
Sicherheit ist erstens relativ und Gefahren sind zweitens pädagogisch mindestens so wertvoll, wie Holzspielzeug: Nach oben strebende Buben.
Selbst nicht ohne Fehl und Tadel, werf ich jetzt trotzdem einfach mal einen Stein, in der Hoffnung, dass es ordentlich scheppert. Immer wieder sagen mir Leute von ausserhalb, wir lebten hier im Paradies. Ja. Und es wird geprägt von Sicherheitsneurosen, Regulierungszwängen und der Angst vor Kontrollverlust. Es ist erbärmlich. Wir fürchten uns zu Tode. Das betrifft auch und vor allem unsere Kinder. Auf jedem Made-in-China-Spielzeug, das in die Bucht des Kinderzimmers gespült wird, wird vor der tödlichen Gefahr gewarnt, die verschluckbare Kleinteile mit sich bringen können. Will ich mit meinen Kindern in ein Auto einsteigen, muss ich zwei Kindersitze bei mir führen – was auch für Big Bags eine unzumutbare Herausforderung ist. Natürlich möchten wir unsere Kinder beschützen. Aber Sicherheit ist erstens relativ und Gefahren sind zweitens pädagogisch mindestens so wertvoll, wie Holzspielzeug. Kinder müssen lernen, sie zu meistern und Vertrauen in ihre Umwelt zu entwickeln. Wenn wir die totale Sicherheit wollen, tragen wir bald alle solche Jacken, wie Helge Schneider sie in einem Sketch beschreibt: erst eine Schicht Schweinefamilie, dann Beton, dann 40 cm Amalgan, etwa ein Kubikmeter Daunen, dann apfelsinenfarbene Zellulose, Gehacktes drum herum und dann ein Zirkuszelt von Zirkus Krone mit zwei Löchern für die Beine. Wollen wir das?
Nein.
Deshalb hier vier gefährliche Dinge, die sie ihre Kinder tun lassen sollten.
1. Wege machen. Je älter die Kinder werden, desto mehr vergrössert sich ihr Mobilitäts- Radius. Das sollte man ihnen zutrauen und zugestehen. Also nicht, wie ich, sich als lebendes Sprungtuch unter seinen Dreikäsehoch werfen, nur damit er niemals den Asphalt küsst. Und sie später auch nicht überall herumkarren. Kinder müssen ihrem Alter entsprechend ihre Wege alleine machen lernen, sei das in die Schule, die Klavierstunde oder zur Grossmutter. Ein Schritt, der wohl vielen Eltern schwer fällt, aber notwendig ist, damit die Kinder ihren eigenen Weg finden. Mit jedem Schritt, den sie alleine tun, erobern sie die Welt, die dereinst ihnen gehören wird.
2. Mit einem Taschenmesser spielen. Messer und Kinderhände sind zwar eine gefährliche Allianz – meine sind heute noch gezeichnet von zahlreichen kindlichen Versuchen, mir eine Flöte zu schnitzen. Aber Messer sind auch toll. Man kann Stöcke zuschnitzen, Bäume ritzen, Dinge herstellen. Kinder begreifen unmittelbar, dass das archaische Werkzeug eine spezielle Handhabe erfordert, die wiederum durch ein paar simple Regeln vermittelt werden kann: schnitze von dir weg, mach das Messer nach Gebrauch zu, richte es nicht gegen andere.
3. Bäume besteigen. Bäume sind etwas Schönes. Sie zu besteigen macht Spass und erweitert den Horizont. Jeder nach seinen Möglichkeiten und Grenzen. Hoch oben im Baumwipfel wird auch dem Verwegensten klar, dass das gefährlich ist. Dass er wissen muss, was er jetzt tut. Das zu schaffen, die Gefahr zu überwinden und heil wieder herunterzukommen – diese Erfahrung sollte jedem Kind vergönnt sein.
4. Grenzen überschreiten. Eine heikle Angelegenheit. Schliesslich fusst jegliche Erziehung auf dem Konzept, Grenzen zu setzen und den Nachwuchs dazu zu bringen, sie einzuhalten. Meistens haben die Grenzen einen Sinn und Zweck. Nun wachsen Kinder aber heran und überschreiten sie dabei notwendigerweise. Und wir Erzieher sollten das zulassen. Zusehen, dass die Vernunft nicht gleich über die Planke schreitet, das ja. Aber letztlich gehören gewisse Grenzüberschreitungen zu den lehrreichsten Erfahrungen überhaupt.
Der Mamablog jetzt auf Facebook
Verfolgen Sie die Themen im Mamablog nun auch im grössten sozialen Netzwerk – und werden Sie ein Fan des beliebten Blogs. Die Autorinnen Nicole Althaus und Michèle Binswanger veröffentlichen im Mamablog-Profil Links zu neuen Einträgen im Blog. So finden Sie den Mamablog: Tippen Sie im Suchfeld auf Facebook das Stichwort «Mamablog» ein und die Blog-Page erscheint. So werden Sie ein Fan des Mamablogs: Klicken Sie oberhalb der Seite auf «Fan werden». Fortan werden Sie in Ihrem Facebook-Profil automatisch über alle neuen Einträge und Neuerungen im Blog informiert. Sie können die Links kommentieren und anderen Faceboook-Freunden verschicken. Viel Spass!


