Archiv für die Kategorie „Schwangerschaft“

Egg-Freezing? Blödsinn, werdet schwanger!

Mamablog-Redaktion am Sonntag den 26. Oktober 2014

Ein Gastbeitrag von Liliane Minor*

Pregnant women paint their bellies before an event to celebrate "Healthy Maternity Week" in Lima

Selbstbewusst auf das eigene Bauchgefühl hören, statt auf den perfekten Zeitpunkt warten: Ein Baby haben macht Spass! Foto: Reuters

Kein Thema ist unter Frauen seit Jahren so präsent wie dieses: Wie bringt man Kinder und Beruf unter einen Hut? Und obwohl sich viel getan hat – Krippen, Horte, Tagesschulen werden immer mehr – bleibt die Sache schwierig. Oder, wie es die «NZZ am Sonntag» kürzlich formuliert hat: Kinder und Beruf lassen sich in der Schweiz nicht vereinbaren. Nur addieren.

Da scheint der medizinische Fortschritt wie gerufen zu kommen: Frauen können sich Eizellen entnehmen und fünf Jahre lang einfrieren lassen, um Kinder auf später zu verschieben. Das, so die Hoffnung, befreie vom Dilemma, sich zwischen Karriere und unerbittlichen biologischen Tatsachen entscheiden zu müssen. Aber auch vom Druck, den Freunde und Familie unbeabsichtigt ausüben, wenn sie fragen, warum ein Paar Mitte dreissig denn noch keine Kinder habe.

Da klingt das Freezing, wie es so schön heisst, wie ein weiterer Schritt Richtung Freiheit. Ein Fortschritt wie seinerzeit die Pille. Doch jede Frau, die in einer festen Partnerschaft ist und verhütet, kennt die Kehrseite der Medaille: Irgendwann muss sie sich entscheiden. Mit der Verhütung aufhören. Das war der Preis für eine nie gekannte sexuelle Freiheit für Frauen. Ein Preis, der sich lohnte.

Beim Freezing aber ist der Preis ungleich höher. Wohlverstanden: Die Technik ist ein Segen für Frauen, die sich beispielsweise einer Krebsbehandlung unterziehen müssen und nicht wissen, ob sie danach überhaupt noch auf natürlichem Weg Kinder bekommen können. Alle anderen aber befreit die neue Technik nur scheinbar – denn schon nach drei, vier Jahren ist der Druck zurück, und das unerbittlicher denn je. Dann droht den eingefrorenen Zellen die Vernichtung. Und nun stellt sich nicht nur die Frage: Lassen wir die Zellen nun befruchten? Sondern es lastet auch das Wissen schwer: Wenn es damit nicht klappt, ist es mit dem Kinderhaben möglicherweise ein für allemal vorbei. Sich noch einmal fünf Jahre zu erkaufen, dürfte für die meisten Frauen unrealistisch sein. Und die Chance auf eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ist zu dem Zeitpunkt für die meisten Frauen nur noch gering.

Hinzu kommt der Druck, sich in den paar Jahren, in denen die Eizellen gelagert bleiben, beruflich zu etablieren. Was, wenn das nicht klappt? Und, fast noch schwieriger: Was, wenn es klappt mit der Karriere? Wenn dann gerade der nächste Karriereschritt ansteht? Es wird nicht einfacher, Kinder zu haben, je weiter oben man auf Leiter steht. Und wenn ein Chef schon bei einer einfachen Angestellten Mühe hat, Kinder zu akzeptieren, dann wird er bei Kadermitarbeiterinnen eher noch untoleranter werden.

Mag sein, dass es Frauen gibt, die mit einer solchen Situation umgehen können. Aber genau diese bräuchten das Freezing nicht. Weil sie selbstbewusst genug sind, sich zu entscheiden. Sei es für Kinder und Beruf, für Kinder ohne Beruf oder für Beruf ohne Kinder. Für alle anderen kann aus der vermeintlichen Versicherung für später rasch ein Alptraum werden.

Machen wir uns nichts vor: Den idealen Zeitpunkt für Kinder gibt es ohnehin nie. Jede Frau, die Mutter geworden ist, weiss das. Mal ist es im Job ungünstig, mal passt die Wohnung nicht. Zudem weiss wohl keine Frau im Voraus, wie es sich wirklich anfühlt, ein Kind zu haben. Das verunsichert, klar. Aber wenn das Baby dann da ist, geht es irgendwie. Und nicht nur das: Es macht Spass.

