Leben


Nicole Althaus am Mittwoch den 3. März 2010

«Der Feminismus vergiftet das Klima»

MAMABLOG-ROSENKRIEG-L-01

Szene aus dem Hollywoodfilm «Der Rosenkrieg»: Kathleen Turner und Michael Douglas zetteln aus Kränkungen einen Krieg an.

Der bekannte Bremer Soziologe  Gerhard Amendt sorgt regelmässig für Wirbel im  gängigen Geschlechter-Diskurs:  Er hat 2004 mit seiner grossen Scheidungsväterstudie die juristische Diskriminierung der Männer in der Familie zum Thema gemacht und letztes Jahr mit seiner Forderung, sämtliche Frauenhäuser zu schliessen, in Deutschland eine politische Debatte ausgelöst. Anlässlich seines Auftritts am  NZZ-Podium morgen Donnerstag, sprach der Mamablog mit Gerhard Amendt über Feminismus, Gender und das neue Arrangement der Geschlechter.

Gerhard Amendt, was ist das grösste Missverständnis zwischen Mann und Frau?

MAMABLOG-Gerhard-Amendt

«Als Erstes muss man die Gelder für Genderstudies streichen»: Gerhard Amendt.

Gerhard Amendt: Dass Männer meinen, sie müssten weiterhin die Frau versorgen. Und dass Frauen glauben, der Mann sei nur ein guter Vater, wenn er sich so verhält, wie sie sich als Mutter verhalten. An diesen Missverständnissen reibt sich vieles. Untersuchungen zeigen, dass Männer Frauen nicht diskriminieren wollen, sondern meinen, sie beschützen zu müssen. Wenn Frauen stets als Opfer beschrieben werden, setzt das paradoxerweise die tradierte Versorgermentalität von Neuem in Bewegung.

Ist an allem die Emanzipation schuld?

Man muss klar zwischen der Frauenbewegung und dem Feminismus unterscheiden. Die Frauenbewegung stand für die

Selbstermächtigung der Frau. Der Feminismus steht für das Gegenteil: Er macht alle Frauen zu Opfern und Männer kollektiv zu Henkern. Der Feminismus hat das Klima zwischen den Geschlechtern vergiftet. Diese Vergiftung können wir uns gesellschaftlich nicht mehr leisten. Wenn wir nur noch in Feindkategorien denken, wird der Wunsch nach Familie permanent desavouiert.

Wie kommt der Geschlechterdiskurs aus dieser Fixierung heraus?

Man muss aufhören in der biologischen Kategorie von Mann und Frau zu denken. Frau und Mann sind vielmehr soziale und psychologische Kategorien. Der Unterschied zwischen der Lebensrealität von Frauen und Männern in der Oberschicht und jenen in der Unterschicht sind heute viel grösser als der Unterschied zwischen der Lebensrealität der Geschlechter. Der Diskurs muss also die Probleme der Geschlechter schichtsspezifisch ins Auge fassen.

Was ist politisch zu tun?

Als Erstes muss man die Gelder für Genderstudies streichen. Diese Forschungsrichtung betreibt bloss Selbstbespiegelung, sie vermittelt keine Berufsqualifikation und trägt zur Problemlösung nichts bei. Die Geisteswissenschaften müssen vielmehr wieder zur Lösung von konkreten Problemen wie früher üblich zurückkehren. Zweitens sollen schrittweise sämtliche Frauenhäuser geschlossen und die Gelder in Zentren für Familien mit Gewaltproblemen investiert werden. Das habe ich den erfolgreichen Organisatoren des ersten Männerhauses der Schweiz als erstrebenswerte Perspektive vorgeschlagen. In Amerika setzen sich diese Familieninstitutionen durch, seit Untersuchungen bewiesen haben, dass Frauenhäuser den Frauen und Männern nicht helfen, im Gegenteil: Sie haben eine höhere Rückfälligkeit an Gewalthandlungen als andere neu entwickelte Institutionen mit neu konzipierten Hilfeverfahren.

Wie begegnen sich Frauen und Männer konstruktiv?

