Über die Festtage pausieren unsere Bloggerinnen und Blogger. Deshalb publizieren wir bis Ende Jahr fünf Lieblingsbeiträge unserer Autorinnen – wir hoffen, das Wiederlesen macht auch Ihnen Spass! Der erste Beitrag unserer Best-of-Serie ist von Jeanette Kuster.

Die Suche nach der passenden Mutterfreundin ist mindestens so schwierig wie die Suche nach Mr. Perfect: Mütter im Fernsehfilm «Blond bringt nix».
Als ich kürzlich mit einer noch kinderlosen Freundin beim Mittagessen sass, erzählte sie mir, dass sie das Wagnis Familiengründung nun auch in Angriff nehmen wolle. Und bedauerte gleichzeitig, dass ihre drei engsten Freundinnen alle schon vor zwei, drei Jahren Nachwuchs bekommen haben. «Dabei dachte ich doch immer, wir würden irgendwann einmal alle etwa gleichzeitig schwanger werden und gemeinsam durch die Stadt kugeln.»
Ich habe meinen immer runder werdenden Bauch damals auch alleine durch Zürich getragen. Bei mir wars allerdings gerade umgekehrt: Ich war umgeben von kinderlosen Freundinnen. Die erste fühlte sich zu jung für Nachwuchs, die zweite schon zu alt und die dritte wartete noch auf den richtigen Mann. Mich störte das nicht weiter, denn umso neugieriger waren sie alle auf das kleine Wesen in meinem Bauch, waren emotional mitschwanger und nach der Geburt fast ebenso entzückt ab unserer kleinen Tochter wie ich selber.
Alles bestens also. Bis ich nach einer Weile merkte, dass es doch schön wäre, auch mit anderen Müttern befreundet zu sein. Frauen, mit denen man nicht nur über Job und Männer, sondern eben auch über den ersten Zahn und die Impffrage diskutieren kann. Frauen, die gerne einen Nachmittag auf dem Spielplatz verbringen – und vor allem auch die Zeit dafür haben.
Anfangs habe ich mir überlegt, mich in einem Internet-Forum einer Zürcher Müttergruppe anzuschliessen, die «Neue jederzeit willkommen» heisst. Schliesslich hatte ich auf eben diese Weise während der Schwangerschaft schon ein Trüppchen werdender Mütter kennengelernt, mit denen ich bis heute in regem Kontakt stehe und die mir richtig ans Herz gewachsen sind – allerdings eher als virtuelle (Brief-)Freundinnen, die ich bloss alle paar Monate sehe, wohnen sie doch nicht gerade um die Ecke.
Ich habe den Gedanken jedoch schnell wieder verworfen. Das Ganze klang zu sehr nach Blind Date und Internet-Partnervermittlung. Beides hätte ich als Single nie genutzt, wieso also sollte ich als Mutter plötzlich damit anfangen?
Also habe ich mich fürs klassische Dating entschieden. Gelegenheiten, die perfekte Mutterfreundin zu finden, ergaben sich häufig ganz von alleine. Mal meldete sich eine frühere Arbeitskollegin, mittlerweile auch Mutter geworden, via Facebook bei mir und schlug vor, dass wir uns zu einem Kaffee treffen. Ein anderes Mal rief die Nachbarin vom Balkon herab, ob meine Tochter und ich nicht Lust hätten, spontan zu Besuch zu kommen. Ich sagte jedes Mal zu. Manchmal voller Hoffnung, dass das Treffen ganz wunderbar werden und sich daraus eine grossartige Mütterfreundschaft entwickeln könnte. Manchmal aus purer Verzweiflung, meinen Bauch ignorierend, der ganz laut Nein schrie.
Es blieb jeweils bei dem einen Treffen. Oft musste ich einsehen, dass mein Gegenüber abgesehen vom ungefähr gleich alten Kind nichts, aber auch gar nichts mit mir gemein hatte. Und das reicht nicht, denn ich will zwar über Kinderthemen reden, aber natürlich nicht ausschliesslich. War die Sympathie für die andere Mutter hingegen da, dann gab es garantiert richtig heftig Zoff zwischen den Kleinen. Der Anbandlungsversuch endete also etwa so, wie wenn mich früher meine beste Freundin mit den Worten «er ist ein Idiot und seine Freunde auch» vor die Wahl «ich oder er» gestellt hätte.
Dann halt doch nicht weiter auf die Güte des Schicksals warten, sondern das Ganze aktiv angehen. Also packte ich bei der nächstbesten Gelegenheit meine Tochter in den Kinderwagen und spazierte mit ihr zum Müttertreff hier im Quartier. Als ich hereinkam, sass schon eine eingeschworene Gruppe Mütter in der Ecke und unterhielt sich bei Kaffee und Kuchen. Alleine die Sitzordnung gab jedem Neuankömmling zu verstehen, dass man lieber unter sich bleiben möchte. «Wenn ihr nicht wollt…», dachte ich mir, und folgte meiner Kleinen in die Spielecke. Es dauerte nicht lange, da kam eine ebenso einsame Mutter auf mich zu und begann schüchtern ein Gespräch. Ich antwortete freundlich, merkte aber gleichzeitig, dass ich keinerlei Interesse hatte, sie etwas zurückzufragen, und eigentlich viel mehr an einer Unterhaltung mit der anderen Mutter weiter hinten in der Ecke interessiert war. Bis ich die erste aber nett abwimmeln konnte, war die zweite schon wieder weg.
So beschloss ich, die Suche nach der Passenden aufzugeben. Auf dem Spielplatz habe ich vor lauter Sändelen sowieso keine Zeit zu plaudern. Ausgehen ist mit meinen kinderlosen Freundinnen eh viel lustiger und Familienthemen lassen sich mit niemandem besser diskutieren als mit meinen Internet-Brieffreundinnen.
Und da passierte es: Sie tauchte plötzlich auf, völlig unerwartet, über eine alte Freundschaft meines Mannes, die wiederbelebt wurde. Wir verstehen uns auf der Mütter-Ebene, aber eben nicht nur. Sie hätte ich schon in meinem früheren Leben ohne Kinder gerne zur Freundin gehabt – und jetzt umso mehr. Die perfekte Mütterfreundin also, und sie ist mir einfach so über den Weg gelaufen. Genau wie mein Mann damals.
Kennen Sie das Mütter-Dating-Spiel aus eigener Erfahrung? Und wie hoch sind Ihre Erwartungen: Reicht Ihnen das Elternsein als Gemeinsamkeit, oder bleiben Sie lieber alleine, bis Ihnen jemand Passendes begegnet? Braucht man als Mutter überhaupt Mütterfreundinnen? Oder sind Kinderlose Ihrer Meinung nach sowieso die bessere Wahl, weil sie einen sicher nie mit Details zu ersten WC-Erfolgen und Milchstau belästigen?
Erstpublikation: 2. Oktober 2011.








Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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