Leben


Archiv für die Kategorie „Gastblogger“

Die Mimosen-Mutter

Mamablog-Redaktion am Freitag den 10. Februar 2012

Eine Carte Blanche von Nicoletta Cimmino*

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Nach der Schwangerschaft scheinen sich gewisse Gefühle zu intensivieren: «Crying Girl», ein Werk des Malers Roy Lichtenstein.

Es passierte im 6. Schwangerschaftsmonat auf einer Zugfahrt von Zürich nach Bern. Ich brach in Tränen aus, weil ich in der Zeitung von einem Walfischbaby las, das seine Mutter verloren hatte und jetzt irrtümlicherweise ein Schiff für ebendiese Mutter hielt. Auf der Suche nach Wärme und Muttermilch schwamm dieses Walfischbaby also einem Schiff hinterher und würde früher oder später elendlich und total erschöpft verhungern.

Mein Sitznachbar gegenüber schaute ganz betreten aus dem Fenster – (heulende Frauen, zumal noch schwanger… schwierig)  –  und ich putzte mir verschämt den Rotz weg.  Meine Arbeitskollegin, der ich entsetzt davon erzählte, lachte mich liebevoll aus. Die allgemeine Erklärung meines Umfelds war: «Schwangerschaftshormone».

Von wegen! Unsere Tochter hat soeben den 3. Geburtstag gefeiert, meine Schwangerschaft ist lange vorbei. Das zweifelhafte Talent aber, in den ungeeignetsten Momenten in Tränen auszubrechen, das hab ich behalten. Fachleute haben bestimmt einen Begriff dafür, ich nenne es «postnatale Mimösligkeit». Es ist, als hätte jemand bei mir den Emotionen-Knopf aufs Maximum aufgedreht. Und jetzt klemmt er.

Das ist ganz schön anstrengend, finde ich. Hat etwa im Supermarkt «ds Lia ihres Mami verlore», bange ich innerlich mit dem Kind und fühle ganz mit der Mutter, die ich im Geiste schon ganz irr vor Sorge durch die Regale hetzen sehe. Früher hätte ich so eine Lautsprecherdurchsage glatt überhört, ausser «ds Lia» wäre mir schreiend und heulend in der Weinabteilung im Wege gestanden.

Und wenn auf dem Spielplatz ein Bub in hohem Bogen von der Schaukel fliegt und sich dabei das Bein aufschlägt, dann blutet nicht nur sein Knie, sondern ein bisschen auch mein Mutterherz.  Früher waren Spielplätze für mich andere Planeten, auf denen für meine Spezies nichts zu holen war.

Nun ist es ja nicht so, dass ich vor meiner Zeit als überemotionales Muttertier eine Reinkarnation von «Cruella De Vil» gewesen wäre, die sich aus Dalmatinerwelpenfell einen Pelzmantel nähen will. Aber es fiel mir unendlich viel leichter, fremdes Leid wieder zu vergessen oder mit Zynismus zuzudecken.

Manchmal schäme ich mich ein bisschen für diesen neuen Daseinszustand. Wäre gerne cooler. Ist ja nicht sehr hip, dieses ganze Gefühlstamtam. Es ist irgendwie unmodern. Und sowieso: Eine Geburt verändert heute ja am Besten gar nichts.  Bitte nicht die Kleidergrösse. Und schon gar nicht den Charakter, Himmel hilf!

Mein Trost: Ich bin nicht allein. Wir sind Viele. Das Phänomen der postnatalen Mimöseligkeit ist weitverbreitet. Wenn ich davon erzähle, ernte ich meistens wissendes und verständnisvolles Nicken.

Meine Kollegin übrigens, die mich nach der Walfischbaby-Szene geneckt hatte, die schrieb mir ungefähr eineinhalb Jahre danach ein SMS. Sie habe jetzt gerade heulen müssen. In der Zeitung sei ein verwaistes Zwergäffchen abgebildet gewesen. Sie war damals hochschwanger. Und ich dachte: Willkommen im Club, du Mimose!

NicolettaCimmino* Nicoletta Cimmino arbeitet bei Schweizer Radio DRS als Produzentin und Moderatorin des Nachrichtenmagazins «Info3», auf DRS3.
Die 37-jährige Bielerin ist verheiratet und hat eine Tochter.

Kinder, mehr Stil bitte!

Mamablog-Redaktion am Freitag den 20. Januar 2012

Eine Carte Blanche von Andrea Bornhauser*.

