Leben


Nicole Althaus am Mittwoch den 3. März 2010

«Der Feminismus vergiftet das Klima»

MAMABLOG-ROSENKRIEG-L-01

Szene aus dem Hollywoodfilm «Der Rosenkrieg»: Kathleen Turner und Michael Douglas zetteln aus Kränkungen einen Krieg an.

Der bekannte Bremer Soziologe  Gerhard Amendt sorgt regelmässig für Wirbel im  gängigen Geschlechter-Diskurs:  Er hat 2004 mit seiner grossen Scheidungsväterstudie die juristische Diskriminierung der Männer in der Familie zum Thema gemacht und letztes Jahr mit seiner Forderung, sämtliche Frauenhäuser zu schliessen, in Deutschland eine politische Debatte ausgelöst. Anlässlich seines Auftritts am  NZZ-Podium morgen Donnerstag, sprach der Mamablog mit Gerhard Amendt über Feminismus, Gender und das neue Arrangement der Geschlechter.

Gerhard Amendt, was ist das grösste Missverständnis zwischen Mann und Frau?

MAMABLOG-Gerhard-Amendt

«Als Erstes muss man die Gelder für Genderstudies streichen»: Gerhard Amendt.

Gerhard Amendt: Dass Männer meinen, sie müssten weiterhin die Frau versorgen. Und dass Frauen glauben, der Mann sei nur ein guter Vater, wenn er sich so verhält, wie sie sich als Mutter verhalten. An diesen Missverständnissen reibt sich vieles. Untersuchungen zeigen, dass Männer Frauen nicht diskriminieren wollen, sondern meinen, sie beschützen zu müssen. Wenn Frauen stets als Opfer beschrieben werden, setzt das paradoxerweise die tradierte Versorgermentalität von Neuem in Bewegung.

Ist an allem die Emanzipation schuld?

Man muss klar zwischen der Frauenbewegung und dem Feminismus unterscheiden. Die Frauenbewegung stand für die

Selbstermächtigung der Frau. Der Feminismus steht für das Gegenteil: Er macht alle Frauen zu Opfern und Männer kollektiv zu Henkern. Der Feminismus hat das Klima zwischen den Geschlechtern vergiftet. Diese Vergiftung können wir uns gesellschaftlich nicht mehr leisten. Wenn wir nur noch in Feindkategorien denken, wird der Wunsch nach Familie permanent desavouiert.

Wie kommt der Geschlechterdiskurs aus dieser Fixierung heraus?

Man muss aufhören in der biologischen Kategorie von Mann und Frau zu denken. Frau und Mann sind vielmehr soziale und psychologische Kategorien. Der Unterschied zwischen der Lebensrealität von Frauen und Männern in der Oberschicht und jenen in der Unterschicht sind heute viel grösser als der Unterschied zwischen der Lebensrealität der Geschlechter. Der Diskurs muss also die Probleme der Geschlechter schichtsspezifisch ins Auge fassen.

Was ist politisch zu tun?

Als Erstes muss man die Gelder für Genderstudies streichen. Diese Forschungsrichtung betreibt bloss Selbstbespiegelung, sie vermittelt keine Berufsqualifikation und trägt zur Problemlösung nichts bei. Die Geisteswissenschaften müssen vielmehr wieder zur Lösung von konkreten Problemen wie früher üblich zurückkehren. Zweitens sollen schrittweise sämtliche Frauenhäuser geschlossen und die Gelder in Zentren für Familien mit Gewaltproblemen investiert werden. Das habe ich den erfolgreichen Organisatoren des ersten Männerhauses der Schweiz als erstrebenswerte Perspektive vorgeschlagen. In Amerika setzen sich diese Familieninstitutionen durch, seit Untersuchungen bewiesen haben, dass Frauenhäuser den Frauen und Männern nicht helfen, im Gegenteil: Sie haben eine höhere Rückfälligkeit an Gewalthandlungen als andere neu entwickelte Institutionen mit neu konzipierten Hilfeverfahren.

Wie begegnen sich Frauen und Männer konstruktiv?

