Logo

Wie viel Platz braucht ein Kind?

Michèle Binswanger am Donnerstag den 4. März 2010
MAMABLOG-KID-CAGE-01-jpg

Möglicherweise eine nicht ganz artgerechte Haltung - Juxfoto von Kindern in einem Hundekäfig, publiziert im Internet.

Ich war noch jung und brauchte auch nicht besonders viel Geld, als ich dem Klischee erstmals ins Gesicht starrte. Es attackierte mich in Gestalt einer guten Freundin, kinderlos, überall dabei und über alles informiert. Ich war damals mit meinem zweiten Kind schwanger und teilte dies besagter Freundin mit. «Noch eins?» fragte sie mit süffisantem Grinsen. «Dann kommt als Nächstes bestimmt ein Auto, ein Haus und ein Hund.»

«Haha», dachte mein damaliges Ich, das Jahre damit zugebracht hatte, sich an seiner Unabhängigkeit und Einzigartigkeit und Freiheit von allen Konventionen zu berauschen. «Wir doch nicht», dachte es. «Dir werde ich zeigen, was eine moderne, urbane, ideologisch unabhängige Familie ist.»

Heute, fast sechs Jahre später, streitet die ideologisch unabhängige Familie am Küchentisch über Zimmeraufteilungen, Grünflächen und Haustiere. «Freiraum!» skandiert der Nachwuch kämpferisch. Und hört sich an, wie ein Echo der eigenen Jugend. Denn unsere Jugendstil-Stadtwohnung ist zwar gross und hell und hat geräumige Zimmer. Der Traum jedes urbanen, unabhängigen Individuums. Für eine vierköpfige Familie von Individualisten aber ist sie ungeeignet. Es gibt nicht genug Zimmer. Und keinen Garten. Die Tochter findet das jammerschade und gibt diesem Empfinden lautstark Ausdruck. Was nützt ein grosses, helles Zimmer, wenn man es sich mit einem lärmigen, kleinen Bruder teilen muss, die ja bekanntlich alle stinken? Der so verunglimpfte Bruder sieht das anders: Nicht er, sondern die Stadt stinkt. Er will aufs Land.

Nun ist es in einer Familie wie in der Politik: jeder verfolgt sein Einzelinteressen, man muss sich irgendwo finden, der Stärkere setzt sich durch. Und das sollten auch in einer modernen Familie immer noch die Eltern sein. Aber weil wir Eltern sind, fragen wir uns auch: Wie viel Platz braucht eigentlich ein Kind? Viel, klar, aber meine Frage bezieht sich nicht auf die Herzen oder den Geldbeutel, welche Kinder so nonchalant wie kompromisslos besetzen, sondern ganz konkret: Wie viel Quadratmeter brauchen wir? Müssen wir den Kindern ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen und wenn ja, ab welchem Alter?

Das ist ein Luxusproblem, zugegeben. Freiraum ist für Eltern ein begehrenswerter Luxus, weil er allen zugute kommt. Kinder gewinnen das Privileg, die Welt auf eigene Faust zu entdecken - die Eltern Ruhe. Die Frage ist, wie kann man sich diesen Luxus leisten? Und so hat die Tatsache, dass viele Familien dann doch aufs Land ziehen, letztlich nichts mit akuten Anfällen von Klischeehaftigkeit zu tun. Sondern ist auf banale, sprich monetäre Gründe zurückzuführen. Raum in der Stadt ist teurer als auf dem Land. Und neben Arbeit, Familie und ausgewählten Sozialkontakten, fehlt die Zeit für modernes, urbanes Herumhängen weitgehend. Zeit erfordert Organisation. Ob man nun auf dem Land oder in der Stadt wohnt.

Was meine Szenefreundin betrifft, so würde mein heutiges Ich ihr zurückgeben, dass Klischees mit dem Druck der Realität und der Zeit zu tun haben, die uns in gewisse Formen presst. Ein Kelch, der auch an ihr nicht vorübergegangen ist. Aber das lass ich sein. Ich habe schlicht keine Zeit mehr, mich mit ihr in der Stadt zu treffen.

Der Mamablog jetzt auf Facebook
Verfolgen Sie die Themen im Mamablog nun auch im grössten sozialen Netzwerk – und werden Sie ein Fan des beliebten Blogs.  Die Autorinnen Nicole Althaus und Michèle Binswanger veröffentlichen im Mamablog-Profil Links zu neuen Einträgen im Blog. So finden Sie den Mamablog: Tippen Sie im Suchfeld auf Facebook das Stichwort «Mamablog» ein und die Blog-Page erscheint. So werden Sie ein Fan des Mamablogs: Klicken Sie oberhalb der Seite auf «Fan werden».  Fortan werden Sie in Ihrem Facebook-Profil automatisch über alle neuen Einträge und Neuerungen im Blog informiert. Sie können die Links kommentieren und anderen Faceboook-Freunden verschicken. Viel Spass!

