Archiv für die Kategorie „Schwangerschaft“

Wann sind wir bereit für ein Kind?

Mamablog-Redaktion am Dienstag den 31. März 2015

Ein Gastbeitrag von Anicia Kohler*

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Rein ins Abenteuer: Kathrin Heigl wird in «Knocked Up» gänzlich ungeplant schwanger. Foto: Universal Pictures

Es gibt Menschen, die wissen, seit sie selbstständig denken können: Ich werde eine Familie gründen, eine fantastische Anzahl Kinder (drei oder mehr) haben, dazu vierzehn Hühner, zwei Hunde und vier Schildkröten. Bei anderen reift der Wunsch nach einer Familie erst später, wieder andere möchten kinderlos bleiben. Es gibt verschiedenste Lebensentwürfe, und grundsätzlich wird ihnen heute zum Glück allen Respekt gezollt.

Für uns Thirtysomethings bedeutet das nebst Chancen auch Probleme: Wir sind mit Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten aufgewachsen, wir sind Individualisten, Hedonisten, Superopportunisten – und wie die Etiketten nicht alle so lauten. Daran gewöhnt, dass wichtige Entscheidungen sorgfältig abgewogen, Zeitpunkte geplant und Rückzugsmöglichkeiten einberechnet werden können (und müssen), widmen wir uns dem Thema Familiengründung wie einem Businessplan. Sollen wir oder nicht? Basierend auf welchen Fakten? In zwei Jahren vielleicht? Sind wir wirklich total, zu hundert Prozent, bereit dafür?

Daran gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen – ein Kind zu bekommen, ist ja tatsächlich eine ziemlich folgenschwere Entscheidung. Das Problem ist nur, dass langes Nachdenken über das richtige Timing verschiedenen Realitäten zuwiderläuft. Zum einen ist da der Faktor Zeit: Im Idealfall beträgt die Wartezeit für das Projekt Familie vielleicht ein bis zwei Jahre – in dieser Zeit kommen Frisuren in und wieder aus der Mode, Finanzkrisen werden ausgestanden und Weltmeister gekürt. Kein Mensch kann eine absolute Bereitschaft ohne jegliche Zweifel über Jahre aufrechterhalten (schon gar nicht eine Schwangere, die eine Treppe erklimmen muss). Zum anderen der Faktor Biologie: Es gibt keine Garantie. Fast nichts am Fortpflanzungsprozess ist in unserer Hand, und es gibt keinen Wegpunkt, an dem nicht alles oder nichts schiefgehen kann.

Wenn sich zwei also grundsätzlich einig sind, dass sie irgendwann eine Familie gründen möchten, sollten sie die Phase des Brütens nach einem kurzen Überschlagen der Lebensumstände deshalb besser (noch) überspringen. Die wirkliche Frage ist nicht, ab wann man erwachsen genug sein wird, für den Rest des Lebens auf Schlaf zu verzichten. Sondern die, ob man sich genug gern hat, sich gemeinsam und kopfüber in ein völlig unfassbares Abenteuer zu stürzen. Mit der Einstellung komme, was da wolle – ob und wann und in welcher Ausführung es wolle. Sich aneinander festhaltend, sich tief in die Augen schauend und mit erwartungsvollem Lächeln. Live long and maybe prosper!

Mamablog Anica Kohler*Anicia Kohler ist Musikerin, Fachmitarbeiterin Prävention und Mutter eines fast fünfmonatigen Babys.

Tipps für schwangere Männer

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 25. März 2015

Ein Papablog von Manuel Weingartner*

Es gibts nichts schöneres als eine glückliche Frau: Schwangerer Mann bei einer Werbeaktion für eine App in Antwerpen, 2011. Foto: Henry Scott (Flickr)

Es gibt nichts Schöneres als eine glückliche Frau: Schwangerer Mann bei einer Werbeaktion für eine App in Antwerpen, 2011. Foto: Henry Scott (Flickr)

Ich sage es gleich vorweg. Wir Männer können uns nicht im Geringsten vorstellen, wie es ist, schwanger zu sein. Wie es sich anfühlt, dass ein Kind im eigenen Körper heranwächst. Wie es ist, einen solch enormen Hormonwechsel durchzumachen. Wie sich die Ängste, Lüste und die Vorfreude auf die Geburt anfühlen. Klar, wir könnten es zumindest versuchen. Wir könnten mit einer umgebundenen Bowlingkugel und in Kompressionsstrümpfe gequetscht im Hochsommer einen Berg hochlaufen, um es vielleicht körperlich nachzuempfinden. Aber es wäre trotzdem nicht das Gleiche.

