Leben


Archiv für die Kategorie „Schwangerschaft“

Bravo, ihr Höhlenbewohner in Bundesbern!

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 12. Oktober 2011

Ein Papablog von Lukas Egli.

Alle Hände voll zu tun: Ted Danson in «Three Men and a Baby» (1987).

Mann mit Baby am Herd: Schauspieler Ted Danson in «Tree Men and a Baby» (1987).

Der Bund will den Vaterschaftsurlaub noch einmal diskutieren, konnte man Mitte September lesen. Man wolle eine Auslegeordnung der verschiedenen Modelle «trotz grundsätzlicher Vorbehalte» vornehmen, schrieb der Bundesrat in einer Antwort auf ein Postulat. Bravo, Ihr Höhlenbewohner! Wahrscheinlich haben schon die Männer der Pfahlbauer mehr Zeit mit ihren Neugeborenen verbracht als wir Schweizer im Jahr 2011.

Ihr habt es offenbar noch immer nicht verstanden, verehrte Politikerinnen und Politiker. Zwei Tage bekommt man in der Schweiz als frischer Vater zugestanden, um das Wunder des Lebens zu erleben. Um diese Prüfung zu bestehen. Um sein Leben umzugestalten. Zwei Tage? Wissen Sie, wie lange eine Geburt dauert? Im Schnitt sind es 13 Stunden. Okay, bleiben ja noch 35 Stunden. Husch, etwas Schlaf nachholen, einen Kinderwagen kaufen, Windeln nicht vergessen, zuhause aufräumen, allenfalls ein Blüemli fürs junge Mami? Mach vorwärts, Paps, die Zeit läuft!

Ich weiss ja nicht, aus welchem Holz Eure Frauen geschnitzt sind, liebe SVPler, aber meine Frau scheint mir ziemlich robust – trotzdem war sie froh, dass in den ersten Wochen abends zwischen dem 17- und dem 19-Uhr-Stillen etwas Warmes auf dem Tisch stand. Denn so ein Kleines macht doch etwas Arbeit. Und nein, liebe Freisinnige, nicht jeder kann sich eine Nanny leisten. Der normal fühlende Mann will auch keine. Er will dabei sein, will teilhaben. Er will das neue Leben mitgestalten.

Der Schweiz fehlen 1,1 Millionen Kinder, schrieb der emeritierte Professor für Kinderheilkunde Remo Largo kürzlich im «Magazin». 1,1 Millionen Kinder in 40 Jahren, Tendenz weiter negativ. 2010 lag die Reproduktionsrate bei 1,54 Kindern pro Frau; 2,1 müssten es sein, um die Schweizer Bevölkerung stabil zu halten, rechnete der «Vater der Nation» vor. Die Bevölkerung schrumpft – ist doch prima, möchte man rufen. Wer braucht schon das Geschrei kleiner Kinder? Sie stehen im Weg, machen Windeln voll, halten uns von wichtigen Sachen ab. Und dieses Theater erst, wenn die Schnuddernasen in die Pubertät kommen!

Wer so spricht, sollte sich dringend mal mit den Folgen der rückläufigen Geburtenrate auseinandersetzen. Spätestens wenn in der Schweiz mehr Greise leben als Kinder, die Renten nicht mehr überwiesen werden und das Gesundheitswesen unbezahlbar wird, werden es auch die Ruhe liebenden Berufssingles verstehen. Das wird schon bald der Fall sein: Ab 2015 wird die Arbeitsbevölkerung in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik abnehmen. Könnte sein, dass es schon zu spät ist: «Die 1,1 Millionen Kinder können nicht nachgeboren werden», so Largo lapidar.

