Archiv für die Kategorie „Schwangerschaft“

Brauchts all die Tests in der Schwangerschaft?

Gabriela Braun am Dienstag den 7. Januar 2014

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Risiko Schwangerschaft: Elf Frauen in anderen Umständen. (Bild: Flickr/trocaire)

Welche Untersuchungen braucht eine schwangere Frau? Was für vorgeburtliche Tests sind notwendig – und was ist blosse Geldmacherei seitens der Ärzte? Eine Leserin schrieb mir kürzlich eine Mail zum Thema und drückte darin ihren Ärger aus über die herrschende «Hysterie und Geschäftemacherei» auf dem Gebiet.

Die schwangere Frau, nennen wir sie Doris Wanner, wehrt sich derzeit vehement gegen eine von der Frauenärztin verschriebene Diabetes- und Ernährungsberatung und zusätzliche Untersuchungen. Weil die Ärztin bei ihr eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert habe, müsse sie nun den Blutzucker messen (mit einem Gerät, für das sie selbst bezahlte), sowie alle drei Wochen in die Praxis für einen Ultraschalluntersuch gehen. Dies, obwohl ihre Werte seit dem ersten etwas erhöhten Blutzuckerwert regelmässig und grundsätzlich unauffällig seien. Ihre Schwangerschaft verlaufe absolut problemlos.

Doris Wanner ist deshalb überzeugt, die von der Ärztin verschriebenen Behandlungen seien unnötig. Im Übrigen ernähre sie sich seit Jahren sehr gesund und betreibe – auch in der Schwangerschaft – zwei- bis dreimal wöchentlich Ausdauersport. Sie habe einen Body-Mass-Index von 19, wenn sie nicht schwanger sei. «Ich habe den Ärzten und Ärztinnen mehrfach deutlich gesagt, dass sie in Bezug auf meine Schwangerschaft nicht so hysterisch sein sollen, denn ich bin es ja auch nicht», schreibt Wanner. Sie ist überzeugt: Ein Grossteil des ganzen Tamtams, das allgemein um eine heutige Schwangerschaft veranstaltet werde, komme von den Ärzten aus. Habe man eine Schwangerschaft wie ihre erst einmal als sogenannte Risikoschwangerschaft klassifiziert, lasse sich mit zahlreichen Behandlungen hübsch daran verdienen.

Womit die Leserin meiner Meinung nach nicht Unrecht hat. Etliche andere Frauen erzählen mir von ähnlichen Erfahrungen während ihrer Schwangerschaft. Sie berichten von Ultraschalluntersuchungen, die ohne medizinischen Grund stattfinden, sondern nur zum Spass. Vom Druck gewisser Ärzte, nebst einem Trimestertest auch eine (nicht risikolose) Fruchtwasserpunktion durchzuführen. Und darüber, wie gewisse Ärzte mit unsensiblen Bemerkungen während eines normalen Untersuchs Ängste bei Patientinnen schürten – und so weitere Tests und Untersuche provozierten. Oder wie soll eine schwangere Frau reagieren, wenn der Arzt während des Ultraschalls plötzlich sagt: «Oh, das ist aber ein ganz grosser Kopf. Ich nehme an, es ist alles in Ordnung. Wenn Sie jedoch Gewissheit haben wollen, Frau Meier, dann könnten Sie einen weiteren Ultraschall beim Spezialisten XY des Unispitals machen. Der arbeitet mit dem neusten Gerät. Ich kann Ihnen einen Termin vereinbaren.»

Um schon gar nicht in eine solche Situation zu kommen, entschied sich eine Bekannte von mir, in der ersten Zeit der Schwangerschaft nicht zur Ärztin zu gehen. Erst im siebten Monat wackelte sie in die Praxis. Die Ärztin staunte nicht schlecht. Für die meisten Untersuchungen war es zu jenem Zeitpunkt zu spät. Als ich die Frau nach den Gründen für ihr Verhalten fragte, antwortete sie, sie war die ganze Zeit über gesund und fühlte sich wunderbar. Sie war davon überzeugt, alles sei in bester Ordnung. Das sagte ihr Bauchgefühl. Sie und ihr Mann wollten sich zudem bewusst gegen schwierige Entscheidungen schützen.

