Leben


Archiv für die Kategorie „Best of Mamablog“

Best of Mamablog: Auf der Suche nach Miss Perfect

Mamablog-Redaktion am Sonntag den 25. Dezember 2011

Über die Festtage pausieren unsere Bloggerinnen und Blogger. Deshalb publizieren wir bis Ende Jahr fünf Lieblingsbeiträge unserer Autorinnen – wir hoffen, das Wiederlesen macht auch Ihnen Spass! Der erste Beitrag unserer Best-of-Serie ist von Jeanette Kuster.

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Die Suche nach der passenden Mutterfreundin ist mindestens so schwierig wie die Suche nach Mr. Perfect: Mütter im Fernsehfilm «Blond bringt nix».

Als ich kürzlich mit einer noch kinderlosen Freundin beim Mittagessen sass, erzählte sie mir, dass sie das Wagnis Familiengründung nun auch in Angriff nehmen wolle. Und bedauerte gleichzeitig, dass ihre drei engsten Freundinnen alle schon vor zwei, drei Jahren Nachwuchs bekommen haben. «Dabei dachte ich doch immer, wir würden irgendwann einmal alle etwa gleichzeitig schwanger werden und gemeinsam durch die Stadt kugeln.»

Ich habe meinen immer runder werdenden Bauch damals auch alleine durch Zürich getragen. Bei mir wars allerdings gerade umgekehrt: Ich war umgeben von kinderlosen Freundinnen. Die erste fühlte sich zu jung für Nachwuchs, die zweite schon zu alt und die dritte wartete noch auf den richtigen Mann. Mich störte das nicht weiter, denn umso neugieriger waren sie alle auf das kleine Wesen in meinem Bauch, waren emotional mitschwanger und nach der Geburt fast ebenso entzückt ab unserer kleinen Tochter wie ich selber.

Alles bestens also. Bis ich nach einer Weile merkte, dass es doch schön wäre, auch mit anderen Müttern befreundet zu sein. Frauen, mit denen man nicht nur über Job und Männer, sondern eben auch über den ersten Zahn und die Impffrage diskutieren kann. Frauen, die gerne einen Nachmittag auf dem Spielplatz verbringen – und vor allem auch die Zeit dafür haben.

Anfangs habe ich mir überlegt, mich in einem Internet-Forum einer Zürcher Müttergruppe anzuschliessen, die «Neue jederzeit willkommen» heisst. Schliesslich hatte ich auf eben diese Weise während der Schwangerschaft schon ein Trüppchen werdender Mütter kennengelernt, mit denen ich bis heute in regem Kontakt stehe und die mir richtig ans Herz gewachsen sind – allerdings eher als virtuelle (Brief-)Freundinnen, die ich bloss alle paar Monate sehe, wohnen sie doch nicht gerade um die Ecke.

Ich habe den Gedanken jedoch schnell wieder verworfen. Das Ganze klang zu sehr nach Blind Date und Internet-Partnervermittlung. Beides hätte ich als Single nie genutzt, wieso also sollte ich als Mutter plötzlich damit anfangen?

Also habe ich mich fürs klassische Dating entschieden. Gelegenheiten, die perfekte Mutterfreundin zu finden, ergaben sich häufig ganz von alleine. Mal meldete sich eine frühere Arbeitskollegin, mittlerweile auch Mutter geworden, via Facebook bei mir und schlug vor, dass wir uns zu einem Kaffee treffen. Ein anderes Mal rief die Nachbarin vom Balkon herab, ob meine Tochter und ich nicht Lust hätten, spontan zu Besuch zu kommen. Ich sagte jedes Mal zu. Manchmal voller Hoffnung, dass das Treffen ganz wunderbar werden und sich daraus eine grossartige Mütterfreundschaft entwickeln könnte. Manchmal aus purer Verzweiflung, meinen Bauch ignorierend, der ganz laut Nein schrie.

Es blieb jeweils bei dem einen Treffen. Oft musste ich einsehen, dass mein Gegenüber abgesehen vom ungefähr gleich alten Kind nichts, aber auch gar nichts mit mir gemein hatte. Und das reicht nicht, denn ich will zwar über Kinderthemen reden, aber natürlich nicht ausschliesslich. War die Sympathie für die andere Mutter hingegen da, dann gab es garantiert richtig heftig Zoff zwischen den Kleinen. Der Anbandlungsversuch endete also etwa so, wie wenn mich früher meine beste Freundin mit den Worten «er ist ein Idiot und seine Freunde auch» vor die Wahl «ich oder er» gestellt hätte.

