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Ein Job für Mörgeli

Christian Andiel am Mittwoch den 28. Oktober 2015

Wer kann einem solchen Redner widerstehen? Christoph Mörgeli wird die Fifa-Granden locker überzeugen. Foto: Keystone

Jetzt ist also klar, aus welch erlauchtem Personenkreis der neue Fifa-Präsident stammen soll. Aber mal ehrlich: Würden Sie einem dieser Herren einen Gebrauchtwagen abkaufen? Aber so wie jeder Club die Fans hat, die er verdient, so auch jeder Verband die Kandidaten fürs Präsidentenamt.

Es hat das trostlose Nachspiel des «Sommermärchens» 2006 in Deutschland nicht wirklich gebraucht, um zu sehen, wie verrottet der internationale Fussballverband mit all seinen Milliarden ist. Aber vielleicht ahnen nun tatsächlich alle, wie verseucht Sepp Blatters Korruptionskonstrukt bis in die letzten Verästelungen ist. Wer sich nochmals vergewissern will, schaue sich die Pressekonferenz von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor ein paar Tagen an. Man weiss nicht, was schlimmer wäre: wenn all seine Beteuerungen, er wisse eigentlich gar nichts, gelogen sind. Oder wenn er als jahrelanger Mitwirker in zentralen Positionen wirklich nichts gewusst hat.


Die Höhepunkte von Wolfgang Niersbachs Pressekonferenz. Quelle: Youtube/Zeiglers wunderbare Welt des Fussballs

Aber es gab ja noch andere Momente, in denen klar wurde, wie erbärmlich es um die Fifa steht. Als etwa Ramon Vega – einst eher mittelmässiger Fussballer, mittlerweile wohlhabender Finanzmakler – erklärte, er könne sich durchaus vorstellen, Nachfolger von Blatter zu werden. War der fehlende öffentliche Aufschrei darob ein Zeichen dafür, dass das Image von Fussballfunktionären sogar noch unter demjenigen von Bankern liegt? Oder was soll es uns sagen, dass der einstige Mediendirektor Walter de Gregorio auch immer wieder ins Gespräch kam? Jener Journalist, der sich einst (zusammen mit Roger Köppel) dank eines mehr als peinlichen Gefälligkeitsinterviews mit Sepp Blatter für die «Weltwoche» im Dezember 2010 exakt die Schleimspur auf den Sonnenberg legte, auf der er prompt neun Monate später hinaufglitt, um sein hoch bezahltes Amt anzutreten.

Ach, es ist alles so traurig. Und dabei gäbe es doch nur einen wirklich valablen Kandidaten als künftigen Fifa-Präsidenten: Christoph Mörgeli. Der SVP-Hooligan hat nach dem Rausschmiss aus Universität und Nationalrat nicht nur genügend Zeit. Er hat als Medizinhistoriker auch exakt das Wissen, das es im Fifa-Gebäude braucht: Mörgeli kann all die Leichen wunderbar einbalsamieren, die auf den diversen Etagen noch herumliegen. Das sind zwar sehr, sehr viele, aber eben, Mörgeli hat Zeit. Er muss sie nur genau so einmotten, dass sie zu gegebenem Anlass wieder aktiviert werden können.

Also alle für Mörgeli! Was sagen Sie? Er steht nicht auf der Kandidatenliste und darf deshalb gar nicht zur Wahl antreten? Sehr witzig. Als ob solche Regeln oder Vorgaben bei der Fifa jemals irgendjemanden interessiert hätten.

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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11 Kommentare zu “Ein Job für Mörgeli”

  1. adam gretener sagt:

    Mörgeli konnte in seiner zweifelhaften “Karriere” noch nie was. Er war Student, dann Staatsangestellter, sein mehr als überschaubares Museum führte er mit 5 Emails die Woche und verlotterte komplett. Seine Vorlesungen wurden nur von SVP-Mitgliedern besucht, die Infrastruktur der Uni hat er für Parteipropaganda genutzt, alle schön weit über die 60, damit er über Politik referieren konnte. Politisch war er ein Kettenhund und Speichellecker von und zu Herrliberg. Seinen Jaguar (mit Gegenlicht-Unfall) und das EFH haben wir ihm als Steuerzahler finanziert. Und er wollte ja für den Steuerzahler immer weniger Ausgaben, nur er wollte sein Töpfchen behalten. Das dann schon. Seinen Verwandten hat er bei Rickli und Goldbach Jobs besorgt. Seine hübsche und junge Freundin hat Ihn seit der Nichtwahl brutal abgesägt. Was für eine tragische Figur.