In diesem Sinne, liebe Frauen: Werdet doch einfach schwanger. Voller Stolz und Selbstbewusstsein. Dann, wenn es euch passt und nicht dem Chef. Das wird auf Dauer mehr Einfluss auf die gesellschaftliche Situation haben, als wenn ihr Kinderkriegen vor lauter Karriere verschiebt. Denn so signalisiert ihr: Kinder sind kein Störfaktor.

Minor* Liliane Minor ist Redaktorin beim «Tages-Anzeiger». Sie hat zwei Kinder und wohnt im Zürcher Unterland.

Von schwangeren Helden und Antihelden

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 15. Oktober 2014

Ein Papablog von Nils Pickert*

Bizarr und übergriffig: Die Floskel «Darf ich mal…», während man gleichzeitig die Hand auf dem Bauch einer fremden Frau hat. Foto: iStock

Wussten Sie, dass ich ein Held bin, weil meine Frau schwanger ist? Und das, obwohl ich eigentlich nicht so viel dazu beigetragen habe. Zugegeben: Bei der Zeugung war ich schon involviert. Die war jedoch weniger von heldischen Motiven geleitet als von Spass an Lust und Zärtlichkeit. Trotzdem bin ich es jetzt: DER Vater eines baldigen dritten Kindes. Mannmannmann, was ich mir alles zutraue und mache. Toll! Wobei das natürlich nur für mich gilt.

Während meine emanzipierte, starke, unfassbar entspannte Frau mal wieder damit konfrontiert wird, dass ihr Plan, möglichst bald wieder zu arbeiten, sehr merkwürdig, wenn nicht gar anrüchig anmutet, wird mir die Heldenrolle zugedacht. Mich nimmt man zur Seite, um mir zu sagen, wie gut ich mit der Situation umginge und das ich ja wohl die Ruhe weghätte. Meiner Frau hingegen wird mal mehr und mal weniger subtil suggeriert, dass sie ja wohl ein bisschen den Verstand verloren hätte. Und das ist wie auch bei den vorhergehenden Schwangerschaften nur die Spitze des Eisberges.

Neben der Tatsache, dass ihre geistige Gesundheit offen oder verdeckt angezweifelt wird, übt ihr Bauch wieder einmal eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf übergriffige Mitmenschen aus. Wie bizarr das wirkt, geht dabei den wenigsten auf. Stattdessen gilt es als vollkommen normal und selbstverständlich, wenn man gleichzeitig mit der Floskel «Darf ich mal…» die Hand auf dem Bauch einer fremden Frau hat. Der schwangere Körper scheint unweigerlich Gegenstand eines allgemeinen Interesses zu sein. Menschen stellen nicht nur unangemessene Fragen über Gewichtszunahme (Wie viel hast du zugenommen?), körperliche Verfassung (Kannst du nachts noch schlafen?) und Intimleben (Habt ihr denn noch Sex?), sie erteilen auch Ratschläge, um die man nicht gebeten hat: Mehr als 10 Kilo solltest du aber nicht zunehmen. Ein kleiner Spaziergang ist gut für die Verdauung. Nicht vergessen, regelmässig Pflegeprodukte gegen Schwangerschaftsstreifen zu nehmen.

Am merkwürdigsten sind jedoch die Mitglieder der orakelnden Gesellschaft. Wie, die kennen Sie nicht? Das sind diejenigen, die wissen, was die Zukunft bringt und im Beisein einer Schwangeren nicht an sich halten können. Von der Form des Bauches und dem Aussehen der werdenden Mutter schliessen sie auf das Geschlecht des Kindes und geben detaillierte Prophezeiungen darüber ab, wie sich das Kind im ersten Jahr verhalten wird. Als Faustregel hierfür gilt: Je entspannter und beschwerdefreier eine Frau ihre Schwangerschaft erlebt und beschreibt, umso mehr orakelt man in ihrer Gegenwart darüber, «wie schlimm das alles noch werden wird». Was, du hattest keine Morgenübelkeit?! Na dann warte mal ab, bis die Wassereinlagerungen kommen. Du bist im 8. Monat und geniesst deine Schwangerschaft?! Aber die Geburt wird bestimmt ganz furchtbar. Oder das Stillen, die durchwachten Nächte, die Beziehung, der Wiedereinstieg ins Berufsleben. Egal was – irgendwas muss auf jeden Fall ganz furchtbar werden.