Okay, die Reproduktion scheitert nicht am nicht vorhandenen Vaterurlaub. Trotzdem ist er zentral: Wenn ein Kind nur über das Schnuppern an einem veralteten Partnermodell – Frau, du musst zuhause bleiben, allein! – zu haben ist, muss sich keiner wundern, wenn jungen Frauen der Entscheid zum Kinderkriegen schwer fällt. Und sich potenzielle Väter noch länger zieren. Seiner Frau oder Freundin das Modell Heim und Herd zumuten, auch wenn es nur für die ersten Wochen ist – vielleicht doch lieber nicht.

Andere können es besser: In der Schweiz beträgt die «Elternzeit» 100 Tage; 2 Tage davon stehen dem Mann zu. In Schweden sind es 480 Tage – fast fünfmal mehr! Jeder Elternteil bekommt mindestens 60 Tage, über den Rest können die Paare frei verfügen. Wundert es Sie, geschätzte Volksvertreter, dass Schweden eine im nordeuropäischen Vergleich stolze Geburtenrate von 1,94 Kinder pro Frau vorweisen kann? Vielleicht bräuchten wir statt des im Parlament so beliebten Liberalitäts- ein Familienfreundlichkeitsrating.

Nun muss es ja nicht gleich die schwedische Maximallösung sein, liebe SPler. Wer mit demselben Anliegen schon mehrmals gescheitert ist, sollte seine Forderungen gelegentlich anpassen und vom sozialskandinavischen Kitsch Abschied nehmen. Bereits etwas mehr Freiraum würde uns jungen Vätern reichen. Die wenigsten wollen ja wochenlang zuhause sitzen – und ich bin überzeugt: die meisten Frauen wollten das auch nicht.

Meine Frau jedenfalls ist froh, dass ich morgens jeweils früh aus dem Haus gehe und ihr nicht bei allem dreinrede. Aber sie schätzt es auch sehr, wenn ich nicht erst spätabends wieder heimkomme. Warum also den Vätern nicht einen Vaterurlaubs in Form eines reduzierten Arbeitspensums gewähren? Warum nicht ein halbes Jahr lang 70 Prozent arbeiten? Diese 30 Prozent Erwerbsausfall müssten doch zu finanzieren sein!

«Eine Familie gründen darf für die jungen Schweizer nicht mehr eine zu grosse Last sein, sondern muss vermehrt auch Freude machen, sonst haben sie immer weniger Kinder oder überhaupt keine», schreibt Largo. So einfach ist es.

In einer Sache aber irrt der Übervater: «Die Kinderlücke zwingt uns, unsere Prioritäten weniger nach ökonomischen und materiellen Kriterien, sondern vermehrt nach zwischenmenschlichen Werten in Familie, Gesellschaft und Wirtschaft auszurichten», schreibt Largo am Schluss seines Aufsatzes im «Magazin». Falsch! Es ist gerade die ökonomische Vernunft, die uns – und Sie, liebe Volksvertreter – dazu bringen müsste, auch werdenden Vätern eine zeitgemässe Rolle zuzugestehen. Eine Familienpolitik, die diesen Namen verdient, ist eben nicht nur eine Frage der Familienzulagen und Steuern, werte Christdemokraten, sondern auch des Rollenbilds.

Der Staat hat in meinem Bett nichts verloren, werden die Betonköpfe unter Ihnen wieder rufen; einen Ausbau der Sozialwerke könnten wir uns in Zeiten der Krise nicht leisten, werden die Sparfüchse wie gewohnt einwenden. Ist die Frage nicht vielmehr: Können wir es uns überhaupt leisten, die dramatische demographische Entwicklung zu ignorieren? Durchaus möglich, dass Ihnen da die Höhlenbewohner voraus waren.

Die negative Demographie birgt keine vermeintlich theoretisch-statistischen Risiken, wie andere Errungenschaften unserer Zeit – die Folgen des demographischen GAUs sind absehbar. Die AHV, die wichtigste politische Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, ist in ernster Gefahr, und mit ihr der Rest des nationalen Konsenses. Aber schon klar: Kinderkriegen ist eben teurer und anspruchsvoller als fertige Erwachsene, lies: Arbeitnehmer zu «importieren». Oder doch nicht?

