentinien und fängt wieder neu bei NULL an.

  6. John sagt:

    Schweden hat es ab 1993 geschafft seine strukturellen Schwächen aus der hohen Staatsquote von zeitweise fast bei 70% durch eine Reduktion ebendieser auf unter 50% zu überwinden, ohne die Währung (bis 1992 an andere Währungen gebunden) abzuwerten.

    • H.Trickler sagt:

      Schweden war zu diesem schmerzhaften Schritt gezwungen, weil nicht nur der berühmte Regisseur Bergmann ausgewandert ist. Fast der ganze Mittelstand versuchte, der unerträglichen Steuerlast zu entkommen.

  7. Dr. Gor sagt:

    Man kann die Ereignisse in USA 1937 und Japan 1997 auch anders interpretieren. Es ist eine Ilusion zu glauben, massive staatliche Eingriffe wie 2008/09 oder in Japan nach 1990 liessen sich irgendwann schmerzfrei zurückfahren und 1937 bzw. 1997 sei der Ausstieg einfach zu früh erfolgt.
    Woher kommt denn die seltsame Überzeugung, man könne solch gigantische Summen irgendwann locker wieder einsammeln, ohne dann eben verzögert den Effekt zu bekommen, den man durch den vorherigen Eingriff stark abgeschwächt hatte? Die bittere Wahrheit ist: Je härter die Einschnitte, je mehr Schmerzen eine Rezession verursacht, desto stärker und nachhaltiger der darauf folgende Aufschwung. Wenn der Staat massiv eingreift, “verteilt” er die Schmerzen auf einen wesentlich längeren Zeitraum und schwächt die Amplituden in beiden Richtungen ab. Das Ergebnis sehen wir in Japan und offensichtlich läuft es in den USA auf dasselbe hinaus.
    Einen “richtigen” Zeitpunkt für den Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen gibt es nicht.
    In Osteuropa inkl. Russland wurden in den 90ern wohl die schmerzhaftesten aller Reformen durchgeführt, mehrere Generationen wurden quasi geopfert, ein beträchtlicher Teil der aktiven Bevölkerung emigrierte, aber erst dadurch bekamen die jungen Leute die Perspektiven, die sie heute haben. Ob es der richtige Weg ist/war, ist aber eine ganz andere Frage.

  8. Dr. Gor sagt:

    P.S. Da ich zuvor Osteuropa als Beispiel anführte – es gibt in der Region auch ein Gegenbeispiel: Weissrussland (Belarus). Dort gab es die bitteren Pillen der 90er in stark abgeschwächter Form, die Renten wurden gezahlt, die Fabriken am Leben erhalten, es gab wenig Schiessereien auf den Straßen und sogar die Tschernobyl-Opfer hat man im Gegensatz zu den Nachbarstaaten nicht vergessen… die meisten der geschätzten Leser des Blogs hätten es gewiss vorgezogen, die 90er in Minsk und nicht in Moskau oder Kiew zu verbringen.
    Aber heute? Der Stillstand in Belarus ist eben eine Folge dieser “humaneren” Politik. Womit wir durchaus auch beim Punkt wären, ob es in erster Linie um Wirtschaftsstatistiken geht oder um reale Lebensqualität. Die Japaner, denen in allen ausl. Wirtschaftsmagazinen nun schon zwei verlorene Jahrzehnte bescheinigt werden, sehen ihr Land keineswegs in der Krise (Erdbeben und Fukushima mal ausgenommen) und die beiden letzten Jahrzehnte keineswegs als verloren. Fragen Sie mal einen Japaner.

  9. Andreas Willy Rothenbühler sagt:

    Hier wird fast nur über staatliches Schuldenmachen oder Sparen gesprochen.Dass die Industrie weil sie nur zu horrenden Zinsen (8,5 %) Geld erhält, einen rigorosen Schuldenabbau betreibt,scheint kein Thema.

    • Alois Krieger sagt:

      Das kommt dann doch schon stark darauf an, wieviel Eigenkapital ein Firma hält und wie solid ihr Geschäftsmodell ist. Es gibt viele Firmen, die bekommen überhaupt keine Kredite – diese arbeiten dann halt mit Eigenkapital.

