Leben


Archiv für die Kategorie „Sex/Partnerschaft“

Sex lass nach!

Nina Merli am Donnerstag den 9. Februar 2012
Mamablog

Sex zwischen Teenagern ist in den USA nicht immer problemlos: Ellen Page und Michael Cera scheren sich im Film «Juno» nicht um Konventionen.

Renata liebt Ervin und Ervin liebt Renata. Und darüber regt man sich bis weit über die Grenzen Österreichs auf. Denn Renata Juras ist 43 und Ervin Unterlechner gerade mal 16 Jahre alt. Als das ungleiche Paar zum ersten Mal Sex miteinander hatte, war Ervin 13. Der Stiefvater des Teenagers zeigte die Frau an, worauf diese zu 22 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Doch das Paar begann sich schon bald wieder zu sehen und hatte auch keine rechtlichen Schritte mehr zu befürchten, denn in Österreich liegt das Schutzalter bei 14 Jahren – diesen Sommer erwarten die beiden ihr erstes gemeinsames Kind, weshalb Renata und Ervin aktuell wieder für Schlagzeilen sorgen.

In den USA hätte die Liebesgeschichte von Renata und Ervin wohl ein anderes Ende genommen. Denn wenn es um Sex mit Teenagern geht, kennt die US-Justiz kein Pardon. Dabei spielt es keine Rolle, wie gross der Altersunterschied zwischen dem Paar ist: Unterliegt man dem Schutzalter – was von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden geregelt wird – ist sogar der Sex zwischen Gleichaltrigen verboten. Wie weit dieses Verbot gehen kann, musste Ken Thornsberry (mittlerweile 26 Jahre alt) aus Royal Oak, Michigan, am eigenen Leib erfahren.

Seine Geschichte ist dermassen absurd, dass sie kürzlich sogar dem Nachrichtenmagazin «Newsweek» eine mehrseitige Reportage wert war. Ken ist 18, als er sich in die 14-jährige Lester verliebt. Die beiden wissen, dass sie gegen das Gesetz verstossen würden, wenn sie zusammen schliefen. Sie tun es trotzdem. Lesters Vater beschliesst eine sofortige Trennung des Paars und zeigt Ken an, als sich dieser gegen seinen Willen weiterhin mit seiner Tochter trifft.

Der ungehorsame Teenager wandert für ein Jahr ins Gefängnis. Und wird anschliessend drei Jahre auf Bewährung gesetzt. Drei Jahre, in denen er – als offiziell registrierter Sexualstraftäter – keinen Kontakt zu Minderjährigen haben kann, schon gar nicht zu seiner Freundin Lester. Doch nach seiner Entlassung beginnt das Paar sich wieder zu sehen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Nur weiss man auch aus eigener Erfahrung, dass vor allem für Teenager, das Verbotene eine noch viel stärkere Anziehungskraft ausübt.

Lester und vor allem Ken verbrennen sich jedoch ganz gehörig die Finger, wobei er jetzt nicht mehr so «glimpflich» davonkommt: Ken verbringt über sechs Jahre hinter Gittern. Letzters Jahr im August wird er aus dem Gefängnis entlassen und ist jetzt zwei Jahre auf Bewährung. Er trägt eine elektronische Fussfessel und als verurteilter Sexualtäter darf er sich nicht in die Nähe von Kindern begeben, muss zweimal wöchentlich einen Verhaltenskurs besuchen, darf kein Mobiltelefon mit integrierter Kamera benutzen (er könnte ja heimlich Fotos von Kindern und Jugendlichen machen!) und die Nutzung von Facebook oder anderen Social-Media-Foren ist ihm auch verboten. Zu gross ist die Gefahr, dass er sich unter einem falschen Profil an Minderjährige ranmachen würde.

Seine Freundin, die stets beteuert hat, einvernehmlichen Sex mit ihm gehabt zu haben, unterliegt inzwischen nicht mehr dem Schutzalter. Doch eine Wiederaufleben ihrer Romanze – wie im Fall des österreichischen «Skandalpaares» Renate und Ervin – ist ausgeschlossen: Ein Richter hat Lester offiziell zum Opfer ernannt – Ken darf während der Bewährung keinen Kontakt zu ihr haben.

