Leben


Andrea Fischer am Dienstag den 8. Mai 2012

Angst frisst Mutter

Mütter machen sich Sorgen.

Sich zu sorgen ist normal. Zu viel Sorge kann einschränken: Ängstliche Frau. (Symbolbild)

Mütter machen sich Sorgen. Ein Mutterleben lang. Von der Befruchtung bis zur Himmelfahrt oder wohin es auch immer gehen mag, wenn wir hier fertig sind. Entwickelt sich das Kind im Bauch normal? Atmet es noch, wenn es mucksmäuschenstill in seinem Bettchen schläft? Verschluckt es sich auch nicht an einem Legostein? Fällt es vom Baum? Kommt es sicher auf die andere Strassenseite? Hat es gute Freunde? Ist es gut in der Schule? Verliebt es sich womöglich in einen unwürdigen Herzensbrecher? Hat es einen bösen Chef und schuftet sich in ein Burn-out? Diese Litanei der inneren Besorgnis dauert an und an und an, selbst dann, wenn «es» schon lange kein «es» mehr ist.

Schon klar, das ist total normal. Es ist sogar normaler als je zuvor. Abnormal normal, sozusagen. Debatten über eine überbesorgte Generation von Eltern füllen die Presse von Regenbogenblatt bis Wissenschaftsmagazin. Der Begriff der Helikopter-Eltern rotiert über unseren Köpfen und wir wissen: Wir sind viel zu ängstlich. Und das schadet den Kindern. Die sollten besser wieder Baumhütten zimmern, allein im Dunkeln Detektiv spielen, sich ungestört verprügeln dürfen auf dem Heimweg und sonstiges Verbotenes ausprobieren, ohne dass wir ihnen dabei ständig in den Nacken atmen. So viel haben wir verstanden. Angst ist normal. Aber haben sollen wir sie trotzdem nicht.

Und damit es auch so richtig komplex wird, gelten wir rasch als verantwortungslos, wenn wir unsere Kinder tatsächlich unbesorgt frei herumtollen lassen. Oder nicht stets präzise wissen, wann sie nach Hause kommen, ihnen kein Handy mitgeben, ihnen gar einen Schlüssel um den Hals hängen oder sie nicht ins Gymi befördern.

Mit diesem Salat an Widersprüchen und Sorgen müssen wir leben. Das ist auch nicht sonderlich dramatisch. Genauso wie mit der angeborenen Angst der Mütter, die ja eigentlich durchaus sinnvoll ist. Sie zwingt uns, uns stets mit vollem Einsatz für unseren Nachwuchs einzusetzen und Unheil möglichst vorauszusehen und zu verhindern. Das Problem an der Sache ist, dass wir nun mal nur sehr bedingt Einfluss auf den Lauf der Dinge haben. Auch wird die Welt in ein immer bedrohlicheres Licht gerückt, weil fast alles als potenziell bedrohlich eingestuft wird. Erdnüsse, Stofftieraugen, Zitronensäure, Zebrastreifen, das Internet etc. Und das, obwohl das Leben in unseren Breitengraden viel sicherer geworden ist. Diese Welt-Angst überträgt sich auf unsere Kinder. Auch das ist meist keine Tragödie, nur ein unbequemes und eigentlich unnötiges Korsett.

Richtig ernst wird es erst, wenn die Angst zur Krankheit wird. Und das ist keineswegs selten. Je nach Erhebung leidet jeder Fünfte im Lauf seines Lebens an einer Angststörung, Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Und damit gibt es viele Mütter, die nicht nur einfach mit mütterlicher Sorge fertig werden müssen, sondern darüber hinaus in pathologischem Ausmass darunter leiden, dass das Leben eben nicht kontrollierbar ist.

Die Folgen reichen von Vermeidungsverhalten bis zu regelrechten Panikstörungen. Zu den eigentlichen Ängsten kommt die Sorge, den Kindern mit der eigenen Angst grad doppelt zu schaden, ihnen das Urvertrauen zu nehmen, das sie doch so dringend brauchen. Willkommen im Teufelskreis. Heisse Tipps und wohlmeinende Beschwichtigungen nützen hier leider kaum mehr, oft machen sie alles noch schlimmer, in dem sie das schlechte Gewissen füttern.

