Leben


Michèle Binswanger am Freitag den 5. März 2010

Mama, was ist ein Junkie?

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Hey Baby, take a walk on the wild side! Der vermeintlich coole Junkie in der Form von Pete Doherty.

Kinder wollen es immer ganz genau wissen. Selbst wenn man es nicht so genau wissen kann. Zum Beispiel Sucht. Was es ist und wie wir sie davor bewahren sollen. Und ob man das überhaupt kann. Und so kam ich jüngst, als meine Kinder beim Anblick hohläugiger Junkies und rotgesichtiger Alkis am Bahnhof von mir wissen wollten, was Sucht ist, in Verlegenheit.

Das Thema übte auch auf mich immer schon eine gruselige Faszination aus und so warf ich mich beherzt in den Ring, um meinen Kindern die Sache zu erklären: «Sucht heisst, von etwas abhängig zu sein.» sagte ich.
«Was ist abhängig?» fragte die Tochter.
«Das ist, wenn man etwas unbedingt braucht und immer daran denkt, wenn man es nicht hat. Wie die Leute, die Heroin nehmen.»
«Warum nehmen sie es dann?»
«Zunächst sind sie vielleicht neugierig und finden es schön. Dann nehmen sie es wieder und wieder. Und bald schon brauchen sie es. Und wenn sie es nicht kriegen, sind sie ganz verzweifelt und kriegen Entzugserscheinungen.»
«Dann bin ich süchtig nach essen und trinken.» stellte der Sohn fest.
«Aber nein!» korrigierte ihn die Tochter. «Essen, trinken und atmen muss man. Das sind die einzigen Dinge, nach denen man nicht süchtig sein kann.»
«Man kann fast von allem süchtig werden, auch nach essen. Süchtig wird man, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät.»
«Ah, ich weiss!» triumphierte der Sohn. «Du bist süchtig nach klettern.»
«Nein!» sagte die Tochter. «Das ist doch nicht Sucht!»

Schwieriger Fall.
«Ja, vielleicht ist das eine Art Sucht.», sagte ich. «Aber meistens geht es bei Abhängigkeit um Stoffe, die man zu sich nimmt. Alkohol ist ein gutes Beispiel. Ich trinke gerne Wein zum Essen und bin trotzdem nicht süchtig nach Alkohol. Aber wenn man viel trinkt und immer wieder, kann man abhängig werden.»
«Aber warum?» fragte die Tochter.
«Sucht ist eben nicht einfach Sucht. Es kommt ganz auf den Menschen an. Manche haben keine Probleme mit Konsum, andere konsumieren, weil sie Probleme haben. Manchmal ist es schwierig aufzuhören, manchmal weniger. Kommt ganz darauf an.»

Die beiden musterten mich, als hätte ich ihnen gerade die Heisenbergsche Unschärferelation zu erläutern versucht. Und so ungefähr fühlte ich mich auch. Oder um es mit Heisenberg zu sagen: «Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich, sondern eine von uns gestaltete Wirklichkeit.»

Meine Kinder werden also erst wissen, was Sucht ist, wenn sie es in der einen oder andern Form erfahren. Und gleichzeitig möchte man sie natürlich davor bewahren. Am besten traf es wohl Freund McQueen: «Wenn du mit ihnen über Sucht sprichst, musst du auch über Genuss sprechen», riet er mir. Recht hat er, denn in unserer Multioptionsgesellschaft geht es wohl weniger um Junkies als um den Umgang mit Verführung und den verantwortungsvollen Umgang damit.