    • Gregor Hast sagt:

      Für mich war Herr Mörgeli ein genialer Politiker, der immer zu seiner Meinung stand und noch immer zu ihr steht, und Politik so erklären konnte, dass auch wirklich jeder nachkam. Dank ihm haben sich wohl viele erst richtig für Politik interessiert. Er ist einer, der mit offenen Augen durch die Welt spaziert und nicht alles durch eine rosaroten Brille sieht. Er ist einer, der zwar eine scharfe Zunge hat- aber dennoch einstecken kann. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Mörgeli überhaupt nicht ein schlechter Dozent gewesen war, sondern einer, der sich für seine Schüler eingesetzt hatte. Seine politischen Ansichten sind ihm leider zum Verhängnis geworden, was ich sehr schade finde.

      • rolf kenel sagt:

        Sehr geehrter Herr Hast. Die “Brille” von Mörgeli war rechtsnational konservativ und von Ziehvater Blocher geschliffen und finanziert. Einstecken konnte er nicht, oder haben Sie schon jemanden erlebt, der nach einer gerechtfertigten Kündigung das Gericht noch weitere 2 Jahre beschäftigt? Das berühmte Lächeln ist ihm hoffentlich vergangen nach der Abwahl. Zudem hat er sich für seine “Schüler” derart eingesetzt, dass offenbar die Dorktorarbeiten nicht den Standards entsprachen, die in wissenschaftlichen Arbeiten erforderlich sind. Das ist eben auch Mörgeli, also Augen auf- und zwar auf beiden Seiten Herr Hast.

        • Gregor Hast sagt:

          Sehr geehrter Herr Kenel

          In einer Beziehung gebe ich Ihnen schon einmal recht, dass man stets beide Augen geöffnet habe sollte. Trtozdem bin ich noch immer der Überzeugung, dass Herr Mörgeli seinen Beruf geliebt hatte und ihn mit viel Herzblut ausgeübt hatte. Für seine ungerechte Kündigung hat er weiter gekämpf und am Schluss recht bekommen.

  2. Karl Knaus sagt:

    Welches Feld ist noch mit * markiert? Für mich auf alle Fälle nicht ersichtlich

  3. Wishaw Thomas sagt:

    Ich finde dieser Blog ein unanständig und eine Sauerei gegenüber Herrn Mörgeli.
    Lustig ist es schon gar nicht.
    Und nein ich bin nicht SVP Wähler, sondern auf der anderen Seite.

    • Mario Monaro sagt:

      Ja, nicht gerade nett, aber da Herr Mörgeli prächtig austeilen kann, wird er sicher auch entsprechend einstecken können.

  4. Anh Toàn sagt:

    Mörgeli hat keine Zeit, er wird von seiner Herrlichberglichkeit in den Bundesrat gesteckt, um die Schweiz zu retten, die Fifa muss noch etwas ausharren, bis sie von diesen selbsternannten Rettern geholfen wird.

  5. Mörgeli schafft's schon sagt:

    So tragisch und unglaublich die Situation bei der FIFA auch ist, so toll ist es, dass endlich einmal jemand zynisch und mit viel Satire über diesen Verein schreibt. Und dann noch mit dem ach so ehrgeizigen fehlerlosen, gedemütigten Ch. Mörgeli als Hauptperson. Ja er wäre wirklich der ideale Präsident, denn er kann alles was dafür verlangt wird. Er kann ungemein gut austeilen und überhaupt nicht einstecken. Täter und Schuldige sind immer die anderen. Das einzige Manko ist vielleicht, dass er nicht so viel vom Fussball versteht, aber das ist ja anderswo auch kein Hinderungsgrund gewesen ihm den Job an der Uni zu geben.
    Dann lasst uns mal auf einen weiteren Schweizer FIFA Präsidenten hoffen
    (Satire off

  6. Mörgeli hätte Zeit, womöglich genug Zeit. Ob Zeit allein reicht, um Geschäfte ordnungs- und rechtmässig abzuwickeln? Wenn ich daran denke, wie Mörgeli in seinem medizinhistorischen Institut die Leichen hat verstauben lassen, hätte ich meine Zweifel bei einer Mörgeli-Wahl. In der Fifa müsste Mörgeli die Leichen zuerst einmal ausfindig machen – wenn man davon ausgeht, dass nicht ganz alle in diesem Betrieb schon stinken. Bei Mörgeli besteht die Gefahr, dass er zum Bestatter wird, wie beim medizinhistorischen Institut. Eigentlich sollte man die Fifa in ihrer jetzigen Form bestatten – alles andere wäre Leichenfledderei. Mörgeli wäre unter Umständen ein glänzender Kurator eines Ballenbergschen Museums, das im nächsten Jahrzehnt ungeahnte Bedeutung erlangen dürfte.

    • Gregor Hast sagt:

      Ich glaube eher, Herr Mörgeli wollte seine Arbeit beim medizinhistorischen Institut zu gut machen, und hat deswegen viele Neider an sich gezogen.

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