Archiv für die Kategorie „Schwangerschaft“

Der Sohn ist auch eine Comicfigur

Gabriela Braun am Mittwoch den 16. Juli 2014

Caspar spielt. Caspar schmollt. Caspar lacht. Er entdeckt, erschreckt, und er zerrt immer mal wieder an den Nerven seiner Eltern. Caspar ist eine Comicfigur, doch nicht nur: Caspar ist auch ein Junge von dreieinhalb, der in Zürich aufwächst. Er liefert die Inspirationen für Vaters Illustrationen. Täglich.

Seit seiner Geburt hat sein Papa, François Chalet, jeden einzelnen Tag in einem Bild festgehalten. So sind bisher 1400 Illustrationen entstanden. Ohne Worte, für sich selbst sprechend. Die Bilder zeigen den Alltag der Familie, ihre Abenteuer und Höhepunkte – aber auch die Schwierigkeiten und Hürden, die Eltern mit einem Kind durchleben. François Chalet nimmt den Betrachter dabei auf eine persönliche und berührende Reise. Man sieht die Eltern dem trotzenden Kind gegenüberstehen, beide kurz vor dem Verzweifeln. Wie sie Ängste durchstehen, ihr Bestes geben – und zu dritt die kleinen Momente geniessen.

Sind die Situationen und Gefühle noch so komplex, François Chalet schafft es, sie grafisch hervorragend umzusetzen und auf den Punkt zu bringen. Als Betrachter sieht man auf einen Blick, um was es geht. Man erkennt sich in den Illustrationen oft selbst wieder und lacht, ist gerührt, tankt auch Mut. Man merkt: Man ist nicht allein, andere Familien kämpfen genauso mit Alltäglichem.

Und genau darin liegt gemäss dem Illustrator unter anderem der Reiz, wie er mir bei einem Kaffee erzählte: «Das Leben erkennt man am Unperfekten. Dann, wenns nicht funktioniert. Das macht menschlich – und es entspannt.»

Vielleicht soll aus den Bildern mal ein Film entstehen, die ursprüngliche Idee sei es jedenfalls mal gewesen, sagt der 43-Jährige. Bis es so weit ist, führt der Illustrator, Animationsfilmer, Regisseur und visuelle Künstler weiter täglich sein Tagebuch in Bildern – also eine Art Papablog. Immer abends nach getaner Arbeit um etwa 18 Uhr setzt sich François Chalet eine halbe Stunde an den Computer, um ein weiteres Bild zu illustrieren. Eine Auswahl davon erschien kürzlich im Buch «Caspar».

Einen kleinen Film von Caspar gibt es bereits. Im Trickfilm geht es um die Liebe der beiden Eltern und die Entstehung Caspars – des realen Jungen wie auch der Comicfigur.

Le coup de foudre from François Chalet on Vimeo.

François Chalet: Caspar. 208 Seiten, durchgehend farbig illustriert. 27 Franken, www.echtzeit.ch

Verhütung als Glücksspiel

Gabriela Braun am Donnerstag den 19. Juni 2014

Was tut ein Paar, wenn es Lust auf Sex hat – aber nicht auf Pille, Spirale oder Gummi? Ein Diaphragma nehmen zum Beispiel (sogenanntes Kondom für die Frau). Oder nur dann Sex haben, wenn Frau nicht fruchtbar ist, logischerweise.

Letztere Methode heisst offiziell «Natürliche Empfängnisregelung». Sie beruht auf der Tatsache, dass im Zyklus der Frau die meisten Tage unfruchtbar sind. Doch was einfach klingt, braucht – um eine Schwangerschaft auch wirklich zu verhindern – ein paar Kenntnisse über die Regungen des Körpers rund um den Eisprung. Die Frau misst dazu meist die morgendliche Körpertemperatur, untersucht ihren Ausfluss und interpretiert diese Fakten. Das will gelernt sein. In einschlägigen Foren diskutieren deshalb zahlreiche Frauen ausgiebig über das Thema, und spezielle Kurse leiten sie dabei an. Ein Paar, das sich dem Thema Natürliche Verhütung verschrieben hat, bloggt seit drei Jahren ausschliesslich darüber.