Als Service hier noch die sieben Regeln, um Kinder gegen Suchterkrankungen zu wappnen:
1. Kinder brauchen seelische Sicherheit, aktive Liebe und Zuneigung von Erwachsenen. Weisen Sie Ihr Kind nicht zurück, wenn es in Ihre Arme will, versöhnen Sie sich, wenn es einlenken will.
2. Kinder brauchen Lob und Bestätigung. Sie brauchen das Gefühl, dass die Eltern ihre Persönlichkeit vorbehaltlos akzeptieren und ihnen etwas zutrauen.
3. Kinder brauchen Freiraum, um eigene Erfahrungen machen zu können.
4. Kinder brauchen realistische Vorbilder und Ehrlichkeit: Man muss auch zu den eigenen Süchten stehen können.
5. Kinder brauchen Bewegung und gute Ernährung.
6. Kinder brauchen Freunde und eine verständnisvolle Umgebung.
7. Kinder brauchen Träume und Lebensziele.

Lesen Sie auch: Mama, das Cüpli und der Feierabend-Joint
http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/3684/sind-beschwipste-mutter-bessere-mutter/

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279 Kommentare zu „Mama, was ist ein Junkie?“

  1. Independent sagt:

    Cara Mia schrieb:
    > Unter den Personen mit den höchsten IQs finden sich mehr Frauen, als Männer.

    Oh, eine sehr sportliche These. Man würde wohl gescheiter schreiben: “Unter den Personen mit dem grössten Fleiss finden sich mehr Frauen als Männer.” Und seit Oscar Wilde wissen wir ja, dass der Fleiss die Wurzel alles hässlichen ist. ;-)

  2. Anastasia C. sagt:

    @Max: Es gibt gute und schlechte Lehrer. Ich hatte einen ganz schlechten in der Sek, er wählte übrigens die SVP. Es war sein letztes Jahr an der Schule, bevor er pensioniert wurde und deshalb lies er seinen Sauhund raushängen. In der ersten Unterrichtsstunde bei ihm, sah er zuerst auf eine Liste mit allen Schüler drauf und sagte dann, ohne Witz: “Zu viele -ic, diese Klasse wird nichts.”

  3. Tobi sagt:

    Guten Morgen miteinander… Schön euch noch hier vorzufinden, wie ich sehe hat auch euch das Thema nicht losgelassen…

    Und wie ich sehe führt der Herr Strasser sein polemik weiter.. Aber es braucht ja bekannterweise mehrer Sichten um 360Grad sehen zu können.

    WÜNSCHE ALLNEN GUTEN WOCHENSTART! :-) LACHT MAL WIEDER

  4. Hansli sagt:

    @max
    Ihre Logik verstehe ich nicht. Sie fordern immer Frau an den Herd, aber dann lästern Sie über diese Hausfrauen “Die Fräuleins damals, die studierten mit dem einzigen Ziel, sich an der Uni den richtigen Ehepartner aufzugabeln, von denen habe ich mehr als genug gesehen.” Heute wollen diese Frauen arbeiten, aber das ist Ihnen auch nicht recht.

    Und Sozialhilfe ist teurer als die Krippe und irgendwer muss diese Frauen am Arbeitsplatz ersetzen. Ausländer? Da sind Sie doch auch dagegen.

    Bologna ist eine äusserst erfolgreiche Reform die den Studis wesentlich Vorteile bringt wie, gegenseitig anerkannte Abschlüsse (EU-Weit), einfacherer Wechsel zwischen Unis, bessere Leistungskontrolle, …. Natürlich läuft nicht alles reibungslos, aber dem alten System trauert niemand nach.

  5. Hansli sagt:

    @max Sorry hab noch etwas vergessen: Für extrem linke Studis ist Bologna ein Alptraum …..