Dann halt doch nicht weiter auf die Güte des Schicksals warten, sondern das Ganze aktiv angehen. Also packte ich bei der nächstbesten Gelegenheit meine Tochter in den Kinderwagen und spazierte mit ihr zum Müttertreff hier im Quartier. Als ich hereinkam, sass schon eine eingeschworene Gruppe Mütter in der Ecke und unterhielt sich bei Kaffee und Kuchen. Alleine die Sitzordnung gab jedem Neuankömmling zu verstehen, dass man lieber unter sich bleiben möchte. «Wenn ihr nicht wollt…», dachte ich mir, und folgte meiner Kleinen in die Spielecke. Es dauerte nicht lange, da kam eine ebenso einsame Mutter auf mich zu und begann schüchtern ein Gespräch. Ich antwortete freundlich, merkte aber gleichzeitig, dass ich keinerlei Interesse hatte, sie etwas zurückzufragen, und eigentlich viel mehr an einer Unterhaltung mit der anderen Mutter weiter hinten in der Ecke interessiert war. Bis ich die erste aber nett abwimmeln konnte, war die zweite schon wieder weg.

So beschloss ich, die Suche nach der Passenden aufzugeben. Auf dem Spielplatz habe ich vor lauter Sändelen sowieso keine Zeit zu plaudern. Ausgehen ist mit meinen kinderlosen Freundinnen eh viel lustiger und Familienthemen lassen sich mit niemandem besser diskutieren als mit meinen Internet-Brieffreundinnen.

Und da passierte es: Sie tauchte plötzlich auf, völlig unerwartet, über eine alte Freundschaft meines Mannes, die wiederbelebt wurde. Wir verstehen uns auf der Mütter-Ebene, aber eben nicht nur. Sie hätte ich schon in meinem früheren Leben ohne Kinder gerne zur Freundin gehabt – und jetzt umso mehr. Die perfekte Mütterfreundin also, und sie ist mir einfach so über den Weg gelaufen. Genau wie mein Mann damals.

Kennen Sie das Mütter-Dating-Spiel aus eigener Erfahrung? Und wie hoch sind Ihre Erwartungen: Reicht Ihnen das Elternsein als Gemeinsamkeit, oder bleiben Sie lieber alleine, bis Ihnen jemand Passendes begegnet? Braucht man als Mutter überhaupt Mütterfreundinnen? Oder sind Kinderlose Ihrer Meinung nach sowieso die bessere Wahl, weil sie einen sicher nie mit Details zu ersten WC-Erfolgen und Milchstau belästigen?

Erstpublikation: 2. Oktober 2011.

Best of Mamablog: Die unsichtbare Mutter

Mamablog-Redaktion am Freitag den 12. August 2011
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So sieht der Heidi-Klum-Effekt aus: Frau Klum am 21. September 2009 und am 20. November 2009.

«Wow, dir merkt man gar nicht an, dass du Mutter geworden bist!», hörte ich nach einer Woche in meinem alten, neuen Arbeitsleben nach sechs Monaten Mutterschaftsurlaub. Ich bedankte mich jeweils, ohne wirklich zu begreifen, wofür. Kompliment ist schliesslich Kompliment, und solche hatte ich in den letzten Wochen nur selten bekommen. Wofür auch, für meine tollen Breikreationen? An meinem ersten kinderfreien Ausgangsabend unter Freundinnen hörte ich sie dann wieder, die nett gemeinten Sätze: «Eine so coole Mutter wie du möchte ich auch einmal werden.» – Dieses Mal fragte ich nach: «Du siehst aus wie vorher und du redest nie über dein Kind».

Eine Super-Mama ist eine Mutter, der man nicht anmerkt, dass sie Mutter ist.

Eine Super-Mutter ist eine Mutter, der man nicht anmerkt, dass sie Mutter ist.