Gut zumindest, das man heute viel weiss über Angststörungen und ihre Therapie und dass sie ernstgenommen werden. Denn je früher sie behandelt werden, um so besser. Aber dafür müssen sie erst mal diagnostiziert werden. Und das wiederum bedingt, dass man sich eingesteht, dass etwas nicht stimmt. Nicht ganz einfach. Schliesslich ist Angst uncool, im wahrsten Sinn des Wortes. Und manchmal eine Krankheit. Dazu zu stehen bedeutet, zu der eigenen Schwäche zu stehen. Wer tut das schon gern? In der Überzeugung, dass es trotzdem wichtig ist, das Thema endlich aus dem Halbschatten zu holen, habe ich nach langem Hin und Her beschlossen, hier genau das zu tun: dazu zu stehen, dass ich eine Mutter mit übermässiger Angst bin. Ich bin nicht stolz darauf, aber es ist eine Tatsache. Eine, mit der man leben kann. Mal besser, mal weniger gut.

Für mich hat es sich bewährt, gegenüber mir und meinem Umfeld dazu zu stehen – auch gegenüber meinen Kindern. So wissen sie, dass es nichts mit ihnen zu tun hat, wenn ich ihnen mal wieder zu wenig zutraue oder mir eine eigentlich völlig übertriebene Ermahnung nicht verkneifen kann. Sie wissen auch, dass es nicht ihr Job ist, mich vor meiner Angst zu beschützen, in dem sie mir zuliebe übervorsichtig sind. Es gibt darum Dinge, die sie mit meinem Mann besprechen müssen. Wie die Erlaubnis, vom Fünfmeterbrett zu springen, allein mit dem Fahrrad im Quartier rumzudüsen oder auf eine hohe Mauer zu klettern. Das erspart ihnen unnötige Einschränkungen. Und mir gibt es die Zuversicht, dass sie trotz meiner Angst den Raum bekommen, ihre Kräfte und Fähigkeiten auszuloten.

Mamablog-Redaktion am Montag den 7. Mai 2012

Hausmitteilung

Wir gratulieren Nina Merli zur Geburt ihrer Tochter! Mutter und Tochter sind wohlauf. Wir wünschen der Familie alles Gute und Nina Merli erholsame Tage und eine gute Zeit bis zu ihrer Rückkehr. Die Redaktion.

Susanne Taverna am Sonntag den 6. Mai 2012

Die neu gewonnene Freiheit

Der Kinderwagen für hinten ans Velo – nicht ohne Tücken: Velofahrerin mit Kind in Chur. (Bild: Keystone)

Das wurde langsam auch Zeit: Der Aktionsradius unserer Familie hat sich erweitert. Und das nicht zu knapp. Dank eines Veloanhängers. Waren wir in den letzten acht Monaten auf Spazieren und Autofahren beschränkt, können wir nun endlich wieder mit dem Bike in die Natur. Ein Hochgenuss sondergleichen für Bewegungsmenschen! Und auch der Junior zeigt sich begeistert, juchzt er doch da hinten froh vor sich hin und kann sich gar nicht genug satt sehen an der Landschaft.

Für uns war schnell klar, wofür wir den Anhänger vor allem brauchen: Für den Weg in die Krippe und unsere Outdoor-Unternehmungen. Im Stadtverkehr, naja, da werden wir wohl auch weiterhin mit Tragvorrichtungen und Kinderwagen unterwegs sein. Denn auf Churs Strassen hat ein Kreiselliebhaber gewirkt. Und eben gerade dieses Rund macht das Fahrradfahren an und für sich schon nicht einfach. Mit dem Anhänger im Schlepptau wird es direkt gefährlich. Denn welcher Autofahrer achtet schon auf das Fähnchen, das wir am Anhänger angemacht hinter uns herziehen? Entnervt lässt er den langsamen Velofahrer ins Rund, um dann endlich selber reinfahren zu können. Dass da noch ein Anhänger dran ist, bemerken die meisten erst in letzter Sekunde. Für das vom Beschützerinstinkt gelenkte Mami keine schöne Sache. Da warte ich lieber noch eine Sekunde länger, und fahre dann in den leeren Kreisel ein. Oder ich benutze den Fussgängerstreifen und verärgere damit die dort laufenden, weil mir jedes Mal absteigen doch zu mühsam ist.