Schweden investiert in die Zukunft. Wir in Sanatorien und Hüftgelenke für alle. Oder in die Rettung krimineller Grossbanken, Kampfjets und so weiter – ein anderes Thema, ich weiss. Aber wenn eine Sache, liebe Politikerinnen und Politiker, wirklich too big to fail ist, dann das Kinderkriegen.

WandernLukas Egli ist Redaktor bei 20 Minuten Online. Er hat am 12. Juli eine Tochter bekommen.

Auf der Suche nach Miss Perfect

Jeanette Kuster am Sonntag den 2. Oktober 2011
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Die Suche nach der passenden Mutterfreundin ist mindestens so schwierig wie die Suche nach Mr. Perfect: Mütter im Fernsehfilm «Blond bringt nix».

Als ich kürzlich mit einer noch kinderlosen Freundin beim Mittagessen sass, erzählte sie mir, dass sie das Wagnis Familiengründung nun auch in Angriff nehmen wolle. Und bedauerte gleichzeitig, dass ihre drei engsten Freundinnen alle schon vor zwei, drei Jahren Nachwuchs bekommen haben. «Dabei dachte ich doch immer, wir würden irgendwann einmal alle etwa gleichzeitig schwanger werden und gemeinsam durch die Stadt kugeln.»

Ich habe meinen immer runder werdenden Bauch damals auch alleine durch Zürich getragen. Bei mir wars allerdings gerade umgekehrt: Ich war umgeben von kinderlosen Freundinnen. Die erste fühlte sich zu jung für Nachwuchs, die zweite schon zu alt und die dritte wartete noch auf den richtigen Mann. Mich störte das nicht weiter, denn umso neugieriger waren sie alle auf das kleine Wesen in meinem Bauch, waren emotional mitschwanger und nach der Geburt fast ebenso entzückt ab unserer kleinen Tochter wie ich selber.

Alles bestens also. Bis ich nach einer Weile merkte, dass es doch schön wäre, auch mit anderen Müttern befreundet zu sein. Frauen, mit denen man nicht nur über Job und Männer, sondern eben auch über den ersten Zahn und die Impffrage diskutieren kann. Frauen, die gerne einen Nachmittag auf dem Spielplatz verbringen – und vor allem auch die Zeit dafür haben.

Anfangs habe ich mir überlegt, mich in einem Internet-Forum einer Zürcher Müttergruppe anzuschliessen, die «Neue jederzeit willkommen» heisst. Schliesslich hatte ich auf eben diese Weise während der Schwangerschaft schon ein Trüppchen werdender Mütter kennengelernt, mit denen ich bis heute in regem Kontakt stehe und die mir richtig ans Herz gewachsen sind – allerdings eher als virtuelle (Brief-)Freundinnen, die ich bloss alle paar Monate sehe, wohnen sie doch nicht gerade um die Ecke.

Ich habe den Gedanken jedoch schnell wieder verworfen. Das Ganze klang zu sehr nach Blind Date und Internet-Partnervermittlung. Beides hätte ich als Single nie genutzt, wieso also sollte ich als Mutter plötzlich damit anfangen?

Also habe ich mich fürs klassische Dating entschieden. Gelegenheiten, die perfekte Mutterfreundin zu finden, ergaben sich häufig ganz von alleine. Mal meldete sich eine frühere Arbeitskollegin, mittlerweile auch Mutter geworden, via Facebook bei mir und schlug vor, dass wir uns zu einem Kaffee treffen. Ein anderes Mal rief die Nachbarin vom Balkon herab, ob meine Tochter und ich nicht Lust hätten, spontan zu Besuch zu kommen. Ich sagte jedes Mal zu. Manchmal voller Hoffnung, dass das Treffen ganz wunderbar werden und sich daraus eine grossartige Mütterfreundschaft entwickeln könnte. Manchmal aus purer Verzweiflung, meinen Bauch ignorierend, der ganz laut Nein schrie.