Was sind Ihre Erfahrungen? Halten Sie gewisse Untersuchungen für überflüssig?

Mehr Informationen zu vorgeburtlichen Tests beim Kind:

  • «Schwangerschaftsvorsorge: Wie gehen wir damit um?», Broschüre, kostenlos zu beziehen bei: Appella, Telefon- und Online-Beratung, Postfach 19, 8026 Zürich. www.appella.ch, Tel. 044 273 06 60.

 

«Ich glaub, ich bin schwanger»

Mamablog-Redaktion am Freitag den 29. November 2013

Eine Carte Blanche von Christina Varveris*.

Das Thema «Schwangerschaft» wird Kolumbien offener diskutiert: Christina Varveris am Kitesurfen.

Das Thema «Schwangerschaft» wird in Kolumbien entspannter diskutiert als in der Schweiz: Christina Varveris am Kitesurfen.

Das haben sich meine Eltern anders vorgestellt. Die Tochter verliebt sich in Kolumbien, und ein Jahr später kommt die Nachricht: Ihr werdet Grosseltern. Na ja, manchmal stimmts einfach, und dann gehts auch ganz schnell.

Nun, ich lebe jetzt also seit eineinhalb Jahren in Cartagena, Kolumbien, und bin nun im achten Monat schwanger. Zum ersten Mal schwanger sein ist ja an sich ein Erlebnis, aber hier in Südamerika kommen noch andere kulturelle Erfahrungen dazu, die einen das eine oder andere Dogma überdenken lassen...

Diesen Satz zum Beispiel, haben Sie in der Schweiz bestimmt noch nie gehört: «Ich nehm kein Bier, ich glaub, ich bin schwanger.» Wer «glaubt» sie sei schwanger, hat in der Schweiz sicher erst mal Sodbrennen, ihr geht es nicht besonders, sie war gerade erst krank und kann darum nicht trinken oder sie ist auf Diät. Aber ganz bestimmt gibt sie nicht an, sie «glaube», sie sei schwanger.

In Kolumbien ist das anders. Schon beim leisesten Verdacht trompeten die Mädchen die Beinahe-News in die Welt. Und wenn man sie dann nach ein paar Wochen beim Trinken sieht, dann wars halt dann doch nichts mit der Schwangerschaft.

Im achten Monat.

Christina Varveris im achten Monat.

Eine Freundin hielt mich mit ihren Verdachtsmomenten, dem Arzttermin und der freudigen Nachricht «Confirmado! Ich bin schwanger» quasi in Echtzeit auf dem Laufenden. Als ich ihr sagte, wie wir in der Schweiz mit solchen News umgehen – also mal schön die heiklen drei Monate abwarten und schweigen –, meinte sie schulterzuckend: «Wenns nicht klappt, dann klappts halt nicht, das ist die Natur.»

Da hat sie recht. Die Schweizerinnen allerdings auch. Rund 50 Prozent der Schwangerschaften gehen in den ersten drei Monaten ungewollt zu Ende. Die Dunkelziffer muss gar um einiges höher sein. Und wer will schon allen erklären, dass man sein Baby wieder verloren hat?

Darüber machen sich die Kolumbianer kaum Gedanken. Vielleicht sind sie auch deshalb so locker im Umgang mit der Schwangerschaft, weil wohl kaum eine die besonderen Umstände mehr als ein paar Wochen verheimlichen kann. Als ich in der fünften Woche war – selber hatte ich erst vor 4 Tagen herausgefunden, dass das Ausbleiben der Periode eine tiefer gehende Ursache hat –, meinte schon ein Kollege: «Dieser Bauch ist schwanger.» Und als ich das freudige Ereignis dann so in der 10. Woche verriet, meinte ein anderer, dass er das schon lange wüsste. «Man sieht das einer Frau an», sagte er, als sei es selbstverständlich.

