Archiv für die Kategorie „Schwangerschaft“

Her mit den dicken Bäuchen!

Mamablog-Redaktion am Freitag den 30. Mai 2014

Ein Gastbeitrag von Claudia Marinka*

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Ob rund, ob oval, ob spitz: Jeder Babybauch ist anders, und jeder ist gut so, wie er ist. Foto: TipsTimes (Flickr.com)

Kürzlich habe ich beim Einkaufen ein Gespräch zweier Frauen mitverfolgt. Nein, nicht zufällig, ich habe extra gelauscht – ein herrliches Amüsement, mal so nebenbei erwähnt. Jedenfalls gratulierte die nicht schwangere Frau (Frau A) ihrer schwangeren Bekannten zu ihrem aktuellen Äusseren. Frau A: «Du siehst toll aus!» Frau B: «Danke! Aber mein Bauch stört mich schon langsam ein wenig.» Frau A: «Ja, das wird nur noch schlimmer, ich sags dir. Aber man sieht dir im Fall auf den ersten Blick gar nicht an, dass du schwanger bist. Du schaust wirklich super aus!»

Wow, so guet! Frau darf also schwanger werden, aber Komplimente kriegt sie nur, wenn man es ihr a) nicht ansieht b) sie auch ausser ihres prallen Bauches nicht zunimmt oder c) ihre überschüssigen Kilos dann aber doch, bitte schön, unter wallender Kleidung versteckt. Dicker Bauch, runder Bauch, spitzer Bauch, ovaler Bauch – da kriegt der Ausspruch «Mein Bauch gehört mir» doch eine völlig neue Bedeutung: Denn ihr Bauch gehört nicht ihr. Er gehört offenbar der Allgemeinheit, die ein Wörtchen mitreden will, wie denn ein schöner Babybauch auszusehen hat. Nämlich invisible. Frau soll sich gefälligst auch während «dieser wundervollsten Zeit» (jede Frau, die ein Kind ausgetragen hat, darf jetzt lachen) dem von Topmodels (und Photoshop) vorgegaukelten Schönheitsideal beugen. So glotzen Frauen ungläubig auf 1.85 Meter lange und Grösse 32 tragende Hochschwangere in Modezeitschriften, die ihr mit Vorzeigebäuchlein und Wespentaille weismachen wollen, das sei normal.

Doch wer schreibt Frau vor, was normal ist? Und warum muss sich Frau ausgerechnet in der Schwangerschaft einem Modediktat unterwerfen, nämlich jenem, dass selbst der Babybauch einer Norm entsprechen muss? Eines vorweg: Ich bin generell so ganz und gar gegen Modediktate, aber – und jetzt kommt das Aber: Ich bin sehr gegen Laissez-faire in der Schwangerschaft, was die eigene Figur angeht – und erst recht nachher («Mütter, bleibt schlank!»). Ich vertrete die Meinung, Frau soll auch mit Kind in shape bleiben. Auch wenn es für die Frau nach den Schwangerschaftskilos durchaus eine etwas grössere Herausforderung sein mag als für den Mann.

Für einige Frauen scheint jedoch Kilos zu verlieren und Muttersein immer noch ein Widerspruch in sich zu sein. Item. Sofort habe ich mich an meine erste Schwangerschaft zurückerinnert und an die Menschen, die mich auf meinen stattlichen Bauch angesprochen haben. Sprüche wie «Bist du sicher, dass es keine Zwillinge gibt?» gehörten schon zum Standard, amüsant waren Dialoge wie dieser: «Oh, jö, wänn isch es dänn sowiit?» (freudig-erregter Augenaufschlag). – Ich: «Im Februar.» (es war Oktober) – «Ahhhaa.» Je nach Lust und Laune hängte ich noch ein «Und nei, äs isch eis» dran.

Hey Mensch, in den Bäuchen ist was drin! Ein heranwachsendes Kind, das seinen Platz einnimmt. Deshalb verdient es ein wachsender Babybauch, mit Wohlwollen begutachtet zu werden. Ein Body-Mass-Index (ein Unding per se) für einen Babybauch ist etwa so abstrus wie eine Diät während der Schwangerschaft. Trotzdem gibt es offenbar eine Norm für Schwangere, die es nicht zu überschreiten gilt.