Beide müssen aus dem Zustand der Kränkung herauskommen. Und dann muss sich jedes Paar ganz konkret über Perspektiven unterhalten. Und zwar zu Beginn einer Beziehung. Darüber,ob man eine Familie gründen will und wie diese dann organisiert werden soll. Männer müssen sich fragen, ob sie es aushalten, wenn die Partnerin nicht nur ein bisschen zuverdient, sondern Karriere macht. Frauen müssen sich ehrlich hinterfragen, ob sie wirklich bereit sind, Verantwortung für das Einkommen zu übernehmen. Veränderungen können nur gemeinsam gemacht werden. Und Vereinbarungen nur individuell und abhängig von den konkreten Optionen des Paares getroffen werden. Das ist ein guter Anfang!

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561 Kommentare zu „«Der Feminismus vergiftet das Klima»“

  1. Marcel sagt:

    Ich weiss ehrlich gestanden auch nicht, was der Frauentag noch soll.

    Den Manchesterkapitalismus haben wir ja schon lange exporiert- auf das uns in unseren Warengestellen ein wahres Preiswunder geschehe!

    Ein Frauentag in China, a la bonheur- aber hier? Gut, für Pipipipipipipi vieleicht noch ein Sondertag, nur für sie ganz alleine…

    Remeber? The good ol’ times..?

  2. Regula Bühlmann sagt:

    Na ja, der Mann hat den Feminismus nicht verstanden: es geht nicht um Zuschreibungen von Rollen (weder der des Opfers noch der des Täters), sondern der Befreiung davon. Wenn er sich und alle Männer nun als vom Feminismus diskriminierte Opfer darstellt, tut er genau das, was er dem Feminismus vorwirft. Besonders wissenschaftlich ist dies nicht… Ausserdem denken die Gender Studies eben gerade nicht in biologistischen Kategorien (dies tut Amendt in seinem in der NZZ erschienen Text: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/der_flexible_mann_1.5163975.html#comment_article), sondern wollen diese mit dem Begriff Gender, der das sozial konstruierte Geschlecht bezeichnet, überwinden. Es sollte also durchaus in seinem Sinne sein, dass Gender Studies weiterfinanziert werden, um das Problem Biologismus konkret zu lösen. Aber lieber einmal mehr einen unreflektierten Rundumschlag als wahrer Dialog zwischen Männern, Frauen, Männerforschern und Feministinnen… Als vorbildliches Gegenbeispiel möchte ich den Männerforscher Michael Meuser erwähnen – wann bekommt er in der Schweiz eine Plattform?

  3. Lea sagt:

    Der Arendt…… überladet etwas Profanes wie Haushaltarbeit mit Ideologie.

    Zitat aus dem NZZ Artikel: “So hat der Genderfeminismus Frauen letztlich kollektiv zu Wesen ohne Willen und Durchsetzungskraft erniedrigt” stimmt ganz ganz sicher . Wir laufen alle wie geklonte gleichgeschaltete Lämmlein umher……

    Wenn ich nun einen Strap-on Dildo trage, bin ich dann schon in eine männliche Rolle geschlüpft?

  4. Auguste sagt:

    hmm…, wenn das ding 20 cm oder grösser ist – yes, mam.

  5. Lea sagt:

    tsss Auguste…… hättest wohl gerne :-)

  6. macho sagt:

    Der Feminismus hat es nicht verstanden, die Männer mit einzubeziehen. Das ist das Problem.

  7. Brunhild Steiner sagt:

    @macho: war also richtig gehofft, dass Sie der jugendliche Überschwang schon wieder reinspülen wird… :-) willkommen zurück, halten Sie durch und aus…

  8. Pippi Langstrumpf sagt:

    @macho, die Frauen mussten sich erst mal alleine auf den Weg machen, das war schwer genug, und hätten die Männer überhaupt mit einbezogen werden wollen?