Zweifel ob den aufmerksamen Kolumbianern überkamen mich allerdings bei dieser Episode: Unsere Nachbarin erwischte meinen Mann, als er leicht schwindelig stolperte. Offenbar ist Schwindel in Kolumbien Anzeichen für eine Vaterschaft. Tatsächlich war meine Mens damals überfällig, und wir hatten den leisen Verdacht, dass es schon eingeschlagen hat. «Du wirst Vater», sagte sie. «Ja», meinte er offen, wie es diesbezüglich die Kolumbianer sind. Allerdings wars zu diesem Zeitpunkt ein Fehlalarm. Meine Regel setzte ein paar Tage später ein.

Nun habe ich keine Mens mehr. Dafür einen Bauch. Und ich bin um ein paar Infos reicher. Denn hier wird einem viel anvertraut. Namensprozesse zum Beispiel werden mit der Allgemeinheit geteilt, Pro und Kontra gesammelt, bis man zum richtigen Namen durchgedrungen ist.

In der Schweiz wird häufig nur schon aus dem Geschlecht ein Geheimnis gemacht. Aber wen kümmerts, ob es nun ein Mädchen oder ein Junge wird, und sowieso, ob man es heute weiss oder erst in ein paar Monaten? Sogar den meisten Eltern ist es egal, behaupten sie, «Hauptsache es ist gesund».

Und dann die Geheimniskrämerei bezüglich des Namens. In der Schweiz kenne ich nur eine Mutter, die mir den Namen ihres Kindes vor der Geburt verraten hat. Manche wollen nicht, dass man ihnen dreinredet, andere mögen es, ein Geheimnis mit dem Partner zu haben. Oder will man nicht, dass die schwangere Nachbarin einem die Idee klaut? Wenn Letzteres, sollte man doch möglichst gross rumposaunen, wie das Kind heissen wird, sodass sich niemand traut, den Namen wegzunehmen.

Ich sehe keinen Grund für ein Geheimnis und drum hier, ganz öffentlich: Mein Kind wird Cataleya heissen, falls es ein Mädchen wird. Beim Bubennamen sind wir uns noch nicht sicher. Saain vielleicht, in der Sprache der Wayúu (Ureinwohner Kolumbiens) bedeutet das Herz. Meinen Eltern gefallen die Namen.

cv150x150*Christina Varveris ist freie Journalistin. Sie lebt in Cartagena, Kolumbien, wo sie mit ihrem Partner die Kiteschule En Colombia Kitesurf betreibt. Im Dezember kommt ihr erstes Kind zur Welt.

 

 

Meine Frau hatte eine Fehlgeburt

Mamablog-Redaktion am Donnerstag den 13. Juni 2013

Ein Gastblog von Reto Schmid*.

Fehlgeburten sind ein traumatisches Erlebnis: Gräber für Fehlgeburten in einem Dubliner Friedhof. (Foto: Flickr/infomatique)

Meine Frau kam damals im Januar 2012 ganz leise ans Bett, weckte mich auf und sagte mir mit einem Lächeln auf dem Gesicht, dass wir in neun Monaten zum zweiten Mal Eltern werden würden. Die Freude war natürlich riesig! Dieses Mal hatte es sogar beim ersten Versuch geklappt. Unser kleiner Sohn und unsere besten Freunde bekamen die Nachricht als erste mitgeteilt und freuten sich natürlich dementsprechend. Trotzdem lautete die Devise «Bitte nicht weitersagen!». Man weiss ja nie.