Wem das zu kompliziert oder aufwendig ist, hat die Möglichkeit, die Auswertung an einen Verhütungscomputer zu delegieren. Der Computer hat einen eingebauten Temperaturstab, den sich die Frau jeden Morgen unter die Zunge legt. Er wertet die Daten aus und zeigt der Frau auf dem Display an, ob sie fruchtbar ist oder nicht. Grün bedeutet go, rot no. Eine meiner Freundinnen vertraut seit mehreren Jahren auf ein solches mehrere Hundert Franken teures Gerät.

Das funktioniere gut, sagte sie kürzlich unserer fröhlichen Frauenrunde. Sie und ihr Mann könnten sich zu hundert Prozent darauf verlassen – bloss... na ja, auf dem Display seien die meisten Tage rot markiert. Wohl deshalb, weil die Methode als ultrasicher angepriesen werde und der Hersteller keinerlei Risiken eingehen wolle. Das sei frustrierend und nicht gerade lustvoll, sagte sie. Weswegen sie und ihr Mann häufig auf Kondome zurückgreifen müssten, um wirklich sicher zu sein. Doch manchmal würden sie den Gummi auch einfach sein lassen. Und dann beginne das bange Warten. Vor allem, wenn ihre Mens mal wieder in Verzug sei.

Trotz möglichem Stress wegen einer ungewollten Schwangerschaft wenden einige Paare in meinem Bekanntenkreis diese Art der Geburtenkontrolle an. Die pillenmüden Enddreissigerinnen verhüten oft ziemlich fahrlässig. Sie befänden sich in einer Zwischenphase, erklärten mir zwei Freundinnen, die beide Familie haben. Sie wollten keine Kinder, aber auch keine Hormone mehr. Und ihre Männer seien noch nicht so weit, sich unterbinden zu lassen – «daran arbeiten wir noch».

Ein Youtube-Filmchen wie Comedy-Frau Martina Hill die Verhütungsfrage sieht: «Verhütung? Mach dir keine Gedanken», aus der Reihe «Knallerfrauen». Viel Spass!

«Ohne uns würden noch viel mehr sterben»

Andrea Fischer Schulthess am Donnerstag den 5. Juni 2014
Mamablog

Ein 10-jähriges Mädchen, das an Polio erkrankt ist, hat mit Hunderten anderen Zuflucht in einer Kirche in der Stadt Carnot, Zentralafrikanische Republik, gefunden (14. April 2014). Zuvor war es zehn Tage lang allein im Wald unterwegs. Foto: Jerome Delay (AP, Keystone)

Die Hebamme Adeline Maquet (33) ist vor kurzem von einem mehrwöchigen Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR)* zurückgekehrt. Die Französin arbeitete in Bérbérati, wo Ärzte ohne Grenzen in einem bestehenden, aber weitgehend verlassenen Spital die medizinische Notversorgung übernommen haben. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Organisation den vielen Flüchtlingen, darunter unzählige Mütter, Schwangere und Kinder. Im Interview mit Andrea Fischer erzählt Adeline Maquet von ihren Erlebnissen in dem von einem Bürgerkrieg zerrütteten Land.

Frau Maquet, Sie sind vor ein paar Wochen aus der Zentralafrikanischen Republik zurückgekehrt, wo Sie als Hebamme im Einsatz waren. Wie ist die aktuelle Lage von jungen Frauen und Müttern dort?

In diesem Land mangelt es schon lange an so vielem, an Nahrung, an Bildung und an der Gesundheitsversorgung. Mit dem Bürgerkrieg hat sich die Lage nun nochmals massiv verschärft.

Woran mangelt es am meisten?

