Müssen Kinder so viel weinen, weil sie auch so viel Freude haben? Ein Mädchen lacht Tränen. (Bild: Flickr/Robert Donovan)
Ich sitze in der Jamadu-Ecke des Coop-Restaurants. Mit Kindern ein verlockender Ort: Spielplatz, Selbstbedienung, Kinderstühlchen, Wickelmöglichkeit und Anonymität. Wenn das eigene Kind schreit, tun das gleichzeitig drei andere auch noch. In anspruchsvolleren Restaurants bedeutet die Furcht vor einem Schrei-Anfall stets Stress. Wenn sich jemand ein gutes Essen verabreichen will, soll man ihn nicht mit seinem Nachwuchs belästigen. Und wenn ich selber gut essen will, bleibe ich zu Hause, steige in meine Molekular-Küche hinunter und zaubere mit Pipette und Pinzette solange, bis der gasförmige Salat mit dem Bratwurst-Schaum fusioniert.
Deshalb jetzt also Jamadu. Kaum sind die Pommes Frites verschlungen, wirft sich das Kind ins Getümmel des Spielplatzes. Ich schnappe mir eine Zeitung und schaue ab und zu, wo es ist und was es tut. Schnell hat es Freunde gefunden und ein als Sitzgruppe gedachtes Krokodil wird durch die Gegend gezerrt. Das Kind strahlt. Manchmal verliere ich es aus dem Blick, dann taucht es unter einem Rutschbahn-Brontosaurier oder zwischen zwei Uhu-Sesseln wieder auf. Das Kind ist aufgedreht und quietscht vor Freude. So geht das eine gute Weile, bis ich plötzlich ein mir sehr vertrautes Weinen höre. Noch bevor ich aufgestanden bin, eilt es mir entgegen. Ich nehme es in die Arme, tröste und sage: «Willst du ein Güezi?» Das Weinen stoppt abrupt und ein begeistertes «Ja!» ertönt.
Diese Verdichtung der Emotionen bei Kindern ist faszinierend. Müssen sie so viel weinen, weil sie auch so viel Freude haben? Und besteht das Erwachsen-Werden und Erwachsen-Sein auch im Nivellieren dieser Emotionen, so dass man fortwährend in der Mitte von Freud und Leid hockt und sich langweilt? Wir versuchen, die Freude in geordnete Bahnen zu lenken und nicht zu überborden. Wenn wir uns ärgern, dann hauen wir nicht auf den Tisch, es verzieht sich höchstens ein kaum sichtbares Gesichtsmüskelchen. Wir schlucken leer und schreiben mit gebührendem zeitlichen Abstand am Tag darauf ein verklausuliertes, leicht verschnupftes E-Mail.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn die Erwachsenen mit diesen starken Gefühlen weiter leben würden. Paare in Restaurants würden entweder auf dem Tisch kopulieren oder sich Teller und Gläser an den Kopf werfen. In Büros würden sich die Geschäftspartner laufend jubilierend um den Hals fallen oder versuchen mit Schirmen abzustechen. Politikerinnen und Politiker würden im Überschwang die gesamten Staatseinkünfte an ärmere Länder verschenken und beim Streit über eine Anflugschneise zornentbrannt die Atombombe abwerfen.
Ein kurzweiligere Welt wäre das alleweil, eventuell auch eine ausgelöschte.
Matto Kämpf lebt als Autor, Filmer und Theatermacher in Bern. Er schreibt die Kolumne «Rabenvater» im Berner «Bund» («Ich sehe mich nicht mehr als Lonesome Cowboy on the never ending road to nowhere (oder so ähnlich). Nein, jetzt bin ich der Mann, der die Windeln schneller wechselt als sein Schatten.») Die Kolumnen sind als Buch im Verlag «Der gesunde Menschenversand» erschienen.
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Irgendwann sind bei Mädchen weder rosa Kleider noch Pferde angesagt: Mädchen auf einem rosa bekleideten Ross. (Bild: What We Keep)
Rihanna, Katy Perry und Bruno Mars – seit Monaten leben sie mit uns unter einem Dach. Sie kriechen unsere Wände hoch und schrauben sich in unser Gehör. Über ihre Lovestories, Auszeichnungen und Verfehlungen weiss ich ebenso Bescheid, wie über Selena Gomez’ Garderobe. Hüterin dieser neuen, zweidimensionalen Mitbewohner mit dem schillernden Leben ist unsere Tochter.