  10. Stadelman Reto sagt:

    Der Fiskal-Multiplikator hat meiner Meinung nach keinen fixen Wert. Ich behaupte der Fiskal-Multiplikator steigt wenn die Staatsquote steigt und er sinkt wenn die Staatsquote sinkt. In einem Land wie Griechenland also dürfte der Fiskal-Multiplikator entsprechend hoch sein.

    • H.Trickler sagt:

      Dieser Multiplikator hängt ganz extrem davon ab, wie effizient eine Verwaltung funktioniert und was der Staat sonst so mit dem Geld macht.
      .
      Dass in Griechenland wo Staatsdiener 14 Monatsgehälter bekommen eine Reduktion des Personalbestandes die Binnenkonjunktur stärker abschwächt ist sofort einzusehen.

      Nur Irre, Dumme und der IWF gehen davon aus, dass man sowas im Voraus berechnen könnte.

  11. “…ob die harte Sparpolitik überhaupt zum Ziel führt,…”

    Selbstverständlich nicht. Aber ebenso ist eine weitere Erhöhung der Staatsverschuldung eine ökonomische Torheit, und einen “goldenen Mittelweg” wird man (oder Frau) in “dieser Welt” (zivilisatorisches Mittelalter) vergeblich suchen.

    Wie lässt sich die Staatsverschuldung langfristig auf Null herunterfahren, ohne die Wirtschaft abzuwürgen? So und nicht anders:

    http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf

    Warum sind diese “banalsten Selbstverständlichkeiten” (Zitat: Silvio Gesell) für die “Normalbürger” (die Masse nach Le Bon) noch immer so schwer zu verstehen? Fragen Sie die “heilige katholische Kirche”:

    http://www.deweles.de/files/himmel_auf_erden.pdf

    • Linus Huber sagt:

      @ Stefan

      Ich habe Ihre Links kurz ueberflogen. Es handelt sich um eine weitere Struktur, in welcher durch manipulative Eingriffe eine Aenderung angestrebt wird und somit fuer meine Vorstellungen ein fragwuerdiger Weg. Natuerlich beinhaltet Geld die Funktion, dass man “Arbeit” quasi zeitlich lagern kann um dessen Nutzen an einem spaeteren Zeitpunkt abzurufen. Das Grundproblem liegt doch nicht darin, dass solch eine Vorsorge verwerflich ist, sondern dass aufgrund von Manipulationen der Zentralbanken und Regierungen der Wert des Geldes beeinflusst werden kann. Ein weit interessanter Ansatz bestaende darin, dass man die Auswahl, welches Geld man akzeptiert (ausser der Steuern) dem freien Markt ueberlaesst, wodurch diese negativen Aspekte wegfallen wuerden. Geld sollte auf keinem Fall dauernder Entwertung unterliegen ansonsten Menschen in Sachwerte fluechten (und hohe Kreditvolumen angehaeuft werden) wodurch wir in diese Krise schlitterten.

  12. H.Trickler sagt:

    Hr. Dittli formuliert diesmal erfrischend vorsichtig Seine 2 Beweisstücke überzeugen mich gleichwohl nicht. Obschon natürlich auch höhere Staatsausgaben auf Pump die Konjunktur beleben, bleibt es eine unumstössliche Tatsache dass die daraus resultierende Staatsschuld verzinst und gelegentlich abbezahlt werden müsste, sofern man es nicht wie in der Vergangenheit nur allzu oft mittels Inflation auf wehrlose Bürger verteilt.

    Ich bin daher voll überzeugt, dass hohe Staatsschulden auf jeden Fall vermieden werden müssen, dies umso mehr weil aktuell die industrielle Produktion sowieso in Billiglohnländer verlagert wurde und Konjunkturspritzen und Geldschwemme dagegen nicht ankommen!

    • Alois Krieger sagt:

      Die Idee ist, dass die Schulden durch das Gelddrucken kleiner werden. Das spricht man nicht so aus, ist aber die Folge, wenn jetzt die verschuldeten Staaten weiter Geld ausgeben und die EZB das Geld dazu druckt.

