Zum sozialen Zündstoff kommt nun noch der Lehrkräftemangel hinzu: Blick in eine Zürcher Sekundarstufe. (Bild: Keystone)
Man wird ja in der Schweiz gern angeschossen, wenn man Kritik an der Sekundarstufe übt. Nicht weil die Oberstufe ohne Fehl und Tadel wäre, sondern weil das duale Bildungssystem mit der Berufslehre neben der universitären Ausbildung in diesem Land fast ebenso identitätsstiftend ist wie Willhelm Tell. Ja, das Modell Sekundarschule und Berufslehre gilt als einer der Erfolgsfaktoren der Schweizer Wirtschaft. Und das wohl nicht zu unrecht.
Umso tragischer, dass die Sekundarschule in den Augen vieler Eltern heute nicht mehr als Wunsch-Bildungsziel für den Nachwuchs gilt. Der soll, wenn irgend möglich, ins Gymi. Man erklärt dieses Phänomen gern mit der übertriebenen Bildungsangst der Eltern in Zeiten der Globalisierung. Oder aber mit dem erzieherischen Optimierungstrend, der die ersten Karriereschritte ins Kinderzimmer vorverlegt hat. Beides mag durchaus seinen Teil zur Konjunktur der Gymnasien beigetragen haben. Allein aber erklären sie nicht, weshalb der Bildungswert der Sekundarschule innerhalb einer einzigen Generation so massiv hat einbrechen können.
Seit mein eigener Nachwuchs eingeschult ist und ich mich zwangsläufig vemehrt mit unserer Volksschule beschäftige, glaube ich nicht mehr, dass diffuse, theoretische Ängste die Eltern in die Arme von Lernstudios oder privaten Oberstufen treiben, sondern vielmehr ganz konkrete Einblicke in eine Bildungsstufe, die fast nur noch negative Schlagzeilen generiert: Der Schlägertrupp, der im vergangenen Dezember in Luzern die Polizei auf Trab hielt, bestand aus Sekundarschülern aus Luzerner Agglomerationsgemeinden. Die Jugendlichen, die sich in Wädenswil im Sommer letztes Jahr an einem Mädchen vergriffen, besuchten die Oberstufe in der Seegemeinde. Die brutalen Schläger von der Goldküste hatten vor kurzem die dortige Oberstufe abgeschlossen. Man könnte diese Liste beliebig verlängern.
Die Sekundarschulhäuser, einst Ausgangspunkt einer typischen Schweizer Berufskarriere, sind zu Problemschulen geworden. Zum sozialen Zündstoff kommt nun noch ein personeller Notstand dazu: Der Schweiz fehlt es an Oberstufenlehrkräften. Um die Auflösung von Sek-Klassen zu verhindern, stellen die Behörden aller Kantone vermehrt Primarlehrerinnen ein, die für diese Aufgabe nicht ausgebildet sind. Laut «NZZ am Sonntag» besitzt in den Kantonen Luzern und Solothurn ein Drittel der Oberstufenlehrkräfte kein Sekundarlehrerpatent. Im Kanton Zürich steht jeder achte Lehrer oder Lehrerin ohne entsprechende Ausbildung vor einer Sekklasse. Mit fatalen Konsequenzen: Die Lehrer sind stofflich überfordert, sie kämpfen häufig mit massiven Disziplinarproblemen – gerade weil die unerfahrenen Einsteigerinnen und Einsteiger gern in die unbeliebten Niveau B und C-Klassen gesetzt werden, welche die erfahrenen Lehrer nicht übernehmen wollen. Und sie hängen ihren Beruf bald wieder an den Nagel. «Eine Primarlehrkraft in der Sekundarschule», lässt sich Anton Strittmatter vom Schweizer Lehrerverband zitieren, «das kann im Einzelfall gutgehen.» Im heutigen Ausmass sei das aber hochproblematisch. «Es droht ein massiver Einbruch der Schulqualität.» Entspannung ist nicht absehbar. Im soeben erschienen Bildungsbericht jedenfalls ist zu lesen, dass «sämtliche pädagogischen Hochschulen zusammen nicht genügend neue Lehrkräfte ausbilden, um den Bedarf längerfristig zu decken.»
Das sind keine Worte, die Eltern ermuntern, stoisch an die Oberstufe zu glauben, den Kern des dualen Bildungssystems. Und ehrlich: Wer kann bei solchen Voten von Seiten der Schulbehörden, Eltern nicht verstehen, die alles daran setzten, ihr Kind erfolgreich durch die Gymiprüfung zu lotsen?