Es blieb jeweils bei dem einen Treffen. Oft musste ich einsehen, dass mein Gegenüber abgesehen vom ungefähr gleich alten Kind nichts, aber auch gar nichts mit mir gemein hatte. Und das reicht nicht, denn ich will zwar über Kinderthemen reden, aber natürlich nicht ausschliesslich. War die Sympathie für die andere Mutter hingegen da, dann gab es garantiert richtig heftig Zoff zwischen den Kleinen. Der Anbandlungsversuch endete also etwa so, wie wenn mich früher meine beste Freundin mit den Worten «er ist ein Idiot und seine Freunde auch» vor die Wahl «ich oder er» gestellt hätte.

Dann halt doch nicht weiter auf die Güte des Schicksals warten, sondern das Ganze aktiv angehen. Also packte ich bei der nächstbesten Gelegenheit meine Tochter in den Kinderwagen und spazierte mit ihr zum Müttertreff hier im Quartier. Als ich hereinkam, sass schon eine eingeschworene Gruppe Mütter in der Ecke und unterhielt sich bei Kaffee und Kuchen. Alleine die Sitzordnung gab jedem Neuankömmling zu verstehen, dass man lieber unter sich bleiben möchte. «Wenn ihr nicht wollt…», dachte ich mir, und folgte meiner Kleinen in die Spielecke. Es dauerte nicht lange, da kam eine ebenso einsame Mutter auf mich zu und begann schüchtern ein Gespräch. Ich antwortete freundlich, merkte aber gleichzeitig, dass ich keinerlei Interesse hatte, sie etwas zurückzufragen, und eigentlich viel mehr an einer Unterhaltung mit der anderen Mutter weiter hinten in der Ecke interessiert war. Bis ich die erste aber nett abwimmeln konnte, war die zweite schon wieder weg.

So beschloss ich, die Suche nach der Passenden aufzugeben. Auf dem Spielplatz habe ich vor lauter Sändelen sowieso keine Zeit zu plaudern. Ausgehen ist mit meinen kinderlosen Freundinnen eh viel lustiger und Familienthemen lassen sich mit niemandem besser diskutieren als mit meinen Internet-Brieffreundinnen.

Und da passierte es: Sie tauchte plötzlich auf, völlig unerwartet, über eine alte Freundschaft meines Mannes, die wiederbelebt wurde. Wir verstehen uns auf der Mütter-Ebene, aber eben nicht nur. Sie hätte ich schon in meinem früheren Leben ohne Kinder gerne zur Freundin gehabt – und jetzt umso mehr. Die perfekte Mütterfreundin also, und sie ist mir einfach so über den Weg gelaufen. Genau wie mein Mann damals.

Kennen Sie das Mütter-Dating-Spiel aus eigener Erfahrung? Und wie hoch sind Ihre Erwartungen: Reicht Ihnen das Elternsein als Gemeinsamkeit, oder bleiben Sie lieber alleine, bis Ihnen jemand Passendes begegnet? Braucht man als Mutter überhaupt Mütterfreundinnen? Oder sind Kinderlose Ihrer Meinung nach sowieso die bessere Wahl, weil sie einen sicher nie mit Details zu ersten WC-Erfolgen und Milchstau belästigen?

Baby-Losglück

Jeanette Kuster am Sonntag den 17. Juli 2011
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Ein Lotteriegewinn der anderen Art: In Grossbritannien gibts mit dem richtigen Los und etwas Glück ein Baby aus dem Reagenzglas.

Die Ankündigung schlug hohe Wellen in Grossbritannien, die umgehend auf den Kontinent hinüberschwappten: «Baby-Lotto! Für 22 Euro gibt es Nachwuchs», vermeldete «Bild» in gewohnt überspitzter Manier, als bekannt wurde, dass die Charity-Organisation To Hatch eine Lotterie lancieren würde, bei der es eine Fruchtbarkeitsbehandlung zu gewinnen gibt.