Bauchumfang X liegt noch voll drin, Bauchumfang XY ist bereits fragwürdig. Bauchumfang 0 hingegen ist erstrebenswert, weil er wahrscheinlich impliziert: Bei mir gehts genau so weiter wie bis anhin, ich verändere mich nicht. Dabei verändert sich jede Frau mit einem Kind, unabhängig von der Grösse ihres Bauchumfanges. Und das ist auch gut so; denn ein Schwangerschaftsbauch soll gedeihen, wie er will – fernab von Schönheitsidealen, Modediktaten oder den Argusaugen anderer Menschen.

Oder was ist Ihre Meinung?

marinka* Claudia Marinka arbeitet als freie Journalistin mit Schwerpunkt Gesellschaftsfragen und hat bei verschiedenen Medien in den Ressorts Nachrichten, Gesellschaft und People gearbeitet. Die zweifache Mutter lebt mit Tochter, Sohn und Mann in der Nähe von Zürich.

Die intimste Frage

Gabriela Braun am Freitag den 23. Mai 2014
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Auch sie hört die Frage immer wieder: Jennifer Aniston, im Gegensatz zu ihrem Ex Brad Pitt, noch ohne Kind(er). Die Schauspielerin im Jahr 2012. (AP Photo/Chris Pizzello)

Vor wenigen Tagen habe ich mir einen Besuch beim Coiffeur meines Vertrauens gegönnt. Ich reserviere mir dafür also drei Stunden (Wahnsinn, oder?), lasse mich im Salon in einen schwarzen Nylonumhang hüllen, mit Kaffee und Frauenmagazinen zudecken und mir den Kopf mit einer brennenden Paste bestreichen. Ich blättere etwas lustlos in einer «Vogue». Doch die Aufmerksamkeit schenke ich nicht dem Hochglanzmagazin in meinen Händen, sondern den Gesprächen rund um mich herum.

Die Kundin rechts von mir hat Alustreifen im Haar und redet in einem fort von ihrer Schwiegermutter. Sie tue nie, was man ihr sage, klagt die Enddreissigerin. «An unserer Hochzeit wollten wir keine Blumen in der Kirche, absolut nicht», erzählt sie der Coiffeuse, die ihr Haarsträhnen färbt. «Doch natürlich war die Kirche bis zur Decke hin mit Blumen geschmückt.» «Echt?» «Echt! Ich fühlte mich wie an einer Beerdigung.» Die Schwiegermutter habe ihr den Tag vermiest, sagt sie weiter.

Ich schaue nach links. Der Frau neben mir kullern zwei, drei Tränen über das Gesicht. Sie erzählt der Angestellten, dass ihre jüngste Tochter vor zwei Tagen ausgezogen sei. Bald gehe wohl auch ihr Mann. Das alles stimme sie traurig.

Mein Coiffeur kriegt nichts davon mit. Als ich ihn Minuten später frage, wie es ihm gehe, sagt er «eigentlich gut». Doch sein Sohn sei vor kurzem 18 geworden und rede davon, von zu Hause auszuziehen. Zum Glück habe er noch zwei jüngere Kinder. Sie wohnten noch ein paar weitere Jahre bei ihm und seiner Frau. Der Coiffeur erzählt, wie er den Kindern beim Sonntagsbrunch ein Generationenhaus schmackhaft machen wollte. So würde die Familie für immer zusammenbleiben – doch die drei lachten ihn bloss aus. Wir grinsen uns an. Ich kann ihn verstehen.

Mein Blick wandert wieder nach rechts. Die zwei Frauen palavern nicht mehr über die Schwiegermutter, sondern über gemeinsame Bekannte («Emilia ist schon wieder geschieden?»), welche Freundinnen sich nach den Geburten ihrer Kinder zu Langweilerinnen verändert hätten – und wer sich aus deren Bekanntenkreis erdreistet habe, ihnen die schlimmste Frage aller Fragen zu stellen: jene nach dem ersten Kind.

Die Coiffeuse und die Kundin sind sich einig: Diese Frage geht gar nicht. Man stellt sie keinen Frauen – schon gar nicht, wenn sie Mitte dreissig sind. «Wann wollt ihr denn Kinder?», äffen die zwei ihre Tanten, Mütter, Freundinnen und Bekannten nach. Sie reden über «die intimste Frage, die es überhaupt gibt», und den gesellschaftlichen Druck, den sie als Frauen ohne Kinder verspürten. (In der «Huffington Post» gabs kürzlich einen Artikel dazu mit dem Titel «Hört auf, uns zu verurteilen! 23 Sätze, die sich kinderlose Frauen ständig anhören müssen.»)