  6. Lehrzeit sagt:

    Die Überlegungen von Max zur subventionierten Tagesstruktur sind durchaus wert, aufgegriffen zu werden. Wenn -sagen wir mal portugiesische – Eltern mit geringem Lohn ihre Kinder betreuen lassen, und beide beruftstätig sind um sich in ihrem Herkunftsland ein Haus zu bauen/auszubauen, dann betreiben wir eine Art Wirtschaftshilfe ins Ausland. Oder nicht? Abgesehen davon geht es wirklich nicht darum, Leuten wie Pipi eine Haushalthilfe zu geben, sondern es geht um die Renten, welche nicht mehr von nur den Männern (schon gar nicht den Schweizern!) bezahlt werden können, es geht darum dass wir in einer Konsumgesellschaft leben, wo die Leute ständig Geld verdienen müssen, dass sie dann in billigen Schrott umwandeln können. Davon leben wir alle, auch Sie, Max.
    Im Übrigen bin ich gegen verschiedene Aspekte von Harmos. Allerdings würde ich nie SVP wählen, weil ich die Partei als zutiefst rassistisch empfinde und sehe, dass sie sich in Ideologie und Ästhetik in den 30er Jahren des letzen Jahrhunderts bedient, was ich dem inneren Frieden im Land auf die Dauer für höchst abträglich halte. Die SVP sammelt Stimmen indem sie die niedrigsten xenophoben Triebe der Bevölkerung anspricht.
    Anastasia C. hat ein gutes Beispiel gebracht. Wie sollen Jugendliche sich integrieren, wenn sie von der Gesellschaft ausgegrenzt und mit Verachtung behandelt werden? Sie werden diese verächtliche Haltung sich selbst gegenüber übernehmen. Selbsthass und Schamgefühle wegen vermeindlicher Minderwertigkeit hat noch nie gute, ruhige Bürger geschaffen. Wer integrierte Menschen haben will, muss sie offen aufnehmen.

  7. Eni sagt:

    @ Steffen Martins

    Ja sicher: Wenn die Kinder Drogen nehmen soll man sie einfach machen lassen. Bravo!!!!!!!!!!!!!!!

    Und sonst geht es Ihnen gut?

  8. Lehrzeit sagt:

    @Cara Mia: Da gebe ich Ihnen Recht. Die Volksschule ist zu unruhig geworden. Zu viele Lehrpersonen, zu viele Stundenplanänderungen, zu viel Aktivismus. Ich würde das Modell der Waldorf-Schulen bevorzugen, wo ein Klassenlehrer die Klasse über 6 Jahre begleitet. Heute gibt es 1. Klassen, in denen 4 Lehrpersonen unterrichten! Nach drei Jahren wechseln die Kinder in eine neu zusammengesetzte Mittelstufenklasse, in der wiederum bis zu 5 Personen (inkl. Heilpäd.) unterrichten. Da ist keine Vertrauensbeziehung mehr möglich, auf die gerade gefährdete Kinder dringend angewiesen wären.
    Lehrerzimmer anstatt Klassenzimmer kenne ich aus den USA, dort ist es problemlos möglich, einzelne Lektionen monatelang zu schwänzen, da der Lehrer in der Praxis gar nicht mehr die Übersicht hat, wer in eine bestimmten Klasse alles dazugehört.
    Aus Erfahrung kann ich auch sagen, dass 4 bis 6 jährige Kinder wirklich überfordert sind mit 4 Stunden Kindergarten und anschliessend weiteren 5 Stunden Betreuung in der Grossgruppe. Sie einfach total übermüdet. In einer guten Tagesschule können Ruhezonen geschaffen werden, diese gibt es aber in den meisten Schuleinheiten (noch?) nicht. Den wenigsten Eltern ist klar, dass der Aufenthalt in einer altersgemischten Grossgruppe für ihre Kinder echte Arbeit ist, diese also locker auf einen 9-Stunden Tag kommen.

  9. vietcong sagt:

    @ frau biswanger

    Was ist Sucht?