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Ich stimme dem Blog voll und ganz zu und füge dennoch hinzu: Es hat auch zu tun damit, dass wir einen Bodensatz von lernfaueln, bequemen, superverwöhnten und sich selbst überschätzenden Jugendlichen herangezüchtet haben, die mehr oder weniger lernunwillig sind und die dann, in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren tragischerweise die Nase angestossen und sehr viel verpasst haben.
@ pippi
hmm…, nachtrag: das faz feuilleton ist auch der meinung, dass a. muschg keine besonders glückliche figur abgibt mit seinem standpunkt. was ubuntu angeht, fragen sie doch einfach mal lea wie man ihren web-browser ein bisschen auf touren bringen könnte – sie weiss alles. oft surft sie ja noch zu später stunde mal hier vorbei – manchmal überraschend wie ein kleines gewitter.
@pippi: Du hast vielleicht Recht mit der Steiner Schule, aber ich habe mich schon gefragt, wie ein einziger Lehrer mit fast vierzig Kinder klarkommen will. Bei allem guten Willen, wie hat er da Zeit für das einzelne Kind?
Hochbegabung sagt halt nur etwas über den IQ und die Auffassungsgabe aus, nichts über das Kind, die sind so unterschiedlich wie alle andern. Meine Tochter ist auch noch sehr kindlich, überhaupt nichts von frühreif, und ihr Hobby sind die Pfadi. Schule ist lästig. Ein anderer Junge, den wir kennen mit gleichem IQ legt überall Bestnoten hin und will nichts als Lernen, wahrscheinlich weil er gemerkt hat, dass seine Eltern das so toll finden. Er ist ein wenig der Star Zuhause, weil keiner sonst die Matur gemacht hat. Man kann es wohl mit einem langbeinigen, leichten Menschen mit guter Herzleistung vergleichen, der halt dennoch keinen Spass am Langstreckenlauf hat, allen Voraussetzungen zum Trotz.
@Anastasia: ich fände ein einheitliches System auch gut, vor allem, wenn es regelmässiger und ruhiger wäre. Aber eben.
schade, dass die blog-dauergäste interessante beiträge von nicht-allzeit-bloggern einfach ignorieren oder mit einer undifferenzierten bemerkung abtun.
immer beklagen alle ihr eigenes leid, immer die selben geschichten.
kennt denn von euch niemand lehrpersonen? ihren alltag, was die alles leisten? soll denn die schule immer für das versagen der gesellschaft (uns allen!) hinhalten? hallo?? wie würdet ihr euch fühlen, wenn man euch die ganze zeit in euren beruf dreinreden würde?
und wieso macht ihr nicht gleich selbst eine schule auf? genug “fach”kenntnisse scheinen ja vorhanden. und dann könnte man sich ja gleich selbst als lehrer betätigen und schauen, wie man das so hinkriegt. und dann, dann würde ich die diskussion gerne nochmals von vorn führen.
also ich finde das dauer-lehrer-bashing einfach voll daneben.
@Ana
Da hast du etwas missverstanden, es geht hier für einmal nicht um die Lehrer, sondern um die KINDER, UND WAS SIE BRAUCHEN!
Kritik ist nicht immer gleich Bashing, und ein bisschen Kritik schadet den kleinen Königen im Schulzimmer gar nicht.
Eine gute Freundin von mir ist übrigens studierte Heilpädagogin, früher war sie lange Jahre Lehrerin, wir sprechen oft über die Schule, ich sehe diese Seite durchaus. Ich war auch keine dieser Mütter, die dauernd im Türloch stehen, kaum ist die Schule aus, ich war jeweils froh, wenn Lehrer und meine Kinder den Rank allein fanden, ich konnte als Aussenstehende auch nicht wirklich etwas tun. Was mir entschieden auf den Wecker geht, ist die Wehleidigkeit von vielen Lehrer/Innen, das quasi Beleidigtsein darüber, dass nicht fertig dressierte Kinder abgeliefert werden. Ja, Schule geben ist anstrengend, wie andere Berufe auch!
@Auguste
Bin froh, dass die FAZ für einmal keine Beisshemmung hat gegenüber den Intellektuellen. Ich werde meinen Sohn fragen wegen des Ubuntu, er hat es mir installiert.
@Ana: Es sind ja nicht die Lehrer, sondern es ist das Schulsystem und dass da immer gespart wird. Es gibt unzählige Lehrer, die genauso darunter leiden, Burnouts haben und so weiter. Es ist schade um diese vielen engagierten jungen Leute, die sich um die Kinder kümmern wollen, und denen mit diesem Sch…system ebenfalls das Leben schwer gemacht wird.