Die Schwangerschaft an sich verlief  problemlos, ohne die üblichen Beschwerden. Laut der Frauenärztin war es ausreichend, die erste Kontrolle in der 12. Woche zu machen. Einen Tag vor diesem Termin wachte meine Frau morgens auf, ging ins Bad und schrie plötzlich los. Innert Sekunden stand ich neben ihr. Die Toilettenschüssel war vollgespritzt mit Blut. Ich konnte die Situation erst gar nicht erfassen. Meine Gedanken rasten. Geht es dem Kind gut? Kann ein Kind in der 12. Woche überleben? Die aber mit Abstand schlimmste Frage war – und das verfolgt mich heute noch – ist das Kind bereits rausgekommen und schwimmt jetzt in der Toilettenschüssel?

Ich packte meine Frau ins Auto und fuhr mit ihr und unserem kleinen Sohn in die Notaufnahme, wo ich nur noch auf die blutgetränkte Hose zeigen musste, worauf wir innert Minuten abgeholt wurden. Meine Frau wurde erstmal gründlich untersucht und ich bin während dieser Zeit mit meinem Sohn auf den Flur rausgegangen und sass dort geistesabwesend auf dem Boden vor ihrem Zimmer. In dieser Zeit rief ich auch meinen Vater an, dass er den Kleinen abholen kommen soll. Wir seien im Spital. Wir hätten wahrscheinlich eine Fehlgeburt.

Gedenkstätte für Fehlgeburten

Nachdem mein Vater den Kleinen abgeholt hatte, ging ich dann wieder zurück ins Zimmer. Meine Frau sass im Bett und weinte. Die Ärztin klärte mich dann direkt auf, dass sie leider keine Schwangerschaft mehr feststellen konnte. Peng! Wie jetzt? War sie etwa gar nie schwanger gewesen? Das war damit natürlich nicht gemeint, ganz im Gegenteil. Sie erläuterte mir dann, dass aufgrund der Hormone im Blut das Kind wohl nachweislich bis vor wenigen Stunden noch gelebt haben musste und erst vor kurzem «abgestorben» wäre. Warum sagt man bei Ungeborenen eigentlich abgestorben und nicht gestorben?

Ich versuchte in diesem Moment dann einfach, für meine Frau da zu sein. Ich selbst war noch zu keiner Gefühlsregung im Stande. Die Ärztin erklärte mir dann noch, wie sie normalerweise in einem solchen Fall verfahren würden und dass sie die Asche der Überreste von Fehlgeburten bei einer kleinen Gedenkstätte aufbewahren und so den Eltern einen Ort zum Abschied geben wollten. Zu diesem Zeitpunkt begriff ich zum ersten Mal, dass ein kleines, ungeborenes Kind gestorben war. Unser Kind.

Die weiteren Stunden bestanden dann aus der Benachrichtigung von Götti und Gotti und meiner Mutter sowie der Durchführung der sogenannten «Ausschabung», um alles noch vorhandene tote Gewebe aus der Gebärmutter herauszubekommen und Entzündungen zu verhindern. Irgendwann um 23 Uhr durften wir dann nach Hause und schliefen beide überraschend schnell ein. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war meine Frau bereits im Wohnzimmer. Ich kam die Treppe herunter und sah, wie sie mit dem Schwangerschafts- Tagebuch da stand. Tränen in den Augen. Sie hatte ein kleines Bild in das Tagebuch geklebt, ein verwelkter Löwenzahn in Schwarzweiss und oben das Datum und den Namen «Sternli». In diesem Moment sind wir beide weinend zusammengebrochen.

Fehlgeburten sind ein Tabuthema

In den folgenden Tagen gab es viele Beileidsbekundungen und doch haben wir eines ganz stark gemerkt: Fehlgeburten sind in unserer Gesellschaft ein absolutes Tabuthema. Darüber spricht man nicht. So haben wir erst nach diesem Erlebnis von diversen Bekannten und Freunden erfahren, dass auch sie Fehlgeburten hatten, teilweise mehrere hintereinander. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass man sehr viel offener über dieses Thema sprechen muss und eventuell auch die Nachbetreuung zum Thema machen sollte. Insbesondere auch deshalb, da eine solche Fehlgeburt doch ein sehr einschneidendes und unter Umständen sogar äusserst traumatisierendes Erlebnis darstellen kann und bei weitem nicht alle gleich gut damit klarkommen.