    Der Begriff Sucht ist umfassend zu verstehen. Sucht beinhaltet physische, psychische wie auch soziale Abhängigkeit. Sucht ist nicht mit Gewohnheit, der natürlichen Abhängigkeit von Nahrungsmitteln, Kleidung und/oder mit Problemverhaltensweisen, die (noch) der willentlichen Kontrolle des Subjekts unterliegen, gleichzusetzen. Von Sucht sprechen wir dann, wenn sich das zugrundeliegende Problemverhalten zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten entwickelt, das sich selbst organisiert hat und sich rückhaltlos beständig zu verwirklichen sucht. Süchtiges Verhalten ist immer eine Interaktion zwischen Persönlichkeit, Umwelt und Suchtmittel resp. Suchtverhalten mit dem Zwang, ein Verhalten zu wiederholen, eine Menge zu steigern sowie mit der Angst, süchtiges Verhalten aufzugeben.

    zitat von:
    http://www.kantonsarzt.lu.ch/index/sucht.htm

  10. Cara Mia sagt:

    @Lehrzeit: genau. Man muss es altersgerecht lösen. In Finnland beispielsweise leiden viele Kinder, weil sie schon als Kleinkinder sehr lange in den Tagesstätten untergebracht sind. In diesem Alter brauchen sie aber individuelle Zuwendung, Köperkontakt. Das muss nicht die Mutter sein, aber eine Person, die Zeit hat. In Frankreich wird es besser gelöst. Dort – jedenfalls im Grenzgebiet zu Basel – hat es in jedem Dorf/Quartier eine oder mehrere “gardiennes” (oder “gardiens”) die bis maximal vier Kinder haben. Ab drei Jahren kommen grössere Einheiten, immer angepasst an das Alter. Ich (wir haben hier ja viele französische Arbeitnehmerinnen) sehe diese Knöpfe mit grösstem Vergnügen in die “Schule” gehen, stolz, und nach den Ferien können sie es kaum erwarten, wieder hinzugehen. Und so wachsen sie dann in die höheren Stufen hinein. Das kostet natürlich, aber Frankreich ist eines der wenigen Länder ohne Geburtenrückgang. Man muss sich nicht lange fragen, weshalb. Ist das Kind glücklich, sind es auch die Eltern.

    @Independent: ob sportlich oder nicht, ist hier nicht die Frage, es ist einfach eine Tatsache. Den IQ kann man mit Fleiss nicht beeinflussen, aber dass Mädchen fleissiger sind, scheint so zu sein, das weiss ich allerdings nicht. Kommt also Fleiss zu IQ, dann ist es wirklich richtig, diese Überwesen zurück zu stutzen und an Kinder und Herd zu binden, denn sonst sind sie ja vernichtend überlegen, für so richtige Männer à la max.

    • Widerspenstige sagt:

      @Cara Mia 09.55h
      ‘Und so wachsen sie dann in die höheren Stufen hinein. Das kostet natürlich, aber Frankreich ist eines der wenigen Länder ohne Geburtenrückgang. Man muss sich nicht lange fragen, weshalb. Ist das Kind glücklich, sind es auch die Eltern.’

      Diese Aussage wegen Frankreich finde ich so treffend zum Thema über ‘Stolpersteine Kinderkriegen’, dass ich Dir nur zustimmen kann. Genau so müsste es in der Schweiz auch gemacht werden, damit endlich den ewigen Diskussionen darüber Taten und vorallem glücklichere Kinder und Eltern folgen dürften!
      Übrigens wird in Asien ähnlich wie in Frankreich vorgegangen mit den Tagesstätten für Kleinkinder. Welches Land von wem das System übernommen hat, bleibt eine Spekulation (Kolonialmacht Frankreich war ja auch in Indonesien/Indien stark vertreten oder irre ich mich?) Was Dein Beispiel aus Finnland anbelangt, stimme ich Dir ebenfalls zu, was der zu lange Aufenthalt für Kleinkinder in Tagesstätten anbelangt. Der goldene Mittelweg darf es wohl für die Schweiz sein, denn gute und weniger gute Beispiele von Ländern gibt es genügend.
      Ich habe es so gehandhabt, dass ich oder mein Mann eigentlich immer erreichbar waren für unsere Kinder. Auch wenn je nach Alter Fremdbetreuung unumgänglich waren neben dem eigenen Geschäft (dies habe ich in anderen threads beschrieben). Das finde ich ganz wichtig, dass sie jederzeit das Gefühl haben, Mami oder Papi sind rasch zur Stelle, wenn eine Wespe zugestochen hat oder andere Dinge den Alltag aufregend und/oder aufreibend, je nach dem, gestalten.