Was wir aber können: die Frau während dieser 40 Wochen als Partner unterstützen – auf ganz viele verschiedene Arten. Nachfolgend vier Tipps aus eigener Erfahrung.

Tipp Nummer eins im Schwangere-Männer-Club: Informiere dich.
Der Mann soll sich gerade bei der ersten Schwangerschaft informieren. Bücher lesen. Zu den Arzt- oder Hebammenterminen mitgehen. Dazu gehören auch die Planung und die Organisation der Geburt. Ist alles bereit? Muss noch etwas abgeklärt werden? Die Frau fühlt sich wohler, wenn der Mann auch Interesse zeigt und mithilft. Die Frau soll nicht allein schwanger sein.

Tipp Nummer zwei: Koch deiner Frau immer, was sie will und wann sie es will.
Ich war noch nie so viel nachts in der Küche wie während der Schwangerschaft meiner Frau. Wenn sie zur normalen Bettgehzeit Lust auf Spaghetti mit Tomatensauce hat, dann hast du keine Wahl. Du machst ihr Spaghetti mit Tomatensauce. Nein, nicht Bolognese. Nicht Pesto alla siciliana. Sondern Tomatensauce. Und nein, nicht Fusilli, nicht Penne, nicht Farfalle, nicht Fettuccine. Spaghetti müssen es sein. Und wenn keine Spaghetti im Haus sind, gehst du zur Tankstelle. Auch bei Regen, Schneesturm und während des Champions-League-Finals.

Tipp Nummer drei: Sei zu Hause und verwöhne sie.
Mein Ausgehverhalten hat sich bei der ersten Schwangerschaft meiner Frau anpassen müssen. Das Dilemma zwischen «Bald kann ich sowieso nur noch selten raus, darum muss ich es jetzt noch ausnützen» und «Ich kann auch nicht weg und mich betrinken, dann bleib wenigstens auch zu Hause» war ein Dauerthema. Ich kann nur dies weitergeben: Liebe Männer, bleibt so viel wie möglich zu Hause und verwöhnt eure Frau. Massieren, Rücken kraulen, Rüebli mit Nutella streichen, den Bauch (im Uhrzeigersinn!) streicheln oder mit ihr «Germany’s Next Topmodel» schauen. Es lohnt sich. Es gibt nichts Schöneres in dieser Zeit, als eine glückliche schwangere Frau zu haben. Denn für das Argument «Aber ich bin schwanger» gibt es kein Gegenargument.

Tipp Nummer vier: Vermeide Militärvergleiche.
Das Schlimmste, was man zum Thema Schwangerschaft aus dem Volksmund hört, ist dieser Schwangerschafts-Militär-Vergleich. Die Frauen werden schwanger, dafür müssen die Männer in die Armee. Dieser Vergleich hinkt noch mehr als der pazifistische Kiffer aus dem Arztzimmer bei der Aushebung. Mit diesem Vergleich sagt man, dass sich die Frau allein durch die Schwangerschaft kämpfen muss, wie der Mann durch die Dienstzeit, und das ist einfach nur kompletter Blödsinn.

Gerne würde ich noch mehr Tipps auflisten, aber ich muss los. Es ist jetzt doch schon 23.30 Uhr, und meine Frau hat Lust auf Spaghetti mit Tomatensauce.

manuel weingartner*Manuel Weingartner, 27 Jahre, lebt mit Frau und Kind (15 Monate) in der Zentralschweiz, arbeitet als IT-Projektleiter und verdient als Pointenschreiber für «Giacobbo/Müller» nebenbei zusätzliches Familiengeld.

Mein geplantes vaterloses Kind

Mamablog-Redaktion am Dienstag den 17. März 2015

Ein anonymer* Gastbeitrag

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Wer sagt, dass ein geplant vaterloses Kind unglücklich ist? Foto: Symbolbild, Flickr stttijn.

Ich habe mein Kind geplant. Zugegeben, nicht von langer Hand und nicht in Absprache mit meinem damaligen Partner. Es war ein Spontanentscheid, auf der Hinfahrt zu einem romantischen Abendessen.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren eigene Kinder in meiner Lebensplanung nie wirklich vorgekommen, und ich brauchte keine, um glücklich zu sein. Zwischen zwanzig und vierzig war ich die Karriereleiter kontinuierlich emporgestiegen, bis ich oben angelangt war als eine der wenigen Frauen im Topkader meiner Firma. Ich war zwar single und kinderlos, aber führte ein ausgefülltes Leben.