Fasziniert beobachte ich, wie sie seit bald elf Jahren unbeirrt jeden Entwicklungsschritt tut, der einem als Eltern prophezeit wird. Stetig und entschlossen. Die rosa Tüllwolken, die Glitzerschals und Bambikleidchen, mit denen sie in die Krippe geschwebt ist, bewehrt mit Lacktäschchen und Stoffschäfchen, waren für sie eine ernste Angelegenheit. Ebenso, wie der Entscheid ein paar Jahre später, die Stapel von rosa T-Shirts bitte zu verschenken. Weil fortan dunkelbaue, rote oder grüne angezogen würden, Hauptsache keine pinkfarbenen. Später kamen – ja genau – die Pferde. So führten wir eine Zeit lang ein regelrechtes Gestüt aus Pferdebettwäsche, Pferdepostern, Pferde-Pullis und Pferderadiergummis. Kurzfristig war ich so geübt im Pferdezeichnen, dass man die Tiere tatsächlich als solche erkannte. Ich überwand sogar mein Misstrauen und hielt tapfer nach dem Reitkurs meine flache Hand unter zarte Pferdenüstern. War schön.
Plötzlich dreht sich alles nur noch um Pop-Stars: Katy Perry. (Bild: Keystone)
Im Moment sind Jeans, Turnschuhe und eben die gängigen Stars angesagt. Und wie bei jedem Schritt, den meine Tochter bis jetzt getan hat, fühlt es sich völlig natürlich an, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist – auch wenn mir jeweils vorgängig etwas mulmig war bei der Vorstellung. Immer wieder muss ich an jene Frau denken, die mit ihrer etwa zehnjährigen Tochter im Bus sass, mein damals knapp zweijähriges Mädchen anlächelte und sagte: «Ach geniessen Sie es, solange sie noch so herzig sind. Das geht ja so schnell vorbei.» Mir tat ihre Tochter leid und vor allem fragte ich mich, ob ich auch eines Tages enttäuscht sein würde darüber, dass mein Mädchen langsam gross wird. Grundlos, wie ich längst gemerkt habe.
Klar, wenn ich mich bei unseren Freunden mit den grösseren Kindern umsehe, um zu schauen, welche Station auf dem Pilgerweg zur erwachsenen Tochter als nächste kommt, habe ich Respekt vor dem, was mich erwartet. Wenn sie den Fahrplan einhält, werden das Diskussionen um immer grössere Freiheiten sein, und zwar nicht zwingend friedliche. Ganz zu schweigen von Liebeskummer und Weltschmerz, den man als Mutter gern wegtrösten würde, aber kaum kann. Den Blick zurück in meine eigene Pubertät versuche ich dabei möglichst zu vermeiden. Zwar ist das Rauchen, bei uns noch ein Must, vermutlich weniger ein Thema. Aber auf halsbrecherische Experimente mit der eigenen Wirkung auf Jungs, nächtliches Ausbüxsen und andere Dinge, die mir jetzt noch nicht mal in den Sinn kommen wollen, wird unsere Tochter vermutlich nicht verzichten.
Trotzdem bleibt es dabei: Ich freue mich auch auf die nächsten Stufen, darauf, zu erleben, wie ein innerer Kompass sie von einem Entwicklungsschritt zum nächsten führt. Und wenn ich mir mal wieder zu sehr auf Vorrat Sorgen mache, hilft mir Herr Tur Tur. Der Scheinriese aus Jim Knopf wirkt von weitem gigantisch. Aber je näher er kommt, desto kleiner wird er. Und wenn er endlich vor einem steht, ist er ganz normal.
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Worauf müssen Eltern achten, deren Kinder modeln? Mamablog hat Andrea Roth gefragt, die mit ihrem Sohn an ein Kindercasting gegangen ist.
Angehendes Kindermodel? Andrea Roths Sohn am Casting.