Die Lose zu 20 Pfund das Stück sollen am 30. Juli erstmals an britischen Kiosken verkauft werden. Der monatlich vergebene Hauptpreis hat einen Wert von 25′000 Pfund – und wird auf die jeweiligen Gewinner zugeschnitten: Zieht ein jüngeres Paar das Siegerlos, soll es eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) erhalten. Hat die Möchtegern-Mutter den 45. Geburtstag bereits hinter sich, ist aber fit und gesund, bekommt sie stattdessen eine Eizellenspende. Auf Singlefrauen wartet eine Samenspende, Singlemänner werden mit Leihmutter und Spender-Embryo beglückt. Durchgeführt wird die ganze Prozedur in einer Top-Klinik. Damit sich die potenziellen Mütter und Väter wie echte Sieger fühlen, übernachten sie in einem Luxushotel, werden vom Privat-Chauffeur zur Behandlung gefahren und erhalten ein neues Handy, mit dem sie ihre Ärzte jederzeit erreichen können.

Der Ansturm auf die To-Hatch-Website direkt nach Bekanntgabe der «frohen Botschaft» war so enorm, dass die Seite kurzzeitig zusammenbrach. Mindestens ebenso gross war jedoch auch der Sturm der Entrüstung: In den Augen von Josephine Quintavalle von der Gruppe «Comment on Reproductive Ethics» setzt das Vorhaben die menschliche Fortpflanzung herab. «Das Schaffen menschlichen Lebens sollte nicht auf eine öffentliche Lotterie reduziert werden, das ist absolut inakzeptabel.» Quintavalle fordert gar eine offizielle Untersuchung, da es «ganz bestimmt nicht legal ist, 20 Pfund zu bezahlen, um dafür Zugang zu einer fremden Gebärmutter zu bekommen». Auch die Human Fertilisation and Embryology Authority verkündete in einer offiziellen Mitteilung, diese Lotterie sei «falsch und völlig unangebracht», während andere Experten To Hatch vorwerfen, «auf ausbeuterische Weise für Aufmerksamkeit sorgen» zu wollen.

Tatsächlich erscheint die Idee, mithilfe eines Glücksloses ein Baby zu zeugen, auf den ersten Blick ethisch äusserst fragwürdig. In Wahrheit bekommen die Gewinner aber nichts anderes als Geld. Geld allerdings, das sie nicht einfach verprassen, sondern einzig für ihren Kinderwunsch einsetzen dürfen. Würde ein Paar Lotto spielen, um sich von einem eventuellen Gewinn eine IVF zu leisten, würde das niemanden stören. Wieso also dieser Aufschrei? Ist es wirklich so verwerflich, das Geld für eine Fruchtbarkeitsbehandlung gewinnen zu wollen, anstatt es über Jahre zusammenzusparen? Oder liegt die Sache vielleicht ganz anders? Fühlen sich durch die angekündigte Lotterie all jene bestätigt, die ungewollt kinderlosen Paaren, die alle medizinischen Möglichkeiten ausschöpfen, Egoismus vorwerfen? Es macht ganz den Anschein, wenn man sich die Kommentarspalten in den englischen Medien ansieht: Es gebe nun mal kein Recht auf Nachwuchs, so der Tenor, und wenn die Natur es einem nicht vergönne, Kinder zu bekommen, habe man das zu akzeptieren. Zudem werde das Kind später bestimmt Probleme damit haben, sozusagen ein Losgewinn zu sein.