An fast allem. An Prävention, zum Beispiel von HIV. Aber auch die einfachsten Medikamente fehlen, wie zum Beispiel solche zur Malariaprophylaxe. Zudem gibt es vor Ort fast kein qualifiziertes medizinisches Personal. Selbst in Bérbérati, in der zweitgrössten Stadt des Landes, gibt es keine asphaltierten Strassen. Und im Spital fehlte es bei unserer Ankunft an den einfachsten Einrichtungen, unter anderem solchen für chirurgische Eingriffe. Auch Betten gibt es längst nicht genug. Oft teilen sich zwei Patienten ein Bett und es werden stetig mehr. Zudem braucht es dringend eine Infrastruktur für sichere Schwangerschaftsabbrüche. Das ist zwar ein sehr heikles Thema und illegal, aber viele Frauen tun es trotzdem. Es ist sehr gefährlich, da es häufig zu lebensbedrohenden Komplikationen kommt. Auch in Sachen Heilpflanzen fehlt es an Wissen. Wir hatten viele schwere Komplikationen bei Müttern, die sich selbst oder ihre Kinder mit den falschen Pflanzen zu behandeln versucht hatten. Viele sterben daran.

Mamablog

Adeline Maquet (33), Hebamme.

Welche Verbesserungen können Ärzte ohne Grenzen da konkret bringen?

Wir versuchen, möglichst viel medizinisches Wissen vor Ort zu bringen und die Menschen während der Zusammenarbeit auszubilden. Eine ganz wichtige Rolle in Krisengebieten spielt die Gynäkologie, ein Feld das bisher oft vernachlässigt wurde. Wenn man bedenkt, dass es selbst unter besten Umständen bei rund 15 Prozent aller Schwangerschaften zu Komplikationen kommt, kann man sich vorstellen, wie dringend unsere Hilfe an solchen Orten gebraucht wird. Sehr viele Flüchtlinge sind junge Frauen, die entweder bereits Mütter sind oder schwanger oder beides. Oft sind sie tagelang auf der Flucht, zu Fuss und praktisch ohne Nahrung.

Wie sah Ihr Alltag als Hebamme dort aus?

Wir waren jeden Tag der Woche von morgens um etwa 7 Uhr bis abends um 18 Uhr im Spital; um diese Zeit mussten wir aus Sicherheitsgründen mit dem Auto in unsere Unterkunft zurück, wo wir einige zusammen in einem Zimmer geschlafen haben. Der Tagesablauf war natürlich von den Fällen bestimmt, die gerade am dringendsten waren. Während der Visiten und Behandlungen haben wir fortlaufend das örtliche Personal weitergebildet. Dabei waren draussen oft Schusswechsel zu hören. Uns war stets bewusst, dass wir mitten in einem Krisengebiet waren. Das war belastend, aber da ich immer so müde war von der Arbeit, konnte ich trotz allem meist gut schlafen.

Sie haben täglich viele persönliche Schicksale junger Mütter und Kinder mitbekommen. Welches Erlebnis hat Sie unter anderen ganz besonders berührt?

Ja, es gab sehr viele berührende Schicksale. Da war zum Beispiel jene junge Mutter, die tagelang zu Fuss durch den Busch geflüchtet war. Als sie bei uns ankam, waren ihre Füsse ganz blutig, und sie hatte ihr kleines Baby unterwegs verloren. Es wurde aber noch gefunden, schwer dehydriert zwar, doch es konnte gerettet werden. Am Schlimmsten war für mich wohl das Erlebnis mit einer jungen Frau, bei der ich einen ganzen Tag und eine ganze Nacht gesessen hatte und die dann unter Krämpfen starb und ihr Ungeborenes mit ihr.

Haben Sie auch Erfreuliches erlebt?

Jede Frau und jedes Kind, dem wir helfen konnten, gab mir die Kraft, mich nicht entmutigen zu lassen. Und das Bewusstsein, dass ohne unsere Hilfe noch viel mehr Menschen sterben würden.

Woher schöpfen Sie die Kraft für Ihre Arbeit?

Oft aus dem Adrenalin, aus dem Wissen, dass eine wichtige Entscheidung bei mir allein liegt. Man muss in solchen Situationen vieles tun, was man zum ersten Mal macht. Als ganz besonders ermutigend fand ich die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Sie waren so positiv und motiviert, trotz all der unfassbaren Probleme. Das hat mich zutiefst beeindruckt.