So unglaublich dieser Fall auch tönt, ist er kein Einzelfall. Allein im Staat Michigan gibt es 1341 registrierte jugendliche Sexualstraftäter. Wieviele von ihnen tatsächlich ein Verbrechen begangen haben oder einfach nur Sex mit ihrem Freund oder ihrer Freundin hatten, weiss man nicht. Kens Mutter kämpft seit der ersten Verurteilung ihres Sohnes für eine Lockerung dieser Gesetze. Denn laut der Staatsanwaltschaft ist sie indirekt mitschuldig am ganzen Dilemma. «Kinder müssen das Gesetz berücksichtigen und Eltern müssen ihre Kinder unter Kontrolle halten», so die lapidare Bemerkung des Staatsanwaltes auf ihre Frage, ob die Regelung nicht zu streng sei.

Dass es nicht ganz einfach ist, Teenager «unter Kontrolle» zu halten, wissen wohl auch andere amerikanischen Eltern. In den letzten Jahren haben sich in allen 50 Bundesstaaten Eltern-Organisationen formiert, um ihre Kinder zu schützen: Vor einer unverhältnismässig strengen Gesetzgebung.

Wann hören Sie auf zu schnarchen?

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 8. Februar 2012

Ein Papablog von Rinaldo Dieziger.

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Spätestens im gemeinsamen Schlafzimmer wird Schnachen zum Problem: Bettszene aus dem Film «Wanderlust» (2012) mit Jennifer Aniston und Paul Rudd.

Am Stützpunkt der Fliegerabwehr in Payerne fiel es mir zum ersten Mal auf: Jeder zweite Mann schnarcht. Rekrutenschule. 1997. Ich machte die Phase vom besinnungslosen Kantischüler zum abgebrühten Handgranatenspezialisten durch. Die Tage waren lang, die Nächte kurz: Chrrr, chrrr, chrrr.

In 17 Wochen lernte ich, wie man sich mit Sturmgewehr, Cervelat und Sackmesser gegen Invasoren verteidigt. Und wie man in einem Schlafsaal mit 20 Schnarchern von einer Nacht am Strand von Waikiki träumt. Mit Dosenbier und Discman (damals noch). Wir waren eine verschworene Einheit. Man sagte mir, dass ich dazugehöre. Dass ich einer der krassesten bin. Einer der ganz brutalen Schnarcher.

Wir traten im Morgenrot daher und lachten darüber. Ein paar Jahre später zog ich in den Krieg. Als ich zum ersten Mal mit einer Frau zusammenzog. Das gemeinsame Schlafzimmer – ein Guantanamo. Ich folterte mit Schlafentzug. Terror. Horror. Wir setzten Abwehrwaffen ein: Oropax. Oder: «Ich gucke noch einen der besten Filme aller Zeiten (Kabel 1) und komme dann nach.» Oder: «Ich esse noch einen Cervelat und schlafe auf dem Sofa.»

Es half alles nichts. Wir waren keine Einheit. Meine Frau gehört nicht zu den 30 (!) Prozent der Frauen, die schnarchen. Trotzdem wurde sie schwanger. Und ich sägte munter weiter am Ast, auf dem unser Eheglück sass. Unbewusst. Ich schlief. Tief und fest. Das ist ja das Gemeine am Schnarcherdasein. Du tust etwas Schlimmes und merkst es selber nicht. Bis es dir jemand sagt. Immer wieder.

So ging ich zu den HNO. Hals-Nasen-Ohren-Ärzten. Die Operation verlief glimpflich. Vollnarkose. Sie schnitten mir ein Stück Fleisch aus dem verengten Rüssel. Seither atme ich die volle Alpenluft. Doch das Schnarchgeräusch blieb. Die Binsenwahrheiten im Umfeld gewannen an Fahrt: weniger Burger, weniger Bier, weniger Bauch. Unverlockend. Ich versuchte es mit Nasenspray, Nasenpflaster, Globuli, Fisherman’s Friend, Meerrettich und suchte weiter.

Und dann fand ich Arthur Wyss. Der gelernte Elektroniker aus Bern hat das ganze Leidensprogramm durchgemacht: CPAP-Beatmungsgerät, Operationen an Nase, Halszäpfchen und Gaumensegel. Von einer Beatmungsmaschine abhängig sein wollte er nicht. Wer will schon jede Nacht aussehen wie ein Alien von H.R. Giger? So begann er selbst zu experimentieren. Im Nachtzug nach New Delhi sah er einem Mann beim Sutra Neti zu, einem Nasen-Rachen-Putzritual im Hata-Yoga. So kam er auf die Idee für seine Anti-Schnarch-Spange. Ein simpler Draht, den man in den Mund einsetzt.