Was sich vorher aus einer Mutterschaftsurlaubsmüdigkeit heraus ergeben hat, perfektionierte ich nun: Milchzahndiskussionen wurden fortan nur noch auf dem Spielplatz geführt und ich arbeitete weiterhin hart am Heidi-Klum-Effekt meines Körpers. Doch das sollte nicht reichen, was mir bei der ersten Jobbeurteilung im neuen Teilzeitleben klar wurde: «Du bist wahnsinnig, kreativ und engagiert, aber du hast dich ja leider gegen eine Karriere entschieden.» Hatte ich das? Und während ich noch überlegte, ob ich irgendwann einmal einen missverständlichen Satz von mir gegeben hatte, hörte ich auch schon die Begründung: «Mit einem Kind ist man halt nicht mehr so flexibel, um alles geben zu können.» Okay, verstanden. Ich wurde flexibler, als mir lieb war. Als mein Sohn zum nächsten Mal mit Fieber und Halsschmerzen im Bett lag, wurde die Oma für den Kalte-Wickel-Teeservice organisiert, damit ich im Büro keine wichtige Sitzung verpasste.

Auch im Alltagsleben musste ich feststellen, dass überall ungeschriebene, aber klar definierte Verhaltensregeln für gesellschaftsverträgliche Super-Mamis lauern: Nämlich möglichst nicht als Mutter in Erscheinung zu treten. Um meinen Sohn zu Krippe zu fahren, verzichtete ich schon bald auf den Kinderwagen, denn das Stossverkehrspublikum kennt keine Gnade. Auch der Einkauf in der Migros erfolgte plötzlich nach einem klar geregelten Zeitplan, zwischen zwei und vier Uhr Nachmittags. Denn frühmorgens zwischen neun und elf Uhr sind erst einmal die Omas und Opas dran, die mit ihren Gehgestellen ihre Runden drehen und nicht von einer rasenden Mutter überrollt werden möchten – man erkennt sie am geschimpften «Aua», das sie von sich geben, wenn man den Sicherheitsabstand von einem Meter nicht wahrt. Zwischen elf und ein Uhr Nachmittags ist die Red-Bull-Sandwich-Fraktion an der Reihe. Wagt man es um halb zwölf trotzdem an einer Kasse anzustehen, wird man systematisch nach hinten gedrängt – denn ein bis zum Rand gefülltes Körbchen ist zu dieser Tageszeit der reinste Affront. Als ich bald darauf einen Ausflug in den Zoo machte – ohne Wägeli – und meinen Sohn neben mir auf dem Tramsitz platzierte, hörte ich ihn dann, denn alles verändernden Satz: «Könnten Sie Ihr Kind bitte auf den Schoss nehmen, schliesslich bezahlt es ja noch kein Ticket.»

Basta! Ich habe keinen Lust mehr, als braves Rädchen im kinderfeindlichen Uhrwerk zu drehen und ungeschriebenen Verhaltensregeln hinterherzuhecheln. Die Geburt meines Sohnes war die krasseste Veränderung in meinem Leben. Und hey, als solche darf sie auch wahrgenommen werden.

Deshalb haut rein, ihr Mütter da draussen: Schleppt eure Kinder zu Kunstvernissagen, die euch interessieren und auf die ihr nur allzu oft verzichtet, weil ihr glaubt mit eurem Anhang zu stören. Speist mit eurem Nachwuchs in den angesagtes Restaurants der Stadt, fragt penetrant nach einem Hochstuhl für euer Baby und macht einen lautstarken Aufstand, wenn der Stuhl nicht vorhanden sein sollte. Trinkt euren Kaffee in euren Lieblingscafés und parkiert eure Geschwister-Wagen-Vehikel mitten im Raum. Rennt nicht mehr verschämt in Stillecken von Apotheken oder in Toiletten, wenn eure Babys vor Hunger schreien, sondern entblösst eure Brüste in Zügen, Cafés und Hotellobbys. Erzählt euren kinderlosen Freundinnen detailreich von ersten Zähnen, Nuggi-Entwöhnungsprogrammen und den Lernschwierigkeiten eurer Kinder, sie halten euch ja auch stundenlange Vorträge über ihre Beziehungsprobleme. Es wird euch Nerven kosten, so viel ist sicher, aber eure Töchter werden es euch danken, wenn sie in ein paar Jahren mit ihrem Nachwuchs als das wahrgenommen werden, was sie sind: Frauen und Mütter.

Erstpublikation: 28. Mai 2010.

Best of Mamablog: Überlebenstipps für Eltern mit Kindern im Schulalter

Mamablog-Redaktion am Donnerstag den 11. August 2011
DEU Kindertagesbetreuung Statistik

Der lange Steigerungslauf durchs Schulsystem beginnt: Kinderkrippe.