Sie beginnen darauf Sätze und Strategien auszutauschen, die man in einer solchen Situation anwenden könne. Die will ich Ihnen nicht vorenthalten. Wenn also jemand fragt, ob man nicht bald Kinder wolle, und man aus welchen Gründen auch immer nicht darauf antworten mag, sagt man am besten:

  • Aber sicher, nächstes Jahr. (Der Satz wird besser, je älter man ist)
  • Wenn ich an all meine Freunde mit Familie denke ... Ach nein, du, wir wollen weiterhin frei und ungebunden sein.
  • Ich habe noch so viel Zeit. Mein biologisches Alter ist nachweislich zehn Jahre tiefer als mein Jahrgang. – Dann soll man sich schwungvoll wegdrehen und gehen.

Die anderen Sätze gehen im Föhnlärm unter. Nach zwei Stunden und dreissig Minuten verlasse ich das Geschäft. Die Haare goldblond (auch die grauen) und zu einer Frisur geföhnt, fühle ich mich fünf Jahre jünger. In Gedanken bei den Geschichten zu Kindern, Beziehungen, der Familie. Und einem Grinsen auf dem Gesicht.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt für ein Kind?

Mamablog-Redaktion am Freitag den 16. Mai 2014

Ein Gastbeitrag von Lea Koch*

Mamablog

Eher aussergewöhnlich: Für Juno und ihren Freund Bleeker im Film «Juno» ist der Zeitpunkt für ihr erstes Kind bereits mit 16 gekommen. (Foto: Fox Pictures)

Jeder weibliche Teenager, jede junge Frau hat den Gedanken immer mal wieder: «Was, wenn ich schwanger werde?»

Mutter Natur schenkt uns zwar mit spätestens 13 Jahren unsere Monatsblutung, aber die körperliche und mentale Reife, ein Kind zu gebären und aufzuziehen, haben wir deshalb noch lange nicht. Gott sei Dank gibt es Aufklärungsunterricht, Pille und Co., um das zu verhindern. Falls ein Mädchen dann aber doch mal schwanger wird, finde ich, sollte es durchaus die Berechtigung haben, abzutreiben – ohne verurteilt zu werden. Unabhängig davon, ob der familiäre Background oder die finanzielle Situation das Aufziehen eines Kindes zulassen würden. 

Die Möglichkeit einer Abtreibung hielt ich mir bis zum 18. Lebensjahr gedanklich als völlig berechtigte Notlösung vor Augen, um nicht jedes Mal, wenn meine Periode einen Tag zu spät kam, Adrenalinschübe und Herzrasen zu bekommen. Denn man kann in der Schulzeit doch kein Kind bekommen!

Auch nach der Matura sagte ich mir mit Blick auf das kommende Studium: «Du hast deine Ausbildung noch nicht fertig. Du könntest einem Kind keinen sicheren Lebensstandard bieten und deine Berufswünsche nicht verwirklichen.» Auch mein Freund war in dem Punkt mit mir einig: Wenn ich ungewollt schwanger wäre, gäbe es eine Abtreibung.

Mittlerweile bin ich 22 Jahre alt, ich lebe nach wie vor in einer festen Partnerschaft. In einer gemeinsamen Wohnung mit zwei Katzen, Studium und Job. Ich bin längst kein Kind mehr. Trotzdem würde ein eigenes Kind absolut nicht in meine ach so strukturierte Lebensplanung passen: Uni abschliessen – arbeiten – sparen und reisen – heiraten – ein Haus kaufen. Und dann Kinder kriegen. Das alles bitte bis zum 30. Lebensjahr. Verrückt? Naiv? Beides? Kann sein. Immerhin gesellschaftskonform.

Aber es kommt immer anders, als man denkt. Vor ein paar Monaten kam meine normalerweise auf die Minute genaue Periode einfach nicht. Morgens wurde mir speiübel. Ich übergab mich auf der Arbeit. Da bekam ich Panik. Denn in dem Moment, in dem man realisiert: «Diesmal ist es ein Ernstfall», überfährt es einen wie ein ICE. (Hier sollte man erwähnen, dass ich immer überreagiere und zu Hysterie neige...)

