
Möglicherweise eine nicht ganz artgerechte Haltung - Juxfoto von Kindern in einem Hundekäfig, publiziert im Internet.
Ich war noch jung und brauchte auch nicht besonders viel Geld, als ich dem Klischee erstmals ins Gesicht starrte. Es attackierte mich in Gestalt einer guten Freundin, kinderlos, überall dabei und über alles informiert. Ich war damals mit meinem zweiten Kind schwanger und teilte dies besagter Freundin mit. «Noch eins?» fragte sie mit süffisantem Grinsen. «Dann kommt als Nächstes bestimmt ein Auto, ein Haus und ein Hund.»
«Haha», dachte mein damaliges Ich, das Jahre damit zugebracht hatte, sich an seiner Unabhängigkeit und Einzigartigkeit und Freiheit von allen Konventionen zu berauschen. «Wir doch nicht», dachte es. «Dir werde ich zeigen, was eine moderne, urbane, ideologisch unabhängige Familie ist.»
Heute, fast sechs Jahre später, streitet die ideologisch unabhängige Familie am Küchentisch über Zimmeraufteilungen, Grünflächen und Haustiere. «Freiraum!» skandiert der Nachwuch kämpferisch. Und hört sich an, wie ein Echo der eigenen Jugend. Denn unsere Jugendstil-Stadtwohnung ist zwar gross und hell und hat geräumige Zimmer. Der Traum jedes urbanen, unabhängigen Individuums. Für eine vierköpfige Familie von Individualisten aber ist sie ungeeignet. Es gibt nicht genug Zimmer. Und keinen Garten. Die Tochter findet das jammerschade und gibt diesem Empfinden lautstark Ausdruck. Was nützt ein grosses, helles Zimmer, wenn man es sich mit einem lärmigen, kleinen Bruder teilen muss, die ja bekanntlich alle stinken? Der so verunglimpfte Bruder sieht das anders: Nicht er, sondern die Stadt stinkt. Er will aufs Land.
Nun ist es in einer Familie wie in der Politik: jeder verfolgt sein Einzelinteressen, man muss sich irgendwo finden, der Stärkere setzt sich durch. Und das sollten auch in einer modernen Familie immer noch die Eltern sein. Aber weil wir Eltern sind, fragen wir uns auch: Wie viel Platz braucht eigentlich ein Kind? Viel, klar, aber meine Frage bezieht sich nicht auf die Herzen oder den Geldbeutel, welche Kinder so nonchalant wie kompromisslos besetzen, sondern ganz konkret: Wie viel Quadratmeter brauchen wir? Müssen wir den Kindern ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen und wenn ja, ab welchem Alter?
Das ist ein Luxusproblem, zugegeben. Freiraum ist für Eltern ein begehrenswerter Luxus, weil er allen zugute kommt. Kinder gewinnen das Privileg, die Welt auf eigene Faust zu entdecken – die Eltern Ruhe. Die Frage ist, wie kann man sich diesen Luxus leisten? Und so hat die Tatsache, dass viele Familien dann doch aufs Land ziehen, letztlich nichts mit akuten Anfällen von Klischeehaftigkeit zu tun. Sondern ist auf banale, sprich monetäre Gründe zurückzuführen. Raum in der Stadt ist teurer als auf dem Land. Und neben Arbeit, Familie und ausgewählten Sozialkontakten, fehlt die Zeit für modernes, urbanes Herumhängen weitgehend. Zeit erfordert Organisation. Ob man nun auf dem Land oder in der Stadt wohnt.
Was meine Szenefreundin betrifft, so würde mein heutiges Ich ihr zurückgeben, dass Klischees mit dem Druck der Realität und der Zeit zu tun haben, die uns in gewisse Formen presst. Ein Kelch, der auch an ihr nicht vorübergegangen ist. Aber das lass ich sein. Ich habe schlicht keine Zeit mehr, mich mit ihr in der Stadt zu treffen.