  13. Marcel Senn sagt:

    Zum Glück für die Amis war Hitler 1939 finanziell auch schon ziemlich am Ende und musste mit seiner Raubtour durch Europa und Nordafrika beginnen, damit das Reich nicht bankrott ging. Da wurden dann alle Sparbemühungen der Amis im Angesicht der Kriegsnot schnell mal über Bord geworfen und die Rüstungsindustrie kurbelte die Wirtschaft wieder kräftig an. Auch die Verschuldung von 108.6% 1946 haben die Amis mit ein paar kräftigen Inflationsjahren (zw. 8-14%) und Kauf von Zwangsanleihen eigentlich relativ schnell gelöst. Das nominale US Wirtschaftswachstum seit 1945 bis zur Jahrtausendwende ist zu 56% auf Inflation zurückzuführen und nur zu 44% auf reales Wirtschaftswachstum – das relativiert wieder einiges an der Wirtschaftsmacht No 1.
    Jezt

  14. Martin E. sagt:

    Allen, die an einer fundierte Analyse des erfolgreichen Abbaus der Staatsschulden interessiert sind, empfehle ich das BIS Working Paper #363 “The Liquidation of Government Debt” von Carmen Reinhardt und M. Belen Sbranica. http://www.bis.org
    Zwischen Staat und den Einwohnern des Staates in der Weise zu unterscheiden, wie es vor allem die politische Linke es tut, ist töricht. Die Ost-Deutschen hatten schon recht, als sie in ihren Sprechgesängen “Wir sind der Staat” skandierten.
    Wenn der Staat Schulden aufnimmt, haftet am Ende der Bürger. Der Staat hat nur fünf Möglichkeiten, das Verhälnis, um das es letztendlich geht, nämlich Schulden / Bruttoinlandprodukt auf einem erträglichen Niveau zu halten: 1. Nenner vergrössern (Wachstum des BIP, die angenehmste Lösung), 2. Zähler verkleinern (Schulden zurückbezahlen), 3. Zahlungsunfähigkeit anmelden, 4. Geldentwertung und 5. Bevölkerung enteignen (financial repression). Letzteres ist von ca. 1950 bis 1980 mit sehr grossem Erfolg von USA und Grossbritannien betrieben worden. Nicht vergessen: Die Schuldenlast dieser Länder nach dem 2. WK war erdrückend.
    Ein Sparkurs kann meines Erachtens nur dann erfolgreich sein, wenn der Anteil der Staatsausgaben, welche die Produktivität der Einwohner erhöhen (Investition in Infrastruktur, Bildung etc.) beibehalten oder erhöht wird, und der “unproduktive Anteil” (sorry, polically incorrect) an Sozialausgaben, die lediglich dazu beitragen, den Status Quo zu erhalten, vermindert wird.
    Kurz gesagt, der Sparkurs von Europa kann nicht funktionieren, da viel zu viele Ansprüche an den Staat gestellt werden. Ob demgegenüber die Erhöhung des Schuldenberges besser ist, wage ich zu bezweifeln, da das Problem nur auf die lange Bank geschoben wird. Mit anderen Worten: Die Schuldenproblematik kann nicht mit einer einzelnen Massnahme gelöst werden und sie wird uns noch sehr lange begleiten.

    • Marcel Senn sagt:

      Sorry, da ist in dem zu kleinen Schreibfeld noch Schrott reingerutscht, können Sie das bitte löschen – konnte es nicht sehen, da unterhalb des Sichtfeldes
      Besten Dank
      Marcel Senn

    • Marcel Senn sagt:

      @Martin E: Zu der Entschuldung des UK ab 1946 kam im SPON neulich ein guter Artikel, ist ziemlich ähnlich wie die BIS Studie, es wurde einfach noch mit Kapitalrestriktionen gearbeitet, aber sonst immer schön die Inflation über den Bondrates halten, dann verschwinden die Schulden auch. Und zu den USA ab 1945 habe ich mich ja in meinem vorhergehenden Kommentar schon geäussert.

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/was-griechenland-von-grossbritannien-lernen-kann-a-850704.html

      Vermutlich wird ein ähnliches Rezept auch bei der heutigen Schuldenkrise wieder angewendet….

