Leben


Nicole Althaus am Donnerstag den 18. März 2010

Stillen bis zum Schuleintritt?

Die natürlichste Sache der Welt? Die achtjährige Bettany an Mamas Brust. Still aus dem Dokumentarfilm "Extraordinary Breastfeeding"

Die natürlichste Sache der Welt? Die achtjährige Bettany an Mamas Brust. Still aus dem Dokumentarfilm «Extraordinary Breastfeeding»

Das Bild eines Babys an der Brust seiner Mutter ist längst zum Sinnbild von Mutterschaft schlechthin geworden. Das Bild eines Schulkindes am Mutterbusen hingegen ist ein Garant für hitzige Diskussionen. Nicht umsonst hat der  Dokumentarfilm «Extraordinary Breastfeeding», der eine Mutter begleitet, deren achtjährige Tochter noch regelmässig an der Brust nuckelt, das Langzeitstillen vor zwei Jahren über Nacht zum Smalltalkstoff in jedem Pub Grossbritanniens gemacht.  Letztes Wochenende nun sorgte ein Artikel über das Buch «Breastfeeding Older Children» der Autorin Ann Sinnott für eine Neuauflage der Debatte im angelsächsischen Raum. Man könnte gar von einer Offensive des Still-Kulturkampfes sprechen, den wir auch hier im Mamablog thematisiert haben. Die Fronten sind klar:  Sie lassen sich auf die Quintessenzen «total natürlich» auf der einen und «total pervers» auf der anderen Seite reduzieren.

Aber zurück zur Quelle, zum Busen also. Autorin Ann Sinnott umkreist ihn dialektisch. Sie stellt in ihrem Buch durchaus interessante Fragen: Stillen Mütter aus eigenem Bedürfnis nicht ab? Oder lassen sie den Nachwuchs zur Brust, weil es diesem gut tut? Profitieren Kinder, die Beisserchen haben und normal essen können, gesundheitlich überhaupt noch von der Muttermilch? Was richtet Langzeitstillen in der Partnerschaft an? Sind Männer zurecht irritiert, wenn Schulkinder noch an Mamas Busen hängen? Nur um darauf allerdings die in ihren Augen einzig gültige Antwort zu geben: Langzeitstillen sei wichtig und richtig. Die natürlichste Sache der Welt, die in vielen Ländern auch heute noch ganz selbstverständlich gepflegt werde. Die Stigmatisierung von stillfreudigen Müttern sei nichts weniger als ein «kulturelles Vorurteil» und eine «Missachtung eines natürlichen weiblichen Bedürfnisses».

Prompt wird die Autorin von Stilllobbys wie die La Leche Lega und auf diversen Stillseiten und  Momblogs als «Göttin des Stillens» bezeichnet, als Verfasserin der neuen Stillbibel, ja sie wird zur feministischen Ikone hochgeschrieben, die sich sozusagen für die Urbedürfnisse einer jeder Mutter stark macht und ein gesellschaftliches Paradigma umstösst.

Ist das tatsächlich so? Würden wir Mütter am liebsten unsere Kinder bis zur Volljährigkeit stillen, wenn man uns nur liesse? Entschuldigen Sie meinen Zynismus, liebe Leserschaft, aber die süsse Muttermilch stösst mir mittlerweile etwas sauer auf. Vor allem wenn sie gar nicht mehr versiegen will und mit dem obligaten Argument «das-machen-die-Ureinwohner-von-Papuaneuguinea-auch-so» verabreicht wird.

Ich bin ja durchaus eine Freundin von Autoren, die kulturelle Paradigmen hinterfragen und umstossen. Und ich zeige auch nicht mit dem Finger auf Mütter, die ihre Kinder ein Jahr und länger stillen. Aber ich bin skeptisch, wenn gut ausgebildete und gut genährte Frauen, die alle Vorzüge der industrialisierten westlichen Welt geniessen, total selektiv und meist in Mutterbelangen die weiblichen Sitten in Entwicklungsländern zum Vorbild erheben. Auch wenn laut WHO Kinder weltweit gesehen durchschnittlich erst im Alter von vier Jahren abgestillt werden: Ein vierjähriges Nintendo-DS-spielendes Kind in London hat wenig gemeinsam mit einem vierjährigen Kind in einem ländlichen Gebiet, in dem das Trinkwasser womöglich verschmutzt ist.