Bei der Anpassung musste ich fast kotzen, mein Sitznachbar gab auf. Nach zwei Wochen spürte ich nichts mehr. Seither herrscht Ruhe im Schlafzimmer. The War Is Over.

Das Schweizer Fernsehen hat Arthur Wyss im Juni 2011 porträtiert. Zu seiner Homepage und einem Termin für die Anpassung geht es hier.

rinaldoRinaldo Dieziger (36) ist Gründer und Geschäftsführer von Supertext, der ersten Textagentur im Internet. Er ist letztes Jahr Papa einer Tochter geworden und lebt mit seiner Familie in der Stadt Zürich.

Reich, schwanger und hysterisch

Nina Merli am Donnerstag den 19. Januar 2012


Hebamme ohne Hemmungen: Für Rosie Pope ist in «Pregnant in Heels» nichts unmöglich.

Eine gute Freundin, die in New York lebt, hat mir von der Doku-Serie «Pregnant in Heels» erzählt – ein «must» für Schwangere, meinte sie. Okay, also nichts wie ab ins Web und ein paar Folgen (Beispiel siehe oben) anschauen. Im Zentrum steht die Britin Rosie Pope, ursprünglich Designerin für Umstandsmode und Accessoires (Rosie Pope Maternity) und, nach eigener Bezeichnung, «Maternity Concierge». Im Prinzip ist Rosie eine Art Fashion-Hebamme, die Frauen vor und nach der Geburt begleitet, mit dem einzigen, aber sehr grossen Unterschied, dass die Ideen ihrer Kundinnen normalsterblichen Schwangeren wahrscheinlich nicht mal während der heftigsten Hormonturbulenzen in den Sinn kommen.

Denn Rosie Popes Kundinnen sind allesamt schwerreich, unglaublich anspruchsvoll und leben in der exklusiven Upper East Side im Nordosten Manhattens. «Frauen sind von Natur aus zickig – wenn Sie aber eine reiche Zicke mit einem Baby im Bauch nehmen, dann haben Sie meine Kundin», beschreibt Rosie die «Million Dollar Moms», für die sie sieben Tage die Woche und rund um die Uhr erreichbar ist.

Da ist zum Beispiel Samantha. Sie und ihr Mann Mitch sind beide erfolgreich in ihrem Beruf (sie als Autorin und Personal Branding Expertin, er als Banker) und bereits Eltern von zwei Kindern. Das dritte ist unterwegs aber, oje, sie haben weit und breit keinen erfolgversprechenden Name auf Lager – was einer mittleren Katastrophe nahe kommt, denn ein «Name ist wie ein Brand und bestimmt über den Erfolg eines Kindes» (O-Ton Samantha). Und schon bald wird einem klar, was sie genau meint, wenn sie von sich selber sagt, sie sei «obsessed»: Für die ersten beiden Kinder (Ruby und Ella) sind die Eltern insgesamt 12′000 Kindernamen durchgegangen. Jeden einzeln. Kein Wunder, dass sie sich diese Arbeit nicht noch ein drittes Mal antun wollen und darum Rosie Pope damit beauftragen.

Diese stellt innerhalb kürzester Zeit einen Think Tank zusammen. Die Experten-Runde (ein Werber, ein Linguist, eine Baby-Namen-Bloggerin, eine Texterin und ein Poet) stellt eine Namensliste zusammen, die einem weiteren Team aus Psychologen und irgendwelchen Wirtschafts- und Werbeexperten gezeigt wird, die dann darüber debattieren. So wollen Samantha und Mitch sicher gehen, dass die Namen, die es in die Endrunde schaffen (Holden, Bode, Bowen, Asher, Miles, Clifford) auch bei ihren Freunden und Bekannten (die «ganz wichtige Leute sind») gut ankommen. Um ganz sicher zu gehen, wird noch schnell eine Dinner-Party organisiert, wo das Power-Couple dann ganz beiläufig die Namen in die Runde wirft und auf die Reaktionen ihrer illustren Gäste achtet.

Rosie Popes Zielpublikum: Schwangere in Highheels.

Der Arbeitsalltag von Rosie Pope ist unglaublich abwechslungsreich. So will eine Kundin nackt auf einem Pferd porträtiert werden, eine andere braucht dringend eine eigens designte Geburtsgarderobe und einen Stylisten, der sie für den grossen Tag «nett herrichtet», denn sie will ja auf dem Video ihrer Geburt umwerfend aussehen. Verständlich.