Und dann stand ich im Stau zum Abendessen mit meinem damaligen Lebensabschnittspartner und hatte ein bisschen Zeit, um mich zu wundern, ob ich in diesem Leben noch Kinder wollte oder nicht. Es war auch jetzt nicht der richtige Zeitpunkt oder die richtige Beziehung dazu, und die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, war in meinem Alter ungefähr so hoch wie ein Sechser im Lotto für den, der das erste Mal spielt.

Doch in diesem einen Moment im Stau war der Traum des eigenen Kindes plötzlich da und blieb hartnäckig in meinem Kopf hängen.

Drei Wochen später wusste ich, dass ich ein Kind erwartete. Und dann brach ich in Panik aus. Wie ging das überhaupt mit einem Kind? Und wie konnte man da überhaupt weiterarbeiten? Kurz: Wie liess sich das Kind in mein bisheriges Leben integrieren? Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt rund 60 bis 70 Stunden pro Woche und konnte mir nicht vorstellen, etwas daran zu ändern. Aber zuerst einmal stand die Frage im Raum: «Und wie sage ich es dem Kindsvater?»

Und natürlich sagte ich, was alle Frauen in diesem Moment sagen: «Es tut mir leid, es war ein Versehen.»

Zugegeben, stolz darauf, den Entscheid zum Kind ohne Einverständnis des Kindsvaters gefällt zu haben, war ich nie. Auch ich hätte lieber die romantische Version gehabt. «Schatz, wollen wir nicht ein Kind?» «Schatz, ich bin schwanger!» Und danach Tränen der Freude, ein weiteres romantisches Nachtessen, die Hand des zukünftigen Vaters auf dem wachsenden Bauch, den Stolz in seinen Augen und die Aufregung in den Tagen vor und nach der Geburt. Doch in meinem Alter wusste ich, dass es diese Version mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben würde.

Die frohe Botschaft an den Vater meines Kindes verursachte alles andere als eine frohe Reaktion. Ich konnte ihn verstehen und hätte vermutlich genauso reagiert. Aus Gründen der Fairness war es für mich klar, vollumfänglich für das Kind aufzukommen. Ich bestand aber darauf, dass er das Kind anerkannte und den Kontakt zu ihm aufrechterhalten würde.

Heute weiss mein Kind, wer sein Papa ist, und spricht regelmässig mit ihm per Skype. Den unilateralen Entscheid zum Kind habe ich nie bereut, obwohl er mein Leben vollständig auf den Kopf gestellt hat. Natürlich liess sich das Kind nicht in mein damaliges Leben integrieren. Einige Monate nach der Geburt habe ich (gerade noch rechtzeitig) realisiert, dass ich meine Zeit lieber in mein Kind als in 150 Mitarbeitende investiere, und habe meinen Führungsjob an den Nagel gehängt. Und nein, ich bin nicht sozialhilfeabhängig. Ich komme vollumfänglich für unseren Lebensunterhalt auf. Ich bin eine glückliche, unabhängige, alleinerziehende Mutter mit einem zufriedenen Kind.

Und dennoch frage ich mich manchmal, ob mein Kind durch den vaterlosen Zustand substanzielle Nachteile erleiden könnte. Doch dann erinnere ich mich blitzartig an die aktuelle Scheidungsquote und lehne mich zurück. Mein Kind wächst vielleicht ohne Vater auf, aber zumindest kann ich ihm die Qualen von Beziehungskrisen, Trennung und Scheidung und damit verbundenen Verlustgefühlen und -ängsten ersparen. Im Endeffekt bin ich davon überzeugt, dass nicht die Konstellation von Vater und Mutter eine gute Familie ausmacht, sondern die Beziehungsqualität, in der ein Kind aufwächst.

*Name der Redaktion bekannt

«Mein kleiner Maximilian-Jason kriegt noch MuMi»

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 25. Februar 2015

Ein Papablog von Markus Tschannen*

Mamablog

Sehr, sehr besorgt und lieber auf der sicheren Seite: Das Forenmutti. Foto: Steve Debenport

Im Internet treffen Welten aufeinander und bieten dabei mehr Unterhaltung als das Privatfernsehen beim Niveaulimbo. Manch ein Forenbeitrag hat mich schon an den Rand eines Psychologiestudiums getrieben. (Den Rand, an dem das Studium beginnt.) Haustierforen seien besonders schlimm, hört man. Aber auch Babyforen bieten viel Komik.

