Eine Carte Blanche von Mamablog-Leser Marcel Zufferey
Der haushaltende Mann, ein Showman: Georg Marszalkowski und seine 17 Monate alte Tocher Anna posieren am Montag, 20.Oktober 2003, während des Wettbewerbs «Hausmann des Jahres» in Hamburg in der Disziplin «Omelette backen und werfen» für die Medien. Unter insgesamt 2000 Mitbewerbern konnte sich Marszalkowski in der Endrunde, des mit 5000 Euro dotierten Wettbewerbs gegen seine sieben Mitstreiter durchsetzen. (Bild: Keystone)
Es ist unbestritten, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten sowohl das Rollenbild als auch das Rollenverständnis der Frauen nachhaltig verändert haben. Doch was hat sich in dieser Zeit für die Männer verändert? Aus Sicht gemeinsam geführter Haushalte fällt die Antwort ziemlich ernüchternd aus: Nicht sehr viel. Manchmal scheint es fast so, als ob die gesellschaftlichen Veränderungen, die während der letzten vier Jahrzehnte statt gefunden haben, nahezu spurlos an ihnen vorübergezogen sind: Ihre Rolle hat sich weitgehend selbst überlebt. Genauso wie die Haushaltsarbeit grösstenteils an den Frauen hängen bleibt, bleibt die Erwerbsarbeit überwiegend an den Männern hängen. Aus Perspektive von Familie und Beruf führen Männer heute noch annähernd das gleiche Leben, wie vor 150 Jahren: Ihnen fällt immer noch die Rolle der wirtschaftlichen Mehrleister zu und sie tragen immer noch die finanzielle Hauptlast für die Familienhaushalte.
Aufgrund der zunehmend kritischer werdenden Stimmen gegenüber dem Feminismus kommen in gewissen Kreisen Befürchtungen auf, Frauen würden durch diesen Wandel im Geschlechterdiskurs wieder in ihre alte, «traditionelle» Hausfrauenrolle zurückgedrängt. Für dieses Phänomen hat sich allgemein der Begriff Backlash eingebürgert. Doch die darin beschworene Angst ist völlig unbegründet: Frauen auf einen Platz zurückdrängen zu wollen, den sie faktisch immer noch innehaben – nicht selten auch freiwillig, wie vermutet werden muss – ist gar nicht möglich. Entgegen allen Beteuerungen hat der vielbeschworene Fortschritt beim Rollenwandel der Geschlechter in den hiesigen Haushalten nämlich nie wirklich stattgefunden: Manchmal scheint es fast so, als sei er auf halbem Wege stecken geblieben. Auf jeden Fall ist er bis dato nicht viel mehr, als eine sorgfältig inszenierte Legende, der von politischer und publizistischer Seite noch zusätzlich künstliches Leben eingehaucht wird. Umso schärfer zeichnen sich dafür die Konturen der sozialen Wirklichkeit ab, wie sie sich derzeit in Paarhaushalten mit oder ohne Kinder darstellt. Nach vierzig Jahren Emanzipation und Unsummen von Fördergeldern für Frauenprojekte ist die Rollenverteilung hierzulande immer noch bemerkenswert «traditionell» geblieben:
In fast jedem dritten Haushalt mit Kindern (0 bis 14 Jahre) arbeitet der Mann Vollzeit, während die Mutter überhaupt nicht erwerbstätig ist. Erstaunlicherweise findet sich dieses Erwerbsmodell auch in jedem siebten Haushalt ohne Kinder. Bei Haushalten, in denen der Mann Vollzeit-, und die Frau Teilzeit erwerbstätig ist, lässt sich im Rückblick der weitaus grösste Fortschritt verzeichnen: Die Hälfte aller Haushalte mit Kindern praktiziert heute das «Ernährermodell plus», wie es die deutsche Zeit unlängst genannt hat.