Mitte Januar hat in Villars-sur-Ollon das laut Organisatoren «grösste Kindercasting der Schweiz» stattgefunden: 600 potenzielle Nachwuchsmodels zwischen 0 und 12 Jahren liessen sich professionell ablichten und hoffen nun gemeinsam mit ihren Eltern, am Ende zu den zehn Auserwählten zu gehören, die im Frühjahr/Sommer 2012 in der Zeitschrift «Babybook Enfant» die aktuelle Kinder-Designermode präsentieren dürfen. Mit dabei war auch Andrea Roth aus Kaiseraugst mit ihrem achtjährigen Sohn. Weshalb und was sie sich vom Casting erwartet, erzählte sie dem Mamablog nach dem grossen Tag.
Was war Ihre Motivation, beim Kindercasting mitzumachen?
Andrea Roth: Wir sind sehr spontan dort gelandet: Eine Freundin hatte mich am Mittwoch Abend via Facebook angefragt, ob mein Sohn teilnehmen möchte. Er ist eben schon einmal bei einem professionellen Fotoshooting vor der Kamera gestanden – da mein Mann und ich beide in der Kommunikationsbranche arbeiten, hat sich das irgendwann so ergeben. Der Kleine wollte mitmachen, und so sind wir am Freitag losgefahren Richtung Welschland.
Sie haben die Entscheidung also Ihrem Kind überlassen?
Ja, mir war ganz wichtig, dass er selber dabei sein wollte. Als wir kürzlich ein Werbeplakat mit einem Kind darauf gesehen haben, sagte er mir, dass er gerne wieder einmal so etwas machen würde. Da kam das Kindercasting gerade richtig.
Das klingt alles sehr entspannt, aber die Hoffnung auf den Sieg ist bei einem solchen Anlass doch zwangsläufig im Hinterkopf.
Bei mir persönlich überhaupt nicht. Klar wäre es toll, wenn er zu den zehn Gewinnern gehören würde, und natürlich wären wir stolz. Aber als Marketingfachfrau weiss ich, dass bei solchen Castings ein festes Konzept besteht – will heissen, man weiss im Voraus, welchen Typ Kind man sucht. Diejenigen, die ins Konzept passen, gewinnen, die anderen fliegen raus. Ich habe meinem Sohn deshalb klargemacht, dass ein Ausscheiden keineswegs bedeuten würde, dass er versagt hat oder nicht gut aussieht. Man muss das dem Kind deutlich sagen, damit es nicht deprimiert ist nach einem Negativbescheid.
Wie haben Sie Ihren Sohn sonst noch auf das Casting vorbereitet?
Wir haben keine Posen geübt oder so etwas. Aber ich habe ihm erklärt, dass er sich gut fühlen und locker bleiben soll, weil er dann auf den Fotos automatisch eine bessere Ausstrahlung hat. Und für alle Fälle habe ich noch Make-up eingepackt.
Sie haben Ihren Sohn geschminkt?
Er hat eine Hausstauballergie und hatte nach der Nacht im Hotel prompt gerötete Augen. Die Rötung unterhalb der Augen habe ich dann mit etwas Make-up abgedeckt. Sonst hätte er natürlich kein Make-up benötigt, ausser etwas Puder vielleicht, den braucht man halt meistens für ein Profi-Shooting.
Muss ein Kind besonders selbstbewusst sein, um sich so locker vor einen fremden Fotografen hinstellen zu können?
Ich denke, es ist eher umgekehrt: Das Shooting verleiht dem Kind mehr Selbstbewusstsein. Es braucht ja einiges, sich vor die Kamera hinzustellen und zu posieren – das geschafft zu haben, tut dem Ego gut.
Der Weg dorthin ist aber oft gepflastert von Nervosität und Angst.
An diesem Casting ging das eigentliche Shooting so zackig über die Bühne, dass mein Sohn gar keine Zeit hatte, nervös zu werden. Das Problem war eher die Warterei vor dem Fotoshooting, die für ihn langweilig war.
Wurden Sie vor Ort von der Konkurrenz eingehend gemustert?
Sicher hatte es ein, zwei sehr verbissene Eltern, die jedes andere Kind ganz genau beobachtet haben. Aber sonst war die Situation entspannt. Die vielen Babys und Kleinkinder waren richtig herzig.
Hätten Sie Ihren Sohn im Babyalter schon an ein solches Casting gebracht?