* In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) bestimmen Unruhen und Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen – der Anti-Balaka und der Séléka – das Leben. Die Situation eskaliert seit Monaten. Von Januar bis März hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen über 3200 Menschen wegen Kriegsverletzungen medizinisch behandelt und gesamthaft über 300'000 Patienten untersucht. Die Organisation betreibt und unterstützt im Spital die Notfallabteilung, die Geburtsklinik, die Pädiatrie und die Chirurgie.

Vor einigen Wochen sind nach einem brutalen Angriff auf ein Krankenhaus auch drei Mitarbeitende der Organisation von Rebellen getötet worden sowie wenig später die französische Fotojournalistin Camille Lepage (26).

Vier Wochen Vaterschaftsurlaub für alle!

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 4. Juni 2014

Ein Papablog von Matthias Kuert Killer*

Mamablog

Heute ist der Wunsch der Väter, von Anfang an eine wichtige Rolle zu spielen, Normalität: Vater mit seinem Kind. Foto: normalityrelief (Flickr)

«Schämen Sie sich!», schreibt mir Frau Gerber per Mail. Wofür? Weil ich mich beruflich für vier Wochen Vaterschaftsurlaub einsetze, aus Überzeugung. Ich bin selbst Vater zweier Söhne und war nach beiden Geburten mehrere Wochen zu Hause. Nicht für Urlaub, denn es waren anstrengende Wochen. Meine Partnerin war nach zwei Notfall-Kaiserschnitten nicht nur erschöpft, sondern auch nur beschränkt mobil. Windeln wechseln, den Neugeborenen schaukeln, schlafen im Zweistundenrhythmus, kochen, den Haushalt schmeissen, meine Partnerin unterstützen, körperlich wie psychisch – danach wieder zu arbeiten, war wie Erholung.

Es war alles andere als Ferien, aber für unsere Familie waren diese Wochen unglaublich wichtig. Das erste Kind hat unsere Familie neu formiert – davor waren wir ein Paar, danach eine Familie. Das zweite Kind stellte uns vor die neue Herausforderung, bereits ein Kleinkind zu Hause zu haben, das auch seine Ansprüche stellte. Diese Wochen waren aber auch für mich selbst etwas sehr Schönes, denn Vatergefühle entwickeln sich durch eine starke Beziehung zum Neugeborenen. Diese Gefühle konnte ich dank der Präsenz und Zeit entwickeln. Aus purem Glücksgefühl wird so Verantwortungsbewusstsein. «Gebt doch den Vätern diese Möglichkeit», entgegne ich also Frau Gerber im Geiste.

Beim zweiten Kind hatte ich Glück: Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub wurden mir vom Arbeitgeber gewährt. Solche Arbeitgeber haben die wenigsten. Fakt ist, dass in der Schweiz ein frischgebackener Vater gesetzlich lediglich einen Tag freibekommt. Dies im Rahmen eines «üblichen freien Tags» (OR, Art. 329 Abs. 3), wie etwa bei einem Umzug. Das ist weit weg von den heutigen Realitäten. Wie soll denn das praktisch funktionieren nach der Geburt, wenn der Vater weg ist, liebe Frau Gerber? Wir erwarten im Sommer unser drittes Kind. Es gibt sicher Momente im Familienleben, in denen man auf mich verzichten kann. Die Zeit nach der Geburt gehört nicht dazu: Wer soll denn meine Partnerin unterstützen, unsere Buben betreuen, Essen kochen, den Haushalt erledigen? Klar ist es möglich, die Spitex kommen zu lassen und die Grosseltern einzuspannen. Und ich bin dann nach einem Tag mal weg? Eine spezielle Auffassung von Selbstverantwortung.

Aber Frau Gerber hat auch dafür eine Lösung: «Dann nimmt man halt Ferien», schreibt sie. Aber Ferien dienen der Erholung. Und mit Erholung hat ein Vaterschaftsurlaub eben nicht viel zu tun. Und den Rest des Jahres schlägt man sich dann übermüdet durch die Arbeitswelt? Ausserdem stellt sich die Frage, ob wir wirklich in einer Gesellschaft leben wollen, die eines der grössten Lebensereignisse gleich honoriert wie einen Wohnungsumzug. Ich komme in Fahrt: Die tiefere Scheidungsrate, wenn die Kinder gemeinsam betreut werden. Die bessere Entwicklung des Kindes, wenn es tragfähige Beziehungen zu beiden Elternteilen aufbaut. Die Bereicherung für die Väter und die Entlastung für die Mütter. Das spricht doch alles für einen Vaterschaftsurlaub.

