Leben


Michèle Binswanger am Dienstag den 13. April 2010

Das Good-Cop/Bad-Cop-Syndrom

Partner - die Frage ist nur, wer spielt den Good Cop und wer den Bad Cop?

Partner in der Erziehung - die Frage ist nur, wer spielt den Good Cop und wer den Bad Cop? (Wenn Sie auf das Bild klicken, geraten Sie ohne Umwege zur angeregten Diskussion, die das Foto mit den beiden etwas feschen Ordnungshütern unter unseren Leserinnen und Lesern auslöste. Bis später!)

Was sind Sie? Ein Good Cop oder ein Bad Cop? Wenn Sie wissen, was ich meine, dürfen Sie diesen Absatz überspringen. Für alle andern möchte ich kurz ausholen. Sie kennen das Verfahren vielleicht aus den einschlägigen Filmen. Wird ein Verdächtiger verhört, geschieht das unweigerlich durch zwei Polizisten. Der eine, meist jung und ungestüm, gibt sich aggressiv, brüllt rum, fasst den Verdächtigen hart an, bis er wutschnaubend das Weite sucht. Worauf der meist ältere, väterliche und gesetztere Good Cop auftaucht, sich zuvorkommend und nett gibt, den Verdächtigen wissen lässt, dass er das Verhalten des anderen Cops missbilligt und ihm anbietet, ihn vor ihm zu beschützen. Der so unter Druck gesetzte Verhörte ist so meistens bereit, sich dem Good Cop anzuvertrauen.

Nun ist Erziehung natürlich nicht dasselbe wie ein Verhör – trotzdem ist das Good-Cop/Bad-Cop-Syndrom auch hier weit verbreitet. Im Allgemeinen fungiert der Good Cop als emotionaler Helpdesk, rauscht bei Problemen heran wie die Feuerwehr, tröstet das Kleine über Frust hinweg und lässt auch mal fünf gerade sein. Der Bad Cop ist emotional distanzierter, zuständig für Machtworte und setzt eher die Regeln durch. Kinder, so seine Überzeugung, brauchen nicht nur heile, heile Säge, sondern sie müssen auch lernen, Schmerz, welcher Art auch immer, auszuhalten.

Die meisten Paare kennen diese Rollen, sie wachsen einem zu, genährt von eigenen Werten und Vorstellungen, von Emotionen und Befindlichkeiten, wobei nicht immer, aber sehr oft, die Mütter den Good, die Väter den Bad Cop mimen. Selten sind sie über die Rollenzuweisung begeistert. «Kannst du nicht auch einmal ein bisschen Emotionen zeigen?», beklagt sich der Good Cop oft. «Können wir nicht einfach mal die Regeln durchsetzen?», hört man hingegen oft vom Bad Cop.

Die Frage ist: taugt die Strategie überhaupt zur Erziehung? Zum Glück ja. Laut einer Studie der Universität von Illinois profitieren nämlich insbesondere kleine Kinder vom Schema. Eltern verhalten sich idealerweise komplementär. Der Good Cop sollte dem Kind helfen, über negative Emotionen hinwegzukommen und die Probleme, die sie verursacht haben, zu beseitigen, während der andere sich im Hintergrund hält und dem Kind Raum lässt, seine eigenen Gefühle im Umgang mit der Situation zu entwickeln. Kinder solcher Eltern lernen laut der Studie schneller, negative Gefühle einzuordnen und Konflikte mit Gleichaltrigen zu bewältigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mutter oder der Vater den guten oder den bösen Cop markieren.

Das ist ermutigend, nur gibt es dabei ein kleines Problem. Bei der Verhörmethode sind die komplementären Rollen der Polizisten bloss ein taktisches Spiel, eine bewusste Manipulation des Verdächtigen. Das gemeinsame Ziel, nämlich ihn zum Geständnis zu bewegen, steht nie ausser Frage. In der Erziehung gehen Ehepartner weit weniger strategisch vor.