Ganz anders präsentiert sich das Bild dieser Haushaltsform allerdings in gemeinsamen Haushalten ohne Kinder: Mit 29,8 Prozent (1992= 32,9 Prozent) hat sich hier im statistisch erfassten Zeitraum von 1992 bis 2007 so gut wie überhaupt nichts verändert! Paarhaushalte, in denen dieses Rollenmodell umgekehrt praktiziert wird (Frau Vollzeit, Mann Teilzeit), werden vom Bundesamt für Statistik in der vorliegenden Studie gar nicht erst erfasst. Hier muss man schon auf deutsche Quellen zurückgreifen: Dort kommt der Anteil dieser Haushalte knapp fünfzehn Mal tiefer oder bei mageren 2 Prozent zu liegen. Kommt man in die Nähe wirklich gleichberechtigter Haushalte, fällt die Kurve des bisher erzielten Fortschrittes beim Rollenwandel der Geschlechter genauso steil ab: Haushalte mit oder ohne Kinder, in denen beide Partner Teilzeit arbeiten, machen hierzulande bestenfalls vier Prozent aus.
Von Familien, in denen sich das «traditionelle» Rollenverständnis gleich ganz umgekehrt hat – sie Allein- oder Haupternährerin, er Hausmann- ist statistisch praktisch noch gar nichts bekannt. «Hausmänner wurden erstmals 1980 erfasst. (…) Im Jahr 2000 liegt ihr Anteil um ein Prozent (1,2%).», heisst es in der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Statistikreihe Demos (2005). Damit liegt also der Verdacht nahe, dass es sich bei Bänz Friedli um den bislang einzigen, real existierenden Hausmann im ganzen Lande handelt. Doch genau genommen ist auch er kein richtiger Hausmann: Wirkliche Hausmänner machen nämlich nichts anderes, als die Kinder gross ziehen, kochen, bügeln, putzen, einkaufen und abwaschen. Ehrensache, dass sie da den Müllsack von ihrer Frau runtertragen lassen!
Wenig erstaunlich ist unter diesen Umständen natürlich auch, dass in lediglich jedem zehnten Paarhaushalt mit- und etwas mehr als jedem dritten Haushalt ohne Kinder beide Partner einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen. Diese Zahlen sind nicht nur alles andere als berauschend, sie werfen auch ein ganz neues Licht auf die weit verbreitete Ansicht, Frauen würden nur aus familiären Gründen Teilzeit arbeiten. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch zurück: Im bezeichneten Zeitraum ist der Anteil der Alleinernährerhaushalte immerhin um durchschnittlich 40 Prozent zurückgegangen!
Der Mamablog dankt Marcel Zufferey für diesen Diskussionsbeitrag
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Wenn man jemanden zu etwas überreden will, tut man dies oft, indem man auf andere Menschen verweist, die in der gleichen Situation sind und in seiner eigenen Ansicht besser handeln, als eben jene Person es tut, die man zu etwas überreden will. Im Fall des Feminismus und der Frauen geschieht dies oft auch. Man sagt z.b. sei etwas freizügiger, die anderen sind das ja auch. Arbeite mehr, die anderen tun das auch.
Aber tun die anderen es wirklich? Für mich klingen solche Überredungstaktiken oft ein wenig Faustianisch. Sei freizügiger (in meinem Interesse), du kannst ja auch arbeiten, um dein Leben selbst zu finanzieren nachdem du deinen Mann (für mich) verlassen hast, und ganz allgemein, das tut ja eh jede andere Frau auch, und ich hab’s übrigens auch ganz dringend nötig.