Warum eigentlich? Vermutlich liegt das zum einen an der überzogenen gesellschaftlichen Aneignung von Schwangerer und Kind. Im gleichen Sinne wie Deutsche früher einmal Papst waren, jetzt Fussballweltmeister sind und gerne darauf bestehen, dass der Schauspieler Christoph Waltz deutscher Staatsbürger ist, damit er weiterhin als «unser Mann in Hollywood» gelten kann. Wenn also «wir alle» ein Kind erwarten, dann soll die Frau, die es zufälligerweise austrägt, sich schön an unsere Regeln halten und tun, was man erwartet. Immerhin geht uns das alle etwas an.

Zum anderen scheinen viele immer noch das biblische «sie soll unter Schmerzen gebären» in ihren Köpfen zu haben – selbst wenn sie sich selbst gar nicht als so religiös verstehen. Anders ist es nicht zu erklären, dass Frauen, die per Kaiserschnitt gebären, immer noch als Gebärende zweiter Klasse gelten, als Frauen, die gar nicht «richtig» geboren haben, weil sie sich um die Schmerzen herumgedrückt haben, anstatt «echte Geburtsarbeit» zu leisten.

Und weil sich Ratschläge an werdende Eltern (insbesondere an Mütter) offenbar so leicht und zahlreich erteilen, schlage ich jetzt einfach mal ungefragt mit Rat zurück.

  1. Finger weg! Ihnen fasst man ja auch nicht ungefragt an den Kopf, wenn die Haare lichter werden, weil sich das ja so neu und ungewohnt anfühlt.
  2. Intimsphäre wahren! Oder wann wurden Sie zuletzt von entfernten Bekannten gefragt, wie es Ihnen so beim Kacken geht?
  3. Behalten Sie doch bitte Ihre Zukunftsvisionen für sich! Die kommen vielleicht auf Astro-TV gut an, aber nicht bei werdenden Eltern, die sich sowieso meistens zu viele Sorgen machen.
  4. Schön, falls Sie die Entscheidung für Nachwuchs bei Männern feiern und wertschätzen. Wenn Sie das allerdings bei schwangeren Frauen weniger oder gar nicht tun, wirkt es allenfalls lächerlich.

Unheldische Grüsse
Nils Pickert

pickert150x150*Nils Pickert lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Er hat eine monatliche Kolumne auf Standard.at, in der er sich mit den männlichen Seiten der weiblichen Emanzipation beschäftigt.

Best of: Die Gnade des späten Gebärens

Michael Marti am Mittwoch den 13. August 2014

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen und ihre Familien. Deshalb publizieren wir während zweier Wochen einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Papablog von Michael Marti* erschien erstmals am 23. April 2014.


Späte Elternschaft ist ein Reizthema. Frauen und Männer, die sich in ihren Vierzigern, ja, in ihren Fünfzigern womöglich, für ein Kind entscheiden, gelten oft als Egoisten, die alles haben wollen im Leben: in der ersten Lebenshälfte Karriere und Ungebundenheit, in der zweiten Kinder und Familienbande.

Insbesondere alte Mütter trifft erbarmungslos Kritik, sie würden mit der Medizin als Komplizin die natürliche Ordnung der menschlichen Fortpflanzung pervertieren. So diskutierte die Boulevardzeitung «Blick» unlängst, ob es rechtens sei, wenn die Krankenkassen die Entbindung einer 66-Jährigen bezahle, die nach einer In-Vitro-Befruchtung mit Zwillingen schwanger war. Auch in einschlägigen Postings des Mamablogs («Alterslimite für Mütter?») derselbe Tenor, hier werden Schwangerschaften nach 45 als «unverantwortlich», als «selbstsüchtig» abgeurteilt.

Ein ganz anderes Bild allerdings zeichnen neuste Forschungsergebnisse. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» beleuchtet in seiner aktuellen Ausgabe mit einer Titelgeschichte den diesbezügliche Stand der Wissenschaft. So sei mittlerweile erwiesen, dass späte Eltern in der Regel nicht nur gute, sondern sogar die besseren Eltern seien. Denn diese würden sich meistens aus einer wirtschaftlich abgesicherten Position für Kinder entscheiden, sie lebten grösstenteils in einer stabilen Partnerschaft und seien überdurchschnittlich gut gebildet. Davon profitiere der Wunschnachwuchs in hohem Masse: «Kinder, deren Eltern ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben, sind weniger belastet als jene, deren Eltern noch suchen.»