Beide müssen aus dem Zustand der Kränkung herauskommen. Und dann muss sich jedes Paar ganz konkret über Perspektiven unterhalten. Und zwar zu Beginn einer Beziehung. Darüber,ob man eine Familie gründen will und wie diese dann organisiert werden soll. Männer müssen sich fragen, ob sie es aushalten, wenn die Partnerin nicht nur ein bisschen zuverdient, sondern Karriere macht. Frauen müssen sich ehrlich hinterfragen, ob sie wirklich bereit sind, Verantwortung für das Einkommen zu übernehmen. Veränderungen können nur gemeinsam gemacht werden. Und Vereinbarungen nur individuell und abhängig von den konkreten Optionen des Paares getroffen werden. Das ist ein guter Anfang!

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561 Kommentare zu „«Der Feminismus vergiftet das Klima»“

  1. Henri sagt:

    @Monato Roddenberry 5. März 2010 um 12:44
    Ihre Argumentation ist sehr politisch und darum sehr wirr – Sie haben offensichtlich auch keinen Einblick in Betriebe mit einen höheren Anteil an Teilzeitarbeitern und den entsprechenden Problemen mit Koordination und Overhead, und auch einfache Rechnungen scheinen Ihnen fremd zu sein.
    Mathematik lässt sich jedoch nicht politisieren – in diesem Sinne empfehle ich Ihnen einen WK im Rechnen – Dreisatz würde genügen fürs erste.

  2. Henri sagt:

    Roland Strasser 5. März 2010 um 08:55
    >>>>
    @Henri: “Wenn eine Frau Teilzeit 40% arbeitet (keine Seltenheit) ist sie bei einer 40-Std-Woche gerade mal 16 Std. anwesend – der administrative und koordinative Aufwand aber bleibt gleich hoch!”

    Ds finde ich keine schlechte Erklärung. Dazu kommen die Kaffeepausen (wo frau viel zu erzählen hat, wenn frau sich ja so selten sieht) und das In-die-Gänge-Kommen, Workload ermessen, Prioritätenlsten erstellen, Mails sortieren. Wieviel effektive – und effiziente – Arbeitszeit bleibt wohl bei 40 Stellenprozenten übrig?
    Es steht in den Sternen, wird aber entsprechend eine Rolle spielen müssen, bei der bemessung des Gehaltes.

    Linke Lügen enttarnt!
    >>>>
    Zur eigenen Klarstellung 1 – wenn Männer in Teilzeit arbeiten, wird das Verhältnis zwischen Nutz-Zeit und Overhead auch nicht besser. Nur arbeiten Männer seltener Teilzeit (ausser vielleicht im Sozial-Bereich…).
    Zur Ihrer Klarstellung 2 – Kaffeepausen sind für Männer und Frauen gleich lang.

  3. Brunhild Steiner sagt:

    @Marcel: 21:06h, hab Dich hierdrin auch ziemlich vermisst…, aber geändert hätte wohl gar nichts deswegen…;-)
    angesichts der verhärteten Front die sich da teilweise ausmachen lässt,
    ist die Hoffnung nicht mehr ganz so stark…, tja, einzig die Gewissheit dass es noch unzählige Gelegenheiten für weitere Debatten geben wird bleibt bestehen…

  4. Auguste sagt:

    hmm…, guten abend henri

    ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob sie wirklich wissen möchten, ob ich meinen post lustig fand, aber da sie sich dann und wann an mich wenden (kritisch, aber immer höflich) antworte ich im zweifelsfalle jetzt einfach mal: ich hatte schon bessere, aber eigentlich fand ich diese kleine satire-fingerübung ziemlich ok..

    was ihren eindruck angeht, dass ich menschen, die politisch eher rechts von mir anzusiedeln sind, nicht gerne habe, muss ich entgegnen: das trifft so nicht zu. mit rechts und links kann ich gut leben und im allgemeinen mag ich menschen sehr. mit braunem und mit leuten, die andere vorsätzlich verletzen, fackle ich allerdings nicht lange und zögere keinen augenblick ihnen mit einem unfreundlichen “wohl bekomm’s” die gleiche bittere medizin, wenn möglich in stärkerer dosis, zu verabreichen. und siehe da, das resultat ist immer das gleiche. es schmeckt denen überhaupt nicht. die schlaueren gehen nach einem solchen denkanstoss in der regel über die bücher. die nicht so schlauen haben oft eine gummipuppe.

    dass das svp-umfeld meine bevorzugte politische zielscheibe ist, hat es sich selbst zuzuschreiben. ich finde es einfach nicht anständig, auf nette, weichsinnige und andere vom leben etwas herausgeforderte los zu gehen. wie sähe das auch aus?

    anzumerken bleibt, dass ihre kritischen betrachtungen von mir auch als denkanstoss angesehen werden. ich habe keine gummipuppe, aber es gibt tage, da weigere ich mich unterhosen anzuziehen.