Ich glaube, schlussendlich ist das fortschrittliche Welt- und Frauenbild sehr oft mehr ein aufgezwungenes Wunschbild, als Realität. Die meisten Menschen wählen ihre Handlungen aus einer bestimmten Menge von vorhandenen Möglichkeiten aus, und die vorhandenen Möglichkeiten sind nur dann vorhanden, wenn sie in der eigenen Erfahrung bereits einmal vorgekommen sind, es andere Vorbilder gibt, oder sonst eine Gelegenheit oder Idee vorhanden ist. Im Fall der Frauen sind traditionell andere Möglichkeiten vorhanden, ein Mann wird wohl noch etwas mehr Widerstand verspüren, sich in die “Abhängigkeit” einer Frau zu begeben indem er auf einen bezahlten Job verzichtet, bei einer Frau ist es bestenfalls eine Tugend und schlimmstenfalls ein vernachlässigbares Kavaliersdelikt, ausserdem kommt ganz klar noch die Schwangerschaft hinzu und die ganz starke Bindung unmittelbar nach der Geburt zu ihrem Kind und der Wunsch, immer in der Nähe des Kindes zu sein. Das ist glaube ich evolutionär und ein Teil des menschlichen bzw. weiblichen Verhaltens.
Ich finde es auch überhaupt nicht schlimm, meine Meinung ist man sollte einen Menschen in seinen Wünschen bestärken, egal um welche Wünsche es sich handelt, ob es ein Dasein ganz für die Familie ist, oder das genaue Gegenteil, oder wie in den meisten Fällen irgendwo dazwischen. Jemand der so von seiner Umwelt gestützt wird hat auch später die Möglichkeit und sicher auch den Mut, aus einem echten eigenen Bedürfnis heraus sich weiterzuentwickeln. Man sollte niemanden schlechtmachen weil er oder sie kein Geld selbst verdient. Alles andere führt doch nur zu noch mehr Vereinzelung und ist das genaue Gegenteil von Arbeitsteilung. Am Ende muss jeder einzelne Mensch jede denkbare Aufgabe allein und ohne Unterstützung erledigen, was ineffizient ist und widersinnig.
Hypothese 517: Es liegt am Omeletten-Werfen! 96 % aller Männer, die ihre Jugend vor dem Fernsehapparat verbrachten, haben mindestens 43 mal in verschiedenen Variationen miterlebt, wie ein Film-Dady, der aus Sachzwängen plötzlich allein für seinen Nachwuch sorgen musste, versuchte Omeletten zu backen. (Keine Ahnung, warum ausgerechnet so eine zeitraubende Mahlzeit, Ravioli aus der Büchse oder Spaghetti mit Fertigsauce hättens ja auch getan.) Wie auch immer, zuerst las so ein Vater das Rezept. Darin stand, es benötige zwei Eier. Die schmiss er natürlich mitsamt Schale in die Schüssel. Beim Mehl flog die Hälfte in der Küche herum. Die anderen Zutaten gelangten, je nach Geschmack des Regisseurs, mehr oder weniger vollständig dazu. Dann kam die Szene mit dem Backen: Selbstverständlich musste der Pfannkuchen werfend gewendet werden, nicht mit der Kelle, und selbstverständlich blieb er jedesmal an der Decke kleben. Ich (Frau) hab das als Jugendlich immer und immer wieder versucht, aber nie geschafft. Wahrscheinlich braucht es dazu eine niedrigere Zimmerdecke, so wie in einem Appenzeller Bauerhaus? Jedenfalls wurden die Männer der fernsehenden Generation schon im zarten Alter davon überzeugt, dass sie niemals in der Lage sein würden, ihre Kinder anstädig zu ernähren, in der Küche meine ich, nicht mit dem Geld. Da haben wir nun den Schlamassel! Und ausgerechnet für den “Hausmann des Jahres” wurde die Szene aus der Mottenkiste geholt…
[MARKED AS SPAM BY ANTISPAM BEE]
– da kommt der Leser wirklich auf super Einfälle
Ich merke jetzt in diesem Moment, dass ich blog.tagesanzeiger.ch deutlich öfter aufrufen sollte
Stargames spielen…
Die besten Stargames Casino Tricks haben wir leider nicht. HAHA….