Offenbar wurden bislang auch die gesundheitlichen Risiken überschätzt. «Kinder, deren Mütter bei der Geburt 35 bis 44 Jahre alt waren, erleiden – anders als lange angenommen – auch langfristig keine gesundheitlichen Nachteile», heisst es im «Spiegel». Und weil sich die Töchter und Söhne besonders erwünscht fühlten, würden sie nachhaltig den so wichtigen Glauben an sich selbst und den eigenen Wert entwickeln.

Auch ein zweites Vorurteil gilt es zu revidieren: Die späte Elternschaft ist mitnichten die exotische Option weniger egozentrischer Frauen und Männer, die mithilfe skrupelloser Ärzte sich über alle ethischen Grenzen hinwegsetzen. Vielmehr handelt es sich um einen «sozialen Megatrend», wie ein Experte im erwähnten «Spiegel»-Artikel zitiert wird, um eine Entwicklung, deren Auswirkungen vollkommen unterschätzt würden. Tatsächlich gilt dies auch für die Schweiz, hierzulande nimmt die Anzahl der unter 30-jährigen Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, ebenfalls ab, während gleichzeitig die Zahl der 35-jährigen und älteren Frauen steigt.

Hauptgründe dafür sind immer längere Ausbildungszeiten für beide Geschlechter und der härtere Konkurrenzkampf um attraktive Jobs, auch dies gilt für Männer und Frauen.

Vergegenwärtig man sich also die neuesten Erkenntnisse und Fakten zum Phänomen späte Elternschaft, ergibt sich ein ganz anderes Bild, als es derzeit in der Öffentlichkeit vorherrscht. Es geht hier nicht um selbstsüchtige Ego-Eltern, sondern vielmehr darum, dass es heute jungen Erwachsenen kaum noch möglich ist, gleichzeitig eine Karriere und eine Familie aufzubauen. Hinlänglich bekannte Gründe dafür sind etwa die Defizite bei den Kinderbetreuungsangeboten (Stichwort Tagesschulen) oder das Fehlen von Teilzeitjobs auf Kaderstufe.

Es sind mithin gesellschaftliche Ursachen, die hinter der Entwicklung zur späten Elternschaft stehen – nicht die Egozentrik einzelner Frauen und Männer. Man mag diesen Wandel begrüssen oder nicht, gut zu wissen ist: dass die späte Elternschaft nicht auf Kosten der spät geborenen Kinder geht.

memyselfandi*Michael Marti (48) ist Leiter Digital und Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeiger. Er wurde mit 40 erstmals Vater und lebt mit seinen beiden Töchtern und seiner Frau in Zürich.

Best of Mamablog: Job weg nach der Babypause

Gabriela Braun am Sonntag den 3. August 2014

Es sind Sommerferien, auch für unsere Autorinnen und ihre Familien. Deshalb publizieren wir während zweier Wochen einige Beiträge, die besonders viel zu reden gaben. Dieser Beitrag von Gabriela Braun erschien erstmals am 11. März 2014.

EU PARLAMENT, EUROPAEISCHES PARLAMENT, EUROZONE, GRIECHENLAND KRISE, GRIECHENLANDHILFE, SPARPAKET, SPARDRUCK, SPARMASSNAHMEN, STAATSSCHULDEN, STAATSSCHULDENKRISE, STAATSVERSCHULDUNG, SCHULDENKRISE,   EUROZONE, EUROKRISE,   FINANZKRISE, WIRTSCHAFTSKRISE

Doch, doch, auch Mütter können arbeiten! Nicht alle nehmen auch gleich ihr Kind mit an den Arbeitsplatz wie die italienische Abgeordnete Licia Ronzulli im Europaparlament in Strassbourg (15. Februar 2012). Foto: Keystone

Liebe Männer, haben Sie schon mal erlebt, dass Sie nach einem Militär-WK, einer Krankheit oder längeren Ferien Ihren Job nicht mehr hatten? Sie zurückkamen und erstaunt feststellten, dass ein anderer an ihrem Arbeitsplatz sass, Ihre Arbeiten erledigte – und keinerlei Anstalten machte, sie Ihnen wieder abzugeben?

Ich gehe davon aus, die allermeisten von Ihnen beantworten die Frage mit «Nein». Ganz im Gegensatz zu zahlreichen Frauen, respektive Müttern: Kommen sie nach vier, fünf oder sechs Monaten Babypause an ihre Arbeitsstelle zurück, erleben sie nicht selten ihr blaues Wunder.