«Sternli» war 12 Wochen in Mama’s Bauch, bevor es uns am 10. März 2012 verlassen hat. Ende März 2013 hat dann unser zweiter Sohn Thiago das Licht der Welt erblickt. Er wurde von derselben Ärztin entbunden, die uns damals an diesem schicksalshaften Tag beigestanden hatte.

mb*Reto Schmid wohnt mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Mellingen.


Mütter, bleibt schlank!

Mamablog-Redaktion am Donnerstag den 6. Juni 2013

Ein Gastblog von Claudia Marinka*.

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Nach einer Schwangerschaft muss die alte Figur wieder her: Ein Schwangere im Bikini. (Foto: Flickr/flequi)

Tipps für Schwangere sind in etwa so sinnvoll wie Cellulite, Tupperware oder elektrische Pfeffermühlen. Ich halte es mit Ratschlägen wie mit Wein: Es gibt zu viele, die einem Kopfschmerzen bereiten. Darum sollte man auf den ultimativen Fingerzeig warten – und hier ist er: Nehmen Sie in der Schwangerschaft nicht unnötig zu.

Und als Fortsetzung nach der Schwangerschaft: Nehmen Sie ab – so viel wie nötig, so früh wie möglich. Sobald Sie sich mit der bitteren (körpereigenen) Realität auseinander gesetzt haben, werden Sie die Trugschlüsse um Sie herum erkennen. Der grösste Irrtum ist wohl, zu meinen, man gelte jetzt lebenslang als schön, nur weil man in der Schwangerschaft mal gesagt bekommen hat: «Es gibt nichts Sinnlicheres, als schwangere Frauen.» Bilden Sie sich nichts darauf ein: Sobald der Balg draussen ist, schwindet auch die Güte Ihrer Mitmenschen. Nur die Kilos bleiben. Dann wirds richtig brutal. Denn dann kommt die Quittung dafür, dass Sie sich neun Monate lang haben gehen lassen.

Darum plädiere ich für einen schnellen Wiedereinstieg ins Leben vor 20 Kilos plus. Schonfrist gibt es nur für stillende Mütter. Natürlich auch für die üblichen paar Wochen nach einer Geburt. Ausgenommen sind ebenfalls Gebärende von Zwillingen, Drillingen oder gar mehr. Die haben genug zu tun. Abnehmen geht ganz einfach, selbst mit Kind(ern). Man isst einfach weniger. Die Nahrungsaufnahme drosseln, abends keine Kohlenhydrate, moderater Verzicht auf Süsses und – schwups! – schwinden die Kilos. Vielleicht nicht so schnell, wie sich Frau das wünscht, aber: Sie purzeln. Schritt für Schritt kann man dann noch leichte Übungen im Alltag einbauen.

Sie dürfen alles, nur das eine nicht: sich in Sicherheit wähnen. Denn Kritik lauert überall. Am unerbittlichsten im eigenen Spiegelbild. Nicht nur das eigene Ego stören die überschüssigen Pfunde, auch der Partner darf noch was erwarten. Er würde es niemals zugeben, ist der stolzeste Papa auf Erden, sorgt sich (immer noch) rührend um die Frau. Schlimmstenfalls genügt das und sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Doch das Ende unserer Tage kommt statistisch gesehen noch lange nicht nach der Geburt von Kindern. Deshalb sollten wir uns gut daran tun, die verbleibende Zeit zu nutzen. Für Glückseligkeit, Seelenfrieden – und auch Attraktivität. Denn es ist ein Ammenmärchen, dass nur das Innere zählt. Das wissen wir schon länger als neun Monate, nur haben wir es verdrängt. Weil was anderes, Wichtigeres, wichtig ist. Zu Recht. Doch man selbst ist es eben auch noch. Immer mehr, je weiter eine Geburt zurück liegt. Mit der Zeit schwindet das Hormon-Hoch und die Realität setzt wieder ein.