Wenn ich gemerkt hätte, dass es machbar ist, ja. Mein Sohn hat immer gerne in die Kamera gelächelt. Natürlich kann die Stimmung bei den ganz Kleinen sehr schnell kippen, wenn der Lärmpegel so hoch ist und man so lange warten muss. Aber solange man das Baby zu nichts zwingt, ist so ein Casting meiner Meinung nach kein Problem.
Ist Ihr Umfeld Kindercastings gegenüber ebenso positiv eingestellt wie Sie?
Die Reaktionen auf das aktuelle Casting waren bisher durchwegs gut. Aber einige unserer Freunde werden das Ganze vermutlich kritisch sehen. Ich bin auch schon einmal gefragt worden, ob ich mir bei solchen Kinder-Shootings keine Sorgen mache wegen Pädophilen.
Inwiefern?
Wegen bestimmter Sujets. Wenn man in einer Anzeige zum Beispiel ein Baby sieht, das nur eine Windel trägt, dann ist das in meinen Augen etwas ganz Natürliches, so ein Foto würde ich auch zulassen und sicher keine Mutter dafür verurteilen. Ob ein Pädophiler in dieses Bild etwas Anderes hineinprojiziert, soweit will und kann ich gar nicht denken. Natürlich macht man sich als Mutter generell Gedanken über diese Themen, aber am Ende gibt es überall solche kranken Leute – die gehen auch ins Schwimmbad, soll ich meinen Sohn deshalb etwa nicht mehr da hingehen lassen? Nein, ich will mein Leben und das meines Kindes nicht einschränken wegen solcher Menschen, indem ich die ganze Zeit nur noch darüber nachdenke, was theoretisch alles passieren könnte.
Ein konkreteres Problem stellen womöglich die Mitschüler Ihres Sohnes dar: Haben Sie keine Angst, dass er wegen solcher Fotoshootings gehänselt wird?
Als er seiner Klasse vom Casting erzählt hat, haben Mitschüler und Lehrer positiv reagiert. Aber bestimmt wären Negativreaktionen vorprogrammiert, wenn er wirklich im Heft erscheinen würde. In diesem Alter ist es normal, dass einige Kinder eifersüchtig werden, wenn ein anderer mehr Aufmerksamkeit bekommt als sie selber.
Wie helfen Sie Ihrem Sohn, mit solchen möglichen Konsequenzen umzugehen?
Ich sage ihm, dass er noch lange kein Star ist, nur weil er in einem Magazin oder Katalog abgebildet ist. Natürlich dürfte er stolz sein auf seine Leistung, aber ich möchte nicht, dass er eingebildet wird und denkt, er sei der Beste und Schönste. Es ist immens wichtig, dass man als Vater oder Mutter ein Kind nicht einfach an ein Casting schickt und es mit dieser Erfahrung alleine lässt. Man muss es auf diesem Weg intensiv begleiten, damit es den ganzen Zauber nüchtern sehen kann. Generell versuche ich, meinen Sohn zu einem selbstbewussten, aber nicht arroganten Menschen zu erziehen – und ich hoffe, das gelingt mir auch.
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Wie die Mutter, so die Tochter: Die Chefredaktorin der französischen «Vogue», Emanuelle Alt, mit ihrer Tochter Françoise. (Foto: Tommy Ton / www.jackandjil.com)
Nein, Crocs-Schuhe zu Dreiviertelhosen aus Microfasern sind auch bei Erwachsenen kein schöner Anblick. Weshalb sollte ich diese Kombi bei Kindern toll finden? Genauso wenig, wie wenn Kinder orange UV-Sonnenschutzanzüge, giftgrüne Faserpelz-Pullover, Käppis mit Nackenschutz, Fun-Mützen mit Zottelhaaren oder T-Shirts mit Schriftzügen wie «Luusmeitli», «Gängschterli», «Scheff» oder «Ängeli» tragen müssen. Das alles ist mir irgendwie zu… schweizerisch. Hauptsache praktisch-funktional und «ein bisschen lustig», so das Motto. Diesen Zustand finde ich als ehemalige Moderedaktorin und Mutter eines Vierjährigen – mit Verlaub – stillos. Schade, denn es ginge auch anders.