Und so rennt Rosie Pope, das Blackberry stehts am Ohr, von einer Luxus-Wohnung zur nächsten, beruhigt, schmeichelt und schimpft auch manchmal, was zwar in den wenigsten Fällen gut ankommt, denn die «Million Dollar Moms» sind sich keinen Widerspruch gewöhnt und benehmen sich wie kleine Kinder, wenn mal etwas nicht nach ihrem Kopf läuft.

Ja, und wozu soll man sich «Pregnant in Heels» und diese hysterischen Weiber antun? Ganz einfach: Weil man sich beim Schauen so unglaublich normal fühlt und sich plötzlich die eine oder andere Schwangerschaftslaune ohne den geringsten Anflug von schlechtem Gewissen gönnt.

PS: Samantha und Mitch haben sich übrigens für «Bowen» entschieden. Naja …

Best of Mamablog: Der Sex der Zukunft

Mamablog-Redaktion am Samstag den 31. Dezember 2011

Über die Festtage pausieren unsere Bloggerinnen und Blogger. Deshalb publizieren wir bis Ende Jahr Lieblingsbeiträge unserer Autorinnen und Autoren – wir hoffen, das Wiederlesen macht auch Ihnen Spass! Der letzte Beitrag unserer Best-of-Serie ist von Marie Dové.

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«Sie zeigen Sex als absurd, peinlich und lustig»: Air-Sex-Einlage an einer Veranstaltung in Austin, Texas.

Der Mamablog widmete im Sommer 2011 dem Thema Sexualität einen Schwerpunkt. Als Erstes konnten Sie im Beitrag von Michèle Binswanger lesen, wie der Terminus Sexsucht zu einer Art Modediagnose geworden ist. Dann hat Jeanette Kuster ausführlich über das Thema Aufklärung und die Ressourcen, die Eltern und Kindern zur Verfügung stehen, berichtet. Es folgte der vergnügliche Gastbeitrag von Julia Sweeney über Frösche und Analsex. Danach zeigte Michael Marti auf, weshalb ein Blick ins tiefste Mittelalter erhellend ist für unser Verhältnis zur Lust. Den abschliessenden Beitrag, ein wahrlich virtueller Höhepunkt, wollen wir Ihnen wieder präsentieren: Air Sex, der letzte erotische Schrei, hat das Potenzial, alle sexuellen Probleme auf einen Schlag zu lösen. Viel Spass beim Lesen!

Eine Carte Blanche von Marie Dové

Womöglich ist dieser Sex ja die Lösung vieler unserer Sexprobleme. Denn jeder und jede kann ihn alleine tun und amüsiert damit erst noch andere. Die Redaktion des Internet-Magazins «Slate» jedenfalls zeigt sich geradezu begeistert vom Air Sex, von so viel auf der Bühne präsentierter Lust: «Die Veranstaltung zeigt Sex als absurd, peinlich und lustig – und genau so ist doch Sex.» Die Rede ist von einer «Air Sex»-Performance unlängst in Chicago, welche Teil einer grossen Air-Sex-Championship war, die durch die Vereinigten Staaten tourt.

Air Sex? Das sind Meisterschaften in vorgetäuschtem Sex. In der Regel 120 Sekunden Zeit haben die Sex-Sportlerinnen und Sex-Sportler – sie nennen sich Spider Pussy oder Erotic Otto –, um einen möglichst tollen Orgasmus möglichst eindrucksvoll vorzuspielen; sie praktizieren damit gewissermassen die geschlechtliche Variante der Luftgitarren-Duelle.

Hier das Beispiel eines prämierten und sehr unanständigen Blow Jobs, der auch unseren «Slate»-Kollegen ganz besonders gefiel.

Die Regeln beim Air-Sex sind denkbar simpel: Die Frauen und Männer dürfen keinen echten Orgasmus haben (ja, das gilt nicht), und sie dürfen nicht gänzlich nackt sein. Teilweise ausziehen ist allerdings erlaubt, genauso wie eindrückliche Hintergrundmusik. Ob es dabei gleich richtig zur Sache geht oder man vorher noch das Vorspiel vortäuscht, ist dem Geschmack der Teilnehmerinnen und Teilnehmer überlassen. Eine Jury bewertet schliesslich die Solo-Porno-Performance und kürt Siegerin und Sieger.

