Leben


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Die Angst des werdenden Vaters vor dem Geburtsvorbereitungskurs

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 4. April 2012

Ein Papablog von Jan Derrer*

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Es gibt Dinge, die für einen Mann unheimlicher sind als die Geburt selbst: Ein Paar in einem Geburtsvorbereitungskurs. (Screenshot: Opelwerbung)

Ich bin weder ein Frauenschwarm noch ein Popsänger. Trotzdem habe ich etwas mit Robbie Williams gemeinsam. Wie er werde ich bald zum ersten Mal Vater. Wie das ist, verrät er auf seiner Webseite. Und genau wie er musste ich weinen, als ich die Ultraschallbilder sah. Leider schreibt er nicht, ob er zusammen mit seiner Ayda einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen muss. Denn gerne würde ich wissen, ob er sich davor genauso fürchtet wie ich.

Bevor meine Liebste mich auf das Thema Geburtsvorbereitung ansprach, verlief die Schwangerschaft für mich als werdender Vater reibungslos. Irgendwann aber begann sie, zielgerichtet nach einem Geburtsvorbereitungskurs zu googeln. Und sie machte mir klar, dass meine Anwesenheit sehr erwünscht sei. So entdeckte ich im Internet eine neue Welt. Eine weibliche Welt der bewussten Atmung, der achtsamen Bewegungen, der Entspannung. In dieser mir fremden Welt werden «Werkzeuge erarbeitet», die Geburt wird «aktiv mitgestaltet». Und ich war plötzlich nicht mehr einfach zukünftiger Vater, sondern «Geburtsgefährte».

Auf den Websites der Geburtsvorbereitungskurse begegneten mir unzählige Bilder von Muscheln. Muscheln im Abendrot, Muscheln in Sand gezeichnet, abstrakte Muscheln, gekritzelte Muscheln, barocke Muscheln. Und alles in Pastellfarben getaucht. Dazu Fotos von bildhübschen schwangeren Frauen, deren Brüste durch wallende Seidentücher verdeckt werden, die Bäuche in weiches Licht getaucht. Männer sind in dieser Welt selten. Nur ab und zu schmiegt ein Mann mit verklärtem Blick seinen coolen Dreitagebart an einen schwangeren Bauch. Ich sah in meinem Leben noch nie so viele Fotos mit Softfilter.

Gewissenhaft studierte ich die Lebensläufe und Fotos der Kursanbieterinnen. Die typische Kursleiterin kennt sich aus in körperzentrierter Psychotherapie, Selbsterfahrung, Atemtherapie, Shiatsu, Yoga und Tanz. Sie trägt ihr Haar offen und ist ungeschminkt. Beim Hypnobirthing dominieren schlanke, blonde, dezent geschminkte Frauen, die mal Pharma-Assistentin waren.

Natürlich frage ich mich, ob ich unsensibel und potenziell ein schlechter Vater bin. Aber Geburtsvorbereitungskurse sprechen mich einfach nicht an. Geburt ist eine von Natur aus weibliche Angelegenheit und gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen. Dasselbe gilt für die Geburtsvorbereitung. Meine Unterstützung ist nötig und willkommen. Aber als Mann spiele ich nun mal die Nebenrolle.

Daher bin ich für Bescheidenheit. Ich organisierte den Wickeltisch und schleppte ihn das Treppenhaus hoch. Dann richtete ich das Kinderzimmer ein. Als ich es schaffte, die Lampe an der bröckeligen Gipsdecke zu montieren, war ich sehr stolz. Ich bin bereit.

jan15x150*Jan Derrer ist Videoreporter bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet und wird im Mai zum ersten Mal Vater.

Totalliquidation

Andrea Fischer am Dienstag den 3. April 2012
Schönheit von Botero.

Ein Spiegel mit Photoshop-Funktion wäre manchmal gut: Schönheit von Botero.

Madonnas Allerwertester steht mal wieder im Rampenlicht. Damit ist nicht ihr neuester Toyboy gemeint, sondern ihr Hinterteil, das sie laut Insidern (ähm) mindestens drei Stunden am Tag trainiert. So eisern, dass Guy Ritchie seine Frau damals als «Knorpel» bezeichnet haben soll. Vermutlich nicht ganz das, was sie beabsichtigt hatte. Aber die beiden sind mittlerweile ja auch geschieden.