In anderen Ländern werden Kinder jedenfalls nicht so verkleidet. Zum Beispiel in Frankreich. Da wird den Kleinen diese typisch französische Nonchalance bereits in die Wiege gelegt. In Paris tragen die Filles einfach dasselbe, wie die stylishe Maman. Zum Beispiel Françoise, die 7-jährige Tochter der übercoolen «Vogue Paris»-Chefredaktorin Emmanuelle Alt. Sie zeigt, wie wenig es für kindgerechten Stil braucht: Ein paar hochgekrempelte Röhrenjeans, schwarze Ballerinas und darüber einen beigen Trenchcoat. Die Haare zu einem einfachen Pferdeschwanz zurückgebunden, fertig. Ein simpler Look, der nicht alle Welt kostet und sowohl in die Frontrow an den Modenschauen als auch in den nächsten Sandkasten passt. Denn, eines ist ganz wichtig: Kinder sollen sich auch stilvoll schmutzig machen können!
Jetzt höre ich Sie sagen: «Aber mein Kind möchte nun mal unbedingt dieses T-Shirt mit den Cars, Spongebob oder Hello Kitty drauf!» Und wie schwierig es doch sei, den Nachwuchs davon abzubringen. Sie haben Recht, es ist sauschwierig! Auch mein Sohn möchte am liebsten Spiderman-Finken, eine Spiderman-Mütze und einen Spiderman-Ganzkörperanzug tragen. Aber mein Sohn will vieles, zum Beispiel Schokolade zum Zmorgen, zum Zmittag, zum Zvieri und zum Znacht.
Mädchen im Hello-Kitty-Look. (Bild: Flickr/karine*imagine)
Was mich an diesen grellen Kinderkleidern nebst der Ästhetik vor allem stört, ist deren Kurzlebigkeit. So ein knallroter Kapuzenpullover mit einem Lightning-McQueen-Sujet verleidet doch allen Beteiligten spätestens nach einem Jahr. Oder das zweite Kind kann mit «Cars» nichts mehr anfangen, weil bereits der nächste Trickfilm-Blockbuster in die Kinos und die Merchandise-Maschinerie erneut ins Rollen kommt. Ausserdem sind die Materialien dieser Kleider meistens auch nicht von bester Qualität, so dass sie schon bald verlöchert und durchgetragen entsorgt werden müssen.
Ist es nicht zeitgemässer, wie etwa bei Bio-Gemüse auch bei Kinderkleidern ökologischer zu denken? Und auch da etwas mehr Geld für Qualität auszugeben? Lohnt es sich nicht, gerade bei Kindern längerfristig zu denken? Zu investieren in Möbel, die mitwachsen und in schlichte, gutgemachte Kinderkleider, die gerne weitergegeben werden? Ich denke, das kommt auf die Dauer sogar günstiger, als jede Saison eine komplette Kleiderausstattung im Warenhaus zu kaufen oder billige Kinder-Möbel, die spätestens mit dem Schuleintritt passé sind.
Es gibt viele Alternativen, jenseits von Dior Baby und Armani Junior, die genau diese Philosophie verfolgen. Sie kommen vermehrt aus Skandinavien und legen nebst Qualität grossen Wert aufs Design ihrer Kollektionen. Schade nur, dass Design in Zusammenhang mit Kindern hierzulande immer noch ein Reizwort ist!
Deshalb bleibt zu hoffen, dass mein Aufruf nach mehr Stil und Bewusstsein in Schweizer Kinderkleiderschränken Früchte trägt. Und mir im kommenden Sommer in Schweizer Badis nicht massenweise Kinder im grellen UV-Ganzkörperkondom und Nackenschutz-Kappe begegnen. Übrigens: Es gibt auch hübsche Sonnenschutz-Kleider. Fragen Sie mal die Australier.
*Andrea Bornhauser arbeitete als Moderedaktorin für «annabelle» und «Facts». Heute betreibt die freie Journalistin das Familienportal Familianistas.ch. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Hebamme ohne Hemmungen: Für Rosie Pope ist in «Pregnant in Heels» nichts unmöglich.
Eine gute Freundin, die in New York lebt, hat mir von der Doku-Serie «Pregnant in Heels» erzählt – ein «must» für Schwangere, meinte sie. Okay, also nichts wie ab ins Web und ein paar Folgen (Beispiel siehe oben) anschauen. Im Zentrum steht die Britin Rosie Pope, ursprünglich Designerin für Umstandsmode und Accessoires (Rosie Pope Maternity) und, nach eigener Bezeichnung, «Maternity Concierge». Im Prinzip ist Rosie eine Art Fashion-Hebamme, die Frauen vor und nach der Geburt begleitet, mit dem einzigen, aber sehr grossen Unterschied, dass die Ideen ihrer Kundinnen normalsterblichen Schwangeren wahrscheinlich nicht mal während der heftigsten Hormonturbulenzen in den Sinn kommen.