Und mal ganz im Ernst: Wer hat eigentlich die Breite des Velostreifens bestimmt? Klar, wenn ich alleine unterwegs bin, bewege ich mich ohne Probleme in den gelben Linien. Aber mit dem Doppelanhänger besteht dafür keine Möglichkeit. Das Aussenrad des Anhängers touchiert immer wieder den Bordstein, was den Sohn durchrüttelt und die Fahrerin ebenso. Fahre ich genau auf dem äusseren Streifen, dann geht das gerade noch gut mit dem Anhänger. Dann bin ich aber auch wieder ein Verkehrshindernis. Das BfU schreibt dazu: «Die Benützung von Fahrrädern mit Anhängern ist auf Radwegen nur gestattet, wenn der übrige Fahrradverkehr nicht behindert wird.» Also zurück auf die Strasse mit meiner wertvollen Fracht. Nicht wirklich eine gute Lösung.

Denn dort wartet die Statistik mit gar nicht ermutigenden Zahlen auf. Zwar gibt es keine Daten zu Unfällen mit Veloanhängern, aber 3218 Unfälle mit Fahrradfahrern im Jahr 2010, wovon 34 tödlich ausgingen und 830 mit schweren Verletzungen endeten, verunsichern doch etwas. Der «Tagesanzeiger» schrieb am 8. März: «So gibt es in der Schweiz bis heute fast keine Meldungen über schwere Unfälle mit Veloanhängern Eigentlich verwunderlich, finde ich.

Genau aus diesem Grund eben fahre ich hier in Chur nur wenig befahrene Strassen und freue mich, sobald ich die Stadtgrenze verlassen habe, an der neugewonnenen Freiheit.

Susanne TavernaSusanne Taverna ist Dienstchefin beim «Bündner Tagblatt» und Mutter eines acht Monate alten Sohnes. Sie lebt mit ihrer Familie in Chur.

Mamablog-Redaktion am Freitag den 4. Mai 2012

Es braucht nicht Frauen – sondern Mutterförderung

Eine Carte Blanche von Michèle Binswanger*.

SCHWEIZ CAROLINA MUELLER-MOEHL

Wenn die gesellschaftlichen Strukturen Familie und Karriere nicht von vornherein ausschliessen würden, gäbe es sicher mehr Frauen wie die Unternehmerin Carolina Müller-Möhl. (Bild: Keystone)

Ich weiss nicht genau, was unsere Justizministerin sich überlegt hat, als sie am Tag der Arbeit die Zuwanderungsfrage mit der Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie verknüpfte. Doch Frauenförderung als Einwanderungsprävention zu verkaufen, um das Migrationsthema ein bisschen zu bewirtschaften, ist in dieser Frage definitiv der falsche Weg und führt, wie sich inzwischen gezeigt hat, zu unnötigen Stellvertreterdebatten über schlecht integrierte ausländische Spitzenkräfte. Sollten denn nicht die Leute Spitzenpositionen besetzen, die am besten qualifiziert sind, ungeachtet dessen, ob es sich um einen Mann, eine Frau, einen Türken oder einen Deutschen handelt? Was direkt zur Frage führt, warum die gut ausgebildeten Schweizerinnen in den Führungsspitzen immer noch untervertreten sind. Könnte es daran liegen, dass wir uns viele Gedanken darüber machen, wie man Frauen fördert aber keine darüber, dass nicht das Geschlecht, sondern die Mutterschaft Frauen aus dem Arbeitsleben reisst? Könnte es daran liegen, dass sich viele Unternehmer sagen, die einzelne Mutter sei nicht das Problem, sondern erst die Masse der Mütter, da zu teuer?

Es gibt ein paar Tatsachen, denen wir uns stellen müssen. Frauen haben heute die gleichen Chancen im Arbeitsleben, wie die Männer. Bis sie Kinder bekommen. Ebenfalls eine Tatsache ist, dass die meisten Frauen Kinder wollen und dass dies der Grund ist, warum sie im Arbeitsleben zurückstecken. Frauen haben also die Wahl, entweder auf Kinder oder auf die Karriere zu verzichten. Wenn der Staat aber beides will, nämlich die gut qualifizierten weiblichen Arbeitskräfte und die Kinder, dann müssen die Strukturen angepasst werden – für Männer wie für Frauen. Und zwar sowohl in den Unternehmen, wie auch in den Familien. Und das heisst: vor allem in den Köpfen.