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Wie die Mutter, so die Tochter: Die Chefredaktorin der französischen «Vogue», Emanuelle Alt, mit ihrer Tochter Françoise. (Foto: Tommy Ton / www.jackandjil.com)

Nein, Crocs-Schuhe zu Dreiviertelhosen aus Microfasern sind auch bei  Erwachsenen kein schöner Anblick. Weshalb sollte ich diese Kombi bei  Kindern toll finden? Genauso wenig, wie wenn Kinder orange  UV-Sonnenschutzanzüge, giftgrüne Faserpelz-Pullover, Käppis mit  Nackenschutz, Fun-Mützen mit Zottelhaaren oder T-Shirts mit Schriftzügen  wie «Luusmeitli», «Gängschterli», «Scheff» oder «Ängeli» tragen müssen. Das alles ist mir irgendwie zu… schweizerisch. Hauptsache praktisch-funktional und «ein bisschen lustig», so das Motto. Diesen Zustand  finde ich als ehemalige Moderedaktorin und Mutter eines Vierjährigen – mit Verlaub – stillos. Schade, denn es ginge auch anders.

In anderen Ländern werden Kinder jedenfalls nicht so verkleidet. Zum Beispiel in Frankreich. Da wird den Kleinen diese typisch französische Nonchalance bereits in die Wiege gelegt. In Paris tragen die Filles einfach dasselbe, wie die stylishe Maman. Zum Beispiel Françoise, die 7-jährige  Tochter der übercoolen «Vogue Paris»-Chefredaktorin Emmanuelle Alt. Sie  zeigt, wie wenig es für kindgerechten Stil braucht: Ein paar hochgekrempelte Röhrenjeans, schwarze Ballerinas und darüber einen beigen Trenchcoat. Die Haare zu einem einfachen Pferdeschwanz  zurückgebunden, fertig. Ein simpler Look, der nicht alle Welt kostet und sowohl in die Frontrow an den Modenschauen als auch in den nächsten Sandkasten passt. Denn, eines ist ganz wichtig: Kinder sollen sich auch stilvoll schmutzig machen können!

Jetzt höre ich Sie sagen: «Aber mein Kind möchte nun mal unbedingt dieses T-Shirt mit den Cars, Spongebob oder Hello Kitty drauf!» Und wie  schwierig es doch sei, den Nachwuchs davon abzubringen. Sie haben Recht, es ist sauschwierig! Auch mein Sohn möchte am liebsten Spiderman-Finken, eine Spiderman-Mütze und einen Spiderman-Ganzkörperanzug tragen. Aber mein Sohn will vieles, zum Beispiel Schokolade zum Zmorgen, zum Zmittag,  zum Zvieri und zum Znacht.

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Mädchen im Hello-Kitty-Look. (Bild: Flickr/karine*imagine)

Was mich an diesen grellen Kinderkleidern nebst der Ästhetik vor allem stört, ist deren Kurzlebigkeit. So ein knallroter Kapuzenpullover mit einem Lightning-McQueen-Sujet verleidet doch allen Beteiligten spätestens nach einem Jahr. Oder das zweite Kind kann mit «Cars» nichts mehr anfangen, weil bereits der nächste Trickfilm-Blockbuster in die Kinos und die Merchandise-Maschinerie erneut ins Rollen kommt. Ausserdem sind die Materialien dieser Kleider meistens auch nicht von  bester Qualität, so dass sie schon bald verlöchert und durchgetragen entsorgt werden müssen.

Ist es nicht zeitgemässer, wie etwa bei Bio-Gemüse auch bei  Kinderkleidern ökologischer zu denken? Und auch da etwas mehr  Geld für Qualität auszugeben? Lohnt es sich nicht, gerade bei Kindern längerfristig zu denken? Zu investieren in Möbel, die mitwachsen und in schlichte, gutgemachte Kinderkleider, die gerne weitergegeben werden? Ich denke, das kommt auf die Dauer sogar günstiger, als jede Saison eine komplette Kleiderausstattung im Warenhaus zu kaufen oder billige Kinder-Möbel, die spätestens mit dem  Schuleintritt passé sind.

Es gibt viele Alternativen, jenseits  von Dior Baby und Armani Junior, die genau diese Philosophie verfolgen. Sie kommen vermehrt aus Skandinavien und legen nebst Qualität grossen Wert aufs Design ihrer Kollektionen. Schade nur, dass Design in Zusammenhang mit Kindern hierzulande immer noch ein Reizwort ist!