Auf dem Zeitungsbild mit Madonnas Hintern sieht man also, wenn man eine Lupe und viel Boshaftigkeit verwendet, wie ihr kaum vorhandener Po eine Mini-Andeutung eines Hängefältchens zeigt. Ha! Endlich, der Beweis: Auch Superstars werden alt. Wie aufregend. Wie erleichternd. Wie langweilig. Ehrlich gesagt, hätte ich mich schon mit zwanzig herzlich bedankt für einen Arsch, wie ihn Madonna mit über fünfzig hat. Und ich nehme an, Millionen von Presswurst-Barbies geht es nicht anders. Aber klar, wir halten unsere Haxen auch nicht in Netzstrumpfhosen in die Kamera.

Der ganzen Häme über Madonna und Cos Alters-Fett-Stress kann ich mich auf jeden Fall nur bedingt anschliessen. Immerhin sitze ich im berühmten Glashaus, wie vermutlich 95 Prozent der überfütterten westlichen Welt. Und wie alle befinde ich mich auf dem natürlichen Weg in die Total-Liquidation, die unaufhaltsame Verflüssigung meines Körpers.

Letzthin sprachen wir bei einem Nachtessen mit Freunden darüber, was wir nie werden wollten und doch geworden sind. Ein Freund meinte, er habe sich vorgenommen, nie Lehrer zu werden und nun sei er einer. Und es sei sogar gut. Mir kam in den Sinn, wie ich meine Mutter mit mitleidigen Blicken bedacht hatte, weil ihr Hintern beim Zähneputzen jeweils wellenförmig mitwogte. Eine Frau mit einem so bewegten Gesäss, das war mir klar, würde nie aus mir werden. Ich erspare uns hier die Details meiner diesbezüglichen Entwicklung. Immerhin hat unsere Anatomie die Gnade, dass man sich prinzipiell nicht von hinten sehen kann beim Zähneputzen, Seilspringen und auf den Bus rennen.

Etwas weniger nachsichtig ist sie beim Bauch, bei Derrickschen Augentaschen, Kinnlappen und bei den Armen. Manchmal fände ich es daher charmant, wenn mein Spiegel eine Photoshop-Funktion hätte. Aber eigentlich habe ich die eh schon im Gehirn. Ich schaffe es durchaus, mich wohlwollend im Spiegel zu betrachten und sogar irgendwie schöner zu finden, als je zuvor. Realitätsfremd, aber angenehm. Vermutlich liegt es daran, dass ich es einfach müde bin, mich zu sehr über Unveränderbares zu ärgern. Hinzu kommt: Ich muss mich nicht mehr im darwinistischen Haifischteich der Lebenspartnersuche behaupten.

Manchmal allerdings wird mein weichgezeichnetes, schöngeredetes inneres Bild meiner selbst hinterrücks erschüttert. Zum Beispiel, wenn wir am Mittagstisch heiteres Mucki-Bluffen spielen und der kleine Nachbarjunge nachdenklich meine Arme betrachtet. Erinnert mich an was, sagt sein Blick. Dann strahlt er über das ganze Gesicht. «Wie Schlangenbrot!» sagt er. Teig um einen Stecken, also. Gut, habe ich diesen Jungen so gern. Und noch besser, liebe ich meinen Mann. Denn der hat vor Lachen fast in den Tisch gebissen. Mein innerer Photoshop mag manchmal einen Aussetzer haben, aber mein Erinnerungsvermögen funktioniert ausgezeichnet.

Wenn die Geburt zum Trauma wird

Gabriela Braun am Sonntag den 1. April 2012
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Ein professionelles Gespräch kann eine Traumatisierung verhindern: Serienfigur Carla leidet an den Folgen der Geburt. (Bild: «Scrubs»)

Treffen sich zwei Schwangere, ist das Gesprächsthema gesetzt. Es beginnt mit der Frage nach der Wahl des Spitals, geht über die Vorteile eines speziellen Familienzimmers, der dort arbeitenden Hebammen, der Gebärwanne oder dem Angebot für Akupunktur.