Hätte ich eine Frage, würde ich die im Babyforum ungefähr so formulieren:
markus1234 (Neuling, 1 Beitrag) schreibt: «Mein Baby (10 Monate) kratzt sich seit 5 Tagen oft am Ohr. Ansonsten ist alles normal. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und weiss, woran das liegen könnte?»

Viel eher liest man in Babyforen aber das hier:
Biggylein78 (Profimutti, 39’518 Beiträge) schreibt: «Meine kleine süsse Maus (41W+4, korrigiert 39W+2) hat gestern den ganzen Tag normal gespilt (mit ihrer Rassel und den Holzbauklözzen, die mag sie am liebsten) am Nachmittag war sie etwas quengelig aber ich habe mir noch nichts dabei gedacht. Dan kamen meine Eltern zu Besuch (sie waren zufällig in der Gegend ) und meiner Mutter ist aufgefallen das sich Mia ( sie hat keinen ZN, wir finden das schöner) mehrmals am Ohr gekratzt hat . Ich habe es dann auch gesehen und war ziemmlich besorgt. Kann es eine Mittelohrenzündung sein? Oder etwas schlimmeres? Neurodermitis oder ein Krebsgeschwühr am Ohr? Wir sind natürlich sofort in den Kindernotfall vom KH gefahren und heute morgen gleich zum KiA. Beide sagten ich soll mir keine Sorgen machen wenn das Kind normal isst und zufrieden wirkt. Gelegentliches Kratzen am Ohr sei ganz normal !!! Dazu muss ich sagen, das Mia in der Nacht noch MuMi kriegt und tagsüber Brei. Sie hat gestern den MiB (Biokarotten und Pastinacken) nicht ganz aufgegessen (ca 130ml) den NaB (Mango-Apfel, Mia verträgt keine Bananen) und AB (Dinkelfloken mit MuMi) aber schon. Was soll ich tun? Ich konnte letzte nacht vor Sorgen kaum Schlafen. Mein ältester hatte das auch mal, als er 2Jahre alt war. Jack hat sich in der Nacht am rechten Ohr gekratzt und am Morgen ist es plötzlich abgefallen…»

Mamablog

Selbst ist das Baby: Der Nachwuchs googelt schon einmal selbst.

Gut, am Ende gingen die Pferde mit mir durch, aber ansonsten entspricht das fiktive Beispiel durchaus der Realität. Beantwortet wird so ein Beitrag typischerweise von sieben weiteren Müttern, die ausnahmslos empfehlen, eine Dritt-, Viert- und Fünftmeinung einzuholen. Mit den Ohren sei bekanntlich nicht zu spassen, das wisse man ja. Ausserdem solle man einen Naturheilpraktiker beiziehen und zur Sicherheit schon mal Globuli geben. Die Stimmung kippt, als ein Vater schreibt, dass mit dem Kind bestimmt alles in Ordnung sei. Ihm wird umgehend Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Eine Mutter droht mit der KESB.

Ich will keinen Geschlechterkrieg heraufbeschwören. Aber wer Babyforen liest, stellt fest, dass darin fast ausschliesslich Mütter aktiv sind. Auch nicht jede Art Mutter, sondern nur der Typus «Forenmutti»:

  • Sie ist stets sehr, sehr besorgt. («SOFORT zum KiA!!! »)
  • Ihr Mitteilungsbedürfnis ist bemerkenswert. («Thorben LIEBT Schwarzwurzeln»)
  • Sie mag Abkürzungen. («Dustin war schon während der SS sehr aktiv»)
  • Abgesehen vom Namen ihres Kindes schreibt sie kein Wort richtig. (Beim Namen weiss man es ja nicht: Entweder heisst das Kind tatsächlich Bényamïnn, oder die Familienkatze jagte den Goldhamster über die Tastatur.)

Die Forenmuttis stören mich übrigens nicht. Ich habe sie gar ins Herz geschlossen, denn sie unterhalten mich, und ihre Beiträge sind durchaus nützlich. Immerhin verbringen Forenmuttis ihre Freizeit beim Kinderarzt und schreiben dessen Diagnose zu jedem erdenklichen Babyproblem nieder. Ich wundere mich allerdings über die komplette Abwesenheit aller anderen Elterntypen. Weshalb sind Väter und sachlich schreibende Mütter in Foren nicht vertreten? Ich habe zwei Theorien:

  1. Sie lesen nur passiv mit, weil die Forenmuttis schon alles geschrieben haben, was man nur schreiben kann. Das Baby bieselt nach der Erkältung in einem leicht dunkleren Gelbton? Irgendeine Forenmutti war damit bestimmt bei fünf Ärzten.
  2. Die Forenmuttis schrecken andere mit ihrem Schreibstil ab und ziehen Gleichgesinnte an. Es findet eine virtuelle Ghettoisierung statt (oder Gentrifizierung, je nach Blickwinkel).