Auf diese Forderungen folgt meistens eine hoch moralische Diskussion. Dass Kinder zu haben doch etwas Wunderbares sei und man den Frauen das bitte nicht schlechtreden solle. Und man ihnen gefälligst auch nicht vorschreiben solle, wie sie ihre Mutterschaft zu leben hätten. Es ist das Kristina-Schröder-Argument: Wir sind längst emanzipiert, gebt doch endlich Ruhe. Mag sein – aber es ist nur die halbe Wahrheit.

Wirtschaftlich gesehen gibt es nämlich nur zwei Lösungen: keine Frauen mehr auszubilden, weil sich das letztlich nicht lohnt. Oder die Strukturen zu ändern und zu schauen, ob sich dann vielleicht nicht doch mehr Frauen wie Carolina Müller-Möhl oder Andrea Degen und viele andere finden, die ebenso verantwortungsbewusste Mütter wie Unternehmerinnen sind. Auch wenn ihnen das Thema zum Hals raus hängt, weil immer nur sie die Vereinbarkeitsfrage beantworten müssen – und nicht ihre Männer.

Ich behaupte, dass Frauen ihre Mutterschaft liebend gern auch anders leben würden, wenn die Rahmenbedingungen von Anfang an anders wären. Wenn Familie und Karriere sich nicht von vornherein ausschliessen würde, wenn nicht sofort als Ego-Mutter verschrien würde, wer die Kosten des Nachwuchses auf alle Beteiligten verteilen will.

Es geht eben genau nicht darum, dass es jetzt noch mehr Leistung braucht und deshalb die armen Kinder zu Hause verwaisen, sondern die Bewegung muss in beide Richtungen stattfinden. Es muss selbstverständlich werden, dass Mütter ihre Ambitionen nicht mit der Niederkunft begraben. Und ebenso muss klar werden, dass auch hochqualifizierte Väter sich um die Familie kümmern und Zeit darin investieren.

Natürlich gibt es Stimmen, die sagen, das würde nichts bringen. Das Bildungsprofil von Frauen entspreche oft nicht den Qualifikationsanforderungen jener Branchen, die dann ausländische Spitzenkräfte anheuern, sagte der Ökonom Beat Kappeler dem «Tages-Anzeiger». Als ob die Frauen von Natur aus zum Dienstleistungssektor neigen. Aber vielleicht drängen die Schweizer Frauen ja auch deshalb mehr in soziale als in ökonomische Fächer, weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie dort eher gegeben ist?

Will man mit Frauenförderung Ernst machen, braucht es mehr als bloss Krippenplätze. Es braucht ein gründliches Umdenken in der Wirtschaft. Es braucht Arbeitszeiten und Karrierestrukturen, die den Bedürfnissen von Familien angepasst werden. Es braucht steuerliche Anreize, damit es attraktiv wird, auch nach der Geburt im Job zu bleiben – und man den Teilzeitlohn nicht gleich wieder an Krippe und Staat abgeben muss. Es braucht einen anständigen Vaterschaftsurlaub, der Vätern ermöglicht, unter gleichen Bedingungen in ihre Vaterschaft zu starten. Darüber hinaus würde ein solcher die Frauen vom Stigma befreien, dass nur sie zum Kostenfaktor werden, wenn sie eine Familie gründen. Und vor allem braucht es die Einsicht, dass arbeitende Mütter keine Rabenmütter und Teilzeiter-Väter keine Weicheier sind.

Nicht zuletzt braucht es Ausbildungs- und Networking-Programme für Mütter, damit diese lernen, dass es viele verschiedene Wege gibt, Kind und Karriere zu vereinen. Und Zuversicht fassen, dass sie das nicht nur können, sondern ihnen das auch zusteht. Denn so lange es einfacher ist Männer zu finden, die den Frauen den Job zutrauen, als Frauen, die sich selbst einer solchen Position gewachsen fühlen, wird das nichts mit der Frauenförderung.

michele150x150 Kopie*Michèle Binswanger ist Autorin, Redaktorin, Mutter zweier Kinder und Mamabloggerin der ersten Stunde. Sie hat gerade ihr erstes Buch zusammen mit Nicole Althaus veröffentlicht: «Macho Mamas – Warum Frauen im Job mehr wollen sollen.» Nagel & Kimche, 176 Seiten, 25.90 sFR