  15. Hansuli Anderegg sagt:

    Nicht alle Staatsausgaben haben den gleichen Multiplikator, wirken kurz- und längerfristige auch nicht gleich. Staatlicher Konsum mag vorübergehend die Wirtschaft ankurbeln. Produktive Investitionen werfen längerfristig Erträge ab, bringen einen Nutzen. Solche triviale Unterscheidungen wollen weder ausgabefreudige Politiker noch modellgläubige Oekonomen machen.

  16. Luzi Sommer sagt:

    Geldpolitik sollte in dieser Betrachtung nicht ganz ausser Acht gelassen werden. Der Multiplikator dürfte insbesondere in einer Liquiditätsfalle grösser als 1 sein, da der Effekt von höheren Staatsausgaben in einer derartigen Situation nicht von der Zentralbank neutralisiert wird.

    Im Fall von Schweden haben die Erholung des Privatsektors und das globale Wirtschaftswachstum die Reduktion der Verschuldungsquote ermöglicht (zuvor hat sich diese antizyklisch erhöht).

    Somit ist dieser Fall (wie auch Finnland) kaum mit der aktuellen Situation von Spanien vergleichbar.

    Weitere Ausführungen zu Schweden und Finnland finden sich in dieser Studie des McKinsey Global Institute, welche zu Beginn des Jahres auch schon Thema in diesem Blog war.

  17. Linus Huber sagt:

    Dieser Artikel erklaert, dass Austerität zu frueh nach einer Finanzkrise angewandt, die Probleme der staatlichen Verschuldung eher vergroessert als reduziert. Die gleiche Situation trifft natuerlich ebenfalls fuer eine Ponzi Scheme zu, welche in sich zusammenbricht, sobald die Ausweitung reduziert wird. Ebenfalls muessen wir uns bewusst sein, dass wirkliche Austerität noch in keinen Staate (soweit ich mir bewusst bin) wirklich angewandt wurde, welche eine Reduktion der Staatsverschuldung im Verhaeltnis zum BIP darstellen muesste. Das Wort “Austerität” wird heute grundsaetzlich dort angewandt, wo sich die jaehrliche prozentuale Verschuldung reduziert gegenueber dem Vorjahr. Dies stellt natuerlich noch lange nicht einen Abbau der Staatsverschuldung dar, sondern einzig eine reduzierte Zunahme.

    Die obigen Beispiele wollen belegen, dass zu frueh angewandte Austerität nicht erfolgreich sein kann, wobei wir leider verkennen, dass es immer zu frueh sein wird. Wenn wir heute die dargestellte Situation Japans betrachten, wird die Verschuldung einfach jedes Jahr weiter erhoeht, wohl in der Hoffnung, dass sich das Problem eines Tages auf wundersame Art loesen wird. Natuerlich wird sich das Problem eines Tages loesen, spaetestens wenn der Bondmarkt beginnt negativ zu reagieren und die Zinsen trotz Manipulation der Entscheidungstraeger ansteigen sollte und die Reaktion einzig noch darin bestehen kann, ob man die Waehrung quasi opfert (Hyperinflation) oder ob man sich zu einer Abschreibungswelle entschliesst, in welcher jeder physische Yen auf einmal massiv an Wert gewinnen duerfte. In beiden Faellen wird das Leid fuer die Bevoelkerung jedoch massive Auswirkungen zeigen und die Verhinderung des natuerlichen Deleveraging, welche seit etwa 1990 betrieben wurde, wird sich als ein grosser Fehler entpuppen. Um hier auf den Punkt zu kommen, ist das Experiment Japan noch nicht abgeschlossen, sondern wartet noch auf die schlussendliche Konklusion.

    • Martin Holzherr sagt:

      Austerität bedeutet schlicht und einfach staatliches Sparen und nicht etwa die oben genannte “Reduktion der jaehrlichen prozentuale Verschuldung”. Wenn der Staat spart, gibt er weniger aus, kürzt also seine Programme,z.B. die Sozialausgaben. Das kann, muss aber nicht zu einer Reduktion des Haushaltsdefizits führen.
      Es ist klar, dass Staatsverschuldungen wie die in Japan, Italien, ja selbst in Frankreich irgendwann irgendwie abgebaut werden müssen. Es gibt zwei Gründe dafür: 1) eine hohe Verschuldung hemmt über die nötigen Zinszahlungen das Wachstum 2) Ein hoher Verschuldungsgrad ist ein inhärent instabiler Zustand und kann bei einer Zinserhöhung zur Staatskrise fürhren.
      Sehr wichtig ist aber, bei wem ein Staat verschuldet ist. Japan ist zum Grossteil bei Privaten, also im Inland verschuldet. Nicht-Mehr-Bedienen dieser Schulden hat also nur in Japan selbst Auswirkungen. Etwas anders sind Auslandsschulden. Nicht-Mehr-Bedieneb von Auslandsschulden stört die zwischenstaatlichen Beziehungen meist über viele Jahre.

      Bewirkt Austerität eine Rezession so wird damit die Verschuldungssituation meist verschlimmert. Eigentlich können Schulden nur über einen Schuldenschnitt oder aber über die zwei langfristige Massnahmen, nämlich
      1) Inflationierung + Finanzielle Repression
      2) Wachstum
      wieder abgebaut werden. In Europa und auch den USA ist in naher Zukunft aber kaum mit einem starken Wachstum zu rechnen. Es blieben also nur zwei Optionen A) ein kurzfristiger Schuldenschnitt oder eine langfristige Inflationierung/finanzielle Repression. Finanzielle Repression bedeutet erzwungener Vermögensverlust der Einwohner des verschuldeten Landes, zum Beispiel durch negative Realzinsen oder den Zwang in Staatsanleihen zu investieren. Die finanzielle Repression ermöglicht eine Reduktion der Staatschulden ohne Steuererhöung. Auf diese Art und Weise haben die USA ihre Nachkriegsschulden zum grossen Teil reduziert. Auch in Europa wird wohl dieser Weg beschritten werden.

      • Linus Huber sagt:

        @ Martin

        Ich stimme Ihnen insofern zu, dass der Weg ueber finanzielle Repression sicherlich versucht wird. Im Gegensatz zu den Nachkriegsschulden der USA sind heute jedoch die privaten Haushalte ebenfalls mehrheitlich ueberschuldet, womit die Aufgabe sich ein wenig schwieriger darstellen duerfte.

        Den Punkt, welchen ich hier ansprechen will, liegt im Vertrauen in eine Waehrung. Natuerlich koennen die Entscheidungstraeger (in diesem Fall die Zentralbanken) Inflation produzieren, wobei die Gefahr des Vertrauensverlustes in die Waehrung nicht unterschaetzt werden darf. Wenn bewusst und ueber einen langen Zeitraum eine inflationaere Geldpolitik betrieben wird, fliehen die Leute in Sachwerte, welches wir ja schon erlebten mit all den damit verbundenen Blasen. Um heute das Problem unter Anwendung inflationaerer Geldpolitik zu loesen, muessten die Zentralbanken quasi in den 2. Gang schalten und die Gefahr diesen erwaehnten Vertrauensverlustes kann sich sehr kurzfristig einstellen. Es handelt sich um eine Gratwanderung, wobei der Pfad immer enger wird zwischen Hyperinflation (Vertrauensverlust in die Waehrung) und massiver Deflation. Dies bewirkt eine zunehmende Instabilitaet des gesamten Waehrungssystems mit fast garantiertem Resultat eines Fehltrittes, welcher uns in die Tiefe fallen laesst.

        • Martin Holzherr sagt:

          Es stimmt: Die privaten Haushalte sind ebenfalls überschuldet und die Wachstumsaussichten sind schlecht. Das gilt gerade auch für die USA. Meine Prognose: Ob nun Obame oder Romney wiedergewählt wird, jeder von ihnen wird um radikale Massnahmen nicht herumkommen, selbst allgemeines Sparen – linear überall etwas kürzen – wird nicht genügen. Statt dessen wird der neue Präsident gewungen sein, gewisse Solzalprogramm zu kürzen, vor allem im Gesundheitsbereich, z.B: Medicare.