Natürlich haben Sie ein Recht darauf, ihre Schwangerschaftsblessuren stolz zu zeigen. Doch, honestly, niemand will sie sehen. Zuspruch gibt es nicht mal von Frauen, oder ich kenne keine. Die wollen nämlich körperlich alle dasselbe: wieder fit sein und gut aussehen. Und 20 Kilos mehr auf der Waage, Wasser in den Beinen und ein ausgedehnter Bauch sind nun mal nicht sexy. So sorry for that. Abgesehen davon kommt noch ein gesundheitlicher Aspekt hinzu: Schwangerschaftskilos können sehr hartnäckig sein. Oftmals führt eine Gewichtszunahme während der Schwangerschaft zu lebenslangem Übergewicht. So wurde in der 10-Jahres-Studio NHANES (The First National Health and Nutrition Examination Survey) ermittelt, dass sich das Risiko, leicht übergewichtig zu werden, durch eine Schwangerschaft um 60 Prozent erhöht. Das Risiko schwer übergewichtig (adipös) zu werden, steigt sogar um 110 Prozent.

Doch Übergewicht nach der Schwangerschaft ist kein Schicksal. Es gibt Möglichkeiten, zum Normalgewicht zurückzukehren. Der Trost: Der Körper vollbringt mit einer Geburt Höchstleistung, da klappt in der Regel auch das Abnehmen noch. Muttersein heisst nicht, sich körperlich gehen zu lassen. Dasselbe gilt übrigens auch für den Kindsvater. Es gibt keinen Grund für Laissez-faire. Alles andere ist Augenwischerei.

marinka*Claudia Marinka ist Journalistin mit Schwerpunkt Gesellschaftsfragen. Die zweifache Mutter hat zuletzt beim «Der Sonntag» gearbeitet und verfolgt jetzt eigene Projekte. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich.

Liebe Leserinnen und Leser, vielen Dank für Ihre zahlreichen Wortmeldungen. Aus Kapazitätsgründen ist die Kommentarfunktion nun ausgeschaltet. Die Redaktion.


Dinge, die die Babywelt nicht braucht

Mamablog-Redaktion am Freitag den 5. April 2013

Eine Carte Blanche von Andrea Bornhauser*.

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Kein Must-have: Das sexy Abpump-Bustier aus Jeansstoff. (Foto: Shaparee)

Eine Freundin hat zur Geburt ihres Kindes einen Brei-Löffel geschenkt gekriegt, der mich ratlos hinterliess. Es handelt sich um eine Art Babybrei-Dispenser, aus dem das Mus in einen angeschraubten Löffel gedrückt und so dem Baby verabreicht wird. Er soll laut Beipackzettel «das Leben moderner Eltern einfacher machen». Was bitteschön ist schwierig daran, einem Baby den Brei aus einem herkömmlichen Gläschen zu füttern? Eine Sauerei gibts so oder so. Als wäre die Idee nicht schon sonderbar genug, haben die Erfinder dem unförmigen Ding den Namen «Squirt» gegeben, ein englischer Begriff, der unter anderem für das weibliche Ejakulat verwendet wird. Wie passend!

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Anscheinend unentbehrlich: Breilöffel mit Dispenser fürs Baby.