Gabriela Braun am Donnerstag den 3. Mai 2012

Der Stress mit Schwangeren

Bei ihnen dreht sich alles um den Bauch: Schwangere bei einem Schönheitswettbewerb in Russland. (Bild: Reuters)

Bei ihnen dreht sich alles um den Bauch: Schwangere bei einem Schönheitswettbewerb in Russland. (Bild: Reuters)

Eine schwangere Frau muss sich ja zu allerlei Themen schlau machen. Es beginnt bei Fragen wie: Welchen Käse darf ich essen? Wieviel Wein darf ich trinken – beziehungsweise: Darf ich das denn überhaupt noch? Sie macht sich mit ihrem Partner Gedanken zur Gesundheit des Babys, staunt über dessen Entwicklung, überlegt sich allfällige vorgeburtliche Untersuchungen.

Hinzu kommen eine Menge grosser Entscheidungen, die anstehen: Welchen Namen soll das Kind tragen. Wer kommt als Götti in Frage. Wie und wo versichern sie es. Wer soll danach wieviel arbeiten. Und: Wollen wir vorher nicht doch heiraten?

Verständlich deshalb, wenn das Baby Thema Nummer eins ist. Es gehört mit zur Vorfreude, über all diese Dinge zu reden und die gemachten Gedanken zu teilen – mit der Familie und Freunden, den Arbeitskollegen und Bekannten.

Trotzdem frage ich mich: Müssen werdende Mütter immer nur noch über diese Themen reden? Gibt’s denn gar nichts anderes mehr, das sie bewegt oder interessiert? Ich erlebe in letzter Zeit häufig, dass gestandene Frauen – kaum sind sie schwanger – in das ewig gleiche Gebrabbel einstimmen. Sonst waren sie doch immer so eigenständig, witzig und gescheit…? Alle anderen Interessen und Themen scheinen sich in Luft aufzulösen, zugunsten ihres Bauchs.

Mamablog2

Schwangere Frauen in Szene gesetzt: Wie wärs, wenn wir zur Abwechslung über die Farbe Rot sprechen?

So geschehen bei einer kürzlich zusammengekommenen Frauenrunde. Wir waren zum Abendessen verabredet. Der Zufall wollte es, dass gleich drei von sechs Frauen schwanger waren. Das Thema des Abends war sogleich gesetzt: Es ging fortan um den Zustand des Schwangerseins. Beim Apéro beganns – vier Stunden später beim Adieu sagen endete es.

Während der ersten Stunde quatschen wir noch alle angeregt miteinander. Die schwangeren Frauen engagiert, wir anderen interessiert. Mit «wir» sind zwei kinderlose Enddreissigerinnen gemeint und ich, eine Mutter mit Schulkind. Als es aber in der zweiten Stunde noch immer und ausschliesslich um das ABC des Kinderkriegens ging, begannen wir Nichtschwangeren elegant aber bestimmt, die Themen zu wechseln.

Die Nichtschwangere A erzählte eine lustige Episode ihrer Südamerikareise. Wir lachten lauthals und ich dachte bereits, wir hätten den Gebär-Talk gehakt … und, zack, war er wieder da: «… in Südamerika sagt man doch, für die Erziehung eines Babys brauche es ein ganzes Dorf», sagte eine Schwangere strahlend – und spannte den Gesprächsbogen sogleich zur künftigen Betreuung des Babys: «Wie organisiert ihr denn euch?»

Was haben wir Drei versucht, die Themen während des Abends anders zu setzen. Irgendwann wurden wir forscher, denn es war offensichtlich: Nichtschwangere B kämpfte, mit sich und den Tränen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch sie sich ein Kind wünscht. Die dickbauchigen und rotwangigen Frauen bemerkten deren Zustand nicht. Zu sehr waren sie von sich selbst eingenommen.

Für das Verhalten des «nur noch schwanger seins» gibt es von der Wissenschaft her bestimmt irgendeine Bezeichnung oder Erklärung. Hat wohl mit den Hormonen und dem Nesttrieb zu tun – gekoppelt mit der Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Als Aussenstehende jedoch stelle ich einfach fest: Allzuviel Nabelschau ist anstrengend.