Die Frauen erfahren etwa, dass sie in ihrer Funktion herabgestuft wurden und aus diesem Grund andere – also einfachere – Arbeiten zu erledigen haben. Wie jene langjährige Marketingleiterin, die am ersten Tag nach dem Mutterschaftsurlaub von ihrem Chef zu hören bekam, dass sie den Arbeitsplatz im Gang mit dem Praktikanten teilen werde. Sie bearbeite mit ihrem 80-Prozent-Pensum neu die Kunden-Adresskartei und Prospekte. Für die grossen Projekte sei sie nicht mehr vorgesehen. Ein Neuer habe ihren Posten übernommen.

Doch auch anderes erfahren Mütter in der ersten Woche nach dem Mutterschutz: Ihre Kündigung. Das geschieht per eingeschriebenem Brief oder mittels massivem persönlichen Druck: indem der Neo-Mutter – die schon mehrere Jahre Mitinhaberin einer Werbeagentur ist – von ihren Partnern nahegelegt wird, sich doch bitte baldmöglichst den eigenen Anteil auszahlen zu lassen und dann zu gehen. Sie als Mutter sei für die kleine Werbeagentur eine zu grosse Belastung. Denn jetzt – das verstehe sie wohl selbst am Besten – könne sie kaum mehr ihren Tätigkeiten als Mitinhaberin und Co-Geschäftsführerin nachgehen.

Diese Beispiele stammen alle aus meinem Bekanntenkreis. Ich kenne ungefähr ein Dutzend solcher Geschichten. So unterschiedlich die Jobs und die Bereiche sind, in welchen die Frauen bis zu ihrem ersten Kind gearbeitet haben, so ähnlich sind die Begründungen ihrer Vorgesetzten. Die Frau könne als Mutter wegen des kleineren Arbeitspensums die bisherigen Aufgaben nicht mehr erfüllen, heisst es zum einen. Mit Kindern sei man nicht mehr so flexibel und einsatzfähig, zum anderen. Was für die betroffenen Frauen so viel bedeutet wie: Das trauen wir dir nicht mehr zu, liebe Frau. Jetzt, da du nebst Sitzungen auch für die Sättigung und Säuberung eines kleinen Schreihalses zuständig bist, bist du garantiert nicht mehr so belastbar. Je mehr Kinder man hat, desto ausgeprägter bekämen sie dies zu spüren, versichern mir Freundinnen.

Wobei ich hier anfügen möchte, dass es auch für diese Mütter klar ist, dass sie bei einem Teilzeitpensum von 50 Prozent nicht davon ausgehen können, exakt dasselbe zu tun, wie mit einem Vollzeitjob. Sie rechnen damit, auf gewisse Kompetenzen verzichten zu müssen. Um das geht es also nicht. Was den Frauen vielmehr sauer aufstösst, ist, dass bis zu ihrem Wiedereinstieg nach der Babypause offensichtlich rumgemauschelt wurde. Das Unausgesprochene ist das Problem, und dass die Firmen ihre Arbeitsstelle während ihrer Abwesenheit klammheimlich neu organisieren – ohne mit ihnen geredet zu haben. So wird der berufliche Wiedereinstieg nach der Babypause für zahlreiche Mütter zu einer herben Enttäuschung und Demütigung.

Dies beobachtet auch Susy Stauber-Moser, Vorsitzende der Zürcher Schlichtungsbehörde nach Gleichstellungsgesetz. Gemäss ihr kommunizierten Firmen im Vorfeld des Mutterschaftsurlaubs zum Teil nicht ausreichend transparent: «Die Frauen werden lange im Ungewissen gelassen, ob und wie sie nach der Babypause wieder arbeiten können.» Wie das veränderte Jobprofil aussehen könnte, bleibe ungeklärt. Diskriminierung im Zusammenhang mit Mutterschaft sei denn auch oft Thema bei den Beratungen der Behörde, sagt die Juristin und Mediatorin. Wandten sich Frauen vor wenigen Jahren noch vorwiegend wegen Lohnungleichheit an die Behörde, seien es heute vielfach Anliegen, die den Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub betreffen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht beim Wiedereinstieg?

Alles testen lassen oder einfach vertrauen?