1. Vertrauen ins System. Mit dem ersten Tag im Kindergarten beginnt der lange Steigerungslauf durchs Schulsystem, an dessen Ende Ihr Kind für ein Leben in dieser Gesellschaft gerüstet sein sollte. Auf die Bildungsinstitutionen selbst haben Sie wenig Einfluss, und auch was den Lehrkörper betrifft, hält sich dieser in Grenzen. Es gibt schon genug Eltern, die meinen, alles besser zu wissen. Halten Sie also Ihr Misstrauen im Zaum und versuchen Sie dem System zu vertrauen.

2. Vertrauen in Ihr Kind. Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Prozess in jeder Phase optimal ablaufen wird. Dennoch sollten Sie darauf vertrauen, dass Ihr Kind an den Herausforderungen wächst. Unterstützen Sie es, so gut Sie können und helfen Sie, wo nötig.

3. Vertrauen in die Gesellschaft. Bislang mag sich Ihr kleiner Goldschatz behütet im Schoss der Familie entfaltet haben. Doch spätestens mit dem Kindergarten ist der Friede vorbei. Hier trifft Ihr Kind plötzlich auf Informationsquellen ausserhalb des Elternhauses, die genauso interessant und vertrauenswürdig scheinen. Und so kann es vorkommen, dass Ihre Fünfjährige Sie plötzlich darüber belehrt, dass Sie die Zähne ganz falsch putzen, im Fall. Oder dass Sie sich im Strassenverkehr nicht richtig verhalten. In extremen Fällen kann sich das zu einer kleinen Frühform der Pubertät auswirken, bei der Ihr Kind Ihnen erklärt, dass Sie gar nichts mehr zu melden haben. In den meisten Fällen legt sich das aber rasch wieder.

4. Schauspielerische Fähigkeiten. Zum Beispiel bei den obligaten Schultheatern: Ein Haufen Kinder stolpert durch einen überhitzten Raum, jedes zweite vergisst den Text oder interessiert sich auch sonst nicht besonders dafür, was hier gespielt wird. Derweil schnarchen die Grosseltern auf den Zuschauerrängen und die kleinen Geschwister fallen vor Sauerstoffmangel fast in Ohnmacht, bis die Vorführung mit einem kakophonisch durcheinander gekrähten Lied endet. Wie sehr Sie auch gelitten haben, klatschen Sie am Schluss euphorisch und danken Sie auch der Lehrerin. Sie hat es schwer genug.

5. Geduld. Tatort Elternabend. Lehrerinnen haben die Angewohnheit, Informationen, die man in zehn Minuten kompakt vermitteln könnte, auf zwei endlose Stunden auszudehnen, die Sie nach einem strengen Arbeitstag klaglos und mit interessierter Miene zu erdulden haben. Was einen wirklich interessieren würde, nämlich wie sich das eigene Kind in der Schule verhält, kommt dabei nicht zur Sprache.

6. Mehr Geduld. Bei der anschliessenden Fragerunde müssen Sie auf alles gefasst sein. Etwa Fragen der Art, ob man beim wöchentlichen Kaffeeklatsch auch Tee trinken dürfe, oder ob statt eines Rüeblis zum Znüni auch ein Gürkli drin liegt. Fragen jedenfalls, die man am besten bilateral klären könnte. Auch hier heisst es, die Prozedur mit stoischer Miene durchzustehen.

7. Sozialkompetenz. Sie werden nun mit allerlei Eltern zu tun haben, die Ihnen vielleicht nicht sehr sympathisch sind (zum Beispiel, weil sie die Elternabende mit ihren ermüdenden Fragen unnötig in die Länge ziehen). Wenn Sie nicht im ganzen Quartier als miesepetrige Zicke gelten wollen, sollten Sie sich bei den Elternveranstaltungen oder beim gemeinsamen Warten auf die Eröffnung des Elternabends trotzdem um eine freundliche Miene und ein bisschen Smalltalk bemühen.

8. Fertigkeiten am Herd. Insbesondere am Backofen. Immer wieder werden in Schulen kleine Get-Togethers veranstaltet, bei denen die Eltern doch etwas fürs Büffet mitbringen sollen. Wer nun einfach eine Packung Chips oder Guetzli aus dem Coop mitbringt, outet sich als unverbesserliche Niete. Einsatz am Backofen ist also gefragt – notfalls bitten Sie die Grossmutter um Mithilfe.

Erstpublikation: 5. Juni 2009. Originaltitel: Acht Dinge, die Sie lernen müssen, wenn Ihr Kind ins Schulalter kommt.