Über die eigentliche Geburt reden die Frauen untereinander jedoch wenig – und wenn, dann im Flüsterton, hinter vorgehaltener Hand. Man will einander nicht erschrecken oder gar zu nahe treten. Vielleicht ist es aber auch ganz einfach ein Akt des Verdrängens. Denn die Geburt gehört ja immerhin zu den extremsten Erfahrungen im Leben einer Frau. Die werdende Mutter gelangt an ihre Grenzen. Gebären tut meist abartig weh.

Einer Freundin überkam diese Erkenntnis kürzlich als sie durch die Tür des Uni-Spitals schritt. Sie war auf dem Weg zum Gebärzimmer und bereits mitten in den Wehen. Ihr zweites Kind sollte sie schon bald in den Armen halten. Doch dann bekam sie einen Panikanfall: Die schwere und schmerzhafte Geburt ihrer ersten Tochter kam ihr blitzartig wieder hoch.

Sie erinnerte sich plötzlich wieder an die damals erlittenen Qualen. Die Geburt hatte mehr als zwei Tage gedauert und war voller Komplikationen. Das selbe nochmals? Die Freundin hatte Angst, ihr Körper begann zu zittern und zu brennen. Sie wollte umkehren, sofort. Heimgehen, Beine gegeneinander pressen und von der ganzen Geschichte nichts mehr wissen.

Natürlich gebar sie ihr Kind doch noch. Ihr war aber klar geworden, dass sie die erste Geburt nicht verarbeitet hatte. «Ich hatte dieses absolut traumatische Erlebnis verdrängt.»

Damit ist sie nicht allein: Gemäss entsprechenden Umfragen sollen zahlreiche Frauen noch während Wochen und Monaten danach unter dem Geburtserlebnis leiden. Die Frauen plagen Alpträume und quälende Gedanken. Einige würden gar eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Typische Symptome sind Flashbacks der Geburt, Schlafstörungen – und die Unfähigkeit, vom Erlebten Abstand zu gewinnen.

Das Gefühl von Überrumpelung und Kontrollverlust ist der Grund, weshalb Frauen die Geburt als traumatisch empfinden können. So erklären es die Psychologen. Die Frauen sollten deshalb unbedingt über die Geburt reden, um sie verarbeiten zu können. Mit Freundinnen, der Hebamme, einem Psychologen oder dem eigenen Mann.

In Deutschland macht sich nun ein neu gegründeter Verein dafür stark, dass ein solches Gespräch institutionalisiert wird: Die verantwortlichen Frauen – zumeist Hebammen – wollen, dass das professionell geführte Gespräch zur Nachsorge dazugehört.

Sie sind der Meinung, dass dem Problem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird: Die Belastung einer Geburt für die Frau werde unterschätzt. Jede Frau soll nach der Geburt mit einer Fachkraft über das Erlebte reden können. So könnten Mütter besser mit dem Geburtserlebnis umgehen – und allfällige Traumata verarbeiten.

Was meinen Sie dazu? Sollen Frauen die Geburt psychologisch aufarbeiten können?

gabi15x150Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp»,  freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.

Die Tandemfamilie: Modell «Bullerbü»

Mamablog-Redaktion am Freitag den 30. März 2012

Eine Carte Blanche von Franziska und Martina Brägger*

    Sieben Kinder aus drei Familien: Verfilmung von Astrid Lindgrens Geschichte.

Sieben Kinder aus drei Familien: Verfilmung von Astrid Lindgrens Geschichte. (Bild: Verleih Jugendfilm)

Die Tandemfamilie ist ein Kinderbetreuungsmodell, das einst insbesondere in ländlichen Gegenden selbstverständlich war. Prominentestes Beispiel aus der Literatur ist wohl die Kinderbuchreihe «Wir Kinder aus Bullerbü» von Astrid Lindgren. Diese Erzählung spielt in einem schwedischen Weiler, wo sich die insgesamt sieben Kinder frei zwischen den drei elterlichen Höfen bewegen und überall willkommen sind.