An mir selber kann ich beides beobachten: Ich lese gern Babyforen, aber selber aktiv bin ich in diesem Umfeld nicht. Die Welt der «süssen Mäuse», «kleinen Motten» und «mein Kurzer» ist nicht meine Welt. Oder wie es die geschätzte Twitterkollegin @MmeDisaster kürzlich formuliert hat:

Vielleicht erzähle ich in meinem nächsten Papablog davon, wie das Baby vom Sofa fiel, während ich daneben sass. Es soll ja niemand denken, ich würde mich für etwas Besseres halten.

tschannen*Markus Tschannen lebt mit Frau und Baby wochenweise in Bern und Bochum. Unter dem Pseudonym @souslik nötigt er auf Twitter rund 8000 Follower, an seinem Leben teilzuhaben.

Wie geht es Ihren Brüsten?

Mamablog-Redaktion am Donnerstag den 12. Februar 2015

Ein Gastbeitrag von Anicia Kohler*

Als unschuldige und naive Schwangere denkt man ja, man sei über beide Seiten der Mutterschaftsmedaille bestens informiert. Schlaflose Nächte, unter Dampfabzügen verbracht; überquellende Windeln, die stündlich gewechselt werden müssen – und im Gegenzug süsse Strampler und wahnsinnig kleine Fusszehennägelchen. So stellen es Freunde, Verwandte, Gesellschaft und Werbung dar. Nachdem man sich aber im Hormonrausch des Wochenbetts mit vollständigem Kontrollverlust über Physis und Psyche wiederfindet, und das im voll besetzten Viererzimmer des Spitals, schwant es einem: Die Geburt war erst der Anfang! Und: Davon wusste ich nichts!

Eine Kehrseite der Medaille, die beflissen verschwiegen wird – und zwar von allen Beteiligten. Ist vielleicht besser so. Ungeschriebenes Gesetz, an das ich mich gerne auch halte (verängstigte schwangere Leserinnen sollen sich an ihre Frauenärzte wenden).

Eine andere unbekannte Kehrseite ist das Ausserkraftsetzen von mir bisher geläufigen Small-Talk-Regeln, sobald man ein Kind auf die Welt gebracht hat. Man spreche nicht über Religion, Politik, Körperfunktionen, glaubte ich. «Stillen Sie?», fragte dann jedoch jemand. Und: «Haben Sie genug Milch?», fragte jemand anderes. Ich war peinlich berührt und etwas schockiert. Ich hatte geglaubt, die Fütterung betreffe mich, das Baby, den Partner und vielleicht noch die Hebamme.

In den folgenden Wochen stellte ich jedoch fest, dass meine Brüste mit der Mutterschaft zum Small-Talk-Thema Nummer 1 avanciert waren, und zwar sowohl für Verwandte und Bekannte wie auch für Nachbarn, Buschauffeure und Staubsaugervertreter (jeden Geschlechts). Bei jeder Begegnung musste ich mir von nun an mit roten Ohren Geschichten über Schlupfwarzen und auslaufende Stilleinlagen anhören und versuchen, Fragen zu meinem eigenen Angebot möglichst charmant auszuweichen. Dies bescherte mir einige unerwünschte mentale Bilder. Aber auch Unsicherheit: Ist das nicht total unhöflich? Oder bin ich einfach prüde?

Mittlerweile habe ich im diskreten Beantworten gewisser Fragen mehr Routine, finde aber immer noch, dass der Kreis der Personen, die sich so detailliert erkundigen dürfen, sehr klein ist: die engste Freundin und die eigene Mutter. Alle anderen dürfen meiner Meinung nach Folgendes fragen: Wie geht es dem Kind? Isst es gut (in dieser Wortwahl)? Und sonst würde ich dafür plädieren, etwas Diskretion zu wahren, dem wahrscheinlich erschöpften Gegenüber wohlmeinend zuzuzwinkern – oder ein Stück Schokolade zuzuschieben. Oder sich einfach nach den wahnsinnig kleinen Fusszehennägelchen zu erkundigen…

Mamablog Anica Kohler*Anicia Kohler ist Musikerin, Fachmitarbeiterin Prävention – und Mutter eines dreimonatigen Babys, dessen Füsse bereits unglaublich gewachsen sind.

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