Best of Mamablog: Familienkitsch in Technicolor

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 10. August 2011
Die traute Familie am Tisch. Szenebild aus der Serie «Die Waltons», 1972-1981

Die traute Familie am Tisch: Szenebild aus der Serie «Die Waltons», 1972-1981.

Wir unverheirateten Kinderlosen leiden manchmal unter einer Art romantischem Neid auf Kleinfamilienbetreiber. Gerade jetzt im Herbst oder, noch schlimmer, in der Vorweihnachtszeit schlendern wir durch das frühe Eindunkeln und beneiden die Eltern hinter warm erleuchteten Wohnzimmerfenstern um den Klang des Kinderlachens. Wir stellen uns vor, wie Klein-Sven und die herzige Anne-Sophie auf dem Wohnzimmerboden spielen, während Papa das Abendessen kocht und Mama friedlich ein Glas Rotwein schlürft und ein interessantes Buch liest.

Technicolor-Familienidyllen der Klasse 1 ziehen durch unsere Köpfe, während wir unsere pragmatische Beziehung zu unseren Lebensabschnittspartnern scheel betrachten. «Meine Frau und meine Kinder» anstelle von «Meine Partnerin und mein Projekt» zu sagen, ist irgendwie so 1950s, romantisch-retro und verspricht ein Glück wie bei den Waltons.

Männer sind genau gleich anfällig wie Frauen auf diese Art von Familienkitsch, nur vielleicht weniger hysterisch.

Dabei gibt es keine Idylle. Es gibt Familienglück, das vom Schicksal wohl in gleichen Mengen verteilt wird wie alles Glück: Spärlich, damit man es zu schätzen weiss. Und wenn ich manchmal eifersüchtig auf Familien bin, so sind die beiden Elternteile – natürlich jeder für sich – manchmal eifersüchtig, wenn ich kurz für einen Monat nach Panama verschwinde oder wenn ich meinen Job schmeisse, ohne Angst vor den finanziellen Konsequenzen. Unabhängigkeit versus Geborgenheit. Da bleibt die Waage meist im Gleichgewicht. Nur das Jammern ist unausgeglichen. Es geht an, über seine fehlende Familie zu jammern. Über seine existierende Familie zu jammern, ist gesellschaftlich verpönt. Schliesslich hat mans ja gewollt.

Und jeder, der Kinder zeugt, und sich davon verspricht, glücklicher zu werden, wird wohl auch glücklich. Nur nie in der Art und Weise, wie er es sich vorgestellt hat.

Erstpublikation: 15. Oktober 2010.

Best of Mamablog: Die grössten Dating-Fehler der Männer

Mamablog-Redaktion am Dienstag den 9. August 2011
Lesen Sie die Signale: Die Körpersprache dieser Frau signalisiert, dass seine Werbung nur mässig gut ankommt.

Auch wenn eine Frau einen Mann zum Beispiel um Feuer bittet, so heisst das noch lange nicht, dass sie mit ihm die Grenzen des Kamasutra ausloten möchte: Dating-Situation.

Ich habe eine schöne Freundin, die ist Mutter und Single. Sie ist im Grossen und Ganzen glücklich damit und ich auch, denn ihre Frontberichte aus dem Jagdrevier sind erfrischend und geben einen Einblick in die Probleme, die viele Frauen zwischen dreissig und vierzig umtreiben. Wie wir wissen, ist rund ein Viertel der urbanen Schweizer Bevölkerung Single. Dank der amerikanischen Autorin Lori Gottlieb kennen wir die häufigsten Fehler, welche Frauen beim Daten begehen: grob gesagt stellen sie zu hohe Ansprüche, setzen falsche Prioritäten, sind zu romantisch. Aber was sind eigentlich die häufigsten Dating-Fehler bei Männern? Darüber unterhielt ich mich mit meiner im Stahlbad des Single-Lebens geprüften Freundin. Im Sinne einer Dienstleistung für die männlichen Singles, hier unsere Auswertung, (abgeglichen mit den Tipps eines Dating-Coaches):

