
Hoffentlich erwischt uns keiner: Wer ohne Bewilligung einen Tag vor dem offiziellen Schulschluss in die Ferien fliegt, muss mit einer happigen Busse rechnen. (Bild: Keystone, 2001)
Wenn die Schnäppchen-Ferien das Budget plötzlich mit zusätzlichen 4000 Franken belasten, ist daran nicht unbedingt der Reiseanbieter schuld. Das musste eine Mutter aus der Zürcher Gemeinde Waltalingen erfahren. Sie hatte für sich und ihre schulpflichtige Tochter eine Reise ans Rote Meer gebucht. Abflug: ein Tag vor dem offiziellen Ferienbeginn. Das ist heutzutage ja bekanntermassen kein Problem mehr, für solche Fälle gibt es schliesslich die Jokertage. Dumm nur, wenn man den Überblick über die bereits bezogenen Freitage angeblich verloren und gar keine mehr übrig hat. So beschieden Schulleitung und Schulpflege der Familie, dass sie den zusätzlichen Ferientag nicht bewilligen würden. Mutter und Tochter reisten trotzdem wie geplant nach Ägypten. Sie habe sich gedacht, eine allfällige Busse würde sie bestimmt weniger teuer zu stehen kommen als eine Verschiebung der Flüge, begründet die Mutter gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» ihren Entscheid.
Doch da hat die Dame die Rechnung ohne den Statthalter gemacht. Diese brummte ihr und dem von ihr getrennt lebenden Vater des Mädchens nämlich je eine Busse von 1500 Franken plus je 500 Franken Verfahrenskosten auf. 4000 Franken für einen Tag Schwänzen. Eine saftige Busse, die eine abschreckende Wirkung auf andere Ferien-Schnäppchenjäger haben soll. Man wolle der Unsitte einen Riegel schieben, dass Eltern mit ihren Kindern auf günstigere Vorferien-Flüge ausweichen, so der Andelfinger Statthalter Peter Weih: «Die Busse sollte mindestens so hoch sein, dass der finanzielle Vorteil dahinfällt.»
Während sich der stellvertretende Volksschulamtchef Urs Meier in den Medien überrascht über die Höhe der Busse zeigt, scheint sein Vorgesetzter Martin Wendelspiess die harte Vorgehensweise durchaus zu begrüssen. «Kindererziehung ist mit Pflichten verbunden, Pflichten die wichtig sind», sagte Wendelspiess gegenüber Radio DRS. «Wenn Eltern diese nicht erfüllen, können sie nun mal gebüsst werden.»
Ist es folglich Aufgabe der Schule, die Eltern mittels solcher Bussen mitzuerziehen, ihnen beizubringen, sich an Regeln zu halten und ihren Pflichten nachzukommen? Die Frage könnte man leicht mit Nein beantworten, sollte die Schule doch primär die Kinder, nicht die Eltern ausbilden und erziehen. Bloss: Setzen sich die Eltern so selbstverständlich über grundlegende Richtlinien wie den Ferien- oder Schulbeginn hinweg, leben sie ihren Kindern vor, dass man sich nicht an Gesetze zu halten braucht – was wiederum die Schule dazu zwingt, zu reagieren, ja vielleicht sogar etwas heftig zu reagieren. Denn nur so kann sie dem Kind klarmachen, dass ein solches Verhalten nicht ohne Konsequenzen bleibt – und erfüllt somit ihren Bildungsauftrag.
Die betroffene Familie sieht das freilich etwas anders. Die Eltern haben den Fall ans Bezirksgericht weitergezogen und die Mutter liess verlauten, eher werde sie ins Gefängnis gehen, als diese horrende Busse zu bezahlen.
Was halten Sie von der Geschichte? Ist die hohe Busse für Schwänzen – welche laut Gesetz übrigens maximal 5000 Franken betragen dürfte und je nach finanzieller Situation der Eltern gesprochen wird – gerechtfertigt oder völlig übertrieben? Hätte man es der Mutter positiv anrechnen sollen, dass sie ihr Vorhaben ganz offiziell angekündigt hat, anstatt die Tochter am Tag des Abflugs einfach krank zu melden? Oder war das ein dummer Anfängerfehler, über den echte Schwänz-Profis nur lachen können? Halten Sie als Mutter oder Vater sich besonders gewissenhaft an Regeln und Gesetze, um ihren Kindern ein gutes Vorbild zu sein? Oder bringen Sie ihnen lieber bei, dass kleine Notlügen zum eigenen Schutz oder Vorteil im wahren Leben nun mal unumgänglich sind?









Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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