Dennoch: Alle bisherigen Gedanken, Einstellungen und Programmierungen fegen durchs Gehirn, um neu überdacht, bestätigt – oder revidiert zu werden. Schwanger sein mit 22 Jahren, im Stadium, zwischen endlich erwachsen sein, sich selbst realisieren wollen und die Zukunft planen, ist in unserer Generation eigentlich überhaupt gar kein Thema…  Mit 22 Jahren schwanger sein kann aber auch bedeuten: Man bekommt jung, aber nicht zu jung Kinder. Man hat noch viel stärkere Nerven, fürs Kind ist es toll, wenn die Eltern nicht uralt sind, die Grosseltern haben das schliesslich auch hinbekommen und biologisch ist es eh der perfekte Zeitpunkt. Ausserdem kann man dann mit 40, wenn sich die Freundin gerade an Hausaufgabenhilfe, Znüni-Kultur und Elternabenden erschöpft, die Zeit wieder entspannt im Biergarten verbringen…

Ich begann in meinem schwirrenden Kopf eine imaginäre Pro- und Kontra-Liste anzulegen. Ich überlegte hin und her, wie so ein Einschnitt meine Zukunft ruinieren – oder zumindest verändern könnte und was wohl mein Partner dazu sagte. Leider kam ich mit meinen Gedanken auf keinen grünen Zweig, aber an etwas anderes denken konnte ich auch nicht. Ich schickte meinem Partner eine SMS: «Ich glaub, ich bin schwanger!»(Ich weiss, SMS ist nicht die feine Art, so etwas mitzuteilen, aber ich konnte nicht anders – und schliesslich ist geteiltes Leid halbes Leid!). In unserem Fall verdoppelte sich die Panik.

Darauf rief ich meine Mutter an. Weil Mutti die Beste ist und ihre hysterische Tochter seit 22 Jahren kennt, wusste sie genau, was zu sagen war: «Es ist egal, wie du dich entscheidest. Es gibt immer einen Weg. Wir stehen hinter dir.» Das beruhigte.

Am Abend kaufte ich mir einen Schwangerschaftstest in der Apotheke, den ich erst am Morgen darauf (!) benutzen durfte. So hatte ich Zeit, das Thema genauestens mit meinem Partner zu erörtern. Wir redeten über unseren stabilen Familienhintergrund, seine feste Arbeitsstelle, unser Alter, unsere Beziehung und unseren Kinderwunsch in ferner Zukunft. Wir wollten für den Moment keine Entscheidung fällen, sondern den Zeitpunkt abwarten, an dem klar würde: schwanger oder nicht. Und trotzdem stimmten wir plötzlich in einem Punkt überein: Wenn man grundsätzlich einen Kinderwunsch hat und bereits in einer Lebenslage ist, in der man einem Kind einen guten Start ins Leben ermöglichen kann, dann sollte der Zeitpunkt nur zweitrangig sein. Nur weil es gerade nicht perfekt in den persönlichen Lifestyle passt, sollte man eine Schwangerschaft nicht wie eine lästige Grippe behandeln und versuchen, sie wieder loszuwerden. Manche Wünsche erfüllen sich eben früher und manche später, nicht immer können wir alles termingerecht timen – selbst meine Generation nicht.

Der nächste Morgen verschaffte die ersehnte Klarheit. Nicht schwanger! Ausatmen und weiterleben wie bisher, oder? Nicht ganz: In mir hat ein Umdenken stattgefunden, weil ich mit dem Ernstfall konfrontiert war. Ich habe danach viele Freundinnen zu dem Thema befragt und gemerkt: es gibt etliche, denen das auch schon passiert ist. Mit meinem Partner jedenfalls bin ich mir seitdem einig: «Wänns eis git, dänn gits eis!»

lea150*Lea Koch, 22, ist Projektmanagerin beim «Tages-Anzeiger». Sie lebt mit Katzen und Freund im Zürcher Oberland.

Das macht fruchtbar

Andrea Fischer am Donnerstag den 24. April 2014

Fruchtbar wie die Karnickel – für die einen ein Albtraum, für andere blosses Wunschdenken. Kein Wunder boomen die wildesten Gerüchte darüber, wie man an der Fruchtbarkeit schrauben kann. Ich habe das Internet nach Mythen und Fakten rund ums Schwangerwerden durchkämmt. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Das hilft:

  • Viel Sex. Echt wahr. Offenbar gilt nicht mehr, dass man die Spermien aufsparen soll, bis sie zu einem Fruchtbarkeitscocktail eingedickt sind, den man seiner Frau dann zu gegebener Zeit einsetzen kann. Biologen aus Australien behaupten sogar, dass sich das Immunsystem der Frau möglichst ausgiebig an die Spermien ihres Mannes gewöhnen müsste. Na, wenn das kein Argument ist.
  • Gesund essen. Allein schuld am Erfolg einer Zeugung kann die Ernährung kaum sein. Wenn dem so wäre, wären ganze Bevölkerungsgruppen mit Unfruchtbarkeit geschlagen. Dennoch spielt eine ausgewogene Ernährung offenbar wirklich ein Rolle, auch in Sachen gesunde Spermien.
  • Genügend Essen. Sehr dünne Frauen haben oft Störungen des Hormonhaushaltes und folglich Probleme, schwanger zu werden. Sehr dicke allerdings auch. Das gilt auch für Männer.
  • Rahmglace und Co. Vollfette Milchprodukte sollen laut einer Harvard-Studie tatsächlich einen positiven Einfluss haben. Einen Versuch ist es allemal wert.

Das schadet:

  • Alkohol. Leider wahr. Falls deswegen Hemmungen das Schwängern erschweren sollten, müssen Fortpflanzungswillige eben einen anderen Weg finden, diese zu überwinden. Vielleicht die Augen verbinden oder laute Musik? Oder bewusst nicht an die Nachbarn denken. Oder bewusst an die Nachbarn denken. Kommt auf die Nachbarn an.
  • Rauchen. Ja. Das ist so. Und es gilt auch für Männer.
  • Mumps in der Kindheit des potenziellen Vaters. Gut zu wissen, nur ändert das nichts. Ausser vielleicht, dass Eltern nach der erfolgreichen Zeugung eines Sohnes dafür sorgen, dass seine künftige Frau sich nicht mit derselben Frage herumschlagen muss.
  • Langes Sitzen und enge Unterhosen bei Männern. Wusst ichs doch: Spermien werden nicht gern an den Körper gedrängt, dort bekommen sie heiss und das ist gar nicht heiss. (Also auch Schluss mit Vollbädern, Sitzheizung und Sauna.)
  • Künstliche Sexualhormone in Haarwuchsmitteln und Präparaten zum Muskelaufbau. Das Motto: Lieber ein Vater mit Glatze und schlaffen Oberarmen als gar keiner.

Das ist egal:

  • Der Zyklus. Zwar ist es bei einem regelmässigen Zyklus einfacher, den Eisprung zu erraten, aber dank der Sexregel erübrigt sich das eh.
  • Der Po. Viele recken nach dem Akt den Po hoch, damit die potenziellen Hosenscheisserchen möglichst lang drin bleiben und ihren Weg ins Ei finden. Man weiss ja, wie das ist von wegen Männer und nach dem Weg fragen. Bloss ist die Stellung des Pos nach dem Akt offenbar genauso unerheblich wie währenddessen. Ob Reiterstellung oder Doggy Style darf also wieder eine reine Frage von Lust und Laune sein.
  • Die Pille. Erwiesen ist, dass es bei einigen Frauen tatsächlich ein Weilchen dauern kann, bis es nach Pillenende einschlägt, aber eben nur bei einigen.
  • Der Korks. Wenn eine Frau zu verkrampft ein Kind will, soll es erst recht nicht klappen, heisst es. Nun entbehrt diese These nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage, sie ist schlicht und einfach fies. Natürlich verkrampfen wir uns, wenn wir etwas fest wollen. Und natürlich ist es so, dass intensives Sich-nicht-verkrampfen-wollen der Königsweg zur Verkrampfung des Jahrhunderts ist.
  • Die Dusche danach. Kinder werden nicht einfach weggeduscht. Wer will, der soll drum. Wer lieber noch ein bisschen nach gutem Sex riechen will oder schlicht zu faul ist, um gleich ins Bad zu hüpfen: frohes Chillen! Falls das mit dem Kinderkriegen klappen sollte, können Sie dann noch genügend rumhetzen und putzen.
  • Der Orgasmus der Frau. «Kein Orgasmus gleich kein Baby». Wer das erfunden hat, glaubt vermutlich auch: «Kein Hirn gleich mehr Spass.» Wäre der Orgasmus der Frau Bedingung für Kinder, dann wären Millionen von Frauen dem Himmel ewig dankbar. All die nämlich, die gegen ihren Willen geschwängert wurden und werden. Allerdings soll es stimmen, dass eine Gebärmutter beim Pulsieren während des Höhepunktes im Sperma nuckeln kann.

Fazit: Man nehme einen normal dicken Mann, teile mit ihm möglichst viel befriedigenden Sex und gutes Essen - und rauche und saufe dafür nicht mehr. Der Rest ist Hoffen, Resignation oder Medizin.