Denn Rosie Popes Kundinnen sind allesamt schwerreich, unglaublich anspruchsvoll und leben in der exklusiven Upper East Side im Nordosten Manhattens. «Frauen sind von Natur aus zickig – wenn Sie aber eine reiche Zicke mit einem Baby im Bauch nehmen, dann haben Sie meine Kundin», beschreibt Rosie die «Million Dollar Moms», für die sie sieben Tage die Woche und rund um die Uhr erreichbar ist.
Da ist zum Beispiel Samantha. Sie und ihr Mann Mitch sind beide erfolgreich in ihrem Beruf (sie als Autorin und Personal Branding Expertin, er als Banker) und bereits Eltern von zwei Kindern. Das dritte ist unterwegs aber, oje, sie haben weit und breit keinen erfolgversprechenden Name auf Lager – was einer mittleren Katastrophe nahe kommt, denn ein «Name ist wie ein Brand und bestimmt über den Erfolg eines Kindes» (O-Ton Samantha). Und schon bald wird einem klar, was sie genau meint, wenn sie von sich selber sagt, sie sei «obsessed»: Für die ersten beiden Kinder (Ruby und Ella) sind die Eltern insgesamt 12′000 Kindernamen durchgegangen. Jeden einzeln. Kein Wunder, dass sie sich diese Arbeit nicht noch ein drittes Mal antun wollen und darum Rosie Pope damit beauftragen.
Diese stellt innerhalb kürzester Zeit einen Think Tank zusammen. Die Experten-Runde (ein Werber, ein Linguist, eine Baby-Namen-Bloggerin, eine Texterin und ein Poet) stellt eine Namensliste zusammen, die einem weiteren Team aus Psychologen und irgendwelchen Wirtschafts- und Werbeexperten gezeigt wird, die dann darüber debattieren. So wollen Samantha und Mitch sicher gehen, dass die Namen, die es in die Endrunde schaffen (Holden, Bode, Bowen, Asher, Miles, Clifford) auch bei ihren Freunden und Bekannten (die «ganz wichtige Leute sind») gut ankommen. Um ganz sicher zu gehen, wird noch schnell eine Dinner-Party organisiert, wo das Power-Couple dann ganz beiläufig die Namen in die Runde wirft und auf die Reaktionen ihrer illustren Gäste achtet.
Rosie Popes Zielpublikum: Schwangere in Highheels.
Der Arbeitsalltag von Rosie Pope ist unglaublich abwechslungsreich. So will eine Kundin nackt auf einem Pferd porträtiert werden, eine andere braucht dringend eine eigens designte Geburtsgarderobe und einen Stylisten, der sie für den grossen Tag «nett herrichtet», denn sie will ja auf dem Video ihrer Geburt umwerfend aussehen. Verständlich.
Und so rennt Rosie Pope, das Blackberry stehts am Ohr, von einer Luxus-Wohnung zur nächsten, beruhigt, schmeichelt und schimpft auch manchmal, was zwar in den wenigsten Fällen gut ankommt, denn die «Million Dollar Moms» sind sich keinen Widerspruch gewöhnt und benehmen sich wie kleine Kinder, wenn mal etwas nicht nach ihrem Kopf läuft.
Ja, und wozu soll man sich «Pregnant in Heels» und diese hysterischen Weiber antun? Ganz einfach: Weil man sich beim Schauen so unglaublich normal fühlt und sich plötzlich die eine oder andere Schwangerschaftslaune ohne den geringsten Anflug von schlechtem Gewissen gönnt.
PS: Samantha und Mitch haben sich übrigens für «Bowen» entschieden. Naja …
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
Andrea Fischer
Andrea Fischer ist freischaffende Journalistin und Autorin des Buches «Das ganz normale Familienchaos», einem «Ratgeber für Eltern mit Herz und Humor». Sie lebt mit Tochter, Sohn und Mann in Zürich.