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
auf Facebook






















@Marcel: Ertst gestern las ich im “Spiegel”, das ein junger Mann in Deutschland durch sexuelle Probleme einen solchen Hass auf Frauen entwickelte, das er eine junge Sozialpädagogin tötete. Die sexuellen Probleme, die dieser junge hatte, konnten durch einen operativen Eingriff behoben werden. Durch diesen Mann wird gerade über die Sicherheitsverwahrung bei Jugendlichen disskutiert…
@Max: Da hast Du recht- ganz zu schweigen von der Datenunsicherheit,der sich in jeder Statistik verbirgt- ein Umstand, der in diesem Falle auch nicht genügend beachtet worden ist. Nichts ist da sakrosankt.
Anastasia C.: Natürlich gibt es Männer und Jugendliche, die Frauen aus mir völlig unverständlichen Gründen hassen. Lorena Bobbitt hat ihren Mann ja auch aus tiefstem Herzen heraus gehasst, ganz zu schweigen von Valerie Solanas, die den Männern nach dem Leben trachtete:
“Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.”
Sie endete in der Psychiatrie- nachdem sie Andy Warhol zu vernichten versucht hat.
Was wollten Sie genau implizieren?
@Anastasia C.
Ich sagte nicht “auf Selbständigkeit pochen” sondern sprach von wortreichen Selbständigkeitsüberzeungungen. Ich meine damit den gewöhnlichen Weiberklatsch darüber, wie das Leben sein sollte, wenn es so wäre, wie die Frauen sich das ausdenken beim Kaffeklatsch über die Männer und die Welt.
Sobald es hart auf hart geht, sind solche Frauen auf richtige Männer angewiesen, die wissen wie man kämpft und sich durchschlägt.
Als kämpfender Mann treffe ich zwar selber Entscheidungen. Aber ich bin nicht selbständig, sondern ich weiss wer wo ist, wer welche Arbeiten erledigen kann und ich trommle diese Leute zusammen, lasse jeden seinen Teil beitragen. Ich teile Ressourcen zu, plane die Abläufe, was bis wann erledigt sein muss und dann lasse ich die Leute ihre Sache machen. Aber ich bin nie selbständig.
Man kann schon versuchen, die Welt so schön zu arrangieren, wie das die Emanzen gerne hätten. Nur sind das am Schluss nichts als ressourcenverschleissende schöne Arrangements.
Genau darum behindert das Emanzengefasel die Frauen, wenn sie sich im wirklichen Leben zurechtfinden müssen.
Der Begriff Kampf- und nichts anderes ist das Leben- ist vielen Frauen offenbar noch nicht geläufig genug. Man könnte jetzt böse sein und sagen. Dafür hatten sie ja bisher die Männer…
@Max: Als ob ich mein Leben ohne Männer nicht im Griff habe…Sie erinnern mich mit Ihrer Aussage, an den Song “Elfenkläne” von Orgi69
@Marcel: Es stimmt mi9ch sehr traurig was Valerie Solanas Andy Warhol angetan hat. Nur ist es leider so,das meistens Männer mehr Macht auf dieser Welt haben und das ist auch nicht toll!!!
@Anastasia C: “Nur ist es leider so,das meistens Männer mehr Macht auf dieser Welt haben und das ist auch nicht toll!!!” Nun müssten wir nur noch genau definieren, wieviele von allen Männern die Macht in den Händen halten.
Die einfachen Lohnsklaven sind es schon mal nicht- auch in der Summe nicht.
Abgesehen davon: Unsere Gesellschaften werden mittlerweile von beiden Geschlechtern gleichermassen geprägt.
@ max
du stänkerst hier gegen klischee-emanzen, die es so nur in wenigen einzelfällen gibt. gleichzeitig vertritts du hier ein männerbild, dass für mich etwa deckungsgleich mit deinem emanzenbild ist. nämlich völlig wirklichkeitsfremd. ich muss sagen, ich bedaure dich ein wenig, dass du in so einer schwarzweissen welt lebst, wo du dich in solche idealbilder flüchten musst, denn offensichtlich funktionieren sie nicht wirklich.
@ Marcel
Was die Quintessenz menschlichen Verhaltens betrifft bin ich bei den Büchern von Alice Miller der Kindheitsforscherin fündig geworden. Alice Miller hat sich vorallem mit Biographien von Männern auseinandergesetzt, Kafka etc. (In all den Büchern hat sich Alice Miller mit der Verleugnung des Leidens in der Kindheit auseinandergesetzt). Ich bin da recht kritisch, eine Rabenmutter hat nichts mit Emanzipation zu tun. Ich habe keine fixen Bilder im Kopf was Mann Frau betrifft. Leben ist Begegnung, ich mach da gute Erfahrung, nicht immer, kleine Veranschaulich persönlich. Ich stand am Bahnhof und wartete auf den Bus. Eine alte Frau kam vorbei und drückte mir ein Prospekt in die Hand. Meine Bemerkung war, wenn es sich um Missionierung handelt können sie das Prospekt behalten, nein nein sagte sie lächelnd und huschte ab in Windeseile, zu Hause hab ich das Prospekt angeschaut, irgendso eine Missionierungsfalle auf Papier gedruckt. “Klapperschlange hab ich im nachinein gedacht und den Prospekt im Papierkorb entsorgt”
PS. Von mir aus hätte diese Bücher, die Alice Miller geschriebenhatauch ein Mann schreiben können.Michael Ende hat ein schönes Buch geschrieben “Momo”, war als Kind eines meiner Lieblingsbücher, Walt Disney etc. Mein innerer Fotoapparat funktioniert noch relativ gut, bin ziemlich akriebisch, geht auch ohne andere Menschen zur Sau zu machen und ohne Rache auch ohne Sack und Asche