Deshalb bleibt zu hoffen, dass mein Aufruf nach mehr Stil und Bewusstsein in Schweizer Kinderkleiderschränken Früchte trägt. Und mir im kommenden Sommer in Schweizer Badis nicht massenweise Kinder im grellen UV-Ganzkörperkondom und Nackenschutz-Kappe begegnen. Übrigens: Es gibt auch hübsche Sonnenschutz-Kleider. Fragen Sie mal die  Australier.

AndreaB*Andrea Bornhauser arbeitete als Moderedaktorin für «annabelle» und «Facts». Heute betreibt die freie Journalistin das Familienportal Familianistas.ch. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.

«Mutti» ist in Führung gegangen…

Mamablog-Redaktion am Freitag den 16. Dezember 2011

Eine Carte Blanche von Mamablog-Leser Auguste.

Germany Europe Financial Crisis

Eine mächtigere Frau hat die Welt der Moderne noch nicht gesehen: Angela Merkel am 13. Dezember 2011.

Vor zwei Wochen ereignete sich Historisches. In Brüssel scharten sich 25 EU-Staaten hinter die Führung einer Frau, die ihnen Gewichtiges abverlangte und wahrscheinlich noch abverlangen wird. Nur ein grosses Inselreich widersetzt sich weiterhin tapfer…

Was bringt alle diese Regierungschefs dazu, ihr Schicksal und auch weitgehend das ihrer Länder zu einem beträchtlichen Teil in die Hände der deutschen Kanzlerin zu legen, im Vertrauen darauf, dass diese Frau brauchbare Lösungsansätze finden wird in chaotischen Zeiten?

Zweifellos ist ein wichtiger Grund die relative Stärke Deutschlands. Das wissen wir alle. Aber braucht es nicht sehr viel mehr, dass man grosse Stücke der eigenen Souveränität aufgibt und den Vorgaben eines andern folgt, der sich vor noch nicht allzu langer Zeit als barbarischer Todfeind gebärdet hatte? Wäre man auch einem deutschen Kanzler so geschlossen gefolgt?

Schwer zu sagen. Tatsache bleibt aber, dass man in fast ganz Europa bereit war, einer Frau zu folgen und dies, deutet man den ausbleibenden Aufschrei richtig, weit herum als akzeptabel, ja sogar notwendig angesehen hat. Machen wir uns nichts vor, solch eine Gefolgschaft gibt es nicht gratis. Die Frau hat mutmasslich den grössten Geldbeutel von allen und kommt aus einer der reichsten Gegenden. Aber es ist viel mehr die Art und Weise, wie sie sich auf europäischem Parkett bewegt hat in diesen krisenhaften Zeiten, die ihr zu dieser Position verholfen hat. Rational, beharrlich und mit einem ausgeprägten Sinn für das Machbare hat sie und neben ihr der quirlige, leicht hyperaktive französische Präsident nach Lösungen gerungen, die in einem aufgescheuchten EU-Hühnerstall endlich ein klein wenig für Beruhigung sorgten.

Die Klarheit im Denken, die Stärke im Verteidigen von unpopulären Positionen und ein unprätentiöser Auftritt in langweiligen, mehr schlecht als recht sitzenden Hosenanzügen haben in den letzten Monaten ein neues Bild der modernen Frau geschaffen, welches ganz ohne Ideologie auskommt und von einem unverstellten Blick auf herrschende Realitäten geprägt ist. Im Vordergrund steht immer die Lösungssuche – ohne politische und ideologische Scheuklappen. Genderdispute würde die «beharrliche Kanzlerin» wohl als weitestgehend unnütz und gestrig mit einem Streich von der Tischplatte fegen. Es gibt viel Wichtigeres in unserem Leben.

Erstaunlicherweise hört man aus feministischen Kreisen nur wenig über Angela Merkel. Eine mächtigere Frau hat die Welt in der Moderne noch nicht gesehen – obwohl Frau Thatcher nicht weit dahinter liegt. Aber die Pragmatik dieser höchst demokratischen und mit allen politischen Wassern gewaschenen Regierungschefin verhindert es, sie ideologisch vereinnahmen zu können. Sie ist vielleicht die modernste Frau der Welt im Moment: Eigenständig, intelligent, verantwortungsvoll, mit klarem Kopf Probleme anpackend und doch so einfühlsam, dass sie die Bodenhaftung nie verliert. Darüber hinaus eine Landesmutter, die zwar nicht fehlerlos ist, aber eben öfter das Richtige tut als das Falsche.