Die Schweiz muss sich endlich zur Bildung bekennen und investieren, nicht nur immer in den Strassenbau.
@Cara Mia
Es geht mir auch nicht unbedingt um die Steiner Schule, das antroposophische Konzept kenne ich viel zu wenig, um mir ein abschliessendes Bild zu machen. Ich stelle einfach immer wieder fest, dass Kinder aus diesen Schulen einen ruhigeren, zufriedeneren Eindruck machen, sie sind locker drauf und unbeschwerter, das gefällt mir, weil ich mir für alle Kinder wünsche, dass sie nicht zu früh unter Druck kommen.
Ich war zeitweise so verzweifelt, dass ich alle Register zog, habe sogar Kontakt aufgenommen mit Zoe Neill, der jetzigen Leiterin von Summerhill, ich wäre bereit gewesen, meinen Sohn nach England gehen zu lassen. Leider war er dann schon über das Aufnahmealter hinaus, dort werden Kinder bis zum 12. Lebensjahr neu aufgenommen, Ausnahmen, wenn sie freie Plätze haben. War leider damals nicht der Fall. Summerhill ist für mich ein leuchtender Stern am Firmament, auch wenn ich weiss, dass sowas nur in einem Internat möglich ist. Ich hatte auch Kontakt mit einer Ärztin aus Deutschland, sie erzählte mir, wie ihr Sohn, der so litt in der Schule, in Summerhill aufgeblüht ist, wie glücklich sie seien in der Familie, diesen Entschluss damals gefasst zu haben. Zoe Neill empfahl mir dann die Steiner Schule, weil es in der Schweiz sonst nichts vergleichbares gibt.
Mein Sohn wollte ins Langgymi, hat die Aufnahme locker geschafft – aber nach bestandener Probezeit die Promotion nicht mehr. Kurz: Er musste in die Sek. Dort hatte er zwei engagierte, junge Lehrer, die ihn insbesondere auch ein wenig auf den Boden der Tatsachen haben holen können – ich gehe davon aus, dass wir Eltern ihn etwas überbehütet haben.
Er hat erlebt, wie seine Spielkameraden angefangen haben zu Rauchen und zu Saufen – aber nur einige wenige. Er hat einfach nicht nur Licht, sondern auch Schatten gesehen – und ich glaube, das hat ihm sehr viel gebracht. Mehr als nur eine Nase voll Realität. Er hat sogar eine Schnupperlehre gemacht.
Jetzt hat er die Aufnahme ins Kurzgymi geschafft und auch die erste Promotion. Er ist viel reifer als vor 2 Jahren. Und er hat absolut kein Problem, mit den Langgymelern mitzuhalten – Stoff hat er keinen verpasst ausser Latein. Ich bin jedenfalls nach wie vor überzeugt von der Sek-Stufe.
Was viele gar nicht wahrnehmen ist das zunehmende Intellekt eines durschnittlichen Bewohners in der Schweiz. Die Vorstellung von von früher, es reiche, sich bloss im Beruf gut auszukennen, hat ausgedient. Die heutigen Eltern sind intelligenter und verfügen über ein breiteres Allgemeinwissen als die älteren Generationen. Dementsprechend bewegt sich der Tachometerder Grundausbildung in Richtung Allgemeinwissen als Fachwissen.
Zudem liegt der Grund von geringeren negativen Gegebenheiten aus Gymis darin, dass Menschenverständnis, Sozialwerte und das Verständnis von komplexen Angelegenheiten vertieft gelehrt, aber besonders diskutiert werden. In der Sek wo, ich muss Mia Cara zustimmen, die Lehrkräfte bis zum letzten Nerv ausgelastet sind und zusätzlich sogar nicht leistungsgerecht entlöhnt werden, muss man damit rechnen, dass delikate Themen wie Gewalt und Sexualität nicht hintergründig genug diskutiert werden können, weil die Schüler eh keine Lust zum Zuhören haben. Kein Wunder, stehen die meisten Schlagzeilen mit Sekabgängern statt Gymischülern in Verbindung.