Nun hat das zersiedelte schweizerische Mittelland des 21. Jahrhunderts nicht viel gemein mit dem beschaulichen Bullerbü vergangener Zeiten. Nichtsdestotrotz ist eine verlässliche Tandemfamilie zeitgemässer denn je: Oft wohnen die Grosseltern und andere Verwandte zu weit weg, um zu hüten. Und selbst wenn Grossmütter kleiner Kinder in der Nähe wohnen, sind sie häufig noch berufstätig und haben daher nur beschränkt Zeit, ihre Enkel zu beaufsichtigen. Krippen oder Hortplätze als Alternative sind rar, kosten Geld und haben beschränkte Öffnungszeiten. Die Vorteile eines Betreuungstandems liegen auf der Hand: Es belastet das Budget nicht, die Betreuungszeiten sind flexibler und je länger man sich kennt, desto grösser wird das gegenseitige Vertrauen. Im Idealfall entsteht eine bereichernde jahrelange Freundschaft, von der Eltern und Kinder gleichermassen profitieren. Darum: Höchste Zeit für die Wiederentdeckung der Tandemfamilie!

Die Internetplattform Tandemfamilie ermöglicht seit 2008 die Vernetzung von Familien zur Gründung solcher Betreuungstandems. Einige  wertvolle Tipps, die erfolgreiche Tandems ermöglichen:

  • Nutzen Sie die Möglichkeit, im Profil über sich zu schreiben. Das hilft den anderen Mitgliedern zu erkennen, ob sich die Bedürfnisse beider Seiten in etwa decken.
  • Kontaktieren Sie in erster Linie Familien, deren Kinder ungefähr im gleichen Alter sind wie Ihre eigenen.
  • Verabreden Sie sich beim ersten Mal an einem öffentlichen Ort (Quartiertreff, Spielplatz, etc.). Bei Eltern von Kleinkindern kann ein zusätzliches Treffen ohne die Kids hilfreich sein, um sich in aller Ruhe unterhalten zu können.
  • Damit ein funktionierendes Betreuungstandem zustande kommt, ist eine Übereinstimmung der beiden «Familienkulturen» hilfreich. Insbesondere die Bereiche Ernährung, Esskultur, TV-Konsum, Bewegung und Schlafenszeiten können zu Diskussionen führen. Eine Prise Gelassenheit schadet aber auch nicht.
  • Eltern von Babys und Kleinkindern sollten Zeit für die Eingewöhnung einplanen und sich nicht gleich entmutigen lassen, wenn das Kleine beim ersten Mal in der Tandemfamilie «fremdelt». Sprechen alle andern Faktoren inklusive Bauchgefühl dafür, ist es zumindest ein zweiter Versuch wert (das Baby hat schliesslich auch mal einen schlechten Tag bei der Oma).
  • Ein gemeinsamer Kalender, der regelmässig aktualisiert wird, beugt Chaos und Missverständnissen in zeitlicher Hinsicht vor. Insbesondere bei Veränderungen wie Schuleintritt, neuer Stundenplan etc. muss neu geplant werden.

bräggers*Franziska (l.) und Martina Brägger sind die Gründerinnen der Internetplattform www.tandemfamilie.ch (ehemals www.esgehtauchso.ch), welche Eltern mit Betreuungsbedarf zu Tandemfamilien vernetzt. Martina ist Mutter einer zweijährigenTochter und erwartet ihr zweites Kind. Sie arbeitet als Evaluatorin in der angewandten Sozialforschung. Franziska arbeitet bei der Kinder- und Jugendorganisation Pro Juventute, wo sie Witwen, Witwer und Waisen finanziell unterstützt.

Sandkastenmobbing

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 28. März 2012

Ein Papablog von Maurice Thiriet.

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Für Erwachsene ist der Sandkasten eine ernste Sache: Frau mit Kind. (Bild: Chris P.)

Als sie das erste Mal mit ihrem Hintern seitlich mein Gesicht streifte, hoffte ich, da würde noch mehr kommen. Sie war eine der attraktiveren Frauen auf diesem Spielplatz und ihr welscher Akzent entfaltete bei mir eine leicht aphrodisierende Wirkung. Doch die sollte schnell verfliegen.