Genderfragen werden uns wohl nie ganz loslassen, aber Persönlichkeiten wie die deutsche Kanzlerin oder unsere eigenen Magistratinnen sorgen dafür, dass wir von der Gleichberechtigung der Geschlechter viel weniger weit weg sind, als viele in Rock und Hose glauben. Oder bin ich vielleicht etwas geblendet?

Wie danken Auguste für diesen Beitrag.

Kindermachen ohne Grenzen

Mamablog-Redaktion am Freitag den 2. Dezember 2011

Eine Carte Blanche von Rahel Leupin.

mamablog

Samenbanken preisen Homedelivery an und bewerben die «Befruchtung Zuhause»: Mütter mit ihrem Baby.

Ich muss etwas ausholen. Seit Februar 2011 lebe ich in San Francisco. Genau, das ist die freizügige Insel der USA. Very liberal, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Noch nie wurde meine Aufgeschlossenheit so oft auf den Prüfstand gestellt wie in den letzten Monaten. Zum Beispiel am Hunky-Jesus-Wettbewerb zu Ostern im Dolores Park. Da verkleiden sich Männer als Jesus und wetteifern um den best aussehendsten und most sexy Heiland. Natürlich ist das lustig, wenn das Preiskommitee jedem noch das Schürzchen von den Lenden rupft. Und natürlich ist es cool, dass der ganze Anlass von den Sisters of Perpetual Indulgence organisiert wird, ein Orden schwuler Nonnen. Aber ist es nicht einfach auch total daneben? Ein Andermal stehe ich an einer Bar und nippe an einem alkoholfreien Drink als ein splitternackter Mann neben mir einen Whisky Sour bestellt und sich lässig auf einen Barhocker hievt. Es überrascht mich dann nicht zu erfahren, dass San Francisco Nacktsein in der Öffentlichkeit offiziell erlaubt.

Nun, als unsere Tochter im Mai zur Welt kam und ich mich den obligaten Müttergruppen stellte, war ich darauf vorbereitet, über Stillprobleme und Schlafentzug zu plaudern. Zugegeben das war die Regel. Aber schnell fiel mir auf, wieviele Mütter hier von ihrer «wife», also ihrer Gattin sprachen. Und schnell musste ich lernen, dass wenn eine Mutter ihren «Partner» erwähnte, sie dabei selten ihren Mann meinte, sondern viel öfter ihre weibliche Lebenspartnerin oder ihren schwulen Freund, der auch der Vater des Kindes ist. Diese Familienkonstellationen verlangten für mich ganz nach neuen Diskussionsthemen. So zum Beispiel warum bei einem lesbischen Paar die Familie der nicht-biologischen Partnerin Schwierigkeiten hat, das Baby zu akzeptieren. Oft muss ich dabei über mich selbst schmunzeln und über die konservativen Familienwertvorstellungen, die tief drin in mir schlummern. Erstaunlich finde ich aber vor allem mit welcher Selbstverständlichkeit über künstliche Befruchtung gesprochen wird, respektive mit welcher Natürlichkeit Frauen, ob heterosexuell, alleinstehend oder lesbisch, ihren Kinderwunsch verfolgen und dabei keine Methoden scheuen.

Da spüre ich sie wieder, die Grenze meiner persönlichen Toleranz. Samenbanken preisen Homedelivery an und bewerben die «Befruchtung Zuhause». Unsere lesbische Vermieterin erzählte wie sie einen Samenspender-Katalog durchblätterte und überfordert war, Ethnie und Beruf ihres potenziellen Spenders zu bestimmen. Die zu jedem Spender dazugehörige Hörprobe fand sie dann doch auch etwas too much. Auf einer Halloween-Babyparty unterhielt ich mich mit einer Mom, die erwähnte, dass sie alleinerziehend war. Automatisch gab ich ein paar mitfühlende Wortfetzen von mir. «Oh no», erwiderte die Mutter, «das habe ich selbst so gewählt. It’s good!» Das zweite Mal, als mir eine single Mom begegnete, gab ich mir keine Blösse und fühlte nicht mehr mit. Sie fuhr fort, dass sie co-parenting mache. Was war das denn schon wieder? «Nun», erklärte sie, «ich bin eine single Frau und wollte unbedingt ein Kind. Ein schwuler Freund von mir, der in einer langjährigen Beziehung lebt, hatte denselben Wunsch. Wir sind alle drei zusammengezogen und haben nach der Truthahn-Pipetten-Methode (hier bekannt als ‹turkey baster method›) ein Kind gezeugt.» «That is so San Francisco!», war alles was mir dazu einfiel.