Als Sprössling einer Psychologenfamilie meine ich, verstanden zu haben, dass man divergierende Meinungen über Erziehung nicht vor den Kindern austragen, sondern unter sich ausdiskutieren sollte, um den Kindern als einheitliche Front entgegenzutreten. Partnerkonflikte haben in der Erziehung nichts zu suchen. Als Partnerin und Mutter weiss ich aber, dass Konflikte im Allgemeinen die notorische Angewohnheit haben, etwaige Grenzen zu überschreiten. Weshalb sie auch aus der gemeinsamen Erziehung nicht ganz auszumerzen sind. Im schlechten Fall wird die Erziehung sogar zum Schauplatz für solche Kämpfe. Im noch schlechteren Fall lernen die Kleinen, diese Konflikte für ihre Interessen zu instrumentalisieren.

Setzen wir aber den guten Fall voraus, nämlich dass die Eltern ihre jeweilige Rolle beim Good-Cop- oder Bad-Cop-Spiel auch als solche begreifen, dem andern die seine zugestehen und das gemeinsame Ziel – eine Partnerschaft zu führen und dabei Kinder grosszuziehen – nicht aus dem Blickfeld verlieren. Wie ist es bei Ihnen? Wer ist der Good und wer der Bad Cop? Und wie kommen Sie mit dieser Rolle klar?

59 Kommentare zu „Das Good-Cop/Bad-Cop-Syndrom“

  1. Auguste sagt:

    hmm…, stell dir vor es gibt ein thema und keine/r geht darauf ein. heute wurde der albtraum eines jeden bloggers im mamablog realität. dass dies ein schweizer blog ist, kommt darin zum ausdruck, dass jemand noch gerne die verweigerung chronologisch geordnet gehabt haben wollte. übrigens, die handschellen-nummer kostet extra***….

    *** hotel papa/märz 2010

  2. Claudia sagt:

    Mein Gott, seit ihr alle eigentlich noch von sinnen?

    • Auguste sagt:

      @ claudia

      hmm…, ich will ja nicht pedantisch sein, aber grammatikalisch wäre ” noch bei sinnen” richtig, wenn sie von einem ausrutscher ausgehen würden. wenn sie uns aber schon länger für einen haufen verrückte halten, dann stimmt “noch von sinnen” natürlich. es gäbe allerdings punktabzug wegen der unfreundlichkeit.

  3. Cara Mia sagt:

    Also Leute, eigentlich wäre das Thema doch interessant, oder etwa nicht? Aber es stimmt schon, die neue Anordnung und die Freischaltedauer bringen die Chronologie durcheinander. Vielleicht könnte man da was optimieren?

    Zum Thema Aufteilung: Wir hatten immer die Regel, dass derjenige der “zuständig” ist, auch das Sagen hat. Die Kids wussten immer genau, wer wann “zuständig” war, also ob die Kinderfrau, der Vater, die Oma oder wer auch immer. Wir haben dann aber auch dem “Zuständigen” nicht drein geredet. Wenn also etwas von jemandem bereits entschieden worden war, dann hat das der andere Erwachsene kommentarlos übernommen und nicht wieder geändert. Das ist wichtig, weil die Kinder sonst den einen gegen den andern ausspielen (” s Mami het aber xeit ass mir das döööörfe…”). Die Kinder wollen Klarheit, und diese Regel war immer klar und hat nie zu Problemen geführt. Es hat allerdings etwas gedauert, bis wir kapiert haben, dass wir eine entpsrechende Regel erstellen müssen ;)

  4. heidi reiff sagt:

    Ich habe mich intensiv mit der Thematik Kindererziehung auseinandergesetzt, die Quintessenz über diese Thematik habe ich in den Büchern von Alice Miller gefunden, die Pionierarbeit geleistet hat für die Rechte der Kinder , die hat aktiv was getan Ihre Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt, das erste Buch “Das Drama des begabten Kindes” das zweite “Am Anfang war Erziehung”.