  11. lisi sagt:

    @Lehrzeit
    Ja die Unruhe in den Schulen ist gross. Unsere 1. Klässlerin wurde auch von 4 Lehrpersonen unterrichtet. Aber nicht über drei Jahre hinweg, sondern bereits in der 2. Klasse wurden die Lehrer wieder neu auf die Schüler verteilt (die Schüler konnten auch nicht alle zusammen bleiben). Nächstes Jahr kriegt sie erneut andere Lehrer. Grund, der Kanton spart so fest, dass sobald sich Schülerzahlen ändern müssen die Klassen neu gemischt/zusammengesetzt werden. Jedes Jahr werden wahlweise Lehrer entlassen oder eingestellt. Viel Unruhe für kleine Schulen.
    Sie sprechen sich für das Waldorfprinzip aus, ist es da aber nicht auch so, dass Altersdurchmischt unterrichtet wird? Gleichzeitig kritisieren Sie die altersduchmischte Grossgruppe. Ich finde diese Richtung eben auch gut. Bei uns wird nun ab dem neuen Schuljahr das ADL (3 Jahrgänge) eingeführt und die Klassen werden so immer zusammenbleiben (sprich 2/3 der Klasse, da ja jedes Jahr einige in die nächste Stufe wechseln und von unten neue kommen) und garantiert 3 Jahre die gleichen Lehrer haben. Ich habe ja noch keine Erfahrung in der Praxis, aber in der Theorie überzeugt mich das.

    @Cara Mia
    Ich finde Sie machen das super mit den Mädchen. Unsere sind ja noch etwas jünger, aber so langsam werden Themen wie Jugendtreff etc. auch ein Thema. Bin auch für die schrittweise Einführung von Freiheiten. Wie haben Sie das mit den Jugendtreffs gehandhabt ab der Oberstufe? Bei uns (sogar auf dem Lande) ist es gang und gäbe, dass die Kinder ab Sekundarstufe am Freitag und Samstag im Jugendtreff abhängen. Einige müssen dann um 22.00Uhr nach Hause, aber viele dürfen bis 24.00 oder sogar open end bleiben. Obwohl der Treff glaubs um 23.00Uhr schliesst. Weiss echt noch nicht wie ich dies nächsten Sommer handhaben will/soll.

  12. Lehrzeit sagt:

    @Lisi: ich spreche mich nicht per se für das Waldorfprinzip aus. Aber ich befürworte, dass Kinder über möglichst viele Jahre von einer festen Klassenlehrperson unterrichtet werden. Ich bin auch nicht per se gegen altersdurchmischte Gruppen. Aber wenn 4, 5-jährige mit bis zu 12-jährigen in der gleichen Grossgruppe “gehalten” werden, ist angemessene Förderung nicht mehr möglich. Es strengt die Kleinen total an, sie haben andere Bedürfnisse, bräuchten zwischendurch auch mal etwas Ruhe. Ein Kind in diesem (heutigen Kindergartenalter) ist noch im Spracherwerbsalter. Dazu braucht es aber erwachsene Ansprechspersonen, die Zeit und Musse haben, mit ihm zu sprechen, ihm Geschichten zu erzählen etc. In einer Grossgruppe, auch im Kindergarten bleibt nicht sehr viel Zeit für Gespräche mit dem einzelnen Kind. Wenn dieses dann noch Eltern hat, welche erschöpft von der Arbeit nach Hause kommen und erst mal den TV einschalten, ist dieses Kind benachteiligt und wird sprachliche Defizite aufweisen.
    In Waldorfschulen werden Schulkinder in altersgemischten Gruppen betreut. Gemäss Steiner ist ein Schulkind ein Kind ab 7 Jahren, nicht ab 4, wie es die heutige Betreuungsstruktur in der Stadt Zürich vorschreibt.