Mich freut es sehr, dass sich heutige Eltern zunächst fürs Gymi entscheiden. Das “erfolgreiche” Konzept der Sek mit drauffolgender Lehre liegt meiner Meinung nach nicht in seiner Wirtschaftlichkeit, sondern im politischen Potenzial der Manipulierbarkeit. Wie kann man sich sonst erklären, dass die Schweiz eines der letzten Weststaaten ist, welches das Frauenstimm- und wahlrecht anerkannt hat? Oder dass sich niemand darum kümmerte, was in den Banken lief, während verseuchte, hinterhältige und egoistische Regierungschefs aus anderen Ländern ganze Staatspleiten verursachten weil sie das Steuereinnahmen privat hier ablegten? Oder ganz zuletzt: wie leicht manipulierbar muss ein Volk sein, um ihn einreden zu können Ausländer seien grundsätzlich böse und Minarette eine echte Bedrohung. Wacht auf: Die Schweiz braucht eine nationale obligatorische Matura (egal ob Berufs- oder normale Matura, hauptsache überhaupt eine Matura), nur so kann man von direkter Demokratie sprechen.
@Ana
Ich kenne Lehrer und Lehrerinnen. Was eine Lehrperson ist, weiss ich hingegen nicht.
Aber ich habe festgestellt, dass unsere Erziehungsdirektion einen aufgeblähten Wasserkopf von gescheiterten IV-fälligen Lehrern durchfüttert, der jahraus-jahrein nichts zu tun hat ausser Wörter wie “Lehrperson” zu erfinden und den Lehrern bei der Arbeit dreinzureden mit besserwisserischem Psycho- und Pädagogikgewäsch.
@Michael Baumann
Sie vergessen noch zu erwähnen woher der Bodensatz von lernfaulen kommt.
a) Bildungsferne Migrationshintergründler. Sie lernen von den Eltern, dass Schule überflüssig ist.
b) Kinderlein von doppelverdienen wohlhabenden Eltern, die von Anfang an lernen, dass man sowieso alles geschenkt bekommt – aufgezogen in Kinderkrippen statt von richtigen Erwachsenen erzogen.
c) Mit dem Larifari auf den Pausenplätzen versiffte Kiffer.
Ich bin Lehrerin (U-Stufe). Die Typen, welche Max erwähnt sind mir in all den Jahren nie begegnet. Wohl aber entmutigte Kinder mit bildungsfernem Migrationshintergrund, die fürchten, es doch nie zu schaffen. Kinder, mit Wohlstandsverwahrlosung, die alles, auch jede Förderung bekommen, aber zuwenig echte warme Akzeptanz für ihr Kindsein. Kinder von Eltern welche psychisch beieinträchtigt sind, aus vielerlei Gründen, und von der Gesellschaft mit diesem Problem im Stich gelassen werden, was dazu führt, dass sie gefährdet sind und viel leisten müssen, bevor sie überhaupt mit lernen beginnen könnten. Migrantenkinder, deren Eltern sich die Nachhilfestunden vom Mund absparen, damit sie ins Gymnasium können, deren Kinder das aber gar nicht wollen, weil sie fürchten, dort allein und diskriminiert zu sein und deshalb lieber mit all ihren Freunden schlechter eingestuft werden. Kinder, die sich schämen, weil ihr Name auf -ic endet und welche die negative Sichtweise auf ihre Herkunft internalisiert haben und deswegen verunsichert und feindselig sind. Und Kinder, traumatisiert sind durch Erlebnisse und Vorgänge in ihrem Herkunftsland oder auf der Reise hierher.
@Lehrzeit: Das was Sie hier beschrieben haben, kenne ich (leider) auch…
Ich bin Student an der PH FHNW. Dass wir zu wenige sind, obwohl eigentlich die Wirtschaftskrise einen Boom hätte bewirken können, sehe ich ausfolgenden Gründen:
- Das EDK hat die Anforderungen an die Ausbildung massiv erhöht. Es ist jetzt eine Masterausbildung.
- Das Studium wird immer wissenschaftlicher – ein Fokus, den die Mehrheit der Studenten nicht wollen.
- Die Nebenerwerbsmöglichkeiten sind gering.
- Die Semesterferien sind sehr kurz.
- Die PH pfeift finanziell aus dem letzten Loch, es wurde soger die Aufgabe von Studiengängen erwogen.
- Die Anforderungen im Berufsleben schrecken ab.
- Dauernde Reformen und ein unsicheres Anstellungsverhältnis trotz Lehrermangel im Beruf sind unattraktiv.