    Kinder sind so schlau, dass sie sich das holen dort wo sie es am ehesten bekommen, Kinder sind hochsensibel. Ich kenne das
    Szenario aus meiner Vergangenheit, mein kleiner Bruder hat meine Mutter gefragt, Mammi darf ich noch nach draussen spielen
    gehen die Antwort war kommt nicht in Frage, der Kleine geht zum Papa die Antwort gehe nur noch einwenig spielen nach draussen, so werden Kinder verunsichert und zerissen. Nach wie vor sind Kinder die Opfer , da wäre mal eine Psychotherapie für die Eltern angesagt. Kinder schauen sicher nicht ob Papa eine Uniform trägt oder Mama einen Minirock, zum
    Glück sind die noch nicht so verdorben und fixiert auf sog. Outlooks. Ein Maler geht im Ueberkleid arbeiten, wenn er dann Abends in den Club geht kann er sich ja umziehen und eine Krawatte oder eine Fliege umbinden.

    Ich kleide mich so wie es mir wohl ist im Körper, ich mache das Modeaffentheater nicht mit .

    Ich habe meine Kinder antiautoritär sozialiesiert aus meinem inneren Empfinden, meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich….. Kinder provozieren gern und möchten einfach Grenzen ausprobieren….. Kinder sind keine Tyrannen ….. Wir müssen destruktive Muster nicht wiederholen…. besser machen oder anders ist eine Lösung, es war halt immer so ist die verlogene Tradition lässt grüssen, hinter der Grandiosität lauert die Depression, eine logische Konsequenz.

    • Buddyguy sagt:

      Kannst du mir das genauer erklären? Einerseits sollen Kinder schlau sein und holen sich es dort, wo sie es bekommen – andererseits sollen sie dadurch verunsichert und zerissen werden ja dadurch sogar zu Opfern?

      Ich erachte es geradezu als notwendige zu erlernende Sozialkompetenz, dass ein Elternteil-Nein nicht per se ein NEIN ist und bleibt. Wann sonst soll man lernen für eigene Überzeugungen einzustehen? Ein Elternteil-Nein ist mal eine Meinung, die dem des Kindes widerspricht. Das andere Elternteil-Ja ist eine weitere Meinung…. und jetzt gilt es, hat man tatsächlich gegenseitigen Respekt und Achtung, eine für alle akzeptable Lösung zu finden.

  5. acai sagt:

    Good Cop Bad Cop in diesem Zusammenhang :D ….
    Ich weiss ja nicht, ob das etwas weit hergeholt ist..

    • Buddyguy sagt:

      Finde ich auch. Schon nur die Vorstellung “ich bin dein Vater, hier gilt mein Gesetz” lächert mich. Das mag ja noch so gehen in den ersten paar Lebensjahren…. das sind dann diejenigen Eltern, die jammern, dass ihr Teenager macht was er will und nicht mehr mit ihnen spricht.

  6. Pippi Langstrumpf sagt:

    Eltern als Cop; abartige Vorstellung…..

  7. Tiefenschärfe sagt:

    Wow, ein paar Landpomeranzen glauben für alle Frauen zu wissen, dass eine Frau im Minirock diskriminierend ist. Und schwupp, wird die weltweit hässlichste Polizeiuniform gewählt, die Deutsche. Ich persönlich finde Hose unter Rock, Zoccoli und Henna-Haare genau so eine Frechheit meinem Empfinden gegenüber.

  8. Pat Stepmother sagt:

    Ich kenne diese Situation nur allzu gut. Mein Partner ist seit über 10 Jahren geschieden und jedes zweite Wochenende sind seine pubertierenden Kinder zu Besuch. Ratet mal, wer dann jeweils der bad cop spielen darf? Genau, die sprichwörtlich böse Stiefmutter. Wobei es ganz ‘normale Kinder’ sind die sich halt gewohnt sind, beim Papa alles tun und lassen zu können und auch mal ihre Grenzen austesten. Die Mamma (also die leibliche) darf dann unter der Woche wieder alles zurechtbiegen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass solche Wochenende alles andere als erholsam und beziehungsfördernd sind.

  9. John sagt:

    Oh mein Gott, wahrscheinlich wurde einfach kein besseres Bild bei einer Fotobörse auf die schnelle gefunden, who cares?

    Nicht immer so verbissen sein tut dem Herzen und der Seele gut :)

    Ich für meinen Teil find das Foto auf jedenfall gut gelungen.

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