Die Gnade des späten Gebärens

Michael Marti am Mittwoch den 23. April 2014

Ein Papablog von Michael Marti*

Späte Elternschaft ist ein Reizthema. Frauen und Männer, die sich in ihren Vierzigern, ja, in ihren Fünfzigern womöglich, für ein Kind entscheiden, gelten oft als Egoisten, die alles haben wollen im Leben: in der ersten Lebenshälfte Karriere und Ungebundenheit, in der zweiten Kinder und Familienbande.

Insbesondere alte Mütter trifft erbarmungslos Kritik, sie würden mit der Medizin als Komplizin die natürliche Ordnung der menschlichen Fortpflanzung pervertieren. So diskutierte die Boulevardzeitung «Blick» unlängst, ob es rechtens sei, wenn die Krankenkassen die Entbindung einer 66-Jährigen bezahle, die nach einer In-Vitro-Befruchtung mit Zwillingen schwanger war. Auch in einschlägigen Postings des Mamablogs («Alterslimite für Mütter?») derselbe Tenor, hier werden Schwangerschaften nach 45 als «unverantwortlich», als «selbstsüchtig» abgeurteilt.

Ein ganz anderes Bild allerdings zeichnen neuste Forschungsergebnisse. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» beleuchtet in seiner aktuellen Ausgabe mit einer Titelgeschichte den diesbezügliche Stand der Wissenschaft. So sei mittlerweile erwiesen, dass späte Eltern in der Regel nicht nur gute, sondern sogar die besseren Eltern seien. Denn diese würden sich meistens aus einer wirtschaftlich abgesicherten Position für Kinder entscheiden, sie lebten grösstenteils in einer stabilen Partnerschaft und seien überdurchschnittlich gut gebildet. Davon profitiere der Wunschnachwuchs in hohem Masse: «Kinder, deren Eltern ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben, sind weniger belastet als jene, deren Eltern noch suchen.»

Offenbar wurden bislang auch die gesundheitlichen Risiken überschätzt. «Kinder, deren Mütter bei der Geburt 35 bis 44 Jahre alt waren, erleiden – anders als lange angenommen – auch langfristig keine gesundheitlichen Nachteile», heisst es im «Spiegel». Und weil sich die Töchter und Söhne besonders erwünscht fühlten, würden sie nachhaltig den so wichtigen Glauben an sich selbst und den eigenen Wert entwickeln.

Auch ein zweites Vorurteil gilt es zu revidieren: Die späte Elternschaft ist mitnichten die exotische Option weniger egozentrischer Frauen und Männer, die mithilfe skrupelloser Ärzte sich über alle ethischen Grenzen hinwegsetzen. Vielmehr handelt es sich um einen «sozialen Megatrend», wie ein Experte im erwähnten «Spiegel»-Artikel zitiert wird, um eine Entwicklung, deren Auswirkungen vollkommen unterschätzt würden. Tatsächlich gilt dies auch für die Schweiz, hierzulande nimmt die Anzahl der unter 30-jährigen Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, ebenfalls ab, während gleichzeitig die Zahl der 35-jährigen und älteren Frauen steigt.

Hauptgründe dafür sind immer längere Ausbildungszeiten für beide Geschlechter und der härtere Konkurrenzkampf um attraktive Jobs, auch dies gilt für Männer und Frauen.

Vergegenwärtig man sich also die neuesten Erkenntnisse und Fakten zum Phänomen späte Elternschaft, ergibt sich ein ganz anderes Bild, als es derzeit in der Öffentlichkeit vorherrscht. Es geht hier nicht um selbstsüchtige Ego-Eltern, sondern vielmehr darum, dass es heute jungen Erwachsenen kaum noch möglich ist, gleichzeitig eine Karriere und eine Familie aufzubauen. Hinlänglich bekannte Gründe dafür sind etwa die Defizite bei den Kinderbetreuungsangeboten (Stichwort Tagesschulen) oder das Fehlen von Teilzeitjobs auf Kaderstufe.

Es sind mithin gesellschaftliche Ursachen, die hinter der Entwicklung zur späten Elternschaft stehen – nicht die Egozentrik einzelner Frauen und Männer. Man mag diesen Wandel begrüssen oder nicht, gut zu wissen ist: dass die späte Elternschaft nicht auf Kosten der spät geborenen Kinder geht.

memyselfandi*Michael Marti (48) ist Leiter Digital und Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeiger. Er wurde mit 40 erstmals Vater und lebt mit seinen beiden Töchtern und seiner Frau in Zürich.

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