  5. heidi reiff sagt:

    Als junge Frau hab ich în einer Gruppe mitgemacht “Ofra” – Organisation für die Sache der Frau – bewegen konnten wir vermutlich nichts. Persönlich hatte ich beruflich viel Kontakt mit Männern, ich war Alleinsekretärin meist in Kleinfirmen, es herrschte zu dieser
    Zeit keine Finanzkrise, freiwillig habe ich jedes Jahr die Stelle gewechselt, jedes Mal in eine andere Branche, war echt spannend. Ich habe viele Kurse besucht in div. Richtungen auch Makramee (heisst knüpfen), bin echt noch stolz auf die Eule die an meiner Schlafzimmertüre hängt – Eule Symbol der Weisheit – hab immer wieder etwas dazugelernt. Ich bin eine Sportsbanausin, meine Energien sind durch meine Schufterei einfach ziemlich verbraucht, die Leistungsbestie konnte ich endlich auf dem Mond entsorgen. Normal ist doch, dass junge Menschen Spass haben wollen, ist etwas übertrieben, das Vorbild ist Hollywood oder Ballywood, hab mir
    diese Hollywoodfilme als jung im Kino reingezogen oder an der Glotze. Ich bin eine AHV-Teenagerin und eine Oma von 2 selbstbewussten Grosskindern, wau … miau. Von Politik verstehe ich nicht sehr viel. Hier im Blog kann ich ev. noch was lernen, man kann nie wissen – und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt -

    Meine Haltung ist nach wie vor zum Thema Gleichberechtigung “Gleiche Rechte für Mann und Frau” “Friede, Freude, Eierkuchen nur um gesellschaftlich landen zu können, da bin ich recht skeptisch” Ich war auch einmal verheiratet, möchte das hier nicht ausbreiten. Auch Menschen, die keine Familie haben wollen und keine Nachkommen haben eine Daseinsberechtiung, Vergleiche mit andern Ländern sind fatal. Ich fühle mich wohl in der Schweiz, auswandern nein Danke, da hätte auch kein Multi gleich aus welchem eine Chance, ich bin keine Männerhasserin, ich mag keifende Weiber nicht, hat sicher nichts zu tun mit Feminismus, viele Männer können kochen, waschen etc. die Frau muss ja nicht immer hintendranstehen und kontrollieren. Anderen Menschen was zutrauen ist auch ein Weg oder nicht ? Die Zeit läuft nach wie vor für alle Menschen gleich ab, wir werden jeden Tag ein Tag älter, ich meine das nicht zynisch, Mensch, der persönliche Verluste erlebt hat, geht individuell damit um. Hilfsangebote gibts genug in der Schweiz. Ueberheblichkeit ist ein rotes Tuch für mich. Ich habe da schon einige Brücken abgebrochen, mal einfach die Stirn bieten, ist ja auch möglich ohne dem Gegenüber eins reinzuwürgen

  6. Hotel Papa sagt:

    @Auguste: “nd zögere keinen augenblick ihnen mit einem unfreundlichen “wohl bekomm’s” die gleiche bittere medizin, wenn möglich in stärkerer dosis, zu verabreichen.”

    *beep*

  7. *sigh* sagt:

    unglaublich, aber ich habe es mir tatsächlich angetan und alle kommentare, egal wie unsinnig, ideologiegeschwängert oder wiederholend sie auch sein mochten, gelesen. dabei habe ich wieder mal gesehen wie wenig hier miteinander gesprochen wird und wie oft einfach der eigene standpunkt mal wieder mal wieder mal wieder vertreten wird.

    my 5 cents…:

    @Frauen:
    selbstbestimmtes “emanzipiertes” leben ist keinen deut einfacher als jenes in der sklaverei. im gegenteil, es tun sich noch einige fronten mehr auf. jede freiheit hat halt auch ihren preis. also bitte nicht enttäuscht sein wenn der obama-yes-we-can-effekt irgendwann in der realität ankommt und ihr feststellt dass man immer für seine rechte eintreten muss – egal ob diese nun gesetzlich verankert sind oder nicht. das wissen männer schon lange, zumal auch der beste arbeitskollege spätestens beim thema salär ein “erbitterter gegner” wird (kein grund übrigens deswegen die kollegschaft zu künden).
    vielleicht gehen wir männer mit diesem permanenten-competition-ding einfach etwas gemässigter um weil es für uns nur normal ist und keifen deswegen nicht wegen jeder “ungerechtigkeit” rum – glaubt mir, die gibts auch unter männern zu genüge..
    nur mal so zum nachdenken! ach ja, und sucht euch nen mann der den konkurrenzkampf mit der eigenen partnerin nicht persönlich nimmt!

    @Männer:
    es ist ja schön wenn wir den frauen zugestehen, die gleichen rechte zu beanspruchen. bloss ist es eher kontraproduktiv dann jedes mal noch den gleiche-pflichten-paragraphen nachzureichen. unterstützt die mädels lieber und die vernünftigen unter ihnen sind sehr schnell zu fairen vergleichen bereit. sie müssen sich halt erst ans leben mit den harten bandagen (ICH SPRECHE HIER VON UMGANGSFORMEN) gewöhnen. evtl. könnten wir ihnen beim thema nicht-persönlich-zu-nehmender-konkurrenzkampf auch etwas hilfestellung geben – sofern denn überhaupt dazu in der lage! *mit-dem-zaunpfahl-wink*

  8. Mnemonic sagt:

    @ dünnhäutiges Strasserli: der Begriff “Störung” den Sie verwenden passt irgendwie perfekt zu ihrem bisherigen Geschreibsel in diesem Blog, beantwortet aber meine Frage an Sie nicht..

  9. max sagt:

    *sigh* sagt 6. März 2010 um 03:12
    ” unterstützt die mädels lieber und die vernünftigen unter ihnen sind sehr schnell zu fairen vergleichen bereit.”

    Einen fairen ***Vergleich*** sucht man für eine Scheidungskonvention. Von einer Ehe erwarte ich mehr, auf von einem Chef oder von einer Angestellten.

    Am gleichen Strick ziehen, heisst daran reissen mit aller Kraft und dabei höchstens im Auge halten, dass der Strick nicht reisst. Aber ein “fairer Vergleich”? Gääähnnn.

  10. Roland Strasser sagt:

    @August: wieso auch Unterhosen anziehen, wenn da kaum etwas ist, was sie ausfüllte…?

  11. Roland Strasser sagt:

    @Mnemonic: easy, ich habe ihre Frage nicht verstanden. Formulieren sie sie neu.

  12. harald sagt:

    der typ versteht doch nix von der realität. die frauen die ich kenne sind alle sehr wohl in der lage ihr einkommen selbst zu bestellen. es sind die männer die sich aus der verantwortung für die beziehung stehlen. so ist es in meinem proletarier umfeld. feminismus -> *lachanfall*
    emanzipation des mannes ist heute gefragt. die idioten sauffen sich mit alk ihre perspektive, die nur wenig vorhanden ist, woche für woche ins nirvana. eigentlich ähnlich wie in afrika. die frauen arbeiten, bestellen das soziale leben, die männer versauffen den rest des spährlichen geldes.

    jm2c

  13. Henri sagt:

    @Auguste 5. März 2010 um 23:52
    Manchmal wird man einfach überrascht – beispielsweise durch die direkte und offene Anrede eines Protagonisten in einem Blog, welche man so nicht erwartet hätte.

  14. Marcel sagt:

    @Brunhilde Steiner & andere: Was Diskussionen hier und auch andernorten über den Feminismus ganz speziell auszeichnet:

    a) Sie drehen sich immer im Kreise, weil
    b) die meisten Kommentatoren aufgrund unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten nur aus ihrer Wirklichkeit berichten und darum
    c) kaum eine Ahnung davon haben, wie andere Menschen leben könnten.