  13. maia sagt:

    @CaraMia: Ist es wirklich so, dass heute der IQ festgestellt wird, ohne dass man ihn durch üben beeinflussen kann? Als Jugendliche musst ich einige IQ-Test’s machen und mein IQ stieg natürlich mit der Uebung ständig. Und wir hatten schon im Vorfeld zum ersten Test natürlich in der Klasse geübt. Heute wäre mein IQ sehr wahrscheinlich erbärmlich, weil ich in den Testfragen einfach nicht mehr geübt bin.

  14. lisi sagt:

    @Lehrzeit, ja da stimme ich mit Ihnen überein. Bin froh, bei uns werden es wie gesagt immer “nur” drei Jahrgänge sein. Diese werden sogar nach Schulhäusern getrennt. Es wird ein Unterstufenschulhaus, eins für die Mittelstufe geben. In jedem Schulhaus wird es 4 altersdurchmischte Klassen geben. Die Kindergartenkinder werden weiterhin separat in ihren Kindergarten gehen. Es sind aber diverse Anlässe geplant wo alle Kinder von klein bis gross zusammenkommen. Wir sind eine sehr kleine Schulgemeinde, welche versucht aus den schwierigen Umständen (Spardruck, immer weniger Kinder etc.grössere Klassengrössen) das Beste zu machen. In zwei bis drei Jahren werde ich einen Vergleich ziehen können. Obwohl ich sicher bin, dass nur schon die Regelmässigkeit (selbe Lehrperson, die selben Kinder, das selbe Schulhaus, eigenes Klassenzimmer) für eine Verbesserung sorgen werden. Aber viele Probleme bleiben natürlich bestehen, Frühenglisch wird meist nach wie vor von einer separaten Person unterrichtet, dann noch Musik, Handarbeit etc. Heute müssen selbst die Kleinsten sehr flexibel sein, da für viele Fächer “Spezialisten” gefragt sind.

  15. Cara Mia sagt:

    @lisi: danke für die Blumen ;) . Meine Töchter wollten nicht in den Jugendtreff. Sie hätten zwei Möglichkeiten gehabt, entweder den der Kirche, gleich gegenüber, oder den allgemeinen. Sie fühlten sich aber nicht wohl dort, weil immer bestimmte Szenen dominierten. Aber vor 16 hätten sie nur bis 22 Uhr gehen dürfen, das ist klar.

    Gut finde ich, wenn man sich selber schlau macht. Halt auch mal reinschaut, wer und wie man da so rumhängt, wenn möglich natürlich nicht, wenn die eigenen Kinder dort sind, das wäre zu peinlich. Aber jetzt können Sie doch mal dort vorüberspazieren, die Leute so anschauen, wer draussen steht und schon mit 12 raucht, zum Beispiel. Das gibt einen guten Eindruck. Manche Jugendtreffs ja super, und irgendwo hin müssen die Jugendlichen auch gehen können. Aber häufig sind die Treffs halt auch das Auffangbecken von denen, die kein Zuhause haben oder niemanden der schaut. Das weiss man aber schnell. Manche Jugis haben auch aufschlussreiche Websites.

    Ich stand immer auf der Matte. Als sie mal mit 11 alleine an einem Sonntag ins Schwimmbad wollten, sagte ich, ich wolle das sehen, aber sie müssten nicht auf mich achten. Ich war seit Jahren nicht mehr im Schwimmbad gewesen, und hatte keine Ahnung. Das war dann ein Erlebnis der besonderen Art: Männer mit Turbanen sassen da und sahen sich Frauen (wohl) aus Ostblockländern an, die hochhakig herumstolzierten und dank dicker Schminke garantiert keinen Schritt ins Wasser riskierten. Das hat mir dann gereicht. Meiner Tochter übrigens auch. Ohne Widerstand liess sie sich auf ein einfacheres Schwimmbad umpolen, welches halt leider keine so tolle Anlage hatte.