Darüber hinaus finde ich es geradezu dumm, um nicht zu sagen fahrlässig, wenn man Emanzipation neuerdings auf prall gefüllte Brüste und die weibliche Aufzuchtslust reduziert. Eine Autorin, die wie Sinnott, allen Ernstes Sätze schreibt wie: «Durch die Mutterschaft mit einer funktionierenden Brust im Zentrum kann eine Frau besser zu sich finden.», hat für meinen Geschmack ein etwas zu Oberweite-fixiertes Frauenbild, um als neue feministische Ikone gefeiert zu werden.

Ich glaube nämlich nicht, dass Sinnots bewegte Geschlechtsgenossinnen einst Büstenhalter verbrannt haben, damit sich die nachfolgenden Generationen  nun lebenslänglich den Still-BH umschnallen. Und Sie?

Lesen Sie auch: Die Schreckensherrschaft stillender Brüste

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360 Kommentare zu „Stillen bis zum Schuleintritt?“

  1. Eni sagt:

    @ monika Kanada

    Natürlcih hat es Schadstoffe in der Muttermilch, aber die hat es leider überall. und es kann doch nicht sein, dass man sich von einer stillneidischen Schwiegermutter sich sowas anhören muss. Wenn man jahre lang die eigene brut zuhause zugeschlotet hat, muss ich mir sowas wirklch nicht anhören. Sie hat es eine frechheit gefunden, dass ichsie gebeten habe nicht inder Wohnung zu rauchen wenn wir zu bei ihr auf besuch waren, da habe ich halt damit gedroht, dass ich und meine Kinder nicht mehr kommern würden, so einfach.

  2. Roland Strasser sagt:

    Mensch, Eni, Du hattest ja auch nicht leicht mit deiner Familie und Partner!

    Ich frage mich langsam, welche Frechheit sich gewisse Schwiegereltern rausnehmen, nur um im Leben ihres Sprösslings weiter einen Einfluss nehmen zu können.
    Ich habe dies fast mit allen meinen Freundinnen erlebt, die Eltern brachten siech so stark in die Beziehung ein, dass es eine Belastung für die Partnerschaft war. Zwei Beziehungen gingen bei mir so in die Büche: einmal, weil ich mit dem kranken, selbstsüchtigen Haufen (unter dem auch meine Freundin litt) einfach weniger zu tun haben wollte, sprich: keine Familienfeste jedes zweite Wochenende, die können auch zu uns nachhause kommen,w enn sie Zeit mit uns verbringen wollen. Das andere Mal konnte der Vater meiner Freundin (Einzelkind) trotz gespielter Freundlichkeit, mich nicht ausstehen. Die Mutter hatte es am lebsten, wenn ich zwar anwesen war, aber nur so als dekorativs Element ohne Stimme und Bedürfnisse. Jede Minute des Zusammensein war eine Qual. Beim ersten Anschein eines Kriselns hat sich die gute Frau dann natürlich dem Rat der Eltern angeschlossen und sich getrennt, weil ihre “Gefühle halt einfach nicht mehr dieselben wie am Anfang” waren.

    Wohingegen meine Eltern einfachjede Frau an meiner Seite akzeptiert haben und sich Mühe gaben, edas ach zu zeigen.

    Tzzzzzz…

  3. Eni sagt:

    @ Roland Strasser

    Ja es ist schon krass. Heute muss ich einfach einsehen , dass meine Ex-Schwiegermutter in ihrem ganzem Leben nichts richtig gemacht hat und deswegen auch so ein böser Mensch ist. Bei meinem Ex -Mann ist es so, dass er in seinem beschissenen Leben noch nicht einmal versucht etwas richtig zu machen und allen anderem die Schuld geben kann an seiner situation. Vorher habe ich immer alles für ihn richtig zu machen versucht und konnte es nicht, ich glaube, niemand kann das weil es nie genug ist egal wie viel man gibt und wie vil man tut.