  18. Linus Huber sagt:

    Auch das 2. aufgefuehrte Beispiel (USA 1937) vernachlaessigt einige Aspekte und fokusiert sich hauptsaechlich auf den Arbeitsmarkt. Die meisten Oekonomen vernachlaessigen den Umstand zu erkennen, dass sich waehrend der dreissiger und nachfolgenden Kriegs-Jahre die amerikanische Bevoelkerung spartanischer und frugaler Einschraenkungen unterworfen hatte, welche die massiven Fehlinvestitionen der Boomphase aus dem System entfernte (verbunden mit einer kurzen Dauer von hoher Inflation), womit dem Aufschwung nach dem Kriege schlussendlich nichts mehr im Wege stand. Dieser Umstand wird meist vernachlaessigt in der gaengigen Analyse und ist somit in keiner Weise vergleichbar mit der heutigen Zeit, in welcher wirkliche persoenliche Einschnitte erst am Beginn stehen.

    Es liegt in der Natur des Menschen, langfristige Ungleichgewichte immer weniger als Gefahr zu erkennen, da es ja so lange gut ging. Allerdings ist dies ein massiver Fehler, da sich solche Probleme oft ruckartig (vergleichbar mit einem Erdbeben) entladen. Diese Krisen geben natuerlich den Entscheidungstraegern wieder zusaetzlichen Spielraum um unsinnige Massnahmen durchzusetzen, welche ein paar Jahre spaeter eine noch groessere Krise verursachen duerfte. Leider kuemmern sich diese Leute einzig um ihre Machterhaltung und sind in keiner Weise an echten Loesungen interessiert.

    Ich bin nicht wirklich sehr bewandert in den Details vergangener wirtschaftlicher Einbrueche, um hier konkrete Beispiele aufzufuehren, welche Austeritaet als Loesung zeigen. Trotzdem glaube ich mich zu erinnern, dass anfang der 20iger Jahre die USA im Zusammenhang eines massiven wirtschaftlichen Einbruches nicht nur nicht stimulierte, sondern die Zinsen sogar angehoben wurden. Soweit ich mich erinnere, war die Krise scharf und hart, jedoch war man nach 2 Jahren wieder zurueck zu positivem Wachstum.

  19. Linus Huber sagt:

    Ebenfalls glaube ich mich erinnern zu koennen, dass Ende des 19. Jahrhunderts eine sehr positive Entwicklung stattfand in Kombination mit leichter Deflation, in welcher der Staat sich wenig in die wirtschaftlichen Belange einmischte. Ich moechte mich hier jedoch nicht zu stark auf diese meine Beispiele berufen, da ich wie gesagt zu wenig bewandert bin in der Materie.

    Eine eher grundsaetzlichere Frage ist jedoch, Beispiele zu finden, in welchem monetaere Manipulation schlussendlich zu einer positiven Konklusion fuehrten ohne auf jetzt auf die obigen fragwuerdigen Beispiele (Japan, USA 1937) zurueckzugreifen. Wenn wir uns in der Geschichte der vergangen Jahrhunderte umsehen, werden wir bald erkennen, dass die gegenwaertige Gangart der monetaeren Manipulation immer im Disaster endete. Die unendliche und damit nicht nachhaltige Ausweitung des Kreditvolumens wird entweder zur Zerstoerung der Waehrung fuehren und dies oft im Zusammenhang mit kriegerischen oder revolutionaeren Ablaeufen, oder eben der einzig moeglichen Loesung der laengerfristig angelegten Austeritaet, welche tiefe Einschnitte fuer die Bevoelkerung mit sich bringt. Es gibt keine schmerzlose Loesung, was immer uns die Entscheidungstraeger erzaehlen.

    In diesem Zusammenhang haben wir uns ueber die vergangenen paar Jahre schrittweise in einen Waehrungskrieg eingelassen, welcher einen Handelskrieg nach sich ziehen duerfte. Dies ist das Resultat kurzfristiger Massnahmen der Entscheidungstraeger, welche uns nach dem Ausbruch wirklicher Handelskriege mit der Moeglichkeit bewaffneter Kriege bedroht.

    Als Nebenprodukt der gegenwaertigen Politik erkennen wir zunehmend die Untergrabung von grundsaetzlichen Werten der Gesellschaft, wie z.B. Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Gesetze und Regeln werden immer oefter umgangen oder direkt gebrochen von den Entscheidungstraegern und es wird immer staerker vermieden, dass das Volk seinen Willen in wirklichen und sinnvollen Entscheidungswahlen die Zukunft mit bestimmt.