- Für Schulämter wird man selten angemessen entlöhnt. (Qualitätsmanagement, Fächergruppen, Schulanlässe…)
- Überstunden können nicht kompensiert werden
@Lehrzeit: dies kenne ich auch, aus meiner “Freiwilligenarbeit” im Quartier. Aber wie willst Du derartige Kinder, die erst noch Vertrauen fassen müssen und gelitten haben, mit knallwachen Kindern aus sogenannten geordneten Verhältnissen gleichzeitig auf den gleichen Wissensstand bringen? Vor allem, wenn Du 25 und mehr Kinder in der Klassen hast? Das geht vielleicht noch die ersten vier, fünf Jahre, aber dann…
@Pippi: es ging mir genau gleich. Wir haben sie dann in das Freie Gymnasium geschickt, dort ist sie auch aufgeblüht. Die Lehrer dort können viel mehr auf die Kinder eingehen, die Klassen sind kleiner, der Unterricht geordnet, einfach super. War finanziell hart, hat sich aber gelohnt. Als dann endlich die Gesamtschulphase rum war und sie ins staatliche Gymi konnte, haben wir mit Bedauern aus finanziellen Gründen gewechselt, und es geht jetzt ja.
@Beda/Keine Mama: Die Konsequenz einer ungenügenden Schulzeit ist natürlich die, dass im Studium die Schrauben angezogen werden. Es verschiebt sich einfach. Das Studium heute ist nicht mehr lustig, Beda hat völlig Recht. Einmal mehr: die Schweiz muss endlich mehr in die Bildung investieren, auf allen Stufen.
@Lehrzeit
Ja, so ist es, so empfand ich das auch. Vor allem, was sie gesagt haben über die warme Akzeptanz, die Kindern entgegengebracht werden sollte. Sie fehlt nicht nur bei den Wohlstandsverwahrlosten, die Gesellschaft als Ganzes ist gefordert, Kinder sind keine Maschinen, wo es nur den richtigen Input braucht, um den entsprechenden Output zu bekommen. Als mein Sohn mal eine Lehrerin hatte, wo es gut ging und er relativ gern zur Schule ging, fragte ich ihn, warum er sie so gut mag, er antwortete, dass sie jeden Tag wieder neu anfange und freundlich sei, auch wenn es am Tag zuvor Probleme gab.
Eine Stimme der Vernunft zum Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule. Sehr lesenswert!
http://www.bernerzeitung.ch/kultur/diverses/Die-Feier-des-Eros-zwischen-Lehrer-und-Schueler-gehoerte-dazu/story/20166180#kommentar
Nun, den Schuldigen in diesem ganzen Schlammassel zu finden wird genau so schwierig sein wie in anderen Bereichen auch. Es sind zig Faktoren die in diese Thematik hineinspielen. Die Frage die sich grundsätzlich aber stellt ist: Was motiviert jemanden Sekundar-Lehrer/in zu werden? Was sind die Pfeiler dieses Berufszweiges? Schaut man sich um so ist man als Lehrer heutzutage kaum noch was wert. Gibt man einem Schüler eine schlechte Note oder einen Verweis, kommen sofort die Eltern mit Anwalt angerannt und drohen mit Klagen.
Im Aargau wurde das Bildungskleeblatt, welches mehrere Anpassungen am Schulsystem erfordert hätte zum Teil massiv aber generell vom Volk abgelehnt. Selbst ein Grossteil der Lehrerschaft war gegen diese Reformation. Man hat immer wieder am Bildungssystem rumgebastelt. Leider vielleicht in die falsche Richtung.
Und allem Gleichstellungsdrang zum Trotz sage ich hier nochmal in kürzester Form: Wenn man als Eltern die Kinder nur noch Teilzeit hat (betreut), hängt auch der Schulsegen schief und damit auch die zukünftige Entwicklung unserer Bildungsstrukturen, Gesellschaft, etc etc etc.
Steinerschule: Als ich Lehrling war in Langenthal habe ich viele dieser Steiner Kids regelmässig gesehen. Von Ruhiger, gesitteter oder intellektueller habe ich da nicht viel mitbekommen. Ich denke auch da gibt es diese und jene. Und es gibt solche dir genau die gleichen Probleme haben/machen wie an einer normalen Schule auch.
Unser Drang die Kids ins Gymi zu schicken hangt sicher nicht zu letzt auch damit zusammen, dass Firmen (vorallem die Grossen) überall die Messlatte sehr hoch ansetzen und sich kaum noch mit einem normalen Lehrabgänger zufrieden geben. Oder anders gesagt wer nicht einen wertlosen Fetzen Papier vorweisen kann ist im Beruf nichts wert. Oftmals erweist es sich leider genau andersrum…… Aus diesem Grund halte ich absolut nichts von diesem elitären getue gewisser Zeitgenossen, welche glauben das die Uni das einzig ware sei.
@Stefan: “Aus diesem Grund halte ich absolut nichts von diesem elitären getue gewisser Zeitgenossen, welche glauben das die Uni das einzig ware sei.”
*unterschreib*
Aber die Sauce ist angerichtet…