  4. Beat sagt:

    Grundsätzlich ja, sofern die Mutter für das jüngste Kind dann noch genügend Milch zur Verfügung hat. Ich glaube kaum dass Muttermilch einem Kind (jeglichen Alters) schadet; für Mütter ist es ein angenehmes Gefühl wenn sich auch z.B. ein 8 Jahre altes Kind noch stillen lässt.

  5. cornelia schneider sagt:

    falls es eine tatsache ist, dass schoppenmilch innere blutungen auslösen kann (habe ich zwar noch nie gehört), dann hat das doch nichts damit zu tun, dass man nicht stillen WOLLENDEN müttern ein schlechtes gewissen machen will. das machen sie sich dann schon selbst. aber wenn dies nun wirklich so ist….. würde dies sicher vermehrt von den schoppen-gegnern als argument gebracht.

    man hat’s ja am skandal in china gesehen…. künstliche milch kann leider auch zusatzstoffe drin haben, die eben doch nicht so gut für babies sind. natürlich kann man china nicht mit europa vergleichen, was inhaltsstoffe in lebensmitteln angeht, klar. aber grundsätzlich ist da die mumi sicherer als gekaufte milch. und nein, das ist kein schlechtes-gewissen-einreden, das ist eine tatsache. und ja, keine regel ohne ausnahme zu welchen ich z.b. rauchende, saufende und drogenabhängige mütter zählen. deren muttermilch ist für mich als laie sicher nicht gesund.

  6. Stillmama sagt:

    Mein Sohn 5 1/2 stillt auch noch. Aber nicht mehr alle drei Stunden. :-)
    Natürlich kann ich auch mal ein Wochenende ohne ihn weg (ja, auch ohne Milchstau) und wenn er mal ein, zwei Tage nicht stillt, macht es mir nichts aus (im Gegenteil).
    Ich hätte nichts dagegen, wenn er sich abstillen würde. Sehe aber keinen Grund, warum ich dies forcieren sollte.

    Aber natürlich würd ich auch noch in den Schulpausen in die Schule gehen zum Stillen. Und selbstverständlich kann seine Freundin mit 18 auch noch ins Familienbett kommen.

  7. Widerspenstige sagt:

    @cornelia schneider

    Das mit der Schoppen-Fertigmilch und den inneren Blutungen trifft bestimmt nicht auf hiesige Verhältnisse zu. Glauben Sie mir, ich habe Erfahrung darin, da ich meine drei Kids damit wunderbar ernährt habe neben meiner vollen Berufstätigkeit als Selbständigerwerbende. Es hat sich ergeben, dass ich höchstens bis 3 Monate stillen konnte und deshalb rasch auf diese Schoppen-Fertigmilch umgestellt habe. Produkte von ‘WANDER’ sind Qualitätsprodukte und können Sie getrost nehmen, denn diese sind zu 100% geprüft hier in der Schweiz. Ich bin sonst sehr skeptisch solchen Fertigprodukten gegenüber – glauben Sie mir.

    Es scheint mir mehr als sträflich zu sein, dass damit Unsicherheiten bei jungen unerfahrenen Müttern geschürt werden. Jede verantwortungsvolle Mutter hat einen sicheren Instinkt – weibliche Intuition nennt sich das – wie lange sie stillen möchte und auch stillen kann. Ich betrachte es als sinnvoll, wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, dass langsam auf feste Nahrung umgestellt werden kann. Wer zu lange dem Kind ’seinen Willen’ lässt – aus welchen Gründen auch immer – lernt nicht, für sich als Mutter und gleichzeitig auch das Kind, wichtige Grenzen zu setzen. Das beginnt nach meiner Erfahrung bereits beim Stillen bzw. Abstillen.

  8. cornelia schneider sagt:

    @widerspenstige
    ja, das habe ich auch geschrieben, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass die schoppenmilch sowas auslösen kann hier in europa. wäre ja skandalös…..
    Man kann ja mit festen Mahlzeiten beginnen ohne mit dem Stillen aufzuhören. Ein gesunder Mix ist immer noch das Beste.

  9. Eni sagt:

    @ Cornelia Schneider

    Der Milchpulverskandal in China war nur deswegen ein Skandal, weil die Opfer aus höherer Schicht stammten, wären es arme bauern gewesen, hätten sie zu hunderten sterben können und es hätte niemanden gekratzt.