    Man könnte doch wenigstens mittels Fachliteratur oder Studien, Statsitiken und Umfragen etc. versuchen, sich ein Gesamtbild zu verschaffen, oder nicht? Denkt jeder an sich, ist am Schluss an alle gedacht- ist das wirklich alles?! Einfach ein paar polemische Artikelchen lesen und das eine oder andere “Sach”buch (z. B. «Überlisten Sie Ihr Beuteschema: Warum immer mehr Frauen keinen Partner finden – und was sie dagegen tun können» u. ä.) reicht einfach bei Weitem nicht aus, um die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen auch nur ansatzweise verstehen zu können!

    Wie gross ist denn der “Fortschritt” beim Rollenwechsel der Geschlechter wirklich? Jetzt habe ich sogar eine neue, noch rezitierfähigere Bezeichnung dafür gefunden, was aus uns Männern in den letzten Jahren geworden ist: “Alleinverdiener plus”.

    Das hat seine Gründe- Gründe übrigens, die ich allesamt zu kennen glaube. Allesamt, ganz bescheiden wie ich bin.

    Solche Diskussionen wie hier sind doch mehr oder weniger Fahrten im Nebelmeer der Ungewissheiten- getrieben von der Unkenntnis- oder der mangelnden Sachkenntnis- der Teilnehmenden. Kurzum: Polemiken ohne nennenswertes Fundament.

  15. max sagt:

    @Marcel

    Das Problem ist, dass diese Studien wissenschaftlich wertlos und deren Finanzierung dubios ist.

    Rückgekoppelte Systeme haben immer ihre Kontrollgrössen, Mess- und Steuerelemente, die mit zeitlichen Verzögerung und rückbezüglich reagieren. Weiters sind die Strukturen hierarchisch geordnet und halten unterschiedliche Prozesse in Grenzen. Zudem sind viele Prozesse nicht reversible.

    Die meisten Sozialwissenschafter scheinen überhaupt nicht ausgebildet, um in solchen rückbezüglichen, zeitlich variablen Systemen zu denken. Mit einfachen logischen Schlüssen bleibt man in recht primitiven Strukturen haften.

    Wenn die Fragestellungen an ein komplexes System genügend einfältig gestaltet werden, dann kann man so gut wie alles in einer Studie beweisen. Jeder kann am Schluss das behaupten und “beweisen” was er gerne gesehen und bewiesen haben möchte.

    In den Forschungsarbeiten aus amerikanischen Colleges und Universitäten bekommen wir dieses “quick and dirty” Prinzip regelmässig vorgeführt. Diese Leute meinen immer, ihre Studie sei besonders gehaltvoll wenn sie am Schluss noch einen gepanschten Verschnitt von Darwin als “Hintergrundwissen” zur Interpretation ihrer “Statistiken” anführen.

    Besonders dubios sind auch die Studien von SP-geführten Büros, die regelmässig von SP-geführten Regierungsdepartementen Aufträge erhalten (Infras als Beispiel). Solche Büros behaupten hinterher einfach, was die SP gerne behauptet bekommen will.

    Aus diesen Gründen bleibt dem informierten Publikum nichts anderes, ausser aus der eigenen Anschauung und dem eigenen etwas eingeschränkten Horizont heraus zu argumentieren.

  16. Marcel sagt:

    @Max: “Aus diesen Gründen bleibt dem informierten Publikum nichts anderes, ausser aus der eigenen Anschauung und dem eigenen etwas eingeschränkten Horizont heraus zu argumentieren.”

    So sieht für mich das Beliebigkeitsprinzip aus: Jedermann & frau argumentiert aus dem Bauch heraus, “ich denke”, “ich glaube”, “ich habe mal gehört dass” etc. etc.

    Einzelne Statistiken und Studien ergeben tatsächlich nicht viel Sinn, wie folgendes Beispiel zeigt:

    http://www.freitag.de/wochenthema/1008-frauen-frauenarbeit-alphamaedchen-arbeitslosigkeit

    Hier wird doch tatsächlich eine einzige Studie zum Referenzwert genommen- genau genommen eine Unverschämtheit! Insofern muss ich Dir recht geben, wenn Du sagst, dass aus einer Studie theoretisch jede beliebige Aussage herausdestilliert werden kann. Auch recht geben kann ich Dir, wenn Du sagst, dass es “Forschungsinstitute” gibt, die “Studien” herausgeben, bei denen immer schon im Vornherein klar ist, zu welchem Ergebnis sie führen. Doch auch interessensgeleitete Studien verlieren ihre Wirkung- und auch ihre Glaubwürdigkeit, sobald sie anderen Studien aus demselben Gebiet gegenübergestellt werden: Lügen haben dann plötzlich sehr kurze Beine! Das lässt sich nicht nur über SP-Interessensgeleitete Studien sagen, sondern genaus so gut über “Studien” aus dem Dunstkreis von SVP und WIrtschaft. Avenir Suiss hat bezüglich der Lohnentwicklung in diesem Land ganz speziell kreative Rechner beschäftigt, die auf prozentuale Lohnsteigerungen pro Jahr und Arbeitnehmer kommen, die um mehrere hundert Prozent vom bisherigen Erkenntnisstand abweichen.