Rahel Leupin war zehn Jahre in Zürich im Kulturbereich tätig und lebt heute mit ihrem Mann in San Francisco. Sie ist seit sechs Monaten Mutter einer Tochter.

Grashalm statt Zigarette

Mamablog-Redaktion am Freitag den 25. November 2011

Eine Carte Blanche von Elke Koch.

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John Slattery (Roger Sterling, l.), John Hamm (Don Draper, M.) and January Jones (Betty Draper, r.) in der ersten Staffel der Serie «Mad Men».

Er ist wohl der einzige lonesome Cowboy, der von der Weltgesundheitsorganisation ausgezeichnet worden ist: Lucky Luke. Und warum? Ganz einfach, er hat mit dem Rauchen aufgehört. Seitdem ist er gemäss genauen Beobachtern etwas dicker geworden – wenn man bei Lucky Luke überhaupt von dick sprechen kann – und hat anstatt der selbstgedrehten Zigarette einen Strohhalm im Mund.

Nun gibt es aber Fans des Comic-Helden, die sagen, dass etwas fehle, dass Lucky Luke nicht mehr der gleiche coole Typ sei, seit er Nichtraucher ist. Gut, Szenen, in denen er sich in der einen Hand eine Zigarette rollt und in der anderen die Verbrecher mit dem Lasso fängt, fallen weg. Doch ist er deshalb wirklich ein anderer?

Wäre denn auch Don Draper, der Protagonist der erfolgreichen Serie «Mad Men» ein anderer, wenn er nicht rauchen würde? Wäre er dann nicht – und es ist nach wie vor die Rede von der Figur Don Draper – vor zwei Jahren zum einflussreichsten Mann der Welt gewählt worden?

Und die Fragenspirale dreht sich noch ein Stückchen weiter: Was für einen Einfluss haben ein Lucky Luke oder ein Don Draper auf die Zuschauer, wenn sie munter eine nach der anderen rauchen?

Lucky Luke liess die Raucherei der Kinder wegen bleiben. Man hatte den Comic-Zeichner Morris überzeugt, dass sein Western-Held für die kleinen Leser ein schlechtes Vorbild sei, wenn er ständig mit Zigarette zu sehen sei, zumal er doch einen Guten darstellt. Als rauchender Held würde er vermitteln, dass Rauchen sexy, stylisch und mit Erfolg verknüpft seien.

Gemäss einer deutschen Studie kriegen insbesondere Jugendliche, die häufig Rauchszenen in Filmen sehen, selber Lust, sich eine Zigarette anzustecken. Die Folgen davon stehen auf jeder Zigarettenschachtel: Rauchen macht schnell abhängig.

Und was ist mit dem erfolgreichen Mann aus der 60er-Jahre-Serie, Don Draper? Nun, ihm kann man nicht einfach einen Strohhalm zwischen die Lippen stecken. Zwar rauchen bei «Mad Men» alle nur Kräuterzigaretten, doch das sieht keiner. Abgesehen davon sind die auch nicht gesund, da sie Teer enthalten. Doch warum müssen Don Draper und seine Angestellten überhaupt Kette rauchen. Immerhin ist die Serie für Jugendliche ab 12 Jahren freigegeben. Nur der Authentizität wegen?

So argumentiert zumindest «Das Erste» bezüglich der verschiedenen «Tatort»-Folgen: «Tabakkonsum wird nur gezeigt, wenn er dramaturgisch begründet ist. Im für seine realistischen Milieuschilderungen bekannten ‹Tatort› können daher Szenen enthalten sein, in denen geraucht wird. Diese sind jedoch so gestaltet, dass sie keinesfalls Kinder und Jugendliche zur Nachahmung anregen.»

Was halten Sie von der Raucherei in Film und Fernsehen? Würde Ihnen tatsächlich etwas fehlen, wenn niemand mehr im Film oder Comic rauchen würde?

elke150x150Elke Koch ist ehemalige Redaktorin der Sendung und Onlineplattform «Gesundheitsfee».