Seit ich ein Kind habe, treffe ich immer wieder auf fragwürdige Baby- und Kinderprodukte, welche die Welt nicht braucht: ein Nasensauger, ein Teller, bei dem man unten heisses Wasser zum Wärmen einfüllt, eine Sitzhilfe für die Badewanne oder ein Windeleimer etc. Wer sich schon mal in einem «Baby-Haus» umgeschaut hat, weiss, wovon ich rede. Unnötige Dinge, meistens aus Plastik, die frischgebackenen Erstlings-Eltern (besonders empfänglich für sinnlosen Schrott) und schwangeren Frauen (leichte Beute) leise zuraunen, dass man ohne sie den harten Familien-Alltag niemals meistern wird. Oder aber die fieseste Falle: der Sicherheitsaspekt, vom Fachpersonal gerne verwendet bei teuren Kinderwägen, Autositzen oder Hochstühlen, mit dem Totschläger-Argument: «Tja, wenn Ihnen die Sicherheit Ihres Kindes das Geld NICHT wert ist, nehmen Sie halt das günstigere Modell...» Ja, klar!

Der Druck fängt bereits in der Schwangerschaft an, wenn die Babybusiness-Mafia Frauen in anderen Umständen weismachen will, dass jetzt Zeit ist für geblümte Rüschentops mit Einsätzen und Abnähern oder ein Abendkleid, das «Hallo, Umstandsmode!» schreit. Ganz zu schweigen von Bade-Einteilern oder Spitzen-Dessous, welche die Oma nach der Geburt sicher gerne nachträgt. Sollen wir Frauen im Ernst für neun Monate unseren ganzen Kleiderschrank mit umständlichen Kleidern austauschen? Das erfordert nicht nur starke Sehnerven, bei all dem scheusslichen Zeugs, das in der Schwangerschaftsabteilung hängt, sondern kostet auch massig Geld. Klar, ab dem fünften Monat sind Jeans mit angenähtem Elastikbund eine wirklich gute Sache. Aber ansonsten bin ich persönlich mit Leggins, Oversize-T-Shirts und den Hemden meines Mannes immer gut gefahren.

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In Ruhe stillen: Babyhut mit Riesenkrempe.

Weiter gehts mit den Anschaffungen für die Stillzeit. Ein paar Kostproben gefällig? Die Hersteller sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Da wäre neben dem sexy Abpump-Bustier und dem total überflüssigen Stillsessel (was ist gegen das gute alte Sofa einzuwenden?) zum Beispiel der Stillhut mit der Riesenkrempe, der dem Säugling als Sichtschutz übers Köpfchen gestülpt wird. Aber wer möchte schon einen riesigen Baby-Schlapphut vor dem Busen? Mamas Lieblingsfoulard tuts doch auch. In der selben Liga spielen Maxi-Lätzchen in allen Farben und Mustern. Das sieht dann so aus, als hätte sich Mutti ein dekoriertes Zelt umgeschnallt. Ausgeprägte Still-Demenz ist die einzige Erklärung, warum sich Mütter solche Undinger anschaffen.

Zum Schluss möchte ich noch eine Frage loswerden: Wer hat eigentlich DIE WICKELTASCHE erfunden? Oder anders gefragt: Wozu braucht es sie? Ich weiss, diese Taschen hängen an praktisch jedem Kinderwagen, der vorbeigondelt. Die Windeln, Feuchttücher und der Ersatznuggi wollen schliesslich ordentlich verstaut sein. Aber weshalb kommen da nicht der ganz normale Rucksack oder die schöne Tasche zum Einsatz, die schon vor der Geburt des Kindes da waren? Die sonderbarste Wickeltasche habe ich übrigens an der Playtime-Kindermesse in Paris entdeckt: Von aussen macht sie auf It-Bag aus schickem Leder mit Absteppnähten à la Chanel; im Innern jedoch befinden sich ein Fläschchenwärmer, ein Abteil für die Windeln und eine herausnehmbare Wickelmatte. Ich halte nicht viel von Mogelpackungen. Dann schon lieber eine echte Chanel-Tasche für Mama und meinetwegen die hässliche Wickeltasche fürs Baby.

Andrea Bornhauser*Andrea Bornhauser arbeitete als Moderedaktorin für «annabelle» und «Facts». Heute betreibt die freischaffende Journalistin das Onlineportal Familianistas.ch. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.


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