« Zur Übersicht

145 Kommentare zu „Wie viel Platz braucht ein Kind?“

  1. max sagt:

    @zysi
    @lea

    SELBSTVERSORGUNGSGRAD

    Die Schweizer Landwirtschaft versorgt heute ca. 59% der Bevölkerung von 7.5 Millionen Personen. Dabei ist für mich nicht klar, wie zwischen Primärproduktion (Futteranbau, pflanzliche Nahrungsmittel, Getreide, Gemüse) und Sekundärproduktion (tierische Produkte, Fleisch, Käse) unterschieden wird.

    ANBAUSCHLACHT

    Anfangs des zweiten Weltkrieges waren es 50% von 4 Millionen Einwohnern. Während des Krieges hat man das auf 70% steigern können. Dazu musste die Anbaufläche verdoppelt werden von 180’000 auf 350’000 ha. Ende des Krieges lebten hier noch einmal 300’000 Flüchtlinge und Internierte und die Bevölkerung war insgesamt auf ca.4.5 Millionen angewachsen.

    ZUSAMMENFASSUNG DER VERÄNDERUNGEN

    Heute können 4.3 Millionen Menschen ernährt werden. 1945 waren es 3.1Millionen
    Die Fruchtfolgeflächen nahmen um 2/3 ab, wegen Überbauung und weil die im Plan Wahlen neu gewonnen Flächen aufgegeben wurden.
    Diese Steigerung konnte nur mit Mechanisierung und mit Dünger und Pestiziden erreicht werden.

    POLITISCHE ABSICHTEN DES BUNDESRATES

    Der Bundesrat in seiner Erklärung 28.2.2007 befand, der Selbstvesorgungsgrad der Schweiz als entwickeltem Land könne problemlos noch weiter absinken. Wir seien schliesslich stinkereich und könnten locker vom Hocker jederzeit genug Nahrung auf dem Weltmarkt beschaffen.

    RICHTIGE MÄNNER

    machen sich Gedanken darüber, ob ihre Kinder genug zu essen haben werden. Die Milch kommt nicht aus dem Tetrapack.

  2. zysi sagt:

    @max

    darf ich mich nun zum ritterorden der richtigen männer zuzählen ? ;-)

    kürzlich hatten sie geschrieben, sie gingen ihre messer schleifen, korrekt?
    dies hat mich auch veranlasst, die kü-messer nachzuschleifen, schliesslich erwarten wir in den nächsten wochen eine lieferung vom hof…
    also werde ich meinen sohn mitnehmen, meinen vater+bruder kontaktieren um dann zu viert zum grossvater zu fahren (schlosser von beruf) um alle zusammen die messer zu schleifen, aus eigener hand – anschliessend werden wir ein bierchen stemmen und pluadern

    übrigens, die gedanken zu essen&nahrung für eine familie, haben mir u.a. auch die grossväter mitgegeben, welche beide noch den WW II erlebten…..

  3. Lea sagt:

    @zysi: geschliffene Säbel wetzen….. das passt gut in unseren postmodernen WW III.

  4. zysi sagt:

    @lea
    säbel habe ich keine / geschliffene klingen wetzte ich nicht mehr ab, da sonst unscharf / mit säbeln rasselt man

    den postmodernen WW II müssen sie mir erklären, bitte

  5. Lea sagt:

    @zysi: ich meinte WW III (drei) nicht WW II (zwei). Ich beziehe mich auf die zurzeit laufenden Kriege (gegen den Terrorismus ™ ), grenzüberschreitende Gewaltakte zwischen USA und MX und das sich anbahnende Geplänkel mit Iran). Das sind zwar andere Arten der Kriegführung als WW 2, vom Ausmaß und den geopolitischen Auswirkungen her aber vergleichbar. Postmodern, weil wir in einer Zeit nach der Moderne leben.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

Werbung

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Der richtige Flow

Man kann sich nicht konzentrieren und Lust hat man auch nicht. Was tun?

Vergleichsdienst

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Marktplatz

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Marktplatz

Werbung

Die neuen digitalen Abos

Unbeschränkten Zugriff auf den Tages-Anzeiger. Jetzt testen ab CHF 1.-.

Vergleichsdienst

Günstiger in die Ferien!

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.