    Dies nur so ein Beispiel. Erklären, und da sein, das ist halt so meine Devise.

  16. lisi sagt:

    Vielen Dank für die Ausführungen. Ja das stimmt das erklären und da sein ist so wichtig. Dies sehe ich bei unseren auch immer wieder. Macht immer Mut wenn man von Eltern hört die es so ähnlich handhaben und erfolgreich waren/sind damit. :-)

  17. BiBi Malena sagt:

    [Sorry, total OT, aber das muss ich einfach loswerden]

    @max: Woher weisst du, was eine Masterarbeit denn heute ausmacht und woraus der Unterschied zu früher besteht? Hattest du als Student auch eine 6-Tagewoche an der Hochschule und abends und am Wochende gearbeitet, um dir deinen Lebensunterhalt zu verdienen? Musstest du auch jedes Semester drei bis vier Seminararbeiten von jeweils 30-50 Seiten, nota bene VOR Semesterende, abgeben? Das ist nämlich zur Zeit (und ohne mich beklagen zu wollen) mein Alltag in einem MA-Studium (nein, du willst gar nicht wissen in welcher Studienrichtung).
    Auswendig lernen ist zudem eher eine Frage der Studienrichtung. Bei uns gibt es kaum sowas, da geht es ums Aneignen von Fähigkeiten, und dafür muss an erster Stelle geübt werden… und das in einem Studiengang mit geschätzen 80% Frauen! Fleiss ist eh in jedem Hochschulstudium gefragt.
    Und überhaupt: Du als strammer Schweizer willst doch nicht ernsthaft Fleiss als negative Eigenschaft abstempeln?

    @Hansli: “Bologna ist eine äusserst erfolgreiche Reform die den Studis wesentlich Vorteile bringt wie, gegenseitig anerkannte Abschlüsse (EU-Weit), einfacherer Wechsel zwischen Unis, bessere Leistungskontrolle, …. Natürlich läuft nicht alles reibungslos, aber dem alten System trauert niemand nach.”
    Leider muss ich dir widersprechen: In gewissen Studienrichtungen war das alte System viel effizienter, da weniger verschult und “verwissenschaftlicht”. Ich spreche hier von Fachhochschulen, die ja eigentlich auf die konkrete Arbeitswelt vorbereiten sollten. Meine Ausbildung, im alten System noch ein Nachdiplomstudium, wurde von vier auf drei Semester gekürzt. Dafür wurden zusätzlich zu den Fächern, die uns konkret auf die Berufswelt vorbereiten, unzählige supertheoretische aber fachlich gesehen relativ irrelevante Fächer hinzugefügt, in denen die oben erwähnten Arbeiten geschrieben werden müssen. Arbeiten schreiben ist ja an und für sich nichts Schlechtes, wenn sie jedoch die eigentliche Ausbildung beeinträchtigen, wirft dies doch auch Fragen auf.
    Zur Geschichte mit den gegenseitig anerkannten Abschlüssen und der verbesserten Mobilität: Das funktioniert nicht einmal innerhalb der Landesgrenzen. Wollte ich nach bestandenen Zwischenprüfungen an die einzige weitere Uni in der Schweiz, die meine Studienrichtung anbietet, wechseln, müsste ich nochmals bei Null und den Aufnahmeprüfugnen beginnen.

  18. Fatma sagt:

    Guten Tag, ich bin zufällig auf Ihre Seite gekommen und habe sie gleich auf meinem PC gespeichert. Ich lese sehr gerne Artikel und besonders wenn sie aus dem Leben gegriffen sind. Manchmal ironisch, manchmal lustig, manchmal tragisch! Das Bild vom “sog. Junkie Pete Doherty” passt wie das Tüpfelchen zum i auf dieses Thema. Man kann seine Kinder nicht immer schützen – aber gut aufklären.
    Liebe Grüsse
    Fatma

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