    Doch um zurück zu dem von Dir vorgeschlagenen Weg der (Er)kenntnis zu kommen: Sobald ich mich selbst (und denjenigen meines Umfeldes) zum allgemeingültigen Referenzwert nehme, verliere ich jede Objektivität. Das ist meiner Ansicht nach Relativismus in seiner allerwüstesten Form. Da sind mir vergleichende Studien und Statistiken- als Orientierungspunkt, wohlverstanden- erheblich lieber!

  17. Marcel sagt:

    Abgesehen davon halte ich das Bundesamt für Statistik (BfS) nicht unbedingt für eine Institution, dessen Finanzierung auf einem zweifelhaten Fundament ruht…

    ;-)

  18. max sagt:

    @Marcel

    Ich frage ein bis zwei mal pro Jahr beim Bundesamt für Statistik nach detaillierten Auskünften. Die Antworten erhalte ich jeweilen innerhalb von zwei bis drei Werktagen als Excel Tabellen. Dieser Dienst ist wirklich umwerfend.

    Allerdings haben die Frauen beim BfS unglaubliche Vorurteile soald es um politisch brisante Themen geht. Dort wird regelmässig in die Zahlen hineininterpretiert. Letztens zum Beispiel bei der Frage, ob Frauen wirklich weniger verdienen als Männer in der Schweiz.

  19. max sagt:

    @ Marcel

    Was das aus dem Bauch heraus argumentieren angeht:

    Wichtig für eine direkte Demokratie sind übersichtliche Strukturen, wo wann immer möglich direkt aus der Anschauung heraus der Sachverhalt beurteilt werden kann.

    Ein Beispiel wäre das heutige Abstimmungsergebnis wegen des Umwandlungssatzes. Vom sachlichen her ist kaum ein Gesprächspartner von mir fähig, die Zusammenhänge zu erklären. Die Leute kennen die einfachsten Unterschiede nicht. Kaum einer kann etwas anfangen mit dem Unterschied zwischen Vorsorgeverfahren (bei Pensionskasse) und Umlageverfahren (bei AHV). Diese Leute können nicht durchdenken, welche Konsequenzen ihr Entscheid hat.

    Also entschieden sie aus ihrer eigenen Anschauung heraus, aus der Erfahrung in ihrem Umfeld, aus dem Bauch.

    Ich selber habe für die Senkung des Umwandlungssatzes gestimmt. Allerdings haben sich gerade die finanziellen Entscheidungen des Stimmvolkes in vergangenen Jahren immer wieder bewährt. In diesem Bereicht funktioniert das Entscheiden aus dem Bauch heraus sehr gut. Darum sehe ich nicht wirklich schwarz für die Zukunft.

    Viel trüber sieht es aus bei Umweltfragen oder bei Fragen wie dem Erziehungswesen. Diese Angelegenheiten sind viel anfälliger auf Modeströmungen und ideologisierende Besserwisserei.

  20. max sagt:

    ALICE SCHWARZER zum Thema

    Reuters Meldung vom 8. März, zu lesen zum Beispiel auf sf.tv

    “Schwarzer will Frauentag abschaffen
    Montag, 8. März 2010, 22:39 Uhr
    Ausgerechnet die Ikone des deutschen Feminismus, Alice Schwarzer, will den Frauentag am liebsten abschaffen.

    Der Frauentag am 8. März sei «der reinste Hohn», schreibt Schwarzer in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Rundschau». Er sei eine «sozialistische Erfindung», die auf einen Streik von Textilarbeiterinnen zurückgehe – die Frauenbewegung sei aber Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die machohafte Linke entstanden.”

    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/03/08/International/Schwarzer-will-Frauentag-abschaffen

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