    Seit ich denken kann, sterben die Minenarbeiter in China wie die Fliegen, weil es keine Sicherheitsvorschriften gib und die Minen baufällig sind. Und die Regierung machts nichts, warum auch? Menschenmaterial hat es mehr als genug und erst noch gratis, wohingegen bessere Stützen und anderes viel Geld kosten

  10. cornelia schneider sagt:

    @eni
    ich will ja nicht wissen, was die alles so in ihre fertigprodukte mischen in asien….. ja, da hast du leider recht, ein menschenleben ist in china kaum etwas wert. ein tierleben leider gar nichts.

  11. Eni sagt:

    @ Cornelia Schneider

    Hans wie Heiri. Wer Tiere schlecht behandelt, ist auch zu den Menschen nicht gut. Jeder perverse Sexualmörder hat seine Karierre mit Tierquälerei gestartet. Veilleicht sollte man da mal drauf achten, wenn Tierquälerei bestraft wird.

    • Matthias sagt:

      Ich habe den Jägern auch schon immer misstraut. Ich bezweilfe das die irgendwelche Skrupel hätten Menschen grundlos zu erschiessen (abgesehen von der Angst dafür ins Gefängnis zu kommen).

  12. Lea sagt:

    @Eni: “Jeder perverse Sexualmörder hat seine Karierre mit Tierquälerei gestartet” – ich weiss nicht… ist das nicht etwas uebertrieben?

  13. Eni sagt:

    @ Lea

    Nein, das ist bewiesen durch irgend welche Studien?

  14. Lea sagt:

    @Eni: ich kenne keine Studien zu dem Thema. ich fand Ihre Behauptung etwas übertrieben. Sicher kann gesagt werden, dass bei Gewalttaten Vorzeichen oder Vorhandlungen auf die Störung hinweisen. Nur sehe ich ehrlich gesagt nicht, wie sauber ein Zusammenhang nachgewiesen werden kann. ich stehe grundsätzlich Statistiken, die nur korrelieren, misstrauisch gegenüber, da kein Kausalzusammenhang bewiesen wird.

    Na ja. dass in Massenprodukten oft Schädliches versteckt ist, ist nichts Neues. Leider hat China da einen ganz schlechten ruf. da muss ich Cornelia Recht geben.

  15. Eni sagt:

    @ Lea

    Also habe da mal einen Artikel gelesen über solche die Menschen zerstückelt haben und so und gemäss diesem Artikel sind diese Menschen in früheren zeiten aufgefallen durch Tier quälerei. nicht alle Tierquäler enden als Mörder aber alle Zerstückler haben als Tierquäler angefangen.

  16. Lea sagt:

    @Eni: Ok. sie sind aufgefallen damit. oder einige. Ich bin nicht Psychologin. ich vermute aber, dass solche Taten oft etwas mit Macht (bzw. Machtlosigkeit) und mangelnde Zuwendung im Kindesalter zu tun haben.

    das soll jetzt nicht so verstanden werden, dass das die Taten entschuldigt. möglich ist aber, dass Intervention bei Frühzeichen manchmal solche Gräuel verhindern könnten.

  17. Eni sagt:

    @ Lea

    Klar, Sadismus beginnt in der Kindheit und solange man es harmlos findet wenn ein Kind einer Maus den Kopf abreisst oder einen Vogel an den baum nagelt mit dem Ausspruch, dass es ja nur ein Tier seie, solange wird sich das ausbreiten, weiter enwickeln. Wenn dann die Gelegenheit kommt das mit Menschen auszuprobieren……………. wird sie am Schopf gepackt

  18. Lea sagt:

    @Eni: Dann müsste also beim Kind interveniert werden. Deine Beispiele erscheinen mir drastisch genug für einen solchen Schritt.

  19. Eni sagt:

    @ Lea

    Genau, wehret den Anfängen

  20. Sonia sagt:

    Wie in aller Welt kommt eine Mutter darauf ihr Kind so lange zu stillen? Da gibt es absolut kein vernünftiges Argument das dafür spricht!

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