Männer denken, Frauen seien genau wie sie. Männer sollten nicht von ihrem eigenen Empfinden auf das der Frauen schliessen. Männer fühle sich vom Anblick sekundärer Geschlechtsteile meist unmittelbar angezogen und ermutigt, mit der Frau einen Versuch zu wagen. Bei Frauen ist es ein bisschen komplizierter. Physische Attraktivität spielt eine Rolle, aber es ist nur eine von vielen Strassen, die ins Zentrum der Stadt führen. Das ist eine gute Nachricht. Schliesslich trifft der Terminus Adonis auf die wenigsten Männer da draussen zu. Wichtiger als die rein physische Attraktivität des Mannes ist für Frauen, wie sie sich in seiner Gegenwart fühlen. Er sollte sie also auf eine kleine Fahrt mitnehmen, ihr die Stadt zeigen, nicht zu direkt ins Zentrum steuern, sondern auch die kleinen, attraktiven Nebenschauplätze besuchen. Und manchmal verlieben sich die Frauen dann in einen dieser Plätze, von dem der Mann nie gedacht hätte, dass sie attraktiv sein könnten. Nur die Frage ist: Wie bringt man die Frau dazu, mit auf die Fahrt zu kommen?

Männer sind zu defensiv. Gegenüber schönen Frauen fühlen Männer sich oft verunsichert, was dazu führt, dass sie überfreundlich sind, ständig um Erlaubnis fragen, sich defensiv geben. Falsch. Frauen mögen keine Männer, die sich unterordnen. Frauen brauchen vielleicht Aufmerksamkeit und Zuwendung, aber nichts ist langweiliger, als permanente Affirmation. Attraktiv sind Männer, die wissen, wer sie sind, ein Ziel haben und entsprechend handeln. Um eine Frau zu umwerben, sollte man sich seiner selbst wenigstens so sicher sein, dass man auch Unsicherheit artikulieren kann.

Männer sind zu offensiv. Weil Männer tendenziell von sich selbst ausgehen, neigen sie dazu, weibliche Signale überzuinterpretieren: sendet sie ein freundliches Lächeln, klebt ihr der Adressat ein paar Sekunden später am Gesicht. Das ist nicht gut. Auch wenn eine Frau einen Mann zum Beispiel um Feuer bittet, so heisst das noch lange nicht, dass sie mit ihm die Grenzen des Kamasutra ausloten möchte. Analysieren Sie nüchtern, ob die Annäherung auch als Annäherungsversuch zu verstehen ist, geben Sie ihr Interesse zu erkennen, lesen Sie die Zeichen und übertreiben sie es nicht. Verführung ist ein Spiel und das will gespielt werden.

Männer versuchen Frauen zu kaufen. Frauen werden gern umworben. Aber ein Mann, der zu sehr mit Kohle herumwedelt, signalisiert, dass es hier irgendwie um einen Handel gehen soll – muss also nicht überrascht sein, wenn die Frau das auch so sieht. Aber wer die Konditionen des Geschäfts nicht klar ausspricht, kann auch nicht erwarten, dass er den intendierten Gegenwert kriegt. Frauen lassen sich gerne beschenken, aber nicht kaufen. Also Männer, lasst es langsam angehen und dosiert eure Sympathiebekundungen. Dann kommen sie nämlich auch besser an.

Männer stehen nicht zu sich selbst. Seien Sie aufrichtig, auch wenn es manchmal unangenehm ist, aber es vereinfacht vieles. Frauen mögen es beispielsweise gar nicht, wenn Männer nach einem erfreulichen Abend ihre SMS oder Email nicht beantworten. Wer viel zu tun hat und sich deshalb gerade nicht mit SMS auseinandersetzen kann, sollte dies schnell artikulieren. Denn Frauen brauchen Feedback – auch wenn es negativ ist, und sie brauchen es schnell. Schneller jedenfalls, als Männer bereit sind, es zu geben. Als Kompromiss könnte man sagen: SMS sollten innerhalb von spätestens zwei Tagen beantwortet werden und selbst wenn die Antwort negativ ist: Frauen schätzen es, wenn sie ernst genommen werden.

Always be a Gentleman: So emanzipiert wir sind, Frauen schätzen nach wie vor gute Manieren – egal wie viel getrunken wurde. Oder gerade dann. Also immer die Dame als erstes durch die Tür gehen lassen, unauffällig dafür sorgen, dass sie sich in seiner Gegenwart wohl fühlt, darauf achten, dass ihr Glas immer voll ist, dass sie als erstes bestellen kann – solche Dinge. Und bei einem Date lieber fünf Minuten zu spät als zu früh erscheinen – nicht dass er sie mit nassen Haaren und nur einem geschminkten Auge antrifft.

Haben wir etwas vergessen?

Erstpublikation: 2. Februar 2011.

Lesen Sie auch: Die 5 häufigsten Dating-Fehler der Frauen.