  9. Pippi Langstrumpf sagt:

    @Regula Bühlmann

    Nicht alles, das dem Geschlecht eine gewisse Bedeutung beimisst, ist gleich Biologismus. Es gab in den letzten 40 Jahren beide Extreme, ich denke, wir machen einen kapitalen Fehler, wenn wir das Geschlecht als nicht relevant beiseite wischen, wir sind mehr von Hormonen gesteuert, als uns lieb sein kann. Aber ich bin mit Ihnen einig, dass in der Genderforschung noch sehr viel getan werden muss, um abschliessende Antworten zu erhalten. Wichtig ist, den Fokus offen zu halten, Ideologie darf kein Massstab sein. Ihre Einschätzung von Amendt teile ich, bin aber nicht überrascht, dass dieser Rundumschlag gegen den Feminismus ausgerechnet von ihm kommt – im Westen nichts Neues.

  10. Pippi Langstrumpf sagt:

    @Lea, der Amendt hat nichts mit der Hanna Arendt zu tun ;)

  11. Lea sagt:

    das verstehe ich nicht.
    zu Steuerung; Alles ist DNA. selbst der freie Wille.

  12. max sagt:

    @Lea

    Hätten Sie gesagt, alles kommt von Gott, selbst die DNA, so wäre Ihre Aussage wenigstens von einer gewissen tautologischen Stringenz.

    Bevor Sie aber nächstes mal einen solchen Stuss verzapfen fangen Sie doch einfach in der wikipedia an bei:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Genexpression
    besser auf Englisch weil ausführlicher
    http://en.wikipedia.org/wiki/Gene_expression

    Dann vielleicht weiter bei:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Enzym
    da ist der deutsche Artikel genug ausführlich.

    Wenn Sie soweit sind, dann weisen Sie mich auf die website, wo ein Zusammenhang zwischen Enzymen und Bewusstsein erklärt wird. Falls Sie so etwas finden, dann wären wir genügend vorbereitet für eine tiefgründige philosophische Diskussion über den Zusammenhang zwischen menschlichem Bewusstsein und freiem Willen.

    Bis dahin lesen Sie dann doch lieber noch ein wenig die Bibel.

  13. max sagt:

    Das war zu Lea sagt: 12. März 2010 um 18:47 zu Steuerung; Alles ist DNA. selbst der freie Wille.

  14. Lea sagt:

    @max: Was war zu meinem post? fehlt da was?

  15. max sagt:

    @Lea … wartet auf Freischaltung,

    aber bitte nicht ausflippen über meine Besserwisserei. Das ganze hat einen ernsten naturwissenschaftlichen Hintergrund.

  16. Lea sagt:

    @max: Ist schon gut. Mein Beitrag mit dem Strap on ist eh trollig…. immer dieses klischierte Rollendenken. Ausser eben Rollen spielen mit diversen Gerätschaften, dann macht es wieder Spaß….

    Wegen Freischalten: es scheint so zu sein, dass ein Beitrag selbst bei Regulären auf die Warteschlaufe kommt, sobald ein link darin ist. Setzt du den link in Anführungszeichen, wird der zu normalemTtext und der Beitrag flutscht schön durch.

    DNA = Bauplan. Somit auch zu allen Enzymen, Signalstoffen und was sonst noch unsere Neuroinformatik ausmacht.

    Dass wir zur zeit kein wissen über Zusammenhänge zwischen diesen Elementen und etwas so komplexem und formal (e.g. Algorithmen) nicht darstellbarem wie Bewusstsein haben, ist auch klar.

    ich wollte nur darauf hinweisen, dass freier Wille vielleicht mehr Hype als Tatsache ist.

    weshalb: hätten wir wirklich freien willen und könnten wir unser Leben entsprechend gestalten, müssten doch alle in einem quasi glücklichen erfüllten Leben sein. Dem ist aber meist nicht so.

  17. Lea sagt:

    @max: “Bis dahin lesen Sie dann doch lieber noch ein wenig die Bibel.” ist ad hominem. don’t like it.

  18. Saul Alinsky sagt:

    Ich bin für eine neue Hexenverbrennung, hab aber Bedenken wegen des Co2 ausstosses.