«In meinem Job ist das leider nicht möglich», höre ich immer wieder von Vätern, wenn es um Teilzeitarbeit geht. Mit den vier Wochen Vaterschaftsurlaub – verteilt auf 20 einzeln bezogene Arbeitstage – hätten solche Männer wie auch ihre Chefs die Möglichkeit, Teilzeitarbeit überhaupt mal zu testen und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

Aber letztlich geht es mir nicht nur um rationale Argumente. Entweder wollen wir eine Gesellschaft sein, in der es normal ist, dass es Väter von Beginn an braucht oder eben nicht. Für mich ist völlig klar: Es gehören (fast immer) zwei zu einem Kind. Sie sollen die erste Zeit nach der Geburt zusammen meistern können – wohlverstanden mit sehr willkommener Unterstützung. Ich will als Vater präsent sein nach der Geburt. Und ich bin weder der erste noch der einzige. Heute ist der Wunsch der Väter, von Anfang an eine wichtige Rolle zu spielen, Normalität. Genauso normal, wie es keine grosse Sache mehr ist, dass beide Elternteile Erziehungsverantwortung übernehmen. Von Beginn an dabei sein und auch dabei bleiben. Oder schauen Sie gern Serien, von denen Sie den Anfang verpasst haben und von denen Sie später jeweils nur die Zusammenfassung zu sehen kriegen?

Für einen Vaterschaftsurlaub braucht es nicht mehr Steuergelder. Vier Wochen Vaterschaftsurlaub sind mittelfristig ohne Beitragserhöhungen aus der Erwerbsersatzordnung finanzierbar – wie der Mutterschaftsurlaub und der Militärersatz. Heute werden weniger Militärdiensttage geleistet, dadurch bleibt mehr Geld im «Kässeli». Die Rechnung ist einfach: Väter gehen heute weniger ins Militär, dafür sind sie etwas mehr bei den Kindern. In der Summe wird es nicht teurer.

Ein Vaterschaftsurlaub sorgt für Ruhe in der Familie in einer hektischen Zeit, hilft den Frauen in der postnatalen Rekonvaleszenz, führt zu verantwortungsvolleren und präsenteren Vätern, ist für Arbeitgeber mit einer Versicherungslösung gut umsetzbar und kostet den Steuerzahler erst noch nicht mehr Geld. Ich sehe wirklich nicht ein, wofür ich mich schämen sollte, Frau Gerber.

PAPA - Matthias Kuert Killer 150* Matthias Kuert Killer (37) ist Leiter Sozialpolitik bei Travailsuisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden. Er arbeitet wie seine Partnerin Teilzeit und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bern.

Her mit den dicken Bäuchen!

Mamablog-Redaktion am Freitag den 30. Mai 2014

Ein Gastbeitrag von Claudia Marinka*

Mamablog

Ob rund, ob oval, ob spitz: Jeder Babybauch ist anders, und jeder ist gut so, wie er ist. Foto: TipsTimes (Flickr.com)

Kürzlich habe ich beim Einkaufen ein Gespräch zweier Frauen mitverfolgt. Nein, nicht zufällig, ich habe extra gelauscht – ein herrliches Amüsement, mal so nebenbei erwähnt. Jedenfalls gratulierte die nicht schwangere Frau (Frau A) ihrer schwangeren Bekannten zu ihrem aktuellen Äusseren. Frau A: «Du siehst toll aus!» Frau B: «Danke! Aber mein Bauch stört mich schon langsam ein wenig.» Frau A: «Ja, das wird nur noch schlimmer, ich sags dir. Aber man sieht dir im Fall auf den ersten Blick gar nicht an, dass du schwanger bist. Du schaust wirklich super aus!»

