Ein Papablog von Jan Derrer*

Es gibt Dinge, die für einen Mann unheimlicher sind als die Geburt selbst: Ein Paar in einem Geburtsvorbereitungskurs. (Screenshot: Opelwerbung)
Ich bin weder ein Frauenschwarm noch ein Popsänger. Trotzdem habe ich etwas mit Robbie Williams gemeinsam. Wie er werde ich bald zum ersten Mal Vater. Wie das ist, verrät er auf seiner Webseite. Und genau wie er musste ich weinen, als ich die Ultraschallbilder sah. Leider schreibt er nicht, ob er zusammen mit seiner Ayda einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen muss. Denn gerne würde ich wissen, ob er sich davor genauso fürchtet wie ich.
Bevor meine Liebste mich auf das Thema Geburtsvorbereitung ansprach, verlief die Schwangerschaft für mich als werdender Vater reibungslos. Irgendwann aber begann sie, zielgerichtet nach einem Geburtsvorbereitungskurs zu googeln. Und sie machte mir klar, dass meine Anwesenheit sehr erwünscht sei. So entdeckte ich im Internet eine neue Welt. Eine weibliche Welt der bewussten Atmung, der achtsamen Bewegungen, der Entspannung. In dieser mir fremden Welt werden «Werkzeuge erarbeitet», die Geburt wird «aktiv mitgestaltet». Und ich war plötzlich nicht mehr einfach zukünftiger Vater, sondern «Geburtsgefährte».
Auf den Websites der Geburtsvorbereitungskurse begegneten mir unzählige Bilder von Muscheln. Muscheln im Abendrot, Muscheln in Sand gezeichnet, abstrakte Muscheln, gekritzelte Muscheln, barocke Muscheln. Und alles in Pastellfarben getaucht. Dazu Fotos von bildhübschen schwangeren Frauen, deren Brüste durch wallende Seidentücher verdeckt werden, die Bäuche in weiches Licht getaucht. Männer sind in dieser Welt selten. Nur ab und zu schmiegt ein Mann mit verklärtem Blick seinen coolen Dreitagebart an einen schwangeren Bauch. Ich sah in meinem Leben noch nie so viele Fotos mit Softfilter.
Gewissenhaft studierte ich die Lebensläufe und Fotos der Kursanbieterinnen. Die typische Kursleiterin kennt sich aus in körperzentrierter Psychotherapie, Selbsterfahrung, Atemtherapie, Shiatsu, Yoga und Tanz. Sie trägt ihr Haar offen und ist ungeschminkt. Beim Hypnobirthing dominieren schlanke, blonde, dezent geschminkte Frauen, die mal Pharma-Assistentin waren.
Natürlich frage ich mich, ob ich unsensibel und potenziell ein schlechter Vater bin. Aber Geburtsvorbereitungskurse sprechen mich einfach nicht an. Geburt ist eine von Natur aus weibliche Angelegenheit und gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen. Dasselbe gilt für die Geburtsvorbereitung. Meine Unterstützung ist nötig und willkommen. Aber als Mann spiele ich nun mal die Nebenrolle.
Daher bin ich für Bescheidenheit. Ich organisierte den Wickeltisch und schleppte ihn das Treppenhaus hoch. Dann richtete ich das Kinderzimmer ein. Als ich es schaffte, die Lampe an der bröckeligen Gipsdecke zu montieren, war ich sehr stolz. Ich bin bereit.
*Jan Derrer ist Videoreporter bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet und wird im Mai zum ersten Mal Vater.





Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.
*Franziska (l.) und Martina Brägger sind die Gründerinnen der Internetplattform 

Maurice Thiriet (32) ist seit 2008 Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger». 2011 wurde er mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.
Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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