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@lisi, hansli
schaut euch in diesen tagen und kommenden genau an, sofern zugang, wie sich die leute verhalten, welche alle lebensmittel aus dem mmm oder coop, aldi-lidl beziehen….in chile
meint nur nicht, die bauern seien nur melker der gesellschaft…..wir sind alle froh, wenn wir bauern haben, welche alle uns alle mit lebensmittel versorgen können und zwar mit unserer hilfe. die form kann man diskutieren aber nicht den grundsatz
@zysi
Das habe ich mit keinem Wort behauptet. Unsere Bauern sind auch Landschaftsgätner und vieles mehr. Ich habe grossen Respekt vor deren Arbeit. Keinen Respekt habe ich hingegen von der Doppelmoral einiger Bauern. Nicht alle Bauern machen solch krummen Dinger wie oben beschrieben. Mich stört und nerv es einfach wenn genau aus der Ecke wo immer so Wörter wie Sozialschmarozer etc. kommen, selber noch dreister vorgegangen wird. Nicht alle Bauern haben diese Subventionen verdient. Ich kenne mich da ein wenig aus, da sehr ländlich zu Hause und viele Bekannte mit Hof. Die finden solche krummen Dinger auch nicht toll. Noch ein Beispiel, sie wird schwanger und kriegt ab sofort eine Lohnerhöhung (Verdoppelung) und dann kassiert sie die Mutterschaftsversicherung. Es gibt da noch mehr Beispiele. Bauern die solches nicht tun, finden das übrigens auch nicht toll, da immer gleich in den selben Topf geworfen.
@lisi
sicher, wollte nur dämpfend hinweisen….übrigens, super liste (heute: junkie?) zur verinnerlichung der haltung von eltern als vorbild
@zysi Ich bin nicht bereit Teilzeitbauern zu einem 100%-Lohn durchzufüttern. Sicher an die 90% der Bauern sind überflüssig.Die Strukturen wurden nur minimal bis gar nicht dem Produktivitätsfortschritt angepasst. Und auch das CH-Schweine-, Rindfleisch ist indirekt aus Südamerika importiert, da die Futtermittel von dort kommen. Die heile, gesunde und naturschonende CH-Landwirtschaft ist für mich eine gut gemachte PR-Aktion. Regelmässig werden bei Kontrollen der Herbizid-, Fungizid- und Insektizidrückständen die Grenzwerte bei CH-Produkten massiv überschritten. Die EU-Produkte verstossen selten gegen die Grenzwerte! Mir ist absolut egal ob wir Bauern haben oder nicht. Eine landwirtschaftliche Zukunft ohne Subventionen ist möglich, das hat Neuseeland vorgemacht. Es wird dort nicht weniger produziert als vor den Reformen.
@zysi
Danke, ja bin erwischt, habe auch gleich pauschal geurteilt. Man ist immer Vorbild auch wenn man gerade keines ist. Gebs zu, erwischt…
@hansli
von wo und was essen sie? en guete!
@zysi Migros und Coop, wie alle Schweizer
Wer sich umweltbewusst Ernähren will muss nur noch Bio essen und vor allem viel weniger Fleisch (ist mir zu teuer).
Mich nervt an den Bauern primär deren politisches Gewicht. Die Landwirtschaft ist wichtig für die Landesversorgung (auch wenn sehr viel eingeführt werden muss, Dünger etc). Wenn man aber den Anteil am BIP und das politische Gewicht vergleicht wirds absurd.
Ich habe als Kind immer bedauert, dass wir aufs Land gezogen sind. Ich fands einfach viel zu langweilig und es war schwierig sich in die fixen Freundschaftsstrukturen hineinzuleben. Die Stadt kam mir viel ‘lässiger’ vor. Heute lebe ich wieder in der Stadt und zwar so ruhig und doch verkehrtechnisch gut gelegen, dass mir dies manchmal wie ‘de Foifer und s’Weggli’ vorkommt.