Kurz darauf stiess sie in kleinem zeitlichen Abstand wie zufällig dreimal mit ihrem Hintern in meinen aufgeschlagenen «Tagi». Dabei tat sie so, als würde sie die Totenkopf-Sandkuchenförmchen ihres Sohnes einsammeln. Doch sie verstellte sich schlecht und schnell war klar, dass diese Frau keinen Kontakt suchte, sondern mich verscheuchen wollte. Ich verschob mich also folgsam auf einen der weiter entfernten grossen Findlinge, die den Sandkasten abgrenzen, um die Frau nicht zu stören.

Zu Anfang meines Vaterdaseins suchte ich Spielplätze noch in der naiven Erwartung auf, dass sich dort die vielen älteren Mütter über die Erscheinung der wenigen jungen Väter freuen würden. Früher hat es solche schliesslich gar nicht gegeben in der Kinderbetreuung und auch auf Spielplätzen nicht und so erwartete man – wenn schon nicht wohlwollende Begeisterung, dann zumindest – neugieriges Interesse. Man dachte, dass sich leicht Kontakte mit Müttern knüpfen und Tipps austauschen liessen. Ja, man erwartete vielleicht sogar das eine oder andere erquickliche Zwiegespräch zu einem ganz anderen Thema, vielleicht gar einem politischen oder kulturellen.

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Wollen Frauen auf dem Spielplatz unter sich sein? Mütterfront am Sandkasten.

Den Bald- oder Neuvätern unter der Leserschaft sei gesagt: Vergessen Sie’s. Auf dem Spielplatz herrscht kalter Krieg. Die Mütter führen eine Rückzugsschlacht, eine Frontbegradigung und da wird nun mal nicht fraternisiert.

Sie wollen die Väter nicht auf den Spielplätzen haben, weil die Spielplätze für die Mütter eben nicht nur ein Mutterding sind, sondern auch ein Frauending. So wie die Frauenbadi, die Frauendisco, die Frauensauna. Ein Ort eben, den man aufsucht, weil man den Blicken der Männer nicht ausgesetzt sein will. Ein Ort, an dem man ganz Frau unter Frauen sein kann und gar nicht erst in Versuchung kommt, den Ansprüchen der Männer genügen oder ihnen sonstwie gefallen zu wollen.

So ist auch zu erklären, dass auf dem Spielplatz ansonsten aparte weibliche Geschöpfe der Öffentlichkeit unschöne Maurerdecolletés entgegen strecken, als wäre es das normalste der Welt. Oder, dass auf dem Spielplatz die poshsten Direktionsekretärinnen in Crocs und pinken Trainingsanzügen rumschlurfen. Oder, dass Hausfrauen, die im Schwimmbad stets auf die gestreckte oder eingezogene Haltung ihres Bauches achten, auf dem Spielplatz ihren Röllchen und Pölsterchen den Raum lassen, nach dem diese verlangen.

Die Waffen der Frau im Kampf um ihr Refugium Spielplatz sind subtiler Art. So ist es üblich, dass man von Müttern, die man auf dem Spielplatz beim Gespräch stört, mit tadelndem Blicken bedacht wird. Manchmal tun sie so, als verständen sie die Sprache nicht, wenn man sie anspricht. Beliebt sind auch süffisant vorgetragene Bemerkungen, die einen an die eigene Unzulänglichkeit als Aufsichtsperson erinnern («So härzig. Dein Sohn ist seit einer Minute unter Wasser. Was läuft denn da so Spannendes auf Twitter?»).

Bis letzte Woche dachte ich, ich sei mit all den Spielplatz-Mobbing-Methoden vertraut. Doch die schöne Welsche mit dem Hintern belehrte mich eines besseren: Ich musste meinen Sitzstein kurz verlassen, um meinem Jüngsten den Sand aus dem Mund zu pulen. Als ich zurück war und mich wieder auf meinem Findling niederlassen wollte, war der schon besetzt – von einem Sandkuchen in Form eines Totenkopfes.

mauriceMaurice Thiriet (32) ist seit 2008 Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger». 2011 wurde er mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.