Die ganze Diskussion pro und kontra künstliche Befruchtung lenkt allerdings von der wahren Problematik der «Baby-Lotterie» ab: Ungewollt kinderlose Menschen klammern sich oft an jede noch so kleine Chance, ihr Wunschbaby endlich zu bekommen. Die neue Lotterie wird vielen wie die perfekte Lösung erscheinen, sie werden sich jeden Monat mit möglichst vielen Losen eindecken, in der Hoffnung, endlich Mutter oder Vater zu werden. Bloss: Eine Fruchtbarkeitsbehandlung garantiert noch lange keine erfolgreiche Schwangerschaft. Um also auf diesem Weg zur Familie zu werden, sind sozusagen zwei aufeinanderfolgende Sechser im Lotto nötig – wie realistisch dies ist, kann sich jeder selber ausrechnen. Es mag nicht die Intention der Macher gewesen sein, doch am Ende spielen sie mit der Verzweiflung der Betroffenen. Wenn etwas unethisch ist an dieser ganzen Idee, dann das.

Oder sehen Sie das anders?

Das Schwangerschaftsparadox

Mamablog-Redaktion am Freitag den 21. Januar 2011

Eine Carte Blanche von Mamablog-Leserin Sandra Kopp.

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Und doch, die Menschen tun es immer wieder: Glückliche Familie am Strand.

In der Schwangerschaft sieht man sich plötzlich mit ganz neuen Ängsten und Gefahren konfrontiert. Kürzlich begegnete ich einem Artikel, der mich vor Handystrahlen während der Schwangerschaft warnte: «Wenn Schwangere mit dem Handy telefonieren, setzen sie ihr ungeborenes Kind dem Risiko aus, dass es später verhaltensgestört wird.» So lautet das Resultat einer neuen Studie der Universität Kalifornien, die im Fachblatt «Journal of Epidemiology und Community Health» veröffentlicht wurde. Welch Horror! Schliesslich benütze ich das Handy aus beruflichen Gründen täglich regelmässig. Bilder von unkontrollierbaren oder ADHS-Kindern tauchten vor meinem geistigen Auge auf.

Aber das ist nur die jüngste Erkenntnis. Denn zurzeit sehe ich mich täglich vielen weiteren Gefahren ausgesetzt: Man denke nur an all die Bakterien und Viren, denen man im Pendlerverkehr begegnet. Dazu die Raucher auf den Perrons, denen ich nicht ausweichen kann, die Abgase, die ich auf dem Arbeitsweg zwangsweise einatme, der Feinstaub, die freien Radikalen, der Lärm, der Stress – die Liste ist schier endlos. Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse schadet dies alles meinem ungeborenen Kind. Und dass ich diese Faktoren nicht beeinflussen kann, verursacht bei mir Ohnmachts-Gefühle. Aber die Schadstoffe sind noch nicht alles. Hinzu kommt der verstärkte Druck, während der Schwangerschaft auf ungesunde Nahrungs- und Genussmittel zu verzichten, sprich alkoholischen, fettigen oder süssen Verlockungen zu entsagen. Ungesunde Ernährung ist natürlich nicht nur während der Schwangerschaft ein Thema. Aber wenn der Bauch sich rundet, scheinen solch private Dinge plötzlich alle etwas anzugehen – man fühlt sich von einer wachsamen Gesellschaft beobachtet.

Es wurde bereits an anderer Stelle im Mamablog über die Freiheiten werdender Mütter diskutiert. Immerhin liegt die Ernährung weitestgehend in meiner Hand. Aber auch hier: Was darf man denn überhaupt noch essen? Wie kann man sicher sein, dass Bioprodukte halten, was sie versprechen? Und überhaupt: In der Schwangerschaft bekommt man Dehnungsstreifen, hat mit Wassereinlagerungen, Krampfadern, Verdauungsstörungen und Kreislaufproblemen zu kämpfen und muss mit Hormonschwankungen klar kommen. Nach der Geburt wird schlafen offenbar zum Luxus, vom Stillen gibt es hängende Brüste, Windeln wechseln kostet Nerven und Geld. Von den Mühen der Erziehung ganz zu schweigen.