  20. Linus Huber sagt:

    Hier ein kleiner Ausschnitt von Ludwig von Mises, welcher das moegliche Resultat aufzeigt.

    “The course of a progressing inflation is this: At the beginning the inflow of additional money makes the prices of some commodities and services rise; other prices rise later. This first stage of the inflationary process may last for many years. While it lasts, the prices of many goods and services are not yet adjusted to the altered money relation. There are still people in the country who have not yet become aware of the fact that they are confronted with a price revolution which will finally result in a considerable rise of all prices, although the extent of this rise will not be the same in the various commodities and services. These people still believe that prices one day will drop. Waiting for this day, they restrict their purchases and concomitantly increase their cash holdings. As long as such ideas are still held by public opinion, it is not yet too late for the government to abandon its inflationary policy.

    But then finally the masses wake up. They become suddenly aware of the fact that inflation is a deliberate policy and will go on endlessly. A breakdown occurs. The crack-up boom appears. Everybody is anxious to swap his money against “real” goods, no matter whether he needs them or not, no matter how much money he has to pay for them. Within a very short time, within a few weeks or even days, the things which were used as money are no longer used as media of exchange. They become scrap paper. Nobody wants to give away anything against them. It was this that happened with the Continental currency in America in 1781, with the French mandats territoriaux in 1796 and with the German Mark in 1923. It will happen again whenever the same conditions appear. If a thing has to be used as a medium of exchange, public opinion must not believe that the quantity of this thing will increase beyond all bounds. Inflation is a policy that cannot last forever.”

    • Baer sagt:

      @ Linus. Du verteidigst noch immer die Lieblingstheorie der reichsten und mächtigsten Menschen des Planeten. Und dazu noch scheinbar gratis. Es gibt mit Sicherheit keine ökonomische Theorie, die ähnliche Geldbeträge von Grossindustriellen und Banken auf der ganzen Welt erhalten haben, wie die österreichische “Nationalökonomie”. Genial.

      • Linus Huber sagt:

        @ Baer

        Sie nehmen wohl an, dass die Grossindustriellen und Banken aus meiner Sicht ungeschoren davon kommen. Eine total verfaelschte Idee, welche Sie mir da unterstellen.

        Grundsaetzlich haben wir ja heute Sozialismus fuer die Banken und Grossunternehmen, waehrend der kleine Buerger schrittweise dem nackten Kapitalismus ausgesetzt wird. In meinen Augen war es nicht nur verwerflich, z.B. die Banken zu retten, sondern eine klare Verletzung verschiedener Spielregeln, wobei sich dieses Verhalten ueber die letzten 20 Jahre schrittweise zu dieser heutigen Situation entwickelte.

        Ich verteidige keineswegs die reichsten und maechtigsten Menschen sondern finde, dass die meisten Entscheidungstraeger (welche eben dies tun, was Sie mir unterstellen) besser arbeitslos waeren als dauernd die natuerliche Entwicklung zu unterdruecken und damit die Krise zu verlaengern.

        Ich weiss nicht inwiefern die Vertreter der oesterreichischen Theorie von den Reichen finanziert wird, jedoch weiss ich, dass die heutigen Oekonomen sich fast schon religioes an falschen und definitiv nicht nachhaltigen Theorien orientieren.

  21. Marius Lohri sagt:

    @Martin Holzherr

    Ihre Beiträge vom 19. Oktober finde ich sehr überzeugend.

    Ich erinnere mich an die Zeit vor dem EUR. Die Italiener fuhren zum Grossteil Fiat, wohl weniger aus ökonomischem Patriotismus als aus purer Notwendigkeit: Sie konnten sich nur ein Fahrzeug leisten, dessen Preis von den Abwertungsschocks der Lira gegenüber den wettbewerbsfähigeren Ländern bzw. deren Währungen einigermassen verschont blieb. Natürlich stimmt dies auch nur bedingt, denn der zu importierende Stahl etc. wurde ja auch teurer.