Ihren Ursprung hat die Sex-Pantomine in Japan, der mutmassliche Erfinder – gemäss Wikipedia ein Mann namens J-Taro Sugisaku – behauptet, Air Sex sei 2006 in Tokyo von einer Gruppe gelangweilter Männer ohne Freundinnen erfunden worden, aus der Sexualnot heraus quasi. Das tönt plausibel, jedenfalls wurde das Konzept in anderen Städten übernommen und in den USA gibt es mittlerweile eine Air-Sex-Championship, die durch die amerikanischen Metropolen tourt. Die dabei gebotenen Höhepunkte sind auf Youtube anzuschauen.

Eine Air-Sex-Gang-Bang-Nummer von Jugendlichen – nicht für die Bühne bestimmt, sondern direkt für Youtube. Und perfekt im Rhythmus der Musik.

Es ist viel und seit längerem schon von der Allmacht, der Tyrannei der Pornografie die Rede. So hiess es bereits 2001 im «Spiegel», wer die Zeitungen und Zeitschriften aufschlage, ins Kino oder Theater gehe, im Internet surfe, Fitness-Studios frequentiere, Modenschauen besuche oder einfach nur durch die Strassen spaziere, werde geradezu bombardiert mit «Bildern der Verführung und Ekstase, perfekter Schönheit und Appellen des Verlangens». Und neuerdings wird gar davon geschrieben, wie die Pornografie uns die Sexualität entführt habe (Gail Dines: «Pornoland – How Porno has Hijacked our Sexuality»). Wenn dies tatsächlich zutrifft, so ist Air Sex die definitiv witzigste und subversivste Antwort auf diese Entwicklung: eine Groteske nämlich auf die Pornofizierung.

Marie Dové ist Journalistin beim Online-Magazin «Clack» und schreibt regelmässig über die Themen Politik und Sexualität.

Erstpublikation: 8. Juli 2011.

Best of Mamablog: Liebestipps, die die Welt nicht braucht

Mamablog-Redaktion am Donnerstag den 29. Dezember 2011

Über die Festtage pausieren unsere Bloggerinnen und Blogger. Deshalb publizieren wir bis Ende Jahr fünf Lieblingsbeiträge unserer Autorinnen – wir hoffen, das Wiederlesen macht auch Ihnen Spass! Der vierte Beitrag unserer Best-of-Serie ist von Michèle Binswanger.

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In den einschlägigen Magazinen wird geschmiert und geleckt, was das Zeug hält: Covers der «Cosmopolitan» und von «Men's Health».

Heute müssen Erziehung und Politik, Patriarchat und Feminismus Platz machen für leichtere Kost. Sogar sehr leichte Kost. Die dafür aber heiss serviert wird, sehr heiss. Denn wenn es draussen kalt und garstig ist, sollen Mann und Frau sich zu Hause unter die Bettdecke kuscheln, so geht eine im kollektiven Unterbewussten der Lifestylemagazine verankerte Wahrheit. Und um das Publikum zu ebendiesem Verhalten anzuregen, geben besagte Magazine gerne Tipps, wie sie ihr Liebesleben in himmlische Sphären abgehen lassen können. Die kuriosesten Beispiele, die wir ihnen im Folgenden nicht vorenthalten möchten, setzen allerdings höchstens das Papier in Brand, auf dem sie gedruckt werden. (Keine Angst, am Bildschirm besteht keine Gefahr.)

Zum Beispiel das deutsche «Men’s Health». Ein unerschöpflicher Quell für erotische Weisheiten. Aktuell wird dort etwa ein «erotischer Adventskalender» feilgeboten. Da heisst es zum Beispiel: «Nehmen Sie den Advent wörtlich: adventus est, lateinisch: Er ist gekommen». Und mit welchen Tipps soll da der «vielleicht heisseste Dezember Ihres Lebens» provoziert werden? Lesen Sie selbst.

«Stellen Sie sich beim Küssen vor, Sie würden genüsslich ein Eis schlecken, denn so habens die Mädels am liebsten: in Slow Motion, ganz relaxt.»
(Wenn Ihr Liebster in naher Zukunft beginnt, an Ihnen herumzusaugen und Sie dabei unangenehm an ihren Zahnarzt erinnert werden, dann wissen Sie jetzt warum.)

Heute drehen Sie die Heizung auf, schnappen sich Ihre Partnerin und schälen sie aus den Klamotten. Holen Sie einen Eiswürfel aus dem Gefrierfach, platzieren Sie ihn zwischen Ihren Lippen und fahren Sie mit dem Ding über den Körper Ihrer Partnerin. Anschliessend küssen Sie die gleiche Strecke mit leicht geöffnetem Mund.» (Wir dachten, der Dezember soll heiss werden, warum also diese Fixierung auf Eis? Aber wir ahnen, der «leicht geöffnete Mund» wirds schon richten.)