Jeanette Kuster am Sonntag den 27. Juli 2014
Mamablog

Was, wenn es behindert ist? Ultraschallbild eines Fötus in der 12. Schwangerschaftswoche.
Foto: Wikimedia

Vor kurzem hat die «Ostschweiz am Sonntag» vermeldet, dass sich die Trisomie-21-Geburten innert zehn Jahren verdoppelt hätten. Ein Anstieg, den so niemand erwartet habe. Zwar werden bekanntlich immer mehr Frauen spät Mutter, was das Risiko für Fehlbildungen beim Kind erhöht. Gleichzeitig treiben Schätzungen zufolge aber zwischen 75 und 95 Prozent der Frauen, die vorgeburtlich mit der Diagnose Trisomie 21 konfrontiert werden, das Kind ab. Wieso also dennoch diese extreme Zunahme? Stimmen die hohen Prozentzahlen so vielleicht nicht mehr?

Möglicherweise habe in den letzten Jahren ein gesellschaftliches Umdenken stattgefunden, sagt Tina Fischer, leitende Ärztin am Kantonsspital St. Gallen gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Ein Umdenken, das es Paaren leichter mache, auch ein behindertes Kind zu bekommen. Und dazu führe, dass manche ganz bewusst auf die Pränataldiagnostik verzichteten.

Auch ich habe damals zumindest teilweise auf die mir angebotenen Untersuchungen verzichtet. Bei meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich nämlich die magische Grenze überschritten: Ich war über 35 Jahre alt und fiel somit in die Kategorie «alte Mutter». Die Folge: Mir wurde von der Gynäkologin gleich zu Beginn empfohlen, eine Fruchtwasserpunktion machen zu lassen, um mein Kind auf allfällige Fehlbildungen untersuchen zu lassen. Als ich das strikt ablehnte und sagte, mein Mann und ich wollten das nicht, schaute sie mich staunend an.

Ich hatte zwei Jahre zuvor ein gesundes Kind zur Welt gebracht, ich fühlte mich gut, und es gab bei den üblichen Untersuchungen keinen Hinweis auf irgendein Problem. Deshalb sah ich nicht ein, weshalb ich bloss aufgrund einer statistischen Grösse eine Fruchtwasserpunktion machen lassen sollte, die mit einem Abortrisiko verbunden ist. «Das Risiko beträgt bloss 0,5 bis 1 Prozent», mögen Sie nun einwenden. Aber «eins von hundert» erscheint mir schon ziemlich bedrohlich, wenn es um das Leben meines Kindes geht.

Dass man den Untersuch dennoch machen lässt, wenn man aufgrund der Statistiken völlig verunsichert ist oder absolut überzeugt, kein behindertes Kind grossziehen zu können, verstehe ich. Auf mich und meinen Mann traf beides nicht zu, weshalb wir es gar nicht so genau wissen wollten. Denn wie entscheidet man, wenn einem die Ärzte sagen, das Kind werde behindert zur Welt kommen? Behält man es trotzdem und mutet sich und dem Kind womöglich zu viel zu? Oder entscheidet man sich für einen Abbruch mitsamt den psychischen Folgen, die damit einhergehen? Kann man sich in dieser unglaublich schwierigen Frage mit dem Partner einigen? Und ist man fähig, auf Dauer mit seiner Entscheidung zu leben?

Noch schwieriger werden diese Fragen, wenn man sich vor Augen führt, dass die Pränataldiagnostik auch falsche oder ungenaue Diagnosen liefern kann. So wie bei einer Bekannten von mir, die gleichzeitig wie ich schwanger war. Sie und ihr Mann hatten von Beginn weg auf die gesamte Pränataldiagnostik verzichtet, also nicht einmal die Nackenfaltenmessung machen lassen. In der 13. Woche sah das Kind im Ultraschall seltsam aus, sodass nachträglich doch noch gemessen wurde. Die Diagnose der Ärzte: Das Kind würde entweder noch im Mutterleib sterben oder schwerstbehindert sein.

Das war 2009. Heute ist der Kleine fast fünf Jahre alt, völlig normal entwickelt und gesund. Seine Eltern haben damals entschieden, das Kind trotz dieser düsteren Prognose zu bekommen, und damit ganz offenbar den richtig Entscheid gefällt. Ob ich das an ihrer Stelle genauso durchgezogen hätte? Ich weiss es schlicht nicht und bin dankbar, musste ich mich selber nie einer solchen Entscheidung stellen.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie alle medizinischen Möglichkeiten genutzt, um (so weit möglich) sicherzustellen, dass Sie ein gesundes Kind bekommen? Oder haben Sie auf gewisse Tests verzichtet im Vertrauen darauf, dass alles gut kommen wird? Und erhöht die Pränataldiagnostik Ihrer Meinung nach den Druck auf die Frauen, nur noch gesunde Kinder zu bekommen? Oder findet wirklich langsam ein Umdenken statt?

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