Wow, so guet! Frau darf also schwanger werden, aber Komplimente kriegt sie nur, wenn man es ihr a) nicht ansieht b) sie auch ausser ihres prallen Bauches nicht zunimmt oder c) ihre überschüssigen Kilos dann aber doch, bitte schön, unter wallender Kleidung versteckt. Dicker Bauch, runder Bauch, spitzer Bauch, ovaler Bauch – da kriegt der Ausspruch «Mein Bauch gehört mir» doch eine völlig neue Bedeutung: Denn ihr Bauch gehört nicht ihr. Er gehört offenbar der Allgemeinheit, die ein Wörtchen mitreden will, wie denn ein schöner Babybauch auszusehen hat. Nämlich invisible. Frau soll sich gefälligst auch während «dieser wundervollsten Zeit» (jede Frau, die ein Kind ausgetragen hat, darf jetzt lachen) dem von Topmodels (und Photoshop) vorgegaukelten Schönheitsideal beugen. So glotzen Frauen ungläubig auf 1.85 Meter lange und Grösse 32 tragende Hochschwangere in Modezeitschriften, die ihr mit Vorzeigebäuchlein und Wespentaille weismachen wollen, das sei normal.

Doch wer schreibt Frau vor, was normal ist? Und warum muss sich Frau ausgerechnet in der Schwangerschaft einem Modediktat unterwerfen, nämlich jenem, dass selbst der Babybauch einer Norm entsprechen muss? Eines vorweg: Ich bin generell so ganz und gar gegen Modediktate, aber – und jetzt kommt das Aber: Ich bin sehr gegen Laissez-faire in der Schwangerschaft, was die eigene Figur angeht – und erst recht nachher («Mütter, bleibt schlank!»). Ich vertrete die Meinung, Frau soll auch mit Kind in shape bleiben. Auch wenn es für die Frau nach den Schwangerschaftskilos durchaus eine etwas grössere Herausforderung sein mag als für den Mann.

Für einige Frauen scheint jedoch Kilos zu verlieren und Muttersein immer noch ein Widerspruch in sich zu sein. Item. Sofort habe ich mich an meine erste Schwangerschaft zurückerinnert und an die Menschen, die mich auf meinen stattlichen Bauch angesprochen haben. Sprüche wie «Bist du sicher, dass es keine Zwillinge gibt?» gehörten schon zum Standard, amüsant waren Dialoge wie dieser: «Oh, jö, wänn isch es dänn sowiit?» (freudig-erregter Augenaufschlag). – Ich: «Im Februar.» (es war Oktober) – «Ahhhaa.» Je nach Lust und Laune hängte ich noch ein «Und nei, äs isch eis» dran.

Hey Mensch, in den Bäuchen ist was drin! Ein heranwachsendes Kind, das seinen Platz einnimmt. Deshalb verdient es ein wachsender Babybauch, mit Wohlwollen begutachtet zu werden. Ein Body-Mass-Index (ein Unding per se) für einen Babybauch ist etwa so abstrus wie eine Diät während der Schwangerschaft. Trotzdem gibt es offenbar eine Norm für Schwangere, die es nicht zu überschreiten gilt.

Bauchumfang X liegt noch voll drin, Bauchumfang XY ist bereits fragwürdig. Bauchumfang 0 hingegen ist erstrebenswert, weil er wahrscheinlich impliziert: Bei mir gehts genau so weiter wie bis anhin, ich verändere mich nicht. Dabei verändert sich jede Frau mit einem Kind, unabhängig von der Grösse ihres Bauchumfanges. Und das ist auch gut so; denn ein Schwangerschaftsbauch soll gedeihen, wie er will – fernab von Schönheitsidealen, Modediktaten oder den Argusaugen anderer Menschen.

Oder was ist Ihre Meinung?

marinka* Claudia Marinka arbeitet als freie Journalistin mit Schwerpunkt Gesellschaftsfragen und hat bei verschiedenen Medien in den Ressorts Nachrichten, Gesellschaft und People gearbeitet. Die zweifache Mutter lebt mit Tochter, Sohn und Mann in der Nähe von Zürich.

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