  19. Wirt sagt:

    Thomas Gesterkamp soll zu seinen ungeheuerlichen Rechtsextremismus-Vorwürfen gegenüber Männerrechtlern Stellung beziehen: http://www.freiewelt.net/nachricht-3701/freiewelt-debatte%3A-stehen-sie-ihren-mann%2C-herr-dr.-gesterkamp!.html

  20. Silvia sagt:

    Hallo,
    ich kann kaum glauben, welch Urteil sich Menschen anmaßen über Dinge von denen sie gar nicht genau wissen was sie bedeuten.
    Erstens: Gelder für Gender Studies streichen. Absurdes Argument, da alles was das Wissen im Geschlechterdiskurs größtenteils auf feministischen Anstrengungen heraus entwicklet wurde und auch heute immer noch kritisch hinterfragt, bzw. teilweise widerlegt wird. Und auch gleichstellungsorientierten Ansätze, wie zum Beispiel das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, erst 2006! in Kraft getreten) und auch Implementierungen zu gerechter Bezahlung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie etc., Frauenförderung etc, all diese Dinge kommen nicht nur aus der sog. Frauenbewegung, sondern sind Teil wissenschaftlicher Forschung und politischen Auseinandersetzung.

    Zweitens: Was soll GENDERFEMINISMUS denn bitte bedeuten? Es macht keinen Sinn und spricht m.E nach für eine Missachtung und Trivialisierung dessen, worum es eben auch in wissenschaftli, wie auch alltäglichen Auseinandersetzungen geht.
    Feminismus ist nicht ohne Grund noch vorhanden und die Konzept GENDER noch lange nicht bei allen, die meinen mit diesem Begriff umzugehen.
    Gender meint nicht Frauen, und das Wissen um die soziale Konstruktion von Geschlecht führt u.a. zur Auflösung der Kategorie “Geschlecht” oder “Frau”, “Mann”. Das bedeutet nicht, dass es keine Geschlechter mehr geben soll, da alles konstruiert ist…sondern um ein Umdenken von Kategorisierungen, Geschlechtsstereotypen und jeweiliger Diskriminierung von Frauen, Männern und anderer Gender (wovon es eben nicht nur zwei geben kann, da wir uns ja nicht um biologische Ausstattungen streiten, selbt in Hinblick auf biologische/genetisches Geschlecht gibt es Uneindeutigkeiten und Widersprüche, somit gerät auch diese, als so solide Kategorie ins Wanken.)

    Gerhard Amendt spricht aus hegemonial (vorherrschenden) männlich- weißen Position, d.h. ich lese in seinen Aussagen einen großen Anteil paternalisitscher “Fürsorge”, die Männer hätten sich doch bitte zu kümmern, um dies und das abzulegen, um eine Annäherung möglich zu machen. Ach ja ist das so?! Haben wir es da nicht wieder mit ganz vielen Verallgemeinerungen und Vorstellungen von (heterosexueller) Zweigeschlechtlichkeit zu tun? Und dann noch das Argument, Männer wollen Frauen nicht dirkriminieren, sondern beschützen… WOVOR denn eigentlich?? ich bitte euch!

    Frauen müssen sihc kritisch hinterfragen, ob sie ein Einkommen und Kinder wollen etc.?? Wow, echt da wird ja viel zugemutet von so einer FRAU.
    Liebe Leute, stellt bitte, bitte diesen Artikel in Frage.
    Das was der Mensch da sagt ist ziemlich grenzwertig und vollgeladen mit Pauschalisierungen und dem Spiel mit Kategorien, ohne sich selbst auch nur einen Moment zu hinterfragen.Iich glaube nicht, dass ein Mann hier über spezifische politische Agendas von Frauen (auf diese Weise) sprechen sollte.

    Seine Annahmen spiegeln eigentlich das wider, was eine wirklich konstruktive Annäherung der Geschlechter schon lange hinter sich gelassen hat. ich sehe es deshalb als unreflektierte, aber für mich nicht wirklich überraschende (unwissenschaftliche ) Meinungsäußerung.
    Und das war meine!

    Viele Grüße Silvia
    Wer mir schreiben möchte, kann dies gerne tun…
    halsil@web.de

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