    Es scheint es mir kein sinnvolles Unterfangen zu sein, für Länder mit unterschiedlichen Wertsystemen, Leistungskulturen und bei tiefer Mobilität des Produktionsfaktors Arbeit eine gemeinsame Währung einführen zu wollen. Das führt – unweigerlich, so scheint es mir – zu einem Ausbau der Ungleichgewichte und mündet entweder zu unentgeltlichen Transferzahlungen von den Starken zu den Schwachen – auf Schulden folgt der Schuldenschnitt gefolgt von neuen Schulden gefolgt vom Schuldenschnitt usw. – oder zur totalen Verarmung der schwachen Länder.

    • Martin Holzherr sagt:

      Die Ungleichgewichte in der Eurozone sind gross und die Rezession in den PIIGS-Staaten führt sogar dazu, dass die Bedeutung der Krisenstaaten als Handelspartner für Deutschland und andere Nordstaaten kleiner wird, können sich doch z.B. nur noch wenige dort neue (deutsche) Autos leisten. Als Reaktion bauen Deutschland und andere wirtschaftlich starke Länder ihre Handelsbeziehungen zu Asien, insbesondere China, aus. Werden Asien und insbesondere China aber zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands und anderer Nordländer, gibt es keinen Grund mehr für die Nordländer sich überhaupt um den Süden zu kümmern.

      Zunehmende Finanztransfers in die Krisenländer wären nur dann eine Lösung, wenn die Krisenländer einen konstanten oder tendenziell abnehmenden Finanzbedarf hätten. Leider scheint aber auch Frankreich bald schon hilfsbedürftig zu werden. Doch Italien und Frankreich als zusätzliche Transferempfänger – das könnten die finanzstarken Länder nicht verkraften.
      Ein Aufspaltung in zwei Währungsräume Nord-/Südeuro oder aber der individuelle Austritt mehrere Länder aus der Eurozone würde längerfristig die Konkurrenzfähigkeit der PIIGS-Staaten wiederherstellen. Allerdings ist auch diese Lösung nicht unproblematisch, vor allem wegen den wohl nötigen Schuldenschnitten und den grossen Ausfällen, die vor allem die französischen und (etwas weniger) die deutschen Banken treffen würden.

    • Alois Krieger sagt:

      Marius Lohri: Wie das Beispiel Italien zeigt, verarmt der weniger leistungsfähige Teil des Landes meist trotz Transferzahlungen. So wird es auch mit dem Süden Europas kommen. Er wird verarmen, die erfolgreichen Firmen siedeln sich im Norden an. Spanien kann dann noch die deutschen Urlauber und Rentner bewirten…

  22. Hans Kohler sagt:

    Ich halte die statistische Interpretation solch komplexer Vorgänge anhand von isolierten Einzelbeispielen für sehr fragwürdig.
    Hier und da werden Schlüsse gezogen, Korrelationen geknüpft, und Bestätigungen herausgeschält, die eigentlich nicht mehr sind, als eine bias-gesteuerte Interpretation (“Wie hätten Sie es denn gerne?”).
    Es gibt eine simple, rechnerische Regel, die hier zu befolgen wäre. Leider will sie Niemand hören, und schon gar nicht wahrhaben. Sie gilt in jedem Personenhaushalt. Sie lautet “Gib nicht mehr aus, als Du einnimmst”.
    Es werden allerlei Gründe gesucht und Szenarien erschaffen, um dieser Regel nicht ins Auge blicken zu müssen.

  23. Fischbacher, Chrigel sagt:

    Man kann alles anzweifel und analysieren. Tatsache ist, dass die Americaner nach Roosevelt ihre Produktionsstätten haben verlottern lassen und heute – trotzdem sie nach dem 2.WK nur Ttümpfe in der Hand hatten – wieder auf einem sehr tiefen Niwo angekommen sind. wie gehabt.
    Die Griechen werden sich genau so wenig ändern wie alle anderen Staaten die viel mehr ausgeben als sie einnehmen. Auf die Dauer geht das nicht gut.
    Das ist weniger eine Frage der Geldpolitik sondern vielmehr eine Frage der Mentalität.
    In solche Staaten Geld zu pumpen verzögert deren Untergang, wird ihn aber nicht verhindern.
    Also: gutes Geld schlechtem nach zu werfen zahlt sich nicht aus. Oder wie es heute heisst: rechnet sich nicht.

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