Ein Bekannter der in Barcelona aufwuchs und kürzlich zu Besuch war; fragte mich ob ich in einer teuer Wohngegend lebe weil alles so grün sei. Da fiel mir auf, dass es in der Stadt Zürich doch auch recht ländlich ist.
PS an Frau Biswanger: Falls Sie dennoch aus der Jugendstil-Wohnung ausziehen werden – ich habe immer Interesse an einem Tapetenwechsel. Kontaktieren Sie mich also wenn Sie einen Nachmieter benötigen
@hansli
bin eher ein m-kind
Bio hat nichts mit umwelt zu tun – unterhalten sie sich mit verschiedenen bauern dazu und ab und zu hat auch der kassensturz keine ideologischen scheuklappen und untersucht diese thematik…
grundsätzlich sind die lebensmittel am natürlichsten, wo sie wissen was zwischen planzen bis zum ernten lief…..einen vetrag mit einem bauern, den kennenlernen konnten und sich vergewissern, was wie und warum er bewirtschaftet, dann haben sie mehr gewissheit und “bio+umwelt+gesund+natur” zusammen….
@georg
es ist in der heutigen zeit effektiv so, wie sie das beschreiben – aber ich unterstütze lieber einen (redlichen, integeren) bauern wie therapien+krankenkassenprämien, von denen können sie nichts essen – zudem deute ich auf zeiten hin, wo wir eher ans essen denken und nahrung beschaffen wie an politische einflüsse und wirtschaftlichkeitsüberlegungen und wenn’s nicht so kommt, dann haben wir keinen unterlassungsproblem….
wir CH würden enorm hoch runterfallen ohne nahrunssicherheit, darum ist es mir wert dem prinzip “bauer” meine unterstüzung zu sichern
@zysi
Subventionen und politisches Gewicht müssten ja nicht dasselbe sein.
Ich fällt mir sehr schwer, die Idee der Selbstversorgung im Krisenfall zu glauben. Tierfutter und Dünger werden sowieso aus dem Ausland importiert und ein solcher Krisenfall käme nicht unangekündigt. Wir fahren ja auch die Armeebestände runter, wieso nicht auch die Subventionen? Viele Bauernhöfe produzieren übrigens eh nicht für den Markt sondern für die Subventionsgrundlage.
@georg
auch da (selbstversorgung) stimme ich zu – ich bin einfach der meinung, analog zur armee, wenn die strukturen nicht erhalten bleiben, dann ist fertig lustig => anhängigkeit / der preis der unabhängigkeit ist hoch, jawoll!
mir gehts wirklich nur ums “wie(viel)” für die bauern und nicht ums “ob überhaupt” – von mir aus können sie auch die produktion von hanf aufnehmen, legal, dann wäre vielen gedient (treibstoffpotential……….)
Die Schweiz ist selbstversorgend….. Ha!
wo steht das ?
@zysi: Sie schreiben etwas zu Landwirtschaft als Replik zu Georg und erwähnen Selbstversorgung , Erhaltung der Strukturen und als Analogie den Verein, den die Schweizer Armee nennen.
Tatsache ist, dass die Schweiz weder landwirtschaftlich noch betreffend Landesverteidigung selbstversorgend ist.
@lea
zwischen ist und sich fit halten für den fall sind bei mir nicht das gleiche
tatsache ist, dass in SF bi de Lüt viele vereine gezeigt werden, den den sie erwähnen ist mir neu, vielleicht können sie dort auch einen publikumswirksamen auftritt erhaschen, wer weiss….
SF bi de Lüt ??? Science Fiction bei den gewöhnlichen Leuten? Ein Retro-Future Schinken? Post-EU sozusagen?
hoffentlich für sie nicht post-EU, dann wäre ihr wunderland womöglich nur noch bei alice vorhanden
@zysi Bio ist sicher kein schlechtes Label für eine umweltschonende Landwirtschaft. Leider steckt auch da teilweise mehr Ideologie als effektiver Umweltschutz dahinter und die gesamte Menschheit könnten sich gar nicht biologisch ernähren.