«Wahrscheinlich haben Sie sich schon oft gefragt, was Ihre Liebste besonders heiss macht und was nicht. Wie auch immer, heute finden Sie es heraus. Bitten Sie Ihre Partnerin, Ihnen einen Multiple-Choice-Fragebogen auszufüllen. Punkte darin könnten sein: Welche Körperstelle ist bei dir am sensibelsten? Welche Stellung magst du am liebsten?» (Hmm, jetzt wirds aber wirklich, wirklich heiss. Fragebogen ausfüllen. Hoffentlich im Multiple-Choice-Verfahren)

«Hat Sie schon mal für Sie gestrippt? Dann sind heute Sie dran. Bevor Sie anfangen: Wählen Sie was Hübsches für drunter, zum Beispiel eng anliegende Boxershorts. Ziehen Sie Socken und Schuhe aus, dafür Jeans und ein Hemd mit Knopfleiste an. Dämpfen Sie das Licht, reichen Sie Ihrer einzigen Zuschauerin ein Glas Prosecco und schieben Sie Santanas «Samba Pa Ti» in den CD-Player. Los gehts – und immer schön den Augenkontakt halten!» (Liebe Männer, nehmt es nicht persönlich, aber wenn ihr das noch nie gemacht habt, dann solltet ihr es auch bleiben lassen. «Samba Pa Ti» hin oder her..)

Aber nicht nur der Mann soll sich anstrengen. Auch in Frauenzeitschriften haben ein paar Vorschläge, wie sie ihrem Liebesleben einheizen können. «Cosmopolitan» heisst hier die Kronzeugin. Cosmo weiss zum Beispiel: «Guter Sex findet im Kopf statt, keine Frage. Aber sensationeller Sex ist nicht nur ein Feuerwerk für den Geist, Sie spüren ihn im ganzen Körper – in den Ohrläppchen, den Fingern, den Brüsten, den Kniekehlen und im kleinen Zeh.» (Im kleinen Zeh? Dann würde ich die Schuhe für die Nummer das nächste mal eine Nummer grösser kaufen) Aber jetzt zur Sache:

«Der Mund ist so vielseitig, kann küssen, reden, schmecken, lecken und Ihnen und Ihrem Liebsten auf unzählige Arten Genuss bereiten. Erleben Sie anregende orale Inspirationen. Zitieren Sie erotische Lyrik, wenn Ihr Liebster am wenigsten damit rechnet.» Vorschläge: «Mein Herz ist wie ein singender Vogel» von Christina Rossetti. «Mein Herz ist wie eine schimmernde Muschel, friedlich treibend durch stilles Meer …» (Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Liebster sich entschuldigt und etwas murmelt von «am Fragebogen arbeiten».)

«Tauchen Sie seine Finger in Honig, Champagner oder flüssige Orangenschokolade und lecken sie langsam ab. Schauen Sie ihm dabei leicht abschätzig in die Augen.» (Leicht abschätzig? Aber bitte nicht zu sehr, sonst rufen Sie die Maskulisten auf den Plan.)

«Tauchen Sie Ihre Brüste in essbare Körperfarbe und benutzen Sie sie, um seinen Körper einzuseifen. Dann lecken Sie alles weg.» (Die Phrase «dann lecken Sie es weg» ist ein wichtiger Bestandteil aller Cosmo-Ratschläge, egal zu welchem Thema.)

«Träufeln Sie warmes Gel über seinen Körper und rubbeln Sie das Ganze runter.» (Man könnte es ja auch weglecken. Aber nur wenn Sie weder Haargel noch Waschgel verwendet haben. Wie wärs mit Zahngel?)

«Tauchen Sie einen Waschlappen in warmes Wasser und fahren Sie damit von seinem Bauchnabel aus abwärts.» (Lassen Sie sich inspirieren und denken Sie daran, dass Sie Ihren Gatten sich auch sonst nicht wie einen warmen Waschlappen fühlen lassen sollten.)

«Wärmen Sie seine Socken 20 Sekunden in der Mikrowelle, dann ziehen Sie sie ihm an.» (Nach der Behandlung wird Ihr Mann so gut durchblutet sein, dass er mit Ihnen ins Bett MUSS. Er wird zwar klebrig und nass sein und Socken tragen. Aber was solls?)

Mit Dank an Nerve.com.

Erstpublikation: 8. Dezember 2010.