Wozu soll man sich all dies überhaupt antun?

Und doch: Wenn dieses kleine Ding von innen gegen meinen Bauch tritt, ganz sanft, dann vergesse ich all die Sorgen und schwelge im Glück.

Der Mamablog dankt ihr recht herzlich. Schreiben Sie mit! Schreiben Sie eine Carte Blanche! Stellen Sie Ihre Themen, Beobachtungen, Erfahrungen hier zur Diskussion! Die Redaktion wird die Texte sichten, auswählen und publizieren. Texte ( zwischen 1800–2500 Zeichen) an mamablog@newsnetz.ch

Gestern ists passiert

Jeanette Kuster am Montag den 20. Dezember 2010
mann und frau im ehebett

«Ich bin letzte Nacht schwanger geworden»: Einige Frauen merken sofort, dass es eingeschlagen hat.

Unbefleckt war die Empfängnis nur bei Maria, unbemerkt geschieht sie hingegen bei den meisten Frauen: Dass sie schwanger sind, ahnen sie frühestens, wenn die Periode ausbleibt.

Bei mir war es anders. Ich stand am Morgen auf und wusste: Ich bin letzte Nacht schwanger geworden. Und nein, der Wunsch war nicht Vater des Gedankens, denn eigentlich hatten wir unseren Nachwuchs noch nicht geplant. Allerdings traute ich meinem eigenen Instinkt nicht und tat die Erkenntnis, die mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf, als Unsinn ab. Noch kein Test und kein Ultraschall hätten eine Schwangerschaft bestätigen können, aber ich wollte diese auf unerklärliche Weise bereits wahrnehmen? Quatsch.

Ich schob den Gedanken an Nachwuchs weit weg und mein Leben ging weiter wie gehabt. Bis ich zwei Wochen später in der Migros an den Schwangerschaftstests vorbeilief. Das Gefühl war sofort wieder da, der Test gekauft. Die drei Minuten, die ich auf das eventuell erscheinende Strichlein warten musste, kamen mir wie Stunden vor. Dabei kannte ich das Ergebnis doch schon lange.

Am Tag eins nach der Empfängnis beginnt bereits die Zellteilung der befruchteten Eizelle. Diesen Vorgang an sich kann man wohl kaum spüren. Aber nehmen besonders sensible Frauen vielleicht trotzdem wahr, dass sich irgendetwas verändert im Körper, sich etwas Grossartiges ankündigt? Eine Umfrage in meinem privaten Umfeld zeigt: So alleine bin ich gar nicht mit meinem siebten Sinn für die Empfängnis. Zwar haben die meisten Frauen in diesem frühen Stadium überhaupt nichts von einer Schwangerschaft gemerkt, gleich drei jedoch sagen: «Ich weiss exakt, wann es passiert ist, habe es sofort gespürt.»

Auch in den einschlägigen Internet-Foren stösst man immer wieder auf die Frage: Gibt es noch andere, die sofort wussten, dass sie schwanger sind? Es gibt sie – und während die einen von Intuition reden, liest man von anderen Sätze wie: «Es war, als ob eine Raumkapsel durchs All schwebt und auf einmal hats klick gemacht und sie war angedockt.»

Nun ja, mit Aliens und Raumfahrern hatte das Ganze bei mir nichts zu tun. Doch egal, wie man es empfindet: Das Phänomen scheint öfters vorzukommen als vermutet. Viele reden bloss nicht darüber, weil sie sonst sofort den Vorwurf hören, sich alles nur eingebildet zu haben. Dass sie vielleicht ein besseres Körpergefühl haben als andere, lässt man nicht gelten. Was nicht wissenschaftlich erklärbar ist, kann nicht sein – punkt.

Sehen Sie das auch so? Oder haben Sie selber Ihre Schwangerschaft direkt nach der Empfängnis bemerkt – und anfangs genauso an Ihrer eigenen Wahrnehmung gezweifelt?